Jfc. 210 Zweites Blatt 164- Jahrgang thjdy ri ut Lgiich wiftüngno^me de? Sonntag?. Die „S«Hnler Zamjliendlätter" werden dem » An z erq er" Biermat wöchentlich beigelegt, das ^lreirblatt für den Urei? Kietzen" zweimal «icheatlich. Die „Landwirlschastlichen Zett- fragen" erscheinen monatlich zweimal. Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Gberhesien Dienstag, 8. September 1914 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts»Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul» straße 7. Expedition und Verlag: 51. 3lebaEtion;es@ii2. Tcl.-Adr.: AnzcigerÄietzcn. Uriegsbriese aus dem Westen. Von unserm Kriegsberichterstatter. ' fldcherechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.) Die schweren Kaliber im Feldzuge 1914. GroßesHauptquartier,2. Sept. 1911. Mit der ständig fortschreitenden Technik der Feuerwaffen haben sich das gesamte Kriegswesen und die Kriegsformen außerordentlich geändert. In jedem modernen Kriege wurde von neuem der nie crnfhörende Kampf zwischen Befestigung und Waffenwirkung entschieden, jedoch in keinem derselben in den letzten Jahrzehnten hat sich eine so eklatante lleber- legeuheit der Geschützwirkung herausgestellt, als wie es in dem großen Völkerringen 1914 der Fall ist. Wenn wir zunächst auf die Erfahrungen der Geschütz- Wirkung bei Panzcrdcckung zurückgrcisen, so sehen wir eine geradezu vernichtende llebcrlegenheit unserer schweren Kaliber selbst gegenüber den modernsten Panzerforts. Das Fort Loucin bei Lüttich war nach kurzer Beschießung durch ^--Zentimcter-Bclagerungsmörser ein Trümmerhaufen. Und selbst das bestgebautc Panzersort der Welt, das Fort f o> uouvillcrs, siel in überraschend kurzer Zeit der Vernichtung anheim. Neben der auf Durchschlagskraft berechneten Geschoßwirkung finden wir auch eine überraschend hohe Gas- wirkung Bereits aus dem russisch-japanischen Kriege berichtet der Kapitän Semenofs, der im Stabe des Admirals Rostjest- weutsky aie Seeschlacht bei Tsuschima mitmachte, von den ggtigen Dämpfen der Tfchimose-Granaten der Japaner, die den Aufenthalt in den Panzerständen zeitweilig unmöglich wachten. Auf dieser Erfahrung scheinen unsere Artilleristen weiter gebaut und die Gaswiriung in kluger Weise in den Kreis ihrer Berechnungen gezogen zu haben. Wie richtig diese Kalkulation war, beweist am deutlichsten das Fort Manon-- »ülers. Nachdem die Luftzuführungsschächte zertrümmert waren, füllten sich die Vorräume durch die Ausströmungen der einschlagenden Granaten mit deren Gasen und verpesteten die Lust derart, daß bei längerem Verweilen der Mannschaft der Erstickungstod drohte. Von der verheerenden Durchschlagskraft unserer schweren Kaliber erhielten wir einen Begriff im Fort Loucin, wo die Panzerdccke eines meiner Schätzung nach mindestens 25 Zentimeter starken Panzerturmcs an der Zusammen-- setzungsstelle durchschlagen war. Eine sehr interessante Wirkung der leichteren Kaliber unserer schweren Artillerie des Feldheeres sehen wir ferner im Fort Fläron, dem ersten Fort vor Lüttich, das genommen wurde. Dort haben unsere Geschosse mit großer Treffsicherheit denBodenumeinen Darrtertürm so zerwühlt, daß die Maschinerie zum Drehen bloßgelegt und der Deckel des Panzers aufgehoben uud verklemtnt wurde. Dieser Turm war daher bewegungsunfähig und konnte nur in einer Richtung feuern. Tie Erfahrung des Forts Flsaon sowie vor allem auch diejenigen in Longw», der ersten eroberten sranzösischen Festung, beweisen in klarster Form, daß reinen Erdwerken gegenüber die deutsche Artillerie eine ganz gewaltige Ueberlegenhcit besitzt und auch die Betonierung vielfach nicht der enormen Durchschlagskraft unserer Geschosse angepaßt waren. Während im Fort Flelron die sehr tief angelegten Kasematten weniger gelitten haben, bietet Longwy in dieser Beziehung ein Bild der Verwüstung. Dort haben Geschosse durch drei untereinander liegende Etagen hindurchgeschlagen, wobei wir nochutals ausdrücklich hervorheben möchten, daß diese hervorragende Wirkung nicht wie bei Fort Loucin mit 42 Zentimeter-Belagerungsmörsern, sondern mit den regulär in den Verband des Feldheeres eingcrcihten schweren Kalibern erzielt worden ist. Die Erdwcrkc selbst sind zum großen Teil abgedcckt, Hindernisse und Flankierungsanlagen zusammen-: geschossen sowie auch das Mauerwerk der Escarpe und Eon- treescarpc schwer beschädigt. Aber auch in der Taktik hat die schwere Artillerie des Feldheeres wesentliche Veränderungen vorgenommen. Während man früher gleichzeitig eine größere Anzahl Forts angriff und einen Abschnitt der Vertcidigungsfront einem förmlichen Angriff unterwarf, sucht man jetzt an einer Stelle zunächst eine Bresche in den Verteidigungsring zu brechen, um dann die ganze Verteidigungsfront aufzurollen. Aus diesem Grunde vereint man das Feuer des größten Teiles der schweren Batterien auf den Punkt, an dem man die Entscheidung herbeizuführen wünscht. Man deckt das Fort in kurzer Zeit mit einem derartigen Hagel von Geschossen zu, daß die Berteidigungsmittel außer Gefecht gesetzt sind. Ganz abgesehen von der materiellen Wirkung darf man auch die moralische Wirkung nicht unterschätzen, welche