Nr. 207 Zweiter Blatt 0>4. Jahrgang Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. Die „Sietzener Zamiitenblätter" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das „kreirdlaU für den «reis Sietzen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seitsragen" erscheinen monatlich zweimal. Gietzener Anzeiger Seneral-Anzeiger für Gberhejsen Kettag. 4- September Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universität? - Buch» und Steindruckcrei. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: Tel.-Adr.: AnzeigerGießen. Lin Brief aur den Grenzlanden im Westen. "kknser Blatt hat auch ichcr die Grenzen Hessens hinaus dm kleine Lcsergemeinde, und wir freuen uns, mit dem Abdruck des nachstehenden Briefes dartun zu können, daß unsere heinrischen Angelegenheiten auch draußen, in diesen: Falle in den westlichen Grenzlanden, mit Interesse verfolgt wer-- den. Als die große Schlacht zwischen Metz und den Pogesen zeßislagen wurde, haben die Bewohner von St,, Wendel und llmgegend mit ganz besonders bangen Gefühlen ihren Lnsgang erwartet, und als die Nachricht von dem herrlichen Ziege eintraf, war dort selbstverständlich die Begeisterung und Freude unbeschreiblich. Daß >vir hierein Gießen die Frage erörtert haben, ob man einen solchen Sieg mit Glocken- g-elaute begehen solle oder nicht, vcranlaßtc den folgen- oen Brief an uns: D-örrenbaäi (Post St, Wendel 1 , am 29. '.Wfitft 1914. Sehr geehrte Redaktion! Ich erlaube mir, zu der Streitfrage: „Fahnen oder nicht" Ahne,: aus einen: kleinen Leserkreise eine unverlangte aber energische Zustimmung zu Ihrer früheren Ansicht zu geben. Sre haben — bzw, einer Ihrer Leser — 'ganz recht gehabt, sich darüber zu oerwundern, daß man mit dem Glockenläuten und Flaggen allzu iehr zurückhielt. Nach eincni so nnecivarteten und großartigen vieq. wie wir ihn um den 20. August in Lothringen und südlich und nördlich davon errungen haben -unstreitig ivar es die größte ,e geschlagene Schlacht der Weltgeschichte, wäre Siegesläufen allerorten der einzig passende Ausdruck unseres Dankes dafür gewesen, daß unsere Hoffnung auf das Walten der güLbutieu Ge- «chtigkcit so schwell und glänzend gerechtfertigt ivurdc. Das haben wir in allen Städten an der Grenze hier cinpfmrdcn, z. B, m Saarbrücken, trotzdem, fa gerade weil der Feind schon so bedrohlich nahe — bis auf einen Tagesmarsch*) — gekommen war! Würdiger Und ernster als mit Glockenmund kann ein Volk oder eine Stadt weder Dank noch Freude ausdrücken, Und warum sollte ernste Freude verboten sein? Es wäre nur icudarikbar, das zu bchctupten, Läßt man die Trauer über unsere treuen Gefallenen oorwalten, so stellt rnan das, was Gott uns nahm, über das, was er uns durch diese Ovicr gab. Ter Sieg des Wüten verlangt Freude von allen, die auf seiner Seite stehen, sogar auch von xnen, die dafür Opfer gebracht haben. Auch neust sich diese ge- unde und -natürliche -Stimmung bei allen gemeinsam und »s- entlich durcknüngen, und dafür lind die Glocken da. Der Weh- rtttt ihr Recht in den Herzen: aber wenn sie die muh dem ersten trotzen Siege ausbrechende Freude des Volkes znrückhaltcn will, urmr grenzt der Ernst an iveltschmelzttches Empstnden, 9buch olchc, die jetzt in der Schlacht waren und ihre Schrecken ru frischer Lrirrnerung haben, denkeit nicht anders Und inan kamt fick, leicht xmben, daß -nach eincni berühmten Bc-kennt,ns dunenrgeu, die ich „glücklich fühlen, in dem herrlichen Kampf um Freiheit und Würde des Vaterlandes einen glorrcickfen Untergang zu linden", rnjerer SvegeSmmde kein Halt gebieten wollten, Denn verwandt «mit ist ihre Freude, au deic Feind zu kominen. Unsere Ber- vnndetcu bicr zeigen lauf deutscher Leite- fast durchweg sreudmite öogeiilmraxi und törrucn ihre Heilung kaum erwarten, um sofort wieder in die Lücken der Front zu springen. ES ist und soll deutsche ifet Kettet, um gefallene .Helden nicht bloß zu trauern, sondern um ibre Stirnen den Lorbeer der Siegesfreude und des Stolzes ttrattei. Wer so wie wir an der GrenM ffo Knai Man 6 Stunden von Saarbrücken schon sagen! in corge lebte wegen eruer etwaigen Ucberschiloenunung unserer Gegend mit Fcindes- truppen lwerr» auch nur Streifkorps u. ä.), wer den Vorgeschmack einer schrecklichen Entehrung durch- sie schon fast im Munde hatte und mit dem Gedanken mi die -entsetzliche Möglichkeit schon einwehes: „Arme Heimat" heimlich murmelte, wer den uns guä- lenden Druck und Born miterl ebtc, wenn wir in den ersten Nächten ohne Möglichkeit der Abwehr das ab und zu auibirgende Licht *) Me Franzosen waren uns etwa auf die Entfernung von Gießen nach Schlitz oder imch Frankfurt auf den Leib gerückt. Masurens Land und Leute. ^ Nicht zum ersten Male ist Masurens schönes Land der Schauplatz großer geschichtlicher Ereignisse geworden. Dort, wo eiust der tapfere deutsche Orden dem Anstürme des Polens rums erlag, hat jetzt Ncudentschlands Heer die Nüssen anss Haupt geschlagen. Der das Land durchziehende Baltische Rücken erinnert an den lannendurchrauschten Thüringer Wald, nur daß in seinen Tälern