Nr. 260 Der Slehener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. — Beilagen: viermal wöcbentlich GletzrnerLamIIiendlätter; zwennal wöchenll.Lreis- blattfilrden «reis Sietzen (Dienstag und Freitag): zweimal msnatl. Land- «irtschoftliche öeitsragen Feriisprech - Anschtösse: sürdieSchr>itleiIungI12 Verlag,Geschäilsstelle51 Adresse iür Drahtnachrichten: Anzeiger Sietzen. Annahme v«n Anzeigen sür die Togesmunmer bis vormittags 9 Uhr. Erster Blatt J64- Jahrgang Donnerstag, 5. November Gietzener MzetzF General-Anzeiger für Oderhessen Rstationrdruck und Verlag der Srühl'schen Univ.-Such- und Zttindruckerei 8. Lange. Schriftlritung, Seschästrftelle u. Druckerei: Schnlstr. 7. Bezugspreis: monatl. 75 Ps., viertel- jährl. Mk. 2.29: durch Ülbhole- u. Zweigsiellen monatl. 95 Ps.: durch diePost Mk.2.— viertel- jahrl. ausichl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15P>., ausw. 20 Pi. — Haupt- schristleiter: Aug. Goeiz. Vcrauiwortlich sür den polit. Teil: Aug. Goetz: sür „Feuilleton", „Vermischtes" uud„Gerichls- saal": Karl Neurath; iür „Stadt und Land" : Otto Braun; sür den Anzeigenteil: H. Beck. Ein Seelompf an der englischen Höfte. Untergang eines englischen Unterseebootes. Unfall des deutschen Hrmzers yorL (MTB.) Berlin. 5. Nov. (Amtlich.) S. M. großer I Kreuzer York ist am 4. November vormittags in der I a d e ans die Hafenmincnspcrre geraten und ge-I funken. Nach bisherigen Angaben sind 382 Mann, mehr als die Hälfte der Besatzung, gerettet. Die Rektungsarbeiten waren durch dichten Nebel erschwert. Der stellvertretende Chef des Admiralstabes, gez. Behncke. Berkin, 5. Nov. (Ctr. Bin.) Ans London wird uns über Lolland gemeldet, daß bei L o w e st v f t und Darmouth gestern heftiger Kanonendonner gemeldet wurde. Bei dichtem Nebel in etwa IVMeilcn Entfernung haben acht deutsche Schisse auf englische Fahrzeuge das Feuer eröffnet. Während des Kampfes fürchteten die englischen Behörden offenbar einen ILandungSpersuch Me Truppen wurden konzentriert und besetzten die Straßen. Als englische Kreuzer und Torpedoboote erschienen, dampften die deutschen Schisse ab. Wie sich nunmehr herausstellt, wurde bei diesem Kampf ein englisches Unterseeboot vernichtet. Folgende Meidling vom Sekretär der englischen Admiralität liegt darüber vor: Gestern morgen beschoß ein feindliches Geschwader das K ü st e n - >o acht schiff „Halcyon". Ein Mann wurde verwundet. Als „Halcyon" die Anwesenheit feindlicher Schiffe signalisierte, zogen fick.diese zurück, verfolgt von englischen leichlcit Kreuzern. Der letzte deutsche Kreuzer warf Minen aus, und das englische Unterseeboot „1>5" stieß auf ein« der Minen und sank. Zwei Offiziere und zwei Mann, die aus der Brücke des Unterseebootes standen, wurden gerettet. Der Rest der Besatzung ertrank. Weiter meldet der „Berk. Lok.-,Anz." aus Aittsterdam: .Aus London wird gemeldet: Am Dienstag ftüh wurde das Ka- nouenboot für Küstenbewachung „Halcyon" beim Patrauillendienst durch /ine deutsche Flottille angegriffen. Nachdem „Halcyon" den Angriff gemeldet hatte, kamen britische leichte Kreuzer zu Hilfe, vor denen der Feind sich schnell zurückzog. Obwohl die Briten ihm auf jdckir Fuße nachsolgten, konnten sie die feindliche Flotte vor Anbruch der Nacht nicht zum Kamps zwingen. Ein deuffcher Kreuzer der Nachhut streute eine Anzahl Sceminen hinter sich, von denen eine das über Wasser mitfahrende Tauchboot „D 5" zum Sinken brachte. (WM.) Großes Hauptquartier, 4. Nov'. vormittags. (Amtlich. 1 Unsere Angriffe auf Dpern nördlich Rohe und östlich Soissons schritten langsam, aber erfolgreich vorwärts. Südlich Berdun und in den Vogesen wurden französische Angriffe abgewiesen. Aus dem östlichen Kriegsschauplätze hat sich nichts wesentliches ereignet. * * * Eine Trauerbotschaft überrascht uns heute; sie hat aber auch einen Drost ftt sich: es wcrr nur ein Unfalb, der Uns den Kreuzer Dort hinweggerafft hat, der Feind Hot keinen "Anteil daran. Vielleicht steht das bedauerliche Ereignis im Zusammenhang mit dem Auslaufen eines deutschen Geschwaders, das, trotz Minensperre, bis an die englische Küste vorgedrungen ist und, laut der vorstehenden Meldung, eineni englischen Unterseeboot den Untergang bereitet hat. Der englische Küstenstrich, der ob der drohenden Gefahr einer deutschen Landung in so große Ansregung geraten ist, gehört der Grafschaft Suffolk an und liegt irördlich von London. Es waren diesmal nicht nur Unterseeboote, die den kühnen Vorstoß an die englische Küste unternahmerr; ein deutscher Kreuzer hat der englischen Marine den erwähnten Schaden verursacht. Zu einer Zeit, in der die Engländer so viel Aufhebens von der Sperre der Nordsee machen! Wie wird nun die Angst in London steigen und wie werdmi die über die englische Lmmaßung erbitterten Neutralen heimlich lachen! Der „Dorck" war keiner unserer wertvollsten unb stattlichsten Kreuzer; 1904 erbaut, hatte er etwa 600 Mann Besatzung und eine Wasserverdrängun-g von 9500 Tonnen. Sein Schwesterschiff ist der „Roon". „Gneisenau", der nach einer heutigen Meldung mir „Scharnhorst" und „Nürnberg" glücklich in Santiago "de Chile cingelanfen ist, ist stattlicher, und Merlvoller, denn er hat einen Tonnengehalt von 11 600 Hoffentlich loivd- der Name des alten Dorck in der deutschen Marine nicht evrschwinden! Ans den nachsolgenden Betrachtungen geht hervor, daß 2h>rcks Name hinter Gneisenau nicht zurüctzustehen braucht. Der Feldzug in Belgien und Frankreich hat, was die deutsche Führung anlangt, sich so glatt und einleuchtend abgespielt, daß man an der einhe i tli ch c n, planmäßigen obersten Seitung kaum zweiselu darf. Auch die Führer der einzelnen .Heere haben chre Aufgaben aufs beste erfüllt. Und wenn man nach dem bekannten Rückzug düs deutschen reckten Flügels in Frankreich an die Möglichkeit gedacht hatte, daß einzelne Truppenführer ihre Aufträge nicht ganz glücklich zur Ausführung gebracht habeu könnten, so wurden diese Zweisel hinterher durch Gnadenbeweise des Kaisers, durch Erlasse an die Truppenteile mit erkeuchharer Absicht be- I seiftgt. Wir können, soweit wir Umschau halten, keinerlei Anhaltspunkte dafiir finden, daß im Hauptquartier sich nicht > alles nach einem Willen vollzöge uno daß in den acht Heeren, die in Belgien und Frankreich fechten, irgendwelche Eigenmächtigkeit oder Unstimmigkeit sich geltend mache. Die Erkrankung des Generalstabschefs v. Moltke hat bei müßigen Kriftkern, die ohne Grundlagen und Sachkenntnis zu urteilen Pflegen, einiges Gerede erweckt, das nicht wert ist, widerlegt zu werdest, da auch! in diesem Fülle der Kassier durch einen außerordentlichen Freundschaftsbeweis — er stellte Herrn v. Moltke bekanntlich seftl Sck)loß in Homburg zur Verfügung — alle ängstlichen Betrachtungen zersfteute. Der Feldzug von 1670/71 war im deutschen .Heere unter Moltkes Leitung ebenfalls frei von Mißhelligkeiten der erwähnten Art. Zwar ist es keinem Feldherrn in die Hand gegeben, einen vorgefaßten Fekdznigsplan in allen Einzelheiten genau zur Ausführung zu bringen; es muß vielmehr immer mit Ereignissen und Zwischenfällen gerechnet werden, die besonders der Feind zu bereiten in der Lage ist und die einen neuen Aufbau der strategischen Entschließungen