Hl 2|5 Zweite; Blatt X 64 . Jahrgang Erscheint täglich mit Ausnahme deL-SonntagL. Dir „«rtzener ZamilienASttrr" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das M Kcdrttatt für den Kreis Kietzen" ziveinral wöchentlich. Die „LansSlrlschafttichen Sett- sragen" erscheinen maoallrch zmernuck. Eichener Anzeiger SeveraKAuzeiger für Oberhesjen Kettag, \\. September J9J4 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schcn Unwerfiläts - Buch- und Stcindriickcrei, R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- stratze 7. Expedition und Verlag: ess^51- Tel.-AdruAnzeigerGießen. Lin Brief aus Masuren. ©in Gietzener Mitbürger legt uns folgenden anschru- Lcheu und rrtteressanren Brief vor, der an seine Gattin gerichtet ist und eine Dame zur Bersasserin hat, die in unmittelbarer NDse des ScMachtseldes von Orteisburg wohnte und die Schrecken der kriegerischen Vorgänge mit erleBt hat. Das Schreiben lautet: Mörlen, 31, 8, 14, Wie du sichst, sind wir hierher gestüchtet, denn wir mutzten «nt DünÄng n achmittag fliehen: abends waren die Rügen schon m nnfenan schönen Pötzdorx und haben alles kur» und klein geschlagen, Möbel, Wäsche usw,, ietzt sind Hans, Katen, Scheunen und Vorwerk als Lazarette eingerichtet. Vor vierzehn Tagen werden diese nicht heranÄommen; wir :oert>en. wenn erst ein ZW geht, nach Z—. reisen. Llls Wir Iwöcu, daß trat acht Tagen die Russen ru Reidenburg amgesallen seien und die Stadt in Brand gesteckt hätten, glaubten wir auch uns in Gefahr. Wir fuhren am Sonntag nrü den notwen- chgslen Klerdungssrücken und Wettsachen nach Osterode. Martha und lkrjel bleibcn dott, Adolf und ich fuhren nach PöUwrt zurück. In der daraus folgenden Nacht haben wir kein Aäge znqcmacht, da väke hmrdette Wagen, Vieh mit FtückLlttigen, unjern Weg pajsiettcn- Das Gejammer und Gebrüll nahm kein Ende, es war herNerreitzcud. Dienstag früh wurde unser Daus mit Husaren und Iich u rterie umstellt. irncb nin 31/2 Uhr nachmittags muhten wir alle her Wagen flüchten und zwar nach hier. Die schlackst bei (Mgenbnrg ist in unserer Nähe. Das Hauptschlachtseld hat sich in Wühlen, also drer Kilometer von uns, abgespielt. Sonnabend suhoen Adolf und ich tiach Pötzdors, das war ein entsetzlicher Aulckick. Sämtliche Kleider und Wch'che ans einem Hansen, von veühk-n und Schweinen zerrissen. Hinein konnte ich nicht, da Tote nnd Schwervcririniterc dott lagen: es wurde uns gesagt, datz am Dienstag abend die Richen alles erbrochen, Hab nnd Gut vernichtet haben. Äh ivurde bei dem Anblick beinahe ohnmächtig: ich kann es dir nicht beschreiben, wie es anssah und was für einen Eindruck das auf mich machte. Ildoli wollte in den Gatten, der früher jo wundervoll war, er blieb aber am Eingang stehen, denn aut dem Rasen lagen nebeneinander gmrze Rethem von Toten, und aut den Feldern lagen mich wie Russen. Ich wollte nichts sehen, nur fort. Diese hetzten acht Tage sind die schrecklichsien meines Lebens. Mols und Schwager M. sind soeben nach Pötzdort gefaben, um zu sehen, ob die Leute schon dott oder wenigstens nnterzubringen .sind. Fn der ganzen Umgegend ist arg gewüstet worben. Wir 'hoffen, innerhalb drei Wochen wieder nach dott zu fahren, um vielleicht in dir Jnspckwrwolstrung ziehen zu können, aber nicht eher, ’fnS ich meine Möbel nach dort ttanspottieren kann, denn Adchens Sachen sind alle vernichtet. Das ganze Haus mutz neu hergerichtet werden;^ wir können eher nichts unternehmen, bis die Regierung die Schäden besichtigt hat. Sett acht Tagen sind mir cchne Postsachen und oyire Bahnverbindung. 6000 gefangene Russen habe ich an der Landstratzc liegen sehen, entsetzliches Volk. Auf unferm Land sind lauter Schützengräben gezogen, aut der Landstratzc sind wundervolle Bäume gefällt. Gut, daß dir solch ein Wrblrck erspart ist..... hinweg, was gegen die Auffassung der verbündeten Regierungen England, Frankreich, Belgien und Rußland spricht. Wir sehen davon ab, setzt gegen öicif Auffassung zu polemisieren, weil uns der Zeitpunkt hierfür nicht gegeben erscheint für cinc fruchtbringende Auseinandersetzung. lieber die Haltung der einzelnen Mächte in den Tagen vor dem Kriegsausbruch liegt zudem das Beweis- matettol bisher lärgends lückenlos vor. Die Einseitigkeit des Aufrufes geht schon daraus hervor, daß in ihm die Bedrohung des Heutschen Volkes durch den russischen Despotismus nicht einmal erwähnt ist, d. h. diesenige Tatsache, die das deutsche Volk tti seiner Gesamthett am ttefsten erregt hat nnd für die Beur- teÄnng der politischeu esttnutum von wesentlichster Bedentmtg ist. Der Lusttt»f läß.1 »lfo jede Objecktivit-ät vermissen. Wetter entnehmen wir den Dummer» 3771 nnd 3772 der Pariser „Lummrite" vom 14. nnd 15. August 1914, die erst jetzt zu unserer Kenntnis gelangen, daß das Internationale Svtzia- lrstischc Bureau mü Unterstützung der sozialimi'cheii Pattei Frankreichs Sozialisten der neuttaleu Lärcher über die „Greucltateu der Deutschen" informieren will, um dadurch ans die öffentliche