Nr. 253 Zweite; Blatt IH. Jahrgang Ecschetnl ki;tich mit Ausnahme des SanniagS. Tie „Oeßener ZamNieatzlätter" werben dem .Anzeiger^ »icrmat wöchentlich beigeleql, das „ffreiidl»« für den Krris Sichen" jiveinial wöchentlich. Di- „L«nd»irlichafIUch,n Seit- fr»H«n" ericheine» monatlich zweimal. II Wv Seneral-Anzcrger für Gberhesjen Mittwoch, 28. Oktober Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schcn Universitäts-Buch- und Sieindruckerci. R. Lange, Gießen. Echriltlkitunq.GcschäitSitcUc ».Druckerei: Schul- slraßc7.Geiit>äiIsslclleu.VerlaglS-ss^5I,Echr>i>- leitnng: ^^112. üldresic!ur Trahlnachrichten: Anzeiger Ließen. Die wachsende bpannung in Nordamerika. Die folgenden Betrachtungen eines unserer Mitarbeiter sind vielleicht etwas verfrüht, geben aber «rngesickUs der augenblicklichen englisck>-amerikMnsct)en Auseinandersetzun- gen doch interessante Ausschluss«: Die unglaublich freche Belästigung der amerikanisck^u Landelsschifsahrt durch das englische Piratcntuin l/at in den Vereinigten Staaten solche Erregung und Entrüstung her- vorgerusen. daß man mit einem Eintritt Nordamerikas in den Krieg immerhin rechnet. Nur dieArt und Weise dieses Eintritts ist noch unklar. Tie Washington Times, ixv 4 am Regierungssitz Wilsons erscheinende Blatt, spricht bereits von der „Feindschasl" der Bereinigten Staaten, die das Aus- wärlige Amt -u London riskiere. Das ktaug wie eine riricgs« drohuug gegen Eitgland, aber mau kennt ja die leider noch immer nicht umgestimmte össenttichc Meinung in Nordamerika, die trotz der rücksichtslosen Kaperpviitik Englands nickst so schnell zu einem offenen Bruch init dem angelsächsischem Vetter vorschreiten wird. Kvmmt es zu einer A»lssprackx> zwischen London zuid Waslstngton, so ioird man das wohl nicht so schlimm geincint haben. Aber man ioird iimnerhin den gekommenen Zeitpunkt bemitzen, lim nun endlich — Japan gegenüber klare Stellung zu nehinen. Mit anderen Worten: Nordamerika zieht den Degen, rennt ihn aber zunächst einmal dem Japs in den Leib, allerdings schon mit einem wütenden.Seitenblick aus dessen europäischen Berbü»- «deten, Da aber zuzeiten eines Weltkriegs jedes Staaisivesen nur noch nach dem gewertet wird, ivas es an militäriscksen Kräften aus der Pfanne l>a1, ist in dieseni Zeitpunkt nur die eine Frage maßgebeiid: Ist man in Washington „erzbereit"? Ist es vor alleni die amerikanische Flotte, und httben dio Bereinigten Staaten, denen das Mexiko-Abenteuer so graste Beschwerde» verursachte, »och ein Heer, das zurllntersrützung einer Frottenaktiou icher die Ozeane verschifft iverdcii könnte? Von der amerikanischen Flotte l>at man gehört, daß sie trotz des neuen Erdrutsches bei Culebra glücklick) und vollzählig durch den Panamakanal gebracht worden ist. Genauer betrachtet >var dies die atlantische Motte, mimlich -1 Tibi sionen zu ,e 4 bis 5> Linienschissen, eine Torpedoboots- slottiKe in 5 Divisionen und eine kleine Unterseeboots« slottiLe. In Reserve stehen noch mit verringerter Besatzung aus der atlmitischen Seite etwa 8 Linienschiffe, 3 geschützte Ü'reuzer und Ai Torpedoschifse. Ständig befindet sich an den Kasten des Stillen Ozeans (nun vereinigt mit dem Haupt« geschrvader der Atlantischen Flotte) die Pazifische Flotte, Sie ist an sich nicht sehr imponierend: sie besteht aus 4 Panzerkreuzern. einer Flottille zu ü Dorpcdobootszersbönern und Torpedobooten, sonne 3 Unterseebooten. In Reserve werden gehalten 1 Linienschiff, 3 Panzerkreuzer und 3 geschützte Kreuzer, wozu noch von der Westküste von Mittelamcrika 4 geschützte.Kreuzer hinzugezogen werden könneir. Die asiatische Flotte per Bereinigten Staaten wird wohl draußeiv blechen müssen, und ihre Vereinigung mit der Hauptmacht im Kriegsfall: ist eine große Frage. Fraglich ist dann auch der Wert der kleinen amerikanischen Mittelmeerdivision, Zweifellos haben die Bereinigten Staaten sich gerade in den letzten zwei Jahren mit dein Ausbau ihrer Flotte große M'rl/e gegeben. Die AuSgabeiistciqerung des letzten Jahres z. B war weit meist als doppelt so groß nri: die Englands. .'Der «s fragt sich, was heute von den neugeplante.ii Rüslun- K tig ist. Der Klongreß hat > eben falls an den Vorau- irmmei, zuletzt »o recht bedeutende Kürznirgen vorgenommen. Trotz der Reklamefahrten der ameriscnisschcn Flotte in den verschiedenen Ozeawen wissen also die eventuellen Gegner der Bereinigten Staaten wahrscheinlich ganz genau, das; der Kriegswert Nordanierikas zu Wasser heute >:och keineswegs der politischen Bedeutung und der Well- stellung der Bereinigten Staaten entspricht. Noch iocnigcr Respekt hat man wahrscheinlich vor Nordamerikas Landmacht. In Mexiko ist dock, zu viel klar geworden. Gegen die nioralische Tüchtigkeit der Truppen Nord- amerikas, die dort gekämpft haben, soll nicht das Mindeste gesagt sein. Die mangelnde Organisation des Kriegsbedarfs, der Munition und Vorräte ivar es incr, was von allen un- parteiischen Fachleuten gerügt irurde. Wer der anicrika- nischc Dollar kann manchem Uebelstande nachhelse». Ter Dollar würde ja erst richtig zu rollen beginnen, wciur sich ein großer populärer Krieg entwickelt. Noch immer, wenn es so richtig daraus aukaiu, haben die Amerikaner i» ihrer beispiellosen Großzügigkeit auch den Krieg in großem und größtem Stile zu lühren verstaudcu. Die Lereinigten Staaten tüniien aus einem gewaltigen und ungem-.iu kricgs- brauchbaren Meiischenbcsraride schöpfe». Das bewies die Niederivcrsung des Philippinenausstandes und der spanisch- amerikanische K'rieg, das beiviesen vor allem die gewaltigen Bürgerkriege. Nordamerika imponiert z'.var nicht durch das, was cs im Augenblick hat, aber dock) durch das, wsts cts' rascher wie andere Staaten aus dem Bode» stampfen kann. Im „Amerikanismus" liege» auch die starken Wurzeln seiner niililärische» Kraft. Allein sckzon der Respekt Japans, aber auch Englands vor diesem Kriegslvert Nordamerikas ist für das kämpfende Deutschland-Oesterreich ein guter Bundesgenosse. Am yserkanal. Milten durch das Land der „Wateringucs" zieht sich von Comines am Lys der Mcrkanal nordwärts bis Nieiv- port, das durch ihn zum Seehafen der im Mittelalter blühen--, den Handelsstadt Bvcrii geworden war. Doch bei cineni Tief gang von.zwei Metern genügt er schon seit längerer Zeit nicht mehr den Ansprüchen der modernen Kanalschiffahrt, zumal zwischen Dpcrn und dem Lys 14 Schleusen de» Verkehr erschweren. Die belgische Regierung beschloß daher, ihn zu erweitern und die an beiden Usern sich kilometerweit hiw- ziehendcn Bauvorräte und teiltvcise schon ausgebaggertcn Sand- und Scklammasscn, bilden jetzt hcistumstriltcnc Brustwehren der in Flandern tobenden Schlacht. Schon seit zehn Jahrhunderten bestehen die „Watcr- ingucs", jene Wassergesellschaften, deren Aufgabe es ist, das Kanalsystem instandzuhalten, weiter auszubauen und so immer neues Kulturland zu schaffen. Denn die