Ir. 222 Der «ledener Anzeiger erscheint trifltidi, außer SoiintöflS. - Beilagen: vierinal wöchentlich OlehenerLsmiUrnbläNer; zweimal «vöchentl.Xreir- dlatlfürbenilreisSietzen (Ticnstag >>nd Freiing); zweimal monntl. Land- wlrlfchasllich« äeltsra,e« sterusprech - Anjchliine: lür die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse Kr Depeschen: «uzciqer «Uetze», rlmuchmc »an Anzeige, Kr die TageSnuminer sis vormittags I Uhr. Erster Blatt m. Zahrgang Dienstag. 22. September 19H Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen BofotfonsfcnHl mid Verlag d«r Vröhl'schrn Unio.-Vuch- »nü Sttin&rudtrei B. Lange. Rtöoftion, Lrpeöition und Druckerei: Schulstrahe 7. Anze,qe,u«i:' H? B-L Bezu gsvrettz: monatlich75Ps., vierteljährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigilellen monatlich 65 Ps.; durch diePosl Alk. 2.— viertel» jährl. ausschl. BcsteUg, Zcilcnvreis: lokal lbPi, auswärts 2V Pseuniq. Lhesredakteur: A Goetz. Verantwortlich für beu polit. Teil: Aug. Goctz; für .Feuilleton", .Vermischtes" und, GerickNS- saal": Karl Neurath; lür .Stadt und Land": Erfolgreicher Vorgehen im Westen. Vorgänge zur See. Russische Zurcht vor hindenbnrg. (WTB. TrotzesHauptguartier, 21. Scptcmb.) lmtlich.) Bei den Kämpfen um Reims wurden die stungsartigen Höpen von Craonncllc erobert; im Bor- hrn gegen das brennende Reims wurde der Ort r t h e u y genommen. Bei dem Angriff gegen die S p e r r- > r t s l i n i r südlich von Verdun wurde der dem Ost- nd vorgelagerte, vom französischen achten Armeekorps vcr- i-igte Cote Lorrain siegreich überschritten, in Ausfall aus der Nordo st front von Verdun tirdr zurückge wiesen. Nördlich von To ul wurden an.wsische Truppen im Biwak durch Artilleriefeuer über- scht. Im übrigen fanden heute auf dem französischen eiegsschauplatzc keine grüneren Kämpfe statt. In Belgien und im Osten ist die Lage unvcr- adert. Die Kämpfe in den auf beiden Seiten stark befestigten tellungen im Westen schreiten weiter fort/ und wir erhalten n unserem Generalstab nur die Meldungen über hervor- chende Geschehnisse. Während es schon vor einigen Tagen °{j, daß unser Zentrum im Vorrücken begrifscn sei, wird ate wiederum bestätigt, daß gerade hier die Bemühungen igesctzt werden, um die Franzosen mürbe zu machen. Auch blich sind diese grandiosen Ereignisse überwältigend. Man cgegcnwärtige sich den Anblick der brennenden Stadt ims, die von den Franzosen mühsam verteidigt wird, und in denke sich in die Lage der Feinde hinein, die eine Schutz- llung nach der anderen aufgcben müssen, nachdem sie his- ' überhaupt noch keine Siege erstritten haben. Unsere deuten Truppen dagegen brennen darauf, ehr Werk zu vollen. Sicherlich hat sich im Herzen jedes einzelnen Soldaten Ucberzeugung längst gefestigt, daß das deutsche Heer stcl- toeise etwaszurückgcsckiritten ist, nicht etwa, weil es dazu «rängt wurde, sondern weil es galt, die beste Stellung für nahende Entscheidung auszusuchen. Auch von gegnerischer ite wird bestätigt, daß der deutsche Gcneralstab klug ge- rdelt hat. So schreibt der französische Oberst Rousset in „Libcrte": „Das feindliche Heer nimmt eine derartig inderbare Stellung ein, daß diese ohne Beitel i n d eG W e l t g e s ch i ch t c ist. Die Deutschen kämpfen einem ungeheuren Abstand von ihrer Operations- sis, mit der sie nur durch eine einzige Kommuni- tionslinie verbunden sind und noch nicht einmal ekt. Die Schlacht an der Aisne wird unbedingt ein fürchler- >er Zusammenstoß werden." Bei dem rastlosen und unaufhaltsamen Vorrücken der seren, die ihre Aufgabe, den Feind zu verfolgen und sort- hrend zu bedrängen, glänzend gelöst haben, war es ganz istverständlich, daß die Heere nicht einheitlich zu einem tschcidungskamps zusammcngefaßt waren, wie er jetzt ent- innt ist. Die Etappenlinic mußte etwas verkürzt werden a dabei wurde der strategische Vorteil gewonnen, daß die anzosen nunmehr zwei Flüsse im Rücken haben und ihre >aige Niederlage zu einer Katastrophe werden könnte. Tie ruhe darüber macht sich denn auch schon in der französi- m Presse geltend. Von unserer Flotte hören wir heute einiges Erfrru- 0 Der deutsche Kreuzer „Emden" (3650 Tonuengeha.lt, 1 Mann Besatzung) von der Chinastation ist plötzlich im lf von Bengalen erschienen und hat sechs Schiffe wcgge- nmen. Der englische kleine Kreuzer „Pegasus", der ein tsches Vermessungsschiff zerstört hatte, wurde dafür vom 'hängnis ereilt. Unser kleiner Kreuzer „Königsberg" ihn, wie die englische Meldung sagt, „vollständig un- uchbar" gemacht, und es hat sich in diesem Kampfe gelt, das; die Deutschen bei gleichen Kampfstärken in der wrlegenheit sind. Tic Russen graut es nun allmählich davor, daß sie ’ Hauptmacht in Galizien stehen haben und ihre Qstsee- ietc dem deutschen General v. Hindenburg offen stehen. „Tailp Mail", eine gewiß unverdächiige Zeugin, will ihren haben, daß Hindenburg init <50 000 Mann sogar Warschau losrückc. Wenn cs sich bestätigt, das; russische resteile aus Galizien losgelöst werden sollen, wäre Hinburg nicht nur der Retter Ostpreußens, sondern mög- erweise auch ein sehr wirksamer Helfer unserer öftcr- hischen Bundesgenossen. wirksames Eingreifen deutscher Schiffe. Berlin, 21. Sept. (WTB. Nichtamtlich) Nach einer teilung aus A m st e r d a m hat die englische A d m i - ität am 20. September folgendes bekannt gegeben: deutsche Kreuzer „Emden" von der Chinastation, der s Wochen lang ganz aus unserm Gesichtskreis verschwun war. erschien am 10. September plötzlich im Golf von galcn und nahm sechs Schiffe, versenkte fünf dsandtedassechstemitderBemannungnach l c u t t a. Der englische kleine Kreuzer „P c g a s u s". der Sansibar kam, zerstörte Daressalam und per te daselbst das Kanonenboot „M ö v e". Der „Pegasus" de heute morgen, als er in der Bucht von Sauschar und die Maschinen reinigte, von dem kleinen Kreuzer „Königsberg"' angegriffen und vollständig unbrauchbar gemacht. 25 Manu sind tot, 30 wurden verwundet. Hierzu wird von zuständiger Stelle folgendes mitgetrilt: Bei der „M ö v e" handelt es sich keineswegs um ein kampffähiges Kanonenboot. Es war vielmehr ein Vermessungsfahrzeug ohne jeden Kampfwert. Bei Beginn des Krieges ist es als für die Kriogsführung wertlos abgerüstet worden. Der englische Leine .Kreuzer „Pega- s u s" hat eine Armierung von 8 Stück 10-Zentimeter» «chnelladekanoncn, während unser kleiner Kreuzer „Königsberg", denn um diesen handelt es sich in dem vorliegenden Falle, eine solche vvn 10 Stück 10-Zentimetcr- Schnelladekanonen hat. Die englische Admiralität macht weiter bekannt: Ein englischer Hilfskreuzer „Carmania" hat am 14. September einen bewaffneten deutschen Dampser versenkt, vermutlich den „Cap Trafalgar" oder die „Berlin", nach zweistündigem Gefecht. Die „Carmania" hatte neun Tote. Zu dieser Londoner Meldung wird von zuständiger Stelle bekanntgegeben: S. M. Hilfskreuzer „Cap Trafalgar" ist am 14. September in der Näh« der brasilianischen Küste nach heftigem Kampfe mit dem englischen Hilfskreuzer „Carmania" nntergegangen. Die Besatzung wurde durch den deutschen Dampfer „Eleonore Woermann" gerettet. Schließlich macht die englische Admiralität folgendes bekannt: In der Nacht vom 14. zum 1b. September versuchte ein deutscher Dampfer auf dem Kamerunfluß das englische Kanonenboot „D w ar f" durch eine Bombe zu versenken. Der Versuch mißglückte, der Dampfer wurde erbeutet. Am 16. September versuchte ein anderer deutscher Dampfer den „Dwarf" zu rammen. Der „Dwarf" wurde mrr wenig beschädigt, der deutsche Dampfer vernichtet, ebenst« zwei Boote mit Explosionsmitteln. Nairobi, 21. Sept. (WDB. Nichtamtlich.) Der britische Dampfer „Kavirondo" brachte zweideutscheHan- delsbowte auf dem VkLoria Njansa See zum Sinken. Der deutsche Darnpfer,,Muanza" griff am 15. September den britischen Dampfer „Winifred" an, welcher im Begriff war, in die englische Karungn Bai einzufahren. Der „Winifred" zog sich zurück und kehrte später zusammen mit dem „Kavirondo" zurück Er traf in Karungn, ohne Widerstand zu finden, ein. Eine Kritik des Verhaltens unserer Flotte. Kristiania, 21. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) Ein bekannter norwegischerAdmiral veröffentlicht im „As- tenposten" eine längere Betrachtung, in der er zu dem Eck- gebnis kommt, die von der deutschen Flotte gewählte „Fleet in being"-Taktik sei die einzig richtige. Jedes andere Auftreten wäre, wie die Verhältnisse liegen, unsinnig, da Deutschland auch zur See eine Front nach zwei Seiten habe. Die Taktik mit dem Mrdostsee-Kanal biete die größten Vorteile den Gegnern gegenüber; dies würde sicherlich die nahe Zukunft beweisen. Unter dem Ausdruck „Fleet in being-Taktik", der sich in deutschest Uebersctzung nicht genau wiedergeben läßt, ist zu verstehen eine Taktik, die aus dem Einfluß beruht, den eine starke, kampfkräftige Flotte lediglich durch die Tatsache ihres Vorhandenseins auf die Kriegführung ausübt. Der Ausdruck ist erstmalig von dem englischen Admiral Torrington im Jahre 1690 angewandt worden. hindenburg wirkt! Berlin, 21. Sept. (Priv.-T.) Die „Voss. Z." meldet aus Stockholm: Die Londoner „Daily Mail" hat Nachricht aus Petersburg, daß man dort außerordentliche Maßnahmen trifft, um den General v. Hindenbnrg aufzuhalten, dermit 750 000 Mann schon auf russischem Boden st e h e, bereit, die Offensive zu ergreifen und a u f Warschau zu marschieren. Hierdurch wäre man genötigt, einen beträchtlichen Teil von den in Galizien gegen die Lesterrcicher operierenden russischen Armeen gegen v. Hin- dcnburg zu senden. * . * Tie Schlacht vor Reims. Berlin, 21. Sept. Der Pariser Korrespondent der Londoner „Evcning News" meldet aus Rotterdam; Wir hörten in Epernay, daß die Deutschen seit drei Tagen Reims beschossen. Von den Reims beherrschenden Zügeln war dies ein entsetzlicher Anblick. Die Türme des Toms «varen in Rauch gehüllt. Eine Granate plante über den Häusern. Als ich in die Stadt kam. war sie verlassen und die Straßen leer. Man hörte den verschiedenen Ton der französischen Batterien südlich und den der deutschen nördlich der Stadt. Ein heftiges Artillerieduell war im Gange. Ich kletterte aus einen Turin. In einem Halbkreis sah man am Horizont die feindlichen deutschen Batterien. Ihre Granaten sielen aus eine Fläche von 1'/. Quadratkilometer in der Umgebung der Stadt, oder weiter an die französischen Truvven, die dort warteten, bis die Artillerie ihnen den Weg bereiten würde. Die Artillerie wurde immerfort ver- ftärfr, angeblich ancki durck «chi-wgtschütze. Biele Grar.eiten ii.len auch in die innere Stadl. Der T o in, in dem nian verwm:detc Deutsche aus Stroh gelegt und aus dem man die Rote-Ureuz flagge ausgepslanzt halle, wurde geschont. Im ganzen wurde während der dreitätigen Beschießung der Dom achtmal getroffen, der angerichtete Schaden ist aber sehr gering. Rotterdam, 21. Sept. Aus Berichten der Parrier Blätter geht nick Unzweideutigkeit hervor, daß die deutschen Truppen sowohl am linken französischen Flügel wie auch bei Reims wesentliche Teilerfolge erstritten haben, die noch fortschieiten. Die allgemeine Stimmung in Paris beginnt ziemlich niedergeschlagen zu werden. Die militärische Lage im Westen. (WTB.) Berlin, 21. Sept. Zur militärischen Lagt wird dem „Berl. Lokalrnz." von seinem militärischen Mib- arbeitel geschrieben: Wie aus den Mitteilungen des Großen Hauptquartiers hervor» geht, war das französische Vordringen bereits in den letzten Tagen erlahmt. Jetzt sehen wir den langen BiNr.nungskamp; plötzlich zrrm Positionskampf werden, wie wir chn in den Gefechten am Liga'-Fluß und bei Mulden gesehen haben, oder im Balkanksieg an der Tschataldscha-Linie. Die Richtigkeck dieser Auslegung gehl umso deutliche;' daraus hervor, daß französische und deutsche Meldungen in gleicher Weise bei dem Gegner die Stärke der Erdwälle betonen. Bei einem Angriff auf derartige Stellungen ist es zunächst notwendig, eine schwache Stelle ausfindig zu machen. Was nun die Stellung der beiden Armeen anbelangt, so ist die der deutschen Armee die günstigere. Unsere rückwärtigen Verbindungen sind bis zu dem Punkte verkürzt worden, der es möglich machte, unser Riesen- heer mit allen für das Leben und für den Kampf nötigen Mitteln zu versehen. Dieses Gefühl der materiellen Sicherheit ist von unberechenbarem Einfluß In den lauge hingezogenen Kämpfen such uusere Stellungen außerdem auch vvn .strategischem Gesichtspinckte aus vorteilhaft. Der Feind hat jetzt zwei Flüsse hinter sich, Flüsse im Rücken haben solange nichts zu sagen, wie man sich seines Erfolges sicher fühlt. Sie üben aber einen höchst beunruhigenden Einfluß aus, sobald dieses Gefühl der Sicherheit ins Wanken kommt. Daß dieses aber in dem französischen .Heer der Fall ist, kann nach der Umsfinrmung in der tranzösißhen Presto nicht liezweiselt werden. Wird die französische Armee nun durch die deutsche Armee zum ?lbzug nach Paris gezwurrgen, so muß sie unter den Augen und unter den GeschützMündimgen des vvn neuem durch Verstärkungen belebten ltzcgners die Aisne und Marne passieren. Beide Flüsse sind durch anhaltenden Regen im Steigen begrissen. So ist es denn die^lussicht der Franzosen, in langen Heeressäulen die Brücken papieren zu müssen, eine Aussicht, die ivahrhasi für sie nicht erfreulich ist. (WTB.) Berlin, 21. Sevt. Wie dein „Berl. Lokalanzeiger"" aus Genf berichtet wird, wurde General Pau zur Organisierung von Hilfskorvs nach deni Süden Frankreichs entsandt. — Ter „Berl. Lokalanzeiger" bemerkt dazu: Diese Rachricht ist nicht, ohne Interesse. Wir wissen, daß Frankreich nicht nur alles Menschenmaterial herangezogen hat, auf das es gesetzlich Anspruch haben könnte, sondern es hat auch die von den Aushebungskommissionen als unbrauchbar Bezeichneten zu einer nochmaligen ärztlichen Untersuchung beordert. Wenn nun General Pan ganz nach der Art gcivisser einflußreicher Männer im Jahre 1870 und Anfang 1871 Hilfskorvs in Südfrankreich organisieren wlll, so ist das ein verstärkter Beweis dafür, daß man in Frankreich die Lage als sehr ernst betrachtet, Berlin, 21. Sept. Wie Minchener Blätter berichten, sollen bayerische Offiziere