und Niederungen hundert kristallklarer Seen den Reiz der Gegend noch erhöhen, Bon Rudzanny und Johamnsburg im Süden breiten sich als größte von ihnen der Rofch-See, der Spirding-See, der Lö- >ventin-Sec und schließlich der Mauer-See bis Lotzen und Angerburg im Norden aus. Durch mannigfache Kanäle und kleinere Seen werden sic zu einem Ganzen verbunden und bilden jene gewaltige Secplattc, gegen die die fliehendest Russen von Westen her gedrängt wurden und sich schließlich mit 30000 Mann ergeben mußten, wollten sie nicht den Tod in den tiefen Gewässern vorziehen, Wasser und Wald sind die Kennzeichen Masurens. Das Wasser von staunew- erregender Farbenvracht und klar wie Kristall, so daß man die Aale, Schleien, Welse tief am Boden dahinschnellen oder in stiller Bucht in der Sonire spielen sieht. Die Wälder von einer Ausdehnung wie nirgends sonst im deutschen Vaterland. Bedeckt doch die Iohannisburger Heide allein 16 Quadrat-- mellcn. Und die Bäume können sich sehen lassen! Das sind nicht, wie der Dichter Masurens, Fritz Skowronnck einmal meinte, verlängerte Zwerge, ivic sic auf dem märkischen Saude wachsen". Ein Riese reckt sich neben dem anderen, sie alle wollen es Deutschlands höchsten und ältesten Kiefern gleich tun, die unweit Rndzanno ihre Aeste zum Himmel strecken. Zwischen den dunklen Kiefern und Fichten breitet, sich aber das helle Laub der Eichen und Buchen, Erlen und Weiden, Eine „Tomphonic in Grün" entsteht, um sich in den Seen und Bächen zu spiegeln. Wildromantische Täler ziehen dahin, Talschluchten, wie die aus Andermanns „Katzensteg", worin die treue Magd die Liebe zu ihrem versehmten Herrn mit dem Tode büßen muß, lieber die Waldwiese aber zieht langsam eine weidende Rinderherde und am Seerand grasen auf einem großen eingezäunten, Raseusleck schmucke Rosse, jagen sich wiehernd schlanke Kihlen, die Tag und Nacht die saftige Weide nicht verlassen. Wie die Natur sind auch die Menschen: verschwiegen und stark, still und treu. Das habeu die seitl Wochen jetzt schon im Kampfe stehenden Fünffachvierziger trsahren, ars sie vor Fahren plötzlich von Wetz nach Lack eines feindlichen Flugschiffcs hoch oben vorüberhuschen sahen . . ., dem streckt sich nach den: ersten eckösenden Siege von selbst der Arm aus nach Fahne und Glockenstrang, Um die Stiimnlcng zu beschreiben, die wir hier auch angesichts der Opfer letzt für dir, richtige halten, erlauben Sie mir, ein Geschichtchen wiederzugeben, das in den Zeitungen stand: Mp dem Osnabrücker Bahnhof steht eine Ädntter, die ihre zwec Söhne zur Bahn und zur -Fahne bringt, Ihre Abschiedsworte lauten: „Un dat weck in seggcn, wenn 11 mi nick» wahne < — tüchtig up de Franzosens lloppet, denn bruukt ir mi men gar n ich widde rtau kumen". Ein dreifaches Hoch aus dem nebenanliegeuden Offrzicrsabtei^ belohnt die Tapfere. Das ist Deutschen aus der Seele gesprochen. Ter Blick aus das, was es uns gekostet hätte, ivemc wir diese Opfer nicht bringen würden, soll uns in unserenr Fühlen den rechten Weg iveisen. „Die Rheinlande sollten wir verwüsten, das Elsaß schonen": so hatte es sich in den Köpfen des gemeinen französischen Kricgsvolkcs eingenistei, Wer es am nächsten vor seiner Türe sah, das Ungeheuer. — wer es vorher lebhaft bedachte und fürchtete, tvas wir linksrheinisches Volk ivieder geivordcn wären: ein Menschen- magazin für unsere Nachbarn, die an unserem Blute saugen und sich mästen wollten, „ein gebundenes Tier, dos auck» dann noch immerfort gemilcht wird, wenn schon Blut statt der Milch- aus seinen -Brüsten fließt" (Friede. vonGentz, ,oer sich keinen Schleier vops Gesicht zog über das, was-— ironisch gesagt — uns geblüht hätte, wer wie wir die Kanoneil der lothringischen Schlachten donnern hörte, —- der ließ die -Glocken läuten und die Fahnen flattern nach der ersten besreienter Nachricht. Es ist wahr: „Der Hölle schrecklichstes Hohugelächter ist der Krieg", aber unsere goSgewirktm Siege machen diesem Hohngelächter ein schnelles, verdientes Ende Darm» freuen wir ims. Das „wir dachten der Toten, der Toten" soll auch zu secnem Rechte komme», etwa an einem bestimmten Tage, au einem Totenfest, sonst mehr in der stillen Trauer des Hauses — ebensosehr in dem lauten stolz und der verehrenden Erinnerung des Volkes. Das Siegesläufen muß mau ertrage» können, seien wir dankbar und froh, daß wir es überhaupt hören. Doch die Menschen sind verschieden. Wrr hier stimmen völlig mu Ihnen überein bzw. mit Ihrem Mitarbeiter, roenn sie in Nr. 197 schrcchen: -„D-ie Freude über den Sieg und das Glück unseres Vaterlandes überUnegi doch alles." Ich hibe Sie rnelleicht gelangweilt, aber ich glaubte Ihnen 'mal unsere Gefühle links des Rheins schildern zu dürfen und zu müssen. So denken also wir als nächste Nackzbarn des unruhigen Volles, das Bismarck treffend die Indianer unseres Westens genannt hat. ° Mit vorzüglicher Hochachtung Müller, Pfarrer. Tannenberg und Mukden. Ein Vergleich. Ein militärischer Mitarbeiter schreibt uns aus Berlin: Was unsere herrlichen Truppen auch schon im Osten erreicht haben und- wie weit schon die Offensivkraft Rußlands gebrochen sein muß, geht vielleicht am deutlichsten aus einem Vergleich unseres Sieges bei Tanne,cherg mit der Schlacht bei Mukden (21. Februar bis 10. März 1905) hervor, Bei Mukden verloren die Russen als Gefangene an die Japaner rund 30000 Manu, Bei Dannenberg machten wir 70000 Russen zu Gefangenen, Bei Mukden würden nach japanischen Quellen 58 russische Geschütze erbeutet, die Russen behaupten, daß es nur 33 -waren. -Jü der Schlacht bei Tannenberg betrug jetzt der Gesamtverlust der Russen cm Ar- tilleriematerial nach einer sehr vorsichtigen Berechnung! 