Dr. 204 Der ««ftener Anzeiger erscheint täglich, außer EonnIagS. — Beilagen: viermal wöcbenllich rirtzenerZamilienblätter; »wennal möchenil.Xreir- dlaNsvrdenrlktisSictztn (Dienstag und Freitag!: zweinial inonail. Landwirtschaftlich« öeitsragen Ferujprech - Anschluss«: iür die Redaktion 112, Verlag u. Expedition LI Adresse sür Depeschen: Anzeiger Gießen. Annahme von Anzeigen sür die Tagesnuinmer bis vormittags 9 Uhr. Erstes Blatt (64. Jahrgang MLWsrAMM General-Anzeiger für Oberhessen Dienstag. J. September M4 Neue Siege im Westen. - 6v V0V russische Gefangene! Großes Hauptauartier, 31. Aug. «Amtlich.» Die Armee des Generalobersten v. Kluck hat einen durch französische Kräfte unternommenen Versuch eines Flankenangriffes gegen Comblcs durch ein Armeekorps zur ü ck- ge sch lagen. Die Armee des Generalobersten v. Bülow hat eine überlegene französische Armee bei St. Quentin vollständig geschlagen, nachdem sic im Vormarsch bereits ein englisches Infanterie- Bataillon gefangen genomnirn hatte. Die Armee des Generalobersten v. Hausen hat den Gegner auf die Aisne bei Rcthcl zurückgcdrängt. Die Armee des Herzogs von Württemberg hat bei der Fortsetzung des Ueberganges über die Maas den Feind zunächst mit Vortruppen überrascht, mutzte aber bei dem Vorgehen stärkerer feindlicher Kräfte teilweise wieder über die Maas zurück. Die Armee hat dann die Maasüberf gärige wieder genommen und befindet sich wieder im Vorgehen gegen die Aisne. Das Fort Lesayelles hinter dieser Armee ist g e f a l l c n. Die Armee des d e u t s ch c n K r o n p r i n z e n setzt ihren Vormarsch gegen und über die Maas fort. Nachdem der Kom- mandanr von Montmcdb mit der ganzen Besatzung der Festung bei einem Ausfall gefangen genommen worden war, ist die Festung gefallen. Die Armeen des Kronprinzen von Batzcrn und des Generalobersten v. Her ringen stehen noch in fortgesetzten Kämpfen in Französisch-Lothringen. Im O st e n ist der gemeldete Sieg der Armee des Generalobersten v. Hindenburg von weitaus grötzerer Bedeutung als bis jetzt übersehen werden konnte. Trotzdem neue feindliche Kräfte über Ncidenburg angrisfen. ist die Niederlage des Feindes eine vollständige geworden. DreiArmec- korps sind vernichtet. 6 0000 Gefangene, darunter zwei kommandierende Generäle, viele Geschütze und Feldzeichen sind in unsere Hände gefallen. Die noch im nördlichen Ostpreußen stehenden russischen Truppen haben den Rückzug angetrcten. Generalquartiermeistcr v. Stein. Am späten Abend erhielten wir gestern die vorstehende frohe Kunde, die wir alsbald durch Aushang und heute früh .durch Extrablätter in der Stadt bekannt machten. Wir sind es nun schon gewohnt, daß der Generalquartiermeister uns mit nichts Unangenehmem überrascht, aber die neueste lückenlose Bekanntgabe der siegreichen Lage aller unserer Hceres- teile erregte wieder überall die größte Begeisterung Solche großzügige Kundmachungen, die alle Deutschen mit dem größten Stolz erfüllen dürfen, werden auch im' Auslande ihre Wirkung nicht verfehlen. Wir haben nunmehr, obgleich uns das weitverzweigte englische Nachrichtennetz fehlt, ein unfehlbares Mittel, uns Gehör zu verschaffen. Erstens mit dem deutschen Schwert, das lauter erschallt als das Gekläffe der englischen Bulldogge. Die Einfachheit und Wahrheit der alten eisernen Zeiten kehrt uns wieder, da dis Augenzeugen gewaltiger Geschehnisse selbst, langsam aber treulich, alles Erschaute weiterverbreiten, so daß statt lärmender Depeschenlügen, deren Zeit abgelaufen und deren Glaubwürdigkeit aus dem Erdenrund gänzlich ausgelöscht ist, ein Raunen von Volk zu Wölk geht von den grpßcn« Dingen, die sich Mi den Grenzen Germaniens abgespielt haben. So humpelt mit einigen armseligen Gestalten der in Masuren geschlagenen Zarensöhne, den Resten eines stolzen Heeres, über das öde Sumpfland des Narew heute auch eine Botschaft nach Rußland. Die Weltgeschichte hat das Blatt einmal umgewendet: Trümmer einer großen Armee wanken durch das heilige Rußland, aber es sind diesmal Söhne des eigenen Landes, die vom verderblichen Einbruch in fremde Gebiete in jämmerlichem Zustand- zurückkehren. Was 1812 die Eisfelder der russischen Steppe waren, das sind heute die weiten Seen des schönen Masurenlaichcs. Sie bewahren manches Geheimnis von Tod und Leid, aber immerdar werden unsere Enkel in diesem landschaftlich schönsten Teile des deutschen Ostens in der Erinnerung an die letzten Augusttage des Jahres 1914 heiße Dankgebetc verrichten. 60000 Russen sind gefangen genommen worden: was von diesem Heere des Zaren noch übrig geblieben ist, sind gebrochene Menschen, die nicht ein zweites Mal den Einfall in deutsche Laude versuchen werden. Man kmrn wohl an- nehmcn, daß die Russen ihre Toten und Verwundeten ebenfalls auf eine Ricscnzlahl beziffern müssen, und wenn es heißt, daß von 5 Armeekorps drei vernichtet worden sind, so klingt es wie eine Selbstverständlichkeit, daß auch die russischen Eindringlinge weiter im Nordosten den Rückzug angetreten haben. Nach den bisherigen kurzen und schlichten deutschen Meldungen sind die Russen von unseren Truppen umklammert, in die Seen und Sümpfe geworfen und in hilfloser Lage überwältigt worden. Tapferkeit der deutschen gruppen, überlegene Führung haben hier einen der herrlichsten Siege errungen. Die Meldung des Quartiermeisters aber lautet wieder im höchsten Grade sachlich und dienstlich. Das Lügengeschrei draußen ist allmählich verstummt, und so wird sich die deutsche Art der Mitteilung das Ohr der Welt erobern. „Von altersher in deutschen Landen war der höchste Ruhm, getreu und wahr zu sein." Auch diese Eigenart der Deutschen wag^ den ruhmredigen Fremden offenbar werden. Der deutsche Generalstab hat nichts zu verschweigen. Wir kennen nun die Einteilung des deutschen Aufmarsches, und von der Lage eines jeden Heeres werden wir knapp aber inhaltsreich unterrichtet. Neben dem großen Sieg in Ostpreußen ist besonders der neue Schlag des Generalobersten v. Bülow eine Waffentat von entscheidender Bedeutung. Wenn der Generalquartiermeister uns verkündet, eine überlegene französische Armee sei bei St. Quentin vollständig geschlagen, so dürfen wir an einen großen Sieg glauben, der noch erhebender auf uns wirkt, da wieder ein englisches Bataillon rühmlos in deutsche Gefangenschaft geraten ist. Auch der Generaloberst v. Hausen ist, da er bereits bei Rethel steht, dem Herzen Frankreichs bedenklich nahe gerückt. Die übrigen Heeresteile haben ebenfalls neue Erfolge gehabt, vorwiegend die Teile des nördlichen Flügels. Hier hatte die deutsche Offensive besonders einzusetzen. Wir glan- hen, daß bei der allmählichen Einkreisung des Feindes es noch auf weitere große Entscheidungsschlachten abgesehen ist und dcrß das französische Heer einer vernichtenden Katastrophe entgegengefuhrt werden soll. schon gibt jetzt selbst die „Times" den Ausspruch eines englischen Mitkämpfers wieder: „Die Deutschen kommen über uns wie eine Stnrmwelle, der nichts standhält." Einer der Berichterstatter dieses englischen Blattes erklärt, die Deutschen verdankten ihren Erfolg ihrer Uebermacht (?), ihren Maschinengewehren, ihrer Kavallerie, dem Aüfklärungs- dienft der Zeppeline und Flugzeuge und ihrer außerordentlichen Beweglichkeit, tztnn, daß dies ein Tadel ist, können wir nicht finden! Vielleicht bereitet sich England- beizeiten vor, diese Fähigkeiten der Deutschen ans eigener Anschauung kennen zu lernen! Der Kaiser an General v. Hindenburg. B e