Nr. 242 Der Gießener H«5dg« erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich Grtz«»erLa»iIie«b>äNek; «vennat wöchenll.ltreit- tzl«n für»«« Nrew Gießen (Dienstag und Freitags; znxcwal monall. Lant^ «irtschafilich« Seilfragcn Fernivrech - Anschlüsse I Str die Sd»nitlf itung 112 Berlaq. Geschält? stellest Adresse lür Drahtnach- rntztem L«;«iqer Gieße«, lbmohme »»« Anzeige« lür die Taqesminuncr bis vormlttags v Uhr. Erstes Blatt 164. Zahrgano Donnerstag. 15- Gttober E Sczngsvrc» nionatl. 75 Pf„ oierlel- jährl. Alk. 2.L0; durch Abhole- u. Zweigstellen monatl. 65 Ps.; durch diePost Mk.2.— viertel- jahrl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15Ps., ausw. 20 PI. — Haupt- schrütleiler: Aug. Goetz, Vercmtwortlich für de» polit. Teil: Aug. Goetz : für .Feuilleton", .Vermischtes" und.Gerichis- saal": Karl Neurath: lür .Stadt und Land": Rotationsdruck und Verlag der vrühl'schen Unio.vuch- und 5teindr»ckerei N. Lange. Schristlcituna, Seschästzstelle ». vrnckerei: Zchulftr. ?. Äu°e,qeme":' «eck'. General-Anzeiger sür Oderhessen Siegreiche Verfolgung in Aandern. Lille wieder genommen. wieder XX000 russische Gefangene! 'ATA.) äßrvfies Hanvkquartier, 14. OK. kAlmtlich, Von eut aus befindet sich der Feind, darunter ein Teil der Besatzung von Antwerpen, aus eiligem Rückzug nach ffirflen jmr ffftfte. Unsere Truppen folgen. Ltlke ist in unserem Besitz. 4500 Gefabene srnd dort gemacht worden. Die Stadt war durch Behörden den deutschen Truppen gegenüber als offen erklärt worden. Trotzdem zog der Gegner bei einem Umfaffungsversuche von Dünkirchen her Kräfte dorthin nnt dem Aufträge, sich bis zum Eintreffen der Umfasst,uqsormee zu halten Da diese natürlich nicht ein- toas, war die Folge, daß die zwecklos verte,dtgte Stadt biivch unsere Truppen Schaden erlrkt. Bon der Front des Heeres ist nichts neues zu melden. Dicht bei der Kathedrale von Reims sind zwe, fckswerc französisch« Batterien ausgestellt, ferner wurden Lichtsignale von einem Turm der 'Kathedrale beobachtet. Es ist'selbst- vcruändklch, dass alle unseren. Truppen nachteiligen feindlichen Rlahnahmen mit,Streitnritteln bekämpft werden, ohne Rücksicht auf die Schonirng der Kathedrale. Di« Franzosen tragen also jetzt wie früher selbst die Schuld daran, wenn der ehrwürdige B auweiterein OpferdesKrieges wird. Auf dem östlichen Kriegsschauplatz? sind in den Kämchen bei Schirwindt di« Russen geworfen und haben 3 000 Gesa n g ene, 26 Geschütze und 12 Maschinengewehre verloren. Lock ist wieder in unserem Besitz Biallo ist vom Feinde geräumt. Weiter südlich sind beim Zurückwerfen der russischen Bortruppen auf'Warschau 8 04>0 Getza nMene uirt 26 Geschütze erbeutet worden. Um das Maß der englischen Besorgnisse (die sich bezeichnenderweise auch in bitteren und scheltenden Worten über die vielen belgischen Flüchtlinge und Koshgänger äußert, die jetzt das britische Jnselland mtfsuchen) voll zu machen, machen sich nun auch bedeutsame Unruhen in Britisch-Süd- afrika bemerkbar. Im Nordt vesten der Kap-Provinz hat ein Oberstleutnant namens Maritz, wohl im Bunde mit anderen verdrossenen Heerführern der Buren, sich ganz offen gegen das britische Regiment in Südafrika erhoben. Es heißt ogar, er stehe mit dem Gouverneur von Deutsch-Sudwest- asritä in Verbindung und verfüge über deutsche Hilfsmittel. Die Einzelheiten finden unsere Leser in einer der nachstehenden Meldungen. Ob dieser neue Gegner Englands den Dingen rn Südafrika eine sür Deutschland günstige Wendung zu geben vermag, darüber kann mau sich noch kein ganz zuverlässiges Bild machen. Auf alle Fälle ist uns diese Regung unter de» Buren hochwillkommen. Wir haben die stille Sympathie der Holländer für uns gehabt, ivarum sollten die Buren einem Manne lme B o t h a folgen, der so sichtbarlich von dem Golde Engländs bestochen ist? Das Reuter-Bureau berichtet. daß für ganz Südafrika das Kriegsrecht verkündet worden ist? Ein Beweis dafür, daß man diese ,,lokalen" Vorgänge nicht aus die leichte Achsel nimmt. Die Stimmung in London wird überdies dadurch gekennzeichnet, daß die Zeppelinfurcht ein neues Geschäft erfunden hat, nämlich die Versicherung gegen Luftgefahr! Man rechnet also mit der Heimsuchung durch Luftschiffe trotz der Belehrung der „Times", daß gegen England gerichtete Unternehmungen zur Luft unmöglich seiest, weil den Deutschen keine Hallen zur Verfügung stände»! Es kst nötig, daß tr£r einen gewissen Abstand gewinnen von den gewaltigen Ereignissen, die täglich aus uns ein- mrrracn. Neulich äußerte ein sonst sehr verständiger Mann zu uns, der Krieg beginne schon larvgwerlvg zn werden, die Spannung und das Interesse seien nicht mehr so groß wie am Anfang. Run, wir denken, wer einen Sohn. Bruder oder Gatten draußen stehen hat, der denkt anders. Wer gleich- wobl gibt der erwähnte Ausspruch etwas Typisches wieder. „Man gewöhnt sich an alles", das ist ein ähnliches Wort, das jetzt viel vernommen wird. Und so finden wir wieder einmal bestätigt, daß es des Ablaufs einer gewissen Zeitspanne bedarf, bis uns die gewaltigen Werke der Weltgeschichte in ihrer ganzen Größe und Majestät vor die Augen rücken. Neugier und Spannung müssen znrückgedräwgt werden, wenn wir schon jetzt den Ausdruck unseres Zeitalters sesrhalten und es denen nicht nachiun wollen, die vor einem grossen OKmülde mehr mit der Nase, die sie auf die Lein- tuand stoßen lassen, als mit dem Auge auf ihre Rechnung zu kommen suchen. Wie notwendig ist es, aus praktischen und aus vaterländischen Gründen, daß wir das täglich neu äi-ehorte nicht in ein Magazin von buntem Durcheinander schleudern, sondern Menschen blechen, die auch in der Fülle gigantischer Ereignisse sich den Schwung freudiger Ge- schichtscrkcnntnis bewahren! So kommt der Einzelne aus seinen Sorgen heraus, so überwältigt uns erst die Schönheit und Majestät unserer Kriegslage! Darum sind wir ja aus dem langen Winterschlaf und aus der Langenweile unserer kleinen Tagesgeschäste aufgeweckt worden, daß wir den Sinn wieder schärfen für das Große, das der Menschheit noch nicht verloren gegangen ist. Man blättere einmal in den Zeitungen, die vor hundert Jahren die Kriegsstürme Napoleons spiegelten. Da war die Möglichkeit, diesen auch in der Heimat mit ganzer Seele zu folgen, nicht so reich und groß wie heute. Vergleiche die mageren amtlichen Notizen, die von den Großen der damaligen Welt den: hungrigen, hoffenden, bangenden und zweifelnden Dürgcrgewimmel vorgesetzt wurden, mit dem heutigen amtlichen Nachrichtendienst, den wir freilich nicht mit den Organen der lNeugier, sondern mit der Begeisterung neuer Menschen des zwanzigsten Jahrhunderts beflügeln sollten! Der^Fall von Antwerpen zieht schon weitere Kreise! Unsere Truppen werden die belgische und vielleicht auch einen Teil der französischen Küste besetzen! Das in Flandern fliehende feindliche Heer wird vielleicht schon in den nächsten Stunden von der letzten verrrichtenden Entscheidung cin- geholt werden, «sicherlich war ein Zusammenhang zwischen dem bis Lille vorgeschobenen französischen linken Flüge! und deni Abmarsch der Feinde aus Antiverpen vorhanden; die vorliegende amtliche Meldung aus dem deutschen Hauptquartier spricht von dem Versuch einer Umgehung der deutschen Kräfte durch den Feind. Aber die Umfassungsarmec kam nicht, und die spärlichen Vollzieher des französischen Kriegsplans gerieten in Lille, das von den Deutschen genommen