Nr. 207 Der etfftttttr Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. — Beilagen: viermal wöchentlich Sirtzcncr.samilienblZtter; »wemral wöchenil.ilreir- dlattfürrenUreirSletzen (Dienstag »nd Freitag): zmeinial monatl. taiiL- »irtschaftlichekeitfragen Ferihprech - Anjchlüsje: iür die Redaktion 112, Verlag ». Expedition 51 Adresie iür Depeschen: Anzeiger Gieße». Annahme von Anzeigen iür di« Tagesnummer bis vormittags 9 Uhr. Erstes Blatt m. Jahrgang Hreitag. 4 . September 19H General-Anzeiger für Oberhessen Rotationsdnnl tmb Verlag der vrShl'schen Uviv.-Such- »nö Stetnömderei 8. Lange. Bezugspreis: monatlich7öBi.,viertel- jährlich Mk. 2 . 20 ; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pj.; Lurch LiePost Mk.2.— viertel» jährl. ausjchl. Bestellq. Zeilenpreis: loiallöPi, auswärts 20 Vienniq. Lheiredakteur: A Goey. Verantwortlich iür Len polil. Teil: Aug. Goetz; jür .Feuilleton", .Vermischtes" und.Gerichts- saal": Karl Neurath; iür .Stadt und Land" : Retarftton, Expedition und Druckerei: Schulstrabe 7. An»-i^m-ü:' H? B-L Der vomarsch gegen die Marne. - Die französische Regierung verläht Paris! - Die Früchte des Sieges der Oesterreicher. lWTB./ Großes Saupkouartier, 4. Sept. Bei der Wegnahme des hoch im Felsen gelegenen Speersorts Givel haben ebenso wie bei dem Kampf um Namur die von Oe st erreich gesandten schweren Motorb-atte- r i e n sich durch Beweglichkeit und Treffsicherheit in der Wirkung vortrefflich bewährt und ausgezeichnete Dienste geleistet. Die Sperrvefestigungen Hirson, Les-Ayelles, Condö. La F4re und Laon sind ohne Kampf genommen. Damit befinden sich sämtliche Sperrbefestigungcn im nördlichen Frankreich anher der Festung Maubeugc in unseren Händen. GegrnReims ist der Angriffeingelei- t c t. K a v a l l c r i e der Armer des Generalobersten v. Kluck streift bis Paris. Das Westheer hat die Aisne-Linie überschritten und setzt den Vormarsch gegeudie Marne fort. Einzelne Vorhirten haben die Miarne bereits erreicht. Der Feind befindet sich vor den Armeen der Generalobersten v. Kluck. v. Bülow, v. Hausen und des Herzogs von Württemberg im Rückzug auf und hinter die Marne. Vor der Armee des Deutschen Kronprinzen leistete der Feind im Anschluß an V e r d u n Widerstand, wurde aber nachSüdeu zurückgeworfen. Die Armee des .Kronprinzen von Bauern und des Generalobersten v. Heeringcn stehen immer noch einem starken Feind in befestigten Stellungen in Fran- zösisch-Lothringen gegenüber. Fm oberen Elsaß streifen deutsche und französische Abteilungen unter gegenseitigen Kämpfen. Im Osten ernten die Truppen des Generalobersten v.Dindenburg weitere Früchte ihres Sieges. Die Zahl der Gefangenen wächst täglich und ist bereits auf Wüstst Mann gestiegen. Wieviel Geschütze und sonstige Siegeszeichen noch in den preußischen Wäldern und Sümpfen stecken, läßt sich zurzeit nicht übersehen. Anscheinend sind nicht zwei sondern drei russische kommandierende Generäle gefangen. Der russische Ar- meeführer ist russischen Nachrichten zufolge gefallen. Gcneralguartiermeistcr von Stein. (WTB) Wien. 4. Sept. Aus dem Bereich der Armeen von Dankt lmd Auffenberg wurden bisher 11600 Kriegsgefangene abqe schoben. Es waren vorher 7000 angekündigt. In der Schlacht an der Sutzwa wurden, soweit bisher bekannt, 200 Geschütze, sehr viel Kriegsmaterial. zahlreicher Train, 4 Automobile und die Feld- kanzlei des 9. und 10. russischen Armeekorps mit sämtlichen Gehcimaktcn erbeutet. Der Feind ist in vollem Rückzüge. Unsere Armee verfolgt ihn mit ganzer Kraft. Die neue Botschaft des Generalguartiermeisters zeigt uns, daß die deutschen Heere auch nach dem gestern gemeldeten erfolgreichen Kampfe auf der Linie Reims—Verdun nicht Rast gemacht haben. Die Aisnc Linie ist vielmehr überschritten worden, und die südlich davon parallel lausendel Marne-Linie ist jetzt das weitere Ziel. Der Feind, die geschlagenen 10 Armeekorps, befindet sich im Rückzug auf und hinter die Marne. Die Marne, an deren Ufern die berühmtesten Champagnerweine wachsen, ist der bedeutendste Nebenfluß der Seine. Unsere in Nord-Frankreich vorrückenden Heere haben alle nördlichen Befestigungen außer der Festung Maubeugc in ihren Händen und ziehen nunmehr gleichmäßig unter den Generalen v. Kluck, v. Bülow, v. Hausen und unter dem Herzog Albrecht siegreich weiter. Kavallerie streift sogar schon bis Paris! Auch der deutsche Kronprinz hat den Feind bei Verdun neuerdings wieder nach Süden zurückgeworsen. Der Ernst ihrer Lage ist nun auch den Parisern klar geworden. Für Frankreich beginnt, von dem Tage an, da Präsident Poincare in seinem Auftuf an das Volk die Regierung aus der Hauptstadt verlegt, ein neuer Abschnitt in der Geschichte. Ter Aufruf des Präsidenten, der den Niedergang mit schwülstigen Worten vergeblich bemäntelt, ist kein rühmlick,es Dokument für die Republik. Tic sranzösische Polsiik hat klüglich Schiffbruch gelitten, und Herr Pvincare klammert sich nur noch an ein Wrack, nämlich an die höchst zweifelhafte Hilse Rußlands. Weiß er noch nicht, daß in Ostpreußen ein großes Russenheer mit Mann und Maus untergcgangcn ist, daß nach neuester Feststellung 90 000 Gefangene in deutscher Hand sind? Auf die eigene Wehr, macht baut er nicht mehr, obgleich er augibt, kein franzö sisches Heer sei in seinem Bestände gefährdet: aber er bringt es fertig, seine Franzosen immer noch in Hoffnung zu wiegen mit der Aussicht, die R u s s e n würden Deutschland den Todesstoß versetzen. Wohin ist der Ruhm der „großenNation gekommen? Werden die „bewunderungswürdigen Parisex den Herrn Präsidenten nicht am Ende noch selbst zum Teufel jagen? Wie eine Posse berührt es, daß, nach eiitcr Meldung der „Franks. Ztg.", die französische Regierung Italien durch eine Bankgruppe eine Anleihe von einer Milliarde angeboren haben soll. Also wäre außer Rußland doch noch ein Helfer nötig! Der italienische Ministerpräsident hat aber, so heißt es, abgelehnt, da Italien nicht die Absicht habe, eine auswärtige Anleihe auszunehme» Der Sieg der österreichischen Heere unter den Generalen Danll und ?luffcnbcrg ist nach der obigen neuesten Meldung von entscheidender Bedeutung. Zwar "hat sich die voreilige isogar als amtlich bezeichuete) Meldung der „Frankfurter Zeitung", die gestern hier als Extrablatt ausgegeben wurde, wonach 50000 Russen gefangen genommen worden seien, nicht bewahrheitet; es lag. wie wir aus telephonische Anfrage an amtlicher Stelle erfuhren, gestern überhaupt noch keine weftere amtliche Meldung vor. Aber waren es nicht 50000, so sind es doch nahezu 12-000 Gefangene. Die Oestcrreicher haben dazu noch 200 Geschütze und viel anderes wertvolles Material erbeutet. Sogar ihre FeldkanMi mit den Geheimakten haben die Russen im Stich lassen müssen, ein Beweis dafür, daß sie regelrecht in die Flucht geschlagen worden sind. Nun wird sich auch