Vr. 216 Zweites Blatt Erscheint tägüch mit AuSnahrnr des S«mtag;. \H. Jahrgang Die „«iehener ZmmUeiivriNter" werden dem »Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Rreirbtat für den klretr Kietzen" zweimal wöchentlich. Die „LandAirtschaftlichen Seit* fragen" erscheinen monatlich zweimal. nzelger General-Anzeiger für Gberhessen Dienstag, 15. September Rotationsdruck und Verlag der Brühl'ßhen Urnversitäts» Buch- und Steindruckerei. R. Lunge, Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- slraße 1 . Expedition und Verlag: e^Söl. 2i£ba£tion:e=gy 112. Tel.-2idr^ AnzeigerGi« ßen. was geschieht mit 300 000 Gefangenen? Man schreibt uns: 300000 Kriegsgefangene zählt man schon, die auf deutschem Boden untergebracht sind, und fast jeder Tag bringt neue Zahlen, die in die Dausende und Zehntausend geben. Die Frage, was mil diesem gewaltigen Menschenmaierial geschehen soll, wo und wie man sie unterbringt und wie nian sie beschäftigt, wächst sich zu einem Problem aus, wie cs rn solchem Umfange in anderen Kriegen unbekannt war. Die Erfahrungen des siebziger Kriegs bieten keinen Anhaltspunkt mehr, Anno 70/71 schaffte man die Gefangenen vor allem in die Festungen, Das war unbedenklich und ist es auch heute noch, well Goltseidank eine Belagerung deutscher Festungen ausgeschlossen erscheint, die Kriegsgefangenen also den Ballast überflüssiger Esser nichr vermehren dürsten. Aber dft Festungen reichen heute schon bei weitem nicht mehr aus, um die Gefangenen uttterzubringen. Auch vor 44 Jahren zeigte sich bald Raummangel und man hals sich mit Zelt- und Barackenlagern in der Nähe der Festungen. Schließlich ging man dazu über, die sog, Gefangencndevots in offenen Orten anzulegen, Ueberall wurden die internierten Gegner damals als Nursoldaten behandelt, sie exerzierten, selbstverständlich ohne Waffe, unter ihren Offizieren, und wenn man sie darüber hinaus beschäftigte, geschah es nur für den Mili- tärsiskus, täglich 5 Stunden, wobei Ueberstunden bezahlt wurden, Hier und dort wurden auch die Gefangenen zu Arbeiten cm Privatversoneu überwiesen, was bei den Arbeits- und Stellungslosen, dir nicht in den Krieg gezogen waren, großen Unwillen hervorrief. Denn die billigen Gefangenen drückten die Löhne, Ganz besonders schlimm wurde es dort, wo in großen Konzentrationslagern allzu wenig Beschäftigung beschafft werden konnte. Das führte z, B, in Köln zu einer Meuterei, die wohl vermieden worden wäre, wenn man nicht allzu viel Tausende von Gefangenen auf einem Punkt zusammengebracht und den meist jungen Leuten die Laster des Müßiggangs durch möglichst reichliche Tätigkeit ausgetrieben hätte, Wr haben nun in diesem Kriege, der von unseren Gegnern so unvornehm und niederträchtig geführt wird, gar keinen Grund, die Gefangenen rein militärisch anzufassen und ihre körperliche Tüchtigkeit und Disziplin auch noch durch soldatische Exerzitien zu verbessern. Herumlungern und Faulenzen dürfen wir sie auch nicht lassen. Wir müssen sie beschäftigen und wir können bei ihrer Riesenanzahl auch etwas besonderes daraus machen. Die Anlegung von Schieß- uud Exerzierplätzen, das Arbeiten in den yandwertsstätten ist viel zu wenig; wir sind durch unsere heimischen Arbeiter damit genügend versorgt, Ueberhaupt muß diesmal strengstens daraus gesehen werden, gerade zu Beginn des Winters, daß unsere arbeitslosen Landsleute durch die Gefangeuen- arbeit nicht noch mehr geschädigt werden. Durch die illustrierte Presse geht ein Bildchen, das französische Gefangene als Straßenrerniger in Stuttgart zeigt. Wir wissen nicht, ob in Stuttgart Mangel an heimischen Kräften ist. Jedenfalls dürste dieses Beispiel nicht verallgemeinert werden. Für die Armee der Kriegsgefangenen muß vielmehr ein großes gleichartiges Operationsfeld gefunden werden, auf dem die Gegner etwas leisten, was unsere Arbeitslosen einerseits nicht beeinträchtigit und auf der anderen Seite für unser ganzes Boik dauernden Nutzen stiftet. Nach dieser Richtung zielt ein Vorschlag, der in den verschiedentlichsten Zuschriften des Publikums bei den Zeitungsredaktionen einläuft, der Vorschlag, die deutschen Oedländereien undMoor - gründe durch die Gefangenen in anbaufähiges Land und ertragreiche Wiesen umwandeln zu lassen. Solche Unland- flachen besitzen wir leider in deutschen Landen noch sehr viel, in .Hannover, Pommern, Schleswig-Holstein, Brandenburg, Sachsen, Schlesien, vor allem aber in Ostpreußen, aber auch im Süden Deutschlands, in Bayern und im würt- tembergischen Oberschwaben, Die Kultivierung geschah bisher entweder durch den Staat auf Grund des preußischen Ansiedlungsgesetzes oder durch Privatpersonen, d, h. durch die großen Erwerbsgesellschaften, Banken und Aktiengesellschaften, Wir nennen nur die Ojtpreußischc Landgesellschast in Königsberg i. Pr,, die Landgesellschaft „Eigene 'Scholle" in Frankfurt a, die Pommersche Landgesellschast in Stettin, die Schlesische ^Landgesellschast in Breslau, die Schleswig-Holsteinische Siedelungsgesellschast in Kiel, die Hannoversche gemeinnützige Gesellschaft in Hannover, die Hessische Siedelungsgesellschast in Kassel und die für die Provinz Sachsen in Magdeburg, Man wende sich an diese Adressen und man wird wahrscheinlich das größte Entgegenkommen für den Plan der Gefangen «i verwert wog finden, Konrmen unsere Baterlcmdsvestreidiger vom Kriege zurück, so wird die Industrie vorerst nicht allen wteder das Unterkommen bieten können, wie früher. Wie mancher wird sich dann freuen, auf dem von den gefangenen Gegnern geschaffenen Kulturland eine eigene schölle und eine neue Existenz angewiesen zu erhallen, stall etwa, wie so mancher Invalide und Kriegsteilnehmer des siebziger Feldzugs auf Almosen des Vaterlandes angewiesen zu sein, für das er gekämpft und geblutet hat. Hier gilt es wirklich- ein gutes, ein großes Werk nach verschiedenen Richtungen hin zu tun, und es kommt nur noch daraus an, daß rasch gehandelt wird. Kriegsbriefe aus dem westen. (Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.) Die Kämpft um Paris. Telegramm unseres Kriegsberichterstatters. Großes Hauptquartier, 12. Sept. Als am 5, September die rechte Flügelarmee die Linie von Paris passierte, erfolgte aus Parts ein starker Ausfall in der Linie Erechpen-Dolois-Meaux unter Mitwirkung sehr starker Artillerie, darunter vieler aus Paris mitgebrachter schwerer Batterien, Dieser Ausfall wurde abgewiesen, und die deutschen Truppen drängten auf Paris nach. Im Anschluß an diesen Ausfall und im Verein mit den hierbei geworfenen Kräften erfolgte am 6, September ein Vorstoß einer stark überlegenen englisch-französischen Streitmacht gegen die Linie Meanx-Monttmrail. Die kolossale Uebermacht der nordöstlich von Paris versammelten gegnerischen Strcitkräste nötigte die rechte Flügelarmee, ihren rechten Flügel zurückzübiegen. Unsere Truppen hielten hierbei den gewalllg überlegenen Angriff mit solcher Unerschütterlichkeit aus, daß nicht nur unsere Kolonnen in voller Ruhe zurückgenommen werden konnten, sondern auch der feindliche Vorstoß blutig zu s am m e n b r a ch, Die feindlichen Streitkräfte konnten nicht nur nichr folgen, sondern unsere rechte Armee nahm auch 50 feindlrcky: Geschütze und 4000 Gefangene bei der Zurücknahme ihres Flügels mit. Die Beute der anderen Armeen ist noch gar nicht gemeldet. Seit acht Tagen wird' wieder auf der ganzen Westfront ununterbrochen gekämpft. Der Ausfall einer Division aus Antwerpen wunde von bedeutend geringeren deutschen Truppen blutig zurückgewiesen. _ W, Scheu ermann, Kriegsberichterstatter, Der Uebergang über die Sambre. Dem Feldpostbrief eines Artilleristen entnehmen.wir aus der -..Voss, Ztg," folgende Schilderung der Kümpfe an der Sambre: Meine lieben Eltern! Ich bin noch wohlauf, trotzdem nur schon 48 Stunden mit einer 3 Korps starken ftanzösischen Armee im Gesecht liegen, welche uns südwestlich N a in u r den Uebergang über die Sanchre versperren wollte. Gestern gingen wir mit starkem Art.