bedingen können: Auch der Krieg von 1870/71 bietet Belege hierfür. Lehrreicher aber sind die Erfahrungen aus den Befreiungskriegen vor 100 Jahren. Wir dürfen diese kriegerische Zeit heute mit kritischerem Auge durchmustern, denn kriegstechnische Fragen haben in unseren Tagen ein ganz außerordentliches Interesse erlangt; wieviel mehr fesselt ihre Erörterung wenn damit die NlOnren von Männern in Verbindung gebracht werden, die das deutsche Volk mit Stotz zu seinen Großen zählt! Blücher, Dorck, Gneisenau, mm Umschließt sie mit gleicher Liebe und Verehrung; das Ergebnis und di« Entwicklung ihrer damaligen Kämpfe erscheinen heute in einer gewissen Verklärung, und dock« waren die Beziehungen dieser großen Männer nicht von 'Spannungen frei, ja sogar handfester Haß hat sie in welthistzorischeni Tagen öfter heimlich gegeneinander gefiihrt. Bekannt ist besonders der Gegensatz zwischen: Dorck und Gneisenau, der gerade heute, wo das Schicksal der gleichnamigen Schiffe der deutschen Marine in aller Münde ist, wohl einige Aufmerlsamkeit finden dürfte. In einer eben erschienenen sehr fesselnden psychologischen Studie (Verlag von Mittler und Sohn, Berlin) hat General der Infanterie z. D. v. Zwehl auf Grund neuer Untersuchungen diesen Gegensatz erklärt und kritisch beurteilt. Dabei fällt so recht ins Auge, was unsere Zeit vor der damaligen voraus hat: nämlich die einheitliche militärische Schule, während in der Zeit vor IM und mehr Fahren in den Köpfen mancher Führenden von vornherein poliftsche und militärische Gegensätze zusammenstießen. Dorck und Gneisenau warert ihrem ganzen Wesen nach grundverschiedene Menschen: Dorck, 1759 geboren, war bei Beginn der Befteiungskriege nickü allein ein völlig abgeschlossener, fertiger Charakter, sondern auch ein bewährter Führer, der auf tatsächliche, vielseitig« Erfolge znrückblicken konnte. Eine harte Schule des Lebens hatte ihn gebildet, seine militärischen Anschauungen gründeten sich auf Beobachtungen in vielen Erdteilen. Er mar als Lehrer des zerstreuten Gcsochts und des Dienstes der leichten Infanterie seiner Zeit voraus bahnbrechend gewesen. Auch als Führer im Gefecht hatte er im Jahre des Schreckens und des Zusammenbruchs der Armee des Großen Königs auf dem Rückzüge bei Mtenzaun und m den Kämpfen bei Lübeck sich; vortresstich bewährt. In den folgenden Jahren mit zahlreichen Beweisen des Vertrauens seines Königs begnadigt, vielsach mit verantwortungsvollen Aufträgen bedacht, hatte er sich 1812 in Rußland, bevor es zum endgültigen Bruch mit Macdonald kam, als Führer des preußischen Hilfskorps dessen volle Zufriedenheit erworben Napoleon bot ihm den Marsckmll- stab mit 20 000 Franken lebenslänglicher Jahresrentc an. Am Tage von Tauroggen war er der Mann der Tat gewesen, hatte int Frühjahrsseldzugc 1813 überall mit Ehren im Feuer gestanden. Das Leben hatte den von Natur verschlossenen, peinlich rechtlichen, aber harten, fast finsteren Mann streng, wo es sein mußte, bis zur Härte streng gemacht, sein an sich kritischer Verstand ihm eine Ncimmg zmn Pessimismus gegeben. Erst nach längerer Bekanntschaft gab er sich sreicr und zeigte, daß unter der äußeren Härte ein warmes, teilnehmendes Herz schlug. Im gewöhnlichen Verkehr aber ging durch sein Wesen ein fast finsterer, scheinbar mürrischer Zug, der anders geartete Naturen absticß. Dagegen Gneisenau: An Lebensalter nur ein Jahr jünger als Dorck, hatte er bis zum Kapitän sein Leben in kleinen Garnisonen, in dem Einerlei des damaligen schematischen Dienstes verbracht, als das Schreckensjahr 1806 anbrach Bei Jena war er vorübergehend im Stabe Hohenlohes gewesen und durch einen Zufall der Kapitulation von Prcnzlan entgangen. Ae Belagerung von Kolberg sah ihn als dessen unverzagten, heldenmütigen Kommandanten. Immerhin war diese «Verteidigung, so ruhmvoll sie für die Preußen und ihn selbst war, dock, iiur eine Einzeltat. In der Reorgwiisations- kommission hatte Gneisenau als Gehilfe Scharnhorsts eine wichtige Rolle gespielt, aber das war in den Augen namentlich derer, die seinen fortgeschrittenen militärischen Standpunft nicht teilten — und sie waren sehr zahlreich —, doch alles Mehr Theorie oder Organisatorisches. Auch seine längeren Reisen, sem Aufenthalt in England hatten ihn militärisch nicht fördern können. Aus den Gesichtsfeldern und in der Praxis hotte noch niemand, namentlich Dorck nicht, ihn kennen oder gar schätzen gelernt. Als er 1813 bei Beginn des Herbstfeldzuqes als Chef des Gencralstabes zur Schlesischen Armee trat, schrieb er an den König Friedrich Wil- hclnk: So sehr ich mich durch einen solchen Beweis des Königlichen Vertrauens zur lebhaftesten Dankbarkeit besrnert fühle, so gebietet mir doch meine Pflicht, Ew. Königlichen Majestät un- oerhohlen zu sagen, daß ich die sür diesen Posten erforderlichen Kenntnisse und Fähigkefteii nicht besitze. llptxp der Oberleitung: des Generalmajors Scharnho-st und bei der Unterstützung einsichtsvoller Freunde konitte ir'i wohl einigermaßen dem Genera!- quartiermeisterposten eines kleinen Armeekorps vorstehen, aber die höchst wichtigen Geschäfte eines Generalquarftermeisters für eine große Armee und in einem so hochwichtigen Moment zu übernehmen, dafür fühle ick; meine Kräfte unzureichend." Das naren keine Redensarten, keine scheinbare Bescheidenheft, die den Widerspruch, Hervorrufen sollten, sondern innere Ueberzeugnng. Längerem, dessen Urteil über Dorck oben angeführt ist, sagt über Gneisenau: „Der Chef des Geacralstabes Gneisenau ist ein unterrichteter, tapferer Soldat, ein ausgezeichneter General. Seme Studien und die aus den Kriegen der FranzösisckLN Revolntron abgeleiteten Erfahrungen hatten ihn gelehrt, daß, man die veralteten taktischem Grundsätze verwerfen müsse, weil sie 22 Jahre lang alte Niederlagen der Feinde Frankreichs verursacht hätten. Er hatte begriffen, daß man Napoleons System der Kricgstihrnng annehmen, ihn durch große Operationen tu derselben Weise in Erstaunen setzen müsse, wie er durch kühne Bewegungen Europa überrascht habe. Aber wenn ich auch den Taleittcn des Generals Gneisenau alle Gerechtigkeit ividerfahren lasse, kann ich dasselbe Lob seinem Charakter nicht spenden. Sern Hochmut, ferne Eigenliebe dulden nicht den leisesten Widerspruch: selbstsüchtig, hart, aufbrausend, grob und derb in einem Maße, wie es selbst bei einem Deutschen ungewölpilich ist, imrd er allgemein gehaßt und muffte es sein." Gneisenau war mit Doyen und vor allem mit Scharnhorst einer der leidenschaftlichsten Vertreter der Steinschen Reformen. Dorck aber schrieb am 21. September 1808: „Der Mann (Stein) ist zu unserein Unglück in England gewesen und hat von dort seine Staatsweisheit hergehoü; und nun sollen die in Jahrhunderten begründeten Institutionen des auf Seemacht, Handel und Fabrikwesen beruhenden reichen Großbritanniens unserem armen, ackerbautreibenden Preußen an gewöhnt werden." Dorcks Standpunkt war, die Geschichte hat es bewiesen, unhaltbar, aber er hat, so nrteikt v. Zwehl, den von Gneisenau im Jahre 1811 in einer Denkschrift vertretenen Gedanken eines Volkskrieges gegen die fremden Bedrücker mit guten Gründen von der Hand gewiesen. „Wirs der Ausgang Preußens gewesen wäre, wenn man schon 