Nr. 261 Der Siebener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. — Beilagen: viermal wöchentlich SIed«ner,s«miI!enbIäNer: zwennalivöchcntl.rireis- dlatt für den ürei; Siegen (Dienstag und Freitag); zweünal monall. Land- wirtlchastlicheScitsragen Fernjprech - Anschlüsse: iürdieSchriltleitnngNL Verlag,GeschäNsstelleöl Adresse !ür Draötnach- richten: Anzeiger Sießen. Annahme von Anzeigen lür die Tagesnununer bis vormittags 0 Uhr. Erstes Blatt Jahrgang grettag, 6. November IM Bezugs» reis: monatl. 75 Vs., viertel» jährl. Mk. 2.20: durch Abhole- u. Zweigstellen monatl. 65 Pf.; durch diePost Mk.2.— Vierteljahr!. ausschl. Bcitellg. Zeilenpreis: lokal 15Ps., ausiv. 20 Ps. — Hauptschristleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den polit. Teil: Aug. Goetz; sür „Feuilleton", „Vermischtes" und„Gcrichts- saal": Karl Neurath; sür „Stadt und Land": Rotations&rud und Verlag der vrühl'schen Unio.vuch- und Zteindruckerei R. Lange. Zchriftleitung, Seschäftrstelle u. Druckerei: Schulstr. 7. Anzeigen""":' l" 1 Beck. Ein Ausfall der Belgier mühelos abgewiesen, vergeliungs- Mhregeln gegen die in Deutschland lebenden Engländer. (WM.) GrohesHauptquartter.S Nov., vormittags. (Amtlich.» Gestern unternahmen die Belgier, unterstützt von Engländern und Franzosen, einen heftigen Ausfall aus Nieuvort Mischen Meer und dem Ueberschwemmungsgebiet. Sie wurden mühelos abgewiesen. Bei Ipern und südwestlich Lille, bei Berry-au- Bac, in den Airgonnen und in dar Vogesen schreiten unsere Angriffe vorwärts. Auf dem östlichen Kriegsschauplätze hat sich nichts wesentliches ereignet. . . , In England scheint man sich allinählich aus den für den Dreiverband ungünstigen Ausgang des Feldzuges in Belgien und Frankreich vorzubereitcn. Charakteristisch für diese Stimmung des Vcrzagcns ist die in den nachstehenden Meldungen enthaltene Aeußcrung der „Daily Mail", die von der „bitteren Tatsache" spricht, daß die Landstrcitkräfte der Verbündeten zurzeit unzureichend seien. Damit stimmt denn auch die neueste vorstehende Meldung aus dem deutschen .Hauptquartier vollständig überein. Ein belgischer Ausfall mühelos zurüchgöwiesen! Das Verlegenheitsgrfasel der „Morningpost" spricht ebenfalls Bände. Hervorstechend darin ist die geistreiche Feststellung, „Deutschlands zentrale Lage sei ein großer militärischer Vorteil, den es sehr ausnutze". .Gesetzt aber den Fall, wir hätten uns, wie England, auf unsere militärischen Lorbeeren gesetzt und die Instandhaltung unseres Heeres vernachlässigt — was dann? Dann hätten wir den „Vorzug", das; von allen Seiten die Feinde über uns herfalleu könnten. Die „Morningpost" sollte doch nicht klagen. Vorläufig ist die insulare Lage Englands noch ein Vorzug: denn sie schützt seine Bewohner vor deitt-- schen Schlägen. Vorläufig, wie lange noch, das ist ungewist: Dunkelheit und (Verlöschen der Lichter sind nur ein sehr müßiger ntilitärischer Vorteil. Die „Morningpost" leistet sich noch folgende Sätze: Die Lage kann zugunsten Frankreichs nur durch überlegene britische Kräfte ausgeglichen werden, die nicht zu spät in die Wagschale geworfen werden dürsen. Das ist die Kardinalwahrheit über den Krieg. Die sür Englaitds Vorbereitungen zur Verfügung stehende Zeit ist nicht unbeschränkt. Ein entscheidender Sieg der Deutschen auf dem westlichen Kriegsschauplätze inürde Armeen frei machen, um eine Invasion nach Engl and zu versuchen, die unausführbar ist, solange die britische Flotte die See beherrscht. Aber eine Invasion in Deutschland würde dieses Projekt sofort hinausschieben. Es mus; die Ausgabe der Verbündeten sein, diese in dem ersten Augenblick zu unternehmen, in dein cs die Stärke ihrer Streitmittcl gestattet. Wir denken: vor einem Einbruch in Deutschland schützt uns nun doch wieder dessen zentrale Lage und was drum und dran hängt! Die „Wenn" und ,Qb" der „Morniugpofii" werden aber ln Frankreich und Belgien nicht ungehört verhallen. Dort weist man jetzt, wo die Schuld liegen wird, wenn die Sache für den Dreiverband schief geht. Erfreulrcherivei.se hat die deutsche Regierung den Rat befolgt, der ihr in Bezug auf die schlechte Behandlung unserer Landsleute aus deni britischen Znselland mehrsack, erteilt worden ist, indem für die in Deutschland lebenden Engländer dieselben Anordnungen getrosfen worden sind. Das deutsche Konzentrationslager befindet sich bei Berlin. Vielleicht wird man mis London jetzt bald Vorstellungen lsörcu, ob nicht doch noch eine Wereinbarung in diesen Fragen getroffen werden könne. Man muh eben den harthörigen John Bull auf seine eigene Weise behandeln. Es darf in) diesem Zusammenhang darauf hingewicsenstvcrden, daß auch Jane Bull wieder einmal rühmlich von sich reden macht, nicht zwar die famosen Wahlwciber, wohl aber die, sagen nur mal — weibliche Soldateska. „Dailh Mail" meldet: „Es wurde beschlossen, daß von dem närlisten Montag ab in den Wirtschaften Groß-Londons den Frauen keine berauschenden Getränke vor 11 1 1 Uhr vormittags ausgeschänkt werden dürfen. Die Londoner Polizei- richtcr klagten in der letzten Zeit über die Zunalnue des Trinkens bei den Frauen, namentlich den Soldaten f rau e n." Vor 11'/-Uhr vormittags: das ist auch noch zeitig genug! Möglicherweise aber hcchen die Pvlizeirichter den Hebel nicht an der richtigen Stelle angesetzt: vielleicht ist es nur die zunehmende Dunkelheit in London, die diesen Mchrbestand von Nachtschatten auch noch in das Morgengrauen hincin- wirst. So lange aber die deutsche Gefahr besteht, wird diesen Erscheinungen nicht'abzuhelfen sein. „Tie bittere Tatsache." London, 5. Nov. (23258. Nichtamtlich.) Die „Daily Mail" schreibt: Die bittere Tatsache besteht, daß alle Land- streitkräste der Verbündeten weitaus unzulänglich sind, um die Deutschen ans Belgien hercmszu treiben und Ostende wieder zu nehmen, sie aus der Aisne-Linie herauszuwcrfen, wo sie imnier noch 60 Meilen von Paris stehen, sowie ihren Rückzug von polnischem Boden zu erzwingen. Der Geschützdonner des deutschen Geschwaders wird an der englischen .Küste gehört. Das Erscheinen der Türkei im Felde als Verbündeter Deutschlands enthält neue Gefahren für das Britcnretch. Größere Anstrengungen sind nötig: selbst Kit- cheners Million könnte sich als unzureichend erweisen. Das Blatt bekliggt sodann die Zensur, die verhindere, daß das ! Britcnvolk die Notwendigkeit weiterer Austreugnugen erkenne. Das Prinzip des freiwilligen Dienstes sei unter diesen ! Umständen unhaltbar. Tie Regierung müsse das Volk die Wahrheit über den jlpieg wissen lassen oder die allgemeine Wehrpflicht werde bald unvermeidlich sein. Englische und französische Berichte. Berlin, 6. Nov. Während aus London gemeldet wird, die Deutschen hätten das linke Dserufcr geräumt, erwähnen die Franzosen die starken feindlichen Stellungen an diesem Ufer zwischen Dixmniden und Nieu- port. Namentlich geben sie aber zu, daß die Deutschen im Zentrum erfolgreich vorgcdrungen sind, denn sie erwähnen, daß die Franzosen in der Umgebung von Vailly viel Gelände verloren haben. Zwei Flieger über der englischen Küste. Berlin, 6. Nov. Der „Vossischen Zeitung" zufolge haben zwei deutsche Leutnants als erste deutsche Offiziere in diesem Kriege den Kanal zwischen Calais und Dover überflogen und ans ein Mstcnwerk in unmittelbarer Nähe von Dover zwei Bomben herabgeworfen. Tic Furcht vor der Invasion. (WTB.) London, 4. Nov. (Nichtamtlich.) Das Kricgsamt teilt mit, daß nichts in der gegenwärtigen Lage die Annahme rechtfertige, das; eine Invasion wahrscheinlich sei oder bevorstehe. Verschiedene Verteidignngs- !wcrke, die im Vereinigten Königreiche errichtet seien, bedeuten mir notwendige Vorsichtsmaßregeln, die jede Seemacht zu Kriegszeitcn ergreife. General Frcnch schwer verunglückt? Berlin, 0. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Der „Lokal- Anz." meldet: Ein aus Holland nach Berlin zurück- gekehrter Freund unseres Blattes berichtet uns, daß nach zuverlässigen Meldungen der Oberkommandiereudc der englischen Armee in Frankreich, Feldmarschall French, vor einiger Zeit bei einem Autoinobilunfall schwer verunglückt und zurzeit noch an der persönlichen Ausübung des Oberkommandos verhindert ist. 1 Tas Seegefecht bei Narmouth (WTB.) London, 4. Nov. Die „Times" melden: Ein Seekampf fand gestern bei D a r m o u t h, ganz dicht unter Englands Küste, statt. Mehrere deutsche Kriegsschiffe kamen gestern früh auf der Höhe in L)ar- jmouth in Sicht und eröffneten eine furchtbare Kanonade gegen die Küste. Von dem Kreuzer „Halcyon", der leicht beschädigt wurde, ist ein Mann schwer, vier oder fünf leicht verwundet. Außer dem Unterseeboot „D.5", das wenige Stunden später auf eine Mine lief, sind noch zwei Dampsbarkassen auf Minen gestoßen und im Laufe von 20 Minuten gesunken. Die starken Detonationen riefen eine ungeheure Aufregung in Darmouth hervor, wo die Leute zum Strand stürmten, jedoch infolge des Nebels nichts sehen konnten. Nur die Umrisse der großen Sck)iffe mit vier Schornsteinen waren sichtbar. Einige Geschosse stelen ans das Ufer in die Nähe der drahtlosen Station, die meisten fielen jedoch ins Meer. Die englische Presse beschäftigt sich sehr erregt über das letzte Seegefecht bei Pannouth. Ein Bericht unterstellt, daß irgendwo ein geheimer drahtloser Apparat sei, der die deutsche Flotte warne und informiere. * . * Gegcnmaßregel gegen die Engländer in Deutschland. Die deutsche Regierung hat sich nun doch angesichts der skandalösen Behandlung der in England lebenden Deutschen entschlossen, nach fruchtlosen Versuchen, ein Abkommen mit England zu treffen, die ähnlichen Verfügungen zu treffen, wie sie drüben angewendct werden. Das Wolfs-Bureau bringt folgende amtliche Darlegung: WTB. Berlin, 6. Nov. (Amtlich.) Seit langer Zeit schlve- bcn Verhandlungen zwischen Deutschland und England wegen der Behandlung der beiderseitigen Staatsangehörigen, die sich bei Beginn des Krieges auf dem Gebiet des anderen Teiles aushiclten. Dabei stand die deutsche Regierung auf dem Standpunkt, daß nach völkerrechtlichen Grundsätzen diese Personen, soweit sie sich nicht verdächtig gemacht hatten, auf freiem Fuße zu belassen seien, auch ungehindert in ihre Heimat abreiscn dürften, das; jedoch den Engländern in Deutschland selbstverständlich keine bessere Verhandlung zuteil werden könnte, wie den in England befindlichen Deutschen. Als daher die britische Regierung so gut wie sämtlichen Deutschen die Erlaubnis zur Abreise versagte, sind die in Deutschland befindlichen Engländer in gleicher Weise behandelt wor- den. Den deutschen Vorschlag, die beiderseitigen unverdächtigen Staatsangehörigen sämtlich abreiscn zu lassen, lehnte die britische Regierung ab. Doch wurde eine Vereinbarung dahin getrosfen, daß alle Frauen und alle männlichen Personen bis zu 17 Jahren und über 55 Jahren, sowie ohne Rücksicht auf ihr Alter, alle Geistlichen und Acrztc ungehindert abreisen dürsten. Die männlichen Personen zwischen 17 und 55 Jahren wurden nicht in die Vereinbarung eingezoge», weil die britische Regierung alle Wehrpflichtigen zurückhalten wollte, und'cals solche auch die Männer zwischm 45 und 55 Jahren ansah. Inzwischen wurden die in England zurückgehaltencn Deutschen in nicht unerheblicher Anzahl sestgenommen und als K r i e g s - gefangene behandelt. Nach zuverlässigen Nachrichten ist diese Maßnahme in den letzten Tagen ans fast alle wchrpilichtigcn Deutschen ausgedehnt worden, während in Deutschland bisher nur verdächtige Engländer iestgciwmmen worden sind. Die völkerrechtswidrige Behandlung unserer Angehörigen hat der deutschen Regierung Anlaß gegeben, der britischen Regierung zu erklären, daß auch die wehrvslichtigen Engländer in Deutschland sestgenommen werden würden, wenn nicht unsere Angehörigen bis zum 5. November aus der englischen Gcsangenschast entlassen werden sollten. Die britische Regierung hat diese Erklärung unbeantwortet gelassen, so daß nunmehr die Festnahme derenglischenMänner zwischen 17 undböJahren angeordnet worden ist. Tie Anordnung erstreckt sich vorläufig nur auf die Angehörigen von Großbritannien und Irland, würde aber auch auf die Angehörigen der britischen Kolonien und Schutzgebiete ausgedehnt werden, wenn die dort lebenden Deutschen nicht auf ^freien Fuß belassen lverden sollten. Die von den militärischen Stellen unter dem 6. November erlassenen Besehle lauten: 1. Me männliche» Engländer zwischen dem vollendeten 17. und 55. Lebensjahr, die sich innerhalb des Deutschen Reickres befinden, und denen als Aerzten oder Geistlichen nicht das Ausreiserecht zusteht, sind in Sicherhcitshaft zu nehmen und nach Anordnung der stellvertretenden Generalkommandos nach dem Lager Ru hieben bei Berlin zu überfübrcn. Das gleiche gilt für inaktive Ossiziere auch über 55 Jahre hinaus.. Für die AlterSbcrechnung ist der 6. November maßgebend. Die Uebcrführung der in Berlin verhafteten Engländer nach Ruhleben crsolgt mit Rücksicht au; die besonderen örtlichen Verhältnisse auf Anordnung und nach dem Ermessen des Oberkommandos in den Marken. 2. Ausnahmen von der in Nr. 1 genannten Anordnung können von den stellvertretenden Generalkommandos und dem Oberkommando in den Marken mir dann gestattet werden, wenn schwere Krankheit, die den Transport unmöglich macht, von amtsärztlicher Seite bescheinigt wird. Sobald das Befinden den Transport gestattet, ist die Ueberführung nachzuholen. 3. Me erwachsenen Personen englischer Natiimalüät, die dann noch frei in Deutschland leben dürfen, sind zu täglich zweimaliger Anmeldung bei der Polizei verpflichtet und dürfen den Ortspolizeibezirk, über dessen Grenze sie polizeilich zu unterrichten sind, nicht verlassen. In einzelnen Fällen kann da sür den Ausenlhaltsort zuständige stellvertretende Generalkommando (Oberkommando in den Marken) oder Mcrrinc- stationskommando Ausnahmen gestatten. 4. Die uw-tr 1 und 2 genannten Maßregeln sollen zunächst nur Anwendung finden ans Angehörige des „Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Irland". 5. Sofern für den Transport fahrplanmäßige Züge nicht ausrcichen, sind von den stellvcrirc-tnden Generalkommandos Sonderzüge mit den Linienkommandanluren zu vereinbaren. Eroberungsgcldcr. Berlin, 5 . Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Eine Kaiser» liche Kabinettsordcr genehmigt, daß für die im' gegenwärtigen Kriege von den Truppen der preußischen Armee und den in sie aufgenommenen Kontingenten eroberten Feldzeichen, Maschinengewehre und Geschütze Er ob e r u n g s g e ld e r an die Truppen gezahlt werden und zwar erhalt der Truppenteil, dem die Eroberer angehürten, für jedes feindliche Feldzeichen (Fahne oder Standarte), das im Kampfe genommen wird, sowie für jedes feindliche Maschinengeloehr oder Geschütz, das in der Schlacht oder im GsseckJ während des Gebrauchs bei feindlicher Gegenwehr mit stürmender Hand genommen wird, s i e b e n h u n t> e r t s ü n f z i g Mark. Die Geldbeträge sind nicht an die einzelnen Eroberer zu verteilen, sondern verbleiben dem Tvuppentcil. Tic Kriegskontribntion von Brüssel. Paris, 5. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Der „Gaulois" schreibt: Nach einer Depesche aus Berlin wurde die Kriegskontribution von Brüssel aus 45 800 000 Franks ermäßigt, welche in Raten von 2V- Millionen pro Woche ab gezahlt werden sollen. Eine Erfindung. (WTB.) Berlin, 5. Nov. (Amtlich.) In auswärtigen Blättern befindet sich die Meldung, daß die Beduinen bei ihrem Vorgehen gegen Aegypten von deutschen Offizieren geführt worden seien. Wir können fcststellen, daß diese Meldung erfunden ist. Das neue italienische Kabinett. Rom, 5. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Durch königliche? Dekret wurde Salandra mit der Bildung des Kabinetts betraut. Wie die „Ageuzia Stefcmi" aus zuverlässiger Quelle erfährt, fetzt sich (das neue Kabinett folgendermaßen zusammen: Salandra: Vorsitzender uich Junc- res; Sonnino: Aeußeres; Martini: Kolonien: Orlando: Justiz: Carcano: Schatz; Tmieo: Finanzen; Ciufellis: Oefsentliche Arbeiten: Elrippo: Unterricht: Cvasola: Ackerbau; Zuppeli: Krieg; Wale: Marine; Riccio: Post. Die Minister werden heute nachmittag vereidigt. O senpc st, 5. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Der „Pestcr Llohd" bespricht die Lösung der italienischen Kabinettskrise. Er sagt: In Oesterreich. Ungarn undDmhchlanb wird es mit aufrichtiger Genugtuung begrüßt, daß der bisherige Prcmieruunister, getragen von dem Verträum seines Monorchm und gestützt von der Zustimmung der Kammer, wieder von neuem an die Spitze der Geschäfte tritt. Der Eintritt Sonninvs in das Kabinett ist gleichzeitig eine Anerkennung sür die Richligkeft jener Grundprinzipien, zu denen sich der Kabincttsches bekennt. Man kann wohl sagen, daß seit Kriegsausbruch der in Rom innegchaltene Kurs dort immer mehr als der richtige erkannt wird und daß immer größer die Zahl derjenigen wird, die sich zur Politik strenger Neutralität bekennen. Hierin allein ist die Gewähr zu erblicken, daß Italien für seine weitverzweigten Interessen, die säst das ganze Mittelmeerbeckrn umsassen, den in dieser Weltkrise gebotenen Schub siuden wird. Beschlagnahme eines italienischen Dampfers. (WTB.) Mailand, 5.Nov. (Nichtamtlich.) Dem „Corrierc della Scrra" nach haben die Franzosen den italienischen Dampfer „Silvia", der 6500 Tonnen Getreide für die schweizerische Firma Sprecher an Bord hatte, beschlagnahmt und nach Toulon gebracht. (WTB.i Zürich, 5. Nov. (Nichtamtlich.) Nach einer Meldung der „Neuen Züricher Zeitung" aus Mailand ist der Tamvser „Duca di Genova", der von englischen Kriegsschiffen nach Gibraltar gebracht worden war, mft 1382 Passagieren aus New Uork in Neapel eingetrofsen. 300 Tonnen amerikanisches Kupfer waren, obwohl sür Italien bestimmt, von den Engländern als Kriegskonterbande zurückbehaften worden. Aus Bulgarien. (WTB.) Paris, 5. Nov. (Havas-Meldung.) Dem „Echo de Paris" zufolge, ließ die bulgarische Regierung den Verkehr zwischen den Häfen des Landes einstellen. 'Es seien die Truppen des 2. Aufgebotes aufgerusen. Uebcrall herrsche lebhafte Bewegung. (WTB.) Sofia, 5. Nov. (Nichtamtlich.) Meldung der Agence Bulgare. Die Leiter der Oppositionsparteien find heute von Roda Slavoe empfangen worden, der ihnen die Lage Bulgariens unter den gegenwärtigen Umständen auseinandersetzte. Am Schluß des Interviews halten die Leiter eine Besprechung, nach der sic der Presse mitteillen, paß nach deu Erklärungen Roda Slavos Bulgarien in lder gegenwärtigen Lage entschlossen ist, d i e H a l t u n g strenger Neutralität zu bewahren. ' . ' Erfolge der Oesterreicher. (WTB. Nichtamtlich.) W i e n , 5. Nov. Amtlich wird bekanntgegeben: Auch gestern verliefen die Operationen aus dem nördlichen Kriegsschauplatz plangemäß und ungestört vom Feinde. Südlich von 'der Wieleka-Mündung warfen unsere Truppen den Gegner, der sich auf dem westz- lichen Saw-Ufcr festgesetzt hatte, aus allen Stellungen, machten über 1000 .Gefangene und erbeuteten Maschinengewehre. Ebenso vermochte auch de r Feind im S t r n j -- Tale unseren Angriffen nicht standzuhalten. Hier wurden 500 Russen gefangen genommen, eine Maschi- ttengewehrabteilung und sonstiges Kriegsmaterial erbeutet. Der Stellvertreter des Ehefs des Generalstabes, v. H ü f e r, Generalmajor. Ein vergeblicher Berzweiftungsschritt Rußland». Berlin, 5. Nov. Der „Nationalzeitung" wird aus Wien 'berichtet: Der russische Gesandte in Sofia, Sawinski, hat der bulgarischen Regierung den Abschluß eines serbisch-bulgarischen Defcnsivbündnisses vorbeschlagen. Dieses Bündnis soll nach russischer Auffassung sowohl gegen die Türkei als auch gegen Ocsterreich- (Ungarn gerichtet sein. Die russische Regierung verpflichtet sich für den Fall des Zustandekommens dieses Bündnisses, Bulgarien nach dem allgemeinen Friedensschluß durch die serbisch-makedonischen Gebiete, die Bulgarien durch den Bukarester Frieden verloren hat, voll zu entschädigen und gewährleistet die Rückgabe des in diesem Frieden an Rumänien abgetretenen Streifens der Dobrudscha. Die bulgarische Regierung hat diesen Vorschlag als unvereinbar mit ihrer Würde zurückgewiesen und die rumänische Regierung von dem russischen Anerbieten bezüglich der Dobrudscha in Kenntnis gesetzt. Gegenwärtig findet ein lebhafter Meinungsaustausch zwischen Sofia und Bukarest statt. . , . Bericht aus dem türkischen Hauptquartier. (WDB.> Konstantinopel, 5. Nov. sNichtamtlich.) Anft- 'ftcher Bericht aus dem Großen Hauptauartier. — Die Russen begannen ihre Stellungen nahe der Grenze zu befestigen, wurden ged och ans dem Gcbrctc von Karaklissa und Jlskban vollständig zurück geworfen. Die Stimmung und Ausbildung unserer Truppen ist ausgezeichnet. Nach späteren Meldungen nahmen an der Beschrcßung des Dardanelleiu-Einganges vier englische Kriegsschiffe, ferner ein französisches Panzerschiff, sowie zweisiran- zösischc Kreuzer und acht Torpedoboote teil. Sre gaben 240 Schüsse ab. Es gelang ihnen jedoch nicht, irgend euren bedeutenderen Schaden zu verursachen. Unsere Forts gaben nur 10 Schüsse ab, von denen erncr ein cnglrsches Panzerschiff traf, woraus eine Explosion ent« -..ft and. Im Aövaly in Klern-Asien wurde ern englischer Dampfer zum Sinken gebracht, nachdem die Besatzung und Ladung gelandet tvar. l Iie Bemannung des russischen Dampfers „Korolcwa Olga", die hier verhaftet wurde, ist zu Krregs- gefangencn gemackst worden. Enver Pascha an den Kronprinzen. Berlin, 5. Nov. (ctr. Bln.) Auf das Telegramm des Kronprinzen an den türkischen Kriegsminister Enver Pascha antwortete dieser, wie aus Konstantinopel berichtet wird, folgendes: „Tic Kaiserlich Ottomanische Armer dankt Eurer Kaiserlichen Hoheit sowie der 6. Armee für die brüderlichen Grüße und hofft fest, alle ihre Feinde