Lr. 2^8 Zweites Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntags. Die „Siehener Zamülendläller" werden dem .Anzeiger^ »iermal wöchentlich beigelegt, das „Kreftblatt für den Kreis Kietzen" zweimal wöchentlich. Die „Laildwirllihsstlichen Zeit- fragen" erscheinen monatlich zweimal. Slatt 164- Zahrgang y ^ O General-Anzeiger für Gberhessen Donnerstag. 27. Moder Rotationsdruck und Verlag der Brüht'scheu Universiläts - Buch- und Steindrnckcrei. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schril- straße 7. Expedition und Verlag: fcS»51. Redaktion: Tel.-Adr.:i!lnzcigerGieben. England und Antwerpen. Als England gegen Ende des Siebenjährigen Krieges sein Bündnis mit Preußen brach und vertragswidrig Frieden mit Frankreich schloß, sagte Friedrich der Große: „Bündnisse mit England schlagen stets zum Verderben derer ans. die sich chm anvertrauen." Belgien hat die Wahrest dieses Ausspruchs auf das bitterste am eigenen Leben erfahren müssen. Für d»e englische Schissahr! war Antwerpen der wichtigste Platz des europäischen Festlandes. Nach keinem Hafen hatte sie auch »nr annähernd einen so großen Verkehr aus;»wciscn. Im Jahre 1913 liefen in Antwerpen Schisse mit über 14 Millionen Tonnengehalt ein, davon 6,2 Millionen Tonnen unter englischer und 4,5 Millionen unter deutscher Flagge. Aus politischen und seestrategischen Gründen suchte Englaich mit allen Mitteln zu verhindern, daß Antwerpen in die Hände einer starken Macht kam. Als die französische Republik Ende 1792 das heutige Belgien eroberte, ihr Küstengebiet vergrößerte, die Schelde öffnete und neue Ausgangs- däsen erivarb, erklärte Englands das bis dahin in der Revolution einen Vorteil für seinen Handel erblickt hatte, an Frankreich den Krieg. Schon der ältere Pitt pflegt« zu sagen, daß England seine letzte Guinee daran wenden müsse, um zu verhindern, daß Frankreich in den Besitz der Niederlande käme. An der Seliechc sollte ein Mttelvunkt handelspolitischer und maritimer Macht nicht entstehen. Aus Antwerpen—Vlissinge» richteten die Engläicher größte Aufmerksamkeit. Am 31. Dezember 1792 erklärte der jüngere Pitt im Parlament: Nie werde die englische Regierung ein gleichgültiger Zuschauer sein, wenn Frankreich sich nnttelüar oder unmittelbar zum Beherrscher der Niederlande »rache oder sich zum allgemeinen Schiedsrichter über das Recht und die Freiheiten Europas auswürsc. Bald sprach man in London niit Abscheu von der „unmoralischen Revolution", um sich den Anschein zu geben, als ob man für Ideale und nicht für Interessen emtretec „Nrcht die Hinrichtung des Königs," sagt Max Lenz, .sondern die Eroberung Belgiens trieb England in den Krieg." England trat in die erste Koalition «in, wurde der treibende Geist auch aller späteren Bündnisse gegen Frankreich und hielt sie durch das goldene Band seiner HilsHgcldcr zusamt men. Nach dem Ausbruch der Brüsseler Revolution von 1830 und nach der Unabhängigkeitserklärung Belgiens war die englische Politik bemüht, den französischen Einfluß in Belgien nicht aufkommen zu lassen. England versagte seine Bestätigung der Wahl eines Sohnes des Königs Ludwig Philipp znm Murg von Belgien, beteiligte sich an der Pazifizierung des Landes und drang auf baldigste Zurückziehung der französischen Truppe« aus Belgien. Die Eroberung Antwerpens ist nicht der erste, aber der schärfste Schlag, den England bisher in seinem Feldzug gegen Deutschland erlitten hat. Englands Ohnmacht zu Lande rückte wieder eitnual in ein helles Licht. Das gewaltige Weltreich vnt seiner angeblich unbestreitbaren Oberseeherrschaft war »icht imstande, die Verteidigung Antwerpens wirksam zu unterstützen und den Fall der für England so wichtigen Hafen- sestnng zu verhindern. Schließlich nötigten die Engländer den belgischen Kommandanten, das Bombardement über die Stadt ergehen zu lasse», nur damit die englischen Hilfstrup- pen einen Vorsprung erlangten, um rechtzeitig flüchten zu können. Es ist ein alter englischer Grundsatz, nichts hcraus- zugebrn, was mit Blut und Eisen gewonnen wurde. Dieser Grundsatz verdient Nachachtung. London, 21. Okt. tWTB. Nichtamtlich.) Der militärische Mitarbeiter der „Times" spricht die Ansicht aus, daß der Entsatz Antwerpens ausfübrbar gewesen wäre und er nicht an einem Fehler von englischer Seite gescheitert sei, sondern an einer derjenigen Enttäuschungen, die in der Leitung der Operationen der Koalitionsmächte nur zu häufig rinträtcn. Wenn 40 000 bis 50000 Verbündete von außerhalb in der Lage gewesen wären, die Belagerer ctwa aus der Linie Gcnt-Mccheln anzugreifen, so hätte man einen großen Erfolg erwarten können. Wenn die Expedition gebilligt worden sei, habe Churchill ossenbar mit voller Zustimmung seiner Kollegen gehandelt, und diese nncderuin mit der Zustimmung der Verbündeten. „Wir waren bereit," fährt der Schreiber des Artikels jort, „an der Operation Icilzunchmcii, und wir versügtcn über die notwendigen Truppen. Wenn die anderen uns im letzten Augenblick nicht helfen konnten, so behänden un- zwcisclhait gute Gründe dafür. Es iü mit höheren Interessen unvereinbar, daß die Verbündeten von einander Rechenschaft verlangen. Wenn Kitchener oder Churchill im Parlament oder anderwärts ausgcsordert iverdcn, das Fiasko von Antwerven zu erklären, »o können sie mit vollem Recht jede weitere Erklärung verweigern. Vas Lrgeb lir der englischen Herrschaft in Indien. Der indische Revolutionsausschuß der Hindostani in S. Francisco verbreitet, wie die Mitteilungen des Vereins fiir das Deutschtum im Ausland melden, einen Aufruf, der die „erfolgreiche Kulturtätigkcit der für unterdrückte Völker so »vorm cintretenden Engländer" in 14 Punkten zuscrinmen- faßi. Der Aufruf lautet: 1. Die Engländer ziehen jedes Jahr 167 Millionen Dollars aus Indien nach England. Dadurch iverdcn die Hindvstant so arm, daß ihr Einkommen täglich nur 2‘/i Zent beträgt. 