Bt. 230 D«r ®i«6«KT Bnjelgtt erscheint täglich, außer Sonntags. - Beitagen: viermal wöchentlich AehrnerFamOirrldtüIter, ,>veimat wöchenklLreir- bistt für den Brett Sietzen (DicaStag larbAreiiag); zweimal motnrtL £ünb= wirlschastlich« Seüfrogrn lieriljprrch - Slnfchlüge: iür die Schriitl eitung 112 Bcrtoq, jchriitleiter: Aug. Goetz. Bcranttvortlich sür den < polit. Teil: Aug. Goetz; sür „Feuilleton", „Vermischtes" und.GerichtS- saal"i Karl Neurath; !ür „Stadt und Land"; Otto Braun; sür den Anzeigentell: H. Beck. Die Zranzosen mit schweren Verlusten vom deutschen rechten Zlügel zmuckgeschlagen. vor Antwerpen zwei Zorts zerstört. (WTB-)ÄrotzeS Hauptguartirr. 30. Srptnnb.. abends. (Amtlich.) Nördlich und südlich von Albert vor- yrhende übrrlegem feindliche Kräfte sind unters chwercn Verlusten für sie zur ückgeschlagen. Auf der Front der Schlachtlinir ist nichts neues zu melden. Bei den A r - gönnen geht unser Angriff stetig, wenn auch langsam vorwärts. Vor den Sperrfortsandcr Maaslinie keine Veränderung. In Elsaß-Lothringen stieß der Feind gestern in den mittleren Vogesen vor; seine Angriffe wurden kräftig zurückgcworfen. Vor Antwerpen sind zwei der unter Feuer genommenen Forts zerstört. Don dem östlichen Kriegsschauplatz ist noch nichts Besonderes zu melden. Die letzten heißen Kämpfe unseres deutschen rechten Flügels halxn sich nicht bei Noyon, sondern in der Gegend von Bapanme abgespielt. Albert liegt etwa 15 Kilometer südwestlich von Bapaume. Die französischen Truppen hatten also ihren Kulminationspunkt erreicht und sind mit schweren Verlusten wieder zu rückgetrieben worden. Bezeichnend für ihre Lage ist ein heute eingetroffener englischer Bericht, der zu gibt, daß die neu gebildete französische Armee imscrtig und urrassgebildet sei. ?luch fehle es an Offizieren. Nun ist es nicht vertrmnderlich, daß die Erbitterung des Feindes aufs höchste gestiegen ist. Es besesttgt sich bei ihm allmählich die Ueberzcugung, daß alle Anstrengungen schließlich doch vergeblich sein werden, und das große Leid, die manuigfachk» unvermeidbaren Zerstörungen von Städten und Dörfern Frankreichs werden selbstverständlich auch Gerüchte über Rücksichtslosigkeiten unserer Truppen zeitigen, so daß wahnsinniger Haß in den französischen KSnipfern emporstergen mag. Allein das kann in keiner Weise zur Entschuldigung dienen für die namenlosen Verbrechen, die lt. einer nachstehenden Meldung des Generalstabsarztes v. Schjern ing an den Kaiser in einem französischen Dorfe durch Franktireurs verübt worden sind. In allen gesitteten Ländern wird man nun merken, w o in Wahrheit ine barbarische Kriegsführnng Platz greift. Es ist zweifelsfrei bewiesen worden, daß die deutschen Offiziere sich bemühen, künstlerische Baudenkmäler nach Möglichkeit zu schonen, und wenn auch mit Strenge gegen Francttreurs vsorgegangen worden ist, so wäre doch der Fall ganz und gar undenkbar, daß deutsche Männer Verwundete oder Tote verstümmeln oder martern körmten. Daß dieser Geist der Barbarei aber nicht nur auf Frankreichs Schlachtfeldern weht, sondern auch seinen Sitz in der friedlichen Hauptstadt hat, beweist der „Mattn" mtt seinen gemeinen, verbrecherischen Aufforderungen an das französische Heer, und das beweist auch die Tatsache, daß der französischen Zensurbehörde diese schmähliche Mordgesinnung des „Mattn" ganz in der Ordnung zu sein scheint. Mft dem FallzweierForts von Antwerpen rückt die Stunde näher, wo auch in Belgien der letzte Widerstand des Feindes beseitigt sein wird. Bei Tsingtau endlich haben die gelben Helfer der Briten ebenfalls schon blutigo Köpfe sich geholt. Dagegen erregt es in allen deutschen Herzen ein wahres Hochgefühl, daß unser tapferer Kreuzer „Emde n" wieder ein halbes Dutzend feindlicher Schiffe aufgebracht und zum Teil versenkt hat. Die deutsche Flotte entwickelt entschieden mehr Mut und Jnittative als die Riesenmacht der Engländer, und das wird im Auslande, und namentlich auch in dem gewitterschwülen Orient seinen Eindruck nicht verfehlen. * B * Ein Kulturbild der „grande nation.“. GroßesHauptquartier,30. Sept. (WTB. Amtlich.) Der Generalstabsarzt der Armee und Chef des Feld- santtätswesens v.Schjerning hat dem Kaiser folgende Meldung erstattet: Bor einigen Tagen wurde in Orchies ein Lazarett von Franktireurs überfallen. Bei der am 24. September gegen Orchies unternommenen Strasexpedition durch das Lmidwehrbataillon Nr. 35 stieß dieses auf überlegene feindliche Truppen aller Gattungen und mußte unter Vertu st en von acht Toten und 25 Verwluudeten zurück. Ein am nächsten Tage entsandtes bayerisches Pionierbataillon stieß auf keinen Feind mehr. Es fand Orchies von den Einwohnern verlassen. Im Orte wurden 20 beim Gefecht am vorhergehenden Tage verwundet« Deutsche grauenhaft verstümmelt ausgefundcn. Ohren und Nasen waren ihnen abgeschnitten und man hatte sie durch Einführen von Säge- Mehl in Mund und Nase erstickt. Die Richtigkeit des darüber ausgenommenen Befundes ist von zwei ftanzösischen Geistlichen unterschristlich bestätigt. Orchies ist dem Erdboden gleichgemacht. Mailand, 30. Sept. Der Korrespondent des Mailänder Sozialisteublattes „Avanti" in Bordeaux bespricht die Handhabung der Zensur in Frcnkreich und zitiertden „Matin", der offen zur Ermordung der Deutschen Gefangenen ausfordert, während die Zen- für den Tadel der ,L>umanits" über solche Roheit gestrichen habe. Der Satz des „Mattn" lautet wörtlich: Nur kein Mitleid in den nächsten Kämpfen mit diesen nichtswürdigen Verbrechern wider das gemeine Recht, wenn wir sie in unserer Gewalt haben, und aus denen sich Wilhelm II. vielleicht eine Leibwache gebildet hat, die aber wert sind, um gebracht zu werden wie die Schweine. In ganz Frankreich würde ein unwiderstehlicher Protest ausbrechen, wenn wir glauben oder fürchten^müßtcn, daß man uns mit solchen Gefangenen belästigen sollte. Sie sind keinen Pardon wert, sic müssen niedergemacht werden wir die wilden Tiere." Diese Sprache des bekannten Pariser Blattes zeigt besser als alles andere, wie tief in Wahrheit die französische Kultur gesunken ist. Der unwissendste russische Kosak kann heute den gebildeten Boulevardier kaum noch an barbarischer Wildheit und unmenschlicher Gesinnung über- tresfcn. Die „Times" über die Lage des französischen Heeres. London, 30. Sept. (25.21. Nichtamtlich.) Der militärische Mitarbeiter der „Times" tröstet sich über den Fall des Forts C amp-de s-Ro m ain s folgendermaßen : Der Fall des Forts ist sehr traurig. ?lber der französische rechte Flügel besitzt sicher starke Reserven. Wir erwarten, daß im Lause ganz kurzer Zeit die Deutschen wieder zurückgetrieben werden. Die französischen Sperrforts sind niemals als lange widerstandsfähig a.'igesehen worden. Ihre Aufgabe war, die Zufuhrwege des Feindes zu sperren. Diese Mission haben sie erfülll. Die Hauptinteressen richten sich augenblicklich auf die Gegend von Bervnne, wo sich die feindlichen Heere in einer großen Schlacht befinden. Biele gute und