Dr. LZL * Zwetter Nlatt M. Zahrgang S4^eml lä-IKH tmf Ansnohme &e? Sonntag?. Dir „Eietzen» ZaniUIendkSttn" werden dem ,B«ze, itx“ viermal wöchentlich b »gelegt, da? r „ilkrirdlatt ffir »en Krtis riesten" zweimal v »öchemlich. Die „e«n»»irtschastllch«n zeitigen" erscheinen monatlich zweimal. ener Anzeiger General-Anzeiger für Gberhessen Mittwoch, 23. September Rotationsdruck und Verlag der Brüht'jchen Universität? - Buch- und Steindrutierei. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- strahe 7. Expedition und Verlag: 81. Redaktion:s^A112. Tel.-Adr.: AnzeigerGießen. Der unblutige Sieg. Vonmnsertn Berliner Mitarbeiter. Die Berliner Zeitttngshönd-ler machten am Montag durch einen unlauteren Kniff ein glänzendes Geschäft. Die boten nrit ihrem Üblichen wilden Geschrei eine zusammen« grfaltetc Zeitung aus, auf der mit Riesenbettern zu lesen nwir: „Glänzender Erfolg." Ws die hoffnungsvollen i Käufer das Blatt dann aufklappten, lasen sie: „Glänzen- (der Erfolg der Kriegsanleihe". Wenn es sich >dabei nicht um einen Kniff gehandelt hätte, könnte man meinen, daß es der Ausfluß höchster politischer Weisheit wäre, denn die gewaltig« UeberZeichnunig der Kriegsanleihe jhat in her Tat die Dederünmg eines glänzenden Sieges, eines -zwar unblutigen, aber kaum minder wertvollen moralischen >Sieges, der nicht nur einen Gradmesser der wirtschaftlichen (Stärke Deutschlands, der Opsersreudiqkcit nnd zugleicki des Vertrauens unseres Volkes auf den Sieg unserer guten Sache Larstellt, sondern der auch zugleich seinen großen Eindruck mif das Ausland nicht verfehlen kcntn. Ms der Reichstag «w 4. August den von der Regierung geforderten Kredit van 5 Milliarde» Märk einstimmig be- wilbigte, ging der Plan dahin, diesen Kredit erst nach und rmch, nur müh Bedarf flüssig zrc machen. Fürs erste hatte ,n«ni darauf gerechnet, etwa «ine Milliarde Schatzanweisun- «en und die gleiche Summe an Reichsanleihen zu begeben. 'Ulan ist oder weit mehr als das Doppelte dieses Betrages ^gezeichnet worden, und das trotz der ans praktischen und technischen Gründen äußerst kirrz bemessenen Zeichmungsfrist, !und obwohl die Richtbegrenzung des An leihebe träges, also die von vornherein feststehende Beräcksichtigmrg aller Zeich- .larngen, das sogenannte Konzertzeichnen -ausschloß. Wenn «tu Berliner Scherzwort durch die Verleihung des Titels Genevalgekdmarschalil an den Präsidenten der Reichsbank, Herrn v Hav-e«stein, dessen Verdienste an der Organisation dieser Anleihe hervorhebt, so sind das alles doch nur 3deben- tmrstände Das Verdienst daran aber, daß Deutschlands finanzieller Aufmarsch sich in ebenso glänzender Weise vollzog wie der strategische Aufmarsch unserer Heere, gebührt dem ganzen deutschen Volke, das nach Kräften, die einen mit NMillionen, die anderen mit ihrem Scherflein zu jenem Aufmarsch bcigetragen haben, bei dem zum Schlüsse nickst allein die weit mehr als 4 Milliarden gezeichnete Kriegsanleihe, sondern jede Liebesgabe, jeder Strumpf, den die ärmste Krau, und jeder Pulswärmer, den kleine Kinder stricken, vollwichtig mitzcihchen. Welcher Wandel seit 44 Jahren, welcher Unterschied nicht nur Wischen der Lelstungsfähigkeit, sondern auch zwischen der Opsersrendigkcit Deutschlands und Frankreichs! Als diesem durch den Frankfurter Frieden die Zahlung einer Kriegskontribntion von 5 Milliarden Franks ctuferlegt -wurde, zu denen noch 301400000 Franks Zinsen für die Stundung und 2M Millionen örtliche Kriegsschatzungen kmaen, chchrend davon 260 DLllionen Mark für die abgetretenen elsaß-lothrirrgischen Eisenbahnen abgrngen, so daß also rund 4200 Millionen Mark blieben, brauchte Frankreich zwei Jahre, um diesen Betrag aufzubringcn, obwohl e«, da französisches Gebiet bis zur endgültigen Zahlung besetzt blieb, die größten finanziellen Anstreirgungen machte. iJetzt hat Deutschland- auf einen Schlag einen noch! größeren Betrag aufgebracht, und das zu einer Zeit, wo der deutsche jÄercerzah-ler noch an dem rund eine Milliarde betragenden Wehrbeilrag zu zahlen hat. Ws die deutschen Waffen im Westen wie im Osten Sieg auf Sieg errangen, trösreten sich unsere Gegner damit, daß- Deutschland wirtschaftlich und ! « — _ * finanziell unterliegen müsse. Durch diese Rechnung hat der jetzt errungene undtntige Sieg einen dicken Strich gemacht. Wie anders in Frankreich und England, von dem bankerotten Rußland ganz zu schweigen. Tie Einzahlungen auf die letzte 3'/» Prozentige französische R ü st u n g s a n l e i h e mußten eingestellt werden, nnd die Regierung hat sich genötigt gesehen, diese in eine öprozentige Kriegsanteihe uinzuh wandeln, wobei bisher nur ein kleiner Teil der in Deutschland erzielten Beträge gezeichnet toorden ist. Dasselbe Frankreich, welches sich bisher rühmte, der größte Gläubigerstaat der Well zu sein, hat vergeblich versucht, bei dein amerikanischen Bankhaus«: Morgan u. Co. einen Pump von 100 Millionen Dollar (etwa 400 Millionen Mark) anfzunehrneir, und es hat endlich mit Mühe und Not von dem stolzen Albion, für das es sich verblutet, 2 Millionen Pfund Sterling (etwas über 40 Millionen Mark) erhalten, während das reiche England selbst bcrests für 80 Mill. Pfund Kriegscucleihen in Gestalt von Schatzwechseln und ^chapanweisungen aufnehmen mußte, die nur durch den stärksten Druck mif die Banken untergebrackst werden konnten. Da? perfide Albion, welches Deutschland wirtschaftlich vernichten tvollte, leidet heute, wie schon das stürmische Verlangen nach einem Bto- ratorium zeigt, stärker unter diesem Weltkriege als Deutschland. Frairkrcich nähert sich wie schon die kaum noch über- wiichlickstu Schwierigkeiten bei der Zählung der Zinsscheine der Pariser Stadtanleihe und der Pfaitdibriese des Crödit Foncier zeigen, dem sincmFiellen Zusammenbruch, und das Zarenreich steht vor dem Bankerott, in den es seinen größten Gläubiger Frankreich mit hincinznziehen droht. Wer aber wollte bezweifeln, daß Deutschland nvch geirug weitere Milliarden für die ütriegsiihrung auszubringen wie neue Millionen Krieger ins Feld gn stellen vermag, bis zum bitteren, für unsere Gegner bitteren Ende! Noch ein englischer Weißbuch. Die englische Regierung erörtert noch einmal die Vorgeschichte des jetzigen Krieges und benutzt dazu den Bericht, den der ehemalige englische Botschafter in Wien, SirMaurieedeBunsenan Herrn Gre h hat gelangen lassen. Nachstehend geben wir den wichtigsten Teil dieses Berichtes wieder: Ter Ueberreichung der österreichisch-ungarffchen Note an Serbien am 23. Juli in Belgrad war eine Zeit der Völligei« Ruhe aut Pem Ballplatz vorangegangen. Außer Herrn von Tschirschktz, der öon dem Inhalt, wenn nicht von dem Wortlaute der Note selbst Kenntnis gehabt haben muß, war es keinem meiner Kollegen vergönnt, den Schleier zu durchschauen... Sv wenig hatte der russische Botschafter Kenntnis von dem, was im Gange war, daß er Wien zu vierzehntägigcm Urlaub tatsächlich verließ Er war erst einige Tage abwesend, als die Ereignisse ihn znr Rückkehr nötigten. Man hätte an nehmen können, daß der Herzog von Avarno, der Botschafter' des