2. Tic Grundsteuer beträgt über 65 vom Hundert 3. Be» einer Bevölkerung von 240 Millionen Menschen betragen die Ausgaben sür Erziehungswesen $ 25 000000 für Gesundhellspvlizei $ 6000000 dagegen für das Heer $ 97 000 000 4. Unter der britischen Herrschaft haben die Hungersnöte stets zugenonimen. In den letzten zch-n Jahren sind zwanzig Millionen Männer, Frauen und Kinder verhungert. 5. Infolge von Pest sind in den letzten scchszehn Jahren acht Millionen Menschen gestorben. Die Stcrblichkeitszilser hat sich in den letzten dreißig Jahren von 24 aus 34 vom Tausend erhöht. 6. Es werden Mittel ausgetoendet, Uneinigkeit und Unordnung in den eingeborenen Staaten zu fördern und den britischen Einfluß dort zu erhöhen. 7. Engländer »verdcn sür dir Ernwrdung von Hindus und die Entehrung von Hindusrauen nicht bestraft. o. Mit dem den Hindus und Attihammedaneru abgeiwmmcncn Geld »»erden die christlichen Missionare unterstützt. 9. Fortgesetzt iverdcn Anstrengungen gemacht, um Feindschaft zwischen den Hindus und den Mohammedanern zu crxcgen. 10. Die Kunst und das Kunstgewerbe Indiens fittb zum Besten Englands zugrunde gerichtet morde»». 11. Mft indischem Geld und »mter Uufvrpseruug von Hindus als Soldaten find China, Afghanistan, Birma, Aegypten und Persien bekämpft und teilweise uirterjocht wordeu. 12. Die Bevölkerung Indiens beträgt in dm Euzgcborencw- staoten 70, in den britischen Gebieten 240 Millwncn. 13 . Die britischen Truppen in Indien setzen sich aus 79 614 englischen Offizieren unb Soldaten, sowie 38948 Freiwillig ei» zusammen. 14. Seit der Revolution twn 1857 sind über fünfzig Jahre vergangen Eine andere ist jetzt dringend nötig. Die zwette Gietzener Liebesgabensahrt. Gieß en, 21. Okt. Wie »rir in Nr. 245 des „Gieß. Anz." mittrilten, ist cs gelungen, auch den zweiten Li eb es gabent ran s po rt sür die 116er an seinen Bestimmungsort zu bringen. Ueber die stttcr- essantc Geschichte dieser Fahrt geht uns von den daran beteiligt Getvesenen der nachstehende Bericht zu: Tie Verbringung der von der Stadt Gießen, den Zweigvereinen vom Roten Kreuz Gießen und vom Verein eheinaliger 116er zu Gießen gesammelten Liebesgaben sollte ursprünglich mittels Kraftwagen dircft erfolgen. Nachdem sich aber dieser Besörder»mg kaum zu beseitigende Schwierigkeiten gegen üb er gestellt hatten, »inirde unter Mitwirkung des Herrn Majors Stephan ermöglicht, von zuständiger Stelle dir Genehmigung znm Anschluß an den Militärtransport und die vorgeschriebcnen Fahrtausweise zu erhalten. Zur Besörderrmg der zahlreich eingegangenen Liebesgaben wurden ein gedeckter Eisenbahnwaggon und zur Beförderung der 4 Kraftwagen 4 «»eitere Waggons zur Verfügung gestellt. In liebenswürdiger Weise hatten Mftglicder des Ober- hessmischcn Auwrnvbilklubs, die Herren: Geh. Kommerzienrat Dr. Gail (Führer: I. Gcnnö, Begseiler: Haurat Steinbach). f)ahn- lechniler O. Graes (Begleiter: Kaufmann Riä«rd Wallenfels), Frau Kvmmerzieiirat Th. H c >> l i g e n st a c d t Wittve »Fahrer: W. Wehn, Begleiter: Bürgcrmeistcrcisekrctär Mosig), Direktor Stoltc (Begleiter: Stadtverordneter Dr. Ebel) ihre .ittastwagen zur Verfügung gestellt. Am 8. Oktober abends 7,34 Uhr ging der aus 120 Achsen bc- stcbendc Militärzug, der rund 1400 Mann Ersatzlruppru sür verschiedene Truppenteile mit sich führte, ,n Gießen ab, begleite» von herzlichen Ülbschiedsgrüßcn einer unzähligen Zuschauermeilgc. Bereits in Wetzlar imube Halt gemacht, um die Truppen zu verpflegen. Am 9. Oktober gegen 5 Uhr morgens erreichten wir Troisdorf, »vv die Truppen niit »oarmeiii Kaffee versorg» »vurdcn. Die Fahrt ging über Köln, Düren, Aachen und erreichte gegen 12 Uhr mittags Herbesthal a» der belgischen Grenze. Etwa ein Kilometer vor dem Hauptbahnhofe machte der Zug Halt, und wir lagen hier inmitten zahlreicher Militärtransporlzüge .fest bis 6,20 Uhr abends. Um 6,30 Uhr fuhren nur über die belgische Grenze und erblickten bald die schrecklichen Verwüstungen des Krieges. Durch Zurufe der au der Bahnlinie ausgestellten deutschen Land- sturinposlcn erfuhren wir den Fall von Antwerpen. Nach der Ankunft in B. ging es mit ctioa 15 Kilometer Geschtoindigkeit in südlicher Richtung weiter. Gegen 7 Uhr nwrgens mußte die Fahrt kurz hinter der Station T. infolge Sperrung der Strecke bis nachmittags 3,30 Uhr unterbrochen »verden. Hier »ourde »um erstenmal im Freien abgckocht, wobei sich ein lebhaftes milftärisck>es Treiben entwickelte. An dieser Stelle hatten drei Tage vorher 8 0 belgische Soldaten — die aus Fahrrädern gilt bctoasstltt und mit Sprengstoff versclien heranrückten — versucht, den vor imö liegenden Tunnel zu sprengen. Durch die Wachsamkeit unserer braven Landsturmlcute wurde dieser Plan vereitelt. Ein zufällig die Stelle durchfahrender Militärtransportzug war von den Posten angehalten morden u»tb mft Hilfe diesmf Truppen wurden die Belgier in die Flucht geschlagen, wobei 5 getötet und mehrere verwundet wurden. 