Nr. 2U, Der ®l«(stntt Anzeiger erschein! täglich, anher Sonntags. — Beilagen: viermal wöchentlich SiebenerZomilienblätter; zweimal Ivöchentl.ttreiz- dlattsürdcnUreiiSicben (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Landwirtschaftliche Scilfrazen Fernjprcch - Zinschiiisie: sür die Redaktion 112, Verlag ». Expedition bl Adresse inr Depeschen: «n,etger Siehe«. Annahme »an Anzeigen sür die Tagcsnninmer bis vormittags 9 Uhr. < erster Blatt M- Zahrgang Mittwoch. 9. Gietzenet Anzeiger General-Anzeiger sür Oberhessen Kota6onrdn«k und Verlag der Srühl'schen Univ.-Such- und Steindruckerei R. Langt, vedattisn. Expedition und Druckerei: Schulstratze 7. 5eptember Bezugspreis: monatlich 75 Df., vierteljährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk.2.— viertel» jährl. ausschl. Bestellg, Zeilcnpreis: lokallbPß auswärts 20 Psenniq. Chesredakteur: A. Goetz. Verantwortlich sür den polit. Teil: Aug. Goetz; sür .Feuilleton", .Vermischtes" und.Gerichls» saal": Karl Neurath; sür .Stadt und Land": Kurt Bendt; sür den Anzeigentell: H. Beel. Maubeuge gefallen. - Deutsche Angriffe in Nord-Belgien. Wir konnten gestern das nachmittags', gegen 2 Uhr, eingetroffene Telegramm vom Fall der Festung Müubeuge nur der Halste unserer Leser noch Mitteilen. Wir geben darum die bedeutungsvolle Siegesnachricht hier nochmals tmcdec: Großes Hauptquartier, 8. Sept. (W. B.) Mauke u g e hat gestern kapituliert. 40 OOOKriegsgefan- gene, daruMer vier Generale, 400 Geschütze und zahlreiches Kriegsgerät sind in unsere Hände gefallen. Der Generalquartiermeister v. Stein. Wieder ein ganzes Armeekorps unserer Feinde gegangen! Und die deutschen Belagernngstrnppen werden frei für den Bormarsch in die Front. Der Angriff aus Maubeuge, Uw bekanntlich zuerst die Engländer geschlagen morden mären, mar am 27. Auaust etngeleitet worden. Tie Belagerung hat also nicht lange gedauert, und unsere Truppen werden kaum nennenswerte Verluste gehabt haben. Ob, wie ein Berliner Blatt vermutet, unter den Gefangenen 30000 Engländer sich befinden, muß, abgemartet werden; der Generalguarticrmeister würde, wenn er etwas davon gewußt hätte, uns gewiß die freudige Botschaft nicht vor- enthalten haben. Denn den Engländern gönnt man in Deutschland jeglichen Denkzettel. Verbreiten sie doch über unser Volk und unsere Soldaten im Auslande die unverschämtesten Lügen, so das: neben dem Reichskanzler nun auch der Kaiser die Welt zum Zeugen dafür angerufcn hat, Inas es mit der englischen Art der Kriegsführung auf sich hat. Franzosen und Engländer führten in Massen die berüchtigten Dum-Dumgeschosse mit sich und handeln gegen die ersten Forderungen des Völkerrechtes. Die Worte des Kaisers werden, nicht nur in Amerika, gehört werden! Die barbarische und heimtückische Bekämpfung und Mißhandlung unserer Kämpfer und Bermundeten erfordert gerechte Sühne nnd Abschreckung, nnd vor aller Welt muß die Verdächtigung zurückgewiesen werden, als hätten unsere Heere auf feindlichem Boden unnütze Grausamkeiten begangen. Harden hat in der letzten Nummer seiner „Zukunft" einen Vorschlag geinacht, der Beachtung verdiente. Er meinte, es wäre der deutschen Regierung Mohl Möglich!, alle die Lügen und Zerrbilder zu sammeln, die in den großen ausländischen Weltbtättern bei nnd nach Anspruch des Krieges über Dentschland, deutsches Vorgehen und angebliche deutsche Niederlagen erschienen sind. Das würde in der Tat ein beweiskräftiges Buch werden, das überhaupt keiner polemischen Zusätze bedürfte. Darin würde dann auch) die nette Aenßerung des britischen Botschafters in Rom stehen, die in den letzten Tagen an italienische Blatter gegeben wurde, daß, die deutschen Soldaten keinen Schuß englischen Pulvers wert seien usw-. Unseres Erachtens ist jetzt die Zeit gekommen, Mo sich der Deutsche über die maßlosen ausländischen Machenschaften nicht mehr entrüsten darf, sondern Mo er ihnen mit verdientem Spott und Milleid begegnen muß. Werfen wir in den großen Schwätzerbrei John Bulls nur einige Salzkörner der Satyre, dann kommen wir vor uns selbst und vor der Welt am besten darüber hinweg. Nach neuesten holländischen Meldungen rücken mir den landenden Engländern nunmehr an der belgischen Küste entgegen. Bei Melle, südlich von Gent, sind die Belgier zurückgeschlagen worden, und die Stadt Gent soll schon wegen der Uebergabe verhandeln. Man will auch wissen. Ostende, die Landungsstelle englischer Truppen, werde beschossen werden. Das berühmte Seebad zählt 40 000 Einwohner, die dann sür die Torheit der belgischen Regierung, die den nutzlosen Kampf noch imnrer fortführt, zu büßen hätten. Viele Flüchtlinge sollen sich schon nach Holland eingeschifft haben. An der kanalisierten Sambre gelegen, ist die 19 000 Einwohner stählende Stadt Maubeuge der Knotenpunkt drq Linien von Charteren und Atems in Belgien, von Valenci.enn.es, Landrecies Und AveSnes in Nordfrankrcich, so daß ihr Besitz sür die Ausnützung der rücktvärtigen Berbinduirgen unserer Armee nötig war. !Ein Kreis von Forts und Werken umschließt den Stadtkern und schützt ein verschanztes Lager in einer Entfernung von 4 bis 6 Kilo- Metern vorgeschoben. Es folgen sich in dem Riirg von Norden lauf dem linken User der Sambre die Batterien Bersillies, Sal- anagnc, Fort Boussois, auf dem rechten Ufer die Batterien von Ätoca, Fort Cerfontaine, Batterie Bourdiau und Fort Hautmont, aus dem linken Ufer weiter Batterien Greveaux und Feignies, Fort Leveau, Batterie und Fort des Sarts, die den Abschluß bilden. Im allgemeinen stand Manbeuge wohl nicht auf der Höhe der heutigen Anforderungen, oder nur zum Teil, da man in Frankreich die belgischen Maasbesestigungen als Schutz der eigenen Grenze ansah. Erst in neuerer Zeit erhoben sich Stinrmen, die auch an der Nordfoont den Ausbau der vorhandenen Festungen verlangten. So manches liebe Mal hat Maubeuge, die letzte Festung Nordscankreühr, die den deutschen Heeren widersteht, gewaltige Kämpfe au den Usern der friedlichen Sambre miterlebt: nur drei Kilometer entiernt liegt im Nordmesten das Dorf Malplaquet, wo am 11. September 1709 Prinz Eugen einen seiner glänzendsten Siege erfochten hat und im Süden von Mecubeuge dehm sich die weite Ebene von Wattigmes, die zur Zeit der Revolution, am 16. Okt. 1793 Schauplatz eines bedeutenden französ. Sieges unter Peilung Jmrrdans war. In der Stadt und Festung Manbeuge, um die sich dieser Kampf drehte, erinnert noch heute ein Denkmal an den Sieg von Wattignies, und der Ort selbst heißt seüdem Wattigmes-la-Bictoirc. Wenn man von der belgischen Grenze her kommend das Sambre-Tal aufwärts wandert, in dem zahlreiche Arbeiterdörser um Eisen- und Stahlwerke berumliegen, bemerkt man bald die schwere Rauchwolke über dem Flußtalc, die die Lage von Maubeuge bezeichnet, innerhalb der Hügel, die zu Ports und Zwrschemvcrken ausgebaut sind, deren Ansgabc es ist. das Sambretal und die sich hier kreuzenden Eisenbahnlinien zu sperren. Seit 1870 haben die Franzosen diese Forts ausgebaut, die auf zum Teil bewaldeten Hügeln das Flnßtal sowie im Süden die Ebene in einem Umkreise von 30 Kilometer beherrschen. In ihrem Bereichs liegt Maubeuge, em an sich kleiner Jndustrieort, der aber mit den Nachbarorten, eben- salls Industriestädten, verschmolzen ist, so daß der Ortkomplex von etwa 50 000 Einwohnern zu den bedeutendsten im nördlichen Frankreich gehört. Hier, an den letzten Ausläufern der Ardennen, finden sich zahllose Hochöfen, Eisenwerke, Stahlwalzwerke usw.; wenn man zu später Abendstunde von einer der benachbarten Höhen am rechten Ufer den Komplex der Städte