wurde, in Gefangenschaft. Auch den Russen sind all ihre Pläne mißglückt. Sie müssen sich aus Westgalizien gegen Norden zurückziehen, und ihre Macht in Polen bricht allmählich in Trümmer. Durch den in den vorliegenden amtlichen Zellen gemeldeten Sieg, der uns wiederum 8000 russische Gefangene einbrachte, gerät Warschau in Gefahr! Ostpreußen ist aber neuerdings nicht nur vom Fornde ganz gesäubert, sondern es bleibt auch ungefährdet-. Zur Besetzung vo« Lille. Genf, 14. Okt. Die französische Presse sucht die Bedeutung der Besetzung von Lille durch die Deutschen zu verkleinern, muß aber zugestehe», daß die hervorragende dcufichc Manövrierkunst den französischen linken Flügel vor eine neue schwierige Aufgabe stellt, die voraussichtlich erbittert« Kämpfe zwischen Arras und Albert bedingt. Tic Verbündeten in Bedrängnis. Haag, l4.Okt. „DailN Mail" gibt zu, daß am Donnerstag in Nordfrankreich die Lage fast verzweifelt gewesen ist und daß alles verloren sei, wenn es den in dem Dreieck Douai — Betune — Arras einge- schlossenen Truppen nicht gelinge, durchzubrechen. — Die Brücke zwischen Gent und Brüssel bei Balgerhöhe ist in die Luft gesprengt worden. Rotterdam, 14. Okt. Da die neu eingestellten britischen Soldaten noch nicht kriegstauglich sein sollen, haben die britischen Militärbehörden vorgeschlagen, daß Truppen vonNordfrankreichncichOstende geschickt werden sollen. Dieser Vorschlag ist von französischer Seite fiir vorläufig unausführbar erklärt worden. König Albert ist angeboten worden, sich nach der französischen Front zu begeben. Er hat darauf aber eine ablehnende Antwort gegeben. (Natirmalzdg.) Tie Stärke der deutschen Heere und der Gegner. London, 14. Okt. (WTB. Mchtamtlich.) ,,Times" schätzen die deutschen Streitkräfte in Frankreich und Belgien auf anderthalb Millionen; mmt behauptet, die Verbündeten seien an Zahl überlegen. Die belgische Regierung in Le Havre. (WTB.) Paris, 14.Okt. (Nichtamtlich.) Tie „Agence Havas" meldet aus Bordeaux: Da die belgische Regierung in Belgien nicht mehr Freiheit genug besaß,'um ihre Autorität auszuüben, hat sie Frankreich um Gastfreundschaft gebeten und den Wunsch ausgedrückt, ihren Aufenthaltsort nach Le Havre verlegen zu dürfen. Die Regierung der Republik hat alsbald geantwortet, daß sie, ebenso wie der französischen, der belgischen Armee die gleiche Fürsorge angedeihen lassen und von ganzem Herzen die belgische Regierung aufnehmen werde und ihr volle souveräne Rechte bei der Ausübung ihrer Hoheit und ihrer Regierungspflichten, zusicherc. Ter Marineminister begab sich nach Le Havre, um die belgische Regierung zu empfangen. Das gesamte bei ihr akkreditierte diplomatische Korps und eine bestimmte Anzahl von Beamten werden sich nach Le Havre einschifsen. Aus dem eroberten Antwerpen. (WTB.) Berlin, 14. Okt. (Nichtamtlich.) Wie dem „Bert. Tagebl." aus Antwerpen berichtet wird, ging der Wechsel vom belgischen zum deutschen Regiment schneller und leichter und viel ruhiger vor sich, als man gefürchtet hatte. Die B e v ö l k e r u n g ist den Deutschen freund- lich gesinnt. — Bei einer Wiener Juwelenfirma traf ein Telegramm ein des Inhalts, daß die Safes in der Ant- werpener Diamantenbörse und im Diamantenklub ganz intakt seien und daß niemand für seinen 'Besitz zu fürchten brauche. Ter DiamantenhanSel in Antwerpen. Wien, 14. Okt. (WTB. Nichtamtlich.) Zu Beginn des Krieges flüchteten zahlreiche österreichische Diamantenhänd- ler unter Zurücklassung ihrer Waren ccus Antwerpen. Heute ist ein Telegramm des Edelsteinhändlers van Beeren aus Antwerpen an eine hiesige Juwelierfirma eingetrofien, in dem es heißt, daß die Sicherheltsfächcr in der Mcrmanten-» börse im Diamantenllub völlig intakt, und die Millionenwerte unversehrt seien, so daß keiner für seinen Besitz zu fürchten brauche. Tie Masscnrcgimcnter im demokratischen England. Rom, 14. Okt. Aus London wird gemeldet: Die Regierung sucht Regimenter aus gleichen Gebende n und gleichen Berufs klaffen zu organisieren. So besteht bereits ein Regiment aus früheren Mademikern und ein ziveites derartiges Regiment sei in Bildung begriffen. Ferner habe man ein Regiinent ans sportsment lauter Millionären, gebildet; diese hätten die Aufgabe, als berittene Infanterie den Aufllärungsdienst gegenüber den Ulanen zu versehen. Sodann gibt es bereits ein Regiment aus Schullehrern und auch Äe ans dem Burenkriege bekannten „Peomaurp" seien zu den Waffen gerufen. Endlich habe der Jrenführer Redmond der Regierung bis zum Frühjahr 2 Armeekorps, ausschließlich inländische Freiwillige, angeboten. Was der Kaiser den Engländern wünscht. München, 14. Okt. Als kürzlich der Kaiser mit dem Kommandierenden General des l. Bayerischen Armeekorps, Ritter v. Lylander, zusammentraf, sagte er: „I ch w ün- sche nur den Engländern, daß sie einmal mit den Bayern zusammenkommen!" Die „Times" nnd der Luftkrieg gegen London. (WTB. Nichtamtlich.) Amsterdam, 14.Okt. „Telb» graas" meldet aus London: Der Flo t te n k o rrespo irden t der „Times" schlecht: Der Fall Antwerpens läßt natürlich gewisse maritime Fragen auftaucheu. Aber wir bra uch e n uns nicht unnötig« Sorgen zu machen. Di« maritime Loge wird nicht im mindesten geändert. Antwerpen kan« nicht die OperatümsbafÄ gegen England werden, solange Deutschland die Rechte neutraler Völker achtet. Der Verfasser erörtert sodann den Einfluß der Ereignisse auf den Handel. Ein Luftkrieg nnd eine Blockade der unteren» Schelde würde den Iwlländischen Handel treffen. Wir wollen — so heißt es — nicht an greifen. Jeder Schritt in diesem Sinn« würde als äußerste Maßregel behandelt werden. Ein amtliches Cvmmnnigue der englischen Admiralität besagt, daß der englische Fliegcrpark, beschützt durch gepanzerte Automobile, sicher zu seiner Basis zurückkehrtc. Daß es für deutsche Flieger möglich wäre, Fahrten von Antwerpen zu machen, beiveisc noch nicht, daß sie die englische Küste erreichen könnten. Sie würden Calais, aber nicht Dover erreichen können. Zum mindesten könnten sie nicht mst Sicherheit zurückkehren. Für Zeppelin- l u f t s ch i f s e seien Hallen nötig, und eine Zeppelinhalle in Antwerpen smei nicht sicherer als die in Düsseldorf. Gärung in Britisch-5näafnka. Von der holländischen Grenze, 13. OK. Aus London wird berichtet: 'Dem Kriegsnrirristerium ist ein De'egramnr ans Kapstadt zugegangen, wonach seit dem Rücktritt des Generals Ben er3 vom Oberbefehl der südafnkanisckml Truppen Anzeick>en für ein Nachlassen der Reichstreue in den westlichen Bezirken der Kapkolonie zu bemerken fei, wo der Oberst Maritz den Oberbefehl führt Der Generalgcmverncnr Lord Buxton soll den Obersten Drits ausgesandt haben, um Maritz zn beaufsichtigen Dieser hat sich geweigert, Aufklärimgeu zu geben, wormif Drits Maritz gefangen nach seinem Lager wegführte. Maritz wurde von seinen Buren befreit mtb sandte darauf «ni die Regierung ein Ultimatum des Inhalts, falls bestimrnte Bedingungen nick't sofort erfüllt würden, nnird« er die Regierungstruppen angreisen und auf Whyh (?) loSziehrn. Er war im Bfi'itz von deutschen Geschützen und soll bei den Deutschen den Rang eines Generals erhalten lzaben. In dieser Ergenschaü würde er nicht nur über die Aufständischen aus frrv> rischem Gebiet, sondern auch über die deuts'chen Truppen Befehl führen. Maritz nahm alle Offiziere uird Mannschaften gefangen, die nicht mü den Deutschen gemeinsame Sache machen wollten, und