Nr. 205 V/ Zweites Blatt m. Zahrgcmg Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. Die „Kies, euer Lomklünbiätt«" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „ttteirdlaN für den Urei; Sietzen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen zeitfragen" erscheinen monatlich zweimal. Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhejsen jmiiu och, 2. September TO RotatiooSdruck und Verlag der Bpuhllfchen UnioersttÄs - Auch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- stratze 7. Expedition und Verlag: ^^es Ksieges: das Getümmel, dü Menge, der Drang, der unaufhaltsame Sturm und Stoß von Massen verestigt die tätigen Kräfü zu siner gehäuften imb dadurch für Auge und Phantasie um so gewalttgeren Wirkung," Und von den äutzeren machtvollen Erscheinungen des Krieges stsigen wir ans zu ssinem höheren Inhalt, „Es ist dü mächtige Bewegung der itveele, es ist das Bild des Willens, der im höchsten Aufschwung seiner ganzen Kraft die Schrecken des Todes nicht fürchtsi: es ist noch mehr das Bild seiner Erhabenheit st dem furchtbaren Augenblick, wo von dem hstgeopferten Leibe icheidend der Gsist noch im letzten Seufzer bezeugt, daß es Güter gibt, dü ihm mehr gelten als' das Leben, Heldentod ist schöner und großer Tod, am schönsten dann, wenn der Sterbende noch wissen dasi, daß der Sieg gewiß ist, ,Begt mich in die Sonne, wendet mich nach der Sonne!" Sie wffsen, einer der llnsrigen sagte es, als er tödlich qettoffen stederfiel am blusigen Tage von Billiers: er schaute fettem, bis sü sank, die Siegeskunde erreichte ihn noch, und mit dem herrlichen Gessirn des Tages sank auch sein stgend- liches Mannesleben hinab," Groß und schön ist der Mut des Ksiegers im Kampfe, ist die Ruhe des Feldherrn mitten im Feuer, ist das nuerschütterte Ausharren ganzer Scharen im Angesicht des ringsum mähenden Todes. „Man sollte meinen, ein Leben, wo jede Stunde solche Schvecknijü bringen kann, müsse sine Alensthen- seele verdüstern. Aber dü Stturmung des Tapsern ist frei und feiler. Es lügt, ich wsiß mcht welcher Druck der Bangigkeit auf dem Leben: man braucht mcht fsig zu Üin, um oft von sinem Gefühle beäugsügt zu werden, als lauern Gsipestter hinter den bekannten Gestalten des Lebens, Es gibt mehr als esten Weg, sich von dieser Angst zu besieün: Arbsit, Wifsenfchait, Kunst, Rsiigwn — die reine nämlich, denn dü trübe macht nur noch mehr Angst —, aber einer disier Wege und nicht der letzte ist außoi' Zweifel die Fajsiing des Gsistes im Ksiege, Wer abgeschlossen hat mit dem Lebe», wer eurjcfeoyeu jft, bem wird das Gemüt hell uud tnaffegfa ej' j tq t i tu nustr bar btoijathen S9jtfi*ni des Todes, ja doppelt und dreifach gemeßt er das Gefühl des Lebens, „Gefaßt ssin ist alles," Offenfert so der Krieg alle Wunder der Kraft, so schafft er sisilich ^auch sine Welt des Leidens, „Die Kunst aber, der Genius des Schönen folgt ihm auch ans diese feste Lsidens- wege: der .Krieg fft darum nicht unästhetisch, wsil er Leiden be- rsitet, Leiden rühsi zum Mitleid: das Mitleid aber ist schön, well es dü Frcmdhsit zwischen Mensch und Memch auffebt, weis es getrennte Xinte zu sinem Akkord versinigt," Da ist der rührende Schmerz des Abschiedes, wie ihn Homer so wundervoll in dem Bilde verklärt, da Hekwr von Andromacfe und ssinem Knäb- lest schadet, „Den Anblick ttanernder Bräute, Frauen, verwaffter Familün, benot die geliebten Häupter nicht nsiederkehren, wie mag ihn dü Knust st immer neuen Darsüllnngen uns zu bsingen? Und wie wsit ist das Feld her pflegenden, hellenden, tröstenden Tättgksit der Liebe, dü, sin Kriege selbst