Nr. 2\Z D-r Sletzener anjtigtf trfdjeim täglich, außer Sonntags. — Beilagen: viermal wöchentlich SiehenerKumtlienblätter; zwennal wüchenll.Ureir- blott fürbcn Kreis «siegen (Dienstag und Freilag): zweimal inonatl. Land» «irtschastlich« Seitstagen Feruiprech - Anschlüsse: lür da« Redaktion 112, Verlag u. Expedition öl Abreise lür Devcschen: Anzeiger «Siesten. Annahme v«n Anzeige» für die Tagesnummer bis vormittags 9 Uhr. Erster Blatt 164. Jahrgang Mmvoch. 16 . September M4 General-Anzeiger für Gderheffen RotationrdnlS und Verlag der Brühl'schen Univ.-Such- und Zteindrrrckerei R. Lange. Redaktion. Expedition und Druckerei: Zchulstraßr 7. Bczu qsv reis: monatlich?5M., vierteljährlich Mk. 2.20: durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 PH: durch die Post Mk.2.— viertel» jährl. ausschl. Bestellq, Zcilenpreis: lokallöPft ausivärts 20 Psenniq. Ehesredakteur: A Goetz. Perantivortlich sür den polit. Teil: Aug. Goey; sür .Feuilleton", .Vermischtes" und.Gerichtssaal": Karl Neurath; sür .Stadt und Land": Kurt Bendt; sür den Anzeigenteil: H. Beck. ver rechte Mgü L^s deutschen weMeerer 1.^ VerdM in teilweise erfolgreichen, teilweise noch nicht enischiedsnen Nampsen. (WTB ) Großes §> aup t a u a rt i t r, 15. Scptemb. «Amtlich.) Der am rechte» Flügel des West Heeres seit zwei Tagen stattfinüende Kampf dehnte sich auf die nach Osten anschließenden Armeen bis Verdun heran aus. An einigen Stellen des ausgedehnten Kampffeldcs sind bisher Teilerfolge der deutschen Waffen zu verzeichnen. Im übrigen steltt die Schlacht noch. Auf dem ö st l i ch e n Kriegsschauplatz ordnet sich die Armee Öindenburg nach abgeschlossener Verfolgung. Die in Oberschlesien verbreiteten Gcrüchteüberdrohcnde Gefahr sind nicht begründet. Wien, 15. Seht. (Amtlich.) Die über die Save tingebrochenen serbischen Kräfte wurden über- allzurückgcschlagen. Syrmicn und Banat daher vom Feinde vollständig frei. Stellvertretender Chef des Gencralstabcs v. Hofer. Auf französischem Boden toben folgenschwere Kümpfe. Heute wlissen wir es, daß nicht nur vor Paris, sondern auch östlich davon bis Verdun Schlachten im Gange sind. Es ist ohne weiteres klar, daß die Franzosen jetzt ihre äußersten Kräfte aufbieten, um die drohende endgültige Niederlage abzuwenden. Mit dem Mute der Verzweiflung kämpfen unsere Feinde mit unseren tapferen, sieggewohnten Truppen, die zweifellos von dem schrankenlosen Drang beseelt sind, das zu vollenden, was sie in großen Mühen bisher gewonnen haben. „An einigen Stellen des ausgedehnten Kampffekdes find Teilerfolge der deutschen Waffe zu verzeichnen. Im übrigen steht die Schlacht noch." Das sind Sätze, -auf die wir unsere Zuversicht und unser Vertrauen aufbauen können. Die Franzosen imb Engländer haben freilich die spannende Lage benützt, um unbegriindete Sieges- imchrichten in die Welt zu setzen: wahrscheinlich wurde das französische Volk, über das schon die finanzielle Not in ihrer ganzen Schwere hereingebrochen sein soll, es wicht einmal ertragen, daß ihm von bisher unentschiedenen Schlachten gesprochen wird. Aber wir können uns gedulden. Das ist cs ja gerade, was uns von den westlichen tzLachbarn so sehr unterscheidet. Dort flackernder, stoßweiser Tatendrang, hier kraftvolle Beständigkeit und zähes Aushalten. So soll es nicht nur im Felde bleiben, sondern auch bei den deur Kampfe Ferngebliebenen. An den vielen Nachrichten, die heute wieder über neue Ereignisse und Aendckrungen in der Weltlage vorliegen, sollten wir uns nicht berauschen und ereifern. Gar manche Meldung wird sich wohl als verfrüht Herausstellen. Es ist kaum denkbar, daß die Engländer fiir das bedrohte Indien Japaner zu Hilfe gerufen haben sollten, wie ein hollän- ländisches Blatt gemeldet hatte. So viel aber steht sicher, daß England über die Lage in Aegypten besorgt ist und darum indische Truppen dorthin zur Hilfeleistung abgesagt hat. Ob Die indischen Fürsten wirllich mit so großer Begeisterung ihrem Zwingherrn Heeresfolge leisten, darf bezweifelt werden. Wir wollen aber unsere Hoffnungen nicht auf diese im dunklen Schoße der Zukunft ruhenden weltpolitischen Möglichkeiten setzen. Tie deutsche Tat muß der Weltgeschichte die neue Bahn weisen; dafür haben wir zu sorgen, auf dem Schlachtfelde sowohl wie in der Heimat. Erfreulicherweise werden die Kriegsanleihen eifrig gezeichnet, und nach den vorliegenden Erfahrungen sind es auch wieder viele deutsche Mitbürger in bescheidenen Verhältnissen, die nicht zurückstehen wollen. * . ' Die Meldungen des Dreiverbandes bleiben aus. Rotterdam, 15. Sept. Seit g e st e r n i st in Paris jegliche Meldung aus dem Hauptquartier unterblieben, während sonst zweimal täglich mehr oder weniger ausführliche.Hauptquartiermeldungen veröffentlicht wurden. Reuter und havas erklären dies dadurch, daß der Generalstab zu sehr beschäftigt sei. Italienische Zeitungen in Frankreich verboten. Rom, 15. Sept. (WB. Nichtamtlich.) Die Zulassung italienischer Zeitungen in Frankreich ist jetzt allgemein verboten. Ausgenommen von dem Verbot blechen bezeichnenderweise der „Messagero" in Rom und der „Secolo" in Mailand. Finanzielle Not Frankreichs. Berlin, 15. Septbr. Nach der „Voss. Ztg." verschärft sich die finanzielle Lage in Frankreich unheimlich schnell zu einer Zahlungskrisis. Nach Pariser Nachrichten werden die Coupons der Pariser Stadtanleihcn und Pfandbriefe vom Credft Foncier nicht bezahlt. Dies ist umso schwerwiegender, als beide Wertpapiere bisher als das Ideal der Bermögens- anlagc besonders für die kleinen Sparer galten. Tie Regierung macht die größten Anstrengungen, um einzelne große französische Banken zu halten, deren Schwierigkeiten bereits ein offenes Geheimnis sind. Die Einzahlungen aus die im Juli herausgcgcbcne neue 3V-vrozenligc Anleihe gehen unter diesen Umständen nur in ganz geringen Beiträgen ein. Tie Franzosen und ihre Tum-Tum-Geschosse. Berlin, 15. Sept. (W. B. Nichtamtlich.) Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt, Poincare solle in einem Telegramm an den Präsidenten Wilson die Behauptung gewagt haben, es sei Deutschland gewesen, das von Kriegsanfang Dnm^Tum-Kugeln verwendete. Solche verleumderische Ausrede könnte die in dem Telegramm des Kaisers au den Präsidenten Wilson enthaltenen Feststellungen nicht entkräften. Poincare müßte den Beweis für seine Behauptungen schuldig bleiben. Deutschland hat der Presse, wie oen neutralen Staaten sein Beweismaterial in Gestalt von bei französischen Soldaten gesunoenen, in französischen Festungen beschlagnahmten verbotenen Geschossen zur Verfügung gestellt, dagegen hilft kein Leugnen. Eine Kriegstat Haeselers? Berlin, 15. Sept. Generalfeldmarschall Graf Hae- s e l e r wohnte in diesen Tagen dem Artilleriekampf gegen ein von den Franzosen stark besetztes Dorf bei. Als in den feindlichen Stellungen das Feuer verstummte, schien es wichtig, festzustellen, ob die Franzosen den Ort tatsächlich verlassen hätten. Graf Haeseler galoppierte nun, begleitet von einem Ordonanzoffizier, in das Dorf. Nur ein französischer Infanterist war dort zurückgeblieben, dem der Generalfeldmarschall in drohendem Tone zurief, sich zu ergeben. Der Franzose wurde von dem Generalfeldmarschall persönlich gefangen genommen. Nachdem Graf Haeseler durch Ausfragen seines Gefangenen die Rückzugsstel- lung der.Franzosen festgestellt hatte, übergab er ihn der kurz darauf im Dorfe eintreffenden Ulanen- patrouftle. (B. Z.) Das eiserne Kreuz. P o s e n, 15. Sept. Der Kommandeur des 5. Armeekorps v. Stranz hat das Eiserne Kreuz erster Klasse erhalten. Untaten von Franzosen. Berlin, 15. Sept. Das „Berl. Tageblatt" meldet aus Straßburg i. E.: Im Metzer Krankenhaus haben die Landwehrleute Christosel, Gefreiter .Hain und Bruno Lehmann zu Protokoll gegeben, daß! am Abend des 25. August französische Soldaten in ein deutsches Feldlazarett eingedrungen sind und den Stabsarzt niedergestochen haben. Biele Verwundete haben mit Hilfe des Sanitätspersonals zu entfliehen versucht, sie sind aber von den Franzosen verfslgt und zusammen mit den Sanitätern niedergemacht worden. Das Lazarett ging in Flammen auf. Schlachtenmaler und Photographen. Berlin, 15. Sept. (WTW. Amtlich.) Bei der obersten Heeresleitung laufen fortgesetzt Anträge auf Zulassung von Schlachtenmalern, Photographen, Filmphoto- graphen und Berichterstattern ein. Derartige Anträge sind nicht an die oberste Heeresleitung, sondern an die Abteilung III des stellvertretenden Generalstabes der Armee in Berlin zu richten. Der Verlust der französischen Weinernte. 1914 sollte eines der besten Weinjahre Frankreichs werden.' Die glühenden Sonnenstrahlen der prächtigen Spätsommertage haben die Trauben, die im Frühjahr reichlicher als sonst angesetzt hatten, früh gereist, und selbst kühle Herbsttage konnterr nur noch die Güte, nicht aber die Menge des zu erntenden Weines beeinträch- tigen. Dazu sind die Reblaus und der Mehltau weniger stark als in den letzten Jahren aufgetreten. Der Weinbauer erwartete eine Ernte, wie die von 1875, wo 79 Millionen Hektoliter die ftan- zöstschen Keller füllten. Jetzt hat der Krieg alle Hoffnungen vernichtet. Wenn ein nicht unbeträchtlicher Teil des südfranzösischen Landweines auch in Frankreich selbst verzehrt wird, bildet die Weinaussuhr doch eine der Hanptquellen seines Nationalrcich- tumes. Die Gewächse der Gironde, wo besonders auf der alten Landschaft Medoc die Bordeauxweine gekeltert werden, die Erzeugnisse der Provinz Burgund und nicht zuletzt die zu Champagner verarbeiteten Weine der Chanrpagner werden fast ausschließlich aus- gesührt. Für 250 Millionen Franken hat Frankreich im letzten Jahre derartige Weine an das Ausland geliefert, wovon gegen 60 Millionen nach Deutschland, der Rest zum grössten Teile nach Oesterreich, Rußland, Amerika und in die nordischen Länder gewandert ist. Dieser Handel muß infolge des Krieges vollständig ruhen. Sodann können die Händler der französischen Keltereien, die in anderen Jahren den Wein in den Bergen abschätzten, und ganze Abhänge für ihre Firmen kauften, diesmal nicht erscheinen. Auch die Vertreter der deutschen Firmen, die billigere Weine znm Verschnitt einkauften, sind natürlich ausgeblickcn. In den um den Golf du Lion gelagerten Departements Herault, Aude, Gerd und in der Gironde, woher allein die Hälfte der gesamten französischen Weinernte stammt, iehlt es an Arbeitskräften. Selbst die 20jährigen hat man ja zu den Fahnen gerufen. Bor allem aber ist der Weinbauer selbst nicht daraus eingerichtet, seine Ernte zu verkeltern, vollends, wenn diese eine ungewöhnlich reiche ist. Er keltert nur den Lcrndwein, den er im Hause braucht. Alles andere wird verkauft, sodrß der gesamte ftanzösische Weinhandel sich immer mehr in den Händen Weniger zusammengczogen hat.. Der größte Teil der Ernte ist daher bei der augenblicklülsen: Kriegslage, die einmal Frankreichs Handel nach außen unterbindet, dann aber die Abnahme der Trauben zum Teil unmöglich macht, dem Verderben ausgeietzt. Der Bauer muß die Trauben am Stock lassen oder, wenn es ihm schon gelingt, sie ak^nnehmim, wird er keine Gelegenheit finden, sie zu verkaufen oder selbst zu verarbeiten. Statt eurer reichen Ernte geht er empfindlichem, ihn aus Jahre hinaus schädigenden Verlusten entgegen. Der Erbeuter zahlreicher französischer Flugzenge. In Nr. 211 des „Gieß. Anz." vom 9. September brachten wir die Wtteikung von der Erbeutung von Flug- e u st e n im Werte von einer Million. Wir sind im Besitz es Briefes, den der Eroberer, Hauptmann Mardersteig, im Zivilbcruf Justizrat in Weimar, ein.bewährter Organisator der Flugplätze, an seinen Bruder richtete. Er lautet: „Lieber Bruder! Ein großer Tag für mich: ich erbeutete allein mit meinem Auto (1 Leutnant, 3 Begleiter) in einem versteckten Privatflugplatz — den ich aber von nieincn ftüheren Vorträgen kannte — fiir drei Viertel bis eine Million ftanzösische Flugzeuge und Motoren. Der Kommandierende beglückivünschtc mich herzlich, Tein Bruder Georg." — Die Meldung an den Kommandierenden, datiert Reims, 6. Sept., lautet: Am 5. d. M. früh sfteß. ich auf die Meldung der Einnahme von Reims sofort mit einem Auto Begleitmannschaft von Rocroi nach Reims gegen die Militärfliegcrstatiou Betheny vor, fand sie mittags aus» geräumt vor, ohne die von mir gesuchten Ersatzteile und Betriebsmittel. Dann fand ich etwa 5 Kilometer nördlich, in einer Mulde versteckt, die Flugzeugfabrik von Deper- dussiu, die ich wegen Minengefahr zunächst nur mit Leutnant Küose und meinem Burschen betrat und durchsuchte. Ich fand und erbeutete darin 9 Doppeldecker, 20 Eindecker, teils mit Gnome-, teils mit Renault-, teils mit Auzani- Motoren, meist mit Trikolorekokarde und gefüllten Benzintanks versehen und augenscheinlich alle flugfähig, außerdem in einem Nebenraum versteckt 29 gute Gnome-Motorei (80, 100 und 140 PS) und mehrere Renault und 1 Rhone, anscheinend alle gut im Stand, zum Dell vom Juli 1914/ endlich zahlreiche Rümpfe, Ersatzteile und Betriebsstoffe. Offenbar ist der Hauptbestaud der Militärstation hier bei der eiligen Flucht versteckt worden, denn nach Aussage Einheimischer hatte Deperdussin seine Fabrik — wie auch der Augenschein lehrte — schon vor vier Wochen geräumt. Alles Kriegsgut ist von mir beschlagnahmt und wird sofort durch von mir beigezogene Infanterie bewacht, bis der E. Fl.,P. 3 eintrifft, den ich heute abend hier erwarte. (Wert eine halbe bis eine Million Mark.) Mtardersteig, Hauptmann d. R. Eine fabelhafte Wurfgranate. Man schreibt uns: . ’> ' Die Franzosen scheinen schon vor längerer Zeit eine dunkle Ahnung von unseren neuen 42-Zentimeter-Geschützen gehabt zu haben, und es ist ergötzlich, zu lesen, wie ihre Phach- tasie gearbeitet hat. Vor uns liegt die Nummer der Pariser Zeitung „Le Journal“ vom 23. Aug. 1913 mit folgendem Erguß, der durch beigefügtes Gliche veranschaulicht wird: „L'Obus Projekten?