516 Geschütze. Mit der Schlacht bei Mukden war der rusftsch- japanische Krieg zu Ende; zwar lagen sich die Armeen noch ein halbes Jahr -gegenüber und zogen neue Verstärkungen heran, aber zu -großen Kämpfen k-cun cs nicht mehr. Es ist also wohl nicht allzu optimistisch, wenn man vermutet, daß der Riesensieg des Generalobersten v. .Hindenburg über die Narew-Armee den Hauptstoß für Rußland bedeutet, von dem es sich gar nicht mehr erholen kann. lieber die Gründe dieser versetzt wurden. Wer von den Offizieren es konnte, suchte sich durch Bersetzun-g in ein anderes Regiment vor ,der „Verbannung nach Sibirien" zu retten, hieß es doch spöttisch: „Wo sich crufhört die Kultur, da sich ansängt idas Masur" .... Doch wre bald schlug die Stimmung um, als Offiziere und Mannschaften masurische Gastsreundschast kennen lernten. Die ostpreußische Küche ist ja bei temj großen Reichtum des Landes an Vieh, Geflügel und Fischen nicht schlecht: gibt es doch den seltenen Leckerbissen, die geräucherte Maräne. Dazu haben die Ostpreußen einen guten Trunk von alters geschätzt, mag es das selbstgebraute Bier oder der „Knallkümmel" sein. Beide dürfen beim großen Erntefest, der in diesem Sommer freilich durch den Krieg! gestörten „Plonfcier", nicht fehlen. Wenn die letzten Ge- treidepuppen ausgestellt sind, dann tönt über die stillen) Felder das Dänklied: „9hm danket alle Gott". Aus Mehren und Feldblumen bindet die frohe Schar einen mit einer Krone geschmückten Kranz, und der Vorhauer trägt ihn stolz an der Spitze des Mm ,Gutshof ziehenden Zuges, Die Wetzsteine schlagen an die Scnsenllingen, alte derbe Erntelieder ertönen unb Mähder wie 9Mhderinnen ziehen mit den ersten Gaben des Feldes dem Dorf entgegen, wobei sie sich nach altem Brauch- an jedem vorüberfließenden Bach gründlich mit Wasser begießen. Am Abend aber drehen sie sich lustig im Kreise; polnische und deuffche Lieder ivechseln mit polnischen und deutschen Tänzen. Das Jahr 1914 bleibt ohne „Plonfeier". Die Kriegstrompete ries statt Geige und Klarinette zum blutigen Tanz der Schlachten. Sense und Dengel entfielen der Hand der Schnitter, die zu Gewehr und Säbel griffen und die — mag ihre spräche oft auch noch polnisch sein, das! Herz ist doch seit langem deutsch r~< siegreich den sengenden Russen cntgegenzogen. * „Das Volk steht auf". Aus München wird uns geschrieben: Das Däünchener Volks theater brachte die ll ranfführung eines Stückes, das wohl eigentlich als Jubiläumsspicl "der Be freiungskriege gedacht war, nun aber durch die .Kriegsstimmung der gegenwärtigen Zeit eine ungeahnte Aktualität erlangte. Es fuhrt den Titel „Das Volk steht auf" uich seine Verfasser heißen Wilhelm Hagen und Karl Frey. Die drei Akte geben drei Bilder aus der Geschichte der Lützower Freischar, die ein wenig zusammenhanglos aneinandergereiht sind und eigentlich nur durch die Figur Theodor Körners znscmrmengehalten werdeu. Am besten ge- vernichtenden Mederlage wird erst im Laufe der Zeit vvlls Klarheit geschaffen werden. Aber schon heute bißt sich deutlich erkennen, tvarmn es so kommen mußte, warum die ffircht- bare liebermacht der Russen beini ersten großen Anhieb an den deutschen Waffen zerschellte. Auch lster ist ein Vergleich mit jener g-ro-ßeil Russemiiederlage vor neun Jahren sehr lehrreicki. Einer, der es wissen muß, der russische Oberst Dobrorolski, schreibt in seinen kritischen Betrachtungen über die Kriegführung von damals: „Die höheren Führer gaben schon bei Beginn der Schlacht die Fühnmg aus den Händen, beschränkten sich daraus, einen 9Ibschnstt zu konrniandieren, oder waren überhaupt nur aus dem SMackstfelde awvesend, rillen in den Schützenliniei, -umher, vosicr- ten mit ihrer Tapferkeit, ohne aber im geringsten in die Schwierigkeiten der heutigeir Gefechtsfühning eiugedrnngal zu sein." War es diesmal-anders ? Erzählen die gefang-eneu russischen Soldaten diesmal etwas anderes, als daß ihre Führer sie im Stiche ließen, bei Beginn der Schlacht sich znrüchzogen und alles weitere der stoischen, man inöchtc sagen stumpfsinnigen Tapferkeit ihrer Truppen überließen? Aber vielleicht sind das Nebcnursachcn der Niederlage, Die Haupt Ursache des Falles bei 9Nukd-cn bezeichnet Oberst DobroroBki mit den Worten: „Wir waren nicht imstande, den Iapan-eru gleich alles aus eine Karte zu setzen, um ztt siegen oder uuter- zugehen!" In der Lage der Japaner, unserer heutigen Feinde, sind wir jetzt: Wir hoben alles auf eine >kartc gesetzt und wir siegen, weil wir siegen müssen. Me dcaualige Ueberlegenheit der Japaner über die Russen l>at vielleicht nur zum geringen Teile in -der taktischen Berweichung der Truppen gelegen, Ihre Siege verdankten die Japaner jcden- salls in erster Linie dem Umstande, daß ihre Führer sich jene Grundwahrheiten der Kriegskunst mtgeeignet hatten, nue sic sich aus der jahrhundertelangen Erfahrung der - deutschen Kriegskunst enüvickclt lsabeu, währe,id auf russischer Seite von Beginn bis zum Schluß des Krieges jene <'Grundwahrheiten eben nicht verwirklicht wurden. Genau so auch heute. Die Bereitstellung der Kriegsmittel- war aus russischer Seite trotz der heimllickischen Borinobflisierung ungenügend, Jus- besomdere wurde wieder der Grundsatz nicht geachtet, daß beim Uebergaug znm Kriegsverhältnis die Friedensorgaui-- fationcn nach Möglichkeit zu bewahren sind, daniit Führer und Truppen, die im Kriege gemeinsam in Tätigkeit treten, bereits zu seinen: Beginn nriteinandcr vertraut und bekanut sind. Auch der Gebrauch der -Ttreitkräste seitens der russischen Heerfilhrung widersprach den Lehren der Strategie, Rußland hat seine Kräfte nicht -an einer Stelle zmn entscheidenden Kampf eingesetzt, sondern sie in Besorgrns für Rücken und Flanken allzusehr zersplittert, Mau scheute sich vor der Verantwortung, alles auf eine Karte M setzen. Man versuchte zwar die Offcusive, aber man war nicht durchdrungen von dem lbeist der Offensive. Mmi schreckte davor zurück, die Truppen auch da cinzusetzen, wo der Slusgaug des Kainpfes zweifelhaft war. Die Absichten unserer deutschen Heeresverwaltung wurden gar nicht oder erst spät erkannt. Nur hie und da wurde der Versuch gemacht, durch Gegenmaßregel» die Kriegslisten der Deutschen und Oesterreicher zu durchkreuzen, ihnen die Vorhand zu entreißen. Man schwankte aber in den Entschlüssen hin und her, bis man in der Falle der masurischen Seen saß! Dagegen auf unserer Seite richtiges Beurteilen der Absichten und des Verhaltens des Gegners und dann verantwortungsfreudiges tatkräftiges Wagen! Auch unsere Unterführer aller Grade trackf- teten -aus eigener Juittatwe die Durchführung der leitenden Gedanken zu fördern, durchdmngen von dem, was seil den Kriegen von 1866 und 1870/71 in unserer deutschen Llrmec zum obersten Grundsatz der Truppenfüh-rnng geworden ist: die Selbsttätigkeit als Grundlage der großen Wirkung. 9kur so oermag man über einen an Zahl überlegenen Gegner den Sieg zu erringen. lungeii ist der Auftakt, der in geschicktem Ausbau das 5ch„- nnd Her-Politisieren preußischer Bürger und Sllidenten zu kriegerischer Begeisterung -anschwellen läßt und schließlich die Werbe-Arbeit der Lützower veranschaulicht. Tic Verlesung des „Anruf an mein Volk" und eines Köruer-Oledichtes geben dem Ganzen ein paar echte, edel-pathetische Höhepunkte. Der zweite Akt führt in die Nähe äes Kitzcner Dorfes, wo zunächst das historische, als Lützower verkleidete 9Nädchen seinen Tod sindet und dann Körner verwundet wird und dichtet („Die Wunde brennt . . Das letzte Bild schließlich fiihrt in die Nähe von itedebusch und bringt das Gefecht, bei dem der Dichter-Held seinen Tod findet. — Das Stück hat besonders in seinen beiden Schlußakten künstlerisch große Schwächen, aber die häufig cingestreutclt geschichtlichen Anspielungen tun ihre gute Wirkiurg und- sichern dem Ganzen heute einen keb- hastcn Erfolg. (Kcspielt wurde pathetisch-wirkungsvoll, und besonders der Körner des Herrn Kart Gerhard Schröder tat sich hervor. R. R. — Reinigung und Einkehr überall Der Verband Deutscher Blmnengcschäftsinhaber E. V. (Sitz Berlin) verbrellet an alle Gärtner und Blummbinder Deutschlands einen Aufruf Willy L a n g e' s, der ja stets gegen internationales Acsthetentum für die Deutschen Gemutswerte in Blumen- und Gartenkunst eingetrelcn ist, damit die Blumengaben, Willkommensslräuße für unsere Krieger, Sieges- und Opferkränze befreit von allem Tand, Draht und Plundertänschung durchaus echt seien. Man sieht, die Fachleute gehen mit gutem Willen voran, möchte nun das Publikuni auch in allen Blumengaben für alle Zwecke nur Echtes fordern und die Gewerbetreiteichen in ihren Bestrebungen unterstützen. Was erstreben sie? Kein welches Laub, keine -zweiglosen gedrabteten Blätter. Lorbeerzweigc und Palmenwedcl seien ernste und heilige Sinn - bilder, nicht alltägliches Grün, Deutsche Wälder bieten Zioeige für heimische Ehrenkränze: Eiche, Fichte und Föhre, Eibe und Buche. Efeu und Immergrün, Deutsche Gärtner züchten und siech ten Blumen darein! Weg nni allem rasck»clnden Bändcr-Tanö! Kein Truggold-Druck, sondern Hand-Zchriü, Echt seien die Bänder, Stoffe und Farben, die ,Körbe, die Vasen! Teutsche Dorfkunst liefert die Vorbilder: an sie knüpie das .gunügcivcbe an Ehrengaben brauchen nicht größer zu scheinen, als sic sich für einen jeden Betrag echt liefern tasscii Schleifen sprechen in L.ent,chen Farben irid# minder, wenn sie bescheiden Nein und, und ernster Flor läßt auch Neine ,Kränze trauen! Ter Auirus schließt mit der