lr. 210 Oer ««ebener Anzeiger ^scheint täglich, ciujicr Sonntags. — Beilagen: — viermal wöchentlich kiehenerZamilienbläNer; I zweimalivöchenll.iireir- . »«ttsürdenilreisSietzen »jDienstag nndFreitag): I zweiinal moiiail. üand- lvirischastUchk öeitsragen I Fernivrech - Anschlüsse: k für die Redaktion 112, I Bering n. Expedition öl I Advesse kür Deveichen: Anzeiger Gießen. Annahme von Anzeigen I lür die TagcSnuinmer I bis vormittags 9 Uhr. Erster Blatt 164. Jahrgang Dienstag, 8. §eptember 1914 General-Anzeiger für Oberhessen BotatioardruS »nd Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und Stetnöruderei B. Lange. Brdaktion. Expedition und Druckerei: Zchulftratze 7. Aez» gsprct»: monatlich7öVi., vierteljährlich Mk. 2.20: durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Ps.: durch diePost Mk.2.— viertel» jährl. aiisschl. Bcstellg. Zeilenpreis: lokal IbPj, ausivärts 20 Pieninq. Chefredakteur: A. Goetz. Berantwortlich für den polit. Teil: Aug. Goetz; lür .Feuilleton', ,Ver- niischtes' und^Gerichts» jaal": Karl Neurath; lür .Stadt und Land": Kurt Bendt; lür den Anzeigenlell: H. Beck. pariser Berichte. Don den Kriegsschauplätzen sind heute, abgesehen von »,wei ziemlich belern-glosen Pariser Telegrammen, keine Mol- »mngen KU verzeichnen. Hinter den hochtrabenden Worten I >er Pariser sttachrichten, an denen das Wolfs-Vurcau, das I ie übermittelt, unklar läßt, welchen Ursprung sic haben, > ieekt nichts, aber auch gar nichts. In der ersten Meldung) l I wräuschen sich die Franzosen damit, daß ihre Truppen bis i I zum Ourc q vorgerückt seien, ohne größeren Widerstand I;u finden. Der Ourcq liegt nördlich der Marne. Mer die I I zweite Meldung hat schon eine etwas größere Bedeutung. - >Es heißt darin, daß die Franzosen init dem rechten Flügel ' > der Deutschen an den Ufern des Grand Morin sechten. Der , > Grand Morin liegt südlich der Marne, und es steht also fest, I daß das Heer des Generals v. Auch unweit der französischen fl Hauptstadt die Marne überschritten hat. Ob es nun seine I I Absicht ist, sich gegen Paris zu wenden, oder ob nur Neben- i » abteilungen mit den Pariser Verteidigungstruppen in Füh- > luna gekommen sind-, bleibt abzuwarten. Die beiden Pariser 3 H Meldungen beweisen nur, daß die französischen Befehls- I Haber ratlos sind und entscheidende Schritte nur von den , fl Deutschen unternommen werden. In den letzten Tagen hat die Diplomatie wieder I ausfälliger gearbeitet. Wir haben gestern kurz, vor Redak- , « tionsschluß die amtliche Bestätigung erhalten, daß Eng- r fl land, Frankreich und Rußland sich geeinigt haben, keinen fl Separatfrieden zu schließen und die etwa gewünsch- I ten Friedensbcdingungcn vorher einander mitzuteilen. Der I Beschluß ist in L o n d o n gefaßt worden, und Sir Edward / fl '®rei) hat natürlich den Anstoß dazu gegeben. England hat I freilich das größte Interesse daran, daß seine beiden . I Bundesgenossen solange kämpfen, bis England für sich zu fl .einem befriedigenden Abschluß schreiten kann. Man weiß fl es in London ganz genau, daß die Deutschen zuerst Frank- fl weich, dann Rußland zum Frieden nötigen und schließlich ■ I mit dem Anstifter des Weltbrandes abrechnen wollen. I Älbion will nicht allein gelassen werden und will beim Frie- I Hensschluß wieder das größte und letzte Wort haben. Die I svanzösisch rchsischen Brüder nrüssen für die eng- I bischen Interessen bluten und. fechten bis ans - I Messer! Wie der leitende Minister Asquith öffentlich I erklärte, will England nicht rasten und ruhen, bis der ; fl deutsche Militarismus „mit Stumpf und Stiel" «ls gerottet ^« P- Zehn, auch 20 Jahre lang soll' erforderlichenfalls, I nach 'Asquith, dieser Krieg dauern. Wir vermuten, in Paris >! I und Petersburg verhehlt man sich nicht, wie die englischen ■ Hasen laufen, aber einstweilen gehen die Interessen t: I unserer Feinde Hand in .Hand, bombastische Einschüchte- » rungsbeschlüsse zu fassen. Sie stehen ja vorläufig nur ans I dem Papier! Die französische Regierung hat ja schon an- I gekündigt, daß sie den Widerstand bis ans Ende fort- I fetzen will und konnte sich also gegen die englische Aumw s I iung nicht sträuben. Eng beieinander wohnen die Gedanken, . B doch hart im Raume stoßen sich die Sachen. Das Beschluß- - fl Papier wird zerrissen werden in dem Augenblick, wo die Franzosen es für nötig halten. Das wird noch eine Zeit- ' fl lang dauern, aber die Stunde wird kommen. Es mag sein, I daß man in Paris dann versuchen wird, unter Hinzuziehung I Englands günstigere Bedingungen zu erlangen, aber wenn dann die Herren Grep und Asquith rücksichtslos blei- I ben, wird die „Triple-Entente" auseinauderplatzen. Ans uns aber wird der große Beschluß des Zusammenhaltens i gar keine Wirkung ausüben. An der Gewalt der Tatsachen, - fl die von den deutschen Heeren geschaffen werden, müssen die fl englischen Bemühungen zerschellen. Vielleicht wird es aber nicht einmal ein, geschweige denn zehn oder zwanzig Jahre dauern, bis in England selbst ein Umschwung einsetzt. Das Kabinett Asquith ist nicht für die Ewigkeit geboren, und auch die Stimme von Sir Edward Greh reicht nur so- weit, als das Parlament, das im nächften Jahr vor Neu- « Wahlen steht, es will. Sorgen wir, daß die deutschen Waffen weiter arbeiten wie bisher und daß die Lügenatmosphäre, in die das Ausland durch die skrupellosen Engländer versetzt worden ist, allmählich beseitigt wird. Dann wird der Stern Dentsch- I lands auf der Siegesbahn bleiben! (WTB.) Paris, 6. Sept. (Nichtamtlich.) Es ist keinerlei Veränderung zu melden. Zwischen den zur Verteidigung vorgeschobenen Truppen und der Avance- Garde des rechten deutschen Flügels kam es zu einem Zusammenstoß, der gestern größere Ausdehnung annahm. Die Franzosen rückten bis zum Ource vor, ohne größeren Widerstand zu finden. Die Lage der Verbündeten ist im allgemeinen gut. Maubeuge setzt seinen Widerstand heldenmäßig fort. Paris, 6. Sept. (Nichtamtlich.) Ein Communique von gestern abend besagt: Auf dem linken Flügel haben unsere Armeen den Kontakt mit dem rechten Flügel des Feindes an den Ufern des Grand Morin unter :günsiigen Umständen wieder ausgenommen. Im Zentrum I I und an dem rechten Flügel dauert der Kampf an. Paris, 7. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) Gestern ist ein «rnrtliches Dekret veröffentlicht worden, das bestimmt, daß die Jahres klaffe 1814 ansgebildet, nach Verlauf von einigen Monaten mobilisiert und sofort durch die Jahre s- klasse 1815 ersetzt wird, die ihrerseits in der Weise aus- - Wider die Lügen des Auslandes. gebildet wird, daß sie, sobald dies irgend möglich ist, ohne Verzug ins Feld rücken kann. * * * Der Reichskanzler zur Steuer der Wahrheit an die Amerikaner. (WTB.) Berlin, 7. Sept. (Nichtamtlich.) Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" bringt folgende Mitteilung des Reichskanzlers an die Vertreter der Uni- tcd preß und der Associatedpreß: Großes Hauptquartier, den 2. September 1914. Ich loeiß nicht, was man in Amerika über diesen Krieg denkt. Ich nehme aber an. daß dort inzwischen'der Telegrammwechscl des Kaisers mit dem Kaiser von Rußland und dem König von England bekannt genwrden ist. der unwiderleglich die Borge,'chicküc und das Zeugnis dafür ablegt, wie der Kaiser bis zum letzten Augenblick bemüht gewesen ist, den Frieden zu erhalten. Diese Bemühungen mußten aber vergeblich bleiben, da Rußland unter allen Umständen zum Kriege entschlossen war und England, das durch Jahrzehnte hindurch den deutschfeindlichen Nationalismus in Rußland und Frankreich ermutigt Ijattc und die glänzende Gelegenheit, die sich ihm bot, die so oft betonte Friedensliebe zu bewähren, ungenützt vvrübergchcn ließ: sonst hätte wenigstens der Krieg Deutschlands mit Frankreich und England vermieden werden können. Wenn sich einmal die Archive öffnen, so wird die Welt erfahren, wie oft Deutschland England die freundschaftliche Hand e n t g e ge n str e ck t e, aber England wollte die Frcundschast mit Deutschland nicht. Eifersüchtig aus die Entwickelung Deutschlands und im Gcfiihl, daß es durch deutsche Tücküigkeit und dcutsck)en Fleiß aus manchen Gebieten überflügelt werde, wünschte es Deutschland mit roher Gewalt niederzuwerfen, wie es seinerzeit Spanien, Holland und Frankreich niederwars. Diesen Moment hielt cs jetzt für gekommen, und so boi ihm der Einmarsch deutscher Truppen ui Belgien den willkommenen Vorwand, am Kriege teilzuuehmcn. Zu .diesem Einmarsch aber war Deutschland gezwungen. weil cs dem beabsichtigten französischen Vormarsch zu- vorkommen mußte und Belgien nur au) diesen wartete, um sich Frankreich anzuschllehen. Daß er für England nur ein Borwand war, beweist die Tatsache, daß Gr-v bereits am 2. August nachmittags. also bevor die Verletzung der belgischen Ncuttalität durch Deutschland erfolgte, dem französischen Botschafter die Hilfe Englands bedingungslos für den Fall zu - sichcrte, daß die deutsche Flotte die französrsch« Küste angreife Moralische Skrupel aber kennt die englische Politik nicht, llnd so hat das englische Volk, das sich stets als Vorkämpfer für Freiheit und Recht gebärdete, sich mit Rußland, dem Vertreter des furchtbarsten Despotismus, verbündet, mit einem Lande, das keine geistige, keine religiöse Freiheit ketint, das die Freiheit der Völker wie Jndi- vidien mit Füßen trttt. Schon beginnt England einzn- schen, daß cs sich verrechnet hat, und daß Deutschland seiner Feinde Herr werden wird, daher versucht es denn mit den llcinlichsten Mitteln, Deutschland wenigstens nach Möglichkeit in seinem Handel und seinen Kolonien zu schädigen. indem es, unbekümmert um die Folgen für die Kultur- gemeinschast der weißen Rasse, Japan zu einem Raub z ug gegen Kiautschati aushctzt und die Neger in Afrika zum Kampfe gegen die Deutschen in den Kolonien führt. Und, nachdem es den Nachrichtendienst Deutschlands in der ganzen Welt unlerbundcn, den Feldzug mit einer Lüge gegen ims eröffnet, so wird es ihren Landsleuten erzählen, daß die deutschen Trupven belgische Dörfer und Städte niedergebrannt haben, ihnen aber verschweigen, daß belgische Mädchen wehrlosen Verwundeten aus dem Schlachtfelde die Augen ausgestochen haben. Beamte belgischer Städte haben unsere Offiziere znm Essen geladen und über den Tisch hinüber erschossen. Gegen alles Völkerrecht wurde die ganze Zivilverwaltnng Belgiens auf- geboten, die in dem Rücken unserer Trupven nach ansänglich freundlichem Empfang mit versteckten Waffen eine grausame Kampfesweise erhob. Belgische Frauen durchschnitten den Soldaten, die sie im Quartier ausgenommen und die sich zur Ruhe gelegt hatten, die Hälse. England wird auch nichts von den Dum-Dum-Geschossen erzählen, die von den Engländern und Franzosen trotz aller Abkommen und heuchlerisch verkündeten Humanität verwendet werden und die sie hier in Originalpackung einsehen können, so wie sie bei den englischen und französischen Gefangenen gesunden wurden. Der Kaiser hat mich ermächtigt, alles dies zu sagen und zu erklären, daß er volles Vertrauen in das Gerechtigkeitsgefühl des amerikanischen Volkes hat, daß sich durch den Lügenkrieg, den unsere Gegner gegen uns führen, nicht täuschen lassen wird. Wer seit dem Alisbruch des Krieges in Deutschland gelebt hat, hat die große moralische Volkserhebung der Deutschen, die, von allen Seiten bedrängt, zur Vetteidigung ihres Rechts auf ihre Eristenz freudig ins Feld ziehen, selbst beobachten können und weiß, daß dieses Volk keiner unnötigen Grausamkeit und keiner Rohheit sähig ist. Wir werden siegen dank der moralischen Wucht, die die gerechte Sache unseren Trupven gibt, und schließlich werden auch die größten Lügen unsere Siege so wenig wie unser Recht verdunkeln können. (DDP.) Berlin, 7. Sevt. Zu der Mitteilung des Reichskanzlers an die amerikanische Presse schreibt die B. Z.: Diese markige, eindrucksvolle Kundgebung wird überall dort, wo man die Sprache der Ehrlichkeit versteht, ihre Wirkung nicht verfehlen. Es war ein guter Gedanke des Reichskanzlers, auf das Anerbieten zurückzugreisen, das der Generaldirektor des großen Nachrichtenbureaus „Associated Preß" der deutschen Regierung Mitte August gemacht hat, und durch Vermittelung der „Associates Preß" dem amerikanischen Volke die Wahrheit über den Krieg, das, was ihm vorausging, über die deutschen Wafsenersolge und die deutsche Kriegsübrung zu übermitteln. Es war ferner klug, diese Mitteilungen auch dem zweitgrößten Unternehmen dieser Art, der „U n i t e s P r e ß" zugehen zu lassen, schon deshalb, weil dieses in Verbindung init dem „Newnork Sun" steht, der in politischer Tendenz England nahesteljt. „Ncwhork Sun" ist ein viel zu vornehmes Blatt, um eine Kundgebung zu unterdrücken, die es von einer politisch gegnerischen Seite mit dem Ersuchen um Veröffentlichung erhält. Aeußerungen des Fürsten Bülow. Stockholm, 7. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) Die Zeitung „NyaDagligt Allehanda" sowie die Zeitungen „Tagen" und „Aslenbladet" veröffentlichen ein Interview, das Fürst Bülow dem norwegischen Schriftsteller Björn Björn- s on gewährt hat. Der Fürst drückt in diesem Interview seine Ansichlcn über den weiteren Verlanf des Riescnkampfes, der jetzt die Welt mit Getöse erfülle, a»s und kennzeichnet seine Ueberzeugung mit den Worten: „Wir werden siegen, weil wir siegen müssen! Das deutsche Volk erlag noch nie einen Feinden, wenn es einig war, und niemals im Lause einer langen und wechselvollen Geschichte war es so einig wie heute!" Der Fürst nimmt darauf Bezug, daß Deutschland in diesem Kriege auch für die europäische Kultur, ihren Fortbestand und ihre Zukunft kämpst, geht des weiteren auf Deutschlands Stellung zu den neutralen Staaten ein, um schließlich die Feinde Deutschlands zu kennzeichnen: Frankreichs Rachsucht, Rußlands panslawistische Ziele, Belgiens Torheit, Japans Heimtücke und Englands Konkurrenzneid. Von England, das uns Japan auf den Hals hetzte, sagte der Fürst: „Das war Hochverrat an der weißen Rasse. Es wird viel Wasser die deutschen Ströme herabfließen, bis der Deutsche das England vergißt, dessen Freundschast von uns und in erster Linie von unserem Kaiser so beharrlich und ehrlich erstrebt wurde, mit dem wir so gut in Frieden und Freundschaft hätten leben können, wenn England uns nur den Platz an der Sonne gegönnt hätte, aus den das deutsche Volk ein Recht hat und den cs sich, und wenn die Welt voll Teufel war', nicht nehmen lassen wird. Aber glauben Sic mir: Wir werden das Feld behaupten, wir werden kämpsen, bis wir einen Frieden erlangen, würdig der Opfer, die unser Volk mit heiligem Ernste bringt!" Eine dänische Acußernng. Kopenhagen, 7. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) Das konservative Blatt „Bortland" bringt einen Artikel über das Reuter-, das Havas- und das Wolfs-Bureau, und sagt darin: „Man kann nicht leugnen, daß die Wolff-Mel^ düngen das größte Vertrauen des Publikums genießen: allerdings ist es für den Sieger am leichtesten, die Wahrheit zu sagen." Keine allgemeine Mobilmachung Italiens. Rom, 7. Sept. (WTB.) Dem „Corriere d'Jtalia" zufolge erklärte der Ministerpräsident Salandra, die gegenwärtig vorhandenen Truppen genügten zur Gewährleistung der Neutralität. Eine allgemeine Mobil» niachung erfolge nicht. ... Die Verteidigung der Belgier in Antwerpen. London, 7. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) Ans Ost«: ende wird gemeldet: Ein Teil des Landes, besonders Mecheln, ist von den belgischen Genietruppen unter Wasser gesetzt worden. Termonde wurde geräumt. Reservisten ans Lille erzählten, das Land sei mit einer Kriegskontribution von 200 Millionen Francs belegt worden. In Lüttich beginne sich' Mangel an Nahrungsmitteln fühlbar zu machen. Gestern lvurde aus einer „Taube" eine Bombe geworfen, die aber) keinen Schaden anrichtete. Heute früh flog eine „TaubK' in großer Höhe über die Stadt Gent, aus der zwei Bomben geworfen wurden. Die erste fiel auf das Dach einer Schlosserwcrkstatt in der Rue Bienfaisance, die zwelle aus den Boulevard des Hospices. Es wurde nur Materialschaden angcrichtet. Berlin, 7. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) Der Korrespondent des „Berliner Tageblatts" in Rotterdam berichtet, daß drei Forts von Maubeuge vollständig zerstört seien und daß die Beschießung der übrigen mit außerordentlicher Heftigkeit fortgesetzt wird. — Ein holländischer Kriegskorrcspondent, der den Fall von Dendermonde miterlebte, berichtet: Unter den belgischen Berteidigungs- truppcn war ein Teil der Besatzung von Namur. Sie waren aus Nordfrankreich geflohen, in Havre an Bord eines englischen Transportdampfers gegangen und an der belgischen Käste Iviedcr gelandet. Sie sahen elend aus, mit zerrissenen Schuhen, phantastischer Kopfbedeckung oder barhaupt. Artillerie und Besatzungstruppen dreier Antwerpe- ner Forts griffen bei der Verteidigung Tendermondes ein, doch vergebens. In wenigen Stunden war es von den Deutschen genommen. Löwen nicht völlig zerstört. Berlin, 7. Sept. (WTB.) Die „Norddeutsche Allg. Zeitung" schreibt: Wir haben Gelegenheit gehabt, den Direktor der Deutschen Bank, Dr. Helfferich, zu sprechen^ welcher soeben aus Belgien zurückgekchrt ist. Er war u. a. auch in Löwen. Er erzählt, daß von einer brutalen Zerstörung der Stadt nicht die Rede sein könne. Zerschossen und nieder- gebrannt sind nur die östlichen Quartiere, in denen nach der friedlichen Ucbergabe der Stadt unsere Truvpen in heimtückischer Weise systematisch anhaltend beschossen wurden, vor allem die Straßenzüge, die vom Bahnhof und aus der Richtung Tirlemont nach dem Sladiinnern führen. Die graw- same Ironie des Schicksals will, daß die Straße von Tirle- mont nach dem Stadtzentrum den Namen „Rue des Joyeuses entrses" fül,rt, wie noch auf den Straßenschildern lesbar ist. Alle Häuser und Wände in diesen Straßen sind mit .Kugel- spuren dicht übersät, ein Beweis, wie jedes einzedre Straße«^. viert«! gestürmt werden muhte. Dagegen ist die g a n z e s Ü d- lichc Stadlhälfte, auch ein Teil des Westens, so gut wie unversehrt geblieben. Zahlreich»: Häuser tragen hier Jnsckxristen, wie: „Hier wohnen gute Leute, bitte schonen". Das Rathaus, die Perle Löwens, ist völlig erhalten. Es wurde durch unsere Truppen gerettet. Tic Offiziere, die sich an dem Straßenkamps beteiligten, erzählen, daß unsere Leute Dampfspritzcn hervorholten, um den Brand der dem Rathaus benackcharten Häuser zu löschten, so daß dieses architektonische Kleinod vor dem Untergang bewahrt wurde. Sic führten das Rettungswerk durch, obwohl sic bei der Löisnhar be it fortgesetzt von Löwener Bürgern n-c i t c r beschossen wurden. Leider gelang cs nrchl die wertvolle Universitätsbibliothek zu retten. Von der Kathc- ihralc ist der Turm cingestürzt, das Schiff aber erhalten. Die englischen Rückzugsgefechte. Rotterdam, 7. Sept. „Daily Telegraph" berichtet 'aus Paris: Trotz doppelter Nankenbedrohung dringen die deutschen Kolonnen im Oise-Tal vor. Ein französischer Flankenangriff ivurde aus Guise Kurückgewvrsen und French gezwungen, sein Hauptquartier zuerst nach Nohon und später nach Clerinont zu verlegen. Nun entfaltete sich die englisch« Armee Arischen Clermont und Doissons 86 Kilometer nördlich von Paris. Eine deutsche Mteilung drang bis zu dem Bahnhof Amizy-le-Chateau zwischen Laon und Soiffons vor. Das Vonvärtsdrängcn der deutschen Armee zwang die Engländer, ihren Stützpunkt am Meer von Boulogne nach Havre zu verlegen. Englische Verluste. Berlin, 7. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) Die heute hier eingetrvffene „Times" vom 2. September enthält eine Nachtragsverlnstliste der Admiralität, in der Namen der Besatzungen der geschützten Kreuzer „Arcthusa", „Oearkest", sonne der Torpedobootszerstörcr „Truid", „Laer- tes" und „Phönix" enthalten sind. Ei« «»»glischcr Kreuzer gesunkeu. , Amste r da m, 7. Sept. Der „Nieuwe Rotterdamsche Courant" meldet, der englische Kreuzer „P athfin der", gebaut 1661, ist auf dem Weg von Thne nach Newcastle auf eine Mi n e gestoßen und gesunken. Biele Menschen sind dabei umgekommen. Londoner Besorgnisse vor de» Zeppeline». Rotterdam, 7. Sept. Die „Times" melden, daß die englische Marine damit beauftragt worden ist, Angriffe gegen London aus der Lust abzuwehren. Hydroplane pa- trouillieren regelmäßig die Ostküstc Englands entlang, um i auf deutsche Luftschiffe und Flugzeuge zu lauern. Nachts arbeiten Scheinwerfer. Nus den Regierungsgcbäuden usw. sind Kanonen aufgestellt, und es werden Flugzeuge bcreitgchaltcn. Minen an der englischen Küste. London, 7. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) Die Admiralität gibt bekannt, daß der Passagierdampfcr „Run o" von der Wilsonlinie am 5. September nachmittags in der Nähe der englischen Ostküstc auf eine Mine gelaufen und gesunken sei. Die Bemannung und die Passagiere seien gerettet worden, außer etwa zwanzig Russen, die aus Paris geflüchtet waren. Englische Ucbergriffe in Aeqhpteu. Konstantinopel, 7. Sept. Der englische Kommandant in Kairo belegte den Reservefonds der ägyptischen Dette Publique mit Beschloß, ferner die flüssigen Fonds der dortigen Nationalbank und des Finanzministeriums, insgesamt acht Millionen Pfund Gold, die mit einem Spez-iaffchifs nach London gesandt wurden. Mr den Gegenwert würden Zwangsnoten ausgegeben. (Frkf. Ztg.) Die Deutschen in Rußland. Berlin, 7. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) Die „Norddeutsche Allg. Ztg." schreibt über das Schicksal der R c i ch s- angehörigen in Rußland: Nach einem Bericht des Kaiserlichen Konsulats in Liban sind mit_ ganz qerinqen Ausnahmen alle deutschen Reichsange- börsgen in .Kurland in der Zeit vom 4. bis zmn 9. Ananst nach Kostroma an der Wolga ansgewicsen worden. Der Ausweisungsbefehl erstreckte sich nnr ans Männer: sämtliche Deutschen weiblichen Geschlechts und Unter 17 Jahren dürfen in Liban oder ihren sonstigen Wohnorten verbleiben. Bis zmn 9. ?lugust durfte jeder Ausgewiesene ans eigene Kosten ausreisen. Die Nachqe- blicbenen wurden am 16. August etappenweise auf Staatskosten nach Kostroma geschasst. Bon Kostroma ist dann ein Teil weiter nach Wologda gesandt worden. Diejenigen Deutschen, welche in Deutschland aktiv gedient haben und noch militärpslichtig waren, wurden als Kriegsgefangene verhaftet und ins »vcitere Innere Rußlands gebracht. Sie besinden sich augenblicklich in Wologda, darunter auch die beiden Söbne des deutschen Konsuls in Liban. Bon Riga wurden die nicht militärpflichtigen Deuh'chen nach Samara, Wologda, Perm und Wiatka gesandt, diejenigen von Petersburg nach Wiatka. Perm. Orenburg und Samara, die Militärpstich- tigen als^.Kriegsgefangene, die anderen dursten eine der genannten Städte als Ausenthaltsort wählen. Es liegt, wie der Konsulatsbericht ausführt, kein Grund vor. irgend einen in Rußland befindlichen Deutschen schon deshalb als vermißt zu betrachten, weil jede Nachricht fehlt: einstweilen ist eben jede Postverbindung mit Russland unterbrochen. Es ist jedenfalls stets eine größere Anzahl Deutscher beisammen, jeder tritt da für den anderen helfend ein. Unsere deutschen Vertreter in Japan. Berlin, 7. Scptbr. (WTB. Amtlich.) Die Mitglieder Unserer Botschaft in Tokio und der Konsulate in Japan sind am 81. August mit dem amerikanischen Dampfer „Minnesota" nach den Vereinigten Staaten abgereist. Ein „Schwabenstreich". Stuttgart,?. Sept. Das Württembergische Generalkommando gibt folgendes bekannt: Der Leutnant der Reserve M a t t h e s hat in der Nacht vom Freitag zum Samstag mit seinem Zuge eine feindliche Batterie vernichtet und 6 Gcschützesowie 13 Munitionswagen und viele Pferde erbeutet. Leutnant Matthes ist ein Sohn des Stuttgarter Kanzleirates Matthes. Hilfe für die geschädigten Reichdländcr. Straß bürg i. E., 7. Sept. Die eisäffische Presse veröffentlicht einen Aufruf zur Linderung der Not in den von den Frarrzosen besetzt gewesenen Gebieten, der gewiß, allseitige Förderung verdient. Ebenso wie in Ostpreußen haben große Teile Elsaß-Lothringens, das ganze Obereffaß, das Breuschtal, die Saarburger und Dagsbnrger Gegend schwer unter der französischen Invasion und den Folgen des Krieges zu leiden gehabt, was zusammen mit den zur Derlei digung von Straßburg und Metz getroffenen Maßnahmen zur Vernichtung gewaltiger Werte geführt hat. Es fehlt am Notwendigsten, besonders an Lebensmitteln, so daß schnelle Hilfe notwendig ist. I 25« «av Kriegsfreiwillige in Oesterreich-Ungarn. Wien, 7. Sept. Nach authentischen Meldungen beträgt bisher die gesamte Zahl der Anmeldungen von Kriegsfreiwilligen für die österreichisch-ungarische Armee 1250 060. Die freiwilligen Sammlungen für das Rote Kreuz und die Kricgsfürsorgc in den österreichischen Kroitlanden weisen bis jetzt über 205 Millionen Kronen aus. D«S Ringen mu Lemberg- Wien , 6. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird gemeldet: Am 3. September haben die Russen die in weiten: Umkreise um die Stadt Lemberg errichteten Erd- werke beschossen. Unsere Truppen waren jedoch bereits abgezogen, um die offene Stadt vor einer Beschießung zu bewahren und weil auch operative Rücksichten dafür sprachen, Leinberg dem Feinde ohne Kampf zu überlassen. Das Bombardement richtete sich somit nur gegen unverteidigte Deckungen. Die Armee Dankl ist neuerdings in heftigem Kampfe. An der sonstigen Front herrscht nach den großen Schlachten der vergangenen Wochen verhältnismäßig Ruhe. Der Stellvertreter der Chefs des Generalstabs v. Höfer, Generalmajor. * . * Tie diplomatischen Verhandlungen vor der Kriegserklärung Englands. Aus den gestern kurz erwähnten Berichten des früheren englischen Botschafters in Berlin, Sir Goschen, an seine Regierung entnehmen wir einige interessante Abschnitte über die Haltung unseres Reichskanzlers und unseres Kaisers. Am 4. August, abends, suchte Goschen im Einverständnis in.it Staatssekretär v. Jagow auch Herrn v. Bethmann Hollweg aus. Er schreibt darüber: fand den Reichskanzler sehr aufgeregt. Se. Exzellenz begann sofort mit einer Anrede, die ungefähr 20 Minuten dauerte. Er sagte, der von der britischen Regierung beschlossene Lchrttt sei im höchsten Grade schrecklich: irur um ein Wort „Neutralität", ein Wort, das in Kriegszeiten so oft mißachtet worden' ser, nur irm ein Stück Papier sei Großbritannien im Begriff, Krieg mit einer verwandten Nation zu führen, welche nichts Besseres wünsch», als mit ihr befreundet zu bleiben. Alle seine Anstrengungen in dieser Richtung seien durch diesen letzten schrecklichen Schrill Witzlos geworden, eine Politik, für die er sich, wie ich wisse, sei» seinem Amtsantritt eingesetzt strbe, sei zu Boden gefallen wie ein Kartenhaus. Was wir getan hätten, sei nicht auszudcnken. Es ser wie ein Schlag gegen einen Mann von hinten, tvährcnd er mit zwei Angreiscrn um' sein Leben kämpfe. Er mache Großbritannien verantwortlich für alle die schrccklichm Ereignisse, die eintreten könnten. Ich protestierte gegen diese Erklärung nachdrücklich und sagte, so wie er und Herr von Jagow mich ersucht hätten einzusehen, daß der Bormarsch drrrch Belgien und die Verletzung der belgisckzen Neutralität aus strategischen Gründen eine Sache vom Leben uud Tod für Deutschland sei, ebenso bäte auch ich ihn zu verstehen, daß es sozusagen eine Sache von Leben und Tod für