m. 209 Zweites Blatt l64- Jahrgang Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntag?. Die ^»iehener Zamilleublätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, da? „Kreisblatt für den Kreis Sietzen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschastlichen Seitfragen" erscheinen monatlich zweimal. Giehener Anzeiger General-Anzeiger für Gberhejsen Montag. 7. September J9J4 Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'schen Unwersitäts - Buch- und Steindruckcrci. R. Lange, Gieße,i. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schuk» straße 7. Expedition und Verlag: Redaktion:s^MI12. Tel.-Adr.:AnzeigerGießen. Kriegsbriefe aus dem Osten. Bon unserem zum Ostheere entsandten Kriegsberichterstatter. (Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.) Die vernichtende Niederlage der russischen Narcw - Armee. Armee-Oberkommando Ost, 31. Aug. Wie ich schon in meinem gestrigen Telegramm nach der Fahrt vom Schlachtfelde in Ergänzung der amtlichen Meldung berichten konnte, ist das Gros der russischen Narew-Ärmee in den Sümpfen und Wäldern aufgerie- beu, so daß sich kaum noch brößerc, völlig intakte Trup- peirkörper von ihr auch jenseits der deutschen Grenze halten dürften. Der Kommandierende hat den Vorteil der inneren Linie dem numerisch überlegenen Feinde gegenüber mit aller Energie ausgenützt. Der heutige kühle Tag wird den Truppen die nötige Erholung geben, so daß mit freien und aufgefrischten Kräften die zweite russische Armee ausgenommen werden könnte. Mit am heftigsten ging der Kampf um Hohen st ein, das von Granaten überschüttet wurde. Die russische Artillerie schoß ausgezeichnet in vollen Salven, die exakt wie unsere Jnsanteriesalvcn rollten, doch war die Wirkung der russischen Schrapnells mit der deutschen nicht zu vergleichen, da sie nur nach beiden Seiten streuen, während das deutsche Schrapnell einen gleichmäßigen, vernichtenden Eiscnregen niedersausen läßt. Ae Wirkung ist furchtbar. Die deutsche Artillerie hatte rechts und links der Provinzstraßen nach Hohenstein in eiuigen Abständen Treffer gesetzt. Die Russen lagen da in den Stellungen, in denen sie sich eingraben wollten, oft so dicht, daß sie den Straßengraben bedeckten. Die Häude krumpften sich in den Boden, andere mit Kopfschüssen lagen neben dem Häufchen Erde, das sie eben mit ichnm lleinen Spaten zur Deckung aufgeworfen hatten, manche hatten sichtlich selbst iin Feuerregen begonnen, ihren Proviant zu verzehren. Der graue Straßenstaub lag gleichmäßig über allen, über den Gefallenen, über Mänteln, Uniformen, Gewehren, Tornistern, toten Pferden, die von der Hitze seltsam aufgetrieben waren. Er hüllte alles in eine gleiche Decke, so daß nur das scharfblickende Auge Einzelheiten sah. Die merkwürdig klein wirkenden Gefallenen hatten das gleiche Kleid wie die Landstraße und die Felder und die zerschossenen Bäume. Holzkreuze zeigten die Stellen, wo die Unsrigcn lagen. Hohenstein nmß ein hübsches Städtchen gewesen sein. Jetzt war die Hauptstraße ein Trümmerhaufen, in dem noch die halbverbrannten Russenleichen lagen. Es muß hier ein erbitterter Kampf getobt haben, bis die Russen aus den Straßen geworfen wurden. Die toten llnsrigen hat man mit Tüchern bedeckt. Reben Häusern, an denen die eisernen D-Träger wie Rohrstöckc gebogen sind, neben Häusern, bei denen selbst der Keller ausgebrannt ist, stehen andere, bei denen nicht eine Fensterscheibe auch nur einen Sprung hat. Fuchsien blühen hinter weißen, freundlichen Gardinen. Freilich, das Innere sieht anders aus als die beinahe heitere Außen- srortt. Die Russen wollen beweisen, daß sie Barbaren sind. Dieser Beweis gelingt ihnen immer. Da Vieh treibt sich in den Gärten umher, auf dem schönen, alten Kirchhof grasen ein paar Kühe, lieberall muffeln kleine ostpreußische Schweine nach Nahrung. Da erste Bild des Krieges macht stumm. Man hat kaum Lust, die Feder zu führen, während andere die Kugeln sprechen lassen. Man schluckt das Grausen herunter wie einen Trank, der betäubt und der stumpf macht. Der Mensch ist glücklich angelegt von einer gütigen Natur, die ihm Eindrücke, die über sein Maß gehen, einfach nicht lange fassen läßt. Wie eine rettende Wand steht es zwischen unserem Fühlen und dem Grausen, das die Augen sehen. Man spürt Hunger und Durst wie sonst auch, man ist dabei glücklich, wenn man ein paar Schnitten mit vorbeiziehenden Soldaten teilen kann. Nach der ungeheuren Blutarbeit von drei Tagen sehen unsere Truppen frisch genug aus. Die Rcscrvebatterien, die mit ausgehobencn Pferden bespannt sind, machen einen Eindruck wie nach der Parade. Selbstverständlich sind Lücken, denn die Kämpfe waren blutig und verlustreich, aber der Gei st der Truppen hat keine Verluste erlitten. Da reiten Infanteristen auf erbeuteten Kosakenpferdchen vorüber, eine russische Zigarette im Munde. Da haben manche eine ganze Wirtschaft aus gewonnenen russischen Munitionswagen aufgetan. Eine russische Feldküche fährt vorüber. „Morgen gibt's russische Kohlsuppe für uns als Lohn für die vielen blauen Bohnen, die die Russen fressen dursten!" meint der wackere Sachse, der die Beute fährt. Die famosen Züge von Kameradschaftlichkeit und Humor, die wir von anno 70 wie ferne schöne Geschichten kennen, wiederholen sich und werden lebendig. Die ruhige, fast humorvolle