80 Fahrräder und etwa 2 Zentner Tvnamit wurden erbeutet. Nachmittags gegen l Uhr erblickten wir hier den ersten deutschen Flieger — an den schwarzen Kreuzen unter den Tragsläckwu deutlich erkennbar. Gegen 4 Uhr »achnnttags wurde die Folpl über B. fortgesetzt und abends 6,30 Ulp M. erreicht. Hier wurden die Truppen verpflegt. Nach ein- stllndigcm Ausentbalt ging die Fahrt in der Richtung V. wefter. Aus per ganzen Fahrt mußten die Lichter des Zuges gelöscht bleiben. Am 11. Oktober morgens gegen 8 Uhr wurde vor der Statton B. auf freiem Felde unter Einleitung des Liedes „Eine sestc Burg ist unser Gott!" Feldgvttesdienst abgchalten, der sür alle Teilnehmer und auch für uns unvergeßlich bleiben wird. Ucbcr C. erreichten wir Sonntag nacht St. Qu. gegen Uhr, wo toiedcrum die Truppen verpflegt wurden. Nach einer bitterkalten Nacht erreichten wir am 12. Oktober morgens gegen,8 Uhr die Station M. Nachdem in den mnliegrnden Ortschaften gegen Ausdrusch von Zigarren Fleisch, Kartoffeln,usw. beschafft worden waren, wurde hier im Freien abgckocht. Die von Herrn Direftvr S t o l t a zubereitete Kartoffelsuppe mundete den Teilnehmern der Fahrt ausgezeichnet. Hier hörten wir bereits den ersten Geschützdonner vom rechte» Flügel: zahlreiche deutsche Militärflieger über kreuzten die Bahnlinie. Ueber T.-F. erreichten wir gegen 4 Uhr nachmittags! N. Mangels einer Rampe konnten unsere Wagen hier nicht aus- geladen werden. Daraus wurden wir nach H. zurückbesördett. Inzwischen waren unsere Freiwilligen nach ihrem Bestimmungsort« abmarschiert. Wir entschlossen uns, noch am selben Abend die Kraftwagen zu beladen und brache»: gegen 10 Uhr zur Fahrt nach der Front aus. Es war eine stockftnstere Nacht, die Lampen unserer Wagen mußten im Sicherheitsintereffe gelöscht werden. Nur unter ungeheuren Schwierigkeiten war es möglich, durch die zerstörten und verlassenen Ortschaften den rechten Weg zu finden. Die Wege waren sehr schlecht, durch eingeschlagene Granate» vielfach zerstört, rechts und links durch ausgeworsnie Schützcngräbeit und Unterstände eingeengt. Alle Teilnehmer waren darauf gefaßt, jeden Augenblick vom Feinde beschossen zu werden. Mit einem Gefühle wirllichcr Erleichterung erreichten wir gegen Mitternacht den angeblichen Aufenthaltsort des Divisionsstabes unseres Regiments. Nach zahlreichen Erkundigungen bei den Wachtposten erfuhren wir zu unserer größten Freude, daß das ganze aktive Regiment 116 sich in F... befand, und am nächsten Tag einen Ruhetag hatte. Wir nahmen infolgchessen davon Abstand, die Führer von unserer Ankunst zu verständigen, entschlossen uns vielmehr, den Morgen abzuwarten. Da in dem völlig zerstörten Orte Quartiere sür uns nicht vorhanden tvaren und in den zerschossenen Gehöften die Truppen ruhten, verbrachten Vas Nlima in Salizlen. Witterirnqseinftiisse haben im Kriege von jeher eine große, oft eine entscheidende Rolle gespielt. Hier nur ganz kurz ein paar Beispiele: Casars Heer geriet bei Dtzrrho- ckximn in eine sehr üble Lage, weil Stürm« auf der Adrra lange Zeit hindurch die Nachführimg von Verstärkungen unmöglich machten: die spanisch« Armada wurde mehr durch Wind und Wetter als durch die englischen Schiffe vernichtet; der Große Kurfürst hotte die Schweden nicht bis hinter die Mauern von Riga jagen können, wenn ihm nicht strenger Frost erlaubt hätte, sein ganzes Heer in Schlitten über das gefrorene ttzurische Haff zu führen: ein besonders grimmiger Winter bewirkte die Auslösung der großen Armee Napoleons auf den weiten Schneegesilden Rußlands, und die Schlacht an der Katzbach hätte sich nie zu einer so vernichtenden Niederlage ausgewachsen, wenn nicht die schlesischen Gebirgsflüsse durch unausgesetzte Regengüsse zu reißenden Strömen angeschwollen waren. Heute, im Zeitalter der NMionenHeere, mit ihren langen und empsindlickrn Etappenstraßcn, der Lnftscistffe und Flugzeuge ist die Bedeutung der Wetterkunde für die Kriegsführung noch größer geworden, und deshalb unterhält jede neuzeitliche Heeresleitung auch einen sorgfältig geführten Wetterdienst und hat geschulte Fachmänner für diesen in ihren Stäben. Unter den gcgenwärttgen Verhältnissen drängt sich namentlich auch die Frage aus, ob es möglich sein wird, einen aussichtsreichen Winterfeldzug auf der Ostfront gegen R u ßlan d zu führen. Dort liegt die Haupt- entscheidüng jetzt in Galizien und den angrenzenden russi- schen Gouvernements von Südpolen, Wolhnnien und Po- dolien, und es dürfte daher intereffieren, etivas über das dorttge Klima zu erfahren. Da ist zunächst festzuhalten, daß von allen österreichischen Kronländern Galizien das weitaus strengste Klima hat. Es ist ein ausgesprochenes Festlandsklima mit heißen, aber kurzen Sonmiern, rauhen und stürmischen Herbsten, langen und harten Wintern, späten und launischen FrühÄngon. Beträgt