die britische Ehre sei, eine feierlich: Verpflichtung zu halten und alles zur Verteidigung der angegriffenen belgischen Neutralität anszubicten. Dieser scicrliche Vertrag müsse einfach gehalten werden, denn welches Vertrauen könnte sonst noch in Zukunft irgend jemand auf britische Verpflichtungen setzen? Der Kanzler sagte: „Aber um wclckwn Preis wird dieser Vertrag gehalten? Hat die britische Regierung daran gedacht?" Ich deutete Sr. Exzellenz so offen als ich konnte an, daß die Furcht vor den Folgen kaum als Entschuldigung für den Truck» feierlicher Verträge anzusehen sei. Aber Se. Exzellenz war so erregt, so offensichtlick, von der Nachricht von unserem Handeln überwältigt und so wenig aufgelegt, Deniunstgründe anzuhören, daß ich davon abstand, durch ferneres Argumentieren Oel in da? Feuer zu gießen. Als ich ihn verließ, sagte er: Der Schlag, den Großbritannien führe, indem es' sich zu Deutschlands Feinden geselle, ser um so größer, als fast bis zuM letzten Augenblick er und seine Regierung mit Uns gearbeitet rmd unsere Bemühungen zur Erhalttmg des Friedens zwischen Oesterreich und Rußland ^ unterstützt hätten. Ich sagte, _ dies eben gehöre zu der Tragödie der Trennung der beiden Nationen gerade in den: Augenblick, wo ihre Beziehungen freundlich« und herrlicher geworden seien, als sie seit Jahren warm. Unglücklicher- tvcisc habe sich trotz unserer Bemühungen, den Frieden zwischen Rußland und Oesterreich zu erhallen, der Krieg ausgcbreitet und uns einer Situation gegenübergestellt, die wir, wenn wir unsere Verpflichtungen cinhalten, unmöglich vermeiden konnten und die unglücklicherweise den Bruch mit unseren bisherigen Mitarbeitern zur Folge habe. Er würde ohne Zweifel verstehen, daß niemand dies mehr bedauere als ich. Nach diesem etwas schmerzlichen Gespräch kehrte ich zur Botschaft zurück und setzte einen telegtraphischen Bericht über das Vor- gesallenc auf. An einer anderen Stelle fährt der Botschafter fort: An dem folgenden Morgen, dem 5. August, sandte der K a r s e r einen seiner Adjutanten mit der folgenden Boffchaft zu mir: „Der Kaiser hat mich beauftragt, Ew. Exzellenz sein Bedauern über die Geschehnisse der letzten Nackt lKundgebungen vor der Botschaft) auszudrücken, aber gleichzeitig Ihnen zü erklären, daß Sie aus diesen Geschehnissen eine Vorstellung von den Gefühlen seines Volkes über das Vorgehen Großbritanniens und dessen Bündnis mtt anderen Nationen gegen seinen alten Verbündeten von Waterloo gewinnen werden. Seine Majestät bittet Sie auch, dem König zu sagen, daß er aus die Titel eines britischen! Feldmarschalls und britischen Admirals stolz gewesen sei, aber infolge des Geschehenen diese Titel jetzt sosvrt ablegen müsse. Ich möchte hinzufügen, daß diese Botschaft von ihrer Herbheit nichts durch die Art der Mitteiiung verlor. Auf der anderen Seite möchte ich auch feststellen, daß ich während dieser ganzen aufreibenden Zeit von Herrn v. Jagow und den Beamten des Kaiserlichen Auswärtigen Amtes nichts als Höflichkest empstng. Au» Stadt und CattOw Gießen. 8. September 1914. Die neuen DarlehnSkaffei,scheine zu 2 und 1 Mark. Die demnächst zur Ausgabe gelangenden Darlehnskaffenscheine zu 2 Mark sind 11 Zentimeter breit und 7 Zentimeter hoch und enthalten ein die ganze Fläche bedeckendes und sich wiederholendes Wasserzeichen von etwa 8 Millimeter Durchmesser. Die Vorderseite zeigt einen Untergrund in rötlicher und grauer Farbe. In der Mitte des Scheines befindet sich eine rötliche 2. Zn beiden Seiten, rechts und links, über den letzten Ausläusern des Untergrundes steht eine 2 und darunter je ein M, beides in rötlicher Farbe. Die Vorderseite hat in scknvarzer Farbe und in deutscher Schrift, zuni Teil mtt reich verzierten großen Ansangsbuchstaben, salzenden Ausdruck: Darlehnskassenschein. Zwei Mark. Berlin, den 12. August 1914. Reichsschuldenverwaltung. Die Rücksctte ist in rötlicher Farbe gchruckt. DieDarlchnskassenscheinezulMark sind 9.5 Zentimeter breit und 6 Zentimeter hoch und enthalten das gleiche Wasserzeichen wie die zu 2 Mark. Die Vorderseite zeigt einen zwcisarbigen Untergrund in rotoioletter und grünlicher Farbe. Rechts und links bestnden sich ausrechtstehende Ovale, innerhalb deren auf rotviolettem Grunde in grüner Farbe die Zähl 1 iw, kräftiger Form und darunter das Wort Mark stehen Die Vordcr- I feite hat in schwarzer Farbe und in deutscher Schrift, zum Teil | mit reich verzierten großen Amangsbuchstaben, folgenden Aufdruck ■ I Darlehnskassenschein Eine Mark. Berlin, den 12. 'August 1914 Die Rückseite ist in grüner Farbe gc- Die Ausgabe der Scheine zu 2 Mark beginnt, wie wir hStt«, am 11. d. Mts., während die Scheine zu 1 Mark «ft spät« in den Verkehr kommen. 9 Flaggcnbrauch. Dem Herrn Oberbürgermeister ist in diesen Tagen auz der Stadt von geschätzter Seite ein Schreiben zugegangen, , welche? — unter weiterer Ausdehnung auf Illumination und Sffockengeläiite — den gleichen Wunsch zuin Ausdruck bringt, I wie nachstehender Artikel der „Täglichen Rundschau": Schön und lobenswert ist die Sitte, die Knude von demschen l Siegen durch Deslaggung zu feiern, aber viele unser« Lands- I leutc sind, wie in diesen Wochen zu beobachten war^ mit dem l Flaggenbranchc nicht ganz vertraut. Eigentlich soll die Flagge nur ' über Tag wehen und bei Sonnenuntergang eingezogen werden, eine l Regel, die jedoch Wohl nnr von d« Marine streng eingehalten . wird. Zudem soll eine Siegeskunde auch nur einen -Tag lang I durch Deslaggung gefeimt und dann die Flagge Wied« eingezogcn I werden, um hossentlich recht bald, bei neuen glücklichen Nackrrchtch, I wied« zu «scheinen. Setzt sich ab« die Beslaggnng ohne UMer- I brechung fort, so verliert sic W«t und Bedeutung, und zudem läuft I man Gefahr, daß, wenn eines Tages etwa eine minder erfreu» I llche Nachricht cinläuft, zwischen ihr und der durch sie «zeugten I Stimmung und dem Siegesprangen der Flaggen ein empfindlicher I Mißklang entsteht. Man richte sich in der Beslaggnng am besten s nach den amtlichen Gebäuden, die nach jeder neuen Sttgesnachricht I für einen Tag die Flaggen hissen. Dann erst wird jeder Sieges- , tag auch äuß«lich als ein Festtag wirken und das Auge nicht j abgestumpft werden durch den Flaggcnschmuck. Man kann sick^dicsen Ausführungen im Interesse einer I Einheitlichkeit der Siegeskundgebungcn mir anschlicßen und darf das Publikum wohl bitten, die Entschließung darüber, I ob und in welcher Weise eine Freudenkundgebung stattfinden I soll, der Bürgermeisterei zu überlassen, zu der man das Zu- ; trauen haben darf, daß sie der Stimmung der Allgemeinheit I einen den Verhällnissen entsprechenden Ausdruck zu verleihen I wissen wird. Wenn an unserem Stadthause die Fahnen wehen, I dann mögen auch die übrigen Gebäude der Stadt für s den betreffenden Tag möglichst zahlreich im Flaggcuschnmck \ prangen! * Auf dem Felde der Ehre gefallen. (Aus Hessen und den Nachbargebietrn.l Feldwebel der Res. Friedrich Reuß, Maschttreagew.