erfahrene Offiziere haben kein großes Vertrauen ans die jetzt in der Bildung begriffene Armee. Nicht, weil sie die Qualität des Menschenmaterials an Körper und Geist bezweifeln, sondern weil sie sie nicht vor Ablauf von achtzehn Monaten für fähig zum Feldzuge, zumal gegenüber der modernen Artillerie, halten, und selbst dann kaum, wenn sie durch Berufsoffiziere gut ausgebildet werden würde. Mer die Anzahl der Offiziere ist nicht nur an sich beschränkt, sondern sie wird auch durch die großen Verluste fortdauernd verringert. Stockholm, 30. Sept. Das „Swenska Dagbladet" schreibt: Die neue österreichisch-deutsche Front tvird sicherlich bald so stabil sein, daß die rücftvärttge Bewegung aufhört. Von russischer Seite soll man durch! Rekognoszierungen zu dem Ergebnis gekommen sein, daß die Stellung des Gegners zwischen Przemysl und Krakau so stark ist, daß sie einer förmlichen Belagerung ausgesetzt werden muß, besonders da die Russen der österreichischen Armee, die durch starke deutsche Verstärkungen unterstützt ist, der Zahl nach bis auf weiteres unterlegen sind, infolge der starken Abteilungen, die man teils nach Polen, teilst nach Ostgalizien senden mußte, um ein Zusammenwirken mit den Truppen in der Bukowina zu erzielen. Bestätigt sich die Nachricht von den Verschickungen nach Polen, so versteht man, daß die Wirkung von Hindenbnrgs Opera- ttonen jetzt in der Form einer Erleichterung des russischen Druckes auf Oesterreich zum Ausdruck kommt. Diese Nachricht über die Lage ist aus Petersburg an Pariser Zeitungen gedrahtet worden. Zweikampf zwischen einem englischen und einem deutschen Flieger. Rotterdam, 30. Sept. In einem Bericht aus dem englischen Hauptquartter wird ein Zweikampf zwischen einem englischen und einem deutschen Ftieger geschildert. Der Engländer, der die deutschen Stellungen beunruhigte, wurde in der Luft von dem deutschen Flieger verwundet, doch gelang es ihm, innerhalb der englischen Linie in der Nähe eines Lazaretts zu landen. Der Bericht erllärt ferner, daß der Kampf immer mehr einem Belagerungskampf ähnelt und die Deutschen ihre Stellungen aus das Sorgfältigste gewählt haben. Die Nachricht vom Fall von Maubeuge in Frankreich. London, 30. Sept. (W. B. Nichtamtlich.) Tie „Times" meldet aus Paris unterm 26. September: Der Fall von Maubenge ist jetzt in Frankreich allgemein bekannt geworden, obwohl er bis jetzt amtlich noch nicht zugegeben wird. Bon der französischen Zensur. Bordeaux, 30. Sept. (W. B.) M i l l e r a n d hat für acht Tage das Erscheinen des „Homme Libre" verboten, da Clemencean sich geweigert hat, einige Stellen eines Artikels zu stteichen. Das Gesuch um Suspendierung des Blattes war von dem kommandierenden General des 17. Militärbezirks ansgegangen. Der bewachte Eiselturm. Rotterdam, 30. Sept. Die „Times" meldet aus Paris: Der Eiffelturm wird sorgfältig bewacht, und es ist verboten, in der Umgebung von einem Kilometer Licht zu brennen. In den Gasthöfen der Umgegend nimmt man die Mahlzeiten beim Licht einer gemeinsamen Kerze ein. Frankreichs Verluste. Amsterdam, 30. Sept. Nach französischer Schätzung sollen die Vertu st eFrankreichsbisher schon 300 000 Mann betragen. Ein Krieg von einem Jahre würde Frankreich zu Grunde richten. Ein Ausfall aus Antwerpen zurückgefchlageu. Rotterdam, 30. Sept. .21m Sonntag machte das. Antwerpener Festungsheer einen 2lusfall. Daran sollen nach belgischen Meldungen 7 0000 Mann teilgenommen haben. Auf beiden Seiten.kam es zu einem größeren Artillerie-> kämpf, wobei die Ortschaft Oodeyhem in Flammen ans-; ging. Zweimal wurden die Belgier von der deutschen Min-, deryeit zurnckgcworsen und schließlich endgültig aus Der-, monde zurückgeschlagen, wo sie während des Ge», fechts Batterien und Maschinengewehre in verschanzte Stellungen gebracht hatten. Angeblich vermochten sie sich dadurch in ihren Stellungen zu behaupten. Rotterdam, 30. Sept. An der holländischen Grenze lvird die Belagerung Antwerpens fühlbar. Ans Baarle- 2 las sau, an der Sndgrenze Nord-Brabants, treffen tausende belgischer Flüchtlinge mit ihrem Hausgerät ein, um in Holland ihr Unterkommen zu suchen. Sie erzählen, daß. die Deutschen bei dem Vorrücken gegen Antwerpen ganz Nordbelgien von den belgischen Soldaten säubern. Sie würden stündlich in Turu- hout erwartet. Die Pfleglinge einer Irrenanstalt in Gheel nmrden fortgeschafft. Sämtliche belgischen Flüchtlinge werden auf Befehl der holländischen Regierung geimpft. Die holländische Dainpfstraßenbahn Bred-Antwerpcu verkehrt nur noch bis zur Grenzstatton Wernhout, von dort geht ein Omnibus. Nach Meldungen ans Turnhout treiben die deutschen Truppen die belgische Feldarmee aus drei Richtungen vor sich her nach dem Festungsgürtel Antwerpens! Die dritte Beschießung Mechelns hat Verheerungen ange- richtet. Bei der Abfahrt des Kardinals Merciers am Sonntag abend nach Antwerpen hatte der Bischofspalast in Mecheln wenig gelitten. Die Deutschen schafften geschiiS ihre schweren Geschütze, hinter ihren Bortrnppen in Schuß- wette und beschossen die Forts von Mecheln, besonders Waelhem und St. Kathelyne. In der Stacht rückten die Deutschen gegen Aalst (französisch Sllost) vor und beschossen es) Am Montag nachmittag verteidigten sich die Belgier noch an der Brücke über den Tender-Fluß.. Auch in Gent treffen zahlreiche Flüchtlinge ein. Die Zeppeline in Tätigkeit. Genf, 30. Sept. Die „Morning Post" meldet ans Petersburg: Zeppeline haben viele Erkundungsfahrten auf dem östlichen Kriegsschauplatz unternommen" einer warf eine Bombe auf eine Schule in Bielostoft Die Bauschädcn in Mecheln. Brüssel, 30. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) Bei der Besichtigung von Mecheln, die am 29. Sept., sofort nach der deutschen Besetzung, von mehreren Herren unter Führung des mit dem Schutze der Knnstdenkmäler beauftragten Geheimrats von Falke vorgenommen wurde, konnte fest- gestellt werden, daß die hervorragenden Baudenkmäler dei Stadt keinen erheblichen Schaden erlitten haben. Nur an wenigen Stellen sind einige Häuser ohne künstlerische Bedeutung durch Artilleriefeuer zerstört worden. Das schöne Haus des Großen Rats mit dem anstoßenden Museum und die Giebelhäuser am Großen Platz haben nicht gelitten. Die hochcmporragende K a t h e d r a l e ist mehrfach von Artillerie- geschossen getroffen worden. Zwar haben die deutschen Truppen strikte Befehle erhalten, die Kathedrale zu schonen, doch haben nach der Besetzung der Stadt durch deutsche Truppen, heute belgische Schrapnells und Granaten die Kirche iw Augenblick der Besichtigung durch die Herren der Zivilverwaltung wiederholt beschädigt. Die Bauschäden können ohne siroße Schwierigkeiten wieder ausgebessert werden. Die ausnahmslos nwdernen Glasgemälde sind, wie alle Fenster der Stadt, durch den Luftdruck zersplittert. Die andern Kirchen von Mecheln sind unversehrt geblieben. Alle wertvollen Bilder wurden, soweit es sich Nachweisen läßt, vor der Besetzung der Stadt entfernt. Die schönen alten Häuser am Kanal sind unbeschädigt geblieben. Der deutsche Stadtkommandant hat strengen Schutz aller Kunstdenkmäler angeordnet. Der Kreuzer „Emden" hat wieder 6 Schiffe aufgebracht^ (WTB.) London, 30. Sept. (Nichtamtlich.) Die Admiralität gibt bekannt, daß, während der letzten Tage der Kreuzer „Emden" im Indischen Ozean die Dampfer „Dumerico", „Kinglud^, „Riberia" und „Toyle" weggenommen und in den Grund gebohrt und ein Kohlenschiff weggenommen hat. Die Bemannungen der Schiffe wurden auf dem Dampfer „Gyfedale", der ebenfalls genommen, aber ft eigelassen wurde, nach Colombo gebracht, wo sie gestern sinh einttafen. Basel, 30. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) Laut der „Nationalzeitung" bringen englische Blätter immer mehr Nachrichten über die Gefährdung des englischen Seehandels durch deutsche Kriegsschiffe. Tw „Tacly Post" Liverpool teilt mit, daß Hanbelskreise bei der Regie- rung vorstellig geworden sind und verlangt haben, die eng- tische Marine müsse große Anstrcngungeii machen, um die deutschen Kriegsschiffe im Atlantischen Ozean wegzunehmen. In den „Times" klagen die Kaufleute darübsr, daß die zweihundert gekaperten oder festgelegten und die 150 in neutrale* Hafen Regenten deutschen Schiffe fast ausnalpus- los engtijche Ladanqen an Bock Hütten, woraus der englische JCrtajnnni« uuti vergebe»-:' nmrte. > lins che Abhilfe sei geboten, sei es, daß man die Schiffe mit englischer Besatzung weiter fahren lasse, oder sie an Muttale öerflaufe. Die „Weftminster öfe^ette" weist auf die gewaltigen Schädigungen hin, welche der Einfuhrhandel mit gefrorenem Rindfleisch durch den Älrieg erleide. Eine Schifffahrtslinie werde demnächst nicht mehr verkehren und damit witrden wöchentlich 6 Millionen Pfund gefrorenes Fleisch aus Argentinien sortsallen. Aehnlich stehe es mit der Einfuhr aus Australien, Das sei bedenklich, da viek Fleisch an die Truppen im Felde abgegeben werden müsse. Weitere deutsche Seebcute. Rotterdam, 30. Seht. Der englische Dampfer „Vcpuna" mit einer Ladung Cobra wurde einer Depesche auS Sydney zufolge von den Deutschen auf den Marschallinseln erbeutet. Die griechische Firma A. A. Em- bericos teilte der englischen Regierung mit, daß der Kreuzer „Emden" sich aus ihrem Dampfer „Pontopores" mit Kohlen versorgte/ Der deutsche und der englische Handel. London, 30. Sept. (SB. B. Nichtamtlich) Die „Dimes" schreiben in ihrer Besprechung des Buches von William Daws on am 26. September: & wird viel von der Gelegenheit gesprochen, die der Krieg bietet, um sich des deutschen Handels und der deutschen Absatzgebiete zu bemächtigen. Hiervon ist vieles leeres Geschwätz, Die Handelsbeziehungen, deren wir uns dank unserer Flotte bemächtigen können, werden nicht lange in unserer Hand bleiben, wenn der norniale "Zustand wieder einttitt Wie soll dann das dabei festgelegte Kapital wieder heranskommen? Deuffchland hat sich seinen Handel ehrlich durch die Kenntnisse, die Intelligenz, den Fleiß, und die Anpassungsfähigkeit seiner Kauf- leute und Ingenieure gesichert. Nur durch die gleichen Eigenschaften können Nur die Absatzgebiete uns erobern und dauernd behalten. Die „Dimes" empfehlen endlich den englischen Industriellen das Studium des Buches und die Nachahmung deutscher Geschäftsmethoden. Eisenerz als Kriegskonterbandc. Stockholm, 30. Sept, (W. D, Nichtamtlich) Die schwedische Presse drückt ihr Erstaunen und ihre Besorgnis darüber aus, daß Großbritannien gegen die Londoner Deklaration, die Großbritannien in diesem Kriege beobachten zu wollen sich bereit erklärte, Eisenerz als Kriegskonterbande erklärt hat. Mit Verstimmung und riecht ohne Bitterkeit, so sagt das radikale „DagcnS Rpheter", sehen wir diesen englischen Schritt, der das wirtschaftliche Leben des aus-richtig neutralen Schweden sehr schwer trifft. Das englische Moratorium. Basel, 30, Sept, (WTB. Nichtamtlich,) Nach einer Meldung des hier ei „gegangenen „Demps" aus London beschloß die englische Regierung, das Moratorium erst am 1. April in vollem Umfange endigen zu lassen, Spanien beschlagnahmt einen englischen Dampfer. Madrid, 30, Sept. Aus Huelva wird gemeldet, daß das spanische Kanonenboot „Delphin" in der Mündung des Guadiana den englischen Handels- d a m p s e r „P e n n i n s u l a" und fünf portugiesische Barken beschlagnahmt hat. Der Kommandant des „Delphin" verlangte von dem englischen Kapitän die Papiere zu sehen. Dieser weigerte sich, seine Klarierungspapiere vorzuzeigen. Der spanische Kanonenbootskommandant beschlagnahmte daraufhin den „Penninsula" und die mit der Aus-- 'labung beschäftigten portugiesischen Barken und schleppte sie in den Hasen von Huelva, Ein Seegericht wird über dien Fall entscheiden. Wahrscheinlich wird jedoch die Beschlagnahme aufrecht erhalten werden, da es sich um die Ucbev- nahme von Kriegskonterbande gehandelt haben soll. (Bcrl. Tageblatt./ Ein Armeebefehl des österreichischen Oberbefehlshabers. (SBTB) Wien, 30. Sept. (Amtlich.) Der Oberkom- «mandant Erzherzog Friedrich erläßt einen Armeebefehl, in dem es u. a. heißt: Die Situation ist für uns und für das deutsche Heer günstig. Die russische Offensive in Galizien ist im Begriff zusammenzubrechen. Gegen Frankreich steht ein neuer großer Sieg bevor. Auf dem Balkan-Kriegsschauplatze kämpfen wir gleichfalls in Feindesland. Innere Unruhen, Aufstände, Elend und Hungersnot be- -drohen unsere Feinde im Rücken, während -die Monarchie und das verbündete Deutsche Reich einig undin starker Zuversicht da stehen, den uns freventlich aufgedruwgenen 'Krieg bis ans siegreiche Ende durchzukürnpfen. v. Auffenberg erkrankt. Wien, 30. Sept. (W.B. Nichtamtlich.) Aus dem Kriegs- hreffeguortier wird amtlich gemeldet: Der Armeekommandant v. Auffenberg ist erkrankt. Diese Nachricht wird gewiß allgemeines Bedauern Hervorrufen. Die Lage auf dem österreichisch-russischen Kriegsschauplatz. O fen Pest, 30. Sept. (W, B. Nichtamtlich.) Ein aus Uzsok eingetroffener hoher Generalstabsoffizier hat dem -Obergespan die amtliche Meldung erstattet, daß die Kämpfe, die vorgestern und gestern um Uzsok stattgefunden haben, ivon Erfolg begleitet waren und die Russen zurückgedrängt wurden. Der Uzsokcr Paß befindet sich «wieder in unseren Händen. Me Russen haben sehr schwere Verluste erlitten. Ans dem Gebiete des UngerkornitatI beendet sich kein Russe mehr, Wien, 30, Sept, (W.IB, Nichtamtlich.) Ae Mütter besprechen das gemeinsame Vorgeben der verbündeten deutschen und österreichisch-ungarischen Streitkraste gegen die Russen, Das ^,Fremdenblatt" schreibt: Ae Tatsache, daß die deutsche und österreichisch-ungarisch« Armee nunmehr vereint ist, um den gemeinsamen russischen Feiird zu bekämpsen, wird soioohl bei uns ivie in dem treu verbündeten Deutschen Reiche die größte.Genugtuung und ausriästige Begriste- erung Hervorrufen, Jetzt ist Gelegenheit geboten, die Waffenbrüderschaft aut das glänzendste zu bewähren. Mit hoffnungsvoller Zuversicht blicken wohl alle Völker der verbündeten Staaten den