Nr. 295 Zweit« Blatt Erscheint täglich mit Ausnahme d«S Sonntags. tf>4- Jahrgang leyener Seneral-Anjeiger für Gberheffen Tie „kietzener Zawllienblätter" werden dem ^Anzeiger' viermal wöchentlich beigetegt, das „Nreirdlatt för den Kreis Kietzen" zweimal wöchentlich. Di« „Landwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zw«mal. Kricgsbrtefe aus dem Westen. Bon unserem .KriegAberichterfttttter. (Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.) Großes Hrruptqusrtier, 28. Auy. Am Tage, als auf der ZitadeWe von Naimrr ptt ersten Male in der wechsclvollen Geschichte dieses althistvrischen Kampf- und Kulturgebictes die schwarz-weiß-rote Flagge aufgezogen war, erlebte ich dort gemeinsam mit den sieben anderen zum westlichen Kriegsschauplätze zugelassenen Kriegsberichterstattern und den Ntilitärcrttachös der nen- rralen Mächte einen seltsamen, unbegreiflichen und unver- geftlichen Anblick. Die Verteidigung der berühmten, nach der Meinung der Belgier und ihrer englischen und französischen Berater uneinnehmbaren Festung lag in den letzten Zügen; und die Gerechtigkeit dessen, der weist, daß er sich selbst ehrt, wenn er dem achtungswerten Gegner so viel Ehre gibt, wie ihm gebührt, muh anerkennen, dast die belgischen Artilleristen auf den letzten, unhaltbar gewordenen Forts ein Hell- denstück leisteten, ivenn sie den .Deutschen Kanonen vom Fort Loucin" noch länger Widerstand entgegensetzten. Denn das ivnßtt am Tage, wo Naimrr siel, jeder Belgier, daß ihm das Schicksal jener heldenmütigen einhnndertfünfzig Mann be- schieden war, die unter den Betonblöcken des stärksten Lütticher Forts so tief begraben liegen, daß nie ein Mensch mehr ihr Gebein sinken wird, wenn er in den Fortisillrtioncn. ausharrte. Die Geschichte des Worts Laucin kennt jedes Kind in Belgien. Es galt als das gewaltigste Vcrteidigungswcrk der Neuzeit, durch das Gelände, durch klafterdickc Betondecken und cllenstcrrke Statzkhauben gegen jeden Sck>ust gefeit. Und dann kamen die Deutschen, deren Vaterland von drei Seiten überfallen war, und gaben aus ihren neuen 42-Zentimetergcschützcn, die bis dahin kein Mensch kannte, nur drei Schüsse auf das Wort ab. Alle drei trafen, obwohl die Deutschen zwölf Kilometer entfernt jenseits der Meuse standen. Alle drei trafen und beim dritten gab es einen Krach, als ob die Erde geborsten sei, und an der Stelle, wo vordem Lütsichs stärkstes gort gestanden hatte, gähnte ein Abgrund, ein Felsgewirr, ein Krater, mindestens fünfzig Meter breit und dreißig sief. Und darunter verwesen die Leichen von cinhundertsünszig braven Verteidigern. Das wußten die Belgier seit dem Tage, wo Lüttich gefallen war. Und wenn trotzdem die Forts von Namur Widerstand versuchten, selbst im Augenblick, wo die deutschen 42- Zentimetergeschützc zu brummen begannen, so war das Heldenmut. Ein Heldenmut, der uns Deutsche wünschen läßt, daß die mutigen Söhne des Meusetales beim nächsten Völker- '.singen, das uns die Weltgeschichte beschert, Schulter an Schulter mit uns fechten mögen. Dann werden sie, deutscher Manneszucht kundig und unter deutschen Offizieren, nnüdcr- windlich sein wie wir selbst. DaS sind unsere Empfindungen in dem Augenblick, wo wir beobachten, daß die besten Söhne des Feindeslandes sich wie eigensinnige Kinder der Logik der Weltgeschichte widersetzen wollen, die nun einmal beschlossen hat. daß nur ein bis pt letzten Blutstropfen sich selbst und seiner Führung getreues Volk Siege erringen tänn. Und in dieser Stimmung schwiegen wir in Namur ern- gerückten Deutschen ehrfurchtsvoll vor der nutzlosen Auf- ovseruug tapferer Belgier. Ich kann mir deutsche Frauen und Mädchen denken, wie sic dareinsehen würden, wenn sie wüßten, was das Sausen unserer schweren Geschütze für ihre Söhne und Verlobten bedeutet. Wie aber benahmen sich die Belgier in Namur? Am Kopfe des von ihren eigenen Genietruppen im letzten Augenblick gesprengten Pont de Jambes, to» starke deutsche Wach- nmnnschaftcn mit aufgepfanztem Bajonett standen, hatten 'ich die-Einwohner von Namur in großen Scharen eingesun- den. Die jungen Mädchen, die ziemüch salopp angezogen sind, «aber große Sorgfalt auf die Pflege ihres entweder offen getragenen oder mit breiten Samtbändern gerafften Haares legen, standen in munteren Gruppen scherzend und neckend bei den staubbedeckten deutschen Soldaten, die citre halbe Stunde vorher als Sieger in die Stadt gerückt waren. Sie gaben sich Mühe, ein paar deutsche Worte zu radebrechen und als einer unserer Krieger, offenbar geärgert über die Würdelosigkeit der Aufführung ziemlich unwirsch sagte: ,Lhr werdet schon noch Deutsch lernen, meine Damm von Namur!" antwortete ihm ein lustiges Gekicher, als ob er einen Mitten Scherz gemacht I)ättc. „Krieg wir dann viel so große Soldat in Namur, wenn die Bclgique tocrden deutsch?" fragte die sprachkundigste der Namurerinnen, aber sie bekam keine Antwort mehr, sondern der Posten drehte sich um. Ringsherum standen ältere. Frauen und Minner und junge Kerls, von denen man sich fragte, was sie da herumzulungern hatten, wenn ihr Vaterland Krieg führte. Aber keinem fiel es ein, die Mädchen zurechtzuwcism. Ich habe den Vorgang photographiert, weil ich mir dackste, meine Schilderung müsse jedem Dmffchen einfach unglaublich erscheinen. Nebenan in einem (Case saßen eine Anzahl Bürger und beobachteten neugierig den dmffchen Flieger, der über der Zitadelle kreffte. Diese ganze Einnahme ihrer Stadt wurde von den Ramurern als ein fesselndes Schauspiel betrachtet, das sie anscheinend nichts weiter anging. Eine Verständnislosigkeit für den Ernst nnd die Größe der Stunde lag in dein ganzen Verhalten, die mir völkerpsychologisch beinahe unbegreiflich erscheint. „Wenn die Belgique werden deutsch!" — das ist ein Gedanke, dem ich immer wieder begegnete und mit dem sich viele abgcfunden haben. Ueberall fand ich bestätigt, bah maßlos gegen nns Deutsche gehetzt worden war. Die Zeitungen hatten noch beim Ausbruch des Krieges geschrieben, daß, die deutschen Soldaten ein elendes, verhungertes und verlumptes Volk seien, das den eigenen Offizieren nicht gehorchen, sondern sie bei erster (Gelegenheit von hinten erschießen werde. Nach Belgien würden die Deutschen überhaupt nickt hineinkommen, denn cm Lüttich würden sie sich die Köpfe einrennm, und inzwischen würde die stolze englische und die gewaltige französische Armee den befreundeten Belgiern zu Hilfe kommen. Da siel Lüttich fast auf den ersten Anhieb. Aber Namur hoffte von Stunde zu Stunde aus den Einzug der Franzosen. Statt ihrer rückten die Deutschen ein, diese unwiderstehlichen Dmtschen, die schon in Brüssel standen, auf Antwerpen marschierten und drüben in Frankreich Schlag auf Schlag die Franzosen und, wie die Namurer erzählen, auch schon die Engländer besiegt hatten. Und nun waren die Deutschen da. Stramme, saubere Leute, die noch am Abend nach durchmarschiertem und durchgekämpften Tag, wenn sie ermüdet am Straßengraben sitzen, sich zusammenreißen und die vorgeschriebenen Honneurs machen, wenn ein Vorgesetzter vorbeikommt, Leute, die die Ordnung in sich tragen. Gestern haben die Genietruppen der Belgier die eigene Brücke gesprengt. Es war kein Geniestteich, denn heute schon stellm die deutschen! Pioniere die Brücke wieder her, die Nanrurer warben sie bezahlen, nnd morgen vielleicht schon werden die Eisenbahnen unter deutscher Verwaltung wieder fahrplanmäßig fahren. Und hinter den Truppen kommen schon die Pvst- und Telegraphenbeamteu eingezogen und richten die Verbindungen ein. «hon hat Belgien die deutsche Zeit und nur in Neuttal-Moresnct sah ich noch eine Uhr, die doppelte Stunden, deutsche und belgische, anzeigte. Jeder dieser Deutschen fühlt sich als ein Glied des großen Volkes, für das er seinen letzten Blutstrvpsen hergibt, wie sein Volk für seine Söhne sorgt. Das ist ein Geist staatlicher Größe und nationalen Selbstbeivußtseins, den die Belgier nicht gekannt haben und der ihnen jetzt schon tiefen Ändruck macht. Im Justizpalaste zu Lüttich, dem herrlichen alten Fürst- bischofsitzc und jetzigen Verwaltungsgebäude des deutschen Gouverneurs, geht es zu wie in einem deutschen Mintste-- Montag. 