-Verbande ans St, Gerard vor. Genannter Ort wurde von den Franzosen stark gehalten, doch fmiAen Wir so hinein, daß unsere Infanterie dauernd Vorgehen konnte, und bald stand der Ort, an Größe vielleicht Kreuimen zu vergleichen, in Flammen, und der Feind, die Entsatzarmee für die Feste Na- mnr, flüchtete nach Philivveville zu. Die Kugeln vsissen nur so um mrs her, und ein Geschoß schling in dt« 600 Meter- hinter unserer Feucrlinie stehenden Protzen der 3, Batterie und tötete 4 ®vas noch iür die nachkommcnden Truppen zum Bekämpfen übrig blecht, wir Hanen ja alles zusammen. Erschollene Franzosen üb« Franzosen, Schwerverwundcte und Leichtverwundete; doch bald legte sich alles, der Anblick des brennenden Dostes im Abenddunkei ivar zu gewaltig, Bis nach M e t l e t wurde d« Feind zurückgetrieben Md wir gingen im Bexsolgungsgesecht noch bis nachts 12 Uhr hinterher, Tie Franzosen such ein feiges Voll: 0au«nd ziehen sic sich zurück uich ergreifen niemals die Offensive, was uns bis jetzt immer, auch heute nKedtw, das gebracht hat, was man mll Swlz als Sieg bezeichnet. Die AuÄüstnng d« Franzosen ist zwar feldmarschmäßig, ab« nicht neu wie Miere, sondern alt Md zerlumpt umd lange nicht so vrallisch. Sie sehen noch genau so aus wie 1870—71, rote Hosen, blaue Röcke, schlcrtnrs Schuhwerk und Chassevot Gewehre, also toie damals. Gest«» labte ich mit Rotwein — leichter und schöner, wie mu ihn hi« gav nicht bekommt, wll haben ihn immter in dcjr Feldflasche, da ei unheimlich davon gibt, in jedem Hanse ca, 200 bis 300 Flaschen — einen Franzosen, dem beide Schienbeine durchscholleu warn Er war Reservist und hatte zu Hanse Frau nnd Kind mm 1 1 '2 Jahren, Ich tröstete ihn und schickte deutsche Sanitäter zu chm Im allgemeinen sind es aber mich die alten Franzosen, die hinterrücks aus uns schießen, sich tot stellen und nachher feuern. Zwei Mann schossen auf unfern Major, wie wir in, Stellung waren, wurden aber von zwei Kanonieren sofort mir dem iltevotver är- schossen. Mle Dörfer sind hi« verlMeu. wid wir tun uns an Speise und Trank gütlich. . Nun von d« heutigen 'Schlacht, .heut« nacht um 2 llhr würbe unser Biwak ang eg rissen, uich wir scharrten lautlos Msere Pferde, während die Angeln mir so um uns herumsansten. Unsere Infanterie Halle aber noch um 12 Uhr Schützengräben vor uns aufgeworfen und seuerlc gewaltig ans die Franzosen, die sich dann auch zurückzogen, den Wald besetzten, um Non dort zu schießen Wir warteten den Tag ab. Das Gelände ist hier sehr ivellig, was nns«em gedecllen „Jn-Steltnng-Gehen" und für die furchtbare Fcuerüberraschung nns«cr Geschütze sehr von Vortell ist, Nach- dcm die feindliche Infanterie aus den Wäldern »«trieben war, zog sie sich geordnet zurück. Wir gingen im stärksten Galopp etwa 4 Kilometer vor und beschossen in offen« Feuerstellung die abmarschierenden Kolonnen mit groß« Wirkung, Plötzlich «hielten wir Artillerie-Feuer von vorn, Nnige Batterien, darunter auch unsere, nahm sich diese vor und jagte tüchtig Ge.schvsft bin Tie armen K«ls flogen gleich halbdntzendweffe von den Geschützen h«unter. Uns beschossen sic zu Aiffang gan> gut, als wir aber die Wut bekameu, und ebenfalls sostch drauflos feuerten, fingen sie an, ihr Feuer zu verlangsamen, während sie uns zuerst mit einem wahniiMigen Geschotzregen üb«ichüiieten, klun tonnte» wir deutlich sehen, wie die Protzen h«ankamen, da diese sehr unvorsichtig fuhren, und jetzt ivnrde ein gewaltiges Feu« Msrer- seits eröffnet und wir hatten prachtvollen Erfolg, Wenigstens 20 Geschütze mit Munitionsroagen mußten liegen bleiben. Ist das nicht gMz brauchbar für den Airfang? Abends rückten wir bei 5 t a v e in die Quartiere und sahen die Verheerung dorr ob«halb Stave int, wo die feindliche Artillerie gelegen hatte. Di« Toten wurden gerade begraben, zusammen etwa 25 Mann, allein nur von einer Batterie lagen dort tot ern Reginwutskommandeur, ein Major, zwei Hauptleute. Die Pferde lagen dott ju Dutzenden herum. Na mix genug von dies« grausigen Beschreibung,--- Munition haben die FiMzoscn mehr in der Feuerlinie, ab« sic können doch wieder nicht so schnell schieße», da tfa Geschütze nicht so fest stehen wie unsere. ?da ihr njsrdiet ja sicherlich in Berlin solche Dinger zu sehen bekommen. Hatte doch jüngst ein ganzes feindliches Regiment mir 2 Geschütze gerettet, Hurra! Hurra! Draußen singt alles und ist voll Freude: ich werde mm auch schließen, — — Gute Nacht, meine Lieben, Die Auffassung -er italienischen Sozialisten. Der sozialdemokratische Parteivvrstand hat vor kurzem einige Genossen ins neutrale Ausland gesandt, um die Genossen jener Länder über die Haltung der deutschen Partei zu informieren, Ueber die Unterredung, die Genosse Süde - kum mit führenden italienischen Genossen hatte, findet der „Vorwärts", wie er schreibt, im „Avanti", dem Organ der italienischen Sozialdemokratie, einen längeren Bericht, aus dem wir folgendes wicdergeben wollen: An d« Sitzung nahm auß« Südekwn Coifftantino L a z z a r i als Sekretär nnd die Mitglied« t>« Partellettiing Della Seta und Z e r b i n i tell. Die Sitzung dan«te von 3V 2 Uhr nachmittags Treitschle an uns. (Zu seinem 80. Geburtstag, 15, September ) „Sobald der Staat ruft: jetzt gilt es inir und meinem Dasein — dann erwacht in einem freien Volke die höchste aller Tugenden, die so groß und schrankenlos im Fried eit niemals walten kann: der Opfermut, Die Millionen finden sich zusammen in dem einen Gedanken des Vaterlandes, in dem gemeinsamen Gefühle der Liebe bis in den Tod, das einntal genossen nicht wieder vergessen wird'und das Leben eines ganzen Mcnschenalters adelt und weiht. Der Stoeft der Parteien und der Stände weicht einem heiligen Schweigen: auch der Denker und der Künstler empfindet, daß sein ideales Schaffen, wenn der Staat vestinkt, doch nur ein Banni ist ohne Wurzeln, Unter den Tausenden, die zum Schlachtfeld ziehen und willenlos dem Willen des Ganzen gehorchen, weiß ein Jeder, wie bettelhaft wenig sein Leben gilt neben denr Ruhme des Staates, er fühlt um sich das Walten unerforschlicher Brächte, Daher die Innigkeit des religiösen Gefühls in jedem ernsten Kriege, daher die herrliche, dem platten Vesttande unfaßbare Estchernung, daß feindliche Heere denselben Gott um Sieg anflehen. Die .Größe des Krieges liegt gerade in jenen Zügen, welche die schwachmittige Aufklärung ruchlos findet. Da erschlagen sich Männer, die einander nie ein Leid getan, die sich als ritterliche Feinde hochachten; sie opfern der Pflicht nichst nur ihr Leben, sie opfern, was schwerer wiegt, auch das natürliche Gefühl, den Instinkt der Menschenliebe, den Abscheu vor dem Blute. Das kleine Ich mit allen seinen edlen und gemeinen Trieben soll nntecgehen in dem Willen des Ganzen." Nie ist der nationale Krieg, die Gewall der BolW- erhebung so überzeugend gepriesen, nie der Heldengeist d« Deutschen in kraftvolleren Tönen angerufen worden, als in diesen Worten Treüschkes, die in seiner httrreißend schonen Schrift über „Das konstitutionelle Königtum in Deutfch- : land" stehen. Und wie damals, ein Jahr vor dem heiligen Krieg gegen den Erbfeind, spricht auch heute wieder Hein- ' rich voll Treitschke M nas, da wrc gm 80, Geburtstag des Herolds der deutschen Einheit" den markigen Klangen seines wundervollen Pathos mit neuer Empfänglichkeit, mit tiefstem Verstehen lauschen. Dieser Seher und Gelehrte, dieser Dichter und' Politiker, in dem das deutsche Schrifttum den großartigsten Ausdruck des vaterländischen Geistes im Zeitalter der Einheitskstege fand, steht neben Fichte, der mit gleicher Kraft in deutschen Reden p deutschen Kämpfen aufgerufen, als der getreue Eckhart unseres Volkes, ja er steht uns heute näher, am nächsten unter den großen Geistern der nahen Vergangenheit, als Prophet des neuen geeinten Deutschland, jenes denffch-preußischen Wesens, das min so herrlich her an geblüht und so stolze Früchte trägt, Wir wissen jetzt aus den beiden Briefbänden, die uns die Entwicklung dieses großen Geschichtsschreibers bis zum Jahre 1866 in aller Deutlichkeit darlegen, daß der Jüngling, der in heißen Kämpfen um den Lorbeer der Dichter- mnse rang nnd lange zwischen Wissenschaft urrd Kunst hin und her schwankte, mit glutvoller Leidenschaft auch im Studium der Vergangenheit stets nach dem pulsenden Leben griff, durch sein Dichten das Vaterland in einer Zeit des Versagens und Verzagens zu starken patriotischen Gefühlen und zur Tat aufrusen wollte nnd in seinem gekehrten Schaffen der Politik seiner Gegenwart neue Antriebe gab. Und schon in seiner Jugend jubelte der geborene Sachse dem Preußen-Aar zu, dessen Aufflug zur Sonne er voraus verkündete, Wie sein körperliches Gebrechen, eine immer stärker werdende Schwerhörigkeit, sein Wesen nur noch eherner und heLxnhafter hämmerte, so verlieh die Tragik seiner Abstammung, die ihn mit deni Vaterland und dem treu zu Sachsen haltenden Vater zerfallen ließ» seiner Seele einen noch trotzigeren und höheren Schwung. Zu einer Zeit, da viele der Besten in deutschen Landen über dem Traum eines „größeren Deutschland" die .Zerrissenheit und Schwäche des Vaterlandes vergaßen, ist er nicht müde geworden, Preußen zu preffen, „das immer tieftr hineinwächst in Leib und Seele der Ration", und ein Jahr,zehnt vor dem Tage von Versailles entwickelt er fein Programm: „Rur ein Heil gibt es: ein Staat, ein monarchisck)es Deutschland unter der Dh° ucHie Hoheuzollern." w >- ... „ . Seine klassische Abhandlung „Bundesstaat nnd Einheitsstaat", die dieses Programm in der schärfsten und klarsten Weise ausspricht, hat man mit Recht die großartigste politische Schrift genannt, die je in deutscher Zunge verfaßt ist; sie spricht auch heute noch ans, was unser aller Geist bewegt. Wahrlich, die Stimme dieses einzigartigen Mannes, dessen lodernde Leidenschaft spürt mit höchstem lünstlerisctrem Geschmack und reichstem Wiffen zu eurer vollkommenen Einheit verschmolz, redet zu uns ans dem Grabe mit der Helle des Lebens, nicht nur in seinem großen Werk der „Deutschen (beschichte", nicht nur in der überlegenen Weisheit seiner Vorlesungen über Polittk und seiner Meister-Essays, sondern Mch in all jenen flammenden Aufsätzen, die der große Augenblick gebar. So hat er zu Anfang des Krieges 1870 ui seinem Anffatz „Die Feuerprobe des norddeutschen Bundes" geschrieben: ,hsst diese Zeit von Eisen, so bleibt es auch eine Notwendigkeit für die Gesittung der Welt, daß eine Nation bestehe, die neben dem Idealismus der Wissenschaft zugleich den