Nr. 206 Ter Eichener Altzeiger erscheint läßlich, ander Sonntags. - Beilagen: viermal möcte»>!1cb riebenerZamilienblatleri zweimal wöcbeiilt.itreiz- blattsUröcnllrelr Liehen (TicnStag und freitags; zweimal monatl. !and> wirtschastliche Zeitfragcn sierusprcch - Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag ». Expedition öl Adresse für Depeschen: Anzeiger Gictzen. Annahme von Anzeigen für die Tagcsiiiimmer bis vorniittags 9 Uhr. M. Jahrgang Donnerstag, Z. September General-Anzeiger für Oberhessen Rotationsdruck nnd Verlag -er vrühl'schen llnio.-vuch- und Zteindruckerei R. Lange. Bezu gSvrciK: monatlich 75 Ps., vienel» jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Ps.; durch diePost Mk.2.— viertei- jährl. ansschl. Bestellg, Zcilenpreis: iokal15Ps„ auswärts 20 Pfennig. Ehesredaktenr: A. Goetz. Verantwortlich sür den polit. Teil: Aug. Goetz; sür .Feuilleton', .Vermischtes" »nd.Gerichis- saal": klar! Neuraih; sür .Stadt und Land": Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchulstrahe 7. An,«,gemellt jjVei Der deutsche Ziegeszug zwischen Reims und Verdun. Die Schlachten der Gesierreicher. (WTB.) Großes Hauvtauarticr, 2. Sept. Die mittlere Heeresgruppe der Franzosen, etwa zcftn Armeekorps, wurden gestern zwischen Reims und V r r d u n von unseren Truppen z u r ü ck g c w o r f c n. Die Verfolgung wird heute fortgesetzt. Ein französischer VorstotzausVerdun wurde a b- gewirscn. Se. Macjstät der Kaiser befand sich währenddesGefechtsbeiderArmeedesKron- prinzen und verblieb die Nacht inmitten der Truppen. Der Generalgilartiermcistcr t>c»i Stein. Wien, 2.Sept., 9 Uhr vormittags. (WB.) Die cin- wöchige erbitterte Schlacht im Raum Zamosc — Tpszowcke führte gest ern zum vollständigen Siege der Armee Auffcnberg. Scharen von Gefangenen und bisher 160 Geschütze wurden erbeutet. Die Russen befinden sich im Rückzuge über den Bug. Auch bei der Armee Dankt, die nun Lublin bedroht, sind ununterbrochene Erfolge zu verzeichnen. In Lstgalizicn ist Lemberg noch in unserem Besitz. Gleichwohl ist dort die Lage gegenüber dem starken und überlegenen russischen Vorstoß sehr schwierig. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs. Hofer, Generalmajor. Seit der letzten eingehenden Meldung des Generalquar- tiermeisters über dos Vordringen unserer Heere im Westen hat sich unsere Lage noch bei weitem günstiger gestaltet. Am 31. August batte General o. Kluck im Norden einen Flankenangriff aus Combles abgewiesen, General v. Bülow hatte eine französische Armee bei St. Quentin vollständig geschlagen, General v. Hausen war siegreich bis Rethel an der Aisne vorgedrungen und der Herzog von Württemberg hatte die Maas überschritten und war gleichfalls im Anzuge gegen die Aisne. Ein Blick auf die obige Meldung zeigt, wie überraschend günstig sich die Lage wieder verschoben hat. General v. Hausen hat in Verbindung mit dem Herzog Albrecht zu Württemberg und wohl auch unter Mitwirkung von Truppen des deutschen Kronprinzen den Gegner aus der Linie Reims — Verdun gestellt und zurück- geworsen. Wjls die „Times" von unseren Truppen in so hohen Tönen lobte, bestätigt sich glänzend aufs Neue: die deutsche Beweglichkeit und Hartnäckigkeit bei der Verfolgung überliefert die Feinde ihren: Verderben. Sie können sich in ihrer zweiten Befestigungslinic kaum -u weiterem Widerstande sammeln; obgleich nicht weniger als 10 Armeekorps den deutschen Vorstoß, aufhalten sollten, drängen die Deutschen siegreich weiter vor. Schon wird die Festung Verdun vom deutschen Kronprinzen stark bedrängt; er hat im Beisein seines kaiserlichen Vaters einen neuen Vorstoß aus Verdun gleickifalls wieder abgcwicscn. Daß der Kaiser selbst im Gefecht weilte, wird überall, besonders bei den Truppen im Felde, große Begeisterung erwecken. Wie anders steht die Tatkraft unseres Herrschers da als die zage Pilgerung des Zaren nach M>osLru, oder als die völlige Tatlosigkeit des englischen Königs. Dabei scheint es sich bei der neuesten Meldung des Ge- ncralquartiermeisters nur erst um einen Borbcricht zu handeln. Denn daß die Generale v. Kluck und v. Bülow iw den letzten drei Tagen untätig geblielken sind, ist ausgeschlossen. Sie werden vielmehr ihren Siegeszug an der Oise weiter verfolgt haben und bald vor den Toren von Paris erscheinen, wenn es nicht in ihrem Plane liegt, den Feind gemeinsani mit den übrigen Heeresteilen einzukreisen und völlig zu schlagen. Jedenfalls steht es fest, daß am Abend des 1. September wiederum ein deutsches Flugzeug über Paris erschienen ist und dessen geängstigtc Bevölkerung mit Bomben überrascht hat. Es wird die Franzosen nun sehr eigentümlich berühren, daß., während sie ihre letzte Hoffnung ans das Erscheinen neuer englischer Truppen setzen, die Londoner Presse mit dem Behagen des stillen Zuschauers die schnellen und glücklichen Erfolge der Deutschen rückhaltlos bewundert! Auch vom österreichischen Generalstab hören wir neue Künde. Vielleicht wendet sich an der österreichisch-russischen Grenze die Lage ähnlich wie in Ostpreußen. Lemberg bleibt, von starken, überlegenen feindlichen Truppen ernstlich bedroht, aber nördlich, jenseits der Grenze hat der General Auffenberg einen vollständigen Sieg über die Russen davon- gctragen. Ueber die Größe dieses Sieges liegen noch keine abschließenden Nachrichten vor. Möge es sich damit ebenso verhalten wie mit den Schlägen, die der deutsche General von Hindenburg in Masuren austeilte! Die Linie Zamose— Tyszowke ist etwa vierzig Kilometer lang. Es handelt sich um einen Sieg des Zentrums der Oesterreicher, da weiter im Norden, bei Lublin, General Dank! im Kamps mit den Russen steht. Auch Dank! hat, wie es in der amtlichen Meldung heißt, „ununterbrochene Erfolge" zu verzeichnen. Don der Größe der Erfolge des Zentrums der Lesterreicher und ihres linken Flügels hängt cs nun ab, ob der überlegene Feind vor Lemberg seine Lage dort wird halten können. Englisches Lob des deutschen Vorgehens. London, 2. September. (WTB. Nichtamtlich.) Der Berichterstatter der „Times" sandte ans Amiens einen ausführlichen Bericht über die Kämpfe der letzten Wochcn, in dem cs heißt: Das Vor rückender Deutschen vollzieht sich mit beinahe unglaublicher Schnelligkeit, Nachdem Generäl Fosfre das Zurück- gchen auf der ganzen Linie anbcfohlen hatte, ließen die Deutschen, ihren besten Kricgsregeln folgend, dem zurückziehenden Heere keinen Augenblick Ruhe und setzten die Verfolgung unaufhörlich fort. Flugzeuge, Zcppe- linluftschisfc und gepanzerte Automobile wurden gegen den Feind wie Bogenpfeile abge- sandt. Ueber die Tapferkeit der Deutschen zu sprechen erübrigt sich. Sie marschieren in tiefen Abteilungen beinahe geschlossen vor. Fallen Reihen unter dem Artilleriefeuer, so stürzt neue Mannschaft vor. Die Uebermacht der Dcutschenistsogroß,daßmansieebensowenig wie die Wogen des Meeres auf halten könnte. Die Ueberlegenhcit der Deutschen in der Zahl der Geschütze, besonders in Maschinengewehren, die sie mit außerordentlicher Wirkung gebrauchen, der ausgezeichnet organisierte Erknndungsdienst mit Flugzeugen und Zeppelinluftschiffen, sowie ihre außerordentliche Beweglichkeit, sind die Gründe für das Glück der Deutschen. Die dcutschfresscrischc „Daily Mail" bringt in einer ihrer letzten Nummern ein Stimmungsbild aus Brüssel, das den Deutschen volle .Gerechtigkeit widc» fahren läßt. Das verdient um so höher veranschlagt zu werden, als das Lvndvuer Blatt bisher gegen die deutschen „Barbaren" nicht genug Worte der Verachtung zu finden wußte. „Die 3000 