m. 27? Zweites Blatt m. Jahrgang Mittwoch, 25. November IM Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. Die „kießener Zamilienblätter" werden dem »Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das „Rreisblatt für den Urei; Eiehen" zweimal wöchentlich. Die „randwirtschasllichen 3eil- sragen" erscheinen monatlich zweimal. General-Anzeiger für Gberheffen Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäls - Buch- und Steiudruckerei. R. Lange, Gießen. Schriflleitung,Geschäftsstelle ».Druckerei: Schul» siraße?. Geschäftsstelle u.Verlag:s^L1,Schri!l- leitung: e^U2. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Die deutschen Siedlungen am Schwarzen Meer und im Raufasus. 2er furchtbare Weltkrieg hat wohl den meisten Reichsdeutschen erst zum Bewußtsein gebracht, welch bedeutende Außenposten unser Volkstuin zu verzeichnen hat. Als die Scharen ansgewiesencr Deutscher zu Beginn der Feindseligkeiten aus Belgien, Frankreich, England und Rußland in die alteHeimat strömten, oft jederBarmittel beraubt uird nur notdürftig bekleidet, da erfaßte ihre daheimgebliebenen Brüder und Schwestern nicht nur tiefes Mitleid mit den Mißhandelten, ein allgemeines Staunen ging durch das Reich über die Menge der Deutschen, die sich durch Klugheit und Fleiß im Westen und Osten Europas unter anderen Völkern eine achtbare Existenz geschaffen hatten. Und doch ist die Zahl der Auslanddcutschen, die deutsche Reichsangehörige geblieben, klein gegen die Massen, die fremde Staatsbürger geworden sind, ohne deshalb ihre Sprache und ihre Abstammung vergessen zu haben. In welch furchtbaren Zwiespalt mögen vor allem die Dcutschrnssen gekommen sein, die stets die besten Bürger des Zarenreiches gewesen sind. Daß sie als solche selbst heute ihre schwere Pflicht ihrem neuen ,,Vaterlandes gegenüber erfüllen werden, trotz aller Verdächtigungen und Anfeindungen der panslavistischen Kreise, ist unzweifelhaft. An ihnen scheint sich wieder einmal das Rüdiger-Schicksal so vieler deutscher Stämme zu erfüllen, die in unwandelbarer Treue zu den erkorenen fremdetl Fürsten dem Untergange entgegcngingcn. Zu diesen verloretien Außenvosten unseres Volkstums dürsten auch nach den „Mitteilungen des Vereins für das Deutschtum im Ausland" die von unserem geschlossenen Sprachgebiet räumlich so tveitab tvohnenden detilschen Siedler am Schwarzen Meer und im Kaukasus gehören. Bisher halte der Krieg auf ihr Schicksal geringeren Einfluß ausgeübt, als aus ihre in Polen und den Ostseeprovinzen beheimateten Brüder, die der russischen Regierung infolge der Nähe der deutschen Grenze besonders verdächtig sind. "Nunmehr aber, da die Türkei mit Rußland im Kampf liegt, sind sie auf einmal mitten in die Wirren hineingerissen worden. Die osmanische Flotte hat bereits mehrere russische Häsen beschosien und das osnianische.Heer ist in das Knukasnsgebiet eingerückt, ^o werden auch die blühenden deutschen Siebe» hingen im fernen Südosten von der Kriegsfurie nicht verschont bleiben. Am Schwarzen Meer wohnen die deutschen Bauern vor allem zwischen der Donanmündung und der .Halbinsel Krim. Die lange Zeit unwirtlichen Gebiete gleichen heute, soweit der deutsche Einfluß reicht, einem gesegneten Garten. Die Einwanderung erfolgte vor etwa einem Jahrhundert. Drei deutsche Kreise können wir gegenwärtig feststellen, die die anheimelnden Namen Landau, Rastatt und Rohrbach führen. Der erste umfaßt 1335 Hofstellen mit etwa 13 000 Einwohnern. der zweite 420 .Hofstellen mit 5500, und der letzte 703 Hofstetten mit 4200 Einwohnern. Die demsche Gesamtzahl beträgt rund 23 000 Köpfe. Die meisten Ansiedler stammen aus Süddeutschland: in den letzten Jahren hat sich eine starke Auswanderung nach Amerika und Sibirien bemerkbar gemacht. Die Deutschen im Kaukasus wurden ebenfalls vor beiläufig 100 Jahren herbeigerusen. Es waren vor allem Wiirt- temberger, bekanntlich die tätigsten und unermüdlichsten Kolonisten der Welt. Ihre Zahl beläuft sich aus 50 000 Merv- schen: im Gegensatz zu den vorwiegend katholischen Bauern am Schwarzen Meer gehören sie dem evangelischen Bekennv- nis au. Aller russischen Willkür, allen Naturgewalten und allen räuberischen Eingriffen der halbwilden Nachbarn zum Trotz, haben sich diese Volksgenossen gut deutsch und lebenskräftig erhalten. Welche Folgen aber unter den gegenwärtigen unsicheren Verhältnissen die echt russische Verfügung haben wird, wonach die Deutschen, die aus Staatsländereien sitzen, russische Bauern imter sich aufnehmen mußten, wird sich erst im Verlaufe des Krieges zeigen. Jedenfalls haben wir Ursache genug, der Zukunft dieser versprengten Volkssiedlungen mit großer Sorge entgcgcuzusehen. oeulsch-sreundliche Aeutzerrmgen aus Griechenland. Die Firma Heyligenstuedt u Co. in Gießen hat .aus Athen briefliche Aeußerungen einer dortigen technischen Firma (Alexander Zacharioft u. Cie.) erhalten, aus denen hervorgeht, daß in manchen hellenischen Kreisen das Deutschtum in sehr hohem Ansehen steht. Das interessante Schriftstück lautet: Athen, den 25. Oktober 1914. Viele unserer deutschen Freunde stellen uns regelmäßig Kriegsmeldungen, Berichte sowie Zeitungen usw. zur Verfügung, welche wir gerne zweckenisprechcno verwenden. Es ist wirklich zu bedauern, daß die Nachrichten, welche vom Kriegsschauplatz zu uns gelange», meist den Stempel der Einseitigkeit tragen und allerlei Unwahrheiten ewhaltcn. So lourde hierdurch auch bei uns ein Teil der Presse beeinflußt und berichtete und kommentierte über angebliche deutsche Niederlagen und deutsche Greueltaten. Es muß aber zugleich zugestanden toerden, daß auch die am ärgsten von den einseitigen Nachrichten beeinflußten Zeitungen es nicht unterlassen haben, auch Nachrichten von deutscher Seite aus, sowie die von Ihrer hiesigen Gesandtsckfast regelmäßig zur Verfügung gestellten Berichte zu veröffentlichen. Es kann ferner behauptet werden, daß, wenn nicht andere Faktoren mitgespielt hätten, wie z. B. die freundschaftlichen bezw. sehr intimen Beziehungen Deutschlands zu unserem Erbfeinde, der Türkei, und wenn die Ueberlassunq der deutschen Kriegsschiffe „Goeben" und „Breslau" an letztere nicht hinzugekommen iväre, ivas, wenn auch von deutschem Standpunkte aus als berechtigt erscheint, bei uns aber nicht unbegründeterweise vielfach mißverstanden wurde, und zivar um so mehr, als das alles zu einer Zeit sich ereignete, wo die Türkei die dort lebenden Griechen scharenweise (bis jetzt ca. 300 000) und barfuß hinauswirst, indem sie ihr Hab und Gut ohne weiteres sich aneignet, so hätten auch die mit der grüßten Geschicklichkeit verbreiteten Lügennachrichten sicherlich keinen fruchtbaren Boden gesunden. Es muß dennoch bemerkt werden, daß Volksdemonstrationeii oder irgend welche Kundgebungen weder zugunsten Ihrer Feinde iwch weniger zu ungunsten Deutschlands bei uns stattgefundcn ha- üen, wie letzteres ja leider in anderen Ländern der Fall gewesen ist, von denen Sie im Gegenteil fleunüschastliche Kundgebungen zu beanspruchen hätten. Wir meinen Ihr verbündetes Italien und Rumänien. Aus alledem geht hervor, daß, wenn auch einige Ausschreitungen der Presse stattgesunden haben, letztere hauptsächlich dem Einfluß der auswärtigen Nachrichten, sowie den oben geschilderten Faktoren zuzuschreiben und. Unser Minislervräsident