Nr. 280 Erstes Blatt M. Jahrgang tn Sirtzener Anzeiger eridtcmt täglich, anher Sonntag?. - Beilagen: viermal wöckicmlich »ietzener^omiliendlätier; zweimal ivüchenll.llreir- Watt für b«nKreis(Sieben (Dienstag und Freiing): jiveiinal inanall tanö- «irtschostliche öcirsragln Ferniorech - Anichlüsse: iärdieSchriitleiNingllL Verlag,Geschäüsftilleöl Adresse ilir Drahtnachrichten: Anzeiger Kittzen, Amiahme von Anzeigen für tu - Tagesnummer bis vormittags 9 Uhr. 8am§tag, 28. November J9M mehener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Ruhe vor dem Zturm. Lin deutschesUnterseeboot vor Le Havre. (WTB.- Grobes Hauptauartier, 27. Rovbr., d»rm. (Amtlich.) Eine Belästigung der flandrischen Küste durch englische Schiffe fand auch gestern nicht statt. Auf der Front des westl. Kriegsschauplatzes sind keine wesentlichen Veränderungen eingctreten. Nord- westlich Langemarck wurde eine Häustrgruppc genommen und dabei eine Anzahl Gefangener gemacht. Im Argonnenwalde machten unsere Angriffe weitere Fortschritte. Französische Angriffe in Gegend Apre- «wnt und östlich St. Mihiel wurden zurückgeschlagcn. Im Osten haben gestern keine entscheidenden Kämpfe stattgcfundcn. Oberste Heeresleitung. Es ist so schön, vom Frieden zu sprechen, und vielleicht (haben die Engländer nicht nur aus arger Berechnung die Machricht in die Welt gesetzt und besonders in Amerika verbreitet, daß Deutschland des langen Haders müde und Dem Frieden geneigt sei. Der eigene Wunsch der Engländer? Wir dürfen überzeugt davon sein, daß die nreisten svon ihnen sehnsüchtig nach den Zeiten zurückblicken, lvo sie ohne Aufivendungen von Mühe und Sorgen in den Welt- shändelu inimer den Ausschlag gegeben haben. Das gelang ihnen meist bei allen Friedens- und Botschafterkonferenzen. Aber der englische Wirklichkeitssinn ist doch ivohl zu sehr (ausgeprägt, als daß sie sich der Hoffnung hingcben könn- iten, es werde in eisigen Wintertagen plötzlich sommerlicher iSonncnschcin werden. Die schönfarbigeu Phrasenblüten, mit sdcneu i» 'den letzten Tagmt manche Stellen der Wett um- raukt worden sind, sind also dem schwülen Treibhause in London entsprungen. In Deutschland denkt jetzt kein Mensch an den ttnmittelbar bevorstehenden Frieden, und wenn aas Ausland c r n st l i ch bemüht ist, auf die deutsche iBolksii i»,»e zu lauschen, so hätte es schon aus sozialdemokrcv- hischen Zeitungsäußerungcn über die Beivilligung neuer «Kriegs lreditc durch den Reichstag zuverlässig folgern können, an ' die Dinge bei litte- stehen. Der General z. D. von ■ Blume, ber manche Zeitungen mit Kommentaren über die Kriegs! rgc bedient, kam dieser Tage zu folgendem Schluß: „Nein, ihr falschen Friedenspropheten, zerbrecht euch nicht eure Köpfe über die Bedingungen, die uns beim Friedensschluß auserlegt werden sollen! Treu ausharrend an der .Seite eines bisher alleinigen Bundesgenossen, zu dem sich neuerdings, freudig begrüßt, die Türkei gesellt hat, wird das Deuts ch e Reich gemeinsam mit ihnen zu geeigueter Zeit bestimmen, unter welchen Bedingungen her Friede gewährt werden kann," Wir glauLen ebenfalls, daß die allgemeine Lage für uns sehr hoffnungsvoll steht. Soeben hat ein deutsches Unterseeboot wieder den Beweis geliefert, daß die englische Flot- reuwacht deutsche Unternehmungen kühnster Art nicht zu hindern vermag. Zudem bereiten sich unsere Nachbarn im Westen auf neue gewaltige Angriffe der Deutschen vor, und solche Stimnien aus ihrer Presse klingen wahrlich nicht darnach, als seien unsere Feinde in der Lage, uns am Kriegs^ glück verzioeiseln zu lassen. So hat denn auch der Älbgeordnete Erzbcrger im „Tag" wieder eininal einen ungeheuer gutgemeintem Artikel erscheinen lassen, der die Ueberschrist trägt: „England hat auf- jgebört, eine Insel zu seink," und der mit wahren Jerichos Dosaunen den Briten zum letzten Gerichte bläst. Es scheint inns, als sollte mau, trotz unserer guten Erfolge und zweifcl- ckos günstigen Lage, die Backen nicht zu voll nehmen. >Es ist wohl ein klein wenig zu viel gesagt, wenn der redse-l «lustige Zeiitrumsparlamentarier jetzt schon feststellt, „dem englischen Uebermut und der englischen Uebermacht sei schon Iber geniale Todesstreich versetzt" worden. Es klingt Awar geistreich, aber auch ein wenig abgedroschen zugleich, wenn Erzberger sich Sätze leistet wie folgenden: „Tie gütigen ttzaben aber, welche Graf Zeppelin den Engländern senden wird, sind weder Knallbonbons, noch eignen sie sich zum Bleigießen in der Silvesternacht." In der .Hauptsache läuft Erzbergers Triumphgesang ans ein allerdings wohlberechtigtes Lob der deutschen Unterseeboote hinaus: Das Anftauchen des ersten Unterseebootes im Kanal war die leiste große Ueberraschung und grausame Enttäuschung für England. Illnd doch ist das nur der Anfang. Man braucht nicht so weit zu I gehen, wie ein Marine-Ingenieur, der kürzlich an seine Bekannten in der Reichshauptstadt geschrieben hat: „Wenn Ihr wüßtet, >vas iwir arbeiten, würdet Ihr den ganzen Tag Hurra rufen." Ab- !warten und Geduld! Das habe ich an dieser Stelle als hie Parole schon vor mehr als zwei Monaten aus- ,igegebrn. (!) Und man wird nicht behaupten wollen, daß dieser Satz unbegründet war. Die Unterseeboote mit dem steigenden 'Aktionsradius sind imstande, in einer einzigen Tour das ganze Jnselreich England zu umkreisen. Und wenn sie auch dem England nicht freundlich gesinnten Irland kernen Schaden zusügen, so sind sic doch mächtig und stark genug, um England viel wirksamer v vom Welthandel und Seeverkehr abzuschneiden, als es die schärfste Blockade tun kann. Unterseeboote sind die Machtmittel, die auch der Ueinste neutrale Staat sich leisten kann, u.rn dem üVerholzen 'Alb tun beizukomnten. Mit 50 Millionen Mart j Baukosten sind ganze Schwärme von Unterseebooten W erstcNen, wenige Mamischasten sind erforderlich, mrd an „Unter- äeeboots-Mannesiimt" haben wir int deutschen Volk nie Mangel. Nun kann die Phantasie fick selbst ansmalen, loas es bedeutet, wenn Schwärme von Umerseebootcn das Jnselrrich nach den Iverschiedeusten Richtungen tnrksrrcichen, Getreideschiffe versenken, IPanzerkreuzer durch einen Schuß vernichten und heil und gesund n>r die nicht allzu weit von Englands Küste entfernt liegenden .Hasen zurückkehrcn. R Natürlich sind diese Feststellungen im Kerne richtig, nur i. sind sie in einem zu schwammigen Pathos vorgetrageii, das i uns in die jurchtbar ernste Zeit doch .nicht recht passen will. Geduld und Abwarten, das gilt auch von den taktischen Ab- sichten der englischen Flotte, die, wie jüngst ein deutscher Marinefachmann ausführte, nicht ans bloßer Aengstlichkeit geboren sind. Wenn es nicht billiger geht, lvird England, gewiß auch seine Flotte aufs Spiel setzen. Und der Zeitpunkt wird sicherlich früher oder später kommen. Wir glauben, daß unsere deutschen Seeleute dann dem Gegner zu zeigen vermögen, was sichere Führung, tadellose Ausbildnng, Kühnheit und Heldenniut zu leisten vermögen. Noch ein kurzes Wort über die Sympathien der Neutralen. Das gestern hier veröffentlichte Rededuell zwischen Derubur g und dem amerikanisch cn Professor Eliot hat gewiß in manchen deutschen Herzen stillen Ingrimm geweckt über die namenlos oberflächliche Art, mit der dieser Anglo-Amerikaner die deutsche Politik und dgS deutsche Bolk behandelt hat. Deutschland allein sollte, nach des Herrn Professors Meinung, ein Staateiibund ohne politisches Knochengerippe sein, npo dem Amerikaner schwebt gewiß noch das Bild der Ohnmacht vor, das Deutschland früher der Welt geboten hat, als es noch nicht im Glanze der neuen Kaiserkrone erstrahlte. Wenn Eliot die Leistungen der deutschen Kultur lobt, so hat e r wohl nur eine unzulängliche Kenntnis davon, denn er spricht von der Zeikperiode deutschen geistigen Aufschwunges in den letzten hundert Jahren, während jeder Quartaner doch weiß, daß unsere klassische Zeit schon 50 Jahre früher begonnen hat. Wir wollet, nicht zu viel nach Svinpathieit in der Welt fragen. Macht .,ttö Einfluß werden schließlich entscheiden. Sowohl ans dein Gebiete der Militärpolitik toic dem des Geisteslebens. Mit den Ansatz"!!, die in dieser Richtung Deutschland bereits gemacht hat, dürfen wir zufrieden sein! .. *»' 1 * * * Ein englischer Dampfer durch ein deutsches Nuterseeboot versenkt. kW TB. l Paris, 27. Rav. Das „Echo de Paris" meldet -.ms Le Havre: Der enK.,ch-.