deutschen Soldaten," so schreibt der Berichterstatter, die die Hauptstadt besetzen, behandeln die Bevölkerung mit aller Menschlichkeit und enthalten sich jeden herausfordernden Benehmens. Die Offiziere logieren in den großen Hotels, die Soldaten sind in Kasernen, auf Bahnhöscn und in Eisenbahnschuppen einquartiert. Me Offiziere lassen große Vorräte von Konserven ankaufen. Auf Befehl des deutsche» Generalkommandos wird alles bar bezahlt, während die großen Ankäufe mit Rcquisitions- scheinen bezahlt werden. Die unentbehrlichen Lebensmittel haben keine bemerkenswerte Steigerung erfahren. Die Zeitungen haben ihr Erscheinen eingestellt irnd der Polizeidienst wird von belgischen Zivilgardisten besorgt. Die Stadt hat ihr gewöhnliches Aussehen wiedergewonnen. Die Kaffeehäuser sind wie in früherer Zeit bis auf den letzten Platz gefüllt. Givct gefallen. (WTB.) Großes Hauptquartier, 2. Sept. Me Veste Givet ist «in 31. August gefallen. Lemberg. Me Riesenschlacht von Lemberg zwischen den österreichisch- nngarischen Truppen und den Russen spielt sich aus eurem historisch denkwürdigen und kämpsereichen Gebiet ab. Wie oft ist Lemberg, die Leo-Stadt, das polnische Lwow, der Mittelpunkt und Preis gewaltiger Kämpfe gewesen, wie oft brandete ein blutiges Völkcr- ringcn um seine Mm,ern! Rutlrencn und Tataren, Deutsch« und Ungarn, Polen und Russen mrd Oesterreicher haben um den Besitz dieses Ortes gerungen, sind als Herrscher eingezogen in seine Straßen und haben sich das ganz« wichtige- Grenzgebiets dessen Mittelpunkt die Stadt ist, unterworfen. Seinen Namen trägt Lemberg von denr Fürsten von Halicz, Leo, dessen Vater, der rnthenische König Daniel, im Jahre 1259 hier eine Stadt erbaute und sie seinem Sohn als Herrschersitz übergab. Dann brausten die Tatarenmassen herein, und wie so viele Reiche, wurde auch die junge Gründung von der mongolischen Flut begraben und 1261 völlig vernichtet. 1270 baute man die Stadt an derselben; Stelle wieder auf, und ihre Blütezeit begann, als 1340 Kasimir der Große, König von Polen, sich zum Herrn Lembergs aufwars. Nachdem er erbittert gekämpft hatte, führte er eine neue Kultur hier ein. Prächtige Bauten entstanden, darunter zwei neue Schlösser, und als wichtigstes Element kamen ^nun deutsche Ansiedler hierher. Lemberg wurde eine deutsche Stadt; sie erhielt besondere Privilegien, die ihr in einem genau nach dem Muster von Magdeburg erteilten Freibrief zugestanden wurden, und das Deutsch wurde die offizielle Sprache des ganzen Bezirks. Die polnische Herrschest währte nur kurze Zeit; dann brauste wieder einmal Schlachtenlärm um Lembergs Mauern, und es ging in die Hände der Ungarn über, durch die es der Fürst von Oppeln, Wladislaus, zur Verwaltung erhielt. An den Polenkönig Wladis- laus kam die Stadt dann von neuem 1387 als Heiratsgabe. Ihre Handelsprivilegien wurden noch erweitert, und 1412 wurde Lwow zum Sitz eines Erzbistums erhoben und blieb nun lange Zeit die Hauptstadt der polnischen Provinz Renssen, des „russischen Landes", das 1443 unter die Oberlrerrschast Polens geraten war. Nach dem Fall von Byzanz war Lemberg einer der wichtigsten Stapelplätze des Handels mit dem Orient, der nun vielfach den Landweg bevorzugte. Während dieser friedlichen Blütezeit dauerten aber seindliche Angrissc und furchtbare Kämpfe noch immer fort rmd unterbrachen zeitweise dis Ruhe der Stadt, die stets an deutschem Wesen und deutscher Kultur festhielt. So sind im 15. Jahrhundert deutsche Humanisten nach Lemberg gekommen, baden hier eine deutsche Schule errichtet und Deutschtum wie Wissenschaft und Bildung weit nach dem Osten hineingetragen. Wenn wir die Kämpfe mit den Wallachen und Kosaken übergehen, die zahlreich >rm Lemberg stattjanden» so ist cs dir Türkengefahr, die seit dem 16. Jahrhundert immer d-rohensdev hervortrat. Das erste Mal eroberten die Türken Lemberg 1524, dann nahmen sie es 1672 ein und unterwarsen sich wcsie Teile des polnischen Reiches, bis der tapfere Johann Sobieski 1775 bei Lemberg einen der glänzendsten Siege über die Türkei: erfocht, die die Geschichte zu verzeichnen hat. Dies« Ruhmestat der Polen, die auch im August stattgcfundcil hat, >oar bisher das größte kriegerische Ereignis in> der so reichen Schlachtengeschichte Lembergs. 1704 hat Karl XII. von Schweden die Stadt erobert und geplündert. 1772 kam sie bei der ersten Teilung Polens an Oesterreich. Der letzte Kämpf, dev vor der neuen Ricsenschlacht um Lemberg stattaesunden hat, fällt in das Revolutionsjahr 1848, wo die Aufständischen wie in Wien zunächst einige Erfolge erzielten, bis dann am 2. November Lemberg von General von Hammersstein beschossen und eingenommen wurde. * * * Stimmen aus Berlin. Berlin, 2. Sept. Zum Tage von Sedan schreibt die „Deutsche Tageszeitung": Unser Volk in Waffen hat im Osten und Westen schimmernden Sieg an seine Fahnen geheftet und hinter dem .Heer steht das Volk daheim, mutig und einmütig, stark und opferbereit, treu bis zum Letzten. Tie Opfer, die 1870/71 an Gut und Blut geknackst wurden, sind nicht umsonst gebracht. Die treuen Männer, deren Gebeine in fremder Erde bleichen, sind nicht umsonst gefallen. Aus seiner Müdigkeit hat sich das Geschlecht dieser Tage ausgerasft zu stählerner Heldenhaftigkeit. Die Zert, die klein zu werden drohte, ist groß geworden; schier größer, als sie damals war. Wir lxiben nicht nur das Erbe der Helden von 1870 angetreten, sondern auch das der Erhebung vor hundert Jahren. Zum Siege des Generalobersten v. Hindcnbur« schreibt die „Tägliche Rundschau": So wenig Angaben über die Anlage der Schlacht auch bisher in die Oessentlichkeit gedrungen sind, so scheint sie doch zu einer nur dem C'iente gegebenen Glanzleistung zu gehören, welche die Kriegsgeschichte als Musterleistung für alle Zeiten anführen wird. lieber russische Scheußlichkeiten gegen deutsche Landleut: wird dem „Berliner Lokalanzeiger" vor einem der Betroffenen berichtet: Ich führte in Dombrowa seit 1911 eine Wirtschaft. Ai t 11. Juli d. Js. begannen größere Trupvenzusammenziehunger. Als ich zur Bank ging und ein Guthaben von 14 000 Mk. ab heben wollte, wurde ich mit den Worten abgewiescn, daß ar deutsche Schweinehunde nichts mehr ausgczahlt werde. Am 18. Juli kam der Ausweisungsbefehl. Noch während meines Aufenthalts in Dombrowa wurden meine Schwägerin und die beiden Brüder meiner Frau von Kosaken erschlagen, meine Frau von Kosaken mißbraucht. Zwei Käsaken zwangen mich, dem zuznsehen, indem sie mir einen Säbel aus die Brust und einen aus den Rücken setzten. Der „Lokalanzeiger" meint: wem fällt da nicht das Wort Friedrickis des Großen ein: „und mit solchem Gesindel müssen wir uns herumschlagen". Der „Berliner Lokalanzeiger" berichtet: Der Handclssachverständigc bei den Deutschen Gesandtschaften in Zentralamerika, Dr. Wilhelm Gerlach, ist am 25. August in englische Kriegsgefangenschaft geraten. Er befand sich aus der Rückreise nach Deutschland an Bord eines holländischen Schisses und wurde kurz vor Rotterdam von Engländern, die das Sckift anhielten, verhaftet. — Ebensowenig, wie Frankreich, kümmert sich England um die völkerrechtlich gewährleistete U n v e r - letztlichkeit unserer diplomatischen Vertreter. Fürwahr, diese Bundesgenossen sind einander wert und würdig. Die Scdanseier in der Reichshauptstadt. Berlin, 2. Sept. Me heutige Sedanfeier in, Berlin gestaltete sich, durch die Einholung der er«, obcrten feindlichen Geschütze zu einem Volksfest, > wobei die ganze Stadt auf den Beinen war. Ms es von dem Kirchturm des Schlosses 12 