Nr. 250 Zweiter Erschein! täglich mit Ausnahme des SointtagS. Tie „«ießener ZamklienblStter" rverden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich bergeiegt, das „Kceisblatt für de« Kreis O letzen" zweimal wöchentlich. Die „kandwirtschastlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal. Statt jb-s. Jahrgang Seneraj-Anzeiger für Gberhesjen Donnerstag, 1. Moder Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'schcn Univerfitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: Redaktion: e-jn >ll3. Tel.-Adr.:AnzeigerTießen. Anegsbnefe aus dem Osten. Vim unserem zum Ostheere cittsandten Kriegsberichterstatter (2wberechtlgtcr Nachdrnck, auch auszugsweise, verboten.) Im deutstkMn Suwalki. Armee-O de r komm and«» O-st, 25. Sept. Die deutsche Offensive gegen die Linie Kolrmv-Grodno hat seit eiurgen Tagen eingesetzt. Die Grnpierirnjg dew ge-i schlagenen ruffischen Armeen in dem Raum von Köwrro- Nrodno-Waiistock dürfte instvischen erfolgt sein. Ob die Armee Rennenkamps vor drei Wochen überhaupt opera-- tionssähig ist, hängt von dem lMrrmticnisnackffchuch der Ruffen ab. Bermutüch werden die Depots ziemlich wett rückwärts regen. Das 1. ruMche Armeekorps hat sich wahrscheinlich bei icowlto-gesammelt, das 3. Korps zwischen «tzvodrw nnd K«uno, um den Uebeogang über den Njemeu zu docken. Hier dürsten stärkere Reserven herangezogen fern, Olita dürfte durch das t., der Abschnitt Olita-Vörodrw durch das 2. Korps gedeckt verdc». Erhebliche russische Kräfte, anderthalb Armeekorps, >as 22. Finnische und Teile des Kaukasischen mit reichlicher Kavallerie stehen bei Grodno; in der modern ausgebauten Festung Ossowjetz (Ossowice) werden das 3. Sibirische Korps, >as bei Lyk geschlagen wurde, und eine Reservedivisioii rnzunehmen sein. Die deutscherseits eingelcitete Beschießung von Ossow- etz wurde bereits als bevorstehend gemetbet, die weiteren Änzelheite» des deutschen Offensiv-Stoßes sind natürlich „och ittcht zur Veröffentlichung reif. Jnztvischen ist das Gouvernement Suwalki, das Aufmarschgelände für die deutschen Truppen, seit über einer Woche in deutscher Verwaltung. Vor ein paar Tagen fuhren wir durch die nördlichen Teile des Gouvernements nach Wilkowiszky, dem historischen Ort, von wv Napoleon die Proklamation an seine Armee erließ, in der er den Beginn eines „zweiteir polnw chen Krieges" ankündigte. Gestern besuchten wir Suwalki, yie Gouvcrnementshauptstadt. Hinweg: Don der Grenze bei Prosken über Grajewo, Äugustowo, Rückweg: über Mark, Hrabowo nach Lyk. Den gleichen Eindruck, den ich von der letzten Fahrt nach xin eroberten Gebiet mitbrachte, trug ich auch diesmal nach hause. Auf der deutschen Seite der Grenze ist planmäßig) verwüstet worden, auf Her russischen Seite hat man kernen stein angerührt. Genau so wie Schirvindt völlig zerstört ist und der nächste russische Ort völlig unberührt blieb, sol ist Prosken eine Drümmerstätte, die (nicht vom Granatfener) von Grund aus vernichtet ist, während Grajewo kaum Spuren des Krieges zeigt. Wir sind dann Meilen und Meilen durch das Land gefahren, nirgends eine Brandstätte, selbst Augustowo, wo ein Kamps stattsand, hat nicht gelitten. Wenn es noch irgend eines Beweises bedurft hätte, daß die Verwüstung Ostpreußens nicht die traurige, aber selbstverständliche Folge oes Krieges, sondern das Opfer einer verbrecherischen, völkerrechtswidrigen Kriegführung durch die Russen sei, so ist dieser Beweis, wie man nicht oft genug wiederholen kann, völlig gebracht. Ganze Strecken des Gouvernements Suwalki, das sich h»er iu seinem südlichen Teil ganz anders zeigt als im Norden, bieten den freundlichen Anblick etwa einer thüringi- schm Landschaft im Frühherbst. Taimenwälder, die von guter Forstwirtschaft zeugen, mtt einzelnen Felsstückchen, kleine tiefblaue Seen und gut gepflegte Straßen. Mtloeiber- sonrmer, der die Stopelselder wie mtt silbernen Netzen überspinnt, flimmert durch die Luft. In den Ortschaften ist freilich jede, aber jede Erinneä rung an deutsche Bilder gelöscht. Die Frauen halten das schwere Kopftuch beim Gehen über die Straße mit gebogenem Arm über Kinn und Mund, die Ladenlür ist Schaufenster, die Straße Versammlungsort. Der Osten ist unverkennbar. Die klugen schwarzen und bvaunen Augen der jüdische» Bevölkerung sind »oll llnterwürsigkeit. An den Kramläden, die meist kaum für 50 Rubel Ware enthalten, steht J-J___________ groß mit Kreide: „Jüdisches Geschäft". Das soll heißen, ein freundliches Geschäft. Die Freundlichkeit ist demnach stark vorhanden, die Ge- schästtgkeit auch. Ein Pfund russischer Bonbons, das vielleicht den Wert von dreißig, vierzig Kopeken hat, wird mit 1.50 Mark verkauft. Ebenso gezuckerte Orangrschalen. „Schmeckt wie Hinrmel", versicherte mir dafür aber die Verkäuferin. Suwalki wttd etwa 20 000 Einwohner haben (ich habe die genauen Zahlen nicht zur Hand); eine deutsche Stadt von zehntausend Einwohnern macht aber einen viel städtischeren Eindruck. Eine lange breite Marktstraße mtt lleinen Läden bildet den Mittelpunkt, dann kommen ausgedehnte Seitenstraßen mit Hotzhäuschen, die noch oft au unge- psiasterten Wegen liegen. Zu Friedenszeilcn soll die Stadt einen lebhaften Eindruck haben. Es liegen zwei Regimenter dort, die schon für Amüsement sorgen werden. In den Schaukästen der Photographen sieht man dann auch inehr elegante und neckische Figuren, als sie eine lleine deutsche Stadt bieten würde- Selbst jetzt zur Zeit der deutschen Besetzung wiegt cs mit Trippelschritten über die Hcruvtstraßc. Darin sind uns die Russen unbedingt über. Kleine, vielleicht zwölfjährige, schwarzlockige Burschen sprechen einen auf der Straße an, um in diesen delikaten Angelegenheiten zu vermitteln. Man merkt, man hat wirllich die Grenze überschritten . . . DaS Gymnasium ist zum .Hospital eingerichtet. An den Wäiroen hängen noch die iifftrnktiven Bilder aus der Schulzeit; ein Tyroler Dorf mit allem, >vas dazu gehört, und ein Bild der Stadt Moskau, lieber die breiten und sauberen Gänge huschen die jungen Damen von Suwalki. Sie haben erst die Ripsen gepflegt und pflegen jetzt die Deutschen. Ein paar Pflegerinnen, mit derren ich sprach —■ sie sprachen fast alle deutsch —, machten mir den Eindruck, als ob sie diese Pflege gut leisten würden. Intelligente Jüdinnen, die das Gymnasium absolviert hatten und außerdem ziemlich viel Diplomatie gelernt hatten. Es ist ja wohl auch Bedingung für einen Juden in Polen, daß er das Talent entwickelt, so zu sprechen, baß jeder das Seinige aus den Worten lesen kann. „Der Zar hat an alle Völkerschaften Rußlands Worte von Befteiung gerichtet. Man tut das öfter in Rußland, es ist sehr billig... Man wird uns von russischer Seite vorwerfen, daß wir zu freundlich zu den Deutschen gewesen seien. Man wirst uns immer vor ..." Es ist nicht das skrupellose Erfassen der Gelegenheit wie bei der einfachen jüdischen Bevölkerung, es ist die Diskussion über eine sehr alte Frage, die sich nicht i» den Gängen eines Lazarettes löst Die deutschen Leichtverwundeten lagen auf ihrem sauberen Bette, und wenn es erlaubt war, rauchten sie die billigen und guten russischen Zigaretten. „Sie sind so freundlich und geduldig," sagten die Dränen vom russischen Roten Kreuz. Auf der Treppe zum Gouverneurhaus drängten sich die Notabeln von Suwalki. Der deutsche Gouverneur hatte sie zusammenrufen lassen, weil es enviesen war, daß sich Spione in Suwalki herumtrieben. Man verlangte Unterschrift unter ein Dokument, das verpflichtete, sich jeder für die deutschen Operationen feindlichen Handlung zu enthalten. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Da erllärtc der Bürgermeister, das könne er nicht, denn wenn russische Spione kämen und ihn über die Stärke der deutschen Truppen ausfragten, muffe er ihnen doch Auskunft geben. Eigentlich eine Unverschämtheit. Natürlich wurde der Bürgermeister sofort verhaftet. Aufgeregt gingen die anderen aus dem Zimmer, sie singen scheinbar jetzt erst au, zu begreifen, daß, sie unten deutscher Herrschaft stünden. Uebrigens schien einer der Stadtväter der Ansicht zu sein, daß der russische Bürgermeister ein ausgemachter Mel wäre, von solchen Dingen zu sprechen. Die Gruppe trat wieder auf die Straße, von allen Seiten richteten sich die neugierigen Augen aus die Vertreter der Stadt. An den Ecken bildeten sich kleine Parlamente, die noch lcbhast zur Tagesftage Stellung nahmen. Da ich mehrere deutsche Soldaten sich mtt ihnen verständigen sah, nahm ich an, daß die deutsche Auffassung den! guten Bewohnern von Suwalki llar geworden ist. Jedenfalls zeugt die Möglichkeit dieser Szenen von der außerordentlich humanen Art der deutschen Okkupation. RolfBrandt, Kriegsberichterstatter. Aus dem Schlachlfrlde vor Paris. Ein in der Stadt Rneil im Departement Seine-etMise ansässiger D ä ne, ein Fabrikant namens Alfred Christensen, hat den dorftgen Ortsbehörden seinen Kraftwagen zur Verfügung gestellt. Am 8. September wurde ihm nun der Auftrag erteilt, die Frau und das Kind des Gendarinericchsfs von Rueil aus dem kleinen Orte St. Augustin bei Eouloml- mier abzuholen. Eile tat not, denn Coulcmnnier war bereits von den Deutschen besetzt worden.'Tic Schilderung dieser Fahrt, die Herr Christensen in dem Kvpenhagener Blatte „Politiken" verösientlicht, enthält mancherlei Jitteressantes. Der nächste Weg von Rueil nach St. Augustin märe der quer durch Paris gewesen, allein, wenn