164. Jahrgang Nr. 243 nWjcitu Sowöcm«. - Sleü#s«n: viermal w Leben tttch OichenrrLamilleiidlätter. (DienStag undFretiag); zweirnot mvnall. linib »iktiehastliche seitffag«» Fernsvrech - Aoschtüste; tüedieSchriftteitunßHS Lert»g,8eschästsstell«51 Adresse Ktr Drahtnsch- rtdjint Lnr«i,rr«rHe». JnMt'i« v«t 2»zki,r» fftt 6*< bis »ermttlaq? s Uhr. Erstes Blatt Freitag, lb. Gttober General-Anzeiger für Oberhessen Bezug»» rer y. monatl. 75 Ps» Diertet* jährl. Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatl 65 Ps.; durch diePost Mk.2.— oiertel- jährt. ausscht. Bestellq. Zeilenpreis: lokatlSPs,, alisw. 20 Ps. — Haupt- schriitleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich iür de,' polit. Teil; Aug. Goetz; für .Feuilleton', .Vermischtes' und.Gerichts- saal": Karl llicurath; iür .Stadt und Land": Ott« Braun; sür den 8»taff»irrönttk >nb Verlag -er vrühl'schen Unio.vuch- und Zteindrockerei 8. Lange. Schriftleitung. Seschästsstclle u. vruckerei; Zchulstr. 7. Anzeigenteil:' H? V-ck. Die AntwerpenerZiegerbeute. Deutsche Truppen vorwarschau. Diplomatische Dlotzstellung Englands. -WTB) •r»fe5 ß&virttvartier, 15. Olt, mittags. fRortlich.) Sei Antwerpen wurden int ganzen 4000 biS 5000 Gef«ngen e gemacht. Es ist anzunehmen, daß in nächster Zeit noch eine große Zahl belgischer Soldaten, die Zivilkleider angezogen haben, dingfest gemacht werden. Nach Mitteilungen des KoafirlS in Lernen»en find etwa 20 000 belgische Sollten nnd 200 Engländer ans holländisches Gebiet Lber»etreten, wo s« entwaffnet wurden. Ihre Flucht muß in größer Hast vor sich gegangen sein. Hierfür zeugen Massen weggeworfener Kleidersäcke, besonders von der englischen Royal- Laval-Division. Die Kriegsbeute in Antwerpen ist groß: Mindestens 500 Geschütze, eine Unmenge Munition, Massen von Sätteln und WoylachS, sehr viel Sanftäts- material, »obkreiche Kraftwagen, viele Lokomotiven und Waggons, 4 Millionen Kilogramm Getreide, viel Mehl, Kohlen, Flachs, für l0 Millionen Mark Wolle, Kuvscr und Silber im Werte von einer kalben Million Mart, ein Banzer-Eisen- bahrrzug, mehrere gefüllte VervffegnngSzügc, große Biehbestäiche. Belgische und engffsche Schiffe befanden sich nicht mehr in Antwerpen. Die bei Kriegsausbruch im Hafen von Antwerpen befindlichen 24 deutschen Dampfer und 3 Segler sind mit einer Ausnahme vorhanden, jckoch sind die Maschinen unbrauchbar gemacht. Angebohrt und versenkt wurde nur die „©rtefViuru" des Norddeutschen Lloyd. Die große Hafen- s ch l en s e ist intaft, aber zunächst durch mit Steinen beschwerte versenkte Kähne nicht benutzbar. Die Hafenanlagrn find unbeschädigt. Die Stabt Antwerpen hat wenig gelitten. DieBevSl- kernng verhält sich ruhig und scheint froh zu sein, daß die Tage d«S Schreckens zu Ende sind; besonders, da der Pöbel bereits »u plündern begonuen hatte. Die Reste der belgischen Armee hoben bei Annäherung unserer Truppen Gent schleunigst geräumt. Die belgische Regierung, mit AnS- nochme des KriegSmimsteriumS, soll sich nach Le Havre begeben Angriff« der Franzosen in der Gegend von Albert wmden unter erheblichen Berlusten sür sie abge- wiescn. Sonst sind im Westen keine Deränderungen. Im O st en ist der russische, mit starken Kräften unternommene Vorstoß auf Ostpreußen als gescheitert anzusehen. Der Angriff unserer in Polen Schulter au Schufter mft dem österreichischen Heere kämpfenden Truppen beffndet ffch im Fvrffchreiten. Unsere Truppen stehen vor Warschau. Ein mit etwa 8 Armeekorps aus der Linie Jwangorod— Warschau über die Weichsel unternommener russischer Borstoßwurde aus der ganzen Linie unter schweren Verlusten sür die Russen zurückgewor- s fit. Die in russischen Zeitungen verbreiteten Gerücht« über erbeutete dcntschc Geschütze entbehren jeder Begründnua- Als wir gestern abend die ausführliche Meldung d urch ein Extrablatt den Gießener Lesern bekannt gaben, da war des Jubels kein Ende. Män kann von einem gelinden Sturm auf unser Geschästsgebäude sprechen, so daß wir eine strategische Stellung einnehmen und dem nachdrangenderr „Feind" den Durchgang durch unsere 2lrbeitsstätte gestatten mußten, wobei die Verteilung der Extrablätter vorgenom-, lmen wurde. Zwar sind die Kämpfe in Flandern noch nicht abgeschlossen, »nd die Zahl der Gefangenen wird sich noch vergrößern, indeffen ist die überguellende Freude über den Sieg vollauf berechtigt. Reiche Schätze, die wir zur Kriegs- füknunq gut gebrauclien können, sind in Antwerpen zurückgeblieben, der Verlust vvn 500 Geschützen bedeutet für die Belgier, soweit sie noch im F-elde stehen, völlige Wehrlosigkeit. Mag die belgische Regierung, die sich nach Le Havre geflüchtet hat, in einem Aufruf mi die Bevölkerung auch große Worte gebrauchen Vvn „schneller Revanä,«". die in Verbindung mit Franzosen und Engländern genommen werden solle, mag auch ein hochtrabender Telegrammwechsel zwischen dem Präsidenten Poincars und dem belgischen Ministerpräsidenten stattgcfunden Haben, in bem betbejufj itcxfi immer die eitle Hoffnung auf den endgültigen Sieg vorspiegelten, — das ändert nichtis daran, das; auf der Landkarte jetzt denftvürdige und endgültige Verschiebungen eintreten. Das belgische Parlament darf unter deutscher Oberhoheit sich demnächst zu Beratungen zuscrmmensinden, und es wird nach wie vor dafür gesorgt lverden, daß das unglückliche, durch die verkehrte Politik seiner Regierung ins Verderben gestürzte Volk Vertrauen zn Deutschland und seinen Maßnahmen faßt. Im Leitartikel des vorliegenden zweiten Blattes ist zu ersehen, daß Antwcrven in wackfen- dem Maße Vorteile aus der Handelsverbindung mit Deutschland zog während der englische Handel in der Seestadt an der Schelde einen Rückgang zu verzeichnen hatte. Heute schon verlautet aus den holländischen Orten, wo Engländer und Belgier entwaffnet worden sind, daß belgische Offiziere sich geweigert hätten, ihre englischen Kameraden zu grüßen, und es heißt, daß die Söhne Albions ff, ivilder Auflösung auf der holländischen Bildfluche erschienen seien, ivährend die Belgier wenigstens ein gewisses Wah äußerer Wurde ffch bewahrt hätten. Mag man davon halten, was man wfll, die Tatsache steht jedenfalls fest, daß England auch bei seinen Bundesgenossen an Shrnpathie verloren hat. Wie wenig Grund siir Frankreich vorhanden ist, nunmehr seine Hoffnungen auf die Mitwirkung der Russen zu setzen, beweist der neueste Stand auf dein gesamten Kriegstheater des Ostens, wo jetzt mit der Belagerung und Beschießung von Warschau ein neuer Akt beginnen wird. Mit welchem Groll, niit welchem tiefen Haß gegen England müßten wir jetzt die von der „Nordd. Allgem. Ztg." veröffentlichten Enthüllungen (s. 2. Bl.) lesen, wenn es den vereinigten Feinden gelungen wäre, aus ihrer Verschwörung gegen Deutschland auch kriegerische Erfolge zu ziehen. So studieren wir die ans Tageslicht kommenden Briefe und Aktenstücke nur mit einem Gemisch von Ekel und Verachtung. Wir wissen jetzt für alle Zeit, woran wir mit England sind! Ein wenig Heuchelei war bei ihnen allemal mit im Spiele, das war uns lange bekannt, aber ein solches Maß von verräterischer Falschheit, wie es jetzt für die Oeffentlichkeit der ganzen Welt aus den Men hervorgeht, das übersteigt doch die kühnsten Begriffe machiavcllisttscher Auffassung. Im Anschluß an die Thronrede des Königs Georg hat der leitende englische Minister Asguith im Unterhaus am 10. Riärz 1813 noch ausdrücklich erklärt; „Die politisch« Gruppierung der Mächte ist unverändert geblieben. Weder zu Fraukreich noch zu Rußland sind unsere B^ieherue gen weniger herzlich oder weniger innig, atz? sie es vorher