- Taiv >fer „Malachite" <2000 Tonnen» ivurde aus der Fahrt von Liverpool nach Le Havre, einige Meilen nordwestlich Le Havre, durch ein deutsches Unterseeboot versenkt. Der Kapitän des Unterseebootes gav der Akmmifchast der „Malachite" 10 Minuten Zeit, von Bord zu gehen, und wenig später fing der Dampfer Feuer, Das Unterseeboot verschwand. Die Mannschaft der „Malachite" konnte sich nach Le Havre retten. Zum Untergang des „Bulwart". A m st e r d a m , 27. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) „Rieuws van den Dag" melden aus London: Als die Exvlosion aus dem „Bul- wark" stattfand, war der größte Teil der Mannschaft beim Frühstück. Die anderen Schisse im Hafen setzten sofort die Boote aus. Ein kleiner Teil der Besatzung war über Nacht a n L a n d gewesen und kehrte gerade an Bord zurück, als die Explosion ersolgte. Diese Mannschaften entgingen so dem Tode, wenn sie auch verwundet wurden. Die Explosion war so stark, daß auf den anderen Schissen die Menschen ein paar Meter in die Höhe geschleudert wurden und alles Porzellan und Glas zerbrach. Die Ursache der Explosion ist noch unbekannt. Berlin, 28. Nov. Wie dem Berl. Lok.-Anz. aus Kopenhagen gemeldet lvird, ist der Eindruck von dem Untergang des „Butwark" überall in England ein furchtbar niederschmetternder. Tie Mißstimmung gegen die Admiralität und Churchill wachse. Man betrachte die offiziellen Mitteilungen mit dem größten Mißtrauen. Dirmuidcn noch in deutschem Besitz. Berlin, 27. Nov. (WTB. Amtlich.) Die Meldung der „Daily Mail", daß Dixmuiden von den Verbündeten zurückerobert sei, cuibehrt jeder Grundlage. Dixmuiden befindet sich nach wie vor in deutschem Besitz. Der französische Lchlachtbericht. (WTB. Nichtamtlich.) Amsterdam, 27. Nov. Der amtliche Bericht vom 20. November, 3 Uhr nachm., lautet: Es ist vom 25. November kein bedeutendes Ereignis zu nlel- den. Im Norden nahm das Geschützfeuer an Heftigkeit ab und es ist kern Jnfanterieangriff auf unsere Linien, die an gewissen Stellen vorrücktcn, zu verzeichnen. Im Gebiete von Ar ras dauerte oie Beschießung der Stadt und der Vororte fort. An der Aisne versuchte der Feind einen Angriff auf das Tors Messy, der Angriff mißlang völlig. Tie Deutschen hatten ernste Verluste. Wir tonnten in dem Gebiete westlich Souain einige Fortschritte verzeichnen. In den Argonnen, im Woevregebiet, in Lothringen und in den Vogesen herrschte nahezu völlige Ruhe an der Front. Auf den Höhen der Vogesen herrscht starker Schnee- fall. Kovenhageu, 27. Nov. lCtr. Bln.l Der Pariser Korrespondent der.Kopenh. „National-Tidenbe" berichtet seinem Blatt: Die deutschen Pläne sind uns lieute noch ebenso unklar nne gestern. Weder die Beschießung von Ppern und Soissons noch die von Reims, noch die gewaltigen Jnsanterieangrifse im Argonncnwatd geben uns die geringste Auiklärnng. Wahrscheinlich ist es die Absicht des deutschen Generalstabs, einen schwachen Punkt in unserer Front zu linden. Doch hat es den Anschein, als ob die Beschießung von Ppern und Soissons intensiver ist als an irgend einer anderen Stelle der Front. In Flandern scheinen große Trup- pcnverschicbmigcn vorzugehen. Tausende und ^Abertausende von Soldaten, die von Thielt kommen, marschieren in der Richtung aus Vpcrn und Dixmuiden, und zwar nicht nur Jnianterie, sondern auch Kavallerie und Arttilerie. Die deutschen Pioniere machen fortgesetzt tovographisckte Untersuchungen in den illwrschwemmten Gegenden längs des Bscrkanals bis hinauf nach Bixschoode und nördlich von Dixmuiden. Tie Teutsckien haben aus dem Weg zwischen Brügge und Eourtrai und bei dem Tors Desnep Artillerien stellungen ccrichtct. Aller üeutei darauf hin, daß der Feind die umfeffcr.dstcn Norfiereitunoen trifft argen einen eventuellen Vorstoß der Verbündeten. In der Gegend um Soissons, von woraus di« Deutschen Paris näher sind als an irgend einer anderen Stelle der Front, toerd« cs ihnen schwer fallen, große Heeresmassen für den Marsch gegen Paris zu konzentrieren, denn dann mühten sie ihre Stellungen im Norden entblößen, worauf sofort unsere Truppen die Osfensive ergreifen ivürden, ihnen in den Rücken satten und ih-e Verbindungslinien abschneiden würden. Der furchtbare Angriff der Deutschen im Argonnenwald ist wohl ein Versuch, mit den dent- schcn Truppen bei St. Mihiel Verbindung zu erlangen und gleich-t zeitig Verdun cinzuireisen. Mailand, 27. Nov lWTB. Nichtamtlich.) Nach einer Meldung des „Tecolo" ans Paris beschäftigen- sich die englische und sranzösische Presse mit neuerlichen Kriegsrüstungcn, die die Deutschen vorbereitete Tic Wiederaufnahme der Offensive durch den deutschen Gcneralstab lasse noch nicht bestimmt erkennen, wo er die Front cinzudrücken gedenke. Einige Zeitungen vermuten, aus dem äußersten lintcn Flügel: Ö eilte meint, int Zentrum. Hervv bespricht das Schicksal, das Paris daun bevorstündc. Sie befürchten nichts für die Stadt wegen der glänzenden Ver- schanzung usw.; aber das Publikum bespricht viel mit Besorgnis die bevorstehenden Ereignisse. Tie Schlacht an der M a r n e habe zwar das Dogma von der Unbesiegbarkeit der Deickschen etwas erschüttert, nicht aber den Glauben an die riesige Organi-, sationdes deutschen Heeres. Alle Blätter verlünden, das deutsche Heer bedrohe Paris. Tie Bekämpfung werde noch enorme Lpser an Geld und Blut kosten. So lvird die öffeittlirf)«! Meinung auf die unvermeidlichen Opfer vorberestet. Tie Besorgnis vor der Stärke des Feindes ist so groß, daß man daran denkt die Japaner zu Hilfe zu holen. Reue Geschütze. Eingehend befassen sich die französischen Militärkritiker mit den geräuschlos die Flugbahn durchschneidenden Geschossen der neuartige n.inFlandernausge stellte n deutschen Geschütze. In Erinangelung technischer Einzelheiten behilft man sich mit der Bekräfttgung der Vorzüge der bewährten Systeme. Ein General äußerte: Für den Artilleristen existiere nur ein Geräuschlosigkeitsideal, nämlich die gegnerische Botterie zum Schweigen zu bringen. Der raffinierteste Mechanismus könne die Geschicklichkeit des Arttllcristcn nicht ersetzen. Immerhin verdiene diese Neuheit ernste Beachtung. Schlachtberichtc der Oesterreicher. (WTB.) Wien, 27. Nov. (Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 27. Nov. mitt. An der polnischen Front verlief der gestrige Tag verhältnismäßig ruhig. In West - galizien und in den Karpathen hielten die Kämpfe an. Eine Entscheidung ist nirgends gefallen. Czernowitz ist von unseren Truppen wieder geräumt worden. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes, v. H ö f c r, Generalmajor. Wien, 27. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Vom südlichen Kriegsschauplatz wird amtlich gemeldet: 27. Nov. Die Kämpfe an der Koluber nehmen einen günstigen Verlauf. Auch gestern wurde fast an allen Gefechtckfronteir trotz des zähen Widerstandes des Gegners Raum gewonnen. Zirka 9 00 Gefangene wurden gemacht und.ein Geschütz erbeutet. Tie überaus ungünstige Witterung in den Niederungen, grundloser Boden aus den Höhen und jede Fernsicht verwehrende Schneestürme erschweren zwar die Opera- ttonen, doch ist die Stimmung bei den Truppen nach einer Meldung aus der Front vorzüglich. Rußlands Angst. Berlin, 27. Nov. Aus Wien wird dem „Berl. Tagcbl." berichtet: Die Operationen der deutschen Flotte in der Ostsee .haben in Petersburg lebhafte Unruhe hervorgernsen. Abenteuerliche Gerüchte durchschwirren die Stadt. Es heißt, daß mit fieberhaftem Eifer an den BefesttgungSwerken gearbeitet werde, und man verweist auf eine Publikation Men- fchikows in der „Nowoje Wremja", die vor einigen Tagen schrieb : In nicht ferner Zukunst wird ein Riesengescktwader mit einer ganzen Karawane von Scknelttransporidamvsern heranstürnren und che es den zerllüstetcn Institutionen unseres Kriegsnunisteciums gelingen wird, ihre weitläusigen Akten auszutauschen, werden durch das Tttumvhtor von Narwa die vommerschen Grenadiere ihren Siegeseinzug in Petersburg hatten. Stände ick: an der Stelle des Ministervräsidenten, so loürdc ich mich beeilen, die Staatsschätze rechtzeitig etwa nach Moskau oder Nischni-Nolvgorod zu schaffen. Neue Kriegsgerichtsurteilc in Frankreich: Paris, 26. Nov. (Ctr. Frist.) HavaS meldet: Das Kriegsgericht verurteilte öldeutscheKrankenträger, die des D i e b st a hl s beschuldigt waren, und z w e i Ae r z te zu einem Jahr Gefängnis, 13 Krankenwärter zu Strafen von l bis 3 Jahren Gefängnis, 9 Diakonissinnen zu I bis 3 Monaten Gefängnis, Krankenpsleger, die kleine anscheinend gestohlene Gegenstände bei sich trugen, zu einem Monat fängnis. Elf weitere Angeklagte wurden freigesprochen. (Frkf. Ztg.) Köln. 27. Nov. lWTB. Nichtamtlich.) Der „Kölnischen Zeitung" wird von ihrem Berliner Korrespondenten gemeldet: Nach meinen Erkundigungen har sofort nach Bekanntwerden der unerhörten französischen Kriegsurteste gegen deutsche Militärärzte die deutscheRegierung durch Vermittelung desamerikanischen Botschafters die den Umständen nach angezeichen Schritte getan. * . * Ter türkische Feldzug gegen Aegypten K o n st a n t i ii o p e l, 26. Nov. ’ WTB. Nichtamtlich.) „Tasvir i -Efkiar" meldet, dst e i n g e b o r c n e n T r u p p e n in der kl m gebu ii g des «uczkanals hatten fickt gegen d i e E ti a l ii u d e r erhoben und eine große Anzahl ge lötet. Bor vier Tagen seien mehrere Eisenbahnwaggons mit verwundeten.Engländern in Kairo cingetrosfen. Die Blätter »ciSTfcntitdjet murr Ansdridien der lebhaftesten MißbllffE «mng die Ercklärnng Rußlands, daß dieses die die Zeichen des Roten Halbmonds führenden Schiffe nicht als neutral anerkennen will und weisen darauf hin, daß während des Ballankrieges sogar Griechenland das türkische Hospitillschiss respektiert habe. Wien, 27.4tov. WTB. Nichtamtlich.) Die „Südslaoischc Kirrrrssondenz" meldet aus Konstantinopel: In einer Unterredung erÜärtc Enver Pascha, daß die im Kaukasus und in Acgvpten operierenden türkischen Armeen ihre Aufgaben bisher mit den größten Erfolgen durchgefühtt. Im Kaukasus sei infolge der überaus schwierigen Terrainoerhaltnisse und der harten Wrnter- uirrtne naturgemäß mit einer langsameren Entwicklung des türkischen Bormarsches zu rechnen. Trotz der ungünstigen äußeren Ver- bältnisse bewiesen ober auch hier die ossensiv vorgebenden türkischen Truppen durch eine Reihe bedeutsamer Erfolge ihre Ueberlegenheit. Brillant habe sich der Aufmarsch der türkischen Streitkräftein Aegyptenentwickelt,dessen Wie- derervberyng nur eine Frage von kürzerer Zeit sein könne. Die türkischen Truppen hätten ber dem Vormarsch aus ägyptischem Boden außerordentliche Marschleistungen vollbracht. Bis zur stunde verlaufe die ägnptifche Erpedition bis in ihre Einzelheiten programmgemäß. Ter Kriegsminister drückte schließlich die llcbcrzeugung aus, daß der Feldzug siegreich zu Ende gehen werde, für den in der ganzen mohammedanischen Welt weihevolle Begeisterung herrsche. Aus Indien. Amsterdam, 27. Noo. Aus Kalkutta bringt Reuter die Meldung, daß eine B o in b c ans das Gebäude der Kriminalpolizei geworfen worden sei, wodurch ztvei Kriminalpolizei-Inspektoren schwer verwimdct wurden. Die Attentäter warfen ans ihrer Flucht eine zweite Bombe, durch die ei» Einwohner getötet und zwei andere verwundet wurden. Der Vorgang zeigt, daß die revolutronäre Bewegung in Indien wieder aufflanrmt. Vom Burenkrieg. Pretoria, 20. Nov. «WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Rcuterschrn Bureaus. Kapitän Willis hat am Dienstag mit dem Panzerzug „Trafalgar" «ine Fahrt aus der Linie RttP-- Frauksort unternommen. Ein lebhaftes Gefecht wurde bei Rcitz geliefert, wo die Buren versuchten, dem Panzerzug an der liefen Schlucht Widerstand zu leisten und ihn zum Entgleisen zu bringen. Ter Zug war dem Feuer vom Bergabhang ausgesetzt. Vorgestern waren der „Trafalgar" und ein anderer Panzerzug immens „Erin" wiet>er im Gefecht mit den Buren, bis sie die Linie rmederhergestellt hatten, die am Tage vorher ernstlich beschädigt worden war. Tie Buren wurdeir zurückgeschlagen. Ein dritter Panzerzug ist ebenfalls eingettoffen, um an den Ope- rationen teilzunehmen. (Man muß immer beachten, daß es sich um eine einseitige Meldung des Reuter-Bureaus handelt. D. Red. London, 27. Nov. «WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bnremis. Oberst Dirk van Deventer, der im Nordosteu des Freistaates operiert, meldet die Gefangennahme von Buren unter Fcldkornet Smil. Andere entkamen während eines hefttgcn Gewitters. Sie weiden von Kapitän Rousseau verfolgt. Die Gefechte in Lstafrika. London, 27. Nov (WTB. Nichtamtlich.) Das Pressebureau verössentlicht einen Bericht über eine ?lnzahl von Gefechten i n O st a s r i k a, die keine Aendcrung von Bedeutung herbeigeführt haben. Zn dem Beriäit heißt es: Es gelang dem Feinde nicht, aus britischem Gebiete Fuß zu fassen, wahrend nur den wichtigen Posten Longidv aus deutschem Gebiet besetzten. Der Angriff auf Lonigido fand am 3. November statt und dauerte den ganzen Tag Indische Truppen nahmen drei starke Stellungen, aber qogen abend wurde eS für die britischen Truppen infolge Wassermangels unmöglich, die Stellung zu behaupten. Sie zogen sich deshalb aus ihre Opercittonsbafis zurück. 2Bn verloren an Toten und Verwundeten 2t Europäer. Die Verluste des Feindes betrugen 33 Europäer und 84 Eingeborene. Einige Tage später räumte der Feind Lonchdo, das von den Britt» besetzt wurde. Der Feind rückte am 20. November mit starker Macht in Uganda westlich des Viktvriasees ein, wurde jedoch mit einem Verlust von sechzig Mami zurückgeschlagen. Die Engländer hatten in diesem Gefecht 6 Ver- oundtte (Notiz des Wolf-Bureau: Lmrgido ist ein vulkanischer Berg in loasserloser Gegend an der dcutsch-brittschen Grenze, etwa 00 Kilometer nördlich des Mern. Die Besetzung dieser Stelle ist deswegen eine Angelegcuheit ohne jede Bedeutung.) Der Untergang des „II 18". Amsterdam, 27. Nov. (Ctt. Frkft.) Urster den Untergang des beurfv a r k ist die Zahl der brittschen Großkanufischiffe von 33 auf 31 gesunken, weim man die Einbehaltung des türkischen „Reschadieh", der bei Kttegsansbruch von den Engländern unter Nciuralitäts- briich einfach konfisziert wurde, mik hinznrechnet. In dieser Zahl befinden sich mich du vier Schisse der Jron-Tuke Klasse, die im Oktober 1012 bezw. 1913 vom Stapel liefen und im Früh iahr dieses Jahres seeserttg geivorden sein sollen, was wohl auch bestimmt angenommen werden kann. Diese