doch die mittlere Jahres- temperatur in Lemberg nur 7,5°, in Krltnica gar nur öP°. Wichtig ist ferner, daß das Land keinen Schutz gegen die rauhen Nord- und Nordoscwinde hat, die es oft mit furchtbarer Gewalt durchtoben und erst am langgestreckten und hochragenden Walle der Karpathen sich brechen. Im Winter steigern sie sich oft zu furchtbaren, eisigen Schnee- sttirmen, die den menschlichen Verkehr aufs äußerste erschweren. Bistveilen setzen solch« Schneestürme schon sehr frühzeitig ein, so machten sie sich auch heuer schon bei der Wiederaufnahme der österreichischen Offensive störend geltend. Andererseits bietet gerade der Winter für die Bewegung großer Heereskörper mancherlei Vorteile, namentlich bei trockenem Frostwetter. Denn dann backt der ermüdende Mahlsand zusammen und wird hart, sonst unzugängliche Sümpfe und Gewässer erhalten eine feste Decke und sind leicht überschreitbar. Freilich müßten unsere Truppen für einen solchen Winterßeldzug, der sie bei siegreichem Fortschreiten bis zu Rußlands reichsten Kornkammern führen könnte, erst noch besonders ausgerüstet werden gegen die grirmnige Kälte des galizisch-podolischen Winters. Da bietet ihnen der ruthenisckM Bauer das beste Beispiel, der sich in einen einfachen Schafpetz hüllt, die Wollseite nach innen, die nur oberflächlich abgeschabte Hautseite nach außen. Schön sieht ja ein solcher Pelz nickst gerade aus, aber warm hält er und mollig ists in ihm, solange er noch nicht — von Ungeziefer winmrelt. Für die Füße ist eine Umwicklung mit Papier, wie sie von den dorttgrn Jägern schon lange geübt wiro, der beste Kälteschutz. Das unentbehrlichste Gepäck, Munition und reichliche Proviantvorräte müßten auf leichten Schlitten mitgefühvt werden, die die Mannschaften selbst zu ziehen hätten, auf denen sie dafür aber auch ihre Tornister miwerstauen könnten. .Kulturbund Deutscher Gelehrten und Künstler, Berlin, 21. Ost. Unter diesem Namen hat sich stn Anschluß an die Bestrebungen, die den „Protest an die Kulturwelt" gezeitigt haben, eine große Anzahl hervorragender Vertreter der Wissen- tcbast und Kunst vereinigt, um durch dauernde Verbindung mit Berufsgenossen und Freunden im neutralen Ausland den spstematisch ausgeftreuten Lügen und Verhetzungen unserer Feinde entgegcnzutteten. Jener Protest, der in zehn Smachen übersetzt worden ist und in tausenden von Briefen seinen Weg in die neutralen Länder gesunden hat, ist, wie viele Rückäußerungeil beweisen, nicht ohne ausstärmde und umstimmende Wirkung geblieben. Nun kommt es daraus an, diese Wirkung zu erhalten und zu vertiefen, indem unsere IntellekMellen ihren Kollegen ihre Hilfe behuss Feststellung der Wahrheit zur Versügung halten und ihnen Anregung und guten Rat bieten. Darauf wird besonders Bedacht genommen werden, daß dies in einer Weise geschieh, die von überredender Zudringlichkeit ebenso weit entfernt ist, wie von zlcichgülttqem Gewährenlassen. Daß durch gutgemeinte, aber verstimmend wirkende Belehrmigsversuche bereits viel gesündigt worden ist, steht außer allem Zweisrl. Hier bessernd einzugreisen, ist die Ausgabe des „Kulturbundes", der sich bereits zu einer sesten Organisation ausgewachsen hat und Mftglicder aller deutschen Unrversftäten und Akademien in sich schließt. Die Geschäftsstelle des Kulturbundes bestndet sich in dein Gebäude der Akademie der Wissenschaften Berlin NW. 7, Unter den Linden 38. Den Vorsitz führt der Anawm der Berliner Universität Proseslvr Waldever. Dem „Geschästsführenden Ausschuß" gehören neben dem Vorsitzenden an: Wilhelm o. Bode, Ludwig Fulda, Ernst o. Ihne, Prof. Max Liebermann, Prof. Franz v. Liszt, Prof. Ludwig Manzcl, Prof. Adolf Mrethe, Pro» Max Planck, Tr. Georg Reickc, Pros. Gustav Rüthc, Hermann Sudcr- mann, Prof. August o. Hvffermann. In den.Satzungen wird als Zweck angeführt, Lr die Vertreter von Kunst und Wissenschaft des neutralen Auslandes unwahre Gerüchte über das Verhalten Teutsclz- lands richtig zu stellen und die von unseren Kriegsgegnern begangenen Verletzungen des Völkerrechts und der Meuschlickzkeit zu beleuchten. » Berlin, 21. Okt. (WTW) Nichtamtlich.) Ter Vorstand des Verbandes deutscher Bühnenschrift- steller erläßt sollende Erklärung: „Die Zeitungen melden, die stanzösische Genoffenschoft dra- mvtischer Autoren und Komponisten habe beschlossen, deutschen Komponisten und Schriftstellern kein Honorar mehr auszuzahlen. Unter der Voraussetzung, daß diese Nachricht sich bestättgt, ermatten wir von den deutschen Bühnen und Theatecver- legern, daß sie auch ihrerseits keine Hoiwrarzahlungen mehr an stanzösffche Autoren leisten, solange bis jener Beschluß der Genossenschaft wieder aufgehoben wird. Der Borstand des Verband^ deutscher Bühnenschrrststeller: Max Dreher, Ludwig Fulda. Berlin, 21. Okt. (Prrv.