tätig, eine Welt von sittlicher Schönhsit hart neben die klaffenden Wunden, Bäche des Blutes und brechenden Augen stellt! Man behauptet, daß den Ksieg mch tbeurteüen könne, wer nicht sin Feldspital gesehen habe. Wahrlich, auch st dü Stätten da: Krankhat, der Wunden, des Todes kehrt mit dem Erbarmen der Matschlichkeit da Engel des Schönen est," Und ohne Ksieg kauen Sieg! Ohne Sieg kan Hsimzug, nicht das Bild da blumenga'chmückün Scharen, da Freudemränen, des Jubels und Janchzens i m^ wim melnden Volk, düs Wundabilb, dos das Schöne im Ksiege bekröm l * — Die Nordpokarexvedition Sedosf, Wü dü Petersb. Telegr.-Agentur aus Petersburg meldet, kam dre Erpeditron des Leutnants Sedofs nach dem Nordpol, uachdem sie im Wruter 1912 und 1913 Neuland entdeckt hatte, nach iwmr- Iosephs-Lmch. Sedoff ist von dort nnt zwei Matrosen nach dem Pol ausgebrochen, er wurde aut der Rerse krank und starb. Die Expedition kehrte nach Archangelsk zurück. 'ßtt urortnu Bebauern müffen n>tr hier glettö feftftetten. haß «t B-ür g c r während und nach dem Einmarsch der Fran »osen ihre unverhohlene Sympathie für die Feinde unseres Vaterlandes ösfentlich kundgaben und diese mrl osfenen Armen empsingen Diese Zerren und Damen glaubten ossenbar, die deutsche Armee befände sich geschlagen aus der Flucht und Saarburg sei wieder eine französische Stadt In diesem unglaublichen und unwürdigen Verhalten wurden diese Ehcrnviiiisten durch die Aufschneidereien der sranzösischen Truvven bestärkt, die in zwei Tagen in Straßburg, in kurzer Zeit sogar in Berlin sein und überm Rhein alles niedcrmachen wollten Anders rft es nicht zu verstehen, wenn deutsche Untertanen die Franzosen als Sieger willkommen heißen, dieselben als T r i u in o h a t o r c n feiern, den Offizieren Buketts überreichten und sie mit 'Wein uitd anderen guten Sachen, die zuvor den Deutschen vor enthalten waren, bewirteten. Auf Einzelheiten heute cinzugehcn, ersparen wir uns. Diesen wenigen Französlingcn wird heute nach dem Dsbücle, welches ihre ..amis" hier erlitten, recht kayenjämmer lich zu Mute fein und sic selbst werden ihr heuchlerisches Tun am meisten bereuen. Wir hegen die Erwartung, dasz die maßgebende Behörde diese Vorkommnisse untersucht und alles Nötige gegen solche Unwürdigen, welche eine lovatc Bürgerschaft in Verruf bringen, veranlaszt. Es fei hier gleich betont, daß nur ein kleiner Prozentsatz der Hinterbliebenen an diesen Demonstratiönchen sich beteiligte, die weitaus größte Mehrzahl Saarburgs Bürgerschaft hat sich korrekt benommen und sich der heiklen Situation gewachsen gezeigt. Als die Franzosen hier festen Fuß gefaßt hatten, rührten sich die deutschen Truppen und ein heftiges Artil^erie- f e u e r setzte ei». Es ist nicht möglich, die gualvollen Ltunden zu beschreiben, welche während drei Tagen und zwei Nächten die verängstigte Bevölkerung in den Kellern eng aneinander gepfercht verbringen mußte War schon Dienstag und Mittwoch das Ge- ichützfeuer schrecklich, so steigerte sich dasselbe in der Nacht zum Donnerstag und am Donnerstag selbst ins Grauenhafte, I» der wildesten Schlacht soll das Gebrüll der Kanonen nicht ärger sein, als es hier am letzten Tage der Franzosenherrschaft war. Und als am Donnerstag nachmittag die Kanonen eine zeitlang schwiegen, setzte^das Gcwehrgeknatter, die Salven ein. Durch die Straßen der Stadt tobte der Kampf, Abteilung gegen Abteilung, Mann gegen Mann, Das bayerische Leibregiment aus München, das schon so manche wagemutige Heldentat in diesem ztzriegc aus sein Konto setzen darf, nahm Saarburg mit stürmender Hand und schlug den Feind in