verbündeten italie Nischen Königreiches, 'das dürft Neue Vcrwicklnngcn aus dem Balkan so nahe mitberroffen werden würde, mit in das volle Vertrauen des Grasen Berchtold während dieser kritischen Zest gezogen worden sei. In Wirklichkest war Seine Exzellenz vollständig im Dunkeln gehalten worden... Am 24. Julc wurde die Note in den Zeitungen verüffent- licht. Mit allgemeinem Einverständnis wurde sie alsbald ccks ein Ultimatum verzeichnet: Daß Serbien sie im ganzen annehmen würde, wurde weder erwartet, noch war es erwünscht, und als am Nachmittag daraus in Wien zunächst das Gerücht umlies, daß sie bedingungslos angenommen worden sei, herrschte einen Augenblick eine lebhafte Enstäuschung. Der Fehler wurde bald richtiggestellt: als es später am Nachmittag bekannt war, daß die serbische Antwort znrückgewiesen worden fest und daß Baron Giesl die Beziehungen in Belgrad abgebrochen habe, brach in Wien eine leidenschaftliche Freude aus. Große Volksmengen bewegten sich aus den Straßen und sangen patriotische Lieder bis in die ersten Morgenstuicden. .. Das Verhalten der Bevölke- rung Wiens und, wie ich erfuhr, der meisten anderen größeren Städte der Monarchie stellte deutlich die Volkstümlichkeit des Gedankens an eine» Krieg mit Serbien dar. Und es kann kein Zweifel darüber obwalten, daß die Ueine Gruppe der österreichischen und ungarischen Staatsmänner, die diesen folge- schweren Sch-ritt beschlossen, die Stimmung, und man kann sogar sagen den Willen des Volkes richtig erfaßt lgftten, außer vermutlich den Teilen der von den stawischrn Rassen bewohnten Provinzen... Das gesamte Volk und die Presse heischten mü Ungeduld die .sofortige und angemessene Strafe der verhaßten serbischen Rasse. Am 26. Juli besuchte ich den Grafen Berchtold und legt: ihm so nachdrücklich, wie ich es vermochte, dar, daß die in.Ihre Unterhausrede vom Tage vorher erwähnte Vermittlirngssormä als eine ehrenhafte und friedliche Lösung der schwebenden Frag» angenommen werden sollte. Seine Exzellenz selbst verlas mir einen telegraphischen Bericht über die Rede, fügte indes hinzu, daß die Dinge schon so weil gediehen seien: Oesterreich-Ungarn habe am Tage selbst Serbien den Krieg erllärt, und es könne sich nicht darein finden, daß die von Ihnen angeregte Konferenz unter Mitwirkung der wenigen beteiligten Mächte aus der Grundlage der serbischen Antwort stattfinbc. Sein« Exzellenz sagte mir, daß auch er die europäische Sette der Frage im Auge behalte. Er glaub« indes, daß Rußland kein Recht zum Eingreifen habe, nachdem es die Bev- stcherung erhallen, daß Oesterreich keine Gebietsvergrößerung erstrebe. Seine Exzellenz beobachtete während dies» Unterredung eine änß»st freundliche Haltung, ließ jedoch bei mir keinen Zweifel üb» di« Entscheidung d» österrcichffch-nngaristhcm Regierung, zu einem Einfall in Serbien überzugehen. Die deutsche Regierung behauptet. daß sie bis zum Ende bei dem Bcmülzen verblieben sei, in Wien Ihre mehrfachen Vorschläge zum Besten des Friedens unterstützt zu haben. Herr v. Tschirschky unt»licß es, meine od» die Mitwirkung des russischen und des französischen Botschast»s für die Ausführung sein» dcesbezüglichen Weisungen anzurusen. Und ich hatte keine Gelegenhest, zu erfahren, welche Antwort er von d» österreichischen Regi»ung erhallen würde. Indes wurde ich durch H»rn S ch e b e k o, den russischen Botschaft», üb» seine eigenen Unterhandlungen mit dem Grafen Berchtold ausgiebig unterrichtet. Herr Schebeko bemühte sich am 28. Juli, die österreichisch-ungarische Regierung zu überzeugen, sie möge den Grafen Sza- pary iden österreichisch-ungarischen Botschaft« in Rußland) mll allen Vollmachten versehen, damll » in Petersburg die vielver- sprcchenden Unterhandlungen fortsctzen könne, die zwischen ihm und Herrn Ssasonow, dem russisckwn Minist» des Auswärtigen, stattgefunden hatten. Gros Berchtold lehnte an dem Tage ab, allein zwei Tage darauf (30. Juli) empftng », wiewohl mittler- weile Rußland gegen Oesterreich-Ungarn teilweise mobilgemachl hatte, nochmals in durchaus fteundlich» Weise Herrn Schebeko und gab seine Zustimmung zu den Unterredungen in Petersburg. Bon da ab war die Spannung zwischen Rußland und Deutschland größer als die zwischen Rußland und Oesterreich-Unerarn. Zwischen den beiden letzteren war eine Einigung fast in Sicht, und am 1. August würde ich durch Herrn Schebeko unterrichtet, daß Graf Szapirry am Ende in dem Hauptpunkt nachgegchen, indem » H»rn Ssa- sorww mttgeteilt hätte, daß Oesterreich-Ungarn znstttnme. diejenigen Punkte der Note an Serbien, die mit d» Erhaltung der serbischen Unabhmrgigkeft unvereinbar schienen, ein» Beo- inittlnng zu unterbreiten. Oesterreich-Ungarn hatte in Wirklichkett schließlich nachgegrben, und daß es bei dies» Wendung Grund znr Hoffnung auf einen friedlichen Ausgang hatte, «gibt sich ang d» Ihnen am 1. August durch den Grafen Mensdorff (öst»- reichisch-nngarisch» Botschaft» in London) gemachten Mitteilung des Inhalts, daß Oesterreich-Ungarn wed» die „Tür zugeschlagen", so daß jeder B»gleich verettell würde, noch die Unt»- hmchlnngen abgebrochen hatte. Leider wurden diese llnterretmugen von Pet»sburg Und Wien dadurch abgeschntttcn, daß das Feld des Zwistes ans das gefährlichere Gebiet eines nnmittelbaren Zusammenstoßes zwischem Deutschland und Rußland v erschoben wurde. Deutschland griff am 31. Juli durch sein doppeltes Ultimatum in Petersburg und Paris ent. Russische Erinnerungen. Skizze von Hermann Steingoetter. Las ich da neulich in einem Fcldvostbrief über die Schlacht bei den masurischen Seen, daß ein Teil d» russischen Granaten statt mtt Sprengstoss mit Sägemehl gefüllt gewesen sei. Da mußte ich der Beobachtungen gedenken, die ich einst auf einer sechsmonatigen Reffe von der Osffee zum Schwarzen Meer gemacht hatte und da im feindlichen Nachbarreiche sich nicht allzuviel geändert zu haben scheint, so dürften diese Reise-Erinnerungen an Rußland auch heute noch aktuelles Interesse besitzen. Bei ein« der letzten Kimstreisen, die der jüngstv»storbenc Herzog von Meiningen nnt»nahm, gelangte ich im Kreffe ein» größeren Kollegcnschar zum »sten Male in „Väterchens" Reich, crchon auf d» russischen Grenzstation Wirbatlen machte sich fühtbar. daß wir das ülbendland hinter uns hatten und in den Vorhof des Orients eingetrcten waren. Um weiter zu kommen halfen da nicht mehr die gewohnten Pkiltet wie Vernunit und Logik, sondern eine Zauberformel war vonnöten, ähnlickt dem „Sesam", das dem Märchenhelden die Tore öffnet. Dieses Zauberwort hieß hier natschai. Natschai bedeutet eigentlich Teegeld, doch dürften die Fälle zu zählen sein, in denen es seinem- Wortsinn enffvrechend gebraucht wird. Von den Beamten Wenigstens, die die Zollrevision ^ handhabten, hatte ich den Eindruck, daß sie das in Grenzstationen ! besond»s reichlich fließende „Teegeld" lieber in Wodka anlegten. Es war die Zeit, da nnt» dem russischen Beamtentum die von oben genährte Feindscligkett gegen alles Deutsche anfing sich 'breit zu machen, und sc» hatten wir das V»gnügen, bei der Gepäck- >revision