Ereignissen entgegen, deren Szene der nördliche Kriegsschauplatz werden mag. Die „NcueFreie Presse" Ivcist aus das seit vierzig Jahren bestehende deutsch-österreichische Bündnis hin und sagt: . ^ .w. Niemals in diesen 40 Jahren hat Europa daran zweifeln können, wo Oesterreich-Ungarn stellen werde, wenn Deutschland von Gcsahr bedroht sei, und Deutschland sein werde, wenn die Monarchie sich gegen einen Feind wehren müßte. Nun fechten die beiden Kaiserreiche im Norden zur Verteidigung ihrer Zukunft und Sicherheit, nun stehen sic fest zusammen und die wärmste Sympathie begrüßt in Oesterreich wie in Ungarn die unüberwrndlict>e Kamvsgenosscnschast. Sehnsüchtige Wünsche begleiten sie aus allen Wegen, Das „Ncue Wiener Tageblatt" betont die selbstsüchtigen Zwecke der verbündeten französischen Republik, Englands und Rußlands und hält dem entgegen: Auf Seiten der beiden Kaiserstaaten, aber in schlichten Worten die ernste Kundgebung des ftäsengleichen Zusammenstehens bis zum Sieg oder Untergang, dann in schicksalsschwerem Krieg in Nord und Süd, in Ost und West ein Hand- und Herdstützen bis zum letzten Mann, Roß imd Geschütz, ein einziges gigantisches Hirnarbeiten aus gemeinsame hehre Ziele, Das „Neue Wiener Journal" schreibt: Was gestern die Bevölkerung Wiens und des ganzen Kaiser- staatcs mit hellem Jubel erfüllte, das war nicht ganz allein die Siegeskunde von allen Kriegsschauplätzen, das war mehr, das war die Begeisterung für das Bünvms mit Tentschlaiw, das war die Begeisterung für Treue um Treue, die so herrlich in die Erscheinung tritt, Bon den Tcntsch-Böhmen. Prag, 30, Sept, (W, B. Nichtamtlich.) In einer Beratung der deutsch-böhmischen Reichsratsabgeordneten wurde heute eine Begrüßungskundgebung an die verbündeten Armeen beschlossen, in der es heißt, daß die Ab- geordncten von Oesterreich-Ungarn und Deutschland mit heißen Segenswünschen den ausgezwungeucn Kamps um das Recht und die Existenz ihrer Reiche begleiten, der trotz der planmäßigen Ber- leunrdungen der Gegner und ihrer jeder Kultur hohnsprechenden .Handlungsweise gewiß siegreich zu Ende geführt werde. Sie machen für die Verwüstungen des Krieges, die furchtbaren Verluste an Menschen und volkswirtschaftlichen Werten jene verantwortlich, die sich nicht scheuten, ein meuchlerisches Verbrechen der serbischen Staatslenker mit ihrem Namen und ihrer Unterstützung zu decken. Sie versichern die beiden Heere ihres unerschütterliche» Vertrauens und des begeisterten Dankes sür die bisher ftcundigst gebrachten Opfer, — An den Kaiser Franz Josef wurde erne Huldigungsdepesch« gesandt, in der die Abgeordneten ihre unerschütterliche Treue versichern und für die österreichisch-ungarischen Massen und die des verbündeten deutschen Heeres von Gott einen vollen Erfolg erflehen. Italiens Neutralität. Zürich, 30. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) Die „Neue Züricher Zeitung" gibt einen Artikel aus dem „Corriere Subalpino di Cuneo" wieder, der G io litt i zugeschrieben wird und sich mit der italienischen Neutralität besaßt. Nachdem der Verfasser das Anerbieten der Triple-Entente, das durch Delcassö und Pichon gemacht wurde, und in dem Italien Trient, Triest und Dalmatien versprochen wird, sowie dass Anerbieten A n d r a s s y s, das Nizza, Savopen, Korsika und Malta betrisst, launig zurück- tveift, weil die hochherzigen Geber die Geschenke gar nicht in der Tasche hätten, sagt er u. a.: Italien schlvankt nicht wie Buridans Esel zivischen Heubün- deln: cs will locker das eine noch! das andere. Aber wir werden uns nicht der Falschheit und des Treubruchs schuldig machen und unsere Freunde hinterrücks anfallen. Nicht einmal Macchiavelli wäre in der Aufrechterbaltung der Staatsdoktrin zu einem solchen Zynismus heruntergcsunken. lieber alles geht die Würde einer Natron. Der Mensch lebt nicht von Brot allem, sondern auch von seiner Würde und Ehre. Wir wissen nicht, ob der Meibnnd noch vorteilhaft ist, dürfen aber den Gewinn nicht vergessen, den er uns in drei Jahrzehnten gebracht hat. Es sind heute Symptome vorhanden, daß das Land ebenso wenig für einen Krieg gegen wie mit Oesterreich begeistert ist, Vielleicht wird er gewünscht von den Republikanern und Nationalisten, sicher nicht von allen. Das Land will überhaupt keinen Krieg, es braucht den Frieden, Wir haben schon mit dem lybischen Krieg übergenug. Wir wissen nicht, was der Sieg bringen würde, wissen aber gewiß, daß eine Niederlage den Zusammenbruch des Landes zur Folge hätte. Neuer Kronrat in Rumänien. Wien, 30. Sept. Mitteilungen von zuverlässiger Seite gestatten eine günstigere Auffassung der Haltung Rumäniens. Morgen findet ein neuer Kronrat statt. Wie der Bu- karester „Universul" meldet, gab der deutsche Gesandte von dem Bussche-Haddenhausen rm Auftrag seiner Regierung die ausdrückliche Erklärung üb, daß zwischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn eine unzerstörbare Solidarität besteht. Der König von Rumänien erkrankt. Wien, 30.Sept. (WTB. Nichtamtlich.) Die „Wie- nerAllgemeineZeitung" erfährt zu der Erkrankung des Königs von Rumänien, daß diese keinen bedenklichen Charakter trage und kein Anlaß zu Besorgnissen vorhanden sei. W i e n, 30. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) Hier eingetroß- sene rumänische Blätter enthalten folgenden von Hofarzt Mamulea am 21. September ausgegebenen Bericht: „Der König leidet seit einer Woche an Leberkolik, einem Leiden, zu dessen Beruhigung er genötigt sein wird, einige Tage das Bett zu hüten." (Notiz des Wolfs-Bureaus: Nach einer neueren Nachricht ist der König wieder außerhalb des Bettes.) Aus Bulgarien. Sofia, 30.Sept. (WTB. Nichtamtlich.) Agence Bulgare: Das Blatt „Ruß ko je Slowo" will wissen, daß der neue bulgarische Kriegsminister Fitschcw den russischen Gesandten S a w i n s k i besucht und ihm erklärt habe, daß er niemals eine feindliche Aktion gegen Rußland oder Serbien zulassen werde. Gegenüber dieser Mitteilung ist fest- zustellen, daß Fitschew, der seit vierzehn Tagen den Minister- Posten inne hat, heute zum e rßenMale den SZertreterRußlands ausgesucht hat. Sofia, 30. Sept. (WTB, Nichtamtlich,) Meldung der „Agence Bulgare": Der Minister des Innern erhielt gestern ans Strumitza folgendes Telegramm: „In der letzten Nacht kamen wieder etwa hundert Flüchtlinge aus I s ch t i p an. Sie erzählten von fürchterlichen Dingen, Die Stadt sei von serbischen Truppen eingeschlossen worden, die die Männer mit Waffengewalt fortführen, um sie zur serbischen Armee zu schicken. Zwischen der Gendarmerie und den Bürgern ist es zweimal zu einem Feuergesecht gekommen. 