Maubeuge, Louvrol, Neufmesnif und Haumvnt betrachtet, hat man einen märchenhaften Anblick: man sicht vor sich, einen .großen Halbkreis von Feuerstätten, deren Schein weithin leuchtet; es sind die Feuer der Hochöfen, der Schmieden, der Walzwerke; man hört allüberall den Lärm der nie rastenden Fabriken und hoch über den einzelnen Werken sieht man elektrische Scheinwerfer inmitten von Rauchwolken. Alle möglichen Eisen- nnd Stahlgcgenstände werden hier erzeugt, Eisenbahnschienen, Stahlrohre, Werkzeuge, Eisenplatten, Brückrnteile usw.; ferner gibt xs hier große Glaswerke, Marmorwerks und Tonwarenfabriken. Manbeuge und seine Nachbarorte stehen hinsichtlich der franz. Erzeugung von Keramik mi erster Stelle. Die Rohstoffe, die sie verarbeiten, stammen übrigens nicht aus dem Lande selbst, sondern hauvtsächlich aus Belgien, Deutschland und England, und die fertige Ware wandert zum Teile nach Holland, England, den Vereinigten Staaten und dem Orient. Nicht nur die Eisenbahn befördert die vielen Fabrikwaren, die Maubeuge erzeugt, sondern zum großen Teil nimmt die Sambre sie. aus den Rücken. In der Gegend von Manbeuge ist die Sambre ein nicht allznbreiter, ruhiger Fluß; links dehnen sich hinter der lleinen Bergkette am Ufer Ebenen, in denen hauptsächlich Rüben gebaut werden; das rechte Ufer ist etwas bergiger, und von rechts her empfängt die Sambre kurz vor ihrem Uebertritte auf belgischen Boden auch eine Anzahl lleiner Seitrnflüsse, deren Quellen meistens auf belgischem Gebiete liegen. Arbeiterdörser und Fabrik- orte ziehen sich von Maubeuge aus aufwärts wie abwärts den Fluß entlang. An der Stadt selbst ist nichts bemerkenswertes: sie hat ziemlich schmale, gerade Straßen, ein mittelmäßiges Stadthaus, eine ebensolche Kirche und das einzige Bauwerk, dessen Betrachtung lohnt, ist das Denkmal zur Erinnerung an die Schlacht von Wattigmes. Wenn man die Stadt verläßt, betritt man, sobald man die WMe hinter sich hat, gleich das flache Land. (WTlB.) Berlin, 8. Sepr. (Nichtamtlich.) Zn der Ka- pitnlation von Maub-euge bemerkt der Berliner „Lokckl- Anzeiger": Die vorgesehene KriegsNesatznng! von Manbeuge zählt rund 10 000 Mann. Da nun die Engländer hei Maübeuge geschlagen worden sind, ist anzunehmen, daß wir 30000 in die Festung geworfene Engländer mst gefangen genommen haben. Weitere deutsche Erfolge in Belgien. Rotterdam, 8. Sept. (WTW. Nichtamtlich.) Der „Nieuwe Rotterdamsche Courant" meldet ans Antwerpen: Deutsche Truppen warfen bei Melle die Belgier nach einem Bombardement zurück. Die Deutschen stehen nur noch einige Kilometer von Gent. Flüchtlinge aus Ostende erklären in Blissingen, daß. die Beschießung von Ostende bevorstehe. Dreißig Züge mit Flüchtlingen sind von Ostende abgefahren. Die Engländer haben dort gestern wieder Truppen gelandet. Die Königin der Belgier ist gestern abend mit einem Dampfer aus England nach Antwerpen zurückgekehrt. Die Kinder sind! in England zurückgeblieben. Amste rdäm, 8. Sept. Da die Deutschen zwischen Antwerpen und Gent vorrücken, hat, nach einem Telegramm der „Franks. Ztg.", der Bürgermeister von Gent Abgesandte zu Unterhandlungen an den deutschen Befehlshaber geschickt. Rotterdam, 8. September. Nach einem Bericht des „Nieuwe Rotterdamsche Cour." ist alles Gold der National- bank aus Antwerpen nach London geschafft worden. Kanonendonner vor Paris. (WTB.) Berlin, 8. Sept. (Nichtamtlich.) Die „Voss. Zeitung" meldet aus Rom: Aus Paris wird vom 7. Sept. um 11 Uhr nachts berichtet: Seit heute früh hört man hier Kanonendonner. Am intensivsten ist das Feuer in der Richtung von M e a u x, 25 Kilometer östlich von Paris. Die Stadt ist ruhig, doch ist die Spannung fieberhaft, ja fast unerträglich. Für eine Million Flugzeuge erbeutet! Die in der französischen Militärflugzeugstation Betheny bekanntlich erbeuteten Flugzeuge sollen nach der „Köln. Ztg." einen Wert von etwa einer Million haben. Sie wurden in der Fabrik von Deperdussin gefunden. Der Name Deperdussin war vor etwa Jahresfrist in aller Munde, denn am 5. Üliuyiist 1913 wurde Herr Arinan Dsverbussm, Inhaber der seinen Namen tragenden Flugzeugfabrik, Offizier der Ehrenlegion und Vorstandsmitglied des „Aero-Clubs de France", unter Anklage der Betrügerei verhaftet. Bei näherer Prüfung stellte sich heraus, daß die bekannte Flugzcugsabrik mit der Bctrugs- geschichte nichts nnnrittelbar zu tun hatte, die Fabrik bestand in aller Ordnung. Dagegen hatte sich Devechussin der Fälschung von Verkauf- und Kaufbescheinigungen schuldig gemacht. Die Bank, die das Opfer tiefer Gaunereien wurde, war das Comptoir indiustriel et colonial in Paris. Deperdussin hatte eine Anzahl Kapitalisten für eine Art Seidentrnst interesiiert und durch fingierte Quittungen einen -Betrag von ungefähr 40 Millionen erschwindelt, von denen er im Lauf der Zeit nur etwa 18 Millionen zurückbezahlte. Interessant ist der Lebensgang des Mannes. Er war in den 1890er Jahren Brettlsänger in Brüssel, dann Händlern gsrersender in Nahrungsmitteln, dann Angestellter im Rcklameburean der Ausstellung von 1897. Darm machte er in Seide und später in Flugzeugen. Großes Ansseben erregte er, als er einen Flugpreis von 100 000 Franken stiflete. — mit welchen Mitteln, wußte man damals eben nicht. Nun hat seine Fabrik in der -Beschlagnahme der Flugzeuge durch die deutschen .Truppen das letzte Schicksal erreicht. Ans Mülhausen. Mülhausen (Elsaß), 8. Sept. (WTW.) Die französischen Militärbehörden haben in unserer Stadt ein unangenehmes Andenken hinterlassen. Zwar haben sich die Truppen hier keine Greueltaten und Grausamkeiten zu Schulden kommen lassen, wie einige Zeitungen melden — sie benahmen sich im Gegenteil gut und befleißigten sich eines guten Tones, um bei der Bevölkerung einen angenehmen Eindruck zu machen — aber die Militärbehörden machten bei verschiedenen Geschäftsleuten und Warenhäusern großeEinkäufe, diesiezubegleichenvergessenhaben. So wurden Wagen voll Hemden, Unterhosen^Socken, Bettdecken und vor allem Schuhe erworben, die den Soldaten zur Verfügung gestellt wurden. Allgemein freute man sich, daß unsere Geschäftsleute in dieser schweren Zeit, in der Handel und Wandel fast ganz darniederliegen, durch die Einkäufe ein gutes Geschäft machten, da nicht lange gehandelt und gemarktet wurde. Als es aber ans Bezahlen ging, erhielten die Verkäufer einfach Gutscheine, mit denen sie an die Stad t- Verwaltung verwiesen wurden. Unsere ohnehin schon arg mitgenommene Stadt wird somit — wenigstens vorläufig — für alle diese Ankäufe, die zwischen 50000 und 60000 Mark betragen, aufkommen müssen. Der Kaiser. Münster (Westfalen), 8. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) Auf ein vom Oberbürgermeister Jnngsblodt namens der Stadt Münster an den Kaiser gerichtetes Telegramm ist folgende Drahtantwort eingetroffen: „Ihnen und der Bürgerschaft Münsters Meinen herzlichsten Dank für treues Gedenken am gestrigen Tage, den Ich in Ihren Mauern verleben zu können gehofft. Gott schenke unserem Volk in Waffen, besonders auch den tapferen Söhnen der Roten Erde weiterhin Kraft und Zuversicht im Kampfe wider alle Feinde uw seres teuren Vaterlandes. Wilhelm R." Ueber 35 000 französische Flüchtlinge in der Schweiz. G e n f, 8. Sept. Wie die schwedischen Blätter feststellen, betrug am 6. September die Zahl der im Kanton Genf an-- gekommenen Flüchtlinge aus Paris und Nordfrankreich über 35 000. Die französischen Grenzbehörden lassen seit Montag neue Flüchtlinge aus Paris nur noch über die Grenze, sofern sie einen Erlaubnisschein der Militärkommandantur von Paris vorweisen können. Ein Zeichen dafür, daß sich offizielle Kreise in Paris mit dem Gedanken einer deutschen Besetzung bekannt machen! Dazu wird mitgeteilt, daß auch Briand, der bei der Abreise der Regierung als Repräsentant der Regierung in der Hauptstadt geblieben war, abgereist ist. Botschafter-Wechsel in Frankreich. (WTB.) Berlin, 8. Sept. Das „Berliner Tageblatt" meldet aus Kopenhagen: Der linke Berlinskc-tidendc meldet aus Paris, daß au Stelle des bisherigen spanischen Botschafters in Paris Marquis Urr-atin-Valtierra ernannt worden sei (nicht Diplomat, sondern General). Auch Amerika nimmt einen Botschaster-Wechsel in Paris vor. Der neue Botschafter Shap ist gestern angekommen; sein Vorgänger wird aber die Führung des Amtes behalten, bis der Krieg zu Ende ist. Der Kaiser an de» Präsidenten Wilson. (WTB.) Berlin, 8. Sept. Die „Norddeutsche Allg. Zeitung" veröffentlicht nachstehendes Telegramm, das Se. Majestät der K a i s e r an den PräsidentenWilson gerichtet hat: Ich betrachte es als meine Pflicht, Herr Präsident, Sic als den hervorragendsten Vertreter der Grundsätze der Menschlichkeit zu benachrichttgen, daß bei der Einnahme der Festung L o n g w tf meine Truppen dort tausende von Dum-Dum-Geschos- sen entdeckt haben, die durch eine besondere Regierungs-Werkstatt hcrgestellt waren. Ebensolche Geschosse wurden bei verwundeten Soldaten und Gefangenen auch bei britischen Truppen gefunden. Es ist bekannt, daß solche Geschosse grausame Ver- letzimgen verursachen und daß ihre Anwendung durch die anerkannten Grundsätze des internationalen Rechts streng verboten ist. Ich richte daher an Sie einen flammenden Protest gegen diese Art der Kriegsführung, welche dank den Methoden unserer Gegner eine der barbarischsten geworden ist, die man in der Geschichte kennt. Nicht nur haben dieselben diese grausamen Waffen angewendet, sondern die Regierung hat die Teilnahme der belgischen Zivilbevölkerung an dem Kampf auch offen geduldei und seit langem sorgfältig vorbereitet. Diese von Frauen und Kindern und Geistlichen in diesem Guerillakrieg begangenen Grausamkeiten auch an vcrwun- detenSoldaten, Aerzte-Personal und Pflegern (Aerzte wurden getötet, Lazarette durch Gewehrseuer angegriffen) waren derartig, daß meine Generäle sämtlich gezwungen waren, die ärgiten Mittel zu ergreifen, um die Schuldigen zu bestrafen und d i e blutdürstige Bevölkerung von der Fortsetzung ihrer fürchterlichen Mord- und Schandtaten ab- zuschrccken. Manches berühmte Bauwerk und selbit die alte Stadt Löwen mit Ausnahme des schönen Stadthauses mußten in gerechter Selbstverteidigung und zum Schutze meiner Truppen zerstört werden. Mein Herz blutet, da solche Maßregeln u n v e r - weidlich geworben sind, und wenn ich an die zahllosen unschuldigen Leute denke, die ihr Leben und Eigentum verloren haben infolge des barbarischen Bettagens jener Verbrecher. gez. Wilhelm I. R. Eine Verkündigung des Bürgermeisters von Löwen. Die Amsterdamer Zeilung „De Tijd" druckt eine Verkündigung der städtischen Verwaltung von Löwen ab, die zur Wiederaufnahme des gewohnten Lebens der Stadt aufsov- dert und damit als sicherstes Dokument den Beweis liefert, daß Löwen heute kein Trümmerhaufen, sondern in seiner Gesamtheit eine bewohnbare und bewohnte Stadt dar- stellt. Die Verkündigung lautet wie folgt: Wir haben vergebens unsere Gemcindeabgeordncten ausgesucht Der letzte von ihnen, Herr de Schepene Schmit, gesetzlich verhindert, sein Amt weiter zu vertreten, hat uns am 30. August die Gemeinde-Angelegenheiten übergeben. Ich erachte es für meine Pflicht, diese Ausgabe zu übernehmen mit Hilf« einiger angesehener Bürger, die es übernonrinen haben, mir zur Seite zu stehen. Im Einverständnis mit der deutschen Heeresverwaltung fordere ich die Einwohner von Löwen auf, in die Stadt zu rückzukommen und ihre gewohnten Beschäftigungen wieder auszunehmen. — Wir wenden alle Sorge darauf, von jetzt ab den Gemeindedienst wieder herzustellen: die Polizei, die bürgerlich« Ordnung und der Dienst der städtischen Wasserweitung sollen schleunigst wieder eingerichtet werden. Der bcaustragte Bürgermeister A. N e r i n c x. Ein englischer Schwätzer in Rom. Rom, 7. Sept. Der hiesige englische Botschafter gibt den Zeitungen einen Bericht über die Daten der «ngli schen Korps in Frankreich, der in Deutschland große Heiterkeit erregen wird. Es heißt da nämlich, der englische Soldat sei dem deutschen weit überlegen. Die Stoßkraft der deutschen Infanterie sei ärmlich, während der feurige Mut der englischen Bataillone jede deutsche Kolonne vernichtet habe. Die englische Kavallerie habe endgültig ihre Ueber- legenheit bewiesen: die deutschen Patrouillen flöhen einfach vor ihr. Die deutschen Truppen seien keinen Schuß en g- ltschen Pulvers wert. Der bisherige Verkauf des Feld zuges habe der englischen Armee 'Gelegenheit gegeben, ihren ttend zu vermehren. In diese Tiraoen schüchtern Ruhm bedeutend eingestreut finden sich dann die Bekenntnisse des fortge schien Rückzuges und die Angabe der bisherigen Ver luste mit fünfzehntausend Mann. * ^ * Wie der „Pathfinder" «nterging. Rotterdam, 8. Sept. Ueber den Untergang des Kreuzers „Pathfinder" wird aus London gemeldet: Die Katastrophe geschah am Samstag nachmittag 4>/z Uhr, zehn Meilen nördlich von St. Abbs Head. Die Besatzung sah gerade beim Mittagessen, als das Schiff erschüttert wurde. Es neigte sich sofort nach vorne, und einen Augenblick später erfolgte eine furchtbare Explosion, welche das Schiff sprengte. Nach 4Mnutcn war der Kreuzer untergegangen. Schiffe und Rettungsboote aus St. Abbs Head eilten herbei und retteten den Kommandanten und eine Anzahl Leute. Das Schiff scheint in der Nähe des Magazins von der Mine getroffen worden zu sein. Der Kreuzer hatte eine Besatzung von 280 Mann. Kommandant war Kapitän Francis Martin Leake. Außer ihm sollen noch 8 Offiziere gerettet worden sein. (Berl. Lok.-Anz.) London, 8. Sept. l Nichtamtlich.) Die Verluste des Kreuzers „Pathfinder" betragen 4Dote, 13 Verwundete und 243 Vermißte. Die Freiwilligen in England. London, 8. Seist. (WDB. Nichtamtsich.) Meldung des „Reuterschen Bureaus": Obwohl die Rekrutierung befriedigend fortschrcitet. soll zur weiteren 'Förderung der Bewegung in der nächsten Woche eine große Versammlung in Birmingham stattfinden, in welcher Churchill und Chamberlain Ansprachen halten werden. Der Handel Englands. L o n d o n , 8. Sept. lWTB. Nichtamtliche Der Ausweis des Handelsamtes für August zeigt bei der Einfuhr eine Abnahme von über dreizehneinhalb Millionen Pfund Sterling, bei der Ausfuhr eine Abnahme von beinahe zwanzig Millionen Sterling gegenüber 1913, Das .Handelsamt weist darauf hin, daß die Llbnahme der Ausfuhr zum großen Teil auf den Umstand zurückzuführen sei, daß bestimmte Arten von Exportartikeln während der Kriegszcit nicht ausgeführt werden dürfen. Eine französische Zeitung in London. London, 8. Sept. (Nichtamtlich.) Hier erscheint eine französische Zeitung „Cri de Londres", Chefredakteur de Chassaigne, in starker Auflage. Samoa von den Engländern besetzt. Berlin, 8. Sept. (Amtlich.) Nach nunmehr eingc- troffenen zuverlässigen Nachrichten ist Samoa am 29. Aug. von den Engländern ohneKaanpf besetzt worden. Englands Verhalten in Aegypten. Wien, 8. Sept. kWTB. Nichtamtlich.) Das „Fremdenblatt" schreibt: Es bestätigt sich, daß die englischen Militärbehörden in Aegypten die Vertreter Oesterreich-Un- g a r n s und Deutschlands ausgefordert haben, Aegypten unverzüglich zu verlassen. Die beiden Diplomaten haben daraufhin gegen diese Verfügung protestiert, die