r l i n, 31. Aug. (WTB. Amtlich.) Der K a i s c r hat den siegreichen Feldherrn im Osten, General v. Hinden- bürg, zum G e n e r a l o b e r st e n ernannt, ihm das Eiserne Kreuz 1. Klasse verliehen und ihm folgendes Telegramm gesandt: „Großes Hauptquartier, den 20. August. Durch den in dreitägiger Schlacht errungenen vollen Sieg über die russische Ucbcrmachk trat die Armee sich für immer den Dank des Vaterlandes erworben. Mit ganz Deutschland bin ich stolz auf diese Leistung der Armee unter Ihrer Führung. Uebermittcln Sie den bravem Truppen meine warme kaiserliche Anerkennung. Wilhelm I. R." Stimmen der Oesterreichcr. Wien, 31. !Aug. (WTB. Nichtamtlich.) Der entscheidende Sieg des Generals v. Hindenburg in Ostpreußen wird hier mit ganz- besonderer Freude begrüßt. Man schreibt ihm angesichts der Ereignisse auf dem allgemeinen östlichen Kriegsschauplatz erhöhte Bedeutung zu und sieht in ihm in Verbindung mit den Erfolgen in Krasnik und Lublin eine gute Vorbedeutung für den endgültigen Ausgang des großen Ringens zwischen den Völkern Lesterreich-Ungarns und den Russen von der Weichsel bis zum Dnjestr. Rückhaltlose Bewunderung wird der Führung und unvergleichlichen Zähigkeit, sowie der Tapferkeit der deutschen Truppen gezollt, die zu großen Teilen .aus Reserven und Landwehr bestehend, den übermächtigen Gegner nach dreitägiger Schlacht über die Grenze jagten. Die Blätter weisen darauf hin, d aß der deutsche Sieg eben znrrechten Zeit kam, um die Wahrhaftigkeit des Herrn Poinecrrs ins rechte Licht zu rücken. Man werde in Paris bald ganz andere Siege hören müssen, als den erschwindelten Vormarsch der Russen nach Berlin. Das „Deutsche Volksblatt" schreibt: „Diese Schlacht ist übrigens ein Schulbeispiel dafür, daß der Oberseldherr in gewissen Kriegslagen gezwungen sein kann, siegreiche Truppen zurückzunehmen, um an anderen Punkten stark zu sein, und aus diese Weise einen noch größeren, glänzenderen Sieg zu -erringen. Dies sollten sich gewisse Leute vor Augen halten, denen unsere Operationen in Serbien nicht schnell genug vorwärts gehen." Die Stimmung in Italien. Ofenpest, 31. August. (W. B. Nichtamtlich.) Der römische Berichterstatter des Blattes „Az-Est" veröffentlicht einen Stimmungsbericht, in welchem es heißt: Die öffentliche Meinung Italiens hat in den letzten Tagen eine merkliche Wandlung erfahren. Das° unaufhaltsame Vordringen der deutschen Armee nach Paris, die großen Erfolge Oesterreich-Ungarns gegenüber der russischen Armee und nicht zum wenigsten die Unfähigkeit der englischen Heeresführung sind nicht ohne tiefen Eindruck auf die öffentliche Meinung gewesen. Die Intrigen der Entente-Diplomaten haben bei dem italienischen Kabinett nicht verfangen. Der König war immer ein unerschütterlicher Anhänger des Dreibundes. Die Presse beginnt einzuschwenken. Tie maßgebenden Blätter nehmen von Tag zu Tag eine dem Dreibund günstigere Haltung ein. Das italienische Programm läßt sich solgendermaßen formulieren: Wir wollen keine franzosensreundliche, keine deutsch-freundliche, wir wollen ausschließlich italienische Politik treiben. Ein deutsches Flugzeug über Paris. London, 31. Aug. (WTB. Nichtamtlich.) Wie dem Renterschen Bureau aus Paris gemeldet wird, ist ein deutsches Flugzeug gestern nachmittag über Paris geflogen und hat eine Bombe abgeworfen, die aber keinen Schaden verursachte. Ter Kaiser an den König von Württemberg. WTB. Großes Hauptquartier, 31. Aug. (Amtlich.) Seine Majestät der K a i s e r hat unter dem 28. August folgendes Telegramm an den König von Württemberg gerichtet: Es ist mir ein Bedürfnis, Dir mitzuteilen, daß ick^nachmittags in Ems eine große Airzahl von württembergischen Soldaten begrüßen konnte, welche chre Munden mit bewundernswerter Hingabe ertrugen. Ich habe ihnen einen Gruß von Dir gebracht Du kannst swlz sein aus Deine Landes linder. Herzlichen Gruß. Wilhelm. Darauf ist folgende Antwort eingetroffen: Tief gerührt durck> Dein Telegramm, danke ich herzlich sür die Nachricht von meinen Landeskindern. Ich nwiß, daß Du out sie bauen kannst. Jeder wird bis zu seinem letzten Atemzuge seine Pflicht tun für unsere große gerechte Sache in Hingebung für den obersten Kriegsherrn. Wilhelm. Pölkcrrechtsverlctzung durch England. Berlin, 31. Aug. (WTB.) Nach einer Meldung aus! L a s P a l m a s ist der als Hilfskreuzer ausgerüstete Schnelldampfer des Norddeutschen Lloyd „KaiserWilhelmder Große" von dem englischen Kreuzer „Highslyer" zum,' Sinken gebracht worden, als er in den neutra lew Gewässern der spanischen Kolonie Rio del Oro vor Anken lag. — Gegen diese jedem Völkerrecht widersprechende Verletzung der Neutralitätsgesetze muß Protest erhoben werden., Großbritannien hat durch die Mißachtung der stets von allen Nationen theoretisch und praktisch anerkannten Unverletzlichkeit neutraler Hoheitsgcwässer gezeigt, daß es sich nicht scheut, über die Hoheitsrechte neutraler Staaten hinwegzugehen. (In einem Teil der gestrigen Auflage schon enthalten.) Berlin, 31. August. (W. B.) (Nichtamtlich.) Wie die „B. Z. am Mittag" erführt, hatte sich „Kaiser Wilhelm der Große" an der Mündung des Rio del Oro an der Nordwestküste Afrikas vor Anker gelegt und wurde von dem englischen Kreuzer überrascht, während er in voller Ueber- einstimmung mit den Neutralitätsgesetzen Kohlen einnahm. Nach vorliegenden Depeschen ist der größte Teil der Besatzung „Kaiser Wilhelms des Großen" gerettet worden. „Highflyer" hatte einen Toten und acht Verwundete. Russischer Besuch in Tilsit. Daß die Nordostecke von Ostpreußen, nachdem russische' Kräfte auf der Linie Gumbinnen—Insterburg vorgegangen waren, nicht von Feinden freibleiben würde, war von vornherein anzunehmen. In Tilsit rückte Montag, 24. August, morgens 81/2 Uhr eine Abteilung russischer Gardedragoner ein, besetzte den Bahnhof, zerstörte die Telegraphen- und Signalleitungen und rückte dann vor die Privat Wohnung des Oberbürgermeisters, mit dem der führende Offizier eine längere Besprechung hatte. Das Ergebnis dieser Besprechung war der Erlaß des folgenden Anfrüss an die Bürger Tilsits: „Ich ersuche die Bürgerschaft wiederholt, auch dann, wenn russische Truppen wieder einrücken sollten, sich ruhig zu verhalten und in den Häusern zu blechen. Die Läden sind offen: zu halten und der Geschäftsbetrieb ruhig fortzusetzen. Irgend eins Gefahr seitens der russischen Truppen droht der Stadt nicht, solange die Bürgerschaft meinen vorstehenden Weisungen Folge leistet und insbesondere den Gebrauch von Schußwaffen unterläßt. Ich ersuche diejenigen Bürger, welche Schußwaffen besitzen/ die?