waren." Asguith berührte auch das Zusammenarbeiten mit Deutschland und erllärte: „Dieses Zusammenarbeiten hat nicht nur den.Weg der Diplomatie angenehmer gestaltet, sondern es hat — das ist unsere feste Ueberzeugung — auch gegenseitiges Vertrauen hervorgerufen, das zwi- irbeii den beiden großen Rationen andauern wird." Und der Marineottnister Churchill, der die Marine-Konferenzen mit Frankreich und Rußland in der Stille anbahnte, hat ebenfalls erklärt: Großbritannien und Deutschland haben die Ueberzengung gewonnen, daß es beider Wunsch ist, den Frieden zu erhalten. Freilich hat sein „Weltfeiertags"-Pro- gramm in Bezug auf den Ausbau, der Flotten bei uns kein volles Verständnis gefunden, seit unsere Regierung, wissen mußte, daß auch Rußland am Werke war. Ein Glauzpunkt der russischen Heimtücke und Ber- sdellungskunst ist der in der Veröffentlichung der „Nordd. Allgem. Ztg." zitterte Ausspruch des „friedlichen" Sasonowr „Die Idee von einer russisch-englischen Marinekvnserenz existiert nur in der Idee des Berliner Tageblatts und im Mond." Es sind also nicht nur einzelne Männer, ivie Gr e tz der freilich das Haupt der gegen Deutschland gerichteten Verschwörung war, Jswolskv und der Großfürst Nikolaj Nrko- laiewitsch, denen die Schuld am Kriege zuzuschreibcn ist, nein, mitverantwortlich und mitschuldig in hohem Maße sind auch die Wölfe im Lamm sfell, namentlich in England, die jetzt die Parole ausgeben, es handle sich um die Vernichtung des preußisch-deutschen Militarismus, der dem Weltfrieden gefährlich geworden sei. Eine hohe Befriedigung nehmen wir aus den neuesten amtlichen Veröffentlichungen, daß wir anscheinend in London einen Diplomaten hatten, der das Ränkespiel rechtzeitig durchschaut und sich durch zeitig« War- nungen um das Reich ein unsterbliches Verdienst erworben hat. Ter deutsche Vormarsch an die belgische Küste. A m sie r d a m, 15. Okt. (WTB.) „Nieuws van den Dag" meldet aus Terneuzen; Deutsche Truppen, die nach Tausenden zählen, seien durch Selzaete nach Westen vorgerückt. In Selzaete sei ein Ausruf erlassen worden, daß alle Männer zwischen 18 und 45 Jahren sich binnen zwei Tagen anmelden müßten. Heute früh wurde Affeuede besetzt. „Nieuws van den Dag" meldet weiter: D p e r n wurde durch die Deutschen vollständig umzingelt. Ein Strom von Flüchtlingen, die sich auf Idem Wege nach Calais befinden;, weist aus den allgemeinen Vormarsch der Deutschen nach der Küste hin. Rotterdam, 15. Okt. (WTB. Nichtamtlich.) Der „Nieuwe Rotterdamsche Couraul" meldet aus A a r d e n - bürg; Tie Deutschen besetzten die Brücke bei Stroo- brugge an der holländischen Grenze. Ströme von Flücht- lnigcii kommen in Seeländisch-Flandern an. — Aus Rosen- daal wird gemeldet; Morgen beginnt wieder der Bahnverkehr nach Antwerpen. Kopenhagen, 15.Okt. (WTB. Nichtamtlich.) „Ber- lingske Tidende" meldet aus London: Ein englischer Korrespondent hat in Vcurne (Feuernes) Bortruppen des von Antwerpen kommenden belgischen Heeres angetroffen. Reisende, die gestern von Ostend« kamen, beobachteten einen heftigen Kampf bei Oestdunkerke dicht am Meere. Ter Reichskanzler in Brüssel. Brüssel, 15. Okt. (WTB. Nichtamtlich.) Der Reichskanzler hielt gestern mit dem Generalgouverneuer Frhrn. v. d. Goltz und dem Ehef der Zwilverwaltung, ExzellenÄ v. Sandt, eine Besprechung ab und begab sich heute nach Antwerpen. Der Reichskanzler kehrt morgen in das Haupt- quartter zurück. Tie belgische Kammer unter preußischer Oberhoheit. Stockholm, 15.Okt. Aus London wird gemeldet, daß der deutsche (tzeneralgonverneur in Brüffcl den belgischen Kammern Gelegenheit geben will, nach den verfassungsmäßig geltenden Vorschriften während aus^rord- dentlicher Umstände zusammenzutrcten, mit Rücksicht auf di« Lage, Beratungen abzuhalten und ihre WünscheüberdieprovisorischeRegierungdee Landes vorzutragen. (Voss.ZiA) Die englische Marinebrigabe. Rotterdam, 15.Okt. In den englischen Häfen Deal und Walmor ttafen am Montag abend mcl>r als 5 0 00 Mann der englischen Marrnebrigade aus Antwerpen unverichrt ein. Sie wurden von Müttern, Frauen und Bräuten lebhaft begrüßt. Ungeduld in England. Kopenhagen, 15. Okt. (WTB. Nichtanrtlich.) „National Tidende" meldet aus London: Man ist hier nicht geneigt, die Bedeutung der augenblicklichen Lage zu unterschätzen, doch herrscht in geivissen Kreisen Ungeduld/ daß nicht schnellere Fortschritte gemacht werden, und daß die britische Flotte noch nicht in der Lage war, einzuschreiten und einzugreifen. Eine Erfindung des „Temps". Parts, 15. Okt. (WTB. Nichtauttlich.) Der „Temps'' dthauptet, daß Deutschland alle Männer untetj fünfzig Jahren zu den Waffen ruft. Prinz Wilhelm zu Wied in der Front. Berlin. 15.Okt. (WTB. Nichtamtlich.) Prinz Wilhelm zu Wied ist als Major ä la suite dem Gcnerälstab zugeteüt und zur Front ab gegangen. Türkische Entrüstung über die Lügen unserer Feinde Koustan tinopel, 15.Okt. (WTB. Nichtamtlich.) llm zu zeigen, wie sehr die Engländer, Russen'und Franzosen' die öffentliche Meinung der Länder täuschen, gibt der,Lk- dcrm" aus dem Turkcster Blatt „Sada-i-Tasken" (Stimme von Tasthkend) vom 29. September eine Menge falscher Nachrichten wieder, zum Beispiel, daß die Russen siegreicki gegen Berlin und Wien vorrückten, daß die Deutschen in Belgien vernichtet und die Franzosen auf allen «eiten in deuffchos Gebiet eingedrungen jeien, Haß die englische Flotte glänzende Siege errungen habe und daß. die Muselmanen der ganzen Welt einen außerordentlichen Haß gegen Deutschland hegen. „Jkd'am", der sein Erstaunen über >ol. chen Grad der Lügenhaftigkeit ausdrückt, spricht seine End rüftung über in demselben Blatte nach Petersburger Meldungen veröffentlichten Nachrichten über die Lage in der Türkei aus und stellt fest, daß tm türkischen Kabinett keine Meinungsverschiedenheit bestelle, und daß die Türkei weder schwach sei, noch sich in Gefahr befinde. Konstantinopel» 15.Okt. (WTB. Nichtamtlich.)Allgemein wird hier krittstert, daß viele Engländerinnen auf Veranlassung des britischen Botschafters Konstanti- nopelverlassen haben, da das Verhalten der türkischen Behörden gegen die Ausländer stets mustergültig war und ish ' t Günstige Stimmung in China. Bern, 15. Oft. „Rußkoje Slowo" meldet aus Toköot In China ist ein vollständiger Umschwung zu Gunsten Deutschlands cingetreten. Die deutscher Siegesmeldungen »verden von der einheimischen Presse gefeiert und die Erfolge in Tsingtau und des Kreuzers „Emden" mfl Jubel ausgenommen. (Frvf. Ztg.) Deutsche Kreuzer vor Samoa. Berlin, 15. Okt. Wie der „Nieuwe Rotierdamsche Eow' raut" meldet, sind di« beiden deutschen Kreuzer ^Scharnhorst" und „Gnei scn a u", nachdem sie Papete aus Tahiti in Brand geschossen haben, vor Apia, dem Hasen der Samoa-Insel erschienen. Die Neuseeländer, die Apia besetzt haben, bereiteten sich auf einen Angriff vor, aber die Kreuzer dampften nach einer Stunde wieder weg. Offenbar wollten sie ihre eigene Stadt nicht beschießen. (Ctr, Bln.) Das Kriegsrccht in Portugiestsch-Kongo. Lissabon, 15.Okt. (WTB. Nichtamtlich.) Der Gouverneur von Angola hat für Portugicsisch-Kongo das Kriegsrecht erllärt. Lille. Tie strategffch wichtige Besetzung von Lille durch die deutschen Truppen teuft die Aufmerksamkeit auf diese alte Hauptstadt Frau- jösisäi-Flanderns. Mehrmals tu der^ Geschichte ist Lille Zeuge gewaltiger Schlachten gewesen — es seien nur die Namen Bou- vines und Fomenay genannt —, mehrfach nt Lille selbst um- ftritten worden; 1708 wurde die Stadt durch den Prmzen Eugen nach hartnäckiger Belagerung genommen, l^0, belagerten Oesterreichs Truvpen sie vergeblich. Lüle ehemals l'Jsle lJniel), nach ihrer Lage zwischen Lys und a,eule genannt, liegt inmUten ttncr fruchtbaren, an Wasseckäuten und Kanälen auhcrordentlich rnchcn Landschaft. Nähert man sich etwa, von der belgischen Seite herkommend der Stadt und bcstttgt bei Mouseron den lMonl" (in Flandern hat jeder Maulwurfshügel Anspruch aus den Namen Mont), so steht man wie gleich hinter dem Grenzbache söoitftnx, oer von Köpften !