Meinung dieser Länder einzuwirken. Wir erheben auch gegen dieses einseitige Vorgehen des Internationalen Sozialistischen Bureaus öffentlich Protest. Die sozialdcin okratische Partei Deutschlands hat sttts alle Grcucltoten, wo sie auch immer vorkamen, verutteili. Ob dentsthe Soldaten in Feindesland in diesem oder jenem Orte bei ihrem Borgehen die Grenze berechttgter Notwehr überschritten haben, darüber liegt uns zurzett kern genügendes Wa- tettal vor. Auch sind uns vom internationalen Bureau hierüber keine Mitteilungen zugegangen. Wir fühlen uns aberver- pslichbet, festzustellcn, daß die deutschen Soldaten , die zu Millionen durch die Schule der deutschen Partei und Gewerkschaften gegangen sind, keine Barbaren sind und an Bildung des Geistes und Herzens hinter den Soldaten keines Volkes der Welt zurückstehen. Es ist bezeichnend, daß das Exe- kuttvkomitee des Internationalen Sozialistischen Bureaus wegen der angeblichen Grenettaien der Deutschen die öffentliche Meinung der neutralen Länder aurnseu will, während es sich über hinterlistigste Ueberfälle belgischer Franktireurs ans deutsche Soldaten aus schweigt und von den Greueltaten der Russen in Ostpreußen nichts zu melden weiß. Die deutsche Sozialdemokratie gegen dar internationale sozialistische Bureau. SSe-Tt-in, 10. Sept. Der Vorstand der sozial- demokrattischen Partei erläßt im „Vorwärts" folgeiüie Erklärung: Das Exekutivkomitee des Internationalen Sozialistischen Bureaus hat gemeinsam mtt dem Vorstand der sozialistischen Partei Frankreichs einen „Ausruf an das deutsche Volk" erlassen, ohne eine Verbind emg mit der sozialdemokratischen Partei Deutschlands auch nur zu suchen. Das Exekuttvkomiiee hat damit sttnc Be- fugniffe, die ihm von der „Internationalen" übertragen wruden sttch, überschritten, was umso befremdlicher ist, als die sämtlichen Mitglieder des Exekittivkomitees nur einem der bei der gegenwärtigen Katastrophe beteiligten Staaten angehören und deshalb notwendig befangen und einseitig im Utteil sein müssen. Als der Unterzeichnete Patteivorstand von dem Austuf durch die Auslands- Vrcffe Kenntnis erhielt, hat er sofott Einspruch erhoben. Der Aufrus, dessen Wortlaut uns erst jetzt bekannt wird, steltt die Vorgänge. die zum Ktteg gesühtt haben, im Sinne der französischen Regierung dar und geht stillschweigend über alles Die Gastfreundschaft der deutschen Universitäten. Man schreibt uns: In dieser Zeit, in der so viel Wer die Ausländer in Deutschland geredet wird, dürste es wohl interessieren, M wissen, wie sich der Besuch der Fremden auf die ernzelnen deutschen Universitäten verteilt. Bekanntlich Linnen crn den deutschen Hochschulen auch Ausländer den «rLü-emischen Doktortitel erwerben. Da der deutsche Doktor allgenrein sehr geschätzt wird, wird von den Ausländern die Gelegenheit Mm Promovieren gern ergriffen. Sie studieren meistens einige Semester an den deutschen Urffversttöten, um daun, mach bestandener Prüsirngs, mit dem neuen Titel geschmückt, in die Heimat znrtttkzn- kehren. Vom 15. August K11 dis >1.5. August 1412 (neuere Aufstellungen liegen noch nicht vor) haben an 21 deutschen Universitäten insgesamt 4455 Personen zum Doktor promoviert, davon waren 384, also 8,6 Protz., Ausländer. Die meisten ausländischen Doktoranden hatte Berlin, wo nicht weniger als 79 Ausländer (darunter 59 Russen) die Prüfung bestanden. An zweiter Stelle steht München mit 70 (darunter 30 Russen), dann folgen in größerem Abstand! Leipzig mit 54 (darunter 27 Russen), HeFrdlberg mit 24 ldarmtter 15 Russen), Freiburg, ttn Breisgau mit 20 (darunter 12 Russen), Straßhurg mit 18 (darunter 10 Russen), Göttingen mit 17 (darunter 1 Russe), Breslau und Jena mit je 16 (darunter 11 bezw. 9 Russen), Meßen mit 12 (darunter 6 Russen), WürAvurg mit 10 (darunter 3 Russen), alle anderen Nnt- versitäten hatten weniger als 10 ausländische Doktoranden. Verschont von ausländischen Prüsknrgen blieb' nur Münster in Westfalen. Wenn wir die obige Zusammenstellung nur flüchtig übersehen, können wir schon bemerken, daß die R u s s e n f a st überalldiegroßeMehrheitderausländi scheu Doktoranden und mithin auch wohl der auslärrdischcn Studierenden ausmachen. Unter den oben genannten 384 ausländischen Kandidaten waren allein 204 mit russischer Staatscmgehörigkcsi. Die am zweit stärksten vertretene Ration waren die Engländer mit 30. An dritter Stelle kommen die Oesterreicher mit 22, dann die Japaner und Ungarn mit je 20 Staatsaiigehörigen, die Amerüaner mit 18, die Schweizer mit 16, die Rumänen mit 14, die wetteren Nationen warm mit weniger als 10 Angehörigen vertretm. Bemerkmswert ist, daß nur ein Franzose unter dm Ge-' prusten ist nnd zwar war dieses Unikmn in Würzburg. Also abgesehen von unserm österreichisch-ungarischen Bundes- brüdem sind am stärksten vertreten gewesen die Russen, Engländer und Japaner, also gerade drei der Nattonm, die sich jetzt durch dwr Krieg für die genossene Gastsieundschasi und Belehrung so dankbar erzeigm. Eine genaue und ül«rsick)tliche Zusammmstellnug gibt nachfteheiche Tabelle, aus der man auch ersehm kann, wie sich die verschiedenen Nationalitäten auf die einzelnen Universitäten vetteikm. O. G. 