3J. August 1914 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schea Universttäts - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul» straße 7. Expedition und Verlag: &S»>5L Redaktioiu^^llL. Tel.-AdruÄtnzeigerKieße». rium. Jedes Ding hat seinen Platz und seine Zett und alles klappt bis aus den Punkt. Tie Belgier sehen da vieles, was sie in Erstaunen setzt. Die deutsche Bureaukratte, der deutsche Gamaschendienst, zwei Dinge, die man so gern bespöttelt hat, in der großen Stunde, wo es ernst wurde in der Welt, haben sic sich als geniale Einrichttrngeu er» wiesen. Hilflos steht der Belgier vor etwas Riesenhaftem, Unfaßbarem. In ihm hat bisher eine ganz andere Staatsauffassung gewohnt. „L'Union fait la svrce", lautet der belgische Wahlspruch, aber er war ein Widcrffinn von alleni Anfang an, denn er wurde gewählt, als sich Belgien von den Nieder- landeu losriß. Und die Belgier waren niemals einig; ich habe Dutzende von Leuten getroffen, die auf die Frage, ob sie Belgier seien, erwiderten: „Nein, wir sind Wallonen".. Ja, dann seid ihr dock, Belgier? „Nein, wir sind Wallonen, Belgien, das ist nur der Staat!" Kann das ein Deutscher begreifen? Man frage doch einmal einen unserer deutschen Soldaten draußen vor dem Feinde, was er ist. Er wird erwidern, ein Niedersachse, ein Bayer, ein Schlesier, ein Ostpreuße, ein Hamburger nfw. Ms» kein Deutscher? Da würde er den Frager erstaunt auselien und sagen: „Aber erst recht ein Deutscher". Selbst ein Elsässer oder Pols würde das in diesen großen Tage» antlvvrten. Das ganze. Deuffchland ist sein Vaterland. Das ist das Volk, das dem Wahlspruck,: „Einigkeit macht stark" wirklich nachlebt. Der Belgier schreibt ihn ans Grenzpsähle und Briefmarken, aber er hat ihn nie in sein Herz geschrieben. Denn ähnlich wie die Wallonen geben auck, die Blamen den Staat preis, der unter dem wuchtigen Anmarsch der deutschen Truppen so schnell zusammenbricht. Und niemand würde es ihnen klar machen, daß sie mit der Aufgabe ihres Staates sich selbst aufgebcn. Das ist wohl die Erklärung für die belgische Stimmung, wie wissen zwar und eMhlen eS selbst, daß das Volk, nicht der König diesen Krieg gegen Deuffchland gewollt hat. Schon daS geht nicht in sie hinein, daß. Volk nnd König, König nnd Volk eines sind, Haupt und Glieder des großen Vaterlandes. Nim ist der Krieg anders ailsgegangcn, als sic gehofft haben und nun ist es ihnen leid. Es sind mir zahlreiche Beispiele von Belgiern selbst erzählt nwrdan, daß Soldaten auS den von uns besetzten Gebieten, die sich' zuerst sehr tapfer geschlagen haben, als ob daS alle Kriegerblut der Belgier, das Caesar belobte, in chnen wieder erwacht sei. Wer dann, als daS kriegerische Unternehmen auSsichts- und hofsiruugslös wurde, kehrten sie in Zivilkleidern sttll wieder zu ihrem heimischen Herde zurück. „Sie zögen sich von dem Kriegsgeschäfte zurück". Ja, das ist nun freilich eine Auffassung, die kein deutscher Krieger jemals verstehen wird. Man hat sie sehen müssen, unsere tapferem Jungen, wie sie mir blitzenden Augen und in unerschütter- lictzer Disziplin nach heißen, ruhelosen Kämpfwochen in Ramnr einzogen. Dieser Mangel an SlaatSgefiihl erklärt wohl manches, was wir jetzt in der Seele der Belgier sich abspielen sehen. Daß. sie sich, wie alle, die sich statt auf sich selbst, aus die Kraft anderer verlassen haben, von Engländern und Franzosen verraten glauben. Daß sie den Staat ausgeben, wr» er im Unglück znsanrmenibricht und sich mit separatistischen Tradittonen vor sich seWst rechtfertigen. Selbst das Betragen der Mädchen von Nannrr ist auf diesen Mangel staatlicher Selbstzucht zurückzufühven, ebenso wie die Greuel der. Frankttreurs, die glauben konnten, daß der unberufene Einzelne Mitwirken könne, wo das vernachlässigte Ganze hilflos versagt hatte. Und auch das Unverständnis für die deuffchc Vergeltung der Frankttreurschandtaten ist unter diesem Gesichtspunkt zu bürachten. Die Belgier irren sich nnd werden etwas lernen müssen. Ueberall, wo wir durckMgen, saßen sie nach ihrer Ge- wohnheit gelassen auf der Erde vor den Türen, rauchten Wie das heutige Brüssel entstand. Unsere deMschen Truppen sind in Brüssel cinmarschiett, und sie hoben damit eine der schönsten Städte besetzt, die es gibt. Ter alte „Sitz des Sumpfes", wie inan den Namen Drüssel-Broek-sele echniologüä' erklätt, hat über alle Widerstände der Natur, die sich dieser Ansiedlung in deni wüstesten und wüdcsteii Teil des alten Delgierlandes entgegenstcllten, in großartiger Weise Triumphiert und mieden Trümmern seiner oft eroberten, ost zerstörten Mauern eine wundervolle einheitliche Anlage geschaficn. Wenn heute unsere Soldaten als die Nachiolger der Spanier, Franzosen uno Oestcr- reiäier durch die Straßen der besiegten Hauptstadt marschieren, 'o offenbart sick ihnen in dem unvergleichlülten Bilde der .-ladt aucv ein Sviegel ihrer sckicksalsreiäien Geschickte. Wie Fritz «stahl >n «einem Buch über Brüssel bewnt hat, vereinigt das heutige Brüssel drei verschiedene Städte gleichsam als Stadien seiner Ent- wicklung in sich. Unten im Tal der Senne liegt die alte Bürgerund Handelsstadt, die sich zu Füßen des Koudenberges ausdehnt und iw. Osten noch an feinen Ab längen hinaufsteigt. Mil dieser bereits zu Anfang des ll. Jahrhunderts bestehenden Unterstadt oerdand 1040 Lambert Balderie, Gras von Löwen, die feste Burg, die er aut dem Kvudcnberg errichtete und die iid» zur Ober- und Herrenstadt entwickelte. Von diesen ältesten Mauern Brüssels sind >tvch einige Trümmer erhalten: an die Stelle des Grasenschlosses :edvch ist die zweite, die eigentliche Residenzstadt getreten, die Brüssel bis aus den heutigen Tag schmückt. In der Unterstadt engen noch ein paar Mauern und Säulen der Nikolauslirche von Vcm Glanz und Prrmk der Hauptstadt des mittelalterlichem Brabant. Tie allen schönen Holzhäuser, die sich um den trutzigen Wachtturm 'er zugleich als Rathaus dienenden Nikolaus-Kathedrale drängten, hat der Kriegssturm der Jahrhuirderte hinweggesegt: sie wurden «uedcrgerissen im Freiheitskampf der Niederlande gegen ihre spani- cben Unterdrücker, die letzten gingen in Flammen auf. äk^ der Marschall von Billeroi im Namen Ludwigs XIV. 169b die «adt utagerte uird in einer 46stüirdigen Bcschießimg 4000 .Häuser in Brand steckte. Erst nach dieser wüsten und schlimmen Zeit hat der mckitigstc Punkt der alten .Bürgerstadt, die Graud'Place, ihre 'ewige Ausgestaltung erhalten, damals als unter der freundlicheren Herrschaft Maria Theresias friedliche Tage anbrachen. Nirgends vnu finden die herrlichen barocken Gildenhäuser, die in ihrer chiniincrnden Pracht den Platz umrafjntnt, ihresgleichen: sie bilden llcichsam den glänzenden Schrein jür das gotische Rathaus. über egfeu reichgegliedettc, köstllch verzierte Formen der hohe Turm ' «einer durchbrochenen Lnchsigkeü in die Luit «mvvrscknellt und _i7 goldene Figur des heiligen Michael als Wahrzeichen über die -ladt hinaus hebt. Diese Grand'Plaee, das nordeurvpäii'che Gegcn- wck zu hem Warkusplatz von Venedig, erhält einen m.irckienbaiten Zauber, wenn die Schleier der Abenddämmerung die phantastischen e<-bellincen umhüllen und das jltzmnernde Gold und Glas der Fassaden mit einem dunstig kühlen Licht überfluten. Um diesen Mittelpunkt gruppiert sich dann die Mtstadt mü ihren engen Straßen wld Gassen. Auch auf dem Koudenberg erheben sich noch einige Denkmäler der großen Vergangenheit, so die gewaltig ernste Masse der Fürstenkirche St. Gudulc, aber im weseittlichen ist dre Oberstadt noch einem cinbeitlichen Plane im llassizistilchen Stile des 18. Jahrhunderts angelegt und aufgebaut worden. Durch diese großartige Leistung des Architekten Guimard entstand eine Neu- schöpfung, deren Bedeutung sich erst ganz erfüllte, als Brüssel nach der Revolution von 1830 die Hauptstadt des neuen Königreichs Belgien wurde. Eins der schönsten Beispiele neuerer Stadtbaukunst ward hier geschaffen. Ten Mitlc!puntt bildete der prächtige Park, das Hauptwerk der Architektur war das Parlamentshaus, ein Meisterbau Guimards voller Würde und Schönheit. Breite Sttaßen führten an beiden Seiten des Parks vorbei, durch deren Häuser der Typus des modernen Wohnhauses für das neue Brüssel geschaffen wurde. Tics neue, das dritte Brüssel, ist dwin uni