die Flucht, Wie ein Iubelschrei >ring es durch die Stadt, als die tapferen Bauern mit Hörner und Trommelklang Saarburg von den frechen Eindringlingen säuberten. Brachten sie doch den «men Leuten die Erlösung, Befreit atmete man auf: Tie Fran zosenherrlichkcit war zu Ende, In voller Flucht jagten die Rothosen auf und davon, das heißt, der Rest, der nicht gefangen genommen, getötet oder verwundet wurde, Biele Hunderte von Toten, über 500 Verwundete, mehrere hundert Ge- sangene ließen^ die Franzosen auf der Walstatt in und um Saar- bürg zurück. Schrecklich hat das Granat- und Tchrapnellfeucr der Deutschen in den französischen Stellungen am Rebberg und tiefer unten bei der kleinen Kapelle gewütet. Die Verluste der Deutschen sind hier recht gering, .....Schlimmer noch als all diese Verwüstungen sind die Plünderungen und Demolierungen der vielen Privatwohnungen und der Bureaus durch die französische Soldateska, Wie die Hunnen haben die Franzosen unter den Augen ihrer Offiziere gehaust. Besonders hatten sie es auf die Wohnungen unserer deutschen Offiziere und Beamten abgesehen, Tie Franzosen sollen sogar Listen dieser Wohnungen in .Händen gehabt haben. Einzelne Wohnungen wurden grauenhaft verwüstet und ausgeraubt, das Mobiliar vom Speicher bis zuni Keller kurz und klein geschlagen, ivas zum Mitnehmen geeignet war, gestohlen. Die vorstehende Schilderung der Zerstörungen, die die Franzosen in Saarburg angerichtet haben, hat in diesem Kreise das letzte Bestehen von Sympathie und Achtung, das Hier und da noch für die Franzosen vorhanden war, vernichtet, Es wird auch hierdurch das schon erwähnte Urteil einer alteingesessenen Dame bestätigt: „Die Franzosen haben, in dies Tagen mehr germanisiert als die Deutschen in 43 Jahren," Aus dem Reiche. St rast bürg, 1, Seht, Der „Elsässer" veröffentlicht ln Fettdruck folgende bischöfliche Erklärung: „Ter frühere Redakteur E, Wetterle, der immer erklärt hat, dach er auf dem Boden der deutschen Verfassung stehe, als deutscher Bürger seine Pflichten loyal erfülle und der den Eid als Reichstags- und Landtags-Abgeordneter geleistet hat, soll nach einem Berichte der „Köln, Volksztg," in der Nummer des „Echo de Paris" einen von ihm Unterzeichneten Artikel veröffentlicht habe», der mit seinen früheren Erklärungen und Eiden *r>. offenbarem Widerspruch steht. Sobald wir die Tatsache authentisch scstgcstell't habe», werden wir uns veranlaßt sehen, gegen Wetterle mit kanonisch e n S t r a s e 1 , vorzngehen Straßburg, den 1, September 1914, Adolf, Bischof von Straßburg," Kircb« und Schule. Die Papstwahl, CWTB.) Rom, l, Sept, Nichtamtlich,) Abends nm 5 Uhr waren alle Kardinale im Vatikan cingetroffen, worin sich bereits der Marschall der Heiligen Römischen Kirche nnd Hüter des Konklaves Fürst Ehigio Albani, sowie der Unterpräfekt Monsignore Missottclli befanden. Die Kardi- näle versammelten sich in der Paulinischen Kastelle, wo das „vcni crestor sstiritus" gesungen wurde Darauf schritten die Kardinale in Prozession ihrem Range stach unter Borantragnng des Kreuzes nach dem Salo Regio und traten in die Sixtinische Kapelle ein, die in einen für die Abs stimmnng bestimmten Saal nmgeivandelt ist. An der langen Seitenwand sind Throne für alle Kardinale eingerichtet, die diese ihren: Range gemäß einnehmen. Der erste gehört dem Kardinal Scrafino Benntclli, der letzte dem Kardinal Lega, Tic adelige Leibgarde, die Schweizergarde und die Schloßgarde erwiesen Ehrenbezeugungen, Sobald die Kardi- näle in die Kapelle eingetreten waren, leisteten sie den Eid, Darauf schwor der Hüter des Konklaves, Fürst