283 Familien, deren Oberhäupter nach Bulgarien flüchteten, sind verhaftet ivordcn. Bier Frauen haben im Gefängnis entbunden. Die Bevölkerung der Stadt und des Bezirks ist einer wilden Verfolgung preisgegeben." Zur Sperrung der Dardanellen. Konstantinopel, 30. Sept. (W. B. Nichtamtlich.) Eine halbamtliche Rote stellt zur Rechtfertigung der vollständigen Sperrung der Dardanellen fest, daß eine englische und eine französische Flotte seit einiger Zeit am Eingang der Dardanellen kreuzten, wobei sie die ein- und ausfahrenden Schiffe anhielten, durchsuchten und die Besatzung ausftagten, was der Freiheit der Schiffahrt in den Dardanellen tatsächlich Abbruch tat. Deshalb hat die Regierung beschlossen, die Dardanellen zu sperren und nicht wieder zu öffnen« bis die genannten Flotten sich von der Meerenge entfernt hätten und die bisherige, abnormalen Verhältnisse geschwunden seien. Kon sta n t in o Pe l, 30. Sept. (W. B. Nichtamtlich Me hiesige offiziöse Agentur erfahrt: Me russische Re g i e r u n g wollte m n s e l m a n i s ch e „Fr e i w i l l i gje" « den russischen Distrikten am Schwarzen Meer, insbesonder, in Adschara, Tschurusku und der Umgebung Barums, « ihr Heer einreihen. Da die Muselmanen sich weigerte« wurden die Notabeln eingekerkcrt. Me muselmanisch Bevölkerung sei sehr erregt. Die Einwohner Adsthmp, hätten zu den Waffen gegriffen. Rom, 30. Sept. Der „Corriere dJtalia" meldet m» Konstantinopel: Die russische Flotte aus de«) Schwarzen Meer nähert sich «dem Bosporus. Die eim. lische Mittelmeerflotte mit einem großen Dell der franM- scheu Flotte versammelt sich in den Gewässern der Aegäiz Aese Flottenkundgebung im Bosporus und in den Dard«) netten soll die Türkei zur Beibehaltung der Kapitulation^ und zur Aufgabe ihrer zweifelhaften Stellung gegenüber dem Dreiverband zwingen. Spannung zwischen Rußland und Afghanistan. Konstantinopel, 30. Sept. (WTB.) Gestern hie, eingetroffene persische Blätter enthalten die Bestätigung eines Zivischenscllls bezüglich eines Tunnels an der russisch afghanischen Grenze. Die Russen Hütten seit Jahren heimlich an einem Tunnel von der Grenzstadt Knschk nach Her«, gebaut. Der Gouverneur von Herat fest hiervon verständig, gewesen. Der Emir von Slsghanistan hat die Zerstörung des Tunnels angeordnet, Gerüchten zufolge sind 2000 Russe« und zahlreiche Arbeiter in dem Tunnel nmge- kommen. Der Zwischenfall hat in den Beziehungen zwischen Rußland und Slsghanistan eine große Spannung her- vorgerusen. Der Angriff der Japaner in Kiautschau. (SBTB,) Tokio, 30, Sept. (Nichtamtlich. Reuter^Nrl dnng.) Me Japaner haben am Sonntag die Deutscher fünf Mellen von Tsingtau entfernt angegriffen. (WTB.) Tokio, 30. Sept. (Nichtamtlich.) Eine amtliche .Mitteilung besagt: Bei ihren Landangriffen auf dn nächsten Umgebungen von Tsingtau hatten die Japaner 3 Tote und 12 Verwundete. R o t t e r d a nt, 30. Sept. Die britische Gesandffchaft hat eine Depesche das englischen Auswärtigen SImtes erhalten, die japanische Regierung habe berichtet, daß am Samstag die japanischen Truppen die Deutschen angegriffen haben. Diese hätten die vorgeschobenen Stellungen zwischen den Flüssen Paische und Listun besetzt. Borfichtsmaßrcgcln. Berlin, 30. Sept. General von Löwensekd macht im „Korpsverordnungsblatt" bekannt: Gefangene französische Offiziere berichteten, daß sie unsere Offiziere und Offiziersstellvertreter an den blanken Leder-Gamaschen erkennen und abschießen. Er rät, die Gamasche« grau zu beschmutzen und stumpf zu machen, damit sie kein Ziel mehr bieten. Me Engländer haben Unsere Vorgesetzten an der vielen Benutzung der Ferngläser er- könnt und beschossen. Das Ergebnis der deutschen Kriegsanleihe. Berli n, 30. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) In der soeben erschienenen Nummer de§ „Bcmkarchivs" bespricht der Direktor der Deutschen Bank, Dr. Helffeit ch, das ErWh, nis der Kriegsanleihe. Er stellt zunächst fesch daß der Zeichnungsbeittag von rund 4Vu Milliarden nicht nur ans dem Papier steht, sondern „echt bis aus die letzte Mark" ist, und daß der für das Reich gesicherte Betrag etwa doppelt so groß ist wie die Summe, worauf als Ergebnis der ersten Kriegsanleihe an maßgebenden Stellen gerechnet wurde. Mit dem Bettag von 4>/s Däilliarden übertrifst die denffche Kriegsanleihe alle bisher in der Wett durchge- führten Finauzaktionen, deren weitaus größte die durch zwei Slnteihen aufgebrachte französische Kmogskosteneutscluidi- gung von 4 Milliarden war. Diese 4 MMarden wurden rn 2Hz Jahren aufgebracht, während die um eine halbe MM- acke größere deutsche Kriegsanleihe in ebensoviel Monotzllk von dem deutschen Volke eingezahlt wird, und zwar als ausschließliche Leistung des deutschen Volkes, da die Heranziehung selbst des neuttalen Auslairdes in voller Slbsicht vermieden wurde. England hat bisher 900 Millionen Mark aufgebracht, Frankreich stößt bei der Geldbeschaffung auf große Schwierigkeiten. Ihm ist bisher nur die Beschaffung von 40 Millionen Mark in England gelungen, während man zu einer inneren Anleihe angesichts des Mißerfolges der kurz vor dem Kriege emittterten 800 Döillio- nen Franken 3VrProzentige Rente sich bisher nicht entschlossen hat. Für einen Kriege der bis in das nächste Frühjahr dauert, ist also der Geldbedarf des Deutschen Reiches gedeckt. SVenn der englische Schatzkanzler in echt britischer Ueberhebung prahlte, nicht die erste, sondern die letzte Milliarde werde den Krieg entscheiden, so mögen England und Frankreich zunächst eimnat diesen sWfp-nntg der drei bezw. vier Milliarden einholen. Dann lverden wir in aller Ruhe zusehen können, ivem die Ausbringung von etwa weiter nöttgen Milliarden schwerer fällt, llnsere Kriegsanleihe machte uns niemand in der Welt vor. Niemand wick sie uns so leicht nachmachen. Münchener Klatsch. München, 30. Sept. Um dem Kaffee Haus- und Bierbankklatsch entgegen zu treten, gibt das stellvertretende Generalkommando folgendes bekannt: Es wirkt erheiternd und betrübend zugleich, zu sehen, wir ein unsinniges Gerücht das andere ablöst Jede SlirfklärunascrrbeU der Behörden scheitett an der Sensationslust eines TeÜes des Publikums. Zuerst wurde auf der Fröttmattnger Heide eine Unzahl französischer Spione erschossen und den Soldaten, die sic sest- aenommen hatten, die besondere Vergünstigung gewährt, der Erschießung beiwohnen zu können. Kurze Zeit daraus konnte München nicht schlafen, well der Kronprinz verwundet und gefangen genommen worden war. Dann waren es Bettreter des weiblichen Geschlechts, die in Schließheim einen Offizier tätlich angegriffen hatten und dafür standrechttich erschossen wurden. Wetter brach ein ftanzösischer Offizier sein Ehremoott: er floh vom Lechselde, wurde aber tviedcr sestgenommen und gefesselt eingebracht. Darnach sahen in Praunstcin 159 Zivilisten ihr« standrechtlichen Aburteilung entgegen. Das Neueste auf diesem Gebittr ist daß einer unserer höchsten Offiziere, der zurzeit im Felde sein 40 jähriges Dienßjubiläum feiert, nach Münck/en nicht ganz sreiwlllig zurück- gekehrt sei. Personen, die immer als best informiert gellen «vollen und in ihrem Kreis dafür gehalten werden, glauben sogar, über die Veranlassung alle Einzelheiten zu wissen. Sicherlich hat dieser Offizier über das Wohlwollen, das seiner Person entgegen gebracht wird, genau so gelacht, wie das stelivextretendc General