llr. 237 Zweiter Blatt 164. Jahrgang Erscheint täglich nrtt Nutz nechm e dcS SonstagL Die „Sirtzeuer Zanriliendlätter" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich bcigelegt, das „Breirdlatt fir »«, Xrek Siegel' zweimal wöchentlich. Di« „randwirtschaftllcheu Zeitfrage»" erscheinen monatlich zweimal. Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Gberhefsen Zrettag. 9. Oktober Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Unwersuäls»Buch- und Sieindruckerei, R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Echul- straßc 7. Expedition und Verlag: &a8&l. Redaktion: ^sS 112. Tel.-Adr.: AnzeigerGießen. Unsere Brummer — unpraktisch? Angebliche Nachteile des 42-Zentimrker-Gcschützcs. Aus Berlin wird uns geschrieben: Der Lügenseldhug unserer Gegner macht eine Schwcn- tntg. Es gelingt nicht mehr, die offenbaren Erhob«' der «entschen Truppen in Niederlagen umMsälscheir lim lich zu rösten, versucht man jetzt, unseren Kriegsmitteln Nachteile inzudichten, die eigentlich nur tauxb Zufall zu ihrer Wir- itng gekommen seien. ,l Den Vogel in diesem Lügentrost schießt das Reute» inreau ab mit dem Bericht eines französischen Artillerie-- »sfiziers über die — Unbrauchbarkbit und Ungefährlichkeit inserer epochemachenden 42-Zentimeter-GcschüHe. Hören wir riesen Ankläger: Die großen Brummer hätten nur dann «erntchtende Wirkung, wenn sie unter günstigen BedinMn- fen aus sehr großem Abstand angewendet werden. Der Transport sei aber viel zu schwierig, die Granaten platzten nrmer zu früh, zu spät oder gar nicht. Man könne sich sehr sohl aus die Ungetüm« derart einrichten, daß sie «ngesahr- ich werden. An dieser Betrachtung ist so ziemlich allstes falsch und »öswillig verdreht. Der Transport der Brummer hat bis echt nirgends besondere Schwierigkeiten verursacht, nirgends ckwa die Ausfahrt anderer Kriegsmittel gehindert »dm ge- chiwigt. Nach Lüttich nmrden die schwerer, Gcschache in Teile erlegt gebracht. Nicht etwa wurden die regulären Bohw- «ken zur eigenen ss-ortbewvgung benutzt. (Äst am Operaionsfeld angekommcn, werden die Geschütze auf Feldbahn- Gleise der Eisenbahn truppen gebracht und so in Stellstrng ^schoben. Ebenso wird die Munition durch kleine, in tiefen Yräben angelegte Feldbahnen bis an das Geschütz heran- gefahren und dann automatisch, wie bei den. Schiffsge- chützen, in das Rohr gehoben- Alles ist überaus sinnreich rnd außerordentlich praktisch angelegt. Bor Lüttich z. B. rmrden die Feldbahnschienen längs der Avenue Rogier geegt, 6—7000 m vor fcicn Forts, die man dann in aller Ruhe jusammenschießen konnte, ohne Opfer an Soldaten und Material zu bringen. Die Forts konnten schon deshalb nicht ant- vvrten, weil ihr Feuer nur die eigene Stadt zerstört hätte-. Las ist ja gerade die praktischste Seite des neuen Kalibers, »aß es von seinen Gegnern bei den riesigen Entfernungen richt erreicht wird, selbst aber aus bisher unerhörte Weiten rrrsft. Ein lächerlicher Irrtum ab« ist die Behauptung, daß tk G-ranaten nicht platzen. Hier liegt wahrscheinlich eine Verwechselung der kleineren Hi^ssgeschühc mit dem Hcrupt- peschütz vor. Die Hilssgeschütze, die auf dem gleichen Bllock rfie der grvhe Mörser stehen, dienen zum Einschieben, um Me Rohre des schroeren Kalibers zu schonen. Jlge Geschosse ollen gar nicht die eigentlich vernichtende Wirkrmg herwo» msen. Doch weiter. Der vom Reuterbnreau ins Treffen geführte Artillerieoffizier beanstandet den großen Abstand, den >ie 42-Zentimeter-Geschützc vom Gegner nehmen müssen, ,rm ihre Wirksamkeit zu entfalten. Welchen Vorteil aber gerade diese „Zwangsentsernung" bietet, zeigt nicht nur per bereits genannte Umstand, daß die Mörser von ihren Gegner überhaupt nicht erreicht werden können, sondern auch der Wegsall jeglichen schwierigen und zeitraubenden Stellungswechsels. Die Antwerpener Forts, soweit sie bis jetzt gefallen sind, wurden ebenso wie die Befestigungen von Lüttich, Longwp und Namur stets von ein und derselben Stelle nacheinander beschossen und mit einer Treffsicherheit zerstört, die in der Kriegsgeschichte aller Zeiten nicht dagewesen ist. Dieser ungeheure Vorteil der großen Brummer hat ja auch die ganze Taktik der Artillerie, wie inan sie bisher übte, über den Haufen geworfen. Während man früher immer lange Berteidigungssronten der Be- festigungc-werkc einem reihenweise» Angriff der Artillerie rmterwarf, wirb jetzt zunächst nur eine kleine Bresche in den belagerten Ring gebrochen, um von hier die ganze Ver- teLigungSfront auszürollen. Das mag für die Schulweisheit der gegnerischen Strategen etwas überraschend gekommen sein, ein Nachteil der Riesenkaliber ist es nicht. Man kann sich eben gar nicht auf diese neue Waffe einrichten, weder taktisch, noch etwa durch rasche Herstellung »ähnlicher Kaliber in den gegnerischen Werfftätten. So etwas erfordert doch unendliche eiserne Friedensarbeit. Der Vorsprung ist nicht einzuholen. llcber die Geschoßwirkung waren eigentlich schon bei Lüttich geschaffen. „Womit haben Sie geschossen? fragten die gefangenen Kommanoanten der Forts unsere Offiziere," es gab doch bis jetzt keine Granate, die unseren Panzer durch- konnte!" Manon-Bllliers war das bestgebaute Pan zerfort der Welt und ffel in kurzer Zeit. Außer der Ge- tcdoßwirkung zeigen aber die 42-Zenttineter-Geschütze auch eine Gaswirkung, wie sie bisher in keinem Kriege beobachtet wurde. "Allein die Erstickungsgefahr der Fortbesatzungen führte zur llebergabe. „Wir find fast wahnsinnig geworden vor — Zahnschmerzen", klagten nachher die Festungsartilleristen, „nach jedem Schuß schnappten wir nach Luft. Wir wurden durch die Atemnot kampfunfähig." Ist das etwa auch ein Nachteil unserer neuen „Geräte", wie der amtliche Ausdruck lautet. Rechnet man noch die .verhältnismäßig sehr geringe Abnützung der Mörser, die nach sachkundiger Kritik nicht verwcndungsunfähig werden, auch wenn ein einziger alle Festungen der Welt zusammenschießt, so dürste doch der Gipstl des „Praktischen" erreicht sein. Lin Charakterbild König Albertr von Belgien. Im nächsten Hefte der von George Cleinow geleiteten „Grenzboten" verössentlicht Alfred Ruhemann einen gehaltvollen Aufsatz über das „belgische Problem". Ruhemann, der als gediegener Kenner Belgiens seit langem in Deutschland bekannt ist, gibt im Rrrlnnen seiner Darstellung ein Charakterbild des Königs Albert von Belgien, den er fast in jeder Bc^iehung seinem Vorgänger Leopold II. als eine Art Gegenbild gegenüb erstellt. Leopold, der weitblickende, aber auch skrupellose Kaufmann auf dem Throne, ist es gewesen, der nach Ruhemann Belgien in das französische Lager binübergesührt und für die gründliche Französierung der politischen Anschauungen des Landes wirffam gearbeitet hat. Daß Wnig Leopold bei der Anlehnung an Frankreich nicht gut beraten war, das haben die Belgier wohl innerlich gefühlt, aber der Zwang der Ueberlieferung, der Neid auf die immer mehr wachsende wirtschaftliche Bedeutung des Deutschen Reichs und schließlich die von Frankreich und England geschickt geschürte Furcht, daß Deutschland danach trachte, Belgien „auszuessen", bewirkden eine immer sichtbarere Hals>tarrigkeit im Anschlüsse an Frankreich. Es war nun eine merkwürdige und ausfallende Verkettung von Umständen, ein Gottesgericht fast jedenfalls ein Witz der Weltgeschichte, daß das so von französischem Geiste durchdränkte Belgien nach Leopold dem Zweiten von einem Fürsten regiert werden sollte, an dem sozusagen alles deutsch war, Gesinnung und Erziehung, Anschauung und Sitten. Albert war natürlich in allererster Linie Belgier und weder gewillt, noch, als verfassungsmäßiger König, ermächtigt, aus eigenem Antriebe Ueberlieferungen zu brechen und eine der bisherigen Richtung entgegengesetzte Politik vom Zaune zu brechen. Auch war er ein zu großer Neu- ling auf dem Herrscherthron, noch zn sehr Herrscherlehrling, als daß er, hätte ihn selbst die Vorsehung mit mehr Willenskraft bedacht, kaum zur Regierung gekommen, Umwäl- jungen auf dem Gebiete der äußeren Politik hätte wagen und verwirklichen dürfen. Es genügte denjenigen Belgiern, die ihre Sympathien für Deutschland nicht verbargen ihre Zahl wuchs mit der Thronbesteigung Alberts in recht erfreulicher Weise — und so auch uns, daß der junge König eine deutsche Mutter, die Schlvcster König Karls von Hohen» zollern, einen deutschen Schwager, Prinz Karl von Hohen- zollern, hatte; daß er sich im Hause des Herzogs Karl Theodor von Bayern in Gesellschaft unseres Kronprinzen so wohl wie nirgends anders fühlte, und daß er schließlich dieses Herzogs klügste Tochter Elisabeth aus wirllicher Liebe heimlührte. Alle Vorbedingungen für einen glücklichen Umschwung in Belgien zugunsten der Erstarkung der Gefühle für Deutschland schienen demnach gegeben. Leider aber war Albert ein Träumer, ein König, dessen Ideal und Ziel es war, den Volksbeglücker im demokratischen Sinne zu spielen. Er