« «-»s einem Namenszettel zu versehen — damit sie dem Eigentümer später wieder zugestcllt werden tonnen — und im Interesse ihrer eigenen Sicherheit auf der Polizeiwache in Verwahrung zu geben. Ein Junge hat, als die russischen Truppen bereits in der Stadt waren, eine Platzpatrone zur Explosion gebracht. Durch derartigen! groben Unfug wird die ganze Stadt in Gefahr gebracht. Ich effuche Ellern und Lehrer dringend, diesem unverantwortlichen Unfug energisch zu steuern und die Kinder von der Straße fernzuhaltcn. Tilsit, den 24. August 1914. , Der Oberbürgermeister. Pohl." Nachdem die russischen Mannschaften sich durch Effen und Trinken gestärkt hatten, ritten sie ans dem Wege, auf dem sie gekommen waren, wieder zur Stadt hinaus. Zn irgendwelchen für die Sicherheit der Bürgerschaft bedrohlichen Zwischenfällen ist es also, abgesehen von dem gefährlichen Dummejungenstreich, nicht gekommen. Aus Schweden. Stockholm, 31. Aug. (WTB. Nichtamtlich.) Die Regierung hat das Verbot der Einwanderung deutscher Rcichsangehöriger aufgehoben. Jeder hierher kommende Ausländer muß nur angeben, wo er zuletzt weilte. Fürst Wilhelm verläßt Albanien. Rom, 29. Aug. Die endgültige Abreise des Fürsten Wilhelm von Albanien aus Durazzo gilt als sicher, da Italien und Oesterreich die weitere Zahlung der Darlehnsvorschüsse ablehnten. Der Fürst ist jetzt aller Mittel entblößt. Die Regierungsgewalt wird er schon heute in die Hände der internationalen Kontrollkommission niedergelegt und über Brindisi die Heimreise angetreten haben. Der Fürst wird wieder bei seinem im Felde stehenden Potsdamer Ulanenregiment eintreten. China und Japan. London, 31. Aug. Reuter meldet aus Newyork, daß China ein Anerbieten Japans, etwaige Unruhen in China zu unterdrücken, zurückgewiesen habe. Ein Notschrei der katholischen Missionen. B e r l i n, 31. Ang. (WTB. Nichtamtlich.) In den Blättern wird ein „Notschrei der katholischen Missionen an die christlichen Mächte" veröffentlicht, der von den Leitern der in Afrika arbeitenden deutschen und österreichischen katholischen Missionsgesellschaften unterzeichnet ist, und worin es u. a. heißt: Mitten hinein in die Wirren dieses europäischen Krieges kommt die Kunde, daß England den Krieg auch in unser« asrikanifchen Kolonien hineingetragen hat. Ein wahres Enffetzen muß alle Freunde des christlichen Mifsionswerkes und jeglicher zivilijatorischer Kolonialarbeit bei dieser Nachricht ergreifen. Bisher haben in den Kolonien ajllc weißün Völker solidarisch dar Eingeborenen gegenüber gestanden, nur so glaubten sie ihre Autorität ausiecht erhalten zu .können. Tos Missionswerk ist durch internationale Abmachungen als gemeinschaftliches Werk aller Hyristlichen Nationen anerkannt und unter internationale,! Säpitz gestellt worden. In der Kongoakte ist ausdrücklich vereinbart, daß kriegerische Verwicklungen unter europäischen Mächten nickt auf afrikanisclies Gebiet übertragen werden dürfen, sondern Mel» mehr die Signatarmächte solidarisch für die AusrechlerhalNing der Rul>c zu sorgen haben. Nun zerreißt England Liese Solidarität, erschüttert in ihren Wurzeln die Autorität der meinen Rasse und trägt den Krieg in eine Bevölllerung hinein, welche ihm »mir völlig verständnislos gegenüberstehen kann. Bisher standen in Afrika vor den Augen der Eingeborenen die Weißen als ein« unerschütterlich.', geschlossene Einheit da und nunmehr soll den Eingeborenen ein blutiger Kamps zwischen Weiden vov- gcsührt werden, bei dem die Eingeborenen unvermeidlich Partei ergreifen müssen. Jeder Kenner der Lage weife, ivelches gefährliche spiel das bedeutet. Sehr bald werden die Eingeborenen zu dem fragenden Gedanken übergehen, ob sic nicht den Augenblick benutzen können, nm die ganze Herrschaft der Weifeen abznschüNeln. Tos kann zu Anfftönden und Kämpfen führen, welche das ganze so mühsam aufgebaute Misiionswerk zerstören müssen. Zum Schlüsse des Aufrufs wird an alle Kolonialmächte die dringende Bille gerichtet, das ihrige dazu beizutragcn, daß wenigstens Afrika und seine einheimische Bevölkerung freigehalten wird von den Fahrnissen des Krieges, dessen Wirkungen dort noch unendlich viel verhängnisvoller sein müssen als in Europa, Wie Sir Edvard Grey seine Ansichten ändert... Wien, 30. Aug. Tie Wiener Wkgeineine Zeitung erzählt heute eine charakteristische Aussprache, die Sir Edward Gr eh einem Diplomaten gegenüber getan hat. Im Oktober 1913 sagte Grey zu einem »euernamiten englischen Botschafter: „Meinen Glückwunsch, daß sie nicht nach Petersburg gekommen sind. Die Russen halten in der persischen Frage nicht Wort, sie wollen die persische Unabhängigkeit zerstören, in der liberalen Partei wächst die M i tz st i m m u n g g e g e n Rußland. Ich sehe nicht ein, weshalb wir unser Verhältnis zu Rußland aufrecht erhalten!" Noch im Frühjahr 1914 sagte Gren zu einem Freunde: „Rußland ist uns völlig gleichgültig. Um Rußland werden wir nicht einen Mann und nicht einen Schuß opfern:. Frankreich wollen wir vor Vernichtung schützen." Nach dem Besuche Ssasonows sagte Grey zu einem nichtenglischen Diplomaten: „Ssasonows Absichten lassen uns an Rußlands Friedensliebe ernstlich zweifeln. Der Zar hat nicht die Kraft, einer starken nationalen Bewegung zu widerstehen. Rußland ist die größte Gefahr für den eitropäischen Frieden. Unser ganzer Einfluß wird nötig sein, damit Rußland keinen Krieg heraufbeschwört." Diese Veröffentlichung des gut informierten Blattes erregt größte Sensation. Die deutschen Heerführer. Der „Köln. Ztg." entnehmen wir eine kurze Uebersicht über die Lebensläufe unserer Heerführer, soweit ihre Namen bekannt geworden sind. Es sind die Generalinspektoren Generaloberst v. Heer in gen, v. Bülow, Kronprinz Rupprecht von Bayern, Herzog Albrecht von Württemberg, v. Kluck, und die Generalobersten Frhr. v. Hausen, v. Beneckendorff und v. Hinken bürg. Auch der deutsche Kronprinz gehört zu den siegreichen Feldherren, aber auf dessen Werdegang brauchen wir nicht einzugehen, den kennt jedermann. Josias v. Heerin gen. Als Sohn tcs letzten Generalintendanten des kursürstiichen Hos- theaters in Kassel 1850 geboren, besuchte cr das Gymnasium in Kassel, kam von ihm aus in das Kadettenkorps und verliefe es im April 1867 als Portepeefähnrich. Er wurde dem hessischen Fü- silierregiment Nr. 80 überwiesen und im August 1868 zum Sekonde- leutnant befördert. Als solcher machte er den Krieg gegen Frankreich mit, wurde aber schon in der Schlacht bei Wörth schwer verwundet. Nach seiner Genesung nahm er noch teil an der Belagerung von Paris; für seine große persönliche Tapferkeit erhielt er das Eiserne Kreuz zweiter Klasse. Auch nach dem Feldzug blieb cr bei seinem Regiment, wuroe 1875 Premierleutnant, 1876 als Adjutant zur 62. Jnsantericbrigade befohlen, 1877 in das Infanterie-Regiment Nr. 116 versetzt. Schon 1879 auf ein Jabr zur Dienstleistung im Generalstab besohlen, wurde er 1880 tzanpl- mann im Gencralstab, kam 1882 zum Gencralstab des IX. Arinee- korps, 1884 zu dem der 22. Division; 1886 wurde er Kompagnie- chef im Jnianterie-RegimeiN Nr. 91, ein Jahr darauf Major im Kriegsministerium. Drei Jahre blieb er dort, wurde dann Ba- taillonskommandeur im Infanterie-Regiment Nr. 117, von wo aus er 1892 unter Zurückversetzung in den Generalstab der Armee Ab- teilungschef im Grossen Generalstab wurde. Juni 1892 wurde cr Oberstleutnant, 1895 Oberst und Kommandeur des Infanterie- Regiments Nr, 117. 1898 wurde cr wieder in das Kriegsministe- rrum versetzt und bald darauf zum Direktor des Militär--Ockoiwmie- depariemeuts daselbst ernannt unter Beförderung zum Generalmajor. 1901 wurde v, Heeringen Generalleutnant, zwei Jahre später Kommandeur der 22. Division. 1906 wurde er mit der Führung des II. Armeekorps in Stettin beauftragt, und gleich daraus zum General der Infanterie ernannt unter Beförderung zum kommandierenden General dieses Armeekorps. Als mit dem Rücktritt des Fürsten Bülow 1909 auch der Kriegsminisrcr v. Einem zurücktrat, fiel die Wahl des Kaisers auf v. Hceringeii' er wurde »um Nachfolger v. Einems ernannt. In dieser Stellung blieb er bis zum Sommer des vergangenen Jahres; seine größte Tal war die Einbringung der Mlliardeiivorlage. Die Annahme der gewaltigen Vorlage sollte er in diesem Amte aber nicht mehr erleben; am 4. Juli 1913 trat cr zurück, sein Nachfolger wurde, wie bekannt, d>w General v. Falkenhann. Josias v. Heeringens neues Amt wurde die 2. Generalinspektion, die er als Nachfolger des Frhrn, von der Goltz übernahm. Am letzten Geburtstag des Kaisers erfolgte seine Beförderung zum Generalobersten. In dieser Stellung und in diesem Range traf ihn der Ausbruch des grossen Krieges, für den ihn das Vertrauen seines kaiserlichen Herrn zum Heerführer einer Armee gegen Frankreich berief. Karl v. Bülow. , Die Laufbahn dieses Heerführers ist nicht minder reich an rafchen Erfolgen wie die v. Hceringens. 