die von Guiinard geschaffene Anlage in der Mitte des 10. Jahrhunderts durch zielbewußte Bautätigkeit entstanden und bildet deir Abschluß und die Krönung des ganzen. Das erste charakteristische Element brachten die äußeren Boulevards, die an die Stelle der alten aus dem 14. Jahrhundert stammenden «abtmauer und ihres breiten Grabens traten. Die llmformung der Altstadt zu eincnr unseren heutigen Ansprüchen genügenden und doch schönen Stadtteil wurde durch die Schöpfung der inneren Boulevards erreicht, die sich als mächtige VerkchrSstraße durch den Kern Mt-Brüsiels ziehen. Nun mar Licht und Luft sür die Wohn- und Geschästsstadt da, imd zugleich wurde durch diese von dem Bürgermeister Jules Anspach kühn durckigeführtc „Zerstörung" ein großer Teil der alten malerischen Häuser gerettet. Bon dem breiten grünen Kranz der äußeren Boulevards mit ilwen schönen Einzclliäusern qel>eu andere lnäcktige Straßen aus bis zu der stillen Jdyllik der Vorstädte, so daß in Brüssel besser sür ein gesundes und schönes Wohnen gesorgt ist als in irgend einer anderen Hauptstadt. Als architektonischen Mittelpunkt aber besitzt dieses nioderne Brüssel den ungeheuren Ban des von Joseph Poclaett aufgeführten Justizpalastes, die größte Banmassc, die irgendwo in Europa aufgclürmt worden ist, mit ihrem cliaotsicken liebermaß der Ornamentik ein o'wntastischcs Werk, aus dem man den Wahnsinn ahnt, dem der.Trbauer erlag. Dock bietet dieser 50-Mrllionen-Bau, an dem 17 Jahre gearbeitet wurde, in seiner gigantischen Macht nun das kolossale Wahrzeichen Brüssels. Engelbert humpeidinck. Zu seinem sechzigsten Geburtstag. Am 1. September wird Engelbett Humperdinck sechzig Jahre alt. Gerade heute, in der ernsten und schweren Zeit, die wir durchleben, sollte uns dieser Gedenktag nickt unbeachtet entschwinden, denn er gill als eure Mahnung, an all das Schöne und Erhebende, das aus den Künsten und zumal aus der Musik uns ent- gcgensttömt. Engelbett Humperdinck ist einer von senen Meistern, deren Kunst im Grunde ihres Wesens dcut-sch ist, deutsch in Gedankeninhalt und Aisdruckssorm. Esit mit seinem Märchenspiel „Häusel und Gretel", das im Jahre 1893 entstanden ist, hat der daniols Neuwmddreißigsähttgc Richn: und Ansehen erlangt. Aber er war auch vorher schon ein tüchtiger Muscker, und reich an Esiahrung und Wissen hat er das reizvolle Werk geschaffen. Humperdinck ist ein Schüler des Kölner Konservatoriums rmd der Münchener Königlichen Musikschule. Zwei Jahre lang lebte er als Lehrer am Konservatorium zu Barcelona, kelma nachher in seine rheinische Heimat zurück und übte am Hochschen Konservatorium zu Frankfurt a. M. eine ersprießliche Lehttäng- keit aus. Er ist seit dem Jahre 1900 Vorsteher einer akademischen Meisterschule zu Berlin und bekleidet auch sonst noch viele Ehrenstellen im öffentlichen Musilleben. Sein bekanntestes Werk, eben das Märchenspiel „Hänsel und Gretel", entstand als Gclcgenhcitskompositron. Seine Sckwester Adelheid Wette schrieb das Buch zu diesem Märchenspiel, das zu einer Aufführung im häuslichen Kreise in Weimar bestimmt war. Am 23. März 1893, zum Weihnachtsfest, kam es dann im Familienkreise der Frau Wette und vor einigen Gästen der Familie zur Darstellung. Der mächtige Eindruck, den das reizende Merkchen damals aus den Zuüörerkreis ausübte, hat den Dtuiiker später veranlaßt, es für die Bühne auszugestalten, für Orchester zu instrumentieren und in etwas breitere Form zu gieße». Wie das Stück seinen Weg über alle deutschen Bühnen genommen Hot, ist bekannt, es sei nur noch hrnzugefügt, daß der Esiolg von „Hänsel und Gretel" in jeder Hinsicht als einer der größten! bezeichnet iverden kann, die in neuerer Zeit eiu musikaliick- dranratisches Werk errungen. „Hänsel und Gretel" blieb jedoch nicht allein ein Meisterwerk für sich, — es hat einer neuen! Gattung der deutschen Oper, der Märchenoper, den Weg geebnet. Humperdinck schrieb selbst eine Reihe von salbten Opern mit meäg'elndcm Glück. Dann folgten seinem Beilpicke andere, so Siegfried Wagner, sein Schüler, der sich seither überbaupl nickt mehr von dieser Gattung abgewaudt hat. Humperdincks spätere musi- kalisch-dranlatischen Werke, die im Rahmen der Märchenoper verblieben, haben weniger Eindruck hervorgcibracht, als sein dramatisches Erstlingsstück. „Die KönigSkinver", „Die sieben Meislein" und „Dornröschen" cnthallen viel Wettvollcs, als gesckiloneneS Ganze blerbcn sie weit liinter den: Muster der (Gattung zurück. Größeren .Erfolg hatte Humperdinck mit seiner koniiscken Over „Die Heirat wider Wlllen". Als letztes in der Reihe ieiuer Werke ist vor einigen Jahren „Die Künigskinder" erickienen. eine völlige Umarbeitting des oben erwahirten Märchenspicls, und auch hier hat der Meister wieder seine große Kunst gezeigt. Engelbert Humperdincks musikalische Weiensatt ist iu erster Linie absolutes Können, restlose Beherrschung der Technik und eine erstaunliche. Kuust der Polliphoure. Fottreißeudc Origmaütät Hst Hut Rusen Pfeifen und betrachteten sich den Vorbeimarsch der dentsllzen Truppen Hie ljafceit weiße Fahnen auf ihre Häuser gesteckt und wissen nun. denn soweit kennen sie uns. daß ihnen und ihrer Have kein deutscher Soldat etwas tun mtft. Der Elnzetne^ hat sich als neutral erklärt und betrachtet damit dre S»che für sich als erledigt. Der Durck:- marsch der Deutschen ist für die belgischen Einipohner nur noch ein Schauspiel, das man gemächlich betrachtet. Das hätten dre Belgier Hachen können, wenn sie auf unfern Rat gehört Härten, als wir chnen zweimal so dringend die Neutralität anbvlen DaS ivollten sie nicht und horten auf die Engländer und Kränzchen. Und nun werden sie erfahren, dach für uns mit diesem Mangel an StaatSbewußtsein^ mit dresem Lossagen des Einzelnen vom Vaterland«. die Sache nicht abgetan ist. Der belgische Mangel an Staat sge fühl entbindet uns nicht von dem unserigen, und das Staats- efühl werden dre Belgier rvohl oder übel annehmen und egreifen müssen, dort, wo „die Bclgigue jetzt tverden deutsch". W. Scheuermann, Kriegsberichterstatter. Die Zchmach von Löwen. Tic alte Stadt Löwen hat das Höchste verloren, was ein Gemeinwesen zu verlieren hak — ihren guten Rui. Der snae Verrat, den ihre Einwohner an kämpfenden deutschen Soldaten verübt haben, hat ihrer Geschichte ein ewiges Brandmal aufgedrückr. uikd nun wird der nur zu berechtigle deutsäte Zorn wie Pech und Schwelet über die frevelhafte Stadt niedergeheu. Mkt tiefer Erschütterung blicht man aus das Schuksal dieses ehrwürdigen und berühmten Platzes. Wenngleich die Gegend, in der Löwe» liegt, jedes romantischen Lauches entbehrt — sie ist stach und ohne andere Reize, als die einer wMhestellten Ackerlandschrsr —, so umwittert doch die Geschichte von Löwen selbst schon von Alters her ein Hauch der Romantik. Man fühlt ihn, wenn man die weitläusigc alte Dackstein- mauer verfolgt, die in großem Bozen, immer in Büchsenschußweiic von dicken Türmen umragt, nach heute inn die Stadt lauft. Die Türme sind Versalien, die Mauern dienen nur noch als Spaziergänge, unf Löwen selbst ist im Mauerringc zusammcngekrochen, so das; zwischen der Stadt und den Wällen iveitgedcynle Felder und Gärten sich aniiedeln konnten. Ticic Besesiigung ist der.Zeuge der vielbewegten, kriegerischen Erlebnisse, die die Gejchiche von Löwen erfüllt. Schon cilwial hat sie die Stärkeres deutschen ?lrmes kennen gelerut — damals, als König Arnuls hier, an der stillslicßenden Dvle, die tief ins Land einqedrnngcnen normannischen Räuber auss Haupt schlug. Darnach wurde Löwen die Hauptstadt von Brabant — dem: sie ist die ältere und vornehmere Schwester von Brüssel. Im Norden der Stadl, am Mcchelner Tore, lag die Burg der Brabanter Grasen, >>eutc nur iwch ein .Hügel mit kümmerlichen Mauerrestcn, von dem au- man eine schöne Aussicht aus die so still gewordene «tadt genießt. Kaum kann man sich bei ihrem Anblicke noch vorstellen, daß sie einst eine von Leben und Menschen brausende Großstadt gewesen ist. Das war im 14. Jahrhundert und cs war die Tuchweberei, woraus ibre Blüte beruhte. Damals schätzte man die Einwohnerzahl von Löwen von 100 000 bis 150 000 Köpfe, und an Tuchwebereien zählte man nicht weniger als 2400. Wenn des Abends die Arbeiter.aus