diese fürchterliche Beschießung aus die Insassen des Forts ausübt. In schärfster Weise wird selbst dem bravsten Verteidiger das gänzlich Hoffnungslose aller seiner jAn- strengungcn klar und er moralisch mürbe gemacht. Tritt dann noch wie im Fort Loucin, ein Glückszufall hinzu, daß ein Munitionsmagazitr in die Luft geht, so ist die Wirkung natürlich doppelt deprimierend. So ergab sich das dem Fort Loucin Nächstliegende und ihm an Verteidigungsmitteln vollkommen gleichwertige Fort Hollogne schon nach sehr kurzer Zeit. Die Besatzung hatte die Vernichtung des Forts Loucin mit angesehen, die erste Aufforderung zur Uebergabe lehnte der Kommandant ab. Hierauf begann unsere Feldartillerie durch Einschießen mit der genauen! Ermittelung der Entfernung. Sobald aber die ersten Treffer dieser leichten Geschütze im Fort saßen, zeigte dieses die weiße Flagge in der Besorgnis, daß! nun die fürchterlichen Geschosse der 42-Zentimeter-B«lageritngsmörser Nachfolgen und die Vernichtung des Forts besiegeln würden. Neu ist auch das Verfahren, die Entfernung, um die Rohre der schweren Kaliber zu schonen, durch kleinkalibrige Geschütze erschießen zu lassen. Außerordentlich günstig für die vorstehend geschilderte Taktik ist auch der Umstand, daß. die Schußweite und Treffsicherheit der großen Kaliber zu geradezu ungeahnter Höhe gebracht worden ist. Durch diese Eigenschaften werden die mit derartig schweren Geschützen naturgemäß sehr schwierigen und zeitraubenden Stellungswechsel vermieden. So wurden die Lütticher Forts zum großen Teile von derselben Stellung aus, die am anderen Ufer der Maas in etwa 10—12 Kilometer Entfernung lag, der Reihe nach-ztckrnrmen- geschosfen. Und auch, bei Longwy und N a , nu r hat man nach den gleichen .Gesichtspunkten gehandelt. Den Wert der schweren .Artillerie hat unter den Feldherren der letzten Jahrzehnte zuerst wieder der Marschall Nogi erkannt, der nach votleicheler Einnahme von PortArthnr den gesamten schweren BelagerungStraut zur Schlacht von Mulden heranführte und am Bahnhof von Mnkden, der Entscheidungsstelle, durch das vernichtende Feuer seiner schweren Kaliber den Durchbruch! erzwang. Jedenfalls möchten wir unser Gesanrturteil über die schwere Artillerie und ihre Benvendung dahin zusamnien- fasseu, daß Artilleristen wie Techniker in glänzendster Weise zusammengearbeitct haben, um sinen „durchschlagenden" Erfolg zu erzielen und daß keiner unserer Gegner uns auf diesem Gebiete auch nur annähernd Gleichwertiges entgegenstellen kann. W. Scheuermann, Kriegsberichterst. Bon unserem „Gerät". Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Wem: ein Kampfmittel des deutschen Heeres ein ganz besonderes Recht auf Volkstümlichkeit geltend machen kann, so sind es die trotz ihrer gewaltigen Größe versteckt gebliebenen 4 2-Zenti- meter-Mörser. Schon der ihnen beigelegtc Ehrenname der „Brummer" beweist, wie sehr diese Volkstümlichkeit bereits erreicht ist. Mau kann sich nicht wundern, daß ein Schuß, der ein Gewicht von acht Zentnern weit über eine deutsche Meile sicher zum Ziel schleudert, einen Luftdruck verursacht, der in weitem Umkreis alles in die Luft bläst. Auch haben die Berichte gelehrt, daß das Geschoß, wenn es den Mörser verlassen hat, nur durch das Durchschneiden der Luft ein -starkes Geräusch verursacht. Von der Bahn nnd dem Verhalten eines Mörsergeschosses geben photographische Aufnahmen Auskunft, die freilich für unsere großen Mörser selbstverständlich noch! nicht veröffentlicht worden sind. Tic Photographien zeigen zunächst das Geschoß, wie es die Mündung noch, nicht stanz verlassen hat. Eine zweite Aufnahme, die einen Augenblick später erfolgt ist, stellt es von einent Hof leuchtender Gase umgeben dar. Auf den nächsten Bildern vergrößert sich dieser Hof zu einer leuchtenden, kugelförmigen Wolke mit einer dunklen Grundfläche, die das Geschoß wie ein Ring ttmgibt. Auf den locitcrcn Photographien wird die Wolke noch größer turd verliert an Regelmäßigkeit, so daß sie mehr einer gewöhnlichen Dampfwolke gleicht: auch ist die dttnkle Grundfläche nicht mehr sichtbar. Auf der folgenden Photographie cirdlich ist die Wolke noch größer, und das Geschoß, das auf dem vorigen Bild eben erst ans der Wolke znm Vorschein kam, befindet sich jetzt ganz genau von dieser getrennt vor. Es ist also zu erkennen, wie die Gase dein Geschoß zunächst vorauseilen und dann von ihm überholt werden. Die Slufnahmc solckier Photographien ist eine Aufgabe, die besondere Sorgfalt erfordert. Es gehört dazu eine elektrische Vorrichtung, durch die infolge des Rückstoßes, den das' Geschütz erhält, die Blende der photographischen Kammer geschlossen wird. Tic Blende muß auch eine eigenartige Betätigung erhalten nnd ist auf die winzige Zeit von einer fünftausendstel Sekunde berechnet. Ter elektrische Strom wird in den gewünschten Abständen unterbrochen, um die Aufnahme der Bilder nacheinander zu bewirken. Die Benutzung eines Kinematographen zu diesem Zweck hat bisher versagt, iveil er der schnellen Abwicklung des Vorganges nicht, zu folgen vermag. Die Schandtaten in Saarburg in Lothringen Wir erhalten fotgende Zuschrift: Wie vandalisch nicht allein die Russen und Belgier, sondern auch die Franzosen Hansen, wurde kürzlich in dieser Zeitung erwähnt. Die militärischen Angehörigen einer Nation, die sich so viel auf ihre „Kultur" glaubte gut tun zu können, hat unter Fichrung von lothringischen Einwohnern die Wohnungen der deutschen Beamten und Offiziere zerstört und geplündert. Ms zu den Puppen nnd Spielzeugen der Kinder herunter wurde alles unbrauchbar gemacht und in der ekelhaftesten Weise bejchmittzt. lind was hatte Laarburg den Deutschen zu danken! Der Schreiber dieses marschierte 1871 auf dem Rückmarsch von Frankreich mit dem hiesigen Regiment durch. In seinem Tagebuch findet sich der Eintrag: „Die erste deutsch sprechende stabt." Grund genug, um sie mit freundlichen Augen.mtznsehen. Aber trotzdem blieb der Eindruck eines kleinen engen unscheinbaren Landstüdtchens. Wie sah es nun 1914 ans im Vergleich zu damals? Viele schöne Läden sind entstanden. An stattlichen Gebäuden nenne ich nur die Post, das Gymnasium, das Amtsgericht, die Kreisdirektion, viele Schttle», das Krankenhaus, die evangelische Kirche nebst den vielen militärischen (Gebäuden. Die Zahl der Hotels und Wirtschaften hat sich riesig vermehrt. Grs und elektrische Beleuchtung ist eingeführt Der Klassiker öcs französischen „Manifest;". Das geschraubte und überstiegene Pathos, das Präsident Poincare wie Generalissimus Jofsre in ihren Mani- -sesten anwendcn und das überhaupt die zahlreichen Kund- gÄüngen der französischen Regierung charakterisiert, berührt uns höchst fremdartig, stimmt aber durchaus -utit der Tonart überein, deren sich die „große Nation" stets be- slertzigtc. Das Stärkste in dieser Hinsicht hat wohl 1870 Victor Hugo geleistet, dieser französischste aller Dichter, dieser Meister der Phrase, den man als den „Klassiker des französischen Manifestes" bezeichnen kann Sätze und Wendungen, wie er sie damals schmiedete, scheinen den Männern der Regierung üon_ heute im Ohr zu klingen, aber was sie bieten, ist nur Stümperet neben dem Wortschwall, den Victor Hugo losließ, als die Deutschen a u f Paris zumarjchiertcn. In seinem ersten Manifest versuchte er es im Guten: „Paris gehört uns nicht allein", schrieb er in seiner Verblendung an die Deutschen, „Paris ist euer io gut wie unser. Berlin, Wien, Dresden, München, Stuttgart find eure Hauptstädte: Paris ist euer Mittelpunkt. Es ist in Paris, wo man den Herzschlag Europas fühlt. Paris ist die Stadt der Städte. Paris ist die Stadt der Menschen Athen war, Rom war, Paris ist! Ihr kommt, um Paris mit Gewalt zu nehmen! Aber wir haben cs euch ja irmncr mit Liebe cnigcqcngebrachi. Laßt doch ein Volk, weiches euch zu allen Zeiten seine Arme geössnct hat, nicht seine Tore schsießen' Paris liebt euch!" lind dann roamt er vor jeder „brutalen Gewalttat": „Deutsche, Paris ist gesährlick! Seid bedächtig vor Paris! SMe Hulwandiungen sind ihm möglich., Leine Weichlichkeit gibt euch das Maß für seine Energie. Man schien zu schlafen, man erwacht, man zieht die Idee aus der Scheide wie das Schwert, und diese Stadt, welche gestern Sybaris war, kann morgen Saragossa sein. Sagen wir euch das, um euch Furcht zu machen? Man macht euch keine Furcht, Deutsche. Ihr habt einen Galgacus gegen Rom gc- babt und einen Körner gegen Napoleon! Wir sind das Volk der Marseillaise, aber ihr seid das Volk der geharnischten Sonette und des Schwertliedes . . Jetzt glaubt ihr einen Zctzten Schlag tun zu müssen ... ihr siebenmalhundcrttausend Soldaten mit allen euren Kriegsmaschinen, euren Stohlkanoncn, euren Kruppkugeln, euren Drcmegewehren, eurer unzähligen Kavalleric, eurer schrecklichen Artillerie, stürzet euch auf drcimalhuuderttanscnd Bürger, die ans ihren Wällen stehen, aus Väter, die ihren Herd verteidigen, auf eine Stadt voll zitternder Familien, wo es Frauen gibt, Schwestern, Mütter, unk wo zu dieser Stunde ich, der ich zu euch rede, meine beiden Enkel habe, deren einer iwch an der Brust . . . Wißt ihr..was dieser Lieg jür euch sein würde? Er mnrüe dcc Schande Viele Franzosen glaubten nach der Lektüre dieses Manifestes tatsächlich, die Deutschen würden vor diesem „furchtbaren Paris" nnd der „unausbleiblichen Schande" Angst haben. Als sie sich aber nicht abschrecken ließen, wartete ihnen Hugo in einem zweiten „Manifest" mit einer andern Tonart ans. „Paris wird triumphieren!" rief er. „Aber daß cs triumphie ren kann, dazu Sturmgeläut, Stnrmgeläut über ganz Frankreich hin! Es stürze aus jedem Haus ein Soldat heraus, es werde aus jedem Flecken ein Regiment, aus jeder Stadt eine Armee! Die Preußen sind achthunderttausend stark: ihr seid vierzig Millionen. Richtet euch auf und hauchetsiewcg! Lille, Nantes, Tours, Bourges, Orleans, Colmar, Toulouse, Banonne, gürtet eure Lenden. Feder sei ein Camille Dcsmoulins, jede Frau eine Theroigne (diese Dame zeichnete sich bekannttich durch besondere Liederlichkeit aus), jeder Jüngling ein Barras. Die Straßen der Städte mögen die Feinde verschlingen: es öffne sich >edes Fenster in Wut, es speie die Wohnung ihre Möbel und werfe das Dach seine Ziegel herab. Es mögen die Gräber schreien, inan höre hinter