Uebcrlegenhcit ches deutschen Soldaten zeigt sich in tausend Zügen. Wenn die Kompagnien, die chie vielen Gefangenen bewachen, sich ihre Tornister von den Russen tragen lassen und die Gefangenen zum schnellen Lausen bringen mit dem Rat: „Lauft doch so fix wie gestern, als ihr ausrisset, da gings doch!" Oder wenn ein biederer Schlesier fortwährend sein „Pa- scholl!" ertönen läßt. „Ich Hab keine Zeit, ich muß nach Warschau!" Es ist ein Glück, unsere Truppen im Felde zu sehen, ein Geschenk, von ihren Siegen und Taten berichten zu dürfen. Es gcht keine russische Armee, die ihnen auf di« Dauer widerstehen könnte. Rudolf Brandt. Kriegsberichterstatter. Kriegsbriefe aus dem westen. Von unferm Kriegsberichterstatter. (Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.) In Franktirrurdörfcrn. Großes H aupta uartier, 31. Aug. 1914. Der belgische Gesandte bei einer neutralen Macht hat erklärt, die Deutschen hätten in friedlichen belgischen Dörfern so gehaust, daß er nicht anstehc, sie als die modernen Hunnen zu bezeichnen. Mir haben, das sehen wir in der Stunde der Not, recht wenig Freunde in der Well, und wenn wir auch jetzt in unserer unaufhaltsamen Siegesbahn wenig darnach fragen, was sie draußen über uns sagen und schreiben, so ist doch heute schon vorauszusehen, gegen welche Sintflut von Verleumdungen wir nach diesem Kriege werden kämpfen müssen. Wer die Presse der neutralen und selbst der uns vielleicht am freundlichsten gesonnenen Länder in die Hand nimmt, wer Gelegenheit hat, wie wir hier im Hauptquartier, amerikanische, italienische, schweizer, selbst skandinavische und holländische Blätter auf ihr Verhalten bei unseren Siegen zu prüfen, der sieht, wie sehr in den Friedenszeiten der rechtzeitige Ausbau unseres Nachrichtendienstes vernachlässigt worden ist. Die Heereslellung hat diesen Fehler sosort erkannt und bald nach Beginn der Mobilmachung dafür gesorgt, daß unsere Presse und unsere Nachrichten nach Mvgv lichkeit in das neutrale Ausland gelangten. Aber jedem, der das internationale Nachrichtenwesen kennt, ist cs klar, daß selbst eine so potenzierte Energie wie unser großer Gencral- stab nicht in wenigen Tagen gut machen kann, was in Jahren verabsäumt worden ist, und daß es auch nicht die Aufgabe der Heeresleitung ist, unseren Nachrichtendienst so zu gestalten, wie es dem Gewichte der Stimme entspricht, mit der wir in der Weltgeschichte mitzuredcn haben. Darüber wird, möglicherweise im Anschluß an die Kriegsbcrichterstattung, wie über manche andere Lehre der Stunde, wo es wieder ernst ward in der Welt, nach dem Friedensschlüsse manches zu sagen sein. Einstweilen sehen wir jedenfalls, daß wir mit unseren Nachrichten auch im neutralen Auslände nicht durchdringen gegen den Schwindeltrust, den die in Händen der gegen uns Krieg führenden Mächte besindlichen ausländischen Tele- graphcnagenturen darstellen. Durch die ganze Well wird ein Schrei der Entrüstung provoziert über die angebliche Grausamkeit der deutschen Kriegssührung. Die Einzelheiten, die über unsere Soldaten berichtet ivcrdcn, erspare ich niir wie- dcrzugeben. Sie sind zu lächerlich, zu pervers; aber in allen Ländern, wo die Presse durch die englischen und französischen Nachrichienbureaus gespeist loird, hallt das Entsetzen über die deutsche Barbarei wieder. Da ist cs für den, der als Kriegsberichterstatter aus eigenem Augenschein reden kann, doppelte Pflicht, zu berichten, wäs er gesehen hat und was er vor der geschichtlichen Wahrheit verantworten kann. Ich bin nun tagelang in den schlimmsten belgischen und französischen Franktircurgegenden ge- ivesen. Mein erster Eindruck von den Schrecken des Krieges heißt Battice, aus dem Wege von Aachen nach Lüttichs wv tagelang Kämpfe zwischen unseren Soldaten und Franktireurs gewütet haben und wo man heute, statt durch ein blühendes Dorf mit sauberen Häusern und schmucken Billen, durch eine kilometerlange Straße von ausgebrannten Ruinen geht. Nicht das Grauen, nein, das Entsetzen, das unser Herz still stehen läßt, wohnt in diesen öden Fenstcrhlöhlen, aus denen vor wenigen Wochen noch, ehe den Engländern ihre große Kriegsverschwörung gegen unser Vaterland geglückt war, vielleicht frohes Lachen und muntere Lieder erklangen. Ich habe Bilder gesehen, an die ich denken werde, scstange ich lebe. Ich kam durch ein Dorf, das ganz ausgebrannt war und wo nur ein paar deutsche Landwehrmänner Wache standen, sonst war kein lebendes Wesen weit und breit zu sehen. Wer als ich an den Torbogen eines cingestürztcn Hauses kam, sah ich drin in dem Raume, der wohl das Wohnzimmer gewesen war, «ine weißhaarige Frau mit einem Küchcn-- messer in den verkohlten Trümmern wühlen. Ich ries sie an. Sie hörte mich nicht. Ihr Gesicht war grauer Stein und) ihre Äugen waren tot und starr. So wühlte sie, als ob die glimmenden Blöcke und eilt gestürzten Quadern sich mit dem alten Messer wegwälzen ließen, um das freizugeben, was unter diesem Brandgrabe verschüttet lag. In einem von den Flammen versengten Vorgarten kauerte eine Frau in schwarzen Kleidern und weinte, weinte. Ich habe an manchem offenen Kirchhossgrabe gestanden, aber ich habe nie einen Menschen so weinen hören. Ich werde den »lang in den Ohren behalten als eines der furchtbarsten Erlebnisse meines Erdenwallens. Tut einem doch das .Herz schon weh bei