1811 dmt Volkskrieg in Preußen nach Gneisenans Vorschlägen versucht hätte, ist unschyver zu erkennen." Wir können nicht allen Einzelheiten hier folgen, in denen General v. Zwiehk an der Hand der Ereignisse desl Herbstfeldzuges von 1813 die mancherlei Mißhelligkeiten zwischen Gneisenau auf der einen und Porck auf der anderen Seite auf deren grundverschiedenes Wesen znrück- führt: bei Porck starres Festhalten an überlieferten Anschauungen, auch wo es sich uin Ueberlebtes, die fteiere- Entwicklung des Staates hemmende Einrichtungen han-t delte, bei lNneisenau hinmrcMirmender Optimismus, dckr öfter die verderblichsten Folgen hafte haben können. Dorcks Charakter kommt in der Studie Zwehls, der zwar erklärt, nich.t allgemein fcststellen zu wollen, welchen von den beiden berühmten Generalen die größte Sch>ull> treffe, entschieden besser weg als der Gneisenans. Blücher überließ seinem Generalstabschef volle Selbständigkeit. Am 25. August kam es zum ersten verhängnisvollen Zniammen-' stoß. Nach den von Dellrück benutzten Quellen Höften Blücher und Gneisenau mit den Offizieren des Stabes tu Jauer bei Tisch gesessen, „als sich plötzlich die Tür öffnete und Dork hereintrat. Gneisenau sah, daß es eine Szene geben würde, wobei die (Gegenwart der ftemden Ofsiziere nicht erwünscht sein konnte. Er stand auf, ging Pork entgegen und führte ihn in ein lleines Seitengemach, wohin ihnm Blücher unmittelbar folgte. Hier erhob Aork seine Vorwürfe über die unerhörten Fatiguen, über den Mangel an Verpflegung und schloß mit der Versicherung, daß die ganze Armee sichanflöse und er dergleickten nicht länger verantworten könne, daß er dem Könige seinen Bericht darüber machen werde. Zwei Tage Ruhe seien der Arniee durchaus nötig. Gneisenau, obwohl er nur Generalmajor und Pork Generalleutnant war, übernahm die Antwort, rekapitulierte ihm kurz, was geschehen und warum cs geschehen sei, und daß man bei jenem einen Widerstreit und einen Starrsinn finde, der nicht selten an Ungehorsam streife, dann machte er die Tür auf und fragte: „Haben Euere Exzellenz sonst noch was zu befehlen?", woraus York mit einer kalten Verbeugung gegen Blücher abging." Wenn, so bemerkt dazu v. Zwehl, diese Schilderung Delbrücks wirklich authenftsch ist, so begreift nian die nachsichtsvolle Milde und Zurückhaltung Aorcks kaum und ist erstaunt, daß er nicht nach den ersten Worten Gneiseuaus diesem gesagt hat: „Herr General, ich habe mit Ihnen gar nichts zu verhandeln. Sie sind der Gehilfe des Generals v. Blücher, aber nicht mein Vorgesetzter, diesem wünsche ich meine Meldung zu machen, nicht Ihnen." — Daß sich gar Gneisenau! erlaubt hätte, den Generalleutnant v. Dorck durch Oeffueu der Tür hinauszuweisen, klingt gcknz umoahrscheinllch. Sollte es doch der Fall gewesen sein, so wär»r es eine bedauerliche Entgleisung Oftieisenau-s, die mff seine militärische Erziehung und seine Bildung kein günstiges Licht würfe. Auch in der Sache pflichtet v. Zwehl dem Standpunkte Dorcks. bei: „Die Schlacht au der Katzback wurde nicht gewonnen; weil man diese Hin- und Herzügc vorgcnommeu hatte, sondern trotz der Mißgriffe in den Tagen vorher, nainentlich aber, weil die Einzelanordnungen des OberkoinniandoS für das Korps Dorck nicht zur Ausführung kamen." Dorcks Verdienste um den Sieg an der Katzbach wurden 'in Gneiseuaus amtlichem Bericht nicht gewürdigt. Dorcks 'Name wurde überhaupt nicht erwähnt. Auch die Anordnungen zur Verfolgung, die von Gneiseium. crudqinqen wurden nach der Ansicht Zlvehls den tatsäckMzen Verhält- nffsen, in fccnem das ?)trrcf 1 |- wägung müßte uns heute vorschmeben, wenn uns die Er- ffokge in Flandern und au der Aisne nicht schnell genug zu blühen scheinen. Wir Zurückgebliebenen können uns schwer ein Bild davon machen, wie schwierig und verwickelt in 1 den Einzelheiten, die großen Kriegsaufgaben in Feindesland zu lösen sind, ur.o unsere Parole kann nur lauten: Geduld, Zuversicht, Berlrancn in die Fähigkeit der obersten Führer! Mnscr oslafiatisches Geschwader in Chile ««gekommen. Santiago de Chile, 4. Nov. (23.93. Nichtamtlich.) Die beiden deutschen Kreuzer „Scharnhorst" und „Gneisenau" und der kleine Kreuzer „Nürnberg" sind hier cingetrossen. 'Nachdem der deutsche Gesandte und der deutsche Konsul an Bord gewesen waren, nahmen die Schisse Vorräte ein. Tic tapfere Berteidigung von Tsingtau. (WTB.) London, 4. Nov. lNichtamtlich.) Der „Daily- Telegraas" meldet aus Peking vom 30. Oktober: Chinesische Pressemeldungen aus Canton berichten, daß das deutsche Artille- ricscuer vlanmäßig alle vorgeschobenen japanischen Verschanzungen vernichtet hat und damit jeden Angriff aus unbestimmte Zeit hinaus- schiebt. TaS gesamte Glacis hinter Tsingtau ist mit Minen übersät, die elektrisch geleitet werden. Die japanische Gesandtschaft im Haag gibt folgende Darstellung des japanischen Generatstabs bekannt: Nachdem schwere Geschütze ausgestellt worden waren, begann am 31. Oktober, dem Tag) der zur Feier des kaiserlichen Geburtstages bestimmt worden ist. die gesamte Artillerie bei Tagesanbruch ttt ! k WtffrfiTpfiirWrt ‘T'ftrtrtf t Vvr »t t < rfwvr» mit der Beschießung Tsingtaus. Die japanischen Kriegsschisse vereinigten ihr Feuer aus die feindliche Flotte. Das östliche Fort „Iltis" und das Fort „Hsinu-Tschanshan", die den rechten deutschen Flügel deckten, wurden bald zerstört, und in der Stadt Tsingtau sah man die an die Schiffswerft grenzenden Stadtteile nnd Oeltanks in Flanimen stehen. Die Deutschen erwiderten das Feuer. Die „Emden". London, 4. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) „Mornincx- Post" meldet aus Liverpool vom 1. November, daß die Behauptung unrichtig ist. daß die „Emden" unter japanischer Flagge in denc Oasen von Penawg cingefahrcn sei. Sie habe vielmehr den Uebersall mit dem Unternehmungsgeist und Schneid ausgeführt, die sie bei den früheren Taten bewiesen hat. Epnentc Beschießung von Reims. Bordeaux, 4. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Ter „Temps" meldet: Die Deickschcn begannen an, Sonntag und Montag aufs neue, Reims heftig zu beschießen. Der amtliche französische Bericht. (WTB.), Paris, 3. Nov. (Nichtamtlich.) Das amtliche Com in uni aus von 3 Uhr nachniittags besagt: Aus unserem linken Flügel scheint der Feind das link« Dser-Uscr stromabwärts Dixinniden gänzlich vreisgegebcn zu haken. Die auf den Chausseen im überschwemmten Gebiet vorgeschobenen Rckognoszic- rungsabteilungen benutzten die Eingänge der Pscr ohne große Schwierigkeiten. Südlich Tirmnidcn und gegen Ghcluvclt sind unsere Vorwärtsbeivegungen besonders bemerkbar gewesen. In der Gegend nördlich der L y s wurde trotz der von den Deutschen mit beträchtlichen Beständen ansgesührten Angriffe unsere Front überall gehalten oder vor Tagesende wieder hergestellt. Neue Angriffe der Deutschen gegen die Vorstadt von Arras tzrgcn Lihons und Ouesnoy-Santerre scheiterten. Im Zentrum in der Aisne- Gegend, im Walde der L'Aigle, verzcichneten wir einige Fortschritte. Oestlich Baillh mußten diejenigen unserer Streilkrästc, die sich aui den Abhängen der Hochebene nördlich der Dorier Cdavonne und Suvir festgehalten, laut den letzten Nachrichten sich aus das Tal weiter östlich zurückziehen. Wir