sandte sie nach Deutsch-Südwestafrika. Oberst Bauer berichtet, er habe gesehen, daß Maritz eine Z u - sammenknnft pfit dem Gouverneur der deutschen Kolonie gehabt habe, wobei dem Südafrikanischen Bund Unabhängigkeit unter republikanischer Verwaltung genährlcistet worden sei unter der Bedingamg, daß die Walsischbai nnd einige andere Teile des Bundesgebietes den Deutschen abgetreten würben, wogegen die 'Deutschen nur aut besonderes Verlangen Maritz' einen Einbruch in Südwestafrika unternehmen würden. Maritz rühmt sich, daß die Deufichen ihm Kancmen, Munition und Geld überlassen hätten, und erklärt, er würde ganz Südafiikr mit seinen Truppen nberzielzen. Die Regierung spannt a'le Kräfte an, um den Aufstand zn unterdrücken und 'die Unruhestifter zu bestrafen. Die Kriegsgesetze sind in Kraft erllärt. Tie „Köln. Ztg ", der w-ir diese Meldung entnehrnen, bemerkt dazu: Obschon das englische Kriegsministerium die Veröffentlichung dieser Nachricht zugelassen hat, muß sie mit dem größtenVorbehalt ausgenommen werden. Jedenfalls enthält sie für den deutschen Leser Unrichtigkeiten, die sofort in di« Augen springen, wie z. B. diejenige der Ernennung Maritz' zum deutscheu General. Eines mir ist sicher, daß nämlich die Meldung eine weitere Bestätigung der Unzufriedenheit bringt, die in Burenkreisen das Vor- gehen gegen Deutsch-Südwestafrika hervorruft. Japans Vertragsbruch gegen England. Haag, 14. Okt. Der „Rotterdamsche Courant" enthält ein Telegramm von Grey an den englischen Gesandten; in Bangkok. In diesem Telegramm wird mitgeteilt, datz zwischen England und Japan ein Einvernchtncn dahin b»> steht, daß i m japanische Aktion sich nicht über den Stillen Ozean und zwar über die chinesischen Gewässer hinaus erstrecken darf, außer wenn Japan seine Schisse im Großen Ozean schuhen wüßte. Ebenso ivenig darf Japan seine Aktion westlich von dem chinesischen Meer und nicht auf fremden Landbesitz auf dem asiatischen Festlande außer auf deutschen richten. Japan hat also seinen Vertrag mit England geb racher-, • . * Vom österreichischen Kriegsschauplatz. (WTB.) Wie», 14. Oft. (Nichtmntsich.j Vom 14. Ost. mittags wird amtlich vettaukbart: In der Linie Stary-Sambor- Medyka find befestigte Stellungen des Feindes, die unsere Truppen angreifen. Diese Kämpfe nehmen an Ausdehnung zu. In den Karpathen nahmen wir Toronye nach viertägigen erfolgreichen Kämpfen und verfolgten die Russen gegen W ys k o w. Kleinere erfolgreiche dies echte mit »urück gehenden feindlichen Abteilungen fanden auch tm Bisio-Tale statt. Der Stellve r treter des Generalstabs; v. Höfer, Generalmajor. erfolgen. — Die Feldpost, so sagt der Prinz, plage sich redlich. Er habe auch feststellen können, daß keinerlei Bevorzugung ftatt- fändc. — Die ausschlaggebende Hauptsache für unser 5>eer seien viele und gute Offiziere, ferner eine eiserne Disziplin, frei von jeder Humanitätsdnselei. Der Tag werde komnirn, an welchem die Macht der Entcntr-Streitkräfte zusammcubrechcn werde. Das 42-Zentimeter-8«schütz. Rom, 14. Okt. Der Korrespondent des „Gioruale d'Jtalia" schildert seine Eindrücke von dem deutschen 42-Zentimeter-Geschütze wie folgt: Plötzlich hören wir, wie ein angstvolles Geheul die Luft durchschneidet. Man hctt die Idee eines unsichtbaren Ungeheuers, das über unseren Kopsen dahinsaust, bellend, zischend, wiehernd, wie rin kolossaler Zentaur. Jeder von uns möchte vor Angst hinter Felsen flüchten, Auf einmal hört das Geheul auf und es ist, als ob eine gigantische Hand uns einen Schlag ins Gesicht versetzt. Dann ein dimipses Krachen, wie van einem in die Erd« gesästagen«, Riesenhammcr, ein sftebrüll, das in alle Knochen fährt und .">00 Meter von uns steigt eine gigantische Rauchsäule von Steinen, Erde, Asche, ausgerissenen Bäumen und Schult triumphiereich zuni Himmel empor. Es ist, als würde dir ganze Ebene zerrissen. Das innere Beben der Erde teilt sich uns dtlpch die Fußsohlen mit, bebt in allen Bcncn wieder und geht durch die Nerven. Die deutsch-österreichische Waffenbrüderschaft. _ Wien, 14. Ost. C2SSJ8. Nichtamtlich.) Auf ein herzliches Dekagramm des Bürgermeisters von Metz, Dr. Foret, in welchem dieser mitteilt, er hefte eine Sammlung vo-n Liebesgaben für die österreichisch-ungarischen Waffenbrüder auf dem westlichen Kriegsschauplatz in die Wege, die in Deutschland bereits lebhaften An klang gefunden habe, hat Bürgermeister Dr. Weißkirchner geantwortet: Voll inniger Freude und Dankbarkeit vernehmen wir die Nachricht, daß Sie unseren braven, mft den deutschen Wallen- hrüdern im Westen kämpfenden Soldaten in hochherziger Weise treue Liebe „»gedeihen lasten. Je heftiger dre Kämpfe, ,c mehr Feinde ringsum, desto tiefer kam mrs das Bewußtsern, daß wrr alle im großen deutschen Reich und unserem lieben Vaterland« ein Volk von Brüdern sind, welche keine Macht zu zertrümmern imstande ist. Darum waren «s für uns schöne Tage, als ihr tapferes Skutaridetachcment sich in unserer Stadt aus- hiell und einige ftohe Stunden verbrachte. Me gemeinsamen Kämpfe werden uns mit Gottes Hilfe den gemeinsamen Sieg bring«. Rumänien» Neutralität. (MTB./ Wien, 14. Okt. (Nichtamtlich.) Die ,.Politische Korrespondenz" meldet aus Bukarest zur Beurlaubung der seit Beginn des europäischen Krieges einberusenen Mannschaften: Die Bereitwilligkeit in der Befolgung der Eini- berufungsbefthle hat di« leitenden Kreise wiederum davon überzeugt, daß die eventuelle Mobilisierung der rumänischen Armee in wenigen Tagen durchzuführen wäre. Unter solchen Umständen hätte es auch vom finanziellen Standpunkte aus wenig Berechtigung, di« Truppen weiterhin aus dem erhöhten Stand zu erhalten, um so weniger, als die verantwortlichen Leiter der rumänischen Politik zu der Ilcberzeugung gckom-- men sind, daß für das Königreich keinAnlaßvorliegt, aus seiner neutralen Haltung herauszutreten. Die von russisch-französischer Seite geschürte Agitation hat zwar nur wenig nachgelassen, die Zahl der Einsichtigen über, die ihr entgegenarbeiten, hat n i ch t unwesentlich zugenomme n. Gerade die Heftigkeit dieser Agitation trägt zur allmählichen Ernüchterung am meisten bei. „Man merkt die Absicht, und man wird verstimmt," Die Großtaten der deutschen Unterseeboot«. Stockholm, 14. Okt. Die weiteren Großtaten der deutschen Unterseeboote erregen in Schweden um so größeres Interesse, als sie an der henerckchcrrtcn Ostsee stifte erfolgten. Die Zeitungen Stockholms rühmen alle die von keinem Gegner erreichte Waffe, die Deutschland in seine« Unterseebooten besitzt. Hervorgehoben wird, daß „Bajan" sofort den Schluß gezogen hat, fliehen zu mWen, ohne dier sinkenden „Pallada" zu helfen, und daß die gesamt« Besatzung infolge dieser Handlungsweise umgekommen ist. Kopenhagen, 14. Ost. (WTB. NichtamMch) Anlatz- llch dos Unterganges des russischen Kreuzers in der Ostsee schreibt „Ekst r ab ladet": Die Deutschen haben guten Grund zu triumphieren. Das Glück folgt ihnen, aber sie kommen nicht schlafend zu ihren Siegen Während man beinahe überwältigt wird von den Be- gebcichettm M Lande, wo die einzigartige deutsche Tüchtigkeit den Truppen des Kaisers Sieg ans Sieg gibt, muß nmu mich gleichzeitig die deutsche Aktivität zu Wasser bewundern, tue bei der anscheinend völligen Untättgkeit der arideren Flotten noch mehr hrrvortritt. Die Episode in der Osffee'zekgt, daß Deutschlands Gegner trotz der eigenen großen Flotten! ,Aten Grund zur Nervosität