gemeinsam mft den Armeen Seiner Majestät des Deutschen Kaisers, deren Tapserkeft weltberühmt ist, zu besiegen." Afghanistan im Ansstand gegen England. (WTB.) Wien, 5. Nov. (Nichtamtlich.) Die „Südsla- vische Korrespondenz" meldet aus Konstantinopel: Wie die über Persien hier eingctrofsenc bedeutendste afghanische Zei> tung „Siradsch-al-Asbari" berichtet, hat der Emir von Afghanistan eine Armee von 170000 M a n n m i t 135 Geschützen unter Führung seines Sohnes, des Emirs Behadurkhan, an die englische Grenze pormarschieren lassen. Die von Herat nach Puschk führende Eisenbahn sei zerstört worden, um den englischen Aufmarsch zu hindern. Eine Anzahl der Krieger indischer Grenz stamme habe sich dem Heere Bahadnrkhans ange- ischlossen. An der Grenze herrsche volle Revolution gegen England. Die englischen Beamten seien gefangen genommen, einige von ihnen getötet worden. Kein griechisches Torpedoboot beschädigt. Athen, 5. Nov. (WTB. Nichtamtlickp) Die „Agence hkAthenes meldet: IN den letzten Tagen war die Nachricht verbreitet, daß im Mittelmeer ein griechisches Torpedoboot durch das Feuer von englischen Kreuzern, die es für ein türkisches Torpedoboot hielte^, zun: SuAm gebracht worden sei. Wir sind ermächtigt, diese Nachricht entschieden in A b re d c z u st e ll e n, da kein griechisches Torpedoboot der Feuerlinie der Kriegführenden nahegclommen ist. Tie Jagden der „Emden". Berlin, 5. Nov. (Priv.-Tel.) Das „Berl. Tagebl." meldet aus Rom: Der in Neapel eingetroffenc Tantpfer „Roma" begegnete bei Aden einem englischen Geschwader, das auf die „Emden" Jagd machen soll. Die „Emden" habe eben wieder zwei Dampfer versenkt, nachdem sie ihnen Lebensmittel und Kohlen entnommen hatte. Sclbstvernichtung des österreichischen Kreuzers „Kaiserin Elisabeth". (WTB.) London, 5. Nov. (Nichtamtlich.) Reuter meldet folgende amtliche Mitteilung aus Tokio: Man glaubt, daß sich der Kreuzer „Kaiserin Elisabeth" auf der Reede von Tsingtau in die Luft gesprengt hat. Das Schwimmdock ist cbenjalls vernichtet. Tie Beschießung dauert an. Ter japanische Kricgsminister erkrankt. (WTB.) Tokio, 5. Nov. (Nichtamtlich.) Der japanische Kriegsminister O ka ist schwer erkrankt. _ Aus dem Reiche. Der Bundesrat hat die H ö ch st P r e i s e im Großhandel sür inländischen Hafer, die vom 9. November ab in Kraft treten, für 32 Hauptorte festgesetzt. Der Preis sür Berlin ist 212 Mk. für die Tonne. In den Nebenorten ist der Höchstpreis gleich dem des nächstgelegenen Haupwrtes. Die Höchstpreise bleiben bis zum 31. Dezember 1914 unverändert, von da ab erhöhen sw sich am 1. und 15. jeden Monats um (1,50 Mk. für die Tonne. Sie gelten sür Lieferung ohne Sack und sür Barzahlung bei Empfang. Die vom Bundesrat angenommene, sofort in Kraft tretende Bekanntmachung betr. die Regelung des Absatzes von Erzeugnissen der Kartofseltrocknerei bestimmt in 8 1: Wer Erzeugnisse der landwirtschaftlichen oder gewerblichen Kartofseltrocknerei herstellt oder durch andere Herstellen läßt (Trockner,, darf die Erzeugnisse bis zum 30. September 1915 nur durch die Trockcnkartofsel-Bcrwertungs- gesellschast mit beschränkter Haftung in Berlin absetzen. Berlin, 5. Nov. (WTB. Amtlich.) In der heutigen Sitzung des Bundesrates gelangten zur Annahme: Der Entwurf der Bekanntmachung betr. die Regelung des Absatzes von Erzeugnissen der Kartosseltrocknerei, der Entwurf der Bekanntmachung über Höchst v reise für Hafer, die Vorlage betr. die Befreiung von Waren von Zöllen und Verbrauchsabgaben, die den deutschen Truppen und Vereinigungen vom Roten Kreuz oder den Ritterorden für die freiwillige Kriegskrankenpflegö gespendet werden, die Vorlage betr. die Verlegung derZoll- grenze gegen das hamburgische Freihasengebiet und der Entwurf der Bestimmung über die Einrichtung und den Betrieb von Anlagen zur Herstellung von Bleifarben und anderen Blci- Produkten. WTB. Karlsruhe, 5. Nov. (Nichtamtlich.) Der Land- ständisch c A u s s ch u ß dielt gestern unter dem Vorsitz des Prinzen Max von Baden seine Herbst tagung ab, die vom Prinzen mit einer warmen Ansprache eröffnet wurde, in der er auf die wunderbare Haltung des deutschen Heeres und des Volkes hinwies, und das Vertrauen auf dm Sieg der deutschen Waffen ausdrückte. Finanzdirektor Dr. Rein bol dt gab einen eingehenden Bericht über den Stand der badischen Finanzen, die erfreulicherwcffe sich als durchaus gesund erwiesm haben, wenn auch die Wirkungen des Krieges nicht spurlos vorübergegangen seien. Die Lage der Land- Wirtschaft werde als sehr günstig bezeichnet; aber auch die Arbeitslosigkeit in der Industrie habe lange nicht den erst bestirchtetm. Umsang angcnommm. Die ganze wirtschaftliche Lage habe sich gegen dm August wesmtlich gebessert, was auch in dem steigenden Erträgnis des Güterverkehrs zum Ausdruck komme. Von der Großherzoglichen Regierung wuiche für die nächste Zeit eine zahlenmäßige Darstellung der Finanzlage des Landes in Aussicht gestellt. Aur Stadt uttö Land. Gießen, 6. November 1914. Auf dem Felde der Ehre gefallen. (Aus Hessen und den Nachbargebietm.) Gefr. Ad. Schwab, Feldart.-Regt. 13, aus Wiesbadm. — Fähnrich Otto v. Kathen , Jäger-Bat. 11, aus Wiesbadm. — Feldwebel d. Res. Chemiker Ernst Becker, Jns.-Regt. 80 in Wiesbaden. — Hauptmann d. Landw. Rechtsanwalt Rich. Kühne, Jns.-Regt. 80, aus Wiesbaden. — Gesr. Jakob Brenner, Jns.- Regt. 88, aus Pfeddersheim. — Res. Karl S ch neider, Inf.-' Regt. 81, aus Reiskirchen (Wetzlar). — Gefr. d Res. Rudolf Hummel, Jns.-Regt. 168, aus Ofsenbach a. M. — Ersatz-Res. Siegfried Löb, Jns.-Regt. 116, aus Offenbach a. M. — Gefr. d. Res. Peter Anton F a y, Jns.-Regt. 116, aus Bieber b. Osfen- bach. — Landwehrm. Main Schweikart, Rcs.-Jns.-Regt. 118, ans Mainz. — Landwehrm. Heinrich Hofmann, Jns.-Regt. 116, aus Berstadt. — Res. Ludwig Krausmüller, Jns.-Regt. 116, aus Romrod. — Res. Ferdinand Sch midt, Jns.-Regt. 116, aus Schwabenrod. — Res. Heinrich Greb, Jns.-Regt. 116, ans Heidelbach. — Res. August Jungk, Jns.-Regt. 116, aus Angm- rod. — Res. Georg Roß, Jns.-Regt. 116, aus Nieder-Beerbach. Untcroff. d. Res. Karl Bert, Jns.-Regt. 116, aus Ober-Ram- stadt. — Obergefr. Theo Haitzmann, Fuß-Art.-Regt. 3 in Mainz. — Postbote Ludwig Harnisch, Jns.-Regt. 116, aus Mm-Buscck. — Landwehrm. Wilh. Roth, Jus.-Regt. 118, aus Mainz. — Feldwebel Josef Schmidt, Jns.-Regt. 81. aus Mainz. — Musk. Josef Milden bur ge r, Jns.-Regt 117, aus Mainz. — Musk. Christoph Schimpf, Jns.-Regt. 117, aus Nieder-Weisel. — Res. Lehrer Jak. Weber, Res.-Bat. 8, aus Oberklingm. — Major und Kommandeur des Rhein. Jäger-Bat. 8 Hermann Lotheißcn, Darmswdt. — Militär-Krankmwärtcr Franz Haeling (Teilh. d. Firma H. Henkel & Co.) in Darmstadt. — Reservist Adam Beit, Jns.-Regt. 116, aus Tarmstadt. — Kriegsfreiwilliger Ernst Klepper, stich, mach., 24. Jäger- Bat., in Darmstadt. — Res. Konr. 9Üxtnt Klein aus Hechtsheim. — Kriegsfreiw. Fahnenjunker Heinz Sternhäußer, Jns.- Regt. 168, aus Friedbcrg. — Res. Wilh. Mühlig, Res.-Jnf.- Regt. 116, aus Reichelsheim i. d. Wetterau. — Gefr. Friedrich Müller, Landw.-Rcgt. 116 in Butzbach. — Landwchrmann Heinrich Philipps, Jns.-Regt. 116, aus Langenhain. — Unteroff. d. Res. Hilssgcfangmmwärter Job. Andr. Kilchert, Jns.-Regt. 116 in Butzbach. — Landwehrm. Heinr. Grüninger, Jns.