öieü>ai emctefatzt wird, die Landschaft aufltört: an Stelle einer Landscktcrst erblickt man von dem win-- IZigen Hügel aus ein förmliches Meer von rauchenden Schornsteinen Gunter dem einig grauen Hiimncl, das sich bei der Betrachtung Durch das Fernglas in den ikvinvlex der Städte Tourcomg, Ron ''baix, Lille und ihre zahllosen, zum Teil sehr grasten Vororte »auflöst. Alle diese Ortschaften gehen beinahe ineinander über: «Ile gehören noch zum Bereiche der „Festung" Lille und alle «ähneln einander austerordentlich. Lille und die benachbarten Städte .sind die gcwcrbereichstcn Orte in ganz Nordftankreich; die Textil- Industrie Frankreichs hat .hier ihren Hauptsitz, es finden sich «hier zahlloie Spinnereien und Webereien, in denen Leinen. Daum- «volle und Wolle verarbeitet werden, zahllos sind die Fabriken«, in denen Posamentierarbeiden und Strumpfwaren erzeugt werden, ^Chemikalien. Seife, Zucker werden in Lille und den Nachbarorteil lhcrgcstellt, und alle Wasserlänse, die in und bei Lille zu finde«!, sind, zeugen von dem Bewerbercichtum der Stadtalle Fabriken entleeren ihre Abwässer in die Kanäle und Flüsse, und deren Wasser ist daher das schmutzigste der Welt. Trübe, fast schwarz, stinkend, jauchig, fließt es träge daftinl je nachxmp der Schelde ober dem Meere zu. Die Ge w erbestäd« haben wegen dieser Flüsse des öfteren lehh«rste Scherereien mit den Belgiern gehabtt Bcki- spielsweise war dir Espierre so schurutzig, daß die Belgier drohten, eine Barre zu bauen, die das Wasser von Belgien absperrte: die Gewerbcstädtr selten dann selten. wie sie mit dieser« 'Schmutze fertig würden. DarMlihin entschloß man sich, ums Jahr 1890, ein Wasserreiirigimqswrrk sn bauen, durch das das Fftüstchen .hindnrchgcleitrt wird. Seitdem (falls das Reinigungswerk inzwischen nicht wegen Verschmutzung cingegangen ist) gehen die Wasser der Cspierre aus dieser Anlage theoretisch gereinigt hervor. TatsöcUich lassen sie auch erhebliche Mengen schfcnartiger Fettmassen zurück, die für die Industrie durchaus nicht zu verwerten sind. Was für die Cspierre gelt, gilt für die Lys und die Denle ebenfalls: das verhältnismäßig reinste Wasser lat die Lvs. Wenn man sich vori irgend einer Säfte her, den großem Vtorortkemplex durchschreitend, in die Stadt Alle selbst begibt, so findet matt endlose, langweilige, geradlinige Straßen, an denen Fabrik neben Fabrik siegt: in den Nebenstraßen fallen einet« die außerordentlich schmutzigen Kinder auf, und in Lille ftlbst wie in den Vororten die zahllosen Kneipen, Die Arbefterbevölkernng dieses^ ganzen Industriegebiete? (Franzosen, Vlamlärrder, Belgier usw., ein wahres Völkergemisch) scheint dem Alkohol sehr zugetan zu sein, und in tzdrubair gibt es zar eine Kireioe auf je 15 erwachsene Männer. Das alte Lille ist eine ziemlich häßliche Stadt: seine Straßen sind lanqweisiq. das gleiche gilt von den freien Mädeu. und das neue Lille. das nördlich gelegen ist, ist wenig schöner. Es macht nrit «eurem Lärm, seinem geschäskigen Treiben und seinen HLnsern, die alle auf die gewaltige Industrie zugeschnitten sind, einen beinahe -rmerikanischen Crndruck Nur weiriqe Stellen in Alt- nie in Neu-Lille stechen vorteilhaft ob. Es gibt ein paar ganz ansehnlich- Kebäude. so die Ilniversität. das Pastcurinstitut und andere staatliche Gebäude: stellenweise finden sich in den Vororten auch Parkanlagen und Villenhäuser mit Gärten. Diese Gegenden sind aber von dem Geschäfts- und Industrie-Lille ebenso streng geschieden, wie die beiden Schicksten dm Bevölkerung. die besitzende und dm arbeitende, die noch Hmtderttmnfenden zählt. vklder von der dklgisch-holländischen Grenze. Wenn in Holland in diesen Tagen nach dem Falle von Antwerpen eine DolkSzählimg stattfände, so würde man eine Million /Einwohner inehr vorsinden, als vor dem Kriege: so hock» kann «Man gut und gern die Allzahl der Flüchtlinge aus Belgien ver- ;anscblagen. Toarscnde und Abertausende sind bereits ins Innere «des Landes geschafft worden, aber andere Tausende und Abertausende finden sicki nock> an der belgisch-holländischen Grenze, in «Seeland und «Brabant. Me Kriegsberichterstatter der großen holländischen Blätter, die jetzt diese Grenzgebiete durchstreifen, werden nicht müde, das entsetzliche Elend der heinmtlosen Flüchtling« in ergreifenden Worten zu schildern, und ihre „Kriegsberichte", wenn man so sagen darf, haben den sckrönen Erfolg gezeitigt, daß Holland sich mit größter Opserwilligkeit der flüchtig»! Gs!gier annrmmt. Es ist ein unendsicher Menschemtrom, der Aber die Q/imrycn geflutet ist, denn es sind nicht nur die Flüchd- stinge aus Antwerpen selbst, sondern «traft die aus ganz Belgien, flne seit dem Beginne des Krieges aus den deutsch geworbenen Mcbi-ten nach Antwerpen gewandert waren, wo sic s«h sicher chünkten, und tzu allen diese«! koutmen noch die großen Scharen 'belgischer, englischer «und französischer Soldaten, die bis zum «Ende de? Krieges rnttergebracht und erhalten werden müssen. Hinsichtlich der übrigen Flüchtlinge gilst inan sich in Holland «der Hofsuung hin, sie würden in abselchorer Zeit zurückkehren: «allein nach dem, was beispielsweise die ®erirfrtrrftatter des „All- gemren Handel?blad" und des „Nrcuwe Rotterdrmsche Courant" gesehen haben, scheint dies vorläufig trickst der Fall sn sein, im «Gegenteil. sie bevölkern noch die -Goenzorte, und für die. deren Wohnsitze der Kriegs« surre AM» Opfer gefallen sind. ist dre Rückkehr ja auch ziemlich aussichtslos. Noch sind die von zahllosen Rädern tief zerfurchten Wege des holländischen Grenzgebietes gestovst voll von Wagen, von Karren, von Fnstgängern, von Radfahrern, und Bergen ov Zoom ist eine belgische Stadt geworden. Alle Häuser und Gebäude, selbst dir Kir«hen, liegen in des Wortes wahrer Bedeutung vorn Keller bis zum Dachfirst voll von Belgienr: mühselig hält des Militär in den vosigevsropften Straßen einen Weg ffei, und imter Aufbietung aller Kräfte snkhen die Holländer dem Elend zu steuern. Aber die vielen eingelegten Züge, die vielen Schiffe haben iwch keine merkliche Befferung herbeiftihrcn können: noch immer zsibt es Tausende, die die letzte Nacht unter freiem Himmel zu- -rebracht haben, und sicher die nächste Nacht in der gleichen Herberge zubringen müssen, und alle diese Tausende müssen frieren und hungern. Die Hochslnt der Flüchtlinge hat Holland so überrascht, daß nicht genügend Vorkehrungen haben getroffen werden können. Das Militär, die Ortsbehörden und die Bürger besten, wie sie können: überall erscheinen Aufrufe, und viele wohlhabende Leute haben ie Schwachen, die Altcit, die Kinder, die Kranken, die nicht weiter gekonnt haben. Wo sie hinkommen. haben die Glücklicheren >mt> Kräftigeren bereits aste Vorräte auigczehrt: selbst die, die im Besitz von Geld sind, lmben in den Grenzgebieten tocnig Aussickst, «twaS Eß ober Trinkbares vorzitsinden, denn allenthalben vrangt an Laden und Wirtshäusern das Schild mst der Aufschrift: Aus- verkauft. So wandern sie, hungerich, durstend und frierend, westcr, ohne eigentlich zu wiffeu, wohin. Sic haben keine Ahnung, wo sie sich befinden, sie wissen nicht, wie weit die Städte, die sie erreichen möchten. entfernt