neueste Klasse enthält schisse, die 28 000 Tonnen fassen, also 1000 To»men größer sind als die etchwestcrschifie der Audaeions. Tie schwere Arinierung ist übrigens die gleiche (10 34,3-Zentiineter-Geschütze), während die mittlere Armierung 12 15,2-Zenliinetcr-Kanonen berrägk, »vaS »fincn Fortschritt gegenüber der schwächeren Armierung der Auda ciou S-Klasse bedeutet, die 16 10,2-Zentimeter-Geschütz« aufiveist. Auck, in der Torpedvarmienmg sind diese lauesten Großkampf- schific wesentlich fortgeschritten, indem sie vier Dovoelrobre unter Wasser zeigen. Nächst den genannten beiden Schiifsklassen ist die stärkste Linienschiffsklasse der Orion-Typ, dessen Schiffe dieselbe Armierrmg wie die Audacious- oder King-George Klasse führen, im übrigen aber nur 23 000 Tonnen groß sind. Die vordem gebauten Großlinienschisse führen als schwere Artillerie noch das 30,5-Zentimtter- rmd als Mittelartillerie das l0,2-Zentr- mtter Kaliber. Es sind dieS sämtliche Schiffe der Herkules-, wt. Brircent- und Bcllervvhon Klasse, alles Panzer von 20 000 bis 23 400 Tonnen, die wenig Unterschiede voneinander ausweisen und in den Jahren 1907 bis 1910 vom Stapel liefen. Sie alle sind aber infolge der starken schivcren und mittleren Armierung durchaus neuzeitliche Linienschiffe. Aus dem Jahre 1906 stammt endlich das Stonrmschiss „Dreadnought", die gleichfalls 10 30,5-Zenti- »nctcr-Geschütze. ün übrigen aber nur eine leichte Slrmierung von 2t7,6-Zeniimeter-Kanoiien führt. Außer diesen Grvßlinienschiffen vcrsügi die englische Flotte über zehn Schlachtkreuzer, von denen die Jnviciblc-KImse (vier Schiffe von 19000 bis 20 000 Tonnen) die ältesten sind, di« mit acht 30,5-Zeniimtter- und sechzehn l0,2-Zentimeter-Geschützen bestückt lind. Die beiden Schiffe der Australra-Klasse, die 1911 vom Stapel liefen, gleichen den genannten, während daun mit dem „Lion" eine wesentliche Stttge- ruirg des Berdranges und der Armierung einsetzt. Die „Queen Mary", „Prinzeß Royal" »urd „Lion" fassen etwa 30 000 Tonnen und sind mit acht 34,3- »urd 16 10,2-Zentimetrr-Km»onen be- »vährl. Der zuletzt vom Stapel gelaufene Panzerkreuzer „Tiger", der im Mai d. I. »erttggcstellt sein sollte und 30 Seemeilen laufen soll, zeigt eine Steigerung der Mittelartillerie, nämlich zwölf 15,2-Zenttmeter-Karwneu. Eine Rede de» «chatzkanzlers Lloyd George. Tie Finanzvrobleme, die der Krieg aufgerollt hat, weisen in den verschiedenen Staaten naturgeniäß vielfach ganz ähnliche Züge aus. Es dürfte deshalb nicht überflüssig sein, aus der Untcrhaus- rebe des englischen Schatzkanzlers Lloyd George, in der er das englische Kriegsbudget begründeie, einige Stellen nach dem „Vorwärts" ausführlicher wiederzugeben. Kein Krieg, io führte Lloyd George aus, war je so kostspielig wie der gegcnwärfige, er ist in dieser Beziehung mit früheren Kriegen Englands überhaupt nicht zu vergleichen. Noch nie haben die .Kriegsausgaben Englands in einem Jahre 71 Millionen Pfund überfliegen. Tie Napoleonisäzen Kriege kosteten insgesamt 831 Millionen Pfund, aber sie verleilten sich aus 20 Jahre. Ter Krim krieg kostete 67'/, Millionen Pfund, die Kosten waren aber auf drei Finanzjahre verteilt. Ter Burenkricg kostete 211 Millionen Pfund — in vier Finanzjahren. Ter gegenwättige Krieg wird aber im ersten Jahre zumindest 450 Millionen Pfund (9 Milliarden Mark) kosten. Es kann offenbar gar leine Rede davon sein, daß wir diese ganze Summe aus neuest Steuerguellen schöpfen. Als Pitt in 1798 seinen Einkommensteuerentrvurf einbrachte, schätzte er Pas englische Nationaleinkomnien aus 102 Millionen Piund; jedenfalls konnic cs nicht mehr als 250 Millionen betragen haben. Leute aber wird das englische Nationaleinkommen ans 2300 Millionen Pfund Sterling geschätzt. Damals blieb nichts steuerfrei: 50—70 Millionen Piund wurden im Jahre ans Steuern erhoben, also zwischen einem Viertel und einem Drittel des gesamten Nationaleinkommens. Wollten wir dieselbe Opsersreudig- keit zeigen »vie unsere Vorsahre», dann müßten »vir jetzt 500—700 Millionen Pfund int Jahre aus Steuern zusammenbringen, und Anleihen ivären nicht notioe»rdig. ^ Aber auch so werden wir nach dem Kriegeeincschwere Steuerlast zu tragen haben. Denken Sie an die Verzinsung uird Tilgung der neuen Anleihen, an die vcrmehrlc Pcn- sionsliste, an die anschwellenden Staatsunterstützungen für die Angehörigen der .Kriegsteilnehmer, lind je weniger nfir während des Krieges an Steuern decken, um so schwerer muß die Steuerlast nach dem Kriege sein. Ich »mll über die voraiissichtliche Dauer des Krieges keine Ansicht äußern, denn das vermag auch der Bestunterrichtele nicht mit absoluter Zuversicht vorauszusagen uird hängt von Zufällen, von zahlreichen militärischen, polifischen und psychologischen Falloren ab. Wir kämpfen gegen einen zähen Feind, der sich ohne zerschmetternde Niederlage keinen Bedingungen unterwerfen kann, die wir verständigerlveisc akzepttcren können. Das müssen »vir im Auge behalten, wenn wir unsere Berechnungen anstellen. Deshalb muß ich als Schatzsekretär eher eine längere als kürzere Tauer des Krieges voraussctzen, zumal »vir, »vie lange auch der Krieg datiere, die großen Fragen, die seit Generattonen die Ursache der Rttbungen in Europa waren, ein für allemal erledigen »nässen. Ferner ist folgendes zu beachten. Etwa vier Fünftel der Kricgs- auSgaben »verden im Lande selbst verausgabt werden. Unmtttclbar nach dem Krieg muß eine Periode des Neuaufbaues nicht irur btt uns, sondern in ganz Europa folgen, und dann werden enorme Anforderungen an die industrielle Lci - st» nqsfä hi g feit unseres Landes gestellt »verden. Während des Krieges und der Pettode des Wiederaufbaues wird uns in den neutralen Weltmärkten praktisch keine Konkurrenz, mit Ausnahme der amerikanischen, entgegentreten Und da Amerika die Anfrage ans kttnen Fall »vird befriedigen kSimen, werden wir diese Märkte praktisch beherrschen Ich sehe deshalb einer Periode von vier bis fünf Jahren entgegen, »vio die englische Jw- dusttte ttnen aus abnormalen Bedingungen erzeugten künstlichen Anreiz geitteßen wird. Aber nach dem Ablauf dieser Periode wird unsere in» dustriellcLageeinederschwerstensein, mit denen wir je zu rechnen hatten. Wir werden einen enormen Tttl des Kapital- rttcbtnms der Welt erschöpft haben, der sonst der Industrie zur Verfügung gestanden hätte. Die Kaufkraft unserer Kunden zu Lause wie int Auslande wird stark reduziert sttn. Und deshalb ist es unerläßlich, daß nfir während der Pettode der Hochkonjunktur sovitt Geld, wie das Land nur herzugeben bereit ist, aus Steuern herbtt- schassen. . . A«r Stadt «nv Land». Gießen, 28. November 1914. Advent. Die Adventszeit ist eine Zeit, da freudige, heilige Stimmung das Herz des religiös aargeregten Menschen erfüllt. Wohl sind die Tage kurz und dunkel, aber aus der Ferne rückt Weihnachten, das Fest des Lichtes und der Freude, innner näher. In alte Tage geht in diesen Wochen der Geist. Er vergegenwärtigt sich, trfie es einst in der Welt aussah, ehe Jesus geboreit war. Trotz hoher Kultur waren Griechen und Römer innerlich unbefriedigt, ihr Götterglcmbe war längst nicht mehr Gemeingut aller ihrer Volksgenossen, es gab, wie Emanuel Geibel den Bildhauer von Danagra sprechen läßt, „kein Sehnen, das geteilt von allen, im Künstler nach Gestaltung strebt". Das Volk der Inden seufzte unter schwerem politischem Drucke und trachtete, durch äußere Ge- setzesmäßigkett Gott zu gefallen, oder half sich mit phantastischen Zukunftserwarttrngen über die trostlos« Gegeitwart hinweg. Da kam Jesus und richtet« die Füße der Irrenden und