Idealismus des Krieges behüte. Und dies ist Deutschlands herrlicher Beruf. Me beiden großen Na« tionen des Westens bewähren heute, als zwei gleich wider- wärttge Muster, wie die Völker den Krieg nicht aufsassen sollen. Während Frankreich einen ruchlosen Beutezug beginnt mit dem Uebermute des Raufboldes, der doch sehen will, wer der Stärkere sei, versinkt das weiland große England in schiinpfliche Feigheit nnd die erhabenen Ätmtten Wilhelms des Dritten und der beiden Pitt verhüllen scham- voll ihr Haupt, Was wäre das Völkerrecht und die Freiheit Europas, wenn nicht zwischen dem Frevelmute hüben irnd dem Krämersinn drüben dies Mftr Voll in Waffen stittiüe, friedfertig zugleich und wafsensioh, gxrecktt gegen die Mi» tarn und eifersüchtig auf die eigene Ehre!" Und wenn er der köstlichen Früchte dieses Kampfes gedenkt, dann ruft er: „Das Herz schwillt uns wie jenem tapferen Dichterjüug- ling, der einst, heimkehrend ans dem eroberten Paris, beim Anblick des deutschen Stromes hock, auftubelnd rief: Vater- land, ich muß versinken hier in deiner Herrlichkeit!" buf 7 Ubr abends Südekum erklärte zunächst: Er sei gekommen mit der Absicht, die italienischen Genossen über die Lage der deutschen Genossen zu informieren und um zu erfahren, ob die italienischen Genossen Schritte getan batten, um die Beziehungen zu den Ge- nossen der anderen Länder a-ufrechtzuerhalten, Wir halten daran fest, zu erklären, das; die deutschen Sozialisten nicht anders handeln konnten. Mein Hiersein beioerst, dos; die deutschen Sozialisten sich immer ihrer Pflicht gegen die Internationale bewußt sind, aber ne glauben, dag die deutsche Regierung ihre Friedensliebe bewiesen hat und gegen ihren Willen zum Kriege gezwungen wurde; daher die Unterstützung durch die sozialdemokratische Partei, D e l l a S e t a bestritt, das; die Deutschen aus diesem Gesichtspunkt heraus dem Kriege hätte;; zustimmen dürfen. Die italienischen Sozialisten würden nicht zrigestimnrt haben, wie sie auch dem libyschen Kriege nicht zugestimmt hatten, Dr, Südekum bemerkte hierzu: Die deutschen Sozialisten hätten ihr Vaterland gegen den Zarismus verteidigen^müssen. Er wiederholte die Erklärung Haases und fügte hinzu: Ich wundere mich, das' die italienischen Sozialisten glauben können, daß ^nc so starke deutsche sozialistische Partei aus ihre Ausgabe und ihre Ideale verzichtet hätte. Sie müssen sich überzeugen, daß uns nichts anderes übrig blieb, als die verlangten Kredite zu bewflligen. Er behauptete werter, das; alle bürgerlichen Zeitungen Italiens gegen Teutschlaird und für Frankreich arbeiten, und es scheine, als ;oenn die ilalie- nischea Genossen sich betresfs Erhaltung des gegenwärtigen Zustandes in Italien mit der italienischen Bourgeoisie im Einverständnis befinden. Niemand kann zweifeln, fuhr Südekum kort, dag die d cm ticken Sozialisten den richtigen Weg eingeschlagen haben. Gewiß ist, daß sie in vollkommen gutem Glauben sich befinden und überzeugt sind, >onalistisch gehandelt zu habcii. Jedenfalls konnten sie weder anders handeln, noch mehr tun. Bei den deutschen Grenzverhältnissen, angesichts der drohenden Gefahr an der russischen Grenze, war die Frage einer Revolte, eines Generalstreiks außerhalb^ aller Diskussion, Ich erachte es als die Pflicht der italienischen Sozialisten. die Neutralität aufrecht zu erhalten, damit ein Stützpunkt bleibt, an welchem die internationalen sozialistischen Beziehungen wieder angeknüpit iverden können. Im Falle eines Scheinfriedens hätten die sozialistischei; Parteien dann einzugreisen, damit der Friede für alle Zukunft gesichert blecht, Schließlich hielt Südekum für nötig, daran; hinzuweisen, daß die deutsche sozialistische Partei weder die Absicht noch das Recht har, die Stellungnahme der italienischen sozialistischen Partei irgendwie zu beeinflussen, aber suchte, herzliche internatchnale Beziehungen wieder anzuknüpien. Die Antwort Della Selas, Della Scta fand es vor alleni seltsam, dah die deutschen, Sozialisten sich in diesem schwierigen Moment an ihre italienischen Genossen wenden, um so mehr, als man dieser Intervention jede Absicht unterlegen kann. Und dies ist für uns ein ernstes Motiv, das uns zwingt, ihnen uneingeschränkt unsere Meinung, zu sagen. Er fuhr fort: Die Verteidigung der Haltung der deutschen Sozialisten überzeugt uns nicht. Die hier wiederholte Rede Haaies ist uns zur Genüge aus der bürgerlicheil italienischen Presse bekannt, die daran interessiert ist, den Patriotismus der deutschen Sozialisten zu beweisen, gegenüber den internationalen Gefühlen der italienischen Sozialisten, Ihr sprecht von dem mit uns alliierten Frankreich und dem engliichen Feinde Deutschlands: aber wir sprechen von unserem Frankreich, vom revolutionären Frankreich, von dem Frankreich Jaurtzs' und von keinem ariderer. Die französischen Sozialisten betrieben immer eine antimili- taristiichc Propaganda in einem Lande, welches Revanche wollte. Tie Franzosen kämpften gegen die französischen Kriegsvorberei- tungen, was die Deutschen nicht taten, oder doch nur bis zu dem Punkte, wo die imperialistischen Gefühle des Kaisers und des Bürgertums .verletzt werden konnten, ebenso, wie wir gelrsen haben, das; sich die deutschen Sozialisten am Vorabend des Krieges mir den anderen Parteien zusammen an Akten der Ehrerbietung und .Huldigung dem Kaiser gegenüber beteiligt haben, Südekum nahm zu diesem Punkt das Wort, um mitzu- tcllcn, daß an diesen Akten die Sozialisten nicht teilgenommen haben, DellaSeta nahm Notiz von dieser Mitteilung irnd bemerkte sedoch, daß eine Berichtigung dieser Episode wenig bedeute, da der Gesichtspunkt der deutschen Sozialisten demjenigen des deutschen Imperialismus konsorm sei, Tic deutsche Vorherrschaft, suhrDellaSetasort,bedeutetfürunseineschlim- mere Gefahr, alsdiejenige des Zarismus, weil der Zarismus verhindert, daß die deutsche Armee auf Paris marschiert und weil er das französische Banner schützt, ivrlches das revolutionärste ist trotz seiner Fehler und Jrrtümer, Der deutsche Wahlspruch ist heute: „Deutschland über alles", ll il d in diesem hat der deutsche Sozialismus nicht cntgegengcarbeit. Ich füge hinzu, daß Ihr im gegenwärtigen Falle ans republikanischen Prinzipien hättet handeln m'Affen, da zweifellos der WUlc der Herrschenden den Ausgang des Krieges beeinflußt, denn jeder Krieg hat, sozialistisch gesprochen, immer eine ticse kapitalistische und- ökonomische Ursache, Die deutschen Sozialisten haben jedoch im „Vorwärts" dem Kaiser eine Anerkennung p'.chliziert, well er 25 Jahre lang gegen den Krieg gearbeitet habe, Ihr sprecht von der deutschen Zivilisation, die in Gefahr sei, aber rvir können keine Kultur darin sehen, wenn man das neutrale Belgien angreift und guillt und wenn sich die Zerstörung Löwens vollendet. Im großen und ganzen stellt Ihr, die Sozialisten, dieselben Erwägungen an, wie die Minister der deutschen Bvurgeosie, Für uns ist der Kaiser nicht lcheraler wie der Zar, Wir haben, um den Krieg zu verhindern, uns niemals an einer Aufwiegelung der italicnischen irredentistischen lBcsreiung aller italienisch rcdenden Gebietsteile und Vereinigung mit dein Mutterland Gefüdle betelligt, aber wenn wir Eurem Beispiel hätten folgen sollen, hätten auch wir uns in der schrrcklichen Gefahr befunden, den; Kriege Beihilfe leisten zu müssen. Für uns besteht die sozialistische Pslicht darin, ims immer gegen den Krieg zu empören, und wir müssen uns auch heute empören gegen den schrecklichen Zustand. wo man sieht, daß Deutschland das Recht der Neutralität verletzt, hat, wie es das gegen Belgien getan hat, ohne daß Ihr protestiert hättet. Wir haben das Bergnügen gehabt, auch unsere Gefühle und Ansicht von der Sachlage, die diejenigen der großen Mehrheit unserer Partei sind, auszudrücken. Ihr habt gesagt, Ihr wäret weit entfernt, irgendeinen Einfluß mif unsere Neutralität auszuüben. Wir wiederholen Euch, daß die Neutralität der italienischen Sozialisten eine andere ist als diejenige der Regierung. Und über die Neutralität der italienischen Sozialisten bestimmen nur diese allein. Und wenn in, rrnseren heutigen Schritten und Worten ein geheimer Wunsch ist, so haben wir auch ittunferer Neutralität einen g eheimen Gedanken. Aber dieser Gedanke soll kein Geheimnis sein für Euch, wie auch Eurg Gedanken für uns kein Geheimnis find. Und wir sagen Euch offen, daß wir das zerstört« Belgien beweinen und ehren und zitternd das Schicksal Frankreichs verfolgen, welches auf dem Schlachtfeld der Internationale das Leben Jaures' geopfert hat. Und was dir Beziehungen von Partei zu Partei angeht, werden wir suchen, wenn der Fried« sich nähert, ichnellsrens eme internationale Zusammenkunft ernzuberusen. Mit dieseri Ausführungen wurde -die Aussprache beendet. Der „Vorwärts" bemerkt dazu: „Wir halten die Auffassung unserer italienischen Parteigenossen fick: ein sei- t i g, müssen aber in der jetzigen Situation aus leicht de- greiflichen Gründen auf eine Diskussion verzichten. Konstatiert muß nur leider werden, daß die italienische Auffassung bei den sozialdemokratischen Parteien auch in anderen neutralen Lindern stark verbreitet ist," Dar mexikanische Problem wieder neu erwacht! WTB, Kopenhagen, 