ließ deshalb die inneren und äußeren Verhältnisse des Landes, wie sie vordem waren, im guten Glauben der politischen Sicherung desselben durch die Neutralitätsakte. Und es ist für jeden, der die schlichte Offenheit und Ehrlichkeit des Monarchen kennt, außer Zweifel, daß er für seine Person und aus eigenem Antriebe loyal an demselben festgehalten haben würde. Sein Unglück war, daß er nichts zu sagen hatte. Leopold der Zweite hatte, wenn auch durch das Sprachrohr seines Ministeriums, tatsächlich regiert. Albert aber war nur der Vollstrecker von dessen Wünschen und Plänen. Er stand viel zu sehr auf verfassungstreuem Boden und besaß viel zu wenig Energie und staatsmän- nische Kenntnisse, um vorderhand in einschneidenden Fragen anders zu denken, wie seine Minister. Sein Volk wußte, daß nie, wie sein Onkel, ein weit voraussehender, unterer nehmender „königlicher" Kausmann werden und das Land auf diese Welle weiter bereichern würde. Trotzdem jubelte es ihm zu und verehrte ihn, einmal, weil dem Volke seine Rechtschaffenheit nack, der Verschlagenheit Leopolds II. Wohltat; sodann well seine volkstümliche Gesinnung den ohnehin demokratischen Neigungen der Belgier sympathisch war, und schließlich well er des Landes Anschluß an Frankreich wenn auch nickst gerade liebte, so doch auch nicht verurteilte oder unterband. Es ist, um es hier gleich zu sagen, vrr-> srändlich, daß ein jolck>cr Charakter, nachdem er einmal zu einem deutschfeindlichen Bündnis ans politischen Gründen sich hatte überreden lassen, auch dessen unselige Folgen mannhaft zu tragen weiß, und sollle er darüber" zugrunde gehen. Er verdient nicht unsere Verachtung, sondern diejenigen, die ihm die Lage anders vorgestellt und ihm Deutschland la»ls den hungrigen Verschlinge! Belgiens geschildert haben. Weniger für die Rettung der eigenen Krone, als vielmehr für die Erhaltung Belgiens als unabhängiges Königreich, glaubte er sich verpflichtet, den Rat der« zu befolgen, die es besser wissen wollten, ivas Deutschland tm Schilde führte. Die Russen in Johannirburg und Umgegend. Einem Elbinger Blatte entnehmen wir folgende Schilderung von Erlebnissen und Zuständen in schwerer Zell: Johannisburg hatte gleich am Mobilmackzungstage nachmittags den Kosakenaiidraug auszuhalten. Eine Schwadron war bis n-enige hundert Nieter vor die Stadt von Aotowen aus oorgedrmlgcn, wurde aber mit blutigen Kopsen von einer unserer Rodiährerpatrouülcn zurückgeschlagen. Dabei imrrden über 30 Pferde erbeutet. ?lin Montag, den 3., und Dienstag, den 4. Aug., sah inan in der Richtung aus Bialla an viele,, Stelle,, gewaltige Rauchsäulen ausstcigen. Au der Strecke Lyck-JohnuttSburg und JohanniSburg-Dlotoiven brannten alle Bahnhöfe. In den meisten Grenzdörscru nmrden die Häuser der größeren Be- siyer angesbeckt. So verlor das 'Dorf Gr.-Kcssel 30 Gehöfte; Schwiddcrn ist ganz abgebrannt. Die Stadt Johaniüsbnrg war voller Flüchtlinge. Der Schreiber dieser Zeile» und viele Bewohner des Dorfes Snopkcn bei Johannis bürg waren in den Wald und die angrenzenden Wiesen und Sümpfe geslückstet und brachten dort mehrere Tage und Nächte zu. Da rückten unsere Infanterie und Artillerie im Sturmmarsch vor mid befteitcn uns von dem ersten Kosakenvorswß. Es kamen friedlickn Tage und auch der Schulunterricht konnte eine Woche nach den Sommerfellen ausgenommen iverdeir. Unsere Truppen hatten in dieser Zell ein größeres (Ycfecht bei Bialla bei dem Dorfe Schliddern zu bestehen und nalzmcu de» Russen die ersten acht Kanonen. Das war eine Freude! Doch sie währte nicht lange, beim die Russen drängten in größeren; Massen vor. Unsere Truppen waren zu schwach und mußten ihre Positionen räumen. Der letzte Abmarsch erfolg« am Sonnenfinsternistage. Da erfaßte alle (Gemüter Verzweiflung uird ganz Johannisburg und Umgegend floh aus Rudczanny zu, denn hier sollte die Verteidigungslinie aus jedeit Fall gehalten werden, Die ganze Chaussee von Johaunisburg bis Rudczanny war inll Flüchtlingen, Menschen, Tieren und Fuhrwerken, besetzt und es war schwer vorwärts zu kommen, Da trat eine »welle Katastrophe ein. Die Russen Helen mit großer Rlackst den Unseren von Puppew-Friedrichshof aus in d« Richtung aus SenÄmrg in den Rücken. Infolgedessen musste auck> Rudczanny geräumt werden und alle Jlückstigen strömten in die Heide bei Ält-Ukta oder aus Sensburg zu. Die Chaussee- und auch die Eisenbahu- brücken wurden von den Unseren in Rudczanny gesprengt. Ich floh mü meiner Familie nach Zatzkoivcn bei Pcllscheiidörf, ditz auf einem Einspännerfuhrwerk geretteten Kleidungsstücke und Wäschesachen in Rudczamch im Gemeindehause beim Hern, Pfarrer lassend. Von den umliegenden Hügeln sahen wir die Russen in gewaltigen Scharen die Chausseen von Aweyden nach Peitschcndors- Sensburg stürmen. Unter anderem war ein Regiment mit Schimmeln zu sehen. Nun waren wir doch in der RusseUlirrie drin und so entschlossen wir uns zur Rückkehr uach Snopken. Das Dicnstnilidckren unseres Schwagers brachte uns über Aweyden nach Zollernhöhe an der Heide. Bon hier aus gingen wir sechs Personen, wovon ein 7 Jckhrc alter Knabe, etwas über 15 Kilometer ditrch die Herde, dann auf der Chaussee auf Alt-llkta zn und kamen in Nikolaihorst bei Alt-Ukta am Nachmittag an und übernachteten im Sckmlhause. Hier fanden wir noch einen Flückste ling mit seiner jungen Frau und ihrem ganz kleinen Brustkindc, das ans der Flucht krank wurde. Er sollte sich in Sens bürg bei der Militärbehörde melden, wurde aber durch die Russen abgeschnitten und mußte hier im versteckten Heidedörstcm Unter- schiupi suchen. Ist Ukta gelang es uns, Fuhrwerk auszutreiben, und so fuhren wir unter 'Hengsten und Sorgen der Heimat zu. Ukta war von vielen Kausleuten verlassen »nd deren Häuser von den Bewohnern und auch Russen geplündert. Wir erreichten mit klopfendem Herzen Rudrzanny. Zwei russische Infanteristen schritten ans das Gemeindehaus zu. Ich llagtc ihnen polnisch München in Rriegszeiten. Die vaterländische Begeisterung und Opferftendigkell der da- beimgebliebenen Bevölkerung äußern sich jetzt nur noch selten durch lauten Kriegsgesang und Hochrufe wie in den ersten ausqerrgten Tagen noch den Mobilmachung. Ernst und dabei durchaus zuvcr- sschllich ist die Stimmimg. Münchens Bevölkerung läßt sich nicht leicht aus ihrer RuR bringen. So geht denn im großen und ganzen auch das Geschästsleben seinen geivohnten Gang. Soweit dies aus die Fremdcnindustrie angewiesen ist, zeigt es natürlich eine sonst um die Herbjtzcll nicht gekannte Flauheit, aber erstorben ist es keineswegs. Auch die Wirtshäuser sind nach Ntze vor gut besucht nach in allen Theatern wird jetzt wieder geipielt. In der Unterhaltung, wo man auch hinhören mag, dreht sich natürlich alles um den Krieg, »nd vier im ruhigsten.sschersten Südwinkcl des Bayerlandes will» mll nicht geringerer Spannung jedes Ereignis aus den Schlachtfeldern verfolgt, wie sonst irgendwo draußen im Reich. Nur daß in München lebhafte und lärmende Aeußerungen dieser Spannung etwas seltener bleiben als an manchen Orten mit einer leichtblütigeren Einwohnerschaft. Der echte Dkünchener möchte auch heut bis zu einem gewissen Grade un behäbigen Genuß seiner „königlich bayerischen Ruh" bleiben. Unter dieser birgt ssch aber trotz allem tief eingewurzelten Partikickarismus eine gut deutsche Vaterlandsliebe, die in den letzten Wochen mehr und mehr die alte Eifersucht auf den nichtbaoerischen Landsmann smiefts der Mainlinie besiegt hat. Wie groß für einzelne vreußilche Heerführer die Verehrung der Münchener geworden ist, das iviegrlt sich in den Reden aller Vollsgruvven hundertfältig wieder. Wenn man unter den Stammgästen des Hofbräuhauses den Ausruf hört: „Also der Hindenburg, wenn hierherkomml, da zahl i a Maß!" so darf man schon hinzufügen: „Höcher gehts nimma". Mit Ergebenheit wird auch der Ausfall des Oktober f c st«s ertragim. Nur wer ganz in die Tiefen der ^ Münchener Volksseele etngedrungen ist, kann ermessen, wie diese vom Kriegszustand geschlagene Wunde schmerzt, und dazu noch dies .Mächtig». Wellen das ei» Wicjenjeft jo n d er gl e i ch en gcjchaihn hätte! Nur gut, daß trotz der vielen, gegen den Feind nach West und Ost ausgerückten Krieger München andauernd gesteckt voll von Soldaten ist, die der einheimischen Bürgerschaft beim Bewältigen der fürs Oktoberfcst gebrauten, ungeheuren Vorräte von Märzenbier — etwa 1000 Hektoliter — helfen können. Sonst brächte sie's, da die leistungsfähigen Mannschaften der Studentenschaft auch nicht dabei sein können, wohl nimmer fertig. Das Straßcnhild im Stadllnnern hat nicht viel an Lebendigkeit gegen früher verloren, da das Fehlen von iwiherbunr- melndcn Fremden reichlich durch die vielen, die Gassen bevölkernden Soldaten ersetzt wird. Zum großen Teil sind es leichtverwundete Krieger, aber auch viele Angehörige der vorübergehend hier weilenden Truvvcnkörper. Man sieht jetzt in München