1846 in Berlin geboren als Sohn des Oberstleutnants a. D, Paul v. Bülow, besuchte er zunächst das Gymnasium zu Hamm uich nachher das WUhclms- «ymuasium zu Berlin. 1864 trat er als Junker in das ziveile Garderegimcnt zu Fuß ein. Ten Krieg von 1866 »iachke er als Leutnant mit; er wurde, nachdem er die Gefechte bei Soor und Königinhos und die Schlacht bei Königgrätz mitgeschlagen hatte, am 12. Juli 1866 zum Sekondelculnant ernannt. Während des deutsch-französischen Krieges war er zunächst Adjutant des 1 Bataillons des Berliner 2. Landloehrregiments, dann Regimentsadjutant desselben Regiments, nahm an den Belagerungen von Straßburg, Paris und an der Schlacht am Mont Valerien mit solcher Auszeichnung teil, daß er das Eiserne Kreuz zweiter »lasse erhielt. Im Dezember 1871 wurde er Preniierleumant und im März des folgenden Jahres als Adjutant zur Inspektion der Jn- fanterieschulen kommandiert. Im Jahre 1876 auf ein Jahr zur Dienstleistung beim Großen Gencralstab kommandiert, wurde er 1877 Hauttmann im Generalstab. Zwei Jahre darauf wurde der damals 33 Jahre alte Offizier zum Generalstab des 9. Armeekorps in Altona versetzjt, bei dem er zwei Jahre lang verblieb, um 1881 zum Generalstab der 4. Division nach Brombcrg versetzt zu werden. Im Januar 1884 wurde er Komvagniechef im Infanterieregiment Nr. 96, 1885 unter Ileberwcisung zum Großen Generalstab in den Generalstab der Armee zurückversetzt, erhielt 1856 die Ernennung zum Major und die Benetzung zum Geue- ralstab des 2. Armeekorps in Stettin. 1887 kehrte er ivieder in den Großen Gencralstab nach Berlin zurück. 1886 der Kommission zur weiteren Bearbeitung des Exerzierreglements für die Feldartillerie zugeteilt, wurde cr zwei Jahre darauf Chef des Gcneral- stabs des Gardekorps, einige Monate später Oberstleutnant, 1893 Oberst, 1894 Kommandeur des 4. Garderegiments zu Fuß. 1897 wurde v. Bülow in das Kriegsministerium versetzt und mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Direktors des Zenrraldepartements beauftragt, März 18!ktz wurde er unter Ernennung zum Direktor Generalmajor, 1960 Generalleutnant, 1901 Kommandeur der 2. Garde-Jnsanteric-Division, ein Jahr später Generalquartiermeister. Im Jahre 1903, am Geburtstag des Kaisers, mit der Führung des 3. Armeekorps beaustragt, wurde er im März desselben Jahres kommandierender General des Armeekorps und 15 Monate später General der Jusanlerie. Bis zum Jahre 1912 blieb er aus diesem Posten. Während der großen Kaisermanövcr, die 1912 in Sachsen abgehaltcn wurden, war er Armcesührer der Roten Partei. Seinen Erfolgen während Meiert Manöver hatte er es zu verdanken, daß er fchon am 13. Sep-, lcmber desselben Jahres zum Generaloberst und Gencralinspekleur der 3. ArmeeinspettioN in Hannover ernannt wurde, ivomit ihm das 7., 9. unb 1t. Korps unterstellt wurden. Außer dem Eisernen Kreuz besitzt er an hervorragenden Orden das Militärehrenzeichen erster Klasse, sowie den Schwarzen Adlerorden und das Großkreuz des Roten Adlerordens! mit Eichenlaub. Er ist Chef des Grena- dierrcgiments Nr. 12 und steht ä In suite des 2. Garderegtmcnts zu Fuß. Binnen kurzem kann er sein 50jähriges Dienstjubiläum feiern. Kronprinz Rupprecht von Bayern. Kronprinz Rupprecht, der die Ehre hatte, den ersten großen Sieg in offener Schlacht in dem großen eurrxäychen Kriege zu, gewinnen, wurde am 18. Mai 1869 als Sohn des Prinzen Ludwig von Bayern und der Prinzessin Maria Titretta, Erzherzogin von Oesterreich d'Este geboren. Nach einer militärischen. Erziehung studierte er in München und Berlin. Am 8. August 1886 wurde er Sckondeleutnant im bayrischen JNfanterie-Lelbregiment, wurde 1888 in das 3. Feldartillerieregüiient versetzt, ein Jahr darauf unter Stellung tz In suite des Regiments bis auf weiteres beurlaubt. Am 1. August 1891 wurde er als Oberleuttrant in den etatsmäßigen Stand des Regiments wieder eingereiht, zwei Monate später in daS 1. Schwere Reiter-Regiment versetzt, wo cr zum Rittmeister ausrückic und als solcher eine Eskadron führte. 1895 wurde cr Hcruptmcmn und Komvagniechef im Jnfanterie-Leib- regiment, 1896 daselbst Maior und -Bataillonskommandeur. Prinz Rupprecht unterbrach dann den aktiven Dienst, um eine Reise nach Indien zu machen, wurde 1899 Oberst und Kommandeur des 2. Infanterie-Regiments Kronprinz und 1900 Generalmajor und Kommandeur der 7. Infanterie-Brigade. Im Juli 1903 wurde er, nachdem er zuvor wiederum eine längere Reise nach Indien, Japan und China gemacht hatte, Generalleutnant und im Jahr daraus Kommandeur der 1. Division, 1906 kommandierender General des 1. Armeekorps und als solcher General der Infanterie. 1907 wurde er Inhaber des 20. Infanterie-Regiments. Politisch trat Krmiprinz Rupprecht im Jahre 1900 dadurch hervor, daß er am 27, Mai dieses Jahres in einer Vertreterversammlung des bayrischen Flottenvereins zu Müncheii sich krästig für die damals vorliegende Flottcnvorlagc aussprach. Tie Werbearbeit des Flottenvereins aber unter der Führung des Generals Stein wurde für den Kronprinzen Rupprecht im Dezember 1907 der Anlaß, das Protektorat über d:n bayriscken Landesverband des Flottenvereins niederzutegen. Seine letzte mititärisehe Stellung war die des Inspekteurs der vierten Armeeinspektton in München, als welcher er zum Generalobersten ernannt wurde. Herzog Albrecht von Württemberg. Herzog Albrecht, der Thronfolger Württembergs, ist am 23. Dezember 1865 als Sohn des Herzogs Philipp von Württemberg und der Erzherzogin Maria Theresia, einer Tochter des früheren Generalissimus der österreichisch-ungarischen Armee, des verstorbenen Erzherzogs Albrecht, in Wien geboren. 1883 wurde er in die württembergifchc Armee als Leutnant ü la suite des 19. Ulancn- Regimeitts eingestellt, bezog aber zunächst die Universität Tübingen. 1885 trat er in das Regiment selbst ein und blieb dort bis 1890. Dann wurde er als Hauptmann in das 119. Grenadier- Regiment versetzt, blieb dort ein Jahr und ging dann wieder in sein altes Regiment zurück. Späterhin stand er als Bataillonskommandeur bei jenem Grenadier-Regiment und wurde dann 1896 Kommandeur des 26. Dragoner-Regiments. Im September desselben Jahres erhielt cr ein Kommando in Preußen; er wurde an die Spitze der 4. Gorde-Kavalleriebrigade gestellt, welchen Posten er bis Herbst 1900 innehatte. In württembergischen Militärdienst trat er dann ivieder zurück als Kommandeur der 51. Jnfimterie- brigade, ein Jahr später wurde er Generalleutnant und Kommandeur der 26. Division in Stuttgart. September 1906 erhielt er das Kommando des 13. Armeekorps, das er bis zum 1. April 1913 führte, zic we!ck)cr Zeit cr zum Generalinspektor der 6. (bisher 1.) Armeeinspektion (4,, 11, und 13. Armeekorps) ernannt wurde. Im Herbst 1913 wurde er zum Generaloberst befördert. Alexander v. Kluck. Alexander Kluck wurde am 20. Mai 1846 zu Münster i. W. geboren und ttat am 13. Oktober 1865 als Avantageur beim Jnsauterie-Regimeut Nr. 55 ein. 1866 machte er den Feldzug bei der Main-Armee mit und niinlde am 16. August desselben Jahres zum Leutnant befördert. 