14, Sept, (Nichtamtlich.) „Ber- linske Tidende" meldet aus London: Von wohlunterrichteter Seite wird mitgeteilt, daß, das Verhältnis Müschen Präsident Wilson und General Earranza, dem wirklichen Oberhaupt der Republik Mexiko sehr gespannt sei, weil Carranza in ziemlich unverschämtem Tone fordere, daß die Truppen der Vereinigten Staaten Veracruz räumten, In den letzten Tagen sind große amerikanische Truppenmassen nach der mexikanischen Grenze a h- gegangen. Aus dem Reiche. Mannheim, 14, Sept, Der Plan der Heimbringung der Leiche des Reichstagsabgemdneten Dr, Frank vom Feindesland nach Mannheim, der von einer Abordnung der Mannheimer sozialüemokrattschen Partei Ausgang voriger Woche versucht wurde, war nach der Mannheimer „Volksstimme" nicht von Erfolg begleitet. Tie initrtärischcn Operationen gestatten vorerst noch nicht, an die Ausführung des Planes heranzurrewn Das sozialdemokratische Blatt anerkennt gerne und dankbaren? große Entgegenkommen, das die Militärbehörden sowohl in Berlin wie in Karlsruhe und auf den Etappenstationen für die Ausführung des Planes bekundeten. Karlsruhe, 14, Sept, (W, B, Nichtamtliche Ter Großherzog Hai sich entschlossen, während des gegenwärtigen Krieges Taten von hervorragender Tapferkeit durch Verleihung des militärischen Karl-Friedrich-Verdienstordens oder der militärischen Karl-Friedrtch-Verdienstmedallle zu belohnen. Aus Stadt rrnd Gießen, 15. September 1914. Auf dem Felde der Ehre gefallen. (Aus Hessen und den Nachbargebieten.1 .Hauptm, d. Res, Ernst Probst, Jnf.-Regi, 81 ans Frankfurt a M. — Oberleutn, z, See Fritz W c i f f e u b a ch, 2 Minensuch div. aus Franlfurt a M, — Assist -Arzt ö Res, Dr, Rud, Werner Hcusner, Inf,-Regt, 142 aus Gießen, -— Lt, d, R, Lehramtskandidat Ed, Ca st ring ins, Jnf.-Regt, 116, — Bizewachlm, d, Landw.-Feldartilleric Karl Kahle aus Frankfurt a, M, — Gefreiter Jos, S al z b run n, Jus.-Regt, 87 aus Frankfurt a, M. - Ofs.-Stellvertc. Fritz Wal ging er, Jnf.-Regt, 117 aus Mainz, — Gefreiter Fritz Hill, Jns.-Regt, ll8 aus Udenheim, — Landwehrmanu Georg Bersch aus Darmstadt, — Gardefüsilier Andr, Altstä 1 ter, Rgt, 115 aus Wersau, — Landwehrmann Lorenz N ehrwein aus Darmstcwt, — Reservist Adam Kas- fenbergcr aus Hellcrbach, — Vizefeldw. d. Res, cand, mck, Rudolf Fink aus Dillenburg, — Unterofsiz. Paul Weber aus Fellerdilln, — Emj-Unteroft, und Lehrer Georg Schnatz, Jns.- Regt, 87 aus Mainz, — Res. Jose; Schier aus Nlainz-Mombach — Ossizier-Stellvertr, sind, orrft. Hubert Klein, Jns.-Regt, 168 aus Overralh, — Hauptm, Eduard Mattel, Jns.-Regt, 116 aus Bernburg, — Musketier Hans R e i tz, Jnf.-Regt, 8l au? Hanau. — Musk, Phil, Föllcr aus Hanau, — Musk, Julius Kugelstadt aus Wehen, — Reservist Willy Zimmermann aus Wiesbaden, ** Amtliche B e r l u st l i st e, Nach der amtlichen Be lanntmachung des Oberbürgermeisters liegen von setzt ab die amtlichen "deutschen Vertu st listen im Stadthaus, aus dem Polizeiamt und aus der Polizeiwache am Sclters- tor zu jedermanns Einsicht offen. Leider enthalten aber die bis jetzt erschienenen stiummern immer noch nicht die Verluste unserer hessische» Regimenter, Zkjtzkt bif Sriepanieilei!! ** Ue6 T Aiig' und Hand fürs Vaterland, Jeden Nachmittag befolgen diesen Schützen-Wehrspirrch Jünglinge und Männer ans allen Kreisen unserer Bürgerschaft im Mter von 16—65 Jahren, Es handelt sich darum, Zivilmannichasten aus-, zitbilden, die den Bahiibetvachungsdienst übernehmeri, wenn unser Militär abberuien oder für die Gefangencnbewachnng gebraucht wird. Die Anleitung zum Schießen .gibt Schießmeister Noll, der vom Musketier Rosentha! imi> dem Büchsenmacher Dikore unterstützt wird. Bisher sind 90 ausgebildete Schützen dem Be- zirkskomniando gemeldet, 50—60 sind augenblicklich in der Ausbildung begriffen und täglich drängen sich neue Mannschaften an den Schießstand, die ihre Ausbildung im Interesse 'des Vaterlandes verlangen, ** Der Aussuhrverkehr nach den neutralen Staaten. Nach einer der Handelskammer von dem Wirlschatt- lichen Beirat der Linien-Kommandantur 6 in Frankinrt a. M. zu- gcgangenen Mittcilnng ist der Ausiuhrverkchr nach allen neutralen Stanken »löqlicb. Alle Rhcin-Schifiahrts-Gesellscbaflcn unterhalten reaelniäjnge Derbindiingen mit Holland, vo» wo mit neutralen Tampsern sich Derladegelegenheit nackt Nord- »nd Südanierika, Schweden, Norwegen und Dänemark bietet. Ebenso bietet sich nach den nordischen Ländern Verschiffungsmöglichkeit von Hamburg und den deutschen Ostseehäfen. Nack der Türkei, Griechenland und Ehma steht der Weg über Italien offen. ** Quetschekuche, Das Verdienst, das sich die Gemeind« W aldgi rm e s durch -Spendung von 100 Zwetschenkuchen für das Wetzlarer Lazarett um das Vaterland erworben, hat die Gemeinde Ki nzenb a ch nicht ruhen lassen, sie trumpfte mit 150 Stück des edlen Backlverkes, Darauf setzte Hermann st ein zum Spurt ein und stellte einen Rekord von 200 Zwetschenkuchen ans. Also 450 Zwetschenkuchen, darunter etliche in der Größe eines ausgewachsenen Geschützrades, haben die Wetzlarer Verwundeten verarbeiten müssen, — Lieb Vaterland, kannst ruhig sein! Landkreis Gießen, z, D a u b r i n g e n, 14. Sept, In der am Samstag ab- gehaltenen Hauptversammlung des „Männer-Dnrn- Vereins (E.V.), Mitglied des Tnrnexbrrndes „Lahn-Düns- berrtzh wurde beschlossen, dem Roten Kreuz 100 Mk, zur Verfügung M stellen. Für die unterstützungsbedürftigen Familien der Kriegsteilnehmer des Vereins sollen die monatlichen Beiträge, die von den nicht zur Fahne einberufenenj Mtglredern weiter erhoben werden, je nach Bedürfnis zur Verteilung kommen. l. Langgöns, 14, Sept, Der hiesige Verein der Käsereibesitzer hat für das Rote Äeuz 50 Mk, gespendet, die der Scrnrmelstelle in Gießen überwiesen wurden. Kreis Schotten. k, Schotten, 14, Sept, Tie in der Stach vorgenvm, mene Sammlung für das Rote Kreuz und die bedürftigen Fam ilie n unserer in Feindesland stehenden Lwldaten hat 11000 Mk, ergeben, Ivovan bereits 3000 Mark dem Roten Kreuz überwiesen worden sind, Außerdenr hat der Gemeinderat für sämtliche Kriegsteilnehmer je einen Anteilschein der Kriegsverjichernng einznlösen beschlossen, wofür über 1000 Mk, erforderlich sein werden. Für die Notleidenden in Ostpreußen wurden 5 0 Mark bewilligt, Kreis Friedberg. h, Bilbel, 14. Sept, In der Schule wurde ein Lazarett mit 32 Berten eingerichtet. Die gesamte Ausrüstung wurde in mustergültiger Weise von hiesigen Bewohnern und den benachbarten Genleinden zur Verfügung gestellt. ^ § Aus der Wetterau, 14, Sept, Der orkanartige S t u r in in der Nacht Horn Samstag aus Sonntag hat an den Ovstväumen enornren Schaden crngerichtet. Wie gesK lagen die Früchte am Bodeck Kreis Wetzlar. - Krofdorf. 14, Sept, Die für Krofdorf-Glei. b e r g erbaute Schule geht ihrer Bolleiiduiig entgegen. Ir« Anschluß an die für beide Orte geschaffene Wajserlciiungj erhält die Schule im Erdgeschoß eine Badeeinrichtung, Ter stattliche Neubau ist für vier Klassenräume eingerichtet, enthält aber keine Lehrermohnungen. Die Gleiberger Schul« wird demnächst aufgelöst, , Hessen-Nassau, h. Aus dem T a u n k s , 14. Sept, Ein orkanartiger Wirbelstnrn, hat in der Nacht zum L-onntag im ganzen Taunusgebiete schweren Schaden angerichtet. Der Sturm fegte den größten Teil der Obsternte von den Bäumen, Am Sonntag waren ungezählte Hilfskräfte mit dem Ein- saumieln des „Sturmobstes" beschäftigt, ohne daß, es ge, lang, auch nur einen Bruchteil der abgcworfcnen Früchte zu bergen. Der Obstmark: dürfte in diesen Tagen mit tausenden von Zentnern Obst beschickt loerden, Dem Ver- nehmen nach wird sich der Preis für einen Doppelzentner Sturmobst auf sieben Mark stellen. X. Hanau, 14, Sept, An der Kriegsanleihe wird sich die städtische Sparkasse in Hanau vorläufig mit einer Viertelmillion Mark beteiligen, — Der Fuhrmann Caspar H o h m a n n, ein bejahrter Mann, geriet heute nachmittag beim Heufahren unter die Räder seines Fuhrwerks und wurde getötet. Eine neue gönn der Rriegsversicherung. Ter Gedanke der Kriegsvenichcrung hat sich seit den Tagen der Mobilmachung überall in ersreulicher Weise geregt. Die Tages- presse brachte wiederholt Ausführungen über die Grundlagen, den Umfang und die Deckung dieses isonderrisikos, Daneben war der Anzcigentell der Zeitungen mit Inseraten der Berircheriirrgsd«. tretcr und Gesellschastsdirektioncn an gefüllt, worin die von ihnen getroisenen Einrichtungen geschildert und zur Benutzung empfohlen wurden. Wer schon srühcr seine Familie oder seine sonsttgen Angehörigen durch Abschluß einer angemesseneir Versicherung für doi Fall eines unerwarteten Todes versorgt hatte, war nun auch für den Kriegsfall ohne weiteres ganz oder teilweise gesichert, iofent seinerzeit in die Versicherung das Kriegsrisiko eingeschlvssen wurde, Oft war dies letztere aber nicht der Fall, da es der Versicherte hch der Antragstellung unterlassen hatte, derr Einschluß der Ückregs- gesahr besonders za beantragen. Da ist cs mzuerkennen, daß mehrere Gesellschasten sich unter gewissen Bedingungen freiwillig bereit erklärten, auch in solchen Fällen das Kriegsristko bis zu einem gewissen Grade, in einzelnen Fälle» sogar in voller Höhe zu übernehmen Für die hier in Bcrracbt kommenden Bevöllcrimgskreisc ist