lllfr schlug, erhoben die Glocken des Domes ihre ehernen Stimmen. Abordnungen! der in Berlin stehenden Truppenteile rückten an, um Spalier zu bilden, zum Teil mit schmetternder Musik. Ehe die Spitze des Festzuges sichtbar wurde, trat die Kronprinzessin mit ihren Söhnen ans den Balkon ihres Palais, jubelnd begrüßt von der versammelten Menge. Unter Führung eines Musikkorps rückte der Zug an, voran eine Fahnensektion des Osteroder Landsturmbataillons vor einer Konrpagnie der Mexander-Grenadiere, sodann die eroberten russischen Kanonen, mit den erbeuteten Pferden bespannt und von Mannschaften des ersten Garde-Feldartillerie-, Regiments besetzt. Die dann folgenden russischen Maschinengewehre boten einen ungewohnten Mrblick, wie sie mit ihren niedrigen Fahrgestellen airf einspännigen zweirädrigen Protzkarren daherschwenkten. Sodann folgten französische und belgische Geschütze, gleichfalls pon je vrer Beutepferden gezogen, und eine Kompagnie des vierten Garde-Regiments zu Fuß. Eine wandelnde Kette von Garde-Infanteristen säumte den Zug von beiden Seiten ein. Ms seine Spitze die Schlotzbrücke überschritt, begann die im Lustgarten aufgefah- rene Batterie des dritten Garde-Feldartillerie-ktegiments einen Salut von 33 Schuß. Ms von den Linden her sich immer steigernde Hoch- und Hurrarufe das Naben des Zuges mit den eroberten Geschützen ankündigten, erschienen an dem großen Fenster des Schlosses über Portal vier die Prinzessin Eitel Friedrich, Prinzessin Mrgnst Wilhelm, die Her- zogin Ernst Günther und die Gräfin von Ruppm. An den anderen Schloßfenstern bemerkte man zahlreiche Herren und Damen des Hofes. Unter dem Geläute der Glocken des Domes und unter naiionensalut nahte der Zug, von stürmischem Jubel begrüßt. Generaloberst von Kessel nahm den Vorbeimarsch ab. Tie Geschütze wurden- abgesträngt und die Protzen mit den Begleitmannschaften fuhren Weiter Die MusißflSpaliere stimmten „Deutschland, Deutsch-, lanb üder alles" an, waS von dem Publikum imtgesnnqcn iourde. Nach Beendigung der kurzen Feier im Lustgarten rückten die beiden französischen Geschütze vor das kronprinze lichc Palais, die drei russischen Däcrsckstriengewehre vor die Kommandantur. Unter den Äugen der Kronprinzessin und der kleinen Prinzen protzten die Geschütze unter dein Jubel der Menge ab und wurden von den Mannschaften über den Bürgersteig vor die Rampe deS kronprinAlicberr Palais geschoben, wo sie für längere Zeit ausgestellt bleiben. In gleicher Weise fanden die Maschinengewehre einen Platz vor dem Garten der Komrnandantnr. Die RcichSlande zu Altdcutschland. Straßburg, 2. Sept. Zur heutigen Gedenkfeier bringt die elsaß-lothringische Presse begeisterte Artikel, worin sie die Bevölkerung anffordert, den Sedantag von jetzt ab mitzuseiern. Wenn Altdentschland feiert, feiert auch Elsaß-Lothringen mit. Wenn nicht die Segiluugen der 44 Fricdensjahrc, so haben die letzten Ereignisse die Marka- tionslinie zwischen Altdcutschland und Elsaß-Lothringen zcr- i stört. Unvergessen wird in Deutschland bleiben, wie die clsaß- ! lothringische Bevölkerung einmütig für die deutsche gerechte 'Sache Partei ergriff. In Elsaß-Lothringen aber wird unvergessen bleiben, in welch gemeiner Weise die angeblich wahre i Kultur Frankreichs den Krieg heraufbcschivor. Tic Fortführung von über 100 clsaß-lothriugischcn Einwohnern, über deren Verbleib noch keine Nachricht eingctrofsen ist, zeigt den Elsaß-Lothringern, welche Bewandtnis cs mit der Kultur jenseits der Vogesen hat. Altdeutschland wird nunmehr Elsaß- Lothringen mit umfassen und Neudeutschland wird irur aus Gebieten bestehen, die bisher außerhalb der Reichsgrcnze lagen. Die „Straßburger Neue Zeitung" schreibt: Bei den andau- Vrüden Erfolgen der dentsärrti Truppen aus der ganzen Linie hat cnrch sofort nffeder das Zu tra h c ii z u den Sparkassen zugenvmmen. Ein Beweis ist die außerordentliche Spannung zwi- sck>en den ein- und rückge,zahlten Beträgen bei der hiesigen Sparkasse. In der vergangenen Woche wurden von 654 Einlegern, wv- von 71 neue, die verhältnismäßig außerordentlich l>oh: Summe von 25 t 155 Mark eingezahlt und an 858 Einleger die Summe von 76 050 Marl zurückgczahlt. Landesverräter. (W.T.B.) Colmar, 1. Sept. Bekanntmachung. Ter Maler ! Jean Jrcoues W a l tz gen. Hansi, der Rechtsanwalt Alb. H e l - : m e r und der Zahnarzt Karl Duck, alle 3 aus Colmar, welche sich bei den französischen Truppen befinden, werden für Landesverräter erklärt. Wer ihnen Ausentlralt gewährt oder ihren Aufenthalt verheimlicht, wird nach Kriegsgebrauch erschossen. Durch kriegsgerichtliches Urteil vom 28. Aug. 1914ift der Stein» chaucr Alexander Keusling aus Logelbach wegen.Landesverrats um Tode verurteilt worden. Das Urteil ist am 29. August urch .Erschießen vollstreckt ivorden. Ter Verurteilte hatte einem französischen Posten die Pfadfinder als Personen verraten, welche 'der Landesverteidigung Dienstc leisteten. Er hatte dadurch den Posten zum Schießen aus einen Knaben veranlaßt, den derselbe •für eilten Pfadfinder hielt. Der Knabe wurde durch zwei Schüsse schwer verwundet. Colmar, 29. August. Der Ortskommandant'- v. Mellenthin, Oberstleutnant z. D. Straßburg, 2. Sept. lWB. Nichtamtlich. Aus Kol mar schildert der Berichterstatter der „Straßburger Post" das rigorose Vorgehen der Franzosen in bcwegicn Worten. Zu den sestgeslclltcu Verhaftungen von Beamten und Altdeutschen wird festgeslcllt, daß die französischen Truppen mit fertigen Verhaftnngs- listen in die Dörfer kamen, wobei der bekannte Kalmarer Maler Jean Jacgnes W a l tz, gen. Hansi, die traurige Rolle eines Ängebers und Verräters spielte. Tie Leute in dm Dörfern, die Hansl täglich in der Uniform eines französischen Fnfanteristm aesebm habm, erzählm mit Abscheu von dem gemeingefährlichen Treiben dies^ Vaterlandsverräters. Die Franzosen warm in denk festen Glauben. daß sie das Elsaß nicht mehr würden verlassen müssm. Sie hißten rmter theatralischen Ansprachen an dem Turm zu Türkheim die französische Fahne, stellten die Uhr nach französischer Zeit, regelten die Verkaufspreise, verboten der Bevölkerung jedes Verlassen des Torfes, das Liänanzünden usw. rnid ivarru nberbaupt so mißtrauisch, daß die «rslm Pickelhaubm als wal-re Erlösung begrüßt tvurdm. Außer dem nicbtswürdigcn Hansi befand sich auch sein Verteidiger, Rechtsanwalt Helmer, bei dm Fcanzosm im MüNstrr- tal, desglkick-m mich eine unbekannte Größe, der Zahnarzt Duck. Der Ortskommandant erklärte, wie schon berichtet, alle drei für Landesverräter. Er warnt die Bevölkerung davor, ihnen Aufenthalt zu gewahren oder ihrm Aufenthalt zu verheimlichm Dansts Rucksack, Unisorm rmd Munition wurden im Münsterta! gefundm. Der ,Deld" ist anscheinend in Zivil geflüchtet. Bon seinen beiden Gcstnnungsgcnotsen Wetterls und Blume nthal schreibt der erste als „ehemaliger RetchStagsobgeordneter" seine giftigen Artikel gegen Teutsckiland und Elsaß im „Echo de Paris", letzterer im „Matin", nalürlich gegen gute Bezahlung, wie aus Offertm der Zeitung hervorgeht, die in Hansis Rucksack getundm wurden. Blummtlzal schädigte sogar vor seinem „Abschied" noch die Staatskasse, indem er sich am 31. Juli nock> sein Elehalt für dm Monat August in Döhe von 1000 Mark auszahlen ließ, obwohl er damals bereits wußte, daß Herr Diefenbach als .Bürgermeister bestätigt war. „Wir gönnen den Franzosen von Herzen solche Lmt«, und frmen uns, daß wir diese politischen Brnnnenvergister mdgültig los sind," bemerkt hierzu die „Straßburger Post". Aus Deutsch-Belgien. Kopenhagen, 1. Sept. Wie