viel mehr Militär als in Fricdenszciten, ein Beweis von Deutschlands Kriegsstärke. llngemein rege ist, wie wohl überall fti Deutschland, auch in München die Fürsorge für dir schon Mft den Sanitätszügen ein- gebrachten Krieger. Zahlreich sind nicht nur die für di« Aufnalnne der Verwundeten geschaffenen Lazarette, sondern cs stehen auch in der Umgegend so viele HeimitäUcn für Rekonvaleszenten zur Verfügung, daß noch sehr viel Raum hlr erholungsbedürftige Vater- landsveNeidigcr vorhanden ist. Biele dieser Billen und Schlösser, die von ihren Besitzern danlensioerlerlvelse hergegcbcn und ausgestattet worden sind, haben den Vorzug einer herrlichen landschaftlichen Lage, wie beisvielsweise Schloß Zinneberg bei Grafing an der München—Starnberger Eisenbahn, das vor wenigen Tagen die ersten Leichwerwundetcn outgenommen hat, nachdem dieser staalliche Herrensitz des Freiherr» von Büsrng-Lrville dem Roten Kreuz mir der vollständigen Einrichtung für die Unterbringung von 70 Verwuichelen imd Rekonvaleszertten übergeben wurde Unsere tapferen Krieger finden dort außer hellen.Wohn- und Schlasräumen, schönen Badezimmern eine große Turnhalle und einen wundervollen Park, der in seiner köstlichen Ruhe den in der Genesung Fortgeschrittenen eine rechte Wohltat sein wird. Unter den durch private Hssssberrttschaft qeichassenen Stätten vechicnt das arueri ko nicht.- Rote-Kreuz-Hc'' ftü bc'v:.d«rr Hervorhebung. Es ist aus den Mitteln der Münchener amerikanischen Kolonie, deren Damen auch die Truppe der Pflegerinnen stellen, sowie aus Spenden der während der Mobilmachungstage in München weilenden Amerikaner errichtet und ausgestattet worden und auch die Kosten des Betriebes werden von den Gründern des amerikanischen Rote-ikrenz-Hospitals bestritten. Für die Anstatt ist ein als vornehme Fremdenpenswn eingerichtetes Gebäude von palastartigem Acußern in der Prinz-Ludwig-Ttraße nahe dein Konzeit- hause Tonhalle gemietet worden. Es enthält in vier Stockwerke« eine sehr große Anzahl Zimmer (über dreißig) für je zwei bis drei Pattenten. Im Erdgeschoß befinden sich Sveisesaal, Rauchzimmer, Lesezimmer und eine Reihe anderer Ausenl haltsräume, alle aus das behaglichste ausgestattet. Das Grundstück stößt rück- wärttg an Gartenanlagen, die von ihren Besitzern, Prinz Georg von Bayern und Fabttkbefitzer Hesselberger, den Psseglttigen des amettkanischen Hospitals zur Benutzung überwiesen wurden. Tie ärztliche Oberleitung liegt in den Händen des Stabsarztes a. D. Dr. Franz A. R. Jung, der während der letzten zwanzig Jahre in Washington als Arzt wirkte und nun freiwillig hier dem amerikanischen Hospital seine Dienste widmet. Seine Gemahlin, Frau Tr. Nordhofs-Jung, die als Aerztin den letzten Balkankrieg mitgemacht und dort reiche Erfahrungen gesammelt (wt, führt die Aussicht über den Hospitalbetriei». .Künsüerisck»e Veianstattungeri von hervorragenden Kräften, darunter die Sängcttn Frau Charles Cahier, Fräulein Farrar und Fräulein Fay, sorgen für die Unterhattung der Verwundeten. — Richard M. Meyer s. Berlin, 8. Okt. Pro». Richard M. M ey er, der bekannte Literarhiswriker an der hiesigen Universität, ist nack, der „Bossischen Zeitung" heute vvrmmag Vlötzlich gestorben. Der 1860 zu Berlin geborene Gelehrte hat sich u a. als Kenner der mittelhochdeuttchen Lfteratur, als Goethv- svrscher und Verfasser einer Geschichte der neueren Literatur ewe» Namen gemacht. Iteiue 'Ä»t mtb sic grTwiljrtrn, bafe wir nnscre Sachen hesottcp- holen kvimtau Aber wie sal» bas iw Zimmer aus! Ein Fenster war crugeschlugen, und alle unsere Wäschekörbe unb Bettsäcke ausge- rispm unb alle Sachen litte Kraut und Rübe» aus dem Boden scrttiem. Sclmell nrntbr alles jufaunitnujewfft imb ohne 'Belästigung auch die wieberlnngestellte Clzauistecb rücke pasfierl Zu Hans« angelangt, überblicktcic wir erst unseren Schaben. Eine goldene unb filbeate Uhr unb Schnrucksachen bet Kinder, verschiedene Kleidungsstücke und sämtliche Lcibtväsche sehtlen Auä> pi Hanse hatten bie OrtSiissassen lursere Lßohirung erbrochen und sänrtliche Mundoorrätc und viele Kleibersachen geraubt. Wir konnten uns nicht einmal eine Tasse Kaffee machen unb mußten bie Mildtutigkoit unserer Rachbarn einige Tage in Anspruch nchmcn. Auch bie zwei Gastwirtschaften waren von diebischen Or^einwvhuern geplündert. Der Krieg löst alle Banden srom-- iwer Scheu. Die Russen waren sperre» in Johannisburg, Die Stadtverordneten hatten beschlossen, sie freundlich zu enssHangen, Das vertssüfftc sie ior ersten Augenblick, Aber schon nach einer halben Sttmde wurden drei der Herren verhaftet und sollten nach Rußland transportiert werben. Kurz vor der Stabt begegnete aber beul Gesangenenzuge ein höherer russischer Offizier unb befreite dir Herren von ihrem traurigen Schicksal. Ern russischer Konsul erteilte den Bewohner» Pässe, Ständig bewegten sich Reiter- patrvnillen zwffchcn Johannisburg und Rubczanny, Ta kam plötzlich am Sonntag, den 30, August, Bewegung in die Russen, Mit großer Mrgst unb Unsicherheit kam mittags die Russen- hesatznng mit ihrer Küche von Rubczanny über Snopken nach Jrhanncsburg gesprengt. Gottlob, die Unseren waren in Sicht! Bon NikÄaike» war eine stärkere Patrouille im Dampfer nock Rubczanny gekommen unb hatte die Russen vertrieben, Aber noch bekam unser Dorf Snopken am Mittwoch, den 3, September, nachmittags, eine russische Besatzung von einer Kompagnie Infanterie, Wie eine Derbe Schafe kamen sie hinein unter Führung zweier Offiziere, und lagerten vor dem Dorfe, Bald war bas Dorf überall von Trnvvs zu drei oder vier Mann Daus für Daus wisschwärmt. Bier Mann durchsuchten auch alle Räume unb Schränke der Schule unb raubten einen Trauring vom Bücherschrank, Eine arme Frau büßte 15 Mark bares Geld ein. Doch bauerte bie Russenherrlichkeit nickst lange. Abends 10 Uhr verließen sie unter Daienvanicr den Ort und verschwanden am nächsten Tage auch aus Johannisberg, nur einzelne Patrouillen znrütklaffend. Am 4. September früh erschien eine Maschinengewehrabteilung von uns in Johannisburg und vertrieb die Russen vollständig, wobei 18 gesunde Pferde erbeutet wurden. Run besetzten unsere Landwehrtruvven mit einer Artillerie-Batterie Johannisburg, Die Stadt zeigte so ziemlich ihr altes Bild. Doch waren manche Schaufenster zerschlagen und die Läden geplündert. Auch manche verlassene Wohnung war erbrochen und vollständig verwüstet. Der Bahnhof Johannisburg diente den Russen als Pferdestall, Der Bahnhoks- wirt hat alles verloren. Am Sonnabend, 5. September, begann ein neuer Kampf vor Johannisburg mit den Russen. Ein Landwehr-Bataillon der Unseren hielt sich den ganzen Nachmittag gegen zwei russische Batterien, ohne einen einzigen Mann zu verlieren. Am Sonntag wurde der Kampf schon um 10 Uhr vormittags erneuert. Die Russen drängten mit Uebermacht auf Johannisburg, und die Unseren mußten gegen 5 Uhr nachmittags die Stadt räumen. Sie verschanzten sich zwei Kilometer rückwärts am Walde noch einmal bei dem Dorfe Snopken, Fast alle Städter waren vor den einschlagenden Granaten der Russen nach Snopken geflüchtet, Rauchsäulen zeigten an, daß die Granaten der Russen hier und da gezündet hatten. Der Schrecken, der alle Gemüter ersaßt hatte, schlug bald in große Freude um, denn in der höchsten Rot kam auch schon Hilfe von Rubczanny aus an: Infanterie und Artillerie rückte heran, und der Kampf wurde von Neuem ausgenommen. Die Russen, welche schon die Warschauer Straße vor dem Pisseffluß besetzt hatten, wurden vertrieben. Ein Sturmangriff der Infanterie noch in der Dunkelheit brachte 6 russische Kanonen als Siegesbeute ein. Johannisburz war von der Russenherrschast befreit. Nun begannen die Durchzüge unserer Truppen, welche in der lausenden Woche ganz Masuren und Litauen von den Russe» befreite», Bau dem Artilleriegefecht am Sonntag waren in Johannisburg etwa l0 Scheunen und Ställe und ein Wohnhaus abgebrannt, Diele Gebäude aber weisen mehr oder weniger Spuren der eiugeschlagencn Granaksvkitter und Kugeln auf. Das Gefängnis nud dessen Mauern zeigen größere Oessnungen, Ans dem Markt zeigt der Ratskeller in allen Scheiben Löcher, Sonst steht die Stadt ziemlich unversehrt da und U»rd jetzt von unserer Landwehr bewacht, Doch wieder zeigte» sich die Kosakenschwärme hart vor ihre» Toren und der Schreiber dieses Berichtes zog es daher vor, in der Stadt Elbing für eine Zestlang Wohnung zu nehmen, um sich und seine Familie von aller Angst und auch schon testweisem Dünger zu besteien, Johannisburg hatte nämlich in letzter Zeit fast gar keine Nahrungsmittel und sst fest letzter Woche von jedem Post- >ind Bahnverkehr abgeschnitten. Kriegsbriefe aus dem Osten. Sbr unserem znm Ostheere entsandten Kriegsberichterstatter, (Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.) Ans russischen Kasernen, Armee-Oberkommando Ost, 5, Oktober, Bor mir liegt die russische Karte der Provinzen Ost- und