schon deshalb völkerrechtswidrig erscheint, weil Aegypten ausdrücklich seine Neutralität erklärt hat — ganz abgesehen davon, daß eine solche Maßnahme nur von der Türkei oder dem ihr tributären Khcdiven ausgeben könnte. Uebrigens ist besonders charakteristisch, daß die Neutralitätserklärung Aegvvtcns auf Andrängen Englands erfolgt ist, dessen Militärbehörden nun eine derartige flagrante Völkerrechtsverletz- ung verüben. Dieses Vorgehen Englands, das sich so gerne als den Hüter internationaler Abmachungen aufspielt, den angeblichen Völkerrcchtsbruch Deutschlands sogar zum Vorwände für seine Kriegserklärung benutzte, reiht sich würdig an die Kette ähnlicher Akte der englischen Regierung im bisherigen Verlaufe des Krieges an. Die Besetzung Radomr. Berlin, 8, Sept. Die „B. Z. a. M." meldet aus Wien: Nachrichten aus Krakau besagen: Die russischen Truppen verließen am 26. August Radom. Am 27. August morgens kehrten sie in Starke von 2000 Mann zurück. Als am Abend sich die Nachricht verbreitete, daß deutsche Truppen herannahten, entstand unter den Russen eine fürchterliche Panik und sie verließen in großer Hast und Unordnung die Stadt, Die russische Infanterie hielt sechs Werst hinter Radom und überschüttete russische Kavallerie, die sie für Feinde hielt, mit einem Ha- gelvonüseschossen, wobei es viele Tote und V.crwuni- dete gab. Am 29. August besetzten die Deutschen Radom. WDB. Breslau, 8. Sept, (Nichtamtlich.) Die Schkes. hiesigen stellvertretenden Generalkom- Ztg. meldet: Bon dem mando wird mitgeteilt: Unsere schlesische Landwehr nahm gestern nach siegreichem Gefecht 17Offiziere und 1000 Mann des russischen Gardekorps und des dritten kaukasischen Korps gefangen. Berlin, 9. Sept. Bei der Besprechung des Sieges in Polen sagt die „Bossische Zeitung" es sei wahrscheinlich, daß die Deutschen den Vormarsch über Radom fortgesetzt hätten und dabei mich zu einem Zusammenstoß mit dem russischen Gardekorps und dem 3. Kaukasischen Armeekorps zusammcngcstoßen seien. Es sind dies die besten Truppen des russischen Heeres, namentlich das Gardekorps ist eine Elitetrnppe in ganz anderem Sinne noäi, als unser Gardckorps. Daß die schlesische Landwehr über dieses Korps einen vollen Sieg errungen habe, sei von großer Bedeutung, Daß der Sieg vollständig war, gehe auch ans der großen Zahl von Gefangenen hervor. Ein Schreiben des Siegers von Tannenberg Aus Magdeburg wird gemeldet: Dem Magistrat der Stadt Magdeburg ist auf sein Glückwunschschreiben an den Sieger von Tannenberg^ folgendes Schreiben zugegangen: Dem Magistrat der Stadt Magdeburg danke ich herzlich für die freundlichen Glückwünsche zu meinem Erfolg, den ich nächst Gott dem Herrn den hervorragenden Marschleistungen und der glänzenden Tapferkeit der mir anvertrauten Truppen verdanke. Bis jetzt sind aber 90 000 Gefangene abtransportiert. Ost und gern denke ich an die schöne Magdeburger Zeit zurück. Mil größter Hochachtung: von Hindenbnrg, Oberbefehlshaber im Osten. Zwei Amazone» im russischen Heer London, 8. Sept. Die „Times" meldet ans Petersburg, daß zweiTöchtcr des Obersten Tomilows- ky als Kriegsfreiwillige eingestellt worden sind. Die beiden jungen Mädchen sind in Uniformen eingekleidet und auf ihren ausdrücklichen Wunsch nach der Front gesandt worden. Die unbrauchbaren Kosakenpserde. Die Kosakenpserde, die die feindlichen Kanonen beim Einzuge in Berlin gezogen hatten, sollten am Montag versteigert iverden. Da die Pferde aber kaum Liebhaber gesunden hätten, hatte man —< wohl auch aus anderen Gründen — die Versteigerung abgesetzt. Versuche, die Pferde für unsere Kavallerie in irgend einer Weise dienstbär zu machen, sind mißlungen, denn die Pferde sind sebr scheu und gehorchen auf keine Befehle. Dies rührt jeoenfalls daher, daß die Tiere besonders auf Schenkeldruck dressiert sind. In Ostpreußen sind in den letzten Tagen ganze Herden russischer Pferde gesammelt worden, die nomadisierend sich in den Wäldern herumtreiben. Wie man uns schreibt, herrschen auf den Schlachtfeldern an den masurischen Seen trostlose Zustände, nicht nur Haufen ge fallener Tiere, sondern auch Berge russischer Toter werden in den Wäldern und Sümpfen noch jetzt gefunden. Es wird dafür gesorgt, daß zur Verhütung von Seuchen sofortige Bestattung erfolgt. Der Abtransport der ge fangenen Russen geht nur langsam vorwärts, zum Transport sind Ersatztrnppen befohlen, um nicht die Feld- trnppen zu schwächen. Um die große Zahl der russischen Bentepferdc los zu sein, werden sie, da ihre Verpflegung Schwierigkeiten macht, den oft Preußischen Bauern geschenkt, damit sie ihre Bestände ergänzen können. Vielfach machen die Tiere aber einen erbärmlichen Eindruck und sind zu schweren Arbeiten nicht geeignet. Ter Bormarsch in Russisch-Polen. Wien, 8. Sept. (WDB. Nichtamtsiäh.) Polnische Blätter schildern die -außerordentlichen Schwierigkeiten des Vormarsches der österreichischen Truppen in Rnssisch- Polen infolge großer Geländeschwierigkeiten, welche namentlich das Vorgehen der Artillerie außerordentlich erschwerten, Jedes Geschütz mußte statt mit vier mit zehn Pferden bespannt werden, und dabei mußten Bretter unter die Räder gelegt werden, um das Versinken der Geschütze zu verhindern. Die russische Infanterie schießt hinter starken, längst vorbereiteten, durch Lehm und Strohblenden geschützten Deckungen, welche nur dürch Artillerie- euer zerstört werden können. Die als Landsturm ein- bernfene Bauernschaft hat im Rücken der Russen derartige Schanzgräben zu bauen, daß die zurückgehenden Feinde fortgesetzt Deckung finden. Skus diesen schießen die Russen, solange sie selbst geschützt sind. Nach dem Eingreifen der Artillerie oder bei Sturmangriffen verlassen die Russen häufig ihre Deckungen, werfen ihre Gewehre weg und erflehen Pardon, worauf sich zeigt, daß die Munition meist verschossen ist. Tic polnischen Legionen. Wien, 8, Sept. (WTB. Nichtamtlich.) Unter zahlreicher Beteiligung von Würdenträgern fand gestern nachmittag unter patriotischen Kundgebungen des Publikums die Verabschiedung und der Abmarsch der ersten Kompagnie polnischer Legionäre statt. Der Obmann des Polenkomitees, das Herrenhausmitglied Zgorski, hielt eine An- prache, die mit einer» dreimaligen Kaiserhoch schloß. An den Kaiser wurde ein Hnldigungstelegramm abgeschickt. Auf dem Wege znch Bahnhof zogen die Legionäre v-ör das' Kriegß- ministerium. Auf dem Bahnhofe verabschiedete der Vizepräsident des Roten Kreuzes, Baron Beck, die Legionäre, welche bewiesen, daß der Kamps, den die Monarchie undj ihre Bundesgenossen ausgenommen haben, um eine gerechte Sache geführt wird. Die Abfahrt erfolgte unter dem Absingen der Kaiserhymne und nationaler Lieder. Rußlands Luftflotte. Don Rußlands Luftflotte hat man bisher im Kriege noch nichts gehört; trotzdem ist sie vorhanden, wenn auch reilich in einem Zustande, der uns keine großen Besorgnisse einzuflößen braucht. Fm neuesten Heft der Cottaschen Monatsschrift „Der Greif" macht Georg Schultze-Bahlke nähere Mitteilungen über das Militärflugwesen Rußlands. Das russische Heer verfügt über zahlreich« Doppeldecker der ver- chiedensten Art, dock, hat man von Erfolgen russischer Flieger, außer denen Sikorskys und des seinerzeit in Deutschland tätigen Abramowitsch, nichts gehört, Auch über die Tätigkeit der Luftschiffe ist wenig bekannt geworden, und doch besitzt Rußland mit den Anfang dieses Jahres sich im Bau besindlichen 17 Luftschiffe, Als kriegst» rauchbar sind aber von ihnen nur die beiden ans Deutschland bezogenen Parseval-Luftschiffe zu bezeichnen, während- die übrigen