jeder Mauer das Volk und Gott, überall schlage das Feuer aus der Erde, es werde jedes Gesträuch zu einem feurigen Busche! Quälet den Feind hier, zerschmettert ihn dort, fanget die Zufuhren ab, zerschneidet die Stränge, brechet die Brücken ab, versperrt die Straßen, unterminiert den Boden! Frankreich werde unter den Preußen zum Abgrund Führt den Krieg bei Tage und bei Nacht, aus den Bergen, in den Ebenen, in den Wäldern. Erhebt Euch! Erhebt Euch! Keine Ruhe, keine Rast, kein Schlaf!" B. — Das Alterder großen Feldherren. Die ßixges- helden, deren glückliche Führung in den längsten Schlachten uns so viel Jubel und ihnen so viel Lorbeer gebracht hat, blicken zum Teil bereits auf ein sehr beträchtliches Lebensalter zurück. Der General v. Kluck, der die Engländer so trefflich das Lausen lehrte, ist 68 Jahre; der sächsische General v. Hausen und der preußische General v. Hindenbnrg, der in Ostpreußen den großen Sieg errang, sirrd 67 Jahre: der Eroberer Lüttichs, General v. Eimwich, ist 65 Jahre, uud unser früherer Kriegsminister, General v. Heeringen, hat sein 64. Lebensjahr zurückgelegt Die Namen dieser glorreichen Feldherren werden auf lange hin ihren volkstümlichen Klang im deutschen Volke bewahren, wie man noch heute mit stolzer Freude der Siegcrgcstalten von 1870 gedenkt, und da ist der Silberglanz des Greisenhaares, der aus ihren jungen Lorbeer fällt, vielleicht noch ein Grund mehr für ihre Volkstümlichkett. Ist doch gerade das preußische Heer mit solchen hochbetagten Schlachtenlenkeru von jeher reich gesegnet gewesen. Der Feldmarschall Derfslinger entschied mit 69 Fahren an der -Spitze seiner unaufhaltsam vorwärts brausenden Reiterei den Sieg 'von Ftthrbellrn; rm (70. Lebensjahre - gewann Fürst Leopold von Anhalt-Dessau die Schlacht bei Kesselsdorf, und der Fcldmacschall Lchwertti fiel 73 Jahre alt bei Prag mit der Fahne in der Hand, nachdem er durch seinen ungebrochenen Angrisssmut den Sieg sernem großen König errang. Mit 70 Jahren stände» all diese Männer noch im Vollbesitz ihrer Körperkrafi nnd ihresWillens, und zärtlich nannte das Volk seine greisen Lieblingshelden den „alten Derfstttrger", den „allen Designer", den „alten Blücher" und endlich auch den „alten Moltkc". So ist „alt" zugleich ein Kosewort im Munde unseres Volkes geworden, und Älter und Siegesruhm sind zwei Begrissc, die uns eng verbunden scheinen. Dieses Bewußtsein ist jedoch erst in neuerer Zeit bei uns so recht lebendig geworden. In früheren Tagen der Kriegsgeschichte war das Genie des Fcldherrn lange Zeit von dem Schimmer der Jugendlichkeit umwobcn. Mexandcr der Große, Hanuibal, Friedrich der Große, Napoleon, sic zählten alle noch nicht 30 Lebensjahre, als sic bereits ihre .Heere zu glänzenden Siegen geführt hatten. Bei Rocvoi siegte der große Cond« mit 22 Jahren, Prinz Eugen war 34 Jahre alt, da er bei Zeitta seinen schönsten Sieg erfocht. Da erscheint Cäsar schon fast als eine Ausnahme, weil er erst /mit 42 Jahren die Führung eines .Heeres übernahm. Daß Feldherren, die in jüngeren Jahren sich den Siegcslorbccr errungen, ihn auch noch als Greise behaupten wußten, das ist auch siüher ösiers vorgekommen. So wußte Prinz Eugen sich noch mtt 72 Jahren einem überlegenen Feinde gegenüber durch vorzügliche strategische Leistungen zu verteidigen. Auch Blücher hatte schon eine große Kriegsersahrung, bevor er zu den höchsten Stellen der Heercsführung hrnausstieg Dennoch ist der „Marschall Vorwärts", dem es am Spätabcnd seines Lebens, erst mit 8l Lebensjahren vergönnt war, etti großes Heer zuni Siege zu führen, für uns das Kor- und Urbild des „Siegesgreises" geworden. Wohl war sein Körper schon furchtbar geschwächt, als er zur Vernichtung Napoleons auszog: er hat unter Krankheiten schwer gelitten, aber der Wille triumphierte in wundervollem Aufschwung über alle Schwächen des Leibes: der jugendlich ungestüm.' ("n|t dieses Achtzigjährigen spottete aller (Rietze der Natur. Eine ähn liche Drauigänger-Persönlichkeit im Silbcrhaar war Nadelst:, r rntt 71 Fahren an die Spitze' einer großen Armee gestellt tourte: auch er hatte etwas lcidenschastlich Jugendliches in seinem dreien, das im merkwürdigen Gegensatz zu seinem 'Alter stand. -rer alte Feldherr im eigentlichen Sinne des Wortes, der gerade aiw der Reise seiner Weltcmschannnst heraus, durch die harmonmlw »uoe seines hcrbstklaren Blickes den Sieg gewinnt, rlt erst Icottke gewesen. 