Chigiv, Der Vorbeimarsch des Zuges der Kardinale mit den Konklcrvisten und Würdenträgern, sowie die Eidesleistung in der Sixtinischen Kapelle boten sehr feierliche Schauspiele, die unter den Aittvesenden tiefe Beinegung hervorriesim. Nach der Eidesleistung fanden die Formalitäten der Schließung des Konklaves statt. Alle Telephondrähtc, welche die Umschließung des Konklaves mit der Außenwelt verbänden, wurden zerschnitten. Gietzener Strafkammer. Gieß tn, 1. September Ei n alter Sünder steht in der Person des Bauführers Johannes H, aus Bad - Wildlingen vor Gericht, Er ist bereits wegen aller möglichen Betrügereien 16 mal vorbestraft worden, darunter sogar mit einer Zucht hausstrase Heute steht er vor Gerichl wegen eines Betrugsversuchs, Er batte sich in Klein-Linden unter der falschen Angabe, er sei Bauführer am Bahnbau und werde die Svezereiwaren für seine Arbeiter holen taffen, sich in einem Spezerciladen einen Geldbetrag erschwindeln wollen, was aber nicht gelang, weil die Ladcn- iahaberin Verdacht schöpste. Das Gericht billigte ihm heute der Geringfugigkerl der Sache wegen mildernde Umstände zu und *—• urteilte ihn in eine durch die Untersuchungshaft verbüßte Gefängnisstrafe von einem Monat, Fledderer, Ter Arbeiter Karl W und die Ehefrau des Taglöhners Joh Sch, in Fnedberg batten im Mcki d Fs, in einer Wirtschaft in Friedberg den Dienstknecht Karl K, gerrossen, der bereits angetrunken war Sic merkten bald, daß K, im Besitz von Geldmitteln war und vcranlaßten ihn, einen Spaziergang mit ihnen und dem Ehemann Sch, außerhalb der Stadl zu machen. Hier setzten sie sich zunächst aus eine Bank und nahmen dann dem K, sein Portemonnaie ab, entnahmen demselben das Geld, teilten es und gaben! das leere Portemonnaie wieder zurück, W„ der rückfällig ist, wurde zu einer Geiängnisstraic von 6 Monaten, und die Ehefrau Sch, in eine solche von drei Monaten verurteilt. Je 3 Mark Geldstrafe erhielten die Standesbeamten H, in B, und F, in O,, weil sie Bauern getraut habe», ohne die Vorlage des vorgeschricbenen Zeugnisses der Tistriktspolizeibehörde zu fordern, Uebele Späße hatten sich ein Schneider R von Friedberg und ieinc Schwester Helene M, geleistet, indem sie eine ganze Anzahl falscher Bestellungen mit falschen Namensunterschristen an Friedberger Geschäftsleute schickten und sich dann über zwei solche nach Ausführung der Bestellung noch lustig machten und sie aus Karten beleidigten, Ihre sinnlosen Späße, bei denen sie nicht bedacht haben wollen, daß sie dadurch anderen Unannehmlichkeiten und Schaden zufügen würden, brachten ihnen heute wegen Urkundenfälschung und Beleidigung folgende Strafen, dem R, vierzehn Tage Gefängnis und der M, drei Wochen Gefängnis und fünf Mark Geldstrafe, Sieben Wochen Gefängnis erhielt die Dienstmagd A, M, D, aus Torgau wegen Verbrechens im Sinne des 8 218 StGB, und acht Tage Hast wegen Ueber- tretung gegen Artikel 252 Polizeisttafgesetzbuchs, Zwei Monate Gefängnis erhielt der noch jugendliche Dienstknecht L, aus dem Kleinbus, weil er dem Handelsmann St, in Alsfeld mittels Einsteigens ern Paar Schnürschuhe entwendet hat. Je 5 Mark Geldstrafe erhielten die Standesbeamten A, in D, und B, in O„ weil sie Mannspersonen^ unter dem ehemündigen Alter von 21 Jahren getraut haben. Sie hatten geglaubt, mit Zustimmung der Eltern sei dies möglich, was aber nach 8 1303 BGB, nicht angängig ist. Quittung. Für die Verwundeten unserer Marine gingen weiier ein von: llngenaniil 2 Alk,, (tzeb. Schulrat Dr. Stoeriko ö Mk„ Oberreg erunasrat Dr, Platz 40 Mk„ Fräulein Behaghel 12 Alk,, Kauimann Fritz Walther 