diesen Webereien nach Hanse gingen, dann ivard mit einer großen Glocke geläutet. damit die Mütter ihre Kinder von den Gassen holten, lveil sie in dem Gedränge hätten ums Leben kommen können. Löwen wurde reich und das Brabaitter Tuch ging durch die ganze Welt; aber die Tuchweber waren auch eine wilde, stolze und unruhige Bevölkerung, die immer von neuem blutige Aufstände hervorries, und einmal gar 13 adelige Ratsherren aits den Fenstern des Rathauses ans die Spieße der draußen darrenden Volksmenge beruntern»art. Dieser wilde Triumph der demokratischen Weber wurde der Anfang von Löwens Ende. Herzog Wenzel zog zur Bestrafung der unbezähmbaren Webcrstadt ans, bezwang sie und züchtigte sie furchtbar. Das war den Tuchwebern zu viel: .zu Tausenden wandelten sie aus — nach England hinüber, dessen Tuchindustrie damals mit den neu zngezogencn Kräften begründet wurde. Löwen aber wurde leer und still, und nie wieder hat cs den alten Glanz und Reichtum erreicht. i Was aber die Stadt aus dem Gebiete des Gewerbeflcißes verloren hakte, das sollte sie bald aus einem anderen einbrinaen. Seit dem 15. Jahrhundert errang die Universität Löwen Welt- rus, Ihre Blütezeit war dann das 16. Jahrhundert, als 6000 Studenten sie besuchten und eine Reihe der gefeiertsten Lehrer, wie z. B. der spätere Papst .Hadrian VI., der Lehrer des Kaisers Karl V,, Und Justus Lipsius, Rubens' Freund, als Profenoren Trier wirkten. Nach wechselnden Schicksalen in den folgendcit Jahr- Inindertcn l>at die Nntveriftät Löwen vor 30 Jahren als 'Dtaatsei'n- ricktnng Mi bestehen aulgehört. und es besteht hier nur noch eine sogenannte freie, katholisckv Universität. Tie Stadt ober loard mehr und mehr Au einer stillen, fleißigen Bürgerstadt, von deren grosser Vergangenheit ni'r noch die glanzvollen Bauwerke sprachen, die Löweus Ruhm bilden. Am Großen Markte steht das vielgefeierte Rathaus, ein üppiges Bauwerk spätgotischen Stiles, prangend in Schmuckwerk, von einer gleichsam Lischt zu bändigenden architektonischen Phantasie von Stochveck zu Stockwerk ihm nicht gegeben. Seine Stärke liegt devrnach nicht so sehr in der Frische der Erfindung, als in seiner Fähigkeit, durch die Mittel der musikalischen Kunst im technischen Sinne starke Wirkungen zn erzielen. Die einfachen Kinderlieder, die die Motive zu „Hansel und Gretcl" bieten, hat er mit seiner überragenden Meisterschaft ebenso in die Sphäre hoher Kunst hinausgcsührt, >vie er in allen seinen späteren Werken durch seine glänzeiche Kontrapunktik, durch bie glitzernde Ilnstinnnentierungskunst tiefere Wirkung hervorbringt, als etwa durch eigene Einfälle. Alles aber, was Humper- dinck schasst, gründet sich ans einen echt künstlerischen Geschmack urch steht im Dienste einer ernsten hohen Kunslübung. Tie Technik der Kunst veredelt sich in seinem Schassen zu einem ästhetischen Airkungselement erster Ordnung und bekundet den Sieg und die Uebcrzeugimgskrast gründlicher musikalischer Bildung, So ist uns Humperdinck der Bewahrer der guten musikalischen Traditionen, und wenn er auch den Errungenschaften der jüngsten musikalischen Zeit nicht gerade feindlich gegenübersteht, so muß man ihn doch in die Reihe jener Musiker stellen, denen vor allen Dingen Korrektheit und Stilreinhrit als oberstes Gebot künstlerischen Schaffens gelten, I, C. L. — Schlachtfeldzer'tungen. Die französische Regierung hat die Erlaubnis erteilt, daß für ihre in Ostfrankreich kämpfenden Truppen eine „Armeezcitung" herausgegeben wird. Das ist kein gutes Vorzeichen. Denn als sich Russen und Japaner bei Mukücn Wochen hindurch lauernd gegenüber lagen, erschien aus russischer Seite ebensalls eine unter Aussicht des Großen General- stabeS herausgegebene Kricgszcitung „Ter Bote der mandschurischen Armee", Die Zeitung wurde in einem Eisenbahnwagen gedruckt und brachte anfangs z>oei- bis dreimal wöchentlich in russischem Sinne gefärbte Nachrichten, um den Mut der Truppen zu heben. Da die europäischen Zeitungen jedoch erst vier Wochen nach ihrem Erscheinen vor Mulden cintraseil, vermehrte der „Bote" bald seine Ausgaben und brachte auch täglich die Telegramme der amtlichen Telegraphenagentur, die jetzt nicht nur von den einsacken Soldaten, sondern auch von den Osstziercii und fremden Militär» attachees gelesen wurde. War man ansangs bemüht, den Truppen die eigenen Niederlagen zu verbergen und nur Teilerfolge und vereinzelte Heldentaten zu erzählen, so sickerte die Wahrheit allmählich doch durch, und die Zeitung mußte eine Zugang die ungeschminkten Tatsachen berichten, um nicht das oh ehin schon stark erschütterte Vertrauen der Soldaten durch Vertuschen von Mißerfolgen noch mehr herabzumindcrn. Ihre größte Tätigkeit entfaltete die Redaktion des „Boten" während der entscheidenden Schlußkämpfe. 5 bis 6 Extrablätter wurden täglich in der Druckerei des Eisenbahnwagens bergestellt und sofort von Kosaken bis in die vordersten Linien der kämpfenden Truppen gebracht, um diesen auch den kleinsten Eriolg an anderen Punkten des viele Kilometer langen Schlachpelbes zu verkünden. Doch selbst diese Extrablätter vermochten die endgültige Niederlage der Russen nicht auszuhalten. in vibrierendem Leben bis zu den sechs schlanken Türmchen empor- geführt, die den stellen 'Dachfirst überragen. Und ihr gegenüber ragt die Peterskirche, die an Adel der Verhältnisse wohl! von keinem Gotleshause m ganz Belgien übertrofsen wird und säum vor mehr als hundert Jahren Försters Entzücken erregt hat. Rnöw Schätze birgt sie, vor «Ilern das Abendmahls lenes prächtigen Dirck Bouts, der im 15. Jahrhundert hier als Stadtmaler wirkte. So nnindcrlich verschlungen nach der Weise alter Städte das Straßennetz von Löwen auch vrelsach ist, so weist doch der Lrtadt- plan deutlich die Hauvlzüge aut, die vom Tirlcinonter j.ore im Osten rum Brüsseler 'Tore im Westen, und wieder vom Na- murer Tore im Süden zum Mechelncr Tore im Norden führen Tuvckavändert inan aber diese Hauptstraßen und das Gewirr der Nebengassen, so trifft man überall aus merkwürdige Erinneruiz- gen und Baulichkeiten Da ist. hinter dem Rathause, die Universität. die einst der iTuckunachergilde als ihre Warennicderlage diente: da erinnern St. Joses und St. Gertrud air^ die 'Baulust der Lowener in den Tagen der Gotik, und maiiche sochauseite Heit nnd Grausamkeit! Darum lieber känrpfen „bis auf des letzten Manns Gebein" als in Englands Fangzähne zu geraten als Beute englischer Gerechtigkeit. VolkSreden als englisches Hilfsmittel. London, 29. Aug. lNichtamtliche Renternreldung.) Premierminister Asguith hat an die Lordmapors in London, Dublin nnd Cardiff und den Lord Provojt in Edinbnrgh ein Schreiben folgenden Inhalts gerichtet; „Die Zeit ist gekommen, in diesem größten Konflikte, in dem nnser Volk jemals gestanden hat, d-er öffentliche n Meinnng und der öffentlichen Betätigung eine O rg an i s a t r o u zu geben. Er schlage vor, daß in jedem Distrikt des Vereinigten Königreichs unverzüglich Versammlungen abgehalten werden, in denen jedermann klar gemacht wind', daß man von chm verlangt, daß er seine Pflicht tue. Ich selbst bin bereit, soweit ineine Amtsobliegenheiren es mir erlauben, ^nach besten Kräften mitznhelsen und werde gern an die Mitbürger Ansprachen richten. Ich weiß, daß ich in jedem politisch organisierten Distrikt aus die leitenden Persönlichkeiten zählen kann." Ein Mahuwort an England. Berlin, 29. August. Der englische Arbeiterfichrer John Burns, der ivegen seiner Gegnerschaft gegen den Krieg ans dem Ministerium austrat, hat am 14. August in der Albreckts-Hall in London eine Rede gehalten, in der er u. a. etwa folgendes ansführte: Ter Krieg mit den Kontineiitalstaaten ist für England ein unmögliches Ding. Die englische Industrie ist aus den Kontrneiüal- exvort angewiesen. England hat seine Karte auf den französisch- russischen Sieg gesetzt. Was aber, wenn Englands Truppen mit den Franzosen gemeinsam geschlagen werden? Ein so kräfttges. seines Wertes voll beivußtes Volk wie das derttschc ist nicht in Fesseln zu legen. Mit beispiellosem Opsermut. und wenn der ärmste Tagelöhner seinen letzter Pieimig aus der Tasche ziehen- müßte, würde Deutschland, wenn seine Schisse von den Eng-' ländern vernichtet werben