Westpreußen nird Pommerns, die ich aus der Kaserne der 3, Ulanen in Wilkolviszky mitnahm. Ich habe die Karte, auf der sich die OfsiAiere des Ulanenregiments in Kriegsspiel versucht hatten, schon einmal beschrieben. Aber die Feldpost wollte es anders, und der Bericht vermehrte die Prr^entzahl der Briefe, die ihn nicht erreichten. Dabei war das Kriegsspiel der Russen außerordentlich niedlich, Eine feine Meistiftlinie zeigte hübsch die Grenze an, die man den Deutschen lassen wvltzte, Wir behielten danach sogar ein Stückchen Westpreußen, Auf Königsberg flatterte das blau- weiße Regimentsfähnchen und etwas südlich von Stettin war der Weg nach Berlin markiert. Mir fiel die Bescheidenheit der Grenzregulierung auf, das wirr gar nicht slawisch, und cs stellte sich denn auch heraus, daß das Offizierkorps besonders viel deutsche Romen aufwies. Der Oberst, der ixrs Regiment fuhrt, heißt von Kruhenstern, der Divisionär Bellc- garde (trotz des sranzösischen Namens sich deutsch gebend), der Brigadier hat den gut deutschen Nomen v, Tornau und die dritten Dragoner derselben Division befehligt Oberst Walter von Rosenthal. Der Brigadier der zweiten Brigade ist Baron Meidei, Das typische Bild, daß gerade bei der russischen Kavallerie die höheren KommandosteKeii von Deutsch-Russen ausgefüllt werden (beim Mchtigen Blick findet man noch einen v. Sander, ix der Ropz und einem Deutschen als Oberst eines Donschen Kosakenregiments), zeigt sich bei der dritten Division ganz besonders. Die Kasern« machte denn auch einen recht guten Eindruck, Sehr breite und saubere Treppenaufgänge, weiß und blau getüncht, hübsche, geschmackvoll« Kasinoräumc, die gut, aber nicht überladen ausgestattet waren!. Die OffiKiersbibliothek zeigte allerdings nur russische und französische Werke, doch schien die Fachliteratur einigermaßen benutzt M sein. Die Regimentsgeschichte ist mit prächtigen Kupfern ansgestattet. Einen merkwürdigen Eindruck machten die vielen historischen Bilder, die Verbrüderungsszenen zwischen deutschen und russischen Kavalleristen aus den Befreiungskriegen darstellten. Eine Paradeuniform mit goldbesetzte» Ulanka und dem hohen Dschapka schmückte den {formen rot-goldenen ©a&km, der als Vorzimmer zu dem Eß- saal dient«. Trotzdem Hunderte von deutschen Soldaten ohne Aussicht in den Räumen gewesen, fehlte nicht einer der echt goldenen Knöpfe. Es ist eigentlich überflüssig, das festzu- stellen ; aber ich hätte einmal! di« Uniform sehen mögen, wenn sie russische Soldaten in einer deutschen Kaserne gefunden hätten Zum Knüpfen hätte sie sich kaum mehr geeignet. Die Küche sah im Gegenteil zu den übrigeii Räumen sehr schmutzig aus. Das Geschirr tour allerdings'zum größten Teil zerbrochen, der kostbare Rest war noch mit ein paar Bratenschnitten und sehr gntem Kirschenkompott gefüllt. Der Aufbruch muß ziemlich eilig gewesen sein. Die Mannjchaftsväume waren hell und sauber. Die kleine Wohnung, zwei Stuben und Küche, eines Subaltern- Offiziers mackste, trotzdem der Krieg seine Spuren zeigte, einen freundlichen Eindruck, Die Pferdeställe waren groß und praktisch. In Suwcklki, das auch im Frieden ganz voll Militär steckt, sah ich dann eine ganze kleine Soldatenstadt in der eigentlichen Stadt Lwwalki. Große langgestreckte Häuser für die Mannschaften, «nächtige Stallgebäude, und Hunderte von kleinen Blockhäuscheii als Offizicrswohnungen und Bureaus, Die orthodoxe Kirche mit dem doppelten Kreuz stand in der Mitte, Die Borhalle lichtgrün und weiß,. Die Kirche fehlt fast nie, selbst bei ein paar schlechten! Kasernen der Grenzwachen sah ich das orthodoxe Gotteshaus, hier hingen die Glocken aber in einem elenden Holzturm neben der Kirche, Me Männschaftsräume in Suwakki machten einen schlechteren Eindruck; von den andern Häusern, die zum Teil schon deutschen Zwecken dienten, büßt sich die ursprüngliche Einrichtung schwer feststellen. Auf jeden Fall scheint der russische Soldat gut untergebracht zu sein, nach den Worten der Gefangenen ist auch die Verpflegung gut, General Rennenkampf ließ sich jeden Tag einen Teller Kohlsuppe aus der Mannschaftsküche auf sein Zimmer bringen, wenigstens jetzt im Kriege, Ob er die richtige unvermischte Kohlsuppe bekommen hat, ist schwer zu sagen. Aber die Verpflegung scheint nichts zu wünschen übrig zu lassen. Vorläufig wenigstens. Me russischen Militärkonserven, die ich probieren konnte >— Rindfleisch und Schweinebraten —> waren ausgezeichnet, Nur das russische Brot schien mir nach meinem deutschen Geschmack unter jedem Hund, aber das ist vielleicht Geschmacksache, Me Verkäuferin in Suwalki hatte mir auch versichert, daß ihre Bonbons „wie Himmel" schmeckten, und ich muß auf das bestimmteste versichern, daß sie genau wie Hölle, nämlich nach Pech und Schwefel schmeckten. Freilich sind die Musterkasernen von Suwalki und die des reichen und vornehmen Ulanenregiments keineswegs überall das „Muster", Ein paar Kanoniere aus dem sibirischen Korps, die ich heute in der Kaserne der kleinen ostprew- ßischen Stadt, die uns Quartier gibt, sah, schienen sich über ihren Aufenthaltsort außerordentlich zu freuen. Sie waren — den Krieg beiseite — sehr viel Schlechteres gewöhnt, Uebro- gens hatten sie deutschen Soldaten Leben und Freiheit gerettet, Sie zeigten einen Zettel vor, auf dem ein deutscher Ofsizierstellvertreter mit Namensunterschrift um freundliche Behandlung für die Leute bat, „da sic sieben deutschen Soldaten die Freiheit, auf jeden Fall das Leben gerettet hätten". Die braven Russen hatten einfach den gefangenen Deutschen den Vorschlag gemacht, die Rollen zu vertauschen und sie als Gefangene mit nach Deutschland zu nehmen! Dabei hatte einer der Leute schon den Mandschurischen Feldzug mitgemacht. Sie wurden dann auch von den übrigen getrennt und entsprechend einlogiert. Sie lachten über die breiten gutmütigen Bauerngesichter, als sie mrs sahen. Das steht aber schließlich in einem anderen Zusammenhang. Es läßt sich später ein ordenlliches System aufstellen über den russischen Soldaten vor der Gefangennahme und danach. Allerdings gehören zur richtigen Beurteilung Erfahrungen, die ich noch nicht habe, die ich aber im Laufe des Feldzuges ausgiebig zu machen hoffe. Denn das russische Heer ist so vielgestaltig, wie die Völkerschaften, die unter dem Szepter des weißen Zaren stehen, und es gibt immerhin noch eine ganze Anzahl von typischen Vertretern, die wir nicht unter unseren Gefangenen zählen. Hoffentlich aber ist die reiche Sammlung bald noch reicher und — vollzählig. Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter. Au» Stadt nnö Land. Gießen, 8. Oktober *»14, Mit dem Kraftwagen in Feindesland. Aus Anregung des Herrn Oberbürgermeisters Keller hatten einige Herren des Oberhejsischen AutomobrlllubS in Gießen ihre Wagen zur Bejörderung von Liebesgaben nach den in und um Sedan befindlichen Lazaretten lostenlos zrrr Verfügung gestellt. Nachdem eine Automobilbolonne aus Darmsdadt die Beförderung von Liebesgaben bereits mit Erfolg ausgcsührt hatte und von dem Führer der Kolonne eine zrocite Fahrt geplaM war, schloß man sich der Kolonne an. Von deren Führer wurden in liebenswürdiger Weise die erforderlichen Erlaubnisauswessc emgeholt. In der Nacht vom 21. zum 22 September erfolgte 12 Uhr 15 Min. hie 'Abfahrt der von den Herren Geh. Kommerzttnrvd M. Gail, Zahnarzt Graf und Direktor Stolte zur Verfügung gestellten Wagen. Am Steuer saßen di« Herren Zahnarzt Graf und Direkwr Stolte, Den Wagen des Herrn Geh, .Kommerzienrat M, Gail steuerte der Chauffeur Genöe, Als iBegleiter fuhren Herr Bonkdrrckwr Müller, Herr Kaufmann Richard Wallenfels und Herr Kulturinspektor Steinbach mit. Es war zur Bedingung gestellt, daß die Begleiter in dem Besitz des Führerzeugnisses eines Kraftwagensührers sein nmßten, um bei eventuellen Vorkommnissen ausznhelsen, Mßerdem wurde uns von dem Gsnerol- komnianbo empfohlen, die nöttgen Schußwaffen mttzusühron, denn Franktireurkugeln würden wir wohl schon pfeifen Horen, Me Fahrt ging zunächst über Frankfurt nach Mainz, Hier ttafeit wir um 4 Uhr morgens ein Nach einer Wartezeit von 3 Stunden liefen die ersten Darmstädter Wagen, ein. Die Ursache der Bcrspätting lag in einem Zusammenstoß eines Autos mit eincvl Fuhrwcck. Starker Nebel herrschte zwischen Frankfurt und Mainz, so daß man nur mit der größten Vorsicht und Aufmerksamkeit seinen Wagen steuern mußte. Nachdem in Mainz sämtliche Wagen gesammelt waren — 14 an der Zahl — brachai wir aus und erreüliten 9 Uhr 30 Min. Kirn a. d. Nahe, woselbst wir unser Frühstück entnahmen. Um 2ys Uhr nachmittags erreichten wtt Trier und 5 3 h Uhr Luxemburg. Unsere Wagen wurden nach einem Sammelplatz geführt und während der Nacht durch Militarvosten bewacht. Die Hotels sind überfüllt und in Luxemburg blüht durch das vrele deutsche Milttär Handel und Wandel, so daß die Bevölkerung wohl zufrieden ist. Aus dem Bahnhof in Luxemburg ttasen wtt einen Gießener Osfitzier, welcher einen Militärtvanspott von Tarnrstadt nach Sedan zu führen hatte. Nachdem am anderen Morgen Benzin tm Kaiserlichen Krastwagenpark eingenommen war, ging es um 10tzi Uhr weiter. Bei Steiufurt überschritten wtt die belgische Grenze, erreichten nach kurzer Zeit Acwn, welches uuversehtt sst, In Tintigny waren die Spuren der Schlachten zu erkennen Tintigny ist bis aus zwei Häuser vernichtet, H«r fanden wtt das erste verbramtte Auto im Straßengraben, Frische Hügel, geschmückt nsst den nnlttärsschen Ehrenzeichen, verraten die Grabstätten der tapferen Gefallenen. 