es leicht war, nach Paris bineinzukommen, so hätte es um so schwerer gehalten, die Stadt zu verlassen, und der Däne entschloß sich daher, liebev einen großen Umweg im Halbkreise um Paris zu machen. Die Sonne war gerade aufgegangeir. als er gnfbrach!. Eftt roter Nebel hing über Paris; auf der anderen Seite der Stadt erblickte man den dunklen Uinriß eines Luftschiffes —z der Däne glaubte darin einen Zeppelin zu erkennen. Unter vielen Schwierigkeiten und Umwegen, innncr wieder angehalten und ausgesragt, kam er schließlich nach M e l u n, und damit mitten hinein in das englische Korps. Ganz Melun, so erzählt er, war voll von englischen Truppen. -Ordonnanzen aus Motorrädern schossen durch die Straßen und wichen, von ihren Offizieren abgesehen, niemanden! aus. Die Offiziere selbst fuhren in kostbaren Luxusautos, die stt aus England mitgebracht hatten. Von Melun ans den Weg nach St. Augustin verfolgend, passierte der Erzähler große englische Lastzüge. An der Spitze fuhr jedesmal ein Kraftwagen — in der Regel eine gewöhnliche Londoner Droschke — mit einem Offizier; es folgten dann 20 bis 30 Lastautos, die alle möglichen englischen Firmennamen trugen. Man sah da Wagen vom Hause Waring, von den Eiscnbahngesell-i' schäften, von Brauereien und Bäckereien. Bei dem Städtchen Chaumes hielt auch ein englischer Eiscnbahnzug vom Roten Kreuz, der gerade entladen wurde. Eine Wache von französischen Husaren, die der Däne auf seiner weiteren Fahrt passierte, hatte seit einer Woche überhaupt nichts von den Ereignissen gehört. Nur daß vor zwei Tagen die Deutschen nur noch vier Kilometer entfernt gewesen waren, war ihnen bekannt. Der Offizier war beglückt, als der Fremde ihm ein Morgenblatt überließ. Jk weiter der Wagen vorrückte, um so deutlicher wurden dtt Spuren des Kampfes. Pferdeleichen lagen zu Dutzenden herum und die Bauern waren dabei, sie zu begraben. Man sah Schützengräben, Stacheldrahtzäune, englische Reiter kamen, die herrenlos gewordene Pferde zur Reserve überführten) Ms Herr Christensen schließlich in St. Augustin anlangto, da erfuhr er, daß wenige Tage vorher 10000 Ulanen die Stadt überrascht haben sollten. Diese Zahl wird bei den deutschen Lesern ein verständnisinniges Schmunzeln erregen. Dann hatte sich der kühne deutsche Reitertrupp, der so weit vorgestoßen war, vor der Uebermacht eines schnell anrückenden englischen Korps zurückziehen müssen. Der dänische Rci- sende sah überall noch die Spuren des deutschen Besuches. Die Bewohner von St. Augustin hatten den Fehler begangen, chre Häuser zu verlassen und so hatten die Deutschen sich selbst helfen müssen. Im dem Hause, wo die gesuchten Schutzbefohlenen wohnten, hatten sie sich gewaltsam Eingang geschafft und in den Betten genächtigt. Der Tabaksverschleiß des Oertchens zeigte, daß die deutschen Reiter froh gewesen waren, dort ihren Tabaksvorrat ergänzen zu können. Die Bevölkerung, die zurückgeblieben war, hatte weitere Unbill nicht erfahren: ein einziger Zivilist war erschossen worden, und zwar, wie der dänische Erzähler offen zugibt, weil er, nicht hatte gehorchen wollen. Im Nachbarstädtchen war ein deutscher Offizier verwundet zurückgeblieben. Er halle mehrere tausend Franken Gold bei sich) die die Engländer ihm abgenommen hatten. Die Bauern hatten ihn töten wollen, aber die Frauen hatten das verhindert: hatten sie doch selbst honr Thomas Geburtstagsgeschenk an das deutsche Volt zu seinem 75. Geburtstage. Am 2. Okwber begeht das deutsche Volk einen Feiertag in schwerer Zeit: Meister Hans Thon« wird an diesem Tage 75 Jahre all. Geburtstagskindern pflegt man sonst ein Geschenk darzu- briugen, aber die, dir der Getttus begünstigt hat, halten es auch in diesem Punkte oft anders als andere Menschenkinder, indem sic zu ihren Festtagen vielmehr ihrerseits ihren Zett- und Volksgenossen willkommene Gaben spenden. So lstilts denn auch Meister Thoma, und die Gabe, die er zum 2. Okwber den Deutschen darbringt, ist der „Festkalende r", der dieser Tage der E. A. Seemann in Leipzig rxscheint. Dieser Festkalender umfaßt in 31 allerliebsten farbigen Tafeln 12 Monatsbilder, dann die Bilder der Planeten und endlich die Hauptmomente des christlichen Fest- jahres in einer Reihe von 11 Bildern aus den Erzählungen des Neuen Testaments. Und zu jedem dieser Blätter hat der greise Künstler ein sinnvolles Verslern gespendet, das in seiner kennzeichnenden Handschrift nncdcrgegeben wurde. Wie aber diese lieblich Mappe entstanden ist, darüber gibt eine von Thoma verfaßte Ein- siihrung in der bedächtigen und gemütvollen Weise, die dem Künstler als Schriftsteller eignet, nähere Auskunst. Die 31 in den Festkalender vereinigten Blätter bilden nämlich eine im Zusammenhänge geplante Reihe und Thoma erzählt davon: „Pläne zu zusammenhängenden Bildern halte ich, wie wohl viele Maler auch, von Jugend auf, es ist eine Art von Erzählenwvllcn, die besonders in deutscher Art begründet sein mag — ob diese Art zu loben oder zu schelten ist, kann ich nicht erörtern; wie alles, was Art ist, läßt es sich nicht aus der Welt schaffe». Es entstanden mancherlei-Pläne, ich träumte von einem Raum, der solch Bilder vereinigen sollte; es waren Jahres- und Tageszeiten, der Monatskreis, die Tierkreis- -zeichen, die Planeten als Jahresregentcn der alten Kalender, die auch Vorsteher der sieben Wochentage sind, es waren die kirchlichn Feste, die im Laufe des Jahres aus seinem Wechsel in geheimnisvollem oder ahnungsrrichm Zusammenhang mit ihni auftauchn. die tteserrn Bewegungen der Menschensecle regelnd, zu Svmbolcu formend, in welchen dir Seele aus dem Jmmervergänglichn das ewig Unvergänglich feskzubalten versuch." Die Jahre gingen, das Alter kein und damit die Zeit, wo der Küirstler so manchem allen Plane den Abschied geben mußte. Erst als Thoma in seinem 00. Lebensjahre, 1899, von Großherzog Friedrich nach Karlsruhe berufen ward, bot suh ihm Gelegenheit im Gespräch dem Grvß- herzog auch von seinem längst aufgegcbenen Plane, eine Bildcr- reihe aus dem Christusleben zu geben, zu erzählen, wobei er erwähnte, daß ihm in seiner schassensfrohesten Zeit nur die Wände dazu gefehlt hätten. In seiner gütigen Art meinte der Großherzog, da könnte man ja einmal die Wände dafür bauen. „Die alten, Pläne wollten wieder auslebcn — aber durch den Verlust meiner Lebensgefährtin im Jahre 1901 verlor ich auch alles Vertrauen in meine ArbettSkrast. Ein paar Jahre später, als ich in St. Moritz als Gast bei den hohen Herrschaften weilen durfte, kam auf einer Spazierfahrt mein gnädiger Fürst wieder auf den Plan zu sprechen, indem er ein wenig schalkhaft meinte: „Wenn wir Weißbärtc noch bauen wollen, so ist cs jetzt Zeit, daß wir uns daran machen." Tboma ist nun so verfahren, daß er erst die Bilder selbständig für sich fettiggestellt hat. Der jetzige Grvßherzog hat dann den Raum für den ganzen Zyklus närklich erbaut. An seinea Wänden wurden die Christusbilder, Geburt bis Auferstehung umfassend, ausgereiht. Es blieb dann noch die Eingangswand zu bemalen, und hier fanden die Monats- und Planetenbilder ihren Play — sie, die den Kern unseres „Festkalenders" bilden. Meister Thoma selbst tritt als der „Kalendermann" auf, der den Gehalt seiner Doistellungen, und was die Bilder zu bedeuten haben, liebenswürdig erläutert. Zu den sieben Planeteubildern brauchte er der Symmetrie halber noch ein achws Bild, und dazu nahm er die Erde im grünen Gewände, die ia auch ein Planet ist. „Zwei Erdenkinder reichen sich die Hand zum Lebensbunde. Auf solch wichtigem Ereignis ist ja der Bestand der Erde begründet, und die zwei künrmern sich nrcht viel um die Lockungen und Drohungen der sieben Jahresregenten. Mögen sie im Gotterscleden ihre Hütten bauen. Ueber ihnen ans unerkannten Räumen lächeln die Sterne als Freunde herab." So ist dieser Festkalender entstanden. „Aus all den Pufälligsteiten, wie die Bilder nach und nach entstehen mußten, zum Teil sozusagen aus dem Stegreif, wie die Christusbilder sich aneinanderre:htcn als ein Leben von der Geburt bis zum Tod, rundete es sich wie der Laus des Jahres. Die wechscinde Wiederkehr," Die älteste Zeldpoft. Die Ahnen unserer Feldpost, von deren Wirksamkett in diesen Tagen so viel abhängt, können wir bis wett in das graue Mter- tum zurückvrrfolgen, und zwar ist den Brieftauben zuerst die Ausgabe zuaesallsr, von den Heeren im Felde Kunde in die Heimat zu tragen. Wtt wissen, welchen ivichtigen Teil der Taubenzucht heute die Erziehung und Pflege von Milttär-Bttestaubenl bildet. Aber es ist weniger bekannt, daß nur darin die älteste Form des Fern-Nachrichtendienstes im Kriege — und, was den Orient betrifft, auch im Handelsverkehr deo Friedens — zu erblicken haben, der sich bis ins 20. Jahrhundert erhalten hat. Me erste Erwähnung der Taubenpost im llassischen Altertum! betrifft den Spott, für den Griechen die Vorschule des ernsten Waffenwerkes. Als ein gewisser Tanreschenes aus Aegina tn den olympischen Spielen gesiegt hatte, sandte er seinem Vater die Kunde davon durch eine Taube zu, an deren Fuß ein Purpur- läppchen befestigt war. Sie legte den ziemlich beträchtlichen Weg nack) ihrer Heimat, wo sie noch nicht flügge Junge hatte, in weniger als einem Tage zurück. Eine direkte Verwendung von Kriegstanben wttd aus dem Jahre 43 v. Chr. berichttt, in dem Brutus, ttner der Mörder des großen Julius Cäsar, in der obettwlrsckien Festung Mutina von Antonius belagett wurde. Sie vermittelten mit gutem Erfolge den schriftlichen Verkehr znnsck>en den Eingeschlossenen und^vem Herairrückenden Entsatz- Heere des Konsuls Hittius. Die Stürme der Völkerwanderung vcrnichltten, wie so viele andere Kultursottschrittc, auch die Ansänge der Taubenpost, und es dauette bis in die Zett der Kreuzzüge, daß das Abendland wieder von einem geregelten Bttes- taubenverkehr hätte. Tie berühmte Stelle im 18. Gesang« von Tassos ,Keftertcm Jerusalem", wo Gottftied von Bouillon bn der Belagerung der hefligeit Stadt eine Bttestaubc m seine Hände bekommt, ist durchaus bistottsch und stützt sich aus das Zeugnis mehrerer Geschichtsschreibm dieser Epoche. Sodann haben von uns Deutschen mehrere Pilger wetteres Interessante berichtet, die das Gelobte Land besuchen und vor allem zu Mexandria m Aegypten eine geregelte Taubenpost kennen lernten. Wie ans gebe hui und technisch diivchgebildet diese in der damals noch in stolzer Machtfülle stehenden Tittkci war.