haben Eine falsche russische Meldung. Berlin, 14. Ost. (MTB. Nichtamtlich.) Das offizieste Petersburger Telegraphrnbrrreau verbreitet eine Nachricht des russischen ltDmiralstabes, wonach bei der Vernichtung der „Pallada" zwei deutsche Unterseeboote versankt worden seien. Diese Mitteilrrng ist, wie wir an amtlicher Stelle erfahren, in jeder Hinsicht «nMtre fßend. Der König von Bachern leicht erkrankt. München, 14. Okt. (WTB. Nichtamtlich.) Der König leidet an einer leichten Indisposition, über die folgendes mitgeteilt wird: Ueber der linken Schulter hatte sich eine steine Zellgewebsen tzündnng gebildet, dir eine Spaltung auf operativem Wege notwendig machte. Die Operation wurde von Generalarzt Prof. Dr. v. S e h d e l und Leibarzt Obermedizinalrat Dr. v. Kö ßlin ausgesührt und verlief glatt. Die Heilung vollzog sich normal. Das All- gemeinbefinden ist gut. Zu irgendwelcher Besorgnis ist keinerlei Anlaß vorhanden. Der König verbringt einige Stunden des Tages im Garten des Wittelsbacher Palais. Voraussichtlich wird er sich in einigen Tagen zur Erholung nach Leutstetten begeben. Eine Krankenschwester mit dem eisernen Kreuz ausgezeichnet. Berlin, 14. Okt. Die Schwester Elfriebe Schcr- hans von der Berufsorganisation der Krankenpflegerinnen Deutschlands, die seit Beginn des Krieges ein Regiment im Osten auf dem Sanitätswagen begleitet, ist mit dem Eisernen Kreuz anr schwarz-weißen Bande ansgxzeichnet worden. Prinz Franz von Bachern über den Krieg. München, 14. Oft. Der als Regimentskommandeur verwundete Prinz Franz von Bayern, der dritte Sohn des Königs, erzählt, daß die Franzosen in der Schlacht bei Saarburg Mft ihrer schweren dlrticherre einen Verbandsplatz der Bayern beschossen haben. Dabei ivaren die verwundeten Franzosen, die hereinkamen, selbst von überwältigender Dankbarkeit von der Hilss- bereitschaft der deutschen Samariter. Ein verwundeter ftanzö- sischer Lenwcmt hat aus freien Stücken eine Bescheinigung ausgestellt, daß die Franzosen das erwähnte Lazarett beschossen haben, trotz des Genjer Kreuzes, das über diesem wehte. Der Abttansport der Verwunderen mußte mitten in dem französischen Granatscurr Italienische Urteile über deutsche Truppen, Berlin, 14. Oft. fett. Bin.) Wie gut es mit unserem Heer bestellt ist, wird nun allmählich auch von ziemlich übelwollender Seite anerkannt. So stellt die nicht sehr deutschfteundliche „Ga- zetta del Popvlo" nach einem Telegramm des „Berl. Tagebl." ans Rom fest, daß die deutsche Armee sich tadellos verhält. Die Deutschen in eine Stadt einrücken zu sehen, sei ein geradezu m o - je statisches Schausviel. Alle Truvven, Landwehr und Landsturm eingeschlossen, seien irisch und in bester Beriassung. Es fehle den Deutschen an gar nichts, meldet der Korresvondent, sie führen sogar massenhaft Reservevierde mft. Dabei sind sie stets guter Laune, scherzen und singen. Bon der auf ftanzösischer Seite üblichen Svionenftircht ist auf deutscher Seite keine Rede. Was endlich über die sogenannten deutschen Grausamkeiten gesagt wird, sei eitel Lug und Trug. Die Bevölkerung sagt übereinstimmend aus, die Deutschen seien sehr korrekt, nur wenn niam ihre Sicherheit bedroh«, erfasse sie Zorn. Andere ftalienische Korresvondenten fällen nicht minder sympathische Urteile über die deutschen Truppen. Eine begeisterte Schil- derimg von ihnen entwirft der Korrespondent des „Matttno", der früher stets deutschfeindliche Schilderungen sandte. Er beschreibt die kräftigen Gestalten der Ulanen und sagt, es seien ihrer so viele, daß sie ihm wie eine Völkerwanderung vorkämen. Auch die deutsche Infanterie gefällt mir sehr. Me Leute seien gedrungen und herkulisch gebaut und schritten breit und wuchttg einher. Das Fußvolk sei zahllos wie der Sand am Meer. Auch die Landwehr, deren Leute alle über 30 Jahre alt sind, scheine wie aus Fels gehauen und müsse tiefen Eindruck machen. Der Korrespondent hebt endlich die absolute Korrektheit der deutschen Soldaten hervor, die in den Läden alles auf Heller und Pfennig bezahlen. Kämpfe in Persien. (WTB.) W i e n , 14. Okt. (Nichtamtlich.) Die Korrespondenz „Rundschau" meldet aus Konstantinopel: Die Zusammenstöße zwischen russischen Grenztruppen und den vordringenden Schachsevennen verlaufen sehr blutig und für die Russen verlustreich. Die Petersburger Telegraphen-Agentur berichtet, daß sich auch im Gebiete vo« Kaleschin die antirussischen Knndgebnngen hänfen. Die von der Äbgrenzungskommission in der Gegend von Bafchkal und Sarai errichteten Grenzpfähle wurden heransgerrfsen. An der Grenze erscheinen zahlreiche Fidais, die gegen Rußland agitieret. In den Provinzen Gilan, Äfferbeidfchan und Cho- rassan wurden die russischen Bedecknngsmannschaften von den Gouverneuren aufgefordert, abzuzrehen. Eine außerordentliche Session des Medfchlis, die dieser Tage zusanimen- tritt, wird in dieser .Htwsrchi wichtige Beschlüsse fassen. A«» Stadt unt Land, Gieße n» 1b. Oktober 1914. 28. Hessischer Handelskammertag. Am 10. Oftober 1914 fand, wie schon gemetbrt, der 28. Hessische Handelskam uiertag statt. Das Gcoßherzvqliche Mi- msterimn des Innern war durch Herrn Ministerialrat Schliep- h a k e vertteten. Es wurde zunächst sestgestellt, daß die Haudels- kiumnern namcuttich seit Krregsbegftrn in jeder W«ie dar» beigen «gen habe», Handel und Gewerbe ja unterstützen und manchettei Schwierigkeiten, die sich für fte boten, zu erleichtern. Vo» fast sämtlichen Handelskanrmern sind sogenannte Einignngsäm- ter errichtet worden, die den Zweck haben, bei Strrrtrgkcft« «ne Vermittelung zwischen den Parteien herberzuführe» und foorft hie Inanspruchnahme von Gerichten zu vermeiden. — Mus dem Gebiete der Kredithilfc sind ebenfalls Maßnahme» getroffen worden. Me Handelskammern zu Mainz und Ofsenbach haben für ihren Bezirk die Gründung einer Kriegs-Kreditkass« veranlaßt, während in den Bezirken der übrig« .hessischen HandeLÄünrmerq von der Gründung solcher Kassen vorerst Ilbstand genommen ist. da sich ein entsprechendes Bedürfnis bisher nicht gezeigt hat. Die Kriegs-Kredittasse Mainz ist bereits seft dem 14. September in Tätigkeit, und hat schon .ein« Reihe von ..Krediten «währt. Die Kredi tkassc Ofsenbach wird ihre Tättgkeft in nächster Zeit beginnen, — Ueber die Frage des Ersatzes von Kriegsschäbqn imd die Begleichung von Forderungen an das feftürkiche Ausland verständigte man sich dahin, daß Kriegs s ch ä de n schni jetzt unter Beibringung der Beweismittel bei dem Refthsamtr des Innern anzumelden seien, das hierzu aufgesordert .hat, wobei die Firmen sich auch der Vermittelung der zuständige» Handelskammer bedienen können Fordern»»«« ans FwschSftSvrrbftchnn^sr mtt dem feindlichen Ausland« werden zweckmäßig erst später angeineldet; es wird hierüber noch eine aenaneoe An- Weisung abzuwarte» sein. — Im Mittelpunkt der jBaQattbÜatgat stand die Frage der Festsetzung vo» Höchstpreise» für wichtige Lebe^ismittrlb^dürfntss«. E? wnrde die bereits mitgetnlte Erklärung einsti m mig cngeaonrotot. — Hiera» knüpfte sich eine kurze Aussprache über tue Tätigkeit der aus Bcr- aulassung des oreußischen Kriegsmftristerjnms gegründet« Zentralstelle für Beschaffung der Heeres Verpflegung. Nachiem bei der LandwirtschastÄammer m Darmstadt, die für das Großberzvgtnm Heften als Zcnttalstelle bestimmt worden iß, ein« besondere ztzomminion eingesetzt wurde, ber neben Vertreter» der Landwirtschaft ei» Lertrrttr des