festgestellt haben, daß bei den Kämpfen in Frankirich aus sicher«!Verstecken heraus aus bmierrsrhe Truppen mip Stahlpseilen geschossen wurde. Ein schwedischer ?irzt über die Kampfesweise der Feinde. Berlin, 21. Sept. (W. B. Nichtamtlich.) Der in mM- zinischen Kreisen wohlbekannte schwedische Arzt Dr. E k g r e n erstattete über seine Beobachtung an deutschen Verwundeten folgenden Bericht: Zurückgekommen von ineincr mit amtlicher Erlaubnis unternommenen, kurzen Reise, die mich von Berlin auch nach Frankfirrt a, M. und der Festung Mainz führte, um in Deutschland einige Lazarette zum Studckim der Verwundeten zu besuch«!, halte ich es sür meine unabweisbare Pflicht, zu berichten, daß 'ich sowohl in den Krankenhäusern Frankfurts :oie in dem Festungsgarnisonlazarett in Mainz verwundete deutsche Soldaten gesehen und untersucht habe, der«! Verletzungen 7erarng schwer waren, und lxwcn Wunden mit einer lleinnr, sowohl Einschuß» wie Ausschußöfsnung, und gewaltigen exvlosionsöhnlichen Zerstörungen im Innern des Wrmdkanals fclbft, einen so eigenartigen Charakter trugen, daß man mit einer an Sicher heit grenzenden Wahrscheinlichkeit annchmen kann, es seien in diesen Fällen stumpl gemachte und sogar ausgehöhlte Proiektile oder sogenannte Dum-Tum-Gcschosse völker- reckcksnndrig vcrw«tdet worden. Aus welche Entfernung die Schüsse abgeseuert worden sind, spielt ja erfahrungsgemäß eine große Rolle. Auch ist die Frage von Querschüssen ja von einem gewissen Gewicht, doch dürfte sie in den obengenannten Fällen kaum von größerer Bedeutung sein. Das mir in einem Falle (Stadt. Krankenhaus. Sachsenhausen) gezeigte Rüntgenbild legt auch meiner Ansicht nach sür die deutliche Einwirkung der im Jnnern der Wunde slattgesundcuen Explosion ein beredtes Zeugnis ab. Aichcr- dem sei erwähnt, daß eine Reihe von vcrivundcteu deutschen Soldaten mir bei derselben Gelegenheit ossen und sieiwillig crllärrcn, t-aß sie auf den sranzösischen und belgischen Schlachtfeldern bei den gefallenen Feinden und mich sonst Dum Tum-ltzescho>ie vorgestunden hätten. Ja, ein bei einem nächtlichen -virm- angrif) bei V i t r y schwer verwundeter Landwehrmann gibt sogar mit Bestimmtheit an, bei Montmedn eine ganze .Hilfe voll von im allgemeinen in verschnürten, französisch g«temvcllcn Paketen verpackte Patronen mit Dum-Tnm-Geichossen geiehcn zu haben. Er will auch eine Handvoll davon mitgenommen und in ieinen Tornister gesteckt hclüent dieser ging ihm aber im Eampfgetümmek verloren. Seine eigene Verwundung stamnil angenicheinlich von einem Tum-Dum-Geschosse l«er In meinem Besitz ist auch gegenwärtig ein mir von einem anderen Verwundeten g«'ck^nktes. kleines Tum Tnm-Geschoß, das von ihnr am 9. September bei Bitrn aus einem von einem anfsallcnd großen Revolver. eines gefallenen französischen Offiziers herausgelgock wurde. Dieses Gejckzoß seist bic iiemotmlicfult Farm von Dnm-DNm-v,eicyouen, eiwa \ jirnti Meter hocti, em>a IV. Zentimeter Durchmesser, vorn an der Spitze in Breite nnd Zorn, etnxr einen halben Zentimeter ancr abgestnmpit Und kratnähnlich bis znr Tiefe von ctnm einem Zentimeter aus pehüblt, Es ist mit Ausnahme der Spitze von einer Nickelkapsel umgeben und trägt unten an der Basis die Buchstaben T. E. Wahrscheinlich ist dies die Fabrikmarke, denn es ist sicher Fabrik imd keine Handarbeit, Den letzten Typus mit der »vabrschemlich mrt dem Taschenmesser geinachlen dtushöhlung habe ich auch gesehen. Von V e r st ü m m e l u n g e n war ich nicht selbst in der Lage, welckn: zu beobachten, es wurde mir aber von einer Reihe non Verwundeten «zählt, sic wüssten Fälle von wahrscheinlich mit einem Messer oder mit deni Bajonett ausgestochenen Augen, in einem von mir genau ausgezeichneten Falle sogar von abgeschnittenen äußeren Genitalien, Diese Wehrnehmung wurde bei Neusichatcau in Belgien gemacht. Es must »och besonders heev or- gehobcn werden, da st alle diese braven Soldaten aus den verschiedensten Gegenden Deutschlands vmi einer geradezu bestrickenden Glaubwürdigkeit und biederen, unerschütterlichen Ehrlichkeit waren, die auf mich einen vorzüglichen Eindruck zu machen nicht verfehlt haben, obgleich ich drrrch meinen über l6 Jahre Ivährcnden Aufenthalt in Berlin das geistig und moralisch hochstehende deutsche Volk kennen gelernt habe. Sämtliche Soldaten lwben sich auch von selbst dargeboten, falls nötig, ihre Angaben duvch den Erd zu erhärten, Dre Namen der von mir hier kurz, angegebenen Verwundeten, die Nummer ihres Regiments und ihrer Kompagnie habe ich mir genau notiert und werde mir später nach meiner baldigen Heimkehr nach Stockholm erlauben, dieselben nicht nur in der Fachpresse, sondern auch in der dortigen Zeitung „Aftonbladct" mit näheren Angaben zu veröffentlichen. Die Dum-Dum-Geschossc der Franzosen. Paris, 20, Sept, (Nichtamtlich,) Der Arzt Rochard erklärt im „New Bork Herald", es sei unmöglich, durch die Untersuchung der Beschaffenheit von Wunden wissenschaftlich festzustellen, ob diese durch Dum-Dum-Geschosse verursacht seien. Das Geschah könne vor dem Eindringen in den Körper aus einen harten Gegenstand wie Gewehr, Säbel oder Uniformknopf ausprallen und dadurch an der Spitze platt gedrückt werden, so daß die Wirkung eines Dum-Dum-Geschosses eintrete, Die Verwendung von Dum-Dum-Geschossen könne ausschließlich dadurch bewiesen werden, daß das Vorhandensein nicht abgefeuerter derartiger Geschosse festgestellt werde, > Hierzu bemerkt das WTB,: Aus dieser Herabsetzung des Wertes der wissenschaftlichen Untersuchung spricht deutlich das schlechte Gewissen derer, die das Ergebnis einer solchen Feststellung fürchten müssen. Davon abgesehen ist die Erklärung Rochards insofern wertvoll, als sie die Unwider- leglichkeit des deutschen Bewcismaterials bekräftigt, das bekanntlich in tausenden von französischen Dum-Dum-Geschos- sen besteht, die auf den Schlachtfeldern nnd im Besitze von Gefangenen gesunden wurden. Mangelhafte Pflege deutscher Verwundeter. Rom, 2t, Septbr. Dem ..Corricre d'Jtalia" wird aus Bordeaux gemeldet: In zwei Hospitälern von Bordeaux liegen 2000 deutsche Verwundete, größtenteils Sachsen aus den Kämpen von der Marne, dann auch Oldenburger, Hamburger und Bremer. Ihre Pflege läßt viel zu wünschen übrig. Die meisten stecken noch in ihren grauen Uniformen. Der Prozentsatz der an Wundbrand schon darniederüegenden ist sehr groß, — ein Beweis dafür, daß die französischen Aerzte die Grundsätze der Aseptik fahrlässig auster acht lassen. Ein Scharmützel zwischen Deutschen und Belgiern. Rotterdam, 21, Sept, Aus Maastricht wird ge-. Meldet, daß bei Lancken an der holländischen Grenze auf belgischem Gebiet ein Scha rmützel zwischen Deut-, schen und Belgiern stattgefunden habe, Entlassung belgischer Offiziere. Rotterdam, 21, Sept, Der „Nienwe Rotterdamsche Courant" meldet, daß die Regierung fortfährt, hochgestellte Offiziere, die sich ihrer Aufgaben nicht gewachsen zeigen, Zu entlassen. Das Staatsblatt vom 14, September meldet die Entlassung eines Generalleutnants, zweier Generalmajore und 4 Oberstleutnants