sind, sie haben keine Karten. nach denen sie den Weg sinden könnten, und so gehen sie mühselig in der trügerischen Hoffnung weiter, zu Fuß in einem Tage von Butten oder Osscn- drccht (wenig nördlich von Antwerpen) bis nach Leyden oder gar nach Amsterdam zu kommen! Au§ dem Reiche. Dresden, 15. Okt. Die sozialdemokratische Fraktion des sächsischen Landtages ersuchte die Regierung, «inen mißervrdentlichen Landtag zur Beschaffung von Mitteln für ine Kriegshllse und die Regelung der Arbeitslosenunterstützung einzuberufen. Me Regierung beabsichtigt, die Einberufung Ansang kommeitden Jahres vorzunchincn. rru» Stadt und Land. Gießen, 16. Oktober 1914. " Die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit in Hessen. Zu der Anregung von Mitgliedern der sämtlichen Fraktionen der Zweiten Kamnier wegen Bekämpfung der Arbeitslosigkeit (siehe Nr. 238 dcS Gieß. Anz.) wird offiziell mitgcteilt, daß, durch die Maßregeln, die von der Großh. Regierung auf dem Gebiete des Staats- bautvescns schon bei Verabschiedung des StaatsvoranscktlagS getroffen Ivaren, der beabsich«tigte Zweck zeitiger Borsor.p für reichliche .Arbeitsgelegenheit, namentlich im Winter,soweit wie möglich sichergestellt ist. Für die Staatsbauv e rwal t ung sollen tm laufenden Rech>- nungsjahrc noch Arbeiten mit einem Kostenaufwand von über 2 1 /, Millionen Mark ausqefiihrt tverden. Jöl der Staat sfor st Verwaltung sind für die bevorstehende Holzernte 3 Mill. Ntark zu verwenden. Nach Berichten der Oberförftereien besteht aus diesem Gebiete nicht die Sorg«, daß es an Arbeit, sondern daß es an Arbeitern fehlen werde, um die vorgesehenen Fällungen cruszuführen. Die Staats- cisenbahnvcrwaltung beabsichtigt, die zahlreichen im Hanpt- voranschlag ftir 1914 vorgesehenen größeren und klcmeren Bauten, bei denen dies irgendwie niöglich ist, im Winter aus- ftihren zu lassen. Für diese stehen fast 10 Mill. Mark z«rr Verfügung. — Es kann danach wohl gesagt nwrden, daß fetzt schon für die kommende Zeit Arbettügelegenheiten vorhanden sind, die den in Betrach«t kommenden Erwerbs- kreiien die Möglichkeit von Verdienst im Werte von vielen Millionen gewährleisten. Wo sich gleichwohl die erfolgten Vorkehrungen nicht als ausreiend eruzeisen sollten, ivird cs an rechtzeitigen Maßregeln der Regierung nicht fehlen. ** Zeitweilige Aufhebung der hessischen Fortbildungsschulen? Das Landwirtfchastskammer- mitgiied A.Hensel (Dortelipeil) hat der Landusirtschafts- kammer folgenden Antrag unterbreitet: „Die Landwirt- schastskarrnner wolle an die zuständige Großh. Behörde das Ersuchen richten, den Fortbildungsschulunterricht während des Kriegszustandes aufzuheben." Der Antragsteller begründet sein Gesuch mit dem jetzt herrschenden Leutemangel auf dem Lande. ** Ritter des Eisernen Kreuzes. Feldwebel Meyer, Inf.-Regt. 115, aus Lich. Oberlt. Stamm, zurzeit auf dem östl. Kriegsschauplch, nitd llffz. Walter aus Lich. Serg. Moll aus Röthges, Jnf.-Rogt. 168. Uffz. Ludwig Willershäuser aus Rodheim a. d. Bieber, Jnf.- Regt.83. Lehramtsass. Peter Tritsch aus Grünbevg, Off.- Stellv. im Landw.-Jnf.-Regt. 116. Oberlt. Schilling von Dillenburg, Jäger-Bat. 8. Oberlt. Adolf Schmidt aus Diilenburg, Jnf.-Regt. 45. Uffz. Ernst Pölitz aus Sinn, ^ußart.-Regt.9. Oberlt. v. Mentz im Res.-Jnf.-Regt. 116. erinann Bo ecke l aus Jriedberg, Uffz. d. R. und Offizier- Stellvertr. im Res-Regt. 116. Leutn. Feh und Hauptmann Bin der n a gel aus Friedberg, beim Stab des Pionier- Regts. 19. Gerichtsassessor Oswald Friederich von Wetzlar, als Führer einer Mecrine-Maschinengewehr-Kompagnie. Sergt. Wilhelm T h o r n , Ulanen-Rogt. 6, aus Ebersgöns. Direktor der clektr. Straßenbahn in Worms Th. Radtke, Off.-Stellv, im Res.-Jnf.-Regt. 88. Off.-Stellv. Lehramtsassessor Rudolf Schmitt von Butzbach, Jnf.-Regt. 168. Koinp.-Feldtv. Löber, Jnf.-Regt. 168. Wzefeldw. Wolf, Jns.-Regt. 168. Oberlt. Qu ade, Jnf.-Regt. 168. Feldwebel« Johannes Köhler von Marburg. Major Weyergang, Jnf.-Regt. 166 in Jriedberg. Leutn. Kutsch vom Jnf.- Regt. 168 aus Friedberg. Hauptmann Ha l m, 2. Gen.-St.« Offiz. 18. A.-K., Major Martens, 2 . Adjutant 18. A.-K., Oberlt. Cabanis, 1. Ordonnanzoffizier. Oberlt. Riedesel Frhr. zu Eisenbach, Berpslegungsoffizier (Ul.-Ryt.6), Feldintend. Kochanvwski, Stab d.Gen.-Kdos. 18.A.-K., Ober-Kriegsgerichtsrat Cellarius, beim Gen.-Wo. d. 18. A.-K. Generalmajor n. Brig«-Konnuarrd. Elstermann v. Elster, Stab der 42. Jnf.-Brig. Hauptmann Dieckmann, Adj. der 42. Firf.-Brrg. Vom 1. Fußart.-Regt 3: Major «Sch liep hacke, die Haalptleute Pohlirnd Di doch, die Lts. Teltz und Buschmann, Feldw. (Off.-Dienstt.) Hager, Wzefeldw. Gramsch, Unteroff. Lachmann, Kanonier Kette ring, die Obcrüs. Weygand, Jäger und Rosenstern, dre Leutnants Kleinanit. Meckel, Feldw. Gießler, Serg. Funke, Feldw. Sieb, Feldw. Funk, Unteroff. Winzer, Thar. Major a. D. v. Dreski (Kdr. d. M.-Kot. 1. Fußart.-Rgt.3). Oberstabsarzt Dr. Volkenrath (Feldlazarett 7). Oberstabsarzt Dr. Langhetzd (Feldlazarett 2). Unteroff. Drederecke, UnterzahPm. Blum, Wachtnveister Eichenaner (Feldgend. Trupp 18.A-K.). Leutn. d. R Oskar Cordes tm Res.-Jnf.-Regt 118. Oberlt. d. R. Dubais de Luchet, Stabsdiv-Komm. Gefr. Ferd. Seidel im Feldart.-Regt63. Pionier Heine. Geibel von Okarben. Oberarzt Dr. W. Siebeck (<8au- Odernheim) aus Gießen. Major Schröder, Hauptmann Coulmann, Oberleutnant Möller, Feldwebel Eggert, Schneider, Reinhardt, D^efeldwebek Götz, samt, vom Jnf.-Regt. 116. ** Krücken für Verwundete. Der Mctzgermelster Fe lsi n g in Rupvertenrod hatte bei einem Besuch im Loizw- rett beobachtet, wie vorteilhaft für unser« Krieger, die an Fuß vern«undet sind, eine Krücke beim Umhergehen sein ivürde. Seinen Bemühungen ist cS gelungen, daß eine ganze Partie Krücken von dazu geeigneten Handwerkern im D^els- berg Hergestell>t wurden, die er dem Lazarett in der alten .Klinik übersandte. Das Beispiel! verdient auch an anderen Orten der Provinz Nachahmung. ** Postnachrrcht Der Postanweisungsverkehr mit Bolivien ist vvrWufig eingestellt tmwden. **Der Kries nnddie deutsche Volkswirtschaft In der Reche der Vorträge, deren Ertrag zum Besten von Hintcrblickuncn der im Felde gefallenen Grehenec bestimnit ist, svrach gestern obend Professor Dr. Skalweit in der neuen Aula der Universität über den Krieg und dü deutsch« Volkswirt- ichast. Kein Ereignis, so führte der Vortragende ans, trifft die Volkswirtschaft härter «tls der Krieg, der in dem vom Feind lwimgcsuchten Lande nicht bloß di« volkswirffchaftliche Em- ivickclung stört, sondern «tuf Jahre hinaus vernichtet. Dre Tatsache, das; Deutschland frei vom Feinde fft, bedeutet für uns «inen bedeutenden «Gewinn. Der Wirtschaftsavvarat arbeitet bei uns mindestens so gut n»ie in den neutralen Staaten, die sogar in,- folge der durch den Lkrieg hervorgerufcnen aggeiaeinen ivirtschirst- lichen Notlage mech leiden als nsir. Die Meinung daß hie für die Kriegsrüstnngrn peransgabten Kosten verbrmicht würden, ohne materielle Werte zu schaffen, also unproduktiv seien, ist in dieser Vrrallgemeiuernng nicht richtig. Denn es unterliegt keinem Zweifel, daß mimche itzrwerbc durck» den Krieg hoch kommen, ganz neue Industrien entstehen, schon enchandene tveiter ausgebildet werden Kein moderrtcs Volk bat so viel Kriege geführt als das englffche. Die dosür notwendigen Kriegskosten sind Geschäftsspesen gewesen, die sich gut verzinsten. Indessen kann ein« Nation auf bic Dlmrr nicht so frivol Vorgehen, eül Krieg Muß von hohens, «tttlichen Kräften getragen sein, und diese Kräfte sind es auch, die eine Answärtsbewegung des Wirtschaftslebens