Hanocls im allgemeinen und je ein Vertreter des Gettwide-, Mehl-, Buch- und Heu- imb Stroh-Handels an gehören, sollen zunächst die Ersah- rnngen, die hlermft gemacht werden, abgewartet werde». — Me von einer Handelskammer aufgeworfene Frage, oh die Ende dieses Jahres abzuhaltenden Erg änz«n gs Wahlen zu dem Handelskammern zu verschieben seien, weil ein Teil der Wohl- berechttgten zum Militärdienst einqezoge» und infolgedessen nicht in der Lage sei, das Wahlrecht ausznnb«, nnrrde verneint. — Me Klagen, die seit Ansbruch des Krieges darüber kaut ge wor d en sind, daß mft dch Bezahlung von Rechnnngr», insbesondere von dem Pnvatpubliftim, znrückgehalten wird, sind nicht verstummt. Die Geschäftswelt, die an sich.unter der Kriegslage leidet, ist dadurch in noch größere Schwierigkeiten gebracht war- den, zumal sic selbst genöttgt ist, ihren Derpftichtungen pünkkkich nachznkommen. Es wurde einstimmig beschlossen, eine ent- sprechende Aufforderung zu erlassen. — Sodann fanden noch kurze Aussprachen über das .Vorgehen der Gerichte bei Gewährung von Zahlungsaufschub und die An- böning der Handelskammern hierbei statt, ferner über die Verlegung des Unterrichts in den kaufmännischen Fortbildungsschulen in di« Abendstunden und über einige das Aus verkaufsvtzvßtti betreffende Foagen. --- E»b° lich sprach der Handelskammcttag der Handelskammer Mainz seinen Dank sür die Führung der Geschäfte des Bor, o r t e s im abgelausenen Jahr aus und wählte sie einstimmig zu« Borort sür das Jahr 1915 wieder. Georg Volk Georg Volk ist am Dienstag abend nach längerem Leide» gestorben. In ihm verliert das BolksbildungSwese» im Rhcin-Maingcbiet seinen Gründer und hervorragendste» Fär» derer. Georg Volk wurde am 26. ?lpril 1862 in Kirch-Brvn,. b a ch ini Odenwalde geboren. Er besuchte das Lehrerseminar z» Benshcim und wirfte dann 25 Jalwe als Lehrer in Ofsenbach a 2t Dier entsaftete er auf dem Gibiete der Bolksbildungsarbeft «ms außerordentlich segensreiche und vorbildliche Tätigkeft. 1904 gründete er in Osemeinsckwft mit anderen Bolksftennden den Rhein- Mainischen Verbund für Volksbildung, etliche Jahre später als erstes seiner Att in Denttchland das „Rhein-Mainische V e r b a n d s t h e a t e r". Dann rief er mft Lft Fuchz die V o l k s a k a d e m i e zu Rüsselsheim ins Leben, und schfteß. lich veranstaltete Georg Volk die sogenannten „Volkstage". Seit 10 Jahren stand Voll vollständig im Menste des Rhein- Mainischen Verbandes für Volksbildung, deyi er in mehr ghz 400 Ortschaften Hessens, Nassaus, .Knrhesscns und der Pfalz Ein. gang und Heimatrecht verschaffte Seine Gedichte in Odenwald« Mundart sind heute Gemeingut des Heften volles, und sein prächtiges Werk „Der Odenwald" gilt als eins der besten vvlftknndlichen Bücher. Das deutsche Vvllsbildnngswesen verliert in Georg Dost einen seiner hervorragendsten Förderer, das Heftcnland einen sein« besten Söhne. Auf dem Felßc der Ehre gefalle«. (Ans Hessen und den Rachbargebieten.i Untervff. d. R. Dr. phft. 2?.< Regt. 12 in Hanau a. M. — Res. Ignaz Kunkel. Jnf-Regi 88 in Hanau. — Landwehrnmrm und Ges angenenoufseher Wilhch» H o sma n n, Inf-Regt. 116 mis Rockwiberg. — Hauptt» b« Landw. und Oberanttsrichtcr Frsttw. Wilh. Bickelhanftt d, Wald-Michelbach. — Ren AdlKiMrei fn h , Ins-Regt. Ilb a»S Hef.loch. — Res Rickxftvh Wevrich, Jnf.-Rsgt. 118 ans Wo«,», Pfiflligherm. — Friedrich und Ludwig Hartenbach mtS Wvr»«, — Res. Gottlieb Müller. Jns-Regt 115 aus Ofieubach — Res. Pmil Stachowtak, Jnf.-Regt. 116 ans Ofsenbach a. 2t> — Mitsk. August Mahr, Jnf.-Regt. 1L7 ans Mainz. — Feld, Webel-Leutnant Lehrer GgÄbert Franz, 8. b.iyr Jnf-R-gt an« Lämmerspiel. — Briefträger Omcrb Steu ern agel, ans DarmstadL — Off.-Stellv WAh Büchner, Inf-Regt. 99 w« Darmstadt. ^— Bizefeldw. Hütteningenieur Haus Freitag, h>st.- Regt. 138 aus Leun. — Unterosf. d. R. Lehrer ?ftrton Bach. Inf-Regt. 69 mrs Dornbolzhauseu. — Res. Otto Hartung ans Niedernhausen. — Lantzwehrm. Karl Lehr o»s Düdelsheim. — Landwehrm. Katt Schur erl c aus Düdelsheim. — Ein, -Froto. und Bankbeamter Earl Stenger, Fnf-Regt. 80 ans Maier», heim. — Geft. Wilhttm Schien, Fägerbnt. 11 aus Berste»». — Gefr. Wilh. Busch, Jnf.-Regt. 81 ans Neuhütte-Straßebtttz» bach — Res. Heinr. Jmmel, Res.-Jnf-Regt. 81 ans SochS- httden. — Res. Anton Weller aus Aßbach — Gefr. d. Res, Karl LovS, Jns.-Renst. 116 aus Gieheu. ** AlS neuen Roman, mit dessen Deröfterftlichong wir he,ft« in den Gießener Familienblättern beginnen. haben wir, dem Geiste unserer Tage Rechnung tragend, einen historischen gewählt und zwar auS der lodernden Zeit dentscher Erhebung: »Die hundert Tage'. Roman auS dem Jahre 181b von M. v. Witten. Der Roman schildert die historischen hundert Tage von Napoleons Flucht von Ekba bis zu seinem Etrrrze, den letzten EroberungSzug des großen Abenteurers gegen Prenßen und besten Verbündete. Für Napoleon bedeuteten diese hundert Tage den Untergang, für unS den Grundstein zu dem herrlichen Aufbau unsere« deutschen Vaterlandes. — Perft»ntor«achrichten. Me Großherzogkn bat am 8. Oftober d. I. dem Kanzlisten am Landgericht der Provinz Starkenbnrg Georg Brust die Krone znm Silbernen Kreuz de« Verdienstordens Phllipps des Großmüttgen verliehen. — In den Ruhestand versetzt wurde an, 8. Oktober d. I. der Kanzlist anr Landgericht der Provinz Starkenbnrg Georg B r u st auf sein Nachsuchen.. unter Anerkenn»»» seiner langjäbrigen treuen Menste, der, Gesangenaufteber an der Zellenstrasanstalt Butzbach Johann Kon> l rad ggf^gft, Nachsuchen, unter Anerkennung seiner treuen Dienste^ mit Wirkung vom 1. Novencher 1914, am 16. September d. I. der Haiwttebrer an der Volksschule zu Gießen Ludwig Schauf auf sei» Nachsuchcn, unter Anerkennung semer langjährigen treue» Menste und Verleihung des Charakters als Rektor, vom L Oktober 1914 an. —> Am 9. Oktober d I. wurde der SchrrLgehüfe Hedem Finanzamt Ofsenbach I Christian Schußler zn Ofterftwäi vom 15. Oktober d. I. an znm Finnnzanttsh n rea u v v r ste her beK dem Fmarrzamt Schotten ernannt. ** Im Sanitätsdienst des Rocke» Kreuzes auf dem Bahnhof ist im August in 969 Fällen Hilfe gekeister worden. Im September betrug die Zahl 1985. D« in der Samft, tognnmmer enthalten« A»gab« bezog« sich allein auf die Tätig- keft der lftahnhofswache und nicht auf die Hil sel e i stnnq« dev Lerhandstelle im Wactrsao! dritter Klaffe. — Von den Gießener KriegSpeet^wtktckgen. Am» schreibt uns: Seit drei Wochen befindet sich das erste Batmlb«. deS Reserve-Regtzun-nt-' Nr. 228, in dem sehr vreke Cbetz«: KriegsfreiwWge steh«, in . . . ., nicht wett vom Ler Exerzier platz. Dr den letzt« Tage« waren vstcke Angehörige der jung« Soldat« dorthin gereist, mehr oder weuiger schwer mft Pakete» belad«, Bm vor dem AaSrück« in d« FeldN« »och «mmak Abschied zn nehmen. Das war ein bmrtos Leb« in dem kkeipen Reste! Im Mfttelpiruft des GanJ« unsere heben Jung« mtt ihr« von Begeisterung und Tot«durst blitzend« Auge», jetzt, auch schon in der schmuck«, seldgwau« Deächk, in d« keMM, Tag« tw» „Affew" ans dem Riicken. d« Helm auf dem Kvtße und die Patvo,«« twr der Brust lknd bkm sie ging« und st und « die Bürger und die Kinder um sie her. Hott« sie doch i» . - . 