würden, eine doppelt und dreifach so große Flotte wieder erbauen, genau so wie im Jahre 1808 der Freiherr von Stein zur Unterdrückung Napoleons das VolkSheer ans dem Boden stampfte. Das deusiche Volk wird durch eine Niederlage aufgernttelt, und es wird nicht ruhen; und rasten, bis es in einem entscheidendeir Kampf gegm alle seine Feinde siegen wird. (Deutsche Tagesztg.) Strasburgs Leiden und zreuden. Aus Straßburg i.E. wird uns geschrieben: Die letzten Wochen waren für die Bevölkerung der wv^t-^ verschönen Stadt bei weitem ernster als für andere Orte, di« fernab von der Grenze liegen. Schon die ersten Nachrichten von der Besetzung einiger Vogesenpässe durch französische Grenzschutztruppen hatten hier die Besorgnis erregt, der lvuchtig vordrängende Feind könne zwischen Colmar und Strastburg sich festsetzen und mit der Belagerung der ur- > deutschen Münsterstadt beginnen. Die großen Gefechte bei' Mülhausen und Sennheim und die siegreiche Zurückwerfung; der von Belfort und durch die südlichen Bogesenräler nor- gestoßenen französischen Älrmee hatten dann wohl vorübergehende Beruhigung gebracht, die Gemüter kamen aber gleich»i, wohl nicht zu völliger Ruhe, weil bald aus Markirch inr Lcbertal, bald aus dem Breuschtal um Schirmeck und Rothau Meldungen von erbitterten Grenzkämpfen eintrafen. Besonders die „Schlappe" unserer Festungsartillerie am D o n o n . dem alten Götterberg im Hinteren Breuschtal, die auch amtlich, bekannt gegeben wurde, hatte die Gedanken an eine möglichs Belagerung Straßburgs von neuem geweckt. Die Tapfersten beruhigten zwar die Kleinmütigen mit dem Hinweis auf die gepanzerte Feste Mn tz ig , die das Tal der munter fließenden Breusch gegen Straßburg völlig beherrscht und wohl keinen Franzosen lebendig durchlassen würde, im Volke wollten aber die Gespenster der Vergangenheit sich nicht so schnell verscheuchen lassen. Es war ja auch in den hellen Augustlagcn, alS anno 1870 von Scknltigheim nnd HcruSbergen die deutschen Granaten wie wilde Hcuschreckcnschwärme in die Stadt sielen und manches ehrwürdige Haus, nrancher vertraute, liebe Winkel in Scliiutt und Asche gelegt wurde. Die ältesten Bürger kramten ihre Erinnerungen aus, Erinnerungen an schauerliche Nächte in feuchten Kellern, an Lebensmittel- sorgen, an die entsetzlichen Geschoßbahnen, die am 28. August gleich feurigen Raketen das Dunkel über den wankenden Häusermassen zerschnitten. Dann aber wurde es besser. Der erste deutsche Sieg bei L a g a r d e in Lothringen ließ die Bevölkerung Straßburgs aufhorchen. Da gab cs ja noch einen Kriegsschauplatz neben dem Elsaß, wo gekämpft und gestorben wurde! Sollte der Schlachtengott sich vielleicht dort einnisten und das blühend« Land zwischen Rhein und Vogesen verschonen? Man hatte den neuen Gedanken noch nicht zu End« gedacht, als die Kunde von dem ersten gewaltigen Sieg auf den Linien von Metz zu den Nordvogesen nach Straschurg kam. Ein J?ichcln, ein tiefes Llufatmrn, die erste wirkliche Siegesbegeisteruirg lies durch die Menge. Das war ein ?lbend, wie Scraßburg ihn noch niemals erlebt hatte! Ltlle Gegensätze zwischen Altdeutsch und El- sässisch waren in: Nu verschwunden. ÄLan fühlte in tiefem Herzen deutsch, nur deutsch und rnachte die deutsche Sache zur eigenen. Diese herrlichen Heere, di« im Westen drüben sich für uns alle schlugen und uns vor Schrecklichem bewahrten! Diese Heldensölpie aller deutschen Stämme, die unter den beiden Kronprinzen der größlen Bundesstaaten den grimmig eingefallenen Feind lgesaßt und unter schweren Verlusten zurückgemorfen hatten! Immer weiter zurück, bis ins Welschland hinein! Auf dem Broglie-Platz, unter dem Denkmal de? napoleo» nischen Generals Kleber, in der Meisengasse, dem altbcrühm» len „Bummel" Jung-Straßburgs, am Goethe-Haus bei den Gewerbslauben — allenthalbeu drängte und staute sich die Masse. Zum ersten Male seit Kriegsbegum sal> man wieder lachende Gesichter, sah man geputzte Menschen, die plaudernd sich ihre Eindrücke mitteilten. Und dann kamen die Fahnen, nicht die „offiziellen" wie an Kaisersgeburtstag, sondern Fahnen in allen Farben, von dankbaren Bürgern aus allen Fenstern gehäitgt. Das war ein Wogen bnnter Tücher in den größten Straßen und engsten Güßchen! Neben dem Schwarzweißrot der Reichsflaggc das härtere Weih-Rot der Elsässer, neben dem Weiß-Blau der Bayern das Gold-Jiot- lßold der Badener und das ernste Schwarz-Rot der Schwaben. Selbst schwarz-gelbe österreichische Banner mischten sich in die Farbeii-Spmphonic des frohen Augusttages. Einige besonders begeisterte Patrioten zündeten am Abend Lampions in den Fenstern an, die ihr rote-s und weißes Licht über die Staden und Uferbäumc streuten. Den schönsten Schmuck aber trug das alte Münster. Gar«, vben, wo der schlanke Turm in einer Kreuzblume endigt, hundertfünfzig Meter über dem Hüusermcer, hatte ein kühner Kletterer die Reichssahne aufgestcckt, und aus der Laterne unter dem Kreuz wehten vier wettere Flaggeir sin Abcndwind. Das jubelnde Straßburg grüßte hinauj zu dem schönen Symbol der deutschen Einheit und wurde nicht müde, iinmer wieder den Turm zu bestaunen. Seitdem weht von Straßburgs höchster Zinne das Flaggensignal in das beruhigte Elsaß Und hunderttausend heiße Wünsche steigen täglich zu rhvl empor für neue glorreiche Siege auf den blutigen Feldern der Ehre. H. S. Au» Stadt «nd Lanv. Gießen, 31. August 1914. Organiftert die innere KricgShilfe vernünftig: (Aus einem Aufsatz von Dr. Rohrbach in der „Hilfe".) Dieser Krieg ist für uns, so schreibt Dr. Rohrbach in der „Hilfe", noch mehr eine moralische, als eine militärische Kraftprobe. Die kriegstechnischc Ausgabe, den Gegner zu schlagen, wird unser Heer, menschlicher Boraussicht nach, sicher bewältigen. Niemand aber vermag im voraus zu sagen, lme lange das dauern wird. Es kann leicht sein. es dauert so lange, daß die Unterstützung der Arbeitslosen ebenso große Opfer verlangt, wie die Kriegsausgaben selber. Wenn diese Ausgabe im großen Stil an uns herantreten sollte, so wird sie, darauf vertrauen wir, auch eine Lösung finden, die der Größe der Zeit wert ist. In kleinerem Maßstabe aber hat die Aufgabe schon mit dem ersten Tage des Krieges begonnen, und es ist notwendig, daß man ihr nicht nur mit Begeiste-- rung und gutem Willen, sondern auch mit Verstand und nüchternem Nachdenken gegenübertritt. Alle Welt sammelt und gibt jetzt für das Rote Kreuz, für die Pflege der Verwundeten: in zweiter Linie wird für die Familien gesorgt, deren Ernährer ins Feld gerufen sind. Diesen beiden Klassen von Hilfsbedürftigen gegenüber haben die öffentlichen Körperschaften, Staat und Gemeinde, Pflichten. Es versteht sich von selbst, und wir sehen, daß diese Pflichten auch anerkannt werden. Selbst wenn niemand sonst :m Volk sich um die Verwundeten kümmern würde, so müßte der Staat ihnen Pflege und Heilung gewährleisten. Ebenso übernimmt er es, den zurückbleibenden Frauen und Kindern Beihilfen zu geben, und die Gemeinden vergrößern diese noch, wo sie können. Es ist materiell und moralisch ini höchsten Grade wertvoll, daß außerdem auch noch die private Hilfsbcgeistcrung den vom Kriege direkt Betroffenen beispringt. I m A u g e n - blickaberisteshüchstuotmendig.andicVielen zude ii kcn.dieoh neu um ittelbare Beteiligung an dem Kriegsopfer ihren Erwerb verloren haben oder ihn beschränkt und bedroht sehen. Es wird nicht viele Geschäfte, nicht viele Familien in Deutschland geben, denen diese Zeit keine Einschränkungen auserlegh. Am besten sind heute alle Beamten dran, die ein festes Einkommen aus öffentlichen Mitteln beziehen. Ihnen tut der Krieg vorläufig wenig: die geringfügige Steigerung der Üebensmittelprcise spielt keine ernstlichc^Rollc. Was soll man vom vaterländischen und menschlichen Standpunkt aus dazu sagen, wenn solche Leute mit gutem Einkommen z. B. einem armen Musiklehrer sein Brot nehmen, um zu „sparen"? Das ist nicht nur gedankenlos, sondern unwürdig, schlecht gehandelt. Wer sich in seinem eignen Lebenskreise umsieht, wird bald erkennen, auf wieviel Fälle verwandter Art der Grundsatz vom „moralischen Nachdenken" über solche Nächstliegenden Pflichten zur H'ilseleistung noch anzuwenden ist. Ein jeder von uns ist in irgendwelchem llmsange