^el.) Der ,Lok-Anz." meldet aus Berlin: Der Graphiker Jsmael Gentz, Sohn des Orientmalers Wilhelm Gentz, ist im Alter von 54 Jahren gestorben. Das Museum von Antwerpen bewahrt von ihm zehn Bleisttftporträts bekannter Persönlichkeiten auf. Auch mehrere deutsche Museen enthalten graphische Arbeiten von ihm. Stuttgart, 21. Okt. (WTB.) Der Liederkomponist Ludwig Wallbach, Ehrenmitglied des Stuttgatter Hof- theaters, ist im Mter von 82 Jahren gestortb-e n. wir wachend die ganze Nacht auf der Dmffstraße bei den Feldküchen. Unsere Tapferen >oaren mit dem Schlachten eines Schweines beschäftigt und bewirteten uns mit Wellfleisch und Kaffee. Die Feldküchen verließen uns gegen 4 Uhr morgens, um in gewohnter Weise den in de» Schützengräben liegenden Truppe« Suppe, Fleisch und Kaffee zuz,«sichren. Kurz vor ihrer Abfahrt erhob sich ein heftiges Geschütz- undGewchrfen er, das durch einen feindlichen Angriff hervor- gerufen wurde. Zwei Kilometer vor uns stand unsere Artillerie, und etwa 1 Kilometer davor befanden sich unsere Schützengräben. Trotzdem etwa 500 Meter von uns eine feindliche Granate krepierte — was bei uns recht eigenartige Gefühle auslöste — liehen sich unsere braven 1l6er in ihrem Schlummer nicht stören, und die Wachtposten bedeuteten uns, dah der Ort bisher lach ich zwischen 11 und 1 Uhr voin Feinde bombardiert worden sei. Wenige Schritte von uns konnten >nrr die Spuren der am Tage vorher ein geschlagenen Granaten beobachten. Gegen 6 Uhr morgens war der feindliche Angriff zurückgeschlagen, und unser Führer meldclc die Ankunft dcS Trmcsports bei Herrn Hauptmann von Penz. Die Truvven befanden sich noch im ttessten Schlafe. Nachdem sie aber Gießen« Stimmen vernommen und den Zweck unterer Ankunft erraten hatten, war alle Dtüdigkeit geschwunden und die Mannschaften erhoben sich von chrc« Lagern. Mit groß« Begeisterung wurden wir empfangen, von den Mannschaften aufs freudigste begrüht und init Fragen über die Heimat bestürmt. Biele Gieße nerBürgerssöhnekamenzuuns. um heimatliche Grüße entqcgenzunehmen. Unsere itwaftroagen wurden sosvrr durch die Mannschaften entladen und wir mußten sogleich zur Rückfahrt aufbrechen, um eine tveitere Ladung von unserem Standort H . . . «ckzuholen. Es wurde uns größte Beschleunigung anempsohlen, da im Laufe des Vormittags der Feind das Feuer gegen den Ort voraussichtlich wieder eröffnen würde. Bereits nach 2 Stunden trafen loir mit der zweiten Ladung wieder ein. Inzwischen war das Regimeitt zusammengezogen worden und die Verteilung der Liebesgaben an die einzelnen Kompagnien vorbereitet. Die Verteilung erfolgte sofort an die Mannschaften, da ein weiterer Aufenthalt in dem Orte unbestimmt war. Unter herzlicher Verabschiedung von Offizieren und Mannschaften, die uns unzählige Grüße anAngehörige und Bekannte in der Heimat auftrugen, traten wir unter Mitnahme der Postsachen auf dem raschesten Wege die Rückfahrt nach unserem Standort an, den wir glücklich erreichten. In R . . . wurden Lazarette ausgesucht, wo wir zahlreiche Massengräber besichttgten, in denen auch Angehörige unseres Regiments beigesetzt sind. Die Gräber waren gut angelegt, mit reichem Blumenschimick versehen und mit schonen Kreuzen nebst Inschriften versehen. In dem Lazarette selbst befanden sich nur Schwerverwundete. Auch hier wurden aus Betten der Lazarettvcrwaltung einige Liebesgaben abgegeben. Am Nächmtttag trafen wir unsere Vorbereitungen für die W c i t e r f a h r t zu den übrigen Formationen unseres Regiments. Wir fanden diese Nacht eine notdürftige Nnter- kuust in einem „Hotel", das allerdings diesen Namen kaum noch verdiente. Am 14. Oktober morgens gegen 9 Uhr traten loir nach erfolgter Beladung mit unseren .Kraftwagen die Weitersahrt in der Richtung L ... an. 8 . . . erreichten wir gegen 2 Ubr mittags. Es bot mit seiner hochgelegenen imposanten Zitadelle, wo die deutsche Kommandantur eingerichtet war, einen prächtigen Anblick. Wir erwirkten ln« zunächst unsere Ausweise zur Benzinentnahme. Dabei lourde uns bekannt gegeben, daß mit Rücksicht auf verschiedene Mißhelligkeiten, die beim Transport von Liebesgaben zutage getreten seien, Benzin nur noch gegen Bezahlung verabfolgt würde. In einer Nebenstraße stießen wir aus einen Transport von meh- rruen hundert Gefangenen (Franzosen und algerische Schützen), die wir in einer photographischen Ausnahme scsthielten. Aus der Weitersahrt nach. R. konnten wir von einer Anhöhe •»? das Toben eines Artilleriegesechts und die Beschießung eines sranzösischen Fliegers durch unsere Abivehrges-tchtze beobachten. Der Flieger entzog sich durch Hoherqehen der Geschoßwirkung. Mit dem Fernglas imattz mau von hier aus dre Sästacht- srvnt auf mehrere Kilometer beobachten. Drei Fesselballons standen vor uns. Nach kurzer Rast setzten wir die Fahrt über St. E. ßort, nachdem wir unterwegs noch eine Megersdation passiert hatten. Tags vorher hatte ein französischer Flieger versucht, diese durch Bomben zu zerstören, wobei es Tote und Verwundete gab Die Riegernunrnschasten waren eben an der Arbeit, sich durch Schaffung bombensicherer Unterstände gegen diese Angriffe aus der Luft zu schützen. Auf der Weitersahrt durchquerten wir einen großen französischen Exerzierplatz, wo noch die Spuren der kürzlich stattgemndeuen Schtacht zu erkennen waren. Gegen 7 Uhr abends erreichte der erste Teil der Kolonne R, wahrend der zweitt Teil infolge einer Panne erst gegen 10 Uhr noch Ueberwindnng großer Schwierigkeiten eintras. Mn großer Teil von R. bildet heute einen Trümmerhaufen, Erst nach vieler Mühe gelang es uns, in einem unversehrten Hause eiue Unter- rkmist zu