1870/71, im Kriege gegen Frankreich, nahm cr an der Einschließung von Metz und bei den Schlachten von Colombay, Nouilly, Bionville und Gravelotte teil; in der erstgenannten Schlacht wurde er durch einen Strefis- schnß am rechten Unterarm Und einen Prellschuß aus den Leib verwundet. Mit dem Eisernen Kreuz Weiter Klasse ausgezeichnet, kehrte er aus dem Fell« zurück, wurde 1872 zum 73. FüsilieiM Regiment kommandiert, nachdem er zuvor noch einige Zeit der Okkupationsarmee angehürt hatte. Im Oktober 1873 wurde er Prcmierleulnant, am 27. Januar 1876 Wjutant der 28. Infanterie-Brigade in Wesel. Er blieb bis 1879 in dieser Stellung, wo cr als .Hauptmann und Kompagniechef in das Infanterie- Regiment Nr. 53 versetzt wurde. Am 30. Juli 1881 ivurde er Kompagnicsührer au der Untcvoffizierschule in Jülich und nicht ganz ein ^ahr später Kommandeur der Unterofsihicr-Borschulz des Militär-.ünaben-Erziehungsinstituts in Annaberg. 1887 rückte er zum Major auf und wurde am 1. Juli 1888 Kommandeur der Unteroffizier-Vorschule in Neubreisach. 1889 kam cr als Baiaitlons- kommandcur in das Infanterie-Regiment Nr. 66, wurde 1893 Oberstleutnant und 1896 am Geburtstag deS Kaisers Kommandeur des Landwehrbezirks Berlin 1. In dieser Stellung erfolgte im April desselben Jabres seine Beförderung zum Obersten. Im Juni 1898 wurde Oberst Kluck dann Kommandeur des Füsilier- Regiments Nr. 34, erhielt am 22. Mai 1899 als Generalmajor die 23. Infanterie-Brigade und am 3. April 1902 unter Beförderung zum Generalleutnant die 37. Division. 1906 wurde er am 13. September mit der Führung des 5. Armeekorps beauftragt; einen Monat später initejr Beförderung zum General dev Jnsauterie zum kommandierenden General dieses Armeekorps ernannt, das er am 11. September 1907 mit dem l. Armeekorps vertauschte. 1909 am Geburtstage des Kaisers wurde cr in den erblichen Adelstand erlwben. Am 10. September 1910 wurde er ä !a suite des Grenadier-Regiments König Friedrich Wilhelm I. Nr. 3 gestellt und am 1. Oktober 1913 zum General- inspekteiir der neuerrichteten 8. Armeeinspektton in Berlin ernannt, die sich aus dem 2 ., 5. und 6. Armeekorps zusammensetzt. Max Freiherr v, Hausen. Max Frhr. v. Hausen, Ritter des Hausordcns der Rautenkrone »nd des Schwarzen Adlerordens, entstammt einem alten fränkischen Geschlecht und wurde am 17. Dezember 1846 in Dresden geboren. 1863 trat er als Portepeefähnrich beim damaligen 3. Jägerbataillon, dem heutigen 2. Jägerbataillon Nr, 13, in Me akttvc Armee ein und wurde ein Jabr später zum Leutnant befördert. Z866 zog er mit seinem Bataillon ins Feld und nahm cm der Schlacht von Königgrätz ruhmreichen Anteil; noch während des Feldzugs wurde er zum Premierleutnaut ernannt. Seit 1867 Adjutant^ des Jägerbataillons Nr. 13, machte er mit ihm den Krieg 1870/71 mit und zeichnete sich besonders in den Schlachten bei St. Privat, Beaumont, Sedan und währeird der Belagerung von Paris aus. Für seine Tapferkeit erhielt er das Eiserne Kreuz 2. Klasse und das Ritterkreuz 1. Klasse des Albrechtordens mit Schwertern. Am 1. Ocktobcr 1871 wurde cr in das Schlitzen- regiment Nr. 108 versetzt und gleickzzeitig für drei Jahre zur Kriegsakademie in Berlin kommandiert. Zu Begürn 1872 erfolgte seine Beförderung zum Hauptmami. Am 19. März 1874 kehrte er als Komvagniechef in das Jägerbattiilloir Nr. 13 ziurück und blieb reichlich em Jahr in dieser Stellung. Bon 1875 an war er teils beim preußischen Großen Gencralstab, teils beim sächsischen Generalstab in verschiedenen Stellungen tätig. 1881 Maior, wurde Frhr. v. Hausen 1887 unter Beförderung zum Oberstleutnant zum Kommandeur des 1. Jägerbataillons Nr. 12 und 1890 zum Obersten und Kommandeur des 2. Grenadier-Regiments Nr. 101 ernannt. Am 9. März 1892 wurde er Zinn Chef des sächsischen Gcneral- stabes ernannt, wurde im März 1893 Generalmajor. Am 1. März 1895 wurde er wieder in den 6)roßen Generalstab kommandiert imd war dort zwei Jahre tätig. 1897 zum Generalleutnant befördert, übernahm er das Kommando der 32, Division Mid ani 23. März 1900, nach dem Rücktritt des Prinzen Georg, des nachmaligen Königs, das Kommando des 12, Armeekorps, als welcher er am 12. Mai 1901 General der Infanterie wurde. Am 26. August 1902 wurde er jedoch von dieser Stellung enthoben und drei Tage darauf als Nachsolger des Generals v. der Planitz zum sächsischen Kriegsminister ernannt. An seinem 64. Geburtstag, dem 17. Dezember 1910, wurde er vom König von Sachsen zum Generalobersten befördert, am 1, September 1912 crtfielt er nach dem Tode des Justtzministers Dr. v. Otto als dienställester Staatsminister den Vorsitz im Gesamtministerium. Am 20. Mai 1914 trat er von seinem Amt zurück und wurde mit Genehmigung seines Abschiedsgesuches zur Disposition gestellt, unter Ernennung zum GeneralaMutanten des Königs und Belassung im Verhältnis als Chef des Infanterie-Regiments Nr, 182 und ü I» suite des. Jägerbataillons Nr. 12. Paul von Beneckendorff und von Hindertburg. Am 2. Okwber 1847 in Posen geboren, besuchte er das Gymnasium in Grofe-Glogau, kam zum Kadettenkorps und von dort aus am 7. April 1866 als Sekondeleutncmt in das 3. Gardercgi- ment zu Fuß. Er nahm in dem Kriege gegen Oesterreich teil an den Gefechten bei Soor und Königinhof sowie an der Schlacht bet Königgrätz, wo er leicht verwundet wurde, 1870/71 naMn er an den Schlachten Gravelotte, St. Privat und Sedan, weiter Mi der Belagerung von Paris und der Erstürmung von Le Boirrget teil und erwarb sich das Eiserrre Kreuz zweiter Klasse. 1872 wurde er PremierleiUnant, besuchte drei Jahre lang die Kriegsakademie und wurde am 1. Mai 1877 zur Dienstleistung beim (tzrvßen Generalstabe kommandiert und am 14. April 1878 unter Beförderung zum Hauptmann und unter Belassung beim Großen Gcneral- stabc in den Generalstab der Armee versetzt. Er kam zum 2. Armeekorps, 1880 zum Generalstab der ersten Division und trat im April 1884 als Komvagniechef im Jnsanterieregiment Nr. 58 wieder in den Frontdienst. Schon ein Jahr darauf aber wurde cr wieder in den Großen Generalstab berufen, wo er bald zum Major aufrückte, 1888 kam er zum Generalstab des 3. Armeekorps, 1889 wurde er in das Kriegsmirttstcrium versetzt. Zunächst war cr dort mit der Wahrnehmung der Geschäfte eines Abteilungschefs beauftragt; 1890 wurde ihm die damalige Abteilung für Fußtruppeu unterstellt. 1891 wurde er Oberstleutnant, 1893 Kommandeur des Infanterieregiments Nr. 91. 1894 erfolgte seine Beförderung zum Oberst, zwei Jahre daraus wurde cr zum Chef des Gencralstabes des 8. Armeekorps ernannt. Noch im selben Jahre wurde er Brigadelomniandeur, 1897 Gcneralnrajvr, 1900 als Generalleutnant Kommandeur der 28. Division. 