behauvteten unsere Stellungen oberhalb Bourges und Comin aus dem rechten Fluß ujer. Eine heftige Kanonade fand während des Tages zwischen Reimund der Maaß, ebenso aus der Haute de Meuse statt. Neue Anstrengungen der Deutschen im Argonner Walde wurden verhindert. Wir sind sortgcsahren, Fortschritte zu machen nordwestlich von Poub-tz-Monsson. Aus unsrem rechten Flügel gab es eüiige unseren Massen günstige Detack-ÄktioriLN längs der Seille, SO 000 Mann englische Berlnskc. London, 31. Okt. Tie „Dailv News" bringt heute die Nachricht, daß bis jetzt 60 000 E n g län d e r a ußc r Gefecht gesetzt worden sind. Angesichts der verhältnismäßig niedrigen Ziffer des englischen Expeditionskorps ist die Ber- lustzifser enorm hoch. Zum Leutnant befördert, B c r l i n , 3. Nov. Bizescldivebcl Schmerbeck im Infanterieregiment Nr. 16 ist zum Leutnant befördert worden. Dies ist der erste Fall im gegenwärtigen Feldzug, daß ein aktiver Unteroffizier ivegen Tapferkeit vor dem Feinde, nachdem er bereits mit dem Eisernen Kreuz 2 . Klasse ausgezeichnet war, zum aktiven Ossizier befördert worden ist. Die Schweiz und der spätere Bölkcrfriedcn. Zürich, 3. Nov. Die sozialdemokratische Fraktion des schweczer Nationalrats hat dem Bundesprästdenten den Wunsch aller sozialdemokratischen parlamentarischen Fraktionen der neutralen Staaten übermittelt, der Bundesrat möchte eine Verständigung der letzteren anbahncn, um bei den Regierungen der kriegführenden Staaten den Friedcns- schluß, eventuell einen Waffenstillstand, zu erwirken. Der Bniidespräsidcnt erklärte sich mit der Richtung dieser Air rcgung einverstanden. Die Uämpse vor den Dardanellen und an der ägyptischen Grenze. Berlin, 5. Nov. Ueber die Besckfießung der Dardanellen durch die englisch« Flotte berichtet das „Berl. Ta- gebl." ans Konstantinopel: Das Bombardement der Dar danellcnforts ist nach einem gestern abend ausgegc-- benen Bericht von einem der Forts erwidert wvr den. Auf einem englischen Panzerkreuzer, der von mehreren Geschossen getroffen wurde, brach ein Brand aus, worauf die Flotte außer Sichtweite verschwand. Weiler wird dem „Berl. Tagebl." aus Konstantinopel berichtet: Die Engländer ziehen sich von der ägvptischcn Grenze am Suezkanal zurück, wobei sie alle Dörfer auf ihrem! Weg niederbrennen. Die Russen haben begonnen, die Kautafusgrenzen zu befestigen. Im englischen Konsulat in Bagdad hat die türkische Behörde große Mengen Munition und Martinigewehre beschlagnahmt. Eine Anzahl solcher K istcn wurde von den Engländern im Euphrat versteckt, trotzdenl ist alles in brauchbarem Zustand, ' Aus Könstantinopel wird dem „Berl. Lok.-Wcz." berichtet: Pariser Meldungen zufolge zielt der türkische Kriegsplan auf einen Angriff gegen den Suezkanal über Akaba und Caza und gleichzeitige Minensperrung bis zrcr Sinafi Halbinsel hin. , , Einem Telegramm ans Mhttlene zufolge befestigen die Türken unter deutscher Leitung die Städte an der Küste Klein asiens und ziehen dort große Truppenmassen zusammen, (WTB.) London, 4. Nov. (Nichtamtlich.) „Exchange Telegraph" meldet aus Kairo: Es verlautet gerüchtweise, daß die Türken 100000 Kamele an der Grenze sammelten, um sie zu einem Vorstoß durch die Küste zu benutzen. Britische Kriegsschiffe liegen bereit, um einen Angriff zu erwidern, falls es den Türken gelingen sollte, bis zuni Suczkanal voiUtdringen. (WDB.l Konstant in opel, 4. Nov. (Nichtamtlich.) Nach amtlichen Meldungen ans Bagdad haben die Behörden dort eine Kiste mit Waffen beschlagnahmt, die auS dem englischen Konsulat herrührt. Man hat versucht, die Kiste in den Tigris zu werten. Mit 10 anderen Kisten, di« alle für die englische Armee bestimmte Waffen und Munition enthielten, war dieses bereits geschehen. Sic wurden ans dem Flusse lnransgezogen. Die Mütter weisen daraus hin, daß diese Auffindung von aus dem englischen Konsulat stammenden Waffen einen neuerlichen Beweis sür gewisse Pläne bilde, die England gegen die Türke, genährt hak. Der „Tanrn" stellt fest, daß England mit Waisen und Geld ij* Bagdad, Bassorah und selbst in Konstankinopel intrigiert habe. Wir erinnern, sagt das Blatt, an jenes Verbrechen, das Vor anderthalb Fahren in Konstawttwopel begangen wurde. Wir Nüssen, wo es vorbereitet worden ist. — Der „Tanin" scheint damit auf die Ermordung Mahmud Scheskct Paschas anzufpielen. Die Beschießung von NoworosfijSk nnd Scbastopol. Amsterdam, 4. Nov. (Ctr. Frkst.) Ans London wird gemeldet: Aus Sebastopol wird der „Times" berichtet, daß bei dem Bombardement durch die Denffchen (-die „Times" spricht nicht von den Türken, sondern nur von Denffchen. D. B.l, 1l6 Granaten in die Stadt geworfen wurden. Ein türkischer Kreuzer konnte von der Stadt ans gnk beobachtet werden und befand sich nur eine engfischs: Meile voin Hafen entfernt, als er das Feuer eröffneie, zum Zwecke der Zestörnng des Eifenbckhntunuels. Der herrschende Nebel erleichterte die Annäherung des Feindes. Die Hasenbatterien beantworteten das Feuer, und die drahtlose Station von Sebastopol fing ein Telegramm nach .Konstantinopel auf, worin der Kommandant des feindlichen .Kreuzers meldet, daß sein Schiff beschädigt sei und daß er nach Konstantinopel znrückkehren müsse, um die nötigen Reparaturen ausführen zu lassen. (WTB.) London, 4. Nov. (Nichtamtlich.) Der englische Bizekonsnl in Noworossijsk meldet, daß zwei türkische Kreuzer am 30. Oktober den Hafen bombardierten. Der englische Dampfer „Friürika" wurde in Brand geschossen. Auch Wagenfabriken und Strumpstvirkereieit gerieten in Brand. Der angerichtete Schaden belänst sich auf vier Millionen. England vorläufig noch Herr in Aegypten. (WTB.) Wien, 4. Nov. (Nichtamtl.) Die „NeueFreie Presse" meldet aus Konstantinopcl: Dem „Tanin" zufolge haben die Engländer Aeghvten annektiert. Sie haben den Onkel des Khediven, den Prinzen Hussein Kiamil Pascha, zum Generalgouverneur ernannt und seinen Sohn, den Prinzen K c m a l E d d i n Pascha, zum Obcrkomman- danten. England herrscht vorläufig — und auch nur auf dem Papier — noch in Aegypten, wie lange noch, werde?» die Türken darzutun haben. Türken und Italiener. (WTB./Ko n st a n t in o p el, 4. Nov. (Nichtamtlich.) „Tanin" betont in seinem heutigen Leitartikel die Bedeutung der Freundschaft Italiens für die Türkei und versichert, solange Italien seinen Verbündeten treu bliebe, könne es auf die Freundschaft der Türkei rech- n e n. Die gegenwärtigen Umstände böten Italien die Gelegenheit, sich gut mit der muselmännischen Welt zu stellen und so zu beweisen, daß die einzige zivilisierte Macht, die mit dem Islam in Berührung stehe, Italien sei. Hiermit spielt das Blatt offenbar auf die Stellung Italiens in Tripolis an. Konstantinopel, 3. Nov. Der zurücktrctende Minister Mahmud Pascha wünscht ein Armcekonrmando zu erhalten. Tie Aeuderung im Kabinett stärkt dieses im nationalen Sinne. Erfolge der Oestcrreichcr. (WTB.) Wien, 4, Nov. (Nichtamtlich.) Amtlich wird verlantbart: Die Bewegungen unserer Truppen in Russisch-Polen wurden gestern vom Feinde nicht gestört. Eines unserer Korps nimmt-aus den Kämpfen an der Lhsa Gora 20 O ffiziere und 2200 Mann als Gefangene mit. An der galizischeu Front ergaben sich heute bei Podbuz südlich von Sambor über 200, heute