aus dem Inneren des Landes kommenden, wasserreichen Flüsse, vor allem Aa und Mer haben breite Uebersschwemmungsdelten gebildet, aus denen erst in jahrhundertelangem Kampf des Menschen gegen die Natur fruchtbares Land wurde. Der einzelne Bauer kann zwar sein kleines Viertel entwässern und pflügen, aber den Bau der größeren Kanäle, deren Weiter« führung bis zum Meer und die Errichtung regulierender Schleusen müssen die „Wateringucs" übernehmen, von denen es bei der Stadt Furnes Gesellschaften gibt» deren Machtbereich sich über 30 000 Hektar erstreckt, während andere nur Gebiete von wenigen hundert Hektaren regulieren. In früheren Jahrhunderten leitete man die Entwässcrungskanälc in die natürlichen oder künstlichen Schiffahrtsstraßen, also auch in die Mer nnd ihren Kanal. Doch wenn das Wasser stieg und die Schleusen geöffnet werden 'mußten, dann entstand auf diesen Wasscrivcgen eine die Schiffahrt hindernde, zu große Strömung. Daher ging das Bestreben der „Watev- ingues" in den letzten Jahrzehnten dahin, das Entwässe- rnngssystem von den Schiffahrtskanäken völlig lmabhnngig zu machen und auch der Ausbau des Mcrkanals ist mit darauf zurückzuführen. Wo er bei Comines, dem Geburtsorte des altfranzvsischen Geschichtsschreibers Philipp von Co- nrines, vonr Lhs nach Norden abzweigt, dehnen sich riesige Flachsfelder zu beiden Ufern. Die Lust ist durch die Dünste, die beim Rotten des Flachses entstehen, eradczu verpestet. Ueber 30 000 Hektar sind init Flachs ebaut. Ist er geerntet und in Garben gebunden, wird er im Lystal und am Mcrianal erst ein ganzes Jahr hindurch in Darren getrocknet zum Unterschied von dem slanderischen Flachs, der diesen Trockenprozeß nicht durchmacht. Dann wer- av'ni senkrecht in breite Holzkisten gestellt »undi diese, mit großen Steinen beschwert, i» den Kanal versenkt und am Strand verankert. Das fließende Wasser bewirkt eine Gärung, durch die der Pslanzenlcim, der den Bast mit dem Stengel verklebt, zerstört wird. Und eigenartig: während der slandcrische Flachs sonst eine stahlgraue Farbe hat. sieht der in dem „goldenen Wasser" de? Ly.■ und des von ihm ausgehenden Mcrkanals gerottete Flachs hellgelb aus. Meilenweit sind seine Stapel an den Ufern geschichtet und bringen den Anwohnern reichen Gewinn. Was hier gebaut, wird in Vpern und anderen Städten Flanderns verarbeitet. 'Nördlich von Bvern herrscht, vor allem östlich des Kanals, reicher Hovienba», dessen Hauptort das Städtchen Po- peringhc bildet. Kurz vor Dixinuideu mündet der Kanal in das künstlich erweiterte Beit der Vier. Fette Viehtriften, Wiesen und Gräsereie» wechseln mit Acckcrn ab, und dia große Anzahl der vom Kanal aus sichtbaren, schon beträchtlich tiefer als dessen Wasserspiegel liegenden Dörfer mit ihren Gemüse nnd Obstgärten bezeugen den Reichtum des Bodens, >vic die starke Bevölkerung dieser Gegend. Die Viehzucht ist sehr bedeutend und in Friedenszeitcn bildet Dixmuiden den Mittelpunkt eines lebhaften Milch- und Buttcrhandcls über den Kanal nach England. Allein je mehr mir »ns Nieuport nähern, desto häufiger werden Sandstächen und Sanddünen; wir durchfahren das Land, das heute die Belgier unter Wasser gesetzt haben, um den Vormarsch unserer Truppe» auszuhal- icn, Die Kühe aus der Weide sind sichtlich magerer, die Pferde kurzbeinig, klein und von plumper Gestalt. Die küminerlichc Nahrung dieses Sandbodens scheint nur dem genügsamen Esel zuzusagen, wie denn dieses Tier auch vorzüglich für die Bcsördermig der Bodencrzcugnisse des fruchtbaren Polder« landes nach den Städten und Seehäfen Flanderns Venven- dung findet, wenn man cs nicht vorzicht, sic auf dem Kanal zu Schiss zu befördern. Von Osten kommt durch eine ähnliche, nur wenig angebautc Gegend der Kanal von Dünkirchen und Furnes, von Westen der Kanal von Ostende und beide münden durch große neucrbaute Schleusen vor Nieuport in die Mer, Ein alter Lenchtturm aus dem Jahre 128-1/, der einst vom Strande die ankommenden Schisse warnte, liegt heute mehrere Kilometer landeimvärts am kanalisierten Fluß. Auf dessen westlichem Ufer dehnt sich aber das Schlachtfeld der „Dwnenschlackst", in der Moritz von Orauien mit seinen Holländern am 2. Juli 1600 den Spaniern eine vernichtende Niederlage bcibrachte. Nnegsbnese m dem Westen. Von nnferm Kriegsberichterstatter, sllnbercchtigter Nachdruck, auch auszugsweise, berbotet/) Pionicrtaten. Großes Hauptquartier, 23. Okt. Obwohl unsere Pioniere in diescin Feldzüge sortwähreiid in der vottunsten Front ftcljeit, so gilt doch für sie dasselbe, >vie für die Eisenbahntrnppen, dast man sich in der Heimat keinen voll- ständioen Begriss von ihren großartigen Leistungen maclü. Unsere Feinde batten gehofft, nachdem ihr Plan, uns uiwor- bereitet zu treffen, mr der Schnelligkeit und dem glänzenden Ge- lingen unserer Mobilmachung gescheitett war, uns mindestens an der Maaslinie zum Stehen zu bringen und hier so lange auf- zuhalten, bis das in allen Weltteilen gegen uns ausgebotenc Men- schenmaterial beisammen war. Statt dessen lwben wir die Maaslinie mit ihren Heiden sehr starken Festungen Lüttich und Namnr säst durch Handstreich genommen nnd haben Belgien in unanshaltsamem Siegesläufe übcrrannt, uns so eine breite und nur teilweise gedeckte Angrifsssront gegen Frankreich eröffnet. Den schwierigen Weg in diesem so rasch imd erfolgreich erledigten ersten Abschnitt des Feldzuges haben uns unsere Pioniere gebahM. Das ganze Maastal zeugt von ihren Taten. Der Feind hatte alle Brücken gesprengt, alle Straßen durch Berlzaue, Gräben, verborgene Minen ungangbar gemacht. Aber uns irgendwo em- scheideno anfzuhalten, das ist ihm nicht gelungen, denn überall Erinnerungen an Dünkirchen. Bon Heinrich Gretcr. Dünkirchen yehött zu den bedeittcndsten Plätzen der Schist- kahtt an der französischen Küste. Afnssalkend groß iü der Segrt- schiffverkchr. In den Docks sieht man neben den Dunpfeni in fast übcnoiegrnbcin Ataste stattliche Bollschisfc und Bicrmastrr liegen. Das tot seinen Grund freilich mit in der Tatsache, daß in Dünkirchen eine -a-egelscknsfrecderei von Weltruf ihren Sitz hat. Die Zufuhr, besonders von Holz und Getreide, ist hock, anxulchlagen Ter Hasen ist prächtig sauber urid grosttzügig ausgedmit, mit kanggrzogenen Kais und gcräunrigcn Becken. Es hat einen eigenen Reiz, im Dunkel des Abends in diesen Hafen cinzulgufen. Der Eindruck prägt fick, iür rineii, der nicht gerade em Seeniann ist. derart, als fchlüpsc das Schiss direkt vom Meer aars in eine Ocssnung rin. An der Eingang-Ächleuie steht der Lenchtturm. Aus der Höhe des FeucrS fallen im Kreise lauge dünne Lickt- srrahlen sckuäg durck, die Nacht, bewegen sich, steig und gleich- inäßig, um den '/.Mittelpunkt, nnd diese Erscheinung ist nne eine lebendige kastende ^pürtakttck. die riesig, phantomendatt. der Ge- slaltunq der Spinne gleichend, an mächttge Wcttzauber denken läßt. Aber sobald