imm» mied» andere, so namentlich die damals schon beliebteren Franzosen, uns vorgezogen zu sehen. Auf einmal änderte -sich das, nnd nur Mettttug« wurden der Reihe nach recht kulant abges«ttgt. Man munkelte sofort, daß unser Reiscmarschall den „rollenden Rubel" benutzt hätte, und nach spät»eu Erfahrungen bin ich fest von der Wahrheit des G»üchtes überzeugt. Ein „Teegeld" »»schaffte auch uns»» Gesellschaft in dem stark besetzten Zuge einen besonderen Wagen, und dieses Mittel erwies sich auch -wirksam, als einige Kollegen, denen die Strecke nicht neu war, -zu einem Dvncrskat Belenchtnng benötigten: trotz dem V»bote wurden prompt Talglicht» zur Verfügung gestellt. Wen es lockte, Beobachttltrgen durch das Kugelsenster tzu machen, d» mußte ball» bemerken, daß mtt d» Grenze auch das hinter uns big, was >orr europäische Kultur zu nennen belieben. Die spärlichen Behcrujuikgen, in diesen Gegenden mehr od» weniger malerffche Konglomerate von Lehm, Holz und Stroh, machten eh» den Eindruck von Ställen als von maffchlichcn Behausungen. lDie Mnschiks, die an kleineren Haltestellen sichtbar wurden, mahn- :ten rn ihren schmutzigen Schafspelzen an Gestalten, wie sie uns Gorki spät» m seinem Nachtasyl gezeigl hat, und die Wege waren durchweg in trostlosem AuHrmde. Der GeSanke, sie mtt d» Post- kuZche befahren zu müssen, ließ nnS das Zeitalt» des Dampfes segnen, imd weenn uns» Zug auch »»schieden« Male aut ossen» Strecke hielt, well eine Achse sich heiß gelaufen hatte, so nahmen I wir das als lttAuriunilichkea .in Jiajii; doch konnte ich einmal die Bem»knng nicht unterdrücken, daß in diesem Lande, schettrts, alles „geschmiert" würde, außer den — Wagenachsen. Auch sonst gaben Zug und Personal Gelegenheit zu manch«lei neuen Beobachtungen. So wurde durch die üb»hitzten Oesen in den durch Dvppel-Fenst» und Düren hermettsch abgedichteten Wagen eine snrchterliche Temp»atur »zeugt, die ab» den Eingeborenen zu behagen schien. Die gewohnte Kohlenfenerung unstrer Lokomottven war auf dies» Strecke durch Heizung mit Holz ersetzt, das in großen Klötzen ans dem Tend» ausgestapelt war, und das Zugpersonal zeigte uns, daß wir uns nicht nur in einem flawischen, sondern auch in einem orthodoxen Lande befanden Kein Heiligenbild an ein» Wegkreuzung od» Haltestelle kam in Sicht, ohne daß sich Schaffn» und Zügpersomff ans russische Art bekreuzigt hätten. Die Sicherhett der Fahrt wurde dadurch kaum gefährdet, denn die russischen „Kuri»zügc" sind in Wahrheit „Eff- und Wcil- zügcksi die so lange von d» Grenze bis Pet»sbnrg brauchen, daß ein Mitglied nnsercs Skattrios den Rekordstand von minus 1100 Punkten »reicht hatte, als wir endlich im sogenannten Warschauer Bahnhof d» Residenz einliesen. Grattez le russe et vous trouverez le cosague lautet ein bekannt» Ausspruch des ersten Napoleon, mch nttgends hat dieses Wort mehr B»echtignng als hi» in Petersburg. Welch glänzenden Firnis zeigt diese ruffische Hauptstadt nnt dem deutschen Namen, d» ja vor kurzem ffawffiert worden sein soll. Wenn in der Pracht- sttaße des beüihmten Newskivrospeftes der Schltttenkvrso in un- untttbrockien», vttrfach» Reihe stundenlang vorbeizieht, so ist das ein Bild, das seinesgleichen sucht, nameittlich abends im elektrischen Flammenme»! Dazu der Glanz der Paläste und Kirchen, d» großen Geschäftslokale in den Hauptstraßen und d» wunderbaren Museen mit d» Eremffage an der Spitze. ?ll>» der äuß»liche Lack zeigt manchen Riß, nnd schon ein Gang in entlegenere Seitenstraßen und gar in die Borstädte bietet ein Bill» von unglaublichem Schmutz, von Elend und Armut. Bel d» Aufsuchung dessen, was man in Pet»sbnrg gesehen haben mußte, gewährte nützliche Winke mrd freundliche Unt»stütz- ung der Besitz» mettres Hotels in d» sadowaja. Obgleich dieser Herr Deutsch» war, wurden wtt doch echt russisch bewillkommnet, denn zwei all»llebste junge Exemplare d» Famüic Petz, Mitbringsel von ein» Bäremacch in Finnland, machten bei mff»em Eintritt die Honneurs und »götzten, überall zngelassen, durch ihre Dackrldrolligkett. Auch sonst sah man Gell«, das in der Großstadt ftemdarttg anmntete, ich »wähne Renntterherden, d«en lappländische Eigentum» zeitwellig in Fellzelten aus i>» Newa lagerten. Das Leben ans dem zngesrorenen Strom od» beff» Me»esarm war überhaupt das, was uns vor allem und immer Wied» feffelte. Da die Newa regelmäßig bestimnttr Monate im Jahre ttagfähiges Eis bietet, so entwickelt sich ein wohlgeregelt» Verkehr ans ihr, d» sich in allwint»lich h»gestelltrn Bahnen für Wagen, Schlitten, Fnßgäng», Schlittschnhlänf» und Schiebeschlttten bewegte und nachts durch lange Reihen von imvrooisi»ten Petrolenmlaternen »leuchtet wurde. Hi» konnte man auch stets Ksrntschbabnen, ettie beliebte Volksbelustigung im Betriebe sehen. Wir hatten es glücklich getroffen, daß wir gerade zur „Saffvn" nach Petersburg kamen, denn d» nockütche W«» ivftr «L der Ws, trotz allen BädeLr - Sehenswürdigkeiteu, die interessantesten Mld» sehen ließ. Ich denke dabei d» künstlichen Ersbautrn, von denen mir als besonders gelungen üb»lebensgrvße Statuen und ein ungefähr 25 Met» hoher Eiffelturm aus Kristalleis in d» Erinnemurg geblieben sind. Ich denke an eine svanneude Partie mtt einem Eis-Segelschlitten Kronstadt zu, dich mich ettren damals in Deutschland noch Wbekannten Sport kennen lernen ließ Ich denke auch cm manch eine prächtige Mondsthettttahrt in d» Troika, dem .charakteristischcn ruffrfchen Dringespanu, über die Inseln int Newadelta, wo die „Datschen", die SvMnmrhänf» d» Wohlhabcw- den, liegen. Da lonrden wohl auch venommstrte Vergnügung^» lokale mffgesncht, in denen Zigeunerkapellen allabendli ch nt n(v zierten und Zigeunerinnen tanzten. Hier, wo der Sekt in Strömen floß, war das Rendezvous d» !oelttiÄ»tijchen Lebewell und namentlich d» russischen Offizi»e. Diese interessierten natürlich wie alles, was mtt deni russischen Militär ziisanrmetchttrg, den Tentßtzen ganz besonders, die ffawische Gefahr ist ja nicht erst in den letzten Jahren e!ttdeckt worden, und gaben zu marnherlei krttischen Bemerkungen Anlaß. M inag eine AeußeickichSett sein, daß d» rmssffche Ofsizier bei Tauwctt» einen Regenschirm trug und (5>antnrifdjultt mit Einschnitten für die Sporen benutzte, ein eigentümliches Symptom dünkte es uns doch. Unt» dem GesichLsputckte „ländlich, sittlich" mag auch d» übermäßigc AlkoholgMnß betrachtet w»den, cem wir höhere Chargen ost in Gejellschast von Gemeinen überall fröhnen sahen, aber den Eindruck künftig» Welü>ezwing» machten die Militärs nicht, die wir häufig „vom Gellte bescffeitt' Arm in Arm üb» den Newski-Prospekk sckwankrn sahen. Und dab» standen in Petersburg Eliteregttnent»! Bon welchem Gellt die Regiment« draußen besessen sein mochten, lehrte mich eine Hotelbekawltschast. Es hatte sich da ein Stabsoffizi» einguartiert, der von d» Provinz angeblich nach Wladiwostok versetzt worden war nnd sich während eines mehrwöchigen Urlaubes noch vorher in d» Haupfftadt vergnügen wollte. Er ttank nur Söll, natürlich echten sranzösistheu, nickt den einheimischeu ans der Krim, und «ntwickclke dabei im Gesvräche Ansichten, die aut einen bedenksichen morali schen Tiefftand Schlüffe gestatteten. Eines Tages war d» edle Herr unter Hinterlaffung ein» recht bedeutenden Zechjchuld verschwiwdcn. Man mochte ihn in Mladävostok suchen! Ab» „der viinnirl St hoch nnd der Zac ist weit" heißts im rnffischen Sprühwort! — Bon Petersburg ging es nach Moskau, von Eurrcha «ach — Asien. Ans Schritt und Tritt weinte man fprr den Walt der „ag t russischen Leute" zu spüren imd nnro eßwi im ntadwüo mooaiD» fiert anmutete, verschwand unter dem Gwamterndri w an» h alb- asiatischen Metropole Bon den cirmrerbin lo 000 die bewohnen dürften, merkte mau kaum etwas wrß» m den Apotheken, wo imm» LandsK-ite augestellt find, und in ein» kleinen Wirtschaft, „?llp>'nrose" benannt. &o musste denn hier der Sprachsühr» hervorg-cincht werden, ,vahrend wir in allen andere» Orten, Petersburg, Riga, Knav Odessa mit unserem geliebten Dentstt» ausgekommeu waren, jedenfalls Hess» als mit dem an- gepttesenen Frauzösffcb, dar nur in den ersten Gesellschaftskreisen gevilcat wird Jui übrigen soll mft dies» Skizze keinem RAschcmd» buck» Konkurrenz gemacht werden, und wemc auch Rußland tratz atzen V»kehnsp»beMrn»S». tMMr mzä) jfgen hejcM llnrd, So ist ■ Bccde Male war b öS Ultimatum btmrt, daß es bcrrair mir eine nmjlicfH' Antwort gab: Deutschland erklärte an Rußland den Krieg a>u 2., an Frankreich am 3. August. Einige Tage Aui- sckuib tzätlen aller Wahr! che ml iiljtri t nach Eicropa eine der größte» Heinyuchungcn der Geschichte erspart. Rußland sah immer uocki von einem Zbugrcff gegen Oesterreich-Ungarn ab, und Herr Lckzebeko mar angewiesen worden, aus seinem Posten zu bleiben, bis der Krieg gegen Rußland wirklich durch die osterreichiscli-ungarische Regienmg erklärt sei. Das geschah erst am 6. August. freie Dumauw >der französische Botschafter) blieb bis zum 12. August. Am Tage vorher war er angewiesen worden, seine Pässe zu verlangen mit der Begründung, das; österreichisch- u n ga rische Truppen gegen Frankreich verwandr würden. Dieser Punkt war nicl>t völlig ausgeklärt, als ich Wien verließ Am 9. August hatte freie Dumaine vom Grasen Bercbtold die bestimmte Erklärung erhalten, dass keine öfter- reuläsch-ungorisrisen Truppen nach dem Eliaß geschoben würden Am folgenden Tage wurde die Erklärung durch eine lweitere ergänzt, und zwar eine schriftliche, loelche die Versictierung des Grasen Berel,told enthielt, dah nicht nur keine österreichisck)- unganschen Truppen nach der französischen Grenze gebracht ivorden seien, sondern auch, da» keine aus Oesterreich-Ungarn in ivestlickzer Richtung nach Deutschland in der 2Bei)c rückten, das, sie deutsche Truppen üt der Front ersetzen könnten. Tie britische Kriegserklärung gegen Deutschland wurde in Wien durch Sonderausgaben der Blätter um die Mittagsstunde des 5. August bekannt. .. Am Donnerstag morgen (13. Aug.) hatte ich die Ehre. Ihr Telegramm vom 12. mitderMit- teilimg zu empfangen, das, Sie sich genötigt gesehen hätten, aus Ersuckien der französischen Regierung dem Grasen Mens- dorsi zu eröffnen: Nachdem Oesterreich-Ungarn den Krieg an Rußland erklärt habe, das schon an der .peile Frankreichs kämpse, und österreichisch-ungarische Truppen au die deutsche Grenze rmter Umständen gesandt I>abe, die eine direkte Be- drohrmg für Frankreich bildeten, und der Bruck, mit Frank- ^ reich auf diese Weise herbeigesührt worden sei, hätte ick, meine 'Pässe zu verlangen... Gras'Bercbtold empfing mich um Mittag. Ich erfüllte meine Botschaft, aus die >se. Exzellenz nicht unvorbereitet schien.,, Se, Exzellenz nahm ntetne Mitteilung mit der Höflichkeit entgegen, dre ihn niemals verläßt. Er bcdanerte die imicligen Verwickc- lungen. die solche guten Frennde wie England imd Lester- reichUngarn in den Krieg getrieben hätten. Zur Sache selbst äußerte er, Oesterreich-Ungarn betrachte sich nicht im Augenblick im Kriegszustand mit Frankreich, obwohl die diplomatischen Beziehungen zu diesem Lande abgebrochen seien. Wir vermieden beide zwecklose Erörterungen Ich nahm vom Graten Berchtold Abschied mit ausrichtigem Bedauern. Beim Abschieo bat ich Se. Exzellenz, dem Kaiser Franz Josef meine tiefe Ergebenheit auszudrücken, mit dem Ausdruck meiner froifnung, S«. Majestät möge diese bösen Zeiten ohne Schaden für seine Gesundheit und Kräfte übersiehe». Au» Stavt und Cand» ©ieüen, 23. September 1914. Tarmstädter Kriegs-Stratzenbilder. Aus der hessischen Residenz erhalten wir folgenden Brief: Am Spätnachmittag erst belebt sich jetzt b > Hauptstraße, Aus allen Stadtteilen strömt es ihr zu. Fast wunder: man jirf), dah. noch io viele Menschen da sind. Die neuesten Kriegsnachrichten zu hören, treibt sie alle auf dieser einen Straße zusammen. In dem frinundher der Straße kommt es irgendwo mal zu einer Stockung. Ihr Mittelpunkt ist ein Feldgrauer, den Arm in der Binde. Er erzählt einem Bekannten seinen Anteil am Kriege. Wer etwas aufschuappeu kann, hört zu. Der allgemeine Lärm der Straße ist wie früher Aber noch feinhöriger müssen die Menschen jetzt geworden sein. Durch die lange, lange Menschcn- kette aus dem Fußsteig geht es bald wie ein Raunen: „Das Regiment Hai schwere Verluste gehabt." Das kommende Leid schwebt über Allen. „Eine feindliche Batterie hat er mit seinem Zuge geiwnrmeu. Er ist zum Eisernen Kreuz vorgeschlagen!", so berichtet der Freund dem Freunde von 'raußenstehenden Kameraden, Zum Kserueu Kreuz! Wie ein Abglanz dieser Auszeichnung geht es hell über die Gesichter der zurückgebliebenen Freunde. An der nächsten Straßenecke tritt noch einer zu ihnen. Sie sehen es ihm an, daß der eine traurige Botschaft trägt. Aber keiner wagt die bange Frage. Gleichsam, als ob sie alle es fürchteten — der Freund? Ter Held? „Gefallen! An der Aisne — in der letzten Schlacht —" würgt es sich aus zugeschnürter Kehle. „Das Eiserne Kreuz — Schade!" Wieder haben sie alle nur diesen einen Gedanken. Des Vaters, dessen Stolz und Stütz« der einzige Sohn war, erinnert sich keiner. Die Abendblätter werden ausgcrnscn. Die Zeitungsverkäuser haben jetzt Hochkonjunktur. Aus dem Platze stehen lesende Menschen. Enttäuscht faltet eine Dame die Zeitung zusammen. Im Weiterschreiten wird sie von einer einfachen Frau augesprochen: „Steht die Verlustliste darin?" „Ach nein! Ich warte ja auch darauf." „Seit zehn Tagen keine Antwort," klagt di« Frau. „Mein Äänttgam schrieb mir bisher alle drei Tag« ... seit voriger Woche nun nicht mehr . . ." „Das Regiment soll Viele verloren haben," „Man darf das nicht alles glauben, was da erzählt wird." In der weichen Stimme aber ist wenig Ueberzeugung. „Hosfent- lich haben wir beide morgen gute Nachricht." Und schon fast mutlos: „Guten Abend." Frohe Marschklänge kommen von der oberen Stadt, wo die Kaserne ist. Immer näher. Und dann ziehen sie durch die Haupr- straße, die jungen und alten Krieger, die als Ersatz hinaus aufs Kampfseld sollen. Es ist alles so zwanglos an diesem Truppenkörper. Der Leutnant an der Spitze salutiert freundlich nach rechts und links. Und in den Marschkolonnen herrscht