früh bei Iarvs- lau 300 Russen. Der Stellvertreter des Chefs des Gcnerakstabs: v. H ö f e r, Generalmajor. (WTB.) H i e n, 4. Nov, (Nichtamtlich.) Vom iDlichen Kriegsschauplatz wird amtlich gemeldet: In weiterer Vorrückung stießen unsere Truppen südlich und südwestlich Satz o c neuerdings >ruf den Feind, Ein sofort fortgesetzte r A u g r i f f schreitet günstig fort. Während lwi den Kämpfen auf der Romanja insgesamt 58 Offiziere und 647 Mann gefangen genommen, 5 Geschütze, 3 Munitionswagen, zwei Maschinengewehre, viel Munition und Kriegsmaterial er- beutet wurden, wurden den Montenegrinern über 1000 Stück Vieh, das sie ans Bosnien mitnehmen wollten, abgenonnnen. (WTB.) O f e n p e st, 4. Nov. (Nichtamtlich.) Me bei Kutv sowie nördlich Czernowitz bei Kottgornick geschlagenen russischen Abteilungen zogen sich gegen Sniatyn zurück. Sie versuchten sich dort zu vereinigen, was jedoch mißlang. Die Verluste der Russen sind sehr bedeutend. Snia- tvn ist von uns wsieder besetzt. Bor Ezernowitz blechen di« Russen ruhig. Antivari von österreichischen FUcgeru beschossen. Berlin, 4. Nov. (Priv.-Tel.) Das „Berl. Tageblatt* meldet aus Rom: Wie aus Skutari gemeldet wird, ist Anti, v a r i gestern von drei österreichisch-ungarischen Fliegern bom- bamdiert worden. Durch die Bomben wurde das Gebäude der Antivari-Gesellschaft zerstört und die Mole beschädigt. Ein Pogrom in Lemberg- Wien, 3, Nov. (Ctr. Frkft.) Das „Acht-Uhr blatt" meldet: Aus Warschau hier eingetroffene Reisende wissen von großen Pogroms zu berichten, die in den letzten Tagen in Lemberg stattgefundeu haben sollen. Danach wurden 50 angesehene jüdische Bürger von russischen Soldaten ermordet nnd viele andere schwer verwundet. Der polnische radikale Reicl>-tccgsabqeocd« nete Breiter wurde, als er einzuschreilen versuchte, verhafte» und soll' nach Omsk in Sibirien verschickt worden fein. Der Nordsee-Erlaß der englischen AdmiraNtät. Die in England erlassene Verkündigung über die teil- weffe Absperrung der Nordsee hat folgenden Wortlaut: Vergangene Woche haben die Denffchen auf offener Sec und ohne jede Ordmrm, auf die wichttgste Fahfftraße von Amerika nach Liverpool über die Nordküste Irlands Minen gestreut. Friedliche HLndelsfästsie sind schon dadurch zefftört worden, Menschm- leben dabei verloren worden. Der DanffLer Olhnrpic von der White Star-Linie ist durch einen glücklichen Zufall einem Unglück entgangen. Hätten englffche Kreuzer nicht gewarnt, so wären noch mehr englische und neutrale ltanffahver nnd Personenichifsk vernichtet worden. Diese Minien können nickst durrl» effi deuffches Kriegsschiff gelegt worden sein, sie sind durch ein .Handelsschiff gelegt worden, das unter neutraler Flagge segelte und tat, als ob cS friedliche Handelszwecke veffvlgte: cs hat unter voller Ansnntznng der Vorteile der Unantastbarkeit, welche die neutralen Handelsschiffe genießen, in rüchickstsloser und ruchloser Weise das Leben aller Seefahrenden in Olefahr gebracht, ohne darauf M achten, ob cs sich um Freunde oder Tfeinde handelt, ob sie einen bürgerlichen oder milttärischen Charakter haben. Das Legen von Minen unter neutraler Flagge, das Ilnternchmen von Erkundungen mit den Fischereidam psern, La za re t tsch i f f e n nnd neutralen Fahrzeugen erweisen sich als das gewöhnliche Kennzeichen der deutschen Kriegführung zurr Sec. Unter diesen Umständen, in Erwägung der bedeittendmi Interessen, di« der englischen Marine anvertraut sind, sowie der Sickwrheit des friedlickwn Handels auf offener See und der Handhabung des Handelsverkehrs zwischen neutralen Ländern innerhalb der Grenzen des utternationalen Rechts, erachtet die .Admiralität cs sür notwendig. Ausnahm «maßregeln zn tteffen im Hinblick auf die neuen Verhältnisse, unter denen der .Krieg geführt wird. Sie mackst daher bekannt, daß die ganz« Nordsee als ein militärisches Gebiet zn betracht« ist. Innerhalb dieses Gebiets werden Kaufs ahne r aller Länder, Fischereifahrzeuge imd alle sonstigen Schiffe ernsten slesahmi wegen der Minen ansgesetzt sein, die ausgestreut worden st« miffsen, sowie wegen der KriegssckMe, die Tag und Nacht ofop nach verdächtigen Fahrzeugen suchen. All« Kauffahrtei- und Fischereifahrzeuge werden hierdurch vor den Gefahren gewarrch die sie in diesem Gebiet laufen, außer wenn sie sich streng cm die Weisung der Admiralität halten. Es folgen dann die schon gemeldeten Weisungen selbst, welche die Umschreibung des gesperrten Raumes sowie d« Verhaltungsmaßregeln enthalten mit dem Zusatz: „Alle M» weichungen können Gefahr und Not bringen, auch wen» es sich nur um wenige Meilen von dem angegebenen Kurs handelt." Tie „Nieuwe Rotterdamsche Courant" vernimmt ja dieser Verkündigung int Gegensatz zu der gemeldeten pesfie mistischen Aufsaffung ihres Londoner Berichterstatters, daß die Maßnahmen der Admiralität im ganzen keinen Einfluß aus die Schiffahrt zwischen der englischen Ostküste und den niederländischen Häfen ausüben würden, sie me zögen sich lediglich auf die Gewässer zwischen Norwegen und Sclwttkand, der niederländische Handelsverkehr werde dadurch wenig gestört werden. (WTB.) Kopenhagen, 4, Nov. (Nichtamtsich.) Zur Sperrung der Nordsee schreibt das Regierungsblatt „Politiken"' Keine Maßregel in diesem Kriege berührte Tänemart so unmittelbar wie diese, die für die dänische Schiffahrt tief nw greifend- Folgen haben wird, die sür den Augenblick noch MM zu übersehen sind. Nach Blättermeldimgen hat die größte schin- sahrtsgesellschast Dänemarks „Forende Dampskibsselskab" vor- läufig alle Fahrten nach England eingestellt. (WTB.) Kristiania, 4. Nov. (Nichtanttsich.) „Morgen- bladet" schreibt über die durch England angekündigte Nordseesperrr: Heute ist die Meldimg eirrgctroffeii, England habe die Nordsee von Island bis Schotlland gesperrt. Ern Kommentar ist überslüßig. ES ist dieses ein u-nerhörter Uebergriff gegen das internationale Völkerrecht und eine Rücksichtslos i c f e i t gegenüber den neutralen Mächten, die auffallend fft und in die lllugen springt. Der Schaden sckstrnt in dem sonderbarsten Widerspruch zu den Vorteilen zu stehen, die England da- biircfi erreicht. Wir erfahren, daß die englische Regierung den interessierten Ländern nichts mitgeteilt hat und nicht unkcffuwte, wie die Sperrring von der Regierung aufgesaßt würde, deren vüalstc Interessen sie berührt. Wir fragen, ob nicht bald der Zeitpunkt gekommen wäre, an welchen^ ein gemeinsames Auftreten der neutralen Mächte angebracht wäre. Auf die Slimme der kleinen Länder Hort uffniand. Amerika ist auch neutral. Der NeutralttWbegrisf exc- Hert nicht mehr, wenn jeder Nebergrifs der kriegführenden Groß- nächte schweigend geduldet wird, Tie erste Wirkung ist, daß die leiegsversichcrung sich erhöht. Die Neutralität Spaniens. Madrid, 4, Nov, (W,B, Nichtamtlich.) Während deS letzten Mimsterrates erklärte Ministerpräsident Tato, die Negierung werde ,ic Neutralität Spaniens vor dem Parlament bestätigen. An» Stadt «nd Land. Dießen, 5. November 19 lt. Ter Gießencr Landsturm in Feindesland. Der Landsturm, der Landsturm! Das hellflackernde Feuer jugendlichen Ucberschwanges ist ausgebrannt, aber nicht um n schmälende Asche zu zerfallen, Tie nachhaltige Glut, die hier