10 Alk., llngenannl 10 Mk., K, R. I» Alk, Ungenannt 6 Alk, ,9. H. 5 Mk„ Prot. Strahl 100 Mk,, eitler Lehrerin b Mk,, Frl, Friedrich, Lehrerin, 10 Mk,, zuiainme» 217 Mk.; im ganze» mit den früheren Spenden von 253 Mk.: 170 Mark. — Den freundlichen Gebern herzlichen Tank. Pros. V ö l z i n g. Vanvel Nitd verkehr, Volkswirtschaft ** Verlängerung d e r P r o t e st s r i st. Nachdem der Bundesrat durch Bekanntmachung, vom 29, August die Protcstfrist für W e ch s e l, die, in Elsaß-Lothringen, in der Provinz Ostpreußen oder in W e st v r e u ß e n in den Kreisen Marien- burg, Elbing Stadt und Land, Stuhm, Marienwerder, Rosenberg, Graudenz Tiadl und Land, Löbau, Kulm, Briefen, Strasburg, Thor» Siadt und Land zahlbar sind, im Anschluß an die in der Belannimachung von, 6, August vorgesehene Perlängerung um weitere 30 Tage verlängert hat, ist die Postordnung vom 20, März 1900 entsprechend geändert worden, Po stvrotcst- g int rüge mit Wechseln der bczcichneten Art werden daher in Fällen, in denen bei der ersten Vorzeigung die Zahlung nicht ausdrücklich verweigert wird und der Protest auch nicht aus anderen Gründen nach der ersten Vorzeigung oder nach dem ersten Bersuckw ter Vorzeigung zu erheben ist, erst am zweiundsechzigsten Tage nach dem Zahlungslage des Wechsels nochmals zur Zahlung vorgezeigt werden. Wünscht dev Auftraggeber die sosortigc Protestierung, so ist der Vermerk „ohne Protestfrist" aus die Rückseite des Posta us- tragssormulars niedcrzuschreiben. Soll der Protest nicht durch die Post erhoben werden, so ist bei PostaufträgenzurGeld- einziehung und zug Akzepteinholung nach Elsaß- Lothringen, Ostpreußen oder den genannten Kreisen Westpreußens in Fällen, in denen ohne Rücksicht aus die Verlängerungen dev Protestfrist sogleich protestiert werden soll, auf die Rücksmte des Postaustragsformulars der Vermerk „Sofort zum Protest ohne Rücksicht aus'die verlängerte Protestsrist" niedcrzuschreiben. Buchertisch. — Die 4. Kriegsnummer der Leipziger „Illustrierten Zeitung" (Verlag von I, I, Weber, Leipzig, Preis der Einzelnummer 1 Mk.) beweist aufs neue, daß die Grundsätze, die der textlichen und bildlichen Berichterstattung de« Blattes aus den Jahren 1870/71 zu historischer Bedeutung vcrholsen haben, auch für die derzeitige Gestaltung des Blattes maßgebend sind. Bon Tr, theol, Gottfried T r a u b - Dortmund liegt ein Beitrag „Heilige Gegenwart" vor, eine begeisterte, lies schürfende, formvollendete Predigt, Einen ungemein fesselnden politischen Beitrag liefert der langjährige Vertreter der Jllusttierten Zeitung, Carl Lahm: aus unmittelbarer persönlicher Anschauung schildert er den Werdegang der Dinge, wie er sich in Paris, dem Hexenkessel der gegen Deutschland gerichtclen Pläne, abspielte, Professor Joluiim Dück liefert eine interessante psychologische Studie über die Massensuggestion in Kriegszeiten, Ungewöhnlich interessant ist auch die illustrative Ausstattung des Heftes, Ein prächtiges doppelseitiges Bild „Das Nachtgesecht in Mühlhausen am 9.August" von Felix Schwormstädl, dem bekannten Spezialzeichner des Blattes, verdient besondere Hervorhebung, Von den übrigen Illustrationen seien nur Lenannt „Bittgottesdienst am Fuße des Völkerschlachtdenkmals in Leipzig", „Unsere siegreichen Heerführer an der Westgrenze", „Drei deutsche Infanteristen schlagen eine russische Kavallerie-Patrouille in die Flucht", „Die Eroberung der ersten französischen Fahne", „Einbootung von Marinereservisten", „Hcrunterschießen eines russischen Flugzeuges durchs österreichisch-ungarische Truppen", „Die Er- ltürmung der Uierhöhen