nur der feste Tritt. Sonst aber ist so gar nichts vom Kasernenhose! Neben dem uniformierten Bricher marschiert der Bruder in Zivil, als wäre er es, der in die Sckstacht soll. Fortwährend strecken sich den Soldatenreihen Hände anderer vom Fußsteige her entgegen. Neben dem Land- wehrmanu geht die Frau: sie will die letzte Minute des Beisammenseins nützen. „Wer weiß, ob wir uns fviedersehen," singen sie ganz vornen. Dazwischen Abschiedsrufe hinüber und herüber. Jubelnde Kehlen. Hurra und Hüteschwenken . . . Es ist alles so zwanglos. Nicht >vie in Friedenstagen, wenn das Militär anszog. Nur der feste Tritt! Und aus ihm dröhnt es, wie der starke Wille zum Siegen. Nun singen die Ausmarschierenden wieder das „Kriegslied" der Hessen. Der ansprechende Rhhthmus hat cs schnell beliebt gemacht. Selbst die Treikäsehochen singen cs schon, ob sie Schie- sertasel und Grisfelkasten unterm Arm oder den hölzernen Säbel in der Hand tragen. Es ist einlos der zahllosen, eigenartige:, Spinnstubenlieder ans dem Odenwald: „Heimal, o .Heimat, ich muß dich verlassen: Frankreich läßt uns keine, leine Ruh. Morgen marschieren !vir nach Frankreich zu. „Frankreich, o Frankreich, me wird dirs ergehen, wenn du die deutschen Infanteristen loirrft sehen! Deutsche Infanteristen tragen Schwarz-weiß-rot: wehe, wehe dir, Franzosenblnt! „Heut oder morgen marschieren wir weiter, weiter über Berge, weiter über Tal; Schatz lebe wohl auf ein andermal. „Bruder, ach Bruder, ich bin schon geschossen: geh und hole mir den Feld- ja Feldarzt her, ob mir vielleicht noch zu Helsen war. „Bruder, acki Bruder, ich kann dir nicht Helsen! Helfe dir der liebe, liebe Gott! freut oder morgen marschieren wir fort." Im Abendschatten der Häuserwand wischt sich ein junges Mädchen die Tränen ans den Augen. Nock aus der Ferne klingt es „Schatz, lebe wohl auf ein andermal!" * Die Deutsch-Amerikaner und der Krieg. Einem hiesigen Bürger ging von einem Schulkameraden aus Chicago ein Brief zu, der treffend die Stimmung unserer Landsleute jenseits des Meeres zum Ausdruck bringt. Der Brief lautet: O armes, armes Deutschland, solche Prüfung durchmachen zu müssen, — aber es mußte kommen, denn hat nicht eine jebc Nation immer auf die Deutschen gespuckt!!! Jetzt zeigt, brave Kerle, aus welchem Holz der deutsche Michel besteht. Wir alle sind hier sehr, sehr traurig ob dieser scheußlichen Gemeinheiten; und besonders der teufelischen Heuchelei der .Engländer. Heute abend wird in der Turnhalle der erste Schritt getan, um die Organisation der verschiedenen .Hilfsvereine ins Leben zu rufen und wenn Geld zum Kriegführen gehört, — so schicken wir Geld und wieder Geld, denn es ist das einzige, was wir von hie» auS tu» können. Auch wenn das Herz niedergeschlagen und die ganze Welt uns vernichten will, — noch schlägt es warm für unser deutsches Vaterland, und wir werden rührig sein. Euch braven Männern mit emsiger Tatkraft beistehlen, soweit wir dies vermögen. Tausende und Tausende warten hier auf Gelegenheiten, um nach Deutschland zu fahren, sich den Truppen anzuschließen; bis jetzt leider mit wenig Erfolg, da die deutschen Dampfer nicht mehr fahren. Me viele traurige Stunden habe ich nicht in den letzten tiinf Tagen dnrchgemacht und wie steigt trotz Alter», das Blut mir zu Kopf, dazu verurteilt zu sei», mit nichts anderem Helsen zu lünuen, als mit „meinem Dollar", und der koUrmt und soll reichlich fließen, darauf verlaßt Eu ch. Ein Jeder hängt den Kopf und fragt sich, mic wird dies enden? Nicht daß das hiesige Deutschtum vessimistisch wäre, —, Gott behüte — aber nur ein paar siegreiche Schlachten und bec Jubel wird losbrechen mit einem Enthusiasmus, daß die ganze Welt davor erzittert. Ich mußte meinem bedrängten Herzen; etwas Lust machen und Euch auch mitteileu, das; wir hier durchaus, nicht müßig sind und zusehen wollen, ohne unser Möglichstes zu ln», den deutschen Waffen zu einem Siege gegen alle die J tückischen Neider z» verhelfen, die uns einen Platz an der Sonne nicht gönnen wollen. Das lieb.e Deutschland, es lebe hoch!!! Tein alter Schulkamerad Hermann. ** Die V c r b r au ch s a b g. a b e in Gießen hat in 1913/14 int ganzen eine Reineinnahme von 88 ,'>70 Mk. ein- , gebracht (gegenüber 86 845 Mk. im Vorjahre). Die Bruttobeträge der Steuer belccufen sich bei Brennmaterial auf 51 146 Mk., bei Getränken auf 43 875 Mk. Die Rückvcrgü- tullgsvostcn, die davon in Abzn-g "kommen, stellen sich auf 1495 Mk. für Brennmaterial unb 1208 Mk. für Getränke, > meitcr kommen von der Roheinnahme in Fortfall 3580 Mt. ' als Gehalt für 2 Beamte und 113 Mk. für Drucksachen. Die Berivaltniigskostcu betragen sonach vom gesamten Erlös ca. rund 2,5 Prvz. Interessant sind die Angaben über den Verbrauch von Bier in der Stadt Gießen für die beiden letzte» Rechnungsjahre, die im Bericht über die Verbrauchssteuer angegeben sind «die Abgabe auf Bier nach.Hektoliter ist erst seit 1912/1.3 eingeführt). Es wurden demnach ge- trunken: Lagerbier 1912/13 47 422 Hektoliter, 1913/14 46 118 Hektoliter, also iveniger im letzten Jahre 1324 Hokto-, litcr, Obergärigcs — alkoholarmes — Bier 1912/13 492 Hektoliter, 1913/14 707 Hektoliter, also mehr 215 Hektoliter. Wenn man den ganzen Bieroerbrauch für 1913/14 zusammen nimmt, ergibt dies bei 32000 Einwohnern einen Bierkonsuiil von 113Vs Liter pro Kopf der Bevölkerung, gegen das Borjahr ein Weniger von 4> s Liter. - . »———- - ■ ■ . , Meteorologische Beobachtungen der Station Sichen. Sept. 1!:: |jo.§ r- l* 5 11= 95 Z do .|! if £ £ i ff! nn 22 2 !t | 154.1 13 2 7,7 68 WSW 3 8 22. 8»; 155,8 85 7,7 92 NW 2 3 21 ;*• -57,8 48 6,3 98 w 2 10 Nebel Höchste Temperatur am 21.—22. September 1911 = -(- 15,6" C Niedrigste . . 21.-22. „ 1311 — -r 5,9 = , Niederschlag: 0,2 mm. • Verantwortlich für den gesamten redaktionellen Teil: Aug. G o etz, In der Ingenieur-Akademie zu Wismar an der) Ostsee beginnen die Vorträge und Uebungen, und sroar in allen Abteilungen, für das Wintersemester am 26. Oktober 1914. Amtlicher Teil. Bekanntinachung. B e t r.: Einführung des Paßzwangs für Reisende nach Italien. Wir bringen zur Kenntnis der Interessenten, daß nach einer Mftteilung der Königlich Italienischen Botschaft zu Berlin zum Eintritt in Italien jetzt der Besitz eines von einer ItalienrscheU Konsularbehörde visierten Paffes ersorderlich ist. Gießen, den 19. September 1914. Großherzogliches Kreisamt Gießen. Dr. U f in g er. doch über Ätoskau und seinen einzigen Kreml, dieses Symbol des Tartarentums, genügend geschrieben worden. Es sotten hier nur ein paar Haupteindrücke vermerkl werden. Diese hängen zumeist mit der hervorstechendsten „Nalional- tugend" der Russen, der Truuksuchi, zusammen. Besondere Festlichkeiten boten auch besonderen Anlaß, ihr zu huldigen. Ostern ist wohl das höchste Fest der orthodoxen Kirche und berühmt ist das Treiben aus dem Kreml in der Osternacht, wann sich Tau- . sende und Abertausende, eine Kerze tragend, mit dem Erlösuugs- rus „Christ ist erstanden" umarmen und ^küssen, welch letztere Prozedur nicht recht nach dem Gc sch macke der Westeuropäer