Venizelos jedoch bat in der ersten Kammersitzung nach dem europäischen Kriegsausbruch, indem er die Neutralität Griechenlands offiziell erklärte, jede Preffenausschreitung gehörig gebrandmarkt. Wie aber kann die Wahrheit in ihrem Wege ausgehalten werden? Auch das meisterhafteste Lügengewebe kann nichts wie eine temporäre Haltbarkeit kxiben. Es zerfällt bald in sich und muß der edlen Wucht der Wahrheit Platz machen. So gelangen auch zu uns allmählich die wahrhe tsgctreuen Berichte über deutsche Kriegsführung und deutsche Siege, welche nichts anderes sind als die natürliche Folge des deutschen Patriotismus, Ihrer Eimgkeit und Disziplin, der idealen Organisation aller deutschen Staatseinrichtungen und Ihres systematischen, zielbewußten Wirtschaftlichkeitssinns, welche schließlich die wohlverdiente Bewunderung und Anerkennung zur Folge haben werden. Dann der Grieche, der auch vor kurzem heldenmütig gekämpft hat, ist stets ei» wahrer Bewunderer aller Tapferen. Die patriotische, zielbewußte und systematische Arbeft zur Auf- llärung des Auslandes über die deutsche Sache, welche von dem gesamten schassenden Deutschland an den Tag gelegt wird, rust unsere Bewunderung hervor, und es drängt uns, den aufrichtigsten Wunsch auszusprechen, daß in Zukunft sowohl vom schassenden Deutschland als auch parallel von der deutschen Diplomatie mit demselben Interesse und Energie, sowie Verständnis daran gearbeitet wird, daß das Ausland über das deutsche Wesen unddie deutsche Kultur ausgellärt wird, so daß dasselbe für letztere Interesse und Liebe bekommt. Wir sind der Ansicht, daß, wenn dies früher schon überall in dieser Weise geschehen wäre, die zu Ihren Ungunsten verbreiteten Lügennachrichten überhaupt keinen fruchtbaren Boden im Auslande gesunden hätten. Wir wollen bestimmt hoffen, das unsere obigen Ausführungen richttg verstanden werden, denn sie rühren von einem wahren und aufrichtigen Interesse für deutsche Kultur her, für deren Verbreitung wir, wett davon entfernt, Polittk treiben zu wollen, und nur in der festen Ueberzeugung, daß wir dadurch das gegenseitige Verständnis der beiden Völker zu deren gemeinschaftlichem Wohle fördern, von jeher eine große Rolle gespielt haben. Wer schließlich, wie wir, das Glück gehabt hat. deutsche Kultur, gewissenhafte Arbeit und Pflichttreue jahrelang praktisch und gründlich kennen zu lernen, kann von deni innigen Wunsch beseelt sein. Möge das große deutsche Volk und seine erhabene Kulturarbeit unbeeinträchtigt aus dieser schweren und unheilvollen Krisis bervorgehen zuni Segen seines großen Vaterlands und nicht weniger zum Segen der ganzen Menschheit, was doch das höchste Ziel und die erhabendste Genugtuung einer jeden großen Nation bilden muß. Was die in dem Schreiben angeführten Grausamkeiten und Ausweisungen durch die Türken anlangt, so nniß dazu bemerkt werden, daß sie doch wohl als Wiedervergeltungs- nraßregeln betrachtet werden müssen. Die Griechen werden in ihren neuen Gebietsteilen die türkische Bevölkerung wohl auch nicht gerade mit Glacehandschuhen «rnfassen. Die Tätigtet und die Ausgaben der „Roten Rreuzes" in Eichen. i. O Gießen, 24. Nov. lieber die Zwecke und Ziele des „Roten Kreuzes" bestehen in weiten Kreisen noch Unklarheit und falsche Vorstellungen, die den Interessen dieser so überaus segensreichen Organisation nicht dienlich sein können. Nachstehende Ausführungen seien daher der Aufmerksamkeit unserer Leser ausdrücklich anempfohlen: Die Pflege unserer verwundeten und erkrankten Truppen ist zunächst Sache des staatlichen Kriegssanitätsdienstes, welcher hrerbft durch die fleiwillige Krankenpflege wesentlich unterstützt wird. Letztere hat sich naturgemäß den staatlichen Organen zu unterstellen. Der Kviegssanitälsdienst muß. einheitlich geregelt bleiben und kann vom Staate nicht aus der Hand gegeben werden. Das Hauptgebiet der freiwilligen Krankenpflege ist das Etappen- und Heimatsgebiet, nicht ausgeschlossen und in diesem Feldzug schon stark geübt ist die Verwendung der fteiwilligen Krankenpflege im Kriegsgebiete selbst. An chrer Spitze steht der kaiserliche Kommissar und Militär-Jnspekteilr der fteiwilligen lkrankeupflege Friedrich Fürst zu Solms 'Baruth, welcher durch Delegierte im Etappen- und Äeimatsgebiet unterstützt wird. Territorial-Dele- gierter für unser Großhcrzogtum ist der G-rohh.-Hesjische Minister des Innern Herr v. Hombergk zu Bach. Das wichttgste Organ (der fteiwilligen Krankenpflege ist das „Deutsche Rote Kreuz". Jeder Bundesstaat hit einen selbständigen Landesverein gebildet: durch Ueberciukunft vom 27. Alm. 1908 ist iirües eine Gesamtorgmttsatton der deutschen Vereine' vom Roten Kreuz geschaffen ivorden. Tic gemeinschaftlichen An-: gelegenhsiten werden durch ein Zentral-Komitee Mit dem Sitze in Berlin besorgt- Die LandrSvereine selbst gliedern sich wieder in Zweigvereine. Die Hauptaufgabe des Roten Kreuzes ist, im Kriegsfälle den militärischen Sanitätsdienst mtt allen ihm zu Gebote stehenden Kräften und Mitteln zu unterstützen. Im Frieden fft di« Erfüllung dieser Aufgabe Vor-zubererten» insbesondere durch Gewinnung und Ausbildung fteiwilliger Pflege» kräfte für den Kriegsfall: Krankenttäger zusammeugefaßt in Sam» tätskolonnen und Krankenpfleger, Vorsorge für Gründung von Vereinslazarctten, insbesondere durch Verträge mit bereits be» stehenden Krankenhäusern. Vorbereitungen von Verband- und Er» ftischungsstationen. Mit dem l. MobllNiachungstage, 2. August 1914, sind der Hessische Landesverein vom Roten Kreuz und der Alice-Frauen-,' Verein zu gemeinsarner Kriegstätigkrit in der Weise zusammen» getreten, daß, die Mttglieder des Zenttal-Komitees des Alice- Frauen-Vereins in den Vorstand des Landcsvereius cinaetretcn sind. Dieser Vorstand führt sür die Dauer des Krieges den Namen „Der verstärfte Vorstand des Hessischen Landesvcreiiis vom Roten Kreuz". Für Gießen besteht die gleiche Vereinigung der Zweigverbände beider genannter Vereine. Durch Vereinbarung mit dem Herrn Oberbürgermeister ist kür Gießen die Tättgkeit d-S Roten Kreuzes aut die Sorge sür die verwundeten und im Felde stehenden Krieger selbst beschränkt worden, während die Fürsorge für ihre zurückgebliebenen Familien der städtischen Verwaltung überlassen wurde, welche zu diesem Zweck besonder« Ausschüsse für. Wohlfahrtspflege. jkmd«- fürsorg«. Lebensmittelversorgung usw. gebildet hat, nachdem seitens der Stadtverordncteiivcrsannnlung sür Familienversorgung eine Summe von 50000 Mk. bewilligt wurde, wozu noch die Aus neuen Briefen Bismarcks. Einen neuen tiefen Einblick in das Seelenleben Bismarcks gewähren die Briefe an Schwester und Schwager, die soeben von dem bekannten Bismarck- Forscher Horst Kohl bei der Dieterichschen Verlagsbuchhandlung Theodor Weicher in Leipzig herausgegeben worden sind. Einzelne Briefe an die jüngere Schwester Malwine, mit der das ungetrübteste und innigste Verhältnis Bismarck bis znm Lebensende verband, waren schon früher veröffentlicht worden und warfen ein Helles Licht auf die Kniephofer Zeit, aus die Jahre, die der Bruder als Bundesgesandter in Frankfurt und als Botschafter in Petersburg verlebte. Nun aber ist die ganze Reihe der Btiesfe, die Bismarck an dso Schwester und an den Schwager Oskar von Arnim, einen alten Jugendfreund, geschrieben, dem