also in zufriedenstellender Weise gesorgt ivvrden, Sckuoieriger ist die ffiachlwlimg der wirtschaftlichen Vorsorge aber schon für die zahlrerckfeu anderen, die erst im letzteil Augenblick an einen solche» Abschluß dackfteu, Naturpenräß uuißteii- nämlich die Olesellschastcn zur Wahrung der Interessen ihrer alt« Versicherten de, den jetzt in größerer Zahl beantragten Vernchd- rungcn mit Einschluß der Kriegsgefahr billigerweise eine Extra» xrämic erheben, die in einzelnen Fällen bis zu 100 Mk, auf das Tausend der Versichcrungsiunime betrug, lind die selbstverständlich noch neben der regulären und lausenden Prämie zu entrichten ist. Dies >ftng vielfach erheblich über die Kräfte zahlreicher Wehr- vslichtigen hinails, lvas rrm io mehr zu bedauern ist, als es sich gerade in solchen Frillen um Kreise handelt, die eben wegen ihrer geringen wftckschaftlichen Leistungsfähigkeit des Versichermlgs- schutzes in gmz besonderem Maße bediftsen. Diese Lücke in dm geschaffene!, Einrichtungen hat im Großherzogtum Hessen die vom Großh, Oberversicherungsamt und dev Krankenkassen ms Leb« gerufene „Hessische Kriegsversickferung" ausgefüllt, während sonst im ganzen Reiche, insbesondere in Preilßen, die -^elbstverwalttiugs- körperschastcn Provinziakverbände, Landesbanken, ihrankenkasscii lind Fcucrsozietätenj in Verbindung mit der ihnen nabestelfenden öffentlichen Lebens- rind Bolksversicherung «nie gleiche EinrickNung der Kriegsversicherung geschaften haben, die auch jetzt allen denjenigen Vaterlandsverteidigern zu Hilfe kommen sollen, welche es nicht vermocht hatten, für ihre Angehörigen in ausreichender Weise vorzusorgcn. Dazu erscheint diese Einrichtung durch die Einfachheit und Klarheit ihrer Bedingungen in besonderem Maße berufen, Tic Teilnahme an dieser Gründung erfolgt ohne alle besm- deren Formalitäten in einfachster Weise durch Löftmg- eines oder urehrcrcr Anteilschcftre zu je 10 Mk, obnc daß eine ärztliche U n t c r s u ch u tt g oder sonst eine persönliche Beteiligung der Wehr» pflichtigen bei der Ausnahme criorderlich ist. Es kann also die Lösung der Anteftscheine auch für die bereits im Felde stehende durch die zurückgebliebenen Frauen oder sonsttgen Angehörigen leicht erfolgen. Für den Einhcitsbelrag von 10 Mark für einen Anteilschein loerden nun für deri Fall, daß der Kriegs- teilnebmer im Kriege sein Leben einbüßt, dcil Angehörigen der verhälmismäßigc Amteil an den insgesamt eingekommenen Mst- teln ausgezahlt. Bei Annahme einer Sterblichkeii wie die von 1870/71 würden dabei ans den Anteilschein etwa 250 Mk entfallen. Sind die Verluste geringer, dann erhöht sich der Betrag, sind I sie größer, bann erniedrigt sich dieser Betrag, Die kjöchste Zahl l der >ür einen Kriegsteilnehnrer lösbaren ÄnteUscheine ixträgt 20 Stück, so daß also eine Höchstleisttmg von 5000 Mk ermöglicht werden würde. Für bereits Gefallene oder Verwundete können Ülnteilicheine selbstverständlich nicht mehr gelöst iverden, falls diese Tatsache den Änmeldenden bekannt war. Diese Besttminuiig trifft dagegen nicht zu, wenn eine Gesamtheit von Personen gleichzeitig versichert werden. Es bieret sich also hierdurch Gemeniü«, Vereinen, Firmen, Fabriken usw, eine günsttge Gelegenheit, für ihre einberusencn Angestellten und Arbeiter L-orgc zu tragen. Bemerkt sei noch, daß die Organisation dieser Kriegsunter- stützungskaisc ebenso wie die der öpeiitlühen Lebens- und Volks- vcrslcherung'süx Preußen provinzweisc und für den Bezirk de: Bundesstaaten 'einzeln diirchgesührt worden ist. In den Teilen des Reiches, in welchen Kriegsversicherungen noch nicht eingerichtet ! sind, ist deren Gründung vorbereitet und sicherein Vernehmen, nach werden schon in allernächster Zeit eine Anzahl gleicher Ein;ichtrmgw , auch dort ins Leben treten können, » Die Annahmestellen der Kriegsoersicherung sind überall kennt- » lich gemacht. j j Die beiden Molttes. r s Die Stelle des Generalstabschefs der deutschen Heere, die 1876 Feldmarsclmll von Molikc iimc hatte, riinrmt heute b kanntlich wiederum ein Moltke ein. der den gleichen Namen führt wie seoi großer Oheim, General Helinuth von Moltke, der nuninehr das „Gehirn uirsever Armee" darstellt, ist der ziveitc unter den mer Söhnen »vir Moltkcs Bruder Adolf, mit dem den Feloherrn ebenso wie mit dem Bruder Fritz ein besonders iimiges Bcrhälttüs verband, „Die vier Riefen" nannte der Onkel Adolfs L-öhne, die ihn alle vier körperlich überragcen, und er hat sich ihrer stets mit treuer Berwandtenliebe angenommen. So nahm er Anteil dl per Erziehung des ältesten Ressen Wilhelm, der ein schwächlichrr Knabe war und üesian Ennvicklung der Feldmarschall mit geradezu väterlicher Liebe überwachte Apcr auch zu Helmuih hegte er besondere Zuneigung, Während des Krieges 1870 verlor er den 22jäbrigen, der noch als Fahnenjunker des 86. Füsilier: egiments ins Feld zog, nicht aus den Augen, So schreibt er am 6, September aus Reims an den Bruder Fritz: „Auf der Herfahtt W& gestern fuhren ivir an der Rast der zehnten Division vorüber und fanden Helnruth mit den Offtzierrn seines Regiments unter einem Apfelbaum sitzend. Er siebt ein bischen spitz aus, ^ sicher! ober, oolltomui«, ivohl zu sein. Geld habe er „massenhafr , zu tcoen auch, eine Wurst vcrsaunähtc er und begnügte sich } ,u !. einer Flasche Wein aus niernem Wagen. Seine Rockschöße linu durchsckwsscn, er selbst aber ganz und fwhen Mutes. Er niuß iefer Tage die Smemnmg jurn Offizier erhalt ui/' Am IO Sep- Mb« berichtet er an die Venoaudtru, daß sich Lclmuth äugen iicklrch in der Gegend von Atonttni'ail befinde, und bald be- mmrt er den Neffen in feine Nähe, da dchft-u Regiment airr *riafprnmg-jarniee _ vor Paris gehört, „Leluiuth ist gestern ued« mif Vorposten gezogen ', h?ißt es in einem Bericht de- «ldmvrsclxilis vom 1-.'. Dezember an tic Verwandten, ,,Der brave ungc geht inrm« freudig an> seinen Diensr. Aast alle Nacht feuern ie Werte ganze Lagen schwersten Kalibers ans gut Glück ab iou Hunderten von Granaten trifft zufällig 'mal eine Be, tage averti«en die Posten den Schub, und die Mannschaft hat Zeit, ch an die Erde zu legen, iot dann von den Sprengstüchen nicht icl zu furchten ist, aber eine Anrirhmlichkeit ist es doch nicht, chen bin ich mir Senry ideni Neffen feiner Frau und feinem ldiutanten) hmansgcwesen^und habe tzelmuth ein" große Blech iichse mit Magdeburger Sauerkraut, eine zweite mit dem zu- ehörigen Pökelfleisch, einen Sack mit Erbsen und zwei Flaschen hampagner gebracht, Tie armen Kerle werden einen ffölürchen brird haben," Nack, den, Kriege kam der fnngc Mvltkc auf die Kriegsakademie, uirde 1881 Laupiurann im Grossen Generalstab und trat ein Jahr araul zu seinem Onkel in die allernächste Beziehung, indem er an ; teile des bisherigen 'Adjutanten Moltkes, seines Neffen Ten in on Burt, zum persönlichen Adjutanten des Feldmarschalis cr- annt ivnrde. Die engen verwaudt,'chaft!ick>cn Bande wurden durch iesc dienstlichen nvck, slärk« geknüvft, und mmr darf sagen, daß urch zwei Jahrhunderte der Nesse nun des greisen Feltcherrn inigster Vertrauter war. In feinsinnigen Erinnerungen har ^elmuth von Mvltkc in den „Gesammelten Schriften und Denk 'ürdizkeiten", die das schönste literarische VerinäckKnis des Feld carschall- _ daritellen, das Bild des großen Oheims gezeichnet, ne « es iah. Tritt auch in diesen menschlich wie ichriftsirllc risch leich schönen Blättern die Persönlichkeit des Verfass«-, natürlich urück, so leuchtet doch ein Verdienst des Neffen daraus hervor: >m haben wir es zu danken, daß Moltke seinen ausgesprochenen üiderwillen _ gegen Memoiren überwand und seine äffische Geschichte des deutsch-französischen Krieges schrieb, seine tz7e schriststellerischc Leistung, Aus das wiedcrholre Drängen des icssen erklärte sich Moltke schließlich bereit, die vom Generalstab erausgegebene Geschichte des Feidzugs „auszugsweise umzuarbci- n". Der Nesse legte ihm dann das große Werk ans seinen Schreib sch, und nun vollendete der Feldmarschall in einem Zuge die rachtovlle Darstellung, die er dann dem Neffen übergab, ohne irr einem Wort je wied« daraus zurückzukommen, In der Aus- abe, die Major Lclmuth von Mvltkc im dritten Band der „Denk- nirdigkeitcn" erscheinen ließ, konnte er betonen, daß „dies in er schlichtesten Weise zwecks rin« volkstümlichen Belehrung untcr- ommcne Werk in seiner ganzen Gedankensolge die Acußerung d« iqensten Beurteilung des Krieges durch den Geueralscldmarichall ilbst darstetlt". So bat der Neffe an der Seite des Ohms gründen bis zu dessen letztem Atemzug, In einer ergreifenden pMderune hat rv uns alle Einzelheiten des „letzten Lcbenstages" nibrwahrt, Mvltkc hatte mit dem Neffen, seiner Gattin und ringen anderen Herrschaften zu Mittag gegessen, sich dann wie ets an den Whffttisch gesetzt irnd mit viel Vergnügen sein „Prrtie ,en" gemach. Zuletzt wurde miffiziert, doch plötzlich erhob sich er Feldmarschall und ging in? dunkle Nebenzimmer, wohin ihm er Nesse solgtc. Ms « die Stirn des lies vornüb«geb«igt Da- tzenden faßte, war sie eiskalt Znd sank ihm schlrwr in die Tand, >akd danach kam der Tod,,, Die Freiheit der Meeres. Unablässig wendet Englaird alle Mittel an, um die Schiffahrt rd den Landet der Neutralen zu stören, ernzuschränken od« selbst bmzulegcn, Eirgland, das sich so gern als den edeluiütigen „23c* lützer der neulralcn Staaten" auprrist, l»at das Recht imm« nur mchtet, wenn dies in seinem Nutzen lag, und so tastet cs auch tzt skruvcllos sencn völkcrrechtlicheu, allgeoiviu aueulanutcu und igenonniicncn Grundsatz an, wonach die Straßen des Weltmeeres Kricgszeiten von den Schiffen muttra!