^ zeigt eine Aotiz oe» berühmten niederländisclieu Reisenden Lindschottcn aus dun Jahre 1590: „So ist demnach zu wissen, daß sie durch gantz Durck^ darzu gebrauchen Dauben, welche darzu gewebnl u nd ab gerttbi sind und Ring an den Beinen haben. Drei« Dauben werden von Bassora und Babylonien nach Mcpo und Constantinopel gefuhtt mtb fomnten von boroten nn-eber zurück, es bann Die Not also erfordert, besonders in geschwinden Krieges, l ä u f f t e n , als dann machen sie den Bttesi fest an den Ring, welchen sic an den Beinen haben, und laffM st« also flthcn, alsdenn E'i’fnn' iit her Front, deren Schicksal ihnen am Herzen lag! Der Verwundete imponierte ihnen übrigens sehr, weil er «inen Zahn „ganz von Gpld" hatte. Er mußte also ein sehr vornehmer Mann sein Aus der Rückfahrt sah der dänische Herr in einer kleinen Landstadt aus der Straße einen encs- lischc» Soldaten, der von Frauen und mindern umringt war. Mit Hilfe von Zeichen und Gebärden suchte er ihnen klar zu machen, ime er die Deutschen klein gekriegt hatte. „So lag ich und so führt' ich incine Klinge". Die französischen. Frauen und Kinder verstanden zwar nichts, aber der Fremde schien ihnen doch gewaltig zu imponieren. Französische Bilöcr von der öentschen Flotte. IInmitlell»ar vor dein Ausbruche des europäischen Völkerkricges hat ein französischer Offizier in der „Revue de Paris" einen langen, augenscheinlich aus gute Kenntnisse gestützten Aufsatz über die deutsche Flotte verössentlichr, der jetzt im Hinblick aus die glänzenden Leistungen unserer Blaujacken doppelt lesenswert ist. Der Franzose, ein Leutnant, der seinen Rainen nicht nennt, gibt zuerst eine durchaus sachlich gchaliene Geschichte der Entstehung der deuischcn Flotte, behandelt dann ihren Ausbau und kommt hierauf zu ihren Mannschaften und Offizieren. Tie Vergleiche, die er mit der französischen Flotte zielst, satten zuweilen zugunsten der deutschen Flotte ans, namentlich hinsichllich der Tisziplin und der Haltung. „Dir deutschen Seeleute im ganzen gcnomnien," so sagt er dann wörtlich, „haben die Vorzüge, wie die Nachteile des deutschen Soldaten, aber ihre Mängel, besonders das Fehlen der Initiative und die geistige Langsamkeit (lenteur d'esprit) sind an Bord wichtiger als am Lande. Das ist vielleicht der Wunde Punkt." Von den Offizieren hüst er hervor, daß sie stolz auf die Seemacht ihres Landes seien und fest an die Zukunft der deutschen Flotte glaubten, die an Glanz die Vergangenheit übettresjen würde: sie fürchten den Krieg nicht, sondern sie wünschen ihn. Ten Glanlien an die eigene Kraft erkennt der Franzose als starken Faktor an: doch meint er dann: „Es ist unschwer zu zeigen, daß ihre Einrichtungen, weit entsernl davon, denen anderer Völker voraus zu sein, gewöhnlich nur deren A'-glanz sind und mit bedeutender Verspätung cingesührt werden." Hierbei hat er die Einführung der schweren Kaliber und der Unterseeboote im Auge und er glaubt überhaupt ieststel- Icn zu können, „daß keine Originalidee im Seewesen von Deutschland ausgegangen ist, und daß nichts dazu berechtigt, über die Flotteneinheften dieses Lairdes ein besonderes günstiges Urteil zu fällen." Was für eine Rolle wird nun die deutsche Flotte im Kriege spielen? Diese Frage behandelt der französische, Leutnant ziemlich ausführlich und für einen Franzosen sehr sachlich: „eine aktive, das versteht sich," so beginnt seine Antwort, „und daher in säst allen Fällen eine sekundäre." Alle deutschen Militärschriftsteller, so urteilt er, sind darüber einig, daß der Sieg zu Lande erfochten werden müsse. Ern Krieg der deutschen Flotte gegen England, der dann besonders eingehend besprochen nnrd, würde daher nicht, wie man in Frankreich vielfach glaubt, eine Wiederholung der Kontinentalsperre werden, deutsche Kreuzer würden zwar gelegentlich englische Kaussahrcr jagen, gewöhnlich aber die eigenen Schilfe bc- schützeir, im Ausklärungsdicnst tätig sein und mit den Torpedo- fkottillen gemeinsam arbeiten. Alles sür die Schlacht, das ist der erste Glaubensartikel der gesamten deutschen Flotte, und daher werden die Panzerschifse die Hauptrolle spielen. Der Beginn des Kampfes ist nach dem Franzosen eine lebhafte Tätigkeit der Torpedoboote Deutschlands, die „bewundcrswert geübt" sind und den Gegner schwächen iverden: ebenso wird Deutschland einen starken Gebrauch von Minen niachen, deren Wirksamkeil der russisch- javanische Krieg gezeigt har und für die die Gewässer der Nordsee besonders günstig sind. „Ten Gegner durch Torpedvvorstöße, Minen und Unterseeboote schwächen, dobei die Panzers bitte im Schutz der Häfen behalten, bis dieses erste Ziel erreicht ist. das würde die deutsche Taktik im Kriege gegen England sein, dann würden die Panzer hervorkommen und eine Schlacht liefern, und schließlich — einen deutschen Flottcnsieg angenommen, würde die Trans- vortslotte erscheinen, um das Jnvasionsheer an die englischen Küsten zu setzen, die, wie man weiß, kaum verteidigt sind." Der Franzose meint, trotz der englischen Furcht vor der Invasion hege der deutsche Generalstab diesen Plan wohl nicht, allein er weist daraus hin. daß eine Landung während der englischen Manöver im Jahre 1913 geglückt ist und daß ähnlich im Jahre 1910 bei den französischen Seemanövern der angeriommene Truppentransport von Algier nach Frankreich auch hat bewerkstelligt werden können, und an anderer Stelle seines Aussatzes kommt er darauf zurück, daß 50 große Dampfer der Hamburg-Amerika-Linie und des Norddeutschen Lloyd leicht imstande wären. 250 000 Mann samt Artillerie, Pserde- material und gesamter Bagage nach England überzusetzen, wenn es auch ein gefährliches Wagnis wäre. Eine solche Landung müßte freilich durch ciuen erfolgreichen Krieg an der deutschen Küste vorbereitet werden. Der Franzose bespricht dann die starke deutsche .Küstenverteidigung, Helgoland, das „deutsche Gibraltar", Borkum, Sylt, und meint, vom wirtschaftlichen Standpunkte aus, brauche Deutschland eine Blockade seiner Küste nicht zu befürchten, denn was man auch sagen möge, seine eigenen Bodenerzeuguisse und die Einfuhr zu Lande ermöglichten es ihm, lange Zeit und ohne Sorge zu leben: die Blockade wünsche Deutschland vielmehr, well sie die feindliche Flotte herbeiziehe und in den Bereich der Küstenverteidigung bringe. Am Schlüsse seines Aussatzes saßt der Franzose sein Urteil zusammen: er hebt hervor, wie trefflich geübt alle Bestandtelle der deutschen Flotte seien, wie sie, bei jeder See, in geschlossenen Formattonen, bei Tag wie bei Nacht, ohne Feuer und Lotsen in dem schwierigen Fahrwasser zwischen Dänemark und den Friesischen Inseln manövrierte, wie sic an den Kampf mll den Elementen gewöhnt sei, zuletzt aber sagt er, augenscheinlich als Selbstbeschwichttgung, wörtlich: „Die deutsche Flotte ist hinsichtlich der Eigenschaften ihres kömppt der Brief zugleich mit der Dauben an den Ort, von dannen die Daube her ist, und offt weiter als über taufmt Merl, daß man wohl sagen mögte, es wäre unmüglich." Nach diesen und anderen Zeugnissen dürfen wir den Orient, das Nilland und Bordevasien als die Heimat der modernen Brief- tauben-Feldpost bettachten, denn die Taubentelegraphie der alten Römer roar mll dxrn Untergange ihres Reiches verloren gegangen: vielleicht geht sie in Babylonien in uralte Zeiten zurück — toar es doch eine Taube, die in dem langen lägvercn Kamps der Arche gegen die unermeßlichen Wasser der Sintflut nach der schönen biblischen Erzählung ihrem Gebieter Noah das erste Friedensblatt brachte. . . . * — Ei n aktuelles Lustspiel. Man schreibt uns mis Wiesbaden:Jm Residenz-Theater fand die Urcnisführnng ellies aktuellen Lustspiels „Alles mobil!" statt, das Werk zweier Wiesbadener, Wilhelm Jacoby und Hans Linck. Jacoby hat sich bereits als Bülmenichriststeller leichterer Ware einen Namen gemacht, während Hans Linck, abgesehen von einigen Versuchen, zum ersten Dtale einen vollen Erfolg einheimste. Die Idee des Stückes ist nicht neu: in dem lnckannten Lustspiel „Das Buch einer Frau" kommt sic z. B. sehr sein zum Ausdruck. Di« Figicren sind die üblichen Typen, die man im Lustspiel zu sehen gewohnt ist, das sich dem Schwank zuneigt, abrr das Ganze ist sehr geschickt geinacht und mll teilweise ganz neuen Witzen durchsetzt. Luise, die Tochter eines Majors a._ D„ hat ein Buch geschrieben, das den Titel ,tAlles mobil!" führt. Da der Vater das Schreiben aber für un- standesgemäß