3 Kilometer hmter Tremhfons cm einem Zollhaus und WaldeSvande suchten wir die Grabstätten der Tapferen unseres Rtterve-Regrmrnts Nr. 116 aus. Die Fahrt ging dann weiter über Florenoille nach Sedan Der Place Turenne mit dem Denkmal d« Mordbrew^» der Pfalz war für die folgenden Tage der Sammelplatz der fto. fomrtc. Unsere Ausgabe nwr zunächst, unsere braven I16er aasm. suchen Wir mußten ,edock> bald hören, daß über den Ttaop,^ derselben keine genauen Auskünfte zu erhalten waren. Ei» ^ unserer mitgesührten Liebesgaben, besteheird aus 10 000 Zigarre, Tabak, Kautabak, Pfeifen, 6 Zentner Wurst, Vrrbairdszeug wch Streichhölzern, wurden dein Kommando zugeführt, ioelck>es „iu die Weitergabe an die 110er zusicherte. Wir besuchten dann in den Lazaretten die Benvundeten. Wie antworteten so dankbar die sg^ lichen Blicke für die gespendeten Liebesgaben. Jeder reichte dh Haub, unr nicht vergessen zu iverden. Für die erpe Nacht de. bezogen wir Gießener, da sämtliche Hotels durch Milssär besetz, und sonstige Privatquartiere nicht zu erhalten waren, die Bilh, eines französischen Hauptmanns und richteten uns hier bSuslsg ein. Als Bewachung während der Nacht wurden uns vom OrT^ kvmmando zwei Soldaten des 65. Regiments zur Verfügung stellt. Nachdem am nächsten Morgen bei der Etappenkommandm,^ die Formalitäten erfüllt waren, fiihren wir in südlicher Richtugg nach Verdun zu. Aus dieser Fahrt kamen wir in das ttchyg,, .Kriegsgetümmel hinein. Eine Kolonne mit Munition folgte ein« Kolonne mit Verwundeten, dann »oieder kam eine ProviantGlonne die einen in der, die anderen nach entgegengesetzter Richtung enp los hintereinander. Etwa 6 Kilometer südöstlich von Sedan erkannte man die Schlachtfelder, >ov ein Teil unserer hessischen Udi sion tarn er gekämpft hatte. Hebet Tannay ging es messet nass Vouziers, woselbst wir um IIP« Uhr eintrastn. Hier wurden du letzten Liebesgaben nnter den Tapferen der verschiedenen Regi menler verteilt. Me Freude und der Jubel, womss wtt überall empfangen wurden, kann lfier nicht wiedergegeben werden. Die letzten Verbandsstoffe wurden im Lazarett zu Vouziers abgegeben Vouziers liegt 40 Kilomettr norbweUich von Verdun, Der Ka nonendonner war deutlich zu vernehmen und wenn es uns die Zs, erlaubt hätte und die Liebesgaben nicht vergriffen gewesen wär,^ hättcic wir auch den Truppen der Front heimatliche Grüße über' bracht. Me Rückfahrt erfolgte über Tannay. Me Zandstürmer des 115. Regiments hatten inzwischen unter freiem Himmel einige Tisch gedeckt und für uns ein vorzügliches Mittagessen zubereitet. Ein Sängerkorps unter Leitung des Landstürmers Herrn Mulillehrei Leichter aus Darmstadt ttug patriofische Lieder vor, welche für un- ergreifend waren. Me Landstürmer hatten hier eine Schlachterei eingerichtet. Da die nöfigen Werkzeuge hierzu fehlten, wurde ein Grammovhontrichter zur Fülluirg der Würste verwendet. Nach Herz lichein Abschied mit dem Wunsche aus Wiedersehen fuhren wir über Roueourt nach den Schlachtseldern bei Mont-Jore, woselbst wn di> Grabstätten des 115. Infanterie- und des 25. Attillerie-Regimem« aufsuchten, Pserdekadaver verbresseten in der Umgebung einen ent' setzlichen Geruch, Weiter ging es über Haroucourt, Hier stellten sich die ersten Pannen ein, welche jedoch bald behoben wurden Deutsche Flieger waren unterwegs nach Verdun, Abends oessam- melten wir uns im Hotel Central und bezogen Privatquartiere welche uns von der Mssitärverwaltung zur Verfügung gestellt »ur den. Am nächsten Morgen hatten wir noch soviel Zest, um davon dem Kriege 1870/71 bekannte Donchery zu besuchen. In Don chery wurde bekanntlich 1870 Napoleon gefangen genommen. Der Ort Donchery selbst ist heute ein Trümmerhaufen, Nach der Rückkehr von Donchery nahmen wir im Kraftwagen park die nöfigen Betriebsstoffe ein und traten die Rücksabtt Mer Florenville, Arlon, Luxemburg an und erreichten an bcmielkn Tage abends 7 Uhr Trier, woselbst wir übernachteten. Me Besitzer der Automobile mußten sich verpflichten, ans der Rückfahrt Verwundete mitzunehmen. Einen von uns gerührte» Schwerverwundeten muhten wir im Lazarett in Trier laffen, da derselbe infolge seiner schweren Verletzung den Weiterttanspott roch« erttagen konnte. Me Abfahtt aus Trier erfolgte um 9 Uhr und so errcichtcn wir durch das Mosellal über Koblenz am 26, September abends 7 Uhr Gießen, Eine zrocsse Fahtt ist in etwa 14 Tage» geplant, deren Liebesgaben bis an die Front unserer 116er hingcbracht werden solle». Me ersorderflichen Schritte sind bereits eingcleitet. Im Austrag des Oberhessischen AutomobilllnbSu Stolte. a ««werbliche Revisionen. I» den Monaten Juli, August und Septeember wurden revidiert: 1, Benzinlager auf Grund der Verordnung vom 20, Mai MOS und der gestellten Bedingungen. 2, Molkereien und Meiereien in Bezug aus Beschäsfigung von Arbeiterinnen auf Grund der bundes ratliäicn Bestimmungen vom 4, Juni 1910, 3, Scistössereie» au! Grund der §§ 120 d und 135—138 der Gewerbeordnung, 4. Dar hier- und Friseurgeschäfte aus Grund der Polizeiverordmmg vom 14, Juni 1904 und 20, Dezember 1907, 5, Sprengstofflager in Steinbrüchen und Gräbereien (Sandgruben), aus Grund der De kannttnachung vom 30, August 1884 und 5. August 1904, sowie der Verordnung, den Verkehr ufit Sprengstoffen betr,, vom 21, Dez. 1893, 6. Borstenzurrchtereien, Mrsten- und Pinselmachereien aus Grund der bundesratlichen Besfitnnnmgen vom 22, Oktober 1902 sowie bezüglich Desinfektion ausländischer Ware und Jnipstrnq ausländischer Arbeiter, 7, Petrvleumlager, Tankwagen unb TMk- anlagen aus Grund der Verordnung vom 20, Mai 1903 und der gestellten Bedingungen, 8, Betriebe, in denen Maler-, Anstreicher-, Tüncher», Weißbinder- und Lackierarbeiten ausgeführt werden, aus Grund der §§ 135, 136 der Gewerbeordnung, some 8 241 der Hess, Ausführungs-Verorwrung zur Gewerbe-Ordmms. sowie der bundesratlichen Bekanntmachung vom 27. Juni 1905, dir Verwendung von Bleifarben und deren Gemische betr. 9 Mineral- 1 Wasser- und Limonadenfabriken aus Grund der Bekanntnnichimg vom 22, Juli 1885, 10, Gewerbsmäßige unb nichtgewerbsmäßige Stellenvermittler auf Grund des Stellenoerurittlungsgesetzes vom 2, Juni 1910, 11. Werkstätten der Kleider- und Däschekonsektwn aus Grund der Verordnung vom 31, Mai 1897 und 17, Februar 1904, sowie A 241 der Hess, Aussührungs-Berordnung zur Gewerbeordnung, 12, Fruchteishändler tu Bezug auf Reinhaltung der Wagen, Räume, Geräte und des zur Verwendung kommcicken Materials, 13. Steinbrüche und Gräbereien auf Gnrnd der Polizei- Verordnung vom 16, Dezember 1902, den Betrieb in Steinbrüihen und Gräbereien über Tage betr., und des Art, 284 des Polizcr- strasgesetzbuches, btt Einfriedigung betr. 14. Offene Verkaussstcklcn. in denen Essigsäure üEssigeffenz) gewerbsmäßig sessgehalten unb verkauft wttb, auf Grund des Gesetzes vom l 4. Juli 1908. 15. Betriebe, in denen bie Bearbeitung von Faserstoffen, Tierbaaren oder Abfällen irnd Lumpen vorgenoiwmen wttb, in Bezug aus Bcschät- tigunq jugendlicher Arbeiter, aus Grund der Bekanntmachung vom 8. Dezember 1909. 16. Pfandleiher und Trödler auf Gnmd der Verordnung vom 2, August 1899, 17, Bäcker und Bcothcmdlki « B«^ng aus Geysichtskontrollc des Brotes unb Ausliang der Swl» preise auf Grund der Polizeiverordnung vom 27, Juni 1907. 18, Warenhäuser und größere offene Verkaufsstellen, sowtt anstoßende Schreibstuben in Bezug auf Sitzgelegenheit des Personals auf Grund der Bekanntmachung vom 28. Nov, 1900. 19. Bäckernen und den nsst diesen verbundenen Konditoreien auf Grund der Polizeiverordnung vom 20. Oktober 1907, 20, Zur Erhebung kamen 106 Nahrungs- und Genußnnttelvroben, darunter 38BoU- msschproben und wurden dem Chemischen llniersuckungsamt üb«» geben, Bon den Bollnfilchproben wurden zwei wogen Wasserzutttz beanstandet und Anzeige erhoben, Bon den übrigen Nahrums- imd Gcnußmitteln wurden bei drei Butterproben zu hoher Wassergehalt (Über die gesetzlich zulässige Grenz«) ststgestellt und Anzeige erlwben, und zwei weitere Butterproben wegen schlechten, ranzigem Geschmack und hohen Wassergehalts, sowie eine Mehlprobe wegen Unreinlichkeit beanstandet; m den letzten Fällen ttat Verwarnung ein. Außerdem wurden 12 8 Straßenmilchkonttollm om- genommen, hierbei wurde Milch wegen zu holwm spezifischem Gewicht beanstandet. » ** SHtter des Eisernen KrcuKcs: ®t. Ludtviyh Opel, Lt, d, R. im 24. Drag.