4 schnell Freunde gesund« und selbst ein Kivcheufinyerk daselbst veranstaltet. „Es ist uns lech, daß der junge Mann jetzt gehet» neust," so sagte mft eine einfgche Frau pon «in«l un semr Ave»- williq«, „er ist »ns kftb geworden, als wäre er „nfer ngma Sohn." Und so sind sft denn bkmmmbeftänzt am Montag aus- gcrütkt. Anlrtzt stand« die Kornpagnim vor dem Bahnhof. Die Gießener Gäste, Väter, Mütter, Gattftrn« ging« durch die Reih« Er» letztes Händedrüch«, taus«d Griche an che rn der Hewmck! Auch der treffliche Oberst des Rcgmi«ts Drottftäßt Gießen grüßen llnglanblich, wie vitt Stodentem da war«! Mancher Professor hätte so vftl Zuhörer gesund«, daß er sofort sein Kolleg hätte beginn« könn«! llnd rnemer wieder rftfm dft jFung« uns zu: „Wann schickt uns Gießen di« erste Liebesgaben? Schokolade, Zigarren, Tabak. Wolksachen!" ** Gin Gruß der 116er. Der Kommandeur unseres Kaiser-Wilhelm-Reginemts bat in einem aus dem Felde an Herrn Oberbürgermeister Keller gerichteten Bttef dies« gebet«, der lieben Garnisonstndt Gießen dir herzlichstes Grüße des Regiments Kaiser Wilhelm z» übermitteln. pl I, F hifi ** Krieg und deutsche Volkswirtschaft. Wft mach« aus ch« Vortrag des Professors Dr. .Skalweit: «Der Krieg und dre deutsche Voskswtrtichait",. 1, c fevtt «B«nb N/t lly-r in den netten Aul» der Utkiversi- t stattffndct, nochmal? aufmerksam. Der Ertrag ist bekanntlich m Beilen von Hinterbliebenen im Felde gefallener Gietzener stimmt, ** Im Gießener Lichtspielhaus zeigt man augen- cklich einen sehr sehenswerten Film, der unter dem Namen könig Whantom" das tragische (beschick eines krvnprinzlicken nnmerdieners znm Gegenstände hat. Der Prinz, der nach der :aut seines Dieners trachtet, wird von diesem erstochen in dem rgenblick, als er durch den Tod seines Baters zur Thronfolge cusen erscheint. Der Lakai, äußerlich ein Dovvelgänger seines rrn, spielt nun, um sich zu retten, den König, fällt aber bald n Mörderhand, Der an dramatischen Verwicklungen und van »den Momenten reiche und prächttg inszeniene Film m zudem ori ert u nd i st de r Beachtung der Kinobesucher sicher. Das :agramm ve^ienhnct weiter noch eine gelungene HumoreSk:, an lerikanisches bewegtes Lebensbild und interessante '.tumahmen n der Flotte Oesterrrich-ltngrrrns, " Freigabe von Benzin, Wir verweisen auf die Be- antmachung des Generalkommandos bett, die teilweise A u s - bring der Sperre über die Bcnzinvorräte, ” Aushebung des österreichisch.uugari schcn rndsturms. Das k, k, Generalkonsulat in Frankfurt bittet r Verössentlichnng folgenden Ausrufs: Die ,m Amtsbezirk des und k, General-Konsulates Frankfurt a. M, (Provinz Hesseu- rssau und Grvfcherzogtum Hessen) wohnhaften österreichischen und garischen Landsturmpslichttgen, welche in den Jahren 1894, 93 und 1892 geboren sind, haben sich bei dem genannten Ge- ral-Konsulate einer besonderen Landsturmmustcrung zu ter,leben, bei welcher ihre Eignung znm Landsturmdienst mit c Waise festgestellt werden wird. Es haben demnach jene Land- rmvstichtigen der bczeichneten Jahrgänge, welche bisher ihre Iuesse dem k, und k General-Konsulate noch nicht gemeldet »den, diese unverzüglich schriftlich unter Angabe des Geburts- I l sres, Geburtsortes und der Heimatsgemeinde nachzuholen. Jene, ! lche seit der letzten Meldung ihre ?ldresse geändert haben, haben ■4 ebenfalls imverzüglich anzuzeigen Die genannten Landstnrni- I 'ichtigen werden sodann für die allernächste Zeit per Post die I irladung zur Musterung seitens des General-Konsulatss erlmlten, der das Ergebnis der Musterung wird jedem Untersuchten eine -scheimgnng ausgestellt. Die bei der Musterung für ,,Geeignet" Ürndencn werden sich am 26, Oktober d, I, bei ihrem ?u- ndigen Landwehrergänznngsbrzirkskommnndo in der Monarchie melden haben. Auf den deutschen Bohnen werden die Ein- ckenden gegen Borweis der hieramtlichen Bescheinigung freie chrt erhalten, "Po st verkehr mit Belgien. Nachdem im Bereiche ! Kaiserlichen Generalgouvernements i» Belgien eine Kaiser- chr Deutsche Post - und Telearavben-Derwaltnna gerichtet worden ist, können von jetzt ab, jedoch zunächst nur im rfffir zwischen Deutschland und Brüssel, oewöbnliche und ein- chrlebene olle ne Briete, Boilkorten, Drucksachen, Warenvroben d GeschästSvarnere in deutscher »nd sronzöüscher Sprach«, seiner leqramme in oiiener Sprache zngeloffen werden, und zwar Tele- rmme ans Brüste! in deinicher »nd Iranzöiilcher, nach Brüstel r in deutscher Sprache, Mitteilungen über Rüitnnaen, Trnvven- er Schsffsbewegnngen oder andere militärische Mas,nabmen sind »cboten. Jit den Telegrammen inüsten bei der Aullieiernng Name d Wobnuna des Absenders angegeben lein. Ans Verlangen isten sich Absender und Emplänaer über ibre Persönlichkeit ans- isen. Die Taren unb Tari'e sind dieselben wie vor Ansbruch 5 Krieges im Berkebr mit Belgien. Die Frankicrnnq der »düngen eriolgt in Belgien mit deutschen Postwertzeichen, die schwarzer Schrist den Ausdruck Belgien und die Angabe des ertes in Centimen tragen. ** D,rc Behandlung der russischen landwrrt- sastlichen Arbeiter, Das stellvertt, Generalkommando des Armeekorps Hot für alle russischen Arbeiter im Alter n 17—45 Jahren, die sich noch im Korpsgebiet befinden, die -ssä ln igr Karenz- oder Wartezeit aufgehoben Alle Arbeiter üssen den Winter über an ihrer bisst-rigen Arbeitsstelle • r b I e i b e n und dürfen die Greirpen des Ortspvlizeibezirks bk ohne schriftliche Genckhmiqgmg der znstäridrgen Polizeibeböede rlaslen. Die bisberigen Arbeitgeber sind verpflichtet, den Lcu- i während des Winters Unterkunft imd Verpflegung zu ge- ihren, ** Zur Narbahnru n g' Einen Beweis für die große oserfrenoigkell unserer Landbevölkerung liefert die Taffache, daß stern van Herrn Ludw, Nestler V von Grvsten-Lrnden ein aqen mit Karwffcln und Weistkraut in einem txrr lnenqen zur nwimdetenpslege dienenden Lazarette abgelicsert wurde, Landkreis Kiesten. -s- Inheiden, 13, Okt, Auch hier hat das Vaterland das ste Ovser gefordert, Hermann K u b l siel aus dem Felde der ire. Er hinterlästt eine Witwe mit 2 immündigen Kindern, Kreis Friedbcrg, 'A Friedberg, 15 Okt, Gestern konnten Kanzleirat r e u d e r zu Friedberg und seine Zwillinqsschwester Frau Bertha enz, Witwe des verstorbenen Kriegsveteranen von 1870/71, errn Pb, Lenz zu Gießen, ihren 70, Geburtstag feiern, A Butz b a ch, 15, Okt Beigeordneter und Kansmann rr! H adermann H, und dessen Ehefrau Anna Dorothea, b, Fischer, zu Butzbach feiern heute das Fest der silbernen ochzeit, Hessen-Nassau. (?) N o d h e i m a d, Bieber, 14, Okt, Nach Beschluß der esigeu Gemeindevertretung wurde für jeden unter den Wos- n stehenden jungen Mann ein Anteilschein bei der Nass, riegsversicherung gelöst. Auch unser Gewerbeverein ct in gleicher WLise für die im Felde stehenden 11 Söhne iner Mitglieder eine Kriegsversicherung ausgenommen. Amtlicher Wetterbericht. Oeffentlicher Wetterdienst, Gießen. WetterauSsichtcn in Hessen am Freitag, den 16. Okt. 1911: eist heiter, trocken, Ostwind, katl. Letzte Nachrichten. Unser Vormarsch auf Ostende. Rotterdam, 14. Okt (5525. Nichtamtlich.) Nach nein Bericht der ,,Dailv Mail" nähern sich die Deut- hen aus drei Richtungen Ostende, erstens von pern, zweitens von Courtrai und drittens von ccloo durch Brügge. Westlich von Maldeghem ist hwerer Kanonendonner vernehmbar. Der Reichskanzler in Brüssel, (352®. Brüssel. 