mancher kleinen Beobachtung an verlorenen, Hab und Grit. Im Oberstock eines Hauses hat die Glut alles zerstört, aber vn einer Stelle hängt an der rauchgeschwärzten Wand die verblaßte Photographie einer wohl lange verstorbenen Frau. Aus schwelendem Schutt ragt umgestürzt eine neue blaulackierte Kinderbettstelle, noch angefüllt mit den angesengten Kissen. Wer selbst daheim ein Kind in, schneeigen Bettchen liegen hat. . . Fluch und dreimal Fluck, über die, die dicseö Elend hcr- aufbeschworen haben! Es gibt im Diesseits keine Strafe, die ihre Uebeltat büßen lassen kann, lind wenn sie nun unsere braven deutschen Krieger auch noch als die Urheber der Verwüstung verleumden, so wiegt diese neue Schandtat, so gemein sie ist, nicht mehr viel im Vergleich zu den anderen. Zwischen Reims und Verdun. Es ist nicht das echte Mal, daß die Champagne entscheidende Schlachten deutscher Heere gesehen hat. In der Gegend, die jetzt der Schauplatz eines großen deutschen Sieges >oar, hat 1792 der Feldzug geendet, den Goethe mitgemacht und beschcheben hat: vor gerade 100 Jahren haben Blüchers Heere hier ihre großen Früh- tahrSschlachten gchchlagen, und auch im Jahre 1870 hat die Champagne eine Rolle gespielt; zwar haben nicht größere Schlachten in ihr slaltgefundcu, wohl ober batte das Hanptauartter die Stadl Reims zum Sitze erkoren. Unsere siegreichen Truppen kommen jetzt von den schönen Ardennen und den unendlichen Wiesen deS MaaSdtleS her, vom Norden und vom Osten in die Champagne. Sie haben das Stromgebiet des deutschen RhcineS verlassen, und in btnt Augenblicke, mo sic die Aisne und andere, dem Stromnetze der Seine zugehörige Fjüsse erreick>en, ändert sich die Landschaft: sic erreichen die als trostlos und öde verschriene Champagne: „ein seltsames Land, dessen undankbarer Kalkboden nur kümmerlich ausgestreute Ortschaften ernähren konnte", wie Goethe sichtreffend ausdrückt. Am reizvollsten iß das Land zwischen Reims und Verdun im Osten, denn die Wasserscheide zwischen Maas und Msne. der Argonner Wald, ist ein hübsches, im Westen von der Aire durchströmtcs Bergland voll steiler Schluchten, tiefer Täler und jäher Mhänge. In diesem Grenzgebiet der Champagne gegen Lothringen gibt es noch Fabriken, z. V. eine Phosphat-Industrie und inGrandvre am nördlichsten Punkte der Aire auch Hochöfen. Wenn man dem Flußlaufe auswärts folgt, wird das Tal immer malerischer, und schließlich konnnt nach B a r-e n n c f, einem kleinen Dorse mit einem bekannten Namen: hier har die Flucht Ludwigs XVI. ihr Ende gefunden. Lange nicht so anziehend wie die Aire ist die Aisne in ihrem Oberläufe: zwar empfängt sie von der rechten Seite rauschende Gießbäche, zwar ziehen sich an ihren Ufern grüne, bebaute Kulturflächen entlang, auch baut man einen allenfalls trinkbaren Wein, aber ichön kann man den Flußlauf eigentlich nicht nennen. In der Nähe seiner User stnd Sümpfe und Teiche, und daher sind viele der Ortschaften nicht am Flusse selbst, sondern ein Stück davon gekegen. Im Oberläufe ist die Aisne noch ziemlich krümmungSreich; ort Wittellanie verbreitert sie sich, und je weiter man irch ihrer Mündung in die Oise nähert, desto langweiliger wird ihr Lauf. Die Ortschaften an der Aisne sind alle nicht besonders groß: auch Rethel kam Mittelläufe) wo unsere Truppen den Fluß anschei- neich^zuerst erreicht haben, ist ein mäßig großer Fabrikort, der ieft Jahren an Größe abnimmt, während Reims zusehends an Bewirtung gewinnt. Hier ist die Flußlondschait einigermaßen malerisch mit der eigentlichen Champagne verglichen, denn hier liegen am Nvrduser noch Hügel, von denen aus man fern im Norden daS Hügelland der Picardie erblicken kann. Ein wenig stußaus- wärts liegt Attignv , eine gegenwärtig ganz Unbedeutende kleine Stadt, deren ganzer Stolz ihre ruhmreiche Vergangenheft ist. Zur Zeit der Merowinger hat Attigny nämlich eine gewisse Rolle gespielt: für die Merowinger war es eine Art .Hauptort, und da, wo jetzt Fabriken stehen, sollen einst königliche Paläste gestanden haben, ja man hat sogar ein Hans Karls des Großen und an verschiedenen Punkten der Stadt behaupten Brouzetaseln, daß hier Chilperich gestorben sei, daß da die Taufe Wittekinds stattgefunden habe, daß dort die Sachsen vor Karl dem Großen gestanden hätten. Ganz am Oberläufe der Aisne, nur wenig südlich von der Linie Verdun-Reims, liegt Sainte-Menehould, ein großer, sauberer Ort, der als Eisenbahnknotenpunkt eine Rolle spielt, von dem aus die historische Stätte V a l m y zu erreichen ist. In wenigen Minuten gelangt man, mit der Eisenbahn srst genau westlich- fahrend, nach Valmy. Auf dem historischen Hügel von Valmstchat zur Zeit der berühmten Kanonade eine Mühle gestanden, sie ist nicht mehr vorhanden. Aber man hat eine Pyramide errichtet, unket der das Herz .Kellermanns ruhen soll und seit einigen Jahren ist dem Feldherrn auch ein Denkmal gesetzt, an dem die berühmten Wort«, die Goethe bei Valmv sprach, in französischer Sprache zu lesen sind: de ce lieu et de ce iour date une nouvelle cpoguc dans I'histoirc du munde. Von diesem einstigen Windmühlenhügel aus erblickt mau im Norden, Westen und Süden das, was die Franzosen sehr treffend als „Lausc-Cham- pagnc" (Champagne Pouilleuie bezeichnen. Es ist eine trostlose steppenartige Kreidelandschasr aus lauter mäßigen Hügeln bestehend, eine