-Regst,. Fifitz Opel, rm Freöv Wtt-enwbAkorps, beide ans Rügel^herm. Ojs.-Stellv^ cM M -Inf-Regt. 118 otocftuS aus Gustav sbnrg. Oberst- tül und Kvinmondonr des Lcmdw -Ins -Regls 80 (früher ^ -Regt. 118) v Gugel Oftlt. d. L und Kompaguie» 5® im Res -Inf-Regt 87 Dr 35. Vilmar, Direktor Sji irthegymnasiums in Frankfurt. £blt. d R. Gustav e 1 a tt b t im 87. Inf -Regt Leutnant und Adjutcntt Her cD Natzmer vom Füsilier-Regt 80. Leutn. und 3sat- >jp9j im Leibgarde-Jnf.-Regt. 115 Baron v. d. Reck< Geil 1 ktuar Karl Feiling beim Amtsgericht in Weilkburg. tt» rann C laßen vom Jnf.-Regt. 118 (Worms,. Äutn. W Mertens vom Fehhart.-Regt 27. Oberstabsarzt dH 'Milicr-Regt. 80 Ze m ke aus Wiesbaden, jetzt Ti sürn arzt beim Stab der Grohh. Hess. 25. Jn'anteriedrvi >mi iajvrLotz, Major Steh b erg er, Major v Gocs- l jdauptmann Staubesand, Hanptmann Trapp, iv» nann Teute, Leutnant Külp, Leutnant Rupp, ,uti nt Nehry, Lfsizierssiellvertr. Otto Kreitzer, itu ffizier der Reserve Jakob Ziemer, Eins ihriger- ,'ifc) ffi*ier Franzmann von Alzey, sänutich im um gt 118. Feldwebel Sch ew e, Vizefekdwebei Re sch n» l m b «s ch e i d, Wehrmann T e i s o w s k i vom Res.- nffiegt 118. Oberleutn. d R und Batteriefichrcr von 0 > e n im Hess. Res.-Feldart -Regt. 25 Hauptmann So l- p ■ mn Friedbevger Bat 168. Hanptmann Moritz aus -H ' Leutnant NadrowSki, Unterof'izierschule Äekt- v m }t Adjutant beiin Brig.-Ersatz-Bat. 26. Major Ma n eN us Weilburg. Oberlt. d. R. Kompagnieführer Z ö l l - fc- on Braunsels rm 68. :stes-Landen.-Jnf.-Regt. Frhr. phzNarschall von Bieberstein von Hatmstätten, aui nann im Landw-Regt 80. Architekt Paul Baltzer iez im Res-Regt. 80 Regierungsbaumeister Erbe rhnstätten, Leutnant bei der Marine-Jns. Gefr. Otto b i tz aus Wetzlar im Ins.-Regt. 88. Unterosf. Frieda. 1 j aus Hohensolms im Res.-Jns -Regt 81. Sergeant , ‘I Eidenmüller beim Ins.-Regt 161 aus Kärch- r» »ach. Kraftwagensührer und Unterosf. Karl Jüngst i8 rrborn. Gras von Soden, Kommandeur des akt. iK »ataillons in Marburg Prof. Bahlke, Ingenieur njctt aus Tarmstadl. Tiv.-Jntendant der 21. Division »de r. Hauptmann d R. Richard Westernacher, »»eanieführer im Res.-Jns.-Regt 118, aus Lindheim, tti ■ffijiet b. R. beim Jnf -Regt 118 Jak. Weidmann -D t^jau. zurzeit Lehrer in Viernheim Elektrische Beleuchtung aus dem Lande. !a> endet uns folgenden beachtenswerten Hinweis: In cp iegSzeit ist die Beschaffung von Petroleum schwierig tli iwu unter Umstände» ganz unterbunden werden. Koblen |cs: Erzeugung elektrischer Energie sind jedoch genügend orniden; e« ist deshalb vorteilhaft, elektrische? Licht zu r« n, welches nicht nur bequemer und schöner, sondern eij: sicher Kerzenstärke auch wesentlich billiger als Petroleum- -V t Hierzu kommt noch, daß für Petroleum da? deutsche eii nS Ausland wandert, da Petroleum bekanntlich vom uv rde bezogen werden mnß. Es liegt dader besonders I ger Zeit auch im volkswirtschaftlichen Interesse, da? M> r> Deutschland zu behalten und für deutsche Erzeugnisse tffi gm, umsomehr, als für gleiche Ausgabe» erhebliche o:o i« geboten werden. Es kann daher nur angeratcn >: Brennt auf dem Lande, wo sich Gelegenheit bietet, fl! che« Licht I Privatpaket« an Angehörige des Fuß- > R e g t s. 3 sind, w-ie man uns bittet mitzuteilen, zur Hi rbeförderung zu senden an: Kassenverwalmng des Fuß- !t! »rie-Regiments 3 in Mainz, Generalfeldzeugmeister- >ft re Ferngläserfkrdie48. Reservedivision. Man v! rns um Aufnahme folgender Notiz: Die 48 Reservedivision ff»in Truppenübungsplatz Darmstadt würde sür sofortige rri ,'igr Spendung von Ferngläsern dankbar sein, r», können auch beim Stellvertretenden Generalkommando in e« urt a. M., Untermainkar 19, abgegeben werden Kreis Frirdberg. Friedberq, 8. Okt Heute abend balte sich das Quartett toi Kompaonp des hier gegenwärtla in Garnison liegenden arr zirm-Ersatzbataillon« versammelt, um die Verwundete u i f l Lazaretten mit einigen Ltedervorträgen z» «treuen. Daß >a» einen Zweck erreichte, sah man an den strahlenden Augen toi rwnndeleii BalerlandSverteidtger. Hessen-Nassau. Rodheim a. d. Bieber. Das Eiserne Kreuz erhielt v»i lerofftjier Ludwig WillerShäufer von der 8. Kompagnie ^ rianterie-Regimenks Nr. 83. Schwurgericht. Ih. Gießen, 7. Ost. estcrn verhandelte das Schwurgericht über die letzte Sackte n r ser Tagung. Angestagl waren wegen Meincch die 46jährige "?> ru Loren, Schmidt von Gießen, ferner wegen Anstiftung u» -fem Verbrechen der 38 Jahre alte Dienstmann Christian !>!, und dessen 36 Jahre alte Ehefrau, beide von Gießen fchj tsassessor Dr. Eckert sungirrtk als Anklagevertreter die ich digung führten sür die Ehefrau Schmidt Justizrat K a tz Mt tr die Nvllschcn Eheleute Rechtsanwalt Homberger Der eps stand der Anstage war folgender: Die Nvllschcn Ehelcntc u -n in der Neustadt, mit ihnen im gleichen Hause wohmc i»i ngestagte Fvau Schmidt Bor einiger Zeit war Noll wegen t»l igung zu einer Geldstrafe von 20 Mark verurteilt worden, sste tzclculr Noll und die Ehefrau Schmidt gingen zusammen vom ii nach ixuie Bor ihnen grng die Gegenpartei. MS A'vII a»r -r Este der Landgrasenstroße und des Landgraf Philipv- .'U! rngekomtnen war. rief er zweimal sehr laut „Pfui" und ptift i» Male so laut, daß der Schutzmann Glänz«, d« unmittel ar -genüb« der Stelle seine Wobnung Kai und g«ade zu Haicke da gegen Noll eine Anzeige wegen ritltestörendcn Lärnis erhob, p«' kteamtc machte am selben Tage dem Roll, den er zufällig m Marktplatz traf, davon Mitteilung, daß « ihn wegen des |Ä :ns anzeigen werde. Nmr begann Noll, drei Leute als I m»' n dafür zu nwrbrn, daß « keinen Lärm verübt und nstbt P “ gerufen habe Er halte ab« damit kein Glück, es kam viel t a dahin, daß sttoll wegen versuchter Ansüfmng zuni styeineid t» efrn drei Fällen von da Strafkamui« Gießen zu 1 Jahr i Monaten ZuchßlGuS verurteilt wurde. Glcichzertig wurde o koll, und wie die lV>klage brltauptct, auch von dessen Ehefrau. ?iJ tzezrau Schmidt mü allen Mitteln d« Uebnrednng lx-arbei!et, M es wegen d« Sc^e zum Prozeß komme, zu jagen, Noll I>abe lwi geruien, da Ruf „Pfui" sei von jemand gekommen, der l ü ■ ihnen gegangen fei. Ms da Anqestaqtr Noll einen Ttrai [° wegen ruhestörenden Lärms ahielt, erhob dagegen Ein- ou, und so kam die Angeleqcuheit ant 6. März d I. vor dem ^ fengericht zur Bahandlung. In dasell>«i bat Frau Schmidt >- Eid bekundet, daß Noll, da neben ihr gegwigen ist^keinen u örenden Lärm gemacht hat. Die Angeklagte Ehe>'rau Schmidt n vor den Grfchtvvrenen ein GcWnt>tris c&, sie belastete habet ou Eheleute Noll. Diese bestritten entschieden, die Angcstagtr — idt zu dem falschen Eid angestiftet zu haben. den Geschworenen wurden folgende Fragen oorgelegt: Wegen iw Ingellagten Schm idt wegen Meineids, wogen de- Ehemanns -und s»iu« Ehefrau wegen Anstiftung. Gerichtsassessor Dr. ~ Tt trat für die Bejahung d« Schuldfragen stir alle drei klagten ein. Justizral Katz rrstärte. daß ec nacki dem Ge Bl rris sein« Klientiin da Hau Schmidt keinen Antrag zu sti i in der Lage sei. Da Vateihig« Rechtsanwalt Dvm- bo,-r ist d« Ansicht, daß mindestens gegen die Ehefrau Nolt die Beweist nicht ausreichend seren und dretekb« wegen AnMktimg zum Meineid verurteilen zu können. fAelastend sa nur die 3lus- sage der Mitangeklagten Frau Schmidt, dieser ab«, die zugibt, einen Meineid gelrist« zu hoben, dün'e man kernen Glauben schenken. Die Geschworenen sprachen dst Angestagte Ehcirau Schmidt und den Tienstmann Ehristian Noll schuldrg, verneinten ab« die schuldsrage gegenüber der Ehefrau Noll. Die Angeklagte Schmidt wurde wegen Meineids zu da geringsten zuläiiigen Strafe von l Jahr Zuchthaus um« Llbrcchnung d« »«büßten Unterfuchungsbait verurteilt D« Ehemann Noll wurde unwr Einbeziehung der schon erkannten 1 Jahr 2 Monate Zuchthaus zu einer Ge>amtzuct 4 hgusstrast von 2 Jahren 9 Monaten Zuchthaus verurteilt. T« -Angeklagten Schmidt umrdcn für die Dau« von 3 Jahren und dem Llngellagren Noll für die Dauer von 5 Jahren die bürgerlichen Ehrenrerluc ab«!anm und über beide Verurteilte die cüm«ndc Eidesuniälngkeit ausgcfmockicn. Die Ehefrau Noll wurde freigcsprocheu. Die Gcsckhvvrencn unt«- zeichnetcn rin vom Jmtizrat Katz für seine Klientin verfaßtes Gnadengesuch, das btzwem, die «kannte Zuchthausstrafe in Gefängnis umzuwandeln vachrrtisch. ch Geb et büch lein für Verwundete. Soeben erscheint ein Gebelbnchlein hnr Verw»»deie non Pfarrer Volv- Lanvach. So viel wir iviffen, ist vies dos erste Gebetbuch für b elen Zweck allein. ES eiilkäll 'Morgen- und dlbenbgebeie lür jede» Tag der Woche. Kurze Sprüche ünd voraugestellt. e n Lieder- vers schließi Die Gebet« Iielie» dem Berivuudete» verstehen, wozu «Sott ihn au!4 liroutenlager qe'egt. Es wird willkoiuiue» lei» zur Verteiliiiig au die Veriviiubeie» ui den Lazaretten Bei dem geringen Preis von >0 Big. bei z.'