-Regt. 116, aus Butzbach.— Sergeant Joh. Heinr. Grein', Jns.-Regt. 168, aus Eudorf. — Landwehrm. Friedrich Krämer Res.-Jnf.-Regt. 116, aus Ruttershausen. — Heinr. Oestreich und Friedr. Oestreich aus Ostheim b. Hanau. — St. d. Res. Architekt Willb Schee fers, Jns.-Regt. 56, aus Hanau. _ Musk. Ludw. Schreiber, Jns.-Regt. 81, aus Hanau. — Gefr. d. Res. Emil Haustein, Jns.-Regt. 116, aus Friedberg. " Der Herzog von Braunschwelg ist gestern abmd mit Gefolge und Dienerschaft, in zwei Automobilen kommend ftn Hotel Großherzog von Hessen abgcsftegen. Ter Herzog trat heute früh gegen 10 Uhr die Weiterreise an, die ihn zur Front im Welten führen wird. ** Vom Kartoffelmarkt c. Tie Gemüter wollen sich immer noch nicht beruhigen, im Gegenteil kommt in der absoluten Verödung des Kartofselmarktes auch an den letzten beiden Markttagen zum Ausdruck, daß die Lairdleutc ihren Groll noch mcht haben fahren lassen und einstweilen noch eine abwartendc Politik verfolgen wollen. Inzwischen hat die Stadt allerhand an crkennenswcrte Schritte getan, um die Marktbesucher wenigstens in etwas schadlos zu hiftcn und ihnen die zu so hohen Ehren gekommene Frucht in kleinen Mengen zukommen lassen zu können. Wie man uns mittcilt, haben fid) städtische Beamte auf den Kartoffelkauf begeben und den Erfolg gehabt, daß städtischcr- feit# am Dienstag 40 und gestern 80 Zentner Kartoffeln für den Kleinverkanf bereit gehalten werden konnten. Auch fjj t morgen soll die Stadt wieder über einige achtzig Zentner verfügen Namentlich Holzheim er Landwirte sollen sich der Verwattune gegcnüber sehr entgegenkommend gezeigt und gute Ware zu aui nehmbarem Preise geliefert haben. Die Stadt fordert sür ihre löffeln 3V, Pfennig im Kleinverkaus. Ucbrigens wird man denjenigen, die mft dem Einkauf des Winterbetarss der Holum Presse wegen noch zurückgehalten haben, recht geben köniren. Das erhellt u. a. aus folgenden Erwägungen: Zunächst teilt uns die Stabt» Verwaltung hcmc folgendes mit: ^ „Nachdem in einer kürzlich in Darmstadt im Ministerium des Innern stattgehabten Besprechung der zuständigen Bcrwaltungs- stetlen ftoovon loir gestern Mitteilung machten. D. Red.) sich er, geben hat, daß zwecks Sicherstellung der Versorgung der städtischen Bevölkerung mft Kartoffeln eine Hinaussetzung der oberen Prcisgrcnze empschlenswert sei, l>at der Oberbürgtt- meister die Höchstpreise sür beste ausgclcsene Sveisekartofseln nunmehr aus 7 Mark proTovvelzcntner ftei Lieferung Keller und aus 8 Pfg. für ein Kilogramm im Kleinverkaus, bei Mengen bis zu 5 Kilogramm, festgesetzt. Bei diesem recht angemessenen Preis muß unbedingt erwartet werben, daß die in unserer Gegend reichlich vorhandenen Vorräte an Kartoffeln den Bewohnern un- lerer Stadt zum Verkauf gebracht werden." Ferner wird man erwarten dürfen, daß nach der Vollendung der in diesem Jahre ja besonders schwierigen Feldbestellung d(x Bauern den Weg zur Stadt eher finden iverdcn, und schließlich wird die Beunruhigung in Kreisen der Käufer und Bei) käufer mit der sortscbrertenden Erkenntnis von ihrer Grundiojio. feit zweifellos abnehmen. Dies in Verbindung mft den oben mitgeteilten neuen Festsetzung en der Verwaltung wird wchr verfehlen, ferne wohltätigen Wirkungen aus den Markt auszuüben, und jm Interesse des allgemeinen -Friedens wird man gerne hoffen, daß, nun endlich einmal das Klagelied über die Kartosfelmisere verstummen wird. ** Im Gefangenen-Lager aus dem Trieb sind zurzeit etwas über 400 Franzosen, Belgier und Engländer untergebracht. Vor einigen Tagen kamen 300, gestern 40 unserer Feinde hier an Ter größere Trupp wurde an der Siechenanstalt ausgrladen, mäh. rend der lleine Trupp vom Personenbahnhof zum Läger marschieren mußte. ** Der Bund deutscher O ffizierfrauen P, wie man uns schreibt, bereits nach kurzem Bestehen in der Lage, einer größeren Anzahl Offiziermätsen eine weitere unentgeltliche standesgemäße Erziehung nachzuweisen und älteren bedürftigen Töchtern gefallener Osfiziere eine kostenlose berufliche Ausbildung zuteil werden zu lassen. Außerdem hat er in den meisten größeren Städten AuS- kunfts- und Beratungsstellen eingerichtet. Der Oft brauch dieser Einrichtungen ist nicht von einer Mitgliedschaft abhängig, sie können von allen Angehörigen des Offizierstan- des. des Sanitäts-, Reserve- und Beterinär-Ofsizierkorps benutzt werden. Die Mitgliedschaft selbst wird durch eine Zahlung von mindestens 3 Mark halbjährlich und I Mark Eintrittsgeld erworben. Zuschriften sind an den Bund deutscher Offizierfrauen, Berlin SW. 11, Hallesche Straße 20, zu richten. ** Deutsch« vaterländische DrchtNn g. Mft dm trefflichen Worten, die der alte Attinghaus in Schillers „Wilhelm Tel!" an seinen Neffen richtet: „Ans Vaterland, Mrs teure, schließ' > dich an" leitete Universftätsprosessvr Geheimrat Dr. Krüger gestern abend seine Arrsführungen über vaterländische Dichtung ein. Er wies nach, wie zwischen den Begriffen Heimat und Vaterland ein Unterschied vorhanden ist, keineswegs aber Gegensätze bestehen. Der Name Heimat klingt süß und weich, Vaterland aber stolz und hart. Die Heimatlieder tragen mehr den Mollcharakter, die Melodien der Vaterlandslieder sind zumeist in Dur gesetzt. Uns Deut- scheu ist das Vaterland aus der Not der Befreftingskricge erwachsen. I Der Preuße, der Hesse, der Sachse besaßen es nicht. Mft Recht fragt darum der Dichter: Was ist des Deutschen Vaterland? und nach- dem er die einzelnen Stämme geiramft hat, fährt er fort: „Das § ganze Deutschland soll es sein, das, wackrer Deutscher, nenne dein, (oweft die deutsche Zunge llingt und Gott im Himmel LiÄrer singt." Das durch den Korsen kstapoleon in seinen heftigsten Gefühlen j verletzte deutsche Voll erhob sich in den Befreiungskriegen wie ein Mann und schuf sich ein gemeinsames Vaterland, das durch dir Ideen der deutschen Idealisten vorbereftct und durch ein Heldentum sondergleichen in die Erscheinung treten konnte. Die ersten Ansätze der Vaterlandsgcsänge zeigten sich allerdings schon früher. Sie rankten sich an einzelnen Heldat in die Höhe. iEin solcher volkstümlicher Held war der Preußenkönig Friedrich.der Große, dessen Taten in aller Munde lebten, und den die Dichter seiner Zeit in Liedern verherrlichten. Es entstände» damals die von Gleim geschriebenen ,,Kriegslieder eines preußischen Grenadiers", von welchen der Bortragende das Eingangslied und das Siegeslied nach der Schlacht bei Lowositz zu Gehör brachte. Lessing urteilt zwar, daß diese Lieder in ihrer Sprache 30 Jahre älter seren als die darin geschilderten Begeben heftm, aber der Verfasser weiß sich unstreitig mit großem Geschick in die Rolle eines Zuschauers hftrein zu versetzen, woraus sich di« große Wirkung erklärt, die sie bei sonstigen Schwächen auf die Zeitgenossen ausübten. Ein anderer Zeitgenosse, der bei Kunersdorf ' verwundete preußische Offizier Ewald von Kleist, hat in seiner Ode an die preußische Armee das ausgesprochen, tvas wir von unseren im Felde stehenden tapferen Soldaten sagen, hoffen und wünschen. Der lange Zeit auf dem Hohenasperg gelungene Christian Friedrich Daniel S ch u b a r t, ein genial veranlagter Ntmsch schrieb außer Sinngedichten und Smüchen auch verschiedene vaterländische Gedichte, in