unendlich gewellte Ebene, öle aussieht, „als ob die Wellen des schwach bewegten Meeres sftl: abgeflacht hätten und erstarrt wären," nie Duruy sagt. Der Pslanzenwuchs ist durstig: das Land ist nicht etwa wegen maugeluden Regens, sondern wegen der Art des Bodens, vollkommen trocken; am östlichen Rande, in der sogenannten „nassen Champagne" im Gegensatz zu dieser „trockenen" besteht der Untergrund aus Ton, sodaß das Regem- wasser nicht versickern kann: hier dagegen verschwindet es rasch, und so erklärt cs sich, daß bei trockenem Wetter jeder Windstoß Staub auswirbelt und daß man aus weiter Ferne die.Hammelherden an den gewaltigen Staubwolken erkennt, die über ihnen schweben. Ganz so kümmerlich, wie die Kriegsteilnelnner zur Zett der Be- steiungskriegc die „Lause-Champogne" schilderten, ist sie übrigens nicht mehr, denn man hat an vielen Orten erfolgreiche Ausfor- stungsarbciten -mit Nadel hölzern' ausgesührt, außerdem erzielt man mit Hilfe von Kunstdünger an verschiedenen Stellen ganz gute Ernten. Vollstäudtg unfruchtbar ist das Champagnerlaud in der Gegend der historischen katalaumschen Felder beiChalons: etti fruchtbarer Sirenen dagegen zieht sich an den Usern des Surppe von Südostcn nach Nordwesten hindurch. Wenn man von den Ufern der Strippe weiter wesllich geht, ändert sich die Landschaft allmählich,, Ter Boden wird bester, um» stützt aux-angcbante .Felder, nördlich von Reims baut man Korn, ja sogar Rüben, der Kreideboden wird allmählich anders, weniger durchlässig und kurz, ehe Wan die Linie Reims-Evernay kreuzt, schieben sich höhere Hügel in die „Lausc-Champagnc": dies sind die Ansläuter der berühmten Champagner-Weinberge, die hier beginnen. Weiter westlich steigen sie allmählich an, und zwischen Reims und Epernay lugt einer der berühmtesten Weinberge, dessen einzelne Hänge Champagner-Kennern wohlbekannt sind. — Schlüter in Petersburg. Da der Zar seiner Hauptstadt Petersburg einen slaivischcu Namen gegeben hat, verdient wohl daran erinnert zu werden, daß dieses „Amsterdam an der Newa", durch das Peter der Große „ein Fenster schassen wollte, das nach Europa hinausschaut", bei seiner Entstehung Deutschen sehr viel verdankt und daß einer der größten deutschen Meister, Andreas Schlüter, bei dem-Bau von Petersburg eine wichtige Tätig- keit entsaltet hat. Ws seiner Reise nach Deutschland 1712 sicherte sich der geniale russische Selbstherrscher auch die Arbeitskraft des Berliner Baumeisters für die Ausführung seiner großartigen Pläne. Nur kurze Zeit hat Schlüter in Petersburg gewirkt, aber, ,vie der Reiseschriststeller Peter Heinrich Bruce, der z„ dem Künstler in nähere Beziehung trat, berichtet, war er dort „mit Erbauung vieler Paläste, Häuser, Akademien, Manufakturen, Buchdruckereien usw." beschäftigt. Jedensals ist bedeutsam, daß bei der Anlage der neuen Stadt erst um die Zeit des Eintressens Schlüters ein erhöhtes künstlerisches Schassen begann. Bis dahin ivaren „wie Meisenkasten aneinander gebaut viele lleine Häuser ohne Ordnung zusammcn- gcstümpelt worden," wie ein zeitgenössischer Bericht sagt; diese .jHütten" bestanden aus Holz: die Axt des Zimmermannes wor das einzige Handwerkszeug, und die rohen Holzspänc sostien leicht Feuer. Ucberall brannte es, und den Zuschauern „schauderte oit die Haut", wenn sie den Kaiser selbst aus brennenden Dächern arbeiten sahen. Erst in jener Periode, in der Schlüters lätigfeit beim Bau von Petersburg beginnt, ging man dazu über, Steinhäuser zu errichten, und obwohl man nichts Destttirmles von dem Bauten S.l-Iütcrs w.ntz, so ist dock, anzunehmcn, datzso manche wichtige Architekt,mr-erfe u. mit Teil des Gesamtplans aus seine geniale Hand zurückgcht Bruce erzählt, der Kaiser wäre pst bei Schlüter gewesen und habe sich seine Pläne und Arbeiten angesehen An Peters eigenster Schöpfung, dem Sommerpalais, hat der deutsche Meister wichtigen Anteil gehabt: er Wuiwe in eine», veachttwllen Barockstil ausgesührt, und ebenso werden das Winierpalais und das Palais Avraxin wohl ans Schlüter zurückzusüliren sein. All diese Bauten, die die kecke, formenreichc deutsche Kunst an der Newa einbürgerten, sind dann wieder persibwunden und haben dem öden Klassizismus französischer Architekten Platz gemacht, den die späteren russischen Kaiser augenscheinlich vorzogen. Auch bol der Schöpfung der Madame der.Wttscnschcftte« ist Schlüter tätig gewesen und ivahr- Untere beutitben Soldaten unb Lcmdwehrmatrner sind mit derselben Ordnung unb Disziplin, alS geilte es eine Fklddienstubutig. in Feindesland gerückt, Wohnt wir tarnen, haben nur de» Einwohnern Sicherheit von Blut unb Gut gemübrleistet/ Mit der seinblichen HeereSmacht, nickst mit den Birrgern führen wir Krieg, nnd gerade in Battiee war noch an vielen Häusern unser Maueranschlag zu lesen, der ben Belgiern Frieden »nb Unverletzlichkeit versprach, wenn sie uns ruhig bes Wege-? ziehe» ließen. Nun hat sich in Battice, in Elermont, iit Herve, in Flöron unb anderen belgischen Ortschaften. ganz-übereinstimemnd folgendes abgespielt, Man lies; die Deutschen eiurücke» und empfing sie mit kriechender Freundlichkeit, bot ihnen Wein im Ueberfluß an und tiversiel sie bat».t in der Nacht Es ist ganz selbstverständlich und ein einsaches Webet der Selbsterhaltung, das; jeher ermordete Deutsche gerächt wurde 'Ao man die Mörder