Bdüden auf den rechten Weg, er heilte die zerstoßenen Herzen, er gründete unter den Menschen das Reich, da Friede und Freude lculit. Volks Poesie und geistliche Dichtung haben in Deutschland Adventshoffnung und Adventsfreude in unvergleichlicher Weise dargeskellt. Reizender, ursprünglicher und naiver tonn man die Verkündigung, daß der Heiland aller Welt geboren werden soll, nicht umschreiben, als es das Volkslied tut, dessen erste Verse der, Wortlaut haben: „Es ivollt' ttn Jäger jagen, Wollt jagen vom Hinunelsthron. Was begegnet ihm aus der Heide? Maria, die Jungfrau, schon. Der Jäger, den ich meine, Der ist mis »vohl bekaimt: Er jagt mit einem Engel, st Gabriel genannt, er Engel blies sttn Lörnlttn, Das latttet also wohl: Gegrüßt sttst du. Maria. Bist aller Gnaden voll." Amt, der, der religiös nicht besonder» empioticchich ist, »vird an dem Gehalt der Adven tslieder eines Paul Gerhardt und Novalis seine Freude haben. Da ist alles heilige Freude, tiefer Trost, reiner Sinn und ungestörter Friede. Diesem Sttmnrungs- und Gedaarvengehalte scheint die gegemvärttge Zeitlage wenig W entsprechen. Eiar gewaltiges Böllerringen geht über den ganzen Erdball, der harte, eiserne Besen des Krieges fegt die Länder, unser deutsches Voll käinpft mit Ausbietung aller .Krasi um seinen Bestand und uin seine Zukunft. Es brttrgi für seine heiligsten Güter die schwersten Opfer, Opfer, die bei aller Berertnfillrgkell, ie zu tragen, doch uneridttches Herzeleid Hervorrufen. Kann ntan in diesem Jahre Aoven tslieder singen und dre Advents«' botschaft mit still andächttgem ttKmüte vernehnren? Wir sagen mit gutem Gewissen: ja: denn das, was uns in dreser sonst so freudenrei »en Zeit gesagt wird, birgt den stärksten Trost und den wirkuiigskräfttgeti Antrieb in sich. Als die Menschheit in ihren schwersten Nöten war, ist der erschienen, der der Bote Gottes ist, „der Glanz seiner Herrlichkeit und das Ebenbild seines Wesens". Er tvar in seinen Erdentageri das Licht der Welt und ist cs bis zu dieser Zttt. Millionen gebeugter Menschen, die sonst verzweifelt zusam- mengebrochert wären, stich durch ihn fest und ruhig gelvor- den, haben in aller Unruhe der Welt durch ihn Friede» gesunden, haben Leben mw Gut in der Erfüllung heiligev Aufgaben dahingeopfert, »varen anderen.in der Nacht ein Licht, in der stiot ein Segen. Seine Wirkungsmacht hat, trfie mich der zugeben wird, der ihin innerlich nicht nähe steht, noch keüt Ende erreicht, soitdern zieht von Jahrzehnt zu Jahrzehnt weitere .Kreise, uich gerade in diesen schweren Zeitläuften ist er oer, der inehr als in glücklichen, sorgenfreien Tagen den Mühseligen und Beladenen Ruhe ftir ihre Seelen gtbt und ihre Augen über den Jammer und die Sünde dieser Erde auf ein herrliches, überwellliches Ziel richtet. Was Paall Gerhardt in der trauttqrn Zeit des dreißigjährrgen Krieges gesungen hat, das gilt auch für die tränenreiche Gegenwart, daß Jesus, der ttnrnerdar in die Herzen kommt, aller Well „in ihren tausend Plagen nud großen Jammerlast" ein Helfer Und ein Heiland ist? H. B. ** Die Anmeldungen zur Re k r u tie r u n g s« It a mm rolle müssen vom 1. bis 10. Dezember 1914 arrf dem Standesamt im Rathaus am Marktplatz bewirkt werden. Bei der Anmeldung ist der MusterungSauswers (Lv-- sungsschein) vorzulegen. Die Milrtärpsiichitgeu des Jahrgangs 1895 bis 1915, die auswärts geboren siud, urüfsen ihren Geburtsschein vorlegen und sich diesen sofort von dem Standesamt ihres Geburtsorts ausstellen lassen. ** Sendungen für unsere Land st ür me r. Am Montag können Liebesgaben in beschränktem Mähe und in kleinen Packungen für das Gießencr Landstnrn»» bataillon im Westen angenommen werden. Dieselben sind dauerhaft verpackt und genau adressiert bis Sonntag mittag 3 Uhr auf dem Batl.-Bureau des Landsturm-Ersatz- Bataillons, Landgrafenstraße 6, Zimmer 12, abzugebeu. Leicht verderbliche Eßwaren, Gelees, Fett, Butter usw. sind von der Aufnahme ausgeschlossen. Dcpt gegen empfiehlt es sich Zigarren, Schokolade und sonstige Dauerioaren in kleinen Packungen und evll. warme Untea- Wäsche usw. fest verpackt abzugeben. ** Die hesfische Handiverkskarrrmer Wjttfiü KnäJ „Der hes fische Handwerkerstand lrat sich bisher schon, in großem Umsäng an den Lieferungen des H«»eres noch den Arbttten öffentticher Behörden beteiligt. Es gilt aber in der nächsten Zttt vor allem ivttier zu sorgen für die Zuführung nnd Bertttlung der Lieferungen der für die neu zu bildenden Truppen- kttle hervortrebenden Bedürsniss«. Die errungenen Vorteile sch die Zukunft M erhallen, »vtrd weiteres Beitteben sein müssen, Tie Lösung d-tter Aufgabe ist in der Haujfisache eine Organr- s a t i o n s s r a g e und kann wttenklich darrch die Stärkwrg ber Einigkeit und Zusammengehörigkeit der ernHttnen BeruBmme- hövtgcn unterstützt und gefördert werden. Zn d»cs«r Kruge steht die Handwerkskaamner >ruf dem sotandpuntt, daß» der sachgenossen- schasttiäie Zusaurmenschäuß aber naht erst dann erwlgen soll, wenn Lieferimgcn Mir Vergeburtg gelangen, also Aufträge rn Aussicht stehen, sondern gerade das Vorhandensetn der Organisationen soll die Behörde» bewegen, die Liefermtgen den orgamsferien Hoardwerkern zu vergeben. Dir Behörde traut* über das Bestehen und die Leisttrngsfähigkttt der Konwrattonrn btt Zeiten unterrrchtet sttn, um mit genügender Beteiligung rechnen zu köirnen und vcchtzttttge AVlicferarrag sichergtttttlt zu sehen. Es empfiehlt sich daher mehr denn je enger Zusammenschluß der einzelnen Zweige zu Innungen, Litterurags- gemttnschaften oder ffKnossenschafden. Bei Zeiten muh man sich aber darüber klar werden, >velä»e Litterungen in der stets fest- gelegten Fttst ordnungsmäßig ztrr Mlicfernng gebracht werden können. Die zu bildenden Korporationen haben noch seitgelegtem Programm zu arbttten und die Behörden über ihre Lttstungs- fähigkttt LU unterrichten. Die ernste Zeit erfordert ernste Mittel: es bedeuttt eine natto-nale Tot, wenn trotz der Kttegsstürnte und der hierdurch bedingten Abwesenheit tausender »nnger Handwerker die Zurückblttbcnden imrtjchastlich vor- wättsschrttten und die Betttebe in der früheren LttsttingSfähtgkttt erhalten werden köamen. Tos Handwerk soll wttterhrn bewttsen, daß es zur Erhaltung der wittschaftlichen Ueberlegenhttt des deutschen Volkes nicht entbehrt werden kann. Hierzu ist erforderlich ttn ernstes Beschäftigen mll den großen Fragen der Zeit, was an sich schon zu engerem Zuürimnenschluß der eriMlucn Hand- werkszwttge führen sollte." ** Schasst Arbeit für das Baugewerbe! Im Ast. zttgentttl der heutigen Nummer erlassen die Arbtttgebcr und Arbtttnehmrr des Baugewerbes ein« gemeinsame Kundgebung an die Gießener Bevölkerung um 'Aufträge für das Baugewerbe und die Baunebengcwerbe. Es ist leider Tatsache, daß das Gießener Baugewerbe schon vor Kriegsausbruch mit ttner recht ernsten Kttse zu kämpfen hatte, war es doch schwer, Baugelder ftüssig »u machen. Ein geschäftlicher Stillstand tvar für die Beteiligten die Folge. Mit Ausbruch des Ktteges ließen auch noch die wenigen Umbauten lind Reparaturen auf sich Watten, wttl viele Pttvate mit derartigen Aenderungen bis naä> Beendigung des Ktteges zu warten für an- gezeigt hielten. Die Barackenbauten brachten zwar vorübergehend Arbtttsgelegenhttt, mit deren Fertigstellung droht die Arbeitslosigkeit im Baugewerbe aber wieder großen Umfang anzu- nttmien Es zttgt nicht gerade ttn großes Vertrauen zur Sach« des deutschen Volkes, wenn ängstlich mit jedem kleinen Auftrag bis nach dem Kriege grwatttt wird. Wie wir leider erfahren mußten, haben schon ttnzelne Betttebe des Baugewerbes ihre sämtlichen Arbeiter entlassen, hoffen wir deshalb, daß die gemeinsame Kundgebung der Arbttter und Arbtttgeber von Erfolg bc- glttttt stt. ** D i« WohltStrgkertsvorstellung des Stadttheaters an Großherzogs Geburtstag hat einen Reinertragvon über5 00Mark ergeben, welche dem Fonds zur Unterstützung der Hinterbliebenen im Felde gefallener Gießener Krieger zugeflossen sind. ** Ten Automobil bcsi tzrrn bringt der Kriegsausschuß für warme Unterkleidung Berlrn-Rttchstag zur Kenntnis, daß für die nächsten am 6. Dezember begiiureichera und gegen 24. Dezember endenden Sonder-Expeditionen nach dem Kttegsschauplatz im Osten und Westen noch ttne größere Anzahl Personen- und Lastautomobile angmommen werden. Baldige Meldungen «aus allen Plätzen des Deutschen Rttches) mit genauen Angaben über Stärke, Karossierung-Marke, Alter usw. der Wagen sind zu ttchten an Generaldirektor Borzykowski, Berlin^ Eharlottenburg, Neue Kantstr. l. Tel.