'FT C e J s § B 'S £'£-e._-| £■=-£ ’5?cS.5 5 &> £» »er er o 3 'JS 2 £ *6' ^ — a ±: &.S; cia.b a ^TT 0 ES es O « » lÄ St® »■ =7© 5! 5? fc» »K Berlin 59 4 3 0 3 1 1 2 12000100100010 79 Bonn 1 0 0 0 1 0 0 0 00200100000000 5 BreSlau 11 2 1 0 1 0 0 0 01000000 0-0 0000 16 Erlangen 0 0 0 1 0 0 2 0 12020000000000 8 Freiburg 12 0 1 0 1 1 1 1 00201000000 50 0 20 Gießen 6 1 1 1 0 1 0 0 01000000000X00 12 Göltmaen 1 7 0 4 1 4 0 0 00000000000000 17 Greifswald I 1 0 0 1 0 0 0 01000000000000 4 Halle 2 1 0 0 2 0 0 1 10000000000000 7 Heidelberg 15 4 0 0 1 2 0 1 00000001000000 24 Jena 9 1 2 0 0 1 0 2 00001000000000 16 Kiel 2 2 0 0 0 0 0 0 00000000000000 4 CO 1 s 0 0 0 0 0 0 0 00000000000000 8 Leipzig 27 4 2 0 4 2 8 2 30000000001001 54 Marburg 2 1 0 0 0 0 0 0 00000000000000 3 München 30 2 912 2 6 1 3 12110000000000 70 Rostock 3 0 0 1 0 0 0 1 00000000000000 5 EtraßburglO 0 2 0 1 0 2 1 oooiioooooeooo 18 Tübingen 1 0 1 0 1 0 0 0 10000000000000 4 Würzburg 4 0 0 1 1 0 1 0 10000010010000 10 £04 30 22 20 20 18 16 14 9 9 5 4 3 2 1 1 1 1 1 1 1 1 384 I * Eine Verfügung der hessischen Regierung- Das Großh. Ministerium des Innern hat laut „Darmst. Ztg." verfügt, daß die Immatrikulation von Studierenden solcher Staatm, die Krieg mit uns führen, an unserm Lochschulm für erloschen zu gelten und Neuaufnahmen van Studiermdm, Hörem und Gästen aus diesm Staaten nicht stattzufindm lfatzen. Assistenten solcher Staatsangehörigkeit srnd M mttassm, Dozenten zu einer Lehrtätigkeit femer picht znzulassen. A»»» Stadt und Land. Gießen, 11. September 1914. ** Ruhestands Vers etzu n g. Die Großherzopin har den Oberlehrer an der Oberreäkschule zu Gießen Professor Georg H edd erich auf sein Nächsuchen unter Anerkmrrnng seiner langjährigen irmm Dienste in dm Ruhestand versetzt und ihm aus diesem Anlaß die Krone zu dem Witerkrmz l. .Klasse des Berdrerrstordens Philipps des Großmütigcir verlieheu. ** Ernennungen. Die GroMerzogin Hai dm Lehr- amtsassefsor Dr. Heinrich Ge pp ans Bingen pitt Oberlehrer und den Lehramtsafsessor Paul G r a e b e r aus Bockenhetm zum Obetttehver an der Oberreaffchule zu Als- Gent. Ms ihrem Siegeszug durch Belgien sind unsere tapferen Truppen nun bis Gent gelangt, zu der allen Residenz der burguirdischen Herrscher, zu der GeburtSstätte der Malerei des Nordens, zu jmem stolzestm und größten Ott des Mittelalters, der an geschichtlicher Bedeutung alle an- derm Städte Belgiens überragt Die „wunderbare Stadt", von der Albrecht Dürer spricht, hat zwar auch, neuester Zeit einen blühenden Aufschwung erfahrm und nichts von der stummen Starre des „totm Brügge", aber wenn man sich durch den üppigen Gattm des siuchtbarm Waeslau- des der ällflandrischm Hauptstadt nähert, dorm find .es doch nicht die nmen Fäbttkm und Schornsteine, diese Zerchm eifriger Jndusttte, die dm Mick auf sich zrehm, sondem jene ehrwittdig stolzen, massigen Türme der Frühgotik, die noch immer dm Glanz des mlltelalterlichen „goldmm Gmt" zum Himmel heben. Es war ein ttotziges, tüchtiges Burgettum, das sich im 13. und 14. Jahrhundert unter dem Schattm des ttesigm Watttu r mes, des mächttgen Bel- f rre d, ansiedelle Der eherne Mund seiner großen Glocke, des ,MKsa^>", ttef drest reichen und wehrhastm Weder nnd Tuchmacher nicht nur zu Ardttt und Fererabmd, zu 'Frmdm nnd Festen, sondem auch zum Kampf gegm Feuer nutz Feinde, wie es die Inschrift der Glockenzungc verkündet: „Wyn Naem ist Roland, als ick kllppe, dan ist Brandt, als >ick lupde, ist Bictotta in Vlaeudmland." Bevor das Bürger- ckum das Haupt so stolz erhob, walletm als Zwingherrm die Grasen von Gent über dem Wohl der Stadt. Wie durch ein Wunder ist das alle Grafe »schloß, das aus dem Jahre 1180 stammt, Hunter einer Mruer von durch die Jahrh und erte aufgesühtten Bautm erhaltm gebltebm, urrd nachdem es ttmt tu langjähriger Arbeit freigüegt und wieder hergestellt ist, offenbatt es sich als der bedmtmdstc romarrische Profanbau, den es in Belgien gibt. Ein mäch- ttges Denkmal der Rttterzeti ist dies Schloß ruit seinem ge- wallrgm Wattturm, dem ebenfalls von Türmm flaukiertm .Erngangsporial und dm zirmenkbekröittm dretterllgm Arkaden. Romanische Bauten sind mich noch das „Lagerhaus", der erste Zmge von Gents Handelsmacht, rmd das Kloster von St. Bavo, während die Kirche gleichen Namms beretts .der Gotik angehört. Dicht neben dem Belftted entfaltet diese tzarchtkirche, für die die Brüder van Eyck t>en berühmtm Genier Altar schusm. ihre wuchtige Majestät, und zur andern Seite erhebt die Kirche von St. Nikolaus ihre mctte- risch belebten Hallm. In dresm Bauten und in wenigen alten Häusem am FtettagSmarkt, dem Schaupkatz aller großen geschichtlichm Ereigruffe, mtsaltet sich noch heute beherrschet die Kraft dieses mittelaltettichen Gmt, das in der .Heldengestalt des nach achtjähriger Herrschaft memh- lettsch ermordeten Jcckpk von Artevelde seinm Schöpfer sieht. Freier Bürgerstuu schuf dev Wohlstand und die Knust, durch die Gmt in ganz Europa berühmt wurde. Jener Jodokus Vydt.