sassen tonnte, wurden sie vor ein Kriegsgericht gestellt, und wenn ihre Schuld offenbar war, erschossen oder gehängt. Dabei ist in voller Ordnung verfahren worden. Wie weit die Selbstbeherrschung unserer Truppen geht, dafür habe ich erst vorgestern ein Beispiel erlebt. Am Ein- gange der von uns eroberten französischen Festung Long- wp brachten deutsche Begleitmannschaften einen Trupp Franktireurs ein, ganz alte Serie und dazwischen ein paar Tagediebe, die kaum der Schule entwachsen waren, Galgengesichter schlimmster Art alle miteinander, die man hätte photographieren sollen, damit die Welt erfährt, durch was für Schandbuben deutsche Vaterlandsverteidiger ums Leben kommen, „Was haben die Leute getan'?" „Sie haben sich Binden vom Roten Kreuz angezogen und dann auf den Schlachtseldern unsere Verwundeten verstürnmelt. Dabei sind sie abgefaßt worden," „Warum habt Ihr dann die Schufte nickst gleich totgeschlagen'?" „Das dürfen wir nicht. Sie müssen vor das Kriegsgericht gestellt werden," Man muß wissen, um welche Art von Verstümmelungen es sich dabei handelt, Daß den hilflos in ihren Schmerzen auf dem Schlachtfelde liegeiiden Vaterlandsverteidigeni, die ihr Leben heldenmütig für unser Volt eingesetzt haben, die Augen mit Messern ausgestochen werden, ist bei lveitem nicht das Grausamste, was sich die Phantasie dieser Bestien ausgedacht hat, Alte und Iuiige, Männer und Frauen sind alS .vnäneu der Schlachtfelder abgeiangen worden und haben ihren Lohn bekommen. Bei Vife mußte ein sechzehnjähriges Mädchen erschossen werden, weil es dabei betroffen wurde, tvie sie einen Verwundeten verstümmelte, Ta gibt es keine Schonung und darf es keine geben. Ich möchte wohl wissen, ivelches Volk der Welt Soldaten hat, die angesichts solcher Schandtaten gegen chre Kameraden noch die Selbstbeherrschung besitzen, die Verbrechen vor ein ordentliches Gericht zu stellen. Ganz zweifellos ist der Franktireurkrieg gegen uns organisiere worden Anders ist es nicht zu erklären, daß sich dieselben Verstümmelungen, dieselben lleberfälle auf Lazarette, wo Aerzte, Verwundete und selbst Krantenschwe- stern ben, Razrbgesindel zum Opfer fallen, dieselbe Taktik des Angriff:-! in den Dörfern und Städten immer wiederholt, Plötzlich ist das ganze Torf im Besitze von Waffen, in zwei Fällen sogar von Maschinengewehren, In Etalle zwischen Arlon und Sedan wurde der Pfarrer dabei betroffen, wie er Wchfen und Munition an die Gemeinde verteilte. In Elermvnt dagegen hatte der Pfarrer die Bürger vergeblich beschworen, sich nicht ins Unglück zu stürzen und nicht auf de» Bürgermeister zu hören, der Waffen verteilte und zum Uebersall ans die durchziehenden Teutscheii aufreizte. Aber selbst da, wo in den Rücken unserer durchziehenden Kolonnen geschossen worden ist, hat man nicht das ganze Dorf verantwortlich gemacht, sondern mir die .Häuser erstürmt und vernichtet, ans denen Schüsse gefallen waren In Herve, in Fleffvn iisw, stehen mitten zwischen den niedergebrannten Häusern solche, die unversehrt sind. Da liest man mit Kreide an den Türen: „Haus durchsucht. Alles in^Ordnnng," „Gute Leute, Schonen," „Bewohner abwe» send. Schonen," „Mann steht als Soldat im Felde, Schonen," Welche Ritierlichkeit selbst gegen den abwesenden Feind über nnsere -soldateil, Welches Volk der Welt hat bessere? Tie Ortschaften, wo die Einwohner sich nicht gegen uns erhoben haben, liegen im tiefsten Frieden da Unsere eiii- guartierlen Landwehrmänner sitzen vor den Türen, unterhallen sich mit den Einwohnern oder spielen mit den Kin- bern unb benfen dabei vielleicht an die eigenen daheim. Ich sah, wie einer unserer Soldaten der alleinstehenden Frau, bei der er wohnte, das Vieh fütterte. Ein anderer hielt einer Frau das zweijährige Kind, damit sie kochen konnte. Die rechten, gutmütige» hilfsbereiten Deutschen, die sie nun ein mal sind und bleiben, so liegen sie drallsten lm Feindes^ lande. Welches Unmaß von Schandlichkeiten muß gesehen sein, um diese guten Kerle zu Berserkern zu machen, die in der Notwehr die verstümmelten und ermordeten Waffen brüder rächen und dann auch nicht mehr fragen können, wie groß die entfesselte Sturmslut der Schrecken des Krieges wird! Wahrlich, nicht unsere Soldaten haben es gewollt, daß Tod und Brand i» Bürgerhütlen getragen wird. Und was sie getan haben, das können sie und das kann fü[t ihre in Ehren int Felde stehenden Söhne die ganze deutsche Nation verantworte», W, Scheuer mann, Kriegsberichterstatter, scheiniich hatte er an dieser Anstalt unterrichtcl, Jedenfalls riß der vlötzlickw Tod Schlüters eine empfindliche Lücke in die künstlerischen Kräfte, die Peter der Große für die Erbauung Peters- burqs gewonnen Halle, und wie hoch der Zar seine Leistungen einschätzte, erhellt am deutlichsten daraus, daß er ihn durch hervorragende fremde Künstler zu ersetzen suchte, indem er den ausgezeichneten Pariser Architekten Leblond und den Bildhauer Ra- strelll nach Petersburg berief. Aul dem alten deutschen Friedhof von Petersburg wird Schlüter wohl begraben worden sein. Wir wissen nicht, wo er ruht. Aber irgendwo im russischen Boden, unter den herrlichen Blumeuanlagen des alten Kirchhofes, ist einst gebettet worden, loa* sterblich war an diesem größten preußischen Meister, dem Miterbauer von „Petrograd". — Ein B is m a r ck - T e u k m a t in