man in der -r-chleuie Halt macht, tritt gleich eine kleine llcberraschurig auf, die nichts mebr mit Phantasien zu tun hat Plötzlich hört man von der Seite der Sckileuie piatt- deutsche Rns«. „Na, wo geiht't? Wo is de Kaptein ? Kann ick em sprrken ?" So ist der entr Mensch, den man hier, bei Tag und Nacht begegnet, crn Deutscher, ein gut Mecklenburger Junge. Der >-xb>si:cher Turin ist wundervoll in seiner Form, und weithin sichtbar. Die Partie am Fischerrihasen hat große nmlerische Reize. Die HauvtLache (Rue de ffEglffe wirkt etwas zu breit und gedrungen, aber doch ioieder emnehmend in der schönen Gotik. Sie hat ihren eigenen Glockenturm, der ran der anderen Seite ihr gegcimberstelu und als ehnvürdiges Wahrzeichen der Stadt gchütet ioird. Er stellt den Neberrest von erneni alten Kloster dar. Geschmacklos sind von den größeren Bauwerken allein die Post und der Bahnhot. Beide stammen aus den letzter Achrzehrtteu. , Beim Bahnhof schieben sich die Dafenanlagen tteer in die j Stadl hinein, und es erttsteht eine ioeite freie Pattic mit Brücken und langen Zügen von Lichtern, die den an den Hasen anschlie- fenden Kanal befabren. Zu beiden -r-eiten dieses freien Em- schnittcs stehen die stilvollen alten und neueren Wohnhäuser, da und dort schöne Giebel raiffttcckcnd, wie eng gereihte Truppen, nur so eben in Sckmlßioeite, wenn man hier ein imgesähr zu- tteffcndcs Gleichnisbild anwcndcn soll, einander gegenüber. Ecksteu- scn und Gräber charakterisieren die Peripherie der Stadt. Da- nack, konrmen wieder Schutzwälle mit Kanonen. Durch steinerne Torbogen gelangt man ins Freie, pasirett am Kanal entlang grobe Fabrikanlagen, Pett-oleunrraffinericn, Holzplätze. In der Ferne sieht man die mächttg ausragendcn Trockendocks, hört das Hänimern cm den Schiffskörpern, die dort in Aäbeil und Rrva- ratur liegen. Aus dein Kanal findet man viele Hausboote, und bei einem, das den deutschen Namen „Fritz" führte, stand ich eine Weile in Gedanken versunken. Anher einem verwittettcn alten Theater im llaffischen Stil hat Dünkirchen auch ein interrsiantes Anttkenniuseum, das Bil der, Skulpturen und kimstgrwerblick>e, zoobogisckre, völkerkundlick« Sachen enthätt. Bier größere Säle bergen die Gemälde. Die alten Meister sind gut v rrtteten Unter den größten wie Rem- brandt, Rubens, Gwtto, Bervmse, Holbein, Attirillo, steht man auch die Niederländer Tenicrs, Brouivcr, van Herch, van der Meulen, Paul Potter, und weiter dann Gaubanlt, Eoignard, Bidaut und andere mehr. Ilntcr den kunstgewerblichen ttzegen- ständen ist eine Sammlung von iapanisckiwi Elfenbecniiguren bemerkenswert. Auch der den vlostiickicn Bildwerken im Bestibüt findeen sich ausgezeichnete Arbeiten. Das Lochendste aber nach modernem Begriffe ist wobl der Badcsttand von M a I o. Der Ott, in dem nur Mietvillen, Hotels und Kurhäuier, darunter crn neues in monumcMaler Prächtig- kcit, stehen, schließt sich dircll an Dünkirchen an. Der >strand zieht sich breit und nnabiebbar lang hin. Man hört ^trmmen, die wissen wollen, daß Malo Ostende bald überflügeln wird Ich war zur Herbsttzert dott, und am Sttande war nicht die Spur von einem Menschen zu sehen. Ter Eindrua hatte in seiner -Schönheit etwas Ergreifendes, Tiefe unendliche Linie, die die aut den Sand rollenden Wellenkämme ziehen, machten das Erhaben-Einsranc gewiiicrnnrßen noch deutticber, Ern kühler Wind webte imd der Staub wandette, ohne sich n, erheben, stttcb- weise über die Sttandflächc hin Es dämmette Linkerhand sendttc der Lenchtturm ichon sein tastendes Licht aus, - lar »nd hart stand die Lust und zeichnete alles Feste. Körperliche scharf wie in Kttstall gefaßt. Allmählich dunkelnd stteg der Abend über die offene See heraus. Als ich zurückging, erschien ein Flugzeug von der Stadt her und kreisle unter dem wolkenlosen Himmel, — Eine neue Kriegsrcvue, Aus Breslau wird uns geschttebcn: Unter dem Titel „Sieben gegen Zwei" haben Fritz E r n st und Karl Bibcrseld eine Reih« von vaterländischen Zeitbildern aus dem Weltkriege verfaßt, die am Sonnabend mst allen Zeichen eines Erfolges im Breslauer Schauspiel h a u s e zur Uraussübrung gelangten. Im Mittelpunffc der losen, aber für die bunte Szenenreil,« einer Revue ausreichenden Handlung steht ein amüsanter Deutsch-Pole, der zugleich der Haupt- träger des mit taktvoller Umsicht über das Ganze ausgebreittten Humors ist. Mit Zbiginew Kowallck, dem lavieren Feldgrauen, durcheilen wir die Ereignisse der legten 2>/r Monate, von Michel? Ettvackien im dörflichen Sommcttricden bis zur Eroberung von Ostende und dem Ausblick auf den Einzug durch den Are de Ttt- umvhc, Theodor Körner, von Schlachtrufen geweckt und von Jubel auss neue aus Grabcsttesen hervorgerufcn, gibt in Nangvollen Versen den Bildern einen künstlenschen Rahmen, Paul Weiner hat dieser aktuellen Bühnen-Kttegsbettchtcrstattung eine rcichhalttge Musik geschrieben, von der mehr als eine Nummer Anwartschast aut Volkstümlichkeit besitzt. — Ein neues Metall, Im russischen Zentral-Asien ist in den Bergen von Namaarai, wie die „Nuova Antologia" bettchtet, von einem Forscher ein bisher völlig unbekanntes Metall gesunden worden. Es ist weich, von dunkler Farbe und von btträcht- lichem Gewicht, Bei der Untersuchung im chemischen Laboratottum wurden sehr bemerkenswerte Beobachtungen an diesem neuen Metall gemacht. Wurde es mit Säure in Verbindung gebracht, so entwickelte sich eine außervidentlichc Kälte, so baß der Glasbehälter, in dem sich die Säure befand, sosott zersetzt wird. Man machte einer anderen Versuch mst einem Eisengefäß und das Ergebnis war dai gleiche. Die Chsmiker wandten darauf noch ein großes Granitstück an, das sich sosott vetteilte, ohne Gasentwicklung und ohn« Explosion, aber unter merllicher Herabsetzung der Temperatur, Als der arheimnisvolle Stoff mst Alkali belwndelt wurde, vettor das Gesäß 20 Prozent seines Gewichts. Als diese merkwürdigen Ergebnisse sestgestellt waren, suchte man von neuem an dem Aus- tkndungsott nach dem Metall, und es gelang, größere Mengen davon zusammenzubttnqen, mit denen nun ausgedehnte Versuche vorgeirommen werden sollen. Zu den übttgen überraschenden Eigen- schasten besitzt das neue Metall augenscheinlich heilende Kräfte, Das Ueberraschendste aber bleibt der Verlust an Gewicht, den alle Gegenstände erleiden, die mit ihm in Berührung kommen. Die Chemiker, di- das neue Metall untersucht haben, sind überzeugt, daß die Welt eine nicht minder große Ucbcrraschung erleben wird, als sie die Entdeckung des Radiums ihr gebracht hat. »'amt zur rechten Zeit unsere Pioniere an der Spitze. Eines der schönsten und wertvollsten Denkmäler, welche sie sich für die Kriczs- zeit gebaut haben, ist die mitten int französischen und belgischen Arttllcrieseuer geschlagene Kriegsbrücke bei Dinant, die in anderthalb Tagen so sest die beiden Ufer des breiten Stromes verband, daß grotze Teile