deutschen Volke zugänglich gemacht wurden Und ihm damit eine neue Offenbarung geschenkt von dem einzigartigen Reichtum an Größe und Kraft, an Gemüt und Humor, die in dem Geist des eisernen Kanzlers ruhten. Die ganze überwältigende Skala warmer Herzenstöne, die in diesen den Briesen an Frau nüd Kinder sich ebenbürtig an die Seite stellenden Ergüssen angeschlagen ist, geht von der köstlichen Anmut des leichten Plauderers bis zu der schwer errungenen Lebensweisheit des großen Denkers, von der knapen schlagenden Charakteristik historischer Persönlichkeiten bis zu der Weltweite politischer Ausblicke, von der stürmischen Heiterkeit des „tollen Junkers" über die liebende Wärme des guten Ehemannes und Vaters' bis zur düsteru Wehmut des um die Zukunst seines Volkes besorgten Greises. Wie schlicht persönlich und doch mit dem Ewigkeitsblick des Genies berichtet er von den großen Ereignissen seines Lebens. So wenn er der Schwester seine Verlobung nritteift: „Es ist dock» sehr angenehm, verlobt zu sein: ick sehe seitdem mit ganz anderen Augen in die Wett, langweile mich nicht mehr und habe wieder Lust und Mut zu leben. Fe wehr und je ruhiger ick mich in die Idee einleb«, desto deutlicher ivird mir, dar ah einen verständigen und erneu glücklirtwn schritt getan habe, und meine Hoffnung ist. daß mich diese Ueberzeugung nie »erlassen ivird. Jetzt, nun ich nahe an das Heiraten komme, 'eufftet mir recht ein, wie sehr ernsthaft dies Geschäft ist, und wie ich Gott zu danken habe, daß er den blinden Eifer, mit dem ich — heiraten wollte, unschädlich machte. Wir waren in keiner Weise, nach Gemüt, Bildung und Gewohnheiten für einander geeignet, und ich würde die vorübergehende Annehmlichkeit, eine hübsche Frau zu haben, mit langjähriger Unbeftiedigtheit. im besten Falle mir Langewelle, möglicherweise mit Krieg und Exzeß bezahlt haben." Das Hinscheiden der Frau von Blankenburg, durch die er seine Braut kennen lernte, stellt ihm die Macht des Todes zmn ersten Male so recht vor Augen. „Es ist eigentlich das erstemal," fthreibt er am 18. November 1846, „daß ich jemand durch den Tod verliere, der mir nahe stand, und dessen Schecken eine große und unerwartete Lück in meinen Lebenskreis reißt. Der Verlust der Eltern steht in einer andern Kategorie: er ist nach dem Lauft der Natur vorau^usehn, und der Verkehr zwischen Kind und Ettern pflegt nicht so innig und das Bedürfnis desselben, aus Sette der Kinder wenigstens, nicht so lebhaft zu sein, daß wir bei ihrem 'Tode nicht eher Mitleid und Wehmut als heftigen Schmerz, über den eigenen Verlust, empfänden. Mir wenigstens war dies Grfülst der Leere, dieser Gedanke, eine mir teuer und notweickig gewordene Person, dereir ich sehr wenig habe, nie wiederzusehn urck zu hören, dies war nur so neu, daß ich mich noch nicht damit vertrant machen kann und mir das ganze Ereignis nach nicht den Eindruck der Wirklichkeit macht. 'Beneidenswert ist mir dft Zuversicht der Verwandten, mit der sie dftsen Tod als kaum etwas andres wie eine Voamsrerse betrachten, der ein fröhliches Wiedersehen über kurz oder lang folgen muß." Stets gibt er auch in diesen Briefen seine ganze ungeschminkte Persönlichkeit, wie er es in einer Betrachtung über das Briefschreiben verlangt. „Wenn man in einem wvhlunterhaltenen urck für beide Telle stets behaglichen Briefwechsel bleiben will, so darf man sich nicht ans den Fuß setzen, jedesnml eine Art von geistigem «sonntags- rock znm Briesschreibcn anzuziehen: ich meine, daß man sich geniert, einander gewöhnliche, unbedeutende Sachen, alltägliche Briese zu schreiben Wenn man sich lieb hat. wir es von uns beiden doch arrznnehmen ist, so ist es ein Vergnügen, überhaupt nur in Verbindung zu sein. Ist man geistig angeregt, so schreibt man einen witzigen, ist man niedergeschlagen, einen sentimentalen Brief: hat man den Magen verdorben, hnvochender, und hat man gelaud- wirtschaftet, wie ich heut, trocken und kurz." So erzählt er hier in kurzen Ausschnitten von seimfm Ergehen, und das ungeheure Werk seiner Lebensarbeit blickt nur ab und z!u in die Familienidplle hinein, bis dem Mcmft der Tat mit den wachsenden Jahren die Gedanken mehr in die Erinnerung zurückschweifen. Ein wundervoller Erinue- rungsbrief ist der vom 28. Oktober 1863 zur Silberhochzeit der Sc^vester: „Ich hätte Dich so gern als Großmutter imd SUberbrauk im Staate gesehn, und Dir das Zeugnis gegeben, daß Du di« voizeftigefi Ehren des Alters trägst wie unsre Rosen den heuttgen Oktoberschnee, sie sehn nur umso frischer unter chm aus. Ich hätte so gern !mit Dir Oscars Brautsahrt in rtuiephos (und Naumnb, Antonie und Schönhausen und alle toten Hochzeitsgäste mit Dir beredet und ganz abgetragene -Betrachtungen über traumhafte Flüchtigkeit des .Lebens mit Dir neu ausgeklügelt. Man verzichtet so spät ans die Illusion, daß das Leben nun bald ansangcn soll, und hält sich so lange bei der Vorbereitung ans, daß es solcher Meilensteine von 25 Jahren bedarf, um sich durch den Rückblick klar zu machen, wie lang die znrückgelegte Strecke ist. und wie viele gute und schilechft Stationen man passiett hat. Ist es ein Beweis unsrer Ungenügsamkett oder der Dankbarkett unseres Erinnerungsvermögens, oder ist es nur mein Fehler, daß mir die gegenwärtige Station immer unbehaglicher erscheint als alle früheren, und daß man nickst aufhört, rastlos vorwärts zu treiben, in Hoffnung auf eine bessere?" So dränigit es ihn unaufhörlich weiter aus seiner Bahn zur Erfüllung seiner weltbewegenden Aufgaben. Liber die Tragik, die auf dem Uvgrunld seiner Seele lauert wie bei jedem ganz Großen, tritt bei dem Mtgrworbrwen mehr und mehr hervor. Unendlich wehmütig und doch mannhaft klingt der Brief an die Schwester nach dem DodeseinerFrau: „Was Mir blieb, war Johanna, der Verkehr mit ibr, die täglich^ Frage ihres Behagens, die Betättgnng der Dankbarkeit, mit der ich aus 48 Jahre zurückblicke. llnü beut alles öde und leer: das Gefühl ist ungerecht, aber I osn aot be!p it. Ich schelte mich uickankbar gegen so vftl Liebe und Anerkennung, imc nur im Volke über Verdienst geworden ist: ich habe mich 4 Jahre hindurch darüber gefreut, well sie sich auch freute, wenn auch mtt Zorn gegen meine Gegner, hoch nick niedrig Heut aber ist müh diese Kohle in mft verglttnmt, lwffenttick, nirt.t für iinmer, falls mtt (Sott noch Leben besännt, aber die drei Wochen, die gestern verlaufen waren, haben über das Gefühl der Verödung noch kein GraS wack»sen lasfttt. -Verzech, mein ohloegerher,. daß ich mzch ausllage; ans noch lange nicht... <" Erträgnisse einet fortlaufenden uni ergebensreiche Liebesgaben sanrmlnng kommen. Ucber diejeS Gebiet der Kriegsfürsorge mutz an andrer Stelle berichtet werden, da sie nicht in den Rahmen der Tätigkeit des „Roten Kreuzes" fällt. Letzterem ist laut Protokoll vom 13. 8. 