“. (Die Wurfgranate.) „Die Vorrichtung ist, wie eS scheint, eine deutsche Erfindung und die Versuche, die damit angestellt wurden, sollen volle Befriedigung gegeben haben. Es handelt sich um eme Leuchtgranate, welche eine Haubitze während der Nacht über aus dem Marsch befindliche Truppen schleudern kann. Die Granate zeigt sich in der Form eines gewöhnlichen Wurfgeschosses: sie enthält eine Anzahl Röhren, welche nni einem brennbaren Stoff an- gefüllt sind. An der Basis ist ein Fallschirm zusammengefaltek, welcher sich beim Senken des Geschosses öffnet. (!) Wenn er sich entfaltet hat, entzündet ein Uhrwerk die leuchtenden Sustanzcn und ein Helles Licht wird während mehrerer Minuten kegelförmig so über die Landschaft geworfen, daß eS die Entdeckung einer marschierenden Armee und die Organisation des Angriffs auf dieselbe ohne Gefahr für den Angreifer ertaubt. — Die Granate wird übrigens erst lange Zeit nach dem Verlassen des Geschützrohrs leuchtend, mit dem Vorteil, daß die AusgangsbStterie somit nicht demassiert werden kann. Man beabsichtigt die Kriegs-Aeroplane damit auszurüsten." Das ist nun doch wohl nirgends geschehen, aber der „Erfinder" dieses Unsinns hat uns doch wenigstens eine fröhliche Stunde bereitet. Adalbert Bindewald. Stockgewchre bei den Belgiern! Berlin, 15. Sept. (W. B. Nichtamtlich.) Wie eine höhere deuffche Kommandobehörde berichtet, fand man bei ‘ belgischen Franktireurs Stockgewehre und Stockschirmgewehre vor. Der erwähnten Behörde ist eines der dem Feinde abgenommenen Stockgewehre vorgelegt worden. Es ist etwa 80 Zentimeter lang und kann durch einen einfachen Druck auf einen Knopf abgefeuert worden. Tie heimtückische Art dieser Waffe entspricht durchaus dem Wesen derer, die sie benutzen. Wir hoffen deshalb, daß unsere Truppen ein scharfes Augenmerk auch auf scheinbar harmlose Gegenstände in der Hand der fanatisierten Belgier richten werden. Tie Feststellung der russischen Gräuel in Ostpreußen. Berlin. 15. Sept. (WTB. Amtlich.) Auch für den Re- gierungsbezirk Königsberg ist nunmehr ein Ausschuß zur Feststellung des völkerrechtswidrigen Auftretens der Russen eingesetzt worden, wie sie bereits für die Regierungsbezirke Allenstein und Gumbinnen besteht. Die Leitung des Ausschusses und die Berufung von Mitgliedern ist dem Regierungspräsidenten von Königsberg übertragen. An diesen Ansschuß werden baldigst alle Mitteilungen über Grausamkeiten und Bcrwüstaingen, die im Regierungsbezirk Königsberg vorgetommen sind, zu richten sein. Die Kriegslage der Oesterreicher. Wien, 15. Scpt. (WTB.) Der frühere Kriegsminister Urhr. Schönaich schreibt in der „Reuen Freien Presse" zu der gegenwärtigen Kriegslage t nt Osten: Wir stehen in Galizien im Kampf mit einer nahezu doppelten numerischen U cb er l c g e n h e i t. Wir sind in den Hanen Kämpfen nicht geschlagen worden, sondern haben uns trotz der Ungunst der Lage noch immer nach freiem Entschluß vom Feinde nnbclästigt, auf sehr kurze Strecken zurückgezogne inimcr von neuem den Kampf aüfnehmend. Innerhalb eines Monats hat die Armee, wovon fast keiner je rinnt ernsten Krieg erlebte, diesen Mangel an Kricgserfahrung behoben und mit einem Heldenmut und einer Zähigkeit erkämpft, wie sic schlachtgnvohntc Truppen nicht glänzender beweisen können. Die mimcrischc Ueberlcgcnhrit können wir kaum ausgleichen, aber der Kampfesmut unserer Truppen hat ihre Leistungen bedeutend erhöht und den Mut unseres Gegners, ohne dessen Tüchtigkeit in Zweifel zu ziehen, bedeutend gemindert. Das ist der Ausgleich in den Chancen des Krieges, den wir Nichtkämpser mit Genugtuung begrüßen können. Diese Anerkennung muß sich durch unerschütterliches Vertrauen in die Zukunft aussprcchen, durch rin Vertrauen, das jeden Zweifel entschieden zurück,vcist. In diesem Sinne zu denken, zu reden und zu handeln, ist jedes Patrioten Pflicht. Die Stimmung der braven Verwundeten, die die Tage zählen, wann sie wieder zur Front gelangen können, muß der Grundton der allgemeinen Stimmung sein und bleiben. Wien, 15. Scpt. lWTB. Nichtamtlich.) Der Kriegsberichterstatter der „Zeit" meldet: Der Abmarsch unserer Truppen in die neuen Stellungen ist in vollständiger Ruhe und ohne Belästigung seitens des stark erschöpften Gegners erfolgt. Tie Truppen sind mit dem Bewußtsein abgezogen, einen Erfolg errungen zu haben, da sie 80 dem Feinde abgenommene Geschütze und über 10 000 Gefangene mitführen. Die neue Stellung ist bereits bezogen worden. Der Geist der Truppen ist trotz des schlechten Wetters vorzüglich. Die Armeen Tank! und Auffenbcrg haben sich mit der Hauptarmee vereinigt. Ein österreichischer Spitalzug von den Russen beschossen. Wien, 15. Sept. (Nichtamtlich.) Am Nachmittag ist am Wiener Nordbahnhof ein Spitalzug aus der Gegend von Rawaruska eingetrofsen, der am 12. Scpt. gegen 4 Uhr nachmittags von einer aus 6 Geschützen bcstebenden russischen Batterie, die in einer Entfernung von 1020 Metern aufgestellt war, beschossen worden war. Die letzten Wagen zeigten deutlich die Spuren der Beschießung. Eine Granate hatte einen Wagen durchschlagen. Außerdem war der Zug von einer Menge von Füllkugeln getroffen. Unter den Verwundeten befanden sich auch Russen. Tie verzweifelte Lage der Serben. Wien, 15. Sept. lWTB. Nichtamtlich.) Die „Reichspost" meldet aus S o s i cd: Berichten aus Nisch zufolge ist die innere Lage in Serbien verzweifelt. Die Serben geben ihre bisherigen Verluste auf 25 000 Manu an. Schrecklich ist der .Hunger, welcher im Land herrscht. Die serbische Regierung hat sich mit in Bulgarien ansässigen griechischen Lebensmittelhändlern wegen Lieferungen in Verbindung gesetzt. Trotz des Eingreifens der russischen Regierung hat Bulgarien die Ausfuhr der Ladungen nicht zugelassen, da sie das auf der Neutralität beruhende Ausfuhrverbot berührten. Alle größeren Orte sind mit Verwundeten überfüllt. Krankheiten richten Verheerungen in der Armee und der Bevölkerung an. * . * Unruhen in Indien? Kopenhagen, 15. Sept. Auf die Mitteilung des hiesigen deutsckfen Gesandten, wonach laut Bericht des deutschen Botschafters in Peking ein Ausstand in Indien herrsche, zu dessen Niederwerfung England japanische Hilfe unter Zusage erheblicher Vorteile erbat, während indische Truppen zur Beruhigung Aegyptens entsandt wurden, erwidert der hiesige englische Gesandte, daß die indischen Truppen wohlbehalten in Aegypten an- gckonrmen und die Gerüchte von einer Revolution in Indien unbcgrünvet scieit. (Auf die japanischen Truppentransporte nach Indien geht der englische Gesandte nicht ein, auch versucht er keine aufklärende Begründung des Transports indischer Truppen nach Aegypten.) Tie angeblische indische Hecressolge. Rom, 15. Scpt. Es haben sich fast 7 00 Fürsten dem englischen Vizekönig zur Verfügung ge- stellt. Aus zwölf Staaten sind Truppenangebote gekommen ; auch stellte Fürst