-AA. I in Metz. — Unteroff. d. Res. Carl Hirz, Jns.-Regt. 116, aus , Watzenhorn. — Li. d. Res. und Bürgermcistw i. Pr. Stargord I Gustav Krause in Gießen. — |@ini. Freiw.-Uuteroff. Haur. I Prinzing in Frankfurt a. M. — Willy Scondo, Prok. in I Franffurt a. M. — Hauptmann Wilh. v. Knobelsdorfs» I Brenken ho ff, Frankfurt a. M. — Hauptmann He r rm m N t I Sticker in Tarmstadt. — Sergeant Rudolf R o be in Darm» I stadt. —> Li. d. Res. Hans Heinr. T r o s k e im Jns.-Regt. 118, I Wiesbaden. — Ossizier-Stellverir. Willi Dombach im Füs.» I Regt. 80 in Diez. — Dr. Karl Noll, Chemiker bei W. E. Hcraeus in Hanau. — Gmi.-Freiw.-Uutrroff. Phil. Wag ner in .Hanau. — Gesr. Ernst Reinhardt, Bürg«meist«ei-Sekk.. in Groß-Zimm«n. — Lt. Fritz Adolph in Wiesbaden. — Oberlt. Hans W eher in Wiesbaden. — Lt. d. Res. Gerichtsaffessor Robert Nenß in Wiesbaden. — Lt. Walt« Esch im Inf.-Regt. 164. — Bizefeldtv. d. Res. Lehr« Phtt. Feilin g, Jnf-Regt. 116, in Nieder-Florstadt. — Vizeseldwebel Eduard Berentzen, Inf.-Reg. 118 in Hanau. — Earl Sänger aus Friedberg» Fauerbach. — Phil. Bcrghof in Mainz. — Friedr. Eisner in Mainz. — Heinrich Heckelsmüller aus Nackenherm. — Hauptmann d. L. ?ldolf Moritz in Weilbnrg. — Vizeseldw. d. R. 'Dr. phil. Fritz Gut heil in Marburg. — Leutnant d. R, Dr. Phil. Klein, Jns.-Regt. 116 in Gießen. — Paul Schick». Ins.-Regt. 116 in Gießen. — Osstzier-Stellv. Heinrich Heil, Feldartillerie-Regt. Nr. 25 aus Wickstadt. — Hauptmann Mbcrt Dihm, Jns.-Regt. 168 in Butzbach. — Leutnant d. R. und Polizeiamtmann Fritz Stumpf, Feldartillerie-Regt. Nr. 25 aus Flonheim. — Leutnant d. R. und Lehrer Hennami Schmidt, Jns.-Regt. Nr. 99. aus Darmstadt. — Leutnanr d. R. und Ob«» ' lehrer Dr. .Hugo Manger in Franffurt a. M. — Gefreit« d R. Karl W ü st in Die,. — Leutnant d. R. und Forstres«eudar Fritz Langreutcr in Weilbnrg. — Unte^onizi« d. R. Friedrich Kießling in Hanau. — Ernj.-llüterofffzi« Paul Fritz Frsch» b a ch, Jns.-Regt. 88, ans Hanau. — Unteroffizier und Gerichts» aktuar Rich. Becker in Langenselbold. — Jean Fasse! jun. in Hanau. — Anton Michel in Worms-Neuhruscu. — Leutnant d. R .Willy Thomson in Ofsenbach a. M. — Unteroffizi« d. R. Jul. G a u b a tz in Offenbach a. M. — Leutnant Karl Schoenc» mann in Ofienbach a. M. — Feldnwbel Phil. Stelz in Franl» surt a. M. — Oberstleutnant Otto Pfass in Wiesbaden. — Landeswegemeist«-Anwärt« Wilh Dombach in Wiesbaden. —» Leutnant und Mjutant Franz Geromont aus Winkel. * ** Aus dem Schuldienst. Uebertragen wurde dem Schulamtsaspiranten Karl BiebeSheimcr aus Nord» heim, Kreis BenSheim, eine Lehrerstelle an der Volksschule zu GunterSblum. ** Personalnachrichten der Ober-Pvstdrrek- tion in Darm stadt. Etatsmäßig angestelkt: die Telegraphengehilsinnen Trautmann.in Älzey, Stoffel in Mainz und Seitz in Worms. — Bestanden: die Postsekretärprüfnng! die Ober-Postasststenten Schweitzer in Darmstadt, Schäfer in Gießen, die Postassistenten Hcchl«, Kunze. Wilhelm Schmidt, Winter in Darmstadt, Philipp Schmidt, Haykemver in Eberffadt, Amend in Worms: die Telcgraphensekrctärprüfung d« Ober- Tlcgraphenassistent Wohlfarth in Darmstadt, die Telegraphen- assistenten Götz in Darmstadt und Külzer in Mainz. Angenommen: zu Telegraphengehilsinnen die Anwärterinnen Diederich in Mainz und Schorn in Worms. Freiwrtlrgausgeschiedcn: die Telegraphengehilsinnen Kell in Mainz und Schultzc in Worms. Gestorben (vor dem Feinde gesallen): Dkwr-Postprakttkant Schuchmann und Pvstassistent Kohr. **Ausdem Milstärwochenblatt. Esch, -Oberst von d« Armee und kommandiert zur Dienstleistung beim Kommando des Landwehrbezirks Mannheim, zuletzt Kommandeur des 5. Großherzoglich Hessischen Jnsant«ie-Regiments Nr. 168, mit der gesetzlichen Pension zur Tisvosition gestellt und zum Kommandeur des Landwehr-Bezirks Mannheim ernannt. ** Postbezug von Zeitungen für Heeresangehörige. Nach ein« Bekanntmachung des Reichs-Postamts können zur Beschleunigung des Zeitungsbezuges der im Felde stehenden Truvven Zeitungen und Zeitschriften sür HecrcsangchSrigr auch durch Familienangchörigein der Heimatoder sonstige Personen bei den Reichs-Postanstaltcn am Schalter bestellt werden. Für derartige Bestellungen ist außer dem gewöhnlichen Bezugspreise eine Umschloggebühr zu entrichten, die sür daS Vierteljahr beträgt: a) bei wöchentlich einmal oder seltener erscheinenden Zeitungen 30 Pfg.; b) bei zwei- oder dreimal wöchentlich erscheinenden Zeitungen 60 Pfg.: e) bei öfter als dreimal wöchentlich erscheinenden Zeitungen 1 Mk. 20 Pfg. Bei kürzerem als vi«teljährlichem Bezüge wird die Umschlaggebühr anteilig unt« 'Abrundung auf volle Monatsbeträge «hoben. ** Die hiesige Volksküche besteht jetzt 4 Wochen; sie wurde zur Unterstützung bedürftiger Angehörigen von Kriegstcil- nchm«n errichtet und hat ihre Wirksamkeit auch aus andere in Rot geratene Familien nach^ genauer Prüfung deren V«hältnisse enveitert. Täglich, außer Sonntags, wird von 12—1 Uhr ein kräftiges Mittagessen kostenlos gegeben, und nimmt etti Teil der Leute das Essen bei schönem Wetter im Garten, bei nngünsllgem im Hause des Casö Ebel direkt ein, nwhrend die meisten'Familien sich ihr Quanwm. für jedes Glied eine Porttvn heim holen Die Volksküche ist eine der besten Wohlfahrtscinrichlungen, welche zur Linderung der Not in dieser KriegSzett geschaffen wurden, und verdient allseitig unterstützt zu werden. Da das kfffen.ganz unentgeltlich abgegeben wird, bat die Volksküche töne Annahmen außer den Znwentmnqen, welche ihr in Naturalien und Geld ans der Bürgerschaft Gießens und benachbarter Orte werden; über XJO Personen begehren täglich ihre sNittagSnahrunq, so daß die Volksküche zur Erfüllung der Ausgabe auf entsprechende große Unterstützung angewiesen ist. Möge diese der Volksküche rerästich zuteil werden, damit sie weiter segensreich wirken kann! ** Für freiwillig e Gaben für im Felde stehende Truppen (Verwundete und Krankei sind im Bezirk des 18 Armeekorps zwei Annahmestellen in Frankfurt a. M. errichtet worden. Wir verweisen diejenigen, welche sich an der Spende beteiligen wollen, aus die in vorliegender Nummer enthaltene Anzeige ** Gießen Tie Angehörigen bereinigen Mitglieder der St er belasse, die zur Fahne ein berufen sind, wollen sich umgehend bei dem Rechner .Haas, Stephan- straße 17 II. melden. (S. Anz. in vorl. Nr., "Kinder als Wohltäter Zn einem Hofe an der Kaiserallee veran, kälteten am Montag die Kinder aus der Kaiser- aller und den anliegenden Straßen auf einer primitiven Bühne einen Li chtb^il d e r vort r »g. Der Dortrag, dem auch Er- wachsene mit Interesse solatcn, ergab einen ansehnlichen Betrag zum Besten dos Roten Kreuzes. '"'Versteigcrungnicht mehrbrauchbarerMili- tärpserdc durch das Ist. Armeekorps. Die Landwirt- schastskammcr hat bei dem Generalkommando den Antrag gestellt, daß nicht mehr brauchbare Militärpserde eventuell auch Beule- pserde unter weitgeltendster Bekanntmachung durch die Landwirt- schastskammer unter Ausschluß des Handels, an die Landwirte versteigert werden. Die Landwirtsiliaftskammer wird die betrcsfen- den Versteigerungen unter der Voraussetzung, das, der Antrag genehmigt wird, in der ..Hessischen landwirtschaftlichen Zeitschrift" und auch in den Tagesblättern bekanntgeben. Pferde aus Dänemark bezw. au§ Belgien zu beziehen, ist leider unmöglich gewesen. Landkreis Gießen. 