welchen er seinem Zorn über dir Uukrast des deutschen Volkes und seiner Sehnsucht nach der Freiheft Ausdruck gibt. Sein Gedicht „Fürftengruft" ist eilte Dichtung voller Feuer, in einem andern, „das Vaterland" überschrieben, preist er das altgermanische Heldentum. Am bekanntesteir ist sein ,L> Humus aus Friedrich den Großen", der im Todesjahr des großen Krieges 1786 entstanden ist. Nach dem Tode Friedrichs ging ein neuer Geist auch durch Deutschlands Gaue. Drei Jahre danach begann in Frankreich die große Revolution. In Deutschland aber ist diese Zeit durch unsere großen Gerstesheroen: Goethe, Schiller, Schleiermacher, Fichte gekennzeichmt. Dir tiestraurigeZcft nach 1806 bewirkte eine ernste Prüfung, cim Rückkehr zu den Tugenden früherer Zeften, zu Frömmigkeit und Vaterlandsliebe. Not lehrt beten, beten sür die heiligen Güter der Persönlichkeit, der Famftie, des Vaterlandes, beten zu dem einen Gott, als Glieder eines Volles, als Kinder eines freien Volkes. Indessen zeigt sich nirgends etwas Gemeines, so daß der Historiker Lamp- rech t von dieser Zeit sagen konMe: Niemals zeigte sich ein Volk in seinem gerechten Zorn mäßiger als das deutsche, überall der gleiche Geist, Demut, Gottvertraucn, Glaube und Hoffnung. Heute noch sind wir hingerissen von den Liedern der Freiheftsdichter. ' eines Ernst Moritz Arndt, Körner und Schenkendori Ihre Töne dringen uns tief ins Herz hinem, denn sie atmen warmes dichterisches Leben, Helle Begeisterung und edle Vaterlandsliebe, so daß sft stets ein Schatz des Volles'bleiben werden, wenn sie auch vielfach nur, wie Arndt selbst sagt, Gelegenhfitsgcdichtc sind und den Erzeugnissen unserer.größten Dichter nicht an die Seite gesetzt werden können. Daß >mr aber gerade mit diesen Freihertsliedern so eng verwachsen konnten, hat seinen ticsercn Grund in der Geschichte unseres Volles selbst. Als der Franzmann aus Deutschland sortgejagt war, war die Not noch nicht beendet. Die Besreiung war crsolgt, aber die Freiheit, wonach man sich sehnte, nicht erschienen. Die Sehnsucht erlosch nicht. Schenkendors gab ihr Ausdruck in dem Lied: „Freiheit- die ich meine". Es sind ferner zu nennen: Uhland, Frcilig' rath. Hoff mann von Fallersleben, der am 26. Aug. 1841 in Helgoland das jetzt zum Gemeingut des deutschen Volkes gewordene „Deutschland, Deutschland über alles" nicderschricb. Das Geschrei unserer westlichen Nachbarn nach der Rheingrem« beantwortete Nicklas Becker mit dem Lied: „Sic sollen ihn niw> haben, den freien deutschen Rhein", und 30 Jahre vorher, ehe unsere Soldaten im Jahre 1870 nach Frantreich zogen, entstand dü mächtig wirtende „Wacht am Rhein" von Max Schneckenbur g c r. Unter den viclen.Soldatcnliedern .1870/71 sind die meisten dESmten Mustern nachempsimden. Volkstümlich wurde: „König Snjdau saß er, der auch bei Markenbenutzung die Fahrt immerhin auch mit 4 Pfennigen höher bezahlen müsse. ** Wünsche der 116er t« Feld«. Bon einem Offizier s Regiments erhalten wir mit der Bitte um Bekanntgabe folgend« ildpostkarte: „Zu meiner großen Freude habe ich fcststellen können, daß e am 7. X. mit den Automobilen mitgeführten Liebesgaben tt Leuten irnd Offizieren sehr wohl getan liabcn. Wir sagen len Spendern, insonderheit den Herren, die die Kriegsfahrt it ihren Beschwerden mitgemacht haben, uni die Liebesgaben die richtige Adresse zu bringen, unfern herzlichsten Dank. —. ollte in diesem Feldzug nochmals ein Liebesanto an uns ab- hen, so darf ich vielleicht folgerrde Wünsche Mitteilen: Bitter »tig: Schuhschnriere (Schweinefett), Lichter, Streichhölzer, Ta- tenlompen, Briefpapier, Bleististe, Löffel, Taschenmesser, Seife, osettpapier, kleine ZusammenstclliS'Mp über den Krieg lpatr. ffestofs) außer all den anderen lieben Sachen, — UnS geht es cht gut. Wir machen unsere Hebungen hinter der Front und lden die prächtigen Freiwilligen weiter aus, die in ießen so gute Vorbildung schon genossen. Wir sind alle in ester Stimmung und denken schon an die Weihnachts- »rbereitungen im Fellw." ** Nicht schwätzen! Obwohl immer wieder darauf ingewiescn wird, den Verbreitern unkontrollicrbarer Ge- ichte vom Kriegsschauplatz kein Gehör zu schenken und e energisch abzuschütteln, tauchen mit Hartnäckigkeit fast ltäglich Redereien und Erzählungen auf, die die Ent- istung jedes Urteilsfähigen herausfordern. Merkwürdigereise sind diese Märchen niemals freudiger oder harm- ser Art, sondern je abgeschmackter und trauriger sie ingen, umso sicherer finden sie ein dankbares Publikum, n Straßenecken und Wirtshaustischen feiert der Klatsch ine bedenklichsten Orgien. So hat man neuerlich als dank- rres Thema die Haltung unserer Freiwilligen gewählt, s hieße, die Ehre unserer tapferen Truppen antasten, enn man auch nur andeutungsweise wiederholen wollte, as an empörendem Klatsch über diesen Gegenstand im inlauf ist. Trotz aller Mahnungen und trotzdem sich die chauergeschichten immer wieder als erlogen erweisen, fällt n grosser Teil der Oeffentlichkeit immer wieder darauf nein. Wie wir hören, hat das Garnisonkommando sich weits mit der Angelegenheit befassen müssen, und es äre im Interesse des Rufes unserer Stadt nicht begrüßens- ert, wenn öffentliche Maßnahmen getroffen werden müß- n, um dieser Beunruhigung der öffentlichen Meinung Ein- ilt zu tun. Die Sache hat auch noch einen Haken, als den >r Würdelosigkeit und des Kleinmutes, Unterhaltungen der 'nannten Art sind für unsere Feinde immer von Interesse, ie geben fremden Ohren Gelegenheit, Nachrichten zu mmeln, die nie und nimmer die Zensur passieren würden, lbst wenn sie wahr wären. Möchten doch hier die Betei- gten bedenken, daß der Krieg um unsere Existenz eine zu niste Sache ist, um über ihn etwa wie in einem Kaffee- änzchen zu plaudern. Möge man sich immer wieder ver- egenwärtigen, daß das Üeben unserer Väter, Gatten, ■rüber und Söhne auf dem Spiele steht und daß diese ichtfertige Mitteilsamkeit tausenden braven Soldaten das eben kosten kann! Es gibt auch einen Verrat am Baerl an de, der zwar nicht unter das Spionagegesetz fällt, ier eft mehr Schaden anrichtet als die Preisgabe eines rrch jenes Gesetz geschützten militärischen Geheimnisses, ■öffentlich wird dieser Hinweis endlich genügen, um den ch schuldig Fühlenden das Gewissen zu schärfen und ein ingreifen des Strafrichters unnötig zu machen! Landkreis Gießen. O Staufenberg, 6, Nov, Gestern wurde Polizeldiener ralt zu Grabe qe trogen. Derselbe wnr 25 Jahr in >serer Gemeinde al? Polizeidiener tätig. Der Orlsvorstand legle r seinem Grabe einen Kranz nieder. Der Verstorbene hatte ein lter von 74 Jahren erreicht. A Ruttershausen, 6. Nov. Am vergangenen Sonntag zwischen 3 und 4 Uhr nachmittags kam es in unserer Gemarkung am Abhänge voin Lutzenberg zwischen hiesigen und Odenbänser Bürschchen zu einer regelrechten Schlacht, wobei ein lbjähriger Bursche von hier durch einen Beinschuß verletz! wurde. A Lich, 6. Nov. Nachdem der Eisenbahnsahrplan dem Besuche der L a n d w i r t s ch a I t I i ch e >, W l n t e r s ch u l e günstiger geworden ist, auch die Feldarbeiten ihren, Ende ziigehen, erinnern sich nniere Landwirte wieder ihrer Fachschule, um in dieser schweren Zeit auch nach dieser Richtung nichts zu versäumen. Ter Schulbeginn ist an, den 