aus Frankreich bezogenen oder in Rußland selbst erbauten Luftschiffe mit ihren geringen Geschwindigkeiten den Ansprüchen eines modernen Krieges nicht genügen. Die russische Marine verfügt über kein Lussschiff: auch das Marine-Flugwesen war in Rußland! bis 1913 sehr zurückgeblieben: doch ist die Zahl der Marineflieger seit 1913 erheblich Vermehrt und neben der Station in Petersburg iroch ein Flugstützpunkt in Libau geschaffen worden. Anfang 1914 er- warb die russische Marine das Sikorskysche tßroßstugzeug ,Jl ja Mnromez", und der Bau weiterer Flugzeuge dies es Systems, von dem man sich viel verspricht, ist in Angriff genommen. Ueber das große russische Reich sind mehr alz 20 Lnftschrsfhallen verteilt. RcichstagSabgeordnctcr Tr. Frank t. Wie wir gestern schon berichteten, ist der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Dr, Frank-Mannheim, der, ungedient, mit 40 Jahren sich als Kriegsfreiwilliger gemeldet hatte und nach kurzer Ausbildung ins Feld gezogen war, im Kampfe gefallen. Nicht nur die Sozialdemokratie betrauert diesen hochbegabten Mann, dessen wackerer und" mutiger Entschluß bewiesen hat, daß man die deutschen Sozialdemokraten ebenfalls als treue Volksgenossen ansprechen! darf. Erfreulicherweise werden die bürgerlichen Parteien, wenn sie demnächst an neue Vorbereitungen im Reichstag herantreten, nicht mehr vergessen, die Sozialdemokraten mit heranzuziehen, wie es versehentlich in der ersten, auch von uns erwähnten Vorbesprechung geschehen ist. Durch das Eingreifen der Regierung ist der Mißgriff wieder gut gemacht worden. Daß Dr. Frank die persönliche Wertschätzung aller Deutschen verdient hat, beweist auch ein Brief, den er als Kriegsfreiwilliger an eine Freundin gerichtet hat und der in der „Franks. Ztg." zu lesen stand. Wr geben ihn hietz wieder: f. F Li |ti i Ob auch die Mutter weint. Daß ich das Ding Hab' fangen an. Ich hab's gewagt. Am dem Reiche. Die nächsten Arbeiten des Reichstags. Aus varlamew- tarischen Kreisen schreibt mian uns: Soweit es sich bis jetzt! übersehen läßt, dürfte der Reichstag im November bestimmst zusammentreten, um einige neue Kriegsvorlageu der, Regierung zu verabschieden, darunter Maßnahmen zur Verstärkung der Flotte. Ob eine kurze Haushaltsberatnng noch in diesem Jahre erfolgen kann, läßt sich bis jetzt nicht üb ersehen. Am praktischsten wäre die Einbringung rrndBerabschie« düng eines Notvoranschlags und nach Friedensschluß die Beratung des ordentlichen Voranschlags. Es ist jetzt sehr schwierig, die Anforderungen für das Jahr 1915/16 zu übersehen, zumal viele Mittel aus dem laufenden Voranschlag nicht zur Verwendung kommen und auf der anderen Seite Vor- anschlagsüberschrcitnngen notwendig werden. Für den Fall, daß ein Winterfeldzug uns erspart bliebe, wäre der Reichstag in der Lage, zu Beginn des nächsten Jahres seine Arbeiten ordnungsmäßig aufzunehmen. (DDP.) Berlin, 9. Sept. Die Nationalliberalc Partei veröfsentlicht eine Erklärung über die Vorbesprechung bürgerlicher Parteien betr. Ausbau der Flotte. Es heißt darin, daß bei der nationalkibcralen Fraktion nicht die Absicht besteht, irgendeine Partei bei einer so wichtigen, die Wehrkraft unseres Vaterlandes betreffenden Frage von der Mitwirkung ans- znschließen. (Nationalztg.) Stuttgarts. Sept. (WTB.) Die Veranlagung zum Wehrbeitrag in Württemberg ist nunmehr im wesentlichen beendet. Das Gesamtauskommen an Wehrbeitrag in Württemberg beträgt laut dem „Staatsanzeiger" nach den Wehrbeitragslisten rund 33 Millionen. Karlsruhe, 8, September. (Nichtamtlich.) Wie der „Staatsanzeiger" mitteilt, ist die Reichstagsersatzwahl im 12. badischen Wahlkreis für den zum Vorsitzenden des Vorstands der Landesversicherungsanstalt Baden in. Karlsruhe ernannten bisherigen Vertreters, Geh. Rcgie- rungsrals Anton Beck in Lahr auf Dienstag den 27.Okto-- ber festgesetzt. Mannheim, 23. August 1914, Liebe Freundin! Meinen steten Sormtag Mittag verbringe ich am Schreibtisch in meiner Wohnung. Ich bin in der Kaserne einguartiert und schlafe mit dem harten Feldbett wie mein Stammvater Jakob „zu Dänpten den Stem"' traumlos von 10 bis 5 und manchen Morgen auch bis 4 Uhr: der Trompeter weckt mich, Tie Strapazen der Felddicnstübung und des Marsches ertrage ich mühelos. Ich bin froh darüber: das Blut für das Vater- land stießen zu lassen ist nicht schwer und umgeben von Romantik und Heldentum. Ein viel größeres Opfer ist es, täglich den Schweiß unter dem Druck des Tornisters zu vergießen und stündlich auf tausend Selbstverständliä)keiten von Reinlichkeit und Bcguemlich- kcit zu verzichten, an die mau setzt wie an ein wett zurückliegendes schönes Land denkt. Aber der Körper ist wirklich der ltüecht der Seele. Der feste Borsatz, sich erirzuordnen und auch in kleinen und kleinlichen Pflichten das große Ziel nicht aus dem Bewußtsein, - zu verlieren, hilft über alle Hemmnisse hinweg. Wann wtt hier abmarschieren tveiß ich noch nicht. Wir warten tägluh ans den Ruf vom Regiment Nr. 110, das die letzten Kämpf« bei Mülhausen und Metz mitgemacht hat, und dessen Lücku wir anssttllen sollen. Ich stehe in der Front wie jeder andere. Ich werde von allen (Mannschaften wie Ösfiziercnl, mit größter Rücksicht (protzlg ansgedrückt: Ehrerbietung!) behandelt. Aber ich weiß nicht, ob auch die französischen Kugeln meine varlamentarischc Jmmnnttät achten. Ich habe den sehnlichen Wunsch, den Krieg zu überleben und dann am Jnnenban des Reichs mitzuschasien. Aber ,etzt ist für mich der einzig mögliche Platz in derLnrie in Reih und Glied, und ich gehe wie alle anderen freudig und siegessicher, Ter Gedanke out meine Eltern ist schmerzlich, sie wissen, wie sehr ich an ihnen hä,ig>e. Aber ich läbc schon mehr als einmal in entscheidenden Augen- blicken meines Lebens ihnen wehtun müssen, und ich kam, es nicht bereuen. Als ich vor elf Jähren mich ösfcntlich zur sozialdemokratischen Partei bekannte und damit manche Brücken hinter mir abbrach, zerstörte ich sicherlich manche Hoffnungen Meiner guten, braven Eltern, — aber ich Mußte mir mein eigenes Leben zimmern, und jetzt geht eS ja um mehr! Nicht um di« bürgerliche Existenz, sondern vielleicht um das Leben, Das Huttenlied wird die Jahrhunderte hindurch immer wieder erlebt: ilft I!« ri Tie unerschöpfliche Güte und Liebe der beiden wird ihnen nicht mir über dies innere Hemmnis himveghelfen. Jetzt also — tzhüt Di Gott! Ihr treu ergebener Ludwig Frank. Die Feldadresse folgt, sobald ich sie kenne, Mannheim, 8. Sept. Ueber die näheren Umstände, die zum Tod des Führers der badischen Sozialdemokratie,. Dr. Frank, geführt haben, wird der „Vollsstimmc" in Mannheim von zwei Augenzeugen berichtet: 2km 31. Aug. rückte Dr. Frank mit seinem Ersatzbataillon ins Feld. Am 3. traf er an der lothringischen Grenze im Biwak ein. Am 4. kani das Regiment, dem Dr. Frank als Flügelmann der ersten Kompagnie angehörte, ins Gefecht. Nach einen: zweistündigen Schießen kam der Befehl zum Sturmangriff auf die feindlichen Stellungen. Dr. Frank eilte seiner Kompagnie einige Schritte voraus und erhielt einen Schuß in die linke Schläfe, Eineinhalb Tage war es nicht möglich, die Leiche aus der Schußlinie zu bringen, erst am Sonntags gelang dies zwei Landwehrleuten. — Dr. Frank wurde unter den üblichen militärischen Ehren bei Baccarat in der Nähe von Luneville beerdigt. Nc m k I ! hi i p I a 3 li a a iit 2, 3* v a 2 0 a 'T U ’ '■> 3 o S ■ s r» b L f- it 1 Xn* Stavt uns Cattt. Gießen. 9. September 1914. Auf dem Felde der Ehre gefallen. (AuS Lessen und den Nachbargebietcn.l Einj.-Freiw. Unteroff. Lehrer Otto Becker. Jnf.