einer deutschen Armee lxier auf die linke Seite der Maas Vordringen konnten. Wir besitzen von französischer Seite sehr erstaunliche Berichte, ivelche Angenzengen über diese, selbst der Feind, zur Bewunderung zwingende Heldentat erstattet haben. Als die Franzosen den Brückenbau trotz ihres wütenden Feuers inimer näher an ihr User hcranrücken sahen, gelang es ihnen, in der Deckung eines benachbarten Waldes schwere Geschütze herbeizusührcn, mit denen sie die Brücke und ihre Erbauer mit Erfolg beschossen. Aber sehr bald beantwortete gleich starke deutsche Artillerie das Feuer, und mitten im Duell der schweren Kaliber, welches die Franzosen wird Belgier sehr rasch zum Abzüge uöttgtc, bauten unsere Pioniere ihre Brücke weiter, so datz alSbatd die Verfolgung des geschlagenen Feindes beginnen konnte. Diese Kricgsbrücke bei Dinant ist auf Böcken errichtet, die aus den srisch in den benachbarten Wäldern geschlagenen Stämmen zusammengesügt sind. Sie erinnert in ihrer urtümlichen Zweckmäßigkeit unwillkürlich an das Bild, das wir uns aus der Schule von der Rheinbrücke Caesars zu machen gewohnt sind. Aber unsere Pioniere wissen sich mit einer immer regen, nimmer verlegenen Erfindungskraft auch mit ganz anderen Materialien zu behelscn. Was gerade zur Band und brauchbar ist, das mutz ihnen dienen. So hat man z. B. bei Givet, bei Lüttfch (dort an Stelle des schönen von den Belgiern gesprengten „Pont des Arches") und noch an.vielen anderen Stellen sehr schnell äußerst tragsähigc Brücken dadurch errichtet, datz, man die großen Last- schisse aut der Maas zusammenstellte, teils reguirierte, soweit es sicy nni feindlick-en, teils gemietete, soweit es sich um neittralen Besitz handelte, und diric Riesenpvntons dann mit einem starken Balkensteg überlegte. Damit war dann eine Verbindune jibcr Flüsse und Ltröme gefchassen, die auch für die schwersten Transporte sofort gangbar war. Eine Schwierigkeit entstand freilich, »renn der Fluß durch Hochwasser oder starken Abfluß seinen Wasserspiegel hob oder senkte. Da mußte dann sein Laut aogedämmt oder gestaut iperden, eine Arbeit, welche ebensalls mustergültig und sehr rasch ausgcführt tvvrden ist. Neben diesen, ihren herköinmlichen Hauptaufgaben haben die Pioniere aber auch in diesem Feldzug eine ungemein.wichtige Rolle im Festu ii g s k c i c g c gespielt. Beim Sturm auf 'das Fort Flvrvn bei Lütttch, die erste feste Stellung des Feindes, die wir genommen haben, sind die Pioniere durch den Gürtel der starken Drahthindernisse, unter dem das ausgezeichnet angelegte Schußfeld der Glacis völlig eindeckcndcn Feuer der feindlichen Gewehre und Maschinengewehre vorwärts geschlichen, haben die Drahthindernisse entfernt und so den nachfolgenden Truppen den ersten Weg geöffnet. Ganz ähnlich war ihr Vorgehen gegen das von einer sranzö- sischen Clitetruppe besetzte Fort Camp des Romains bei Verdun, dessen Verlust di« Franzosen bekanntlich für unmöglich gehalten haben und dessen Wegnahme sie lies entmutigt hat. Hier haben die Pioniere sich ebensalls im sehr gut gezielten feindlichen Feuer, unter schweren Verlusten, aber unaufhaltsam, den Weg durch die Drahthindernisse geschnitten, sind in die Gräben des Forts gedrungen und haben hier den immer noch ausharrenden Verteidigern mit Handbombcn und den eine erstickende Wirkung ausübenden Bcheltsgranaten, welche sic an Holzstanqen in die Kasematten hincinsteckten, buchstäblich den Rest gegeben. Auch als Lougwn gcstürint werden soll!«, ivaren die Pioniere schon bis an die Wälle der Festung vorgedrungen und hatten in schwerer Gefahr durch Flatterminen die Drahthindernisse des Vorglacis zu öffnen begonnen. Da erfolgte bekanntlich im letzten Augenblicke die Uebergabe der schon durch die furchtbare Beschictzung in hofsuuugslose Lage geratenen Besatzung. Sehr bedeutsam ist der Anteil der Pioniere an der Einnahme hon Antwerpen gewesen. Bekanntlich hing das Schicksal der „stärksten Festung der Welt" daran, ob der Nelheabschnitt von den vereinigten Belgiern und Engländern gehalten, oder ob er von uns erzwungen wurde. Entsprechend seiner großen Wichtigkeit ist dieser Abschnitt von den Belgiern dirrch sehr zweckmäßig verteilte moderne Forts und gute, durch das weit überschwemmte Wicsengelände schwer angreifbare Erdbeiestigungen geschützt worden. „Wir müsien heute über die Nethe!" Das war am entscheiden- den Tage das Kampfgeschrci unserer Truppen. „Wir müssen, koste cs, was es wolle." Und diese Waffentat hat unsere tapferen Pioniere schwere Verluste gekostet. Zweimal ist bei Lierre, wo der erste Nebergang erzwungen tvurdc, die Vorhut der Pioniere, die den angestaulcn Fluß unmittelbar unter tan Feuer der hinter ihm liegenden Schützenlinien und der benachbarten Forts zn überbrücken versuchten, blutig auigerieben worden. Aber sie gaben nicht nach. Und endlich war auf zusammengebundcnen leeren Weintonnen der schmale Steg fertig, über den unsere Truppen stürmend aufs andere User drangen. Und da war Antwerpens Schicksal dlirch diesen schmalen, unscheinbaren Tonnensteg besiegelt. An dein zweiten Netheübcrgang, den toir erzwangen, bei Wael- hem, ist trotz der Eile unseres Vordringens doch eine recht solide Balkenbrücke geschlagen worden. Wer auch hier lagen, während Fort Waelhcm unter unseren dirken Brummern in Schutt und Trümmer sank, schon in Sclüveitc des Forts die Tonneneinheiten! bereit, um die Nethe im entscheidenden Augenblick zu überspannen. Nur im Notfall standen die angeschirrten 'Brückentrains der Pioniere hinten in Mccheln zum sofortigen Vorrücken in der Reserve. Abcr loedcr sie noch das Tonnend, lwlssmateriäl brauchte benutzt zu werden, da inzwischen das Fort Waclhem erledigt war und das Rückzugsseuer der sliclienden Belgier und Engländer uns nicht mehr am Ban der Balkenbrücke hindern konnte, über welche dann unsere schweren Geschütze gegen Antwerpens inneven Befcstigungs- gürtel vorgingen. Wie es von einer Truppe, die in ihrer Gesamtheit von solchem Geiste beseelt ist, nicht anders zn ertvarten ist, haben sich die Pioniere bei allen Efelcgenhelleii, welche dieser an alle Teilnehmer so gewaltige Anforderungen stellende Krieg ihnen bot, durch tapfere Eiuzeltatcu ausgezeichnet. Am bekanntesten ist das kühne Wagnis des Leutnants Nobiling geworden, der mit einigen Lotten bei Nacht die feindliche Postenkette durchschlich, die Maas übersckyoamm und die wichtige Eisenbahnlinie im Rücken des Feindes, auf welcher dieser seine Munitionszufuhr erhielt, mitten in dem stark besetzten Gebiet zwischen Toni und Verdun sprengte. Die n,eisten Teilnehmer sind von dieser kecken und sehr erfolgreichen Unternehimmg glücklich über die reißend angeschwvllenen Fluten der Maas znriick- gekchrt und ttagen mit Stolz das wohlverdiente Eiserne Kreuz. Das war ein Geniestreich, ein wirklicher Geniestreich, einer von ungezählten. Die Franzosen nennen »war ihre Pioniere