kommculdo. Uber die Sache hat auch ihre ernste Seite, die Verbreiter solcher I I lirwfjtot sind sich nicht im Maren darüber, welche Unruhe und regung sie in die weitesten Kreise tragen. Sie sind sich Wahl , nicht bewußt, daß sie sich einer sckyveren Bestrafung ausseycn. > stellvertretende itzeneralkommando wird in Zukunsr gegen die breiter solcher Nachrichten m itallcr Strenge, nötigen- l s aus Grund der Kricgsgesetze Vorgehen, Das üikum aber wird nochmals dringend ersucht, solchen Gerüchten en Glauben zu schenken, Aliegerhelden. B-erlin, 30. Sept. Der Flieger Schlegel aus Köniz ist zum Leutnant befördert worden und hat das erne Kreuz erhalten, Er ist vorher n i e S o l d a t gewesen. Die Taten der Russen in Ostpreußen. Königsberg, 30, Sept, Während das Dorf Groß, mi n t e n, 250 Gebäude, von den Russen verbrannt wor- . ist. sind das kaiserliche Jagdschloß und die Deidesörste- !N verschont geblieben. Aur dem Reiche. Berlin, 30, Sept, (SB, B, Nichtamtlich.) Auf das von der sammlung der deutschen Erwcrbsstände an den Kaiser gcrich- ,Huldigungsielegramm ist beim Deutschen Handelstage nachende telegraphische Antwort eingrgangen: Reichstagspräsident Kaempf, Berlin. Der einmütige Zu- i menschluü der Vertreter des gesamten deutschen Wirtschasts- ns und dei kraftvolle Bckund'.mg des festen Willens, den un- in Vaterlande ansgedrängten Existenz krieg auch auf imrtschast- em Gebiete siegreich durchzuführen, haben mich außerordentlich eut. Mein herzlicher Dank und meine wärmsten Wünsche ge- en diese ernste patriotische Arbeit, Gott der Herr kröne das rk mit seinem «egen und lasse alle schweren Opfer unserer Tage einer guten Saat werden für die glückliche Zukunst des deutschen lkes und Vaterlandes, Wilhelm I. R. Berlin, 30. Sept, (WTB Amtlich.) In der heutigen cung des Bundesrats wurde über die Erstattung der fresberichtc der Gewerbcaussichtsbeamteff sür 1914 Beichluß itzt, Deni Entwurs einer Bekanntmachung betressend Zah- ngsverbot gegen England wurde die Zustimmung :ilt. Berlin, 30. Sept, (WTB, Amtlich.) Vom Montag, den Oktober bis einschließlich Sonntag, den 11. Ostober, werden suchsweisc F e l d p o st s en du n g e n im Gewicht von 250 i 5 00 Gramm gegen eine Gäbühr von 20 Pf. angenommen, ■ Gebühr für Feldvostsendungen im Gcivicht von über 50 bis ) Gramm wird gleichzeitig dauernd aus 10 Ds. herabgesetzt, Stuttgart, 30. Sept, (W. B, Nichtamtlich,! Wie der taats Anzeiger" hön, hat auch die württembergische Unterrichts« Wallung angeordnel, daß Angehörige der mit Deutschland und 'terrcich-Ilngarn kriegführenden Staaten von dem Besuche der ntlichen Unierrichtsaustglten und ebenso von jeder Unterrichts- gkeit an diesen Schulen während des Krieges ausgeschlossen 'den. 2ttt» Stadt und Land. Gießen. 1. Oktober 1914. Auf dem Felde der Ehre gefallen. (Aus Hessen und den Nachbargebieten,) Ossrz.-Slellv, Otto Hoeth, Jns.-Rgt. 87 aus Mainz, — tidwchrniann Ludwig Schmidt, Jnf.-Rgt. 116 aus Allendorl >, L, — Eins,Unteroff. Ernst Strack aus Leihaestern, — s, Johs. Gernsheimer mos Worms. — Gardtst Friedrich :itz aus Kleingladenbach, — Matrvsenartillerist d, R, Fritz •mtnticubt aus Biedenkopf, — Stabsarzt d. Res, a, o, Pros, . Ludwig K i r ch h e i m, JLgcrbat, 11 aus Marburg, — Soldat rl Karle aus Wendeln. — Landwehrmann Jakob Strack, ld Art Rgt 25 in Wetzlar, — Feldwebel Walter Wiese, Ins.« t. 168 in Wetzlar, — Unteroff, d. L Julius Schloß, Jns.- >t, >18 aus Mainz, — Gardist Franz Nalterer.Jns.-Rgt, 115 s Mainz Mvmbach. — Pionier Joh Kruft, Pionier«Bat. 21 s Mainz-Kostherm, — Unteross, Nik, Westenberger, Pion.- ,t, 11 aus Mainz-Kastel. — Gesr, d, Landtv, Mar Spengler, s,-Rgt. 116 aus Lanrpertheim, — Gardist Aug, Küntzel, Jnf.- ,t 115 aus Worms, — Musk, Georg Arnold auS Worms, Gesr, d, Nci Fritz Nickel, Jns-Rgt, 166 aus Rodhrim v, d, H, Gesr, d Res, Robert Hot h, Jns -Rgt, 168 aus Offenbach a, M, hübe Main Wcndlin Massoth, Jns-Rgt, 168 aus Hainstadt M, — Unteroff, d. Res, Karl Kistner, Jns-Rgt, 168 aus ienbach-Bürgcl, — Wehrmann Frwdr, T e pel, Brig -Ersatz. 1, 49 aus Ossenbach a, M, — Musk Phil. Anthes, Jns,- st 117 stus Sprendlingen b, Ossenbach — Vizescldfvebel Karl v st. Ins,-Rgt, 168 aus Butzbach. — Osf.-Stellv, Aböls Bausch, „,-Rgt, 87 aus Herborn, — llulervsf. d. Res, Heinr, Brei- - r l. Jus.-Rgt, 87 aus Hanau. — Lt, d Res, und Sekttonschef i der Bagdad bahn Fritz Thierolf, Jnst-Rgt 115 aus Darm- ibt. — Dizefeldwebel und Grvßh, Reg,-Baumeister a, D, Willy aide, Jns-Rgt. 38 aus Darnchadt — Lt, Elarenrr Werner , n K u n o w s k i, 4, G«rde-Rgt, ». Faß i» Darmstadt, — Dcgen- hnrich Herbert Koch, Jägerbat. 4 aus Darmsiadt, ^— Oberst, Landw, Arnold Otto, Landlo,-Jns-Rgt, 116 aus Langen, — nj,-Freilo-Unteross, Dikwr Faust, Jns-Rgt 81 aus Frankfurt M, — Landwehrm, Heinr, Stritt aus Frankfurt a, M, — atcwff, d Res, WIlh, Herz, Res,-Jns-Rgt. 87 aus Frankfurt M, — Ei nj-Freiw-Unteross, Heinr, Mann, Jns-Rgt, 81, eanlfurt a M, — Wehrmann Karl Schenk. Landw,-Jnf,-Rgt, in Frankfurt a, M, — Musk Kvnrad Serba, Jns -Rgt, 17 ls Frankfurt a, M, — Gardist Karl Heiß, Jus,-Rgt. 115 in rankfurt a, M, — Res, Hermann Olbrich, Jns.-Rgt, 116 aus ornholzhauscn (Kr, Wetzlar), — Lt, d, Res, und Fabrikant Justus k enges, Inf,-Rgt 116 aus Grvßen-Lindrn, — Res- Ludnng eßle r, Jns.-Rgt, 116 aus Steinbach b, Gießen, — Lt, d. Res, tadtsekretär Theodor T schul kr, Jns -Rgt, 63 in Frankfurt a, b — Landwehrm, Emil Henkel. Jnf,-Rgt- 81 in Frankfurt M, — Osfiz,-Stellv, Erwin Walther, Jns-Rgt, 5 ans Darm« ibt. — Res Adolf Aßmuß aus Walleruhausen, — Unteross, d, e! und Postassistent Aug, D ö l l in Alsseld, — Landwehrm, imd osckote Job, Fischer ans Alsseld, — Unteross, d. Res, Aug, hrig, Jns-Rgt, 80 aus Wvrms-Neichausen, — Res, Heinrich keinhardt, Jns.-Rgt, 116 aus Lauterbach, — Res, Konrad euser, Jns -Rgt, 116 aus Blitzenrvd, — Res, Johannes Ber- au. Jns -Rgt, 81 aus Wecklenrvd, — Landwehrm Heinr, Jüng- i n g, Res, Jns. -Rgt 81 aus Franksurl a, M,-Ginnhcim — Gest, arl P i st o r. Landw,--Jnf,-Regt 81 in Ficankfurt a. M- Res, Ernst Kulach, Kvy, Kr, Goldap, verwundet. Res, Karl Müller V,, Köddingen, Kr, Schotten, verwundet. Res, Lud«, Lu h II,, MendoN a, d, Lahn, Kr, Gießen, verw. Res, Johs, Reibert, Langen-Bergbrim, Kr, Büdingen, verlo Res, voinr, S ch atz. Blasbach, Kr, Betzlar, verwundet. Res, Georg Christ, Wetzlar, pekw-iindet. Res, Gustav Gru brich, Lüdenscheid, verwundet. Res, Heinrich Sp-ran kel, Lehrchcim, Kr, AlsNd, verwundet. Res, Karl Qucckbörner, Kirschgartcn, Kr, Alsfeld, verw. Res, Wilhelm Sam, Marburg, vermißt, Unteroff, Arthur Müller, Barmen, verwundet. Auszug aus der Verlustliste, Angehörige des Feld-Artillerie Regiments Nr, 61, Stab: Trvmp Serg Ewald Storch. Grvsfwilsdors, Kr, Qucr- furt-Merscburg, tot, — 4. Batterie: Kan Philipp Wild, Groß- Gerau, tot — Kon, Georg Wallbvtt, Steinberg, Kr, ließen, lv, — Unteroit, Christian Behlen. Freinsheim. Kr, Neustadt a H,, lv, — Kan, Wilhelm Bellinger, Niederroden, Kr, Hanau, lv, — Kan, Adam