von Bicancer ein Kamelreiterkorps zur Verfügung. Die meisten Truppen sind bereits eingeschisft worden, niehrere indische Staaten haben ein hospitalschifs eingerichtet, dem man den Namen ^Loyalty" gab. Der Maharadscha von Mnsoce hat fünf Millionen Rupien für die Kosten des indischen Expeditionskorps gesandt. Der Fürst von Gwalior bietet große Summen und 1000 Pferde an. Der Maharadscha von Rewa stellte Truppen und Edelsteine zur Verfügung. Der Maharadscha von holkar will sämtliche Pferde seines Heeres ycrgeben. (Je mehr, desto schlimmer nachher für England.) Aegypten. Genf, 15. Sept. (WTB.) Die „B. Z" meldet: Das ständige Koniitee der Jungä^ypter in Cnropa, das seinen sitz in Genf Hai, hat an dem heutigen Gedenktage des Einzuges der englischen Okkupationstruppen in Kairo, die nach tnrzer Zeit znrückzuziehcn die Königin Viktoria und Glädstone versprochen hatten, ein P r o t e st t e I e g r a m m an den englischen Premierminister gesandt. Sie heben darin hervor, daß die englische Regierung, die über die Verletzung der Neutralität Belgiens so entrüstet sei, diejenige Aegyptens mit Füßen trete, das Land in den Krieg hineinzieht und zu seinem Ruin beiträgt. Sie erinnern an das wiederholt abgegebene twch unerfüllte Versprechen Englands, den Aegyptern ihre Freiheit wiederzu- gebcn. Die Angst Englands für seine Flotte. London, 15. Scpt. (WB. Nichtamtlich.) Die „Times" schreibt in einem Leitartikel vom 12. September: „Admiral I e l l i c o e leistet dem britischen Reich einen un vergleichlichen Dienst, indem er die deutsche Flotte von der Hochsee fernhält. Eine große Seeschlacht zwischen der englischen und der deutschen Flotte könnte genau die Lage herbeifnhren, welche die Einlrittmg des deutschen Flottengesetzes vom Jahre 1900 skizzierte. Wir würden siegen, aber der Preis könnte so hoch sein, daß wir lange Zeit aufhören würden, die größte Seemacht zu sein." Eine Rede Churchills. London, 15. Sept. (WDB.) Mchtamtlich.) In der Rede, die der Marineminister Chnrchikl am 11. September in einer großen Bersammluitq im Londoner Opernhaus hielt, hat er die Einigkeit der englischen Parteien betont. Eng- land müsse als Ende des gegenwärtigen Krieges große und gesunde Prinzipien für das politische System Europas erstreben. Das erste dieser Prinzipien sei die Achtung der Nationalität. Bei der Rekonstruktion Europas, die auf den Krieg folgen müsse, sollten die unterworfenen Völker befreit und die nationalen Wunsche der unterdrückten Bevölkerungen berücksichtigt werden. Rotterdam, 15. Sept. (WTB. Mchtamtlich.) Zu den Erklärungen Churchills, daß bei der Rekonstruktion Europas, die auf den Krieg folgen solle, die unterworfenen Völker befreit werden sollten, fragt der „NieUwe R otterd autsch e Cour an t", was Rußland zur Befreiung Polens und Finlands tind England zur Befreiung Aegyptens sagen würde. Tie gerettete Besatzung des kleinen Kreuzers „Hcla". Berlin, 15. Sept. Die „B. Z." meldet: Von den 191 Mann der Besatzung des kleinen Kreuzers „hela" wurden 172 gerettet und zwar von deutschen Schissen. Von dem englischen Kreuzer „Pathfinder" gingen 270 Mann verloren. Ein schwedischer Dampfer von einem englischen Kreuzer überrannt. -G v t e n b u r g, 15. Sept. (W. B. Stichtamtlich.) Der hier beheimatete Dampfer „T u a" ist am letzten Mittwoch früh in der Nordsee von einem englischen Kreuzer überrannt worden und gesunken. Nach dem Zusammenstoß konnte ein Teil der Besatzung an Bord des Kreuzers springen. Fünf Leute fielen ins Wasser, von denen drei, darunter der Kapitän, gerettet wurden, während ein Maschinist und ein Passagier ertranken. Kämpfe in den Kolonien. Berlin, 15. Sept. (WB. Nichtamtlich.) Nach einer unbestätigten Reutermeldung aus Livingstonia vom 14. September ist eine Abteilung der deutsch-oft afrikanischen Schutz truppe am 5. September in Nord- Rhodesia eingefallen uitd hat die Niederlassung Abercorn angegriffen. Der Angriff wurde zurückgeschlagen. Am 6. September wurde wieder geschossen, ohne daß ein regelrechter Angriff erfolgte. Am 9. September eröff- neten die Deutschen ein Feuer mit leichten Feldgeschützen, die durch Maschinengeschütze zum Schweigen gebracht wurden. Die Deutschen verließen ihre Stellung. Sie befanden sich in der Nacht 15 Meilen östlich von Aber- corn. Leutnant Mac Carthy machte mit 90 Mann und einem Maschinengeschütz einen nächtlichen Eilmarsch und verfolgte den Feind bis an die Grenze. Eine weitere Reutermcldung aus Nairobi vom 12. September berichtet über Kämpfe an der Grenze von Deutsch- Ostafrika und Njassaland. Eine deutsche Mteilung überschritt die Grenze bei Mohorn, besetzte Karungü und rückt gegen Kisiki vor. Eine andere deutsche Abteilung, die nach Teavo zu Fuß vorgerückt war, hatte mit Truppen aus B u r a uud M t o t o - A n d ei ein Gefecht. Einzelheiten sind noch nicht bekannt. In Nairobi eingetroffene verwundete englische Soldaten berichten, daß die Engländer im heftigsten Feuer deutscher Maschinengewehre gestanden und einen Bajonettangriff gemacht hätten, um die Maschinengewehre zu nehmen. Der Angriff sei jedoch mißglückt. Blantyre (Njassa-Land), 14. Sept. (WB. Nichtamtlich.) Meldung des Renterschcn Bureaus: Der Regierungsdampfer „Gwendo len" beschoß am 8. Septdr. Langenburg und landete dort eine Mteilung. Der Ort wurde überrascht; es wurde kein Widerstand geleistet. Aus Dänemark. Kopenhagen, 14. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) Fm „National Tidende" schreibt einer der angesehensten dänischen politischen Journalisten Dr. Bast h o nt zu der gestrigen Mitteilung des deutschen Reichskanzlers: Wir in Dänemark haben nur den Wunsch, die N e u t r a l i t ä t und die Integrität unseres Landes zu bewahren. Wir sind dem Reichskanzler aufrichtig dankbar für die Bestimmtheit, mit der er erklärt, daß cs Deutschland nicht einfalle, an der Neutralität der skandinavischen Länder zu rühren. Die Thronrede der Königin wilhelmina. Haag, 15. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) Bei der Eröffnung der Generalstaaten hat die Königin folgende Thronrede gehalten: Ich bin unter sehr außergewöhnlichen Umständen in Ihre Mitle wiedergekehrt. Wir alle sind erfüllt von dem Gedanken an den schrecklichen Krieg, der in einem großen Teste der Kulturwelt wütet. Jüsolgedessen besindet sich unser Land in einer Lage, die noch mehr als sonst ununterbrochene Wachsamkeit fordert. Ich kann jedoch dankbar feststellen, daß mtsere freundschaftlichen Verhältnisse zu allen Mächten sortdaucrn. Tie absolute Neutralität, die Holland beobachtet und mit allen Kräften handhaben wird, ist bis jetzt in keiner Weise verletzt worden. Tie Königin sprach sodann ihre Befriedigung über die rasche und tadellose Mobilmachung des Heeres und der Marine aus und zollte der Weise, in der beide ihre Ausgabe erfüllen, ihre ^Anerkennung. Sie fuhr fort: Ich bemitleide innigst das Schicksal der Völker, die in diesen Krieg verwickelt sin». Holland trägt opferbereit die außergewöhnlichen ihm ausgebürdeten Lasten und empfängt mit offenen Armen alle Unglücklichen, die iimerhalb seiner Landesgrenzen Zustucht suchen. Obgleich das Wirtschaftsleben in allen Ziveigen den Druck der Verhältnisse empfindet, so findet sich doch bereits einige Besserung. Mehrere Erzeugnisse der Landwirtschaft und der Nahrnngsmitteltndusttie finden erneut Absatz. Sowohl England wie Deutschland und Belgien schließen regelmäßig lausende Geschäfte mit den Kolonien ab, die jedoch stark beeinträchtigt werden durch die Desorganisation des Post-, Telegraphen- und Seeverkehrs. In allen Kolonien sind Maßnahmett getroffen zur Wahrung der poli- llschen Neutralität. Ich apvelliere vertrauensvoll an alle, auch im Handel und der Industrie, veinlichst alles zu vermeiden, was unsere Neutralität und nationale Existenz gefährden könnte. Jeder Kaufmann muß sich dessen bewußt sein, daß selbst der Schein vermieden werden mttß, daß in der oder durch die holländische Kaufmannschaft eine günstigere Gesinnung zu- gttnstcn des einen oder des anderen Kriegführenden vorherrscht. Ich bin glücklich, daß mein Volk in treuer Pstichtersüllnng, eins mst mir, dem Vaterlande zu dienen trachtet. Ich erwarte, daß die im Lande sich geofsenbarte Einmütigkeit aufrecht erhalten wird bis zum Ende. Ich stehe Gott an, uns Kraft zu geben. Ich erkläre die Session der Generalstaaten für eröffnet. Der König von Bulgarien erkrankt. Wien, 15. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) Die „Südslawische Korrespondenz" meldet aus Sofia: Einer Meldung aus Nisch zufolge ist der Kön ig neuerlich erkrankt. Er ist bettlägerig, leidet an schmerzhaften Gichtanfüllen und Schwellungen an den Beinen. Aus dem Reiche. Berlin, 15. Scpt. Eine lußerordentliche Sitzung des > Brandenbnrgischen Provinziallandtages hat einstimmig ohne Anssprache beschlossen, 100 000 Mark zur Linderung des Notstandes in der Provinz Ostpreußen zu bewilligen und sich mit 25 Millionen Mark an der Zeichnung der Kriegsanleihe zu beteiligen. Die Rassenentartung der Franzosen. Sr manche Erscheinungen, die jetzt im Bolkscharakter des Franzosen besonders hervortreien, offenbaren uns mit greller Deutlichkeit das Bild einer im Niedergang befindlichen Nation, der die starke Gesundheit und die ruhige Kraft des deutschen Volkes abgeht. Auf diese Rassencntartung der Franzosen haben gelehrte Anthropologen schon seit einiger Zeit immer wieder hingewiesen, und es sind gerade Franzosen selbst, wie Lapouge und Baudin, die reiches Material ftir den biologischen Niedergang des Franzvsentums zusammentrugen. In seinem Werk über „die Germanen in Frankreich" gibt der bekannte deutsche Anthropologe Ludwig Woltmann eine treffende Darstellung von der französischen Rassever- , schlechterung, die für den Ansgang der ungeheuren Kämpfe wahrscheinlich von ausschlaggebender Bedeutung sein wird. Zunächst betont er die allmähliche Verdrängung der lang- köpfigen germanischen Rasse durch die kurzköpfige, die in Frankreich in den letzten drei Jahrhunderten immer größere Fortschritte gemacht hat. Das Erlöschen dieser blonden, lang- köpsigen Geschlechter ist in erster Linie ans ihre kriegerischen Eigenschaften zurückzuführen, denn diese germanischen Eroberer, die in Frankreich die herrschende Schicht bildeten, haben sich das ganze Mittelalter hindurch in gegenseitigen i Kämpfen, in den Kreuzzügcn und in Religionskriegen anf- gericben, bis dann die, Revolution und die^ Eroberungskriege Napoleons ihre Reihen noch immer mehr lichteten. So fielen z. B. in der Schlacht bei Crecy 1600 Barone und 4000 Edel- ' knappen, bei Maupcrtuis 2400 Edle; während der Albigenser Kriege wurden viele adlige Geschlechter in Südfrankreich ganz ausgerottet, und die Vertreibung der Hugenotten führte eben- : falls viele Tausende der langköpfigcn Rasse ins Ausland. ! Sodann haben die Revolution mit ihren Greultaten und die Kriege Napoleons mit ihren ungeheuren Menschenopfern den Adel und das höhere Bürgertum erschöpft. So kam es zu einem fast völligen Aussterben der germanischen Rasse, und l daneben trat im 19. Jahrhundert stärker und stärker die bio-. j logische Verschlechterung der Rasse in der Abnahme der Be- . völkerung, der größeren Sterblichkeit usws hervor. Im Jahre 1854 überschritt die Zahl der Toten die der Geborenen um 69 318; dies Defizit ist dann durch die ständige Abnahme ; der Geburtenziffer nur noch schlimmer geworden. Dazu kam der Niedergang der physischen Konstitution, die sich nach Baudin in der Abnahme der Körpergröße und der Militär- tauglichkeit zeigt. Diese Dinge wirkten auch auf den Volks- charakter ein; das früher so kriegerische französische Volk wurde in seinen Hauptclementen friedliebend und ruhig, seßhaft, sparsam und geduldig. < i r t' y \ I r> r j - 1 ' i ■ s , i- >"l t' r" i' i .3 A«r Stadt und Land. Gießen, 16. September 1914. Stuf dem Felde der Ehre gefallen. (Aus Hessen und den Nachbargebieten.) Gefreiter d. Res. Adam Lang, Jnf.-Rcgt. 115 aus Offenbach a. M. — til. d. Res. und Diploiw-Jng. Eonst M eher, Monier-Bat. Nr. 10 in Offcnbach a. M. — Reservist Heinrich Wagner, Jni.-Regt. 116 aus Gießen. — Reservist Heinrich Frank aus Kestrich (Oberhessen). — Res. Heinrich Binde- wald, Jnf.-Rcgt. 116 aus Großselda. •— Hanptm. d. Res. und Oberförster Wilh. Engelhardr, Jnf.-Rcgt. 87 in Hersseld. — Reservist Heinrich Hock, Jnf.-Regt. 116 in Darmstadt. — Oberst!, und >Bat.-Kommandeur Ernst Moritz von Arndt, Jnf.-Regt. 110 ans Weinheim. — Untcroff. d. Res. und Hilfslehrer Reinh. Messer in Wiesbaden. — Gesr. b. Res. Hans Piepers in Wiesbaden. — Oberl. und Regimentsadj. Erich von Küchle r. Ins.-Regt. 115 aus Darmstadt. — Oberst!. Horst Freiherr Trcnsch v. Buttlar-Brandeufels, Landlvehr- Bataillons-Kommandeur in Tarmstadt. — Vizeseldw. d. Res. Paul G u n t c r m a n n, Ins.-Regt. 104 aus Darmstadt. — Musk. Georg Phil. Stühlinger, Jnf.-Regt. 118 aus Reinhrim i. O. — Fähnrich zur See Erwin von H c r f s aus Darmstadt. — Üntervff. d. Res. Wilh. L a t h o m u s, Jnf.-Regt. 118 ans Worms. — Res. Johann Becker aus Wald-Uelvershrim. — Gebrüder Vizcfeldwebel Anton Dietz. Füs.-Regt. 80 und Gesr. Wilh. T i e tz, Jnf.-Regt. 168 aus Weitcrshain. — Gest. Otto August Kämmer, Jns.-Regt. 115 aus Ruppertenrod. — Einj.-Unteroff. und Lehrer Georg Schnatz, Jnf.-Regt. 87 aus Mainz. — Kanonier Wilh. Schäfer, Feld-Art.-Regt. 27 aus Wendelshrim. — Kanonier d. Res. Mfons Müller, Feld-Art.-Regt 25 ans Gustavsburg. — Feldwebel Ernst Frank, Jnf.-Regt. 117 aus Traisa. — Einj.-Unteroff. Jakob Bord, Jns.-Regt. 117 io Mainz. — Untcroff. Wilh. Kurth, Jnf.-Regt 164 ans Brann- fels. — Julius Langsdorf, Sallv B ä r, Karl Friedrich S i m- merock, Georg Karl Hcinr. Pfeffer aus Bad-Nauheim. — Major und Bat.