der Himmel über Lemberg auf- hellen ! Ei« Aufruf der französischen Regierung an die Franzose«. Paris, 3. Seht. (WDB. Nichtamllich.) Präsident Poincarö und die Regierung richteten folgenden Aufruf an das Land: Franzvscn! Seit mehreren Tagen stellen erbitterte Kämpfe unsere heldenhasien Truppen und die feindliche Armee auf die Probe. Die Tapferkeit unserer Soldaten hat ihnen an mehreren Punkten bemerkenswerte Vorteile eingetragen, dagegen hat uns im Norden der Vorstoß der deutschen Streitkräste zum R ü ck - u g c gezwungen. Diese Lage nötigt den Präsidenten der Republik und die Regierung zu einem schmerzlichen Entschlüsse. Um über das Heil der Nation zu wachen, haben die Behörden die Pflicht, sich zeitweilig von Paris zu entfernen. Indessen wird der hervorragende Oberbefehl der französischen Armer voll Mut und Begeisterung die Hauptstadt und ihre Bevöllerung gegen den Eindringling verteidigen. Aber der Krieg soll gleichzeitig im übrigen Lande weitergeführt werden; ohne die Furcht, nachzulassen, ohne Auß'chub oder Schwäch», wird der heilige Kamps für die Ehre der Nation und die Sühne des verletzten Rechtes weitergehen. Keine unserer Armeen ist in ihrem Bestände erschüttert. Wenn einige von ihnen bemerkenswerte Verlust« erlitten haben, so sind die Lücken sofort von den Depots aus wieder misgefüllt ivorden. Der Aufruf von Rekruten sichert neue Quellen an Menschenenergie. Widerstand und Kampf, das soll die Parole der verbündeten englischen, rirssischen, belgischen und französischen Hec-» sein. Widerstand und Kampf, wä hrenddieEngländeruns zurSeehelsen,dieBerbindungenunsererFeinde mit der Welt abzuschneiden. Widerstand und Kampf, während die russischen Armeen weiter vorrücken (!), um den entscheidenden Stoß in das Herz des Deut- schenReicheszu führen. Es ist die Aufgabe der republikanischen Regierung, diesen hartnäckigen Widerstand zu leiten. Ueberall werden sich zum Schutze der Unabhängigkeit Frankreichs die Länder erheben, um diesem furchtbaren Kampfe seine ganzen Kräfte und seine Wirksamkeit zu verleihen. Es ist unumgänglich notwendig, daß die Regierung freie Hand zum Handeln behält. Ans Wunsch der Militärbehörden verlegt die Regierung daher für den Augenblick ihren Aufenthalt nach einem Punkt Frankreichs, wo sie in ununterbrochener Verbindung mit der Gesamtheit des Landes bleiben kann. Sie fordert die Mitglieder des Parlamentes auf, sich nicht fern von ihr zu halten, um gegenüber dem Feinde zusammen mit der Regierung und ihren Kollegen den Sammelpunkt der nationalen Einheit zu bilden. Die Regierung verläßt Paris erst, nachdem sie die Verteidigung der Stadt und des befestigten Lagers durch alle in ihrer Macht stehenden Mittel sichergestellt hat. Sie weiß, daß sie es nicht nötig hat, der bewunderungswürdigen Pariser Bevölkerung Ruhe, Entschlußkraft und Kaltblütigkeit zu empfehlen. Die Bevölkerung von Paris zeigt jeden Tag, daß sie den größten Pflichten gewachsen ist. Franzosen! Zeigen wir uns dieser tragischen Umstände würdig. Wir werden den endlichen Sieg erringen, wir werden ihn erringen durch den unermüdlichen Willen zum Widerstande und zur Beharrlichkeit. Eine Natton, die nicht untergehen will, die, um zu leben, weder vor Leiden noch vor Opfern zurückschreckt, ist sicher zu siegen. Der Aufruf ist von Pvincare und sämtlichen Ministern unterzeichnet. (WTB.) Paris. (Nichtamtlich^ Die „Agenze Havc>s" meldet: Der Präsident der Republik und die Regierung haben Paris heute nacht verlassen und sich nach Bor-, deaux begeben. Deutsche Flugzeuge über Paris. (WTB.) Paris, 2. Sept. (Nichtamtlich.) Meldung der Agence Havas. An vier anderen Stellen der Stadt sind ebenfalls von einem deutschen Flugzeug Bomben nie- dergeworfen worden. Ein Lebenszeichen der französischen Mittclmccrflotte. Wien, 3. Sept. (W. B. Nichtamtlich.) Amtlich wird bekannt gegeben: Am 1. September morgens erschien die französische Mittelmeerslotte, bestehend aus 16 großen Einheiten, nämlich Schlachtschiffen, Panzerkreuzern und zahlreichen Torpedofahrzeugen, auf große Entfernung vor der Einfahrt in der Bucht vou C a t taro und gab vierzig Schüsse aus schwerem Kaliber gegen das veraltete Fort auf Punta d'Ostro ab, ohne den dortigen Werken Schaden zuznfügcn. Von der Besatzung wurden drei Mann leicht verwundet. Die Flotte dampfte dann eine Zeitlang in westlicher Richtung und wendete sich sodann mit südlichem Kurs, um anscheinend die Adria zu verlassen. Es handelte sich daher offenbar um eine wirkungslose Kundgebung der französischen Strcitkräfte an unserer südlichen Küste. Die Franzosen tun sich aber auf die Beschießung von Cattaro viel zu gute und melden: Paris, 3. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) Die französische Flotte hat gestern die Befestignngswerke und die Reede von Cattaro beschossen. Die Beschießung verursachte großen Schaden. Mehrere Gebäude sind beschädigt worden und in Brand geraten. ' Die Schlacht bei St. Quentin. Nachträgtich wird noch von verschiedenen Berichterstattern der Berliner Blätter gemeldet: Die Armee des Obersten v. Bülow hat in der siegreichen Schlacht von St. Quentin gegen 4sranzösische Armeekorps und 3Ka- valleriedivisionen gekämpft. Die Schlacht war heiß und hat fast zwei Tage gedauert. Die entführten Elsäsier. Straß bürg i. E., 3. Sept. Aus dem amtlichen Bericht, den der Direktor der Reichsbcmknebenstelle Saarburg an die Vorgesetzte Behörde gerichtet hat, geht hervor, wie furchtbar die Franzosen in Äsaß-Lothringen gehaust haben. Die Reichsbanknebenstelle Saarburg wurde am 17. Aug. von einem französischen Hauptmann mit seiner Kompagnie ausgehoben und alleszer stört. Das Haus bietet ein Bill> größter Verwüstung. Die offenbare Gereiztheit wogen ihrer Mederlage, sowie das Ausbleiben des erwarteten Empfanges in Elsaß-Lothringen kann die wüste Roheit, mit der vorgegangen wurde, nicht entschuldigen. Die Zahl der von den französischen Truppen widerrechtlich nach Frankreich verschleppten Personen fft weit beträchtlicher, als zuerst angenommen wurde. Aus Mü l haus e n a lle in sindöObis 60 Personen verschleppt worden. Ans Münster der Bürgermeister Dr. Spindler, aus Gebweiler 5 Personen, ans Jngershcim 3 Personen, aus Weilertal etwa 10, aus Saarburg 30 bis 40 Personen, aus Markirch etwa 10 Personen, darunter der Bürgermeister Götel. Aus anderen Orten zusammen sind etwa 40 bis »50 Personen teilweise aus Bel- fort und teilweise nach Gerardmer verschleppt worden. Frmizösischer Pöbel. Die „Nordd. Allgem. Ztg." teilt mit: Ein deutscher Konsularbeamter in Südfrankreich schildert die VorfMe bei seiner Abreise: Als ich im Automobil bis Narbvmie fuhr, um dort den letzten nach Spanien abgeheuden Zug zu bcrmtzen. wurden meine Papiere auf einer größeren Station imtcffucht, nicht ohne daß ich hierbei vorn Pöbej und den Mitreisenden beschimpft und beleidigt