16. d. Mts. verlegt und es sind die Schulränine lnr den Schnlgebranch sreigemacht worden, O 911 b a ch, 4. Roo, Gestern wurden aus unlerer Gemeinde i Wagen vost Liebesgaben, bestehend ans Kleidungsstücke» und Weißzena, Kraut, Gemüse, Karotte» und Kartofsel» und 26 aut. in bar für die Notleidenden in Ostpreußen an Herrn Oberlehrer Nolh in Lich abgeliesret 'Außerdem wurden am Ernte- Tanliest bei der Kiechcnkollekte für die alotleidendcn in Ostpreußen 103 Mark gewendet, A Kloster Arnsburg, 6. November. Die Gemeinden Muschenheim und B e t t c n h g u s c n haben je einen Wagen mit Liebesgaben hierher gebracht. Kreis Büdingen, d, Blofeld, 5, Nov, Unsere steine Gemeinde hat an der Kricgsfürsorge schon regen Anteil genommen. Die Geldsammlung für das RoteKreu z, welche wöchentlich vorgenommcn wird, ergab bis jetzt den Betrag von annähernd 300 Mk. Mitte Oktober wurden Liebesgaben, bestehend in Leibbinden, Ohren- ichützer, Tabak, Pfeifen, Schokolade, Strümpse, an unsere Soldaten abgcsandt, der verbleibende Rest der Geldsammlung wurde an die Bank für Handel und Industrie in Darmstadt und an die Kreiskasse Büdingen abgcführt. Das Reservelazarett in Reichelsheim lWettcrau) erhielt mehrere Körbe Obst, Heute ging ein hochbeladener Zweispänncrwagen mit Kartoffeln, Kraut, Obst, eingekochtes Gemüse an die Kreissammclstclle nach Büdingen ab, Frauen und Mädchen stricken fleißig Strümpse und Armstauchen. — Für den aus dem Schlachtfelde gefallenen Reservisten Heinrich Heß fand ein Gedächtnisgottesdienst statt, an dem die ganze Gemeinde teilnahm, Kreis Friedberg. 4- Butzbach, 6, Nov. Gestern nahm Gendarnierie-Wacht- meister Rees in 'Butzbach in einer Wirtschait zwei russische Arbeiter seit, die dentichscindliche Rede», wie Deutschland müsse vernichtet werden, führten. Tie scechen Burschen wurden in sicheren Gewahrsnni gebracht, wo ihnen Gelegenheit gegeben wird, über ihr Auftreten nachzudenken. h, B i l b e l, 5, Nov, Unter der Leitung des Lehrers Will tagte hier der dritte Bezirks kriegertag der „H a s s i a". Nach einer Ehrung der gefallenen Kameraden berichteten die Abgeordneten Flach (Großkarben> und Schwind < Kleinkarben) über den Verbandstag in Butzbach. Hauptmann Wald eck er sprach sodann über „Das Unterstützungswesen der „Hassia" während des Krieges". Die Regelung geschäftlicher Angelegenheiten bildete den Schluß der sehr stark besuchten Tagung. Die nächstjährigen Bezirkstage finden in Rendel und Holzbausen statt. Starkenpurg und Rheinhessen. rb, D a r m st a d t. *. Nov. Eine ergreifende Trauerleier iand Mittwoch vormittag ans dem neuen Waldlriedho'e hier statt. Ter einzia« Sohn des Etantsmmisters Dr. v. E w n l d, der vor elwa sechs Wochen in den Kämrüen bei Brandeviste, nördlich Verdun, den Heldentod iürs Vaterland erlitt und dort auch bereits mit anderen Kameraden der Erde anvertrant war, wurde aus dringenden Wunsch der Familie in einem geschlossenen Metall- sarg mittelst aintomobils hierher ndergesnhrt und hier bestattet, Zn der heutigen 'Beisetzung hatte sich eine sehr zahlreiche Troner- vcrsammlnng eingenmden: auch die Großberzoqtn, die drei Minister und andere hohe Beamte, sowie eine Abordnung des 33. Dragoner-Regiments, dem sich der Verstorbene als Freiwilliger angeschloffen hatte, ivare» erschienen. Piarrer Vogel hielt eine ergreiseiide Gedächtnisrede und eine säst unübersehbare Zabl von Kränzen und Blumen reihte sich um die Grult. Der Verstorbene wurde ein Opler französischer Heimtücke, die schon so viele deutsche Krieger »ins Leben gebracht hat. Aus den bewaldeten Höhe» hatte eine albteiluna lranzösischer Soldaten die Waffe» weggeworien »nd die Hände hochgehobe» zum Zeichen, daß sie sich ergeben wollten. Als dann aber die denlschen Dragoner nahe herangekommen waren, ivnrde vlötzlich Feuer anl sie abgegeben, dem als einer der ersten v. Ewald zum Ovler fiel. Der Doriall ivnrde von anderen in der Nähe befindlichen deutschen Trnpventeile» bemerkt und die Strale iolgte an! dem Fuße, indem eine Abteilung bayerischer Pioniere mit ihren Spaten in der Hand vorgingen und die Verräter niederniachten. m. Ossenbach a. M. ,6. Nov. Der Oberbürgermeister der Stadt Offenbach hat kür die K a r t o k s e I n i in Kleinhandel H ö ch st v r e i s e kcstgesctzt, die kür das Kilogramm 9 Psg. und für das Gescheit» von 3‘/ s Psnnd 15 Psg. mit Wirkung vom heutigen Tage betragen. Hessen-Nassau. , m. Nus dem Kreise Kirchhaiii', 5. Nov. Feldwebe Hermann S t r i e ß e ans Langciistein, im Kaiser-Franz-Regiment, erhielt das Eiserne Kreuz. — Nach 30jähriger Tätigkeit in Langenstein trat Lehrer Wickert in den Ruhestand. Mehrere Generationen hat derselbe snr den Kamps des Lebens vorgebildet, zum Wahle der Gemeinde und des Vaterlandes, — Das Ergebnis der dritten Sammlung s ü r s 31 o t e Kreuz in Rüdigheim betrug 105 Mark. b, Biedenkopf, 5, Nov. Für die Bedrängten in Ostpreußen sind bis jetzt hier 3563,25 Mk, eingegangen. Dazu hat der landwirtschaftliche Bezirlsvcrein für die notleidenden ostpreußischen Landwirte 600 Mk, gestiftet und zu der National- stiftnng für die Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen einen Beitrag von 300 Mk, geleistet, ■ X G l a d e n b a ch , 5, Nov, Den Heldentod für das Vaterland starben die beiden Lehrer E, W, B i e r wal d-Gönnern irnd Karl K ü h n - Hartenrod. n. Nassaua.d. Lahn, 5. Nov. Das Manganerz b erg-, Werk „Gloria" wird am 14. Januar 1915 zwangsweise versteigert. b. Bad-Homburg v. d. H., 5, Nov. Wie in der Stadt- verord n eten s i tzung .mitgeteilt wurde, haben hiesige Händler im nahen Eschbach den Doppelzentner Kartosseln zu 6 Mk. eingekaust und ihn dann mit 33 >/d Prozent Gewinn hier loszuschlagen versucht. — Die Stadt hat sich wegen der Einsühnung von Höchstpreisen für Kartoffeln an die Wiesbadener Regierung gewendet. ^ (h) Frankfurt a. M., 5. November. Die diesjährigen Stadtverordnetenwahlcn finden am 26. November von 12 Uhr mittags bis 8 Uhr abends statt. Sie werden sehr ruhig verlausen, da zwischen allen Parteien wegen des Krieges Burgfrieden geschlossen wurde. Die Sozialdemokraten stellten gestern für ihre 11 freiwerdenden Wahlbezirke Kandidaten auf. Auch der Reichstagsabgeordnete Dr. Quarck wurde u. a. wieder aufgestellt. Gcricdtrsaal. Professor Lehmann-Hohenberg zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. ~ Weimar, 4. Nov. ^ Die hiesige Strafkammer verhandelte in fünfstündiger Sitzung gegen den ehemaligen Professor an der Kieler Universität Lehmann-Hohenberg, der unter der Anklage stand, den Ersten Staatsanwalt Blochmann in schwerer Weise beleidigt zu haben. Professor Lehmann-Hohenberg steht bekanntlich seil Jahren im Streit gegen verschiedene Behörden, da er den Standpunkt verficht, daß die gegenwärtigen Zustände auf dem Gebiete der Rechtssprechung militärischer und Zivilgerichte, insbesondere auch aus dem Gebiete des Jrrenrechts- und Entmündignngswcscns unhaltbare seien. Von diesem Standpunkt aus hat er die Interessen des Obersten H ü g c r aus Ulm, des wegen seines Attentats aus den vierten Reicksaerichtsiemtt verurteilten Kaufmanns Gros sei. der Frau Amtsgerichtsrat Burchardi in Meiningen u. a. vertreten. Professor Lehmann-Hohenberg ist im Jahre 1851 in Königsberg i. Pr. geboren und im Jahre 1900 wegen