Mahnung- „Gärtner, Blumenbinder, zeigt euch durch Echtheit der Arbeiten aus eurer Hand der Ehre würdig, die Blumen-Ehrcu- gaben zu bereiten: a d c l t d a s D a n d w c r k, in dem ihr das Werk eurer Hmrde und Herzen veredelt als Mittler des Dankes und der Liebe für mifere Helden!" Die Preisgabe von Lille. Gin Berichterstatter des- SoT.flQig. meldet aas Rosen» daal, 28. Attjprst: Aus Mir hin her gesichtete fecmzoftu berichten, daß nacki einer zustscku'ii der Pariser und der belgsschen Regirrung getroffenen Abmachung ein Teil der Flüchtlinge über irauzösrsches Gebiet cü>- gcschobcn umrde, imi Paris, wohin sich in den letzten Tagen etwa 60 000 Beioohuer slkordfrankrcichs begeben liabeu, zu entlasten, llrbereinstiminend erklären die fimizosen, daß in den durch den deutschen Einmarsch bedrohte» Städten und Ortschaften crrie fürchterliche Äugst herrscht. Durch die skandalösen Berichte der belgischen Presse über die „deirtschc Grausamkeit" wurde in der Bevölkerung die 'furcht dermaßen gesteigert, daß alle Bc- ruhiMiigsmitlcl der Bürgermeister und Präsekteu fruchtlos blieben Am schlimmsten steht es in Lille. Abordnungen der Bürgerschaft begaben sich aut'die .Präfektur, um flehentlich zu bitten, daß uian die Stadt vor einem Bombardement bc- >v obre» möge. Tie Deputierten von Lille unterstützten dieses Ansuchen durch Vorstellungen bei der Regierung, die sich schließlich dem dringlichen Wunsche der Volksvertreter unterwerfen nmßte. Die mächtige Sticht, wo noch, vor wenigen Tagen den durchreisen den englischen svldate» ein begeisterter Empfang bereitet worden war, liegt heute gänzlich vereinsamt. Bloß die armseligen, durch ihre kläglickien Zustände berüchtigten Arbeiterviertel find fo dicht bewohnt ime in friedciiszettcn Es herrscht .in diesen Massen auariieren ein unbeschreibliches Elend: man verflucht den sozialistischen Deputierten Ragleboom, der für den Krieg stimmte, .indem bciinden sich in Lille auch, Tausende von französischen, belgischen und englischen Verwundeten. Schon deshalb sah man von einer Verteidigung der Stadt ab. Die Rasterung der Beiestigungswerke wurde von der Bevölkerung mit unver- lwblener Freude begrüßt, und als der Kommandant mitteilte, daß die Besatzung von 50000 Mann zur Unterstützung der französischen Rordarmee heronqezoge» werden sollte, fühllcu sich die Leute völlig geborgen. Vom Bürgermeister erhielt die Bevölkerung die Mahnung, einem etwaigen Einmarsch feindlicher deutscher Truppen nicht den geringsten tätlichen Widerstand cnlgegenzusetzen und mit Würde die „h o si c n t l i it, nicht lange" Besetzung der Sladr zn ertragen. Der Präfekt reiste in der Nacht vom Donnerstag zum Freitag nach Dünkirchen ab, nachdem er die Archive der Stadl nach P aris halte schaifen lassen. wie die deutsche Gesandtschaft in Tanger überfallen wurde. Von einem Deutschen, der soeben aus Tanger in Berlin eingctrosfcn ist, gehl dem „Bert. Tagebl." die folgende Schilderung des Uebcrsalls aus die deutsche Gesandtschaft in Tanger zu. Im Torbogen der Kaiserlich deutschen Gesandtschast lagern die Mochasnis, die Geiandtschaftssoldaten, wie immer. Jn^dcnBureauS arbeite! man, wie immer. Niemand ahnt, daß au, Seitenwegen, vcrsteclt hinter der hohen Gartenmauer, die Taborfvldaten das ganze Geiandt'chaitsgebäude umzingeln. Von rückwärts kommen iie, von beiden Seiten rücken sie vor. Schon ist das Tor versperrt, ehe nur irgend jemand aus diu Straße versteht, was vor sich geht, ülui dein Salto laufen die Araber zusammen, aus allen Gassen und Gäßchen strömen sie. Sn dichter Mauer stellen sie vor dem Tor der Kaiserlich deutsche» Gesandtschast. Kein To» ilt zu hören. Die Soldaten sind jetzt in das Gesandtschaftsgebäude eingedrungen, die i,»bewaffneten Mochasnis gesange». Der Sul- lansvertrcter Sid-Mohammed-el-Tazi erscheint. Um ihn herum allerhand marokkianischc Würdenträger im wallenden festgewand, stolz, so plötzlich im Vordergrund der Ereignisse zn stehen. Doch weis; e? selbst der einfachste Araber, nur ein Schatten der frau- zosen ist der sultan. T a z l überreicht dem kaiserlicheu tzöeschästs- lräger die Pässe. Das Personal der tßesandtschast bättc josort die Stadt zu verlassen, sofort. Vor dem Tor steht ein Automobil, ein Kriegsschitt liegt bereit. Sie Kälten e,nzustcigen — Joftrt! Was bedeutet das- Nicht die üblichen vlerundzivailzig Stunden Zeit zur freien Reisevorbcreituug? Dieses Militärausgebot, dieses gewaltsame Eindringen aus deutschen Grund und Boden! Und das hier in, internationalen Tanger! Waren nicht hu allen Zetten die Gesandtschaste» unverletzlich'? Einen derartigen Völkerrechtsbruch, eine solche Gewalttat hat die Geschichte bisher nicht zu verzeichne». Widerstand böte nur die ioillkommenc Gelegenheit, mit den unbcquenicn Deutschen aufzuräumcn Der Garten wimmelt von Soldaten und französischen O i, i ü i c v c n. Sofort werden die .Herren der Gesandtschaft ab- gesührt. Dem Kanzleivorstcher verbietet man den einen Schritt ins Bureau, die Schränke abzuschlicßen. Eine geschickte Wendung: er eilt zurück, Soldaten Kinter ihm her. Er schließt die