ntzündet ward, ist warm und treu wie die des heimischen Herdes, »er sie entnommen ward. Und sic ist nicht nur zum Kasseekochen iul, Auch der oberhessische Landsturm wird das zu beweisen wissen. Bisher ist es ihm freilich nicht vergönnt gewesen, kriegerische Lor- >eercn zu pflücken. Wer das moderne Völkerringen ist nicht nur >as Auge in ?lugc mit dem Feind, sondern entsaltet sich ans so verschiedenartigen Schauplätzen, daß soldatischer Tüchtigkeit ein ocites Feld der Betätigung geboten ist. Nun sind schon Wochen vergangen, seit die Abschicdsgrnßc Rcßens die Triarier der Stadt und der Provinz aus ihrem Marsche zum Bahnhöfe begleiteten. Frohgemut tönte als Echo der ingezahltcn Wünsche das Lied von der Heimat zurück, als sich der larrende Zug in Bewegung setzte, deni Feinde entgegen, zum sthein, übern Rhein, Der Feind steht ja dank den Erfolgen unserer 8äter und der erst jüngst bewiesenen Schneidigkeit unserer Jung nannschaft weit ab von den grünen Fluren des deutschesten aller Ströme, So konnte die Reise gleich aus emc Entfernung angeietzt netben, deren Bewältigung für einen Militärzug mehrtägige Fahrt '.ölig macht. Durch Neudeutschland ging der Weg, durchs Land der durch Englands Habgier und Gewissenlosigkeit ins Verderben gelockten Flamen und Wallonen, wo sich auch die ersten Spuren der über- randenen schrecken zeigten: durch Granatfeuer abgedeikte und insgebrannlc Wohnhäuser, verlassene Lagerstätten, abgeholzte Bahndämme, auch hin und wieder ein langgestrecktes Grab mit inem kunstlosen Holzkreuz, Mit furchtbarer Eindringlichkeit aber predigten die traurigen Trümmer des verblendeten Löwen von >er Rache nach Kricgesrecht, die heimtückischem Uebcrsall aul brave Soldaten folgt. Die überlebenden Bewohner, die die überall an- leschlagencn dreisprachigen Warnungen vor Nebcrsällen auch aus chwächere deutsche Truppcnabteilungen einst so schändlich miß- rchtct hattem waren von dem Orte des Grauens geflüchtet, und inr einige Straßenhändlcr trieben sich auf dem Platze vor dem Bahnhose umher, von dem ein bronzener de Weyer melancholisch lerabschaute. Doch die Zeit drängte, und so war es nicht möglich, »ich in die entfernteren und besser erhaltenen Stadtteile einen Blick zu tun. Nicht Belgien sollte dem Landsturmbataillon Unter- sinist bieten, als Standort war vielmehr eine der nordfranzösischen Städte ausersehcn, und so überschritt denn der Zug eines schönen Mittags die französische Grenze, Donnernd pflanzte sich >as dreijache Hurra aus S, M, den Kaiser von Wagen zu Wagen ort und schmetternd fiel die Bataillonsrnusik mit der Volks- tymne ein, „O Frankreich, o Frankreich, wie wird es dir ergehen, toenn >u, wenn du den Landsturm wirst sehen!" So hat es Gießen so nanches liebe Mal in seinen Gassen und auf seinen ins Uebungs- ,eländc führenden Straßen klingen und singen hören. Nun war ins der begeisterten Erwartung kriegerischer Ernst geworden, .Aber bisher zeigte er noch kein blutiges Gesicht, Wohl traten ver- tärkte Vorsichtsmaßregeln ins Leben, da feindliche Flieger bis vor roch gar nicht zu langer Zeit versucht hatten, den Verkehr auf den 'rutschen Etappctilinie zu stören und zu schädigen. Doch der häufige ängere Aufenthalt des Zuges aus offener Strecke wie in der Nähe >on Ortschaften lockte nicht die sackelschwingende Kriegsfurie herbei; siclmehr war die erste Berührung von Landstürmern und der halb .aghast, halb neugierig erscheinenden Bevölkerung von freund-- scheren Geistern behütet, Frauen und Mädchen nahmen gern von >em reichlich vorhandenen Brot in Empfang und trugen dafür in dem heißen Tag doppelt erauickendes Brunnenwasser herbei. Furchtlos drängten sich kleine Buben und Mädchen mit offener Hand an die Wagen heran, und die Erinnerung an ein ähnliches iebes Wesen daheim lockte manche kleine Gabe hervor. Kurz, hier chwieg der mordende Völkerhaß, und wenn der Zug weitcrfuhr, uar üs Winkcns inü> Tüchcrschwenkens kein Ende, Doch die Stunden wuchsen, Haltepunkt reihte sich an Halte- »mkt, und auf die spärlich beleuchteten Abteile senkte sich ein unruhiger Schlummer, der erst neuem Morgenrot und hitzigem Gedränge um Kassec und Kasfeewasser wich. Endlich hob sich aus oaldigen Hügeln der trotz seiner Turmlosigkeit machtvolle Bau der Kathedrale von Q,, als vorläufiges Endziel der Fahrt freundlichst begrüßt. Aber ach, der Soldat denkt, und die Etappen-Jnsprktion senkt, Ueber die Verwendung des Landsturmbataillons war ander- veit verfügt worden, und so mlußte der Zug wieder bestiegen vcrdcn, sreilich nicht zur Fahrt auf Paris zu, sondern die eben iurückgclegte Strecke wieder zurück. Doch alles nimmt einmal ein Ende, auch ein kriegsmäßiger Truvventransport, und abends um 10'/, Uhr konnte dem Ba- aillon das Hornsignal znm Aussteigcn gegeben werden. Durch die 'chweigenden, von der Zivilbevölkerung infolge eines strengen Kom- niandanturbesehls völlig geräumten Straßen der Stadt marschierte Kompagnie auf Kompagnie, um auf irgend einem größeren Platze Halt zu machen nnb die Einguartierung abznwarten. Stunden vergingen, während deren es sich die müde Mannschaft ans den kühlen Steinstufen alter Häuser nach Möglichkeit bcqueni zu machen suchte. Endlich um 1'/, Uhr war in der Kaserne eines französischen Infanterie-Regiments, einein ehemaligen Priesterseminar, ein Asyl gesunden, in dessen Räumlichkeiten sich die einzelnen Gruppen häuslich einziirichtcn suchien. Aber man durfte seine Ansprüche nicht allzu hoch schrauben, und weis di- brettcrne Rückipand eines iimgestürzten Schrankes als Matratze und Unterbett, den Rucksack als Kopfkissen und den Mantel als Decke und Kolter fand, pries sich schon glücklich, ivenn auch nur leise, um nicht den Neid der Götter auf sich hcrabzurnfen. Am flammenden .Holzstoß auf dem weiten Hofe fand sich beim Morgengrauen alles fröstelnd wieder zusammen, und als der braune Trank ans Mohreniand erst in de» Kochgeschirren verlockend dampfte, war überall der ein wenig miterstarrte Humor wicdcr- gefundeii und mit ibm die Lust, den ersten Ausgang ins Unbekannte zu wagen. Wessen Brustbeutelchen noch einen kleinen Aderlaß vertragen koiiiite, faßte die günstige Gelegenheit beim Schopfe, dem aus Rand und Band gebrachten Magen ein gehöriges Mittagessen samt einem Schöpplcin Roten zuzuführcn und sranzöiischc Typen zu studieren. Eine Beschäftigung, die auch an den folgenden Tagen offenbar genügend Reize entwickelte, denn C, sah manche von Muttern mitgebrachte Mar! den Weg ins Maminet finden, als habe sie nie eine andere Bestimmung gekannt. Doch auch die kleinen Ansichtskarten Verkäufer auf den Gassen machten glänzende Ge chüste, uni so glänzendere, als sie den Wcrtunterschied von Pfennig und Centime ganz und gar nicht begreifen wollten und die einen, wie die anderen in ihre schmntzigc Tasche gleiten ließen. Ja, Frankreich kann sich über den Landsturm nicht beklagen irnd tut es auch nicht. Es wird die „Blauen" in besserem Andenken behalten als die „Grauen", die es als „Teufel" fürchtete und verabscheute, verständnislos — echt gallisch — für die Tatsache, daß der Unterschied in der Haltung der deutschen Truppen allein in dem seit Beginn der Feindseligkeiten veränderten Benehmen der „paysans" zu suchen ist, R, G, « **ZumaußerordentlichenProfessorbeider