aus Antwerpen gemeldet wird, berichten dort eingetrosfenc Flüchtlinge, daß in Brüssel ein deutsch-ibelgisches Finanzministerium gebildet Morden ist, das die K riegssteuer n einzieht. Dann wurden alle Uhren Belgiens eine Stunde zurückgestellt, so datz sie jetzt deutsche Zeit haben. Ms die Bürger prvtestiertcn, erwiderte Generalgouvcrneur Fahr. v. d. Goltz, daß Deutschland einheitlich« Zeit haben müsse. Die Bürger Brüssels geben zu, daß im deutschen Deere glänzende Manneszucht herrsche. Me Zählungen erfolgen in Gold oder Anweisungen auf die Deutsche Reich-banr. Brüssels Kontribution. Rotterdam, 2. Sept. Der „Daily Expreß" meldet, haß die vier reichsten Belgier, die Herren Solvay, Baron Lambert de Rothschild, Warogue und Baron Empain die Brüssel lauserlcgtc deutsche Kriegs st euer von 200 Millionen Francs bezahlen werden. „Daily Telegraph" meldet, daß die Lebensmittel in Brüssel anfangen, knapp zu werden. Nur wenige können noch Fltzisch, Eier und Milch bekommen. Entführung deutscher Frauen und Kinder durch Franzosen. (WTB.) Berlin, 2. Sept. (Nichtamtlich.) Tie „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Ueber die gctoaltsame Wegführung von Frauen und Kindern deutscher Beamten durch Franzosen aus dem Grmzortc Saales macht einer der betrosfenm Beamten fvlgmde Angaben: Am 1. August gegm lt1>/r Uhr vormittags, als die letzte Schwadron deutscher Kavallerie von Saales abgeritten war und auch die letzte Radsahrerkompagnie sich zum Rückzuge sammelte, verließ ich als letzter Zollbeamter Saales Meine Frau mußte ich dort lassen, fbenio wie e- auch die meisten meiner Kameraden iwtten tun müssen. Am 25. August nachmittags kehrte ich zurück, nachdem ich mich bei den zunächst zurückgehenden und dann wieder vordringenden deutschen Truppen ausgehalten hatte. Mit mir kamen zwei Zollaufseher und der Gcmeindesörster von Saales. Schon vor dem Orte nmrde mir mitgeteilt, daß oie Beamtenfrauen mit den Kindern von den Franzosen abgefüdrt worden seien. In der Wohnung fand ich meine Frau nicht, auch sonst nirgendwo im Orte. Die Wohnung befand sich in einem trostlosen Zustand, die Möbel waren größtenteils zertrümmert, Bilder und Spiegel zerschlagen, selbst Photographien zerrissen. Der Boden und Sie Trümmer waren mit Unrat beschmutzt. Es hal sich herausgcstcllt, daß ll Beamtensraucn mit 20 Kindern und 2 erwachsenen Töchtern aus Saales wcggeführt worden sind, außerdem 3 Frauen von Angc- stelllen des Sanatoriums Tanncbcrg mit 5 Kindern. Die Frauen und Kinder der Beamten wurden von französischen Gendarmen sestgenommen und zunächst eingesverrt. Am 21. August tourden sie aus zwei Ochsenwagen verladen und abgeführt. In einer Fabrik in St. Diö wurden sie abgeladen. Weiteres über ihr Schicksal ist nicht bekannt. Die italicnischc Presse gegen die Londoner Lügensabrik. Rom, 1. Seht. In der „Gazetta del Popolo" wendet sich Lorcnzo d'Addcr gegen die von London aus verbreiteten Lügen über blitzartiges Vordringen der russischen Kavallerie nach Berlin, so namentlich gegen die Behauptung, die sich in Londoner Blättern befindet, daß russische Reiterei in vier bis fünf Tagen in Berlin sein würde. ?ldsa nennt London eine Lügenfabrik, wie cs Schanghai während des russisch-japanischen Krieges war. Unpasscndc Scherze. Rom, 1. Sept. Zwei Telegraphenbeamte des Kreises Rom, die sich in einem dienstlichen Gespräch mit Berlin eine anzügliche Bemerkung erlaubt hatten, wurden ihres Amtes enthoben, ihres Gehaltes verlustig erklärt und vor den Disziplinarrat verwiesen. Die beiden Beamten versichern zu rhrer Entschuldigung, nur harmlos' gescherzt zu haben. (B. Z. a. M.) Deutsche Frauen i» England fcstgehaltcn. Genf, 1. Sept. Aus London meldet das „Journal": Da mehrere deutsche und österreichische Frauen, denen vvm Ministerium des Aeußern gestattet wurde, England zu verlassen, ihren Ländern wichtige Informationen (!) hinterbracht haben, hat die Regierung beschlossen, jetzt auch alle Frauen der feindlichen Lander znrückzuhalten. Tie englische Regierung lxft diesen Beschluß dem amerikanischen Botschafter mitgetcilt. (B. Z. a. M.) Tic Besatzung „Kaiser Wilhelms des Großen" gerettet. Berlin, 2. Sept. (WB. Amtlich.) Nach einer telegraphischen Meldung des Kommandanten des nach dem Gefecht bei Rio del Oro versenkten Hilfskreuzers „Kaiser Wilhelm! der Große" ist wahrscheinlich die gesamte Besatzung gerettet worden. Spende der Kaiserin. Berlin, 2. Sept. (W. B. Nichtamtlich.) Die Kaiserin hat der Provinz O st p r e u ß c n zur Linderung der Not unter der durch den Einsall der Russen leidenden Bevölkerung 10 000 Mk überwiesen. Freiwilliges Marincstiegcrtorps. B e r l i n , 2. Sept. (WB. Amtlich.) Auf den Aufruf des Reichsmarineamtes, die Gründung eines Freiwilligen Ma- rine-Fliegcr-Korps betreffend, haben sich in wenigen Tagen über 3000 Kriegsfreiwillige gemeldet. Von diesen konnte zunächst nur eine beschränkte Zahl eingestellt werden. Die Gesuche, die ein sehr beredtes Zeugnis von dem Interesse und dem Drang nach Betätigung im Dienste des Vaterlandes oblegen, alle einzeln zu beantworten, ist dem Korne mando des Marine-Flieger-Korps nicht möglich gewesen. Bei weiterem Bedarf wird auf die vorliegenden Anmeldungen zurückgegriffen werden. Dumdum-Geschosse der Gegner. Berlin, 2. Sept. (Amtlich.) Unsere Armeen haben, wie schon gemeldet, den gefangenen Franzosen und Engländern Tausende Jnfanteriepatronen mit tiefausgehöhl- ten Ge schoß spitzen abgenommen. Die Patronen befanden sich zum Teil noch in der mit dem Fahrtkstempel versehenen Packung. Die maschinenmäßige Anfertigung der Geschosse ist durch Zahl und Art unzweifelhaft festgestcllt. Im Fort Longwy wurde eine derartige Maschine vorgefunden. Die Patronen wurden also von der Heeresverwaltung den Truppen in dieser Form geliefert, ltzefan- gene englische Offiziere versichern ans Ehrenwort, daß ihnen Munition für die Pistolen ebenfalls nrit derartigen Geschossen geliefert worden sei. Die'Verwundungen unserer Krieger zeigen die verheerende Wirkung dieser Dumdum-Geschosse. Während Frankreich und England unter grober Verletzung der Genfer Konvention Geschosse zulassen, deren Bertven- dung ein Merkmal barbarischer Kriegsführung ist, beobachtet Deutschland die völkerrechtlichen Bestimmungen genau. Fm gesamten.deutschen Heere wird kein Dnnid»ni-Geschoß verwendet. Weibliche Kriegsfreiwillige. Berlin, 1. Sept. Wie in den Freiheftskriegen vor hundert Jahren zeigt sich auch jetzt der Patriotismus der deutschen Frauen und Mädchen. Cs' mehren sich die Gesuche an zuständiger Stelle von Frauen und Mädchen, die bereit sind, ihr Leben einzusetzen. Die Correspondenz' Piper veröffentlicht eines dieser Gesuche: „Da ich in der Zeitung gelesen habe, daß Jnngftauen und Frauen von 18 bis 30 Jahren sich zur Ausbildung als Soldat melden sollen, und da mein Bemühen, mich als Samariterin am Kriege zu beteiligen, vergeblich war, habe ich mich entschlossen, mit Leib und Seele Soldat zu werden und in den Kampf zu ziehen, da, wo es am schlimmsten ist. Ich bitte Sie herzlich, mir sofort Mitteilung zu machen, wo und wann ich mich stellen muß, da ich sobald als möglich Soldat sein möchte, um an der Seite meiner acht Angehörigen für Kaiser und Vaterland zu kämpfen, und zwar am liebsten beim 1. Garde-Regiment zu Fuß oder bei den 24ern in Neuruppin. Ich hoffe, daß mein Wunsch und meine Bitte bald erfüllt werden. Ich bin 19 Jahre alt und im Kreise Lyck in Ostpreußen geboren. Mein Vater ist ein armer Maurer und Landwirt." Pom Herzog von Koburg-Gotha. (WTB.) Gotha, I.Sept. (Nichtamtlich.) Herzog