immer Genietruppen, aber von ihrcin Genie ist bisher trotz der „unsterblichen napoleonischen Traditionen" wenig zu merken gewesen. Ihre Lauptleistungcn haben im Zerstören von Brücken bestanden, und selbst dieses Geschäft haben sie meist ziemlich talenttos betrieben so datz die Zerstörung in keinem Verhältnis zu dem Aufwand»- slcmd oder ganz zwecklos war. _WScheu ermann, Kriegsberichterstatter. Geschichten von porfirio via;. Mit dem Tode des „mexikanischen Bismarck", des Schöpfers des modernen Mexiko, Porfiriv Diaz, hat ein Leben und eine Laufbahn geendet, wie sie romantischer keines Dichters Phantasie aussimien könnte, wie sie erfolg» gekrönter selten in der Geschichte zu finden sind. Der 84jüh- rigc Greis hat zwar noch am Spätabend seines Lebens das tragische Schicksal erdulden müssen, daß er viel von dem, was er aufgebaut, wieder zerfallen sah, daß. das alte Chaos über die Ruhe und Ordnung trrumphierte^die er mit grosse artiger Energie und Kraft begründet. So gilt auch für ihn des pltgricchischen Weisen nachdenkliches Wort: es ist keiner vor seinem Tode glücklich zu preisen, aber die Historie wird dies traurige Schlußkapitel der allerletzten Mtcrs- jahre vergessen vor der sieghaft kraftvollen Gestalt des Generals und Staatsmannes, der durch 40 Jahre in seinem Land die erste Rolle spielte. Der vergötterte Held in mehr als 50 Schlachten, mit Orden überladen, die doch nicht alle Narben decken konnten, für die er sie erhalten, der Sieger in ebenso viel Revolutionen, der Bändiger des Drachens Zwietracht, der Mexiko durch ein halber Jahrhundert zerfleischt — er wird stets von dem romantischen Schimmer eines einzigartigen Schicksals umstrahlt sein, das ihn nicht nur zu einem trefflichen Bandenführer, einem eisernen Krieger, sondern auch zu einem großen Staatsmann werden ließ, Noch nach Jahrhunderten wird man sich tvohl in Mexiko so wie heute die wundersamen Geschichten von seiner Tapferkeit erzählen, von seinen romanttschen Verkleidungen, in denen er sich mitten unter die Feinde wagte, von den phantastischen Formen der Flucht, durch die der Gefangene stets den Händen der Geguer und der drohenden Todesgefahr entging. Ein Kind des Aufruhrs, iu denc stolzes spanisches und leidenschaftliches indianisches Blut rollte, ist Diaz ein Mann des Gesetzes, der Vater der Ordsnung geworden. In diesem zügellosen, von den wildesten Bürgerzwisten durchwühlten Lande konnte er das nur durch schonungslose Strenge. Seine Gegner haben das Wort „Diazpotismus" geprägt, durch das sie eine Steigerung des Begriffes Despotismus ausdrücken wollten. Wo sich die alte Unkultur seinem mächtigen Willen zur Zivilisation entgegenstellte, da kannte er keine Schonung. So wurde z. B., wer einen Tclegraphendraht durchschnitt, augenblicklich gehenkt. Aber nicht dem Schlvert und dem Strank verdankt er seine beispiellosen Erfolge, sondern de» geistigen Waffen seiner Persönlichkeit, der ungeheuren Zähigkeit seines Willens und der faszinierenden Kraft seines Wesens. Wie er die Leute beherrschte, dafür ein einfaches Beispiel. Ein skrupelloser amerikanttcher Konzessionsjäger hatte sich an den Präsidenten gewandt und behauptete, er sei ein Opfer voll Betrügereien nnd Gewalttaten geworden. Ais er so vor Diaz klagte, wandte sich dieser mit dem einzigen Satz: „Was wünschen Sie?" zu ihm, und vor diesem starren undurchdringlichen Gesicht verging selbst dem abgefeimten Spekulanten aller Mut zur Lüge; er stammelte, machte Ausflüchte und bat schließlich, sich zurückziehcn zu dürfe». Diaz hatte während der ganzen Szene kein Wort mehr gesprochen. So brachen vor dieser Eiscnstirn alle niedrigen Intrigen und schlimmen Pläne von selbst in sich zusammen. Seine Feinde behielt er stets int Auge, und wehe ihnen, wenn die Stunde kam, da er abrechnete! Ungefährliche Feinde fertigte er mit einem trockenen Humor ab. Als der Schriftsteller' Carlo de Fornaro sein Pamphlet „Der Zar voll Mexiko" gegen Diaz geschrieben hatte, gestattete der Angegriffene nicht nur den freien Verkauf des .Buches, sondern sprach sogar in einem freundlichen Brief dem Verfasser seine Anerkennung aus und erklärte, das Buch seinen Freunden und Bekannten empfehlen zu wollen. Dieser Brief hat Fornaro mehr geärgert als viele der dunklen Taten, die er dem „mexikanischen Großmogul" zur Last legte. Noch als Achtziger besaß der aufrechte breitschultrige Greis die straffe Strenge und entschlossene Kühnheit, die das Geheimnis seines Erfolges waren. Jeder Mann im Lande grüßte ehrfurchtsvoll diesen alten Soldaten mit den tiefliegenden dunklen Augen, der blühenden Gesichtsfarbe, mit dem weißen kurzgeschnittenen Haar und buschigen Schnurrbart, der zu jeder Zeit für jeden seiner Untertanen zu sprechen war. Ms der „erste unter Gleichen" war er höflich und zuvorkommend gegen die Seinen, und diese stete Bereitwilligkeit mischte Liebe in die Furcht. Das illustriert der folgende typische Vorfall. Eine der berühmtesten Abenteuer in Diaz' abenteuerreichen Leben war seine Flucht von dem Dampfer „City of Havanna". Er war damals während der Präsidentschaft Nerdos als Verbannter nach. Mexiko zurückgekommen; ein Preis war auf seinen Kopf gesetzt, und schon bei der Einfahrt in den mexikanischen Hafen wurde der verkleidete Diaz verraten. Soldaten drangen «ruf das Schiff, um chn zu verhaften, und er rettete sich nur. dadurch, daß er ins Meer sprang und in einem fünfstündigen verzweifelten Kampf mit den Wogen sich in Sicherheit brachte. Eines Tages wird dem Präsidenten Diaz ein vöttig fremder Mensch gemeldet, der ihn sofort und dringend zu sprechen wünschte. Diaz läßt ihn auch sogleich, eintrcten und fragt: „Was kann ich für Sie tun?" „Ich niöchte nichts weiter", antwortet der andere, „als einmal die Geschichte Ihrer Flucht aus Ihrem cigenen Munde zu hören". „Ich, stehe zu Diensten", sagte Diaz ruhig und erzählte mit aller Lebhaftigkeit seines Naturells zum hundertsten und aberhundertsten Mal den Vorgang. . . A»»S ttsifc Gießen, 28. Oktober 1914. Auf dem Felde der Ehre gefallen. (Aus Hessen nnd den Nachbargebietcn.f Zahlmeister Ernst Wolf, Jnf.-Rgt. 83, aus Gießen. — Res. Karl Lcuser, Jns.-Rgt. 116, aus Frankenbach. — Drag. Ludwig Bender, Drag.-Rgt. 24, ans Langsdorf. — Mi-sk. Christian Müller, Jnf.-Rgt. 116, aus Gellshausen. — Ufrs- d. Res. Kurt Noack, Jns.-Rgt. 116, aus Alsfeld. — Res. Wllh. Scher- stuhl, Jnf.-Rgt. 116, ans Wahlen. — Untervfs. d. Res. Willi Finger aus Lauterbach. — Res. Wllh. Reinhardt, Jnf.-Rgt. 168, aus Gronau. — Unterosf. d. Res. Lehrer Franz Ludioig Adler, Jnf.-Rgt. 115, aus Gernsheim. — Oss.-Stcllv. Lehrer Gg. Karr, Jns.-Rgt. 99, aus Alsheim. — Gesr. d. Res. Otto Langsdorf, Jnf.-Rgt. 168, aus Pohlgöns. — Landwehrm, Philipp Schmidt, Feld-Res.-Bäckerei-Kol. l5, aus Brauushardt — Untcroff. d. Res. u. Lehrer Willy Bayersdorf, Jns.-Rgt. 117, aus Offenbach a. Main. — Gesr. Karl Weber, Jnf.