1903 erhielt er die Führung des 4. Armeekorps,, wurde zum.kommanMerenden General dieses Korps ernannt, 1904 wurde er zum General der Jnsanterie befördert. März 1911 wurde er auf sein Abschiedsgesuch hin zur Disposition gestellt. Die Siegesnachricht des Gcneralquarttcr- meisters bezeichnete unfern General heute als Generalobersten. Es ist anzunehancn, daß er jetzt zu Beginn des Krieges bei 'der Ucbernahmc seines Amtes als .Heerführer in diesen.Rang erhöht worden ist. Ueber seine Tapferkeit berichtet die Regimentsgeschichtc des 3. Garde-Regiments zu Fuß aus der.Schlacht bei Königgrätz folgendes: „Plötzlich erhielten die Schützen des Leutnants v. Hin- denburg Kartätschenseuer. Bon Rosberitz aus war eine Batterie herbeigecilt und hatte aus nächste Entferiruna das Feuer gegen diese Abteilungen eröffnet. Nach kurzem Schnellfeuer warf' sich Leutnant v. Hindenburg im „Marsch! Marsch!" auf die Geschütze". .....Bon einer Kartätschkugel am Kopf gesttcift, sinkt Leutnant v. Hindenburg «inen Augenblick betäubt zu Boden. Als er schnell wieder ausspringt, sieht er bereits drei Geschütze in Händen seiner Leute, während zwei andere Geschütze, das eine von drei, das zweite nur von einem Pferde gezogen, in Richtung auf Wsestar zu entkommen suchen. Auch diese beiden Geschütze werden von der 5. Kompagnie erobert, als sie in einem Hohlweg zwischen Rosberitz und Sweti stecken bleiben. Es war aber leider nicht möglich, die Kanonen zurückzuschafsen; man mußte sie stehen lassen." v. Hinden- burg erhielt für sein tapferes Verhalten den Roten Äldler-Orden 4. Klasse mit Schwertern. Wie man sielst, ist das Leben unserer Heerführer reich an Erfolgen und reich an persönlichen Berdiensten. Sie sind die bewährtesten Generale unseres deutschen Heeres) und die vielen Erfolge, die wir jetzt zu Beginn deS großen Krieges unter ihrer Leitung schon zu verzeichnen haben, bärgen uns dafür, daß der Kaiser mit ihrer Ernenmrwg die richtigen Männer an den richtigen Platz gesetzt hat. Au» Stadt und Lauv» Gießen, 1. September 1914. Ein Brief unseres Großherzogs von« Kriegsschauplatz. Die Großherzogin hat einen vom Kriegsschauplatz geschriebenen Bri es des Großherzogs erhalten, aus dem wir einiges mittcilen können. Der Großhcrzog berichtet laut „Darmst. Ztg.": „Die Hauptsache ist, daß wir den Sieg haben. Bei uns sing die Schlacht in dichtem Waldgestrüpp an. Es war ein furchtbarer Kampf. Ich erinnere mich, daß mein Vater sagte, das Schlimmste sei ein Waldgesccht, wobei keiner den andern sieht. Die folgende Nacht schliefen wir alle in einem Haus aus Stroh, hoffend auf den nächsten Tag. Dieser brachte uns eine siegreiche Verfolgung. Gestern stand der Feind uns mit neuen Kräften gegenüber. Unsere Leute mußten nach der am vorherigen Tag geschlagenen Schlacht Tag und Nacht laufen, um zur Stelle zu kommen. Unsere Regimenter haben sich so großartig geschlagen, daß alles davon sprach. Friedrich (Prinz Friedrich Karl von Hessen) ist ein Held, seine Leute begeisternd, immer voran. Man erlebt zuviel. Der Tod wird Nebensache. Man sitzt zwischen Toten, Verwundeten, Pferden usw. Es ist, als ob es so sein müßte. Mer dann überkommt einen« doch das Gefühl, wäe das alles so unnatürlich ist." * ** Aus dem Militär Wochenblatt. Schmitz, Vize- feldwcbel (Gießen), zum Leutnant der Reserve des 5. Großh. Hess. Jns.-Regts. Nr. 168 befördert. ** Den Heldentod fürs Vaterland haben in den letzten acht Tagen neben den zahlreichen Mannschaften und Unteroffizieren der hessischen RegimMter in den gewaltigen Kämpfe» an der Westgrenze auMviele Offiziere aus bekannten hessischen Familien erlitten. So wurde das Ableben des Leutnants Grafen zu D o h » a-Schlodieu und des Leutnants d. R. Dr. Ludtvig Becker aus Fricdbrrg gemeldet. Die heutigen Tagesblätter cnthkEen ferner Bekanntmachungen über den Heldentoo des Leutnants Ernst v. d e n Bä n ck e n (115. Jnf.-Rgt., dessen zukünftiger «Schwiegervater, Generalmajor v. Hartman», die Leiche zuerst ans dem Schlachtfeld bemerkte, ferner starb im Felde dar hoff- mrngsvollc Sohn des Oberstallmeisters M) Frhr. R i e d e s e l zu Eisenbach, der Hauptmann und Kvmpagnieches Paul v Hombe r zk zu Bach (116. Jnf.-Oigt), ein Beiter unseres Ministers des Inner», der Hauptmann d. R. Obcrpostprakti- kant Karl Schuchmann, der Major und Abteilmifls- sommandeur Reinhart von Zangen, ein Schwiegersohn des Gcneralstaatsanwalts Tr. Praetorius u. a. Besonders schwer ist auch die Familie unseres Staatsministers Tr. v. Ewald getroffen worden. Nachdem bereits in den ersten Lagen der MobilmaclMNg sein Schwiegersohn, Leutnant v. Gustadt, durch einen Sturz mit dem Pferde scl/wer verletzt wurde, traf heute die Traucrmeldung ein, daß der einzige Sohn des Staatsministers Tr. v. Ewald im Fcloe gefallen ist. Ehre dem Andenken dieser Tapferen. A u s z u g a u s d c r B e r I u st l i st e. Leutnant Hans Schäfer im Inf.-Regt. Nr. 87, Sohn des verstorbenen Seminardirektors Schäfer in Friedberg, tot. — Leopold Stern, Unteroffizier d. R. im Jnf.-Regt. Nr. 81, aus Friedberg, tot. — Engel, Sohn des Briefträgers Enget in Friedberg, tot. ** Feldpostb riese. Ten zahlreichen Einsendern von Briefen und Postkarten von im Felde stcheirdcn Angehörigen teilen wir mit, dag wir von Veröffentlichung solcher absehen müssen. Wir wissen, daß jeder Einzelne seine Schuldigkeit vor dem Feinde lut, wissen ferner, daß unseren Soldaten der Humor im Felde nicht ansgeht, und wissen auch, daß treue Kameradschaft in Augenblicken der Gefahr geübt wird, lieber Einzelcrlebnisse zu berichten ist nicht möglich, umsomehr, da uns gestern eine amtliche Anweisung zugegangcn ist, wonach Schilderungen von im Felde stehenden «aldaten und von Gefangenen in der Presse nicht mehr verbreitet werden dürfen. ** Erholungsaufenthalt im Botanischen Warten. Für die Genesenden unserer Lazarette und deren Begleitung ist der Botanische Garten als E r h o - lungsaufcnthalt zur Verfügung gestellt. Bänke und Stühle sind vorhanden und werden nach Bedarf noch beschosst werden. Sollten die Lazarette noch besondere Wünsche haben, so wird die Verwaltung solche jederzeit entgegcnnehmen. ** Lebens in ittelvcrkaus am, Sonntag. Der kommandierende General des 18. Armeekorps hat, wie bereits bekannt gegeben wurde, die Anordnung, wonach die Vorschriften über die Sonntagsruhe außer Kraft treten, wieder aufgehoben. Es greifen hicrnacb.ne gesetzlichen: Borschritten über die Sonntagsruhe wieder Platr. Nachträglich ist jedoch der Verkauf von Lebens- Mitteln an Sonntagen bis 7 Uhr abends gestattet worden. ' "Einenpraktischen Vorschlag macht ein Leser des „Diesb. Tagbl.". Er schreibt: Me diejenige», deren Angehörigen im Felde stehen, wissen, wie sehnsüchtig Lebenszeichen unserer Lieben ertvarret werden. Wer schnell AMwort hoben will, dem empfehle ich folgendes Mittel: Legt allen euren Briefen einen oder mehrere Briefumschläge mit Adresse, mit Tinte klar geschrieben, und einen oder mehrere Briefbogen zur Antwort bei. Tie portosreie Gewichtsgrenze für Feldpostbriefe ist so wett gezogen, daß das ohne Uebergewicht möglich ist. Tie Besorgung von Briefbogen und Tinte macht den Soldaten sehr ost die größten Schwierigkeiten. Beherzigt man meinen Vorschlag, so wird mancher Brief eher, als es sonst geschieht, die Ungewißheit beseitigen, die einen quält, wenn man tagelang ohne Nachricht geblieben ist. ** Ersparnis an Beleucht ungsko st en. In der jetzigen Zeit, in der alles teurer wird, ist es wohl angebracht, daraus hinzuweisen, daß der clektrisckfe Strom zu denselben Preisen wie srüher zur Abgabe gelangt, zum Unterschiede von Petroleum, für welches gerade in den letzten Tagen die Preise teilweise in die .höhe gegangen sind und bei langer Dauer des Krieges, wenn die Zufuhr abgeschnitien ist, vermutlich noch iveiler steigen werden. Es ergibt sich hieraus für jeden, der zu rechnen gewohnt und gezwungen ist, die Frage, ob es nicht besser ist, jetzt zur elektrischen Beleuchtung liberzugehen. Abgesehen von den Vorteilen, die für den einzelnen hieraus erwachsen, ist es auch volkswirtschaftlich besser, im Jnlandc erzeugten Strom zu verbrauchen, als ans dem