66 Fahre war er alt geworden, als ihm das schichal be- schicd, seine großarttge Feldherrntälrgkett zu ™:,altem, und w war ihm denn das geduldige Wagen des Grecics, da,- er nebeir dem kraftvollen Wagen des reuen Mannes aut sein Vanrcr ge- schrieben hatte, der notwendige Wciensausdruck seiner Persönlich- kett in der alle guten Eigen,-Hanen eines hohen Alters mit der energischen Ensichlossenheir des KrregerS zu dem Idealbild des „greisen Fcldherrn" gepaart waren. worden Um die Slxvdt, die 1870 vor den alten früheren StatztbefesttgrmstSloren nur ein paar Häuser hatte, breiten sich große Vorstädte unD PiUenvierteV «rns, im Innern auf dein „Freiheits-Platz" sinib schöne Anlagen entstanden, so daß man sich, wenn iin Winker ein wohltätiger Frost die äußeren, vorn Bezirk unterhaltenen Straßen passierbar machte, und ivenn im Sommer ein staubloschender Regen ,has W-asser- saß" unterstützte, in eine moderne Stadt versetzt fühlen tonnte. Sonst imrr es, da das Wasserfaß nur an den aller- heißesten Sagen aus seiner stiuhe aufgeftörk wurde, zwar recht schmutzig und ftaubig, doch darin sinket der Lotlwingcr nicht-?. Der Wohlstand ist sehr gestiegen. Statt der cinz-igen Bahn Straßburg—Lunövillc sind jetzt sechs Bahnen da. Für viele Millionen ist ein großer Bahnhof entstanden. Auf Bitten der Einwohnerschaft wurde auch die jetzt Der* witstcte Rcichsbankstelle errichtet Die Zahl der Einwohner ist seit 1870 von 2800 mit dem Mikitä!r auf über 11<'000, also aus das Vierfache gestiegen. Wodurch hat sich nun Laarburg so herausgemacht? Außer den vom Deutschen Reich gebauten Bahnen ist da in erster Linie die Garnison zu nennen. Bis 1870 war nur zeitweise eine Batterie (1854, 1856, 1857) und später (1860 bis 1870) eine Eskadron hier, jetzt sind' es 30 Kompagnien! usw,, Eskadrons und Batterien (1 Infanterie*, 2 Kavallerie-, 1 Artillerie-Regiment) geworden, Tazir tritt der Stab von einer Division, von einer Infanterie- und einer Kavallerie Brigade, die Garnisonverwaltung, ein Militärbanamt, das Garnisonlazarett und ein riesiges Proviantamt, Was kommt dadurch für Geld in die Stadt Was kostet die Nnterlmltung einer derartigen Garnison, wie viele häusliche Zulagen und wie viel aus dem Prioatvermögen der Offiziere wird da verzehrt, wie viele Angehörige kommen, wie viele Lieferanten, wie haben die Märkte dadurch eine Vergrößerung erfahren und wie viele sonstige Kanäle sind dadurch eröffnet worden, die Geld in die Stadt führen, wie können zum Beispiel Stadt und Umgegend ihre Produktion und Arbeit besser verwerten! Wie viele altdeutsche Städte hätten um die Erlangung nur eines kleinen Teils dieser Garnison große Opfer gebracht! Und nun dieser Dank! Daß man überall aus llebel- wollen stieß, trat freilich auch früher schon zutage. Selbst die Behörden unterstützten die Garnison schlecht. So lag ursprünglich das Infanterie-Regiment Nr, 97 in dem Gebiet eines Nachbardorfs, Auf Bitten der Stadt wurde das Regiment eingcmeindet und als Gegenleistung für die höheren Steuern dem Militär eine Oktroirückvergütung vertraglich zugesichert. Diese war für die Kompagnien usw, ein sehr angenehmer Zuschuß, im Manöver, bei anstrengenden Märschen, zu Weihnachten usw. Es tat für jede Kompagnie im Jach über hundert Mark aus, an sich eine bescheidene, für eine Kompagnie mit ihren ungemein knapp bemessenen Mitteln eine große Summe, Wie hielt nun die Stadt diesen Vertrag? Als das Bürgerliche Gesetzbuch erschien, benutzte die Stadt eine darin enthaltene Lücke, welche die Kündigung eines Vertrags zuläßt, die Oktroirllckvergütung zu kündigen. Me Vorstellungen hiergegen waren vergeblich, die armen Soldaten kamen um die geringen, ihnen bei besonderen Gelegenheiten gewährten Zuschüsse, Die Wahl eines dcutsct)eu Bürgermeisters war dabei für die Garnison nur von Nachteil, Während der frühere französisch sprechende und lothringisch denkende Bürgermeister sich bemühte, der Garnison gegenüber entgegenkommend zu sein, bewarb sich der deutsche Bürgermeister um die Gunst der lothringischen Bevölkerung, wie oben ausgeführt, auf Kosten der Garnison, Wie weit er dabei unter deni Druck des Gemeinderats handelte, ist eine offene Frage, Berufen hat er sich nicht darauf. Daß freilich diese lothringische Bevölkerung, die so lange an den Vorteilen der Garnison tcilgerwmmen hatte, so gemein sein konnte, die bestialische Zerstörung von zurückgelassenem Privateigentum von Beamten und Ofsizierfamilien zu veranlchsen, hätte doch niemand für möglich gehalten. Französische Offiziere sollen sich beteiligt haben, wo blieben aber die höheren französischen Offiziere, wo die besseren Teile der Bürgerschaft? Wo blieb der Gemeindcrat? Hatten sie kein Mitleid mit den armen Frauen, die ihr Eingebrachtes, teuere Erinnerungen, alles was sie zu einem geordneten Familienleben brauchen, nun in Trümmern und Fetzen wiedersinden? Möge das schwerste Strafgerrcht über die Täter hereinbrcchcn! Daß außerdem die Stadt Saarburg den gesamten von ihr mitocrschuldeten Schaden voll und ganz bezahlen muß, erscheint selbstverständlich. Die Stadt hat es nicht besser verdient! Denn aus dem ffühercn deutschsprechenden Saarburg ist mit der Zeit ein Ort geworden, in dem mit Vorliebe mit dem Französischen kokettiert wurde Außerdem wiro cs wohltättg wirken, wenn andere französisch-lothringische Städte, wie Luneville, die frühere Residenz der verzöge von Lothringen, wie Ranch (Ranzig) für die Schandtaten dadurch mitbestrast werden, daß sie erhöhte Kriegskontributionen bezahlen. Die Erwägung liegt nahe, was die altdeutschen Städte und Dörfer zu leiden gehabt hätten, wenn die Franzosen die altdeutsche Grenze überschritten hätten. Möge der Dank für unsere braven, tapferen Soldaten, möge' vor allem der Dank für unser Regiment 116, für alle Gießener, die an diesem größten Krieg teilnehmen, in reichen Beiträgen Ausdruck finden. Das Regimcnl 116 hat