wurde. Das Wappenschild und die Fahnenstange tvurden im Augenblick der Abfahrt hcruntergcrissen. Drei deutsche Erzieherinnen meines Bezirks, die kurz daraus ebenfalls im Automobil nach Spanien flüchten mußten, wurden von der Bevölkerung in schändlichster Weise behandelt, zum Dell entlleidet und wegen angeblichen Spionageverdachts untersucht. * . * Der Sieg der Oesterreicher. W i e ii, 3. Sept. (W. B. Nichtamtlich.) Die Telegramme der Kriegsberichterstatter an die Blätter bestätigen, daß das bisherige Ergebnis der Riescnschlacht als ein vollständiger und glänzender Sieg an der ganzen Nordfront bezeichnet werden kann. Am Ostflügel dauert das Ringen noch an. Die Berichterstatter weisen auf die ungleichmäßige Ausbildung und Wirkung der russischen Artillerie hin, welche stellenweise vorzüglich sei und anderwärts vollständig versage. Dagegen heben die Berichterstatter einmütig die durchweg glänzenden Leistungen der österreichisch-ungarischen Ar- tillerie hervor. Einige Berichterstatter weisen namentlich auf die Bravour der Preßbnrger und Koschauer Korps hin. Sämtliche Blätter stellen fest, daß sich aus österreichisch-ungarischer Seite, namentlich in Ostgalizien, die Spionage imd die Kundschafterdienste russenfreundlicher Elemente unangenehm fühlbar machen. Kundgebungen in Wie». Wien, 3. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) Die gestrigen Siegesmeldungen lösten hier große patriotische Kundgebungen aus. Eine freudig gestimmte, nach vielen Tausenden zählende Menschenmenge zog unter dein Gesang patriottscher Lieder durch die mit Fahnen reich geschmückten Hauptstraßen der Stadt. Bor dem Kriegsministerium brachte die Menge stürmische Hochrufe auf Kaiser, Vaterland, die Armee und deren Führer, sowie auf »Oesterreich-Ungarn und Deutschland ans. Die Kundgebungen, die mit patriotischen Ansprachen abwechselten, dauerten bis in die späten Nachtstunden. Die Blätter begrüßen den durchschlagenden Erfolg der Armeen Auffenberg und Dan kl als ein hochbedent- sames Ereignis, das nicht mir in der Monarchie, sondern auch bei den Verbündeten freudige Einpfindung Hervorrufen werde. Durch den Sieg der Armee Misse,iberg und dis von siegreichen Gefechten begleitete Vordringen der Armee Dankt bis Lublin erscheine das Ziel der Angrisssoperationcn zwi- schen Bug und Weichsel vollständig erreicht. Was den noch fortdauernden Kamps in Ostgalizien betreffe, so sei die . Zuversicht wohl begründet, daß es binnen kur-em gelingen werde, auch die in der Umgebung von Lemberg stehenden Truppenmassen niederziuverfen. Das ,,F r e in dc u d l a t t" steM fest, hast nunmehr durch die Erfolge der österreichisch-ungarischen Truppen und der deutschen Truppen gegen Rußland und durch die durchschlagenden Erfolge Deutschlands au der Westfront der ge- metnsonie russisch-französische Operationsplanvollständig zu nichtegemacht sei. Die in drei Linien geplante Offensive der Russen — eine gegen Ostpreußen, die zweite gegen Preußen von Russisch-Polen aus, die dritte gegen Galizien — sei gründlich gescheitert. Tic Norddeutsche Rllgcm. Zeitung über den Lieg der Ocfterreicher. (WTB.) Berlin, 3. Scpt. (Nichtamtlich.) Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Mitten in den Jubel über den Sieg, der zwischen Reims und Verdun errungen wurde, füllt die Meldung von dem herrlichen Ersolge unserer Verbündeten gegen die Russen. Nach hartnäckigem Ringen ist cs den standhaften und tapferen Truppen Oesterreich-Ungarns gelungen, den Feind zum Weichen zu bringen und ihm schwere Ovicr zuzusügen In großen Mengen mutzten sich die Russen als Gefangene ergeben. Einen dcutlicknm Matzslab für die Größe des Sieges bietet die Anzahl der erbeuteten Geschütze. Unter außerordentlichen Schwierigkeiten lxiben^glänzende Führercigcnschastcn mit staunenswerten Leistungen der Truppen zusammcngcwirkt, um eine gewaltige 'Schlacht gegen den Feind zu führen. In Deutschland wird diese ruhmreiche Wafsentat mit Begeisterung begrüßt werden. Wir beglückwünschen aus tiefstem Herzen den Kaiser und König Franz Joseph zu diesem Tag, der ein weiteres Ruhmesblatt in die glorreiche Geschickte das öster- reichisch-unrarischcn Heeres einsügt. Mit wärmsten Empfindungen gedenken wir auch der heldenhaften Streiter und Führer, die diesen denkwürdigen Sieg erfochten haben. Die deutsche Hilsstruppen von Skutari. Wien, 3. Sept. (W. B. Nichtamtlich.) Die deutsche Skutariabteilung ist gestern nacht hier eingetroffen. Auf dem rcichgeschmückten Südbahnhos wurde es von Kriegsminister K r o b a ! i n, Landesvcrtcidigungsminister G e o r g i und anderen militärischen Würdenträgern, sowie vom Minister des Innern D e i n v l d, dem Bürgermeister Weitzkirchner und Vertretern der deutschen Vereine erwartet. Auch der deutsche Botschafter v. Tschirschky und Bögendvrft mit seiner Tochter und Botschaftsrat Prinz Stolberg-Wernigerodc waren anwesend. Aut dem Bahnsteig war eine Kompagnie Infanterie mit Rcgiments- musik ausgestellt, welche, als der Zug einsuhr, „Heil dir im Siegerkranz" onstimmtc Bürgermeister Weitzkirchner begrüßte die Vertreter der verbündeten Armee hcrzlichst, woraus Major Schneider die Offiziere der Abteilung vorstellte. Der Kriegsminister hielt daraus an die Truppe eine Ansprache, worin er die Waffenbrüderschaft der beiden Armeen bewnte. und den deutschen Soldaten für die heldenhafte Unterstützung der österreichisch-ungarischen Kämpfer im Süden dankte. Er überreichte dann den Offizieren die vom Kaiser verliehenen Anszeichmmgen und schloß mit einem Doch aus "die beiden Kaiser. Rach dem Absingen der deutschen und der österreichischen Volksbymne gab Major Schneider seinem Stolze Ausdruck, an der Seite der österreichisch-ungarischen Soldaten gekämpft zu haben, und sprach den Dank für die den Offizieren verliehenen Auszeichnungen aus. Er schloß mit einem dreimaligen Hurra aus Kaiser Franz Joses. Die Soldaten wurden hierauf bewirtet und in die Quarfiere geführt. Das zahlreiche Publikum brachte ihnen stürmische Kundgebungen dar. Unangebrachte Neugier. Straßbürg, 3. Septbr. (WB.) Die amtliche „Straßburger Korrespondenz" schreibt: Es ist beobachtet worden, daß Ausflügler versucht haben, nach den im Elsaß und in Lothringen gelegenen Schlachtfeldern vorzndringen. Bor solch« Ausflügen, die überdies nur der Ausfluß einer unter den obwaltenden Umständen unangebrachten Reugrerde find, wird dringend gewarnt, da sich die Teilnehmer der Gefahr einer Festnahme und unter Umständen großen Unannehmlichkeiten aussctzrn. Erlaubnis- oder Passierscheine für Automobile und Räder, die nicht von den zuständigen Militärbehörden ausgestellt find, sind wertlos. Die betreffenden Fahrzeuge werden be, dem Versuch, irach den Schlachtfeldern zu fahren, von Polizeiorganen und militärischen Wachen zurückgewiesen, die Insassen gegebenenfalls fcstgenommen werden. Tie Aneignung