Karl Eduard hat an den Staatsminister v. Bassewitz folgendes Telegramm gerichtet: Ich ermächtige Sie, öffentlich bekannt zu geben, daß ich die Stelle des Chefs des Regiments Seaforth High- land aufgegeben habe, da ich es nicht als deutscher Bundcs- sürit in Einklang bringen kann, Chef eines Regiments zu sein, dessen Land uns in schändlich st er Weise überfallen hat. Karl Eduard. Fluchtversuch eines gefangenen französischen Offiziers. München, 1. Sept. Ein kriegAgefangener französischer Offizier hat den Truppenübungsplatz Lager Lechfeld trotz seines gegebenen Ehrenwortes verlassen und zu fliehen versucht. Es gelang, ihn bald wieder festzunehmen. Er wurde nach dem Lager zurückgebracht, wo er seiner Bestrafung entgegensieht. Arbeiter und Arbeitgeber. (WTB.) Berlin, 2. Sept. Die deutschen Arbeitgeber-' verbände wenden sich energisch gegen die Versuche einzelner! Unternehmer, die durch den Krieg herbeigesührte Schwächung der Gewerkschaften zum Bruch der tariflichen Abmachungen, zu mißbrauchen. In einem Aufruf des Arbeitgeberve-bandes für das Bange >v er de heißt es: Alle Verträge mit den Arbeiterorganisationen behalten ihre Gültigkeit. Die Arbeiterzentralorgarrisationcn haben die bestehenden Streiks und Aussperrungen aufgehoben und damit erkennen gegeben, daß sie während des äußeren Kampfes im Jnncni den wirtschastlick>cn Frieden erhalten wollen. Es wird in den ernsten Zeiten ant beiden Seiten nicht der gute Wille fehlen, alle Reibungen zwischen den für die Fertigstellung der Bauten noch verfügbaren Arbeitnehmern und Arbeitgebern zu vermeidcn. Die Mehrzahl der deutschen Arbeiter steht heute neben unseren Mitgliedern im Felde. Wir wünschen allen eine glückliche Heimkehr. Eine schöne Ehrung des deutschen Namens in Ofenpest. (WTB.) Ofenpest, 2.Sept. (Nichtamtlich.) In der , gestrigen Sitzung des Magistrats der Hauptstadt stellte der < Bürgermeister Dr. Stefan Barczy folgenden Antrag: . . ; Ich stelle dem löblichen Magistrat den Antrag, den Vaczi- Boulevard nach dem Namen Wilhelms II. in „Kaiser-Wilhelms-Straße" umzutaufen. Es hat eine symbolische Bedeu- * tung, daß ich gerade an diesen Boulevard denke. Er ist die Haupt- ' aber, durch die der Blutkreislauf unserer Nation als durch das- ' Herz des Landes dringt. Es ist der Weg, der uns von Norden nach * Westen führt zu der p n Kraft und Bildung mächtigen: 1 Nation, mit der gemeinsam wir jetzt den K a m p s d c r m « n s.ch- lichcn Gesittung gegen tierische Wildheit und ' t hochstehende Verderbtheit führen. Der Königliche Mann, mit dessen ll Namen wir diese unsere Hauptstraße schmücken, verkörpert all das, > was unsere Seelen jetzt bewogt, wovon die Luft glüht: die Kraft, ^ die Bildung, die Macht, demütige Entschlossenheit, Güte und Recht- . c schassenheit. Dieser mächtige Herrscher war cs, der mit Genialität: ^ und kluger Rechtschaffenheit die Bedeutung unserer Nafton netdlosi , anerkannte und sie mit der dichterischen Inspiration seiner Rasse- " hochpries, der jetzt für seine Erkenntnis auch eintritt, während er> « mit unserem weisen, edlen Herrscher im Bunde, mit unseren glor-^ " reichen Armeen die Erde erzittern macht, der seine Lauf-^ >! bahn den ©eftirnen zuführt und nicht nur mit uns, son-> j dern auch für uns kämpft. Wir erstatten der eine well hist»-, rische Mission erfüllenden Nation und dem an ilrrer: Spitze leuchtenden Heldenmut und Mannestum unseren Dank ab, wenn wir unseren Boulevard nach dem Namen des VerkörpererS deutscher Kraft und deutschen Wissens nennen. Ich bitte um die ^ Annahme des Antrages und Unterbrcitunq an den hauptstädtischen I' Baurat, damit er das Nötige in der Sache veranlassen werde. I Ein Wiener Lob. (WTB.) Wien, I.Sept. Zu dem letzten Bericht über das Vorgehen der Deutschen in Frankreich und den glänzewt den Sieg des Generals v. Hindenburg schreibt die „Wiener Allgemeine Zeitung": Neberall sind die deutschen Truppen in stetigem Vormarsch an- zunehmen. In Frankreich ist es ein Triumphziig, bezw. irgend in seiner heroischen Pracht, seiner Schnelligkeit, Methodik und^ exakten ttzewalt, erschütternd durch die Riesenmenge des herrlichstcn- menschlichen O-pscrmutes, treuester Tapferkeit und Selbstlosigkeit. Als ebenbürtiger Partner stellt sich an die Seite die deuffche Ostarmee. Ueberraschend ist der gewaltige Sieg von Neidenburg. von genialen strategischen Dispositionen und unvergleichlichem Heldenmut einer Minderzahl zum Teil nicht aktiver Truppen fünf feind«, liche Armeekorps zerschmettert, drei von ihnen fast ganz zersprengt und vernichtet. Mit einer Ziffer von 70000 Gefangenen ist ein Erfolg erzielt, der an den Sieg von Sedan heranreicht. fl ■n 3 >1 i ,fb t< '5 - Eine Sedanfeicr in Prag. Prag, 2. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) Im Garten des „Deutsche» Hauses" fand gestern eine Sedanfeicr statt, deren Erträgnis für die Familien von Wehrmätmer» bestimmt ist, die ans Prag nach Deutschland ein gerückt sind. Der Festredner feierte die bisherigen Siege der deutschen Truppen und drückte die Hofsining aus, daß es auch' den österreichischen Truppen vergönnt sein möge, mit den deutschen weitere Siege zu erringen. Sodann wurden die Bolkshymne und „Heit dir int Siegerkranz" gesnngem Hieran reihten sich patriotische Vorträge. Abgeordneter Schreiner hielt eine mit großem Beifallsaufgenvmmene Rede, in der er das Bündnis zwischen Oesterrerch-llngarn: und Dentsckland feierte, das durch den gegenwärtigen Kbieg festgckittet werde; der Redner schloß init einem L>och auf die verbündete Armee. Die Anwesende» zogen schließlich zum deutschen Konsulat. An die Kabinettskanzlci des Kaisers Franz Josef und an Kaiser Wilhelm wurden H»kdtgungs-l' telegramme gesandt. O f e n p e st, 2. Sept. (Nichtamtlich.) Gras Ti s z a richtete! eine Depesche an den österreichisch-ungarischen Gesandten in Bakrest, Czerin, in der cs heißt, er sei glücklich, die Nachricht bestätigen zu können, daß die ganze rumänische Bevölkerung Ungarns mit patriotischer Begeisterung an hem großen Kampl teil» nehme, der für die Sache der Zivilisation und Freiheit des europäischen Südvstens geführt werde. Diese große Wahrheit, die ich seit einem Vierteljahrhnndert gepredigt habe, schreibt Gras Tisza, die der Solidarität der Lebensinteressen der imgarischen und ritmii- nischen Rasse, offenbart sich in der gcgenwärftgen ruhmrcick»« fruchtbaren Krise. An die Königin von Holland zu ihre»» Geburtstage. (WTB.) Düsseldorf, 2. Sept. (Nichtamtlich.) Anläßlich des Geburtstages der Königin Wilhelmina von Holland sandte eine Anzahl in R h c i n l a n d n n d W e st s a l c n ansässiger Holländer das nachstehende Huldigung s te le g r am m an die Königin nach dem Haag: „An die Königin Wilhelmina von Holland. Zum beutigen Geburtstage gestatten sich zahlreiche, in Rlreinland und Westfalen ansässige Holländer die ehrerbietigsten Glüchvünsche darzubringcn. In dieser ernsten Stunde, die ganz Europa iu blutigem Kriege sieht, sind alle Hollärcher in ganz besonderem Maße von den innigsten Wünschen stlr das Wohlergehen Ew. Majestät erfüllt. Gleichzeitig drängt es uns, unseren tiefgefühlten Dank auszn- sprechen sür die energische Initiative, mit der Ew. Majeftäl Regierung in dieser schweren Zeit über die strengste Neutralität der Niederlande wacht. Dankbar, und von Stolz erfüllt aus unser altes Vaterland, begrüßen wir die Vorkehrungen, die Ew. Majestät Regierung zum Schutze der Landcsgrcnzcn Hollands getroffen hat. Die von Holland proklamierte, strikte neutrale Haltting gegenüber allen