besonders stark gelitten. Es liegt die Absicht vor, hier in Gießen für die Opfer des Krieges eine Sammlung einzuleiten. Es kamen dabet in erster Linie die Hinterbliebenen, sowie die Veteranen, die in ihrer Erwerbsfähigkeit beschränkt sind, in Frage, , Kl, Aus dem Reiche. .Berlin, 7, Sept, (WTB, Nichtamtlich ,) Der „Reichsanzeiger" enthält zwei Verordnungen betreffend die Ausdehnung des Ausfuhrverbots aui Lechen, Garne und gewisse Beschränkungen des Verbots hinsichtlich der Baunovollgewebe, Pelzwaren und Schuhmachercimaschine», Berlin, 7, Sept, Frau Gcheimrat Moritz Becker hatte zur Feier ihres 81. Geburtstages gestern 4000 Personen nach dem Landesausstellungspark geladen. Um 3 Uhr begann das schöne AeburtstagSicsi, das den 4000 Geladenen, unter denen sich viele Frauen und Kinder besairüen, ei» kräftiges Mittags- brot bescherte Diese Form einer- lßcburtstagsferer kann zur Nachahmung empsohlen werden, Stuttgart, 7, Sept. (W, B,) Ministerpräsident Dr, v, Weizsäcker hat durch den Krieg einen großen Verlust erlitten: Zein ältester Loh» Karl v Weizsäcker, Legationsrat im Auswärtigen Amt in Berlin, Oberleutnant der Reserve im Grenadier- Regiment Nr, 119, ist vor dcni Feinde gefallen: er war 34 Jahre alt, _ Unkversitäts-Nachrkchtei». Absage an England. Berlin, 6. Sept, WB, Nrcktamttich,) Nachfolgende (H:- k l ä nrn j wert» Zur allgemeinen Keirutms gebracht „Harter einem nichtigen Vorwand«, der am wenrgstcn vor der eigenen Geschichte schndhält. und der durch zahlreiche Dokumente in seinem wahren Wesen klargestellt wird, hat En g * land uns den Krieg erklärt. Aus schnödeni Nerdc aus Deutschlands wirtschaftliche Erfolge hat das uns Wirt?* und stammverwandte England fest Fahren die Völker gegen uns aufgcwiegelt und sich besonders mit Rußland und Frankreich verbündet, um imsere Weltmacht zu vernichten und unsere Kultur zu erschüttern. Nur im Vertrauen aus Englands Mitwirkung und Hilse konMen Rußland, Frankreich, Belgien und Japan uns den Fehdehandschuh Hinweisen. England vor allem trifft die moralische Verantwortung sür den Bölkerbrand, der furchtbares Unheil für Millionen von Menschen zur Folge hat und unerhötte Opfer an Gut und Blut fordert. Ter brutale nationale Egoismus Englands hat ihm cmc untilgbare Schuld auigeladcn. Wir sind uns wohl bewußt, daß hochbedeutende englische Gelehrte, mit denen die deutsche Wissenschaft in sruäUbarcr Arbeit jahrelang verbunden war, gegen den ftevelhait begonnenen Krieg gesinnt sind und sich gegen ihn ausgesprochen Koben, Gleichwohl verzichten in deutschem Nationalgesühl diejenigen von uns, ivelchrn Auszeichnungen von englischen Universitäten, Akadenrien und gelehrten Gesellschaften erwrcien worden irnd, hierdurch aut diese Ehrungen und die damit verbundenen Rechte, Emil v, Behring (Marburg a, 8.', August Bier Berlin!, Moritz Cantor (Heidelberg, Bincenz Czeinn iHeidclbcrg-, Alfred v, Do- maszewski (Heidelberg), Paul Ehrlich Frankfurt a. M.l, Wilhelm Erb (Heidelberg), Rudolf Enäen ,Jcna, Wilhelm Alerandcr Freund Berlin), Max Fürbringer -Heidelberg), Ernst Häckcl (Jena), Engelbert Humverdinck (Berlin), Josef Köhler -Berlin,, Leo Königs- berger (Heidelberg). Willy Kükenthal Breslau,, Paul Loband (Straßburg i. $.), Philipp Lenard Heidelberg, Mar Licbcrmann -Berlin-, Franz, v. Liszt -Berlin,. Hermann Oppenheim (Berlin,, Wilhelm Rein (Jena-, Jakob Ricsser (Berlin-, Fritz Schaper (Berlin), Otto v, Schjerning «Großes Hauptguartier), Gustav Schwalbe (Straßburg i, E,), Rudolf Slurm (Breslau-, Adolf Wagner (Berlin), August Weismanu lFreibura i, Br,-. Anion v, Werner (Berlin), Wilhelm Wundt (Leipzig-, Rudolf Ködert (Rostock'." (Weitere Unterschriften sind zu richten an Professor I. Schwalbe, Charwttenburg 4.) Kiccbc und Schule. Kardinalstaatssekretär Ferrata, Kardinal Ferrata, den Papst Benedikt XV. am Tage nach seiner Wahl für den mit dem Tode Pins' X, v-om Amte zurück- gettetencn Kardinal Merrn del Bai zum Staatssekretär ernannte, hat eine lange und erfolgreiche diplomatische Laufbalm hinter sich. Er wurde von Papst Leo XIII, 1884 in den Kanwn Tessin entsandt. um mit der schweizerischen Regierung eine Konvention zu schließen, die den kirchenpolitischen Schwierigkeiten dieses Kantons und gleichzeitig auch der in deni Bistum Basel seit 187.3 bestehenden Kulturkampssgesetzgebung ein Ende machen sollte. Im Januar 1873 hatte sich die sog, Tiözesankouserenz des Bistums Basel versammelt und zog die dem Bischof Eugen Lachat un Jahre 1863 ctreillc Bewilligung zur Besitzergreifung drS bischöflichen Stuhles der Diözese Basel zurück und sprach damit die Amtsniederlegung des Bischofs auS, Die Ursache zu diesem Vorgehen einer staatlichen Vertretung mar das Eintreten des Bischofs von Basel sür das Dogma der Unfehlbarkeit und später seine Haltnna gegenüber den Altkatholikcn, als deren Be- schützer sich die protestantisch m Stände im Bistum Basel auswarsen. Er wurde am 17, April 1873 aus Solothurn ausgewicscn und begab sich in den Kanton Luzern, Zehn Jahre blieb die Diözese Basel verwaist. Am Ende dieser Zeit erfolgte mit der Regelung der kirchenpolitischen Verhältnisse in Basel auch die in dem Kanton