-Kommandeur Leopold Krumm in Mainz. ** Die hessischen Verluste. Eine Zuschrift aus Hessen an das Preußische Kriegsministerium beklagt sich darüber, daß die hessischen Verluste nicht verösfentlickst würden. Die Zuschrift beruht auf einem Irrtum. Das hessische Kontingent ist ein Teil der preußischen Armee und seine Verluste werden unmittelbar nach Eingang der Verlustlisten veröffentlicht, ebenso wiie dies bei anderen preußischen Truppenteilen der Fall ist. Wenn bisher in den Verlustlisten nur wenige Truppenteile des hessischen Kontingents ausgeführt waren, so hat das seinen Grund darin, daß die Truppen ihre Verlustlisten noch nicht fertiggcstellt haben oder daß die Verbindung zwischen den Truppen und der Heimat unter«. brochen war. " Aufstellung der erbeuteten Geschütze.^ Auf die in verschiedenen Blättern (auch im Gießen er Sin je iß er) geäußerten Wünsche, beweisend die Ausstellung der eroberten Geschütze in den einzelnen Garnison-orien, wird der Hess. Landcsztg. von maßgebender Stelle initgeteilt, daß während der Kriegszcit außer in D a r m st a d t noch in einer westdentlchcn, sowie in einer ostdeutschen Stadt sog. Kriegsbcutestellen bestehe», nach welchen alle vom Feinde eroberte, resv. zurückgelassene Geschütze, sonstige SÖnffen, Munitionsvorräte und Kriegsgeräte vorlänfig gebracht »nd ankbewahrt werden. Alle aber persönlich im Sturm erbeuteten Geschütze, Massen nsw., die dem Feinde direkt abgerwigen wurden, werden zunächst in Potsdant aesammell. Wünsche nach Anistellu»» solcher Beuten werden nach Beendigung des Krieges ans Antrag der Garnisonett hin erinllt. ** Der Postanweisnngs- und Nachnahmedienst mit Oesterreich (iticht auch mit Ungarn und Bosnien-Herzegotoina) wird am 15. September wieder ausgenommen. Kreis Fricdbcrg. FC. Ans Ober Hessen, 15. Sept. Zwölf russische Arbeiter, die an! dem Hosgnt D o r h e i IN beschäiligt sind, spendeten uw ausgesordert ihr Scherflein für daS Rote Kreuz. ! i d, Mi : b> I :: o | co ir r):t «n 4 Ä Ä k >»! '4t ' : f 4 *«! tl Starkcnburg und Nhtinhrssen. D a r tu ft a b t, 15. Sestt. Ein Darmstädter Wohltäter nicht genannt sein will, hat bei der Hoftheater-Hanpt- se für 1000 Ml. Plätze abonniert, die den in rmstädtcr Lazaretten verpflegten, wiedergenesenen deut -n Soldaten zur Verfügung gestellt werden sollen. Tic neraldirektio» hat mich ihrerseits angeordnet, daß weitere itze zum gleichen Zweck cmgetviesen werden und wird wdies einige Vorstellungen eigens für unsere Kricqer anstalten. Darmstadt. 15. Sept. Die G r o ß b e r z o g i n bat den insch geäußert, zu ihrem bevorstehenden Geburtstage keine um en spenden zu erhalten. Tie hohe Frc», würde es aber >dig und dankbar begrüßen, wen» die daiür in Aussicht ge- umeueu Beträge dem Note» Kreitz überwieset, ivürdeu. Kreis Wetzlar. -Wetzlar, 16. Sept. Aui den, Ererziervlatzc unserer terolfszierschule an der Frankfurter Straße soll ein Gesanaeneu- r eingerichtet werde». Hessen-Nassau. ,er vFrrnklnrt a. M., lö. Sept. Tie gemischte Kriegskommisssou Magistrats hat beschlossen, 50 000 Mark zur Unterstützung der »kleidenden in d e r P r o v i u z O st p r e u ß e » zur Per- unq zu stellen. — Für Notstands arbeiten für Frauen wurden 100 Mk. vorselmstweiie bewilligt. Ten zurückgebliebenen Familieu- gltedern im Felde stehender städtischer Arbeiter >var bisher zu geictzlichen Reichsunterstützung so viel zugelent worden, daß ProzeM des den, Arbeiter zuleizl gezahlten Lohnes erreich, rden. Für die Folge erhält die Frau kür sich und jedes Kind e weitere Zulage von ,e 5 Mk., jedoch ioll die Gesanitleilluug die Familie 75 Prozent des dem Arbeiter zuletzt gezahlte» Lohnes st übersteigen. ** Tageskalender für Donnerstag, den 17. Sevtember: udergarte n-B e rein: Nachmittags 3 Uhr iinPbilosophen- lde: Kinderiest der verschiedenen Kindergärten, einschließlich egskindergärleu. Gictzcner Strafkammer. Bietzen, den 15. Sept. 1914. Turch liederlichen Lebenswandel untcrgckommen ist die Dienstmagd Emilie B. aus Gedern. Die. je hatte als Folge davon ein außereheliches Kind geboren, das allein zu unterhalten hatte. Dieser Unterhalt, der sie fast en ganzen Verdienst kostete, ist ihr mit der Veit und besonders halb, west sie öfter ihre SteUcn wechseln mutzte und schließlich lcnlos war, lästig und schwer geworden. Am 22. Juni d. Js. ,r die Angeklagte von Berstadt, wo sie sich: damals her ihren/ lern aushielt, nach Friedberg, holte ihr Kind, das damals Krankeuhause dortselbst nntergebracht war, mid legte es in der chtung nach Ockstadt zu ins Feld, in einen Wcizenacker, trotz- n vorher ein Gewitter niedergegangen und es naß und kalt r. Tic Angeklagte gibt an. sie habe sich nur ihres Kindes ent- igen wollen, sie habe gehasst, daß jemand dasselbe finden und t seiner aratcfimcn werde. Den Tod des Kindes habe sie nickst beisüh en wollen, das kann ihr auch nicht nachgewiesen werden, is Gericht erkennt aus § 221 St.G.B. aus eine Gefängnisstrafe x einem Jahr. Zwei Monate und drei Wochen Untersnchnngs- jt wurden der Angeklagten ausgerechnet. Drei nette Bürsch'chen un in Person des 15jährigen Robert M. ans Gießen, jetzt in nmgserziehung in Gräfenhansen und des 16jährigen Otto G. s Gießen, sowie des Schülers Ernst G. zu Gießen vor Gericht. hotte Gelder, die ihm von Verwandten anvettraut waren, zu oeren als den bestimmten Zwecken verwendet, indem er sie für , behielt und Näschereien und andere Sache»- dafür erwarb. Er : auch von einer Quittung, von der er ivutztes, daß sie deck to G. hergestÄlt hatte, Gebrauch gemacht und sich auf Grund -selben Geld verschafft: ferner hat er in einer Wirtschaft eine iisenbüchsc gewaltsam geöffnet und daraus 13 Pfennig ent- ndct. In andere» Geschäften wurde von ih»> Butter und Wurst chwindelt Otto G. ist der Dehlerei und Beihilfe zur Urkunden- schung überführt. Gegen Ernst G. ist nichts bewiesen. Letzterer rdc freigeiprochen. R. M. erhielt 3 Mon. Gesängnis und O. G. Wochen Gefängnis. Der Robert M., dessen Erziehung erheblich nachlassigt ist, ist der Rädelsführer gewesen. Bon dem nnter- lagenen Geld soll er sich eine ganze Bibliothek gbenteuerlickzer imane. einen Dolch und einen Revolver angeschafst und bcab- tigt haben, dnrchzugehen. Diese Verhandlung gibt aufs neue eine lehrung für Eltern, den Lesestoff ihrer Kinder zu bcaussichtigen d sie mit guten Büchern zu versehen. Verworfen irde die Berufung des vielfach vorbestraften Ludwig Sch. aus -eiensecn gegen das Urteil Großh. Schöffengerichts Laubach, s ihn wegen Bettelns zu einer Daftstrafc von zwei Tagen verteilt haste,. west er trotz ordnungsmäßiger Ladung zum heutigen ermin nicht erschienen ist _ Amtlicher Wetterbericht. Oesfentlicher Wetterdienst, Gießen. Wettcraussichten in Dessen am Donnerstag, de,, 17. Sept. 1914: nldaner der besiehenecn Witterung: wolkig, doch meist trocken, nid« ans westlichen Richtungen. Letzte Nachrichten. Eine vaterländische Feier in Darmstadt. (rb) Darmstadt, 16. Sept. Eine vaterlcindi- he Feierstunde war auf Veranlassung unseres Ober- irgermcisters Dr. Glässing im .Hinblick auf die