-Rgt. 87, Muschenheim. — St. der fiartbro. und Oberlehrer Heinrich aas, Landw.-Rgt. 80, aus Gießen. — Haupttnann d. L. ammerdirektor D e r n in Assenheim. — Gefr. Ludw. Richter Rieder-Weisel. — Reservist Alois Scherbe, Jnf.-Rgt. 116, Pfungstadt. — Ofsizierstellvertreter u. Lehrer Friedrich Falk Jarmftabt. — Lt. d. Res. u. Architekt Will!, Andreß in rnftabt. — Lt. d. Landw. u. Dr.-Jng. Adolf Schmoll, Jägerbat. Rr. 8, aus Darmstadt. —Lt. u. Dat.-Adjut. Günther i teig er in Worms. — Lt. Fritz Adolph, Jnf.-Rgt. 81, Metz. — Adolf Stieglitz in Wiesbaden. — Reservist Alb. icht, Jnf.-Rgt. 116, aus Gleiberg. — Cand. mcd. Wilh. t t c l m a n n aus Mainz. — Brzeseldwcbel d. R. u. Lehr- treferendar Karl Egger aus Mainz. — Lt. d. Landw. Emil l l e r aus Mainz. — Hauptm. u. Komp.-CHes Ludw. Peters 't. Wilh. R erg er, Pionier-Bat. 21, in Mainz. ■— Lt. d. u. Oberlehrer Heinrich Kühner, Jnf.-Rgt. 117, in Mainz. ?t. Karl Ritter, Jnf.-Rgt. 87, aus Gonsenheim. — Lt. d. u. Regierungsbaumeister Jakobus Schwarz in Mainz. — i>. Res. u. Polizeiamtmann Fritz Stumpf, Feld-Art.-Rgt. Nainz. — Hauptm. u. Rechtsanwalt Rich. Osius, Füs.-> 80 in Hanau. — Lt. Hans Krumm in Mainz. — Lt. Rocholl, Jnf.-Rgt. 99, aus Hochstadt. — Hauptm. d. ,n>. Kleim, Jnf.-Rgt. 81, Hauptm. d. Res. Kappeller .4. bayer. Jnf.-Rgt. aus Hanau. — Lt. d. Res. Hosjuwelicr . Jürgens in Hanau. — Reservist Johannes Wilhelm r p t in Rieder-Rodenbach. — Unteroff. d. Res. Waldemar lle-Wolfgruber in Biedenkopf. — Lt. d. Res. und Ka- rlandmesser Heinr. Rumps in Marburg. — Lt. d. Res. u. -Ass. Ewald von Massow in Wiesbaden. — Res. Heinrich p e l in Schicrstein. — Lt. d. Landw. u. Oberlehrer Dr. Hch. arss in Wiesbaden. — Oberlt. d. Res. u. Direktor d. städt. Gymnasiums Pros. Dr. Fritz Walther in Wiesbaden. — mal von Schmidt-Pauli in Wiesbaden — Vizefeldw. d. Jos. M o u f a n g in Offenbach. — Vizefeldw. Hermann , in in Bad Homburg. — Musk. Fritz Schreiber in Offen- — Einj.-Freiw. Arthur Senfe II., Jnf.-Rgt. 168, in nbach. — Drag. Gg. Geipert, Drag.-Rgt. 23, aus Biebes- . — Lt. Max Scheyrer, Jnf.-Rgt.87, aus Darmstadt. ** Der Groß Herzog und die Feldpost. Dem :f eines Angehörigen des 117. Regimeirts entnehmen wir, unser Großherzog die von seinem Adjutanten in einem be cingesammelten, in die Heimat gerichteten Briefe Postkarten der Soldaten in seinem Auto mitnahm. ** Ausfuhr von Kohlen und Beförderung i Düngemitteln. Der Ausfuhr von Kohlen und ks nach Oesterreich-Ungarn, den Niederlanden, Schwe- Dänemark und Schweiz stehen keine Bedenken mehr ;egen. — Svweit es die militärischen Interessen zulassen, alle Transporte von künstli ch en Düngemitteln irzugt zu befördern. ** Das Ehrenzeich en für Mitglieder frei- liger Feuerwehren wurde verliehen an Franz ab zu Weisenau, ** Zur Frage des Kreditgebens hat der Kgl. atz. Minister für Handel und Gewerbe den nachstehenden iß herausgegeben. Das Großh. RMinisterium des Innern ihn der Handwerkskammer zur Kenntnisnahme .weicht. Der Erlaß hat nachfolgenden Wortlaut, Aus vielfachen Beschwerden habe ich ersehen, daß zahlreich« ewerbetreibende ihren Abnehmern mügeteilt haben, sie könnten zt Lieferungen nur noch gegen Barzahlung ausführen, ie Forderung der Barzahlung im Verkehr zwischen KaufleMen nn imter Umständen durch den Zwang der Verhältnisse gerecht- ctigt sein, sie kann aber nicht plötzlich zum allgemeinen ge- läftlichen Grundsatz erhoben werden, wenn nicht das gesamte irtschastsleben gefährdet werden soll. Die nachdrückliche Mah- ing, die der deutsche Handelstag an seine Mitglieder gerichtet it, weist mit Recht darauf hin, daß, wer durch sein unnötig gvroses Verhalten die Interessen der Allgemeinheit verletzt, efahr läuft, daß ihm selbst von den Banken, insbesondere der eichsbank, der Kredit entzogen oder beschränkt wird. Im irigcn liegt es auf der Hand, daß ein solches Verhalten eines aufmonns auch sonst nicht unbeachtet bleiben kann. Ich erwarte, iß -Telegramme in kürzester Zeit durch Telegraph Telephon auch nach der entlegensten Postanstalt befördert, »nd iit wird einem wiederholt zum Ausdruck gebrachten Rachrichten- irinis der Bewolmer des flachen Landes in anerkenmmgswerter fe Rechnung getragen. ** Doppelte Ovferfreudigkeit. Von den aus der dt und dem Kreise Gießen, sowie aus den nahcgelcgenen preu- len Ortschaften ausgehobenen Ersatzreservisten, alles ge Leute im Alter von 23 bis 26 Jahren, die sich augenblickin der Nähe von Mainz zur Ausbildung für den Kriegsdienst nden, wurde eine Sammlung für das Rote Kreuz veranstaltet, der sich auch die Vorgesetzten dieser Rekruten betelligten. Die nmlung der etwa 300 jungen Vaterlandsverteidiger ergab einen rag von über 500 Mark, der nun ihren im Felde stehenden neraden zugute kommen wird. ** Auf zum Turnen! Der Turnverein von 1846, der während des Krieges seine Turnhalle als Lazarett zur Verfügung gestellt hat, Hali trotzdem seinen Türnbetrieb aufrecht. Die Turnstunden finden in der Turnhalle der Stadtknabenschule (Nord-Anlage) statt und zwar für Aktive und Zöglinge vorläufig Donnerstags von abends 8 Uhr und für Schüler Mittwochs von nachmittags 6 Uhr ab. Tausende von Turnern stehen mit im Felde, um mitzukämpfen für Deutschlands Größe und iMachtstellung in der Welt. Die Reihen auf dem Turnplatz haben sich somit gelichtet. Da ist es für uns Zurückgebliebene Pflicht, das junge Menschengeschlecht zu wahrhaft deutschen und an Geist und Körper gestählten Männern heranzubilden. Das Turnen ist längst zu etwas Selbstverständlichem geworden, und es ergeht daher an die Eltern die Bitte, ihre Söhne wieder zum regelmäßigen Turnen anzuhalten. Landkreis Gießen. § Rüddingshausen, 8. Sept. Der Kriegerverein sammelte für das Rote Kreuz in hiesiger Gemeinde. Die Sammlung ergab 570 Mk. In den nächsten Tagen findet eine weitere Sammlung von Leinen, Socken, Hemden usw. statt. Kreis Büdingen. § Ranstadt, 8. Sevt. Heule nacht bramlle hier der oberste Stock eines Wohnhauses nieder. I» den Trüininern fand man noch Ueberreste einer älteren Frau, welche mit- verbramit ist. Kreis Schotten. R. Babenhausen, 8. Sept. Auch hier hat der Krieg schon O v s e r gefordert Drei junge Leute, darumer ein verheirateter Mau», staibeu am 22. August den Tod fürs Vaterland. Alle drei standen im Ziifautericregiment Rr. 115. Kreis Friedberg. a. Wölfersheim-Södel, 8. Sept. Der Aufforderung des Vorstandes des Deutschen Flottcnvereins entsprechend veranstaltete die Ortsgruppe Wölfersheim-Södel für die Verwundeten unserer Marine eine Sammlung, die 189 Mk. ergab. Schon vorher hatte die Ortsgruppe 50 Mk. zu gleichem Zwecke aus ihrer Kasse bewilligt, während sie weitere 50 Mk. dem Roten Kreuz übermittelte. Quittung. Für die Verwundeten unserer Marine ginge» weiter ein von: Schneider und Jäger, Lehrer, Lich, 10 Mk., Tr. Liebe und Frau, Waldbot Elgershausen, 12 Mk., Fr. B. 10 All., E. M. 3 Mk., M. L. 5 Mk., Geh. Medizinalrat Pros. Dr. Sommer 50 Mk., Cteuernusscher i. R. Hlllert 10 Mk., Frl. Kt. 5 Mk., Haupt- lehrcr Knauß 10 Mk, Tr. I. 20 Mk., LandgerlchlSrat Reucnhagen 10 Mk., B. M. 10 Mk., Obcramlsrichter Steiubcrger, Hungen, 10 Mk., Landgerichtsrat Wiener 5 Mk . Else Bender 5 Mk., zusammen 175 Mk.; int ganzen mit den srüheren Spenden von 1045 Mk.: 1220 Mark. — Den gütigen Gebern herzlichen Tank. Pros. V ö l z i n g. Amtlicher Wetterbericht. Oesfentlicher Wetterdienst, Gießen. Wetleraussichten in Hessen am Donnerstag, den 10. Sept. 1014: Wolkig, vereinzelte Regenlällc, südwestliche Winde. Letzte Nachrichten. Die Kriegsanleihe. WTB. Berlin, 9. Sept. (Nichtamtlich.) Me den Morgenblättern von