14. speziell zugewiesen: Die Fürsorge und Pflege Verwundeter, die Verband- und Er- frischungssration, Arbeiten sür im Felde Stehende, Korrespondenz Verwundeter, Einrichtung von Pflegekursen zwecks Ausbildung von Pflegern und .Helferinnen. Die Pflege der Verwundeten ist zunächst, wie bereits oben aus- 'gcsührl, Sache der Militär-Sanitätsbehörde. Von den Truppcn- mrd Hauptverbandsplätzen, welche noch in der Nähe des Gefechts liegen, kommen die Verwundeten in die nicht allzu weit abliegenden Feldlazarette, insoweit sie marschsähig sind, werden sie alsbald der Etapvenbehorde zugeführt. In den Feldlazaretten, weiche in der Regel 200 Verwundete fassen, werden die dorthin verbrachten Verwundeten solange behandelt, bis ibr Zustand eine Weiterbeförderung gestattet. Tiefe erfolgt aus die Eisenbahn: durch La'arettzüge, Hilfslazarettzüge und Krankenzüge, auf welche unten noch weiter einzugehen ist. Tie Ilnterbringun, insbesondere Verteilung der Vcrnmn- deten in Heimatsgebiete aui die zur Verfügung stehenden Lazarette ist reine Sache der Militärsanitätsbehörde, welche zu diesem Zwecke zunächst von ihr selbst eingeriästete, sogenannte Reseroe- läzarette zur Verfügung Hot. Dazu kommen die vom Roten Kckeuz bereitgestellten V e r e i n s lazarette. Auch diesen werden die Verwundeten durch die Militär-Sanitätsbehörde, in der Regel durch den Chefarzt der Reserve-Lazarette überwiesen. Tie Reserve-Lazarette sind hiernach rein militätische Einrichtungen, auf welche das „Rote Kreuz" keinerlei Einfluß hat, für die es aber auch keinerlei Verantwortung trägt. Tie gesamte Ausstattung ist ^ache der Militärverwaltung. Tie Leitung des Hessischen Landes Vereins hat in einem Schreiben vom 18. August ausdrücklich: darauf hingewiesen, das, die Ausstattung der militärischen Reserve-Lazarette durch Schenkungen seitens des Roten Kreuzes nicht zu unterstützen sei. Fehle es dort, so komme dies daher, dost die Anschaffungen meist erst im Mobilmachnngssalle stattfänden, das Geld dafür sei da und brauche nur an der zuständigen Stelle eingefordert zu werden: Aufwendungen des „Roten Kreuzes" feien daher hier absolut unnötig und bedeuteten eine falsche Verwendung seiner Mittel. Müsse das „Rote Kreuz" m dieser Richtung Vorlagen machen, so habe sie die Mililäroerwal- rung zu ersetzen. Eine unentgeltliche Lieferung von Materialien an Reserve-Lazarette finde mir insoweit statt, als dem „Roten Kreuz" Liebesgaben zugingen, von denen es dann einen Teu selbstverständlich, auch den Reserve-Lazaretten znwenden solle. Das „Rote Kreuz" kann und darf sich hiernach in keiner Weise in die Ausstattung »nd die Verwaltting der militärischen Reserve- Lazarette eimnffchen, es darf seine Mittel nicht einmal zu deren etatsmäßigen Einrichtung hergeben. Wohl aber darf und soll es die Lage der Verwundeteni, welche dort müergebracht sind, nach Kräften bessern Helsen, namentlich aus Gebieten, die der Etat del Militär-Lazarette nicht vvrsieht. Es ist erfreulich, das; dem „Roten Kreuz" aus Stadt und Land fortgesetzt reiche Liebesgaben zn- sließen, die aus die einzelnen Larzarette vierteilt werden können. Nahrungsmittel wie Kraut, Kartosieln, Obst, Marmeladen u,w. ermöglichen es dann, dem Speisezettel der Lazarettküchen Abwechslung und Zutaten zuzuführen, die der Etat nicht bieteir kann. Wer auch Genustmittel, wie Zigarren, Schokolade nsio., Kleidnnqs- stücke, insbesondere Unisormen, Mäntel, Leibwäsche, Schulz, sind den Verwundeten erwünscht: es dürfen auch Zivilmäntel sein, die sie bei der jetzt beginnenden kalten Witterung recht gut gebrauchen können. Liegestühle. Kissen, Bettunterlagen, Spreusäckchen, warme Decken, werden ebenfalls dankbar angenommen, namentlich aber auch kräftige Stöcke. Unterhaltnngssviele: Dambrett, Schach »sw. finden freudige Aufnahme. Auch fehlt es den Verwundeten oft an guten Hosenträgern, da die ihrigen häufig stark abgenutzt sind. Ailf diesen und ähnlichen Gebieten ist dem Publikum reichliche Gelegenheit geboten, die Lage der Verwundeten durch Vermittelung des Roten Kreuzes, an welches man geeignete Gegenstände abzugeben bittet, zu verbessern. Größere Sendungen, insbesondere von Kartoffeln, Obst, Gemüse nsw, werden möglichst vorher angekündigt, damü für geeignete Lagerung Vorsorge getroffen werden kann. Zeitungen, Zeitschriften, Bücher usw. bieten den Verwundeten ebenfalls angenehme Unterhaltung, wenn auch die Landes-Univerfität dankenswerterweise brrects für eine Verwundeten - B ü Ä e r e t gesorgt hat. Es besteht für letztere eine besondere Ordnung. Die Bestände der Bücherei sind in so viele Einzelbüchereien zerlegt, wie Lazarette vorhanden sind. Tie Einzelbüchereien werden unter Beigabe eines Katalogs den einzelnen Lazaretten zngewiesen; in bestimmten Zwischenräumen wird ein Austausch zwischen diesen vorgeiwmmen. An ansteckende Kranke werden jedoch nicht diese, sondern andere nur furjlebegie Drucksachen ausgegeben, ohne daß ein Austausch stattsindet. Helfer und Helserinnrn der Bücherei tragen zu bestimmten Zeiten in den einzelnen Lazaretten für die Ausgabe der Bücher Sorge, je nach den Bedürfnissen und Wünschen der Verwundeten und Kranken. Die in Gießen eingerichteten Reserve-Lazarette habm einen Bestand von etwa 1200 Betten. Zum Reserve-Lazarett I gehören: das Garnison-Lazarett, das Lazarett in Steins Garten, das Lazarett im Katholischen Bereinsbmise, das Lazarett im Katholischen Sckwrsternhause, das Lazarett rm Evangelischen Schwesternhause, das Lazarett tu der Turnlzalle (Oswaldsgarten), das Lazarett im Kaufmännischen VereinShanse. Zum Reserve-Lazarett II >. die Lazarette i» der Alten Klinik, Siechen-Anstatt, Heil- und Pflege-Anstalt. Alle diese militärischen Lazarette unterstehen der Oberaufsicht des Chefarztes, Oberstabsarztes Tr, Siegelt, für den Dienst in den einzelnen Lazaretten sind besondere Aerzte eingestellt. Neben diese militärischen Reserve-Lazarette treten die vom „Roten Kreuz" bereu gestellten Vereins lazarette. Sie befinden sich ausschließlich in den UnioersitälsNiniken; aus Grund eines bereits zu Frieüenszeiten zwischen dem Vorstand des Hessischen Landcsoereins vom „Roten Kreuz" einerseits und dem Ver- waltungsansschuß der Großh Landesnniversltät Gießen andererseits durch Vermittlung des hiesigen Zweigvereins vom Roten .»kreuz abgeschlossenen Vertrags. Das Verhältnis des Vereins zu diesen Lazaretten ist mithin seiner inneren Natur nach ein wesentlich anderes wie dasjenige zu den Reserve-Lazaretten. Als Vereins- lazarette kommen vertragsmäßig zunächst nur in Betracht: a) die chirurgische Klinik mit 5 Betten für Offiziere und 100 Belten sür Mannschaften und Nnterosfiziere: b) die medizinische .Klinik mit 5, bezw. 50 Betten; c) die Augenklinik mit 5, brzw. 30 Betten. Unter tunlichster Brrücksichttgnng ihrer Spezialgebiete nötögen- sallS aber auch allgemein. Jim Lause des Krieges ist die Zahl der Betten in dies«, Kliniken erhöht worden. ad a) auf 10+120 = 130; ad bsaus 15+100 = 115; ad c) auf 8+40 = 48. Angegliedert würden noch bie Klinik für Hautkrankheiten mit 9+45=54; die Ohrenklinik mit 5+30 = 35; die Frauenklinik mit 20; dic Pshchiatrische Klinik mit 20, zunächst für psychisch und nervös Erkrankte. Diese Bettenzahl hat sich noch ständig erhöht »nd zeitweise die Zahl 600 fast erreicht, unterliegt aber Schwankungen, die die Kliniken ihren Frrednisaufgaben ebenfalls gerecht werden müssen. Tie Kliniken bleiben nach A 2 des Vertrags unter der bisherigen Leitung, jedoch mit der Maßgabe, daß die in Bettacht kommenden Vorschriften der Kriegs- und Friedenssanttätsordnung Anwendung zu finden haben. Die Mobilmachungscmweisung vom 8 August 1914 bestimmt, daß die Drreinslazarette unttr der Obernüst echt des stellvertretenden Korpsarztes stehen. Die gesundbeits- poltzeiluhe