Fischer, Bisäwssheim, Kr, Groß Gerau, scharw, — Gefr, Ludwig Haustein, Gundernlfaiisen, Kr, Dieburg, tot, — Kan. Phil, Noeppel, Ensheim. Erftrin, schwv, — Kan, Adam Müller, Erbach 1. O,. lv, — Kan Adam Müller, Habitzheim, skr, Dieburg, verw, — Kan, Wilhelm Reeg, Hembach. Kr Erbach i, O,, tot. — Gefr, Peter Schilling, Bischofsheim, Kr. Groß-Gerau, schwv, — San. Georg Seng, Wisselsheim, Kr, Friedberg, tot, — Kan, Adolf Zeiser, Schubbach, Oberlahnkreis, lv, — Kan, Ludwig Zulauf, Ober-Nauses, Kr, Dieburg, schwv, — Kan Josef Büttner, Huckrl- heim, Kr, Alzenau, verm, — 5 Batterie: Kan Karl Wolf, Mainz, tot, — Kan, Adam Wolf, Wersau, Kr, Dieburg, tot, — Kan, Heinrich Mühlseld, Groß Umstadt, Kr, Dieburg, lv, — Kan, Wilhelm Simon, Bergen, Kr, Hanau, lv, — 6 Batterie: Kan, Georg BiUzhäuscr, Gimbsheim, Kr, Worms, lv, — Eins Freiw, Unteroff, Paul Rompel, Frankfurt a, M,, veno, — Gesr, Heinr, Hildmann, Gersfeld, verw, — Kan, Otto Gölz, Fulda, verw, — 2. Leichte Munitions-Kolonne: Kan, Ludwig Hcyum, Dromersheim, Kr, Bingen lv, **TasEisernc Kreuz erhielt, unseres Wissens als erster Student der Gießener Universität, der Vizeseldwebcl der Reserve S i e v e r s von der Maschinengewehr-Abteilung des Reserve- Regiments 116, ** Zeltlager au f dem Trieb, Das auf dem Trieb geplante Gefangenenlager sür die Franzosen ist jetzt provisorisch zur Äusnahnie der ersten 1000 Mann als Zeltlager eingerichtet, — Di« in Aussicht genommenen heizbaren Baracken sür die Gefangenen sind an verschiedene Unternehmer zur schleunigen .Herstellung übertragen. Es handelt sich um 50 Baracken für je 200 Mann, um Küchen- und Wittschaftsbauten. Sobald sür die Beköstigung der Gefangenen die nöttgcn Vorkehrungen getroffen sind, was rn einigen Tagen der Fall sein wird, treffen Franzosen hier ein. Das Lichtspielhaus bringt bis zum 2, Oktober das farbige Filmschauspiel: „Der Freund der Königin", dessen bewegte Handlung Gehnienheit zu Glanzleistungen der Regie bietet. So mutet das farbenoräckülge persische Fest wie ei» Märchen ans 1001 Nacht an. Selbst die Darstellung eines so realistischen Vorganges wie eines SchloßbrandeS ist vorzüglich gelungen, — Wir verweisen auf'dic Anzeige, _ ** Der Gabelsberger Stenographenverein eröffnet morgen am 2. Oktober einen Anfängerkursus. Näheres siehe im Anzeigenteil, /--\ IM FELDE erwarten unsere Angehörigen aus der Heimat Nachrichten über die Vorgänge daseihst und über die Ereignisse und Fortschritte auf den Kriegsschauplätzen. Durch die regelmäßige Uebersendung des Gießener Anzeigers kann mancher lebhafte Wunsch erfüllt werden. Die Nachsendung des Gießener Anzeigers ins Feld erfolgt am zweckmäßigsten durch die Post. Man bestelle ihn deshalb bei den zuständigen Postämtern vom I. Oktober an unter genauer Angabe des Namens, des Armeekorps, der Division, desRegiments undder Kompagnie. Außer dem üblichen Bezugspreis erhebt die Post nur eine monatliche Umschlaggebühr von 40 Pfennig. Bestellungen nimmt außerdem entgegen die Geschäftsstelle des Gießener Anzeigers. V__ ) Kreis Alsfeld. f l Ruppertenrod, 30. Sept, Die Samralmtg von «sga ben in unserer Gemeinde ergab: 700 Eter, zwei Schinken, 40 Psd, Speck, 30 Psd, Dansmacherwurft, 6 Gläser Bienenhonig, Seife und Schokolade, 45 Paar wollene Strümpfe — dazu stricken olle unsere Frauen und Mädchen noch Strümpfe, Stauchen, Ohrenschützer — 13 Pulswärmer, 1 Paar Handschuhe, 1 Palladni und 1 Brnsüoärmrr, 13 Paar Unterhosen!, 2 Bett- kolter, 10 Dtzd, Handtücher, 12 Unterjacken, 9 Taschentücher. 30 wollene Bettücher, 57 leinene Bettücher, 90 Hemden und 3 Bett- gedeckc, A 2K ü d e, 30. Sept, Der Bienenzweigverein Mücke nnd Um* gegenü beschloß in feiner jüngsten Versammlung, für das Rote Kreuz und die geschädigten Ostpreußen je 20 Mk, zu spenden. Außerdeill übernimmt der Verein für jedes im Felde stehende Mitglied die Kriegsversicherung — Der Abschluß von der Wan- derversammlnng und Ausstellung des Oberhess, Bienenzachter- vereins, die hier stattgenmden, hat ein günstiges Ergebnis geliefert: es ist dies umsomehr zu begrüßen, als die Witterung nichts weniger als günstig dabei war, Kreis Friedbcrg. r, Bad-Nauheim, 29, Sept, In der heute abgehaltenen Stadtverordnetenversammlung wurde solgendes be- schloffen: Die Wirtschaftsrechnung über die im vorigen Herbst und Winter ausgesührten Kanalarbeiten in Höhe von 326 407,06 Mk. wird genehmigt. Gegenüber dem Voranschlag wurden rund 25 000 Mark grsvart, — Die für diesen Herbst in Aussicht genommenen weiteren Arbeiten zur Ausdehnung unseres Kanalnetzes werden vor- läuffg um ein Jahr verschoben: nur ein kleiner Teil, sür den 25000 Wk. vorgesehen sind, soll gewissermaßen als Nottzands- arbeit in Angriff genommen werden. Zur Bedingung wurde löten* der Versammlung gemacht, daß, von geringen Ausnahmen abgesehen, nur einheimische Arbeiter beschäftigt werden. Ferner soll Arbeit geschaffen werden durch Herstellung des Eleonorenringes, Ausbau des Höhenweges usw, — Die Stadt übernimmt die Versicherung der hier gebildeten Jugendwehr gegen Unfall, Haftpflicht usw. Auch ist die Versammlung geneigt, der Jugcndwehr Mittel zur Beschaffung von Blusen, Kopfbedeckungen und Armbinden zu bewilligen. Eine entsprechende Vorlage soll in der nächsten Versammlung beraten werden, — Aus dringlichen Antrag des Stadtverordneten Warner bewilligt die Versammlung einstim- mig 1000 Mk, zur llntersttitzung der notleidenden Bewohner Ostpreußens, Letzte Nachrichten. Die Franzose» als ..Kulturvolk (WTB.) Wien, 30, Sept, (Nichtwntlich,) Der imga- rische Reichstagsabsteordnete Gwaf Michael Karolyi, der auf der Heimreise von Amerika bei seiner Ankunft in Frankreich aefcmgen genoinmen nnd vor einigen Tagen plötzlich sreigelassen ivurde, ist heute in Wien ritiaetroffen nnd hat einem .Mitarbeiter der ,/Neuen Freien Presse" seine Erlebnisse geschildert. Er war in Havre verhaftet, jedoch bald wieder auf freien Fuß gesetzt worden, damit Oesterreich- Ungarn noch kein Kriegszustand herrschte. Auf dem Wege nach Spanien ivurde er jedoch von neuem verhaftet und nach Bordeaux gebracht, Bordeaux war überschwemmt von falschen Siegesnachrichten: man fühlte jedoch, daß diese Meldungen nicht wahr sein konnten, Karolyi hätte sofort freigelassen werden können, w>enn er sein Ehrenwort gegeben hätte, nichts gegen das Interesse Frankreichs zu unternehmen. Dies konnte er jedoch, obivohl er nicht Soldat ist, nicht tun, insbesondere als Führer einer Partei, die auch in der äußeren Poliftk entschieden Stellung genommen hatte. Durch die Ablehnung des Ehrenwortes wollte Graf Karolyi auch dartun, daß das, was ihn und seine Partei in der Vergangenheit von der Regierung getrennt hatte, im Kriege bei Seite gestellt werden müsse, weil es nur ein Ziel gäbe, nämlich die Niederringung des Gegners und den Sieg, (WTB.) O f e n p e st, 30. Scpi, (Nichtamtlich) Einer der Reisegefährten des aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekeh-rten Grasen Michael Karolyi, Ingenieur Friedrich, berichtet, daß die Gc- sangenen in einem engen Raiwi zusammengepfercht worden seien. Eines Tages wurden auch verwundete Turkos dorthin gesteckt, Jeder Turko hatte an einer Schnur abgeschnittene Ohren und Nasen und beringte menschliche Finge r, die sic mit bestialischem Triumphgeheul jedermann vorwicsen. Eine Gruppe Gefangener, daninter auch der Kapitän eines deutschen skaussabrteischisseS, wurde einem summarischen Berbör unterzogen. 