theologischen Fakultät Gießen wurde Privatdozent lic, Dr, Phil, August Frhr, von G a l l ernannt, "Hoftrauer. Tie Großherzogin hat ivegcn des Ablebens Seiner Hoheit des Prinzen Maximilian von Hesse» eine Hoftrauer vom 1. bis einschließlich den 8. November d. IS. angeovdnet. ** E i n e n A u s r u f zu Gunsten der lriegsgeschädigten Landsleute in Elsaß-Lothringen veröfscntlicht der Oberbürgermeister im Anzeigenteile der vorliegenden Nummer. ** Bortrag in der Universität, Wir macheu, nochmals auf den Vortrag des Professor Dr, Krüger: „Deutsche vaterländische Dichtung", der heute abend 8V-* Uhr in der neuen Aula stattfindet, aufmerksam. Der Ertrag ist zum Besten von Hinterbliebenen im Felde gefallener Gleszener bestimmt. ** Eine Konferenz über die Kartoffelhöchst- V reise. In: Großherzoglicheil Ministerium hat dieser Tage eine eingehende Besprechung iibcr die Regelung des Kartoii-lmarktes slattgesundcn, wie allerdings zu eincin Beschlüsse nicht geführt hat. Vertreten waren außer dem Staatsminister die Provinziakdirek- toren, Kreisräte und Oberbürgermeister der heffischcn Städte sowie eine Anzahl landwirtichaitlicher Sachverständiger, Tie anwesenden Landwirte wiesen nach, daß die Preise für den Kreis Fricdberg mit 2,50 Mk, für 50 Kilogramm die niedrigsten in Tcutsehland seien. Oberbürgermeister Dr, Düllo (Ossenbachj berichtete, daß er beim Bundesrat die amtliche Beschlagnahmung der überschüssigen Kartoffetvorräte beantragt habe, Bon landwirtschaftlicher Seite wurde auch vor einer allzu raschen Festsetzung von Höchstpreisen für Futtermittel und Fleischwaren gewarnt. Die Konferenz stand größtenteils aus dem dandvunkl, daß eine einheitliche Regelung der Frage wünschenswert, ein Vorgehen für den Bezirk des Großherzogtums allein jedoch nicht zu empfehlen ici, "DerPetroleummaugel wird sich, je länger der Krieg dauert, umso fühlbarer machen. In vielen Orten aus dem Lande ist man, wie schon wiederholt mitgeterlr, bereits zu fast mi.lstalterlichcn Beleuchtungsarten zu-ückgekehrt und brennt abends Talglicht und Ocllümpqen, sogar den Kicnspau, Auch in den Städten ist natürlich die Petroleumabgabe in den Geschäften sehr eingeschränkt worden, und aus diesem Grunde hat sich das Großh Ministcrinm des Innern veranlaßt gesehen, Maßnahmen zn trcsfen, um die Benutzung des Spiritus zu Beleuchtungszwecken in der Bevölkerung bekannt zu machen ** Fekdpoesie. Ein braver Lenidwrliruritervffizier von den llüern, in Krieg und Frieden ein Freund de§ Gesanges, sendet seinen S-rrngesbrüdern vom Bauerschen Gesangverein ein unter dem Eindruck stikler M-achtstunden entstandenes Gedicht zum Zeichen seines Gedenkens an Freunde in der Heimat, Die schlichten Verse sollen nicht als Kunstwerk gelten, aber die kameradschaftliche Gesinnung und das in aller Kriegsnot so weich bleibende deutsche Empfinden, die aus den Versen sprechen, find stets geeignet, die inneren Bande zwischen uns und den Soldaten weit draußen, wenn cs cmginge noch fester zu knüpfen. Darum sei das Gedicht hier ivicdergcgeben: Ter Abend dämme t sacht' heran, Am Himmel Steruenvracht Und aus dev» Feld ei» Laudivehrniann Hält v»r deui Feind die Wacht. Im Echlale wiehert leis' ein Pferd, — Dumo» brummt Kanoneubaß — J»i Traum fährt »>auche Hand zum Schwert, Manch' Held liegt tot im Gras. Nachsinueud steht der Landwehrmail», Denkt an die Lieben fern, — An Fra» und Kind — und auch daran, Wo einst er las; jo gern. In» Kreis« froher Sängerschar, Wo froh man scherzte, fang, — - Wie alles einst so anders ivar, — Da hört er leisen Klang, Andächtig lauscht er dem Gesang Und hört der Worte Reim, Ten allen, wohlbekannlen Klang: .Kommt Daler noch nicht heim?' Dem Kriegsmann ward cs weich im Sinn, Als dieles Lied anbob Und leise funiint er vor sich hin: .TaS isi mein Bub, — >»ein Bubi' AIS endlich daun die Nacht verrann, Goldglan; den Hinimel säumt, Ta hat so nianchcr Landivehrinanil Ten letzten Tramn getrännit. — Hell schmettert der Tromvete Klang, „ülufs Pferd!* heißt das Gebot, — Und brausend tönt der Front entlang Das Lied vom »Morgenrot!' Amtlicher Wetterbericht. Oeffentlichcr Wetterdienst, Gießen. Wetteremssichten in Heilen am Freitag, den <>. Noo. 1914 : Wolkig, trocken, Morgeniiebel: allinähliche Abnahme der Be- ivölkung: südöstliche Winde. Letzte Nachrichten. Ein Ausfall der vereiutgteu Belgier. Engländer »nd Franzosen zurückgcwiesen. Großes -tzauptauartier. 5. November vorm. (Amtlich.) Gestern unternahmen die Belgier, unterstützt von Engländern und Franzosen, einen heftigen Ausfall aus Niruport zwischen Meer und dem Ueberschwcmmungsgebiet. Sie wurden mühelos abgcwicscn. Bei Ypern und südwestlich Lille, bei Brrrp-au-Bae, in den Argonncn und in den Vogesen schreiten unsere Angriffe ool-wärts. Auf dem östlichen Kriegsschauplatz hat sich nichts wesentliches ereignet. Das deutsche Vordringen gegen Arras. Berlin, 5. Nov, (WTB.) Nach einer Meldung des „Berliner Lrlalanz," sucht der französische Generalstab das deutsche Vordringen gegen Arras durch einzelne Angaben abzuschivächen. Demgegenüber muß festzgesteklä werden, daß der Grundton der in den letzten Tagen einlresfenden französischen Nachrichten den früheren überschwänglichen Optimismus vermissen läßt. Ein Telegramm des Kronprinzen an Enver Pascha. (WTB, > K o ii st a n t i n o p e l, 4, Nov, (Nichtamtlich,) Ter deutsche Kronprinz hat an den Kriegsminister Enver: Pascha folgendes Telegramm gerichtet: Die 5. Armee und ihre Führer entbieten der vttomani scher, Armee brüderliche Grüße, Die Berlvundung des Prinzen Joachim Altzrecht von Preußen, Berlin, 5, Nov, Prinz Joachim Lllbrecht von Preußen traf einer Salzburger Meldung des ^Berliner Lokatanzcigcrs" zufolge, aut seinem österreichischen Besitz Strobl ein, wo er sieh von seiner au! einem der Äriegssehauplätze erhaltenen Verwundung erholen will, General v. Deimling leicht verwundet. (WTB ’ Straßburg, 4. Nov, (Nichtamtlich.) General v. Deiner«»»« ch bei einem Mit in di« Schützenkette durch einen Granatsplitter am Overlchenkel leicht verwundet worden. Die Verwundung ist, wie man hört, nicht von Belang, General v, Deimling bleibt bei seinem Armeekorps, Der sächsische Kricgsminister erkrankt. (WTB.» Dresden, 4. Nov. (Nichtamtlich.) Der Kriegsminister, General der Infanterie von Carlowitz, ist bedauer- lick,erweise auf dem westlichen Kriegsschauplatz an einem Herzlcrdcu erkrankt und hat sich zur Genesung nach Bad-Nauheim bc- gichen, Dr. v. Wenckstern gefallen. Breslau, 4, Nov, (WTB, Nichtamtlich,) Ten Tod fürs Vaterland auf ftanzösischer Erde hat der bekannte Breslauer Natio- nalökvnom Dr. v. Wenckstern gesunden. Eiserne Kreuze für die „Emden". (WTB.) Berlin, 4, Nov, Dem Kommandanten des lleincn Kreuzers „Emden" ist das Eiserne Kreuz erster und zweiter Klasse, allen Offizieren, Beamten und Tcckossiziercn sowie 50 Uirteroffizieren und Mannschaften das Eiserne Kreuz zweiter Klasse verliehen worden, Selbstvernichtung des österreichischen Kreuzers „Kaiserin Elisabclh London, 6, Nov, (WTB, sstichtamtlich.) Reuter meldet olgende anitlichc Mitteilung aus Tokio: Man glaubt,^ daß ich der Kreuzer „Kaiserin Elisabeth" ans der Reede von Tsingtau in die Luft gesprengt hat. DaS Schwimmdock ist