^der bei den van Eycks' die „Anbetung des Lammes" -für St. Bavo bestellte, war ein Repräsentant dieses Bürgertums, und sein Name ist mft unsterblich gewov- dm in dem Werk, das eine neue Schönheit in die Well brachte und den nuübettrofsenen Arifang der germanischen Malknnst uüd der nmeren Maleret überhaupt darstelll. Nicht lauge schlug die Todesstunde dieser ftotzm Macht. Me Genter verweigettmi Philipp dem Gutm von lBurgund^ die Scchzstmer, die er 1457 ihnen anserlegt, und wurden nach fünsjähtt-gmi erbtttettm Kämpf in der Schlacht von Gaore 'geschlagen: 16 000 Bürger, die Blüte der Stadt, bedeckten das Schlachtfeld. Nun begann die große Zeit der burgundischm Herrscher, die hier ihre Refidmz ausschlugeu und glänzenden Hof hielten. In Gmt wurde 1477 die erste 'Verfassung der Niederlande proklamiert, und eiu Jahr darauf feierte der Er.zherzog Maxi- mllian, der spätere Kaiser, in märchenhafter Herrllchkeit hier seine .Hochzeit mtt der einzigen Erbin Karls des Kühnen, der schönm Maria von Burgund. In Gmt wurde 1500 der spätere Kaiser Karl V. geboren, der seiner Vaterstadt in seinem sonst so kaltm .Herzen eine stete Aebe bewahrte und seine mächttge Gunst schenkte. Eine neue Mütezeit brach au ; die Stadt war damals die größte und volkreichste Europas, zählte 35 000 Häuser und 175 000 Einwohner, und stolz konnte Karl sagm: ,Jch stecke Paris in „mon gautz'. Wobei er das Wortspiel „Gant" gleich „Geutt' und .chandschuhf" machte. Aber dies war nur die glänzmde Abmdröie einer nahen Nacht. Der finstere Philipp U. war der stolzen, stets unruhigen und-aufsässigm Stadt nicht so fteundllch gesinnt wie sein Vater; er lieferte fte dem Henker Alba aus, der ein sittchibares Strasgettcht vollzog, 26 der edelsten Bürger dem Henker überontwottete, der Stadt alle Pttvilägren rghbte und mit ihrem Golde die drohende Zroiirgburg azch- ttchiete, um jeden neuen Trotz im Keime z». ersticken. Damals verödete Gent, und' die fleißigen Weber fairden Gastsrenn dschaft in England und- Dmtschland. Wenig ist von der burgundischen Blütezeit ttn heutigen Gmt erhalten; es ist, als ob man mtt der verhaßten Zttadelle auch die andem Denkmäler dieser Fremdherrschaft aus dem Andenken Gents ausgelöscht habe. Zahlreuhen Belagerungen und Erobettin- gen war die Stadt ttn 17. und 18. Jahrhundett ausgesetzt; die wechsclvollen Geschicke des Landes spiegeln sich in seiner Siadtgeschrchte wieder. Bei der Rückkehr Napoleons von Elba war sie der Zufluchtsort Ludwigs XVHL Daun blühte wieder ftisches Leben aus ben Ruinen; Gent wurde nicht nur M einer großen Handelsstadt, sondern auch zu der Stadt der Blumen. Doch noch ttmncr schaut der frühgoiische Knappe des Belftted mit festem Blick aus Theater, Gärten und Schornstttne . . . — Anzengrubers „Spielzeug". Die aus Wien kommende Nachricht, daß dort am Frettag die Witwe Ludloig Anzen- grnbnv stard, weckt eine wenig freundliche Ettimerung an die Frau, die des unglücklichen Dichters letzte Lebens- und Lttdenszcit noch trostloser gcstalltte. Als er am Abend des 9. August 1889 später als smst in die Stammkneipe kam, atz und ttank er schweigend wie gewöhnlich. Aus die Folge eines Freundes, weshalb Dr. Tyrolt nicht zur Leseprobe seines neuen Stückes gekommen sei, antwotttte er ruhig: der Künstler, der in Gutenstein wohne, habe sich btteflich sehr artig bei ihm' entschuldigt. „Und was haben Sre geantworttt?" —- „Nix? I Hab jetzt ka Zeit zu so was. Mer Frau geht morgen von mir fmt." — , Mo hin geht denn die Badereise?" — „Sott gehi's, für immer, riach sechzehnjckhttgec Ehe. Wir scheiden uns." „Und nun folgten," wie einer der Freunde berichttt, „Einzelheiten, Gründe, Tatsachen, hcrvorgesprndell in Hast und Hitze. Ter letzte Tagelöhner, der ein solches Schicksal m solcher Auftcgung gesckrfldett hätte, wäre uns dau ruL im GedaaU- nis geblieben, geheiligt durckt solcken Ansbruck solck»m sannerzes. Vier Dtonate später war der Dichter tot: am Morgeil des 10^ Dezember war er verschieden. Freilich batten die ,vreunde lange vor diesem Zusammenbruch der Ehr geimitt, datz dn Dichter viel Aergeruffse durch seine Gat ttn hatte, die ohne lem.Witzen 'schulden machte. Am 11. Mai 1873 hatte der Dichte? Sldelmcde Lipka geheiratet Tie Braut war secAttm Jahre alt, Anzengruber selbst mehr als das Doppelte. ^ , — Laon 1870. Ein» Reihe von Festungen laben die Franzosen den Sjegcrn ohne Schwertstreich überlassen. Darunter ist auch Laon, eine der wenigen Festungen, die beretts 1870, und zwar am 11. September, ohne daß sie belagert worden wir, kapitulierte. Mer trotzdem sollte sie noch blutige Opfer fordern. KL, den öcmpnlrtjeHmrtSajppfcnfcii Bei öenr yaaqjtöntrr-' «mt WoimL- Heimlich Dreine x ütepmi zrrm Revisivss- fontcoöaiT "bei dem sslAceche« i>rep4|ffeaif ramr. btia .starf Adam YJ-ri>ttc't^a.SSfarnBcim