« Staaten ungLhinderl: iahrcn werden dürfen. Das ist die große Errungen schalt d« Freist des Meeres, die erst in d« modernen Zcir durchgesetzt worden , Zwar galt in d« Theorie schon bei den alten Römern das Meer s „rcs communis omnium", doch zeigt die Gcschrckstc einnr kenu- ichnenden Gegensatz zwischen römischem Recht und römischer olitik. Denn als Karthagos Seemacht gevrochen ioar, wurde das littclmeer bald ein römischer Sec, Alle Laudclsftotteu gehörten om, ständig kreuzende Flotten bewachten den gesamten Be rieh r nd verschallten den Gesetzen Geltung, und >r>enn einmal zur Sec kämpft wurde, wie bei Aetiuuiz dann schlugen Römer' gegen tim«. Die großen italienischen Laudelsrepubliken des' Mittel» Mi lösten die römische Herrschaft ab. Venedig verkündete 1255 ine Loheitsrechtc üb« das Adrratischo st/chrr. Diese sollten sich s nach Koriu erstrecken, die RevubM legre 127,1 glicm Schiffen vischen Korfu und d« Po-Mündung drückende Abgaben ani und tzte große V«kehrscinschränlunqen aus. Worauf gründete sich das echt Venedigs? Natürlich aus iciuc Mackzt zur See, aus seine Er- rervngen und seine Siege üb« (Koken, Franken, Ungarn und hlicßlich über den Kaiser Barbarossa Doct, um d« Gewalt den chein des Rechts zu geben, ließ srch Venedig vom Papst Alexan- w Itl, die Herrschaft üb« die Adria zur Belohnung für ferne«, wigreicheu 23«rstand rm Streu mft dem Kais« v«leihen und die «er der Vermählung der Lagunenstadt mit dem Meere, diese all- chrlich wicd«sedrende Z«emonie an Bord des „Bucmtove" wnrde n vom Papst dem Togen gewäbrieS Privileg, Alexander VI, ging is Statthalter Gottes, der das Recht hat, Länder, Völk« und leere als Lehen zu verleihen, noch weit« und teilte die neu ertt- 'cklen Weltteile mir ihren Meeren durch eure von Pol ztt Pol 'zogenc Linie zwischen Spanier und Portugiesen, Der spanische »n'andie in London beschw«te sich insolgedeffeu ber d« Königin lisabeth, weil^Sir Francis Drake bei seiner Weltumsegelung ir englischen «schiffen im Jnknjckxm Ozean erschien«, war. Doch ie Königin Elisabeth, iveil Sir Francis 'Drake bei seiner Welt- msegelung mit englischen Schiffen im Irdischen Ozean «schienen coar. Doch die Königin «widert ihnr, dag das M«r allen gemeinsam gehöre und d« Lolland« Grotius nahm 1609 hieraus die Dtwanlaffung zu ein« Abhandlung „Mare liberum", in d« er das Recht des holländischen Landels in den Indischen Gc uäffern verfochl. Von dem einstigen Seestolze der Spant« zeugt heule nur noch die Insch-rift am Arsenaltor von Eadix: „Tn regere inrp«io fluctus Lisvanc memento," Doch bald zeigte such England nicht wenig« tyrannisch als Spanien. Johannes Seiden unterbreitete dem König Karl I, eine Schrift, worin die Grenz«! des „britischen Meeres" festgesetzt waren, nach Norden n>ar es d« Dell des Ozeans, d« die Orkney-, Sh«land, Faröer-Jnsel» und Island bespült: nach Süden der Atlantische Ozean bis zur spanischen Küste; nach Ost«, die Nordsee: nach Westen die Gcivässer an der Westküste Irlands. Ns Auer kenmmg d« britischen Macht in diesen Gewässern urußtrn fremde Kiicgsscknffe bei der Begegnung nftt englischen die scgel streichen und die Flagge ei „holen, mul, maßen sich die Engländer das Durchgang-recht über fremde Landelsschiise an. Frankreich und Lolland sträubten sich zwar gegen diese englischen Lohettsrechte, dock, mußte sie Lolland in dem Benrage von Breda bedingungslos anerkenn«!. Trotzdem ging d« Kampf weit« bis in die »apoleoriische Zeit, und er^wurde erst im letzt«, Jahrhundert mit den, Auftauihen neu« Seemächte und dem Einsetzen der Tompsschiffahrt dnrö, diplomatische Anseinandersetzungen «ledigl, Dänemark mußte die ihm 1645 für die Erhaltung von Schiffahrtszeichen gcwäbrte» Rechte, von fremden Handelsschiffen beim Passieren des Betts irnd Sundes Abgaben zu fordern, fallen lassen. Es erhielt im Vertrage von Kopenhagen fl857 für diesen Sundzoll eine in 20 Jahren zu zahlende Entschädigung von 93 Millionen Marl und die volle und ewige Freiheit der Meerenge wurde proklamiert England v«zichtcte aus die Beschränkung der Landclsschistahrt im St. Georgskanal, die Türkei ans die in, Aegäffchen Mr«e, Ter König von Neapel hatte bereits 1815 die Schiffahrt in der Straße von Messina freigegeben, Lolland die im Zuidcrsec und Lckpveden den fncnischen Golf, Nur das Schwarze und das Asowsche Me« gelten heute noch, als „Mare clarrfnm", in die sie Landels- fchifse sedoch freien Eintritt Habs», So ist d« weite Ozean Eigen tuin aller Nation«! gavorden, auf.dem sie nach ihrem Belieben verkehre» dürfen. Dieses Recht trägt freilich zugleich den Krieg der europäischen Gvoßinäcknc bis in die s«nsten Weltteile, da die Landels- und Frachtschiffe ü« Gegner als willkommene Kapertzeutc betrachtet w«den. verm!sehtes. ' Die A u s st e l I e r - P r ä ni i i e r u n g der B i> g r a, 2l„s Leipzig, 12. Sept., wird »ns geschrieleu: Die Prämiierung der 2lusstellcr der Weltausstellung kür Bucluiewerbe und Graphik Leipzig 1914 war durch den Krieg zunächst »och in Frage gestellt, findet aber nin, laut Beschluß des 2lusstellungsdirekloriul,iS doch statt. Da? Preisgericht wird Auiang Oktober zicsammcntreten. Von der Prämiierimg sind diejenigen fremden Staaten, mit denen wir in, Kriege stehen, ausgeschlolle». Genauere Mitteilung wird den Aussteller» in den nächsten Tage» zugehen. " Der Kassevbote Zebell, der vor zwei Jahren der Landmirtichasilichen Zentral-Tarlehnskasse i» der Dorotheeuilraßc zu Berlin 120000 Mark unterschlagen bat und geflüchtet war, hat das Untersuchungsgesängnis Moabit ausgesuch! und sich selbst gestellt. ' G r o ß s e i> e r in S t o l p e »r ün d e. Das .Berliner Tageblatt' meldet aus Stolpemünde: Ein Rielensener zerstörte am Sonntag einen großen Getreidesilo, worin 75 000 Zentner Getreide lagen. Dökyent!. Aebersicht drrTsdesfä 8 e l d. Stadt Gießen. 36. Woche, Vom 30. 2lug»st bis k>. September 1914. Einwohnerzahl: angenommen zu 32 900 (inkl. 1800 Mann Militär,. StcrblichkeitSziffer: 28,86 »ach 2lbz»g von 9 Ortsfremden: 12,65 ES starben an! Zusammen: Erwachsene: im vom 1. Lebensjahr: 2.— -15. Jahr Stamkramps 1 (1) Kl) — Tuberkulose 1 1 — Herzkrankheiten 3(2) 2(1) iw _ Rnckenmnrkkrankheit Ml) 1 (1) _ Darm Verschluß 1 (1) MD — _ Krebs 1 I —» Percmqlückung 1(1) KD — Darmkatarrh 1 1 Blinddarucentzündung 1 (1) — — 1(1) Krieqsverwundimg 3<2) 3(2) — Altersschwäche 1 1 — Letzensschwäche 1 — 1 — unbek Krankheit 1 — 1 — Sununa: 17 (9s 12 (7) 4 (I) l (i) U nnr.: Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel ln Todesfälle in der betreffenden Krankheft aus von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen. Märttr. Gießen» 15. Sept. Marktbericht. Aul denc heutigen Wochenmorkle kostete: Butter das Vlund 1,10—1,20 Mk.: Hühnereier 1 Stück 10 Piq., 2 Stück 00 Psq.; Enteneier 1 St. 0 Plg., 2 St. 00 Pig,; Gänseeier 1 St. 0-0 Piq,. 2 St. 00 Plc,.; Käse das Stück 10—12 Pig, Käsematte 2 Stück 5—6 Pfg., Tauben das Paar 1,00—1,40 Wk. Hühner das Stück 1.50—3,00 Mk„ Hahnen das Stück 1,50 — 3,00 Mk,, Enten das Stück 3,00—4,00 Mk., Gänse das Pld. 00 -00 Plg.: Welsche 4—5Mk,: Ochlensteisch dasPlü. 66 —56 Big, Rindfleisch das Piund 90—94 Vsg-, Kuhfleisch 80 Psg., Schweine- lleisch das Piund 70— 86—36 Pig,, Kalbfleisch dasPlü 70—To Plg., Hammelfleisch 1 Pld. 70—98 Psg,; Kartoffeln i,nZentuer3—3,51 Mk., ini Psd. 4—4'/, Psg., Weißkraut das St. 6—15 Psg,: Zwiebeln der Ztr. 8,00—10,00 Mk.: Milch das Liter 22 Psg.; Aepsel der Zentner 8-15 Alk,: Birne» das Piund 8—15 Plg-, Nü„e 100 Stück 60 Plg., Zwetschen der Zentner 5—8 Mk., Gurke» 100 Stück 2.00—3,00 Mk-, Bohnen 1 Pfund 12 bis 15 Plg. — Marktzeit von 8 bis 2 Uhr. Io, Frankinrt a.M. Viehhol in arktbericht vom 14, Sept, Auftrieb! Rinder 1336, Ochsen 398, Bullen 74, Kühe und Färsen 8V4, Kälber 472, Schale 103, Schweine 2554. Gcjchäilsgang bei Rindern langsam, bei Schweinen mäßiger Handel; bleibt Üeberstand. Preis für 100 Pfd. Lebend- Schlachtgewicht I Ochsen. Mk. Pig. Vollflesschige, anSgemästete, höchsten Schlacht- wertes, 4—7 Jahre alt....... 52—55 94-98 die noch nicht gezogen haben lungejochtef . . 45—49 85-90 Zunge fleischige, nicht ausgemästete uno ältere ousgeniästete............ 41—44 75—81 Bullen. Volllleilchige, ausgewachsene, höchsten Schlachtw. 47-50 78—84 Pollfleischige, jüngere.......... 40—44 70—76 Fürs e n. Küii«, Vcllllcischig» auLgem. Färsen höchst. Schlachtw. 44-48 82—86 L ollflcischige ansgemästete Kühe höchsten Schlach- werteS bis zu 7 Jahren........ 40—45 74—84 wenig gut entwickelte Färsen....... 33—43 75—88 ältere ansgemästete Kühe........ 34—40 67—74 Mäßig genährt« Kühe und ffärs?»..... 30—35 00—70 Gering genährte Kühe »nd Färse» .... 24—28 55—64 Kälber. oelnste Mnslkälber ... ..... 50 -52 83- 80 Mittlere Mast- und best; Sgugkälb«. . . . 44 -48 75-81 Eerängere Mast» und qn!: Sgngkäloe: . . 