war. Noch weniger erfreute der Anblick der unzähligen Betrunkenen in den nächsten Tagen. Mehr als einmal mußte ich sehen, wie iswoschtschiks (Kutscher) in ihren typischen schmalen und niedrigen Einspännern 4 oder 5 fragwürdige Gestalten quer von Wagentritt zu Wagentritt übereinander geladen hallen und mit dieser Fracht durch die schmutzigen Straßen jagten, das; die Glieder der Fahrgäste im Kote streiften. Keine Bevölkerung sklasse gibt es, bei der ich nicht mehr oder weniger starken Alkoholmissbrauch beobachten konnte, und nur der Stofs variierte vom „Wodka" bis zum echte» französischen Eliamvagner. Auch der orthodoxe Pope, der übrigens aus einer recht niedrigen Bildungsstufe steht, macht keine Ausnahme. Unvergeßlich wird mir eine Szene vor der Kapelle der berühmten „iberischen Mutter Gottes" bleiben. Dies Heiligtum ist dadurch im Auslande öfter genannt worden, well es von den Zaren jeweils vor besonderen Ereignissen, wie z. B. der Krönung, ausgesucht wird und sicher auch jetzt vor dem unverantwortlichen Kriege den Selbstherrscher aller Reußen bei sich gesehen haben dürste. Die kleine Kapelle birgt ein Multer- gottesbild, das für besonders wundertätig gilt und daher häufig zu Schwerkranken in die Wohnung gebracht wird, in welchem Falle eine Kopie aus dem Altäre verbleibt. Ich war min Zeuge, wie die Menge sckw» weit vor der offenen Kapelle auf de» Knien rutschend und Baden wie Stujen des Altares küssend der Kopie des Wunderbildes inbrünstige Verehrung bezeugte, während direkt dabei das echte Madonnenbild aus einen sechsspännigen Wagen mit besonderem Rahmen verladen wurde, um mit dem Popen einen Krankenbesuch zu machen. Der betrunkene Pope schlug, um die Abfahrt zu beschleunigen, ans den betrunkenen Kutscher ein und die Gläubigen rutschten weiter ans den Knien! Nicht minder toll mutet eine andere Episode an. Eines Tages sah ich einen torkelnden Postboten einem Briefkasten sich na[)en. Die Abholung vollzieht sich wie bei uns, indem ans dem geöffneten Brieffasten die Briese in den nntergchaltenen Postiack geleert werden. Nachdem mein moskowitscher Stephansjünger den Kasten tastend ausgeschlossen hatte, ließ er dreiviertel der Ladung in den Tcknnuy des Fußsteigs fallen, klappte seelenrnhig zu und torkelte iveitcr, wobei er noch den grüßten Teil der Briese in den Kot der etwa 1 Meter ffefer liegenden Fahrbabv hinabstieß. Seit diesem Tage gab ich nur noch eingeschriebene Briefe ans, was ja viele Landeskundige grundsätzlich tun. Doch ist persönlick« Aufgabe aus der Post nur solchen zu empfehlen, die über viel Geduld und viel Zeit veriügen, denn der Herr Beamte hat auch viel, sehr viel Zeit. Nack) jeder Abfertigung entsteht eine größere Panse: da werden Postkarten gelesen, Bleistifte gespitzt, Nägel geputzt und Zähne gestochert: dann wird ein Brödchen verzehrt und dabei von Zeit zu Zeit aus den Wartenden ein freundlich ironischer Blick geworfen, der das Blut sieden macht. Ist gar ein Wertbrief zu siegeln, so bleibt mir stumme Bewunderung übrig für das Raffinement, mit dem dies einfache Geschäft in die Länge gezogen werden kann. Ich mußte bei keiner allzugroßen Korrespondenz viele Stunden in xgsfijchen Postämtern vertrödebl und daß ich mir dabei fein Gallen- oder Leberleiden zugezogen habe, danke ich sicherlich nur meiner guten Konstitution Doch mit einem sreundlichen Bild möchte ich von Moskau scheiden. Einen freien Nachmittag benützte ich zu einem Be- such aus den berühmten worobjewy gory, den Sperlingsbcrgen, von denen Napoleon den Einzug seiner Truppen in die Stadl be- ochbachtet haben soll. Durch endlose Vorstädte mit einstöckigen Holzhäusern, in grellsten Farbentönen prangend, ging es an dem stimmungsvollen Neskntschni-Park vorüber und schließlich aus schlechtem Feldwege einer einfachen Wirtschaft zu, die einen Hügel der Umgegend krönte. Daß ein Mililärpferd vor der Türe angebunden war, weckte keine sonderlichen Erwartungen: doch der einsame -Offizier, der auf der schmalen Holzveranda bescheidenen Tee trank, schien von anderem Schlage als die seiner Standesgenossen, bie ich bisher kennen gelernt hatte. Er schaute still aus das Häusermeer hinab, das zu unseren Füßen ins Unendliche hinzmvogen schien, unb auch mir blieb nur stumme Bemmderung vor diesem überwältigenden Bilde: so hatte ich mir den Orient, so Bagdad geträumt! Aller Jammer und Schmutz der Riesenstadt war vergessen, und als die Sonne niederging über den hundert und aberhundert Kuppeln in Grün und Gelb, in Rosa und Blau und mir noch die letzten in Silber und Gold schwach und schwächer auffun fefnben_in sterbendem Abglanz und bald nicht mehr von den ersten Sternen zu unterscheiden waren, die über sernsten Hügeln ihre Lichter aufsteckten, da erlebte ich ein Märchen ans 1001 Nacht! Ganz anderen Charaller trägt Kiew, die Stadt, die als Wiege des russischen Christentums betrachtet wird und noch heute durch das berühmte Höhenkloster der „Lawra" als bevorzugter Wallfahrtsort der ortlzodoxen Gläubigen gllt. Die Hölslengänge und Nischen mit den fragwürdigen Reliquien konnten indes weniger fesseln als das Leben und Treiben der unzähligen Pilger, Bettler und Krüppel. Da gab es direkt unwahrscheinliche Typen zu sehen und Bilder, wie ich sie am Fuß der Lawra dem Tniepruier entlang erschaut, wo öfter ganze Reihen von laaencden Pilger» sich die bekannten lleinen Tierchen gegenseitig abftichten — wer muß dabei nicht an den zoologischen Garten denken — muteten den Westeuropäer einfach unglaublich an. (Schluß folgt.) Theodor Zontane in der Kathedrale von Reims. Die Depesche des Großen Hauptguartiers, die die iwtwendrg gewordene Beschießung von Reims meldet, betont zugleich, daß die Kathedrale, soweit es die Umstände erlauben, dabei nach Möglichkeit geschont werden wird. Die Ehrfurcht unserer Heeresfühnmg vor einem Wunderwerk der Kunst kommt darin zum Ausdruck »ud zugleich tritt die überragende Bedeuttcng hervor, die dieser herrliche gottsche Dom unter allen Denkmälern der atffranzösischen Krönungsstadt besitzt. Reims verlöre seinen höchsten Zauber ohne diesen „riesenhaften Zeitentraum", in dem ffck> seine einstige Größe, der Glanz seiner geschichtffchen Erinnerungen spiegelt. Unter den Deutschen, die bewundernd vor diesem ehrwürdigen Ban gestanden, verdient besonders Fontanes feinsinnige und geistvoll wägende Stimme Beachtung. Der Dichter, der 1870 durch Monate hin kriegsgefangen in Frankreich gesessen hatte, wagte 1871 eine Osterreise durch Nvrdfrankreich, die er in seinem entzückenden Buch „Aus den Tagen der Ocenvation" geschildert. Sein Aufenthalt in Reims war ein einziges Ringen um das Verständnis und die Erfassung des gottschen Meistenverkes. Schon auf der Fahrt reckt sich ihm der Bau bedeutend entgegen. „Eine halbe Stunde später dämmerte die Kathedrale von Reims herauf, von Mimcte zu Minute bestimmtere. Gestalt gewinnend: endlich lag sie vor uns wie ein Modell auf' einer Tischplatte. Tie Türme standen in einer durchsichtigen, aber färb- und sonnenlosen Luft." Bald nach der Ankunft lockt ihn die ungeduldige Neugier ins