bedingen. Ans nratcrielle Werte kommt eS nicht so selir an, sondern ans produktive Kraft, die sogar ein nNgNcklichrr Krieg «ruSlösen kann, wie sich dies nttch denr dirißig jährigen Kriege und in den, Krieg mit Mcpoleon vor hundert Jahren zeigte. Aber ohne nationale Einheit ist die Cutwickelnug der Volkswirtschaft nicht möglich, ohne politische Einheit keine wirtschaftlick>e Einheit, in der die im Volke fcMuntnii'ruben Kräfte sich svci entfalten köimen. In dem Augenblick, als im Jahre 1870/71 unsere nationale Einheit gefd>affen war, war der Grund zu unserer «Größe gelegt. Der Auischwung des wirtschastlichen Lebens in Deutschland war von zweierlei abhängig: 1. von der Stärke ihres tnne- ren Marktes und 2. von der Blüte der Wirtschaftstechnik und Organisation. Je stärker der inner« Markt eines Volkes ist, um so unabhängiger ist es vom Ausland, eine Tatsache, die von unendlicher Bedeutung ist und gerade zu Kriegs» zetten in die Erscheinung trftt. Noch vor 100 Jahren war Frmck- rcich auch in ivirffchaftlicl-er Beziehung die große Natron, im letzten Jahrhundert aber hat sich bet Schwerpunkt des Marktes immer mehr nach Osten, nach Deutschland, verschoben. Unsere Industrie hat den Mehrtcil in sich ausgenommen. Sie hat Frankreichs und zuletzt Englands Industrie überflügelt, mtb Deutschland ist das erste Jndustrievolk der Welt geworden. Die breitere Grivtdlage des starken inneren Marktes verdankt es seiner Kleinstaaterei. Tie vielen einzelnen Hauptstädte ermöglichten und bedingten ei:: Kulttrrnivemi ans breit« Grimb- lage. Dazu kam eine großzügige Lerkchrspolitik durch ein reich ansbebauteS Eisenbahnnetz, sowie die Vorteile einer regen Binnenschiffahrt. Aber Deutschland ist auch führender Agrar- ft a a t. Die Industrie ist also nicht auf Kosten der Landwirtschaft groß geworden. Bismarcks Zollpolitik läßt sich gerade jetzt in ihrer ganzen Grüße erkenneir, wo Volks- und H cereseinährung sicher gestellt sind. Gegen diesen Jnnenlgrndel hat unser Export mir eine untergeordnete Bedeutting, während England, das seine Landivirtscho.ft vernachlässigte, in iveit höher»» Maße von dem Ausland abhängig ist. Was min die Waren selbst anbetrifft, sich nnserr Grvßftrdlffirie ein, daß es nicht nur daraus an kommt, mehr zu sabrizieren, son- dcnr auch besser. In dieses Stadffkm ist sie langsam hineingewachsen, so daß sie den Wettbewerb mft den besten Erzeugniffen« des Auslands getrost ausnchnten konnte, ja aus manchen Gebiete» konkurrenzlos dasteht. «Das ivär möglich durch die svstematffcht! Anwendung der ivissensckwftlicften fit-nntnissi «ms die Gebiete der Technik. Landnnrtscbastliche und le«ftms«fte Fachschnken enkstnnden, und der ungelernte Arbeiter verschwand nach und nach und mußt« dein gelernten Platz imuften. Den vielfach im Ausland belächelten deutschen Lehrer und Unterofsizier init der strengen und siche«» Disziplin, wodurch eine stettge Bereicherung imserer produktive» Kraft gewährleistet wird, kann ims niemand nacktmachen, und kctu Krieg wird ihn uns nehmeu. 'Sodann ist die Organisatioris der Arbeit auf allen Gebieten des öffentlichen und wirtschastlichen Lebens musterhaft durchgcführt. Dm Sinn für strenge Ordnung ist uns anerzogcn. Und mag diese Ordnung auch« mittentSV pedantisch odm b-ureaukratisch au »sehen, in krittschen Sttrndcn hat sie sich stets bewährt. Zn dm Organisation dm Arbeit kommt abm auch die Organisation des Kapitals. Maschinen sind leistnngS» fälngcr, aber auch teurm. Das Wachsen unsmcS Nationalvm- möaens hat gleichen Scktritt gehalten mit dem wirtschaftlichen Aufschwung. Es beträgt nackt siriwrer Schätzung 285 bis 330 Milliarden Mark, so daß wir auch him die erste Stelle einnehmen. Unsere Rcichsbank, durch den Gmtmalwelttnarschall Haven- stein musterglUttg geleitet, hat sich bei Ausbruch des Krieges glänzend bewährt und die gewaltige Belastungsprobe gut ausgehalten, wäbrm.d dm Nimbus sowohl der ftanzüsischen als englischen Bank wohl für ffnmm geschwunden ist. Wähvend wir in Deutschland mit einem Bankdiskont von 6 Prozent arbeiteten, rechnete England 10 Prozmt und Frankreich zog vor, übmhanpt keinen Ausweis Mtsznstellen. Auch imsmc Privatbarrken haben den mstcn Ansturm gut ausgehallen. Ein Ruhmesblatt bleibt es sernm für Terttschland, ohne Moratorium anSgekommen zu sein, ohne das selbst nenitrolc Staaten nicht cruskamen. GS steht zu hoffen, daß auch dem kleinen und nttttberen Geschäftsmann und Gewmbetoeilimchen durch Gründlmg von Kredftkassen unter die Arme gegriffen wird, damit m ohne schaden zu nehmen di« schweren Zeiten üdmdanmn kann, üluch unsere Staatssinanzett sind gesund. Wir haben die größten Einnahmen dm Welt und wenigm Schulden m- lett, daß dm «Soldat Krieg sühtt. Es nnrke außerordentläch be- rulngend und sei ftrr das wirtschastllche Leben sehr viel wert, wenn eine Stadt im Kriege dasselbe Bild biete ttne im Frieden, wie dies mfreulicherweisc von utismm Vaterstadt Gießen gesagt werden könne. Augenblicklich stehe eine iilnsgabe im Vordergrund, das sei die Niedmringung des Feindes. Dann roerde alles übrige von selbst kommen. Das deuffche Reich werde dcmn seine vornehmste Aufgabe darin mblicken, schwachen Völkern «nsznhelse» und im Frieden Handel und Verkehr zu pftegcit. ** Aus dem Bureau des Stadttheater?. Gv- foealichertveise laufen fortwährend weitere flotutt» mentsanmelduuaeu ein, so daß das Haus cm den beiden Abonnementsapenden Dienstag und Freitag euren behaglichen Eindruck machen wird. Bon ersten Fächer» war nur das der Sentmrentaün und des erfben HeDen neu zu besetzen, und es find jetzt Frl. Martcha Schi?d vom Dent- sckten Dbeater in Lodz und Herr Reyher Linden voan vtwex Stadttheater in Heilbronn verpflichtet worden. — Bi« Mahnung und Beitreibung *»» Staatsabgaben, die von den znm .Kriegsdienste ern- berufenen Personen geschirldet werden, hat seithm nrit Rücksicht auf die besondmen Verhältnisse geruht. Sie wird nunmehr, soweit ein Erlaß der Schuldigkeiten nicht ftattgeinn- den hat, demnächst wieder aufAetionnnen werden. Die baldige Zahlung ettoa rückständiger ^taatsgefÄle liegt deshalb im Interesse der Schuldner? ** Silbern« Ho chzei t stffern heute Anatomieiäener Friedrich Beltzoff und Frau Katharine geb. Seipp, sowie Dienstmann Kaspar Eisen dach und seine Ehefrau ged. Keil. " Das Schla«chtderbot von Kälbern «utev 76 Kilogramm Lebendgewicht, das im Zhlteresse unserer hämischen Viehzucht erlaffen worden istz wdcS einschneidend auf die bäuerlichen Betrieb«, besonders in Gebieten, die in der Nähe von großen Städten wie Franv- fnrt a, 331 ., Wiesbaden, Darmstadt, Mainz usw. liegen und die vor allein sickf der Milch Wirtschaft widmen. Die Landwirte in diesen Gebieten sind nickst mehr in der Lagctz schleunigst ihre Kälber nach kurzer Zeit auf den Markt gtt bringen, sondern sind deshalb gezwungen, znr Zuch Wer- zngebcn und die Albmelkwirtschaft in erheblichem! Maße einzuschänken. Mit der Zeit wird in diesen Gebieten eine Milchkn appheit Platz greifen urid dies« wiederum eine Milchpreiserhöhung im Gefolge haben. Auch der Handel ist mit der Maßnahme nicht einverstanden, da er jetzt am! Anfänge dieses Verbots wenige .Kälber, die dem Verbot ent- spreckp:n, anfzntreiben in der Lage ist. Auf den Schcvchb- höfen ist deshalb der Kälberauftrieb verschwindend klein und betrcigt oft bis zu ein Zehntel des frulwren. Da Angebost und Nachfrage in schoffem Gegensatz stellen, sind die Kälberpreise in fortgesetztem Steigen begriffen. Diese ans einer annehmbaren Höhe zu halten, ist auch durch die Zuftthren aus Holland und anderen neutralen Landern ftrwn möglich. ** Ein