hält, wählt sie ein Pseudonym und bittet einen ihr bekannten Schriftsteller, sich als Autor zu bekennen. Auch eine Freundin Luisens springt in die Bresche, um den Vater auf eine falsch« Spur zu setzen. Di« beiden falschen Autoren bekommen, gestützt ans ihren falschen Ruhm, die ihnen eigentlich nicht znge- dachten Partner fürs Leben. Zum Schluß im dritten Akt lausen alle Fäden glatt. Drei Paar« kriegen sich imd wollen sich kriegstrauen lassen, dll Herren erscheinen sämtlich in Feldgrau, cs werden Strümpfe gestrickt und riesige Vorräte eingekanst. Witze wie: „Kennst du die Kosaken?" fragt die polnische Magd den Offiziers burschen und der antwortet: „Nur flüchtig!" Und weiter: „Bon den Engländern wollt ihr wohl viel Geld?" — „Nein, wir begnügen uns mll ein paar Kreuzern," schlugen zündend ein. Es war «p. du rchschlagender Heiterkeftsersolg. der mit Lokalpairivtis - muä mchts m tm hatte, vielmehr gao» ehrlich gcmröll war, p, N. Personals anderen unterlegen: ihr Material hat keine wahrnehmbare Ueberlegrnlwit, aber die gleiche Hartnäckigkeit, der gleiche Geist der Beharrlichkell, die bei ihrer Bildung gewirkt haben, kennzeichnen auch das Leben ihrer Schisse.. Sie hat ein Ziel und vcrnach- lässigt nichts, um sich darauf vorzubreilen: hierin liegt ihre Stärke," Kircbc und Schule. ** Die diesjährige Synode des evang. Dekanats Gießen wurde am Mittwoch morgen in dem Konfir- inandensaal der Johanncskirchc mit einer von Pfarrer A u s s e l d hier gehaltenen Andacht eröffnet. Aus Grund von Offenbarung Ioh. Kap. 3, V. 7 sf. sprach der Redner über die Aufgabe per .Kirche, Gottes Wort unserem Volke in dieser schweren Zell nahe zu bringen Darauf b g:ü:st: der Vorsitzende, Dekan Guß mann, die Anwesenden imd gedaclüe in ehrenden Worten des durch den Tod ausg.sckiicdenen Mllgliedes, Zkirchenvorstehers Schwalb von Rödgen, des aus denc Felde der Ehre gefallenen Psarrassistenten Barth zu Lollar und der sonstigen bluttgen Opfer, die der ikrreg jetzt fordert Jchrr wird in der üblichen Weise gedacht. Die Wahl des iveltlichen Synodalen zu Rödgen wird genehmigt. Der Bericht des Drkmmtsaussclstlffes über das Jahr 1913 sonne die Berichte der Syrrodalvertrcier sür äußere und innere Mission, die Deianotskrankrnpffcgc, den Gnstav-Adolf-Verein und den evang. Bund tvaren schon rwr acht Tagen den Mitgliedern gedruckt zugc- stelll morden. Ihnen ist folgendes allgemein Interessierend« zu entnehmen: Im Personalbestand der Pfarrer, Organisten und Kirchenvorsteher sind einige Veränderungen durch Versetzung oder Tod eingetreten; in Beuern wurde ein Posaunenchor gegründet, kirchliche Feste fanden wiedec statt, besondere Feiern vom Regierungsjubiläum des Kaisers und an der Jahrhundertfeier werden aus allen Gemeinden gemeldet. In manck«n Gemeinden bürgern sich be'ondere Totensestieiern aut den Friedhöfen rin. In Leihgestern ist ein Frauenverrin sür Armenpflege mll 150 Mitgliedern. Die Zahl der Evangelische» des Dekanats beträgt 61 935, wovon 350 den Sekten zugehören. Der Kirchenbcsuch hat gegen das Vorjahr um 157 Erwachsene und 669 Kindern abgenommeu, der des hl. Abendmahls ist sich ungefähr gleich geblieben. Ter Prozentsatz der Kirchenbesuchcr schwank! zwischen 9,3 und 59,6 Proz„ der der Abendmahlsgäste zwischen 21,7 imd 213 Proz. Dieser Rückgang der äußeren Kirchlichkeit sttht im Zusannnenbang mit dm Zunahme der Vergnügungssucht, Wohlleben und Genußsucht, über, die im weiteren Verlauf des Berichtes geklagt wird: besonders wird aus den schädlichen Einskuß hrnge- wiescn, den der übertriebene Besuch der Wirtshäuser aus du männliche Jugend ausübt. Tie kirchlichen Gebäude sind meist in guteni Zustande, wiewohl in einigen tzlemeiirden Neubauten er- uninsckst wären. Die meisten Pfarrhäuser sllrd aus .Kosten der Gemeinden an die elektrische Leitung augeschlossen, in Leihgestern auch die Kirche, waS jetzt bei den abendlichen Kriegsbetstunden für alle Kirchen zu wünschen wäre. Für Werke der christlichen Licbcstättgkeit gingen ein 63 889 Mk., an Ärrchen- kollekirn 3810 Mk., an Opfer für Ortsarme 12 696 Mk., sür sonstige kirchliche Zwecke 6112 Mk.. zusammen 86 597 Mk., mehr gegen das Porjahr 11519 Mk., wovon 1633 Mk. Nationalspende für die Mission waren. Auf deii Kops der Bevölkerung kominen 1,39 Mk. gegen 1,22 Mk. in 1912. Für die äußere Mission besteht großes Interesse: das beweist die Völkerkundliche Ausstellung der Baseler Mission, die vom 4.-23. April in der alten Klinik tahicr abgeholtcn worden war und großen Besuch zu verzeichnen hatte. Außerdem sind die Gaben für die Hcidenmission sehr ge- tvachsen infolge von Predigten, Misironsvorttägen und Missioirs- sesten, die hin und wieder gehalten wurden. Auch sür tue innere Mission wird ttästtg gearbeitet, ebenso sür den G-A-Verein und den Evangelisck^ii Bund, welch letzterer 9 Zweigverellre im Dela- nat hat. Tie Dekanatskraukenpftege schreitet gut voran, sieben Stationen sind besetzt, die 55 Tagpslegen, 182 Nachtpslegen und 8761 Pslegebesuche zu verzeichnen hatten. Die Rechnung der Tekanatskasse für 1913, die von 2 Mitgliedern der Synode geprüft war, wird genehmigt. Zum Sttllvertteter des Dekans wird gewählt Pfarrer Webcr-Lang-Äöns, zum geisil. Abgeordneten zur Landessynode derselbe, ^als weltlicher Abgeordneter Prot. Dr. Wftmiienaucr brer, zri «Stellvertreter Pfarrer Lic. Itzombel-Reis- kirchen und Altbürgermeistcr Kreil mg-Hruchelivim Sodann regt der Vorsitzende aus Grund einiger von ihm auigcstcllten Richtlinien die Frage zur Besprechung an: Welche Ausgaben erivachscn dem evangelischen Psarrer und den kirchlichen Gemeindevrganen in dieser schweren Zeit? An die erschöpfenden Ausfübrungen des Vortragenden knüpftc sich eine längere Aussprache. Zinn Schluß dankt der Vorsitzende dem zum 1. Oktober in den Ruhestand tretenden Kirchenrat Strack und dem nach Beendiguirg des Krieges ausscheideuden Kirchenrat 1>. Schlosser sür ihre Tätigkeit und wünscht ihnen Gottes Segen. Mit eineni von Pfarrer Bernbeck- Wieseck gesprochenen Gebet wird die Synode gegen 2 Uhr geschlossen. vom Roten Rreuz in Gießen. Gießen, 30. Sept. Alan schreibt uns: Für dll stammende vaterländische Begeisterung, dll alle Kreise unseres Volkes erfüllt, legen nicht nur die Heldentaten unlertt Krieger auf den blutgetränkten Schlachtfeldern imd zur See Zeugnis ab, sondern nicht ininder auch die unvergleichliche Opferwtllig- kell, mit der sich dll zu Haute Zurückgebliebenen zur Betätigung ftirVolk imd Gemeinwohl -usammensckorten. So habe» namentlich mich die Bestrebungen des Roten Kreuzes eine geradezu leidenschaftliche Teilnahme in den iveitesten .Kreisen gefunden. Bei dem riesigen Angebot freiwilliger Hilfsttäfte ist sogar die Gefahr aufgetaucht, daß sich derjenigen, die nicht sofort unnnttelbar in der von ihnen gewünschten Weise mit .Hand anlegen durften, vielfach eine gewisse Verstimmung über di« ihnen aufgezwungene Untätigkeit bemäckstigl hat. Umso aingebrachter erscheint cs, letzt nach Ablauf der ersten Kriegswvchen einen Blick auf dll verschiedenen Arbeitsgebiete des Roten Kreuzes zu werfen, darauf hinzuiveijen, was bisher gerade hier in Gießen geleistet wurde, und wie vielsack, Gelegenheit noch heute jedermann arbeiten ist, die Arbeiten des Roten Kreuzes tatkräftig zu unterstützen. In Gieße» besteben zurzeit zwei Grupven des Roten Kreuzes. Tie eine schon seit langen Jahren tättge Gruppe besteht aus dem hiesigen Zweigverein vom Roten Kreuz und dem Alice-Frauen- verein, dll andere wurde sogleich bei Kriegsanfang ans Initiative des alten ZweigvereinS ins Leben gerufen, indem dieser in einem Schreiben vom 3. August an den Provinzialdrrrktor dll Bildung eines Kreiskoniitees und von Ortsausschüssen in allen Geineinöen des Kreises zur Sammlung von Geld- und Liebesgaben anregte. Die erste und eigentliche Aüfgab? des Roten Kreuzes bildet die Unterstützung und Ergänzung des militärischen Sanlläts- dicnstes. Tan! dem großen Entgegenkommen der Universitäten konnten die in den Universitätskliniken eingerichteten Bereins- lazarette vom Rvttn Kreuz eine ganz außerordentliche Erweiterung gegenüber dem nv prim glichen Plan« erfahren. Statt, wie ursprünglich geplant, 200 Verwundete, können nunnvebr annähernd 600 in den Universitätskliniken untergrbracht werden. Der dadurch erheblich gesteigerte Bedarf an Betten — gegen 100 Bitten mußten für die Ktiniken neu beschafft werden - .Krankenanzügen, Spriseeinrichtungcn nsto. erforderte sehr bedeittcnde Aufwendungen, tue, soweit nicht die eingegaugencn Liebesgaben aus reichten, "aus den Geldsammlungen gedeckt werden müssen. Neben den Vereinslazaretten sind aber auch die direkt von der Hceresverwalttrng eingerichteten Reserve-Lazarette im Garnisons-Lazarett (Braugassei, im SiochenhauS, Kaufmännischen Vor- cinShans, Turnhalle, Steins Garten, katholischen Vereinshons, katholischen Schwesternhaus, evangelischen Schwesternhaus und in der Alten Klinik Gegenstand der Fürsorge des Rottn Kreuzes. Die geringen, gar oft nicht ausreichenden Mittel dieser Mllllär- Lazarettc sind ebenso wll in den Vereinslazaretten durch Berrit- stellrmg von Bettwäsche, Leibwäsche, Verband»,itteln, Kleidungsstücken, Krücken, Stöcken, Wein, Obst, Zigarren nsw. so ausgiebtg,. als dies rrur ttgrnd inöglich ioar seitens des Roten Kreuzes, cr- gönzt worden. An Leibwäsche ivurde den Lazaretten vorwiegend die gelieferte gebrauchte Leibwäsche zur Berfügimg gestellt, wöh- rend