Aniiicht übt der Chefarzt der Reserve Lazarette Gießen ans, welcher auch für die Handhabung der Manneszucht und kür Beachtung der Übrigen militärdienstlichen Rücksichten sorgt. Für Geschäfts-Rechnungsführung, polizeiliche Aussicht wird ein ihr unterstellter Unteroffizier kommandiert. Tie Ueberweisnng der Verwundeten und der Kranken in die Bereinslazarette erfolgt durch die Militärbehörde, in der Regel durch) den Chefarzt. Das Wholen der »kranken ist Sache des Vereinslazarettes, es wird durch die örtliche Krankenbeförderungs- Abteilung besorgt. Für die Transporte ist von Herrn Kommerzienrat Heichelheim in Gießen ein geschlossenes, 4 Verwundete ausnehmendes Sanitätsanlomobil gestiftet worden. Nach § 12 der Mobilmachungsanweisung werden seitens deS Zweigvereins Gießen vom Roten Kreuz für jede Klinik zwei Personen bestimmt, denen die Fürsorge sür das Vereinslazarett besonders übertragen ist. Dieses Amt ist Herren der Universität und 3 Damen anverlrant worden. Sie haben insbesondere Wünsche für das Wohl der Verwundeten zwischen Lazarett und Rotem Kreuz zu vermitteln, namentlich solche, welche die Kliniken nicht zu be- sriedigen haben. Die Leistungen der letzteren sind nämlich in § 3 des Vertrags festgelegt. Sie übernehmen die gesamte Lagerung einschl. Leibwäsche, Krankenbekleidnngsstücke, Pflege, Verköstigung und ärztliche Behandlung, die Stellung der erforderlichen Arzneien, Berbands-- mittel, ärztlicher Instrumente, Geräte, sowie die Reinigung und Instandhaltung der Wäsche. Hiersür wird seitens des RotenKrenzes pro Kops sür Offiziere 5 Mk. vergütet, für Unteroffiziere und Mannschaften 2,50 Mk. Tie betreffenden Beträge sind aber nur sogenannte durchlaufende Rechnnngsvosten, d. h. sie werden seitens des Roten Kreuzes nicht tatsächlich vergütet, sie belasten nur dessen Rechnung, bleiben aber bis znm Kriegsende offen, wo sie dann direkt durch die Heeresleitung beglichen werden. Auch die Leistungen der Bereinslazaretie beschränken sich hiernach auf das gerade Notwendige und ist einer Liebestättgkeit seitens des Vereins noch weiter Spielraum gegeben. 8 13 der Mobilmachungsanweisung weist denn auch den Verein ausdrücklid, daraus hin, den Bereinslazaretten aus den eingehenden sreiwilligen Liebesgaben Mittel zuzustellen. Dies ist bereits in größerem Maßstabe geschehen. Wgesehen von der oben erwähnten Zuteilung von Natural-Licbesgaben, die an Vereins- und Reservelazarette erfolgt, ist insbesondere für endete bereits ans den dem Verein zngegangenen Geldspenden ein größerer Geldbetrag ausgenommen worden für Gegenstände, welche die Lazarette an sich nicht zu stellen haben, wie Spreusäckchen, Kranken- apparate, Röntgenröhren, Krücken n. dergl. 'Aber auch für ca, 100 Betten einschließlich Bettwerk wurde gesorgt, um die Aufnahmefähigkeit der Bereinslazarette zu stesgerit. Möge das Publikum wetterhin durch reichliche Spenden an Geld und ^Naturalien das Los unserer verwundeten Krieger erleichtern helfen. Viele tinserer Gießener Bürger haben dies auch dadurch zu tun versucht, daß sie Räume ihrer Wohnungen als Genesungsheime zur Verfügung stellten, die Militärbehörde hat jedoch von diesen als Gesinnungsbeweis gewiß erfreulichen Air- erbicmngen noch keinen Gebrauch gemacht. Tic Verwundeten, welche wieder .soweit hergestellt sind, vollenden chre Genesung mich gern bei ihren Angehörigen in der Heimat. Durch» Darbietungen imserer Freilichtbühne wurden die verwundeten Krieger mehrmals ersrent, wobei Kuchen, Zigarren usw. verabreicht wnr- den. Veranstaltungen im Freien sind jetzt nicht mehr möglich», jedoch haben die Verwundeten in unserem schönen Theater, dessen Spielzeit am l. November wieder begonnen hat, freien Zutritt. An» Stadt «nd Land. Gießen, 25. November 1914. Die dritte Gießener Licbcsfahrt. Ueber die Mitte ds. Mts. erfolgte Verbringung von Liebesgaben zum Infanterie-Regiment 116 und Reserve- Jnsanterie-Regiment 116 wird uns folgender Bericht zur Veröffentlichung übermittelt: Nachdem durch) die wohlgelnngene 2. Gießener Liebesgabenfahrt dem akttven und Landwehr-Regiment 116 die Liebesgaben in kürzester Zeit unmittelbar in dir Feldstellungen zugeführt werden konnten, waren Stadtverwaltung, die Zweigvereine vom Roten Kreuz und der Verein ehemaliger 116er bemüht, in gleicher Weise auch dem Reserve-Regiment 116 eine größere Sendung zu übermitteln, an der sich diesmal auch der israelitische Frauenverein beteiligte. Da das Linien- Regiment den Wunsch nach Zigarren, Tabak und Eßwaren hatte verlantbaren lassen, entschloß man sich, beide Sendungen zu vereinigen und einem am 4. November abgehenden Truppentransport anzuschließen, nachdem das hiesige Ersatz-Bataillon in entgegenkommendster Weise für Stellung des Waggons Sorge getragen hatte. Obgleich sür die Sammeltättgkeit nur eine verhältnismäßig kurze Zeit zur Verfügung stand, liefen die Spenden doch so zahlreich ein, daß der zur Verfügung gestellte Eisenbahn-Waggon kaum ausreichte, sämtliche Gaben anszunehmen. Im letzten Ängenblick erschien der Wgang der Sendung noch gefährdet, weil die wiederum beabsichttgte Mitführung von K r a s t w a g e n zur Beförderung der Gaben von der letzten Bahnstation bis zur Truppe nichtmehrzugelassen wurde. Man entschloß sich aber trotzdem zur Mfahrt, nachdem die Begleiter des Transvortes, die Herren Medizinalrat Dr. Bötticher, Bürgermeistereisekretär M o s i g bmd Dr. H. Schneider erklärt hatten, alles aufbieten zu wollen, um mit Hllfe von Gespannen die Sendungen an die Truppen zu bringen. Am 4. November vormittags 10 Uhr pünktlich ging der etwa 580 junge Krieger mit sich führende Transportzug in der Richtung Betzdorf—Köln—Aachen nach der Weftgrenze ab, überall von der Bevölkerung mit großer Begeisterung begrüßt. Eine besonders herzliche und begeisterte Aufnahme wurde den Truppen bei einem längeren Aufenthalt in Köln bereitet, wo man längere Zeit die Tätigkeit der den Horizont absuchenden Scheinwerfer beobachten konnte. Um 3 Uhr nachts wurde bei Herbesthal unter unbeschreiblichem Jubel der jungen Krieger die belgische Grenze überschritten und um 6 Uhr morgens Lüttich erreicht. In verhältnismäßig rascher Fahrt aus den von unseren braven Landsturmleuten bewachten und von unseren Eisenbabn-Regimentern vorzüglich wieder in Stand gesetzten belgischen Bahnsttecken gelangte der Zug nach der Festung N . . ., die vollständig in einen befestigten deutschen Platz verwandelt worden ist. Die Weiters ehrt ging immer an der mit landschaftlichen Reizen so reich ausgestattetcn Maas entlang, die in zahlreichen Bartten an den schönen deutschen Rhein erinnert und den Fahrtteilnehmern mit ihren oit steil zum Fluß absallenden mäch- ttgen Gesteinsqrtippen unvergeßlich bleiben wird. Die zerstörten Ortschaften und gesprengten Maasbrücken bildeten einen schauerlichschönen Gegensatz zu dem sonst so friedlichen Landschastsbild. Am 5. November vormittags gegen 5 Uhr überschritten wir die französische Grenze und erreichten gegen 6 Ubr M . . ., wo die Spuren der Schlachten in unmittelbarer Nähe des Bahnkörpers deutlich erkennbar waren. Die metertiefen Granatlöcber, die zerschossenen Häuser und Befesti-nmgswerke, die niedergelegten Waldungen, gesprengten Drahtverhaue, Eisenbahnschiene,, usw. erregten das lebhafteste Interesse der Mitsahrenden. Von