-Rgt. 116, aus Herboru. — Gesr. d. Res. Hermann Wunderlich, Jns.-Rgt. 117, aus Dillenburg. — Landwehrm. Otto Schmidt, Res.-Jnf.-Rgt. 81, aus Erdbach. — Lt. d. Res. Forstassessor Wllh. Brückner u. Lt. d. Res. Oberförster Lndw. Nikolaus aus Neustadt i. O. — Landwehrm. Lldam Krauß, Jns.-Rgt. 116, aus Nieder- Modau. — Max Heinr. Merz, Ul.-Rgt. 6, aus Eichen a. d. Nidder. — Lehrer Ernst Sam es aus Eckartshausen. — Landwehrm. Wilh. Bcchtold, Jnf.-Rgt. 116, aus Raiurvd. — Landwehrm. Otto Usinger, Res.-Jnf.-Rgt. 116, aus Schotten. — Res. Ludwig Straub, Jnf.-Rgt. 116, aus Schotten. Bon hessischen Landeskindern in Amerika liegt uns eine große Anzahl von Briefen vor, die uns von den Empfängern, Lesern unseres Blattes, zum Abdruck zur Verfügung gestellt worden sind. Bon ihnen allen den ausgedehnten Gebrauch zu machen, wie es manche der Einsender wünschen, ist uns selbstverständlich nicht möglich, zumal tich die Schreiben von jenseits des Ozeans alle in einem Punkte gleichen: Samt und sonders stellen sie mehr oder minder beredte ÄokumeMc der glühenden Liebe für das bedrohte Heimatland nnd der schrankenlosen Ovser- willigkcit sür die Opfer des Krieges dar, aus allen klingt das Leid, mcht dott dabei sein zu können, wo es um die höchsten Güter des Volkes geht. Nachstehend geben wir eine kleine Auswahl der be- zeichnenden Stellen wieder. Wenn manches davon auch schon bei anderer Gelegenheit nnd in anderer Form bekannt geworden ist; es ist doch tröstlich, immer wieder zu hören, daß auch in der Fremde tausende Herzen für uns schlagen, und daß die öffentliche Meinung in Amerika sich der Wttchl der Wirklichkeit auf die Dauer nicht hat entziehen können. Tag und Nacht hat man daran gearbeitet, die amerikanische Presse eines Bessern zu belehren. Ter Umschwung ist nicht IM FELDE erwarten unsere Angehörigen aus der Heimat Nachrichten über die Vorgänge daselbst und über die Ereignisse und Fortschritte auf den Kriegsschauplätzen. Durch die regelmäßige Uebersendung des Gießener Anzeigers kann mancher lebhafte Wunsch erfüllt werden. Die Nachsendung des Gießener Anzeigers ins Feld erfolgt am zweckmäßigsten durch die Post. Man bestelle ihn deshalb bei den zuständigen Postämtern vom 1. Novbr. an unter genauer Angabe des Namens, des Armeekorps, der Division, desRcgimcnts und der Kompagnie. Außer dem üblichen Bezugspreis erhebt die Post nur eine monatliche Umschlaggebühr von 40 Pfennig. Bestellungen nimmt außerdem entgegen die Geschäftsstelle des Gießener Anzeigers, v_ - ausgeblieben. In Netv Pork erscheint eine deutsche Wochenschrift unter deni Titel „Vaterland", die schon ganz vorzügliche geleistet hat. Hier iu Detroit hat sich ein Deutscher Bund ge» gründet, der cs sich zur Hauptaufgabe gemacht hat, gegen die Tentschenhetze in der Presse zu arbeiten. Sein anderer großer Zweck ist, den deutschen Witwen und Waisen zu Helsen und die Not zu lindern, die durch den Krieg in Deutschland her- vorgerusen wird. Versammlungen haben den deutschen Geist ans Licht gebracht und habeic Schillers Wort: Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, wahr gemacht. Oesterreicher, Ungarn, Magyaren, Kroaten und wie sie alle heißen nrögen, haben sich unter den Flügeln des Deutschen Bundes znsammcngeschart Die Deutschen von Detroit wollen zum mindesten 75 000 Dollars an den deutschen Gesandten in der nächsten Zeit absenden. In einer Massenversammlung am 7. Oktober haben bedeutende Redner in deutscher und englischer Sprache Worte der Auiklärung gegeben. Man darf auch nicht vergessen, daß die von Deutschland Heini kehrenden Amerikaner viel dazu beitrugen, die allgemein herrschende Stimmung zu Gunsten der Deutschen zu beeinflussen. Alle stimmen darin überein, daß nicht der deutsche Kaiser, der „War Lord" oder KriegS- gott, wie er anfangs genamrt wurde, oder der deutsche Militarismus den Krieg verschuldet hat, sondern einzig und allein England. ....... Denn die Engländer, so heißt es in einem Wetter«, Schreiben, nehnirn sogar deutsche Briese nnd Postsachen von neutralen Schiffen. O, wie ich diese Engländer hasse und verachte!... Wir Deutsche haben hier einen Kampf gegen die Lügen unser« Gegner zu kämpfen und auch wir hier stehen wie ein Mann. Die Stimmung richtet sich, nachdem die Wahrheit zutage kommt, gegen England. Englische Freunde von uns sind beschämt, Namen Engländer zu ttagen. ... Ja, toie wir unfern Kaiser lieben und verehren, merken wir jetzt erst, wo er angegriffen wird. Wir dürfen stolz aus ünsern Kaiser und unser ganzes Hans Hohen- zvllcrn sein. Wir haben hier ein Hans, in dem viele präättigv Deutsche zusamnienkvinmen. Ter erste Trunk gilt immer unser« Kaiser, der zweite dem lieben alten Kaiser Franz Joseph... Ein« unserer Landslcutt hat seine Stellung in Südamerika ansgegcbsl und die welle Reise nach Chicago unternommen in der Hoffnung, von hier ans Gelegenheit zur Uebersahll nach Deutschland zu finden, und sei es als Schiffsheizer mif einem holländischm Dampfer. . ., Wir hier in Chicago arbeiten ttichttg für das Rote Kreuz. Tausende von Sammellisten gehen.um, und wir hoffen ein paar Millionen zusammcnzubekomnren. Tie englischen Zeitungen, haßt es wieder in einem Briefe, inachten in der ersten Zeit das ganze Land durcheinander mit ihren instunen Lügenberichten, und ich habe manchmal vor Wut geweint, tvenn ich las, wie man dein deuttchen Lande und semevi Bolkv so unrecht tat... . Wir halten in allen Städten und Ortschaft» Protest- und Avsklärmigsversammlnngen ab und klären das amen- kanische Volk über die Ursachen und den Verlauf des Krieges auf. Wir tun alles, was in unseren Kräften stetst, um DeulKH- land zu verteidigten gegen alle Neider imd Hasser. Wir hoffen, mit her Zeit für unser Vaterland den Betrag von 50 Million« sammeln zu können. Jeder gibt sein Scherslein. Schließlich geben wtt noch einen Abschnitt ans einer deutsch- amerikanischen Zeitung wieder, aus der ebenfalls cv- hellt, >vie man den Kampf gegen die Feinde Deutschlands aut Seiten unserer Brüder betreibt. Die betteffende stelle lautet: Tie Zeiten sind ernst. Unsere Stammesgenosscn tm alten Vaterlande kämpfen um ihre Existenz gegen eine neidische, gierige Gcldmacht und gegen die Uebergriffc slawischen Barbarentums Es ist ein Kampf auf Leben und Tod, in welck'Lm Deutschland mit feinem Bundesgenossen siegen muß. Wir vermögen von hier aus mir moralische Unterstützung zu geben, welche gleichzeitig die finanzielle einschließt. Und unabläsftg müssen wir im Jntereffe unserer Brüder, die jetzt den Boden mit Blut düngen, tätig, ununterbrochen müssen wir berrit sein, auch nach den gräßlichen Schlächtereien die Wunden des Krieges p Hellen und lindernd dort einzugreifen, wo di« unmisbleibliche Not an die Titten poclzt. Und nur mit verernter den tscher Kraft können wir da von lster ans wirkungsvoll eingreifen. Gleicktsrittg dürfen wir nickst vergessen, datz auch