ins Feld nur ganz neue Wäsckie oder nur sehr gut «rhrlten« Stücke gesandt ivurden. Auch für die Unlerhaltung der Verwundeten wird gesorgt durch eine von der Uutoeriilät eingerichtete und venoaltetc Bücherei und durch Tageszeittmgen Verschiedrnsh»> Art, die täglich in dll Lazarette abwechselnd gebrackü werden. Einen wesentlichen Teil der Verwundeten-Fürsorg« bildet» ferner die Verpflegung und Versorgung der in den Eisenbahnzügen durch Gießen kommenden V-i. mundeten und Kranken. Für dicseit Zweck ist mit erheb, licheil Miltelii eine Verbands- und Erfrischungsl>alle auf dem Bahnhose geschaffen worden, wo sich seit Beginn der blutigxw Känipse unter der Führung eines leitenden Arztes und zg^,^, Assistenzärzte eine Reihe von eifrigen Helfern und vom Alne. Frnucn-Verein ausgebildete Helserinnen sowie als Saniariterinm» tättge Damen des Roten Kreuzes bei dem Einttcfsen der Lazarett- ^ zöge durch Verabreichung vo»^ Eririschungen, Erneuerung Beibänden nsw. betätigt. D>en ^rtanim der Hilssmaimchaft bildet die Gießener Sanitätskolonne, dir zur Unterstützung ihrer altcg Mitglieder in zwei AuSbildungskurse» noch weitere kundige heiser hrrangczogen hat. Bon der Stanimannschaft sind einige tn z?ih, !azaretten im Feindesland verwendet, andere als Begleitmannschaften der über Eiießen hernussahrenden Verwnndetenzüge, wjh, rcnd die jüngeren Mitglieder vorwiegeird bei der Verbandstellr aus dem Bahnhose und bei der Uebersührung der Verwundeten in die hiesigen Lazarette sich betätigen Ganz besonders loertoolh Dienste leisten für den Vcttvundctcnttansport das von Herrn Geheimen Kommer-ienrat Heichelheim geschenkte Krankenautomobil und zahlreich^: Wogen hiesiger Krastlvagenbesitzer. Für dnrchkommendc Lrichlverwundcle sind Nachtunteckunsts- räume in der Anatomie, im Liebigm»se»m und in der Fest- und Bergwerkshallc auf dem Gelände der alten Klmik geschaffen, in denen bis zu 530 Mannschaften untergrbracht werden können Erst seit kurzem hat die Versorgung der im Felde stehenden Trnpven mit Liebesgaben ins Werk gesetzt werben kömien. Eine erste Sendling ist aus Jnittative des Oberbürgermeisters Mitte September zusammen mit Bllibandstoffen sür die Feldlazarette in und um Sedan mit drei Automobilen direkt von Giesren «uz ins Feld befördert worden. Vor einigen Tagen folgte eine größere Sendung von Li be gaben (Lebensmittel, Wäsche und Genußmittch in 32 Kisten, deneii bald weitere Vorräte folgen solien. Die Liebesgaben, die den 6>rundstock dieser Sendiingen bilden, sind auf den von dem Roten Kreuze erlassenen Anfrus aus allen Kreisen der Bevölkerung und zwar nicht nur aus der Stadt und aus dem Kreise Gießen, sondern auch aus vielen Ortschaften außer- halb des Kreises und des Groß.herzogtnms (so besonders aus U l r r ch st e i n und Umgegend sowie ans dem Kreise Wetzlar) in reicher Fülle eingegangen. Soweit nicht die Vcrwendirng ins Feld sogleich erfolgte, wurden die gelieserte» Nabcungsmiltel, Kleidungsstücke nsw. möglichst gleichmäßig auf die jämtiichen hiesigen Lazarette verteilt. Da sich diese immer wieder von neuem und in steigendem Maße mit Verwundeten und Kranken füllen, so muß das Rote Kreuz mis einen sortdauernden Zustrom voy Liebesgaben aller ?ttt rechnen können. ' II Es ist bereits ein kurzer Ueberblick über die an der Eftri- schungsstelle am Bahnhof verabreichtcu Lebensmittel veröHeui. lickt worden. Noch besseren Ausschluß über das bis letzt Geleisleie ^ geben die nachstehenden Zahlen über die bis zum 20. SeptemL» : entstandenen Ausgaben. Tie Errichtung der am Bahnhof notwendigen Gebäude kostete 1800 Mk.. ivozn weitere Auslagen sür j besseren Schutz der Buden gegen Kälte noch hin zu ko man eu. Für Aufstellung der Kessel, Awschasfung des Geschirrs und ionftign i Geräte müßten 22Ö0 Mk. verausgabt werden. Für Arznerm, jI Berbandmittel und sonstige Sanirätsmaterialien der Berb.indsllllr am Bahnhof wurden 1390 Mk. bezahlt. Durch die Ersrischungs- L stelle am Bahnhof wurden neben den Lrebesgaben sür 2600 Rh | Eßwareu verabreicht. Tie Bedürfnisse dm Lazarette und die Be- I rcitstellung der sür die im Felde stehenden Truppen nötrgeii Aus« I stottiingsgegcnstand«, Leibwäsche, Unterhosen, Strümpfe und dngtz > erwiderten einen Ltusnund von nrnd 1000 Mk. Für Wacki^nen» , am Bahnhof und in der alten Klinik, Aufwendung für dar Sani« I tätspcrsonal und Berwundetenttansport waren rund 1800 Mk. 1 erforderlich. Heizung, Beleuchtung, Porto, Telegramm- und Fern- . sprechgcbühren, Schreibmaterialien, Bücher, Dirnstvorschriftr», F Druckkoste,, und ?kvschaffnngen verschiedener Art stellten sich ruf ■ rund 2000 Mk. Dll meisten Ausgabeposten sind so niedrig, weil viele Liebesgaben gleicher Art verwendet werden konnteii. Auch iu , den nächsten Monaten wird der Geldbedarf gegenüber den beiden ersten Monaten mit einer Gesamtausgabe von rund 15 009 Mk. A nicht geringer sein, da cm Stelle der einnmligen Ausgaben immer . > neue Bedürfilisse der Lazarette treten. Daß bei der Höhe der Aus- i gaben die Abführung von Geldmitteln cm dll Zenttale in Darm- | stadt ausgeschlossen ist, bedarf keiner Hervorhebung. Im Gegen- ‘i. teil rechnet die Leitung d« Rotni Kreuzes bei dmn oft bewährten I Opfersinn der Einwolmerschaft Gieße,rs aus iveitere recht reich !w liche Gaben, um die Leiden unserer Verwundeten nach Kräften mlldern zu können. I Arr» KtaSl rnrv Larr^» Gießen, 1. Oktober 1914. Arbeitslosigkeit, Armenpflege und „Kriegsfürsorge". Das Großh. Miiiisteriuni des Innern hat in einem Ausschm- ben an die Großh. Kreisämter erneut als Gegenstand besonderer Auftirerksamkeit und Sorgfalt die Verhütung der Arbeitslosigkeit bezeichnet und das Zusainmenarbeiten aller öttlilbe» Arbeitsnachweise von ?lrbeitgebern, Arbeitern, Korporationen usw, mit dem öffentlichen ?lrbeitsnachweis wiederholt dringend emvfoh- len. Da aber ttotz aller dieser Maßnahmen eine Inanspruchnahme der Ar me „pflege vielfach wohl kaum vermieden werden könne, > sei es weiterhin nötig, daß die Gemeindevettvaltungen rechtzeitig mit bf» Arbeitgebern und den Arbeiterorganisationen Fühlung nch- men, um zu verhüten, daß dll Armenpjlege in übermäßigem und überflüssigem Umfange in Ansprrich genommen iverde. Das (tzrvßh. > Ministerium weist hieran anschließend daraus hin, in erster Linie sei stets daraus Bedacht zu nehmen, nach Möglichkeit Arbeits- > Ii gelegenheit zu schaffen. Hier müßten gerade die Kommunal- »crwallungen iu ihrer Eigenschast als ?lrbeit- und Lluftraggeber Mitwirken und die bereits iu Angrffs geiwmmencn Arbeiten nicht etwa aus Anlaß des Krieges unterbrechen, sondern ungesäumt fort- sühre». Zu iv-iinschen sei auch, daß sie diejenigen Arbeiten, !nk zwar beschlossen, aber noch nicht begonnen seien, unverzüglich M Angriff nehmen. Bei Ausführung dieser Arbeiten müsse Rücksscht genommen werden, möglichst vieleii Personen — gegebenenfalls unter Verkürzung der üblichen Arbeitszcll — einen, iven» l auch notlniritigen Verdienst zu gewähren. Eine Beschäftigung srn- i williger Kräfte lmbc dagegen ganz zu »uterbleibcn. Ferner müsse imni versuchen, bei Vergebung neuer Lieserungcn den Firmen zur Bedingung zu machen, Masienenllassuiigen von Llrbeitnchmern oder Lohnkürzungen zu unterlassen. Auch bei Unternehmen, dll sich be- l rcits im Besitz größerer Austräge befinden, ivürden dahiugehruc« Bemühungen vielfach nicht ohne den gewünschten Erfolg bleiben. Ten Gemeinden wird weiterhin in dem Erlaß nahegelegt, bei Aw stallrn, >oie zum Beispiel die der Straßenbahnen, die zunächst cme Einschränkung des Betriebes batten eintretcn lassen müssen, alsbald den früheren Betrieb in vollem Umsange wieder aufzunchmeu und zu diesem Zweck eine entsprechende Zahl neuer Arbellskräfte einzustellen. Die vorstehenden, haupisächlich sür den ArbeiterstaM gegebenen Hinweise seien aber virlsach auch aus andere Kreise, ins* besoudeiw auf dll der kaufmänuisckwii und technischen Angestellten, anweisbar Dies um so mehr, als eine Anzahl von Angestellten zu dem Kündigungstermin am I. Oktober d. I. beschäftigungs-und brotlos würden. Auch hier dürften solche Stellenlosen nach Möglichkeit bei der Vergebung geeigneter Arbeiien, z. B. im Kanzlei- dienst, zu berücksichtigen sein. — In einem weiteren Abschnitte des Ministerialerlasses imrd die „K riegsfürsorge" behandelt und als eine der vornehmsten Pflichten der Gemeinden das lttntretnr für alle infolge des Krieges hilssbedürsttgen Personen bezcichnet- Ein solches Einschreiten düri'e aber in den jetzigen Zeitverhältmsftu weder rechtlich noch praktisch unter dem engen Begriff der Armen- , Vssege in Erscheinung treten. Die Envartung, daß die ssllmemden ihre dahingehenden Pflichten in weilyerzigcm Sinne ausfassen, könM um so mehr gehegt iverden, als die Gemeinde» schon vcrschlldentlcw freiwlllig mit patriottscher Hingabe sich dieser Aufgabe gewidmrr hätten und als sie mit jeder einzelnen derartigen Maßnahme M den Kriegszeiten in erhöhten, Maße auch der Allgemeinheit und dem eigenen Interesse dienten Dir Gewährung barer Unterstützung zur Erinögtichung der Mietzahlung empfehle ftch im allgewru^s nicht. Es sei orelmehr eine direkte Einigung der Gcmuwden w» H Vermietern. b IM zu erzielen sein werde, vorzuziehen. Ueberhaupt werde sich die 3 Äsahrtspflege besser und wirksamer als durch vergab« von Boi n ein auf dem Wege von Naturalleistungen üben lassen. Dies tu »e besonders dann möglich sein, wenn die Gemeinden ihre Ar- L in engen