Schränke und Bureaus ab. Tocki die Papiere sind nicht mehr beiseite zu schassen. Der Herr Sultansvertretcr hat fein marokkanisches Ehrenwort gegeben, nichts zu berühren. Dem kaiserlichen Geschäftsträger läßt man eine halbe Stunde Zeit, seine sämtlichen Sachen zu packen, natürlich unter iiiilttärischer Bewachung. Das Automobil niir den Gefangenen fährt in sausendem Tempo lsirmnter nach dem .Hasen. Ter ganze Weg ist mttttärisch bewacht, die Lau- dungsbrücke ebenfalls Dort liegt schon die Barkasse des K r i c g s s cki i s s c s bereit, die umgehend die Gefangenen nach dem französischen Kreuzer „Cassard" transportiert. Gefangime'? O nein! Tiefe Deuifchen sind „Ehrengäste", „Passagiere", denen der „Cassard" in liebenswürdiger Wette „zur Ver- jüaung gestellt" ivorden ist, zu ihrer eigenen Sicherhett! Das sind wörtlickst ÄeiißcrungendeSsranzösisckcnGesandtcn mir gegenüber, als ich am Abend desselben Tages eine längere Unlerrckung mit ihn, batte, wenige Stunden vor meiner Einschiffung aus den „Cassard". Ter französische Herr Gesandte lehnte im beguemen Lehnstuhl, lächelte befriedigt. „Was >vollen Sie mehr'? Man stellt ein Kricgsschltt zu Ihrer Verfügung.. . Passagiere . .. Ehrengäste . eigene Sicherheit . .Wieder und wieder sagte er das. An Bord des „Cassard" traf man sich mit den O e st c r r c i che r n, denen cs airch nicht besser ergangen war. Niemand hatte Gepäck, viele mußten ihren gesamten Hausstand z u r ü ck l a s s c ii. Jetzt durften sic unver- ichlosicnc Briese an Land schicken, Gepäck durch die Dftner besorgen lassen. Man versteht, daß dabei alles drunter und drüber ging, niemand sein Eigentum vollständig bekam. Natürlich war den „Ehrengästen" jede andere Verbindung znit dem Land verbvten. Besuche zu empfangen blieb diesen „Passagieren" strengstens untersagt. Tic Braut des einen Beamten ruderte an das KrrcgSschift heran, um vom Boot aus ihrem Verlobten einige Abschiedswortr zuzurilien. Selbst das ivurde verboten. Allen anderen .Deutschen ln Tanger riet der französische Gesandte, sich so bald wie möglich auf nentralen Bode» zu begeben. (Bisher galt Tanger für ncuttal!) Am Morgen des 20. reisten viele Deutsche nach Cadiz ab: die Lage in Tanger war dock etwas unangenehm geworden. Au§ dem Reiche. Berlin, 8. Sept Professor Röntg-en hat, wie der „Berl. Lokalcrnzciger" meldet, seine große golLene englische Medaille, die einen oftssdwert von etwa 1000 Mark besitzt, dem Roten Kreuz -zur Verfügung gestellt. Mühlhausen i.E.,3.Sept (WM. Nichtamtlich.) Die „Neue Mulhauser Zeitung" meldet, daß vorgestern der Verleger uitd Besitzer des „Milhauser Tageblattes", Hans Brinkmann, von der Zivilbehördc verhaftet und das Weitererscheinen de? Blattes verboten wurde. Der Grnitd ist unbekannt. Heer rinv Flotte. Berlin, 3. Sept. iNichtamtlich.) Wie der „Lokalanz." aus Breslau meldet, starb dort im Alter von 64 Jahren der frühere Gouverneur von Köln, General der Infanterie Kurt v. Sperling. Märkte. ke. Aranksurt a.M. Die h h os m a r kt b «ri ch t voin 3, Sept. Austrieb : Kälber 634, Schafe 62, Schweine 583. Tendenz: lebhaft, geräumt. Preis für 100 Psd. Lebend- Schlachtgewicht Kälber. Mk. Mk. Mittlere Malt- und beste Saugkälber. . . . 52-56 88-85 Geringere Mast» und gute Saugkalb«? . . . 45 — 50 76—85 Geringere Saugkälber......... 40—44 68 — 75 L>ch ak e. Stallmaltschai«: Mostlämmer und jünger« Mastbammel . 42—43 92-94 Aeltere Masthammel, out genährte junge Schafe und geringere Mastlcinrmer...... 36 - 00 88 - 00 Schwei n:. Vollflelschig, Schweine von30—100 ica* Lebendgewicht ........ 48.00—51.0) 63.00—64.09 Lollfleischige Schwein« unter 30 k? Lebendgewicht........ 47.00—48.00 60.00—62.0) Bollsletschige Schweine von 100—120 k; Lebendgewicht........ 48.00—51,0 ) 60.00- 62» Vollfleischize Schweine von 120—150 c; Lebendgewicht ........ 48.00—51.00 60.00— 62.00 oh. Bingen, 2. Sept. Marktpreise. Weizen Mk. 24,50, Kor» Mk. 21,00, Gerste Alt. 00.00, Haser Mk. 24,00, Heu Mk. 5,50, Stroh Mk. 3,30, Kartoffeln Mk. 7,00, Erbse» Mk. 43.00, Linsen Mk, 51,00, Bohnen Mk. 40,00, Weißmehl Mk. 41,00, Roggenmebl Mk. 31,00; olles für 100 Klgr. Butler 1 Klgr. Mk. 2,70, Milch 1 Liter 21 Psg., Eier 10 Stück 85 Psg. Eingesandt. lFür Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Das Rote Kreuz und dir Pfarrer. Im 'Abendblatt der „frankfurter Zeitung" vom 2. September befindet sich eine Notiz, nach der fast alle hessischen Pfarrer sich freudig dazu bereit erklär! haben sollen, zu Gunsten des „Roben Kreuzes" aus einen Teil ihres Gehaltes zu verzichten, obwohl der Gehalt kaum ausreichend sei. Diese Nachricht zeigt, lote schlecht ihr Bersasser von der Stimmung in hessischen Pfarrerskreisen unterrichtet ist. Ich selbst habe in den letzten 14 Tagen eine Anzahl von Kollegen gesprochen, die sich einmütig gegen die obige 'Art, für das Vaterland zu opfern, ausfprachen. Ick» selbst balle sic auch für völlig verkehrt. Ein dcrnrkiges „Opserbringen" mag wohl für den Drückeberger, der auch im Psarrerstand zu sinden ist, angebracht sein. Der weiß sich dann unter Kontrolle, aber