Arbeitgeber und andere Volksgeirossen sind von ihm rnit einem größeren oder kleineren Stück ihrer Existenz materiell abhängig. Wer nur denkt, wie er seine Ausgaben verringern kann, ohne daß er sich zugleich durchs Herz gehen läßt/ wie er bei allen Einschränkungen doch immer noch anderen, die auf seine 'Ausgaben «rgewiesen sind, einen Teil ihres Einkommens erhalten kann, der handelt volkssittlich miuder- tverllg, auch wenn er Geld fürs Rote Krewz gibt und sich auf den Dahnhof stellt, um unsere durchfahrenden Soldaten zu erquicke«. So zu tun, entspringt gewiß auch gutem Willen, aber es gehört weder viel Nachdenken, noch viel Opferfähigkeit dazu, Unter dem Einfluß einer begeisterten Massenstim- mung dieselbe Straße zu laufen, in denselben Topf eine Gabe zu werfe», wo alle es tun. Selbstzucht und Verant- wortlichkeitsgesühl, viel mehr als die Menge besitzt, gehören über dazu, sich die Frage vorzulegen und zu. beantworten : wie kann ich in der Stille, wo kein Mensch hinsiebt und keine Masse läuft, auch bei verringerten Mitteln etwas dazu tun, um Existenzen zu halte«, die ins Leere fallen, wenn jedermann beim Sparen nur ans „Daß" rmd nicht anS „Wie" denkt. Diejenigen Geschäfte z. B. handeln verständig und volkssittlich, die von ihrem Personal soviel wie irgend möglich bebakten — Wenns geht, alles —, aber ihren Angestellten erklären: wir können nur zwei Drittel, nur die Hälfte, den Höchstbezahlten vielleicht nur ein Drittel ihres Gehaltes weiterzahlcn, aber wir wollen versuchen, euch alle durchzuhalten. Je weiter die Kriegszeit vorschreitet, desto notwendiger wird es sein, die öffentliche Hilfeleistung und den einsichtigen Opserwillen der Privaten miteinander zu ver- binden. Wie schön aber und wie erhebend wäre es, wenn die Gebildeten in unscrm Volk — ich meine die Gebildeten des nioralischen Urteils, nicht die des gesellschaftlichen Schliffs und der Schulbank —, sich rechtzeitig miteinander darauf besannen: dem Volksgenossen ein Stück seiner Arbeit er- izalten, ist noch mehr "wert, als patriotische GabenspendenI » ** Kriegsteilnehmer vom hessischen Adel. Zwölf Mitglieder der Freiherrn von Riedesel im Heer. Unter dem hessische» Adel, welcher feine Söhne in den Tienst des bedrohten Vaterlandes gestellt hat, nimmt die Familie v. RieLestl wohl »ach der Zahl seiner Kriegsteilnehmer die erst« Stelle ein. Die Familie Riedestl zu Altendurg stellt 3 Söknc, desgl. die bamilie Rüdest! zu Stockhansen 3 Söhne, deSal. die Familie Riedestl zu Ludwigseck 3 Sühne, deSgl. die Familie Sr. Ex,. de? Oberstallmcisiers v. Riedestl ebenialis 3 Söhne. Tann ist der Freiherr Alhrecht o. Riedestl als Johanniter im Felde. Er hat au! seinem Gute Sickendorf bei Lanterdach 80 Betlen z»m ErholnngS- heini iür Verwundete eingerichtet. Ter Oberstallmeister, der eden» stlls wieder in die Front eintreten wollte, ist nur anl vcrsönliche Vorstellung des GroßherzogS davon ndgebracht worden; er ist bekanntlich ei» treuer Freund und Ratgeber in der Grobherzoglichen Familie. ** „Nun wird Deutsch geredet un d Fra ktur geschrieben!" Die Darmstädter Zeitung schreibt: so sagen wir bildlich, wenn wir der Meinung sind, es müsse einem, der auf gute Worte bisher nicht hören ivollte, einmal gehörig der Kops gewaschen und zurecht gZetzt werden. Wie unvergleichlich unsere wackeren Truppen in jener Losung gehorchen, das reißt uns zu sreu» digster Bewunderung hin. Aber dürsten wir dabeim Gebliebene die 2 Ausdrücke „Deutsch reden" und „Fraktur schreiben" nicht auch >:i ihrem ursprünglichen Sinne beherzigen? „Fein Fremdwort für das. was deutsch gut ausgedrückt werden kann," so lautet der gewiß maßvolle Wahlsprnch des Sprachvereins, der ebenfalls für Deutschlands Ehre kämpft; denn die unnütze Einmengung entbehrlicher 'remder Ausdrücke ist nicht eine belanglose Aeußerlichkeit, nicht bloß ein Hindeniis gründlicher Volksbildung; sie ist ein Kennzeichen jener schmachvollen Zeiten, da wir vor Ludwig XIV. und Napoleon gedemütigt im Staube lagen. Warum aber wollen wir vnS heute noch französischer und englischer Brocken bedienen, und die von unserem eigenen Volke hervorgebrachten Wörter verschmähen? „Gedenke, daß du ein Deutscher bist!" Ebenso müssen wir uns darauf besinnen, daß wir eine deutscheSchrift haben, die schon 400 Jahre lang als deutsches Merkmal gegolten hat, aber in letzter Zeit bei gar vielen unsrer Volksgenossen in Veraw- kung geraten ist. Bon dem Wahne, ivir könnten uns durch Nachgiebigkeit die Welt zu Freunden gewinnen, werden wir jetzt geheilt. Wollen mir nicht auch unsere ererbten deutschen Buchstaben als wertvolles Heimatsgut wieder schätzen lernen? Mögen sich Franzosen und Engländer weiterhin der Alckiqua, d. ü. der Lateinschrift, bedienen: uns aber zienit es, deutsch zu schreiben und Fraktur zu drucken! ’* Zentralkasi« der hessischen l a » d iv irisch ait - 1 i ch e n Genossenschaften. Wie wir hören, sind die Bar- eingäuge bei der Zcnlralkasst, die zum überwiegenden Teil aus den den Landwirten gezahlie» Pstrdegeldern slaminen dürilen, in ständiger erireniicher Zunahme. Sie belrugen in der abgelanstne» Woche annähernd 2ä0 000 Mark. Landkreis Gießen. n. H o l z h e inr, 30. Aug. Schnhmachermeister Balthasar Sann und seine Ehestau Katharina geb. Dern aus Garnbach begingen heute in seltener körperlicher und geistiger 'Frische das Fest der goldenen Hochzeit. r. M u s ch e n h c i m , 29. Aug. Auch in unserer Geineindc ward eifrig für das Rote Kreuz gesammelt. Die erste Sammlung in Geld betrug 288 Mark, die Rtrchenkollekte 45 Mark. Die Schul- linüer haben aui 'Anregung des Lehrers Günther Achren gelesen und der Ausdrusch ergab 361 Pfund Weizen; die zweite Aehrcnlese. hat begonnen. Weiter wurden Bohnen gesammelt; Frauen und Mädchen kamen mit Bohnenschncidmaschinen und Messern aus 'das Rathaus, um die Bobuen zu schneiden. 2luch 800 Eier nmrdcn gc- saninieli. Eine zweite Gcldsaminlung ergab die Summe von tzdOM. -i. Ettingshausen, 29. Äug Der Gemeinderat beschloß, die ins Feld gezogenen Gemeindeangehörigen bei der.Hess. KriegS- verfichcrung auf Gemeindekosten zu versichern. Für das Rote Kreuz wurden vom Evang. Pfarramt Ettingshausen-Hattenrod bis jetzt über 1500 Marl abgesandt. KreiS Fricvberg. r. Butzbach, 30. Aug. Die ani Samstag abgchaltcnc Kric- gcrvereinsocrsainmlung war stark besucht. Der Jahresbericht und die Fiechnung für das abgelanstne Jahr wurden verlcicn. Ter gesamte Vorstand wurde durch Zuruf einstimnng wicdcrgewählt. Dem Antrag, alle Familien, deren Väter in den Krieg gezogen sind, zu unterstützen, wurde zugestimmt. Der Antrag, Äuieil- scheine der Kriegsversichemmg für die Krüger zu erwerdcu und die hierfür zu entrichtenden Beträge aus der Veremskasst zu bezahlen, ivurde genchinigt. Hessen-Nassau. [] Marburg, 28. Aug. Vor der Fericnkammcr des hiesigen Landgerichts stand heute einer der g e s ä h r l i ck e n E i n b r e ch c r, die Ende Juni im südlichen Teile des Kreises Bstdcnkopi viel von sich reden machten und die auch in Gladenbach einen Gendarmeriewachtmeister so verletzten, daß dieser bis jetzt noch nicht wiederhergestellt ist. Es handelt sich um einen aus- Oesterreich stammenden Mann namens Wicdinger, der beschuldigt wurde, in der Nacht zuni 25. Juni in Niederwcidbach in Gemeinschaft mit einem Genossen. der leider noch nicht orwisHt ist, in den Gastwirtschaften Rcntsch und Roth, sowie in der schrcinerschcn Handlung cingc- brochen zu sein nrid Geld, Wertsachen, Kleidungsstücke, Zigarren, Wein und Eßwaren gestohlen zu haben. Der Angeklagte, ver schon viel in der Welt herumgekommen ist und auch schon manche Strase verbüßt hat, trug ein freches Wesen zur Schau. Er >vurdc zu 2 Jahren und 3 Monaten Gefängnis verurteilt. m Kirchhain, 30. Llug. Durch noch unaufgeklärte Ursache entstand gestern früh inr Anwesen des Landwirts Rutz Feuer. Es verbrannten die beiden Scheunen des Unwesens und das angrenzende Braunsche Wohnhaus. Der erhebliche Schaden ist nur zmn Teil durch Versicherung gedeckt. - Im Hotel Mosebach fand gestern abend eine Uoschstdsfei.er für den zur Armee angehenden .Herrn Landrat v. Gelsa statt. wie Kriegsgefangene transportiert werden. Die großen Massen von Gefangenen, die schon letzt in diesem Kriege gemacht