hier aus war die Fahrt mehrfach durch längere Aufenthalte unterbrochen, so daß der Zug erst am 6, November nachmittags gegen 6 llhr über Qu. .... mtb H.... in N ... . eintras. Hier wurden die Trnp^ pen zum letztenmal in der Kriegsvervflegnngskückie verpflegt und verbrachten die Nacht bis znm Abrücken am nächsten Morgen im Zug. Da eine Weiterbeförderung des Licbesgaben-Waggons mtt der Bahn infolge der Nähe des Artillerieseuers nicht möglich war, wurde er hier abgehängt und an die Verladestelle überführt. Kaum in N. angekommen, mußte leider einer der Transport- begleiter die niederschmetternde Kunde von dem Heldentod seines Sohnes ersahren, was auch die übrigen Fahrtteilnehmer sür die ganze Fahrt traurig stimmte und aujs schmerzlichste berührte. Im übrigen fanden wir in N. sehr gastliche Ausnahme beim Feldlazarett Nr. 9, in dem mehrere Gießener Herren tätig sind und die in kameradschaftlichster Weise für uns sorgten. Es gelang uns schon am nächsten Morgen, mit dem Regimentskommando, das in F. lag, Fühlung zu erhalten. Miv großer Bereitwilligkeit sandte dieses sofort mehrere Wagen an unsere Bahnstation, die gegen 4 llhr eintrafen, so daß bereits um 5 llhr die sür das aktive Regiment bestimmten Gaben verladen waren. Es ivnrde sofort zur Wsahrt zur Truppe ausgchrochni. Ueber dic Schlacht- leider von R. mit weit ausgedehnten Toldatengrähern die Kolon- nenstraßen entlang, kam man gegen 8 Uhr in dem znm größten Test zerstörten F. an, wo das Regiment nntergebracht war. Die Gaben wurden in das Quartier des RegimentSstabes gebracht, wo sie mtt srendigster Taittbarkeit in Empfang genommen wurden. Ter Stab sorgte so'ort sür Bewachung und planmäßige Verteilung der Gaben. Tie Transportbegleiter verbrachten etwa eine Stunde in sreundlichem Beisammensein bei den noch an» wesenden Ossizieren. Hiera»' konnten sie die aus den Schützengräben zurück lehrenden Mannschaiien tompagnbeweise und einzeln begrüßen Viele Grüße an die Heimat wurden uns hier aujgelragen und mancher herzliche Händedruck Üusgetauscht. Man sah es namentlich den jungen Freiwilligen an, welche Freude ein be- ianiiles Gesicht aus der Heimat bei ibnen hervorries und gerade diese Stunden in tiefster Nackit (nur vereinzelt von Stallaternen spärlich erleuchtet) haben sich allen Fahrtteilnehmern unauslöschlich eingeprägt. .Kurz vor Mitternacht erfolgte die Rücksahrt in einem kleinen Einivünncrwagcn nach N. durch die gespenstisch und unheimlich wirkenden, meist verlassenen Ortschaften und Gehöfte. Aus bestimmten Gründen führte unser Wagen kein Licht, was einen Zusammenstoß mit einem in fdmcllfter Fahrt befindlichen Kraftwagen zur Folge hatte. Glücklicherweise kamen die Fahrtteil- nehmer mit dem Schrecken davon. Nach einer kurzen Unterbrechung und Umslesgen in einen anderem Wagen in R. errckichten wir gegen 2 Uhr wieder unser gastlick»es Quartier in N. Ter erste Teil der Ausgabe war hiermit gelöst und es siel den Begleitern nunmehr die weil schwierigere Aufgabe zu, den größten Teil des Transportes an das Reserve-Regiment 116 heranzuiühren. Leider mußten sie dabei aus die unterstützende Mitarbeit eines FalnttleilnehmerS verzichten, da dieser ans die oben«- erwähnte Todesnachricht am anderen Morgen die Heimreise an- ttat. Nach vielen schwierigen Verhandlungen mit der Eisenbah-n- verwaltung gelang es, den Liebesgabenwaggon nördlich in der Richtung nach L. zu dirigieren, in dessen Rälu» nach aus Gießen erhaltenen persönlichen Mitteilungen das Reserve-Regiment 116 sich befinden sollte. Die Fahrt nach dort war) sehr beschwerlich und nmständlicki, da sie mir im Güterwagen aus «trvh und unter Fortfall jeglicher Verpflegung zurückgelegt werden mußte. Auf jeder größeren Station mußten die Transpvrtbeglei- ter sich persönlich um die Weiterbeförderung des Waggons bemühen. Die Fahrt ging über B., wo wir infolge eines längeren unfreiwilligen Aufenthalts die Freude hatten, einen großen Teil des Gießener Landsturms begrüßen zu können. Dasselbe war auf der Wettersahrt nach L. der Fall. Infolge von Betriebsstörungen konnte L. erst anr Wend des 10. November erreicht werden. Bei der Ankunft dort war die KomNuindantur bereits geschlossen, so daß eine nähere Anskunst nicht m»7w zu c ich alten' war und nichts anderes übrig blieb, als Privatguartiere in der Stadt zu beziehen, die uns durch einen Wachthabenden bereitwilligst angewiesen wurden. Unter Inanspruchnahme französischer Polizisten wurde in später Nacht durch die zum Teil völlig znsam- mengeschossenen Stadtteile unser Quartier ausgesucht. Ununterbrochener schwerer Geschützdonner in der Richtung der Nordküste erinnerte uns an die Nähe der ungeheuren Schlachtsrmtt. Die infolge der Strapazen bei den Traiisportbegleüern l^roorgernsmeMiwigkeit und Abspanming übenvog alle Besorgnisse vor etwaigen seindlichen Handlungsweisen der Bevölkerung, insbesondere der uns nicht gerade freundlich empfangenen Onartierwirte. Die nächsten Tage waren ausgesüllt mit unendlich schwierigen Verhandlungen mit den verschiedensten Instanzen über Wetterführung unseres Waggons, nachdem bei dem Armeeoberkommando der Standort des Regiments ernlittelt war. Endlich gelang es, am 13. November mittags L.... mit einem Munctivnszug zu verlassen und unter: gefährlichen und außerordentlich schiviertgen Umständen C...... zu erreichen. Aus der Wettersahrt nach hicr hatte sich der Geschützdonner infolge der Annäherung an die Feuerlinie ms unheimliche verstärkt und am Wend konnte man die fliegenden Geschosse in ihrer Bahn verfolgen. Bald mußte man sich cm die mächtigen Detonationen der feuernden Batterien gewöhnen. Zahlreiche Mnni- tionskolonnen, Verwundeten-Transporte, Patrouillen usw. zeigten die Annäherung an die Schlacht. C...... lag vollständig im Dunkeln, war von Militär überflillt, und zunächst konnte uns niemand über den Wseulhalt unseres Regiments Wffchluß geben. Nach langem Suchen und Umhereilen in dem verschiedenen Straßen- zügen gelang es uns schließlich, zunächst den Stab des ersten Bataillons und dann den Regiments stab in ihren Quartieren zu finden. Das Regiment war erst am selben Tage nach längerem Aufenthalt in den Schützengräben und nach verschiedenen Sturmangriffen in C......eingerückt und sah einem Ruhetag entgegen. Der Zeitpunkt des Eintreffens nnseres Transportes war infolgedessen so günstig, als nur denkbar. Da keinerlei Quartiere mehr vorhanden waren, mußte die Nacht auf der Wache verbracht werden, die kaum ein notdürftiges Strohlager zu bieten vermochte. Schon in der Frühe des 14. November konnte mit der Ausladung der Gaben begonnen werden. Sie wurden auf Gepäck- und Lebensmittelwagen übernommen und auch hier zunächst in das Quartier des Regimentsstabes verbracht. Während des Ausladens steigerte sich das schwere Wtilleriefener erheblich. Das Abfenern der in der Nähe des Ortes anfgeslellten schweren — über den Ort hinweg- K 'jen — Projektile und das Einschlagen der seindlichen Ge- in kurzer Entfernung stellte die Fahrtteilnehmer mitten in den Schlachtenlärm hinein. Zu alledem erschienen über dem Bahnhof noch zwei feindliche Flieger, die durch Schrapnell-, Maschinen- und Jnfanleriegewehrseuer aufs heftigste beschossen wurden. Erst nach Erscheinen eines deutschen Fliegers zogen sie es vor, sich zu entfernen. Nachmittags gegen 3 Uhr