die wettaus größte Mehrzahl hat die nicht nötig. Die gibt freiwillig „nach Kräften", oft auch — genau gesehen „über Kräfte". Die haßt aber auch mtt Recht dieses schablonenmäßiyc Opfern, wie es der Gehaltsabzügen imch Prozenten der fall sein würde, das wieder dem Geizigen eure Gc- wissenserleichterung ist, wenn er sich sagt, „so viel muß ich geben, mehr brauche ich nicht zu geben." Mancher, der außer dem Gehalt noch andere Einkünfte hat, nsird daher auch nicht so zur Wohttätig- feit herangezogen, wie der, der sich diese Quellen nicht erschließen mochte, und mtt seineui Gehalt sogar noch Schulden zu bezahlen Hot. Denn die gibts auch im Psarrerstmrd. Dann liegen auch die Verhältnisse lokal ganz ungleichmäßig. Von dem Pfarrer der großen Stadtgcmeinde weiß fast kein Mensch, was er gibt, oon uns Laildpsarreru weiß es jeder Mann im Ort. Wer also „um der Leute willen" gibt, der weiß, daß er kontrolliert nsird Denn die Landpsarrer müssen sich mit ihren Gaben oben in die Geberlistcn schreiben, um die anderen zuni Geben zu ermuntern. Wer das versäumt, llage nicht den Menget an Opsersinn bei anderen an. Unsere Gemeinden richten sich in der Beurteilung der Bedeutung eimr Kollekte nach uns. Sie wissen, daß die.Meßzahl der Pfarrer opferwillig ist. Darum geben loir fürs Rote Kreuz gern und reichlich, aber nicht nach der Schablone der nionatllchen ganz unsinnigen und im ernzeluen falle ungerechten, weil gleichen Gehaltsabzüge. Das Verttauen haben usir zu unserem Stande, das haben auch die Gutgesinnten und anständigen Elemente in unseren Gemeinden. Ein Landpfarrer. Meteorologische Beobachtungen der Station Siebe«. Sept. 1914 M f°i « 3 C CL> S jo w 5.S & 3*0) -f s s tx> P- C 3 8f JB'j ja e i fit ZT? =1|I tota* 3 2>J 752,8 23,4 93 44 w 2 0 Sonnenschein 3. 9«*: 751,3 15,8 10,3 77 0 0 0 4, ‘ 749,5 9,8 7,8 89 8 2 10 Nebel Höchste Temperatur am 2.-3. September 19U = -s- 23,4' C. Niedrigste , . 2,-3. ISll - + 8,8« , Niederschlag: 00 mm.__ Berantwortlich für den gesamten redaktionellen Teil: Aug. Goetz. Billige, gute Nahrungsmittel werden letzt in allen fomilien gesucht. Da sei aus die Mehlspeisen, Puddings und Suppen hingewicftir, die einsach und billig aus Dr. Oetkers Puddingpulvern und Dr. Oetkers „Gustin" hcrgeftellt werden können. Ter Gehalt an knochenbildenden Salzen macht diese Oetker- Spcisen zn einem hochwertigen Nahrungsmittel für Jung und Alt, für Gcsirnde und Arauke Der Umstand, daß Gustin ein deutsches Fabrikat ist, sollte die Hausfrauen schon aus patrwtischen Gründen bestimmen, stets Gustin zu verwenden. */ 9 hv. Amtlicher Teil. Bekanntmachung über Vorratserhebungeu. Ter Bundesrat l>at auf Grund des 8 3 des Gesetzes über die Ermächtigilng des Bundesrats zu wirtschaftlichen Maßnahmen usw. vom 4. August 1914 (Reichs-Gesetzbl. S. 327) folgende Verordnung erlassen: 8 1- Während der Dauer des gegenwärtigen Krieges ist den von den Landeszentralbchördeil bestimmten Behörden lederzeit Auskunft über die Vorräte an Gegenständen des täglichen Bedarfs und des Kriegsbedarfs, insbesondere au Nahrungs- und futterinitteln aller Art, an rohen Naturerzeugnissen, Heiz- und Leuchtstoffen zu geben. 8 2 . Zur Auskunft vcrpslichtet sind: 1. landwirtschaftliche unb gewerbliche Unternehmer, in deren Betrieben die Gegenstände erzeugt oder oerarbettet werden. 2. alle, oft solche Gegenstände aus Anlaß ihres Handelsbetriebs oder sonst des Erwerbes wegen in Gewahrsam haben, kauft« oder verkaufen, 3. Kommunen, öffentlich-rechtliche Körperschaften und Verbände. 8 3. Die Anfragen können sich auf folgende Punkte beziehen: 1. wie groß die Vorräte sind, die dem Befragten gehören, und wo sie sich befinden, 2. ob der Befragte fremde Vorräte im Verwahr bat, wie groß sie sind und wem sic gehören Vorräte, die Ausländern. und Vorräte, die im Ausland lebenden Deutschen gehören, sind stets besonders anzugebcu), 3. ob der Befragte zum Empsange inerterer Vorräte berechtigt oder zur Lieserung von Vorräten vervslichtet ist, zu loelchem Zeit- punll und gegenüber welchen Lieserantcn bezw. Empfängern, 4. tvohin früher angemewetc Vorräte abgegeben worden sind. Dft anfragendc Behörde fit bercchttgt, zur Nachprüfung der Angaben die Borratsräume des Besragtcn untersuchen und settu Bücher prüfen zu lassen. 8 5 . Wer die aus Grund dieser Verordnung gestellten fragen nicht in der gesetzten Frist beantwortet, oder wer wissentlich unrichtige Angaben macht, wird mtt Geldstrafe bis zu 3000 Mk. oder im Um vermögenSfalle mtt Gefängnis bis zu sechs Monaten bestraft. „ 8 6 . Die LandeSzeutralbehorden erlassen die Besluiumingen zur Ausführung dieser Verordnung. 8 7 - Diese Verordnung tritt mit den: Tage der Verkündung ft Kraft. Berlin, den 24. August 1914. Der Stellvertreter des Reichskanzlers. Delbrü ck. Bekanntmachung. Aus Grirnd der vo-rstehenden Bclanittmachung wird solgendes bestimmt: 1. zu den Erhebungen gemäß § 1 sind dft KreiSamter, m den Städten von über 2O-00O Einwohnern die -Oberbürgermeister ständig. 