Schoorchen. iftecht häufig hatten leichtverwundete Krieger bei einer Berpftegutrgsstation am Bcchihof d-ie dort bedienenden Damen gefragt, ob man ihnen kein Schoorchen geben könne, „(siin Schoorchen?" ivar immer verwundert gefragt worden, die Damen sakichi sich dabei stets ratlos an, wein, ein Schoorchen haben wir nicht. Bor wenigen > Tages mrn «fMlte et» H er»«Le rer, der auch die ver- u e i i ieud c Antwort statt eines Sekworchens erhalten hatte, den Damen, wie brausten im Felde im Schütz eugrerben es ein Schowrchcn gewesen sei. das dem Manne die Strapazen, den Hunger und den Durst hat vergessen machen Ach, meinte eine der Zuhörerinnen, ein sxhoorchen, damit ist wvhl Kautabak gemeint? Als der Soldat dies bejahte, da ging den Damen ein Licht auf, und seit dieser Belehrung erhält jeder Soldat sein Schnarchen, denn man hat Kisten voll davon bereit gestellt. Landkreis Gießen. a, Großen-Linden, 16, Okt, Die Gemeinde Großen- Linden hat aut Anffordenrirg des ersten Pfarrers in den dre, Innen Tagen cl s Wagen mit Kartoffeln. Gemüse, Obst und Speck in die Gießener Lararette gebracht. Tie ganze Bevölkerung, ohne Unterschied von Reich und Arm, hat sich an der reichen Spende beteiügt, -l- Reiskirchcn, 16, Okt, Tie hiesige, nur wenige Mitglieder zählende israelitische Gemeinde halte stch bereits tatkräftig an der ersten Sammlung für das Rote Kreuz beteiligt, Dergangenen Sonntag km rin e nun Pfarrer Go m bcl in der Kirche bekannt geben, das ihm durch den Vorsteher der genannten Gemeinde 217 Mark überreicht wurden für den gleichen Zweck, Der Betrag war durch freiwillige Spenden der Gcmeindemitqlieder aufgebracht worden, —m, Hungen, 16.Okt, Heute früh gegen 5Uhr wurde hier ern Flugzeug gesichtet, das aus der Richtung Friedberg kam und in der Richtung Gießen weiterftog. Kurz hinter Lich wendete sich das Flugzeug und kehrte in der Richtung Gelnhausen zurück: Ob cs ei» deutsches oder ein fremdes war, konnte nicht ermittelt werden, Dernrutlichf halte es die Orientierung verloren, Kreis Büdingen, h B ü d i n g e n , 15, Okt, Unter der Leitung des Tekans Schäfer (Büdingen) tagte hier die Synode desDeka- n a t s Büdingen, Nach der Erledigung gesckxistlicher An- gescgenheiten und der Vorstellung neuer Synodalmitglieder sprach Pfarrer Sattler (Staden) über das Thema: „Was haben wir an unserer Landeskirche?" Zu Mitgliedern der Landessynode wurden gewählt: Pfarrer'Grebel (Büdingen), Kaufmann Lenz (Ortenberg), und als deren Stellvertreter Pfarrer Wilhelm (Bleichenbach) und Schreinekr- meistcr Wittekind (Büdingen). Kreis Friebberg, r Friedberg, 18. Okt. Gestern abend wurde Bürgermeister Vaurat stark Stahl nach abgelaui-ner zwölhährtger AnttSperiodc vom versammelten Stadtvorstand einstimmig wieder- gcmählt, Ter Wtedergewählte verdankt die Verehrung, die er in alle» streik» genießt, seinen »mtassenden Zähigkeiten nicht weniger als leinen, leutietigen Weien. Während seiner lührung hat di« Stadt Friedberg in jeder Beziehung einen außerordentlichen Ansschwung genommen. Es entstanden in de» letzten Fahren n. a. das Bürgerhoivital, di« Gewerbeschule, die Seminarschttle, die Bciverbeakcidemic, der Babnhoi »nd die Post in prächtigen Neudauten. Auch ganze Stadtviertel sind neu erstanden. Trotz dieier »miassenden Bautätigkeit sind die Sleuer- verhältnisse günstig aeblieben, Di« Friedberaer Büraer'ckalt begrüßt die Wiederwahl des BürgeruieiüerS mil de», Wunichc, daß er noch lange zun. Besten des auidlühenden DemeinweienS wirken möge. k, Butzbach, 15. Okt, Der heutige Schweinemarkt war beschick mit 564 Ferkeln, 10 Läufern. Die Preise betrugen für das Stück Ferkeln bis 6 Wochen alt 10—12 Mark, 6 — 8 Wochen alt 13 — 15 Mark. 8—13 Wochen 16 —18 Mark: Läufer 20 — 25 Mark. Tic Tendenz war stau, Hessen-Nassau. ? Rodheim a, d, Bieber, 16. Okt, Während der Ber- bandsausschuß, Aussichtsrat und Vorstand der Spar- und Dar- lehnskaise an 5iebühren und Tagegeldern 160 Mk, für das „Rote Kreuz" gestiftet haben, betrug die Kriegsfpcnd« der Gemeinde 600 Mk, A Franken bach, 15. Oft. Unser landwirtschaftlicher Verein (ca. 80 Mit^icker) hat eine größere Haferlieserung für die Arme» übernommen. Der Hafer ist nach Station Abend- stcrn zu sahren und wird per Malter mit 21,50 Mark bezahlt, m, Kirchhain, 15, Okt, Nach 40 jähriger Dienstzeit wurde Herrn Postmeister The iS der gewünschte Austritt aus dem Staatsdienst bewilligt, Grstern verlief- derselbe nach l3 Fahren Ästigkeit a» unserem Orte unsere Stadt, um sich in Marburg eine neue Heimat zu gründen, — Nachdem in der Generalveisanrmjlung des hiesigen Gesang-« Vereins vom 8 August einsttnrmig beschlossen wurde, 300 Mark aus der Vereiuskasse für allgemeine KriegSsürsorga abzusühren, mirde in der gestern abgehaltenen Generalversammlung der Beschluß gefaßt, unseren im Felde stellenden Sänger» allwöchentlich kleine Sendungen von Zigarren, Schokolade, Schreibmaterial und dergleiclten in Feldpostbriefen zuznsendcn, Zn diesem Liebesoabensonds wurden vorerst 100 Mk, aus der Vereiuskasse bewilligt, Dis jetzt sind 35 Mitglieder des Vereins zum Krieg ausgerückt h Fechenheim, 15, Okt, Tie gegenwärtig von der Tckniljugend aller Ortschaften geübten Kriegsspiele forderten hier ein Opfer, Der zehnjährige Schüler Gi ld wurde von einem „Gegner" mit einem Beil derart gegen den Kops geschlagen, daß er dem Hanauer .Krankenhansc zngcführt werden mußte, wo er nach qualvollem Leiden verstarb. h, B a d H o m bn r g v, d, H., 15, Okt, Die K a i s e r i n benutzte ihren Aufenthalt im hiesigen Schlosse zu ausgedehnten Fahrten durch dre im köstlichen Herbstschmnck prangendeu Wälder, Am Rtttttvoch stattete sie mit dem Prinzenpaar OSkar der Saalburg einen längeren Besuch ab und verweilte dann im Saalburq-Htzisthause zum Tee, - Heute mittag begab sich die hohe Frau mit dem Prinzen Oskar und dessen Gemahlin nart, Cronberq zum Besuch der Prinzen- paares Friedrich Karl von Hessen, Rach der Fannlien- tafel begaben sich die Herrschaften durch den Taunus nach Homburg zurück. X Hann», 16. Oft. Rurj nach eriolgtem Kriegsausbruch ging durch die Zeitunaen die Nachricht. daß der zweite Direktor der Spielbank in Manie Carlo, Kaufmann Kurz ans Haii^an. niegen Spionage von den Franzotrn erichopen worden sei. Ties ist nach neueren Mitteilungen imzutresseud stur, ist v e r h a i t e > ivorden: er befindet üch als Ge'angener in Marseille. Zwei van ihm wegen Jaiichspielerei aus der Spielbank verwiesene Spieler ballen ihn aus Rache der Svionaa« verdächtiat. h, Cronberg, 15,Okt, Prinzessin Friedrich Karl von Hessen gab beute nachmittag allen verwundeten Kriegern, die in Cronberg lveilen, ein Mahl, wobei sie sich mit jedem der Soldaten in der ungezwungensten Weise unterhielt. 