von Uniformstücken, Waffen und sonstigen Ansrüstimgsgegenständen. die aus den Schlachtfeldern zurückgeblieben sind, von verschossener Munition, vou Gegenstände des Privateigentums der Gefallenen oder Verwundeten ist streng verboten. Abgesehen davon, daß Zuwiderhandelnde mit Leichenräubern verwechselt werden können und sich der Gefaln anssetzen, erschossen zu werden, bedeutet die Aneignung vou Gegenständen aus dem Schlachtfeld Diebstahl, der mit empfindlichen Strafen bedroht ist. Ein Zcppelinluftschiff über Antwerpen. Berlin, 3. Sept. Aus Antwerpen wird über Kopenhagen, bezw. Rotterdam, dem „Berliner Lokalanzeiger" über ein neues Erscheinen unserer braven Zeppelineüber der belgischen Hauptfestung berichtet. Ein Zeppe- linluftfchifs erschien gestern morgen gegen 3 Uhr über der Stadt und erösfnete ein heftiges Bombardement, das großen Schaden stiftete. Es gab viele Tote. DaK Luftschiff wurde mit Gewehren und Kanonen beschossen. Siegesfeier in Stuttgart. lW.T.B.) Stuttgart, 3. Sept. (Privattelcqramm.) Als gestern abend die neuerlichen Siege der deutschen Truppen über die Franzosen durch Extrablätter bekannt wurden und später noch die Nachricht von dem Sieg der Oestrrrcicher über die Russen cin- traf, sammelte sich in allen Stadtteilen die Bevölkerung und zog unter llbsingen vaterländischer Lieder nach dem Wilhelmspalais. Eine Musikkapelle begleitete die Menge. Der König erschien am Eingänge und hielt eine Ansprache, die in begeistert ausgenommene Hurras auf unser liebes deutsches Vaterland und die Armee ausklaug. Hoch- uich Hurra-Ruse auf Kaiser Wilhelm, Kaiser Franz Josef, unfern König und unser geliebtes Württemberg wurden noch ausgebracht. Schließlich stimmte die Menge „Großer Gott, wir loben Dich!" und „Die Wacht am Rhein" an und löste sich unter diesen Gesängen langsam auf. Zweimal kam es auch vor der österreichischen Gesandtschaft zu begeisterten Kundgebungen, wobei der Gesandte jedesmal eine Ansprache hielt. Noch spät wogte eine siegcsfteudige Menge durch die Straßen. Die Chinesen in Deutschland. Berlin, 3. Sept. (W. B.). Obwohl die chinesischen Staatsangehörigen in Deutschland sich durch Ab- eichen in ihren Landesfarben kenntlich machen, sind doch eider Fälle oorgekommen, daß die Chinesen Belästigungen und Beleidigungen erfuhren, weil sie für Japaner gehalten wurden. Die hiesige diplomatische Vertretung Chinas brachte Aälle dieser Art zur Kenntnis der deutschen Regierung. Wir glauben, daß dieser Hinweis genügt, um künftigsolche Mißgriffe zu verhüten und den in unserer Mitte lebenden Chinesen diejenige Rücksicht und das Entgegenkommen zu sichern, worauf sie al§ Angehörige einer neutralen befreundeten Macht Anspruch haben. Die Abreise des Fürsten von Albanien. Rom, 3. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) Die „Agenzia Stefani" meldet aus Durazzo: Prinz WilhelmzuWied ist heute morgen 8 Uhr an Bord deS italienischen Kriegsschiffes „Misurata" nach Venedig abgereist. Die Haltung Kanada». Kopenhagen, 3.Sept. (WTB. Nichtamtlich.) „National Tidende" meldet aus Ottawa: Die deutsche Bevölkerung Westkanadas bekundet offen, daß sic auf seiten Deutschlands steht. Dies erweckt großen Un- willen bei der übrigen Bevölkerung; man befürchtet Unruhen. Löwens Knnftschätze erhalten geblieben. Rotterdam, 3. Sept. Holländische Berichterstatter melden, daß das herrliche Löwener Rathaus unversehrt ist. Die Sankt Peterslirche ist teilweise zerstört, dürfte aber wieder erneuert werden können. Die Kunstschätze sind intakt. Sämtliche Gemälde sind erhalten. Cin „Bluff echt englischer Art". (WTB.) Wien, 3. Sept. (Nichtamtlich.) Die „Süd- siavische Korrespondenz" meldet aus Konstantinopel: Die türkischen Blätter besprechen die Ankündigung der englischen Regierung, Truppen aus Indien ans den europäischen Kriegsschauplatz zu werfen, und sagen, eS sei erstaunlich, welches Uebermaß von Selbstvertrauen die englischen Staatsmänner erfülle, wenn sie angesichts der Stimmung im mohammedanischen Indien ernstlich an solche Experimente denken. Da man aber annehmen müsse, daß die Engländer wohl wissen, wie sie in Indien geliebt werden, werde man recht tun, wenn man die pompöse Ankündigung der englischen Heeresexpedition nach Europa für einen Bluff echt englischer Art halte, der nur dem Bundesgenossen eine schöne Geste zeigen soU. Unter den Mohammedanern Indiens herrsche infolge der türkenfeindlichen Haltung Englands dauernde Erregung. Wenn die englische Flotte im Verein mit russischen Schiffen versuchen sollten, die Dardanellen zu forcieren, würde die Empörung der Mohammedaner Indien» auf dem Fuße folgen. Die Minen vor London. London, 3. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) Nach einer hier eingetrofsenen Meldung stieß ein Dampfer auf eine Unterwassermine und sank. Bon den 11 Mann der Besatzung sind 6 ertrunken und die übrigen 5 gerettet. Es handelt sich um dasselbe Schiff, welches kürzlich die Mannschaft eines dänischen Dampfers rettete, der in derselben Gegend auf eine Mine auflies und sank. Die russische Ostseeflotte in Helsingfors. Stockholm, 1. Scpt. Bon einem aus Helsingfors zurückgekehrten Herrn wird berichtet: „Nach 7 Uhr abends darf niemand sich mehr auf der Straße zeigen. Es ist eine allgeineine Unruhe undBeklenrnrung in der Stadt. Jeder Ausländer wird sofort in Verhör genommen. Die ganze Stadt wimmelt von Militär. Es sind bis jetzt 86 Militärzüge eingclaufen; die meisten Truppen bleiben in der Stadt, aber ein Teil ging nordwärts Nach Tornev. Am Sonnabend gingen fünf Militärzüge dahin ab. Kein Licht darf abends oder nachts angezündet werden. In der ganzen großen Stadt brennt auch auf den Straßen nach Einbruch der Dunkelheit kein Licht, nur von der Feste Svea- borg wirst nachts der Scheinwerfer sein bleiches Licht in die Runde und wirst geheimnisvollen Schein über die Festungsanlagen. Außerhalb der Stadt im Hafen liegt die russische Ostseeflotte, mit Ausnahme des Admtralschisses „Rnrtk", welches auf den Klippen gescheitert ist. Das ist das .Fahrzeug, welches schon früher aufgelaufen war, dessen Namen man erst jetzt erfahren hat. Eine Auszeichnung des russischen General» Rennenkampf. (WTB.) Petersburg, 2. Sept. (Nichtamtlich., Mel- düng der Petersburger Telegraphen-Agentur. Der Kaiser hat dem General Rennen kampf für Tapferkeit den St. Wladimir-Orden mit Schwertern verliehen. Das Moratorium in Norwegen. WTB. Kristiania, 3. Sept. (Nichtamtlich). Da» Moratorium ist verlängert worden für ausländische Schulden, die am 6. September fällig werden, um zwei Monate von dem ursprünglichen Verfalltage ab. Bei Fälligkeiten vom 7. September bis zum 6. Oktober ttftt eine Verlängerung der ZahlungSpfticht um einen Kalendermonat ein. Für inländische Schulden wird nur die Zahlungspflicht von Wcchselschulden um einen Monat bezw. vierzehn Tage verlängert. Die Interesse« Rumäniens, Bukarest, 2. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) Heute ist eine Broschüre zur Aufklärung der Lage „Worte an die Rumänen" erschienen, deren Verfasser, ein ehemaliger Abgeordneter, unter dem Pseudonym John Franza schreibt, und der ein liberaler Politiker ist. Der erste Teil der Schrift besaßt sich mit den Beziehungen Rumäniens zu Deutschland. Der Veriafier führt aus, daß seit 1878 Rumänien nur Gutes von Deutschland erfahren habe, wofür noch das vorige Jahr ein Beweis gewesen sei. Woher also plötzlich dieser Ausbruch des Hasses gegen Deutschland, der einige von uns dazu verführt, zu verlangen, daß wir unsere Interessen vergessen und uns in den Abgrund der Vernichtung stürzen. Dieser Haß ist kein rumänischer Haß und wird nicht durch rumänische Interessen und Schmerzen veranlaßt. Es ist der Hatz der Franzosen gegen Deutschland, und von denen bei uns eingesützrt, die ganz sranzösisiert sind und glauben, datz unsere Gegenwart und Zukunft gegen Frankreich in Gefahr gebracht werden könnte. Ein solcher Ausbruch der Gefühle ist 1870 noch verständlich gewesen, weil damals der Kamps Deutschlands keine Folgen für uns hatte. Heute aber, wo der Krieg wider die Herrschast Rußlands über die Länder geführt wird, zu denen auch Rumänien gehört, ist dieser Ausbruch ein Beweis gänzlichen Mangels der Gefühle sür die Interessen des rumänischen Volkes. Der verwundete Krieger. Feldgrauer Mantel deckt den Arm, Den welsche Granate zerschmettert, 'Das Antlitz ist bleich, daß Gott erbarm. Doch in den Augen es wettert: „O Herrgott, laß wieder erstarken mich, Links händig lern ich dann seihten! Nicht mag ich warten sein säuberlich So lang mit dem Russen sie rechten! Kann ich nur sassen des Schwertes Knauf, Gleich rück' in die Front ich wieder. Und sang ich auch nur die Kugel auf Die bestimmt für einen der Brüder!" Zur Hand nicht ist cin Eichenkranz Darf ich Dr die Rose reichen?! In Deinen Augen der strahlende Glanz Ist mir schönster Hoffnung Zeichen: Kein Millionemrusgebot Schreckt Dich, du deutscher Krieger! Nach Franzen, Russen auch — über den Tod Begrüß ich Dich noch als Sieger! Hermann Steingoetter. ver neue Papst. (WTB.) Rom. 3. Sept. Die „Agenzia Stefani" meldet: .Kardinal della Chiesa. bisher Bischof von Bologna, wurde zum Papste gewählt. Er hat den Namen Benedict XV. angenommen. Der neue Papst Benedikt XV. wurde am 21. November 1854 , in Genua geboren. Unter Leo XIII. ist er Substitut im Staats»' sekretariat in Rom geworden, wo er die rechte Hand RampollaS war. Seit dem 16. Dezember 1907 war er Erzbischof von Bo»- logna. Im Mai 1914, im letzten Konsistordmr» das Papst Pins X. hielt, war Benedikt zum Kardinal gewählt worden. — Der neue Papst gilt, wie die „Germania" schreibt, als ein hervorragend«, Politiker und Gelehrter. — Die Presse beurteilt ihn so, daß er vielleicht nach dem „diplomatischen" Leo nick dem „religiösen" Pins als diplömottsch-religiöser" Papst bezeichnet wachen könne, der die guten Eigenschaften beider vereinigt und ihre Fehler vermeidet. Rom, 3. Sept. (W. B. Nichtamtlich.) Um UV, Uhr zewtz sich der Papst auf dem inneren Balkon der Petrrsbcrsklika, dessen Brüstung mit einem Behang von rotem Sammet und goldenen Fransen geschmückt war. Die die Basilika füllende Menge begrüßte den Papst mit lebhaftem Beifall. Nach den hergebrachten Zeremonien erteilte der Papst den knieenden Gläubige» den apostolischen Segen und begab sich dann unter den Jnbelrufen der Menge in die Gemächer zurück. Rom, 3. Sept. (W. B. Nichtamtlich.) Fürst Chigi cv^ffing um 11,15 Uhr die Nachricht, daß Kardinal della C-Hiesa zum. Papste gewählt sei. Um 11,20 Uhr empfing Msgr. Mischatelli, der Gouverneur des Konklaves, die Benachrichtigung seitens des neugewählten Papstes und wurde ersucht, die Gfttrr der PeterS- kirche zu öffnen, denn in kurzer Zeit erfolge die Bekanntgabe der Wahl. Um 11,25 Uhr erschien der Zeremoinenmeistcr Msgr. Respigh, aus dem Mcktclbalkon der Außenseite der Petcrsfirche und ließ einen roten Teppich ausbreiten. Die vielen Tausende auf dem Platze vor der Kirche spendeten lebhaften Beifall. Um 11 Uhr 35 Min. ersthien Kardinal della Bolpe, der älteste dxr Kar- dinaldiakonc, aus dem Balkon, ihm zur Rechten Msgr. Capostt mit dem päpstlichen Kreuz und sprach die übliche Formel: Habeinus pspam. Er fügte hinzu: Der Papst hat den Namen Benedikt XV angenommen. Die Menge brach in begeisterte Zurufe aus und begab sich in das Innere der Peterskirche zur ersten Segenscrteilung des neuen Papstes. Au» Stadt und Land. Gießen, 4. September 1414. Die hessische Handwerkskammer hat an sämtliche Reichs-, Staats^ ,Militär-, Eisenbahn-, Post-, Kirchen- und Kommunalbehörden das folgenöc Rund» schreiben gerichtet: Durch die in den Tagen vor der Mobilmachung und den Tagen der kriegerischen Ereignisse eingctretene Stockung im Handels und Verkehr sind besonders dem Handwerker- und Gewerbcstmidc. schwere, kaum wieder cinzuholendc Verluste entstanden. Allmählich tritt aber die so notwendige Beruhigung im Erlwerbslcben wieder; ein. Unter dem Eindruck der lEreignisse der letzten Tage, der großartigen Ersolge unserer tapseren Truppen tritt eine Enlspanmurgf ein und man bemüht sich in allen Schichten des erwerbstätigen Volkes mit aller Kraft, die in der HeiMajt so zahlreich fehlenden Hilsskrästc durch unermüdliche Tätigkeit zu ersetzen. Der Hand- wcrkcrstand, dem man gerade in den letzten Monaten mehr denn >c Vertrauen entgegengebracht hat, war wohl teilweise durch den. plötzlich auftretenden Bedarf an Ausrüstungsgegenständen für das. Heer beschäftigt. Weite Schichten dieses Standes sahen sich abery gezwungen, ihren Betrieb wesentlich einznsehränkcn, in zahlreichen Fällen sogar fast vollkommen sfillziüegen. Mit den fortgesetzt gemeldeten glänzende« Erfolgen der deutschen Waffen kehrt Ruhe und Vertrauen zurück, auch der Handwerker will sich seiner Bcrussarbeft wieder eifrig widmen und damit in der Hemat zur Erhaltung des nationalen Gutes sein Möglichstes beitragen. Er will und mutz dafür sorgen, daß die Familienangehörigen daheim ihr Auskommen finden, daß aber auch den siegreich Zurückkehrenden der Boden zur auskömmlichen, wirtschaftlichen Tätigkeit erhalten bleibt. Man hat in diesen schweren Tagen in allen Bcrufskreisen mit den verschiedensten Mitteln versucht, die Lage der Zurückbleibendon und Wiederkehrendeu zu ordnen. Manch gute Einrichtung wurde getroffen, es darf aber gerade bei unserer Interessenvertretung nicht vergesseo werden, daß es sich nm tausende von kleineren Betrieben handelt. Sv segensreich z. B. die Bestrebungen aus 'Förderung des Kredits sind, so stptzcn diese doch bei der praktischen Durchführung im Handwerk aus recht empfindliche Schwierigkeiten, Demgegenüber sind wir der Ansicht, datz dem Handwerk wirksam nur oder doch in erster