war die Ausladung beendet. Bei unserer Rückkehr znm Stabe war die Verteilung der Gaben an die Truppen bereits im vollen Gange. Hier konnten wir den Dank der über die Gaben — namentlich warmen Unter zeuge — hocherfreuten Offiziere und Mannschaften entgegennehmen. Tie Freude war um so größer, weil nach Wssage des Regimentskommandeurs bisher nur einige wenige Liebesgaben beim Reserve-Regiment 116 cm getroffen waren und die meisten Postpakete es gleichfalls noch nicht erreicht hatten. Namentlich die mitgebrachten Eßwaren (Brot, Wurst und Schokolade) fanden bei den Truppen großen Anklang, nicht minder die Zigarren, Tabak nsw. Nach Taschenlampen und Ersatzbatterien war eure besonders starke Nachfrage. Allenthalben wurde rühmendes Erstaunen über den Wert und großen Umfang der Sendung geäußert. Mehrere S tunden konnten wir dann nach hier mit den Angehörigen des Regiments zusammensein, ihnen ans der Heimat erzählen und Grüße von und nach der Heimat cwstanschen. Für die Rücksahrt nach L.... stellte das Regiment uns in liebenswürdiger Weise einen geschlossenen Arztwagen zur Verffignng, der »ns nach gefährlicher Fahrt (zweimalige Beschießung durch Unbekannte) gegen 9 Uhr nach unseren Quartieren in L---- brachte. Der folgende Tag war ein wohlverdienter Rasttag für die Fahrtteilnehmer, der zu einer Besichtigung von L.... verwendet wurde. Am 16, November wurde über V......und Br.....die Heimreise angetreten. Trotzdem auch diese infolge mancherlei Verkehrs- schwierig keilen recht beschwerlich war, ließ die Befriedigung über die glückliche Wlieferung des Transports bei den Fahrtterlnehmern einen Unmut nicht aufkommen. Waren doch die Gaben an ihren Bestimmungsort gelangt und hatten den von den Spendern beab- sichttgten Zweck, unsere braven 116 er zu erfreuen und zu erfrischen, in vollkommenstem Maße erfüllt. •• Etadttheater. Ans dem Theaterblirea» schreibt man »ns: Leider ist Herr Hostchausvieler B o h n s e, der in der heutigen Feft- »nd Wobltäligkeits-Borslellimg den Wallenstein spielen sollte, plötzlich ernstlich erkroiilt, io daß er lein Gastspiel absagen mußte. Tie Bemühungen der Bühnciilcitung, Erlaß von auswärts zu beichaste», scheiterten, da weder das SchauspiclhanS Frankinrt, noch die Hofthealer Diesdaden, Darmstadt, Mannheim, Karlsruhe, Lannover re. keinen Vertreter des Wallcnstein Irei hatten. Die Roste wird^nun von Herrn Paul Sciiudert gegeben, Ver sie bereits am Stadlthealer in Crinrt geswcll hat Dadurch, daß Herr Schubert auch hier die sämtlich«» sorgsältiqen Proben inilgemacht hat, verbürgt seine Mitwirkun» in, gewiffe» Sinne eine abgerundetere Darstellung als das Auftreten eines Gastes, der erst am Nachmitlag des Spiellager hier hätte cintresfen könne». ** Militärische Ausbildung der Jugend. Am SonntmxiacbnüttLg rückten Fugendliche in zioei Momvagnien aus, um nach eineni kurzen Marsch durch Wieseck in dem nach dem Hangelstcin zu gelegenen Gelände die Entwicklung der Schützenlinie und die Ausnutzung des Geländes kennen zu lernen und zu üben. Die neu angelegten Schützengräben wurden eingehend erläutert. Die nächste In- .strrrktionsstunde sindet diesmal am Frei t a g abend um 8 1 /*llhr (nicht Mittwoch) statt. K e i u P o st a n w e i iu n g s v e r k e h r mit Kriegs- g ei aii g e n cn in Rubin n d. Tie russische Poslverwallimg hat gebt erklärt, den Postanwessungsverkelir der Kriegsgeianqenen izwischcn Teutschlaud und Nutzland vorläufig noch ' ni ch l z n - l n ((c n zu tonnen. Tie bei deutschen Poslnnslalteii etwa schon eingezahlten, nach Rnblaud bestiminteu PostaiiweisnngSbelräge werden den Absendern wieder z II r ii rk g e N e b e II werden, i _** lieber die Verpackung der Feldpostsendungen ver-- breitet die 5oandelskammer folgende Mahnung: Nach einer der .Handelskammer von der Kaiserlichen Ober-Postdireltion Tarm- stadt zugegangenen Mitteilung ist die Wahrnehmung gemacht worden, daß die Verpackung der aus ländlichen Bezirken her- rührenden Feldpostbriefe mit Wareninhalt vielfach besonders mangelhaft ist. Ter Mangel wird damit zu erklären sein, daß in Dörfern und kleinen Städten die Gelegenheit zum Einkauf geeigneter Verpackungsmittel nicht immer vorhanden ist. Im Interesse der Allgemeinheit und der im Felde stehenden Soldaten dürste es sich daher empfehlen, daß durch die beteiligten Handelskreise Angebote über geeignetes Verpackungsmaterial (Packleinen, Bindfaden, gummierte Illisschristblätter) auch an kleinere Geschäfte aus dem Lande gemacht werden und das; Geschäfte in kleineren Städten und Dörfern sich mit dem Verkaufe guter Verpackungs- stosse befassen, auch wenn sie diese Artikel sonst nicht führen. ** Die Land st rasten werden wie alljährlich auch setzt wieder ausgebessert. Die entstandenen Fahrrinnen und- Löcher werden mit Chaussee st einen ausgefüllt. Ms Bindemittel wird Sand oder Erde benutzt. Das Festfahren hat durch die täglich verkehrenden Fuhrwerke zu geschehen, häufig aber erhalten die Steine kein Bindemittel und bleiben frei liegen. Recht unangenehm ist dies für die init Kühen bespannten Fuhrwerke: deshalb sieht man oft, daß diese um das Steinhindernis herumsahren und eine neue Fahrrinne bilden,^so daß statt eine Verbesserung eine Verschlechterung der Straste eintritt. Noch g e f ä h r l i ch er sind solche mit groben nnd scharfkantigen Steinen besäten Straßen für Autos und Fahrräder, und manchem Reisen wird ein frühzeitiges Ende bereitet. In unserer Zeit, wo sehr haushälterisch mit Autoreifen uingegangen werden must, wäre es auch sehr angebracht, wenn Vorsorge getroffen würde, daß die Reisen eine lange Hi e n sda uet behielten. Aus diesen Gründen sollten n i ch t e h e r die Steine auf die Landstraße kommen, bis der zum Bedecken der Steine nötige Sand ebenfalls an gefahren ist. Kreis Lauterbach. X Schlitz, 22. Nov. Ter Krieg bat bisher aus unserer Gemeinde 9 Opfer geiordert, nämlich : Rittmeister d. R. R i e g e r, Vizeleldwebel Bätz, Rater des Eisernen Kreuzes Unleroistzier Lehrer Grüner, die Wehrinänner Susemichel, Jßlei, Werl; und die Reservisten Fehr, Rinn er und Glitz. Außerdem befinden sich Wehrmann Habicht und Reservist Reiber in sranzösischer Gefangenschaft und Wehrmann Wahl, Reservist S t e i n a ck e r und Kriegsfreiwilliger heil werden vermißt. Kreis Friedberg. b Friedberg, 24. Rov. Zwölf Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften des F r i e d b e r g e r L a n d sl u r in - Bataillons wurden wegen ihres vorzüglichen Verhallens in den Vogesen- käiiipsen bei Marlirch mit dem Eiserne» Kreuz zweiter Klasse ausgezeichnet. — Das Bataillon sammelte ln seinen Reihen sür die Angehörigen von vier gesalleneu Kameraden 1200 Mt.; einen Teil dieser bedeutenden Spende lüftete die Bataillonskasse. Hessen-Nassau. m. Kirchhain, 24. Nov. Tie Vermessimgsarbeiten sür die Zusammenlegung der Gemarkung Kirchhain sind auch in diesem herbste sortgesetzt und eifrig gesördert worden. Trotzdem wiid der Krieg die U Überweisung der neue» Pläne erheblich verzögern. Hand in Hand mit der Zusammenlegung geht die Ohmregulieriing. Tte Gemeinden Amöneburg, Kirchhain, Erohseelheii», Klemseelheim und Niederwald Hoden das leiliveise iimgeänderle Projekt angenomme» n»d sich zur Tragung der anteilige» Kosten verpflichtet. Tie Gesamtkosten werden etwa 250 010 Mark letrageu. Tem