der Drina durch ungarisch-kroatische Trupprn",^sowie ein prächtiges farbiges Bild „Ein Kasematt-Ge- schütz im Schnellfeuer", Dem Ableben des Papstes ist eine besondere, reich illustrierte Beilage gewidmet. Gingest, nvt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Angesichts der im allgemeinen guten Ernte ist cs Pflicht Aller, dafür zu sorgen, daß das Geerntete auch zusammengehalten wird, damit vorerst unser Heer genügeird versorgt werden kam,. Wer körperlich gestärkt ist, kann auch die Strapazen eines Krieges eher tragen als der Soldat, der Hunger hat. Leider aber denken bei dem Verkaufe ihrer Ucberschüssc viele, ein schönes Stück Geld dabei zu verdienen. Unter dem Deckmantel, daß sie für Militärlieferungen kansen, suchen gewisse Händler alles aufzukaufen, um zu gegebener Zeit der Heeresverwaltung die Preise zu diktieren Auch wird jeder wissen, daß die Beschattung von Schlachtvieh durch.dazu ernannte Kommissionen besorgt wird Es ist nicht nötig. daß Zwischenbändler ihre Taschen dabei füllen Könnte nicht in jeder Gemeinde eine Sanrmelstelle bezw, Ausnahmestelle eingerichtet werden, wo alles angegeben wird, was an Bieh und Landesproduktcn abgegeben werden kann? Erfreulicherweise sind schon wegen der Hascrlieserung von fetten der Proviantämter Erhebungen in einzelnen Gemeinden angestellt worden Wir, die wir zu Hause sind, müssen vor allem Sorge tragen, daß alles geerntet wird, was nur irgend möglich ist, um Scheune und Stallung zu füllen. Wer weiß, wie lange der Krieg dauert. Alle Futtervorräte Müssen aufgestapelt werden. Kein Bund Heu oder Grummet sollte umkommen, und gerade hier möchte ich anregen, daß vonseiten der Landrats- oder Kreisämter Sorge dafür getragen wrrd, datz nach Abernten der Wiesen das Bieh bis zun, Spätherbst zur Werde getrieben wird. Es' gibt in jedem Dorfe Leute, die dies besorgen können. Für viele Tausend Marl Futter würde gespart für den kommenden Winter, wo wir es nötig gebrauchen können sur ine Erhaltung des Viehstandcs, Manches Stückchen Vieh, was^ letzt abgeschasfl wird, könnte erhalten bleiben undrm nächsten ^ahre ooii großem Nutzen sein, Drum, Landwirte, sorgt dafür, daß ro dieser Richtung alles getan wird: Schutz und Sorge für die, dii uns schützen, Schutz unserm Vatcrlande! Bender. kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. Heute abend 8 Uhr: Kriegsbetstunde in der Johanneskirche, Psarcer A u s s e l d. Meteorologische Beobachtungen der Station Sieben. Sept. K14 So S = 5 t S a s 5$ S äD sA ' » !o e i £ Uf« i^ii Weile» I ' 2’j 755,4 20,8 8,5 47 NNE 4 1 Sonnenschein 1. 9“: <58,2 14.7 8,7 69 0 (still 0 2 ; 7“ • 756,6 11,3 8,0 80 WNW 2 0 Sonnenschein Höchste Temperatur am 31. Aug. bis 1, Sept. I9U = -si 20,8 " C, Niedrigste , , 31. , „ 1, „ 1914 — + 12,9’ , Niederschlag 00 mm. Verantwortlich für den gesamten redaktionellen Teil: Aug. Go etz. Amtlicher Teil. Bekanntmachung. B e t r.: Sonntagsruhe, Der.kmnmandierende General des XVIII. Armee korvS'hat frinr Anordnung, wonach die Vorschriften über die Sonntagsruhe «ncher Kraft treten, wieder aufgehoben. Es greifen hiernach die gesetzlichen Borschriften über die Sonntagsruhe wieder Platz. Tie gesetzlichen Besttmmungen über die Beschäittgung mm gewerblichen Arbeitern an Lonn und Festtagen ftnden nach 8 105« Abs, l Nr. l der Gewerbeordnung auf Arbetten, welche in Notfällen oder im össentlichen Interesse unverzüglich vorgeno mmen , werden müssen, keine Anwendung, Zu diesen Arbeiten getreu solche, welche im Interesse der Mobilmachung des Heeres notwendig und für die Beschleunigung der Mobilmachung dienlich sind. Es