1 Kann Deutschland wirtschaftlich vernichtet werden? Die Meinung eines Engländers, Das englische Publikum gibt sich der von Regierung und Presse vielfach genährten Hoffnung hin, daß England den Krieg hauptsächlich mit wirtschaftlichen Waffen führe und, wenn es Deutschland nicht aus dem Schlachtfelde besiegen könne, io doch seine materielle Vernichtung herbeiführen werde. Diesem Trngbildc der öffentlichen Meinung widerspricht in energischer Weise ein bekannter englischer Nationalökonom, Dr Gllberl Sinter in einem Aussatz des Daily Chro »tele. Der Verfasser knüpft an die Aeußerung Lloyd Georges «r, noch der „die letzten hundert Mittwnen" den Krieg ents scheiden würden. Dies Wort, das übrigens Ludwig UV. schon vorweg genommen hat, als er sagte: „Ter letzte Louisdor macht den Sieg", kann auf Deutschland keine Anwendung finden. „Es gibt verschiedene Umstände, in denen die Lebens-- bedingungcn für die finanzielle Stellung eines Staates liegen können. So ist es z, B» für unser Land eine Lcbensnotwen- digkeit, daß wir imstande sind. Nahrung und Rohmaterialien cinzusühren. Wenn unsere Zufuhr durch finanzielle Erschöv fung oder durch die Unmöglichkeit. Waren zu erlangen, ab- geschuitien würde, dann mären wir machtlos. Diese Gefahr ist natürlich äußerst fern, solange uiricre Flotte das Meer beherrscht. In ähnlicher Lage befinden sich Staaten, die aus dem andern Ende der industriellen Stufenleiter stehen, noch unentwickelte Bouerngemeinschaftcn, wie die der Balkaninscl, die ihre Waisen nicht selbst fabrizieren können. Sie müssen auf Kredit kaufen, »nd wenn ihr Kredit erschöpft ist, liegt auch ihre militärische Kraft darnieder. Wer es gibt auch Länder, bei denen die finanzielle Lage nicht so wichtig ist Wenn wir die Verhältnisse in Deutschland betrachten, dann werden wir gut tun, uns zunächst einmal alle Geldfragen aus dem Sinn zu schlagen. Es ist durchaus ziveckrntsprechend für die deutsche Regierung, Anleihen im Znlandc zu erheben und auszugeben. Aber wir geben uns falschen Hoffnungen hin, wenn wir annehmen, daß, solange deutsche Truppen die Grenzen bewachen, irgendeine Möglichkeit dafür vorhanden ist. daß die Regierung in der Ausnahme von inneren Ausleihen irgendwie beschränkt werde oder daß diese Anleihen nicht durchgeführt werden könnten, Deutschland befindet sich nicht in der Situation einer belagerten Stadt, weil es seinen Handel mit den neutralen Staaten bis zu einem gewissen Grade aufrecht erhalten kann. Die Vernichtung des Außenhandels, die wir betreiben, mag für die Fricdenszeitcn eine ehr wichtige Angelegenheit sein, aber sic nimmt Deutschland nicht die Fähigkeit, .Krieg zu führen. Solange Deutschland weiter hervorbringen kann, was für das Leben seines Volkes und für die Führung des Krieges notwendig ist, ist die Unterbindung des Außenhandels nur eine zeitweilige Unannehmlichkeit, Auch Armut und Arbeitslosigkeit sind nur Fehler der richtigen Verteilung, und solche Fragen können durch eine gute innere Organisation gelöst werden. Da die deutsche Stadtbevölkerung der Landarbeit ivcnigcc cittfrcmbet ist als die unsere, so wird die Schwierigkeit, städtische Arbeitslose zur Gewinnung von Nabrung zu verwenden, geringer sein, als sie cs bei uns wäre. Die Frage einer möglichen Erschöpfung Deutschlands ist also keine Frage einer allgemeinen finanziellen Erschöpfung, sondern nur einer Erschöpfung einiger besonderer Bedürfnisse. Was die Nahrung anbelaugt, so wissen wir sicherem Vernehmen nach, daß Deutschland bei Ausbruch des Krieges mit Einschluß der diesjährigen Ernte für 18 Monate Nahrung besaß, Deutschland führt unter normalen Verhältnissen Getreide sür etwa '/- seiner Bevölkerung ein; aber auf der anderen^Seite führt es große Mengen von Kartoffeln und Kartoffel-Spiritus aas und verwendet selbst eine große Menge von Kartosselspiritus in den chemischen Fabriken, Die Ausnutzung dieses Kartosselüberslusses zum Ersatz des Getreides stellt Deutschland in Bezug aus seine Ernährung während des ganzen Krieges au> eigene Füße, Auch der große Uebersiuß an Zucker, der sonst ausgeführt wird, ist nun verfügbar," Mit der Aushungerung Deutschlands ist es also nichts, und ebensowenig übrigens mit der Oesterreich- Ungarns, wenn es nicht gelingt, Ungarn, die Kornkammer der Monarchie, zu besetzen, Einige Schwierigkeiten könnte Deutschland nach der Ansicht des englischen Nationalökono- men in Bezug auf die Kleidung haben!, da die Zufuhr von Rohwolle fehlt. Wer auch hier wird die mögliche Zufuhr immerhin für eine beträchtliche Zeit genügen, „Das andere große Bedürfnis des Krieges ist Munition, und dann das Eisen und dir Kohle, di« die mächtigen Fabriken von Krupp mit Rohmaterial versorgen. Essen ist in der Tttt das Herz der ganzen deutschen Militärorganisation, und vielleicht mehr als Berlin das Endziel der verbündeten Heere. Eisen und Kohle hat Deutschland im Ueberfluß," Auch in Dingen des Transports wird Deutschland nicht in ernstlichere Schwierigkeiten geraten, und so bleibt schließlich Slater nur noch übrig, an der Unerschöpflichkeit des Menfchenmaterials in Deutschland zu zweifeln. B. vermischte». 'Schroda, 15. Cft. Vergangene Nackt stürzte auf der Chaussee Schroda—Po!«» ein Automobil des Land stur,n- BalaillonS Sckroda Nr, 2 »m. Tabei wurde» gelötet: Ter königlicke Tomänenoächter »nd OlfizierSstesivertreter Sarazin aus Schneeschuh, der Lehrer an der hiesigen katholischen Schule Bizefflswebel AoycielhowSli »nd der Maschiuensabrskant Land- stnrmmann Snsioki. Ter vierte Insasse des Automobils, Hauvt- mann der Landwehr Heuer, Gymnasialdirektor in Jaucr, kam mit leichteren Verletzungen davon. ' Augsburg, 15. Okt Ein Tabakrtag sür »usere Trupoen im Feld« wurde dieser Tage hier veranstaltet. Tns Ergebnis ist folgende?: 270 000 Zigarre», 240 000 Zigaretten, 14 000 Päckchen Rauchtabak, 5500 Päckchen Schnupftabak, 2200 Virile», 2000 Zigarren» und Zigarettentaschen, An Bargeld sind 18 000 Mk. gesammelt worden. * Ein General vom alten Schlag« Daß es früher sehr bedeutende Heerführer gab. die nicht ortho- graphisch zu schreiben und grammatikalisch zu sprechen wußten, beweisen Mäimer wie Blücher und Wrangel, Weniger bedeutend als Heerführer wie die genannten, dafür aber um so weniger noch der Rechtschreibung und des richtigen Sprechen:- kundig war ein General tv P,, der nach den Befreiungskriegen Kommandant der Fciwng Spandau wurde. Es gab keinen schriftlichen Erlaß ans inner Feder, der nicht von Fehlern wimmelte. Seine Adjutanten waren daher stets bemübt, seine Erlasse einer gründlichen Aeuderung zu unterziehen, bevor dieselben zur Beförderung weitcrgegeden wur- den, General von B, schloß freundlich beide Äugen zu dieser Eigenmächtigkeit seiner Offiziere, so stramm und streng er auch sonst war Lues Tages aber überraschte er zukällig die Herren bei der übrigens nicht leichten Arbeit, Da lächelte er dann mid^agte: „Aha, die Herren korrigieren, Za, ja, als ich noch in die Schule ging und oock noch später, da schrieb ich ooch so ortlwiraphisch wie nur einer. Erst als ich bei Jena den Schuß in'n rechten Arm erhielt. da will cs durchaus mch mehr damit jehn," — Als anfangs der dreißiger Jahre des vorigen JahrhiindertS die Cholera in Berlin sehr stark wütete, war auch Soanda» und besonders die Garnison nickt unberührt davon geblieben General v P erließ daher die strengsten Befehle bezüglich der Speisen für seine Soldaten, Ter Genuß roden Obstes nmrde bei schwerer Strafe verboten. Als trotzdem Ueberiretungen dieser Berboie vor- kameu und wieder Todesfälle an der Cholera sich erei-metcn, war der Kommandant außer sich und brach seinen Offizieren gegenüber in die D-orke aus: ,.No, ja. nu iS der Strauß gestorben! Dos hat er nun davon, dieser Kerl, So find iie nun — wir die Ffeenen Jüngeres! Wenn ich mir vor sie kinttellen iw>((te, in der eenen Hand die Cholera und in der andern eene Birne, ich jeh' die größte Wette ein. die verfluchten Kerls greisen nach die Birne!" »WildeEiscnbahnzügc, Es war in den letzten Tagen davon die Rede, daß die Belgier, um die Bahnen nach Anttoeroen zu sperren, oder auch, ran den deutschen Eisenbahntrupven Schaden ziizusügen, sogenannte wilde Eiieubahnchgr abgelossen hätten Don dem Wert solch einer, am iinnlose Materuilzerstorung gerichteten Manipulation lann man sich keine rechte Vorstellung machen, imd es ist auch nicht bekannt genwrdrn, ob irgendein Zweck mit dieser Tcnselssahrt erreicht worden ist. Dennoch interessiert die Jtotii den Pt üch« logen, Lst doch