Anschluß an diejenige der freiwilligen Liebeslätigken v htcn und alsdann unter entsvrechcnder Herabsetzung der baren llj erstützung die Verpflegung der notleidenden Bevölkerung durch A;gabe von Sveisemarken stcherzustellten. Darauf, daß insbeson d in den örtlichen Instanzen die Wohltätigkeitsbeslrebungen sich u t zersplittcnen, müsse mit allem Nachdruck hingewicsen werden "Unser Großherzvg im Felde. Der Großtzerzoq- 1 - Fwgeladnrkant Major Freiherr von Massenbach hat. wie die S ti 4L Ztg. meldet, vom Kriegsschauplatz fvlgenden Bericht er fi «t, bcr über imscrrn Landes Herrn und besonders über die Ber- L um, des Eisernen Kreuzes an diesen Auskünfte gibt, die von g emeinem Interesse sein dürsten: Vom 11. ds. Mts. ab wurde 18. Armeekorps von der Rhein-Marne-Kanal-Lknie znrück- ommen. Ter Grvßherzog nahm an den folgenden Tagen in r>:er nördlich liegenden Ortschaften Quartier. Anr 15. hatte H Großherzog Gelegenheit, die Prinzen Friedrich Dar! und W -drich Wilhelm von Hessen zu besuchen und sich mm der er- W lechen Besierimg der beiden Verwundeten zr, überzeugen. Beide H nzen wurden durch den Großherzog mit der Medaille der > gerkeit ausgezeichnet. Auf denr Weitcrmarfch sah der Groß- ■ og die Regimenter der 49. Jnsonteriebrigade uiid das Große > wgliche Artilleriekorps und ließ sich über die Kämpfe um > gnp und die dort erlittenen Verluste berichten, so auch über > Heldentod unseres topjeren Oberhosinarschalls Freiherrn von > ;ern-Sternberg. In Junivillc hatte der Grohherzog Gelegen- W. noch weitere Truppenteile der 25. Division an irch vorbei- > -schirren zu lassen. Am 16. stattete der Großherzog dem Armre- ■ rkvnrmando der.2. Armer einen Besuch ab und jah daber den > nzen August Wilhelm von Preußen und den .Herzog von > iunschwetg. ^Den Nachmittag verbrachte der Großherzog in ■ Nähe des Schlachtfeldes, um am Abend eine Anzahl verwun- It Offiziere und Mannschaften zu besuchen. Am 19. ging von > irralleutnarrt und Generaladiutant Freiherrn von Lynckec fol- > »eS Schreiben ein: Großes Houptauartier, den 16. September 1914. Seine Majestät der Kaiser nnd König haben Eurer König- I chen Hoheit aus Anlaß Hochdero Teilnahme an den Operalio- I en nnd der rühmlichen Woffentatrn Eurer Königlichen Hoheit I andeskinder das Eiserne Kreuz 2. und 1. Klasse zu verleihen > eru h t ." t Der Großherzog richtete darauf folgendes Telcscanrm an den ser und König: „Die meinen Landeskcndcrn von ihvem obersten Kriegs- I errn gezollte Anerkennung durch das mir verliehen« Eiserne I ftcuz hat mich mft Stolz und Freude erfüllt. Bon ganzem I »erzen danke ich Dir für den neuen Beweis Deiner Liebe zu I ns Hessen, die in Treue mithelfen, unserem geliebten Bater- ^ mb seine Größe zu erhalten. Ernst Ludwig." Am 19. konnte der Grvßherzog die durch Leutnant Fret- I m von Bleuel geführten Ersahmmrnschaften des Leibgarde- I ftments bei ihrem Anmarsch zum Regiment begrüßen. | " Ernennungen. Die Großherzogin hat den B^irks- I eaffistenten bei der Dezirlskasse Darmstadt Wilh. Fresenius zu I rmstadt zum Bezirkskassier der Bezirkskosse Büdingen und den I irkskasseassistenten bei der Beznkskasse Offenbach August Reo- I g zu Ossenbach zum Bezirkskassier, die Finanzaspiranten Jo- > es Menzlaw aus Darmstadt und Martin Taubert aus Lollar I Hauptstsieramtsaiitstenlen und die Fincmzaimvanten Heinrich I Äser und Hubert Obermann, beide aus Darmstadt, zu Bezftks- > eassistcntcn ernannt. "Ordensverleihung. Die Großherzogin hak di« Krone I t Silbernen Kreuz des Verdienstordens Phlltvvs des Größmü- I -n dem Wachtmeister nnd Stationsführrr Albert Preuß im I »ßherzoglichen Gendarmeriekorps bei feinem Ausscheiden ver- •* Kirchliche Nachrichten. Die Großherzogin I dem Pfarrer Hermann Weigel zu Nieder-Modau die I ngelische Pfarrstelle zu Nieder-Ramstadt übertragen und I i von dem Grasen von Schlitz genannt von Görtz aus die I >ngelische Pfarrstelle z» Hartershausen präsentierten Pfarr- t - istentcn Georg Reith zu Sprendlingen für diese Stelle > tätigt. - Erledigte Lehrerstelle. Eine mit einem evang. I grer zu besetzende Lehrerstelle an der Volksschule zu Ihwabsburg, Kreis Oppenheim. " Ritter des Eisernen Kreures in Hessen: I uptmann Bader vom Jnf.-Regt. 116 rn Gießen. Stabs- I ;t Dr. Dönges beim General-Kommando des 10. Armce- I:ps, Reservekorps, Sohn des Rechnungsrats Dönges zu ■ iedberg. Lokomotivführer der Friedderyer Betriebswerk- I tte Heinrich Krem er, Unteroffizier d. R. im Jnf- ■ gt. 81. St. d R. Georg Hornung aus Darmstadt. Lt. I R. und Gerichtsassessor MM Rittershausen aus Wetzlar. Sergeant Hermann Hensel, Jnf.-Regt. 174, aus Widgen, Kr. Friedberg. Stabsarzt d. R. Dr. Jöckel in Mainz. Rittmeister Wronskh von der Trcnnabteilung ■ 18. Lt. d. R. beim Jnf.-Regt. 115 AdSlf Riechmann. M . d. Ri. Georg Hornung aus Darmstadt. Sanitäts-Vize- M ldwebel Jaath vom Jnf.-Regt. 168. Feldwebel Karn M m Jnf.-Regt. 168 in Friedberg. — Aus dem Militär-Wochenblatt. Bekörderl ,» W ltnants der Reserve die Vizeleldwebel: Völker (Mainz) im > satz-Bat. Pion.-Regiments Nr. »5, Schmidt, Diemer, Wchneid erhöh» (Mainz), Meyer, Evvl« :satz nach dem .Kriege beanivrucht werden kann, trstzustellen, dos I sammelte Material zu prüfen und an die Reichsregierung zur W 'rwertung weiterznleiten. Um nun für ihren Bezirk die nötigen > rterlagcn zu beschaffen, richtet dir Handelskammer Gie- I: n für die Kreise Gießen, Alsfeld und Lanterbach an die bcztrks- m rgesessenen Firmen das En'uchen, ihr unverzüglich mitznteilen > rd durch Beweise zu belegen: 1. die bereits eingetretenen und I >ch eintretenden Kriegsschäden unter genauer Angabe, woran die I chäden bestehen, welchen Betrag sie ausmachen und wie und durch > nr sie «ntstairden sind: 2. die Forderungen an Angehörige ,cind- > her Staaten, von denen befürchtet wird, daß sie infolge des I cieges ganz oder teilweise nicht werden ertüllt werden; 3. die in I iüblichen Ländern befindlichen Eigentumsstücke, von denen be- > rchtet wird, daß sie infolge des Krieges beschädigt werden, vcr- > chtct werden oder verloren gehen können. Die Angaben sind nach > n feindlichen Ländern, aus welche sie sich beziehen, zu sondern. W ür die Beweise würde die Bcglaubigunc, durch Personen, die m > nllicher Stellung zu Beglaubigungen bemgl sind, von besonderem I ferte sein; auch empfiehl! sich di« Nennung von Zeugen. " Vom Reichspostamt werden wir um Aufnahme fol» > -ndcr Mittellung ersucht: „Nachdem der Bundesrat durch die I ekanntmachuugen vom 6. und 29. August sowie vom 8. und >4. September die Fristen des Wechsel - und Scheck rechts I in 30 Tage, sür Elsaß-Lothringen, die Provinz Ostpreußen und I ic westpreußischen Kreis« Marienburg. Elbing Stadt und Land, > tuhm, Maricnwerdcr, Rosenberg, Grandenz Stadt und Land, W öbmi, Kulm, Briefen. Strasburg, Thorn Stadt und Land, sowie I ir solche rm Stadtkres« Danizrg zahlbaren gezogenen Wechsel, dre M ls Wohnort des Bezogenen einen Ort angcben, der in Ostpreußen I der in einem der bezeichneten westpreußischen Kreise liegt, um > 0 Tage verlängert hat. ist die Postordnung vom 20. März 1900 » utsvrechend geändert worden. P v stpro testau f tr ä g e wer- en daher in Fällen, in denen bei der ersten Vorzeigung die Zah- lung nicht ausdrücklich verweigert wird imb der Protest auch mast aus anderen Gründen nach der ersten Vorzeigung oder nach dem ersten Versuche der Vorzeigung zu erheben ist, erst am dreißigsten, in Elsaß-Ltohringrn usw. erst am neunzigsten Tage nact> Ablauf der Protestfrist des Art. 41 Abs. 2 der Wechselordnung nochinals zur Zahlung vorgezeigt werden. Fällt der letzte Tag der Ver- iängerungsfttst ans einen Sonn oder Feiertag, so erfolgt die zweite Vorzeigung und die Protesterhebung am näcl>iten Werktage. Die von den Postanstalten bisher beobachtete Rechnnngsweise, die eine Verlängerung der ursprünglichen zweitägigen »Protestfrist durch Sonn- und Festtage außer Betracht läßt, ist aufgehoben worden. »Wünscht der »Auftraggeber die iosoitige »Protestierung, jo ist der »Vermerk „Ohne »Protestfrist" auf die Rückseite des »PostauftragS- iormnlars niederzusckzreiben. Soll der »Protest nicht durch dre Post erhoben werden, so ist bei Postaufträgen zur Geld- einziehung sowie der »Po st austrägen zur 'Akzepteinholung in allen Fällen, in denen ohne Rücklicht aut die Verlängerungen der Protestfrist sofortige Protesterhebung gewünscht wird, aus die Rückseite des PostauftragsiorniularS der Vermerk „Sofort »um Protest ohneRücksicktaufdieverlängerte P r o te stsrist" niederzuschrciben. »Postauiträge, die nur den Vermerk „Sofort zum »Protest" tragen, werden wie Postaufträge ohne diesen Vermerk bclzandelt." »W. "DerPostanweisungs-,»Postaujtrags - und Nachnahmedienst mit Ungarn wird am 1. Oktober wieder ausgenommen. ' ** Für Po st an Weisungen n a cf» de n Niederlanden und den niederländischen Kolonien gilt jetzt das Umrechnungsverhältnis von 100 Gulden — 180 Mark. " Ticnstjubiläum. Ober-Postassistent Dietrich feiert heute sein 25jähriges Dien st- Jubiläum. 8 Jahre dieser Zeft waren dem Dienst in Gießen geividmet. " Gießener Strafkammer. Am 2. und 6. Okt. d. I. sinken Sitzungen nicht statt. Landkreis Gießen. X. Langsdorf, 30. Sept. Zur Beruhigung der Eltern, deren Söhne in sranzösische Gesangenschaft geraten sind, teilen wir nachstehenden Brief eines Langsdorsers an seine Mutter mit: .......20. 9. 