Nürnberg, Das Bismarck Denkmal in Nürnberg, dessen Einweihungsfeier mit der Hei er seines 10kl, Geburtstages zugleich üattfinben sollte, ist schon setzt enthüllt worden, da der zuständige Ausschuß der Ansicht war, daß keine Zeit geeigneter sein könnte, der Ocsfent- lichleit ein solches Werk zu übergeben, als die jetzigen Tage der allgemeinen Erhebung unseres Volkes gegen den von allen Seiten drohenden Feind, Auf einem alle.Häuser überragenden Sockel fitzt gebieterisch der große Kanzler aus seinem Pserd Das Denkmal ist von Professor Floßmann in München geschaffen. Vielleicht nicht direkt anzuerkennen ist die Lage, die dem Denkmal gegeben ist: es steht an der breiten Kai Anlage des Prinz-Regenten-Ufers und kehrt der Wörtherstraße ven Rücken, Erst eine spätere Neuaus- gestaltunq örr ganzen Gegend wird durch Anpassung dem Denkmal die richtige Umgebung schassen. Die Aufräumung der schlachtselder. In diesen Tagen blutiger, wennschon siegreicher und glorreicher Schlachte» und Gefechte denken so viele im deutschen Volk mit bangen Zweifeln darüber nach, wie es wohl nach dem jeweiligen Kampt dort aussteht, wo das blutige Ringen stattgestindeit hat Wie mag es den armen Verwundeten ergehen, die dort liegen geblieben sind'? Wer sorgt für die Bestattung der für ihr Vaterland aus beiden Seiten Gefallenen'? Wer steht nach den armen verwundeten Tieren, die sonst dort in Qualen verenden mußten'? Wie steht es mit der Habe der Gefallenen und schwer verwundeten Leute'? Man möge sich beruhigen, Was irgendwie nach Menschenermessen geschehen kann, geschieht. W i c geschieht e§'? Absuchen des Kampsfeldes: Zunächst ist nach dem Gefecht jeder Truppenteil verpflichtet, das Kampfield in seiner Nähe nach Verwundeten und Gefallenen, wie auch nach plünderndem und mordendem Gesindel ctbzusnchen. Besondere Sorgfalt ist in der Nacht ans die Durchführung dieser Maßnahmen zu verwenden. Die nachfolgenden Abteilungen werden bei fortschreitendem Gefecht dasselbe auf den Strecken tun, über die der Kamps gegangen ist, -Aber es hätte dieser striktem Vorschrift kaum bedurft. Auch unsere ermüdetsten Leute denken an die, die mit ihnen gefochtcn haben, und eine gleiche Wut beherrscht sie alle gegen die Hyänen des Schlachtfeldes. Marichiähige Verwundete werden sich selber der Truvv« wieder angeschlossen oder nach dem nächsten Verbandsplatz begeben haben. Sie erhalten einen einsachen schutzverbaud nnd begeben sich dann nach dem nächsten Sammelplatz für Leichtverwundete, von wo sie nach dem nächsten Etappenort in Marsch gesetzt werden, Tie übrigen Verwundeten sind vom Trnppenverbandplatz, nach dem sie zunächst geschafft wurden, tunlichst unmittelbar in die Feldlazarette abzu- ltefern. Müssen sie aber zunächst aui dem Verbandplatz verbleiben, so sind sie unter Verwendung von Zelten aus der tragbaren Zeltausrüstung, von Schutzdächern, Windschirmen, Strohdecken usw, geschützt zu .lagern. Das notwendige Personal bleibt bet ihnen zurück, Tie Sorge für die Lebenden verlangt eine schnelle Beerdigung der Toten, Man braucht sich bestimmt nicht der irrigen Vorstellung htnzugeben, es könnten noch Lebende zu den Toten getan werden, Ter Tod muß bei jedem Einzelnen völlig einwandfrei sestgestellt worden sein, ehe seine Mitbeerdigung gestattet wird, Ten zum Ausräumen des Schlachtfeldes bestimmten Kommandos sind stets Sanitätsoffiziere, möglichst auch weiteres Sanitätspersonal beizngeben. Die Gräber find io anzuordnen, daß von ihnen aus eine Verschlechterung des Wassers oder der Luft nicht eintreten lann. Nach beendeter Aut räumung des Kampsfeldes üt durch cht besonderes Kommando unter einem älteren Offizier, derli ein Sanitätsoffizier beizngeben ist, genau nachzuprüien, ob alles, was notwendig, gesclfehe» ist. Auch für die Tiere wird in entsprechender Weise beim Aufräumen des Schlachtfeldes gesorgt. Solche mit heilbaren Verletzungen werden verbunden und nach dem nächsten Etappenort geschafft, falls sie nicht bei der Truppe verbleiben können. Zu tchwer Verletzte erhalten den Gnadenschuß, Auch unsere Tier- sreunde können sich also beruhigen Unsere Mannschaften da draußen ltaben auch für ihre treuen Tiere ein weiches Herz, und es wird ihren Leiden ein schonendes Ende bereitet, wenn ihnen sonst nicht mehr zu helfen ist. Die Feststellung der Persönlichkeiten wird durch die Erkennungsmarken erreicht, die den Verwundeten natürlich zu ^belassen sind, Briefe, Wertsachen, sonstige Habseligkeiten von Gefallenen, Sterbenden, bewußtlosen Verwundeten und von Schwerverwundeten, die es wünschen sollten, werden von den Zahlmeistern in Verwahrung genommen. Aus dem Reiche. Berlin, 6. Sepl, Reichstcrgsabg, -stabthagen als Vertreter des „Vorwärts" erhielt vom Kriegsmtittsterium folgende, Zuschrift: ^ „Unter Bezugnahme auf das Schreiben vom 17, d, M, teilt Ihnen das Kriegsmtnisterium mit, daß die Ziffer 3 des kriegs ministeriellen Erlasses vom 24, l, 1894, welche „das Hallen und die Verbreitung revolutionärer ooer sozialdemokratischer Schriften sotvie jede Einführung solcher Schriften in Kasernen oder sonstige Tiensttokale" verbietet, soweit dieselbe sich aus sozialdemokratische Schriften bezieht, welche nach dem 31. H. 1914 erscheinen, aufgehoben wird. Das Kriegsmiiristerium bemerkt.hierbei, daß die Aufhebung in der Erwartung geschieht, daß die Veröffentlichung