per retrait d’emploi, was mit unehrenvoll ein Abschied gleichbedeutend ist. Eine Spende des deutschen Kaisers. Luxemburg, 21, Sept, Der deutsche Kaiser hat der Stadt Luxemburg 12000 Mark gespendet fiir die durichl die.gewerbliche Stockung brotlos gewondeneir Arbeiter. Ans Brussel. B e r l i n, 21, Sept, (WTB. Amtlich,) Die im Auslände verbreitete Meldung, daß Brüssel von den deutschen Truppen geräumt sei, ist f a l s ch. Ebensowenig trifft die Behauptung zu, daß der deutsche Befehlshaber die Räumung der Stadt als nahe bevorstehend angekündigt hat. Ein cntfiohcner englischer Offizier. Berlin, 21, Sept, (WTB, Amtlich.) In der Nacht vom 10, zum 20, September ist Major Charles Alice Pate vom Dorkshire Light Infanterieregiment aus der Kriegsgefangenschaft in Torgau entwichen, Date ist der englische Stabsoffizier, von dem jüngst berichtet wurde, er habe auf Befragen nicht bestritten, daß den englischen Truppen Dum->Dum-Geschosse ausgehändigt worden seien und der im Verlauf jenes Verhörs erklärte) man müsse doch mit der Munition schießen, die die Regierung geliefert habe. Der Entflohene ist etwa 1,75 Meter groß, schlank, blond und spricht fertig deutsch. Ein kleiner Eiscnbahnnnfall. . Berlin, 21, Sept, (W. B, Amtlich.) Heute morgen gegen 5,10 Ilhr fuhr ein von Worringen kommend« Gnterzug infolge des auf „Halb" stehenden Einsahrtstgnals auf einen Güterzug von dem Bahnhof Long«ich aus. Ein Schassn« wurde schwer, ein« leicht v«letzt. Eine Anzahl Wagen ist entgleist: die Hauvt- gleise d« Strecke Köln—Neust sind voraussichtlich bis um 12 Uhr gesperrt. Der Personenverkehr wird durch Pendelbetrreb ans- recht«halten. Eine Erfindung des Reuter-Bureaus. Berlin, 20, Sept, (WTB, Amtlich.) Die „Nordd, AUg, Ztg," schreibt: Nach einer vom Reuter-Bureau verbreiteten Meldung aus Washington sov der dortige deutscheBot- schaftcr erklärt lgiben, Deutschland sei zum Frieden bereit, falls das deutsche Territorium in Europa nicht verkleinert würde. Solche Meldungen sind darauf berechnet, den Eindruck zu erwecken, als ob Deutschland trotz des Siegeslaufes seiner Heere im Westen Und Osten kampfcs-- müde wäre, Deutschland denkt im gegenwärtigen Augenblick gar nicht daran, irgend welch,e Friedensangebote zu machen. Wir wiederholen: Deutschland verfolgt irur das eine Ziel: den ruchlos uns anfgezwungenen Krieg ehrenvoll zu Ende durchzufechten, Aeußerungen KitchcnerS. Amsterdam, 18, Sept, Im Haufe der Lords gab Kriegsminist« Kitchencr Erklärungen über die Lage auf den, Kriegssckiauplatze ab. Er «volle nichts mehr sagen über die Leistungen des Expeditionskorps, Diese Leistungen seien >ien,igend in dem Bericht Frenchs hervorgehoben. Er wolle aber die Aufmerksamkeit richten auf die große Fähigkeit und auf dm ruhigm Mut von Frcuch selbst, der auf so gmialc Weise den strategischen Rückzug einem übermächtigen Feinde gegenüber vollbracht labe. Dann pries d« Minist« die englischen Truppen und fuhr sort: „Die Lage hat sich jetzt geändert, nnd schon währmd einiger Tage haben wir erfreulich«: Berichte über dm «zwungmm Rückzug (!) der deutschen Truppen empfangen, ^Lebhafte Kundgebmlgm.) Die Berichte von Frcnch unterscheiden sich nur wmig von dm amtlichen Berichten der französischen Regierung, Sein« Trupvm brennen vor Ungeduld, wieder vorwärts rückm zu dürfen, Die tapferen französischen Armeen, mit dmm wir voll Stolz zu- scnnmcnarbcite», w«den jede Unterstützung von uns empfangen, damit ihr Wunsch erfüllt werde: die Säuberung Frankreichs von dem eingcfallmen Feinde, Die Operationen der belgischm Armee tragen dazu bei, diesen Wunsch bald l?) zu «füllen. Ich benütze die Gelegenheit, Rußland meine Glückwünsche anzn- bietcn wegm des übergrostm (!) Erfolges, der seine Waffen mit nmem Ruhm geschmückt hat. Obwohl wir also gutm Grund hal>en, der Zukunft mit Vertrauen mtgegenzusehm, werden wir doch gut daran tun, uns zu erinnem. daß der Kaurps sehr lange dauern, und daß er alle uns«e Kräfte in Anspruch nehmm wird. Wir müssen darum derartig umfassende kräftige Mastnahmm trefsen, daß der Riesenkampf für uns zu einem gutm Ende geiührt werden kann. Es stehm jetzt mehr als sechs Divisionen und zwei Divisionen Kavallerie im Felde, Diese Truppenmacht wird so stark bleiben, wie sie jetzt ist, weil wir imm« wieder Ersatz schassen w«den," Schließlich erklärte Kitchm« noch, daß die Freiwilligen bcgeist«t Dienst nähnrm. Es könutm vi« nmc Armem aus diesm Freiwilligen gebildet werden. Zwei sozialistische Baseler Friedensfreunde. Malmö, 20, Sept, (Drahtb.) Aus Paris wird gemeldet: Der deutsche Reichstagsabgeordnete LudwigHase hat au den französischen Minister Marcel S e m b a t, den Sozialisten, einen offenen Brief,gerichtet. Darin heißt es: In Bern und Basel waren Sic und ich zusammen, Wir hegten die gemeinsame Hoffnung, daß eine Verständigung zwischen Frankreich und Deutschland möglich wäre. Wir warm damals überzmgt, daß diese Arbeit für den Frieden eine Kultur-Angelegenheit und dah« auch eine Kultur-Pflicht sei. An dies« jetzigen fürchterlichen Entwickelung der Verhältnisse haben Sic keine Schuld, Zwar bin ich überzeugt, daß Sie dm Krieg g«n vermiedm hätten, aber dennoch sind Sie dem französischen Mini st erium beigetreten. Hier beginnt Ihre Verantwortung vor der Weltgeschichte, Sie habm die Erklärung des französischen Ministeriums unterschrieben, damit das fianzösische Volk durch Lüge »berichte beruhigt w«den soll, n, a,, daß Berlin schon vor den Russen gezittert hätte. Sic sind wahrscheinlich selbst durch unwahre Berichte g«äuscht worden, Auch Minister können irregesührt werden. Ab« kluge Minister müssen das merken könnm. Vergessen Sie nicht, daß Frankreich mit dem d«ltschm Volke in Streit liegt, mit einem Volke, das noch nie so einig war wie jetzt. Was im deutschen Volke seit dem Kriegsausbruch ungeschwächt sort- lebt, ist die gewaltig st e demokratische Bewegung, die die Welt je gesehm hat. Der unbedmtmdste Mann im dmtschm Volke weist, daß eure armm französisch«, Proletarier »«bluten Müssen, damit mre Kapitalistm die Milliarden, die sie dm Russen gclichm habm, zurückerhaltm, weih, daß das dmischc Volk für Deutschlands Zukunft und für Deutschlands Kultur kämpft, und ein Volk von solcher Einigkeit und mit solchen Gedanken ist unüberwindlich, Verbreiten Sic die Wahrheit, die reine und ungeschminkte Wahrheit über die Kricgs- ereignisse in Frankreich, Das souveräne französische Volk soll die Wahrheit erfahren und einen selbständigen Beschluß fassen. Die Wahrheit schadet nie, jede Lüge ab« ist eine Sünde gegm die Demokratie. Londoi« fehlen Kohlenstifte. Wien, 21, Sept. Die „Nmc Freie Presse" führt die Einschränkung des Bogenlichtes aus cinm Mangel von Kohlenstisten Mrück, da in England nur eine kleine Fabrik solche Stifte erzeuge, die kurz vor dem Kriegsausbruch in aller Stille für den Bedarf d« Scheinwerfer d« Kriegsmarine verstaatlicht worden sei. Ein Schiff mit dentschen Reservisten, London, 21,Sept. (WTB, Nichtamtlich.) Das Schiff „Gelria", das von Buenos Aires nach Amsterdam unterwegs war, wurde bei F a l m o u t h