Staaten und die gleichzeiftge, kraftvolle militärische Besetzung der holländischen Landesgrcnzen lassen alle Holländer, wo sie auch weilen, zuversichtlich hoffen, daß ^ von keiner Seite gewagt wird, das neutrale Gebiet des srtedsamcn, holkändischen Volkes zu überschreiten, oder dessen Territormlitäk anzutasten. Wir Holländer in Rheinland und Westfalen, deren neues Vaterland an der Westgrenze des in den Kampf vernickelten Deutschen Reiches liegt, die wir seit langem den rechtlichen, stets aufrichtigen Charakter und die grundehrliche Gesinnung der Deutschen kennen und schätzen gelernt haben, sind fest überzeugt, daß der Deuffche Kaiser uns seine Regierung den Krieg nicht gewollt haben. Wenn trotz der Friedensliebe Wilhelms II. Deutschland in den Kamps zu ziehen gezwungen war, wissen wir, daß eine Verletzung der Neutralität Hollands von diesem Lande nicht zu bcsürchtcn ist. Einen Vttveft hierfür lieferte uns kürzlich noch die takwolle, äußerst peinlich 4 J «1 « 8i 3» in in h! !» {l «i »t I 1 ?ti I»! !,: J5l äs to 'Hl % ?4 jfl k fcrnfrgtfflfirte Umgehung Maastrichts beim Aufmarsch der deutschen Truppen an der belgischen Wrnue. Wir bedauern deshalb, das, manche falsche oder verstellte Nachricht in die Welt hinans- aegangen ist, die De » tschland niedere Motive z u - jchreibt, wodurch auch in den neutralen Ländern große Beunruhigungen hervorgcrusen, und die an sich schon schweren wirtschaftlichen Schädigungen, die jeder Krieg in den Nachbarländern hervvrrusen muß, noch gesteigert wurden Im Interesse der Aufrechterhaltung von Handel und Verkehr in den benachbarten Ländern und deren engen, wirtschastlichen Beziehungen, lxgrüßten wir es deshalb sehr, daß unwahre, tendenziöse Nachrichten, gleirliviel von ioeltl)cr Seite sie auch kamen, in Holland mehr und mehr die verdiente Zurückweisung erfahren haben. Gott schuhe Holland und das Königlickie Haus! Im Aufträge gezeichnet: Fritz H o o s e - ma n n s - Düsseldorf, Amerikanischer Rachrichtenverkchr. Berlin, 1. Sept, Die Deutsch-amerikanische Handelskammer von New Jork hat an den Präsidenten Wilson nach Washington einen Brief entsandt, in dem es heißt: Das Kabel nach Deutschland ist durchschnitten imd die drahtlosen Stationen befinden sich unter Zensur, Andcrett'eits werden die englischen und französischen Kabel offen betrieben und stehen unter keiner Zensur, Instruktionen und Nacknichten über Bewegungen deutsckwr Schiffe werden von hier nach England und Frank- ^ick> über diese Kabel gemeldet, imd sodann drahtlos englischen, wanzösischen und russischen Kriegsschiffen überiniltctt. Gleichzeitig werden diese Kabel offen vcrweirdet, nni in den Vereinigten Staaten und von hier nach andere» Teilen der Welt falsche Gerüchte uno Uebertreibungen zu verbreiten. Sind diese Tatsachen nicht Verletzungen der von den Bereinigten Staaten erklärten Ncuttalitäl, und sollten diese Kabel nicht auch unter strenge Zensur gestellt werden? Gleichzeitig hat sich die Handelskammer mit der Radio- Station in Tntkerton (New Aork) in Verbindung gesetzt, um den Versuch zu machen, wenigstens auf drahtlosem Wege einige ungefärbte sttachrichten über die Kämpfe in Belgien und an der russischen Grenze zu bekommen. Die Station soll mit Eilvese in Hannover in Verbindung treten, um die Erlaubnis für funkentelegraphischen Kriegsnachrichiten-Ber- kehr von Kaiser Wilhelm zu erlangen. Zu den Direktoren der Gesellschaft gehört der bekannte ehemalige 4ldiniral Buechse, durch dessen Berniittlung man die Einwilligung der deutschen Regierung, die während der Feindseligkeiten alle Stationen unter Aufficht genommen hat, zu bekommen hofft. Russische Schönfärberei. Petersburg, 1. Sept, (WTB, Nichtamtlich, Meldung der Petersb, Telegr.-Agent,) Ein Communiquö aus dem Stabe des Generalissimus besagt: Im südlichen Ostpreußen führten die Deutschen erhebliche Verstärkungen von der ganzen Front herbei und griffen mit erheblich überlegenen Krästen unsere beiden (!) Armeekorps cm. Diese erlitten schwere Verluste durch schwere Artillerie, loelche die Deutschen aus den benachbarten, an der Weichsel gelegenen Festungen hcraugebracht ljatten, In diesem Kampfe fiel der General Samsonow, Wir sind weiter in Fühlung mit dem Feinde und haben neue Verstärkungen herangeführt Auf der österreichischen Front werden die hartnäckigen Kämpfe fortgesetzt, Enver Pascha. Kvnstantinopel, 2, Sept. (WB, Nichtamtlich,) Eriegsminifter E n ver P asch a ist von seinem Unwohlsein wieder hergestellt und hat seine Tätigkeit wieder ausgenommen. 2fa» Stadt und Land. Gießen, 3. September 1914. Landwirte, sorgt für normale Winterbestellung. Nachdem die Getreideernte fast ganz geborgen ist, wird ?S in dieser ernsten Zeit z» einem dringenden Gebot, mit allen Mitteln für eine normale Winterbestellung zu sorgen, Ts ist unter allen Umständen erforderlich, dnß die Wintcr- | Bestellung, Bodenbearbeitung, Düngung mit tierischem und künstlichem Dünger, sowie Aussaat in demselben Um- ange und mit derselben Sorgfalt vorgrnommen wird ! vie in FriedenSjahren. Da das Wintergetreide in Deutsch, and fast SO Prozent der gesamten Getreidefläche beansprucht, würde eine Vernachlässigung oder Einschränküng unserer ! Winterbei'lellnnq gegenüber ihrem nornialen FMedenSstande | geradezu eine Katastrophe nicht nur für die Landwirte selbst, andern für die gesamte VolkSernährimg herbeiführen können. » ** Ordensverleihung. Die Großherzogin hat t)en Kamnierninsttern Ludwig En mann und Lonis Gothc WS Silberne Ebrenkrenz für 2b Jahre Hofdienst, dem Hof» heaterdicner Wilhelm Eisenhauer das Silberne Kreuz des | Philippsordens verliehen, " Das Ehrenzeichen für Mitglieder srei- ivilliger Feuerwehren wurde verliehen dem Friedrich lÄrieSbach in Heusenstamm. ** Schnellzugsverkehr, Die Schnellzüge kl und 72 (Frankfurt—Hamburg), 52 und 53 (Berlin Frankfurt) und 123 und 124 (Coblenz—Gießen) verkehren | voraussichtlich von morgen, Freitag, ab wieder, **EinEinigungSamtderHcss, Handwerkskammer und Großh, Handelskammer in Darm- tadt wird, wie uns geschrieben wird, errichtet. Seine Ausgabe ist der Ausgleich der Interessen der Gläubiger und Schuldner, sofern einer von ihnen seinen Wohnsitz in Hessen tat, in der durch den Krieg hervorgerufenen Krise, Zu die- em Zweck wird das Einigungsamt einerseits auf Antrag des Gläubigers die zahlungsfähigen Schuldner nach Kräften zur Erfüllung ihrer Verbindlichkeiten anhalten Es wird rndererseits für den 'Schuldner, dessen Lage Nachsicht er- 'orderl, mit den Gläubigern wegen freiwilliger Gewährung >er erforderlichen Frist verhandeln. Es wird eine Verständigung beider Teile hierbei erstreben. Das Einigungsamt wird auf Antrag beider Parteien diesen aus seiner Mitte | sur Entscheidung, ob ein Anspruch auf Ausstand besteht, ein Schiedsgericht zur Verfügung stellen. Das Schiedsgericht oll aus drei Mitgliedern bestehen. Zwei davon muffen sdauffeute bezw, Gewerbetreibende sein. Sie sollen den per- cknedenen Interessenkreisen entnommen sein. Die Bestellung b«s Schiedsgerichts erfolgt durch den Vorstand aus den | Mitgliedern des Einigungsanrtes, , ** Vermittelung von Arbeitsgelegenheit, Die vom Deutschen Jndustrieschutzverband, 'Sitz Dresden, lotott nach Kriegsausbruch eingeleitete, aus den Ausgleich ?ks durch den Krieg in vielen Branchen eingetretenen Ueber- lchusses und des in einigen Industriezweigen entstandenen Mangels an Arbeitskräften gerichtete Aktion hat sich trefflich bewährt Wenn auch angesichts der überaus großen Menge überschüssig gewordener Arbeitskräfte leider nicht daran zu