14. Liebe Mutter. Ich liege hier im Lazarett. Ich hatte bei Mtrh einen Schuß in die rechte Schulter bekommen und fiel in sianzös. Gesangenschaft. Die französischen Soldaten sind sehr gute Kerle, sie haben uns in jeoer Weile mit Essen und Tabak umerstützt. Wir liegen hier in einer Jnf.-Kascrne. Wir haben sehr gute Aerzte. Das Essen ist mehr als genügend. »Ä!cr werden sehr gut gepflegt. Der Arzt meiift, in 8 Tagen wäre ich gesund. Aus der Staat schickt man uns täglich französische Zeitungen. Schreibe mir bitte auch einmal. Ter rechte »Arm ist gelähmt, daher die schlechte Schrift. Das Schreiben macht mir Schmerzen. Gruß »Adalb. Kreis Alsfeld. h. Alsfeld, 30. Sept, Im Steinbruch des „Strinfirst" entgleiste gestern beim »Bahnbau eine schwere Arbcitslokomotive und stürzte um. Dabei begrub sie den Lokomotivfütwer und den Heizer, zwei Männer aus Russisc!>-»Polen, unter sich, die auf der Stelle zu Tode gedrückt wurden. Kreis Schotten. B. L a u b a ch, 30. Sept. Auf hiesigen! Friedhof wurden heute zwer Landwehrmänner, dir ihren schweren im Kampfe fürs Vaterland erhaltenen Wunden erlegen sind, mit militärischen Ehren bestattet. Der eine stand in einem schlesischen Regiment und wurde vor 14 Tagen in hiesigem Lazarett eingeliefert. Ter andere^ ein Sohn des hiesigen Lchuhmachermeisters Wagner, Karl Wagner, ist im Krankenhaus in Trier an den Folgen eines Kvpfsi^c.sschl gestorben und wurde auf Wunsch seiner Angehörigen hierher trans- porttert. Eine in dre Hunderte zählende Trauerversammlung, der Kriegerverein, die Gesangvereine und Kameraden des Regiments Nr. 116 in Gießen erwiesen ihm die letzte Ehre. »Pfarrer Volp widmete herzliche Worte des Trostes der trauernden Witwe und den Eltern, die Gesangvereine sangen gemeinschaftlich das Lied „Wie sie so sanft ruhen!" Kreis Wetzlnr. x. Wißmar, 30. Sept. Für die Notteidenden Ostpreußens wurden durch Hauptlehrer M ü d i ck e n in unserer Gemeinde 135 Mark gesammelt. Hessen-Nassau. + Eschw « qe, 30. Sept. Bei der (»iesigeu Sammelstelle des Roten Kreuzes ginge» bis jetzt 38000 Mk. ei». Hiervon wurden ». a. 3000 Mk. zur Beschaffung von wollenen Unterkleidern inr unsere im Felde stehenden Truvven und 2000 Mk. iür die durch de» Krieg in Ostpreußen Geschädigten überwiesen. Ferner ivurde das Dereinslazarett von 100 ani 120 Betten erweitert. w. Wiesbaden, 30. Sept. Die Handelskammer »Wiesbaden hat für ihren .Kammerbezirk ein Einigungsamt errichtet, das am 1 Oktober in Wirksamkeit tritt und den Zweck hat, einen Ausgleich von Streitigkeiten, die infolge der Kriegszeiten bei Erfüllung von Verträgen über Lieferungen und Zahlungen entstanden sind, herbeizusühren. Märkte. B. Laubach, 29. Beul. Henke wurde fiter der sogenannte Antisemiten-Markt abgehalte». Der Besuch von aus- ivärtigen Käusern war nicht sehr zahlreich. 143 Stuck Jungvieh wäre» anlgesahreu. Nicht höher wie 24—28 Mk. stieg das Paar Ferkel. Die Kauslnst war nicht groß. le. Feaukfnrt a. M. Schweineinarktberich» vo'ir 30. Sept. Aii'netrieben waren 1420 Schweine. Bollfleischige Schweine von 80 bis 100 Ira Lebendqeivicht 50.00—53.00 Pik., Schlachtgeivicht 84.00— 63.00 Mk., vollfleischige Schweine unter 80 dg Lebendgewicht 50.00— 5 1.00 Mk„ Schlachtgewicht 63.00 - 85.00 Pik.: voflileischige Schweine von 100—120 fe? Lebendgewicht 50.00—53.00 Mk., Schlachtgewicht 64.00—66 Pik.- vollfleischiqe Schweine von 120 dt» 150 tza Lebendgewicht 50.00— 53.00 Mk, Schlachtgeivicht 64 — 68.00 Mk. Geschält langsam, bleibt Ueberstand. Limburg a. d. Lahn, 30. Sept. fl rn ch: mir r!D„rch- schnlttsvreiS pro Malteez Roter Welzen (Rafsanischer) 20,75 Mk„ weißer Weizen (angebaute Fremdsorteii» 20,25-tzik, Korn 16.00'L!k, Gerste (Futter) 0,00 Mt., Braugerste 0,00 Mk, Hafer 10,90 Mk., Erbsen 0,00 Mk, Kartoffeln der Ztr. 2.51—2,80 Mt, Butter das Psund 1,15 Mk, Eier das Stück 10 »Psg. kirchliche Nachrichten« Israelitische Religionrgeniemde. Gottesdienst in der Zynaaoge (Süd-Anlage> Samstag, den 3. Oktober 1914: Vorab etti) 5.45 lltje. SJiergen«: 8.30 Uhr. Nachmittags: 4.00 H6r. kabbatausgang: 6.45 llhr. Israelitische Reliaionsgesellschast. Sottesdienlt. Sabbatieiee am 3. Oktober 1914: Freitag abend 5.30 Nhrz Samstag vormittag 8.00 U5c. Samstag nachmittag 4.00 llhr. Sabbat-Ausgang 6.45 Uhr. Amtlicher Wetterbericht. Oefsentlicher Wetterdienst, Gießen. Wetteraussichten in Hessen am Freitag, den 2. Okt. 1014: Wolkig, doch meist trocken, nachts etwas wärmer, westliche Winde. Letzte Nachrichten. Die deutschen Mmpfrr in den Vogesen. (»DTB.) S tr astburg i. Els., I. Okt. General der Infanterie v. Eberhardt, der bisherige Gouverneur von Strastburg, erläßt folgenden Korpstagesbefehl' Seine Majestät der Kaiser und König haben die Gnade gehabt, mir das Eiserne Kreuz erster Klasse zu verleihen. Ich weiß, daß ich diese Auszeichnung nur der Tapferkeit und »Ausdauer der mir unterstellten Truppen verdanke. Mft Zähigkeit haben Preußen, »Banern, Württemberger und »Badenser dem Ansturm starlcr französischer Kräfte widerstanden und ihnen den Attritt in die deutschen Vogesentäler verwehrt. Das »Blut, das in diesen schtvcrei, Kampftagen geflossen ist, ist nicht umsonst dahin gegeben. Die Entbehrungen und Anstrengungen in dem umvegsamen Gebirgsgelände und bet dem andauernden Regemoetter mußten willig ertragen werden. um unsere heimatlichen Fluren zu schützen. Mit festmn Vertrauen sehe ich auch den kommenden Tagen entgegen, denn mit solch tapseren Offizieren und Soldaten werde ich auch fernerhiik alle Angriffe des Feindes siegreich abweisen. Das Eiserne Kreuz. (3VTB.) Gera (Reust), 30. Sept. (Nichtamtlich.) Der Fürst zu Reust hat das Eiserne Kreuz 1. und 2. Klasse, der Erbprinz das Eiserne Kreuz 2.Klasse erhalten. Der Grotzhcrzog von Baden. lWTB.) Karlsruhe, 1. Okt. (Nichtamtlich.) Der Großherzog von Baden ist gestern mittag im Svnderzug nach dem Kriegsschauplatz abgereist. Das Wirderrrscheinen des „Vorinärts". »Berlin, l. Okt. Das Erscheinen des „Vorwärts^ ist ivieder gestattet morden, nachdem das Reichstagsmit- glied Haase und der Geschäftsführer des „Vorwärts", Reichstagsabgeordneter Fischer, die gestellte Bedingung angenommen haben, daß mit Rücksicht auf die beim Kriegsausbruch hervorgetretene Einigkeit des deutschen Volles das Thcnia: „Klassenhast und jllassenffnnps" in Zukunik in der Zeitung nicht mehr berührt werden darf. Die Beschiktzung von Mecheln. Berlin, l.Okt. Von der Beschießung von Mecheln entwirft nach einem »Bericht der „Vossischcn Zeitung" der Korrespondent des „Flandre Liberale" eine anschaulicha Schilderung: Ganz unerwartet begann am Montag morgen das Bombardement mit gewalsigen Geschossen, die e n t s e tz l i ch e V e r w ü st u n- g e n anrichteten. Gegen »Mittag war eS unmöglich, länger m der Stadt zu bleiben. Alles suchte zu fliehen, doch waren die Wege vielfach durch Trümmerhaufen versperrt. Selbst in den Kellern war man nicht sicher, so gewaltig war die .Kraft der furchtbaren deutschen Geschosse. Viele öffentlichen Gebäude verbrannten, auch wurden viele Personen mit der Flucht getötet. 14 Personen liegen unter den Trümmern eines Kaffeehauses begraben. Das Bombardement dauerte am Montag noch an. „Gegen Weihnachten werden mir in Berlin sein." Berlin, l. Okt. Pariser Meldungen aus dem russischen Hauvtauartier sind dem „Berliner Tageblatt" bekannt geworden. Was darin General R e n n e n k a m p s den Offizieren und »Mannschaften zur Beruhigung verspricht, ist nicht wenig. Er tröstete die unruhig Werdenden nämlich mit den Worten: „Seid froh, gegen Weihnachten werden wir in Berlin sein." Die Neutralität Italiens. Berlin, 1. Okt. Die ruhige, abwartende Neutralitätspolitik Italiens findet, wie die Blätter feststellen, die Zustimmung immer weiterer Kreise. Das Zahliingsverbot gegen England. Berlin, l.Okt. In ihrer Besprechung des Zahlungsverbotes gegen England, dem gestern im B u n - desrat zngesttmmt wurde, sagt die „Tägliche Rundschau": Selbst gutwilligen englischen Firmen wurde durch scharfe Strasandrobungen die Möglichkeit genommen, sich gegen ihre bisherigen Geschäftsftennde in Feindesland als anständige Kausteut« zu zeigen. Nur ungern und zögernd hat sich Detutichlaud entschlossen, aus 'die häßliche Handlungsweise der englischen Negierung nnt einer Gegenmaßregel zu antworten: eine »Wiedervergeltung war aber nicht länger hinauszuschieben. Eine Rede von Lloyd George. (WTB.) London, 30. Sept. (Nichtamtlich.) Llovd George hielt in Cardiff eine Rede, in der er die Erwartung aussprach, daß 50 000 Walliser sich zur Armee melden würden. Sie würden nach sechsmonatiger Aus- bildrng den Truppen des Feindes mehr als gewachsen sein, da weniger Zeit nötig sei, einen intelligenten jungen Mann zum Soldaten auszubilden als einen weniger intelligenten. Englische Maßregeln gegen die Fischerei. (WTB.) London, 30. Sept. (Nichtamtlich0 Die Haienbebörde von Grimsby kündigt an, daß vom 1. Oktober ab keine neutralen Fischerboote in die .Häsen der e n g l i s che n Ostküste zugelassen oder von dort zum Fischfang ausgeben dürfen. Die Fischerei wird allein an der Westküste zugelassen. Die Maßregel trifft besonders eine große Zahl holländischer und dänischer Fischer. England und die Neutralität Amerikas. (WTB.) Washington, 30. Sevt. (»Nichtamtlich.) Die englische Regierung ersuchte die amerikanische Regierung, die .Kohlenversorgungdeutscher Kreuzer aus Kohlenschissen zu untersagen, welche von New Bork angeblich nach südamerikanischen Hafen gehen. Stockholm von Russen