jsun Schveibyechilfen bei der Obersärstvrtti Vesruihcim er««rmt- ** ®>ci ävf t b a u d i>e«tf djc r Sifrettb ahn- S&e rf.flTtt; er. ©c rf f übtet, bei aus 3400 Mitqltederu beArdl,ftat nfe mtriäufigeSpende dem Roten Kreuz 3000 Wort vn» dem BSterländischen Fraseiwerern 1000 Mart ans dem Kerenrsvernwqen überwiesen. ** Die Gefallenen in Feindesland. Noch einer Mdeldung dürfen bis auf werteres gefallene Krieger auf den preuß- hessischen Bahnen rette uniergebracht worden. ** Zur Beachtung. Feldpostsendungen werden immer uock> nicht dentlich und vollständig genug adressiert. ES ist folgendes zu beachten: 1. Die Adressen in ü s s c n e n t h a l t c n : a> N a m e n und D i en st st e l l u n g des Empfängers, b> vollständige Bezeichnung deS Truppenteils, runlchst in der Rcihensolge des Vordrucks am den amtlichen Feld- postsirrlen unt> Briefumschlägen, wobei genau zu unterscheiden ist zwischen Linien-, Reserve-, Ersatz-, Landwehr- u. Land stur uv trnvpenteil. 2. Ein Bestimmungsort ist nur anzugebcn auf Sendungen an Angehörige von Truppen, von denen sicher bekannt ist, daß sie sich in der Heimat an einem festen Standort besiiwen. Bestehen Zweifel hierüber, so hat die Angabe des Bestiimnungsortes zu unterbleiben. 3. Am besten werden für die Feldpostsendnngen die amtlich hergestelltcn Fel dpostkarten und Briefumschläge oder von der Privatinduftrie hergestcllte mit gleichem Vordruck verwandt. Reicht der Vordruck auf den Feld- Postkarten usw. isicht aus, um, wie bei Feldlazaretten, sanitätS- kompggnicu, Proviamkolonnen, Etappenmunittonskolonnen, Fuhr- parkkotonnen, Feldbäckereikolonnen, Kraftwagenkolonnen, Pferdc- depotS, Eisciiblllmbankoinvagnien, Fliegerabteilungen usw., die näheren Be-eickmungen der Truppenteile anfzunehmcn, so sind die erforderlichen Angaben aus die Linien über deni Vordruck der Truppenteile zu setzen. 4. Tie Adressen sind so ausführlich niederzuschreiben, wie sie den Absendern von den Angehörigen usw. im Felde mitgctcilt worden sind. Dabei halte man BczeickmuAgen wie Pionicr-Bclagerungstvasii Nr. . . . beinr Armec-Obcr-Kom- mando Stettin" oder „Etappen-MunittlMs-Kohonne Rr. . . . bei der Etappen-Juspektioil Dresden" nicht für irrtümlich. Ebenso enthalte man sich jeder Kürzung einer mitgedcilten Adresse. Da eS Brigade-Ersatzbataillone und Ersatzbataillone der Regimenter gibt, ist eine Kürzung wie „4b. Ersatzbataillon" n n z r>- lässig, weil dann nicht klar ist, ob das 4b. Brigade-Ersatzbataillon oder die Ersatzbataillone des Linien-, Reserve- oder Land- wehr-Rvgim-ents Nr. 45 gemeint find. 5. Die Verpackung der Feldpostbriefe mit Wareninhalt muß dauerhaft urw so stark sein, daß der Inhalt vor Verlust und gegen Beschäl» grmg geschützt wird. Strümpfe usw. in Briefumschlägen von geringer Haltbarkeit zu verwenden, Zigarren in gewöhnlichen Zigarrcn- tüten ist nicht angängig. Schokolade, Barkwcrt, Zigarren, Zigaretten, kurz leicht zerbrechliche und solche Gegenstände, die wie Schokolade geeignet sind, andere Scudi rügen zu beschmutzen, sind unbedingt in starke Kartons aus Handlederpa v Pe oder ähnlichem Stofs mit sichevcui SNammerversckili,ß und fester Um- schnüruirg zu verpacken. Biele der bisher angcwendeieu Ber- packungSusittel haben sich als gänzlich unzulänglich erwiesen und sowohl die Beschädigung des eigenen Inhalts als auch die Einen Tag nach dcr Kapitulation, als bereits französische und deutsche Truppen im Hofe standen, ertönte plötzlich eine furchtbare Detonation, und die Festung wurde in die Lust gesprengt Man glaubte anjangS, der Kommandant T höremin hätte diese hinterlistige Tat vollbracht. Charakteristisch für das Ehrgefühl der französischen Zeitungen war es, daß sämtliche Blätter diese gemeine und gegen jedes Kriegsrccht verstoßende Tat jnit den höchsten Lobsprüchcn und als eine Tat ivürdig des klassischen.Altertums feierten. Tatsächlich war aber dcr Kommandant Thsremin, der selbst hei her Katastrophe schwer verwundet wurde, unschuldig daran: denn cs stellte sich heraus, daß ein fanatischer Frankttreur, kein Soldat, sondern ein Bürger, die Tat vollbrachte, die er mtt den, Leben büßen mußte. Es wurden aber außerdem.300 franzö- sichsc Mobilgarden dabei getötet oder verwundet, und auch die Deutsche» verloren 95 Mann au Toten und Verwundeten. — Der Krieg unddas Volkslied. Der Krieg läßt nicht nur eine reiche Ernte von Liedern erblühen und hat als Befruchter der Volkspoesie von den Zeiten der Landsknechte bis aus unsere Tage eine große Rolle gespielt, sondern er greift auch noch auf andere Weise sin der Geschichte und Entwiillung der Volksdichtung ein. In seiner ausgezeichneten „Psychologie dcr Volksdichtung" macht Dr. Böckcl darauf aufmerksam, daß Kriege zur Verbreitung von Volksliedern über die ganze Welt viel beiqctragen haben. So sind im dreißichährigcn Kriege deutsche Volkslieder bis nach Schweden verschlagen worden. Die schwedischen Truppen brachten sic nack, der Heiinat mit, und so ist cs kein Zufall, daß z. B. eines der bekanntesten alten deutichci, Lieder, das vielgesungenc „ES steht ein Schloß in Oesterreich", 1642 in .Sckpveden als fliegendes Blatt verbreitet war. Das berühmte Lied von Malbrough, daß sich auch bei uns mit seiner ins Ohr fallenden Weise in vielfachen Formen eingebürgert hat, zog wahrscheinlich mit den französischen RevoluttonStruppen über den Rhein. 