zuständiger Seite mttgcteilt wird, steht die Veröffentlichung der Bekanntmachung des Reichsbankdirektoriums betreffend die Auflegung der ersten Kriegsanleihe bevor. Am 19. September werden demnach ein« Milliarde 5prpzentiaer Reichsschatzanweisungen und eine bprozentige Reichsanleihe zur öffentlichen Zeichnung aufgelegt werden. Die Schatzanweisnngen haben durchschnittlich eine fünfjährige Laufest, sie sind in die fünf Abschnitte von je 200 Millionen Märk eingeteili und werden in der Zeit vom 1. Oktober 1918 bis zum 1. Oktober 1920 halbjährlich zur Tilgung ausgelost und in bar zum Nennwerte ausgezahtt. Der Höchstbetrag der Reichsanleihe ist unbegrenzt, doch besteht die Absicht, nur einen Teil des bewilligten Kredits flüssig zu machen. Kurse und Verzinsung sind ungemein günstig. Unsere 4prozentigen Reichsschatzanweisungen wurden beim Ausbruch der politischen Unruhen mit 100.50 und 100.40 Proz. notiert und waren am letzten Dörsentage nur bis 99.25 und 99.50 Proz. gewichen. Heute werden dem Publikum 5prozentige Schatzanweisungen zu 97.50 Proz. geboten; auch der Kurs der Reichsanleihe beträgt nur 97Rz Proz. Der Kaiser an den König von Sachsen. (WTB.) Dresden, 8. Sept. (Nichtamtlich.) Die „Sächsische Staatsztg." meldet: Der Kaiser hat an den König am 7. September folgendes Telegramm gerichtet: Ich telegraphierte heute dem Generalobersten v. Hausen folgendes: Seit dem Beginn des Krieges erreichte die dritte Armee durch anstrengende Märsche, durch vieltägige, verlustreiäie und 'noch andauernde Kämpfe mit den feindlichen Truppen und den verräterischen Landeseinwohnern große Erfolge, und hat es allen anderen Armeen an Ansdauer und Tapferleit gleichgetan. Es ist mir ein Herzensbedürfnis, Ihnen und Ihren braven Truppen meine höchste Anerkennung und meinen kaiserlichen Dank auszusprechen. Ich ersuche Sie, dieses Ihrer Armee bekannt zu geben. Es gereicht mir zur besonderen Freude, Dir dieses mitzuteilen. Wilhelm. Auszeichnung des Prinzen Eitel Friedrich von Preußen. Oldenburg, 8. Sept. (Nichtamtlich.) Prinz Eitel Friedrich von Preußen, der Schwiegersohn des Großherzogs von Oldenburg, hat das Eiserne Kreuz erster Klasse erhalten, weil er besondere Tapferkeit bewiesen hat im Ansturm mit seinen: Regiment gegen feindliche Artillerie. Ein Tagesbefehl des französischen Generalissimus. (WTB.) Paris, 9. Sept. (Nichtamtlich.) Amtlich wird gemeldet, daß der französische Generalissimus an die Truppen folgenden Tagesbefehl erlassen hat: Es ist jetzt nicht mehr der Augenblick, rückwärts zu schauen, sondern einzugreisen, den Feind zurückzudrängen, um das gewonnene Terrain zu behaupten, koste es was es wolle! Ein Spion erschossen. (WTB.) O stende, 9. Sept. Das Kriegsgericht hat den am 4. August verhafteten Spion Ehrhardt zum Tode verurteilt. Er wurde erschossen. Japanische Flieger über Tsingtau. (WTB.) T o k i o, 9. Sept. (Nichtamtlich.) Japanische Flieger haben Bomben auf Tsingtau geworfen. Ein Dank an die Stadt Mainz. M a i n z, 9. Sept. Der Gouverneur der Festung Mainz, General der Infanterie v. Kathen, hat folgendes Ab- schiedsschreiben an die Bürgermeisterei Mainz gerichtet: Durch Allerhöchste Kabinettsorder vom 6. d. Mts. bin ich zum Divisions-Kommandeur ernannt ivorden. Durch meine fast zweijährige Tätigkeit an der Spitze des Gouvernements Mainz und namentlich durch die große Zell bei dem Kriegsausbruch ^fühle ich mich mit den Behörden und der Einwohnerschaft des Fcstungs- bereichs Mainz eng verbunden. Tank der Heldentaten unseres Feldheeres werden nach menschlichem Ermessen der Festung Mainz die Leiden einer Belagerung erspart bleiben. Die unvermeidlichen Härten der Mobilmachung und des Kriegszustandes sind von der Bevölkerung mit patriotischer Opserfreudigkeit und werktätiger Fürsorge für die am schwersten betroffenen Teile der Bevölkerung getragen worden. Dafür spreche ich allen Betelligten, den Behörden im besonderen, stir ihr verständnisvolles Zusammenwirken mit dem Gouvernement meinen wärmsten Dank aus. Zu beschleunigter Ab-, reise zu dem Feldheere gezwungen, sage ich den Behörden und der Bürgerschaft des gesamten Befehlsbereichs ein herzliches Lebewohl. AuS Ostpreußen. Osterode (Ostpr.), 9. Sept. Baracken werden errichtet für Menschen und Vieh in den niedergebrannten Dörfern des Kreises Osterode und Neidenburg. Die Gefallenen sind nun alle bestattet; als Totengräber arbeiteten unter Bewachung die französischen Gefangenen. Die preußischen Gräber sind mit Blumen, Helmen und Waffen geschmückt. Die Hvhensteinstraße heißt jetzt Hin- denburg st raste, v. Hindenbnrg wurde zum Ehrenbürger der Stadt Osterode ernannt. Frankreich unö Holland. (WTB.) Rotterdam, 9. Sept. (Nichtamtlich^ Der von einem französischen Kreuzer ausgebrachte holländische Dampfer „Nieuwc Amsterdam" ist gesterir morgen hier eingetrosfen. Ein Teil seiner Ladung wurde in Brest als Kriegs- konterbande beschlagnahmt. Der Kapitän des Dampfers protestierte gegen diese Verletzung der Londoner Dellaration. Das französische Kabinett in Bordeaux. (WTB.) Paris, 8. Sept. (Nichtamtlich.) Im Ministerrat am 3. September in Bordeaux berichtete M i l l e r a n d über die milttävische Lage Dann wurde eine Reihe von Fragen beraten, besonders über die Lebensmittelzusuhr. Die Session der Kamme, ist geschlossen. Viviani weist in einem diesbezüglichen Brief an den Präsidenten der Kammer daraus hin, daß zahlreiche Abgeordnete im Felde stehen, und daßllne Nöte, die Frankreich drückten und die sich täglich häuften, der Kammer die Möglichkeit des Zusammentrittes nähmen. Ferner sei Frankreich durch höhere Gewalt und die Ereignisse gezwungen gewesen, den Sitz der Regierung zu verlegen, um den Widerstand des Landes zu verstärken und auszudehnen. Eine Schlacht vor Paris? Berlin, 9. Sept. Nach einer Rotterdamer Meldung des „Berliner Tageblattes" wogt gegenwärtig vor Paris eine allgemeine Schlacht. Die Mitteilung besagt weiter, daß der französische linke Flügel mit dem deutschen rechten Flügel Fühlung genomincn habe; die englischen Truppen hätten sich beim Angriff ans die deutschen Armeen beteiligt. Nach dem „Messagers" sei die große Schlacht südöstlich von Paris im Gange: aus dieser Richtung vernehme, man in der Stadt den Geschützdonner. Nach dem „Lokalanzeiger" rechnen die Pariser Blätter noch immer mit einer Vernichtung des deutschen Heeres unter den Mauern von Paris. Im „Petit Parisien" werde gesagt: Wann werden die Russen Berlin erreichen? Wenn es wirklich zur Pariser Belagerung kommen sollte, so werde diese Lvidenszeit nur von nirzer Dauer sein. Die Russen seien wie die Teufel hinter den Deutschen her und die Deutschen müßten rasch Kehrt machen, um die Russen zurückzuschlagen, die ihnen ins Land gedrungen sind. Im „Petit Journal" findet sich folgender Ausruf: Das Deutsche Reich muß verschwinoenck Wir werden den Frieden in Berlin schließen. Wir werden Europa von den Preußen befreien! Der Untergang des englischen Kreuzers „Pathfinder". (WTB.) London, 8. Sept. (Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Der Kapitän und 50 bis 60 Mann von dem Kreuzer „Pathfinder" sollen gerettet worden sein. Der Papst und der Gewerkschastsstreit. (WTB.) Köln, 8. Sept. (Nichtamtlich.) Der römische Berichterstatter der „Kölnischen Volkszeitung" ergänzt seine Meldung über dieWortedesPapstes, daß hoffentlich nunmehr der unselige Streit zwischen der Berliner und Kölner Richtung beendet sei, durch einen Ausspruch des Papstes gelegentlich einer Audienz einer oberitalienischcn Priestergruppe. Danach habe der Papst gesagt: Ich will nichts mehr von Jntegralismus und Eptskopalismus sprechen hören. Ich wlll die Vereinigung aller Katholiken. Bekanntmachung. » r.: Konkurs über das Vermögen des Weißbindermeisters Philipp Horn in Gießen. ' An Stelle des seitherigen Konkursverwalters, IhtSanwalt Raab in Gießen, wird Kaufmann I t h o f f in Gießen zum Konkursverwalter ernannt. > Gießen, den 4. September 1914. 