wtt httr einen Kampf auszufecksten haben, der deni in Eirrvpa von unseren Stancmesgenosscn anszfnseclstenden in manckier Hinsicht ähnelt. Wir käuiptcn um die Erhaltung der periönlickzen Freiheit gegen die Angriffe des fanatischen Wassermnckertnms. Wir käinpfo: gegen die Bevormundung einer Rotte von getvisscnlvsen Fanatikern >md Polilikaillen, welche uns in die Zwangsiacke der pnri- tanischen Heuchelei M stecken versnck-cn; welche darüber uns Vor- schriftrn mack>cn wollen, was wir essen und was wir trinken^ >oie wir unser Leben cinrichten sollen. Besonders gegen dl« Tentsckien nnd deren Vereine richten sich die Anschläge dieser Schncselbande, nnd es ist dringend nottvendig, daß aus dichnn Grunde eine feste Organisation geschaffen und vereint gegen die Uebergriffe per Wasserfnnpel Front gemacht tvttd. Dazu ist die Mithilfe aller Deutschen notweninz und deshalb solltt in der Sitzung des Stadtverbandes am nächsten Sonntag nachmittag nicht ein einziger ffriheitsliebender Bürger fehlen. Also, deuffche Stammesgenossen, an die Grwchrr und angetteten in dieser Versammlung! * ** Krieg und Invaliden- und Hinterblie- benenversicherung. lieber die Ansprüche der Kriegsinvaliden und der Hinterbliebenen gefallener Feldzugsteik nchmer an die Invaliden- und Hinterbliebenenvcrsicherung (IV. Buch der Rcichsversichcrungsordnuiigs, die neben den aus den militärischen Fürsorgegesctzen beruhenden Bezügen geltend gemacht werden können, bestehen in den .ni Sfrtiftn rwH manche AnNcrrheiten, so daß eine kurze Zusammenftcllung der maßgebenden Gcsctzesvor- schriften angezeigt ist. Die aus Grund der Reichsversiche- rungsordnung gegen Invalidität versicherten Personen, die im Kriege oder später infolge der Feldzugsstrapazcn invalide werden, haben Anspruch aus die Invalidenrente. Als invalide gilt ohne Rücksicht auf das Lebensalter der Versicherte, der insolge Krankheit oder anderer Gebrechen nicht mel>r imschnde ist, ein Drittel dessen zu erwerben, was gesunde Personen seiner Art mit ähnlicher Ausbildung in derselben Gegend durch Arbeit zu verdienen pflegen. Ist die Jnvalchität dauernd, so beginnt die Rente mit dem Tage des Eintritts der dauernden Invalidität. Ist dagegen in absehbarer Zeit wesentliche Besserung zu erhoffen, so beginnt die Invalidenrente erst nach einer 26 wöchigen nnunlcrbrochc- nen Dauer der Invalidität. Was die Ansprüche der Hinterbliebenen der gegen Invalidität versichert gewesenen Feldzugsteilnehmer betrifft, so gilt solgcnoes: Witf» wenrenle erhält die > n v a l i d e (nicht die noch erwerbsfähige) Witwe des Versicherten. Für den Begriff der Invalidität gilt ini wesentlichen dasselbe, nias oben für die Invalidität des Mannes gesagt ist. Die Wittvenrente beginnt in der R-zel mit dem Todestag des Ehemannes. Ist in absehbarer Zeit Wiederherstellung der Erwebssähigkeit zu erwarten, so kann die Witwenrente auch erst nach 26 wöchiger ununterbrochener Dauer der Invalidität gewährt werden. — Witwengeld erhält die Witwe (auch die noch nicht invalide) des Versicherten, wenn sie selbst auch gegen Invalidität au» Grund der Reichsoersicherungsordnung versichert ist. — W ai se n re n t e erhallen nach dem Tode des versicherten BaterS seine ehelichen Kinder unter 15 Jahren, ohne Rücksicht daraus, ob die Mutter noch lebt und ohne Prüfung der Frage, ob Bedürstigkeil vorliegt. Ob die Anträge Erfolg haben, hängt im Einzelsall noch davon ab, ob n-eitcrr gesetzliche Voraussetzungen wie Erfüllung der Wartezeit, Erhaltung der Anwartschaft zutrcs- sen. Die Ansprüche selbst sind bei der Bürgermeisterei des letzten Wohn- oder Bcschästigungsortes anzumelden. " Verkauf aiisrangicrter Militärpferde und tragender Stuten. Am 3. November, vormittags 10 Uhr, findet in S t. A » o l d eine Versteigerung von Pferden des Etappen- Pferde-Devots daselbst an Landwirte statt. Auskunft erteilt der genannte Truppenteil. Kreis Biwingcn. b. Büdingen, 27. Skt. Da? ft r e i 5 a nt t bestimmte für ten ftreis Büdingen folgende Höchstpreise s ü r ft a r t o s s c l n: gut auSgelesene Speilekartofseln der Doppelzentner 8 Mark und geringere War« der Doppelzentner 5 Mark. Hessen-Nassau. m ftirchhaln, 27. Lkt. A»r unserer etwa 2308 Einwohner zählenden Stadt sind di? jetzt 18 7 Soldaten z» de» Fahnen einberulen worden, hierunter befindet sich auch eine gröbere 'II,>- zahl ftriegSireimistiger. — Ausgezeichnet mit dein Eisernen ft r eng wurden Serqeant ft. Bähr bei der Maschinengcwehr- ftompagnle de« Insauterie-NegimentS Nr. 112, sowie der Unteroffizier ft. St «»»er sin FeldarliNerie-Rkaimenl Nr. 8. — Bon den Gemeinden HalSdorl, Wohra, Schiffelbach, Langcndori und anderen ist eine Anzahl Wagen Stroh für die Verwundeten ab- gegeben worden.^ Mehrere hluldert Zentner ft a r t o s i e l» ünd geianunelt, die für dar Note ftreuz bestimmt fmb. Reichlich stieben Gaben an Naturalien und Geld. — In den Rauschenberger ausgedehnten Waldungen werden seit einigen Tagen durch dl« Schuljugend Eicheln gesamniell, die zur Schweinemast verkauft werden. Ter Ertrag i*t für das Rote ftrcnz bestimmt. h Frankfurt o. M, 27. Sit. Das Erscheinen mehrerer Flieger über Franksnrl verursachte beute in der Stadl eine grobe '.'liffreguna. die ftrfi noch steigerte, als sogar von verschiedenen Lc»c» ans die Maschinen geschoffe» wurde. Tie Geschoss« ivaren aber wirkungslos, da sich die Flieger iu bedeutender höhe ani- hielte». Wie milgcteilt wird, handelte cs sich um heimisch» Flieger, die augenblicklich hier ihren Urdnngen aus längere Zeit obliegen. _ _ vermischte». * Salvarsan „in ade in E n g l a u d". Zu den brutalen Mitteln, mit denen England wider alles Völkerrecht den Krieg führt, gehör! auch die Beschränkung der deutschen Patente iu England. Zwar sind sic nicht völlig von der englischen Regierung beseitigt worden, wie man anfänglich meinte, aber das englische Handclsamt ist ermächtigt worden, aus Antrag Patente »nd van- delsmarkcn auszubeben, und zwar dann, wenn Firmen die Ausnutzung der deutschen Erfindung übernehmen oder ihre Aare mit der deutschen Marke versehen wollen, also vor einem gewissenlose» Tiebstahl an geistigem Eigentum nicht zurückickireckefi. Welch man niosache Schädigung-» für uns aus diesen Maßnahmen entstehen, geht aus der Tatsache hervor, daß im Fahre 1903 in Grotzbritan- nicn 2751 Patente an Tc.itschlaiid. im Fahre 1901 dagegen in Tcutschland nur 571 Patente an Großbritannien erteilt worden sind. Auch die neutralen Staaten werden dadurch iu Mitleidenschaft gezogen und haben daher energisch und zum Teil schon erfolgreich vrotcstierl. In der Teulschcn Medizinische» Wochenschrift wird nun daraus hingcwiesen, daß ein solcher Raub auch an einem der wichtigsten und wertvollsten pharinazcutischcn Handcl-sgegenstände versucht wird, am Salvarsan. Tie auch deutschen Aerzten wohlbekannte Firma Burroughs Wellcome u. iio. bat den Antrag gestellt, daß ihr eine Lizenz