siudeir. Unser Nachtlager bestand aus einigen Matratzen und Decken atis dem Fußboden. Verpflegt wurden nur cher in einem großen Kriegslatzirett. Am 15. Oktober früh morgens verließen wir R. in der Richtung aus R. Bon hier ging die 'Fahrt nach Al, wo wer beim Oberkommando erfuhren, daß das Reserve-Regiment -1116 nach einer anderen Stelle des Kriegsschauplatzes ab- sgerüctt sei, und unser Landwehr-Regiment sich in S. befinde. Nach kurzer Fahrt von äußerst schlechtem Weg erreichten wir das Landwehr-Regiment. Wir wunden durch 'den Kommandant nebst Stab miss herzlichste begrüßt und bewirtet, soweit Lcbensmttttl vorhanden tvaren. Hier ttasen wir zahlreiche Krieger aus Gießen, die über unser Erscheinen -außerordentlich erfreut waren. Wir horten hierbei, daß unser aktives Regiment, wie auch unser Landwehr-Bataillon bisher noch keinerlei Liebesgaben erhalten hatten, während andere Regr- -menler und 'Bataillone bereits mit Liebesgaben bedacht worden waren Ja einige erklärten, es sei von Mehreren bereits die Befürchtung laut geworden, die Gießen« hätten ihre 116er vergesse» Tie Liebesgaben übergaben nur dem Komnmndeur, Gras von Schliefsen, toelcher die sofvrttgr Berteilung an unser Bataillon veranlaßt hat Die Berteilung mußt- auch hi« sofort «orgenommen werden, da es zweisei hast war, ob das Bataillon rwch weit« i» dieser Stellung bleiben würde. Bon den Mannschaften wurden in erster Linie Strümps« und wollene linier lachen begehrt: «st in ztvcit« Linie Zigarren, Tabak, Lebensmittel und Achtungen. f Gegen 5 Uhr nachmittags hatten wir uns unser« Aufgabe entledigt, und unt« Herzlickzen Llbschicktzqrüßen oeAceßen wrr die Truppen, um noch vor Eintritt d« 'Dmikelhert B. m «- veichen. Hier verbrack>ten wir die Nacht vom 15./16. Oktober in einem Privatquartier und setzten am nächsten Morgen tute Rückreise üb« M. fort. Dort waren zahlreiche gefangene Franzosen mit deni Bau d« neuen Ilmgehungsbahm beschäftigt, dir infolge Sprengung des großen Tunnels nötig geworden ist. Gegen 2 Uhr kamen wir in L. 16. Bayr. Fns.-Regt., aus Hungen. ** Kriegsfürsorge dar L-an des verficht«- rungsanstalt. Unr den Transport der Verwundeten aus der Front nach den Lazaretten gn erleichtern und zu beschleunigen, nmrdeu der Grojrherzogiu 30000 Mk. seitens der Landesversicherungsanstalt des Groß- >>erzogtrnlls Hessen zum Arckauf und gta Ausstattung zweier Autos zur Berfügung gestalt. Die Firma Opel rüstet diese Autos fchleutsigst xweckentsprecheud ans, damit sie schon in den rnichsten Tagen der hessischen Dwrpau x» Dienste« stehen. ** Ergebnisse das stlädlischfeu Vaswerks im Rechnungsjahre 1913, Das Werk hat sich im Rechnungsjahr 1913/14 he friedig-eud weiter entwickelt. Die Gefamtgasabigabe stieg aus 2292550 Kubkk- rneter und übrrtrrfft danrit che des Vorjahres nur 111670 Kubikmeter oder 5^12 Prozent. Bon der abgegebenen Gas- mmge entfallen auf: Lencht-> .Koch- und Heizgas 1618575 Kubikmeter (1543 451 Kubikmeter im Vorjahr), Motoren- tmd Jndustriehcizgas 116 765 Kllbikmeter (115163 Kubikmeter), Ballongas 2520 Kubikmeter (3430 Kubikmeter), Straffenbeleuchtüng 310052 Kubikmeter (286 401 Kubid- meter), Selbstoerbrauch Verlust und Verdichtung 244 638 Knbiknceter (232435 Kubikmeters. Am 1. Aprll 1914 waren 4694 Gasmesser mit 20 633 Flammen und 15 Gaskrafb- maschinen mit 75 Pferdestärken vorhanden. Die Straherl- laternen wurden um 9 vermehrt. Ihre Zahl beträgt 938 mit 980 Flammen. Die Straßenbeleuchtung erforderte 45 189,65 Mk. für Gasbeleuchtung und 186,56 Mk. pir Pe- trcheumbelenchtung. Petroleumlaternen waren am Schlüsse des Berichtsjahres nicht mehr vorhanden. Eine Nackffläterne brannte im Jahre 3889 Stunden und kostete einschließkich Glühkörpererfatz usw. 72ch5 Mk., eine Wendlaterne brannte nur 1856 Stunden und kostete nnt allem 43,80 Mk. Zu der Herstellung des Gases wurden 7511 Donnen G«S- kohlen verbraucht. Am Schluff« de« Jahres waren auf dem Gaswerk noch 1377 Donnen Kohlen vorhanden. Aus einer Tonne Kohle wurden aewvnnen: 305,4 Kubikmeter Gas, 706,0 Kilogramm KoS, 56,5 Kilogramm Teer und 2,62 Kilogramm MntmoniaL Me Länge des Hauchrohrnetzes betrug'am Schüusse des Jahres 42615 Meter, ch» der Haus- tmd Laternenzrüertungen 21979 Meter. Der Heizwert des Gases berechnet sich im Jahresdurchschnikt auf 7544 Kalorien bei 0° Celsius und 760 Millimeter Barometerstand. Das spezifische Gewicht war durchs chrü ttllch 0,412. — Der Reingewinn von 1294129,31 Mark ist um 20 329,31 Mk. günstiger als im Voranschlag'vorgesehen und um 17 606,83 Mk. hoher als im Vorjahr. Der Bruttoge- tv-iun beträgt 183103,15 Mk. Die Schttld des Gaswerks betrug am 1. April 1914 noch 574 310,50 Mark gegen 578638,24 Mk. am 1. Aprll 1913. **ErgebnissedesstädtischcnWasserwerks im Rechnungsjahr 1913. Der Ergutz der Quellen bei Großen-Buscck und im Stadtwalde, sowie die Forderung der Pumpstation Queckborn hat im Rechnungsjahre 1913/14 gegen das Vorjahr um 39 826 Kubikmeter — 2,20 Prozent zugenommen. Die Mehrabgabe von Wasser an Private betrug 36055 Kubikmeter = 2,66 Prozent, der sogenannte Verlust berechnet sich um 23 030 Kubikmeter — 9,55 Prozent niedriger als der des Vorjahres. Die stärkste Abgabe in virr- undzwanzig Stunden betrug 7140 Kubikmeter, die