-Antt: Wilhttm 979. Auch Herrenfahrer und Benitschausseure, die kttnen eigenen Wagen be sitzen, werden gebttcn, sich zu melden und Angaben über Alter, Milfiärverhältnrise, Klasse des Führungsschttnes usw. zu machen. ** Bon den Oberschlesiern, die in unserer Provinz untergebracht waren, sind jetzt 1000 bis 1200 Mann, welche sänitlich Gruben» und Hüttenarbeiter ivarcn, wieder in die Heimat zurück befördert. 300 Mann, welche bereits ihre Gestellung hinter sich hatten und zu Rekruten auegehobeat waren, sind inzwischen bei der Fahne eingestellt und zwar ea. 200 davon für das Regiment Nr. 116. Der Rest dür Leute befindet sich noch in Oberhessen. x «« »■»- -• «- r>t ... ÖBwuftö ©tfßtH. X • «*fce«-Ba|ecf, 28. Nov. Am 24. btejeS Monats Mnb in ben Räumen de« hiesigen Lazaretts die Prüiunq bceier H elserinnen statt, deren Unterricht ber leitenbe Arzt bes Lazaretts, Herr Dr. Geng naget, geleitet hatte. — Am anbern Ta ge wurde anläßlich bes Geburtstages bes Groß Herzogs im Lazarett von ben Verwundeten eine kleine Feier veranstaltet. A Beuern, 28. Nov. Den Geburtstag unseres Groß- h« rzogs leierte bie hiesige Ing enb wehr in ihrem Lokale, bwa »Holländischen Hose', in würdiger Weise. Bürgermeister W alt her, welcher den Vortrag übernommen hatte, wies in demselben aus die Bedeutung des Tages hin und ermahnte die Jugend, als bie Zukunit Deutschlands, stets treu zu unserem Jürslenhause zu stehen. Das begeistert auigenommene Hoch galt dem Geseierten des Tages. Kreis Schotten. 4- LallVach, 27. Nov. Die opferwillige Liebestätigkeit unserer Gemeinde hat sich auch diesmal w-ieder, da es galt, die in Kriegsdiensten cinberusenen Glieder der Gemeinde mit Liebesgaben zu dem kommenden Weihnachtssest zu erfreuen, glänzend bewährt. Der Vorstand der hiesigen Sammclstclle von Liebesgaben hatte hierzu eine Sammlung eingcleitet, die über 600 Mark einbrachte. Auch sreimillig« Spenden gingen zahlreich ein. Unter Leitung von Frau Oberanrtsrichter Zimmer mann haben mehrere Damen die besondere Verteiluirg der Gegenstände an die einzelnen Empfänger ansgesührt und vorläufig 103 Pakete an die im Felde Stehenden heute abgeschickt. Weitere 165 wtiitf sollen an die, tvelche noch in Garnison liege,», Mitte Dezember abgeschickt werden. Zn den nrst Weihnachtsgeschenken Bedachten gehören auch drei Söhne des Gräslichen Hauses, die zurzeit im Felde stehen. Auch zwei Töchter unserer Gemeinde, von denen die eine in einem Feldlazarette in Belgien pflegt, sollen mit Liebesgaben zum Weihnachtssest erfreut werden. •0 Gedern, 26. Nob. .Sehr zahlreich sind die Opser des Krieges in unserer Gemeinde. Nicht weniger als neun von hiev ausgczogene Krieger haben aus dem Felde der Ehre den Heldentat gesunden: von einem anderen fehlt seit längerer Zeit jeds Nachricht. Unter den Gefallenen befindet sich auch der bei jung und alt sehr beliebte und geschätzte Lehrer Wilhelm Lenz, dcit gclegenllich eines Patroulllenganges am 27. September bei Cluny seinen Tod fand. Kreis Friedberg. X Friedberg, 28. Nov. Ter Kommandeur des Land- sttrrmhataillons Friedberg Oberst Wer in er gibt in folgendem Schreiben neue Auszeichnungen bekannt: Den in meiner letzten Mitteilung ironthaft gemachten, mit dem Eisernen Kreuz dekorrerteu Ofiizicren, Unterofsizieven und Mannschaften des Landsturm-Jnj.- Bataillons kann ich heute folgende hinznfügen, die durch die Gnade Sr. Kgl. Hoheit unseres Großherzogs mit der Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet wurden: Oberst Weimer, Kommandeur des Landst.-Jns.--Bat. Friedberg ans Nidda: Hauptmann H o s s e, Genemlstabsoffizicr beim Gouvernement Sttaß- burg, z. Zt. beim Stabe der Abteilung Ferling: Leutnant Becht, Telephon-Offizier beim Stabe der Abteilung Ferling: Leutnaitt Schütz, Kompagmeführer aus Nidda: Feldwebelleutnant Metzger aus Friedberg: Feldwebelleutnant Naumann aus Bleichenbach: Gefreiter Friedrich Mols aus Düdelsheim: Landsturmmanu Phil. Kappes aus Grosi-Karben: Land- slurmmann Wilhelm Koppler aus Vilbel: Landslurmmann Friedrich Höhr aus Fauerbach bei Nidda. Die 7 letztgenannten gehören sämtlich dem Landstnrni-Jns.-Bataillon Friedberg an. Weimer, Oberst und Bataillonskommandcur. Hessen-Nassau. w Kirchhain, 27. Nov. Wie überall, bis in die kleinsten Dorier hinein, sich emc großartige Liebestätigkeit entfaltet, so auch in unserem Kirchsviel. Gegen 1800 Mk ssnb von, Pfarramt, zum Teil für das Note Kreuz, zuni Teil für Nolleibeiibe im K>r chlpiel, in viereinhalb Monaten gesammelt worben. Der Wert ber Naturaigaben übersteigt 1000 Mark. Ueber 500 Mk. sind von den Bürgermeisteräuttern für die »olleibeuben Ostvreußcn gesammelt worben. Eine Sammlung sür WeihuachtSqabeu an unsere Krieger im Felde ergab über 300 Mark. Eine Weihnachts-Ausstellung der Gaben im Piarrbause lockte viele Besucher an. Fleißige Hände im Frauenoercin hatten über hundert Paar Strümpie u. a. hergestellt. — Bis jetzt sind bei ber hiesigen Sparkasse für die Konten: Liebesgaben, Rotes Kreuz, Familiennnterstützung, Ost- vreußen und Elsaß-Lothringen sreiwillige Gaben in Höhe von zusammen 8805,30 Mk. eingezahlt worben. Ebenso sind für das Rote Kreuz bei dem Lanvralsamt hier als sreiwillige Gaben eiugegangcn von den Gemeinden Schisselbach, Svcckswinkel, Himmelsberq „nd Niederwald 788,90 Mk., außerdem eine große Menge Leiiicusachcu, Hemden, Bettzeug und Wollwaren. r. Marburg, 27. Nov. In einem Geichäst machte gestern ein langer Mann. ber sich als Sohn einer hiesigen Familie ausgab, «ine größere Warenbestellung. Zugleich bat er, ihm 60 Alk. Silbergelb gegen Zwanzigmarkscheine zu ivechseln. Man händigte ihm das Papiergeld ein, baß er in ein Kuvert steckte. Er gab bas letztere seboch bald wieder zurück, weil er angeblich bas Hartgeld zu Hause liegen gelassen hatte und dies erst holen wollte. Als der Mann sich nicht wieder sehen ließ, nntersnchte inan bas Kuvert imb sanb darin Papierfetzen. Tie Warenbestellung stellte sich als fingiert heraus. Kießener Strafkammer. th. Gießen, 27. Nov. Vergehen gegen das Gesetz über den Belagerungszustand. Der Landarbeiter A. M. aus Rußland hatte im Kreise Offen- bach gearbeitet und war mit Genehmigung der zuständigen Behörde nach dem Neuhof als Landarbeiter übergesiedelt nnd dort euch eine Zettlang in Arbett. Er wurde entlassen nnd als Arbeiter l»on dem Unternehmer der Umgehnngsbahn Klein-Liirden an- mmen unter der Bedingung, daß er seine Papiere beibringe. Mann ging nach Gießen, um die Legitimation zu holen, wurde aber wegen Bannbruchs in Haft genommen und von der Stras- kammcr zu einer Woche Gefängnis verurteilt, dir durch die Untersuchungshaft sür verbüßt erachtet wurde. In