Linie durch Zuweisung vou Arbeit gedient werden kann. Die' Arbeitszuweisung bringt Beschäftigung in wecke Kreise, sie vcr- mcktelt in dieser schweren Zeck für Meister und Gesellen und viele andere Personen Verdienst und sichert die Erhaltung selbständiger Betriebe. Bekanntlich wurden unter dem Druck der Kriegserklärungen ans säst allen Gebielen die weniger eckigen Arbeiten ganz eingestellt, viele bereits geplante größere Arbeiten, insbesonder« im Bauhandioerk, ivurden zurückgestellt, auch die Arbeiten für Private hörten mit einem Schlage auf. Ersreickicherweffe ist irunolu- stelle des großen Pessimismus wieder Vertrauen und Zuversicht cingekehrt und wenden wir uns deshalb im Jackerclsse des Hand» Werks an alle Behörden ohne Ausnahme mit der dringenden Bitw, wieder ausgiebige Arbeitsgelegenheit zu schassen, damit auch dem Handwerksmeister die schwersten Sorgen abgenommen werden. Das Vorgehen der Behörden wird zweifellos auch bei Privaten günstige Wirkung Hervorrufen, wofür das Handwerk doppelt dan^ar sein wird. In anerkennenswerter Weise haben die Behörden die Bestrebungen der Interessenvertretungen des Handwerks in der letzte»! Zeit wesentlich unterstützt und hierbei zweifellos gute Erfahrung« gemacht. Der Kriegszustand stellt auf allen Gebieten unseres handwerklichen Lebens die höchsten Anforderungen: riesige Liefe-l rungen sind insbesondere erforderlich, um die notwendigsten AuS- stattungsgegenstände zu beschaffen. Da bieten die Handwerkervo- rationen, die Innungen und Vereinigungen die beste Gewähr sür richtige Lieferung. Die Berücksichtigung dieser K o r v o- rationen bürgt aber auch dafür, datz die in schwerer Zeit so notwendige Erhaltung selbständiger Betriebe unterstützt und die Verteilung! deswirtschaftlichcnGewinnssüreinegrotzeZahl der verschiedenen B«russangehörfigrn gesichert Kürzlich hat sich ein „Kriegsausschutz für die Deutsche Industrie" gebildet, der sich u. a. auch die Vcrmüttelmrg von Arbeite« und Lieicrungcn an die Industrie zur Ausgabe gestellt hat. Der preutzische Minister für Handel und Gewerbe wies die amtliche» Handelsvertretungen auf die wohlwollende Berücksichtigung dieser Einrichtung hin. Auch die Generalvertretung des deutschen Handwerks wandte sich in gleichem! Sinne an bfic gleiche Stelle, um für seine Berussangehökigen tatkräftig cinzutreten. Wir richten das ergebenste Ersuchen an Sie, die in Betracht kommenden Stellen anweisen zu wollen, daß unter Berücksichtigung vorstehender Ausführungen bei den cki Betracht hnnmenden Arbeiten und Lieferungen in erster Linie die Innungen und Bereinigungen berücksichtigt werden. Ein solches Entgegenkommen würde al§ nationale Tat von dem gesamten Handiverkersla»» freudig und dankbar anerkannt werden. ** Sch afft Arbeit für den Handwerker. Der Krieg hat Sen wirtschaftlichen Verkehr ins Stocken gebracht und — einzelne Handwerke, die für den .Kriegsbedarf arbeiten, ausgenommen — eine Arbeitslosigkeit verursacht, die bei einigermaßen gutem Willen gemindert werden könnte. So gut es Pflicht aller, die über etwas niehr als einen Nvt- groschen verfügen, ist, dem Vatcrlandc und der zum Schutze ssewen rfntretenöen Zi«k>estätigkeit iebtattbe llnterftützung kommen zu lassen, so ist ihre weitere Pflicht, Arbeitsgeltz- nheit für ihre weniger begüterten Mitbürger zu schaffen, er Umschau hält in seinem Heim, wird manches finden, was r Erneuerung oder Ausbesserung bedarf, das Schuhzeug, eider, Möbel, die Wohnräum«, Oefen und Herde, Einfriedi- mgen, Gartenanlagen, Waschküchen, Keller und Bodeu- ume, Dächer, überall ist etwas zu ergänzen und zu ver- ssern. Damit aber warten, bis „bessere" Zeiten kommen, nicht recht gehandelt. Jetzt kann alles mit Ruhe und lleber- gung ausgcführt werden, was vielleicht nach Monats- oder rhresfrist nüt Hast und unter Aufwendung größerer Sum- en ausgeführt werden muß, und nian daran zu leicht geigt ist, mit dem Handwerker zu hadern, wenn er wegen rbeitsüberhäufung nicht so schnell alle Wünsche befriedigen nn. — NB. Und man bezahle alle Arbeiten sosort nach er- iltener Rechnung. Das ist sozial und im gegenwärtigen agcnblickc auch patriotisch gehandelt. ** I m Oberhessischen Kunstvcrein sind einige astellgemälde von dem hier gern gesehenen Künstler I. a n S k o p f - Taublzausen zum Verkauf ausgestellt. Ta der Lnstler die Preise dieser Kunstwerke auf die Hälfte der seitherigen eabgesetzt l>at, so ist die seltene Gelegenheit geboten, für wenig eld ein wirkliches Kunstwerk zu erhalten. Der Erlös der vcr- usten Bilde: soll nach den Bestimmungen des Künstlers zum estcn der Kriegsfürsorge Verwendung sinden. Somit ürdc der Käufer eines solchen Kunstwerkes einen Beitrag zu dieser iohllätigkeitsveranswltung entrichten. Die Bilder sind am Soim- g von i 1—1 Uhr.uitd an den Wochentagen auch noch nachniittags >n 3—5 Uhr zu besichtigen. ** Namenlose Zuschriften. 3.!om ommando wird uns mitgeteilt, daß immer wieder Zugriffen einlaufen, in denen nicht genannte Einsender dar- ier Klage führen, daß der und jener noch nicht zur Fahne nberufen sei. Solche Anzeigen wandern ausnahmslos in -n Papierkorb. Nur Zuschriften, deren Absender die Be- hwerde mit ihrem Namen decken, werden weiter verfolgt. ** Genaue Adressierung von Briefsendungcn! och immer gehen in M e tz täglich Tausende von B r i e f s e n - ungen für Angehörige der mobilen Trupven ein, durchweg mit :r Bestimmungsbezeichnung „Metz", „bei Metz" und dergleichen, liefe Sendungen müssen zunächst aus den vielen für die Kriegs- Setzung der Festung Metz bestimmten ausgesondert und dann auf !e Feldpostsammelstelle in Straßburg zurückgeleitet wer- m, um von da nach nochmaliger Bearbeitung endlich auf den achten Weg zum Feldheere zu gelangen. Durch die vorschrists- ,ihrige Adressierung entsteht nicht bloß eine mehrtägige Untcr- rcchung in der Beförderung zum Feldheere, sondern es werden uch die Abslußkanäle, die sür andere Sendungen (an Private und n Truvve» in festen Standquartieren) sreigchalten werden müssen, nnötigerweise verstopft und der Post die Erfüllung ihrer schweren lusgabe, der sie seit Wochen mit verminderten! Personal in un- nterbrochener Arbeit bei Tag und Nacht gerecht zu werden sucht, ist unmöglich gemacht. Den Schaden aber hat das Publikum selbst nd unsere brave Armee. Es ergeht deshalb immer wieder die ringende Bitte an alle Beteiligten, auf Feldpostbriefen an lngehörigedes Feldheeres keinen Bcstimmungs- rt, sondern nur den Truppenteil anzugeben. Nur Sendungen an Truppen in festen Standquartieren lFestunasbe- rtzungen und dergleichen), an Kranke und Verwundete in Laza- etten sollen eine Bestimmungsangabe enthalten. Im weiteren wird aran erinnert, daß verschlossene Privatbriefe nach ilsaß-Lothringen nicht zulässig sind. ** Vereins-Spende. Der Vorstand des Vereins Vroßh. Kanzlei-, Amtsgerichts--, Kreis- und