von Artikeln unterbleibt, welche geeignet sind, den einheitlichen Geist des Heeres zu beeinträchtigen. Tollte dies nicht zutreffen, so ist jedes Generalkommando bringt, das Verbot wieder in Kraft zu setzen. Das KriegSiittntsterium kann nur einer wörtlichen Bekanntgabe des Vorstehenden in der Presse ohne jede weitere Erläuterung zustimmen, v, F a l k e n h a y n," Berlin, 5, 2ept, iW, B.) Zur Linderung der durch den Krieg geschaffenen Nöte hat Frau Kommerzienrat Eäetlie Löser- Berlin, die bereits namhaite Summen den verschiedenen durch die Kriegsnot geschaffenen Hilfsorganisationen zugewendet hat, Hunderttausend Mark dem Oberbürgermeister überwiesen, Gleichzeitig stiftete Frau Kommerzienrat Löser weitere Fünfzigtau- s e n d Mark, damit Privatlehrern, welche durch den Krieg erwerbslos geworden sind, Unterstützungen gewährt werden. Ter Magistrat hat gemeinsam mit den vier grüßten Organisafionen des Grundbesitzes lSchfitte zur Gründung einer Aktienge- sellschast eingeleitet, die gegen Verpsändung von nachsteltigeii Hypotheken auf Berliner Hausgrundstücke in Fällen, in denen durch den Krieg herbergesührtes KreditbedürsniS vorliegt, Kredit gewährt wird, Tie Verbände sollen mit 400OCX) Mk,, die Stadt Berlin mit 600 000 Mk, an dem eine Million Mark betragenden Grundkapital beteiligt werden, Berlin, 5. Sepl. (W, B, Ter „Reichsanzeiger" veröffentlicht eine Bekanntmachung des stellvertretenden Reichskanzlers, in der eine Ausstellung aller unter das Ausfuhrverbot fallenden Verpslegungs-, Streu- und Futtermittel gegeben wird, Berlin, 5. Sept, 'Priv.-Tel Tie „B, Z," meldet ans Jena: Der Verband alter Burschenschafter hat aus dem Fonds für die Hundertjahrfeier 0000 Mark für die Skt- triebenen Ostpreußens unb 5000 Mark für die .Hinterbliebenenfürsorge bewilligt. Schützt Euch vor Blattern (Pocken)! Unter den Kriegsseuchen des Jahres 1870 nehmen dieBlat - tern die erste stelle ein. In der ersten Hälfte des Jahres 1870 waren in Deutschland nur einzelne Bezirke von Blattern befallen; durch die sranzösischen Kriegsgefangenen wurde die Seuche über ganz Deutschland verschleppt und erreichte hier, gleichzeitig aber auch fit Frankreich, eine Ausbreitung, wie sie während des ganzen 19, Jahrhunderts fit gleicher Heftigkeit nicht vorgekommen ist. Der Nutzen der Schutzimpfung als sicherstes Borbengungsmittel gegen die Erkrankung an Blattern wurde »fit der Genauigkeit eines naturwissenschaftlichen Experiments durch die geringe Beteiligung unseres Heeres an der allgemeinen Blatterneptdentte erwiesen. In Preußen mit damals 23 Millionen Einwohnern starben im Verlauf der Epidemie 129 148 Personen an Blattern, die Zahl der Erkrankten ist mit einer halben Million wahrscheinlich noch zu niedrig angegeben. Von dem gesanfien Feldheere dagegen starben 297 Mann an Blattern: von den immobilen Truppen 162, aus die Iststärke berechnet kaum weniger, Ter Verlust der sranzösischen Armee durch Blattern ist zahlenmäßig nicht genau sestgestellt, vom sranzösischen Krirgsmintstertum wurde er ans 23 400 Todes- sälle geschätzt. In Parts allein starben während der Belagerung 1074 Soldaten an Matter», von denen 14 629 Mann Besatzung der Festung Langres erkrankten 2334 nnd starben 334 — also mehr als im gelamlen deutschen Heer, Durch das Reichsgesctz über die Einführung der Jmpfiing und Wiedcrimvsung ans dem Jahre 1874 find die Maltern in Deutschland so gut wie getilgt, Tie seitdem beobachteten Blatternerkrankungen wurden meist vom Anslande, namentlich aus Rußland, etngeschlcpvt, und es gelang ausnahmslos, iji-c Krankheit auf ihren Herd zu beschränken. So sicher also der Wert der Schutzimpfung als bestes Vor- beugmtgsmittel gegen Erkrankung an Maltern ist, so muß doch scharf betont werden, daß die SchuWpfickuug zeitlich begrenzt ist und im allgemeineit aus höchstens 10 Jahre angenommen werden kann. Unter den Verhältnissen des Kriegs müssen lotr mit Einschleppungen von Blattern fit erheblich vermehrter Zahl unb deshalb mit stark erhöhter Ansteckungsgefahr rechnen. Daher mutz der, Bevölkerung dfiugend empfohlen werden, sich gegen Blattern durch Wiederholung der Impfung iU schützen Tie Kreisärzte halten öffentliche Impftermine ab, an weiten jeder unentgeltlich sich impfen lassen kann. Es wird ausschließlich Kälberlymphe aus dem staatlichen Jmpfinstitut benutzt, die auch an die prakfischen Aerzte tmcntgelllich geliefert wird. Bei Ausführung der Impfung wird! um Wuudkrankhetten zu verhüten, genau so verfahren, als handele es sich um die Vornahme einer chirurgischen Operation, _ • Quittung. Für die Verwundeten unserer Marine spendeten weiter solgend« Beträge: Proiessor Urstadt 23 Mk>, Lehramts» assessor Tr. Hainer 5 Mk., Ungenannt 20 Mk, A. V. 5 Mk., Frau Kilbinger, Goethestrabe 23, 5 Mk., zusammen 55 Mk,; im ganzen mit den früheren Spenden von 980 Mk.: 1045 Mark. — Ten gütige» Gebern herzlichen Tank. Pros. Völztng. Merkblatt. Aus Anregung des Reichsamts des Innern tmd des Kgl, Preuß, Ministeriums für Landwirtschaft, Domänen und Forsten, herausgegeben von der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft Berlin. Verstärkung der Ftittervorrätc, Tie Zeit für die Aussaat selbst der schnell wachsenden Stoppel- iaaten, wie Sens, Buchweizen und -spörgel, dürste für den größten Teil unseres Vaterlandes vorüber fein, wohl aber kommen