2. Die nach 8 1 zuständigen Behörden können bei Durchfübrimg der Maßnahmen gemäß 88 3 und 4 die Mitwirkung der Orts- Polizeibehörden in Anspruch nehmen. 3. VotttcheudcS ist von den Kreisäinteril in den AmtsverLiu- digungSbläticrn und in ortsüblicher Weise bekannt zu machen Darmstadt, den 27. August 1914. GroßherzogltcheS Ministerium des Innern. _ v, Hombergk, Bekanntmachung. Be t r.: Sonntagsruhe Der kommandierende General des XVIII. Anneekorps hat seim Anordnung, wonach die Vorschriftcn über die Sonntagsruhe m»8a Kwait treten, wieder aufmhoben. Es greisen hiernach die geschlichen Vorschriften über die Sonntagsruhe ioieder Platz. Die gesetzlichen Bestimmungen über die Beschäftigung von gewerblichen Arbeitern an Sonn- und Festtagen finden nach 8 105* Wßl Nr. l der Gewerbeordnung auf Arbeiten, welche iu Not- sallen oder im öfseuttichen Interesse unverzüglich vorgenmiimcil werden mutten, keine Anwendung. Zu diesen Arlietten gehören lolchc, welche im Interesse der Mobilmachung des Heeres not. wenftg und für die Beschleunigung der Molsilmachung dienlich sind. Es sind darunter nicht nur die Arbeiten derjenigen Umernehmei zu rechnen, »oelchen von Militär- und Marinebehörden B-obg- machungslftferungen oder Leistungeu vertragsmäßig oder freihändig ausgegeben sind, sondern auch die ülrbeiteu, welche von aiidea lluteruehmern für die Militär- oder Marrnelieseranftn zur Er- sitlluug der settens der Heeres- oder Marineverwaltung gestellte» Aufträge geleistet werden. Dauer des Krieges sind daher alle Soirntagsarbeiten, dce für den Hecrcsbedari und für die Lebensmittelversorgung des Heeres u»ch der Bevölkerung zu leisten sind, nickst zu beanüondeii, Greßen, den 31. August 1914. Großherzogliches Kreisamt Gießen. Or. U sing e r. An das Größt,. Palizeiamt Gießen, dir Großh. Bürgek- meiftereirn der Landgemeinden des Kreises, Großh. Polizei- Kommiffariat Arnsburg und die Größt,. Genüarmerir des Kreises. Wtr empfehien Ihnen die Beachtung der Vorschriften vor« Ifthender Bekannttnachung und weise» Sie an, alle in Bewnht kmnmmden Arbeiten auch im Zweiselssalle zunächst ohne uietteaS zuzulassen und erforderlichenfalls die loeitcrc Prüfung des Sa». Verhalts nachträglich vorzuiiehmen. Gießen, den 31. August 1914. Großherzogliches Kreisamt Gießen. Ö r. U s i n g e r, B e t r.: Unterstützung der Angehörige» der zum Milttärdienst Eft- getretenen. An die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises. Die von den Kommissionen bewilligten Untentützungsgesuche Wert*» von uns dem Großh B^irks Kommando Gießen zur Be- schernigung des Tages des Dien steint rius vorgelegt. Cs sind daher keine dahingehenden 'Anfragen durch Sie an Großb. Bezirks-Kominandv Gießen zu richten. Gießen, den 2. September 1914. Großherzogliches Kreisamt Gießen. Or. U s i n g c r. B c t r.: Mobilmachung; hier den Pserdebestand im Kreise Gießen. An die Gwßh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises. Diejenigen von Ihnen, welche mit Erledigung unsrer über« gedruckten Verfügung vom 26, August im Rückstand sind, loerden hierdurch aufgesordert, die berichtigten Listen bei Meldung von Strafe innerhalb 24 Stunden einzureichen, Gießen, den 3. September 1914. jGvoßhcrzogliches Kreisamt Gießen. ^_ Dr. Ufin g e r. Betr.: Die Kinderarbeit in den gewerblichen Betrieben. An die Schulvorftärrdc der Landgemeiaden des KreiseS. Die Berzeichrnsse der gewerblich tättgen Kinder sind bis ft>4« testens 15. Oktober l. Js. hierher einzureichen. Zur Erleichterung der Prüfung dieser Verzeichnisse wird ersucht, bei deren Aufstellung gedruckte forniulare, dft bei Wilhekm Klee ttr Gießen zu haben sind, zu benutzen. Wir erwarten pünktliche Einsendung der Verzeichnisse. Gießen, den 2. September 1914 Großh. Kreisschulkommission Gießen. Dr. U s i n g e r. Bekanntmachung. Betr.: Tft landwirtschostliche Winterschule in L i ch. Die landwirtschaftliche Winterschule in Lich, deren Zweck und Ziele bekannt sind, wird am Dienstag, den 3. November ds. Js., ihren nächsten Winterkursus beginnen, Äusgenommen werden junge Leute im Alter von 14 bis 26 Jahren, welche das Unterrichtsziel der Volksschule erreicht hab«i. Aeltere Landwirte können als Hospitanten ausgenommen werden. Tic Schüler können ich Lich Wohnungen in bürgerlichen Familien mit Heizung und Licht nebst voller Verköstigung, solche, welche nicht übernachten, guten Mittagstisch zu mäßigen Pressen erhalten. Das Schulgeld beträgt für das Winterhalbjahr 20 Mk. Anmeldungeu sind an den Schulvorsteher, Großh. Oekonomie- ral Weitzel in Lich, zu richten. Gießen, den 28. August 1914. Großherzogliches Kreisamt Gießen. Dr. U sing c r. Bekanntmachung. Betr,: feldbereinigung Eberstadt, In der Zeit vom 15, bis einschl. 22. September l. Ir. liegt werktags auf Großh. Bürgernieistcrei Eberstadt das Verzeichnis über die Hcucntschädigungen für 1914 zur Einsicht der Beteiligftn ossen. Einwendungen dagegen sind während der obigen Offenlegnngr- zcit bei Großh Bürgermeisterei Ebersladt schriitliäi cuizureichol und zu begründen. Fricdberg, den 28. August 1914. Ter Grvßbcrzoglichc Jeliftereinigungskomnsijsitt:: Schnittspahn, Kreisamtmami.,