> Seilen könne» große Bestellnngen gkiiiackil werden. Dieielbe,, End z« richten an die Ervediiion kiol- »nd Unioersttätsdruckerei Otto Kindt, Gießen oder drn Per'aster. Lei Beurlluiiq von 190 Stiick ermäßigt sich der Stückpreis a»i 8 Afg. Ter Reinertrag stiebt dem Roten K>enz ,u. Märkte. cd. Bingen, 7. Ott. Marktpreis«. Weizen Mk. 26,25, Korn Alk. 21, 5, Gerste Mk. 21,0), Haier Mk. 21,0 , tzeu Alk, b,b0, Stroh Mk. 3,10, Kartoffeln Alk. 7,75, Erbien Mk. 0^,0', Linien Alk. 00,30, 'Bohnen Mk. 00,00, Weifmiehl Mk. 14,00. Roggenineiil Mk. 34.00: astes für >00 Klgr. Bulier 1 Klgr. Mk. 2,70, Milch 1 Liter 21 Ptq.. Eier 10 Stück Mk. 1.2b. cd. Niedcr-Jiigclhcim, 7. Okt. Lbstmarkt. Birnen 6—10 Mk., Aevstl 0 — 1! Mk.. Zwelschen ',00—6,00 Alk., Onitten Ib Mk., Pstrstche 7 9 Mk. der Zentner. Ta die Nachfrage nach 'stepscln lehr rege ist, ist eine slärlere Zufuhr »rivünfcht. Ir Fraiikiiiri a. M. Bi e h h o I »r a r ! t d e r > ch t vo n 8. Oft. Austrieb: Ochsen 28, Bullen 7, Kühe und Färsen b0, Kälber 340, Schale 262, Echiveine 1079. Tendenz: Bei tcbhaltem Handel rasch ansverkarckt. Preis« sür 100 Bfd. Lebend- Schlachtgewicht Kälber. Mk. Mk. Feinste Mastkälber . . ...... . . 88 ,-70 113 -117 Sch a - ktallmastlchr'» Mastlämmer tmo stinqer» Nastiammel . . 41—42 90 92 Aeltere Mostliammel, mit genährte junge Schate und geringere Mastlämmer...... 34- 35 80 82 Ic. Wiesbaden, 8. Cfi. fett- und S tr ohmarkl. Angeiahren ivarei, 5 Wagen mit Heu, Stroh 'chlle. Alan nolierle: den 3,90 — 4,30 Mk,, Siroh (Jlichlstroh) 0,00-0,00 Mk., Krumm- stroh 0,00—0,00 MI. — Fruchimarkt. Hafer 12,00-0>,00 Mk., »euer Alk. 11,50—12,50. Alles je 50 Kilo._ Tic Marktpreise für Vieh und Frucht «ud die Gicßener Fleisch» und Brotpreif« am 7. Oktober 11,14. kchlachtviehpreis« in Franks urt o. Al, Fleischpreise in Biegen Ochsen Kälber Scknveine 50 Kg. Schlachtgewicht 85—102 zur. '/, Kg.Schlachtgw. 102 113 tll. 7, „ . 69-74 . 7, Kg. 36—96 Üs z . 70-75 . V. . 70-96 . Cetrcidepreise in Mannheim Brotpreif« in Gtesten: Weizen loO Nq. 27.00-27.50 Mk. Roggen 100 Kg. 23.00-24.00 Alk. Weitzlrrot 2 \vq. (J8 6s Lchivarzbrol 2 51g. 60 "Lfg. wöcyenil. lledersicht der Todesfälle i. d. Stadt Gieren. S9 'ILoche. Voin 20. bis 26. September 1914 Einwohnerzahl: angenommen zu 329)0 linkt. 1830 Mann Militär). Sterdlichkeitsziffert 49,50«/„ nach Abzug von 7 Ortsiremden: 28,50 *l w Kinder Es starben an: Zusainmen: Erwachsene: !m vom 1. Lebensjahr: 2.—15. Jahr: Tuberkulose i 1 — — Herzledler i 1 — — Hiriihaiiienlzimdung i 1 — — Krebs i 1 — — Zuckerruhr i 1 — — Tarmkalarrh 2 (1) — 2(1) — Blinddarmentzündung 1 (1) — Id) Tivhllierie 1 U) — — 1 (!) Nierenentzündung 1 — — 1 Krampten 1 — 1 — Lebensschwäche 3(1) — 3(1) — Allersjchmäche 1 1 — — Krieqsverietzuag (davon im Felo gestorben: 7 Giebencr) 10 (3) 10 (3) Summa : 25 (7) 16 (3) 6(2) 3(2) Anm.: Die in zuömmcrii gesetzten Ziffern geben an, wie viel t« Todeskälle in der belressenoen Krankheit aus von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen. Meteorologische Beobachtungen der Station Siehe». Cft. S 0*3 -äS er-. if •c i;f 1114 fs-g Z ^ If ■sf SK 5 es if 1 1 Im £h wen» 8 ! 5”! 755.7 8.9 6 9 80 SE 2 10 Bed. Himmel 8.j H 755,3 83 7.3 89 SE 2 10 9.j 7" '53,9 84 7.6 9i 8 2 10 * ' Höchste Temoeratur am 7.—8, Okt. 19lt -- -s- 9,6 C. Niedrigste . , 7.-8. . 19U = > 3,0* , Niederschlag: 0,0 min. Verantwortlich sür „Feuilleton", „Gcri.htssaal" u. „Vnmischtes": I. B: August G o e tz. Deutsche Hausfrauen! Kauft von jetzt ab nur deutsches Gustin statt des bisber vielfach verwendeten englischen Fabrikates Mondamin. Ties sei die Antwort auf die treulose KlttegS- «llärunq seitens Englands urtd auf die sonstigen Maßnahmen dieses Staates, die bestimmt sind, deutsches Ansehen, deutschen Handel und deutsche Arbeit zu schädigen. Tr. Oetk«'s Gustin ist besser und obendrein billiger als das englische Moirdamm. Die Losung sei dab«: Stets Dr. Oelktt's Gustin, nie wieder englisches Atondamui. hv*/i« Letzte Nachrichten. Die SchreckenStMcht in Antwerpen. (WTB.) A m fterbam, 9. Ott. Nichtamtlich. „Nicuws wm den Dag" verbreitet folgende Meldung aus Roojendnal als Extrablatt: Hier heute nackzt um 2 Uhr ein»eirossene Flüchtlinge teilen mit, daß die Beschießung Antwerpens in der Nacht begonnen habe. Die ersten Granaten fielen in den suplichen Teil der Stadt. Wal^ rend der Beschießung erscknen ein Zeppelin und warf Bomben auf die Oeltanks bei Hr'soken, die Feuer fingen Man ließ darauf die andern Ta>ik-:- mis- laufen. Stf Deutschen beschossen dann den nordöstlichen Stadtteil. Der Sndbahnhof steht in Flanimen. Die Vorstadt Bcrchem soll sehr schwer gelitten haben. Ein Pulvermagazin soll in die Luft gesprengt worden sein. Die Beschießungdauertedieganze Nachtfort. Eine starke britische Truppenmachl habe mit sckpveren Schisfs- gcschitzen die innere Fortslinie besetzt, die bis zum Aeußcr-- sten verteidigt werden soll. Berlin, 9.Okt. Die Schicksalsstunde Antwerpens beginnt sich zu erfüllen. Mittwoch früh erschien ein deulscherParlamentär mit der w e i ß e n F l a g g e, um die Uebergabc der Stadt zu fordern oder die Beschießung der Stadt anzukündigen, wenn diese nicht kapituliere. Weil die Antwort ablehnend nlar, ließ der Befehlshaber Tausend den von Einwohnern Zeit, die Stadt zu verlassen. In später Nachtstunde ersolgle die Eröffnung des Bombardements. Dann aber begann eine Schreckens nacht. Unaufhörlich schlugen Granaten ein. Zeppeline erschienen und warfen Bomben auf die Petroleum- tanks, die Feuer singen. Es war ein Bild sämtlicher Schrecken des modernen Krieges. Dem „Lokalanzeiger" wird gemeldet, daß der König von Belgien, von dem es noch einigt Tage zuvor hieß, daß er bei seinen Truppen ausharren wolle, sein Heil in der Fluchst gesucht zu haben scheint. Er soll gestern morgen 9 Uhr bei Selzaete an der Grenze angekom- men sein. Das VoiAringen aus.Antwerpen. iWTB.) Amsterdam. 8. Okt jNichtamtlich.) Der „Tele» araaf" meldet aus Rosendckbl: Der Uebergang über die N e t h e gelang am Dienstag, nachdem die Artillerie ein langandauerndes heiliges Gesecht gegen die Fortisikation Puers geliefert hatte. Die Deutschen operierten in dem Dreieck Licr—Pu«s— Antwerpen u>id ließen Pipninabteilungcn schwimmend das andere Us« «reichen. Es gelang nach wiederholten Versuchen unter großen V«lusten. Sobald d« Ucbergong üb« die Nethe hergeüellt war, ivurdc auf dem andern Us« schwere Artillerie ausgestellt und in Tätigkeit gesetzt. Wütende Jnsantoeicangriiie folgten aus die Kanonade, zugleich zum Flankeiiangrific auf das Fort PuerS. D« Kamps wurl« gestern abend fortgesetzt. Die Belgier sprengten meh rere Male die üb« die Nethe gelegten Brücken, ab« mit Todcs- v«achtung schlugen die Pioni«e neue starke Uebergänge über den Fluß. , ^ Eine deutsche Taube über Pnns. (WTB.) Paris, 8. Okt. (Mchtamtlich.) Eine deutsche „T a u b e" warf heute vormittag zwei Bomben, eine ans die Plains von St. Denis, welche unbedeutenden Schaden anrichtet c, und eine auf Aubervllliers, wo drei Personen v«wimdet wurden. Die Zeichnung der Kriegsanleihen. Berlin, 8. Okt. (WTB. Mchtamtlich.) Das Ergebnis auf die Zeichnung der Kriegsanleihen läßt sich nunmehr im einzelnen übervetycrt. Die Gesamt!eickmnng von 4 460 701 400 Mk. besteht aus 1 177 235 Einzelzcichnungen. Hiervon entfallen auf Einzelbcträge von 100 Ins 2000 Mk. 926 059 Zeichnungen mit einer Summe von 733 775 400 Ml, auf Einzelbeträge vvn 2100 bis 20 000 Mk 233 342 Zeich-- nungen mit einer Summe von 1 336 738 700 Mk., der Rest besteht aus Zeichnungen von über 20000 Mark. Das deutsche Dolk wird aus diesen Ziffern mit Frende ersahen, wie die Zeichnungen auf alle Schichten der BevöMwirng gleichmäßig verteilt sind, wie arm und reich, jeder nach seinen Kräften, dazu beigetragen lzaben, den überaus glanzenden Erfolg der Kriegsanleihen zustande zu bringen. Die baren Einzahlungen au) die Kriegsanleihen haben nach den bis heute vormittag vorliegenden Nackstveisungen den Betrag von 2420 Milt. Mark erreicht. Das sind 54.26 Prozent der gezeichneten Summe und 636 Millionen Mark oder 14.26 Prozent mehr als bis zum 5. Oktober fällig waren. Tatsächlich sind die eingezahlten Beträge noch Hölzer, fveff von einem Teil der entfernter getreuen Reichsbcmkanstal- ten djie Aufgaben noch nicht in Bersin eingetroffen sind. Es dürste dieses die größte Zahlung sein, die jemals von einem Volke in so kurzer Zeit geleistet worden ist. Zur See! Stettin, 8. Okt. Die „Stettiner Neuesten Nachrichten" erfahren aus absolut zuverlässiger Quelle: Gestern vormittag brachte ein d e u t s ch e s T o r p e d o b o o t den norwegischen Damp fer „Modih" ans, d« ungefähr 1800 Tonnen Kohlen an Bord fKitte. Der Dampfer befand sich auf der Reise von England nach Rußland in der Ostsee: er wurde von dem Torpedoboot nack) Swinemündc eingeschleppt. Deutschland wird in England gelobt! (WTB.) London, 9. Okt. (Nichtamtlich