Tessin, Diese Regelung geschah durch die sogenannte Berner Konvention vom 1. September 1884: an ihrem Zustandekommen hatte Prälat Ferrata als Untcrstaats- sekretär sür außerordentliche kirchliche Angelegenheiten hervorragenden Anteil, Viermal besuchte er im Aufträge des Papstes die Schweiz, um mit den Verttcierrr der Staatsregierung im Tessin und rn Bern zu verhandeln. Das Ergebnis war die Trennung des Kantons Tessin vom bisherigen Diözesanverband in Italien und seine kirchliche Vereinigung mit dem Bistum Bafel, Als Beweis seiner Dankbarkeit für die bei den Verhandlungen mit der Schweizer Regierung geleisteten Dienste übertrug Papst Leo XIII, dem Prälaten Ferrata die Präsidenten- stellc in der adeligen Priesterakadenric zu Rom und verlieh ihm ein Kanonikat in S, Maria Maggiore, Doch nicht lange währte es, da bedurfte Leo XIII. wiederum der Dienste des mit feinem diplomatischem Takt ausgerüsteten, Prälaten, Es galt die diplomatischen Beziehungen des päpstlichen Stuhles mit Belgien wieder anzuknüpfen, die loenige Jahre vor- r durch das liberale Kabinett Fröre-Orban gelöst worden waren, er Papst, der unter König Leopold I. selbst Nunzius in Belgien gewesen war, sandte Msgr, Ferrata nach Brüssel, Im 19, Llug, 1885 wurde er vom Kardinalstaatssekretär Jacobini in der Kirche San Agostino zum Erzbifchoi von Thessalonich konsekriert und reiste dann sofort nach Brüssel, Auf dieser Reise besuchte er auch Köln und versäumte es nicht, sich auch ein getreues Bild von den kirchlichen Verhältnissen im Deutschen Reiche zu machen, Verttauien Personen im .Vatikan gegenüber hat er sich dahin ausgesprochen, er hege volles Verständnis für das Zusammenleben und das Zusanrmenarbeiten von Katholiken und gläubigen Protestanten in unserem Vaterlande Im Jahre 1889 wurde Msgr, Ferrata nach Rom zurückberufen, um das Amt eines Sekretärs für außerordentliche kirchliche Angelegenheiten zu übernehmen, deren Leitung damals dem Kardinal Rampolla unterstand. Bereits 1891 erfolgte seine Beförderung zum Nunzius in Paris, Im Konsistorium vom 22. Juni 1896 wurde Msgr, Ferrata zum Kardinalpriester kreiert! von Paris zurückgekehrt, empfing er im öffentlichen Konsistorium vom 5, Dezember den roten Hut, zugleich mit dem Titel von Santa Prisca auf dem Aventin, Nacheinander ivurde Kardinal Ferrata znm Präfekt der Kon grcgationen sür Ablaß und Reliauien, der Riten und der Bischöfe und Ordensleute ernannt. Nach Einführung der Kurienresorm übertrug ihm Papst Pius X, im Jahre 1908 die Präfeklenstelle in der Kongregation der Sakra,nenfenlehre. Im April 1913 folgte er deni verstorbenen Kardinal Respighi als Erzpriestcr der Lateran- basilika, und Ende desselben Monates reiste er nach Malta, um als Legat des Papstes dem internationalen eucharistischen Kongreß zu präsidieren, woselbst er mit großer Begeisterung empfangen wurde. Briefkasten Ser Bedaktion. (Auouyinc Rnsragcu bleibe» unberücksichtigt.) A. w., Lollar. Bei Ihrem Aller kommen Sic als nicht gedienter Landsturminann 2. Anfgebots voraussichtlich nicht zur Em- stellimg. Einer solchen müßte auch eine ärziliche Untersuchung voranKgehen. Märkte. Gießen, 8. Sept Al a r k t b e r i ch t, Ank dein heutigen Wochenmarkte kostete, Butter das Vlund 1,10—1,20 Mk.; Hühnereier 1 Stück 10 Psg., 2 Stück 00 Pig.; Enteneier 1 St. 10 Psg., 2 St. 00 PIg.! Gnnseeicr I St. 0-0 Plg„ 2 Sl. 00 Big.: Käse das Stück 10—12 Big., Kälemalte 2 Stück 5—6 Psg.: Tauben das Paar 1,00—1.40 Mk., Hühner bas Stück 1,50—3,00 Mk„ Hahnen das stück 1,50 — 3,00 Mk., Ente» das Stück 3,00—4,00 Mk., Gänse das P!d.00—00 Pig,: Weliche4—5'Ulf.; Ochlenfteiich das Psd. 88—96 Big Rindfieiich das Psnnd 90—04 Bsg,, Kuhfleisch 80 Psg., Schweinefleisch das Psiind 70-86—08 Psg,, Kalbfleisch das Pid. 70-75 Pig., Hnnnnelsteisch I Pid. 70—98 Psg,; Kartosseln imZentner 4—4,50 Mk., im Psmid 0 Psg., Weißkrant das Stück 8—I5Psg.; Zwiebeln der Ztr. 12.00- 15.00 Alk.; Milch das Liter 22 Psg.; Aepsel der Zentner 8—15 Alk.; Birnen das Psnnd 8—15 Psg., Nüsse 100 Stück 60 Pig., Zwetschen der Zentner 8—10 Mk., Gurken 100 Stück 2.00— 3,00 Mk., Bohnen 1 Pfund 10 bis 15 Psg. — Marktzeit von 7 bis 1 Uhr. lc Franksurt a.M. Biehhos Marktbericht vom 7. Sept. Austrieb: Rinder 941, Ochsen 256, Bulle» 41, Kühe und Färse» 64t, Kälber 432, Schale 125, Schweine 2519. Tendenz, Kälber lebhait, Schale ruhig, bei Schiveinen bleibt Ueberstand, das übrige geräumt. Preise gedrückt. Preis sür 100 Psh, Lebend- Schlachtgewicht Ochsen. Mk. Psg. Vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwertes, 4—7 Jahre alt........50-55 94-98 die noch nicht gezogen haben lungejochte) . . 44—47 80—85 Junge fleischige, nicht ausgemästcte una ältere oiisgcmästete ............ 40—43 74—79 Bullen. Vollfleüchige, ausgewachsen«. höchsten Schlachtw. 45-48 75—80 Vollfleischige, jüngere.......... 40—44 70—76 Fürs e n. Kühe. Vollllcüchige ansgem. Färsen höchst. Schlachtw. 42—48 78—86 Vollfleischige ausgemästete Kühe höchsten Schlach- wertes bis zu 7 Jahren. . . ..... 40—45 74—80 wenig gut entwickelte Färsen....... 38—41 73—79 altere ausgemästete Kühe........ 38—39 65—72 Mäßig genährte Kühe »nd Färsen..... 