1794 erklang es so in Köln beim Einzug dcr Franzosen. Das überraschendste Beispiel aber für die Verbreitung eines alten Volksliedes durch Soldaten liegt in dem amerikanischen Nationallied, dem „Pankee- doodle" vor. Der beste Kenner hessischer Volksmusik, Johann Lewalter, hat nachgewiescn, daß der Pankeedoodlc nach seiner Form, seinem Rhythmus und seiner Musikwcsie eine ausfallende Achn- lichkeit mit den Schwälmer Tänzen besitzt Zn dcr Schwalm aber preßten im 18. Jahrhundert kurhcssischc Werber einen großen Teil jener hessischen Hilsstrupveu, die den Engländern für ihren Krieg in Nordainerika überantwortet ivurden. Die arme» kurhes- sischeu Soldaten, die sich für einen fremden Herrscher und eine fremde Sache schlagen mußten, brachten so das alte, liebvertraute Tanzlied ihrer Heimat nach dcr neuen Welt, und die Amerikaner grisien den einschmeichelnden Sang aus, um ihn zu ihrem Spott- und Leiblied umzugestalten. Mit den Truppen Napoleons kamen auch französische Lieder, darunter das Malbrough-Lied, nach Acgnv- ten, von wo sic sich dann weiter in Asien bis nach Syrien hinein verbreiteten und als merkwürdige Zeugnisse für die Wanderung des Volksgesangs bei den Orientalen ein neues Leben entfalteten Noch 1866 sind böhmische Volkslieder mit ihren weichen, melodischen Klängen im vrenßisch-österrrichsschen Kriege von den preußischen Husaren ausgegriffen worden, kamen so an den Rhein und wurden von entlassenen Soldaten weithin in deutsche Städte und Dörfer getragen. Beschädigung (Drschmutzilug, anderer Ftjdpoiv«dimgen »rr Folge gchabt. 6. Bei der außerordentlich großen Gefahr de r Selb steit t z ü*i>» ng , begünstigt durch Stotz uind Reibung während der Beförderung^ ist di? Versendung von Streichhölzern und anderer leicht entzündbarer Gegenstände in Fcldpost- fendungcn »erboten. Zin eigenen Interesse der Absender und rm Interesse der Empfänger liegt eS, daß vorstehende Gesiehts- pirnkte auf das peinlichste beachtet werden. ** Be-tzng von Sein aus Dir«l anstatt aus Frankreich. Die HogibelsÜammer Wiesbaden teilt mit, daß die Handels- und Gewerbekcumner zu Bozen in Südtirol sie gebeten hat, die Weinhändler nnd Gastwirte ihres Bezirks auf Dir ol als Bezugsquetzlefür Wein auftnerksam zu machen und sic auszufordern, auch aus völkischen Gründen nnd zur Förderung der Wirtschaft des verbündeten Nachbars Wein aus Tirol anstatt aus Frankreich zu beziehen. Die Handels- und Gewerbekantmer Bozen emp fiehlt, Anfragen über vorhandene Mengen, Sorten nnd Bezugsquellen sowie über sonstige in Frage kommenden Ber- ltältnisse au die annähernd 250 Mitglieder besitzende Ge- nofseufchaft der Wein Händler Deutsch-SüLtirols mit dem Sitz in Bozen zu richten. ** Der Postpaketverkehr mit Oesterreich- und mit Ungarn ist, wie der Dentsch-Oesterreichiischi Ungarische Wirtschaftsvetchand in Berlin nritteilt, numnehr freigegeben worden Es iverden jedoch nach Oesterreich Pakete nur im Höchstgewicht von l0 Kilogramm zugelassen. Auch sind Pakete nach Galizien, nach der Bukowina, nach Dalmatien, nach Bosnien und nach der Herzegowina unzulässig. Nach Ungarn dürfen die Pakete ebenfalls das Höchstgewicht von 10 Kilograimn nicht übersteigen, auch dürfen sie nicht größer als 60 Zentimeter sein. Nachnahmesendungen, Eilbotenbesiellungen wird Drucksachen, wie auch insbesondere Bücher sind zur Beförderung nach Ungarn nicht zugclassen, wie auch diejenigen Waren weder nach Oesterreich noch nach Ungarn befördert werden, die unter das Ausfuhrverbot fallen. — Interessenten erführen Näheres durch die Geschäftsstelle des Deutsck>-Oestcrreichisch-i Ungarischen Wirtschastsverbandes, Berlin W., Karlsbad 16. Landkreis Gießen. l. B e tt e n hau se n , 9. Scpt. In unserer Gemeinde imuden für das Rate Kreuz und andere Licbeswcrke gefammell: In.der Kirche durch Herrn Pfarrer Mahr 51,35 Mk., durch Sammellisten nnd Spenden des Vereins ebem 116 er 387,65 Mk. Ferner wurden gespendet 180 Mk. zur Anschaffung von Garn und Hemdrn- zeug, das durch hiesige Jungfrauen und Mädchen verarbeitet wird. An Naturalien wurden an daS Kreisbomitec in Gießen abgeliefert 836 Eier, 124 Pfund Wurst und Fleisch, 31 Pfund Dörrobst, 40 Pfund Birnen, 83 weiße Hemden, 1' weißwollenes Tuch, 30 Bettücher, l Pack Leinen und 2 Bettüberzüge. Kreis Büdingen. -m. Obcr-Widdcrsheim, 11. Sept. Heute früh gegen 4 Uhr wurden die Einwohner durch ,Feuer! arm erschreckt. In der Scheuer des Landwirts Geist, in welcher heute gedroschen werden sollte, war Feuer ansgebrochen. Zn diesem Zwecke war bereits.gestern abend noch die Dreschmaschine ausgestellt worden. Die mit Fruchtvorräten angcfüllte Scheuer brannte vollständig