Ausland importiertes Petroleum zu verwenden und so das Geld ins Ausland zu schicken. Da cs vielen nicht bekannt sein dürste, daß auch in normalen Zeitläusen, also bei den früheren billigen Petrolcnm- vreisen die Beleuchtung mit Petroleumlamvcn ungefähr doppelt so teuer ist als die elektr. durch Wotanlampen, sei hier besonders daraus aufmerksam gemacht. Das Liter Petroleum lostete vor Beginn des Krieges in Deutschland wohl durchweg ca. 20 Pfg., die Kilowattstunde für Beleuchtung ca. 30—50 Pfg. Ein ca. 25-kerziger Petroleumbrenner verbraucht 1 Liter Petroleum in 10 Slunden, es kostet somit die Brcnnstunde 2 Pfg. Die gleichwertige 25-kcrzige Wotanlamve verbraucht eine Kilowattstunde in ca. 40 Stunden, was pro Brennslundc bei 10 Pfg. Kilowaltsiundcnvreis etwa für 1 Pfg. Elektrizität ausmacht. Da jetzt fast sämtliche Gewerbe, so auch das der Installateure, zu einem unfreiwilligen Stillstand gezwungen sind, so bietet sich augenblicklich wohl eine gute Gelegenheit, die Installation von elektrischer Beleuchtung zu niedrigen Preisen vornehmen zu lassen, da jeder Installateur zufrieden sein wird, jetzt Aufträge zur Ausführung bringen zu können. Die geringen Kosten, die die Installation erforderlich macht, machen sich in kurzer Zeit durch Ersparnis bei dem Lichtvcrbrauch bezahlt. Zu berücksichrigen ist auch, daß das elektrische Licht eine viel größere Beauemlichkcit der Bedienung gewährleistet und eine viel größere Gewähr gegen Fcucrsgesahr bietet, was namentlich dort berück- sichttgt werden sollte, wo Kinder im Hause sind. Landkreis Gießen. -n. Lang-Göns, 1. Sept. Daß auch in unserer Gemeinde batriolische Begeisterung und großer Opfersinn herrscht, zeigte sich schon bald nach Bekaiiiitwerden der Mobilmachung. Es wurde ein h i l s s v e r e i n gebildet, der durch seine rege Tätigkeit einen großen Erfolg batte. An zwei Tonnlagen wurden durch Mitglieder des Ausschusses zum Besten des „Roten Kreuzes" und zur Unterstützung der durch den Krieg in Nor geratenen hiesigen Einwohner 1536 Mt. gesammelt. Zn den Betstunden, die jeden Mittwoch abgchaltcn werden, wird jedesmal eine Kollekte erhoben, die obigem Zwecke dienen soll, und schon setzt eine schöne Summe ergeben hat. Auch andere Spenden ginge» ein. So wurde» allein ca. 18 Zentner Bohnen geliefert und annähernd 2200 Eier gesammelt. Diese Gaben werden in den nächsten Tagen der Zentralleitung vom „Roten Kreuz" zugesandt. Bon Frauen und Jungfrauen werden Socken für die tapferen Krieger gestrickt, Hemden genäht und viele andere Gegenstände, wie Bettücher, Armtücher, Handtücher, Pulswärmer usw. hergestcllt. Kreis Friedberg. Friedberg, 31. Aue. Eine Anzahl hiesiger Ladengcschästc ist überein gekommen, an Werktagen jetzt, der Lichlersparnis halber, um 7 11 6v abends zi, schließen. Eie solgeu damit dem guten Beispiel der Stadtverwaltung, welche die Laternen ein« Stunde srüher ivie sonst ausmachen läßt. Hessen-Nassau. h. Frankfurt a.M., 31. Aug. Der Erste Staatsanwalt Dr. B l u h m e wurde zur Mitwirkung in der deutschen Zivilvcrwaltung Belgiens berufen. h. Frankfurt a. M., 31. Aug. Biele Frankfurter, die Inhaber russischer, englischer, sapanischer und belgischer Orden sind, haben, dem guten Beispiel anderer „Ritter" fol-- gend, diese Auszeichnungen jetzt veräußert und den dafür erhaltenen Betrag dem stioten Kreuz überwiesen. Verschiedentlich wurden die Orden in amerikanischer Versteigerung losgeschlagcn, eine Methode, die sich als recht lohnend und allseitig jubelcrregend erwies und darum zur Nachahmung empfohlen werden kann. Quittung. Für die D e r m u n d e t e n der Marine gingen weitere Beiträge ein von i Oberlehrer Weber 4 Alk., Frau Bender 3 Mk., Frau Schlcuke l0 Mk., llugenaimt 3 Mk., deSgb 2 Mk., Fräulein Schneider 3 Mk., Ilugenaunt 10) Mk., Prost Dr. Trapp 10 Mk., Lehrer Habicht 10 Mk., ziilammen 145 Mk.; tut aanjen mit de» srüderen Spenden von 108 Mk.: 253 Mark. — Mi! aufrichtigem Dank sür diese hochherzigen Svenden bittet um weitere Beiträge Prost Pötzing, Gocthestratze 19. Gerkchtrsaal. b F r a n k! n r t a. M., 31. Ang. Urner dem Vorsitz des Land» gericdtSdirrktors Dr. Heldmanu beganu l>eule der Prozeß gegen den früheren Leiter der Frankfurter Sittenpolizei, Kriminalkommissar Robert - ehmidt. Deo Angeklagten wird zur Last gelegt, in Kiel, wo c srüher tätig war, in beirügcrischer Weise Rennwetten abgesch!o>i?n und hier in Frankfurt der Inhaberin eines verrufenen Hauses >i etzwidrige und u»erlaubte Beo »siigungen verschafft zu haben. Von den zur Perhandlunq geladenen Zeugcu sind die Kieler nicht erlchienen. Der Kieler Betrugsfall kommt deshalb erst später zur Verhandlung. Auf Antrag des SlaatSanwalls beschloß da? Gericht den vollständigen Ausschluß der Oesseutlichkeit, auch der Presse. (WTB.) Straßburg, 31. Aug. (Nichtamtlich.) Wie die „Straßburger Post" aus Basel berichtet, hat das Baseler Strafgericht am 26. August den Agenten Adolf Reißer aus Senn- Heim im Ober-Elsaß, der als Mitglied eines französischen Spionagebureaus sestgestellt wurde und elnräumtc, daß er seit Jahren zugunsten Frankreichs Spionagcgeschäste betrieben und dafür reichliche Geldunterstübungen aus Belsort erhalten habe, auf Grund des schweizerischen Sprcngstofsgesetzes zu drei Jahren Zuchthaus und lebenslänglicher Ausweisung aus der Schweiz verurteilt. Reißer bewahrte in seinem Keller feit vier Jahren eine mit Benzinsäure gefüllte Bombe, welche zur Sprengung der Eiscirbahu- brücke bei Waldshut wahrend der Fahrt eines deutschen Militärzuges bestimmt war. vermischter. * D i e Krankheit im Kriege, Wenn er bet den unerhört schweren Opfern, die diele: gewaltige Krieg fordert und fordern wird, noch einen leisen Trost gibst so ist es der, daß die VicuschenVerluste schließlich doch im Verhältnis zu früheren Zeiten geringer sein werden. Einmal, weil die modernen Waffen .humaner' wirken und das Sanitatsweseu unvergleichlich bester organisiert und leislimgS'ähiger ist als in vergaugeucu Kriegen, dann aber, weil Krankheiten, eben wegen der Vervollkommnung desselben, nicht im cutieruleslen mehr so schädlich wirken al; einstmals. Bis 1806 raffle» sie mehr Menschenleben dahin als die Waffen. Folgende Tabelle tut den Fottscbritt unwiderleglich dar. Es verhielt sich die Zahl der au Krankheiten Gestorbenen zu der durch die Waffen Gclölelen >m Rnsülch-Türklichen Kriege 1828/29 . auf russischer Seite wie 4:1 Krimkrlege 18ö4tt>6........englischer , , 3,7:1 Krnnkriege ]s54'66. . . ..... französischer. „ 3,9:1 Preubiich-Oesterrei,bischen Kriege 1806 , preußischer „ , 1,4:1 Preubiich-O'csterreichischen Kriege 1866 „ öste, reich. „ , 3,1:1 Teutich-Frauzösischeu Kriege 1870/71 , deutscher , , 0,5 : 1 Eine Ausnahme später machte wegen der jammervollen Zu- stände, dir ini russischen Heere bei der Intendantur und tm Sani- tätSivejeu herrschten, der Russisch-Türkische Krieg von 1877/78. Da war das Verhältnis bei der russischen Donan-Armee 2,5: 1 und bei der Kaukasus-Armee 18,8: I. * Frankreich als Apollo. Bismarck liebte bekanntlich drastische Vergleiche. Nicht bloß in seinen ossizicllen Reden, sondern auch im Drivatgefpröch. So hatten seine Unterhaltungen stets einen besonderen Reiz, und dieser ist cs, der den Auszeichnungen von Moritz Busch über die Ilnterbalkungen zwischen dem Bundeskanzler und seinem Stabe im Felde bauerndes Interesse bewahrt hat. Gelegentlich solcher Gespräche erwähnt Bismarck lerne Abneigung gegen den Führer der Musen, den Gott der Dichtkunst, Apollo. Er