Haup-tsteuer- mtsdiener bewikligte aus der Vereins^asse 50 Mk. zum festen des Roten Kreuzes. Kreis Fricdbcrg. I, B a d - N a i, h e i m. 3. Cept. Heute mittag 4 Uhr wurde et erste, von Nauheim gebürtige Soldat in seiner Geburtsstadt eerdigt. Die Naubeimer Stadtverordneten-Berfaminliing hat ine gemeinsame Grabstätte für aste im Kriege Geiallenen bcwistigt. — Bad-Nauheim, 8. Sept. Die Stadtverordneten be- chlossen, die Diktoria-Stratze in ,Äuqusta-DikIoria°8trabe' und ie Britanniastraße in .Zevvelinstrahe' umzntauien, womit die ötratzen mit englischem Anklang in Bad-Nanhcim verschwinden. Kreis Wetzlar. — Krofdorf, 3. Sept. Unter großer Beteiligung der Ein- oobner Krofdorfs, Gleibergs und Launsbachs sonne seiner Kollegen rnd Vorgesetzten wurde gestern das erste Opfer, das der Weltkrieg von den vielen Einberufenen unserer Gemeinde gefordert hat, der 25jährige Schriftsetzer Ernst Pfeiffer aus Krofdorf unter militärischer Ehrenbezeugung zur letzten Ruhe geleitet. Pfeiffer halte als Reservist im 116. Regiment dessen Kämpfe milgemacht und ist den erhaltenen schweren Verwundungen erlegen. Die Feier auf dem Gottesacker inmitten der herrlichen Natur gestaltete sich zu einer allgemeinen Ehrung der Gemeinde für den.im Kampfe um des Vaterlandes Freiheit gefallenen tapferen Streiter. — Atzbach, Ä Sept. Mehrere Opfer hat der Krieg schon unter der Zahl der jungen Leute unseres Dorfes, die im Felde stehen, gefordert. Nicht weniger als fünf Vcrwuni- dete werden gezählt; der Postpraktikant Mchller ist den Heldentod gestorben. Hessen-Nassau. m. Kirchhain,4. Sept. Ter Kreiskriegerver-« banddes Kreises Kirchhain faßte in seiner gestrigen außerordentlichen Vorstandssitzung auf Vorschlag des Verbandskassenführers, Herrn Bürgermeister Grün'-Äirchhain, den hochersreulichen Beschluß, das gesamte Vermögen des Verbandes, 4500 Mk., für Kriegszwecke zur Verfügung zu stellen. Ebenfalls hat der Schützenverein Wolferode seinen Sparkassenbestand bis auf einen geringen Bruchteil der Kriegsfürsorge übe niste sc» h. Frankfurt a. M., 3. Sept.'Seit dem Beginn des Krieges gab der Verlag der „Frankfurter Nachrichten" neben der regelmäßigen Morgenausgabe noch zu Mittag und am Abend besondere Extrannmmern siir 5 Pfennig das Stück heraus. Das Generalkommando hat nunmehr verfügt, daß die „Frantsurter Nachrichten" nur einmal täglich erscheinen dürfen, weil sie militärische Artikel ohne Genehmigung des Generalkommandos veröfsentlicht haben. h. Frankfurt a. M., 3. Sept. Wie t'es der Krieg in das Völkerlcben einschneidet, beweist die große Zahl' der Flüchtlinge, die das Kriegsgebiet verlassen. Täglich passieren mehrere Hunderte österreichischer, belgischer und italienischer Familien den hiesigen Hauptbahnhof, um in ihre .Heimat, zu Verwandten oder in eine ungewisse Fremde zu flüchten. Die Leute sind säst aller Mittel entblößt und deshalb ans die Mildtätigkeit der deutschen Behörden an- geiviesen. Unter den Flüchtlingen befinden sich viele Kinder, deren Eltern tot oder verschollen sind und die nun mit ihren Bekannten und Nachbarn einem ungewissen Schicksal ent- gegenfahrcn. Seitens der deutschen Eisenbahnverwaltungcn ivird den armen Flüchtlingen jede Erleichterung verschafft. Letzte Nachrichten. Kein Mißerfolg von« deutschen Generalstab verschwiegen! (WTB.) Berlin, 4. Sept. (Nichtamtlich.) Die „Voss. Zeitg." erfährt aus dem Großen Hauptquartier: Die ununterbrochenen übereinanöerfolgcnden Siegesmeldungen, ohne daß man von Richtcrfolgen hört, können beinahe stutzig machen und haben im Anslande schon Mißtrauen erweckt. Demgegenüber wird vom Generalstab die ausdrückliche Erklärung abgegeben, daß kein Mißerfolg der Deutschen an irgendeiner Stelle eingetreten ist, der etwa verschwiegen worden wäre. Auf die täglich zu Hunderten einlaufenden Anfragen gcht die Heeresleitung folgendes bekannt: Es ist unmöglich, dir durch die Schlag auf Schlag folgenden Kämpfe auf beiden Seiten eintretrnden Verluste schon mit den Mitteiluir- gen über den Ausgang der Kämpfe einigermaßen zuverlässig bekannt zu geben. Dir Verluste des Feindes an Toten und Verwundeten übersteigen erheblich die unseren. Mimftcrmt in Bordeaux. WTB. Bordeaux, 4. Sept. (Nichtamtlich.) Der Extra- zag mit Poincare und den Ministern ist gestern mittag hier eingetroffen. Die Menge schrie begeistert! Dive la France! Poincars hat die Präfektur bezogen. Der Dienst der Ministerien des Innern imd des Krieges ist bereits eingerichtet. Die M i n i st e r sind unter demVorsitzVivianis imRathansc zu einerSitzungzusam me »getreten, in welcher der Kriegsmlntfier zunächst Uber v«e militärische Lage berichtete. Verschiedene Fragen wurden beraten; besonders die Frage der Verproviantierung. Russisches Eingeständnis. i. Köln, 4. Sept. Die „Kölnische Zeitung" meldet aus Stockholm: Nach russischen Zeitungsnachrichten g e st c h t Rußland jetzt endlich dieNiederlage bei Tannenberg ein. Die Bevölkerung Wiens. i. Köln, 4. Sept. Die „Kölnische Zeitung" meldet aus Wien: Mit ungeheurer Spannung erwartet man hier weitere Nachrichten vom russischen Kriegsickanplatze. Trotzdem Leute, welmc aus Galizien hier eingetrossen sind, ziemlich aufgeregt sind, ist das Vcrlrauen der breiten Masse in die Heeresleimng und die Tapferkeit und Ausdauer der Truvven unerschüttert. Täglich tressen Berwundeten-Transporte hier ein und werden in die Krankenhäuser und Lazarette geschasst. Dichtes Menschensvalier steht an den Straßen, durch welche die Transporte geleitet werden und empfängt jedes Geführt mit stürmischen Hurra-Rufen, mit Tücher- und Hüteschwenkcn, wofür die Verwundeten mit großer Freude danken. Auswanderung aus Paris. London, 4. Sept. Aus Paris vom 30. August wird gemeldet: Viele Leute haben bereits Paris verlasse n und viele reisen jetzt ab. Ein großer Teil der Bevölkerung, namentlich Frauen und Kinder, soll sortgeschafst werden. Der König der Belgier verwundet. Kopenhagens. Sept. Das Bombardement von M c- cheln richtete großen Schaden an. König Albert, der sich bei seinen Truppen befand, wurde an einer Hand durch ein Granatenstuck leicht verwundet. Die Granate schlug in seiner unmittelbaren Nähe ein. Die Hinterräder seines Automobils wurden zertrümmert. (B. L.) Gärung in Aegypten. Neapel, 3. S-eptember. Passagiere des aus Alerandrien augckowmenen Dampfers „U m b r i c n" versichern, daß alle M u - hamedaner in Aegypten von Deutschlands endgültigem Siege überzeugt sind und jubeln in der Hoffnung, daß jetzt der Augenblick gekommen sei, wo die Türke: Aegypten, Tunis und Marokko von den Ungläubigen befreien werde. Tie englischen Behörden versuchen niit allen Mitteln den drohenden Aufruhr der Araber zu unterdrücken und haben hohe ägyptische Würdenträger verhaftet. Aus Albanien. T urazzo, 4. September. Die Kontrollkommission begab sich gestern zu den Aufständischen und teilte mit, daß der Fürst abgereist sei. Tic Regierung nstrd in nächster Zeit von der Kommission übernommen werden. Zur Wahl des Papstes Benedikt XV. Berlin, 3. Sept. Der „Bert. Lokalanz." schreibt: Stets galt der Kardinal della Chiesa als eine der stärksten Stützen der sogenannten Rampolla-Partei, der er auch nack> dem Tode seines Beschützers beigezählt wurde. Wiederholt wurde er sür den Posten eines Nuntius genannt. 