sind darunter nicht nur die Arbetten derjenigen Unternehmer zu rechnen, welchen von Militär- und Marinebehörden Mobil- machungSlieserungen oder Leistungen vertragsmäßig oder freihändig ausgegebeu sind, sondern auch die Arbetten, welche von andern Unternehmern für die Militär- oder Marineliesevanten zur Erfüllung der seitens der Heeres- oder Marineverwaltung gestellten Aufträge geleistet werden. Für die Tauer des .Krieges sind daher alle Sonntagsarbeiteii. die für den Heeresbedars und für die Lebensmittelversorgung des Heeres und der Bevölkerung zu leisten sind, nicht zu beanstanden. Gießen, den 31. August 1914. Großherzogliches Kreisamt Gießen, Dr. Usinger. An Vas Grotzh, Polizeiamt Gießen, die Grotzh, Birrgek- meisterrien der Landgemeiiwen des Kreises, Grotzh, Polizei- Kommissariat Arnsburg nnd die Grotzh, Gendarmerie deS Kreises, Wir empfehlen Ihnen die Beachtung der Vorschriften vorstehender Bekanntmachung und weisen Sic an, alle in Betracht kommeichen Arbeiten auch im Zweiselssallc zunächst ohne weiteres zuzulassen nnd ersorderlichensalls die weitere Prüfung des Lachoerhalts nachträglich vorzunehmen, Gießen, den 31, Älugust 1914, Großherzogliches Kreisamt Gießen, Dr, U sing er. Bekanntmachung. B el r,: Sonntagsruhe: hier: Berkans von Zettungen, Mit Genehmigung des bnmnandierenden Generals des 18, Armeekorps wird bis ans weiteres der Berkaul von Zeitungen an Sonntagen gestattet, Gießen, den 31, August 1914, Großherzogliches Kreisamt Gießen, Dr. U s i n g e r. B etr,: Bekanntmachung über die Zahlung der Vergütung für die Uebertassung von Pferden, Fahrzeugen und Geschtt- ren an die Militärbehörde, Vom 24. August 19l4. Die in Abdruck nachstehende Verordnung bringen wir zur öffentlichen Kenntnis, Gießen, den 30, August 1914 Großherzogliches Kreisamt Gießen, Dr, U sing e r. Bekanntmachung über die Zahlung der Vergütung für die lleberlassung von Pferden, Fahrzeugen und Geschirren an die Militärbehörde. Vom 24. August 1914. Der Bundesrat hat auf Grund des 8 3 des Gesetzes über die Ermächtigung des Bundesrats zu wirtschattlichen Maßnahmen usw. vom 4, August 1914 (Reichs-Gesetzbl, S, 327) folgende Verordnung erlassen: 8 1 , Ist «über eine Forderung, die einem Pserdebcsitzer für die lleberlassung eines Pferdes an die Militärbehörde gegen die Kriegs« lasse zusteht (88 25, 26 des Gesetzes über die Kriegsleistungen vom 13, Juni 1873 — Reichs-Gesetzbl, 3. 129 —) eine Urkunde (sogenanntes Anerkenntnis) ausgestellt, so wird vermutet, daß der Inhaber der Urkunde bevollmächtigt ist, die Zahlung für den in der Urkunde genannten Berechtigten in Empfang zu nehmen Das Gleiche gilt für Forderungen, die für die lleberlassung von Fahrzeugen (auch Kraftfahrzeugen) und Geschirren an die Militärbehörde entstanden sind und über die eine Urkunde ausgestellt ist. Diese Verordnung tritt mit dein Tage der Verkündung in Kraft, Berlin, den^24, August 1914, Der Stellvertreter des Reichskanzlers, Delbrück, Bekanntmachung. Betr,: Reinhalten der Straßen, Seit längerer Zeit ist die llnsttte eingerissen, Papier, Früchte. Obstreste und sonstige Abfälle ans die Bürgersteige und Fal/rbahn zu werten. Hierdurch werden nicht nur die Sttaßcn vcrunrcmigt. sondern aucki Gefahren für Passanten hcrvorgenifcn, die durch Ausgleiten Ml, Obstresten und dergleichen zu Falle kommen und sich erheblich verletzen können. Wir erwarten, daß es nur dieses Hinweises bedarf, um den Uebelstand abzustellen, widrigensolls'dtt Schutzmannichast mit Strafanzeigen Vorgehen müßte, Gießen, den 31, August 1914, Grotzhcrzogliches Polizeiamt Gieße». t\ , j ' H eMm e r-d e^