ebenfalls vernichtet. Die Beschi«- zungdauertan. Ein neuer Angriff auf die Dardanellen. Berlin, 5. Nov, Daß ein neuer Angriff aus die Dardanellen ersolgt ist, wird von verschiedenen Seiten bestätigt. Nach einer Devesche aus Tenedos wurde das Bombardement, nachdem eS 15 Minuten geschwiegen hatte, am 4, November vormittags 10 Uhr wieder ausgenommen. (WTB.) London, 4, Nov, (Nichtamtlich.) Amtlich wird bekannt gegeben: Bei Tagesanbruch des 3, Novemtxw hat ein eng i ij ch-fr anz ö sisches Geschw ader die Dardanellenforts aus ivciter Enffevnuug beschossen, D-te Forts antworteten, ohne jedoch die Schiffe zu errsickien. Die Verbündeten hatten keine Verluste, nur ein einziges (beschoß schlug nahe bei den Schiffen ein. Es ist uumöglijchs. den tatsächlichen Ersokg der Beschießung festzustellen, aber eine heftige Erplosion mit einer dichten Rauchwolke wurde in einem der Forts beobachtet. Batum von den Türken beschossen, Berlin, 5, Nov, Aus S o s i a wird gemeldet, daß Batum von türkischen Kriegsschiffen bombardiert wird. Der Zar rückt ins Feld. Zarskoje Sselo, 4, Nov, (WTB. Nichtamtlich.) Der Kaiser hat sich zur Feldarmee begeben. Er wurde von der Kaiserin, dem Großsürsten-Thronsolger und den kaiserlichen Töchtern zum Bahnhof geleitet. In Begleitung des Kaisers bcsinden sich der Kricgsminister und das kaiserliche Gefolge. Zur Verteidigung von Paris. (WTB.) Basel, 4, tzioo. Nach einer Meldung der „Baseler Nachrichten" aus Rom sind 38,1-Z^entime- t e r - G e s ck»ü tz e, wie sie für die italienischen lieber-« dreadnoughts bestimmt sind, auch zur Verteidigung von Paris ausgestellt worden. Dir gesicherte dänische Neutralität, i. Köln, 5, Nov, Die „Köln, Ztg," meldet aus Kiel: Das angesehenedänischeBlatt „Ribc Strfstidende" betont, daß cs zu der Erklärung ermächtigt sei, daß die Stellung Säue- mvrks gegenüber der internationalen Lage andauernd die b e st e sei. Bisher jei nichts geschehen, was in die Rechte des Landes eingreise, und die Bestrebungen, die Haltung des Landes aufrecht zu erhalten, würden von alten kriegführenden Mächten anerkaunt. Gegenüber den Verdächtigungen in einzelnen Zeitimgen, besonders in Dreiverbandsblüttcru, müsse betont werden, daß diese nicht aus die Meinung oder aus Auslassungen der bctrefsenden Regierimgrn zurückzusühren seien. Der japanische Krirgsministcr erkrankt. Tokio, 5, Nov, (WTB, Nichtamtlich.) Der Japanische Kriegsminister Oka ist schwer erkrankt. Portugal, der Knecht Englands. i. Köln, 5. Nov, Tie „sköln, Ztg." meldet aus Lissabon: Spanische Blätter geben ein Telegrammi wieder, wonach sich die Rcgicriiug über die Einberufung des Parlamentes erst schlüssig werden würde, wenn die nach London entsandte M i l i - t ä r Mission ihren Bericht erstattet haben werde. Wie man sieht, sinkt das einst so stolze Portugal immer mehr zum Vasallenstaat Englands hinab, Sturm in der Nordsee. Berlin, 5. Nov, Aus Stocklwlm nsird der „BossischewZeitung" berichtet: Jniolge des Sturmes, der seit einigen Tagen au» der Nordsee wütet, sind etwa 3 0 schwedische Damvfcr überfällig. Englische Flotte nein hei len sind zum Absperruiigsdienst in die Nordsee und in die Weskatlantic ausgelaufen, Sie haben schwer unter dem Orkan zu leiden. Ein Grotzseucr in Antwerpen, Berlin, 5, Nov, Ter „Nieuwe Rotterdamsche Courant" meldet aus Antwerpen: Tie Benzin- und Naphthalager der amerikanischen A k l a s g e s e l l s ch a i t, die in der Nähe der übrigen Pctroleumlager liegen, stehen seit gestern ftüh in Flammen, Wegen des Brandes der Petroleumtnnks haben etwa 15000 Einivohner die Stad-t verlassen aus Furcht vor Strasmaßnahmen gegen die Stadt. Ausruf. In dankenswerter Weise hat die Bürgerschaft der Stadt Gießen Beiträge zur Linderung der Not unserer ostpreußischcn Mitbürger gespendet und dadurch gezeigt, daß die Rot dieses deutsche«» Gebietsteiles von ihr als eigene Rot cinpfuuden worden ist. Aber nicht nur Ostpreußen hat unter der Äricgsnot gelitten, auch EIsaKS-I,oD 1 (Alex. Salomon & Cie.I —niiiiiiiniiiiiiiiiiimminiiiti mminmmminnmmmnmimnmnmimnnmmiz Prima feinste holländische Schellfische u.Kabliau in tadellos kriichcstcr Ware soeben eingeiroffen u. billigst bei Amgust Wallenfels Kolonialwaren. Delikatessen »nd Weinhanoluna 110438 Telephon £62 (stiegen Marktplatz 17. Bestellungen erbitte nur frühzeitig. Frische Fische soeben eiugctroffeu. Feinste holl. Schellfische ULL sf. Bratschettsische I». holl. Cabliau K"/, Frische Fischkoteletts Bücklinge. Neue Bollheringe. Kerzen Extra prima Stearin- und Kompositions-Kerzen zu alten Preisen empsehlen Gebr. Berdux Bahnhosstr. 27. Fernsprecher 231. 5 Zimmer Ercdiicrstranc 14 hübsche 5Zim.-Wod»una nebst Zubehör, Gartenanteil rc. per ioiorl zu vermieten. st"- 'Näher es Ho smannstr . 14 . Wohnung, II. 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Il.illl.UV. l§ Mtktendnrchinesser 3rcftmctcr 40b 1300. |25b. unt ib.2 0,5 unt. 49 39 29 25 b.l 0.5 Mlndestzopf Mtndesizopf 20 | 15 | 12 | 10 12 | 10 8 & Festmeier Fe st meler fm fm 20 1501150 — — — 110 20 20 20 — 4 35 50 — — 8 7 10 — — — — 60 15 30 — — 10 30 5 20 15 — — _ — _ 30 55 35 — — 30 50 200 250 40 100 20 — 20 10 — 30 20 25 20 — — — — — — 5 10 — Name der Auskunft erteilenden Försters Echternach Prast Schulz LucaS Möller Schaub Nächste Bahnverladeftelle und Entfernung bis dahd. 11225] Junger, sauberer H nutz bursche gesucht. Bäckerei Hoclicrs, Frankfurter Strabe 27. 07702s Junge, sanb.Frau sucht Beschäftigung für nachm, od. abends. Wett Aul. 27 III. l. Aust. Mädch. mit gut. Zeugnissen such. Stellung. Fra» MargarctbeHerr.gewerbS- mäbigc Slellcnvcrmitlleriir, Sonnenitrastc st. _(07705 'Kaufgesuche 111851 Ein noch aut erhaltenes leichtes Wägelchen iEbais- chcn>, auch obneBcrdeck, wird zuknusen gesuchi. Näheres zu ersragen in derGeschäslSstclle des Giebcncr Anzeigers. 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Ende gegen 10 Ubr. Soldaten, vom Feldwebel abiuärtS, zahlen bei allen Borncllnngcn aus II. und IN. Parkett nurbalbcPreist. Abendstern 8 Im» Älbendstern und Fronhausen 9 km Fronbausen 9 kn» 7 ' * 6; Wibmar 5 km Fronbansen 7 km Wibmar 8 km; 1 3 ' Abendstern S-7km * 5 km Kinzenbach 3 , Dorlar 5 km „ 4 —5km • 3 km! 600 fm Fichten, 75 fm Kielern. Das Nadelholz wird aus Kosten der Wnideigcnlümcr entrindet, aber mit der Rinde gemessen. Die verschlossenen, mit der Antichrist „Stutzbolzvcrkaus der Künigl. Obersörsterei 5drosdors" versebcncn 8c bolc sind bis Montan, de» ist. November, abends !« Ubr, der Künigl. Oberlürsterei Krofdorf bei Glehcn einzusenden. Die Eröffnung der eingegangcnen Gebote sindet am DienStaa. den 17. November, vormittags ll Ubr, im Freundh'chcii Gallhos in Krofdorf in Gegenwart der etwa erschienene», Bieter statt. Die Gebote müffen cntballcn die acbvienen Preise für die Einheit, die genaue Adresse der Bieter nnd den Zusatz, datz stch dieselben den BerkaüB- bcdingungen unierwersen, diese können ans der Obersörsterei Krofdorf eingesehrn oder gegen Schreibnebübr oou dort bezogen werden. 11214B fstld-sß-Versandkiirtsiis in verschiedene» Grüben >ür 5l>,250- u. 500-Gramm-u.3-a 5-Kilo-Paket-Berpackuug sowie ivasserdichleV Oeltuch zu billigen Preisen. Wicdei- verkäuscr erhallen Rabatt. ?agI»rbdI. 4 a-g, 8 aIterKwegU. 11026