40 4t 63-75 S ch a' •. S1allma>'tscbo; SKcfilfimmct und miiger- Mrstggnrmek - - 44—00 96 - 00 6 di in ; i i: % Vrllflelsch'g; Schweine vo»80-100 ':t Lebendgewicht........45.00—48.01 55,' 0 — 60.00 Pollfleischig; Schwan; untre 41 st; Lebendgewicht........ 45 01—47.00' 57.00—59, 0) kollflcischige Schweine von 100—120 'r; Lebendgewicht ........ 44.00-48,0 > 58,00-6011 Dollfletschig: Schwein: von WO —151:; Lebendgewicht ........ 46 00 - 43.00 58 01-60.00 FC. Wiesbaden. Vishhol-Marktbericht com 14. Sept, ?luftrieb, Rinder 236 (Ochsen 39, Bullen 61, Kühe und Färsen 186-, Kälber 420, Schate 91, Schweine 1100, Marktverlnni: Mittleres Geschält ; Großvieh Üeberstand, Schweine und Kleirvich ansverkanlt. Och! rt. Vollflesschige, ansgemästete, höchsten Schlacht» , Mk. ivcrtes im Alter von 4—7 Jahren .... 50—55 Die noch nicht gezoaen haben lnngejochtes _. . 48—52 Junge, fleischige, nicht ansgemästete und älter; ausgemästels................. Bnl l e ». Volllleilchige, ankqew,, höchst;» Schlachtw. - - 43—48 Pollfleischige, jünger«.........- 37—42 Färsen stü h». Vollsteflchsge nusgemästtt; Färse» höchsten Cchlachtwerles..... 46—52 kvltfleischige ausgemäsitt; Kühe höchsten Cchlachtwerles bi* zu 7 Jahren.....40—46 Wenig gut entwickelte Färsen.......41—45 8leitere ouSgeniästet« Kühe . ......33—35 Kälbe^ Mittlere Mast- und beste SaugkAber , . . 54—60 Geringere Plast- und gute SaugkAber . . . 48—50 Erringe Saugkälber ..........40—46 Schaf:. Werdemastschas;: Mafllämmer und Maflhammek.... 45,50—00.00 Schweine kollflerschige Schweine von SO—100 kar Jebend- geivicht..............47}* 48 kollflrischige Schweine unter 80 k^ Lebendgewicht 47-47}j Dollfleischige Schweine von 100—120 k- Lebendgewicht .............. 49 49Vä Vollfleischige Schweine von 120—150 kzt Lebendgewicht ..............46-47 Fcttschweine über 150 k? Lebendgewicht . . 42-44 Preise für 100 Pfd, Lebend« Schlacht- oewicht Ml. 92-102 89-93 80-88 73—82 63-71 E5-95 73-82 76—85 62—68 90-IOC 80-83 68-78 94— 00 61 62 60 61 61-62 53-59 53—55 Airchttche rlaehrichten. Evangrlijche Semeinde. Morgen Miltmoch, den 16. September,'abends 8 Uhr: KriegS- betstunde in der Jobnnne-kirche. Piarree B e ch t o l s h e i m c r. Meteorologische Beobachtungen der Station Eiehelr. Sept. J~.g- § z do I % “f S Z i» if £ !o D' I A Wett» 14 2"! 743,6 13,7 9,9 84 S 2 10 Bed. Himmel 14.1 S a l 742,7 i 152 12,4 96 SW 2 10 Regen 15.! i“! 745,51 149 90 71 SW 5 Sonneuschein Höchste Temperatur am 13,-14. September 1014 -s- 15,4 '6, Niedrigste , . 13,-14. „ 1314 == 8 2' , Niederschlag: 2,1 mm. V«anttoort1ich für den grsamlen redaktionellen Teil: Aug. G oetz, ^«sscksnk von dniONdl'LU (Pilsner) & $ Hueschank und Vertretung von: Cafelgetranh 8r. M*j. d«a DcutMbcn Kaieer« aus dem Kgl. Baj>«r. Rofbrauhawe München für Stammtische und regelmässige Besucher Bückvergütung der Bahnsteig- Sperre jrüiKätaibei'g und Rofbräu sind für private, Vereine uaw. in kleinen Gebinden, Gipkons und flafi^oen durcb Emil Scbmall, Biergroeshandlung, frankfurter Strasse 7, Ctlephon 8a, zu beziehen. 730 D c& 1^-Si 6 . Zur Abhaltung der in den „Richtlinien" vorgesehenen Hebungen Usw. sind aus den den Vereinen nsw. angehörigen Und den sich sonst freiwillig meldenden Jugendlichen vom 16. Jahre .ab am zweckmäßigsten Züge und Kompagnien zu bilden. Die Zusam m r nstcllung von Jugendlichen mit älteren Kriegsfreiwilligen ist nicht erwünscht und daher nach Möglichkeit zu vermeiden. 7. Als einheitliches Abzeichen wird für sämtliche Jugendsichen, die au den Veranstaltungen teilnehmen, eine mit dem Stempel des Jugendpflegeausschusses oder der Ortspolizeibehörde versehene Armbinde in den Landesfarben, für die Leiter und Führer dagegen, soweit diese nicht uniformiert sind, eine solche in den Reichssarben empfohlen. 8 . Mi der Zeichestimmnng für die Uebungen usw. ist auf den öctsichen Gottesdienst Rücksicht zu nehmen. 9. Bei der Gewinnung von Jugendlichen für die Teilnahme an den Veranstaltungen auf Grund des auliegendeu Erlasses ist die Zugehörigkeit der Jugendlichen oder deren Eltern, Erzieher usw. zu einer politischen Partei phne Einfluß. Nichtlinien für die militärische Vorbildung der älteren Jahrgänge der Jugend-Abteilungen während des Kriegszustandes. Bei den Mcrsllassen vom 16. Lebensjahre aufwärts, denen sich die vielen Tausende von jungen Männern anschljeßen werden, die sich schon freiwillig znm Kriegsdienst gemeldet haben, aber zurückgewieien werden mußten, tritt die Vorbereitung für den Kriegsdienst in den Vordergrund, soweit esohneAusbr'ldung prsit der Waffe möglich ist. Vor allen Dingen ist ihre Vaterlandsliebe, ihr Mut und ihre Entschlossenheit ouzufeuern: ihre .Hingabe für das Vaterland, für Kaiser und Reich zu entflammen durch den Gedanken an die .ungeheuere'Gefahr, in der diese sich bcsindcu. Es ist ihnen klar zu machen, daß Deutschland untergeben würde, wenn wir nicht siegen, so daß wir siegen müssen und jeder einzelne Vaterlandsverteidiger bis zum jüngsten hinab den festen Wlllen dazu im Herzen trägt. Dre mit ihnen vorznnehmenden Uebungen werden folgende sein: 1. Schnelles lautloses Antreten in den einfachsten Auj- steldmgsforme»: der Liuie, der Gruppenkolvnne. Sammeln in denselben Formen sin Stehen und in der Bewegung nach bestimmten durch deu Führer angegebenen Richtungen. Die Einteilung der Abteilungen in Züge nud Gruppen ist dabei koie bei einer Infanterie-Kompagnie 2. Das Zerstreuen aus diesen Formen und das schnell« 1 au tl o s e Wiederznsammenschsießen. Die Jungmannschaft ist dabei au «Hallen. Richtung und Fühlung selbsttätig einzunehmen. 3. Einige einsache Bewegungen sir der Grnppenkvlonne ohne Tritt msi Ricktnngsveränüerungen aus Anruf und Wink. 4. Marschübnngcn msi Unterweisung in den Morichrrgeln namentlich hhgi«uischer Natur. Regelung des SchrittwoheS und der Gcschwsirdigkesi. Ein langer freier Schritt ist zu ajitün. Der Anmarsch uud Rückmarsch zum Uebungsplatz kann hierzu ans- gcnützt werden, die allmähliche Verlängerung, die Marschjähigkesi steigern. 5. Lehre vom Gelände ist damsi zu verbinden, 6 . Bildung einer Schützenlinie, Bewegung von Gruppen, Zügen sin Gelände, stets mit überraschenden Hebungen sin Sammeln verbunden, um die Aufmerksamkeit zu wecken. 7. Jede Bewegung der Jugendabteilungen soll den Eindruck von Frische und Munterkeit machen, ohne daß aus cxer- zicrmäßigc Genauigkesi gehalten wird. Unbedingt ist aber aus pünktlichste Folgsamkeit gegenüber Zurufen und Befehlen der Führer zu halten. Schnelles Antworten und Vortreten Angernfener ist zu erziehen. 8 . Einsache Lehre vom Gelände, seine Bedeutung und seine Benutzung für den Kamps mit kurzer Angabe über die heutige Waffenwirknng verbunden. 9. Geländebeschrcibungen msi Angabe auch der kl e i n sten Gegenstände als Vorbereitung zum Ziel« eben neu. 16. Augenübungen aller Art. 11. Entfernungsschätzen. 12. Schnelles Schätzen und .Abzählen gleicharsiger Gegenstände. 13. Gedächtnisübungen icks Vorübung für Meldungen über angcstellte Bevbachtungeu. 14. Hvrckübungen. 15. Spurenlesen, d. h. Ziehen richsigcr Schlüsse aus den sin Gelände gemachten Beobachtungen. 16. Genaues und unbedingt zuverlässiges Wiedergeben von angestellten Beobachtungen. 17. Richtiges Weitergeben von kurzen Arwrdnnngen. 18. Genaues Zurechtweisen anderer im Gelände. 19. Clebrauch von Uhr, Kompaß, Fernsprecher, Kenntnis der Morseschrift. 20. Benutzung der Karte. 21. Winterdienst. 22. Mauer- und Baumersteigen. 23. Kleine Behelfsarbeiten: Knotenbinden, Herstellen von Schwimmkörpern, Flößen, Behelssbooten, Brückenstegen, Beobachtungswarten, Uebergängen aller Art. Ferner: Zeltebau, Hüttenbau. Kochlöchergraben, Feucran- machen und Abkochen, Lager-Einrichtungen aller Art. 24. Tragbahrenbau. Erste Hilfeleistung bei Verwundeten. 25. Benutzung des Geländes als Deckung und zur Annäherung an den Feind. 26. Einnisten von Schützenlinien, Anlage von Schützengräben. 27. Vorgehen aus einer Deckung; Zurückgehen in eine solche. 28. Lösung ganz einfacher kleiner Aufgaben zweier Abtellungen gegeneinander. 29. Erklärung des Vorpostendienstes; Aufstellung von Vorposten usw. 30. Bei allen diesen Uebungen ist jede Gelegenheit zu benützen, um die Jungmannschast msi selbständigen Aufträgen in Ordonnanz-, Verbindungs-, Relais-, Erkundungsdienst zu versehen, damit sie sich an Selbständigkeü, Verantwortlichkeit, Zuverlässigkeit gewöhnt. 31. Me Mittel sind zu benützen, um Ausdauer und Willen der Jungmannschaft zu stählen. Kein Auftrag, den sic einmal übernommen hat, darf von ihr im Stiche gelassen werden. Jedermann hat seine Pflicht bis zum Aeußersten zu erfüllen. 32. Die rein körperliche Ausbildung durch Freiübungen, Gymnastik, Lrufübungen, einsache Sportspiele usw. ist in die bisher abgehandelten Jungdeutschland-Uebungen hineinzulegen und besser öfter als jedesmal lang andauernd zu betrüben. 