14. Okt, (Nichtamtlich,! Der Rrtchs- inzl er v Betbmann-H ollweg ist in Begleitung des Hess des Zivilkabinctts des Kaisers v, Valentini, des Gesandten >n Treuller und des Botschaftsrates v, Mntius heute nachmittrg er ein getroffen, . Ausdehnung der Kriegsfüriorge in Preußen, Berlin, 15, Okt. (5528. Nichtamtlich.) Die einmütige nnahmc der von der Staatsregierung dem preußischen andtage vorzulegende Kriegsentschädignngssorderung ir die Provinz Ostpreußen gilt als gesichert, Der redit, den die Staatsregierung für Beschaffung von Arnis gelegenheit vom Landtag fordert, ward, wie die „Boss, tg," hört, eine Milliarde erhebkich üherschreien. Es sollen auf allen hierfür in Betracht kommenden erwaltungsgebicten Arbeitsgclegenlreit geschaffen undauch ttl Kommunalverbänden llntersrützungen geivährt werden, er Charakter der bevorstehenden Landtagstagung als eine «tue Kriegstagung ist in volLm Umfange getvähr- leistet. Vom 9. Februar 1315 ab ist eine kurze Etatsberatung geplant. Bis dahin blecht der Landtag voraussichtlich vertagt. Die Ei se nb ah nve rwaltun g ist bemüht, bei der Vergebung von Arbeit auch die kleinen Betriebe der Industrie, des Handwerks und des Handels zu berücksichtigen. Manche dieser Betriebe kämpfen mit großen Schwierigkeiten, so daß man sie als notleidend bezeichnen kamt. Ihnen wird durch Zuweisung von Staatsausträgen die Möglichkeit geboten n>erdeu, ihre Betriebe ohne Entlassung von Arbeitern und Angestellten weiterzu führen. Dir belgischen Flüchtlinge in Holland, t, Köln, 15, Okt, Die „Köln, Ztg " meldet aus dem Haag: Tie niederländische Regierung wird heute oder nwrgm einen Ausruf an die Flüchtigen aus Antwerpen und den umliegenden Dörfern richten, in die Heimat zurückzukehren, Me Berichte über ansteckende Krankheiten untet den Flüchtlingen seien übertrieben. Bisher habe man crsr ernen Fall von Diphtherie sesrgeick.lt. Die nöttqcn Schutzmaßnahmen seien grttoff-ni Das Amsterdamer „Handclsblad" weist i die Fürsorge hin, die die Holländer den geflohenen Belgiern und damit auch deren Bundesgenossen angedeihcn lästen und stellt feTi, die Entenlepres e sonne angesichts dieser Tatsachen nun nicht mehr woh! von der seindieligcn Haltiing Hollands sprechen. Eine treffende Kennzeichnung englischer „Hilfe". (DTB ) Wien, 14, Okt. (Nichtamtlich.) Die „Neue Freie Presse" schreibt: Wenn cs noch eines Beweises bedurft hätte, wie die englische Hilfe den Staaten des Festlandes von Europa bekommt, so zeigt diese- der Fall von Antwerpen. Sonst gilt es als die wichtigste Aufgabe einer Berteidigungstruppe, daß sie die belagerte Stadt schützt und vor dem äußersten bewahrt: diesmal ivar es genau umgekehrt, die Stadt Antwerpen mußte, nachdem die weiter« Verteidigung! aussichtslos geworden ivar. die Bcsdnclßung über sich ergehen lassen, um den ilichendcn Engländern den Rucken zu decken. Nur fremde Söldner, die kein Herz für die Bürger des ihnen innerlich fremden Staates haben, konnten so erbarmungslos handeln. Das mag für Frankreich eine bittere Mahnung sein, wie es Paris erge!»en wird, wenn cs unter englischem Schutze verteidigt wird. ^Das pennen die Engländer dann Sich sidienkriege, die sie mit Söldnern und silbernen Kugeln führen. Der Selbstbetrug Frankreichs. (WTB.) Zürich, 15. Okt. (Nichtamtlich.) Ein Pariser, der die Schweiz besucht, schveibt dem „Baseler Anzeiger": Man fängt endlrcl- in Paris an, zu merken, daß, die Bevölkerung systemathisch in Unwrssenhert gehalten wird über die wichttgsten 'Vorgänge, Jetzt wird sie meist in Spannung gehalten durch Berichte der „Agencc Havas", die hinterdrein sich als Falschmeldungen erweisen, sstachrichten über deutsch Siege werden erst nach lagelangem Zögern mitgeteilt. Das ictzige Gefühl der Unsicherheit lastet auf den Menschen mehr, als durch unliebsame Nacknichten bemerkt würde. Jetzt sicht man auch, daß den Franzosen inbezug aus die Verkehrseinrickstnngen jegliches Organisationstalent abgeht. Wie erstaunt war ich, als ich in der Schweiz>die deutschen Verlustlisten erblickte. Solche gibt es in Frankrerch nrcht. Nur die Namen der gefallenen Offiziere werden in den Zeitungen veröffentlicht, Von den vielen Tausenden von Gefangenen erfahren die Franzosen nichts: sind sic wt, verwuridet, gefangen? Niemand kann begreisen, welckze Ucberraschung der erlebt, der jetzt von Frankreich nach der Schlveiz kommt. Man fällt geradezu aus allen Himmeln, Jetzt wird einem endlich llar, warum mit solcher ?lcngstlichkeit darüber gewacht wird, daß'keine fremden Zcitungen nach Frankreich kommen. Ein Loh für die Hilfe der Neutralen. (WTB.) Berlin, 15. Okt. (Nichtamtlich.) Me „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Der von England ruchlos angefachle Krieg lastet nicht bloß aus den unmittelbar kriegführenden Völkern, er drückt auch mit Härte die Neutralen. Die militärische Machtentsalttrng zum Schutze ihrer Neutralität beraubt sie vieler, chrem wirtschaftlichen Leben daheim notwendigen Kräfte, imd ihr aus amen regen 'Verkehr mit dem Auslande gestellter Handel und Wandel wird nicht nur durch den Kriegszustand an sich, sondern zum Teil auch noch durch die Unbilligkeiten getroffen, die ihnen wegen der Wahrung ihrer Neuttalität angetan werden. Es genügt, an die von England versuchten oder ausgefühtten Schikanen Au erinnern. Zu den .Basten und Verlusten, die dergestalt der Krieg den Neuttalen auferlegt, tteten die Aufwendungen und Bemühungen, die sic amtlich und privat in dankenswerter Weise in reichlichem Umfange freiwillig in dem Dienste der Menschlichkeit leisten. Man denke daran, wie sich aus diesem Gebiete zum Mispiel Amerika beiättqtt, vornehmlich aber auch, wie großherzig sich Holland, die Schwerz und hie skaudi- navischen Staaten sofort des Sttomes hilfsbedürftiger Flüchtlinge und AuSgctriebener aller Nationen annahmen, die der Kriegssturm über die neutralen Grenzen jühtte. Eben jetzt wieder hat Holland durch die Belagerung und den Fall von Antwerpen durch die Fürsorge für die große Menge der vorher ge- stüchteten bürgerlichen Bevölkerung und der nachher über getreten,», Msatzungstruppcn eine neue schivere Last an verantwortlicher Mühsal und mildherziger 5lilfe ausgebürdet erhalten. Es ist recht und billig, daß wir in unserer eigenen harten Kriegsarbeit nicht verabsäumen, den Blick voller Achtung und Bewunderung aus diejenigen Neutralen zu richten, die zwar klein an 5dollszahl, aber groß an OpferWilligkeit sind und an mensMicheii Edelmut, den sie in dessen Tagen, da dae Völker aus Herz und Nieren geprüft werden, wohlluend bekunden. Aus Luxemburg. Berlin, 14. Okt. Well in französischen und englischen Blättern in diesen Tagen die Nachricht verbreitet wurde, wir hätten in Luxemburg einen Gouverneur eingesetzt, der Befehlshaber der lleinen luxemburgischen Armee und 10 seiner Osfizrere seien erschossen, werden Sätze aus der Geschäftsordnung mllgetellt, die für die deutsche Zentralstelle der Entschädigung für Luxemburg ausgestellt imirden Die betr. Bestimmungen sind von dem Wunsche dikttctt, die unvermeidlichen Schäden des deutschen Einmarsches in Luxemburg nach Möglichkeit auszngleichcn. Beachtliches zur Halttmg Italiens. i. Köln, 15. Okt. Die „Köln. Ztg." meldet aus Rom: Das „G i o r n a l e d ' I t a l i a" bringt einen Bericht über eine Unterredung seines Berliner Vertreters mit dem deutschen Staatssekretär des Auswärtigen von Jagow Nach diesem Bericht hat Jagow erklätt, die Gefühle Deutschlands Italien gegenüber seren freundschaftlich geblieben, was sich nach dem Kriege erweisen werde. Umsomehr betrübe die Tatsache, daß der größte.Teil der italienischen Meinimg aus seiten der Gegner Deutschlands sei. — Der halbamtliche „Po- volo Romano" bemerkt dazu an der Spitze des Blattes, von Jagow sei wahrscheinlich der Ansicht, die öffentliche Meinung Italiens richte sich nach den Kubilleüern, die ein Teil der Presse den dem Dreiverband günstigen Berichten widme. Der Staatssekretär urteile aber nach dem Scheine. Die Elemente, dir das wirkliche Kritorium der öffentlichen Meinutlg bildeteu. rekrutierten sich aus denjenigen, welck>e beauftragt seien, das italienische Volk zu vertreten. Zuerst hallen sich die Konstituiioncllisten unter Führung des Abg. Grilwv für die Neuttalität im sinne des Regierungsprogramms ausgesprochen. Tann sei die Erllärung Giolittis in Cuneo erfolgt, der im Namen seiner Freunde sprach. Schließlich batten sich auch die demokratischen und radikalen Abgeordneten und zuletzt auch die meisten Sozialisten für die Neutralität erklärt, Im Scnate seien mehr als Vt aller Mitglieder überzeugte Anhänger des Dreibundes, Demzufolge entbehre der Eindruck von Jagows jeder posittven Grundlage, Der Staatssekretär solle nicht glauben, Italien habe gegen seinen Bundesgenossen die Treue geändett. Das amerikanische „Role Kreuz" in Oesterreich, (WTB.) Wien, 14, Okt, Me beiden Hilssab teilnngeu, die das a m e r i k a n i s ch c R o t e K r e u z nach Ocsterreckz-Ungarn abgesandt hatz^ ttasen lieute auf dem Nordbahuhof ein, >vv sie namens dcS cxrzherzocK roalvator bon dem Träfen Traim, ferner vom Eisenbahiunimster, innem 5Krtrcter des ÜAinislers des Aenßrrn, einem Vertreter der amerikanischen Botschast und 5^er- tretern der Militär- rmd Ziwlb.'hördeir empfangen wureen, Gws Traun richtete an die amerrkamschen Aerztr und Pslegrnnnen eine Ansprache Der amr-rikanischc 'Arzt Snoddy dankte für den der amrrikonisckten Expedition Herr rieten warmen Empsaug, Ocfterreichische Maßnalimrn isegen Angehörige feindlicher Länder. (5828.1 Wien, 14. Okt, Der Unterrichtsininister hat angeordnet, daß Staatsangehörige von Belg,», Frankreickr, Ewvß- lnitannien, Javan, Rußland, Montenegro und Serbien von drrn Sttidien,alw 1914 15 angetan gen zu Inskriptionen an öster- re icki i s ch en Hochschulen ni ch t mehr z u gel a s s en srnd. Der Minister lfält sich jedoch vor, beim 5iorhaudeiff»n besonderer Umstände, namcutlick» für solckw Angehörige dieser Länder, ivelche nickit zu der dort l-errschcitden Natton zählen, eine Ausnahme zuznlassen, Wiederhelebung des österreichischen Wirtschaftslebens, (WTB.) Wien, 14, Okt, Eine nicktanttliche Mittellcmg weist darauf hin, daß eine Besserung des durch die Mobilisierung beeiniräckUigten Eisenbahnverkehrs bereits eingetreten sei und daß die durch die Mobilisierung verursachte Störung einzelner Industriegebiete übernnmdcn sei. Eine weitere Besserung sei zu erwarten von der Milderung einzelner Ausstihrverbote und von der Wiederherstellung des direkten Wagenüberganges nach dem deutschen Reiche und dem neutralen Auslande, wovon eine Wiederbelebung der Ausfuhr, namentlich nach dem deutschen Reiche, Italien, der Schweiz und Rumänien crhosst werden dürfte. Der „sttategische" nissische Mckzug. (WTB.) Rotterdam, 15,Okt, (Nichtamtlich.) Au? P r z e m U s l ttnrd gemeldet, daß die Russen die Belagerung der Festung aufhvbe», angeblich, wie aus Petersburg bekannt wird, um den deutsck/en und österrcichstch ungarischcii Trup-j pen gegenüber eine strategische Stellung einzuneh- men Noch andere Stellungen in Galizien seien aufgehoben worden. Die Cholera. (i) Köln, 15.Okt. Die „Köln. Ztg." meldet aus Zürich: Die schweizerische Regierung hat Rußland, Galizien und Serbien als choleraverseucht erklärt. ?lus Mangel an amtlichen Nachrichten läßt sich das verseuchte Gebiet nicht näher umschreiben. Zur Haltung der Türkei. (WTB.) Ko n sta n t i nope l, 14. Okt. (Nichtamtlich.) Der ehemalige Großwesir .H a l k i - P a s ch a, der seit Jahren als Unterhändler über englisch-türkische Fragen sich in London ausgehalten hatte, ist von dort nach Konstantinopel znrückgckehrt. (WTB.) Kvnstantinopel. 15. Okt. Die türkische Presse hebt mit lebhafter Befriedigung dir Tat des deutschen Unterseebootes „U. 26" hervor, das den russischen .(fraise, „Pallata" zum Sinken gebracht hat, und stellt fest, daß diese Tat die Moral der dentsckzcn Truppen nock> mehr steigern und aus die englische, französisch« und russische Armee und Marine einen deprimierenden Ansdruck ausüben werde. Ein frestvilligrs Skiläuferkorps. (WTB.) München, 15, Okt, (Nichtamüich.) In Bayern ist ein dlufruf zur Bildung eines freiwilligen Skilöuser- korps erlassen, Mefcs würde bei einem etwaigen Winterseldzug werivolle Kriegsdienste zu leisten haben. Die vorsichtigen Rhodesier. (58TB.) London, 15, Okt, (Nichtamtlich.) Die „Times" melden aus Salisbury: Das rhodesische Kontingent, das heute nach England äbreisen sollte, hat beschlossen, in 'Astrika zu bleiben. Don der Tätigkeit der Heilsarmee. i. Köln, 15. Okt. Die amerikanische Heilsarmee hat 400000 Pfund Sterling für die belgischen Flüchtlinge gesandt. (Köln. Ztg.) Neubatl einer Kunstakademie in Düsseldorf. Düsseldorf, 14. Okt. Me Stadtverordneten bewilligten für den Ban einer Kgl. Kunstakademie zweiMillioncn Mark. Mit den Slrbeiten stir das Hauptgebäude soll bereits in nächster Zeit begonnen weiden. wscyenll. Uebersicht der Todesfälle i. d. Stadt Gietzen. 40. Woche. Bon, 27. September bis 3. Oktober 1914, Einwohnerzahl: angenommen zu 32 990 linkt, 1600 Mann Militär-, SterblichkeitSziffer: 33,40 %. nach Abzug von 13 OctSicemSen 14,22 0, „. Kinder ES starben an: Zusammen: Erwachsene: im 1. Lebensjahr: vom 2.—15. Jahr Tuberkulose I I — — Darmkatarrh 1 — 1 — Blinddarmentzündung 2 (2) — — 2(2) Bronchitis 2 1 — 1 im Wocbcnbett l(Y 1(1) — — Schlaqfinh 1 1 — Magengeschwür 1(1) 1 (1) —- Lebensschwäche 2 — 2 — Allersschwäche 1 1 — Kriegsverletzung (7 Deutsch«, 2 Franzosen) 9(9) 9 (9) Summa: 21 (13) 16 (11) 3 3(2) Anm,: Me tn Nlammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel her Todesfälle in der betreffenden Krankheit aus von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen. Statt besonderer Anzeige. Wir haben die Freude, die glückliche Geburt eines Töchterchens anzuzeigen. Laubach, 14. Oktober 1914. 10877 Kammerdirektor Birnbaum und Frau Else geb.Wrmmenauer Der Zeichen- und Malunterricht für Erwachsene und Kinder hat wieder begonnen. Porträtaufträge werden angenommen. Ver- grSssernngen nach Photographien Verstorbener i. Oel u. Pastell. M. Felchner, Goethestrasse 67. 07906 icL l' Läsa ? 1LSR& ILfrii cstaurant Kostümröcke Ich empfehle Neue Kostüm rocke für Herbst u.Winter in Kammgarn, Rips u. wannen Winterstoffen in bester Verarbeitung Glatte Röcke mit Knopf-Garnitur in schwarz und blau Cheviot . . . Mk. 3.80, 4.80, 5.80 Glatte Röcke mit Knopf-Garnitur in schwarz und blau Kammgarn Mk. «.80. 7.80 bis 24.— Tunika-Röcke in Kammgarn und Rips . . . Mk. 15.—, 18.— bis 2G.— Schwarz-weiß gestreifte Röcke glatte Form Mk. 10.— mit Tunika Mk. 12.— Carl Nowack Größtes Spezialhaus für Damenmodewaren in Oberhessen 10649a Morgen Freitag: Mehelsuppe Bayerischer Hof 07300 Bahnhosstraße 43. Ein Transport leichte und schwere Wagenpferde rische Fische! Freilaa triib eintrefscnd: ii. Mau Mos) zu verkaufen. 10640 Himmrich Brandplatz 5. Trauersachen werden in kürzester Zeit tadellos schwarz gefärbt. J. C. Wallenfels Färberei, chem. Wasch-, Dekatur- und Bettfedern- Reinigung- Anstalt, Fabrik u. 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