denken ist, daß alle als entlassen Gemeldeten anderweit unter-/ gebracht werden könnten, so ist es dem Eingreifen der großen Organisation des Deutschen Industrieschutzverbandes doch gelungen, den Notstand n>enigstens einigermaßen lindern zn helfen. Der Teursciic Jndustrieschutzverband, mit seinen mehr als 5000 Mitgliedern, die größte gemischt-gewerbliche Organisation Deutschlands zur Vertretung von Arbeitgebcrinter- essen. ist gern bereit, Anmeldungen, auch von Nichtmitglio-' dern, einerseits der überschüssigen und andererseits gesuchter Arbeitskräfte zwecks der Ermöglichung des Ausgleichs auch weiterhin cntgegenzunehmcn, ^ »* Sie L i st e der Geschworenen, Zur Bildung der Svrnchlistc für die am 28, September 1914 beginnende Sitzungsperiode des Schwurgerichts des 3, Quartals 1914 wurden nachstehende Geschworenen auSgelost: 1, Karl Friedrich, Landwirt in Wallcnrod: 2, Ludwig Grießbaucr, Bantdirektor in Gießen; 3, Peter Buchenau, Landwirt in Reuters; 4, Heinrich Weller 2., Landwirt in Maar; 5, Karl Sandmann, Seisensabrüäiit in Lauterbach; 6, Wilh, Möller 2,, Kaufmann in Lauterbach; 7, Joh, Eduard Duchardt, Kondiwr in Lautcrbach; 8, Dr, Ernst Lcutert, Professor in Gießen; 9, Otto Georg Walther, Landwirt in Langd; 10. Joh, Algaicr, Ingenieur i» Lollar; 11. Karl Lorz, Kaufmann in Nidda; 12, Bernhard Hosmann, Gutspächter in Ranstadt: 13, Heinr, Hardt, Kupscrschiniedemeister in Lauterbach; 14, Konrad Häuser 20,, Landwirt in Nieder-Weisel; 15. Philipp Mohr, Landwirt i» Vilbel; 16, Adam Hosmann 5,, Bürgermeister in Wölsers- hcim; 17, Heinr. Friedr, Diel, Bcigcordnclcr in Ober-Wöllstadt; 18, Jatob Kröll 6,, Landwirt in Rainrod bei Schotten; 19, Ferdinand Wcndcberg, Fabrikant in Schotten; 20, Adolf Laurenze, Kaufmann in Groß-Karben; 21, Adolf Henscl, Landwirt in Dortelweil; 22, Karl Friedr, Winter, Landwirt in Büdesheim; 23, Frd, Wilh, Häuser. Schnriedcincistcr in Friedberg; 24, Alexander Leon, Kaufmann in Friedberg: 25. Kaspar Schalt, Landwirt in Groß- Felda: 26, Heinr, Graulich, Landwirt in Rainrod, Kreis Alsfeld; 27, Heinr, Eisländcr 2,, Bürgermeister in Rainrod, Kr, Alsfeld; 28, Karl Emil Gauterin, Landwirt in Potteüveil; 29, Albert Fauerbach, Landwirt in Okarben; 30, Heinr. Walz, Metzger in Vilbel, ** Der Ortsgewerbeverein hielt am Dienstag eine Vorstundssitzung ab, die sich mit den durch den Krieg besonirers ungünstig gestalteten Verhältnissen im Handwerk beschäftigte. Der Vorstand beschloß, die beabsichtigte Gründung einer sogen, Kriegskreditkassc tatkräftig zu fördern. Gleichzeitig wurde ein Ausschuß gewählt, der durch die jetzigen Verhältnisse in Not geratenen Mitgliedern durch Rat und Tat zur Seite stehen soll. ** Kriegshilfskasse, Wie bekannt, tmrrde bei der letzten vom Bürgcrvcrein ei »berufenen Bürger- versamnilung auch die Gründung einer Hilfskriegkaffe angeregt, deren Zweck sein soll, kleinen Gcschästsleutcnt und Handlverkern Darlehn zur Wetterführung und Erhaltung ihrer Betriebe zu gewähren, Tie in der Versammlung mit der Bearbeitung des Gegenstandes beauftragten Vertreter einzelner .Körperschaften hielten am Dienstag im Rathaus eine Sitzung ab, in der die Sache nochmals beraten wurde. Einstimmig wurde die Ansicht vertreten, daß die Einrichtung einer splckzen Hilfskricgkajse ein dringendes Bedürfnis sei. Es wurde daraus ein Gcschäftsaus- schuß gewählt, der die Grundzüge für die Einrichtung legen spll. Dem morgen — Freitag — im Handelskanrmergebärrde zusannnentretenden Ausschuß gehören an; Vertreter der Stadt, der Handelskammer, des Orts-Gewcrbeocrcins, des Kaufmännischen Vereins, des Detaillistenvereins und des Bürgcrvereins. Wünschenswert erscheint es, daß, Winke, An- regrurgen und Ratschläge aus den interessierten Kreisen zur Kenntnis des Ausschusses gelangen; man beliebe solche dem Bürgerve-rein schriftlich mitzuteilen, ** Die Postsendungen an die Krieger im Felde, Man schreibt uns: In den Spalten Ihres geschätzten Blattes stand kürzlich eine Mitteilung, wonach der Brief- verkehr aus der Heimat nach den Kriegsschauplätzen geregelt werden sollte lind ivouach man hoffen durste, daß die schmerzlich empfundene Sperre, welche fast jede brieffidic Mitteilung an die Lieben im Felde unmöglich machte, endlich aufgehoben würde. Von alldem ist aber noch nichts zu bemerken und säst verztoeiselt schreiben und telegraphieren die vor dem Feinde stehenden Angehörigen nach Hause, warum sie keine sttachrichteir erhielten. Man möge doch bedenken, wie unglücklich sich ein Familienvater, ein Ehegatte fühlen muß. der sich vielleicht Vvn einem kranken Kinde, einer leidenden Frau losreißen mußte und nun im Ungewissen über das Schicksal seiner Lieben leben muß. Wäre er nicht beruhigter und ginge er nicht freudiger in den Kampf, Ivenn er Nachrichten von zu .Hause erhalten könnte. Mag die von der Militärverwaltung getroffene Maßnahme — ein Versagen der deutschen Reichspost kann und mag man nicht anneh- men — im Anhang unvermeidlich gewesen sein, so erscheint sie jetzt, nachdem sich die ganze Armee in Feindesland auf dem Vormarsche befindet, doch nicht mehr gerechtfertigt. Möge man daher dock) die strenge Zurückhaltung der ins Feld an unsere braven Soldaten gerichteten Post fallen lasse» und nun auch den Paketverkehr freigeben. Dieser Verkehr spielt sich allerdings nicht einfach ab und bildet für die Postverwaltung keine leichte Aufgabe, der sic aber doch unbedingt gewachsen sein dürfte, Kreis Büdingen. — 99 ii b i« fl e n. 2 Sept. Der Gesa n „verein „Lieder- k r a n j* bat seine im Felde sichenden Mitfllieder fleflen Krieqs- flesahr veisickiett, Kreis Schotten. -4- Freienseeii, 2. Sept, Für das Rot« Kreuz werden in Freiciiieen monatlich Hanslanimliinflen erhoben. Im August flinae» einlchliestlich der Kiichentollekle und der Gaben bei den Haiislniniiitiinaen 617 Nit. 71 Psfl. ein. Ain Stricken nehmen über 70 Frauen und Wädcbn teil. Starkcnblirg und Rheinhessen, rm, T a r m st a d t, 2. Sept, Am Dienstag abend kamen von dem französischen Kriegsschauplatz mit der Bahn 18 Feldgeschütze, 3 Maschinengewehre, sowie 9 Protzen, letztere säst alle noch stark mit Geschossen aller Art geftillt, hier an, die von unseren wackeren todesmutigen Streitern des Infanterie-Regiments nach hartem Ringen dem Feinde abgenonimen worden sind, Sic wurden durch Mannschaften des Artillerie-Regiments 61 vorläusig nach der Wagenhalle des Artillerie-Depots gebracht, rm. Darmsladt, 1, Sept, Der Mörder Bogt, welcher im Juli d, I, seinen Wohltäter H e y d r i ch erschlug und das Anwesen in Brand steckte, um mit der Ehefrau H, uiigestötten llm gang pilegen zu können, wurde heute zier Untersuchung seines Geisteszustandes nach der psychiatrischen Klinik nach Gießen gebracht, Frau H , die mit angeschulbigt ist, kommt nach der Londes- irrenanstalt zur Untersuchung, — wtwa 170 französische Gefangene, darunter eine Anzahl Verwundete, kamen heule nachmittag hier an und wurden nach dem Truppenübungsplatz zu ihren dort schon befindlichen Leidensgenossen gebracht. Die schwer Verwundeten kamen nach dem Garnisonslazarett. m. Offenbach a, M,, 2, Sept, Kredithilfe für Handwerk und Kleingewerbe, Aus Veranlassung des Offenbacher Gewrrbcvcreins ist e-n Verein mit den Innungen, gewerblichen Bereinigungen, dem Detaülistrnverein imd Offenbacher Bankverein eine Kreditgenossenschaft für das Handwerk und Kleingewerbe begründet worben. Der einzelne soll einen Gesamtkredü von 500 Mart in Anspruch nehmen können Für den Garantie- sonds sind bereits 25 000 Mark gezeichnet worden. In Anbetracht der