behauptet, er hätte ihn nie leiden können, und fügt hinzu: „Er ist '»er echte Tvvus eines Franzosen, einer, der es nicht ertragen kann, daß jemand bester oder ebcniogut wie er die Flöte spielt." An diese Charakteristik der Franzosen muß man unwillkürlich denken, wenn man den Brief liest, den der Kaborcttkünstlcr und Conicreneier Marc Hcnrlf, der seine „Berühmtheit" in Deutschland mehr oder weniger der anniutigcn Gesangskunst seiner Frau verdankt, veröffentlich: hat. In diesem Briese stehen die klastischen Worte: „Als Schriftsteller, als Künstler habe ich tatkräftig bei der intellektuellen Entwicklung dieses großen Landes mitgewirkl." Wäre diese Bekniiptung nicht so maßlos unverschämt, man könnte darüber lachen. Aber Bismarck hat recht: daß einer bester die Flöte spielt als er, kann sich kein Franzose denken. Nun, jetzt wird man ihnen wohl die Flötentöne beibringcn. yiichertisch. „Ter Bölkerkrie g". In diesen» Tagen, wo Deutschland seine ganze nationale Existenz einsetzt, fühlt jeder den Wunsch, sich von dem großen einzigartiqen Weltvorgang, in dessen Schoß« vielleicht eine völlig neue, ungeahnte Zukunft ruht, nichts verloren gehen zu lassen. Diesem Verlangen kommt die Zeitichriit „Der Völkerkrieg" (Verlag Jnl. Hoffman», Stuttgart, entgegen. Die einzelnen Hefte, die im Abstand von 8—14 Tagen auseinander folgen, bilden eine sorgfältig gegliederte, lückenlose Chronik der Ereignisse seit der Ermordung des österreichischen Thronfolgers,, an den Höhepunkten durch Stimmungsbilder uno^packcndc Schilderungen von Augenzeugen lebendig veranschaulicht. Sie bringen die wichtigsten Dokumente im Wortlaut, ferner Aussätze und Briese aus der Feder bedeutender Persönlichkeiten, die im Feld stehen oder »vn der Heimat aus den Gang der Tinge verfolgen.. Tie Zeitschrift, die später ein abgeschlostcnes Ganzes bilden soll, wird für jeden, der die Geschichte dieses Krieges studieren will, ein unenkbehrltches Qnellenwerk sein. Zunächst werden zwanzig Heste znm Preise von je 30 Pfennig erscheinen. Handel. § Ein Rückzug der englischen Regierung... Vor zirka acht Tagen ist aus New A o r k gemeldet worden, daß die englisckie Regierung ein Verbot sür alle englischen Firmen erlassen habe, Geschäfte mit solchen ausländischen Firmen abzuschließen, an denen Deutsche beteiligt sind, sei es auch nur durch einen einzigen deutschen Teilhaber. Entgegen dieser Meldung wird jetzt von der englisckfen Regierung folgendes veröffentlicht: 1. Um zu bestimmen, welche Geschälte mit ausländischen Firmen zngelassen sind, ist es von Belang, zu wissen, nw der ausländische Händler wohnt und seine Geschäfte betreibt, nicht aber, welcher Ralionalität er angchört. 2. Als Regel ist anzngcben, daß keinerlei Schwierigkciteir gegen geschäftliche Beziehungen zu erheben sind, die zwischen britischen Firmen einerseits und deutschen sowie österreichischen Firmen andererseits besteb s ch e Heer steht vor den Toren von Paris: es bleibt Euch nichts übrig, als Euch zu ergeben!" P i ch o n erörtert im „Petit Journal" den Plan, mehrere hunderttausend Japaner (!) zur Unterstützung des Dreiverbandes nach Europa kommen zu lassen, was seiner Ansicht nach bei der voraussichtlich langen Dauer des Krieges wohl möglich wäre. Men ©m^etroffen braune und schwarze 9497a Schulte La SU Marktstr. 9 Für Militärlieferungen 93381 kaufen wir Hafer»?"*«. Roggen Weizen Gerste zn höchsten Preisen. Bär & Wetter hahn Giessen Iiiebigstrasse 3 .J Am 22. August starb fürs Vaterland mein innigst geliebter Gatte und treusorgender Vater, unser Sohn, Bruder und Schwager Arnold Tamm Landwirtschaftslehrer und Leutnant d. R. 9495D Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Anna Tamm geh. Schlüter Giessen, Büdingen, den 31. August 1914. Von Kondolenzbesuchen bitten Abstand zu nehmen. Vergebung von Nüchenbeüürfnissen. Die Lieferung des Bedarfs der im Betriebe der Unterzeichneten Verwaltung sür die Dauer des Krieges erforderlichcn Lebensmittel soll in nachstehenden Losen vergeben werden: Los l. Fleisch- und Wurstwaren Los II. Kolonialwaren . Los III. Gemüse LoS IV. Kartoffeln Los V. Butler, Handkäse, Limburgerkäse, Milch. Angebote sind verschlossen bis zum 4. September der Küchenverwaltung cinznreichcu. Die Eröffnung derselben findet am 8. September 1914, 10 Uhr vormittags, in Kaserne I im Beisein der etwa erschienenen Bieter statt. 9501 Küchenverwaltung des Ersatz-Bataillons Jns.-Regts. Nr.116 Verkauf. Die Gemeinde Steinbach beabsichtigt einen fetten, zirka 20 Zentner schweren Bullen zu verlausen. Angebote sind pro Zentner Lebendgewicht bis zum 2. September l. I., nachmittags ü Uhr, bei Unterzeichneter Bürgermeisterei einzu- rcichen, woselbst die Kaufbedingungen eingcschen werden können. Steinbach, am 27. August 1914. Großh. Bürgermeisterei Steinbach. Krämer. 9450B C. A. Hartmann vormals Otto Rathschlag Fernruf 2064 Seltersweg 817» Aussteuerhaus Wäsche-, Betten-und Steppdecken-Fabrik Neuwäscherei IfS! Licht- und Kraft-Anlage in Marburg Haupt-Katalog und Muster stehen gerne zu Diensten 24a Grojjli. SdilpMiijiim jn Wen. Donnerstag, den 3. September 1914, vormittags 19 Uhr, findet noch eine Xot» prüfnng; zur Erlangung der Unter- bezw. Oberprimareife statt. Bedingung für die Zulassung ist, daß die zu Prüfenden für den Heeres- oder Sanitätsdienst angenommen sind. Anmeldungen sind unter Vorlage der entsprechenden Bescheinigungen sofort an die Direktion zu richten. Gießen, den 31. August 1914. Großh. Direktion des Realgymnasiums. _ Dr. Baur. 9496 D ScltcrsiDCfl 70®^,®*!“ II. Stock, den. 8 Zimmer- Wobuung, Badezimmer, Gas- und elektr. Licht mit altem Zubehör. 9085 Näh. bei Ebcrh. Mcliacr, _ Litdwigsirnffc HO._ 5 Zimmer Crcducrstratzc 14 hübsche 5 Zim. Wohnung nebst Zubehör, Gnrtenanteil?c. zum 1. Oktober z:> vermieten. l 8053 Näheres Hoimannstr. 14. 4 Zimmer 4 Zimmer Wohnung v. los. od. svät. zu vermieten. Näh. «irodo v iilslr 11, i. I.a lea Schulstrafte 11, Stadtvost, gerät»». 4-Zim. Wobnung n» Dachstock per 1. Oktober »u vermieten. Näh S»!m.gva- strabs 14 od. b. Mitsreur Lrttlr, Schulstrafte ll. 8092 3 Zimmer Zwei 3-Zini.-Wohn. z. verm. Kaitcr-Allee 44. 06117 Z-WiM-Wiiliiiiiilg mit Zubehör III. Stock zu vermieten ab 1. Oktober. 9442: Wilbclinitrafte 4k». ! 2 Zimmer | 06392 Schöne2-Zim.-Wol>n, zu verm. H-ammstrafte >5. 06896 2-Zi,nnicr-Wobn. zu verm. Krosdorser Str. 10. 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ICO.— , von Ungenannt............ 50— „ von Frau Geb. Medizinairat Boskiu» . . . 30.— „ vom Verein städtischer Beamten 2. Rate . 100.— » von Wilhelm und Eugen Wallenlels . . . 100.— „ von Mar Friedberger......... 300.— „ von Ungenannt............ 5.— , von Oekonom BehrenS-Friedelbausen . . . 50.— „ von Profeffor Dr. Bnchhold....... 30.— , oon Fräulein Auguste Goerh...... 30.— „ von Geh. Medizinalrat Dr. Haberkorn . . 40.— , von Professor Dr. Walther....... 50.— „ von Karl Noivack........... 50.— „ von Slvoiheker Fritz Bauer....... 50.— » von Justizrat Griinewald 1. Rate .... 100.— „ von Prosessor T............ 100.— . zusammen 1600 — Mk. Mit herzlichem Dank für diese Gaben wird um weilcre Zuwendungen gebeten. 94983 Bekanntmachung. Her Unterricht an den hiesige« Volksschulen beginnt Mieder lt. Beschluß des Schulvorstandes am Donnerstag, dem 3. September. Die Eltern der Schulkinder werden ausgcfordert, snr ordnungsmäßige« Schulbesuch ihrer Kinder zu sorgen. Gießen, den 27. August 1914. Ter Schulvorstand. Keller. 944 » Telephon 403