anßerordent- che Zeit veranstaltet worden. Sie sollte unter freiem Him- el auf denl großen Sportplätze in der Nähe des Böllenfall- rs ftattfiriben; da aber das ungünstige Wetter dies nicht iließ, mußte die Feierstunde in dem größten Saale der ladt, dem Tnrnhallcnsaal am Woogsplatz stattfinden. Der udranq ^des Publikums war so gewaltig, daß ein starkes Schutzmannsausgebot schon lange vor Beginn die herbeiströmenden Massen abwehren mußte. Der Feier wohnten die G r o ß h e r z o g i n mit der Prinzessin Friedrich Karl von .Hessen, die Minister Dr. Braun, von Hombergk und die Spitzen der Militär- und Zivilbehörden bei. Die breite, über 500 Personen fassende Galerie war mit starken Abordnungen der hiesigen Regimenter dicht besetzt. Nachdem der Hoftheater- chor die Feier in stimmungsvoller Weise mit dem herrlichen Gebet während der Schlacht „Vater ich rufe dich" von C. M. v. Weber eingeleitet, erschien der aus seiner früheren Tätigkeit als Pfarrer an der Stadtkirchc hier in bestem Andenken stehende derzeitige Rektor der Landesuniversität Gießen, Pros. Dr. Eck, um in eu»er tief empfundenen, die Herzen packenden Ansprache seinen wahrhaften vaterländischen Empfindungen in wuchtigen Worten Ausdruck zu geben. Er sei der Aufforderung gern gefolgt, aber nicht, um einen abstrakten Vorträg zu halten, sondern um der Residenzstadt die Grüße der Landesunivcrsität zu entbieten. Aim Grüßen fühle er nnter den jetzigen Verhältnissen den lebhaftesten Trieb: Er grüße die Greise im Sikberhaar, er grüße die hinaus- ziehenden jugendlichen .Helden, und auch die Frauen, denen vielleicht bei ihrem großen Schmerz nicht immer die ganze Bedeutung unseres nationalen Aufschwunges gegenwärtig sei. Der Grund für das Bedürfnis nach brüderlichen Grüßen sei das Gefühl des einigenden Bandes des gemeinsamen Vaterlandes: Das ganze Deutschland soll es sein! Ter Redner beantwortet darauf die Frage, ob wir ein Recht haben, diese Ströme Blutes jetzt am Altar des Vaterlandes zu opfern, in fesselnder Darlegung dahin, daß das deutsche Volk, wie kein anderes, von einem alles überwiegenden Pflichtgefühl beherrscht sei, einem sittlichen Willen, alles zu opfern, um zu siegen, der identisch ist mit deni Glauben an einen lebendigen Gott. Die zündenden Worte des jngendfrischen Vortrags fanden in der begeisterten Versammlung rauschenden Widerhall, und blitzschnell vereinigte sich die ganze Zuhörerschaft zum mächtig durch den großen Raum rauschenden Gesang von „Deutschland, Deutschland über alles", womit die weihevolle Vatcrlandsfeier ihren Abschluß fand. Tie Großherzogin nahm darnach Gelegenheit, dem Redner des Abends ihren Dank und Anerkennung anszndrllcken. Die deutsche Zuversicht. Berlin, 16. Sept. Tie Nachricht von dem Teilerfolge der deutschen Massen im Westen wird von der Mehrzahl der Blätter als Beweis dafür angesehen, daß unsere Zuversicht auf einen endgültigen Sieg unserer Waffen nicht getäuscht werden wird. Da sich die Schlacht über eine breite Front erstreckt, so sei damit zu rechnen, daß die Kämpfe erst nach einer Reihe von Tagen zu einem Abschluß führen werden. Die Beschäftigung der Kriegsgefangenen. Berlin, 16. Sept. In der „Tägl. Rundschau" tritt Dr. Dieckmann dafür ein, daß die Kriegsgefangenen in den Dienst der Landeskultur gestellt werden, insbesondere in den der Moorknltur. Deutsche Verwaltung in Lüttich. Berlin, 16. September. Das „Berl. Tageblatt" meldet aus Amsterdam: Im „Allgcmeen Handels blad" macht ern holländischer Industrieller, der viele Geschäfte'in Lüttich hät, MittÄlnng über die dortigen Zustände. Er sagt: Von der deutschen Verwaltung an Lüttich sind alle möglichen Vorkehrungen getroffen worden, um das Gewerbe aufrecht zu erhalten. IN vielen Fabriken wird fortwährend gearbestet und die Verhältnisse der Arbeiten haben sich daher schon gebessert. Mir selbst hat die Verwaltung alle wünschenswerten Erleichterungen gewährt. Die von Franzosen verschleppten Deutschen im Elsaß. Berlin, 16. Sept. Dem „Berl. Tagcbl." wird ans Straßburg gemeldet: Die von den Franzosen fortgebrachten Frauen und Kinder deutscher Zollbeamten aus Saales sind aus deutsches Eingreifen hin freigelassen worden, doch leiden sie noch seelisch stark unter der unwürdigen Behandlung durch die Franzosen und unter den erlittenen Strapazen: ein 5 Jahre altes Kind ist ihnen erlegen. Eine Frau schildert in der „Straßburger Post" ihre Leidcns- zeit, die bei St. Dienz begann. Unterwegs begegneten ihnen etwa 14 französische Armeekorps. Von Disziplin war wenig zu spüren. Die Offiziere hätten die Frauen beschimpft. In St. Dieuz wurden die Frauen ins Gefängnis geworfen, wo sie 16 Tage in unglaublichem Schmutz ohne die geringsten hygteinschen Einrichtungen zubringen mußten. Zu ihnen wurden fortwährend andere deutsche Frauen gebracht, die ebenfalls während des Transports eine Leidenszeit durchzumachen hatten. Das Hunnen geschwätz der Engländer. Berlin, 16. Sept. Die „Boss. Ztg." schreibt gegen Sir Edward Grey: Der englische Gesandte im Haag schilderte die deutschen Truppen als völlig demoralisiert. Alle englischen Staatsmänner pflegten sonst ans gute Lebensart zu halten, aber es scheint, als ob der Krieg in Downingstreet schon bei den Sitten der Staatsmänner arge Verwüstungen angerichtet hat. Ein Volk, das seine moralische Kraft gezeigt hat, wie das deutsche Volk bei seiner jüngsten Erhebung, das diese Kraft jeden Tag aufs neue bestätigt, kann nur von eitler und hohler Schmähsucht als demoralisiert bezeichnet werden. Bedarf es einer Widerlegung des Borwnrjs, daß deutsche Soldaten sich der Trunksucht hingeben, da in der ersten Verordnung nach dem Ausbruch des Krieges das Verbot des Alkvholgennsses war? Herr Grey beruft sich auf die Worte des Kaisers vom 21. Juli 1900: „Pardon wird nicht gegeben. Gefangene werden nicht gemacht." Ist aber in Wirklichkeit die deutsche Kriegsfiihrung in China grausam gewesen, wurde kein Pardon gegeben? Sind keine Gefangenen gemacht Ivvrdm? liebersieht Herr Grey, daß jetzt 300 000 französische, russische und englische Gefangene sich auf deutscheni Boden der besten Verpflegung erfreuen, was sich mit der Kriegführung der ^.Barbaren" eigentlich nicht vereinbare» ließe, Greh hätte der Anklagen eingedenk sein können, die gegen die englische Kriegführung in allen Erdteilen, insbesondere auch bei der Vergewaltigung der Buren erhoben worden sind. Auch lvird ihm nicht verborge» sei», daß die jetzt in diesem Kriege verwendeten Tnm-Dum-Geschosse, von Engländern erfunden, in der englischen Staatsfabrik bei Kalkutta hergestellt und auch von englischen Truppen in diesem Feldzüge verwendet worden sind. Wer im Glashause sitzt, soll nicht mit Steinen iverfen. Die Städte Wien und Berlin. (WTB.) Wien, 15. Sept. (Nichtamtl.) Bürgermeister Weiskirchner hat an den Berliner Bürgermeister Reicke folgendes Schreiben gerichtet: Es ist wohl selbstverständlich, und ich erfülle nur einen Akt der