worden sind, stellen unsere sveerführung vor eine schwierige Ausgabe, denn es handelt sich mm dü Transportierung, Festhaltung und Verpflegung einer sebr großen Anzahl von Menschen. Auch für diese Frage sind die Ersahrungen von 1870/71 vorbildlich geworden, und die Grundsätze, nach 'denen vovl Großen Generalslab bei der Fortbringung und Gefangcnbaltung feindlicher Trnvpeirmassen verjähren wird, sind in aller Ausführlichkeit in cinenr Aufsatz der Vierteliahrshrste für Truppeniührung und Heereskundc dargelegt. Durch bte Kapitulation von Sedan gerieten 83 000 Mann in Kriegsgesangenschift, und es schien ickuvierig, dieses Heer zu sammeln und untcrzubringen. Doch Moltkes scharfer Blick hatte rasch den günstigsten Ort heransgejunden. Aui einer von der Maas umflossenen Halbinsel bei Bilette und Jgcs ersolgtc das Sammeln, das bis zuni 4. September abends dauerte. Ein Entweichen von dort war fast unmöglich, und deshalb genügten zur Bewachung zwei Armeekorps und zioei Kavallericbrigaden. Selten aber ist ein so günstiger Punkt vorhanden; gewöhnlich müssen die Kriegsgefangenen in mehreren Biwaks vereinigt werden. So sammelte man die nach der "Kapitulation von Metz gefangenen INannschaflen in sechs großen Lagern. Für die Transpoitc zu Fuß, die sich bis zum Erreichen der «nächsten Eisenbahnstation nicht vermeiden lassen, werden dann die Gefangenen.geordnet, und zwar so, daß die Offiziere in einem besonderen Transport zusammengefaßt sind, während die Mannschaften nach Truppenteilen unter ihre eigenen kriegsgcfangenen Unteroffiziere gestellt werden. Bei sehr großen Massen von Gelungenen können die Transporte nur ganz allmählich und müssen auf meisteren Straßen ersolgen. Tie Mannschaften weiden in Marschsbaffeln erngeteiU, von denen jede durchschn.. nicht mehr als 2000 Gefangene umfassen darf. Um die Schlagserstgkeit der eigenen Armee nicht zu schwachen, muß die Bedeckung möglichst gering sein, aber doch zunächst stets von der Feldarmee gestellt werden. Man hat erkannt, daß die geringste Bcdcckungsmannschaft für je 100 Gefangene 10 Mann und einige Reiter nebst den zugehörigen Offizieren und Unteroffizieren sind. In den Kriegen 1864, 1666 und 1870 schwankte die Zahl der Bcdeckungsmannschasten zwischen 5 und 11 Prozent der Gefangenen, doch erwies sich der Schutz vielfach als zu schvach. Von den in den Kämpfen uni Sedan gemachten 108 000 Gefangenen sind über 14000 aus dem Landtransport entwichen. Besonders schwierig gestaltet sich die Bewachung zur Nacht, wo der Bcdeckuugsniannschaft noch 5 Prozent Jnsautrrie hinzuzufügen sind. Bei der Beförderung aus Eisenbahnen kann die Bedeckung er- hcblich schwacher sein. Jedenfalls muß nach größeren Schlachten zum Aufräumen der Walstatt, zum sammeln der Kriegsbeute und hauptsächlich zum Transport der Gefangenen mit sehr beträchtlichen Kräften der Feldarmee für längere Zeit gerechnet werden. Als Bedeckung kommt in erster Linie Infanterie in Betracht; einige Reiter dienen zur Aufklärung und Begleitung. Die Gesungenen marschieren dicht aufgeschlossen in breüer Front. Für die Gefangenen von Sedan war rasch das Kommando „Zu 5 in einer Reihe" gesunden. Im Falle eines feindlichen Angriffes müssen sich die Gefangenen, das Gesicht dem Erdboden zugewandt, hinlegcn, und auf jeden, der den Versuch macht, sich zu erheben, wird geschossen. Der geringfügigste Anlaß schon, ein Schuß, das Austauchen einiger Franktireurs, kann eine panikartige Wirkung aus die Gefangenen ansüben und die' Bedcckungsmannschast gefährden. Sv glückte es z. B. 1806 50 Husaren, 4000 von den Franzosen Gefangene zu besrcien, indem sie die Nachhut der Bedeckung über denHauien warfen, worauf die Gefangenen den Fran-oseu die Waffen entrissen u. in wenigen Minuten frei waren. Besonders durch ivaldigcs Terrain oder Einbruch der Dunkelheit wird die Massenflucht begünstigt: deshalb muß man bei den Transporten möglichst die Wege vermeiden, die Wälder anfweisen, muß auch die Städte und Dörfer umgehen, um wicht die Bevölkerung zu erregen, und schon vor Einbruch der Nacht im Quartier anlangen. Als die in den Kämpfen von Orleans Gefangenen iorttransportiert wurden, büßte die erste Marschslassel, die ans 70 Offizieren und 907 Mann bestand, beim Durchqueren des Waldes von Fontainebleau 64 Offiziere und 281 Mann ein. Die Marschleistungen der Gesan-genen müssen, so weit es ihr geschwächter Korperzusiand zuläßt, möglichst groß sein. Deshalb werden alle Kranken aus^esondert und für besonders Schwache einige Wagen mitgeführt. So leisteten die bei Sedan Gesangenen täglich nahezu doppelte Tagesmärsche, zwischen 40 und 48 Klm. Zur Verpflegung wird man sich an das Land halten, durch da? man marschiert, oder an die „eiserne Portion", iE denen i-tzt die Manm-» schaften säst aller europäischen Armeen ausgerüstet sind. Dü 8er- pslegungskolonnen der eigenen Truppen dürfen nur im äußerst« Notfälle herangezogeii werden. Möglichst rasch werden dü Geian- geneii ans die Eisenlxihn überführt, wo sie dann leichter nach ihren» Beltimmungsort transportiert werden können. Büchertisch. — 3. Kriegs Nummer der „Illustrierten Zeitung" «Verlag I. I. Weber, Leipzig). Auch die dürwächig« Nummer (3712) enthält wieder ein außerordentlich reiches Material über die Kriegscreignisse. An zeitgeniüßen interessanten Artikel» aus den Federn namhastcr schriststeller seien genannt; „Unsere gcrechl- Sache" von Prof. Dr. Eucken, Jena; „Unsere Aussickzten im Weltkriege" von Oberstleutnant Frhr. von d. Osten-Sacken und vom Rhein; „Tie englische Wehrmacht" usw. Außerdem enthält die Nummer die Fortsetzung der wöchentlichen Ksticgschronck, dü durch eine Fülle vorzüglicher und interessanter Bilder illustrürt ist. Außer einer großen Anzahl von Photographien sind verschiedene Spezialzeichner der „Illustrierten Zeitung" mü flotten stwi- mungsbildcrn von der Mobilisation, dem Äusrücken der Truppen, französischen und belgischen Gefangcntrauspvrten usw. vertreten. Besonders erwähnt sec dabei Felix Schwornstädt mü einem dovvel- stitigen prächtigen, gut deutschen Humor kennzeichnenden Bilde „Verpflegung durchfahrender Soldaten ans einem Leipziger Vor- ortsbahnhos". Ferner seien nock genannt Bilder von der englischen, französischen und österreichischen Armee und der deutschen und französischen Flotte. Einen besonderen Schmuck erhält die Nummer ferner durch ein wirknngsvollcs doppelseitiges Bnntbild. den „Sturm der 26 er aus das Bois de Gipvdeau in der Schlacht bei Beoumont am 30. August 1870" darstellend. Sie ist in allen Buchhandlmigcu einzeln zum Preise von 1 Mark zu haben, Brertel- jahrs-Abvnnrmcnts losten 8,50 Mark. — Wie verständigen sich die Mannschaften der Fcldtruppen mit den f r an z ö fisch s prachlichen Ein- wo hn c r n? Düst im gegenwärtigen Krüge wieder aktuelle Frage findet eine recht beiricdigende Lösung durch dü im Verlage von Gerhard Stalling. Oldenburg i. Gr., erfolgte Ausgabe eines Fran- zösischen Sprachführers für llnteroffizürc und Mannschaften Das- von Leutnant Movzisckewitz verfaßte billige Heftchen icinzeln 25 Pfg., bei Masscnücstcllungcn 20 Pfg.) muß selbst in den Hände» des cinsachen Musketiers, der noch nie ioclsche Laute gehört bat. praktisch wirken, denn es ioird hier nicht etwa ein Erlernen der französischen Sprackze gefordert, sondern der Führer ist so eingerichtet, daß der Mann, um sich verständlich zu machen, nur aus die der deutschen Redensart gegenüberstebende französische Ucbersetzung mit dem Finger zu zeigen hat. Wie wir hören, hat sich der Führer bereits in den letzten lothringischen Manövern bewährt. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Tie ungünstigsten Poilverhältnisse dürste z. Zt. wohl die 2760 Seelen zählende Gemeinde Henchelheim haben. Sie erhält morgenr '1,0 und um 12 Uhr die Postsendungen von Gießen, was also vielleicht schon morgeuS um 11 Uhr in 6)ießen eintrifft, erhalt man erst den anderen Tag zwischen 9—12 Uhr. Aui eine Eingabe an dar Postamt, di« Postiendung um 13 Uhr auSiallen z» lniien, dagegen ucn ‘1,7 Uhr mit der Biebertalbahn zu bestellen^ hat keinen Eriolg gehalst, es soll an Personal fehlen. I» dieser schweren Zeit, wo jedermann aui Nachricht ieiner Liebe» im neide wartet, sollte man doch etwas mehr Entgegenkommen zeigen, ganz abgelehen von den großen Geschästen am Piatz, welche edensallS von dieser Einrichtung nicht erbaut sind. ä. Märkte. v FC. Wiesbaden. Biehhok-Marktbericht vom 28. Augusts Auftrüb. Rinder 128 cOchsen 30, Bullen 19, Kühe und Färsen 79), NSlbrz S , Schal« 34, Schweine 174. Preist iür loa Pfd. Geschäft: mittel. Lebend» Schlacht« Och'rn. gewicht VolMelkchlg«, ausgemästete. höchsten Schlacht» ML Mt. wertes im Alter non 4—7 Jahren .... 