1904 wurde bereits seine Ernennung zum Nuntius in Madrid gemeldet, sie war beabsichtigt, aber sie zerschlug sich, weshalb, darüber ist nie etwas an die Ocffcntlichkeit gelangt. Seine interessante Persönlichkeit ist darum im Mittelpunkte des Interesses in Rom geblieben, und natürlich ist er auch der Mittelpunkt des politischen Klatsches geblieben, der in ihm einen Frondeur gegen die Politik Pius' X. wissen wollte. In dem letzten Kollegium, das am 12. Mai 1914 abgehalten wurde, hat Papst Pius X. den Erzbischof zum Kardinal geweiht, und nun hat dieser Sechzigjährige den Stabil Petri bestiege», eine Persönlichkeit, die das allgemeine politische JMeresse auf das lebhasteste erwecken dürste. Die „Bossische Zeitung" schreibt: Wenn man aus der Wahl des Pavstuamens einen Rückschluß aut den Geist ziehen darf, so erweckt der Name Benedikt XV. die günstigsten Anzeichen. Sein letzter NamcnsvorgängcrBenedikt XIV., vor seiner Erwählung Prosper Lambertini und ebenfalls Erzbischof. von Bologna, der von 1740 bis 1756 die päpstliche Tiara getragen hat, war nicht nur einer der klügsten und gelehrtesten, sondern auch einer der mildesten und versöhnlichsten Päpste aller Zeiten. Billige, gute Nahrungsmittel werden in jeder Familie gebraucht. Dazu gehören: Oetker-Puddings aus Dr. Oetker » Puddingpulvern ......zu 10 Pfg. (3 Stück 25 Pfg.) Kote Grütze aus Dr. Oetker s Rote Grützepulver .........zu 10 Pfg. (3 Stück 25 Pfg.) Mehlspeisen und Suppen a„s vr. Oetker s Gustin Paketen zu-/.-'/-.v, Mund. (Nie wieder das englische Mondamin! Besser iß Dr. Oetttet’s Gustin.) ) Preis 15, 30, 60 Pfg. 1018dv Ohne p»*ci99 I. 86152» Schöne 2-Zi mnicrw. ver l. Okt. zu verm. Eichweg ?. Ecke Gr. Sieinweg. Meine Mninig kl. Familie zu vermieten. 95471 Kaiser Allee *7. 801381 Hübsche» Zimmer. möbliert oder unmömiert, zu vermieten. Stcvbanstrane 29 I. 861251 Eins. möbl. 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August starb den Heldentod fürs Vaterland mein innigst geliebter unvergesslicher Sohn, unser Bruder, Schwager, Onkel, Enkel, Helfe und Bräutigam Feldwebel Ludwig Wehrum beim Inf.-Regt. „Kaiser Wilhelm“ Nr. 116 im 30. Lebensjahre. In tiefer Trauer: Familie Wehrum und Angehörige Familie Hess, Lang-Göns. Watzenborn, Albach, Dutenhofen, Alsfeld und Lang-Göns, den 4. September 1914. Am 28. August starb den Heldentod fürs Vaterland, auf Frankreichs Erde, mein geliebter Mann, der beste Vater meiner Kinder, der Hauptmann und Komp.-Chef im Infanterie-Regiment „Kaiser Wilhelm“ (2. Grossh. Hessisches) Nr. 116 Hans Haehling von Lanzenauer Gertrud Haehling von Lanzenauer geh. Kreuzberg Giessen, den 4. September 1914. 9570 D Von Kondolenzbesuchen bittet man absehen zu wollen. Am 22. August starb den Heldentod fürs Vaterland unser lieber Bruder, Schwager und Onkel Carl Haibach Unteroffizier der 8. Komp, im Infanterie-Regiment „Kaiser Wilhelm“ (2. Grossh. Hessisches) Nr. 116. Die trauernden Hinterbliebenen: 9569 Geschwister Haibach. Giessen, Limburg, Gräveneck, den 4. September 1914. Bekanntmachung. Die vielfach verbreitete irrige Meinung, als ob mit Ausbruch des Krieges die Verpflichtung Schulden zu bezahlen, insbesondere Miete und Hypothekenzinsen zu entrichten, aushörc, veranlagt mich, daraus hinzuweiseu, daß durch dieses Verhalten das gesamte Wirtschaftsleben schwer geschädigt wird. So sehr erwartet werden mutz, datz die Vermieter solchen Mietern grötzte Nachsicht gewähren, deren Ernährer zum Schutze des Vaterlandes im Felde stehen oder durch den Krieg Arbeit und Erwerb verloren haben, so sehr mutz es als patriotische Pflicht aller anderen bezeichnet werden, ihren Verpflichtungen nachzukommcn, insbesondere ihre Miete pünktlich zu bezahlen, wie ja auch die Hansbrsitzcr nach wie vor pünktlich ihre Hypothekcnzinsen entrichten müssen. Um Gelegenheit zur gütlichen Verständigung zwischen Vermietern und Mietern unter Vermeidung des Prozctzgerichts zu geben, wird von heute ab ein Einignngsamt für Mietstreitigkeiten errichtet. Bei dem Einigungsamt wirken je ein Vertreter der Vermieter und Mieter mit; den Vorsitz führt der Oberbürgermeister oder ein von ihm Beauftragter. Die Geschäftsräume des Einigungsamtes befinden fich im Stadthaus, Gartenstratze 2, Seitengebäude. Gietzen- den 3. September 1914. Der Oberbürgermeister. Keller. 9550B Heute früh 4 Uhr verschied sanft unsere liebe Mutter, Schwiegermutter und Grossmutter Frau Kattiar inaSiegeletz geb. Berth im 80. Lebensjahre. Die trauernden Hinterbliebenen: Familie Friedr. Bender Ww. Familie Georg Mootz Familie Adolf Römheld. Giessen (Bahnhofstr. 51), Mainz, 4. September 1914. Die Beerdigung findet statt; Sonntag, den 6. September, nachmittags 3 Uhr. (Alter Friedhof.) 9568 Kartoffeln prima gesunde Ware, Beniner Mk, 3.50. nröR. Oxnnt. frei Haus Sonnenktr. 6, Telephon 88. 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Rate .... 25,— , von Poilsekrelär Rörig.........20,— , von Jritz Schlesier Ww., Buchhnndlung . . 50,— . von Hoslieierant Wilhelm Rudolvb .... 200,— . von Oberst Svohr...........100,— , von OrlsgerichtS-Borsteher Simon .... 100,— - Summe 846,20 Ml Mit herzlichem Dank für diese Gaben wird um weitere Zuwendungen gebeten. 95638 Städt. WohnungsnachweiS Gietzen, Asterweg S. Es ffnd zu vermieten: 95438 1 Wohnung von 5 Zimmern und 2 Mansardenzinimern, 1 Wohnung von 5 Zimmern, 1 Wohnung von 4 Zimmern. 1 Wohnung v. 4—5Zimmcrn, 2Wobnungen v.ZZiinmern. 1 Wohnung von 1 Zimmer, 1 Wohnung von 1 bis 2 Zimmern, 1 Lager- oder Jabrikraum, I Werkstatt ein dreistöckiges Lagerhaus mit Pserdestall und Heuboden. 2 möblierte Zimmer, Zü mieten gesucht: 35 Wohnungen von 2—6 Zimmern. kftädt. jtfrbeitsnacfnöeis giessen- Asterweg 9. ES können eingestellt werden a. bei hiesigen Arbeitgebern , 2 Schmiede, 1 Sattler, 1 Bäcker, 1 Schuhmacher, drei Schneider, 1 Weihbinder, 2 Hausburschen, 1 Verwalten iandwirrschasti. Arbeiter und 1 Schweizer, 1 Chauffeur, 2 Wärterinnen, Lebriinge: 1 Metzgerlebriing, d. bei auswärtigen Sirbeitgebern: I Schmied, 2 Bäcker, 3 Dienstmädchen, iandwirlschastliast Arbeiter und Knechte, ES tuchen Arbeit: 1 Steinmetz, 6 Schlaffer, 1 Eiekiromonieur, 2 Mechaniker, 3 Polsterer und Tapezierer, 10 Schreiner, 1 Müller, 1 Bäcker. 3 Maurer, 2 Zimmerniann, 4 Weihbinder und Lackierer, 1 Glaser, 1 Stukkateur, 2 Heizer, 5 Kausieute, Schreiber, landw, Arbeiter und Knechte, Erdarbeiter, Taglöhner. .Kellner, Hausburschen. Putz-, Wasib- u»° Lauffrauen. 9o4I ö