von britischen Kreuzern aufgebracht. Hundert an Bord befindliche deutsche Reservisten wurden als Kriegsgefangene festgenommen. Aus den Kämpfen um Kiautschau, Rotterdam, 21, Sept, Ans Peking wird gemeldet, Der zweite deutsche Sekretär in Peking, Freiherr v, Riedesel zn Eisenboch, wurde b« eiucin Boroostengefecht in Tsrngtan, wo er als Kriegs sr ciwilli ger Dienste tat, getötet. Die Japaner näheim sich langsam dm Befestigungen von Tsingtau. Aus Tokio wird anrtlick, gemeldtt: Japanische Truppen wurdm am Freitag mit Unterstützung d« Flotte in d« Bucht Looschan, nördlich von Kiautschau, gelandet. Aus Japan. (WTB.) Tokio, 20, Sept. (Nichtamtlich.) Die Regierung hat die dentschen Zeitungen ,L ap an s-H e ro l d" und „D eutscheJapan-Post" aufgehoben, Ihr Herausgeber Oswald muß Japan binnen einer Woche verlassen. Norwegen und Schweden. Kristiania, 21, Sept. (WTB.) Fridtjof Nansm hat hier einen Vortrag gehaltm, in welchem « eine einjährige Militär- dicnstzeit für Norwegm und einm militärischen Z u sam- menschluß Norwegens mit Schweden fordert, als Vorbedingung dafür, daß die skandinavische Halbinsel ihre Unabhängigkeit und die Selbstbestimmung ihres Schichats in d« Gegenwart nnd in d« Zukunft bewahren könne. Diese Forderung werde von der gesamten Presse unterstützt, In dem Vortrag wird weiter misgeführt, die Stimmung d« in dm letzten Tagen cingetroffmm Meldungen, hauptsächlich Auslassungen der mglischm und der fianzösischm Presse, die die Haltung Norwegens unberechtigt kritisieren, sei d« schlagendste Beweis für die angen- blickliche kritische Lage. Norwegen und Schweden müßten zu- sammenstehen: das Schicksal beider Land« sei miteinander verknüpft. Eine von außen kommende Gefahr für das eine sei in gleicher Weise eine Gefahr auch für das and«e. Beide Königreiche seien fest mtschlossen, ihre Neutralftät bis zum Acußerstcn, wmn es sein müßte, mit dm Waffen, zu wahren und zu verteidig«,, Europa müsse üb«zmgt sein, daß Norwegen, falls « von ein« Macht, zwecks Aufgabe sein« Nmtralität und d« dem Lande aus der Nmtralität erwachsenden Rechte, angegriffen würde, bis zum letzten Blutstropfen seine Neutralität verteidigen würde. Das Gleiche könnte ohne Zweifel auch von Schwedm gesagt werdm, Kristiania, 21, Sept, (WTB, Nichtamtlich.) Das d« Regierung sehr nahestehende Blatt „Intelligenten" «klärt, der königl. Erlast, durck, ivclchen über Telegramme und Telephon- gesprächc innerhalb Norwegens, sowie solche nach und von auß«- halb zum 'Schutze d« strcngstm Nmtralität, eine Kontrolle cingeführt wird, bedeute tatsächlich nichts and«cs als die Einrichtung d« Zensur, Ein Bortrag an Norwegens Jugend. Kristiania, 21, Sept, Fridtjof Nansen hielt gestern einen Bortrag an Norwegens Jugend, dem der Ministerpräsident, der Minister des Aeußern und des Krieges beiwohnten, Nansen betonte, daß Norwegen streng neutral bleiben müsse. Würde diese Neutralität aber durch irgend eine Macht verletzt, so würde Norwegen bis zum letzten Soldaten seine Unabhängigkeit verteidigest. Es sei zweifellos, daß in diesem Falle Schweden an die Seite Norwegens treten werde. Tas österreichisch-italienische Verhältnis. O f e n p e st, 20, Sept, (Nichtanitlich.) Der „Bester Lloyd" schreibt über das Verhältnis Oesterreich-Ungarns und Italiens: Es kann festgestellt werden, daß das Verhäld- nis beider Staaten jetzt nicht minder freundschaftlich und vertrauensvoll ist als vor Ausbruch des Krieges, Es ist zu hoffen, wie dies auch der gegenwärtige Vertreter der Mons- archie in Rom erklärte, daß durch den Krieg die wechselseitigen Beziehungen nur noch verbessert werden. Zwei Argumente tragen dazu wesentlich bei: Oesterreich-Ungarn ist unter allen Umständen fiir Italien ein bequemerer Nachbar als jeder Staat auf nationaler Grundlage, Zweitens hat der Krieg die Solidarität der einzelnen Nationalitäten der Monarchie befestigt. Künftighin werden nationale Streitigkeiten einen weit milderen Charakter tragen. Es ist also bestimmte Hoffnung, daß die österreichische Regierung für das italienische Element ihr Wohlwollen wirksam wird betätigen können, ohne durch die Parteien im Reichsrate daran verhindert zu werden. Ein Gedenktag in Italien. Rom, 21, Sept, (WTB, Nichtamtlich.) Der gestrige Jahrestag des Einzuges deritalienischenTruppenin Rom wurde in ganz Italien festlich begangen. In Rom bewegte sich am Nachmittag ein gewaltiger Zug von Vereinen von dem Platze Santi dlpostoli nach der historischen Bresche an der Porta Pia, wo der Vizepräsident des Provinzialaus- schnsses Ludovisi und der Bürgermeister von Rom Fürst Co- lonna mit lebhaftem Beifall anfgenommene Gedächtnisreden hielten. Der Bürgermeister verlas ein Telegramm, das anläßlich des Festtages an den König gerichtet worden ist, und dessen Antwort, die folgendermaßen lautet: Ich erwidere den Gruß des Volkes von Rom und seiner Vertretung, An diesem festlichen Tage bekräftige ich den Glauben an die Wohlfahrt und die Größe des Vaterlandes, dem ich, wie meine Vorfahren cs taten, alle meine Gedanken und meine ganze Arbeit widme, gez. Viktor Emanuel, Tie Verhandlung Deutschlands mit Rumänien. Bukarest, 21, Sept, Die Verhandlungen Deutschlands in Bukarest haben einen vollen Erfolg erzielt, Freiherr von dem Bußche wurde vorgestern von dem Ministerpräsidenten und gestern vom König Kcrrol empfangen, Das Ministerium hat unter dem Vorsitz des Königs Karol gestern getagt, Rumänien lvird m Quarti« liegend«. Kutsch« Strutz hier zurück als Schutz für «e offene Wohnung, Mle Schränke nnd Tür«, waren erbrochen, mn Acxten eingeschlagen, Oelporträts, andere Bilder wurden aus «« fehl Sr, Exzellenz von deutschen Soldaten vom Mtsthansen 9« sammelt. Die Wäsche war. soweit sie nicht gestohlen wurde, m Drangtonnen gesteckt, mit Leim begoss«! und zu Hansen grstlnw^ und dazwischen hatten die Russen Notdurft befiiedxgt. Mrtvoll« 1 l: I ' ’r ,! ' f t % f I <0 i r f r ! I I l I t kl H PB t h ! tzener Porzellan war zerschlagen, bte Suppen terinc war als >,1 tgrschtrr benutzt worden. Die Toiletten meiner Frau waren n onnen gesteckt und mit Leim und Honig begossen. An den lond- l schriftlichen Maschinen und in der Brennerei waren wichtige Z e, wie Zahnräder usw., verschwunden. Bon den vier Säe binen war keine einzige mehr zu gebrauchen. Alle Zäune und Schcunentorc zerschlagen. In den Ställen sind die Boxen Ärzten zerschlagen. Die Bohlen liegen daneben. Die Hühner Schweine lagen kopflos aus dem Misthausen. Mit dem Vieh ,er Leute war ebenso verfahren worden. Zeugen sind (frzellen; berg, Führer der 35. Division, Major von Kameke vom gwercn Reiterregiment in Thorn, Oberleutnant Erdmannsdors, 'lcutuaut und Kommandeur des Grenzschutzes Zaäwrre, Ma und Kommandant des Ersatzbataillons 175. In der ganzen egend sieht es ebenso aus. von Kameke, Königl. Domänenpächter Führer der 2. Komp, des Landsttcrmbatalllons Maricnburg. Berlin, 21. Sept. (WTB. Amtlich.) Aufgefangener ffpruch vom 25. August, 12 Uhr mittags: General Postowski an Kioimnandeur l. Armee- 4: Ich bitte, unverzüglich weiterzugeben, an 2. Inf.