folgende K Maßnahmen in Betracht: 1, Haushälterisches Wirtschaften mit allen zu Futterzwecken fj verwendbaren Stoffen, Kein voreiliges Verkaufen von Futter-> und Ttreumitteln, 2, Schleunigste Aussaat frühzeitig verwendbarenFrühjahrs- \ grünjutters: a) Johannisroggen oder gewöhnlicher Roggen mit ,• Zottelwicke: b) Raps mit Futterroggen; c) Inkarnatklee oder -O Schwedenklee. . ■ fl 3, Stehenlassen des alten Klees und Kräftigen desselben mittels Jj angemessener, leicht löslicher Kunstdünger inötigenfalls mit etwas >>- Stickstoffdünger nachhelfen!). Eine schwache StaUmistdecke beschleu- « nigt das Wachstum, 4, Etnsäuern oder gegebenensalls Trocknen bezw, Heuen von Grüiidüngmigsptlanzen, wie Klee, Serradella, Luvfiten (lediglichM Einsäuerung), auch Rübenblatt oder Kartoffelkraut, 5, Beweiden der Stoppeln, Wiesen und Weiden so lange, lost - nur irgend möglich, auch mit Schweinen. Düngttng der Weiden W und Futterschläge, 6, Das zur menschlichen Ernährung brauchbare Getteide dar> nicht verfüttert werden, 7, Verivendung des gesunden Strohes zu Futterzwecken, 'Als f Ersatz der Einstreu kommen in Frage vornelmtlich Torfstreu, ferner j Wald streu, Heidekraut, Sägespäue, zum Füttern ungeeignetes Kartoffelkraut, -schilf, Binsen und Erde 8, Im gegebenen Falle Verfüttern von entschälten und gerösteten Roßkastanien, Ächeln, Bucheckern, sowie Eintreibell von Schweinen in den Forst, 9, Es ist darauf hinzntvirkeu, daß alle oorliaudenon Trock- nereieu, deren Zahl nach Möglichkeit iwch zu vermehren ist, bis zur höchsten Leistungssähigleit ausgenutzt werden lLohnttockuung).: < Das Trockenruttcr ist mifzubewahren, bis alle wasserreichen Futter- mittel verbraucht sind. Es ist ernstlich zu erwägen, einen Teil der Zuckerrübenernte —> frisch oder getrocknet — zu verfüttern, 10, Füttere nach Leistung, d, h, bevorzuge bei der Futter- zuteilnug die leistungsfähigeren Tiere, Standesatntsttacbricbten. Gieße», Aufgebote: August 29, Georg Schember, Schneider, mit Karoliue Klatihaar, beide in Gießen, — September 2. Gustav Wilhelni Stephan, Ztgarrenhändler, mit Lina Ehrtsttne Elisa- bethe Müller, beide tu Gießen — 3. Wilhelm Rudolf Rüther, Dreher in Essen, mit Marie Elffe Christine Steinbrecher fit Gießen. E h e s ch l i e ß u n g^ n: August 29, Wilhelm Weber, Sattler und Tapezier in Bad Salzschlirf, mi^ Maria Ketl fit Gießen, Geburten: August 23, Tein Schneidermeister Konrad Boß ein Sohn, Erwin Karl Friedrich, — 25. Dem Gärtner Karl August Zeiher ein Sohn, Karl August, — Dem Gärtner Adam Keibel ein r?ohn, Ernst August Wilhelm, — 26. Dem Kaufmann Martin Silbermann ein Sohn, Manfred, — Dem Dachdeckermeister Karl Georg Lapp eine Tochter, Gertrud, — Dem Wirt Georg Emil Baum eine Tochter, Emilie Christine, — 27. Dem Tag- löljncr Heinrich Schreiner ein Sohn, Ludwig, — 28. Dem Obec- postasiistenten Heinttch Thraum eine Toäiter, — 30, Dem Schlosser Otto Stöhr ein ^ohn, Ludwig Heinrich Otto, —^September 2. Dem Geschäftsreisenden Artur Kurt Apitzsch ein Sohn, Helmul Gustav Julius Wilhelm, — Dem Privatdozenten und Assistenzarzt Tr, Wilhelm Oiw Stepp ein Sohn, Hans Karl Gustav Gottfried Alois, Ster befalle: August 28, Emilie Luise Marte Lina Lehr-- mund, l Jahr alt, Lindengasse 2, — Katharine Emmel, geb,' Will, 72 Jahre alt, Licher Straße 106, — 29 Ludwig Karl Emil Sundheim, Kausmann, 56 Jahre alt, Hosmannsttaße 3, — Friedrich Hock, 68 Jahre alt, Licher Straße 106, — September 1, Franziska Zecher, 1 Monate alt, Mühlstraße 25, — 2. Elisabeth Fenster, 20 Jahre alt, Wetzsteingasse 13, — 3 Kurt Neumann, Eisenbahn- Praktikant, 25 Jahre alt, Ebelstraße 23, Büdingen, Aufgebote: Slugust 27, Ottmar Friedrich Konrad Fuchs, Seisensabrikant tu Offenbach a, M,, mit Anna Margarethe Elisa-- bethe Becker in Büdingen, Geborene: August 28, Dem Rechtsanwalt Karl Keil ein Sohn, — September 1. Dem Glasmacher Friedrich Schönseld eine Tochter, Erna, Butzbach, Geborene: August 2, Dem Reckitsamvalt Wilhelm Heinrich Hill eine Tochter, — 11. Dem Kutscher Wilhelm Reis eine Tochter, Erna Elisabeth Marie, — Dem Metzgermeister Hermann Katz eine Tochter, Edna Selma, — 12, Dem Taglöhner Lorenz Leßner eine Tochter, Sofie, — 14. Dem Hilssiveicheusteller Jolumu .Hrch Belten ein Sohn, Walter Heinrich, — 19. Dem Güterbodenarbeiter Heinrich Hermann Hahn om Sahn, Joses Bernhard Konrad, — 27. Dem Amtssekretär Heusinkveld fit Schalk-nnihle lWestsalenl ein Sohn, Rudolf Karl, — 31. Dem Weißbfitder- meiftet Jakob Müller eine Tochter, Emma Marie, Sterbefälle: September 2, Philivv Engeroff, Landwirt und Gardesüsilier im Leibgarde-Regiment Nr, 1l5 aus Groß- Gerau, 22 Jahre alt, Friedberg, Geburten: Aug, 21. Dem Fabrikarbeiter Joseph Manßer Zwillinge, — 27. Dem Schneider Fttrdricki Wilhelm Thomas eine Tochter, Emilie, Sterbefälle: Aug, 30, Margarethe Müller, geb, Müll, 70 Jahre alt, — Friedrich Stark, Taglöhner, 60 Jahre alt, Hungen, Geborene: August l4. Dem Bäcker Hermann Frutig eine Tochter, — 24. Dem Bürgermetstereigelilteii Otto Jockel em Sohn, Otto Heinrich, . Nidda, Geborene: August 24, Ten Brhnarbeite G:org Seipel eine Tochter, Minna Berta, Verantwortlich für den gesamten redaktionellen Teil: Aug, Goetz ThUring,°8Ch63 ■ Technikum Jimenau Oie. Prof. Schmidt Elektro- und Maschinen- | Ingenieure, -Techniker, Werkmeister. Prospekt. - !i i i i 1 l l l I <1 < \ 1 1 1 5 l