solch ein wüver EffeirbahuzuL der, mit gewcungem veizuvri gestillt ohne FWcunä sekneia ioouu-- sal überlassen nstrd, loie ein Snmbol für einige der mit un«. kämpfenden Völker: diese arme, betörte Masse, mit einem Züich- stos- von Haß und Wur erfülll und, so geladen, ohire Führung ihrem Schicksal überlassen! EtivaS ähnliches muß Emile Zola empfunden baben. als er scineii Roi«m „Die Bestie im Menschen" mu der Schilderung eines solchen lUkkden lLisenbahnzugeS su.'lvß. Gerade hat Frankreich den Kneg an Deutschland --klärt, im Julr 1870, In der ihm eigenen packenden und ansclzcrulichcn Art schildert mm Zola, wie ein 18 Lgogen langer, mit Soldaten gefüllter Zug, dessen Lokomotive bis zirm Platzen überlieizt ist, ohne Führung dahiniMist. den Zug und die äarin Sitzenden ins Verderben reißend. Der Dichter sieht so in einer Vision den llntergang des französischen Heeres, „Was flimmerte die Lokomotive die Opfer, die sie aus ihrem Wege zermalmte, tzticht achtend des vergossenen Blutes saust sic der Zukunft entgegen, O1>ne Führer im Dunkel der Nacht, wie eine blind und taub zu Tod imb Beildarben loS- qelasscne Bestie," Gleicht nicht mich das belgische Volk, aus dessen Reihen, wie jetzt auch von Eirglaichs Seit« festgestellt wird, ganze Banden von Franktireurs gegen unser« Truppen geivütet habeitz dieser Bestie von einer Lostmiptiva, die, zerstörend was ilyc entgegensteht, zum eigenen Untergang den Abgrund hinabsaust? Märkte. eb, Bingen, Ich Olt. AI a r k t v r e! s e. Wclzeii Mk. 25,00, Korn Pik. 22,87, Gerste tzstk, 2'>,50. Haler Mk. 22,09, Heu Mk. 6,50, Stroh Mk. 3,50, Kartoffel» Pik. 7,00, Erbsen Mk. 00,09, Linsen Mk. 00,30, Bohnen Mk. 00,00, Weihmehl Mk. 45,00, Roggenniehl Mk. 36,50; alles fiit 100 silgr. Butter I Llgr. Mk. 2,70, Milch I Liter 21 Psg., Eier 10 Stück Mk. 1,25. eh. Rieder-Ingelheim, Ich Okt. Obstmarkt. Birnen 6—8 Pik., Aeplcl 3 — 18 P!k„ Zwetsche» 6,00—7,00 Pik., Ollittc» 12—13 Mk., Pfirsiche 6—12 Mk. der Zentner. k>', Frankfurt o.M. V i e h h o s »i a r kt b e ri ch t voui 15, Okt, Austrieb: Rinder 129, Ochsen 42, Bullen 0, Kühe und Färsen 87, Kälber 397, Schake 317, Schweine 1741. Tendenz: Kälber lebhalt, auSverkaust; Schale ruhig, a»S> verkanst. Bei Schiveine» keine Notierung. Preise für 100 Psd. Lebend- Schlachtgewicht Kälber. Mk. Mk, Feinste Mastkälbee .......... 67-70 112 -111 Mittlere Mast- »nd best« Sangkälb» . . . . 68-65 107- 11t S ch a' \ Staklmastscha'«: Mostlämnier mi» jüngere Ma!stbr>mnik . . Aelicre Masthaniniel, aut genährte junge Schass und geringere Mastlämmer...... 28-34 ^ (| Marburg, 16. Okt. Auf dem heute hier abgehaltenen S ch w e i n e in a r k t zogen die P> eile, besonders sür kleinere Ware, etwas an, ES wurden bezahlt lür 6—10 Wochen alte Ferkel 18 — 30 Mk., sür 3-4 Plonalc alte Länler 50—70 Mk, »nd lür größere Eiulegschivelne 100—130 Pik, das Paar, je nach itziöße und Oualität. Die Zufuhr betrug 1048 Stück, 41-00 90 - 00 75 80 Letzte Ncichrichten. Angriffe der Rnffen und Franzosen znrückqrwiese». Brügge und Ostende in unserem vefitz. (WTB.) ffiroßcs Hauptlfuarticr, 16. Okt, mit-! tags. (Amtlich.) Die Russen versuchten am 14. Oktotzer sich wieder in den Besitz von Lyck zu setzen. Die Angriffe wnr'- den zurückgewicscn, 800 Gefangene. 1 Geschütz und 3 Maschinengewehre fielen in unsere Hände. , Brügge wurde am II. Oktober. Ostende am 15. Oktober von unseren Tnipven besetzt. Heftige Angriffe der Franzosen in der Gegend nordwestlich von Reims sind abgewrescn worden. — Die Franzosen melden in ihren amtlichen Bekannttnachnngen, daß sic an verschiedenen Stellen der Front, z. B. bei Bcrry-au-Bac. nordwestlich Reims, merkliche Fortschritte gemacht haben. Diese Meldung «ntsyricht in keiner Weise den Tatsachen. Bor dem Beginn der Entscheidung !n Russisch-Polen. (WTB.) Osenpcst, 16, Okt, (Nichtamtlich.) Der Pestcr „Lloyd" bringt einen Artikel seines militärischen Mitarbeiters Über die zweite Phase des Feldzuges, in dem «S lzeißt: Unsere Llrmeen stehen nun an der grossen Strom-Barriere 2an- Weichsel, Sie schließen sich hier auf, und bereiten den Uebergang in einer möglichst breiten Front vor. Im Süden ist es Przemysls mächtiger Brückenkopf, der die Entfaltung starker Kräfte gegen das Borgelände von Lemberg erleichtert. Dop Vorgehen m,S denf Karpathen bedrängt die südliche Flanke der russischen Aufstellung, Wir dürfen erwarten, daß die Bewegung des Heeres nicht insj Stocken kommt. Tic günstige Rückivirkung aus die Lage in Polen stellt sich dann von selbst ein. Nun hat die Südgruppe der verbündeten Heere das Vorschreiten der Noridgruppe zu erleichtern. Die dott vereinigten Strertkräste haben schn-icrige Aufgaben. Zm Zentrum einsetzende kleinere Kämpfe deuten die nahe groß« Schlacht an. Die Neste der belgischen Armee unterwegs. (WTB.) Amsterdam. 16. Okt Der „Rotterdamsche Courant" meldet aus Aardenberg: Nach Berichten belgischer Flüchtlinge hat sich die belgische Armee in Ostende eingeschifft. Pnvatpersonen wnrde die Neberfahrt verweigert, Deutsche Ordnung in eroberten klegenden (WTB.) Amsterdam, 16. Okt, (Nichtamtlich, Ter „Rot« terdamsche Courant" meldet aus Sas van Gent unterm 14, d M,: Ein Teil der belgischen Flüchtlinge aus den Grenzdörsern ist zurückgekehrt, da sie sehen, daß sich die Deutschen korrekt verhalten. Die Deutschen ermahnen die Einwohner, nicht zu fliehen. Die Truppen mußten die ver- lasieuen Häuser ausbrecheu, um nirter Dach zu kommen. Sie bezahlen alles, die kleineren Sacknn bar, größere mit Bons. Entlassung der belgischen Bürgcrwehrcn, (WTB? Amsterdam, 16. Okt, (Nichtamtkich? Hollän- dffche Blätter melden, daß an verschiedenen Orten Belgiens die Garde civiaue entlassen würde. An einer Stelle soll der Genera! de Kloot die Leute mit folgenden Wotten verabschiedet haben: „Ihr habt Eure Micht getan und dürft außerhalb Belgiens nicht kämpfen. Kaust Euch Zivilkleider und geht nach Hause," — Biele Gardisten hatten keinen einzigen! schuß gelöst, da sie nicht ausgebildet waren. Sie kehren in ihre Dörfer zurück. Starke deutsche Truvvenabtrilungen durchstrci cn den Norden Belgiens, Die sindcn nirgends mehr Widerstand, Die Londoner in Kellern und Erdlöchern, WTB., London, 16. Okt, (Richtamlluch. Ter Kommandant der Berteünginiqswerke an der Themse MedwNi ha: durch Maueransehlag ein- Bekanntmachung erlaffen, in der die Bevölkerung vor feindlichen Luftschrssen und Fliegern gewarnt wird. Man müsse, sobald nun, Schießen höre, einen Unterschlupf suchen, möglichst in Kellern oder Bodenvertiefungen, Die Oouvertnre zu einem vörttigiestschen Trauerspiel? kDDS.) London, 16 ,Okt, .Rtchtmnttich,! Das Ren- tersche Bureau erfiihrt: Die Empftndnngen vollständiger Sympathie des porttigiesischen Volkes für Großbritannien steigen beständig, Portugal muß auf alle Möglichkeiten gefaßt und bereit sein, Großbritannien immer und überall und in iedcm Angendlick, wo es notwendig iverden wird, zur Seite zu treten. Die Meldung von einer Kr i e gs e r I l ö rn ng Portugals an Deutschland ist unrichtig Bei.mtwortlich sür „Feuilleton", „Gerichtssaal" u. „Berunsa>tes"t Z. &; SwasÖ <8o«tk. Für Herbst und Winter! Damen-, Mädchen- und Kinder-Kleider Mäntel jackenkleider, Röcke und Blusen in grosser, gediegener Auswahl und neuesten Macharten sind wieder neu eingetroffen Sehr billige Verkaufs-Preise J. Pfeffer ♦ Marktplatz 6 Einladung zur mdkiitl.KiiiBcrMiiili»!!, Mittwoch. 21. Oktober lfd. IS.. nachmittags b'/ 2 Uhr präzis, im Stadt. Tiefbauamt, Astcrweg 9, Zimmer Nr. 3. Tagesordnung: 1. Rechnuugsablagc für das abgelaufene Jahr 2. 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