« und Stab 23. Armeekorps 7.13 morgens an best, der imandierende. Befehl: Eine Kompanie mit encrgischein Kommandeur zuschicken, mit dem Auftrag, alle Förster ohne »atmen zu erschießen. Für die gegen General Marios erhobene Beschul» ng hat sich bisher kein Beweis erbringen lassen. Marios eitet seine Schuld. Die Untersuchung wird fortgesetzt. Berlin, 21. Sept. (Amtlich.) Die „Nordd. Allg. Ztg." ibt: Der Ausschuß der Regierung in Gumbinnen, der er in Berlin zurückgeblieben war, um die von den cn in Ostpreußen begangenen Greueltaten festzustellen, m Samstag nach Königsberg abgereist. Es ist dringend inscht, daß auch weiterhin Anzeigen über russische icltaten erstattet und an die Kgl. Regierung in Gum» cn, zurzeit Königsberg, gesandt werden. er vries der Bürgermeisters von Saarburg i. L. rf noch eines weiteren Kommentars: der Verfasser des lels in Nr. 210 erwidert: Die angegriffene Zuschrift vom eptember gründete sich auf die im Gießener Anzeiger achten Veröffentlichungen. Es handelte sich dabei um Zuschrift in der „Köln. Ztg." und um einen Artikel des | rrburger Wochenblatts", von dem man annchmcn muß, es gut unterrichtet ist und vermeidet, für Saarburg tcndcs zu bringen. Lassen sich die Angaben der Blätter, > ach die Franzosen von lothringischen Bewohnern geführt X'n, widerlegen — um so besser! Bis jetzt sind aller- s nur die Ucbeltäter anscheinend noch nicht gefunden, in Bezug auf die vandalische Plünderung und Zerstörung Offizier- und Beamte „Wohnungen gestellte Frage: „Wo en die höheren französischen Offiziere" — die selbst ein- | iten mußten, bezw. zu Hilfe gerufen werden konnten —, die besseren Teile der Bürgerschaft? Wo blieb der Ge- derat?" wird nur in Bezug auf die arretierten Herren I Gemeinderats beantwortet. Der übrige Teil der Frage vom Herrn Bürgermeister nicht berührt. Das genügt! ! Kzug auf Oktroi soll in Ermangelung der Men und der zbücher nur festgelogt werden, daß der Bürgermeister >t, daß den Soldaten die Oktroirückvergütung von der t Saarburg entzogen worden ist. Dies hat in der Gar- i die größte Erbitterung hervorgerusen. Der Beweis lir wird angeboten. Aus dem Reiche. lerlin, 21. Sept. (Priv.-Tel.) Das „Berl. Tagcbl." t aus Sonncnburg (Neumark): Die durch die Insassen der denzcr Strafanstalt mit tausend Köpfe angewachsene Beleg- der Kgl. Strafanstalt Sonnenburg hat 7000 Mark bar für das Kreuz gestislet. | 3 c r 1 1 n , 21. Sept. (Nichtamtlich.) Ter Kaiser hat dem «Herzog von Mecklenburg-Schwerin das Eiserne Von den größten Städten sieiches zeichneten München 108 Mill , .Köln 120 Mill., ien 65 Mill., Hannover 71 Mill., Stettin 61 Mill., ldorf 116 Mill.. Hamburg 216 Mill., Leipzig 100 Mill., 6 637 200, Koblenz 0 l 16 000, Erfurt 18,7 Mill., Groß-i gtuin Weimar 17 Mill., Aachen annähernd 4l Mill., und Umgebung etwa 58 Mill., Nürnberg rund 41 Mil!., fscnburg 2 400 000 Mk. I ainer uns nachträglich zugegangenen Zuschrift über das l onis in Gießen entnehmen wir folgendes: Erfreulich e Teilnahme vieler kleiner Sparer, die Beträge von | l«it Hundert Mark gezeichnet haben. Bekanntlich hat tadt Gießen 250 000 Mk. gezeichnet, während die Spar- deren Einleger ca. 500 000 Mk. zurückgenommen ! i, 50 000 Mk. zeichnete Sogenannte Millioncnbrockcn, solche anderweit in Reichsanleihe angelegt ivurden. n in unserer Stadt nicht vor. Dagegen sind von tlei- i und mittleren Germrdetreibeuderr sehr zahlreiche Ka- prralaniagen gezeichnet worden. Wer die Zeichner feruii, kann sich über die Art und Höhe der Summen, die bei uns gezeichnet sind, wohl ein Urteil erlauben. Es steht außer Zweitel, daß die große Mehrheit der Zeichner die gezeichneten Beträge aus bereitliegcnden Mitteln decken wird, die als Reserven bei den Banken bisher angelegt waren. Die im ganzen gezeichnete Summe von 6.8 Millionen Reichsanleihe ist in Rücksicht auf die augenblickliche wirtschaftliche Lage in unserer Stadt als hoch zu bezeichnen. *• Eisenbahn-Verkehr. Ab heute veckehren wieder die früheren Schnellzüge D 76 und D 75, also nach Frankfurt und zurück. ** Ber der Bezirkssparkasse Gießen wurden einschließlich der eigenen Zeichnung der Kasse 700 000 Mart 'zu Zwecken der Kriegsanleihe ansgewandt, beziehungsweise von den Einlegern gezeichnet. ** Unsere letzte Einquartierung hat uns gestern wieder verlassen. Während der wenigen Tage, an denen die ffem- den Gäste in unserer Stadt waren, hatte sich das Erwerbsleben merklich gehoben, da die Leute mancherlei Bedarf ergänzten Auch die Quarticrgeber Hallen an den humorvollen Soldaten ihre Freude und^haben ihnen reichlich Gastfreundschaft geboten. Als gestern die Soldaten ausmarschiertcn, wurden von Ossizieren zwei Reden gehalten, die^ Zeugnis davon ablegten, daß es der Einquartierung in unserer Stadt gesallen hat. Die Reden klangen aus in einem Lob ans Gießen und seine gastfreie Bürgerschaft, und wurden von den Mannsckwsten mit freudigen dreimaligen Hochs begleitet. ** Gegen den englisch-französischen Lügen- seldzug. Bor kurzem wurde an dieser Stelle aus die kurz zu- sammensassenden Kriegsberichte aufmerksam gemacht, die der Deutsche Handclstag herausgibt und die dazu dienen sollen, im neutralen Auslände den englisch-französischen Schwindelnachrichten wirksam entgegenzntretcn. In der Frc es'schen, Fcrbe r'scheu und Ricker'scheu Buchhandlung, sowie im Lesesaale der Universitätsbibliothek werden diese Kriegsberichte unentgeltlich abgegeben. Die erste Nummer war in der vergangenen Woche sehr rasch vergriffen. Nun liegt eine zweite Nummer in deutscher, englischer, französischer und italienischer Sprache zur Abgabe bercü. Die Aufklärung des neutralen Auslandes durch eigenhändige Postkarten und Briese, Versendung von Zeittingen und dieser Kriegsberichte an alle außerhalb Deutschlands wohnenden Verwandten und Freunde ist eine vaterländische Pflicht, deren wir Tag für Tag immer wieder von neuem gedenken müssen. Helfen wir so dazu, daß die von so vielen Verleumdungen verdunkelte Wahrheit über die von unseren tapferen Kriegern im Felde erstrittenen Erfolge und über ihre mustergültige Haltung auch im Auslande überall siegreich durchdringt! **GefangeneFranzosen. 