nicht öffentlicher Verband ln ng wurde gegen die Arbeiterin Magnus Sch. Witwe von Grebenau wegen Kuppelei verhandelt. Nach dem öffentlich bekannt gegebenen Urteil wurde die Frau unter Zubilligung mildernder Umstände zu 10 Monaten Gefängnis verurtettl, woraus ein Monat der Untersuchungshaft als verbüßte Strasc in Anrechnung kommt. Ein unverbesserlicher Zechpreller ist der Taglöhner Konrad S.,. gebürtig aus Ranstadt, der eine ganze Mustcrkarte von Vorstrafen anszuweisen hat, bei denen es sich wiederholt um betrügerische Handlungen, speziell um Zechprellerei handelt, sür die er noch vier und drei Atonale imd zwei Wochen Gefängnis zu verbüßen hat. S. war geständig, in Büches den Gastwirt M. um eine Zeche von 78 Pfennig geschädigt zu haben. Wetter aber hat et versucht, dort in der Wirtschaft aus betrügerische Art und Wesse sich 5 Mk. zu verschaffen. Der Gerichtshof billigte wegen des geringen Objekts, um welches sich der Angeklagte bereichert hat, demselben noch einmal mildernde Umstände zu, war auch der Ansicht, daß es sich hier bei dem vollendeten nnd versuchten Betrug um eine einheitliche Begangenschatt handelt, und erkannte unter Einbeziehung der noch nicht verbüßten, zuletzt erkannten Strafe auf eine Gesamtstrafe von 6 Monaten Gefängnis. Berufungen gegen Urteile des Schössengerichts wegen Privatbelcidigung wurden unter dem Gesichtspunkt zurückgenommen, daß die heutige ernste Zeit nicht dazu angetan ist, ein wenn auch hartes Wort, das in der Erregung gefallen, zum Gegenstand einer Klage zu machen. Besonders schlug die Mahnung des Vorsitzenden, Landgerichtsdirektor Prätorius, bei den Parteien für einen Vergleich durch: Es solle in der jetzigen schweren Zeit ein jeder Deutsche ein Beispiel geben, daß er mit allen seinen Nebenmenschen in Frieden auskommen kann. i GeriehtsfaaL. Straßburg, 27. Nov. (Privattelegranim.) In Zabern ist, wie die „Straßburger Post" Mitteilt, die 71 Jahre alte Rentnerin Marie So y er zu drei Monaten Gefängnis, 100 Mk. Geldstrafe nnd Tragmrg der Kosten verurteilt worden. Die An- gellagte hatte am 16. August die einrückenden Franzosen mit dem Ruf „Vivcnt les srancaise" begrüßt und eine französische Fahne ausgehängt. Sie gab an, daß sie damit ihr Haus habe schützen wollen. Im übrigen habe sie mit ihrer Sympathie für Frankreich nie ein Hehl gemacht. Zndüm habe sie auch mehrere Verwandte als Lssiziere in der sranzösischen Armee. Verrnischte». 'Vater, Sohn »nd Enkel Ritter des Eisernen Kreuzes. Ans Kassel schreibt man uns: In der hier ansässigen Familie v. Merkatz ist bas Eiserne Kreuz in drei Generationen vertreten. In den Befreiungskriegen erwarb sich der Leutnant Eduard v. Meckatz zunächst in der Schlacht hei Kulm das Eiserne Kreuz zweiter Klasse. Er ging bann nach Frankreich und wurde dort bei Ligny wegen hervorragender Tapferkeit mit bem Eisernen Kreuz erster Klasse ausgezeichnet. Sem Sohn war der im Jahre 1886 i» Kassel verstorbene Major v. Meckatz, der de» Feldzug von 1870 71 mitmachte und bei Metz das Eiserne Kreuz erhielt. Dessen Sohn wiederum, der Hanvtmaiui und Führer einer Maschmcngewehrabtcilniig, Friedrich August v. Merkatz. ist im gegetiwärligen Feldzug au! beur westliche» Kriegsschauplatz mit dem Eisernen Kreuz dekoriert worden. Stt»ttvest,,ntsnc,chricyrcn. Gießen. Aiiigeböte: November 23. Friedrich Fritzges, Schneider, mit Wilhelmme Seipp, beide in Gießen. — 24. Adam Heinrich Ommert, Schrcinerrneister, mit Minna Karoline Lehrmund, beide in Gießen. Eheschließungen: November 21. Tr. Friedrich Karl Weigand, prakt. Arzt in Groß-Fclda, mit Auguste Georgine Minna Katharina Jnderthal in Gießen. — 23. Heinrich Berg. Modell- schrciner, mit Margareta Katharina Kreß, beide in Gießen. Geborene: November 14. Dem Fuhrmann Adam Beil eine Tvckiter, Anna Frieda. — Dem Geschäftsreisenden Wilhelm Kunz eine Tochter, Helene. — 15. Dem Kutscher Karl Philipp Müller ein Sohn, Karl. — Dem Bauunternehmer Wilhelm Lin- denstrutl, eine Tochter, Margareta Johanna Elisabeth. — 19. Dem Gastwirt Heinrich Neuling eine Tochter, Emmi. — Dem Fuhrmann Karl Julius Lehmann eine Tochter, Anna Karoline, — 25. Dem Photographen Philipp Wagner eine Tochter, Margarete. — Dem Kaufmann Paul Friedrich August Heidlindemann ein Sohn, Paul Jakob. Sterbefäll«: November 24. Maria Becker, geb. Hau- bach, 53 Jahre alt, Kaiser-Allee 13. Im Felde gefallen: August 22. Willi Hansniann, Heizer, Wehrmann, 29 Jahre alt, Walltorstraße 43, bei Anloy gefallen. — Theodor Heinrich Eduard Mattel, Hauvtmann, 39 Jahre alt, Wolfsttaße 20, bei Anloy gefallen. — Wolfgang Alexander von Erhardt, Leutnant, 21 Jahre alt, Landgrai-Philipp- Platz 4, bei Anloy gesallen. — Viktor Julius Karl Willibald von Welchen, Hauptmann, 33 Jahre alt, Walltorstraße 71, bei Anloy gesallen. — Ernst Heinrich Paul Schich, Schneider, Musketier, 21 Jahre alt, Mäusburg 3, bei Anloy gesallen. — Georg Johann Heinrich Flocke, Schlosser, Musketier, 21 Jahre alt, Bnddestr. 6. bei Anloy gefallen. — Johannes Born, Unteroffizier, 23 Jahre alt, Kaiser-Allee 116, bei Anloy-gefallen. — Adols Friedrich Hermann Müller, Schreiner, Reservist, 24 Jahre alt, Schisfenbcrger Weg 16, bei Anloy gesallen. — August 28. Johannes Reining, Postbote Gesr. d. Res., 26 Jahre alt, Wilhelmstraße 51, bei Antre- court gesallen. — September 9. Karl Hahn, Bankbeamter, Unteroffizier, 24 Jahre alt, Liebigstraße 68, zu Roumont gestorben. — Oktober 6. Jakob Rosenbaum, Kaufmann, Unteroffizier der Res., 28 Jahre alt, Schützenstraße 15, bei Parvillers gefallen. — 31. Wilhelm August Ernst Bötticher, Student, Einsähng-Freiwilliger- Gesreiter, 19 Jahre all, Ludwigftrahe 59, bei le Qnesnoy gesallen — Johann Wilhelm Herrlein, Lehrer, Kriegsfreiwttligrr, 26 Jahre alt, Steinstraße 82, bei le Quesnov gesallen — Gustav Adolf Rosar, Verwalter der Vrtcrinärklinik, Unteroffizier »er Reserve, 27 Jahre alt, Frankfurter Straße 90, bei le Qnesnoy gesallen. Ernst Adols Julius Brinkmann, Assistent der Chemie an der Landesunioersität, Kriegsfreiwilliger, 24 Jahre alt, Licbisstr. 91, bei le Qnesnoy gesallen. — November 2. Valentin Joseph Wenzel, Feldwebel, 30 Jahre alt, Kaiser-Allee 116, bei le Qnesnoy gesallen. Letzte Nachrichten. Eine Rirsenschlacht im Westen? Berlin, 28. stiov. Einer Koperchagener Depesche der „Köln. Ztg." zufolge drahtet der Mitarbeiter der „Daily Chronicle" aus Nordfrankreich, auf der Linie Npern- La Bassee entwickele sich eine Ries e n s ch l a ch t. Die deutschen Truppen seien von dem vereinigten enZlisch-frau- zösischen Heer angegriffen worden. Der Kamps dauere bereits 48 Stunden. Berlin, 28. Nov. In Oostburg wurde gestern, wie der „D. Tagesztg." aus Rotterdam berichtet wird, wieder schwerer Kanonendonner ans Südwesten gehört, wonach zu urteilen sei, daß die englische Flotte erneut an den, Kampfe teilnehmc. Zur Lage im Osten. i. Kö ln , 28 . Nov. Die „Köln. Ztg." meldet aus Zürich: Der militärische Sachverständige des „Berner Bund" betrachtet die militärische Gesamtlage im Osten als zurzeit noch vollkommen ungeklärt. Der russische Einbruch in Ungarn. i. Köln, 28. Nov. Die „Köln. Ztg." meldet ans Budapest: Ein Berichterstatter des Blattes „Est" hatte ettie Unterredung nrit einem in den Karpathen gefangenen russischen Haupt mann. Derselbe erklärte dem Berichterstatter, die Russen hätten mit dem Einfall durch die Karpathen lediglich das Land beunruhigen wollen. Ein anderes Ziel hätten sic nicht verfolgt. — In den Kämpfen im Unger Komitat sind die Russen überall geschlagen worden. v i Eine Spende der Stadt Wien für die Türken. Wien, 27. Nov. (WTW. Nichtamtlich.) Bürgermeister