2lus 'die Frage des Dauptmanns, welcher das Verhör vor- nahm, ob der Kapitän nach seiner Freilassung nichts gegen Franl- reich unternehmen werde, erwiderte dieser: Ich kann nicht verschweigen, daß ich meine Pfticht erfüllen und gegen Frankreich kämpfen würde. Hieraus wurde der Kapitän in Hast behaltin Nach der llebersirdelung der französischen Regiening nach Bordeaux wurde die Beaufsichttgung dieser Gruppe von Giffangenen der Zivil- bchörde übertragen, die die Widerrcchtlichkeit der Festhaltung einsah und den Gefangenen die Heimreise gestattete, Zusammcnstüßc zwischen Albanern und Serben. (i) Sofia, I.Oft, Vom Dibragebiet werden seil einigen Tcwen blutige Zusammenstöße zwischen albanischen Aufständischen und serbischen Truppen gemeldet. Die Dumdum-Geschosse und die Beschwerden der Feinde, i, Köln, l, Okt, Die „Köln, Ztg," meldet aus Zürich: Aus der Kanzlei der Deutschen Te oavou sprachen, die T?a t Ijebro I e von Re l'm s sei nur mehr eine Ruine, Ihren Dienst, Stimmung zu machen gegen Deutschland in den Kreisen des .Auslandes haben die Veröffentlichungen freilich getan. Die „brüderlichen" Beziehungen zwischen der Türkei und Persien. (WTB.) Konstantinopel, 30, Okt, (Nichtamtlich ) Der ofsiziöse „Jkdam" beschästtgt sich in seinem Loitarttkel mit den brüderlichen Beziehungen zwischen der Türkei und Persien mrd gibt seiner Teilnahme an Persiens Leid in der Vergmrgeitheii und seiner Befriedigung Ausdruck über die besonders seit dem Regie- rungsanttitte des liberalen Kabinettes Mostowsr-el--Memalik bemerkbaren Fortschritte und Wandlungen, DasselbeErwachcn könne man in der ganzen islamitischen Welt, besonders in Afghanistan, konstatieren. Der Korrespondent des „Tasvir-i-Efkiar" in Sofia meldet: Nach (den in hiesigen persischen Kreisen vorliegenden Nachrichten haben die schiittschen Geistlichen und die Oberhäupter von Ker- belab und Ncdschef (Türkei), die als oberste religiöse Instanz für die Perser gelten, eine Kundgebung an die Natton und die persischen Stämme gerichtet, in welcher es heißt, daß der Aug^i- blick für die Befreiung Persiens vom russischen Joche gekoninkir sei. Der Führer des Stammes Kardar, Jalik Khan, soll mit den Schcchsevennen die russische Grenze überschrftten haben und in Transkaukasien bis Kisil Agatsch bei Lenkoran vorgcdrungen sein. Der amtliche englische Bericht über die Lage. i. Köln, 1, Okt, Bon der holländischen Grenze meldet die „Köln, Ztg": Der amtliche englische Bericht über die Lage in der vergangenen Nacht lautet: „Die Lage ist tatsächlich unverändert. Auf dem linken Flügel fanden schärfere Kämpfe stall, allein die Verbündeten haben sich in ihren Stellungen behauptet." Rein sachlich deckt sich diese Mitteilung mit der gestrigen Bekanntmachung des deutschen Hauptguariiers, wonach auf dem rechten Flügel bisher unentschiedene Kämpfe statt- sanden. Man beachte aber, daß die englische Meldung^den vielsagenden Zusatz enthält, daß die Berbündeteu ihre Stellungen behauptet haben. Zwischen den Zeilen erkennt man, daß die Verbündeten also mft dem Rückzüge rechnen, während die Deutschen ans dem Dormarscl)e srnd. Vierzehnjährige als Gefangene. München, 30. Sept. Eine Anzahl französischer Ge- ngeneutransporte erregte in Nürnberg auf dem .vauptz- hnhos großes Aufsehen. Es waren einige hundert Marrn^ sangener französischer Soldaten im Jltex ocm 14 bis , Jahren die auf Aufforderung ihrer Schulbehörden sich m aktiven Heer hatten anwerben lassen. Auch in Würzburg liierten mehrere Züge von 14 bis 15 jährigen gejangeueu anzöftichen Soldaten dw .Statur». . . Nachruf. Am MJl September starb auf Frankreichs Ente den Heldentod fürs Vaterland unser lieber treuer Freund Herr Fabrikant Julius Menges Leutnant d. Res. im Inf.-Reg. Kaiser Wilhelm 1/116. Wir verlieren in ihm ein treues pflichterfüllendes Mitglied und werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Gießen, den 1. Oktober T914. Verein Frohsinn. L A.: Heinz Münch. 105» D Statt jeder besonderen Anzeige. Am 10. September — dem Tage nach seinem 30. Geburtstage — starb in Feindesland den Heldentod fürs Vaterland mein inniggeliebter Mann, der trensorgende Vater seines Kindes, unser lieber Sohn, Schwiegersohn, Bruder und Schwager 10239D Dr. phil. Ludwig Weise Oberlehrer an der Viktoriaschnle zu Frankfurt a. M. und Leutnant der Reserve im Inf.-Regt. 117. Er war unser Stolz und unsere Freude. In tiefer Trauer: Martha Weise, geh. Karg, und Söhnchen z. Zeit Bad-Nauheim, Karlstrasse 23 Revisionskontrolleur Weise und Familie, Giessen Oberrealschuldirektor Karg u. Familie, Offenbach a.M. Für die Beweise Herzlicher Teilnahme bei dem uns so schwer betroffenen Verluste unseres innigstgcliebten, unvergeßlichen Sohnes, Bruders, Schwagers und Neffen UilterHzier Karl Heil sagen wir tiefgefühlsten Dank. W262 Die ttMtrnl>fn Hinterbliebenen. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden unseres lieben Söhnchens, insbesondere für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrer Bernbeck sagt auf diesem Wege herzlichsten Dank. im Namen der trauernden Hinterbliebenen Familie Karl Erb. Wieseck, 30. September 1914. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Heimganae meiner lieben Frau, unserer auteunnveraetzlichenMutter.Schwestcr.Schwägc- rin und Tante Fran Luise Schäfer geb. Pausch und für die überaus srnhen Kranzspenden innen wir ans diesem Wege unseren innigsten Dank. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Carl Schäfer HI. nebst Kinder. Wtesrck, den 30. September 1914. 10244 Trauersachen werden in kürzester Zeit tadellos schwarz gefärbt. J. C. Wallenfels Tärberei, ehern. Wasch-, Dekatur- und Bettfedem- Reinigung- Anstalt, Fabrik u. Laden Kirchen platz 21—23, Telephon 644. Aufträge nach ausserhalb werden prompt erledigt [9961 r Weinrieh Jfreüert Telephon 323 Plockstr. 7 ‘Feine Werren- und Qamenschneiderei Stets Eingang von Neuheiten V C, A. Hartmann vormals Otto Rathschlag Fernruf 2084 Seltersweg 81V» Aiissteuerhaus Wäsche-, Betten-und Steppdecken-Fäbrik Neuwäscherei IS Licht- uad Kraft-Anlage in Marbwg und Muster zu Diensten 34a Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme an dem schweren Verluste unseres einzigen und braven Sohnes, Bruders und Schwagers sagen wir auf diesem Wege herzlichsten Dank. Zamilie 5chön Familie Müller. Staufenberg und Mainzlar, (»945 den 29. September 1914. Eusanose-Tabletten ein bewahrtes Nähr- and Kräftigungsmittel besonders auch al> Vorbengnngsmlttel gegen Lagen- und Darm- krankhelten für unsere Soldaten im Felde. 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