Innere, uns wie so mancher .Kunsttrcund, der die gemütvolle Wunderstimmung der deutschen gottschen Kirchen in sich ausgenommen und nach der Verherrlichung französischer .Kunsthistoriker hier etwas ?lehnliches erwartet, wird er von der massigen Schwere und der kahlen Weite des Inneren enttäuscht .' Der Zauber packt ihn erst, da er in der den Ban nach Osten hin abschließenden Kapelle steht, „deren großes Glassenster, wie eine Juwelenwand, dunkelleuchtend vor mir stand. Die Wirkung war sehr bedeutend, magisch, ganz besonders dadurch, daß mau nicht: unmittelbar, sondern durch einen offenen ^vitzbogen des hohem Chors — der nun wie ein vorgestellles, einrahmendes Tor wirkte auf dies, die ganze Mittelkirche beherrschende Fenster blickte. Der Umstand, daß ich selber in einem breiten, vom Portal her s einfallenden Lichtstreise» stand, während die ganze übrige Kirche! in einem grauen, nur hier unb dort farbig durchblitzten Dämmer lag, steigerte die Wirkung des Ganzen." Der historische Reiz, die Erinnernng an die großartigen Schauspiele der französischen Geschichte, die hier ihre Stätte fanden, muß die schweren Pseilermaisen mit einem romantischen Schönheits- schinimer nmmeben. Ein Krönungstag stell! alle anderen in Schal-» len: es ist der, da die Jungfrau von Orleans den Dxruphin- die Altarsttisen hinanfführte, als das Volk den allen Freut«»--, schrei: „Noel, Noel!" erhob und die Aägen aller aus Johanna! gettchtet waren. „Zu Zellen des Königs, ihr Banner in der! Hand, stand die Jungfrau. Ms die Zeremonie vorüber war, als der .Herzog von Alan?on den König zum Ritter geschlagen Unb der Erzbischof ihn gesalbt und gekrönt halle, warf sie sich zu Füßen Karls VII., umklammerte seine Knie und ries unter Tränen: „Gnädigster König, nun ist der Wille Gottes erfüllt, der gewollt hat, ^ daß du gen Reims zögest, uni die Krone zu empianigLi^ aul 'daß alle Welt sähe, daß du der wahre König ttist." Sie weinte, als sie diese Worte sprach, und alle lttnstehe>ll>en weinten mit ihr. Einen großen künstlerischen Eindruck erhält Fsontaiw von der Katl-edrale, da er sie von außen erst im Licht des Mvndesj und dann im Lichte der Morgenfrühe erblickt. „Da stand die ?l(ondscheibe links neben dem linken Turm, und meine Vormit- tagsbettachtungeu erschienen mir nun als bare KKtzrrei. Zwischen de» Fcnsterstäbeu stand es jetzt wie silberne Lichvuassen, mchts von Lebe und Kahlheit mehr, alles schlank, phantastisch: wie ans einer Märchenwelt ttat ich in die prosaische Welt des Hotek- boies ein." Und dann am andern Morgen vor der Fassade: „Der niorme Detail-Reichtum dieser vielberühnrten Front sprach immer lebendiger zu mir und die günstige, allen Teilen zu ihrem Recht verhelfende Beleuchtung ließ mich erst jetzt erkennen, daß es sich liier nicht bloß um einen überreich gegliederten Portalschmuck, sondern um einen riesenhaften Gesantt-Fries der ganzen Front handelte, in dem di« drei großen Portale nur selbst wicdcr integrierende Teile waren. Ja, der produttive Drang wner Epoche hatte sich auch daran noch nicht genug sei» lassen: dieser Fassaden-. schmuck rnichö noch nach lmf3 und rechts hin um beide Ecken herum. Es gibt nichts, was einem die Schassenslust und Fülle jener Jahrhunderte so veranschaulichen könnte, wie dieser über Ziel und Ausgabe hiuauswachieude Ueberschuf. Mitunter sprechen auch Zahle». Es gehören dieser Fassade 2062 Figuren an, von denen 1274 die menschliche Gestalt, 788 die der vettchiedensdm Tiere darstellen." Den Heldentod für sein heissgeliebtes Vaterland erlitt am 9. September im Alter von 39 Jahren mein herzensguter Mann, unser treubesorgter Vater Rechtsanwalt Gurt Kaufmann Feldw.-Leutnant im Landwehr- Regt. 116. In tiefem Schmerze: Minna Kaufmann geh. Schwalb. Werner und Marlene Kaufmann. Giessen, 22. September 1914. lOOOüD Bitte von Beileidsbesuchen absehen zu wollen. Die Traucrscicr iiir unseren auf dem Felde der Ehre gefallenen I. Sprecher Rechtsanwalt C. Kaufmann ndet Freitag, den 25. Sevl. abends !> Uhr in unserer Turnhalle lRealgyinnasiumf sin». Der Borftand. Alle Freunde und Bekannten des Verewigten sind herzlich cingeladen. ,E, Am 9-September ds. Js. starb in Feindesland den Helden- id für Kaiser und Reich unser hochverehrter Chef“ lerr Rechtsanwalt Gurt Kaufmann I eldwebelleutnant im Landwehr - Infanterie-Regiment 116 j Wir verlieren in dem Verstorbenen einen stets gerechten, 10 h auf das Wohl seiner Angestellten immer bedachten ergeeetsten. Ehrendes Andenken werden wir demselben stets dank- | tr bewahren. Giessen, den 17. September 1914. I? topÄHes Rechtsanwalt-Justizrai RermaDO Ratz um! C, Kaufmann, Am 22. August starb den Tod fürs Vaterland mein innigstgeliebler Mann, der treue Vater meines Kindes Paul Zeidler ttnfcrofstzier d. Reserve imFnsanleric- Regiment Rr. 116 im 28. Lebensjahre. I» tiefer Trauer: 06775 Marie Zeidler. Wicseck, KlauSdorf, Eppendorf, Hanau, Worms und Pirna, 22. Sept. 1914. rraueriachen werden in 2—3 Tagen tadellos schwarz ecfhrht Kampf-Färberei mul Chemische Waschanstalt Fabrik und Laden: Mavbnrser Strnße 40, Filiale: heltersweg 25. Auft.riige nach außerhalb werden prompt erledigt. Telephon 226. {9573 Ö. F. Croon, Statt besonderer Anzeige. Unser heissgeliebter einziger Sohn, Bruder u. Schwager Hermann Möbus, Bankbeamter Einjährig-Gefreiter im Infanterie-Regiment Nr. 116 hat sein hoffnungsreiches junges Leben dem Vaterland geopfert. In tiefer Trauer: Finanzamtsbureauvorsteher K. Möbus und Frau Karl Enders und Frau geb. Möbus. Giessen und Lieh. Beileidsbesuche dankend abgelehnt. [10030 Bruch-Heilung Ohne « Operation Ohne -W L Berufsstörung HabeDichts ßpucli-ffeil-fiistifuf, Köln, ü.-SacirseDhausen 18 - Leiter : —■—I Sanitätsrat Dr. med. Müller - Direktor H. Habenicht {—■ ■ - Auch während des Krieges finden Sprechstunden statt in: 3 «3 Mainz Giessen Frankfurt a. M. Kirchsfraßc 2’/io Alicestraßc 2Ö ! Scharnhorsfstraße 19 Jeden Mittwoch j Jeden Freitag Jeden Donnerstag von 9 bis 1 Uhr. von 9 bis 1 Uhr. von 9 bis 1 Uhr. r I 100 Ad ressen G eheilter o .d Schrift über den Unterleibsbmcl i gratis Silberne, künstlerisch ausgeführte Kriegs-Talismane Stück Mk. 2.— bei Carl Brück, Meiler, Kreuzplaf 2 8 Rachrns! 2im 20.Scvicmbcr slarb den Hetden- iod silrS Daierlnnd unser treuer Freund Otto Zox Ariillcrisi der Reserve. Wir verlieren in ihm einen treuen Frcund- dessen Gesinnung und Charaktereigenschasten ihm bei uns ein ehrendes Andenken iiber das Grab hinaus sichern. Seine «rennöc ans feiner Heiiiiat. D Cbcr B.esingcn. den 22. Septciiiber 1911. 10018 mm® Am 22. August starb in Feindesland H| den Heldentod fürs Vaterland unser innigst E geliebter unvergeßlicher Sohn, Bruder H! und Enkel öcfmfer Heinrich sich | 12. Komp. Inf.-Regt. Kaiser Wilhelm Nr. 116 M Die frfnjeritiJcn #inter&fie&enen: l Familie Wilhelm Steyh. Wcitershain, den 22. September 1914. I 'sS®’' * -Tray er empfehlen unser Lager in Trauerhüt., schw. Schürzen, schw. Satin - Linsen, schw. J1 nndschuhen, Trauer-Flor, Cr6pe, schwarze Krawatten, Trauer-Schleier. 8635a Telephonieren ^ untcr Nr - 249 "• Sip l(le!]aüsl,S 3 !