0?. Lang-GönS, 7. Levt. Welch ein opserkrendiger Geist ansere Landbevölkerung ergristen dat, zeigt auch die heutige Sammlung der hiesige» OrlSaruvpe des F l o t t e n v e r«i „ s. Ergab ste doch die ichöne Suninie von 834 Mark. Dieser Betrag wurde [olort an den LandeSausschust des Flottenvereins nach Tarmsladt abgesandt, Starkenburg und Rhrinhessen. rm. D a r m st a d t, 7. Sept. Das Hoftheater wird seine Spielzeit mit einem Wohltätigkeitskonzert am Donnerstag, den 10. September, eröffnen, um am 17 September, dem Geburtstig der Großherzogin, mit der eigentlichen Spielzeit zu beginnen, Den Zeitvcrhältnissen Rechnung tragend, soll im Spielplan die ernste deutsche Kunst bevorzugt werden. Tie im Jahre 1870 eingesührtc schöne Sitte soll wieder ausgenommen werden, Nach der die neuesten Kriegsdepeschen den Theaterbesuchern von der Bühne herab bekannt gegeben werden und in den Zwischenakten der Schauspiele sollen durch die Hoikapelle geeignete Musikstücke aus den reichen Schäden der vaterländischen Musik vorgetragcn werde,r. Der Ertrag der Borstellimgcn soll häiifig zu wohltätigen Zwecken aller Art Verwendung finden. Kreis Wetzlar. 8r. Atzbach, 7. Sept Unser Kriegerverein überwies tem Roten Kreuz 50 Ml. und stistele iür jeden in, Felde stehenden Kameraden 10 Mark und sür die mittellose» Frauen monatlich 10 Mark. — Tie Arbeiter der Zigarreniavrik Rinn & Cloos in Dorlar stilteten 1500 Zigarren. Ferner wurden große Menge» Bohnen geliefert. Di« Mädchen fertigten über 200 tzaserspreukisseu und über 100 Hemden für di« Lazarette. Hesstn-Rassau. O Rodheim a. d. Bieber, 7. Sept. Sporkassenrechner Karl Bender, welcher seit drin Jahre 1804 in unermüdlicher Treue und Gcwissenbastigkeit unserer Bezirkskasse vorgestanden, wird in Anbetracht seines hohen Alters von diesem Posten znrücktreten. Ter Aussichtsrat trat «m Freitag unter dem Vorsitz des Landrats Daniels (Biedenkopf) zusammen und wählte als Kassierer den Bankgehilfen Dönges. F. £. Kirchhain (Main-Weser-Bahn), 7. Sept. Die diamantene Hochzeit feierten heute im nahen Wohra die Eheleute Mener Kugelmann. Das Ehepaar zählt 86 bezw. 80 Jahre. F. C. Frankfurt «. M., 7. Sept. Sinken der Kartoffelpreise. Aus dem heutigen Frankfurter .Kartosselmarkt sanken die Preise sowohl im Groß - als auch im Kles,tz,»del. Die Preise der Borwoche betrugen für Kartoffel im Waggon pro 100 Kilogramm 6—7 Mark, im Detailhandel sür die gleiche Menge st'/r—9 Mark. Heute wurden sür erster? 5>/, Mark, sür letztere 6 Vj Mark bezahlt. F. C. Frankfurt a. M., 7. Sept. Weiteres Sinken der Schweinepreise. Ans dem heute in Frankfurt abge» haltcncn Hauptviehmarkt machten die Schweinepreise erneut e,ne Abwärtsbewegung von 2—3 Pfennig pro Pfund Schlachtgewicht durch. Bollsleischige Schweine von 80—100 Kilogramm Lebendgewicht standen aus dem Markt der Borwoche 62—64 Pfennig vro Psund Schlachtgewicht, heute 59—61 Pfennig. Bollsleischige Schweine unter 80 Kilogramm Lebendgewicht, die am Montag der Vorwoche mit 60—62 Pfennig gehandelt wurden, standen heute 58—60 Pfennig im Preise Ten gleichen Preisrückgang zeigten die 3. und 4. Qualität Schweine. Tie Ochsen sanken im Preise um 1—4 Pfennig pro Psnnv Schlachtgewicht. Dullen und Kübc behaupteten durchiveg ihre seitherigen Preise, während bei den Kälbern eine Haussebewegung einsetzte Ter starke Austrieb von 2519 Schweinen konnte bei gedrücktem Handel nicht geräumt werden, ,o daß ein Nebrrstgnd verblieb. Amtlicher Wetterbericht. Oeffentliche Wetterdienststelle Gieße». Wetteraussichtcn in Hessen am Mittwoch, den 9 Sept, 1011: Noch nieist trocken, zunehmende Bewölkung möglich. Keine wesentliche Temperatnränderiing. Letzte Nachrichten. Maribeuge gefallen! (WTB) Große» Hauptquartier, 8. Sept. (Amtlich). Maubeugc hat gestern kapitnliert. 44* «00 Kriegsgefangene, 4 Generäle, 400 Geschütze und zahlreiches Kriegsmaterial sind in unsere Hände gefalle». Der Einzug in Reims. Berlin, 8. Sept. Wie die deutschen Husaren in Reims einrückten, wird von den Kriegsberichterstattern aus dem Haupt- guartter im wesentlichen übereinstimmend wie folgt berichten Ta noch nicht bekannt war, ob die Aussagen der Einnwhner wahr seien, welche lauteten, die Besatzung hätte Reims verlassen, beschloß Ritt meister v. H u b r a ch l, mit einer .Patrouille festzustellcn, ob das Forts Bitry bei Reims frei vom Feinde sei. Aus die Frage, iver freiwillig mitreilen wolle, meldeten sich viele, von denen der Rittmeister Oberleutnant v. Sleinäcker, Leutnant Martina, Leutnant v. Waldow, Fihnrich Jäckel, Unteroffizier Tr. Arnhold, Trompeter Zwahlcn und die Husaren Knappe, Krause, Buse, Reinelt, Rohne und Starke auswählte. Ans einem einsamen sechs Stunden langen Waldwege in großen Sicherheitsabständen galoppierte die Patrouille an das Fort heran und stellte fest, daßes vom Feindefreiwar. Nun ritt die Patrouille weiter und erreichte um 9 Uhr abends die Stadtgrenze von Reims. Durch die von Neugierigen gefüllten Straßen zog die Patrouille vor das Rathaus. Dort erklärte man dem mit den Rat-Herren heraustrelenden Bürgermeister, daß hiermit Reims in deutschem Besitz sei und daß er selbst als Geisel für die Sicherheit der deutschen Truppen hafte. Leutnant Martinn wurde mit der Meldung des Erreichten zurückgesandt. Mannschastcir und Pferde bezogen Quartier. Rittmeister v. Hubracht, Leutnant v. Waldow und Unteroisizicr Dr. Arnhold blieben über ngcht bei dem Bürgermeister im Sitzungssaal und hielten abwechselnd neben ihm Wache. Am anderen Morgen um 5 Uhr ritt die Patrouille zurück, zog später, am Nachmittag, an der Spitze der Brigade Suckow, die mit klingendem Spiel in die alte Stadt einrückle, wieder mit ein. Reims selbst ist unzerstört, die Bevölkerung ruhig und entgegenkommend. Bkschlaqnahmtes französisches Flugmaterial. Köln, 8. Sept. Der Kriegsberichterstatter der „Kölnischen Zeitung'' stellt fest: Bei der Suche n»ch französischem F l u g - material fanden wir bei Dcperdussin in einem Schuppen verpackt 10 französische Doppeldecker und 20 Eindecker mit der Trikolore und gefüllten Benzintanks. Augenscheinlich war alles slugbercit. In einem anderen Raum der Deperdussinwerke in Reims wurden 30 bis 40 Gnomen und andere neuen Motorc gefunden. Sie sind in einem guten Zustande; zahlreiches Ersatz material fiel auch in unsere Hände. Ter Gesamtwert des beschlagnahmten Flugmaterials beträgt eine Million. Die Kämpfe der Oesterreicher. WTB. Wien, 7. Sept. (Nichtamtlich.) Amtlich ward gemeldet: Ans den schon gemeldeten abermaligen Kämpfen der Armee Dankt, gegen welche der Feind mit der Bahn namhafte Verstärkungen heranführte, wurde bekannt, daß besonders die Gruppe unter dem Befehl des Generalleutnant? Kestramek einen starken Angriff der Russen blutig abwies und Hierbei weitere 600 Gefangene einbrachte. Sonst herrscht auf den Kriegsschauplätzen, soweit bekannt ist, auch heute relativ« Ruhe. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs, von H ö f e r, Generalmajor, 4000 Serben gefanpen qe»«»»en. (WTB.) Wien,?. Sept. Aus dem Kriegspresseguarticr wird amtlich gemeldet: Das Armeeoberkommando erließ ain 7. September folgenden Befehl: Es gereicht mir zur besonderen Freude, bekanntgehen zu können, daß ungefähr 4000 Mann serbischer Truppen bei dem Versuche, östlich von Mi- trowitza in unser Gebiet cinzubrechen, gefangen genommen wurden. Bei dieser Gelegenheit wurde von unseren braven Truppen im Süden auch serbisches Kriegsmaterial erbeutet. Dies ist sofort allgemein zu vcrlautbaren. Erzherzog Friedrich, General der Infanterie. Verstärkung der englischen Flotte. i. K ö l n, 8. Sept. Die „Kölnische Zeitung" meldet aus Kopenhagen: Der englische Gesandte in Kopenhagen veröffentlicht ein Telegramm des englischen Ministers Grev, worin er mitteilt, die englisckn: Flotte lverde in den nächsten 12 Monaten mit zwei großen Schlachtschiffen erster Klasse, 15 Kreuzern, 20 Torpedojägern verstärkt werden. Reichstagsabg. Dr. Frank im Felde gefallen. Berlin, 8. Sept. Bei einem Sturmangriff in der Näh« von Lunöville siel am 3. September der sozialdemokratisch« Reick-slagSabgeordnete Dr. Frank-Mannheim. Tr. Frank liegt nun mit zwei Mannheimer Landsleute» zusammen bei Baccarat begraben. Russische Lügen. (WTB.) Petersburg, 7. Sept. 'Nichtamtlich.) Der amtlich« „Moniteur" verüffcnllicht eine lange Liste von Fällen von Grausamkeiten, die sich die Bevölkerung und die Behörden Deutschlands gegenüber- russischen Untertanen hätten zusäzulden kvwnien lassen, die fid> im Augenblick der Kriegserklärung aut deutschem Boden befanden. Die Mitteillmg wendet sich an die össrntliche Meinung aller zivilisierten Länder, welche das Verhalten Deutschlands nach Gebühr witrdigen werde, das uns an die dunkelste Epoche des Mittelalters (!) erinnere. Die Mitteilrmg bcksogt, daß die deutschen Staatsangehörigen in Rußland keinerlei derartigen Grausamkeiten ausg-setzt seien. (Notiz des WTB.: Ter spanische Botschafter, dem dir Wahrung der Interessen der im Deutschen Reiche beiindlichen Russen anvcrtraut ist, bezeugt, daß seine -Schutzbefohlenen über ihre Lage unter Berücksichtigung der mit dein Kriegsausbruch eingetretenen Umstände nickst zu klagen lniben. Die deutschen Bedörden erfüllten auch russischen Staatsangehörigen gegenüber ihre Pflicht. Schwere Schädigungen oder gar Totschläge, wie sie in Rußland an Terit- schen begangen worden sind, haben sich in Deutschland gegen Russen nicht ereignet. — Die Erllärung des russischen Amtsblattes ist eine dreiste Derleumdung. Sie steht auf der Höhe der Versicherungen „aus Ossiziersparole" amtlicher rrrssischer Persönlichkeiten. Tie Russen möchten den Eindruck der unter Duldung der Behörden ins Werk gesetzten Mordbrennerer gegen die deutsche Botschaft in Petersburg und der von den russischen Truppen verübten Schandtaten in Ostpreußen abichwächen.) Der Papst und der Gcwrrkschastsstrnt. i. K ö l n, 8. Sept. Die „Kölnische Zeitung" meldet aus Rom: Der Papst empfing gestern den römischen Vertreter der „Köln. Volkszeitung" in Privataudienz und redete ihn sofort als alten Bekannten an, desten er sich ans der Zeit seiner Tätigkeit als Unterstaatssekretär wohl erinnerte. Im Lause des Gesprächs drückte er die feste Hoffnung aus, daß nunmehr der unselige Streit zwischen der Berliner und Kölner Richtung beendet sein werde. (WTB.) Rom, 7. Sept. (Nichtamtlich.) Der P a v st empfing heute im Thronsaal das diplomatische Korps beim Heiligen Stuhl. Der Papst betrat den Saal von dem Hosstaat begleitet und bestieg den Thron. Der Doyen des diplomatischen Korps, der Bolschastcr Oesterreich-Ungarns beim heiligen Stuhle, verlas eine Ansprache, worin er die herzlichsten Gefühle und die tiefste Ehrfurcht und Verehrung ausdrücktc und für alle Nationen wünschte, daß die Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhle und den vertretenen Mächten dieselben bleiben möchten. Der Papst stieg vom Throne herab und reichte den Diplomaten die Hand zum Küste und fand sür einen jeden freundliche Worte. Später besuchte das diplomatische Korps den Kardinalstaatssekretär Ferrata. Stimmen aus Italien. i. Köln, 8. Sept. Die „Kölnische Zeitung" meldet aus Mailand: Mailänder Blätter melden aus Rom über Versammlungen, welche durch die Reformpartei der italienischen Sozialisten und durch die nationalistische Partei veranstaliet wurden. Die Versammlung der italienischen Reform-Sozialist e n wünschte von der Regierung, sie möchte von der Neutralität vollständig freien Gebrauch machen und sich immer die italienischen Interessen vergegenwärtigen. Die Nationalisten finden im Gegensatz zn der Regierung, daß die italienischen Interessen in der ?Idria und auf denr Balkan stark bedroht seien, und daß deshalb die Regierung die mililärischen Vorbereitungen mit aller Umsicht sortsctzen müßte. In der Besprechung der Meldüng, wonach die Mächte des Dreiverbandes sich verpflichten, keinen Sonderfrieden zn schließen, schreiben die hauptsächlichsten italienischen Zeitungen, daß dadurch eine neue Lage geschaffen worden sei, nauvenllich hinsichtlich der Stellung Deutsckstands zu Frankreich. Französische Kricgsschiffr im Atlantischen Ozean. Berlin, 8. Sept. Wie dem „Berliner Tageblatt" berichtet wird, weiß „Gazzetta det Popolo"-Turin zu berichten: Die im Atlantischen Ozean kreuzende französische Flotte ivnrdc durch Funksprnch ocrftönbi^t, daß ein holländischer Dampfer mit 400 ernberufenen Deutschen und 250Oesterreich«rn sich von New Aork aus auf der Heimreise befinde. Den: französischen Panzerkreuzer „Sa v o p" gelang es daraufhin, den holländischen Dampfer auf hoher See aufzubringen und ihn zu zwingen, ihm nach Brest zu folgen, wo die Deutschen und Oesterreicher gelangen gehalten wurden. Ferner hat ein französischer Kreuzer im Atlantischen Ozean den mit Kaffee und Silberbarren beladenen holländischen Dampfer „Fortuna" nach Brest geführt, wo er einstweilen bleiben soll. Alm«, MÄ!" II Stock, cleg. 8 Zimmer Wohnung, Badezimmer, Gas- und eleklr. 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