geringste 3136 Kubikmeter. — Die Länge des Hauptrohr- netzes und der Zubringerleitungen betrug am Schlüsse des Jahres 94 398 Meter mit 3261 Kubikmeter Rauminhalt; es waren 13 öfsentliche Bcntilbrunnen, 2351 Haus- und Gartenanschlüsse und 354 Straßenhydranten, davon 63 Oberflurhydrantcn an die Wasserleitung angeschlossen. Das Dorf Queckborn, das bekanntlich Wasser von der Stadt Gießen unentgeltlich erhält, zählt 124 Hausanschlüssc, 3 Beutilbrunnen und 13 Hydranten. Di« Arbeitsleistung der vier Pnuipmaschrnen in Qüeckboru berechnet sich auf 11048 Stunden, die durchschnittliche Llrbeiislcist'.mg für den B?triebstag war 328,48 Millionen Kilogramm/Meter. Der Kphlenverbrnuch für 1 Wasser-Pserdcstarkc betrug 1,16 Kilogramm. — Das Wasser wurde wieder fnuvcab chemisch und lakteriologisch uniersucht, es war imnter von cinivandfreier hpeschasfenheit. Das wirtschaftliche Ergebnis ist wieder z u s r i e d e n st c l l c n d , der Reingewinn von 54 261,96 Mark ist um 23 261,96 Mark höher als im Voranschlag vorgesehen. Der Bruttogewinn beträgt 150540,51 Mark. Die Schuld des Wasserwerks betrug anl 1. April 1914 1 422 716,59 Mk. gegen 1280 238,93 Mk. am 1. ?lpril 1913. Z e i t g c s ch i ch t l i ch e r V v r t r a g. Wir machen uns den Borlrag des Prosessors Dr. Schi an: „Die Gerechtigkeit gegenüber uns eren Feinde n", der heute abend 8c/i Uhr in der neuen Aula der Universität stattftndet, nochmals Mismerksam. Der Ertrag ist wiederum zum Besten von Hinterbliebenen im Felde gefallener Gieße- ner bestimmt. Kreis Alsfeld. O Ruppertenrod, 21. Olt. Tic dritte Sammlung für das Rote Kreuz betrug 330 Mk., zusammen mit den früheren Beträgen und Kollekte» für unjere Krieger im Felde 1608 Mk. Ter hiesige Krieneroerei» bewilligte in feiner letzten Versammlung für jedes Mitglied im Felde 5 R!k. und inr das Rote Kreuz 20 Riark. X Ober-Ohmen, 21. Okt. Aus unserer Gemeinde hat der Krieg schon schwereOpier geiordert. Sechs Krieger haben t«n Heldentod iiirs Vaterland crlitlen. Davon wurde Albert M a g e l, der einzige Sohn des Gastwirts und Kaufmanns Magel hier, der Stolz und die Hoffnung seiner Eltern, in hcimallicher Erde auf dem hiesigen Friedhose bestaitet. Durch den Huffchlag eines Pferdes im Gesiebte schwer verletzt, bekam er noch Typhus hinzu und verstarb in, Lazarett zu Aachen. Dem Vater gelang e§ mit Hille des hiesigen Pfarrers Fung, der mit nach Aachen reifte, die Lerche ieines Lohnes hierher zu schassen. Unter erncn, sehr großen Trau«geiotge wurde jetzt der junge Krieger bestattet. Hessen-Nassau. in. Kirchhain, 21. Okt. A»S unserer Stadt stehen im ganze» bei der Armee und Marine, niit den aktiv dienenden Mannschaiten, den eingezoqencn KrieaSsreiwilligen, Reservisten, Landwehr- und Landstnrnnnännern 187 Soldaten im Feld. Als verwn-det, v«mißt und tot sind 40 gemeldet. Das Eiierne Kreuz erhielten der hier geboren« Sergeant K. B ä h r bei der Maschinenaewehrkompagnie des Jnsantcrie-Reglments Rr. 112, sowie der Unterosfizrer K. Stcrmer von hier im Feldarttllerte- Regiment Nr. 3. b. Blessenbach bei Wsilbnrg, 21. Okt. Lehrer Adolf Arnold «Einjährig-Freiwisisger bei der Maschinengewehr-Abteilung des Fnsanlerie-Rcginrents Nr. 83) starb den Ehrentod sürs Vaterland. n. Ueberntal bei Herborn, 21. Oft. Dem Lehrer R. Maurer wurde das Eiserne Kreuz verliehen. Derselbe ist Unterosfizier und liegt verwundet in Bad-Nauheim. s. Simmersbach, 21. Okt. Zwei Söhne unser« Gemeinde, Reinhard Blech er und Wilhelm Schmidt, wurden mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. d. Oberursel, 21.Okt. Für die in hiesigen Lazaretten v«- storbenen Krieger wurde ant den, Friedbos von der Stadt etn Ehreniriedhos eingerichtet. Als erster Krieger wurde heute unter sehr starker Beteiligung der Reqierunqsbanmeister und Leut- nanr Hieronymi aus dem Ehreniriedhos bestattet. Wärktr. TC. Wiesbaden. Vlshh.s-Marktberiqt oom 21. Oft 5Wttrfefe: Rinder b>> tOchsen 26, Bullen 6, Küb« und Färsen 24), Käld« 92, Schaf« 1r6, Schwe i n« 3)5. Geschäft mittel. Och sen. 3amc, fWWrfoe, nicht «-»gemästete nutz älter« «uSgemäftrt-............ Mäßig genährte jung« und gut gv» genährte älter«........... Bul l« n, BokMeischig«, m,«gen», höchsten Dchlachtw. . . Vvllfleiichig«, jünger,..........40—46 Färsen. Stil (je. kolkstestchig« miSqemäsiete Küh, höchst«, Schlachtwertes dr» zu 7 Jahr«,..... Wenig gut entwickelte Färsen....... Aeitere a»»gemäst«tr Kühe....... Kälber, Feinste Maslkälder........... 80—84 Mittler« Mast- und beste Saugkälber . . E ch als. Wetdemastschaie > Maftlämmer und Masthammel.... 4b,»i Schweine. r»Vst»tfcht>e Lchw«tn» von 80—100 !ra Lebentz- Preisestlr 100 Pst», Lebend» Schlacht gewickit Rk. Mk. 48—52 89—98 LS—48 80—87 47-50 40—45 82—87 70-8U 38—48 47—50 33—37 72—87 85—02 65—76 60—84 52—58 100—107 87-94 >—00.00 92-00 59X-S1 57-58 7« 77 73 74 60'/, 83 67X-50 64—00 70-77 73-73 68-00 steiichtge Schwein, unter 80 Kx Lebendgewicht Bovstetjchig« Schwein« von 100—120 K? Sebentz» gewicht..............60*/, 62 Fettjchweine über 150 tzx Lebendgewicht ----- unreine Sauen und geschnittene Eber . Limburg «. d. L»st«. 