überschwemmt. (WTB.) Kopenhagen, 30. Sept. (Nichtamtlich., Dem „Stockholm Dagblad" zufolge ist Stockholm von Russen überschwemmt. die aus den Badeorten Deutschlands kommen und alle voll Bewunderung für das deutsche Volk sind, weil sie trotz des Krieges und ihrer Nationalität in Teuffchland so liebenswürdig behandelt wurden. Sie versichern, sie würden nicht versäumen, von btr erfahrenen guten Behandlung in Rußland zu berichten. Erz als Kriegskontrcbande. (WTB.) Kristiania, 1. Okt. (Nichtamtlich Der norwegische Minister des Aeustern hat in England Schritte unternommen, um die ertglifdje Regierung zu veranlassen, die Erkläurng, daß Erz als Kriegskonterbande anzusehen sei, wieder auffuheben. Die Ausfuhr von Erz aus Narvik hat augeubliMch ganz ausgehört. Der englische Standpunkt ruft in ganz Skandinavien die größte En trüstung hervor, zumal das jetzige Auftreten Englands unvereinbar ist mit e,ner am 20. August, also drei Wochen nach Ausbruch des Krieges, feierlich abgegebenen Erklärung, in der die englische Regierung versprochen hat, den Wortlaut der Erklärung von London vom Jahre I -M9 über die Rechte im Seekrieg, abgesehen von einigen sveztiizierlen Ausnahmen, unter denen Erz nicht genannt nwrden war, fallen zu lassen. Erz sei im (Rtgenieil in jener Detlaralion ausdrücklich zu den Waren gezählt worden, die unter ken.en Umständen als .Kriegskonterbande betrackftet werden durften. Verantwortlich für „Feuilleton", „Gerichtssaal" n. „Vermischtes"; I. 23 .: August Goetz. Bekanntmachung. Postverkehr btt Kriegsgefangenen Von jetzt ab können Postsendungen von Kriegsgefangenen und für solche angenommen und befördert werden. Zunächst werden nur offene Briessendnngen olme Nachnahme, und »u>ar offene gewöhnliche Briese, Postkarte», Drucksackn-ii, Waren- piwben und Geschäftspapiere, ferner Briese und Kästchen mit Wertangabe oder Nachnahme sowie Postpakete bis 5 Klg. ohne Nachnahme innerhalbDeutschlands, »ach und aus Oester- reich-Ungarn und den neutralen Ländern sowie im Berkehr mit Belgien, Frankreich, Großbritannien und Rußland zugelassen. Postanweisungen sind in demselben Bereiche mit Ausnahme von Belgien, Großbritannien und Rußland zulässig. Im Verkehr mit dem A u s l a n d e werden die Sendungen, die von Kriegsgefangenen abgesandl werde» oder für sie bestimmt sind, gebührenfrei befördert. Dasselbe gilt von den Sendungen, die sich auf Kriegsgefangene beziehen und unmittelbar oder mittelbar von den Auskunftstellen über Kriegsgefangene aufgeliefert werden oder für sie bestimmt sind. Solche Auskunftstellen können in kriegführenden Ländern oder in neutralen Ländern, die Kriegführende auf ihrem Gebiete ausgenommen habe», eingerichtet werden. Tie in ein neutrales Land ausgenommenen und daselbst untergebrachten Kriegführeirdeu sind hinsichtlich der Anwendung der obigen Bestimmungen mit den Kriegsgefangenen gleichgestellt. Im Verkehr innerhalb Deutschlands werden gebührenfrei befördert: i gewöhnliche offene Briese bis zum Gewicht von 50 Gr. cinschl. und gewöhnliche Posthirtcn, die 1. für Kriegsgefangene bestimmt find oder von ihnen abgesandt werden, 2. die fidt aus Kriegsgefangene beziehen nird uninittelbar oder mittelbar von den Auskunftsstcllen über Kriegsgefangene aufgeliefert werden oder für sie bestimmt sind. Me übrigen Scndimgen sind portopflichtig. linier „Verkehr innerhalb Deutschlands" ist auch der durch die deutsche Feldpost im Anslande vermittelte Verkehr mit Deutschland zu verstehen. Die Sendungen sind von dem Absender mit dem handschriftlichen oder gedruckten Vermerk „Kriegsgesangenensendung" zu versehen. Sämtliche Sendungen der in deutscher Kriegsgefangenschaft befindlichen Angehörigen feindlicher Heere und Sendungen der deutschen Auskunstsstelle müssen außerdem mit einem Abdruck des Dienststempels der die Aussicht über die Gefangenen führenden Militärbehörde, die auch die Auslieferung vermitteln muß, oder des Dienststenrpels der Auskunstsstelle versehen sein. Sendungen von Gefangenen müssen ferner den deutlichen Vermerk „Geprüft" tragen. P o sta n w e i s u n g e n für Empfänger in Frankreich sind auf der V o rd e r s e i te des für den Anslandsverkehr bestimmten Formulars mit der Adresse der Oberpostkontrolle in Bern (Schweiz) zu versehen, während die Adresse des Empfängers der Geldsendung auf der Rückseite des Abschnitts genau anzugebcn ist. An der Stelle, die sonst für die He ei marken w ^ nen hat, ist die Bemerkung „Kriegsgeiangeiieniendmrg. Taisr^ anzubringen. In Bern werden die denlsch-schweizerischen %, Weisungen in schweizerisch-französische umgeschrieben. In um),' kehrter Richtung wird in gleicher Weise verfahren. Die Feldpostanstalten haben Postsendungen an Kliegsgesang«,, und Auskunstsstellen sowie von iNicgsgesangenen herrührende Z». düngen nur insowcst aiizunehmen, als die Gegenstände zur Ja postbesörderung überhaupt zugelasscn sind. Der Staatssekretär des Reichs-Postamts. Kraetke. Bekanntmachung. Betr.: Feldbereinignng Holzbeim; hier Drainagen. In der Zeit vom l. bis einschlicUich 14. Oktober l. I. auf Großh. Bürgermeisterei Holzheim das Projekt über Drarnierung von Grundstücken in den Fluren V und VII der Gemarkung Eberstadt und in d-» Fluren V und XV der Gemarkung Holzheim zur Einsicht der Beteiligten. Einwendungen hiergegen sind bei Mcidung des Ausschluss^ innerhalb der obenangcgcbenen Offenlegungssrist bei Großh. germeisterci Holzhcim schristlich cinznreichen und zu begrünten Friedberg, den 24. August 1914. Der Großhcrzogliche Feldbereinigungskomissär: Schnrttspahn, Kreisanrtmamr. LICHTSPIELHAUS BahnhoistraBe BahahoSstraBa Heute neues Programm Der Freund der Königin Koloriertes Filmschauspie!. Eins der besten Werke der Filmkunst. 4 Akt •. Die feindlichen Brüder oder DieFirmaentzweitsich Deutsches Lustspiel in 2 Akten. 10256a Die neuesten Aufnahmen von den Kriegsschauplätzen. Ferner noch Variete-Akte, Possen nsw. Fahrpreis der Ttratzenbahn. Aus Beschluß der Stadtverordneten-Versammlung wird ab 5. Oktober 1914 der Fahrpreis für alle Militär- verionen aus 5 Psg. für die Fahrt einschh einmaligen Umsteigens seslgcfetzt. 1023614 Gießen, den 30. September 1914. Ter Oberbürgermeister. _ Keller. __ Vergebung. Für die Großherzogliche Klinik für psychische mid nervöse Krankheiten in Gießen soll die Lieferung von 400 Ztr. ausgelesenen Speisekartofseln, 10 „ Tafeläpfel, 20 „ Weißkraut, 2 „ Meerrettich, 100 Stück Rotkraut, 100 „ Wirsing auf dem Wege der öffentlichen Ausschreibung vergeben werden. Die Lieferungsbedingungen liegen an den Wochentagen nachmittags von 3—5 Uhr aus dem Verwaltungsbureau offen. Angebote, verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen, sind mit den einzureichenden 'Proben bis spätestens Mittwoch, den 14. Oktober 1914, oormttligs 11 Uhr auf unserem Bureau abzugeben, zu welcher Zeit deren Eröffnung im Beisein etwa erschienener Interessenten stattfi»det. Zuschlagsfrist 3 Tage. Gießen, den 29. September 1914. Die Direktion: _ Som mer. _,„ 248 B Wir beehren uns, die Inhaber von Teilschuldverschreibungen unserer Gewerkschaft zu der am Dienstag, den 27. Oktober 1814, vormittags 11 Uhr, im Geschäftslokale der Landwirtschaftlichen Genossenschaftsbank in Darmstadt» Sandstraße 36, stattfindenden Versammlung ergebenst einzuladen. Tagesordnung: 1. Berichterstattung über die gegenwärtige Lage der Gewerkschaft. 2. Beschlußfassung über die Stundung der am 2. Januar 1914 und 1. Juli 1914 fällig gewesenen und der am 2. Januar 1915.1. Juli 1915, 2. Januar 1916, 1. Juli 1916, fällig werdenden Zinsen bis zum 1. Januar 1917. 3. Beschlußfassung, wonach die aus früheren Verlosungen rückständigen und die bis einschließlich 1916 auszulosenden Beträge erst am 1. Januar 1917 zurückzuzahlen sind. 4. Bestellung eines gemeinsamen Gläubigervertreters im Sinne des nachstehend erwähnten Gesetzes. Gemäß tz 10 Absatz 2 des Gesetzes betreffend die gemeinsamen Rechte der Besitzer von Schuldverschreibungen vom 4. Dezember 1899 werden nur die Stimmen derjenigen Gläubiger gezählt, welche ihre Schuldverschreibungen bis spätestens am zweiten Tage vor der Versammlung, also bis spätestens Samstag, den 24. Oktober 1914 bei der Reichsbank, bei einem Notar oder bei einer anderen, durch die Landesregierung dazu für geeignet erklärten Stelle hinterlegt haben und sich hierüber ausweisen. Gießen (Frankfurt a. M.), 29. Septembr. 1914. Gewerkschaft Kur-Cöln. Der Vorsitzende des Grubcnvorstandes: Häntschke. ]l 026 lss Von heute, Donnerstag ab großer Verkauf von Zwelslhe«, Birm Md Sltpftln zu äußerst billigen Preisen. Bahnhofftr. 52 i. Hof (Caf6 Müller) Löbsack, Frankfurt. ,10237 j 6 Zimmer Lsl-Aillage 411U Stoff. (schönste, sonnige Lage! 6 Zimmer m. Zubcb. sos. oder später zu vermieten, i Näh. Seltersweg 52 It. 1M ” 5 Zimmer \ Lrcdnerftraßc 11 hübsche 5 Zim. Wohnung nebstZ»- | bcliör, Gartenanteil ic. zum 1. Oktobcozu vermieten. I*'* N äheres Hosmannftr. 14 . Wohnung, II. Etage, von 5 Zimmer nebst Bad mit Zubehör Kcplcrstraßc 11 p. sofort zu vermieten. 110231 _,__ Abermann L Kling. 1 4 Zimmer | Schulitraße 11, Siadtvost. geraum. 1 Zim.-Wobnung im Dachstock per 1. Oktober zu vermieten. Näh. Hohnana- straBe 11 ob. ti. Masseur Kratz, Schulstrabe 11.__ 8092 3 Zimmer Sdiiiic Wui.-Wühinliili z. 1. Okt. Marburaer Str. 27 zu vermieten. >9807j Näheres Brauerei Fbring, Li ck,. Sch. 3-Zim.-Wohn. fof. z. v. 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