33. In den Abendstunden hat einfacher theoretischer Unterricht über Feld-, Wach-und Lagchjsienst stattznfinden. Vor allen Dingen aber ist auf die Herzen der Jugend durch Erzählung von den Großtaten der Väter einzuwirken, durch Mitteilung von Kriegsnachrichten der Zorn gegen den Feind zu entfachen, der zumal sin Osten, wo er deutschen Boden betritt, alle Dörfer in Flammen anfgehen läßt und die Einwohner vertreibt oder tötet. Zu Nr. M. d. I. 17068. Darmstadt. den 7. Sept. 1914. Das G rasch. Minifterimn des Innern an die Großh. Krcisämtrr. Mit der Durchführung der Matzuahmc«, zu denen vorstehender Erlaß der Preußischen Herren Minister der geistsichen und Unte» richtsongelegenhciten, des Krieges und des Innern aufrust, haben wir für das Großherzogtunt den Hessischen Landesverband „Jung- dentjchland" (Erster Vorsitzender Herr Generalmajor Freiherr von Hehl, Stellvertreter Seine Exzellenz Herr Generalleutnant Bernhardt) bettaut. Wtt empfehlen Ihnen, dem Verband in jeder Hinsicht behilflich zu sein. Insbesondere beauftragen wsi Sie, dem Verband alsbald diejenigen Personen namhaft zu machnr, die sich als Leiter der vorgesehenen Veranstaltungen und Uebungen etgneu Es werden hierbei sowohl Personen in Betracht koosincn, die bereits im Dienst der Jnugdeutschlandsache stehsr, wie auch solche, die sich ihr erst jetzt widmen wollen, insbesondere gediente Soldaten, die das wehrvfsichtige Alter überschritten haben oder aus anderen Gründen nicht unter die Fahne getreten sind, Militärpersonen im Ruhestand, foixnrn vor allem auch Lehrer, vornehmlich diejenigen an den Fortbildungsschulen. Die Personen, welche sich auf Ihre Aufforderung als Helfer melden, sind in Verzeichnisse anfzunehmen, und diese sind umnittelhar an den Verbandsvorsitzenden zu übersenden. Weiter wollen Sie durch Vermittelung der Ortsbehörden feMellen und dem Berbandsvorfitzenden mitteilen, wieviel junge Leute über 16 Jahre ungefähr aus den einzelnen Gemeint«: an den Veranstaltungen und Uebungen tellnehmen wollen. Die bestehenden Organisationen und ^Vereine werden oft in der Lage sein, den Ortsbehmben über die Zahl der Teilnehmer die Angaben zu liefern. Dieses Ansschrerbcn, sowie der ihm vorangchsnde Erlaß samt dessen Anlagen und Erläuterungen ist alsbald in den Kreisblättern bekannt zu geben. v. Hombergk. Bekanntmachung. Betr.: Aendeumrg der Postosinrung vom 20. Marz 1900. Vom 30. August 1914. Dir nachstehmde abgedrnckte Verordnung des Reichskanzlers vom 30. August 1914 >o-ird hiermit veröffentlicht. Gießen, den 14. September 1914. Großhcrzogliches Kreisamt Gießen. Dr. U sin g e r. Bekanntmachung. Aenderung der Postordnung vom 20. März 1900 betreffend. Die nachstehend abgedruckt« Verordnung des Reichskanzlers vom 30. August 1914 bringen wsi hierdurch zur öffentlichen Kenntnis. Darmstadt, den 3. September 1914. GrosKszogliches StaMsmsisisterrmn v. Ewald. ^»rmer. Zu Nr. St. M. 7677 v. 1914: Bekanntmachung betr. Wanderung der Postordnung vom 20. März 1900. Vom 30. August 1914. Auf Grund des ß 50 des Gesetzes über das Postwescn vom 28. Oktober 1871 (Reichs-Gesetzbl. S. 347) und des 8 3 Abs. 2 des Gesetzes, betreffend die Erleichterung des Werlo elpro tesies, vom 30. Mai 1908 stteichs-Gesetzbl. S. 321 wird dre Postorlnmng vom 20. März 1900 für die Dauer der Geltung des § 2 der Bekanntmachung des Mmdesrats vom 29. August 1914 (Reichs- Gesetzbl. S. 387), betreffend weitere Verlängerung der Fristen des Wechsel- und schcckrerhts, wie folgt geändert. 1 Im ß 18a „Postprotest" ist am Schluffe des Poesien Abs. unter v notfeutmgcsr: Bei Postproteslanfttäqcn msi Wechseln, die in Elsaß. Lothringen, in der Pravdiz Ostpreußen oder in Weste Preußen^ in den Kreisen Marienbnrg. Elbing Stadt mt Land, Stuhin, Marienwcrder, Rosenberg, Graudenz Stoj und Land, Löbau, Kulm, Briesen, Strasburg, Thoru Sich und Lwid zahlbar sind, erfolgt die abermalige Vorza-q, ; erst am 62. Werktage nach dem Zahlungstage des 2. Vorstehende Aenderung tritt sofort in Kraft Berlin, den 30. August 1914. TcrRerchskanzler. In Vertretung: K r a e t k e. Bekanntmachung. Betr.: Das Verbot der Ausfuhr und Durchsuhr von 3B«ffo Munition, Pulver und Sprengstossen usw. Die nachstehenden Bekanntmachungen des stellvertretend Reichskanzlers vom 6 . September bringen wir zur öffentliche Kenntnis. Gießen, den 14. September 1914. >. Großherzogliches Kreisamt Gießen. Dr. Usinger. Bekanntmachung. Aus Grund des § 2 der Kaiserlichen Verordnung vom 31. 1914, betreffend das BerbotdcrAussuhrundDurchsnh ■ von Waffen, Munition, Pulver und Spreng st gi sen sowie von anderen Artikeln des Kriegbcdarss und vi Gegenständen, die zur Herstellung von Kri e gsb e d ar s sarti i k eln dienen (Reichsgesetzbl. S. 265), bringe ich solgendes }ur offen! | sichen Kenntnis: 1. UnterdasVerbotder Ausfuhr und Durchfuhr falle ^ auch Leinengarne. 2 . Das Verbot der Ausfuhr und Durchfuhr »o B a u m w o l l st o f s e n (Bekanntmachung vom 1 . August Igh 4 „Reichsanzeiger" Sonderausgabe vom 1. August 1914) wirdbe s ch r ä n k t a u f ] Baumwollgewebe für Ausrüstungsstücke (Brotbeutel, Zell bahnen), für Belleidungsgegenstände und für Wäsche, foicei diese Gavebe ans Garnen von Nr. 8—25 hecgestelll ssit 3. Das Verbot der Ausfuhr und Durchfuhr v, , Fellen zur Pelzbereitung und Pelzwaren (Büdm« !' machung vom 6 . August 1914, „Reichsanzeiger" Nr. 184 ent 1 7. August 1914) wird beschränkt auf: « Schaf-, Lamm-, Ziegen-, deutsche Fuchs-, Wolf-, Katzen- ig> z t australische Oppossum-Felle und -Pelze und die hieraus« fertigten Pelzwarcn. j . ( Das Verbot der Ausfuhr und Durchfuhr fersiger Damen- W Kinderkonsektion aus Pelz wird aufgehoben. Berlin, den 6 . September 1914. Der Stellvertreter des Reichskanzlers. S t Delbrück. » | Auf Grund des 8 2 der Kaiserlichen Verordnung vom 31 1914, betreffend das Verbot der Ausfuhr und Dur» s uhr von Massen, Munition, Pulver und Spren« st 0 fsen sowie von anderen Arttkeln des Kriegsbedarfs si von Gegenständen, die zur Herstellung von Kriegsbedarfs artikeln dienen (Reichsgesetzbl. S. 265), bringe ich zur jl icntlichen Kenntnis, daß das Verbot der Ausfuhr und Turchfib von Maschinen zur Herstellung von Bekleidungs itücken und Schuhwerk (Bekanntmachung vom 1 . Augnj 1914, „Reick>sanzeiger" Sonderausgabe vom 1 . August 1914) be schränkt loird auf: Sohlendurchnähmaschinen, Schnellholznagelmaschinen (Pflockmaschinen). Sohlenbenagelmaschincn, Langarmsteppmaschinen und Tuchknopflochmaschinen. Berlin, den 6 . September 1914. Der Stellvettreter des Reichskanzlers. _ D elbrü ck. _W Bekanntmachung. ~ tsiiMichkn, Gründen muß das für den 16., 17 und li September beabsichsigte gefechtsmäßige Schießen aussallen. Greßen, den 14. September 1914. Großherzogliches Kreisamt Gießen. J.B.: Welcker. Bekanntmachung. Betr.: Die .Kreiskasse Gießen. Für die Kreiskasse Gießen ist bei dem Kaiserlichen Posh'chec amt Frankfurt a. M. das P 0 st s ch e ck ko n to Nr. 9 3 7 7 eröffm worden. Gießen, den 7. September 1914. Großherzogliches Kreisamt Gießen. _ Betr.: Den Dienst bei Großh. Krcisvetcrinäramt Gießen. An die Großft. Bürgermeistereien der Landgemeindcn des Kreises. Unter Bezugnahme auf unsere Bekanntmachung vom 23. v 2 (Gießener Anzeiger Nr. 198) weisen wir Sie an: 1. Alle Anzeigen von Seuchenausbrllchen im Bezirk Groß Kreisvcterinäramts Gießen an Herrn Tierarzt Dr. Köhler i Gießen (Telephon 310) zu erstatten. 2. Alle Änsiäge wegen Obduksionen von an seuchenverdächtzg« Krankheiten im Bezirk Großh. Kreisveterinäramts GießenU« lenen Tieren an Herrn Schlachthofdirektor Dr. M 0 d d e in Gieß, einzusenden und die vorgeschriebene telephomsche Benachrichügur über solche Fälle unter Telephon-Nr. 32 Gießen vorzunehmen. Gießen, den 12 . September 1914. Großherzogliches Kreisamt Gießen. _ Dr. U fing ft. _ -1 lro nid Sei Hl (0 3« lii M tm im Se nid Bekanntmachung. ffietr.': Maßregeln gegen die Maul- und Klauenseuche. Wir brsirgen zur allgemeinen Kennmis. daß auf lZrund h im Reicksanzeiger veröffentlichten Nachweisung über den Stfl der Maul- und Klauenseuche vom 31. August d. Js. als versend zu gelten haben: 1. Im Großherzogtnm die Bezirke starkcnburg, Oberhest und Rhcinhcßen. 2. Im Reichsgebiet die Bezirke Königsberg, Danzig, Ddava werder, Stadtkr. Berlin, Potsdam, Frankjutt, Stettin, .Köslu Posen, Bronrbcrg. Breslau. Liegnitz, Opvrdr. Magdeburg, Mcrs bürg, Erfurt, Scküeswig. Hannover, Hildesh.inr, Lüneburg, Ztaü Münster, Minden, Arnsberg, Kassel, Wiesbaden, Düsseldorf, W ?lacken, Oberbavern, Nirderbapern, Pfalz, Oberpsalz, Lberiransi Mittelsranken, llntcrsranken, Schwaben. Leipzig, Chemnitz, 3«> kreis, Donankreis, Karlsruhe, Sachsen-Weinwr, Meck 1 enburg-«t litz, Lübeck i, O„ Braunschweig, Anhalt, Schwarzburg-sonder! hcsirfen, Bremen, Hamburg, Lothringen. Gießen, dmr 12. September 1914. Großherzogliches Kreisamt Gießen. _ Dr. Usinger. _ _3lAi W bei n 5 bis *ii »v dir 8t; »t« Bekanntmachung. Betr.: Scheidenkatarrh auf der Jnngviehweide Tiergatten b Hungen. Die Seuche ist erloschen; die Sperre wird aufgehoben. Gießen, den 13. September 1914. Großherzogliches Kreisamt Gießen. Dr. U sing er. -M l Bekanntmachung den Beginn der landwirtsehafllichen Winterschulen w 1914/1» betteffend. a Der Lehrgang von 1914/15 an den landwirtichsiftlichen W«o> schulen beginnt Dienstag, den 3. November. Anmclduugen sind rechtzeisig schriftlich oder mündlich der ^ ' Vorsteher der besiessenden Schule zu bewirken, von welche» » llnterrichtsplcm und Jahresbericht unentgeltlich bezogen und J» gewünschte Auskunft eingcholt werden kann. Darmstadt, den 21. Juli 1914. Großh. Ministerium des Innern, Abteilung für Landwirtschaft Handel und Gewerbe. Schliephake. »I Te W ki» Ü 01 Hä «nl Sit i T ,