21. Okt. Fruchtmark!. Durch- IkhutttLpref» pro Malter. Roter Weizen lNaffau,scher) 31.25 tzich, weißer Weizen sangebaute Fremdsorten) 20,75 »Ik, Korn 17,00 Mk, Gerste (Futter) 0,00 Mk.. Braugerste 0,00 Mk, Haler 11,10 Mk., Erbsen 0/)0 Mk, Kartoffeln d« Ztr. 3,01-0)00 Mk , Butter das Psund 1,15 Mk, Eier das Stück 10 Psg. MrchUche Nachrichteu. 2rraeiitisch« Setiyioasgemeintze. Wttttüirnst in der Svnaqoq« (Süd-Anlage). EamStag. den 84. Oktober 1 S 14 : vorabenb: 6.00 Ui>^ M org ««»: st.stv Uhr. Nachmittags: S.30 Uhr. Lchrifterkkäruug. SabbatauSgang: 8.05 Uhr. Irraeisiische Rekigi««sesrllfchaft. HotterdieNst. Sabbatieier am 34. Oktober 1 S 1 4: Freitag abend 4.50 Uhr. Samstag vormittag 8.50 Uhr, Samstag nachmittag 3.30 U hr. Sadbat-AuSganq 8.05 Uh«, WochengotteSdienst : Morgens 8.30, abends 4.30 Uhr. Meteorologische veodachtungen der Station Siehes. Okt. . 1114 fc-l S 1 ^ •Hä O 3 p • 5 3 - Zß -5 •sf s c to C 3 8f v5 3 ä c i iM ©li« A Wen« 21 J 746,7 12,0 9.0 88 8 2 10 Dunst 21. 9» 747,3 96 8.5 95 8 2 10 Regen 23. 7 i 747,8 6,9 7,2 97 E 2 10 Nebel Höchste Temperatur am 20.-21. Okt. 1!>U = + 12,8 C. Niedrigste , , 20.-21. . 1S!4 = > 7,8', Niederschlag: 3,3 mm. Vercnttwortlich sür „Feuilleton", „Gerichtssaal" u. „Brrmychrcs": I- V-: August Gvctz. Amtlicher Teil. Bekanntmachung der für die mrSgehstzenen Lanösturinpflichtigen geltenden Bestimmungen, 1. Für die aa&gdjobatax LandsturmPstichügen gelten vom Tage der Aushebung an die für die Dbannschaften der Landwehr ^Jeewchr- bestehenden Bestwmvmgen, 2. Da mrsqehodenen Landsturmvflickckigen treten in die ÜTnn» troSr der ^ezärksselbwebel dos ÖauvtmrLeanlls li>-e,en, des Melde- antts Alsettd oder der BeztrkSkomvagnie Sihottcm, Sie sind ver» LasrnÄwVsverändervng nmeihalb 48 Stunden ihrer Hontroklstckle amg-zetgen und sich heim Berti ehen in einen anderen LantroWesirk bei der dortigen SontroU stelle innerhalb 4d Stunden «resnmeüWL Die Meldungen können mündlich oder schrrirlnb durch den prr Metduiig ÄerErchtelen selbst erfolgen. Bei idnrtkkichen Melduw»m üt Datum und Ort der Geburt, sonne der frühere Wohnort ir»d der Wohnort, für den die Anmeldung erfolgt, genau anMgeben, Zwoiderhanüdingen iverden noch den Mrlltärgösttzen bestraft, 3. Dir nächsten nri l iköv if che n Borgesestken der -ungebildeten LandsdrnnrLlichtigen sind die Aeldwebel des Lmnvtmeideaints, des Meldeamts oder der Bezirkskomvoante und der Bezirkskommandeur, savrr deren Stellvertreter, Dir Mannschaften haben lnenillickien Befehle» ihrer Vorgesetzten, öffenllühen ?luffori»ernngen und Gestellungsbefehlen unbedingt Folge zu leisten. Ilm dienstlichen Verkehr nÄden Vorgesetzten fach sie der militärischen Disziplin unterwarf». 4 Ba_Ädkiagrmrg dieusLicher Gauche und Beschwerden sind die ausgehobenen Landsturnrpsltchtiqer, vervflichta, den vorge- ichriebenen Dienstweg eimachalten Gesuche sind an den Bezrrks- feldmebg der Do»trvllftelle xu richten, Beschwerden dem Bezirks- konrmandeirr vorzntraqeu: richtet sich di- ’5cH»on6e gegen diese-. so ist sie bei dem Bezrrksadjutanten airiubrrngen Die Beschlverde darf erst am folgenden Tag« oder nach Berbühuug einer etwa verhängten Strafe erhoben und muß innerhalb eurer Frist von 5 Tagen angebracht werden, 5. lieber etwa stattfindende Kontrollverfamuckiurgem ergeht besonderer Befehl. 6. Ausqchobene Lcrndstvrmftllrckchrge wnnen ungehindert verreisen. baden jedoch der Kontrollstelle den Antritt her Reise und die Rückkehr zu melden, sobald die Reise länger als 48 Stunden dauert Bei jeder Atmeeldung Mir Reise hat der Betreffende -n- zugebeii, durch welche dritte Person während seiner Abwejenheit etwaige Besehle an ihn besördert werden kräine», Sr blecht irdoch der BiüitärbehSrde gegenüber allein dafür oevaulwvrlUch, da» ihm jeder Befehl richtig zugeht. 7. Ein Nebertritt vom ersten ziun stortten Ainimdok sowie em Ausscheiden aus dem Landsturm findet bis zur Auflömng des Landsturms nicht statt. 8. Die vorstehenden Bestimmungen gelten für die ausgebobenrn LandidirnrvfliL-ttgen bis zur Asiflösirng des Landsturms. Ämter« Auskünfte werden durch dir Bürgern»'ntewkn und die Detzkrls- sttdwebel erteilt Naumann. OberMentnant und Brytrcksloimmricheur. An dcn Oberbstrgermtistrr der Stadt Gietzen und an die Grohh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises. Obige Bekanntmachung wollen Sie in geeignet erschemender Weste den Laichsturnryflickstigen bekannt geben und ihnen aus Anfordern Einsicht gestatten Gietzen, den Id. Lftober 1814. Kroßherzogliches Kreisamt Kietzen, I. V,: Hechler. BefauntMdckMUg Batr,: Den Ausbruch der Maut- n»d Klauenseuche in Weickartshain, Die Gemarkungen Stoimaa»itr. 14 . Woduana. IX Etage, von 5 Zimmer »ebft Bad mit Zabehör »evlerstratze 11 p. sofort zu vermieten. 110231 Abermnnn k Kling. 3 Zimmer Schi« Himmtioljn. mtt Ga» a. abgeicht Korridor j. orrm. >,».,) MäuSburg 3. 07333s 2-Z.W. w,Ga» u, all, Zubv.sotz» r Lodtvigstr.40 \ 2 Zimmer 8 wif 2 » 3 ii«fnMiiwi billig» orrm, htshbrStr.l. tmr | Verschiedene | Sdnne 3 Zimmer i. Winmer-loliMBg zu vernüetea Näh, Bletch- strad« 14, L- Hab». I104R? "738212 ft Gamilicnlogis z. »ftnttrtm Reuen Bau e 7. 071331 St» 9Mi« zu «erm Dd. Sogt. LStvengaffe 18. Älfine 8-hinuiz LS Person zu »erm,ei. bei Lu\ S4hH», Dtnig.l. f07v j Möbl. 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