Tr. Weißkirchner überreichte heute hem türkischen Botschaster Hussein Hilmi-Pascha eine Spende der Stadt Wien für den türkischen Roten Halbinond im Betrage von 2 0000 K roneii, wobei er der wärmsten Sympathie für das osmanische Rcich und der Ermattung siegreickier Känrpfe der ruhmreichen türkischen Armee Ausdttick gab. Ter Botschaster dankte tn wärmsten Worten für die Spende, feierte die rnhinreiche österrcicliisch- ungarische Arinee, gedachte ehrsurchtsvollst des erhabenen Monarchen und sprach die Ucberzeugung aus, die Spende werde im ganzen osmanischen Reich freudigen Widerhall finden. Weitere russische Rüstungen. Mailand, 27 .Nov. lWTB. Nichtamtlich.) Einer Meldung, des „Eorriere dclla Sera" zufolge sind in Rußland achit Klassen Landstnrnk anlgeboten worden. Die Linderung der Not in Ostpreußen. Berlin, 28. Nov. Ter Aufruf des Deutschen Städtetages gemeinsam mit dcni Rcichsverbandc deutscher Städte zur Spende von Beiträgen zur Linderung der Kttegsnot in Ostpreußen hat reiche Früchte gttragen, ebenso die Sammlung für Elsaß-' Lothringen. Bis jetzt wurden insgesamt 2Vi Millionen Mark gezeichnet. Notstnndsarbeilen in Breslau. Berlin, 28. Nov^ Ein Kredit von 5 Millionen Mark ist von der Breslauer Stadtverordnetenversammlung zur Llussüh- rung von Notstandsarbetten bewilligt worden. Englische Flieger. Basel, 27. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Nach einer Meldung der „Baseler Nachrichten" mis Mailand sind die englischen Flieger Bobington und Sippe in Paris eingctroffen. Beide waren auch an der Fahrt nach Tüsseldors betettigt. Sie haben von der Admiralität unbeschränkte Handlungsfreiheit erhalten. Alle zwei gehören dem Fliegerkorps der britischen Marine an. Sie können als solche eigene Flüge unternehmen mit der einzigen Vervslichtung, vor der jewelligen Absalirt die Heeres- leitnng zu benachrichtigen. ^>ie wollen die schweizerische Nenlrali- lät nickt verletzt haben, erklären aber anbererseils, sie seien immer dem Lause des Rheins entlang geflogen. Sic haben 11 Bon:ben' in FrieörichShafen geworfen. Die englische Kriegsanleihe. i. Köln, 28. Nov. Tie „Köln. Ztg." meldet von der holländischen Grenze: Laut einer Mitteilung des englischen Schatzkanzlers Lloyd George im Parlamente ist die englische Kriegsanleihe von 10 Milliarden Mark zioeinial gezeichnet worden. Danach scheint der Krieg den Engländern denn doch um ein erhebliches teurer zu kommen als uns. Tie Red. d. G. A.) Das Engländrr-Lager in Rnhlcüen. Berlin, 28. Nov. 200 Engländer wurden gestern nachmittag wieder aus Berlin nach Ruhleben gebracht. Aus Großberlin befinden sich jetzt über 70 0 Engländer in dem Lager. Professor vc Claparöde. i. Köln, 28. Nov. Tie „Köln. Ztg." meldet aus Zürich: Ter Professor an der Züricher Universität de Claparöde, der sich wegen seines den Deutschen gerecht werdenden Verhaltens den Haß der französisch denkenden Studenten zugezogen l-atte. hat ein Urlaubsgesuch eingereich r. kübenZekneiäei- Futterschneide- maschinen Viehfutterdämpfer Kesselöfen Kartoffelquetschen Kartoffelsortiermaschinen Schrotmühlen Haferquetschen Strohschneider Jauchefässer Jauchepumpen Milchzentrifugen Buttermaschinen «SW. 11119 empfiehlt billigst M.Rosenthal Liebigstraße 13 Fernsprecher77. la. TMcslmptii für unsere Krieger in allen Preislagen. 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Forstassessor Carl Schmall Leutnant der Reserve und Kompagnieführer im Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 118 Trotz der ihm bevorstehenden gefahrvollen Reise verliess er seine Stelle als Holländischer Forstinspektor und Oberförster auf Java (Indien), um zu den Fahnen zu eilen. Im Namen der Hinterbliebenen: Giessen, New-York, Bingenheim, den 28 . November 1914 . Schmerzerfüllt teilen wir mit, dass unser lieber, hoffnungsvoller Sohn, Bruder und Neffe Wilhelm Schieferstein Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 116, 8. Kompagnie am 25. November in Homburg v. d. Höhe, nachdem er von seinen im Kampfe um das Vaterland erlittenen Verwundungen soweit hergestellt war, an einer sich zugezogenen schweren Krankheit im Alter von 27 Jahren gestorben ist. In tiefer Trauer: Ww. Charlotte Schieferstein Giessen, 27. Nov. 1914 Elisabeth Schieferstein FamilieW. Walter,Oueckborn. Seltersweg Nr. 89. Die Beerdigung findet Sonntag, den 29. November, nachm. 4 Uhr, auf dem hiesigen neuen Friedhof statt. (1184t Verein chcmnlincr littet Kaiscr-Witticlm-Rest. (Siesten Infolge feiner Verwundung starb im Lazarett unser lieber >tamerad Reservist Willi Tchieferstein Reserve Jns.-Rcat. Nr. 116, Die Beerdigung findet Sonntag, den 29. Noo. 19lt. nachmitwgs 4 Uhr, von der Kapelle des neuen Fricdhoses ans statt. Ilm zahlreiche Bc- leilin»»,, wird gebeiru. >,,,„vl Der Vorstand. Auf dem Felde der Ehre fielen fürs Vaterland in Feindesland unsere treuen Tnrnbriider und guten, treuen Freunde Heinrich Becker Gcsr.derLandwehr im Landw.-Jns.-Rest. 11« ilangiahriger erster Vorsitzender, Schriftführer »nd Bimdesrcchncrs Philipp Becker Vefreitcr im Infanterie-Regiment US Wilhelm Peter Gefreiter der Rek. im Inf. Regiment II» Carl Müller Unteroffizier im Infanterie Regiment 168. Wir werde» ihnen ein ehrendes Andenken bewahren. „„„ Turmrem iHtistinfitn. Heute nacht entschlief sanft nach kurzem Kranksein unser geliebtes Kind Heinrich E im zarten Alter von 3 Monaten. Die trauernden Eltern: Eduard Krüger u. Frau. Gießen (RodhcimcrSlr.36), 27.Nov. 1914. Für die zahlreichen Beweis« herzlicher Teilnahme an unserem schweren Bcrlnste sagen wir innigsten Dank, besonders für die zahlreichen Kranzspenden. Die trauernden Hiiitcrdtiebenen: ii 853 Familie Karl Ttrackbein Familie Karl Pfeiffer. Krofdorf, den 27. November 1914. Für die liebevolle Teilnahme an unserem ! schweren Verluste sagen wir den Beamten und den Strabenwnrtern des Kreises unseren herzlichsten Dank. Familie Haas. Oppenrod, den 27. Nov. 1914. 08193 Trauersachen werden in kürzester Zeit tadellos schwarz gefärbt. J. C. Wallenfels Färberei, chemische Wasch-, Dekatur- und Bettfedern- UeiniffUDgs-Anst alt. Fabrik u. Laden Kirchcnplnt* 21—23. Telephon 644. Aufträge nach außerhalb werden prompt erledigt. (11264 Großes Lager Oefen Es gehl nichts über ein gut durchwärmtes Zimmer und dieses erreichen Sic nur mi! einem echten von der Firma Esch & Eouiv., Mannheim. 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Mit Fertigstellung der Barackenbaitten des Gefangenenlagers droht die Arbeitslosigkeit großen Umfang anzunehmen. Vielen Handwerksmeistern wird durch an- dauernde Beschästigungslostgkeit die Existenz bedroht, den Arbeitern dieser Betriebe treten Arbeitslosigkeit und Not entgegen. In einer solchen Zeit richten wir deshalb an die Gicßener Bevölkerung die dringende Bitte, mit Aufträgen für das Baugewerbe und die Baunebengewerbe nicht znrückznhalten und es durch Opfersinn zu ermöglichen, unsere Gewerbe lebensfähig zu erhalten. Die Beschaffung ausreichender Arbeit für Vas Handwerk muß als eine der wichtigsten Aufgaben des öffentlichen Lebens angesehen werden. Ist sie doch die beste »nd wirksamste Form der Kriegshilfc. Die Vereinigungen der Giestener Handwerksmeister im Maurer-, Schreiner-, Schlosser-, Glaser- und Weifsbindergewerbe. I. A.: Georg Becker. Die verbände der Bauarbeiter, Holzarbeiter. Glaser. Metallarbeiter und weistbinder in Giehen. I. A.: A l b i n M a n n. M1( , Diezstraüe 6 GIESSEN Diezstraße 6. Willkommene Weihnachts^abe für unsere Soldaten in den Schützengräben: schwere kameihaarf arb. Schlafdecken Größe ca. 150/200 cm, das Stück Mk. 3.75 11779a FRITZ NOWACK