nieder, ebenso wurde der Dreschwagcn und die Strohpresse ein Raub dcr Flammen. Die Entstehungsursache ist unbekannt. Der Besitzer soll versichert sein. \ Kreis Fricdberg. = Bad- Nanhe i m , 10. Sept Bis zum 31 August 1914 sind 26 179 Kurgäste an gekommen Bäder wurden bis zum 31. Auq. 1914 329212 abgegeben. Fortdauer des Kurbetriebes. Starkeiiburg und Rhrinhcsse». n. Di eb-u rg , 9. Sept. Aus dem Kreise Dieburg sind siebzig Lehrer zu den Fahnen einberufen, deren Zahl sich mit dem 1. Oktober ds. Js. noch ver m e h ve n wird. Der Unterricht kann in manchen Orten nur mit Hilfe der Lehrer aus den Nachbargemeinden aufrecht erhalten werden: so sind z. B. sämAnhe 6 Lehrer aus Niederrobe ins Feld gerückt. vesscnNmsau. h. Frankfurt a. M., 11. ©etrt_ Die Zahl der durch den Krieg arbei tslos G e worden en hat die Ziffer 10000 überschritten. Der Staat, die Stadt und verschiedene Wohllätigkeits- organisattonen werden Mittel und Wege suchen, um Abinlfe zu schaffen. — Für die zum Heeresdienst eingezogencn städtischen Straßenkehrer sind jetzt deren Frauen unter Belassiing der Bezüge ihrer Männer eingestellt worden. — Die Frankfurter Hypothekenbanken haben sich berett erklätt, in notwendigen Fällen die Hypothekenzinsen ihrer Schuldner zu gestünden, insofern sie auch ihren Mietern, die ins Feld gerückt sind, Entgegenkommen sagen. Damit wäre die drückende Frage dcr Mietsstreisig- ketten im Sinne aller Parteien emschicden. ■— Die bevorstehenden Stadtverordnetenwahlen werden ohne die üblichen Par- teikampfe^ vor sich gehen. Die Parteien haben sich untereinander geinigt, so daß die Aufstellung der einzelnen Kandidaten ohne Gegenkandidat gesichert ist. fc. Frankfurt a. M., 9. Sept. Lazarettschiffe auf dem Main. Fünf große eiserne Schiffe, die der Mai nschiffcr-Bcrbaiidwährend der Kriegsdauer der Militärverwaltung zur Berfüguuig stellte, wurden völlig lazarettmässig eingerichtet. Diese Schiffe bringen Verwundete von Biebrich und Mainz den Main bi, sauf. viicherlisch. — England und Deutschland zur Zeit des groben Krieges von P. Lenard, Prozessor der Physik in Heidelberg. Carl Winters Universitöts - Buchhandlung. Preis 3v Plg. — Geh. Rat Lenard, der bekannte Physiker der Universität Heidelberg, dcr unmittelbar nach der Kriegserklärung sich dcr ihm von England verliehenen Rnmsord-Medaille eniledigte nnd de» Erlös anS dem Goldiverte dem Roten Kreuz überwies, veröffentlicht bei Wniter in Heidelberg soeben eine Schrill »England »nd Deutschland zur Zeit des großen Krieges". Lenard weist nach, daß man den „milde gesagt" Lokalvatriotisnuis der Engländer auch aus wiffeuschastlichen Gebieten spuren könne. Die durch eigene Erlahrungen belegten Anslührungen schließen: es mutz nns klar sein, daß mit einem Wegelanercr ein wirklicher Frieden doch nicht zu schließen ist, so lange er nicht gänzlich in sich zusammengebrochen oder vernichtet ist. Nur ein gründlich znrechtgesetzcs, verändertes, gebessertes, dann auch zu sriedlicher Zusammenarbeit ani allen Gebieten reifes — oder vernichtete« — England wird den Völkern der Erde gestatten, ruhig in Frieden ihrer Eniwicknng nach- zugehe». Arena. Oktavausgabe von Ueber Land und Meer (Deutsche Verlags-Anstalt in Stuttgart! feiert ihren 31. Geburtstag. Zu diesem Wiegenfeste, das von Kugeln imd ttzranaten umschwivrt ist, hat die Berlegerin dem GeburtStagskinde zwei Geschenke vermacht, die den Lesern zugute kommen sollen. Es ist csiimal eine ^Bereicherung des illnsttanven Teils. Neben der Fiille von schwarzen und farbigen Voll- und stteubilbern werden von nun an auch als leicht eittsernbare Beilage Bilder klassischer Meister in Tiefdruck geboten, mrd zwar in der Weise, daß jedesmal verschiedene Meister venreten sein sollen. DaS erste .Heft enthält vier Rembrandt und vier Tizian, während in den folgenden Heften Michelangelo, oan Dtuk, Rubens, Belazguez, Rafiael und andere Meister vertteten fein sollen. Es wird sonach ,eder Abonnent mit diesen Kunichlättrrn am Schlüsse eines Iahcgrngs ein Haus- mcheum Nassischer Gemälde besitzen, das sich im Laufe der Fahre immer mehr vervollständigen wird. Das wäre die eine Gabe. Ae andere ist eine illustrierte K r i e g s chron i k, dir ivährend deS jetzt ausgebrochenen Wellkrieges erscheinen und neben vielen illustrierten Kttegsarttkcln auch literarisch wertvolle KriegSbrieff angesehener Dichter und Schriftsteller bringM wird, die als Kvrrc- spondcirte» «der als Mitkämpfer irK Feld gezogen fmb. Märtte. fc. Frankfurt a.M. Vieh kos Marktbericht vom 10. Sept.' Auftrieb: Rinder 66. Ochsen 7. Bullen 8, Kühe und Färsen bl, Kälber 954, Schafe 108, Schweine 917. Tendenz: Kälber »nd Schale ruhig, Schiveme rege: >vird> geräumt. Preis sür 100 Pst,. Lebend- Schlachr-' gewicht Kälb« e. Mk. Mk. Feinsie Mallkälber.......... 50 -64 83-90 Mittlere Mall- und belle Saugkälber.... 45 -50 78-88 Gettnger« Mast- und gute Saugkälber . . 40-41 68-75 roch a> e. Etallmastschai«: Mastlämmer uns ninqere Masthamurel 42—43 92 -93 Aellere Masthammel, aut genähtte junge Schafe und geringere Mastlämmer...... 