auf das Sa l v a r sa » - P a r e n t der Höchster Farbwerke gegeben werde und sie das Recht erhalte, ihre Prodnkle unter dein Namen Salvarsan und Neosalvarsan zu verlausen. Tabei bandelt es sich nicht etwa nur darum, während der Kriegszeit den Engländern das, wohl auch in Großdritannicii unentbehrliche Mittel zu liefern, sondern die Firma hat ausdrücklich erklärt, sie könne nur dann die Fabrikation ausnchmen. wenn ihr die alleinige Lizenz für England während der ganzen Palcntdauer ziigelvrochen werde. Es scheint wenig Aussicht vorhanden, daß das Handelsaint die Proteste der deutschen Firma anerkennt: höchst» toahrschciiilich wird die Erlaubnis der Salvarsan-Fabrikation der engfischen Firma zuerkannt werden, „Wären nur die Barbaren, als die wir nicht zum mindesten von der englischen Presse verschrieen werden," fügt die Zeitschrift hinzu, „so könnten wir nur wünschen, daß das, Handclsamt hinreichend Atangcl an Einsicht besäße, um dem Anspruch der Firma Burroughs, Wellcome u. Co. zu will- sahren. Man weiß, welche Schwierigkeiten die einwandfreie Her- slellnng deS Salvarsans verursacht und welche eiudringende Sachkenntnis und praltiiche Hebung zu ihrer Uebcrwindung nötig ist. Solche Fähigkeiten lassen sich nicht „kriegsmäßig" enverbcn. Tollte die Londoner Firma wirklich die Fabrikation des Salvarsans unternehmen, so werden wahrscheinlich die durch ihr Fabrikat hcrvor- gerusenen Schädigungen der Engländer als eine neue „englische Krankheit" eine ständige Rubrik in der englischen Literatur bilden." viichertijch. — „T> i e „Bibliothek der It »t e r h a l t u n g und des Wilsen?" (Union, Deutsche Verlagsaejell'chalt Stuttgart), deren schmucke in der ganze» Welt bekannte Bände eine Zierde jeder Bücheriammlung bilde» und von de» Abonnenten stets mit Ungeduld erwartet werden, hat eine Einrichtung getroffen, die bei asten Lesern glotze Freude bereiten wird. Sie beginnt in dem uns vortlegenoen onum rniioe mit der Veröffentlichung einer in cinzelnc Kapitel e»,geteilten, aber in sich zusammenhängende» Geschichte des Weltkrieges 1911, so datz die Ado»> nenten ohne beiondere ftosten ans diese Weise in den Besitz eine, reich istuslrierten ftriegsgeschichtc vom Anbeginn bis z»u, hoffe»,- l,ch recht glücklichen Abschluss gelangen. Ter übrige Inball bringt nach wie vor cme reiche Auswahl von spannende» Romane», Noveste», Erzählungen, belehrenden Aufsätzen »im. rDötfjentl. Ueberficht der Todesfälle!. d. Stadt Gieße». 41. Woche. Vom 4. dis 10. Oktober 1911. Einwohnerzahl: angenommen zn 32 900 (tnfl. 1800 Mann Militär). StcrblichkeitSzisser; 26,50 »/„ nach Abzug von II Ortsfremden- 6,32°»,. ftindcc Es starben an: Zusalninen: Erivachiene: im vom 1. Lebensjahr: 2.-15. Iah itti Wochenbett IlN 1(1) — — Diphtherie 1 U) — 1(1) T»phus 1 1 — —- Ruhr 1(1) KD — — Darinkalarrh 1 — i — Herzleiden Kl) 1(1) — — EinaellcmmtemBruch l (!) KD — — BroffchiliS 1 dt — — 1(1) 8>ehirnlrankheilen 2(2) 2(2) — sirebs 1 1 — — Gastenblasen-Ent- ziindnug KD KD — — ftriegSvrrletzungen 6(5) 6 (5) — — Summa: 18 (14) J 5 (12; i i 2(2) ftriegsverletzungen : Deutsche 5 (1)1 i — 6 (5), Feinde 1 (1) 1 F n Frankreich i» s i z iert: Ruhr 1 (!) Tnvhns I. A n m.: Tic in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit ans von aiisivütts nach Gießen gcbvachtc Kranke kommen. ^iirclileche Nact-riehten« Evangelische Semeiiive. Heute abend 8 Uhr: ftliegSbetstunde »> der FohanneSkirche. Pfarrer A u »f e t d. - ........ ■ ■ . ..... ....... . - -------- » — - Meteorologische Beobachtungen der Station Gietzcn. 5 t: rrt. b # o| rt ' f fl 2 g Z> ji- 1 -* [15 ° W H« 5-> C/ W II S '& 1|= if 5 » Af if ■S 1 A Wrue» 27 2''' 743,4 18,1 7 7 69 w 2 9 Bew. öimmel -'7. ö“. <42,7 97 7,5 83 9 S 10 Beb. Hiinmcl 26 ! r < fc 540,8 87 7,5 8‘J 8 • 8 10 Rege» I II I I I I ! Höchste Demveratu: an, 28.—27. Oft. 1911 = -f- 13,1 C. Niedrigste . , 26.-27. , 1314 =.+ 9,2' . Niederschlag: 0,0 mm. Verantwortlich für „Feuilleton", „Gcrichtssaal" u. „Vermischtes"! I. V.: August G o e tz. Bortrag in der neuen Aula der Universität am TonucrStag, den 29. Oktober, abends 8", Udr. Weh. Ilofraf Ppofe«»op Dp. Klba: Ans der Kntwicklnng der cheminchen IndiiMtrie in I>eutHchlnnd u. Ilnxlnnd. Zum Beiten von Hinterbliebenen im Selbe gesallrner fSiehencr. Eintrittskarte» — eine zu 30 Pfg., zehn zu L50 Mk. — sind in den Buchbandlungen von lhrerS, SelterSweg, Koch, SelterSweg, Legier, Süd-Anlage, Schneider. Reuen Bane, sowie Ern» Balier, MänSburg und abends an der Kaffe zu habe». H0171) Turnuerem 2 iehenv. 184 d Hauptversammlung am Samstag, den 31. Ott. 1914, abends 9 Uhr, im CambrinuS. DaaeSorbnnng: t. Bericht, 2. Rech nunaSablaac, 3. Enltailuug des Rechners. 1. Verschiedenes. Um zahlreichen Besuch bittet ,,.,1) _ Der Vorstand. Lichtspielhaus Heute 10955a Atlantis Anfang um 5, 7, 9 Uhr. Passepartouts und Freikarten haben keine Gültigkeit. — Ferner: Oie neuesten Krieosösrictite! Die Einschränkung im Fleischverbrauch Infolge der durch die ftriegslagc gebotenen Svartam- kest wird nick! emonnfben. wenn man d. Fleisch,selbst iniiidcrwcriigein. gleich vci Beginn des Schmoren- Tchmeifrer's 2a«ce«-Wnrfel zusetzt. Ern Würfet zu 10 Pig. genügt für ca. 3 Pfd. Fleisch und ergibt eine säbmige. wohlschmeckende und »ahrhaste Sauce. Macken Sie einen «Vernich: Achten Sic aus die belanntc Schutzmarke! Hier ndcratl erbättlicht Für unsere tapferen Soldaten im Felde empfehlen wir: Wasserdichte Westen und Hosen mit Leder-, Pelz- und Flanell-Futter — Wollene Schlafdecken — Schales — Strickwesten mit und ohne Aermel — Wollene Unterhosen — Hemden — Jacken — Socken — Kniewärmer — Wollene Ohrenschützer — Puls- wermer — Lungenschützer — Leibbinden — Hemden in Wolle und Seide — Handschuhe und Hosenträger — Stoffe zur Selbstanfertigung in großer Auswahl; Oebr. 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"i 100 Adressea Geheilter ch grafis erzielt man zu jeder Jahreszeit d. die lägt. Bciiütlcrung v> o Huhn von 15—2f> Gramm Raaut Gcitiineliuttcr. Lehrer F. Schreier, Bismarcksdorf, schreibt: Nagut gefällt mir vorzüglich, memc Hühner legen unansaesetzt den ganz. Winter. Boriitzen- der des GcffügelznchtvercinS A. Fröhlich, Eavvcllen i. W. schreibt: Im vor.sabre legten meine WvandotieS Ichon mit 1 Monaten u. 22 Dagen bei Naguisiincrung die ersten Efer. Bon dem Eliteiiamm bracht» es die beite Henne im ersten Legciabre oui 257, die aeringiie a-lWEirr. Verkauf: Bng. Wallenfels.Drogerie, ttziesteu, :NarktvlatzI7. (■“D ♦♦♦♦♦♦♦♦♦ Bindfaden,Korde! und Packstricke la erstklass Fabrikate, ständi «.Laser von ca. 3000 kg sortiert in den gangbarsten Nummern. Ludwig Lazarus Astenreg 53 Fernsprecher 505. [108S9 Nuß- u. S eefische I. M. Schulhof Telephon 119. — Promoter Versand nach auswärts. I“ 8 * SnsterApfelmost ftrltetci Wilhelm Man er, Kaiser-Allee 27 t,««l Tel. 318. 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