9652R I _Großherzogliches Amtsgericht. 1 Bekanntmachung. Aus dem Jubiläumsfonds der Bezirksspar- ?e Grünberg sollen bedürftige Angehörige zum Kriegsdienst Eingezogenen aus dem Sparenbezirk unterstützt werden. Es werden daher ■ diejenigen, welche glauben, auf Unterstützung spruch machen zu können, aufgefordert, ihre suche bei der Bürgermeisterei ihres Wohnortes zubringen. An die Großh. Bürgermeistereien Bezirks richten wir das Ersuchen, uns über Unterstützungs-Anmeldungen baldigst Mitteilung sehen zu lassen. Grünberg, den 2. September 1914. Bezirkssparkasse Grünberg. Sehrt, Direktor. 960110 SBttfüiii eines Mnndigen Allen. Die Gemeinde Lppcnrod beabsichtigt, einen Bullen zum Schlachten aus dem Wege schriftlichen Angebots zu verkaufen. Offerten, nicht aus Gewicht ausgedrückl, sind bis zum Freitag, den 11. l. M., nachmittags 1 Uhr, bei Großh. Bürgermeisterei Oppenrod einzureichcn, wo die Oeffnung der Gebote stattstndet. Für Mängel jeglicher Art wird keine Gewährleistung übernommen. Weitere Bedingungen werden auf der Bürgermeisterei bekannt gegeben. Oppenrod, am 7. September 1914. Großh. Bürgermeisterei Oppenrod. Baiser. 9615 Westfälisches Brot frisch eingetroffen [9665 Reform lians, Kronznlalf, 5. Kartoffeln prima gesunde Ware, »er Zentner Mk. 3.50. Bei möfs. Quant, frei Haus. Sonncnstr. 6, Telephon 88. Um zu sparen werden viele Frauen sich jetzt in der Selbstvcrscriigung d. Kleider beiätigcn wollen. Sie können cs, wenn sie fürs Schneidern das so beliebte Favorit-Modenalbum nur 60 Big., u. d. Favoril- Schnitic benutzen. 19662a Erhältlich bei: A. Salomon & Cie. _ Schnlitraße. _ üagut Reform Hundekuchen in runder Form, sowie Geflügel-Futter was sich seit 10 Jahren zur Erzielung vieler Eier, sogar ohne freien Auslauf. Herbst u. 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J. fiel im Kampfe fürs Vaterland mein einziger Sohn Wilhelm Feiler Hauptmann und Kompagnieführer im 4. Bad, Inf.-Rgt. Nr. 112. Braunfels, den 8. September 1914 Todes-Anzeige. Am 28. August starb in Feindesland den Heldentod fürs Vaterland unser innigstgeliebter ältester Sohn und Bruder Gustav Adolf Barth Offizier-Stellvertreter im Res.-Inf.-Regiment Nr. 116 Pfarrassistent zu Lollar. In tiefem Schmerz: Pfarrer Barth und Familie. Grossen-Buseck, den 7. September 1914, Habe mich als Spezialarzt Ir Hanl- unii Harnleiden niedergelassen. Sprechstunden täglich von 9—1 Uhr in meiner Wohnung Frledrlchstrafie 13. Dr. med. Hans L. Heusner seither Ob erarzt der Dermatol o gischen Klinik der Universität. Mn I Herbft-Pferdemarkt zu Gieße, Die Vertretung von Zahnarzt Reinewald Süd-Anlage 18 hat bis auf weiteres Zahnarzt Haubach Bahnhofstraße Nr. 65 A. 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September 1914, vormittags 19 Nhr, an den Unterzeichneten einzureichen. Die Eröffnung der Angebote erfolgt zum gleichen Termin in Gegenwart etwa erschienener Bewerber. Zuschlagsfrist 14 Tage. Freie Wahl unter den Bewerbern bleibt Vorbehalten. Gießen, den 4. September 1914. Der Großh. Kreisbauinspektor. Hechler. 9651D Äcfaiusig! Am Mittwoch, den 16. September 1014, vornil,. tags von 7 Uhr ab, findet ans den städtischen Mark , anlaaen an der Rodbeimer Strafte Pserdemarkt hott. Der Austrieb von Pserden aus Sperrbezirken ist unzuläss,» Bezüglich der in der Nabe des Marktplatzes bandenen Stallungen erteilt Herr Lobnkntscher Hut» Auskunft. Mil dem Pserdemarkt ist eine Prämiierung des beste» Pserdematerials verbunden, wofür reichtiche Mittel Beriüauna stehen, darunter 250 Mk. aus Mitteln bn Hessischen Lanbek-Pserbezuchlvereins. Der Prämiierun-i. plan ist von Herrn Weinbändler August Schwan j» tOieften erhältlich. Die Preisverteilung erfolgt nach $»; endiaung der Prämiieruna. Die sür den Herbst-Pserdemarkt vorgesehene Per. loiiing ist mit Genehmigung Grofth. Ministeriums der Innern mit Rücksicht aus die eingetretene Mobilmachu». bis auf Weiteres zurückgestellt worden. fiMW Gieften, 4. September 1914. Die städtische Pserdemarkt-Deputatton Grünewald, _ Beigeordneter. _ Gewerkschaft GießenerBraunfteinbergwerkk Morgen Donnerstag und Freitag von 8 Uhr an verkaufe ich im Garten des „Hotel Feiseukeller", Bahn hosftrafte einen S&iflp ft| 3 nt irische Zioeischen zu billigen Preisen. 06524 Gutenbergstraße 141 hoch!. Herrschafts-Wohnung. 8 Zimmer nebst Wintergart., Bad, Zentral-Helzung, Gas und elektr. Licht »»d allem Zubehör au, i. Oktober zu verm. vkäberes daselbst. Olt-Anlage 13, Ecke Land- grasensirafte. Beletage, st Bai 5 Zimmer nebst Badezimmer, sowie 2 Mansarbenzinimer und Bodenkammer v. 1. Okt. zu verm. Näh. Pari. [8043 Wet!lar.WegI711I., neneio über des Bnbnboss. schöne 5°Zim. Wvbn.. Balkon nsw. »er Oktober zu vcrin. Näb. Eim. Friedrichftr. II 1. 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Reh aus Alsfeld stattgefundencii Auslosung unserer I stelligcn 4v/,ig^ Teilschnldverschreibungen sind folgende 129 Nummern gezogen worden: 27 29 39 44 61 144 171 324 349 365 42z 437 459 469 525 533 563 571 587 633 646 707 715 728 736 753 754 755 760 800 809 839 886 906 923 928 937 947 988 993 1012 1034 1039 1045 1066 1076 1137 1153 1174 1175 1219 1241 1250 1277 1453 1473 1541 1562 1613 1614 1665 1692 1717 1731 1771 1782 1821 1833 1882 1898 1899 2049 2052 2058 2080 2130 2166 2208 2253 2264 2283 2299 2358 2361 2381 2382 2464 2466 2499 2503 2537 2583 2606 2625 2675 2696 2715 2762 2770 2787 2844 2848 2852 2892 2897 2916 2950 2957 3015 3026 3027 3044 3048 3126 3161 3183 3189 3237 3243 3257 3261 3265 3282 3294 3310 3362 3374 3378 3413 Von unseren Il stelligen 4>/2°/gigen Teilschuldverschreibungen sind folgende 104 Nummern gt. zogen worden: 3502 3518 3527 3570 3591 3635 3663 3674 3705 3719 3732 3769 3783 3800 3805 3808 3910 3927 3934 3943 3950 3973 3987 4006 4027 4033 4052 4054 4107 4115 4160 4163 4166 4176 4204 4217 4226 4233 4244 4256 4274 4279 4302 4311 4322 4347 4351 4432 4464 4536 4567 4577 4668 4711 4722 4737 4759 4764 4780 4801 4809 4831 4845 4855 4861 4869 4870 4878 4884 4896 4924 4943 4969 4977 4989 5013 5014 5018 5021 5085 5088 5121 5163 5187 5191 5207 5236 5246 5267 5274 5292 5306 5316 5347 5351 5384 5393 5401 5403 5424 5439 5450 5475 5498. Ferner sind ausgelost, aber noch nicht cingelöj! von Anleihe II die Nummern 3778 3781 3782 3786 4383 4822 4825 4866 Per 2. Januar 1914. Die Auszahlung der ausgclosten Teilschuldverschreibungen zuzüglich des Aufgeldes von 5°/, erfolgt vom 2. Januar 1915 ab mit Mk. ION bezw. 525 Mk. Pro Stück bei unserer Gewcrkschastskasse in Gießen, bei dem Bankhausc Jakob Grnncwald in Gießen, bei dem Bankhanse Sal. Oppenheim fr. & 60 .i# Köln. bei dem Bankhanse Louis David in Bonn. Gießen, den 1. September 1914. Der Grubenvorstand: Justizrat Grünewald, Rechlsanwalt, Vorsitzender. li- Sc s» Hfl tu £ t« 1 # Kn Sit -» te i Ul I «et m äh ;ete 9646 D L : w Neu bau Glaubrcchtstr. 9 2 neuzettl. eingcr. 4-Z»nmcr- Wobnvngen per soiort oder später z. vermieten. Näheres Buchuc rktr aftc 2JI. [6599 Wildrluistraftc 6 I schöne 4 Zimmer Wohnung, mit Zubehör v. sos. oder später zu vermieten. Näh. Frank surtcr Strafte 29. [9059 Schöne 4-Zimmer-Wob» und Zubehör mit Garlcn- anteil per l. Okt. zu verm. Babuboststr. 29 I. 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