30 Franzosen, die im hiesigen Lazarett als Verwundete untergebracht waren, sind heute als geheilt entlassen und nach dem Griesheimer Lager gebracht worden. ** Die Feldpo st sen düngen. (Trotz des wiederholten Hinweises auf die Notwendigkeit einer deutlichen und genauen Adressierung der Feldpostsen- dungeu kommen ungenügend adressierte Sendungen in solchen Massen vor, daß sich die Postverwaltung gezwungen sieht, von dem Versuch, solche Sendungen unterzubringen, abzuschcu und sie den W seuderu zurückzu geben. Anders ist ein geordneter Betrieb bei den Postsammclsdellen nicht aufrecht zu erhalten. Die Adressen der Feld Postsendungen au die Angehörigen des Feldheeres müssen außer dem N a men und der Dienststellung des Empfängers die möglichst vollständige Angabe des Truppenteils, dem er angehört, enthalten, und zwar tunlichst in der Reihen- folge des Vordrucks auf den amtlichen Feldpostkarten und Briefumschlägen, wobei genau zwischen Linien-, Reserve-, Ersatz-, Landwehr- und Landsturm-Truppenteilen zu unterscheiden ist. Reicht der Vordruck zur Bezeichnung des Truppenteils nicht aus, wie das bei vielen, häufig sehr langnamigen besonderen Formationen der Fall sein kann, so sind die Bezeichnungen an sonst geeigneten Stellen der Aufschriftseite über sicht- l i ch nicderzuschreibeu. In kürzer Zeit wird die Postverwaltung neue Feldpostbriefumschlage und Feldpostkarten erscheinen lassen, auf denen zur Bezeichnung der besonderen Formationen ein besonderer Platz gelassen ist. Ein B e st i m - m u n g s o r t ist in den Aufschriften der Briese für Angehörige mobiler Truppenteile nicht anzugeben. Auch die VerpackungderschwererenFeldpostbriefe mit Schokolade, Zigarren, Tabak, Strümpfen Und ähnlichem Inhalt ist vielfach sehr mangelhaft. Wenn solche Sendungen bei den besonders ungünstigen Beförde- rungsverhältnissen im Feld« unverletzt dem Empfänger zu- gehcn sollen, müssen sie in dauerhafte Umschläge aus Pappe oder starkem Papier verpackt und fest um s ch nür t werden. ** Fcldvo st-Pakete für das Heer. Pakete an Angehörige des Feldheeres werden durch Vermittelung der Ersatz- Truooenteile ins Feld nachgesandt. Das Ersatz-Bataillon für das aktive Regiment Nr. 116 nimmt täglich von 8—11 Uhr vormittag- und von 3—6 Uhr nachmittags solche Pakete, mit genauer Adresse versehen, aus der Wache der neuen Kaserne an. Tie von außerhalb ins Feld bestimmten Pakete an Angehörige desaktivenRegiments können durch Vermittelung der Post hierher gesandt werden. Die Adresse sür eine der 6. Knnvagnie Infanterie-Regiments Nr. 116 angchörende Person würde also wie folgt zu lauten haben: An das Ersatzbataillon Infanterie-Regiments Nr. 116 * in Gießen zur Weiierbesördernng an: XVIII. Armcewrps, 25. Infanterie-Division, 49. Infanterie-Brigade, Infanterie-Regiment Nr. 116, II. Bataillon, 6. Kompagnie, Gefreiter der Res. X. Es wird daraus hingewiesen, daß das Ersatz-Bataillon des R e se r v c-I n sa n t c ri e-Regiments Nr. 116 sich in Jugenheim (Rheinhessen) befindet und das Ersatz-Bataillon des Landwehr-Jnfanterie-RegimentS Nr. 116 in D a r m st a d t. Starkcnburg und Rhcinhesscn. Da rin sta dt, 21. Sept. Se. Königl. Hob. der Großherzog hat, wie die „Darmst. Ztg.' hört, das Eiserne Kreuz 1. Klasse erholten, was gewiß im ganzen Hessenlande freudig begrüßt werden wird. rm Tarmstadt, 21. Sept Tie Mehqer-Iniiuna gibt bekannt, daß stc sich durch den Kriegszustand und die dnrcb ilni bedmgic» GeschäliS- »nd BetriebSverhottnisie. ivelche a»l das bewerbe ämjerft crictiwerend «»gewirkt baden, stch veranlaßt stehl, die Läden in der N a ch m i i t a g S z e i I von 1 bis 3 Uhr zu schließen. vermischte». * Eine Erinnerung an die Kaiserin Friedrich. Charlotte Ladn Blennerhassett, die ausgezeichnete Biogravhin der Mine. Stael, setzt im neuesten Hefte der Teuffchen Rundschau ihre Erinnerungen fort und erzählt dabei Interessantes von ihren Beziehungen zur Kaiserin Friedrich, bei der sic wiederholt zu Besuch war. Als hie hohe Frau sich im Witwenschleier aui Schloß Friedrichs!,oi zurückgezogen haue, schul sic sich hier mit seinem Kunst- grfnhl die ihrem Wesen gemäße Umgebung. „Es war dem Schönheitssinn der Kaiserin gelungen, den Musterbau eines Schlöffe-, in dem Kunstiverke aus allen Zeiten und Ländern geborgen wurden, und dazu einen Rosenhain, Gartenanlagen und den Park zu schaffen, die sortan zu Deutschlands Sehenswürdigkeüen gehören. Nichts konnte gastlicher und von einfacherer Vornehmheit sein als das Leben, das sie dort führte, bis ins Kleinste um alle Bequemlichkeit ihrer Gäste besorgt. „Margarethe, jetzt haben die Mädchen schon wieder nasse Gläser auf die neuen Servierbretter gestellt," bemerkte sio in einer der lleinen, jeder Wohnung zugewiesenen Küchen zu ihrer liebenswürdigen Hofdame, Fräulein von Faber, und wollte nicht begreifen, warum ich darüber lachte. Der Verkehr mit ihr, in den Gärten, während sie aquarellierte, auf Spaziergängen und Ausflügen, bei den Mahlzeiten, war völlig ungezwungen. Wir konnten nicht umhin, zu bemerken, daß es ihrer Umgebung zur Gewohnheit geworden schien, ihr beständig zu widersprechen, was sie mit erstaunlicher Langmut hinnahm. Der lleine Zug verdient Erwähnung, denn auch bei ernsten Diskussionen, und obwohl sic nach bekannt lebhafter Art mü ihrer persönlichen Meinung nie zurückhielt, siel tä ihr nicht bei, ZustriMniina zu erwarten oder gar zu begehren Schon deswegen nicht, weil sie die Frauen so selten verliehene Gabe des Humors besaß und eine damit ver-c bundene stichhaltige Kritik vergnügten Sinnes hinnahm. Nur wo sie llcbelwollen imd die Absicht durchsühlte, ihr das Recht aus selbständiges Urteil abznsprechen, kam, oft zu ihrem Schaden,' das stolze Sclbstbcwnßtieiii ihrer Natur zur Geltung. Die unleugbar sehr bedeutende intellektticlle Begabung der Kaiserin Fricd- rickl hat in Bezug aut Objektivität des Urteils und Menschrn- kennwis gewisse Einschränkungen erfahren. Wohl mit Recht, denn posthume Lerössenllirhungeu erweisen, wie bitter sie sich zuweilen imd ans den edelsten Motiven in der Wahl von Vertranten getäuscht hat, deren Niedrigkeit sie, zü ihrer Ehre sei es gesagt, nicht durchschaute. Ihre Herzensgute ist dagegen nicht genug gepriesen worden." * Die Selbstbiographie im Film. Der amerikanische Seifenkönig Galsworth, der jetzt 42 Jahre alt ist, ist bisher an jcdcni Tage seines Lebens photographiert worden, und verfügt über 42 Bände von Photographien von je 365 (oder 366) Blättern, die seinen Lebensweg von der Wiege bis zum Manncsalttr darstellen. Eine noch merkwürdigere Selbstbiographie wird der Sohn, dieses Seifenkönigs dereinst haben. Bon seinem ersten Lebcnstagc an ist nämlich der Sprößling des amerikanischen Millionärs täglich kinc- matographisch ausgenommen worden, so daß bisher schon eine stattliche Menge von Kinematographien von ihm vorhanden ist. Diese Selbstbiograpl ’e wird fortgesetzt werden, so daß sich mit der Zeit eine stattliche Filmsammlung ergeben wird. Die Mitglieder der Familie Galsworth sind außerordentlich langlebig: der Großvater des jungen Galsworth mit der Film-Selbstbiographic ist jüngst im Alter von 80 Jahren gestorben, und wenn er selbst ebenso alt wird, hat er schließlich eine kinematographischc Selbstbiographie von 30000 Bänden! Amerikanische Blätter meinen, diese Art, sein Leben aufzuzeichnen, werde bei den amerikanischen Millionären Schule machen. vüchertisch. — Peter Rosegger» Gesammelte Werke. Vom Verfasser nenbearbeitele und neueingetellte Ausgabe. 