wirtschaftlichen Not des Klcinhandwerks und Kleingewerbe wird auch die Stadt selbst einen entsprechenden Betrag sür den Garantiesonds zur Verfügung stellen, Hessen-Nassau. siMarburg,2, Sept, Der berühmte Marburger Hygieniker, Wirst, Geh, Rat Prof, Dr, Exzellenz Emilvon Behring hat die ihm im Jahre 1909 verliehene große goldene Medaille des Kgl, Großbrüanischen Instituts für öffentliche (tzesuiid.jeit dem Oberbürgermeister Troje hier zur Verwendung für die freiwillige Spende zum Besten der durch den Krieg in Not geratenen Familien überwiesen. h, Frankfurt a, M,, 2, Sept, Der 32jährige Polizei- diätar Neese, der augenblicklich als Feldwebel-Lcntnant will' tärischc Dienste tut, geriet in der vergangenen Nacht, als er aus dem Lokalbahnhof Sachseiihausen einen sckwn fahrenden Zug besteigen nwllte, unter die Räder und wurde sofort getötet, — An der Blockstation Rebstock wurde heute früh die von einem Zuge zerstückelte Leiche eines jungen Mannes aufgcsunden, Da der Tote keinerlei Ausweispapiere bei sich führte, tonnte seine Pcrsönlick;- keit noch nicht sestgestellt werden, Frankfurt a, M,, 1. Sept, Der Kelterobstmarkt im Osthaiengcbict an der Jntzestraßc beginnt am 12, Sept. Die Aussicht über den Marst untersteht der städtischen Marktverwaltung unter Mitwirkung eines Jnteressentenansschusies aus hessen-nas>au- ischen und hessischen Obstzüchtern und Händlern, h, Frankfurt a, M,, 1, Sept, Eines schaurigen Todes verstarb am Montag das eineinhalbjährige Töchterchen des 3ijähr, Taglöhners Karl Mandler, geboren in Dorlar, Als das ohnehin schniächliche Kind in seinem Wagen schrie, riß es der Vater an den Händen aus dem Wagen und warf cs mit voller Wucht aus den Fußboden, Das arme Wesen verstarb nach kurzer Zeit, Der rohe Patron wurde verhaftet, ch, Nieder-Jngelheim, 1. Sept, Obstmarkt, Birnen 4—7 Mt,, Ae viel 10 Mt, Zwetschen 4—5 Mt, Mirabellen! 7—8 Mt,, Pfirsiche 8—14 M,, Reincstaudcn 3 Mk, der Zenttier, vermischte». * Apotheker und Lokomotivführer, In der Apotheker-Zeitung schreibt Dr, E. Lückcr-Berga, daß einer seiner Schüler das Lokomottvführerexamen bestanden habe und vor der Hand als Heizer aus Güterzügen beschästtgt werde. Der junge Apotheter habe monatlich 142 Stunden Eilenbahndienst und versehe dann noch in Westfalen eine Rezepturstclle, Er will aus diese Weise dem Batcrlandc nützen, da er als Kriegsfreiwilliger nicht angenommen wurde. Amtlicher Wetterbericht, Oefsentliche Wetterdienststelle Gießeu. Wctteranssichten in Hessen am Freitag, deu 4 Sept, 1914: Zunehmende Bewölkung, doch noch meist trocken, kühl; Wrbde aus ivesltichen Richtungen. Letzte Nachrichten. Die gefangenen Franktireurs von Löwen. Köln, 2, September, Die FranNircurs von Löwen sind nach dem Trupvenübungsplatz Munster transportiert worden. Es bcsandcn sich unter ihnen ein achtjähriger Knabe, Junge n s von 13 bis 16 Jahren und zwci ehemalige Heidelberger Studenten. Auf der Fahrt von der Westgreirze bis ins Hannoversche wvtlte sich em Franktireur durch einen Sprung aus dem Zuge befreien. Er nmrde durch einen 1>-Zug aus dem Neben>üeise zermatml. Ein hünenhafter Bauer warf ltzeldstücke und seine goldene Uhr durchs Fenster und wollte daraus einen Wachtposten ernntrgen. Er mutzte durch mehrere Bajonettstiche und eine Kugel getötet werden, Graf Witte als Retter? Wien, 2 . Sept, Eine mit «rmerikanischen Berhältniffen tvohl vertraute Korrespondenz meldet; Die Rückberufung des Grasen Witte nach Petersburg wird mit den bereits kurz nach Kriegsausbruch verbreiteten Nachrichten in Zusammenhang gebracht, daß Witte einen hervorragenden Posten im Reiche übernehme, Wittes Anwesenheit in Petersburg entspricht dem dringenden Wunsch des Zaren, Es heißt, Witte solle al»s Ministerpräsident Goremvlin ab- lösen, welcher jetzt vielleicht schon zurückgetreten sei. Es besteht auch die Möglichkeit, daß Witte mit besonderer Mission alsbald wieder ins Ausland reist, wohin, wird nicht gesagt. Serbische Gewalttaten gegen Muselmanen. Serajewo, 2, Sept, Die Serben beginnen in Neuserbien eine Vernichtung der Muselmanen, Sic brannten viele Dörsev nieder und mordeten die Einwohner, Di- Türken flüchten scharenweise nach Bosnien und dem Sandschak Lob der Nordländer. (W.T.B.) Malmö, 3, Sept. (Nicht amtlich.) Das „Sydsvenzka Dagbladet" schreibt: Wir bewundern wohl alle in dieser Stünde die unerhörte Energie und Kraft, den großartigen Mut und das Selbstvertrauen, womit das deutsche Volk gegen 3, um nicht zu sogen gegen 4 Grostniächte kämpst, ?tbgesehen von der sitt- lickicu Kraft in dem deutschen Volke, ist es die gute Hecresorgani- sation, durch die das deutsche Volk ein Voll in Waffen ist, ivelclwr die bisherigen Erfolge zu danken sind Vnd welche die Möglichkeit gibt, misznhalten oder sogar zn siegen in dem ungleichen llampsc. Was bislier in erster Linie ansschiaggebend war, bie_ militärische Erziehung, ist der verketzerte und verhöhnte deutsche ^.rill, loclcher nunmehr Triumphe feiert, (WTB.) Christiauia, 3, Sept, Bei der heutigen Immatrikulation hielt der Universitätsprofessor G c r h a r t eine Ansprache, in welcher er ausführte; Man kann seine Sympithie und Antipatie verberge;: wo mau will, in einem trifft sich die ganze Welt in erstaunter hingcrisserrer Bewunderung der deutschen Tatkraft, die überwältigt, Diese gewaltige Tüchtigkeit beruht vor allem daraus, daß kein anderes Volk so duchsetzt ist von Wissenschaft, wie daS deutsche, Mau hot vicj von dem preußischen Kriegsgeist gcsvrochen, aber darin stehen die Poeuhen bis heute hinbw vielen Völkern Afrikas und Asiens zurück, und nicht daraus komiut es an in einen modernen europäischen Krieg, sondern ans die Wissenschaft, diese imponierende Genauigkeit, die fast umehtbar ist. Jeder Knops trifft seine Leitung, jede Leitmlg sühtt nach der Zenttalc, rVucksachen aller Art liefert In jeder gewünschten Ausstattung preiswert dis Biühl’sche Universitäts-Druckerei. Schulstr. 7 Weinessig Liter 50 "Ufa. 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September, nachmittags 4 Uhr, auf dem neuen Friedhof. — Beileidsbesuche dankend verbeten. Kriegs - Erfrischungen für unsere Söhne und Brüder im Feldzuge fertig zum Versand mit der Feldpost OP Kriegs-Gold Kriegs-Silber Versand In frankiertem Feldpostbrief von Versand In frankiertem Feldpostbrief von etwa 225 g otwa 225 g 1 Mark 70 Plg. einschliesslich 20 A Porlo einschliesslich £0 L Porto a) Schokolade bl FtenermQnz g) Schokolade h) Pieifermdna c) gemischt i) gemischt Versand In portofreiem Feldpostbrief von Versand In portofreiem Feldpostbrief von otwa 50 g etwa 50 g 20 Plg. 15 Pig. dl Schokolade e) PIeücrmSnz lc) Schokolade 1) PEeffermüns kl gemischt ms gemischt Wir übernehmen den regelmässigen Versand durch die Feldpost. Bei Bestellungen, denen der Betrag beizufügen ist, muss angegeben werden: Art der Packung (a — m), ob ein- oder zweimal wöchentlich Sendung, ferner die genaue Adresse des Empfängers, sowie Dienstgrad, Korps, Division, Regiment, Bataillon und Kompagnie oder Eskadron oder Batterie. 91I2D Gebrüder Steüwerck A.-G., K.-Abteilung KÖLN - BERLIN - BREMEN . MÜNCHEN . WIEN Jede Verkaufsstelle uns. Fabrikate hat Vorrat cd. nimmt Bestellungen an. äaamwi imim' i nri nnw ii i Unseren verwundeten Kriegern wird das altbewährte Nähr- und Kraftbier Köstritzer Schwarzbier aus der Fürstlichen Brauerei Köstritz (gegr. >513) in Lazaretten verabreicht. Für Genesende und Erholungsbedürftige von Aerzten vielfach verordnet. i9536 Zuhaben in Bietzen bei: H. 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