34-35 80-84 Schwein:. Vollsiefschig» Schweins von80 —100 'c» Lebendgswicht........46.03—50,0) 59,00—62.05 Vollfleischig» Schweine nnter 8) k« Lebendgewicht........ 45.03—47.00 58.00— 60.00 Vvllfleischrge Schweine von 100—120 !r; Lebendgewicht........ 46.00—49.0) 58.00—6000 Vollfletjchige Schweine von 120—150 c - Lebendgewicht ........ 46.03—49.03 58.33—60.00 ed Bingen, 9. Sept. Marktpreise. Weizen Mk. 24,25, Korn Mk. 21,00, Gerste Mk. 00,03, Hafer Mk. 23,00, Heu Mk. 5,50, Stroh Mk. 3,30, Kartoffel» Mk. 7,25, Erbsen Mk. 43,00, Linsen A!k. 51,00, Bohnen Mk. 40,00, Weißmehl Mk. 41,00, Roggenniehl Mk. 32,50; alles sür 100 Klgr. Bnlier 1 Klgr. Mk. 2,70, Milch l Liter 2l Pfg., Gier 10 Stück 85 Psq. — Illrichsteiii, 10. Sept. Der am vergangenen Dienstag hier abgchaltene Herbstmarkt war mit Schweinen ziemlich gut befahren. Ebenso waren Kühe mid Kälber aufgetricben, aber in geringerer Zahl. Obwohl der Markt von auswärtigen Leuten >»,t besuch! ivar, wurde nicht viel verkauft Das Paar kleinere Ferkel im Durchschnittsalter von 5—7 Wochen .wurde mit ungesühr 20 Mark bezahlt, ältere und größere kosteten durchschniMch 30Mk. Meteorologische Beobachtungen der Station Gieße». Sept. IS14 5o.S p CK zt ä SÄ fcV £ = I s> ■Sf 8S 2 ts> >- ? If £ i gef ss-i 1 ® 1-1 ttta** 10 2«! 748.4 20,0 13,6 78 8 4 10 Regen 10. 9« 749,1 15 6 11,7 88 8 2 5 Bew, Himmel 11. 7» 748,3 15.3 12,7 94 8 9 Regen Höchste Temperatur am 9.—10. September 19U = + 23,3 ’ C. Niedrigste . . 9.-10. „ 1911 — + 12,7° , Verantwortlich für den gesamten redaktionellen Teil: Aug. Goetz, Amtlicher Teil. B e t r.: Erledigung der Braichvcrsick>erungSanttäge für die zimk Militär einberusenen Bauschätzer. Alt die Groß!,. Bürgcrmklstrrcirn der Lanögcmeiichm des Kreises. Um die ordnungsmäßige Erledigung der Braudoersschemmgl» antrage in denjenigen Bezirken zu gewährlersten, in denen die bw treffenden Bauschätzer zu den Fahnen ernbernsen worden sind, bezeichnen wir nachstehende Bauschätzerstellvertteter, au die bis auf weiteres die Brandversicherungsanträgr von den Bürgermerste, rcien zur Vornahme dcr Abschätzung einzusendeu sind. Es kommen in Betracht: Bezirk I7a, bestehend aus den Orten Albach^ Wendort, a. b. Lahn, Annerod, Garbenteich, Hausen, Aein-Lruden, Stein, bach, Watzenborn und Steinberg. Für den einberusenen Architekten Ernst Schmidt aus Gießru dessen Stellvertreter Bautechuiker Ludwig Belten in Lang, Göns. Bezirk IV, bestehend aus den Orten Mendorf a. d. Lda., Mtcn-Busrck, Bersrod, Beuern, Burkhardsfelden, Doubringcn, Großcn-Buseck, Lindenstritth, Lollar, Mainzlar, Oppenrod, Reis, kirchen, Rödgen, Ruttershausen, Saasen mit Bollnbach, Staufen, bcrg, Trais a. d. Lda., Trohe, Winnerod. Für den einberusenen Heinrich Mohr aus Annerod Baittech, niker Ludwig Belten in Lang-Göns. Gießen, den 9. September 1914. Großherzogliches Kreisamt Gießen. _ Dr. Usinger. Bekanntmachung. Betr: Den Viebmarkt zu Gießen. Mit Ermächtigung Großb. Ministeriums des Innern vom 3. d. M. »n Nr. II. 5529 wird die Abhaltung von Schweincmürkten in der Stadt Gießen wieder gestattet. Die Abhaltung von Rindviehmärftcn bleibt bis auf werteres noch verboten. Gießen, den 9. September 1914. . Großherzogliches Kreisamt Gießen. _ Dr. Usinger. Bekanntmachung. Betr.: Feldbereinigung Kcssclbach. Kreis^Gießen. Fn der Zeit vom 9. bis «inschl. 24. September l. Js. liegen werktags auf dem Rathaus zu Kesselbach die Arbeiten des III. Abschnitts (Zuteiliingsplan einschl. Grenzregulierung mit Alletts- hauscnj zur Einsicht der Beteiligten offen. Es sind dies: a) für die Gemarkung Kesselbach. 11 Hauptkatten, aus welchen auch die Bewcrttmg der Zuschnitt« aas Nachbargemarkungen und Bonitätserhöhungen zu ersehen sind; 2 Bände Gütergeschosse: 1 Band Zusammenstellung der Gütergeschosse; 1 Band Gütergeschosse mit Zuteilungsplan: 1 Band ZnteilnngsverzeichniS: das Obstbaumverzeichnis; dir Obstbaumgeschossc: das Verzeichnis der infolge Zuteilung eingettetencn Aenderungen deS Wegnetzes. bj Für die Gemarkungsgrenzrcgulierung mit Allertshausen. 1 Hauptkarte: 1 Band Gütergeschosse: l BaiO Gütergeschosse mit Zuteilungsplan; l Band Besitzstandsverzeichnissc: 1 Band Zuteilungsvcrzeichnis. Tagsahtt zur Entgegennahme von Einwendungen hiergegen findet daselbst statt: Freitag, den 2b. September 1914, vormittags 8—9 Uhr. Ich lade hierzu die beteiligten Grundeigentümer unter der Androhung ein, daß die Nichterscheinenden mit Einwendungen ausgeschlossen sind. Die Androhung bezieht sich nicht auf diejenigen Grundeigentümer, welche zum Kriegsdienste eingezogen sind und keine Vollmachten ausgestellt haben. Die Einwendungen sind schriftlich und mit Gründen versehen einzureichen. Die Vorzeigung der neuen Grundstücke findet statt: Freitag, den 18. September l. Js. Zusammenkunft hierzu vormittags 8 Uhr beim Rathaus zu Kesselbach. Friedberg, den 4. September 1914. Der Großherzogliche Feldbereiisigungsroinmissär. Schnittspahn, Kreisamtmann.