öiiianSCie„ Schnl erhalt.sof. Auswahl *' str. 4. rmäiscliigüIiiscfiiiie-LeiRsfall. Habe meine Tätigkeit hier wieder .lufgenommen. Der Unterricht in fiJassnehmen, Sckuittzeicbnen, Zi- scbneiilen rnfl Anierügeu moüsrnor Eananijariloro!)« beginnt am 5. Oktober, Gefällige Anmeldungen jeden Samstag nachmitta und Sonntag-, ü Btssasisia Hippel akad. gebild. Lehrerin und Daincnschneidermeisterin, __Lodwi^tdat/. _ !§17 SngianSeur-Aksitiemäs • I Wfaniar,Ost»e«.«2!^“:S!Sir , a5iSS; F . und Architekten. — (EisenbetonbAu und Enlturterbntk.) „ 8 Neue Laboratorien. ■ Neue Laboratorien. Cafe Ebel Giessen Burggraben 9 Teiephen 993 UD tärlich von 8 bis 3 Uhr geöffnet erlief weitere Geld- and Naliipslien-Spenden. ■■ l* . .. - - - ■ .* " M Den Heldentod fürs Vaterland starben unsere beiden itglieder Ludwig Schön | Heinrich Zecher vom Infanterie-Regiment Nr. 116. Ein ehrendes Andenken werden wir denselben stets wahren. 0677S Staufenberg, den 23. September 1914. Turnverein Staufenberg. Dringende Kitte! Den Linien-, Reserve- und Landwehrtrnppen des hiesigen Regiments, die sich in schweren Kämpfen heldenmütig geschlagen haben, sollen in aller Kürze Liebesgaben ans die rascheste Weise zugeführt werden. Die Bürgerschaft der Stadt Gießen wird hiermit anfgernsen, die in erster Linie notwendigsten Liebesgaben, namentlich: für die vielen Beweise herzlichster Teilnahme bei dem imgang unseres lieben Vaters sagen wir unseren innigsten | nk. Familie Challier Familie Müller. Wollene Hemden Wollene Unterjacken Wollene Socken Fußlappen ans Leinen oder Biebertuch,ungesäumt, etwa 45 Ztm. im Quadrat Pulswärmer Leibbinden Tabak, Zigarren, Streichhölzer Dauerwurst Schokolade Dörrobst nsw. Hessen, Lauterbach. Bekanntmachung. trfer Handelsregister Abt. A wurde heute Ir Firma Tribus & Sundheim in Gieße» In: Nach dem Tode des Louis Suudbeim 1 Witwe, Clara Sundheim geb. Wallmulh I, die Gesellschaft mit den anderen Teil- I cf. Sic ist zur Vertretung und Zeichnung I nicht berechtigt. |‘-u, den 19. September 1914. iooi6B Großherzogliches Amtsgericht. 10002V rehrerheimb.Tlhüttki! Prachto. LÄHenlaae. Dicht a- Walde. Auch (ür Nichtlebrcr. Anerk. beste BervK. Lermio- vtav Bad. 2aat in. Klavier. Wald-Wtrlsch. Ktnderivielvl, Pachter:Nut>. Müller. !90!>t seilijikL-tisk-rnidLslat- üattgffeln^LeLr. Hantel reichlich und möglichst sofort zu spenden. Es wird gebeten, aus den Paketen — namentlich bei Wäsche — den Inhalt zu vermerken. Annahmestelle der Stadt: Ttadtknabenschnle an der Nord-Anlage täglich von 8—12 und 2—6 Uhr. Annahmestelle des Roten Kreuzes: Alte Klinik täglich von 8—6 Uhr. Gießen, den 22. September 1914. Eg Der Oberbürgermeister: Keller. Zweigverein vom Roten Kreuz: Alicesrauenverein: Frau Gebhardt. »»ener. Nachruf! Auf blutgetränkter Erde Frankreichs hat unser allverehrter I. Vorsitzender Rechtsanwalt Curt Kaufmann Feldwebel-Leutnant im Landwehr-Infanterie-Regiment Nr. 116 den Heldentod für’s Vaterland gefunden. Der Dahingeschiedene, welcher seit Bestehen unseres Vereins die Leitung in seiner starken Hand hatte, hat es verstanden, sich durch seine unermüdliche Arbeitskraft, durch sein Können und Wissen auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens, durch sein offenes, ehrliches Wesen die Zuneigung aller Mitglieder in höchstem Grade zu erwerben. Der Verein verdankt in erster Linie diesem Kämpfer für Wahrheit, Recht und deutsche Tatkraft die rasche Entwicklung und die erzielten günstigen . Erfolge. Ein Meister in Wort und Schrift, war es ihm zu unserem größten Leidwesen nicht vergönnt, siegreich aus diesem schweren Feldzug zurückzukehren. Das Andenken an ihn wird unvergeßlich in unseren Herzen fortleben. ln tiefer Trauer: Der Verein ehemaliger 116er (Kaiser-Wilhelm-Regiment) in Gießen. Am 8. September starb den Heldentod fürs Vaterland Herr Rechtsanwalt Kurt Kaufmann Tiefbestürzt nahm die gesamte Einwohnerschaft diese Tranerkunde auf Für uns aber, die wir mit dem Verstorbenen in jahrelanger Arbeit Schulter an Schulter für die nationale "Wohlfahrt des Reiches gekämpft haben, ist dieser Verlust unersetzbar. Seine ausserordentlichen Fähigkeiten haben ihn schon in jungen Jahren in unserer Stadt und weit darüber hinaus in die ersten Reihen unserer Parteifreunde gestellt. In unermüdlicher und selbstloser Arbeit hat er seine Kräfte der Partei gewidmet. Dieses Wirken, verbunden mit einem freundlichen, stets hilfsbereiten Wesen, haben ihm die herzliche Zuneigung aller, die ihn kannten, gesichert. Uns aber wird er unvergesslich bleiben. Wessen, den 16. September 1914. 9856D Die nationalliberale Partei. K-l-ingspor, Vorsitzender. Krausmüller, Schriftführer. Nachruf. Den Heldentod fürs Vaterland starben Herr Rechtsanwalt Kaufmann am 9. September 1914 bei Vitry, Herr Leutnant von Grolman am 22. August 1914 bei Anloy. Die beiden Tapferen haben seit Bestehen der Jugendwehr Giessen unter Hingabe ihrer ganzen Person ihre Kräfte in den Dienst unserer guten Sache gestellt Unermüdlich waren sie tätig, die uns anvertraute Jugend in militärischen Dingen zu unterweisen und sie durch körperliche Hebungen und Geländespiele wehrkräftig zu machen. Mit der Jugend fühlend, sie durch Herzensgüte an sich fesselnd, ist es ihnen gelungen, Vaterlandsliebe, Kameradschaft, Mannszucht, Pflichttreue und manche andere gute Eigenschaft in ihre Herzen zu pflanzen. Die Jugendwehr wird das Andenken ihrer für das Vaterland gefallenen Führer dadurch ehren, dass sie das Erlernte treu bewahrt, sich weiter vervollkommnet in allen Mannestngenden und ihrem Beispiel, treue Pflichterfüllung bis zum Tode, nachzueifem strebt 10004D Im Namen der Jugendwehr Giessen. S te p h an. Auf dem Felde der Ehre starb am 9. September mein langjähriger Socius HerrRechtsanwaltCurtKaufmann Der Verstorbene war ein Mann von ausgezeichneten Charaktereigenschaften, grossem Pflichteifer und liebenswürdigem Wesen, dem ich stets ein ehrendes Andenken bewahren werde. Justizrat Hermann Katz. Jungdeutschland hat durch den Heldentod seines Vertrauensmanns, des Herrn Rechtsanwalt Kaufmann Feldwebel-Leutnant d. L. einen schweren Verlust erlitten. Frisch und begeistert, wie er in den Kampf für das Vaterland zog, hat er für die Zukunft unsres Volkes, um dessen Jugend, geworben. 10009D Der Vorstand des Hessischen Landesverbandes Jangdeutschland. 10007D Nachruf! Auf dem Felde der Ehre fiel am 9. September unser langjähriger I. Sprecher Herr Curt Kaufmann, Rechtsanwalt Feldwebel-Leutnant im Landwehr-Regiment Nr. 116. Seit 1904 an der Spitze unseres Vereins widmete er sich mit umfassendem Wissen, reicher Erfahrung und emem tiefen Verständnis den Interessen der Turnerei. Dem Vorstand war er der treuste Berater und genoß durch die Lauterkeit seines Charakters, sein allzeit mutiges und begeistertes Eintreten für die Turnsache unser größtes Vertrauen und aüseitige Liebe. Tiefbetrübt bewahren wir dem braven Manne, der auch dem Vaterland gegenüber bis zum letzten Atemzug seine Pflicht als Turner erfüllt hat, das dankbarste Andenken. Der Vorstand und Turnrat des Männerturnvereins Gießen. 10003V