Vorschlag, die Arbeite» der Flußreguliermig Ichon ;e>;l, und zwar durch Kriegsgefangene aussühren zu lasjen, ist nicht iiähergetrele» worden. X. Kassel, 24. Nov. Im abgelaufenen Rechnungsjahre 1913 sind, wie der Bericht des Landesansschufses über die Ergebnisse der Verwaltung des B e z i r k s v e r b a n d e s für den Regierungsbezirk Kassel mitteilt, Anträge auf Gewährtnig von Unterstützungen zum Ban von Kleinbahnen nicht gestellt worden. Bis jettzt sind als Darlehen überhaupt bewilligt 4 3ö6 781,84 Mark und davon bis Ende des Rechnungsjahres 1913 — 4 336 368,84 Mark zur Auszahlung gekommen, hiervon sind 166 733,56 Mark durch Tilgung zur Rückzahlung gelangt. Zu Kleinbahnzwecken sind bei der Landesversichcrungsanstalt Hessen-Nassau überhaupt ausgenommen 3 333 000 Mark und hiervon bis zum Schlüsse des Rech- nungsjabres 1913 — 276 064,10 Mark tilgungsplanmästig abgetragen. Was die Rentabilität der mit Hilfe des Bezirksverbandes gebauten 11 Kleinbahnen anlangt, so lgtt bisher nur die Kleinbahn Grifte — Gudensberg das vom Bezirksverband gegebene Darlehen mit mehr als TP» und zwar mit 3 1 /* Prozent verzinst und die Kleinbahn Bettenhausen—Wellerode bereits im 1. Betriebsjahr 1912 eine etwas höhere Verzinsung als die tilgungsvlanmastigen 17* Proz. abgeworfen. Für die Folge kann auch mit einer höheren Verzinsung der zum Bahnbau Wächtersbach—Birslein und Kleinschmalkalden—Brotterode gegebenen Darlehen gerechnet werden. Tie Marktpreise für Bieh und Frucht und die Giestener Fleisch- und Vrotpreisr am 23. November 1914. Echlachtoiehpreiie in Franks »rt a. M. Jleischpreise in Gietzen Ochsen Kälber Schweine 50 Kg. Schlachtgewicht 75—107 Mk. ’L Kg. Schlachtgw. 75—88 Vs. V, . , 69-73 , Kg. 86—98 Ps> . 80-84 . '/. . 90-96 . Eetreideprelse in Mannheim Brotpreise in Gietzen: Weizen 100 Kg. 27.60—00.00 Alk. Roggen 100 Kg. 23.80-00.00 Alk. Weißvrot 2 Kg. 68 tzll. Schwarzbrot 2 Kg. 60 Mg. AircvNctzc Nachrichten Lvangettsche Gemeinde. heute abend 8 Nhrt Kriegsdetslunde >n der Johannesktrche. Pfarrer A u s \ e l b. M 1 II ■■ Meteorologische Beobachtungen der Station Sietzea. Nov. 1914 Si o .2i Iff C c X a * SÄ w *5: O 'S. CJ tx> ZS !| JO C © jl! ii-i« Wen» 91 ! 744,5 + 12 3,7 73 w 2 10 24 | t"j 745,5 + 06 4,0 84 w 2 10 25. .- 5 ! -45,5 — 0,3 4,0 89 SSE 2 10 I !! ! I 1 I II höchste Temperatur am 28. bis 24. Nov. 191 r = -f- 1,0’C. Niedrigste , . 23. . 24. „ 1311 = — 0,5" , Niederschlag: 0,0 mm. Verantwortlich sür „Feuilleton", „Gerichtssaal" ». „Vermischtes": I. V.: A u g u st G o e tz. IM DZ 7 Zimmer l >748. Die von hrn. Hauvtm. Coulinnnn innaeli. 7-Zini. Wobn.. 1. Eta., ist andcrw.zu Darin. Null. Bernstr.9 pari. j 0 Zimmer j Ludwigstraiie 19 elcannte (i - ^im. - Wohn. der Neuzeit entspr.einaericht. ios. od. forit. z. vorm. Frau A. Feiri Ww^HentaBSneMLiMM | 5 Zimmer | Wettlar.Wegl7III., neuen- über hcS BabnhosS, schöne 5-Z>iii.-Wob».. Balkon usw. per sofort zu vcrm. Näheres Ein:, Friedrichstr. 14 I. >8027 5-ZMM-WllhMIlll sosorr zu vermieten. 110000 9 inli. (4rediierstrntz e 101. | 4 Zimmer | t-Zmm-Mii. mit Zubehör fofort zu verm. Friedrichstrane 5. [10118 Rabe res bnielbft I I. S tock. 3 Zimmer Mansarden - Wobuuna. 3Zimm., ui. GaS u. altem Zubehör sofort oder später zu vermiete». Löbcritr. 0. mai | 2 Zimmer \ Löweiiaassc 5, 2-Zimmcr- wobuuna mit .Küche z. verm. Näh, daselbst im I. Stocks,,?« 11516s 2-Zimmerwobnuug zu verm. Gradenitraße 8. 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Den Heldentod starb siirs Vaterland am 23. Oktober aus Frankreichs Erde unser guter Sangesbruder Ludwig Büchner Res. Jnsanteric-Rcgt. Nr. 11«. «. Komv. Wir verlieren in dem Heimgegangenen einen treuen SangeSsreund und werden ihm stets ein ehrendes Andenken beivahren. StinjintiK kklMnia, Harbach 08059 Kr. «ieftcit. Schmerzerfüllt teilen wir mit, dass unser lieber, herzensguter Neffe Rudolf Steingoefter Einjähriger und Kriegsfreiwilliger im Garde - Regiment Königin Elisabeth, Berlin am 5. November auf Frankreichs Erde im Alter von 19 J / 2 Jahren den Heldentod fürs Vaterland erlitten hat. Alle, die ihn und sein frisches, prächtiges Wesen kennen gelernt haben, werden ihm ein treues Andenken bewahren. U760D Familie Hermann Steingoetter. Verwandten und Freunden zur Nachricht, dab am 20. Oktober in Frankreich mein innigst- geliebter, unvergeblicher Mann, der gute Vater seiner zwei Kinder, unser treuer Schwiegersohn Pctcr Baiser Wehrmann im Res.-Rgt. 116. 5. Komp. im Alter von 29 Jahren den Heldentod fürs Vaterland erlitten bat. In tiefer Trauer: Katb. Baiser, geb. Stumps Wilb. Baller und Frau Familie Heinr. Stumps I. Familie Tbeis. Ani 6. Oktober fiel in treuester Pflichterfüllung bei den Kämpfen auf dem westlichen Kriegsschauplätze unser innig geliebter, hoffnungsvoller Sohn, Kruder, Neffe und Schwager Konrad Grün Gardist im Inf.-Regt. 115 im 22 . Lebensjahre. In tiefstem Schmerze: Philipp Grün und Frau Linse gcb. Loth nebst Familie Familie Friedrich Weber Familie Heinrich Lippcl. Kcffelbach, im November 1914. -»<» Nach langer Ungewißheit erhielten wir gestern die schmerzliche Nachricht, daß unser hoffnungsvoller, lieber, guter Sohn und Bruder HerarichBodenberrder Gardist i.Lcibgarde-Jnf.-Rgt. Rr. 115 an seiner am 10. September erhaltenen schweren Verwundung im Feldlazarett den Heldentod fürs Vaterland gestorben ist. In tiefer Trauer: Familie Ludwig Bodenbender Familie Nürnberger, Bersrod. Treis a. d. Lda., den 24. November 1914.. Warme Hattenrod, 24. November 1914. [08045 Das beste, haltbarste und wärmste für unsere Truppen ist Unterkleidung aus echt. Kamelhaarstoffen Kamelhaar-Weste mit Aermel .......Mk. 12.— Kamelhaar-Jacke mit Aermel .......Mk. 15.— Kamelhaar-Unterhose........ Mk. 18 .— Kamelhaar-Brust- und Leibschützer in einem Stück gearbeitet ..... Mk. 6, — und Mk. 7.5 Q Kamelhaar-Lungenschützer........Mk. 3. — Kamelhaar-Leibbinden.........Mk. 3.— Fritz Nowack,WäscMH Nachruf. Am 24. Oktober starb in Frankreich im Lazarett den Heldentod fürs Vaterland unser lieber Sangesbruder j>„» Friedrich Klinket Unteroft. d. 12. Komp. Landw.J»s.-Rr«t. 11«. Wir werden demselben als einem rffNchi- eifrigen Dtilglied stets ein ehrendes Andenken bewahren. Sfiaitgocrcin „Lie-ertifkl", Mur. 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P *£> _, 3«“s- iS; co^c.^v ^. : E-e 3 c ^ ^ C ^ n s ^) 3 3^ , L ; *- - :3 p CD : §.g — ft* ? I ^ , J ^ £ 3 «- Ip . - = c'S'Ü’i ßA ü.£ ' * 'S" g _ , H ^ '“Ih 2 - °|-pos „ ^7- W ivO P -p^ "£ £* ^ ^ O "?*" ^i i| ■zpe CD" ^ W*J §L I* -O s - e , 'S Qi Ä U C f PL . *- u f*q £j Ci Ci 2 ® . §> ?i|i »Ö» >a» ö jO >5 ^ CP, • ^ *H +* < — cj c> L |-£W »33 a «,^0 »$, ._ : W» n ^ ci Si ^ Vp ^ J S vj » § _ZZ «»r L i ftSt ci o> P • : e»>* ? = £ 2 s *" <>5t ^ 3 £^3£5| *f E Sä. _ 2 5 s a^'E L§ ! L - e?®“ Ä'ff.S 5 " k er, o-«S E E^g^fc^c i « ^ 37 r-> Qi ’Ö Ci l^— v3^ -fl! 3- 3 ^ 95 73 K r-» r-» ä'W 3 , ^ rI3 ro V=> O o JO O ^ ' ? CQ oft - oO «£ 5iowoCp V» 3b äW £Cpi_ vr' *~- 3 *2^0 «pL '1e!|^- ' "“ 5 vo £.Ss j& 'S :«=5 O Qi c« 7" O. 1 K i§ ö^l-^S. S "LZ-b- **.« » 08 «?“ d :L) ' g“ -p E= ■- E • s Z ® 5 3 «a 'e §«! ‘s€.H CK 5 ö‘ Qi 1 ^. 3 ^Q b — LJ ; 2 © c. 2 5 ry _.*: «- ’E 'tä E «j st: S E^ S« _ «| ZL E ,'“ 5 ^s“* ’S splf® MA a w 3 05» .-*-> .0 >§■£ E O jO E“~ . 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