Höflichkeit, wenn ich Ihnen, hochverehrter Herr Bürgermeister, mitteile, daß infolge der über uns hereingebrochenen ernsten Zeiten der von der Wiener Gemeindevertretung für Ende dieses Monats beabsichtigte Besuch Berlins unterbleibt. Hofscn wir im Vertrauen auf Gott und unsere verbündeten tapferen Armeen, daß cs gelingt, unsere gemeinsamen Feinde zu bezwingen: dann werden wir zu unseren lieben Freunden nach Berlin eilen und ihnen die treue Bruderhand drücken. Möge der Allmächtige unseren Massen seinen Segen spenden. * * * Hanau, 15. Sept. lPrivattelegramm.) Die Stadtverordnetenversammlung hat beschlossen, daß sich die Stadt Hanau an der Kriegsanleihe mit einer halben Million beteiligt, die Ttädt. Sparkasse in Hanau mit einer Viertelmillion. Für die Notleidenden in Ostpreußen wurden 2000 Mark bewilligt. * . * Neue Zchlachten bei Lemberg. Wien, 16. Sept. Ans dem Kriegspresseguartier wird amtlich gemeldet: In der H u tz w a ist eine Kriegslage geschaffen, die es ermög- - lickt, zu einem Angriffe gegen die in Ostgalizicn eingebrochenen sehr starken russischen Kräfte vorzugehcn. In Erkenntnis der Notwendigkeit, unsere nach den Gefechten östlich von Lemberg zurückgezogene Armee zu unterstützen, erhielt die in der Schlacht her K o m a r o w siegreich gewesene Armee den Befehl, gegen den geschlagenen Feind nach kurzer Verfolgung nur nnter- geordnete Kräfte zurückzulassen, das Gros aber in dem Raume Narol-Mhnow zum Vorrücken in der der bisherigen Angrisss- richtung fast entgegengesetzten Direktive Lemberg zu gruppieren, was schon am 4. September durchgcführt war. Die Russen schienen nach dem Einzüge in die ihnen kampslos überlassene .Hauptstadt von Galizien einen Flankenangriff in der Richtung Lublin vorzuhaben, wobei sic unsere hinter der Grodekcr Kreislinie zurückgesührte Armee wohl vernachlässigt anzutreffcn glaubten: indessen hatte diese Armee bereits in die zu erwartende Schlacht unserer nun von Norden gegen Lemberg anrückendcn Armeen einzugreifen. Am 5. September war letztere Heeresgruppe bereits über die Bahnstrecke Rawaruska-Hvryntek hinausgelangt, während sie weiterhin mit dem linken Flügel sich im Raume: von Rawarnska behauptete, schwenkte sre mit dem rechten Flügel j am 6. September bis Kunriki und trat am 7. September in einen ernsten Kampf mit den stark nordwärts vorgeschobenen feindlichen Kräften. Mit Tagesanbruch des 8. September begann ans der70KilomcterbreitcnFront Komarow—Rawarnska unser allgemeiner Angriff, der bis zum 11. September durchaus erfolgreich, namentlich ' am südlichen Flügel, nahe von Lemberg, herangetragen worden ist. Trotz dieser Erfolge ist es notwendig geworden, eine neue Gruppierung unseres Heeres anzuordnen, weil sein N o r d - flügel bei Nawaruska bedroht war und irische, weit überlegene russische Kräfte sowohl gegen die nordwärts Krasnik kämst sende Armee als auch in dem Raume zwischen dieser und den Schlachtfeldern von Lemberg vorging. In den schweren Kämpfen waren am 10. Sestt. die Erzherzöge Armeekommandanten Friedrich und Karl Franz Joseph bei den dort angreifenden Divisionen. In allen bisherigen Schlachten und Gefechten haben unsere braven nun schon seit 3 Wochen ununterbrochen kämpfenden Truppen auch vor Lemberg ihr bestes geleistet und ihre Bravour und Tüchtigkeit abernmls erwiesen. In der fünftägigen Schlacht hatten beide Teile schwere Verluste, namentlich, ber Nawaruska wurden mehrere Nachtangriffe der Russen blutig abgeschlagen. Die gefangenen Russen, darnn- ter viele Ofsiziere, ivurdcn in Massen eingcbracht. Aus Ausweisen unserer leitenden Etappenbehörden geht hervor, daß bisher 41000 Russen und 8000 Serben in das Innere der Monarchie abgeschoben worden sind. Bisher wurdeir 300 Feldgeschütze im Kampfe erbeutet. Resümierend kann hervvrgchvbcn werden, daß unsere Armee bisher in aktivster Weise und helden- müllg kämpslc und dem numerisch überlegenen, tapferem und hartnäckig kämpfenden Feind entgegentreten konnte. Der stellvertretende (Eljef des Gcneralstabes vonHöfer, General-Major. Obst Versteigerung. Die Gemeinde Sich versteigert ihre diesjährige nche Obsternte, feinste Tafel- und prima Mirtschafts- pfd, sowie Birnen, Montag, den 21. l. Mts. V» Uhr vormittags beginnend an, Waldcingang a der Hattenröder Straße und anschließend hieran n der Nonnenröther Straße. »15,0 Lich, den II. September 1914. Großherzvgliche Bürgermeisterei Lich. D ärmer. petkuserZaatroggen n Original und Absaatcn, sowie schwedischen *qnare head Weizen» absolnt, lager- und »intersest, offeriert in doppelt gereinigter -aatware. Muster gegen 10 Pkg. zu Diensten. AerhcWk KornlsiiiisMoisciii'W in Alsfeld. [9767D Silberne, künstlerisch ausgetührte Kriegs-Talismane Stück Mk. 2.- bei Carl Brück, Juwelier. Krenzplatz 8 Hw. Herg Sättiger, Fleckstrasse 5 empfehlen ihre 9840 Herbstneuheiten *u besonders billigen Preisen. Achtung! Achtung! 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Im Namen der trauernden Hinterbliebenen; Thekla Weidemann geb. Kümmich Philipp Weidemann, Grossh. Landgerichtssekretär. Giessen, den 15. September 1914. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 17. September, nachmittags 4 Uhr, von der Kapelle des alten Friedhotes aus statt. Von Kondolenzbesuchen bittet man abzusehen. 9324 T rauersachen werden in 8—3 Tagen tadellos schwarz gefärbt C p PfiAAn Dampf-Färberei und « Vl UIIUj Chemische Waschanstalt Fabrik and Laden: Sarbnrger Straße 40, Filiale: Seitenweg 25. Aufträge nach außerhalb werden prompt erledigt. Telephon 226. (9573 -Trauer Telephonieren Sie unter Nr. 249 u. Sie erhalt, sof. Auswahl empfehlen unser Lager in Trauerhüt., schw. Schürzen, schw. Satin - Blusen, schw. Handschuhen, Trauer-Flor, Cröpe, schwarze Krawatten, TrauerSchleier. 8635a Moilel]ao$nalomonsCie, s 9 c tr u 4: Kindergarten-Verein. Am 17. September, dem Geburtstage I. K. H. der Großherzogin hübet um 3 NHr im PHllosopHenwalde ein Kinderfest der , verschiedenen Kindergärten, einschließlich Kriegskindergärten, statt zu dem auch andere Kinder hiermit eingeladen werden. Letztere sind bei ftrL Mörser, Garten- strabe 39, bis zum 16. September anzumelden. 197401) KaifllmiiW Fachschule. Wen staatlich anerkannte Unterrichtsanstalt. Nach Beschluß der Schulkommission soll der ünter- irichtsbetricb an unserer Anstalt, wenn auch mit > Einschränkung, demnächst wcitcrgeführt werden. Es werden deshalb die seitherigen Schüler und Schülerinnen ausgesordert. Mittwoch, öen 16 . Sejfeniöer, abends 8 Uhr, Schulhause der Sladtknabenschule — Nord-An tm läge 8 — pünktlich erscheinen zu wollen, um Stundenplan und andere Mitteilungen entgegen zu nehmen. Gießen/den 11. September 1914. Die Schulkommisfion. 97340 Habe meine Tätigkeit hier wieder aufgenommen. Der Unterricht 1» Blasssebmen, Scbniltielcbnen, Zn- icbneldan ul Anlnrtlgm moderner Damengerderobe beginnt am 5. Oktober. 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