Schnoad Bartlett schreibt im „Daily Telegraph": Deutschland hat einen großen Vorteil vor den and«en Nattonen, da die Gesamtheit des Volkes militärische Ausbildung erhält und jcd« verfügbare Mann unter den Waffen steht Deutschland hat nicht weniger als 54 Armeekorps. Diese Menschemnasle, die sich in der Defensive hält, durch die stärksten Reihen von Festungen unterstützt, bedeutet eine so furchtbare Macht, daß es große neue Opfer seitens des englischen Volkes «fordern wird, um sie zur Um«w«fung zu zwingen. Die Franzosen kämpfen taps« in d« Verteidi gung ihres Bodens, ab« die Kraft ihrer Armeen, eine «nste Angrisssbewegunq auszusühren, vermindert sich täg li ch. Dlc „M b r n i n g Post" schreibt: Die durch den Krieg offen bar gewordene Daupttatsache ist die ungeheure Stärke Deutschlands, die es crmöglichle, die Ruffen aus Ostpreußen zu vertreiben und ihnen von der Ostsee bis zu drn Karpatl>en ent» gegen zutreten, zugleich Belgien zu übemimiten, die v«bünüeten Armeen von der Sauchre dis zur Marne zu treiben, nach dem Rückznge an die Aisne diese Linie zu Hallen und selbst die rechte Flanke auszudehneu, dabei die Bielagerung Antnwrvcns vorzu- »ereiten und die Angriffe gegen diese Stadl vorwärts zu führen. In einem zweüen Leitartikel schlecht die „Moruing Post": Das Ende ist »och nicht da. W« auf «nett frühzeitigen Zusammenbruch der deutschen Macht rechnet, verkennt di« Lage gründlich. Deutschland besitzt noch sehr große Kräfte und verfügt üb« auß«ordentltche Düssquellen; es besitzt fern« eine sehr starke Stellung im Innern, es besteht kein Anzeichen und keine Wahrscheinlichkeit sür die inn«e politische Z« ketzung, die manche Leute gern prophezeien. T« Kampf hat sein «stes Stadium erreicht, das unmittelbare Ergebnis auf dem westlichen Kriegsschauplätze ist noch zweifelhaft. Die Ausstanbsbewequng in Marokko. (WTB.) Konstantinopcl, 9. Okt. (Nichtamtlich.) „TasviriEffiar" meldet, daß die neue Aufstandsbewe- gung in Marokko an Ausdehnung^gewinnt Angesehenste Häuptlinge zogen von Stamm in ctamm nnd erklärten, daß der Heilige Kftteg gegen Frankreich verkündet sei Nach dem „Tanin" sind die Engländer zieoerhast bemüht in Aegypten revolutionäre Proklamationen auszufinden, die angeblich dorthin gebracht worden sind- «Mir ich« Teil. Vcka«ntmach»«g. Görrtfftrfje Bcrnmudetr imb Kranke, die vom Kriegs- sckmuplatz, aus Heil- und Kuranstalten oder überhaupt von auswärts nach hier und dem Landkreis Gtesten zurückgekehrt sind oder noch zurücklehreu und sich nicht in einem der hiesigen Lazarette befinden, haben sich sofort bei dem Garnison- kommando persSnlichan-und demnächst Mieder abzmnelden; nicht marschsähige schriftlich. Die Meldung muß enthalten: Namen, Truppenteil, Da- tum der An- bezw. Abmeldung, Wohnung und bei Offizieren, ob Bursche mitgebracht.—llntmckassung der Meldung mirö bestraft. Die jZarnisonkommandantnr Nietzen. gez. Chalous, Oberst. Bekanntmachung. Bete,: Unterstützung der Fannkieu in den Dienst cingärdmer Mannschaften, An die Grotzh. Bürgerm eist ereien des Kreises, Die wollen sofort berichten, in welcher Höhe bis zu» 15. Ok - tob er t Js. KcmnLen-UlltertzützUNgrn ans Ihrer Geineindcbassr bezahlt Nwrde» sind und zwar getrennt nach Reichs- und Kreis- Uvterskützmur. bm 6. Dftofcrr 1914. Großherzogliches Krcisnmt Gießen vr, U sing er. Bekanntmachung. Betr,: Die Kirchen- und StifwngsvoranschlSgr Mr 1915 An die .Kirchen- und StistnngSvorstünde des Kreises. Wir morheu darauf aufmerksam, daß di« Voranschläge bis spätestens Witte Oktober an die Großh. Dekanate abzugeben find, Ghetze», den 6, Oktober 191*. Großherzogliches Kreisamt _ Dr. Usinger. Bekanntmachung. Betr.: Die AnSfirllnng von Duplikatarbeitsbüchern. An die Grotzh. Bürgermeistereien des Kreises. Diejenigea von Ihnen, die im Rj. 1313 Dmlikate von Arbeitsbüchern ansgestellt hoben, wollen dies alsbald berichten und den Betrag von 50 Pfg. für jedes Duplikat an unseren Kreis» kasjerechner abliescrn Gießen, den 5. Oktober 1314. Grvßherzovliches Kreisamt Gießen _I. B.: & em m erde_ Bekanntmachung. B rtn: Musterung und Aushebung des imausgebildeten Landsturms. Mit Rücksicht daraus, daß Ende dieses Monats — die Tage werden noch im Krcisblatt bekanntgegeben — die Musterung und Aushebung der unausgcbildctrn Landsturm pflichtigen. die in den Jahren 1894 bis einschließlich 1885 geboren sind, stattsindet, fordere ich alle diejenigen dieser Jahrgänge auf, die sich noch nicht zur Landsturmrollr ange- melLct haben, dies sofort zu tun. Me Anmeldung in den Gemeinden hat bei der Hz, meisterei zu erfolgen. Mr in der Stadt Gießen wohn» Pflichtigen haben sich auf Zimmer 4 des Regierungz«, des zu melde». Bei der Anmeldung find die Läud S«^8 vorzulegen. Wer die Anmeldung zur Landsturmrollr hwtc wird mit Freiheitsstrafe von 6 Monaten bis z» bestraft 31 Die als dauernd untauglich Ansgemnsterten hghx, weder zu melden, noch zur Musterung zu stellen. Gießen, den 8.Oktober 1914. Der Zivilvorsrtzende der Ersatzkommission desKreises^, J.B.: Hemmerde. Betr.: Me oben. Au den Oberb ü r g erme i ster der Stadt Gießen «g, an dir Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinde des Kreises. Bon vorstehender Bekanntmachung wollen Sie Krm nehmen und ortsübliche Bekanntmachung erlassen. Dust herzoglichen Bürgermeistereien der Landgemeinden w« beauftragt, die Meldungen in ein Formular nach Muster der Laudsturmrolle aufzunehmen mch bis 20. ds. Mts. hierher einzusenden. Gießen, den 8. Oktober 1914. Der Zivilvorsrtzende der Ersatzkommission des Krerses GH, I. B.: Hemmerde. wenn 8ie sich vor Einkauf eines Paletots, Ulsters oder Ausi nicht von der Reichhaltigkeit meines Lagers, sowie der Pi Würdigkeit meiner Ware überzeugen. ^ Teleph. 496 J.SchmückerNachf. bei weitgehender Garen tie und günstigster ' Kan#- tl Mietbedinsung. Stimm tmg, Reparatur Transport Stand bis : ?es Lager von 250 jO Instrumenten. Bei Miete [44 Eigen tum serwerb laut besonderer Bedingung. Stets gebrauchte Instrumente zu jedem Preis. Vermietungen 2 bis 12 Mark monatlich. 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Hosoital, Seitersweg lt eine Anzahl M Kleidungsstücke, Tafchenudre» und fouftige Eck stücke öffentlich meistbietend gegen Barzahlung versu Kartoffelverkanf. Samstag, den 1«. Oktober, vormittags von 12 Uhr, werde« seitens der Stadtverwaltung im« bans in der Neustadt Kartoffeln in Mengen bis zu Pfund a« Bewohner der Stadt verkauft. Der Pre trägt für das Pmnd 8 Pfeunia. v Versteigerung von Birken-Besenreij Samstag, de« 1«. Oktober 1814. vormittags II werden im Stadthaus, Garteustraste 2, die in den düngen der Stadt Gießen ffch ergebenden BirkenI reifer, in verfchiedenen Losen meistbietend uersteigi 104178 Kokspreife. Die Svmmerpreise für Gastod Reiben dd weiteres bestehen, es kostet 1 Zeuwer ab Gaswerf ■ Stückkok? 9Ji bei Abnahme non mstld este us 6 Ztr. Mk. 1.20 M n tt n n w „ h 1.18 , nun n 200 « lilO , nun n 400 „ 1.05 n n „ n Über 800 „ „1— „ Im Gaswerk findet nur Verkauf von über 5 8« statt,- die meisten hiesigen Kohlenhändler oerab Gaskoks auch in Mengen unter 5 Zentner zum ' von Mk. 1.20 für Stück- und Mk. 1.30 iür Nuhkok .Zentner, sfür die Anfuhr an das Haus werden I> für den Zentner berechnet, lsür Abnehmer auf» der Gemarkung Gietzen ermäßigen sich die Preise < dem um den Betrag der Oktroi-Rückvergütmig von für den Zentner,_ In den Wagen der städtischen Straßenbahn w in der Zeit vom 1. Juni bis 30. Sevtember d. I. folgende Gegenstände gesunden: 26 Schirme, 5 SpazierstScke, 9 Paar Hanfe 4 Geldbörsen, 3 Handtäschchen, 4 Pakete mtt f) 3 Bücher, 2 Körbchen, 1 Haar- und 1 Zahnl 1 .Ktndermühe, 1 Reisektffen. 1 Schürze, l fin Umhang, 1 Brosche, 1 Armband, 1 Paar Str und 1 Schlüssel. Die obigen Sachen können auf dem Bmea Elektrizitätswerke und Straßenbahn, Lahnftraf Zimmer Nr. 4, in Empfang genommen werden. II Stadt. WohnungSnachweiS Gieße«, Aster« ES find ,« vermieten: 1 Wohnung von 7 Zimmern, eventl mst Mar 1 Wohnung von 5 Zimmern und 1 Dfansardenzi: 1 Wohnung von 5 Zimmern, 3 Wohnung, von 4 Zim 1 Wohnung v. 4—SZimmern, 3 Wohnungen v.3Zim 1 Wohnung von 1 Zimmer, 1 Wohnung von ein bi Zimmern, 1 Lager- oder Fabrikraum. 1 We: 1 dreistöckiges Lagerhaus mst Pferdestall und baden. 8 möblierte Zimmer. Zu miete» gesucht: 20 Wohnungen von 2-59» kftädt. 'rfrbeitsnacfiiöeis \§ies> Asterweg 9. m GS können eingestellt werbe«: a. bei hiesigen Arbeitgebern 2 Schreiner, 1 Glaser, 1 Küfer, 2 Zimmerlente. 1 9 1 Metzgerbursche, 1 Schuhmacher, 1 Fuhrkneckl, Wirtschaft! Arbeiter, Zestuugsverkauser. b. bei auswärtigen Arbeitgebern: 2 Nieter, 1 Müller, 2 Bäcker, I Schrestier, 1 0 landwirtschastliche Arbeiter und Knechte, Dra arbeiter, Erdarbeiter, Mineure, Maurer, Zimmc Betonarbeiter und Taglöhner. Lebrlinge: 1 Schuhmachertehriiug. Es suchen Arbett: | 1 Schmied, 8 Schlosser, 2 Spengler. 2 Mechanikei ^ Polsterer u. 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