40 Bände in 4 Abteilungen z» je 10 Bände». Jeden Bionat gelangt ein Band zur Ausgabe. Jeder Band geschmackvoll gebunden Mk. 2,50, in Halbperganient Mk. 4,—. Einzelne Bände iverden nicht ge- lieiert. Verlag von L. Slaackmami in Leipzig. Soeben erschien von der zweiten Abteilung Band 15: Alarim der Mann. Ein» Erzählung. Tiefe Erzählung Peter Rosegger?, die nach des Dichters eigenem Bekenntnis nicht wieder ein« Bauerngeschichte aus dem Lebe» unserer Tage ist. sondern zu jener Art von Dichtung gehört, in welcher Welt und Menschenschickial ein Gleichnis wird, entkeimt dem Reiche der Poeteniecle, wo die Tämone» Hansen. Das Ganze ist durchzogen von dem schönen Gedanken: Das Ratnrleben triumphiert über di« Hohlheit »nd Verderbtheit des komplizierten und rosft- »ierlen Großstadilebens. Tie LInlnqe »nd die 2i»slühn»ig des dichterischen Planes stnd bewunderungswürdig, der Stil großartig: einheitlich geglättet, jedes Wort wie in Marmor gemeißelt. ^Schöne und große Gedanken schmücken das Werk gleich Edelstein SÄiaii«»- gründe voll Schauer und Grane» wechseln ab au! lieblicken Wald» wiesen voll Sonnenschei» und Blumcnvracht. In dieser Erzählung offenbart sich die Wahrheit des Goeihe'jchen Satzes, daß der Dichter nichts ist als ein Organ Gottes, durch welches er der Welt sich, jeiveilig offenbart. Amtlicher Wetterbericht. Oeffentlicher Wetterdien st, Gießen. Wetteraussichten in Hessen am Mittwoch, den 23. Sept. 1914 1 Ziemlich heiter und trocken, nördliche Wznde, nachts kalt. Letzte Nachrichten. Eine Auszeichnung des Frhrn. v. d. Goltz. Brüssel, 22. Sept. (WTB. Amtlich.) Der Kaisor hat dem General-Gouverneur Freiherrn von der Goltz im§ Eiserne Kreuz 1. Klasse verliehen. Aus Italien. i. Köln, 22. Septbr. Die „Köln. Ztg." meldet aus Zürich: Aus Mailand wird geincldet: Die „Jtalia" gibt eine Unterredung mit einem ausländischen Diplomaten wieder, »worin bemerkt wird, die adriatische Frage bilde für Italien keine Lebensfrage. Ein Eingriff Italiens in der ?ldria ivcrde auch kctires- w-z? als ein g:gen Ocler:erck> gerichtetes Borgehen ausgefaßt. Das Blatt selbst tadelt die Straßenkundgebungen und führt aus: Das italienische Volk solle sich nicht durch unbegründete Deutschenfurcht beelnstusseir lassen. Das Blatt gibt einen, Artikel des Abgeordneten Erzbcrger wieder, worin 'dieser den Standpunkt Deutschlands auseinandeffetzt. Aus Paris. (WTB.) Paris, 22. Sept. (Nichtamtlich.) Nach dem endgültigen Ergebnis der Pariser Volkszählung! sind 1 807 044 Einwohner, also nur zwei Drittel der Zahl in normalen Zeiten, und zwar fast die doppelte Zahl der Frauen wie Männer anwesend. Auch Griechenland. i. Köln, 22. Sept. Tie Kölnische Zeitung meldet aus W j e n: Der Rücktritt des griechischen M i n i st e r s des Aeußern, Streit, ist von der hiesigen und namentlich von der Presse des Dreiverbandes so ausgelegt worden, als ob dieser eriolgt sei, weil Streit mit der Hinneigung der griechischen Regierung zum Dreiverbände nicht einverstanden gewesen sei, oder weil eine Schivenkung Griechenlands in das Lager des Dreiverbandes berwrstche. Demgegenüber wird dem Korrespondenten der „Köln. Zeitung" von hiesigen griechischen Pressevettreiern versichert, daß Streits Zurücktritt sich ausreichend aus dessen leidendem Gesund heitezustant« erklärt, daß aber auch die llebcrnahme des Auswärtigen Amtes durch Veniselos jener Vermutung den Boden entziehe. denn Veniselos, dessen verständige Polittk allgemeine Anerkennung gesunden habe, dürste nicht die Polittk strengster Neutralität auigcben. Rumäniens Neutralität. Turin, 22. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) Die„Stampa" meldet aus Osenpest: Tie Regierung wird Über mehrere Städte Rumäniens den Velageruirgszustand verhängen, um Kundgebungen gegen die Neutralität und zugunsten der Triple-Entente zu vcrhindcrii. Drucksachen aller Art SZSSJS5SZ - dieBrührsehoU»iv.-DrMkM^ _ Am 8. September starb den Heldentod für das Vaterland unser unvergeßlicher Amtsgenosse Herr Oberlehrer Ernst Keller Leutnant der Reserve im Infanterie-Regiment Nr. 116. Erfüllt von einer hohen Auffassung seines Berufes und beseelt von warmer Liebe für die Jugend, gewann er sich durch seinen lauteren Charakter, sein goldenes Hetz wnd sein sonniges Wesen in der kurzen Zeit, in der er in unserer Mitte wirken durfte, die Herzen seiner Schüler und Amtsgenossen und sicherte sich bei «Heu ein nie verlöschendes Andenken. Gießen, im September 1914. Der Direktor und das Lehrerkollegium des Landgraf - Ludwigs - Gymnasiums. 9993D Statt besonderer Anzeige. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, unseren innigstgeliebten, hoffnungsvollen Sohn, unseren lieben Bruder, Enkel und Neffen Adolf Schöll, Schulamtsaspirant heute nacht 11*/, Uhr im 20. Lebensjahre nach langem, mit Geduld getragenem Leiden in die Ewigkeit abznrnfen. Im tiefen Schmerz: Familie Karl Schön, Feldschütz. Giessen, Seltersweg 68 a. 9988 Die Beerdigung findet statt Donnerstag nachmittag 4 Uhr von der Kapelle des netten Friedhofs ans. Unser lieber Freund cand. theol. Wilhelm Cellarius Einjährig-Gefreiter ist für das Vaterland gefallen. In tiefer Trauer: 9977 D Den Heldentod für Kaiser und Reich starb am 8. d. Mts. unser liebes Mitglied Fritz Schomber. Ebnendes Andenken werden wir demselben stets bewahren. Gesellschatt Fröhlichkeit. Giessen, den 21. September 1914. 06758 Am 22. August starb fürs Vaterland unser treubewährter Mitarbeiter Herr Paul Zeidler. Ein ehmdes Andenken werden wir dem Dahingeschiedenen bewahren. Bas Personal der Firma Carl 1 . Harluin. 9992 Am 22. August starb den Heldentod fürs Vaterland mein lieber Mann, unser guter Vater, Sohn, Bruder, Schwiegersohn, Schwager, Enkel und Neffe Heinrich Fett Buchbinder Reservist der 9. Komp, im Jnf.-Regt. 116. Die tifitrmicrnbcn Siiltttblikbenkn. Frau Katharine Fett u. 2 Kinder Familie Fett Familie Weih. Großen-Linden, Watzenborn, den 22. September 1914. 06759 Ihre Vermählung zeigen an: Karl Suchan, Lehrer, z. Zt. Offiz.-Stellvertr. hn Inft-Regt. Nr. 87 Marie Suchan, geb. Hoffmann. Krofdorf, den 20. Sept. 1914. „ Kartoffellieferung. Die Lieferung von ea. 90000 kg Speist- kartoffcln für die hiesig« Anstalt soll öffentlich vergeben werden. Angebote sind verschlossen und mit entsprechend» Aufschrift versehen, bis sMestens ÄMtag, 10. Mtbtt 1914, Mmittigs 10 H hierher einzurcichen. In den Angeboten sind bie Kartoffelsorten zu benennen und die Bedingungen, die auf dem Geschäftszimmer des Unterzeichneten offen liegen, anzuerkcnnen. Die Proben find getreue von den Angeboten ernznreichen. Es bleibt d». behalten, die Lieferung zu teilen. Zuschlagsfrist 8 Tage. Gießen, den 22. September 1914. Großherzogliche Direktion der Landes-Heil- und Pflcgeanstalt bei Gießen. I. A.: Lotz, Großh. Hausverwalter. Schwere halbwollene Schlaf-Decken Stück 3.— u. 6.— Mk. Bei Abnahme groß. Mengen Preisermäßig. C. ROEHR & Co. 9823a] W-AiMlIM» nach Borschrist Feldsättel Feldzäume Packtaschen Wollene Dienstdcckcn Lsßzitrksjscr ■ 8imschen Sporen iuöi)cröid}tc Schlafsäcke Unterwesten vollständig wasserdicht (grotzartig bewährt) Alminillin-KeUtsihkil Trinkbecher Eßbesteck ustv. Anfertigung nach Angaben sofort AlWMlbiM Scltersweg 7« (9814 Achtung! Achtung! Gin Waggon frische Zwetschen, Birnen n. Aepfel Kartoffeln prima gesunde Ware, per Beniner Mk. 3.50. Bki nröB. Quant, frei Haus. l Weisel, feTÄ£ cinnetroffen. Billige Preise. Berkaus am Mittwoch arten 06763 Donnerstag und Freitag, oon 8 Uhr an, im («arten' des Hotel Felieukcller, Bahnhojitranc. 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