30—34 60—68 Gering genährte Kühe und Färsen .... 22—27 50—56 Kälber. oeinkte Mastkälber .......... 50 -54 83-90 Mittlere Mast» imd beste Saugkälber. . . . 46 -50 78-85 Geringere Mast- und gute Saugkätbii > . . 40 -44 63—75 Schale. Etallmastschai«, Mostlämmer und jüngere Masthrmmel . 4t—00 95 -- 00 Schwein!. Vollflcischige Schweine von 80 —100 c* Lebendgewicht........ 46.01—49,0) 59.00—61.0) Vollfleischige Schweine unter 80 kg Lebendgewicht........ 4501—47.00 58,00—60.01 Vollfleischige-Schweine von 100—120 k; Vvllfletschigs Schwein: von 120—150 c; Lebendgewicht ........ 46 00—49.00 58.00—60.00 (c. Franksurt a. M., 7. Sept, tOrig,-Teleqr, des »Gteg. Anz."i Amtliche Notierungen der hentigei, Fruchtmarktpreise. Weizen thicsiqer) Mk, 21.50—25,00, Kiirbesstscher Mk. 00 00—00.00, Welterauer Mk. 00.00 - 00.00, Roggen (hiesiger) Mk, 21,00—21.25, Gerste lWetterauer) Mk. 21.00 — 22.00. Gerste, Franke», Pfälzer, Ried Mk. 21.00—22.00. Haler Mk. 23.00-23.50, Mais Alk. 20.00-21.00, Weizenmehl 0 Mk. 00.00—00.00, Weizenmehl I Mk. 00.00 —00.00, Weizenmehl III Mk. 00,00 - 00,00, Roggcnmehl 0 Mk. 00.00—00.00, Rogqemnehl 0/1 Mk. 00.00—00.00, Roggeninehl I Mk. 00.00—00.00, Weizenkleie Mk. 0.00 — 0.00, Weizenschalen Mk. 0.00—0.00, Roggen» llcie Mk. 00.00 - 00.00. Malzkeime Mk. 00.00—00.00. Biertreber 00.00 - 00.00, Futtcrqerste Mk. 00.00 - 00.00. Alles per 100 kg ab hier. fc. Franksurt a. M., 7. Sept. (Orig.-Telegr. des .Gießener Anzeigers".) Kartoffelniarkt. Mau notierte: Kartoffeln in Wag ons Mk. 5,50-0,00, im Kleinhandel Mk. 6,50—0,00 für je 100 ki. 1^0. Wiesbaden. Vieh Hot-Marktbericht vom 7. Sept. Austrieb, Rinder 2t? «Ochsen 6*, Bullen 12, Kühe und Färsen 117), Kälber 310, Schaf« 9 , Schweine 1074. Marktverlaus: Bei elwas lebhailerem Gclchäst Großviel, geringer Ueberstand, Schweine »nd Kleinvieh schlevveud geräumt. Preise sür 100Pid. Lebend» Schlacht- Ork,! rn. gewicht Vvllflesschlge, ausgemästete. höchsten Schlacht» Mk, Mk. _ wertes im Alter von 4—7 Jahren .... 50—55 92—101 Tie noch nicht gezogen haben lungejochie) . . 48—52 89—98 Junge, fleischige, nicht ausgemästete und älter« ausgemästete....... 43—47 80—88 Bntlen. Vovklcücblge, ausqew, höchsten Schlachtw. - . 43—48 72—81 Vollfleischige, jüngere.......... 37—42 63—71 Färsen. Kü he. Vollsteischiqe ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwertes........... 46—52 85—95 Vollfleischige nusgemästet; Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren..... 37—44 70—80 Wenig gut entwickelte Färsen....... 40—45 77—85 Aeitere ausgemästete Kühe..... . 33—35 63—68 Kälbsc. Mittlere Mast» und beste SaugkAber . . , 52—56 87—94 Geringere Mast- und gute Saugkälbec . . . 46—49 77—82 Gering- Saugkälber.......... 40-45 67-76 Schar:. Weidemastlchas« s Mastlämmer und MasthanrmK.... 44,50—00.00 92—00 Schweine Vollfleischige Schweins von 80—100 k# Lebendgewicht ..............48K-49 62-63 Vollfleischige Schweine unter 80 Irx Lebendqewicht 47 >4-48 61-62 Vollfleischige Schweine von 100—120 Ire Lebendgewicht .............. 49 1 /. 51 62—63 Dollfleischige Schweine von 120—150 kg Lebendgewicht .............. 48 00 60-00 Fetlschweme über 150 kg Lebendgewicht . . 43-45 54—56 Verantwortlich sür den gesamten redaktionellen Teil: Aug. Go«^ Ilmenau, Am Technikum Ilmenau werden die Vorlesungen und Uebungen zu dem am 1ö, Oktober beginnenden Wirrtersemcster in normaler Weise in allen Wterlungcn ausgenommen, ssV» Amtlicher Teil. B e r r,: Berpslrchtung zur Uebernahmc usw, schwerkrauker An» gehöriger der Heeresverwaltung aus dem Marsche, An die Großki, Bürgermkistrreien der Landffemeinden des Kreises. Um etwaige Unsicherheiten über die Bcrprlichtiing zur Ueber» nahme und Verpflegung schwerkrauker Angehöriger der .Heeresverwaltung auf dem Marsche zu zerstreuen, leiten wir Ihnen folgendes mit, Sosern Schwerkrankc nach Ziffer 60 der Äriegssanttätsvrd- nung der Ortsbehörde überwiffen werden, ist diese letztere gemäß 8 21,1 der Friedenssanitätsordnung zur Fürsorge für die Kranken bis zuni Eintritt der Transvortsähigkeit verpflichtet; alsdann! erfolgt die Uebcrweisung der transportfähigen Verletzten in das nächste Militärlazarctt, Für die Kriegsverhälpiifsc ist zu beachten, daß die Ortsbehörde von jeder Uebernahme solcher Kranken der nächsten Etappenbchörde sorott Mitteilung zu machen hat, Gießen, den 6, September 1914, Großherzogliches Kreisamt Gießen, _ Dr. Usingcr, Bekanntmachung. Tie nach 8 6 des Reichsgesetzes vom 21, Juni 1887 über die Naturalleisttrng der bewaffneten Macht im Frieden ermittelten Turchschnittsmarktpreisc betragen für den Lieicrungsverband, einschließlich eines Auffchlages von 5 vom Hundert, für den Akonat August 1911 für 100 Kilogramm Haser 28,35 Mk„ Heu 8,40 Mk, und Stroh 4,20 Mk, Gießen, den 3, September 1911, Großherzogliches Kreisamt Gießen, _ Bete, Die Feier des Geburtstages Ihrer Königlichen Hoheit der Großherzogin. An die Schulvorstände des Kreises. Ans oben bezeichnetem Anlaß fällt der, Schulunterricht am 17, September d, I, aus. Die Lehrer sind hiernach zu l>edeuten. Gießen, den ü. September 1911, Großh. Kreisschullominissron Gießen. ^-1. , Dr. tLCln-a-cr. , , ^ ■/