Beleidigung des früheren preußischen Kriegsmimsters v. Gotzler zu 600 Mark Geldstrafe verurteilt worden. Während seiner Kieler Amtstätigkeit ist der Angeklagte auch mit dem verstvrbenenSozialpolitrker Oberstleutnant a. D. Moritz v. Egidy in Berührung gekommen, den er längere Zeit moralisch und materiell unterstützte. Er begründete auch die „Kieler Neuesten Nachrichten", wobei er jedoch in, einen Konflikt mit der Regierung wegen einer abfälligen KriUk des Kriegsminislers v. Goßlcr geriet. Rach einem längeren Prozeß kam es zu seiner Verabschiedung, jedoch behielt er den Prosefsoren- titcl und den ihm zustehenden Pensionssatz. Seit dem Jahre 1904 lebt der Angeklagte in Weimar, wo er u. a. den Allgemeinen Deutschen Kulturbund gründete. Im November v. I. verhandelte die hiesige Strafkammer gegen Professor Lehmann-Hohenberg wegen Beleidigung des preußischen Ofsizicrkorps, die in mehreren Broschüren erblickt wurde. Der Angeklagte erhielt damals 600 Mark Geldstrafe, Besonders lebhaft gestalette sich der Kampf, den Professor Lehnmnn-Hohenberg in mehreren Jrrenrechtsafsären gegen die Autorität des Geheimrats Binswanger von der Jenaer Üniversität und dessen ersten Assistenten Professor Berger führte. Er erstattete gegen diese beiden Llnzeige wegen Meineides und ferner, als seiner Anzeige nicht stattgegeben wurde, eine zweite Anzeige wegen Rechtsbeugung gegen den amtierenden Amtsrichter Lemmerzahl. Da Erster Staatsanwalt Blochmann ans Beschwerde des Anqellagtm es ablehute, die dlnzcigen weiter zu verfolgen, beschwerte sich Professor Lehmann- Hohenberg bei dem Großherzoglicki Weimarischen Staatsministerium. Diese Beschwerde enthielt äußerst scharfe Angriffe gegen den Erste» Staatsanwalt Blochmann, so daß das neue Verfahren gegen den Angeklagten eingcleitet wurde. — Zu Beginn der Verhandlun-z stellte der Angeklagte den ?lntrag, die Richter möchten sich selbst als besangen erklären, woraus das Gericht aber nicht eingrng. Zu seiner Verteidigung führte der Angellagte an, daß er in Abivehr gehandelt habe, da c,r in früheren Prozessen durch den Ersten Staatsanwalt Blochn:ann schwer beleidigt worden sei, der ihn sogar als gemeingesährlich bezeichnet habe. Der als Zeuge ver- nomnicnc Staatsanwalt B l o ch m a n n bezog sich auf ein wissenschaftliches Urteil des Geheimrats Genfer (Dresden), wonach der bezcichnetc aiusdruck ans Professor Lehmann-Hohenberg anzuwenden sei. Eine Reihe von Beweisanträgen des Angellagten wurden, weil nicht zur Sache gehörig, vom Gericht abgelchnt. In seinen! Schlußwort suchte der Angeklagte nochmals seinen Standpunkt zu verteidigen und nahm die Wohltat des 8 193 StGB, in Lln- spruch. Bei der Schwere der Beleidigungen erkannte der Gerichtshof gegen den Llngcklagten aus eine ..Gefängnisstrafe von einem Jahre. _ » Letzte Nachrichten. Schwierige Kämpfe im Ueberfchwemmungsgebiet der jstser. Rotterdam, 6. Nov. Die französische Zeüung „Gaulois" schildert den heldenmütigen Angriff einer württem- bergischenBrigadc aus dem linken User der Mer folgendermaßen: Um 12 Uhr mittags hatten die Württemberger in großer dlnzabl unter dem Schutze ihrer Artillerie mit Hilse von Planken die User überschritten. Nach einem eine Woche anhaltenden. Kampf >var der Fluß durch gesunkene Boote, Baumstämme niw. geradezu verstopst. Die Deutschen schritten über diese Brücke aUjtUcrwcilc hatten die Verbündeten sine Stellung weit hinter der Front bffetzt. Die deutsche Infanterie, die sich am linleo User gesammelt hatte, bereitete den Sturmangriff vor. In jenem Auqenblick hörte man aus westlicher Richtung ein dumpfes Grollen Das Geräusch wurde deutlicher, es war dem Nahen der Flur ähnlich. Plötzlich brachen die strudelnden und schäumenden Wasser hervor. Von den deutschen Linien erhob sich ein Sehr« der Wut und des Entsetzens. Die Flut kam und sofort waren die deutschen Schützengräben überströmt. Die Württemberger retteten sich nach dem höheren Gelände, um aus dem Ueberschwemmungs- gebiet herauszukommen. (Ob der „Ganlais" die Vorgänge ganz richtig schildert, ist doch noch sehr die Frage!) Die Fahrt der deutschen Flotte an die englische Küste. i. Köln, 6. Nov. Die „Köln. Ztg." meldet ans Kopenhagen: „National Tidende" melden aus London: Die hiesige Presse gibt zu, die Deutschen verdienten Bewunderung für die Kühnheit, mit der sie ihre Kriegsschiffe an die englische Küste senden. Welche Wsicht die Deutschen damit verfolgten, wisse man nicht. Es sei unerklärlich, wie die deutschen Schiffe unb«schädig t die Minenfelder passieren konnten. Man glaube in England, die Deutschen unterhielten ein umfangreiches Spionagesystem und seien im Besitz genauer Karten der Anlage der Minenfelder. M:an wisse ferner nicht, wohin die von den Engländern verfolgten deutschen Schiffe den Kurs genommen haben. Besserung der Lage im Oberelsaß. Mülhausen, 6. Nov. Infolge der an der Grenze herrschenden Unsicherheit wegen der Kriegslage war im Ober-Elsaß der Wiederbeginn des Schulunterrichts bis auf weiteres verschoben worden. Da sich nun in der letzten Zeit die Lage wesentlich gebessert hat, wird der Unterricht mit dem 9. November »scher ausgenommen werden. Auch die Reichsbankstelle, die seil dem Einbruch der Franzosen in Freiburg im Breisgau amtierte, mmmt ihren Betrieb in Mülhausen wieder aus. Der Kampf im Schwarzen Meer. Mailand, 6. Nov. „Secoto" meldet aus Bukarest: Die Passagiere des von den Türken genommenen russischen Dampfers „Korolowo" sind nach Konsdantinopeb gebracht morden. Ein türkischer Kreuzer hat bei Sebastopol den russischen Dampfer „Großfürst Alexander" zum Sinken gebracht, nachdem die Passagiere und Mannschaften ausgeschifst und nach Kon- stanttnopel gebracht worden waren. Wahrscheinlich hat der russische Dampfer Jerusalem" dasselbe Los erfahren, da die von allen Stationen an ihn gerichteten radiotelegraphischen Teleg ramme unbeantwortet geblieben sind. _ Wetter allssichten in Hessen am Samstag, den 7. Nov. 1914 : Weitere 'Abnahme der Bewölkung; trocken, südöstliche Winde, in höheren Lagen leichte Nachtsröste. Wachstuch- ■ Reste« C“ Hpottbillig; "€ sind eingetroffen. ßahnhofstranfie 14. Stsnograplieit- Gasellschaft ’CabelsbBrgsr' Glessen. Samstag, 9 Ohr „Gambriaüs". 11238D Dir.: Hermann Steingoetter. Freitag, den 6. Nov. 1914. abends 8 Ubr 1. Freitaa-Abonn.-Vorstellg. Gcwölmt.PrciiclermäßiatI Zwiscko den Sclilacliten Schanlviel in 1 Aufzug von Björnstierne Biärnwn. Hierauf: 11235 MsltiißkiiiS Snfltr oon Friedrich von Schiller. Ende gegen 10 Ubr. Soldaten, vom Feldwebel abwärts, zahlen bei allen Porfielluiigen aus II. und I I I. Parkett nur halbe Preise. Grosser Schuhwaren-Ausverkauf Wegen Kündigung meines Mietsvertrages und des dadurch bedingten Umzuges habe ich mein gesamtes Schuhwarenlager einem ftuswerkauf unterworfen, und verkaufe sämtliche Schuhwaren zu staunend billigen Preisen Durch früheren Abschluß gekaufte Schuhwaren, welche ich verpflichtet bin noch abzunehmen, verkaufe ebenfalls zu herabgesetzten Preisen. Einige Beispiele folgen: Damen-Stiefel Damen-HausschuhemnÄafM 0.90 Damen-Hausschuhe paar amelha M r 1.20 Damen-Hausschuhe hÄh , n Ledersohle, Paar........M. I.t’U Damen-Hausschuhe SÄtL Kn Fleck, sehr warm, Paar......M. 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