47—S2 89 —98 Tü noch nicht gezoaen haben lnngejochte) . . 48—SÜ 87—91 Jung«, fleischige, nicht vnsgemästste unk» ältere ausgemästele . ......... 42—46 79—87 B ul 1.«'v Dol!fleischige, auSge«, höchsten Schlacht!» . . 40—45 70—76 BoLsteischtge, jünger» ......... 37—40 66 — 70 Färsen. Kü h e. Vollileischig« auSgemästet« Färsen höchst« Schlochtwertes...........46-41 66—94 Dollfleischig« ouSeemäilete Küh» höchsten Cchlachlwerte« bis zu 7 Jahren..... 37—44 70—80 Wenig gut entwickelte Färsen....... 40—44 77—84 Aeitere ousgemästete Kühe ... .... 84—36 64—69 Kälber. Mittlere Mast- und beste Saugkälber .... 57—80 96-1« Geringere Dtast- nnb gute Saugkälber . . . 53 —56 88— 94 Gering« Saugkälber. . . .......48—51 81—86 Schake. Weidenrastschast •• Mostlämmer und Masthamme!.... 45,50—00.60 91-00 S chweine. koflfleischtg, Schwein« von §0—100 b* J-bend- gewtcht..............48K 60 62-64 Dollfleiichig« Schweine unter §0 kg;Lebendgewicht 47K-48 61-62 Lollfleischige Schwein« von 100 —120 k; Sebent* gewicht.............. 49*/ 2 51 62-61 Dollfstischige Schweine von 120—150 kg Lebendgewicht .............. 48 00 80 - 00 Feltschweine über 150 ksr Lebendgewicht . . 43-15 54—56 wöqentl. Ueberfilht der Todesfälle i. d. Stadt Sietzen. 32. Woche. Dom 2. bis 8. August 1914. (Einwohnerzahl: angenommen zu 32 900 (inkl. 1600 Mann Militär) Sterblichkeitsziffer: 15,80%, nach Abzug von 6 OrtSsremdsn: 6,32 Kinder Er starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom 1. Lebensjahr: 2.-15. Jahr r Tuberkulose 3 (2) 3 (2) — Bronchialkatarrh I (1) 1 (1) — Darmkatarrh 1 1 Hcrzichlaq 1 1 — Rnckenmarkentzündung 1 (1) 1 (1) — Bnnchseuentzuiiduno 1 (1) 1 (1) Blinddarmentzündung 1 (1) 1(1) — Krebs 1 I — — Summa: 10 (6) 9 (6) i — ~ Anm.: Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel ler Todesfälle in der betreffenden Krankheü aus von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen. Sttindercnntrnacbrichten. Gießen. Aufgebote; August 22. Hermann Christian Wilhelm Schnruch, Buchbinder, mit Sophie Adelheid Lampe, beide in Bremen. — 24. Adolf Theodor Willi Schicktze, Schreiner, mü Marie Margarete Lisette Trank, beide in Gießen. — Jakob Wilhelm Fuchs, Oberlehrer in Frankfurt a. M., mir Maria Elffaberh Auguste Braun in Gießen. . , Eheschließungen: Aug. 26 Erich Moritz Julius Otto Langerhaunß. Chemiker in Gießen, mit^Elisabeth Auguste Frieda: Marie Brandt in Rostock (Mecklb.). — Samuel Teller, S'autmanB^ mit Frime Ehrenbrod, beide in Gießen. Geborene; August 17. Tmn Kanalarbeiler Max Pap* Psitzner eine Tochter. Anna. — Dem Hausdiener Marunilüv».' Pohl eine Tochter, Marie Elisabeth. — 19. Dem Gwß». Ober» Icljier Üubtoifl SSortb ein Sotm^ $etuj Helmut. — 20 Dem Wirt !lS«u»ih Oiultau ltzrüg« ein Sohn. Heinrich ®Rtai:b — Dem Schreiner Rnix'ls l^rrl Johann Hvlmain eilt Sohn — Dem Schreiner Karl August Gäbisch ern Sohn, Walter August Lldolf. — Dem Obcnraiiifmciftrr Wilhelm Löher ein Sohn, Heinrich. — dem HilsSfeuernumn Job. Heuser ein Sohn. Hans. — Dem stellver-- t’-rtenbeu In tendanrur-Sekretär Karl Wctzberger eine Tochter, Viktoria 9[nun Marie Lina Paula. Sterbe fälle: Ilugust 20. Friedrich Füller, 82 Jahre alt, Locher Straße 74. — 23. Willi Erb, LMonlate alt, Neucn-- weg 48. 25. Albert Karl Trinthanrmer, Handlungslehrling. .1 b Jahre alt, Bnrggraben 9. — 27. Abraham Grünebaum, Rentner, 66 Jahre alt, WestLlnlage 60. Fricdbcrg. Geborene: August 17. Dem Kansmann Wilhelm Moll ein Sohn, Wilhelm. — 25. Dem Schuhmacherrneister Heinrich Lpper eine Tochter. «terbesällc: August 26. Opper, 10 Stunden alt. Grünberg. Eheschließungen: Aug. 15. Karl Neeb, Finanzamts-- gehille, mit Emilie Kratz. Damenschneideri», beide in Grimberg. — 23. Reinhard Lavv in Hertingshausen, mit Elisabeth Erbes in Grünberg. — 26. Paul Peter Euler, Ehauffeur in Gießen, mit Marie Ried in Grünberg. Geborene: Aug. 1.4. Dem Schuhmacher Johann Friedrich Gustav Seng ein Sohn, Gustav Traugott. Sterbefälle: Aug. 16. Dorothea Müller, Wtve., 53Jahre alt. — 22. Mathilde Fatun, 30 Jahre alt. Langsdorf. Geborene: Dem Landwirt Hermann Krämer eine Tochter, Minna. Lautcrbach. Eheschließungen: Aug. 3. Franz Heinrich Kans, Kaufmann, mit Marie Katharine Schiebelhuth, beide in Lauterbach. — 4. Georg Kurz, Fabrikarbeiter, nrit Marie Keitz, beide in Lauterbach. — 6. Heinrich Faust, Fabrikarbeiter, mit Marie Dietz, beide in Laüterbach. —■ 20. Friedrich Wilhelm Huscher, Fabrikarbeiter, mit Juliane Stamm, beide in Laüterbach. Geborene: Juli 26. Dem städlischen Kanal- und Straßenwärter Heinrich Bäuscher eine Tochter, Anna Elisabetha. — 11. Dem Schlosser Ludwig Köhler ein Sohn, Friedrich. — 13. Dem 'Fnhrknecht Johannes Roth eine Tochter. Elisabetha. Ster des alle: August 13. Heinrich Stöhr II., Rentner,. 7. " Jahre alt. — 15. Christoph Renker, landw. Arbeiter, 62 Jahre alt, von Angersbach. —-17. Marie Schönhass, geb. Grob, Wwe., 81 Jahre alt. — 20. Marie Schneider, geb. Becker, Ehefrau, 54 Jahre alt, von Maar, —- 22. Gustav Jockel, Krcisstraß«!- meister, 56 Jahre alt. —■ 26. Marie Oestrnch, geb. Fett, Ehefrau, 74 Jahre alt, von Allmenrod. Lollar. Eheschließungen: August 19. Johann Konrad Matterir. Kutscher in Gießen, mit Barbara Kumps in Lollar. Geborene: August 9. Dem Wagner Ludwig Seipp VIII. Än Sohn, Walter. ^ 17. Dem Hüttenarbeiter Peter Preis ein Sohn, Friedrich. Nidda. Eheschließungen: Aug. 3. Adolf Lnpp, Maurermeister, mit Emma Mehring, beide in Nidda. — 4. Karl Ludwig Hermann Schwarz, Oberniontenr in Wetzlar, mit Berta Runk in Nidda. — 8. Gustav Adolf Spengler, Eisenbahnschlosser in Nidda, mit Ba- betta Anna Berta Stadler in Darmstadt. — 18. Wilhelm Lttdwig Karl Heldmann, Obermonteur in Stadthagen, mit Lina Run? in Nidda. Geborene: Aug. 5. Dem Taglöhner Heinrich Dörnis ein Sohn, Heinrich Wilhelm. — 11. Dem Taglöhner Karl Betz ein Sohn, Gustav. — 12. Dem Brunnenverwalter Ludwig von stiott- kap eine Tochter, Alexandra Josesina Katharina. — 18. Dem Schuhmachern!eister Wilhelm Müller eine Tochter, Luise. Verantwortlich für den gesamten redaktionellen Teil: Aug. Go eh. Kirchheim-Teck. Einjähriges. — Bei dem dieser Tage in Stuttgart abgebalkenen Einjälirig-Freiwilligen-Examen hat das Pädagogium twissenschaftliche Abteilung der Höheren Handelsschule) Kirchheim-Teck wieder einen vollen Erfolg erzielt, indem alle seine Kandidaten den Berechtigungsschein erhielten. Im Gegensatz zu anderen Jnstitriten hat die Anstaltsleitung im Interesse der wissensckaftl, uich der kaufmännischen Zöglinge den Unterrichtsbetrieb trotze der erschwerenden Verhältnisse aufrecht erhallen. — Im Einverständnis mit der Oberschnlbehörde sind Einrichtungen getroffen worden, daß im Pädagogium auch Schüler ausgenommen werden, welche das Einjährige oder die Primareife in den hiesigen staatlichen Anstalten — Realschule oder Realprogymuaftum — erwerben wollen. Schüler, welche für die betreffende Klasse noch nicht reif sind, werden im Pädagogium entsprechend vorbe- reiter. Für viele Elten: gewiß eine willkommene Gnrichtuug. Amtlicher Teil. Bekanntmachung. Auf Grund der vom Königlichen Krieg snrinisterinm unterm 21. August 1914 ausgestellten Grundsätze über Abgabe v ou Betriebsstoffen bestimme ich für den Bezirk des XVIII. Armeekorps — mit Ausnahme des Festtrugsbereiches der Festungen Mainz und Coblenz — Nachfolgendes: 1. Die große Bedeutung, die der Bersorgung des Heeres mit Betriebsstosjen für Explosionsmotoren beizumessen ist, j wacht es notwendig, daß die Freigabe von Benzin usw. aufs äußerste eingeschränkt wird. 2. Die Freigabe vou Benzin^ Benzol und sonstigen leichtsiedenden .Petroleum- und Teeröl-Destillaten, die für den .Betrieb von Explosumisntotoren geeignet sind, darf, nur in beschränktem Umfange au die nachstehend bezeichueten Verbraucher staNfinden: a) Feuerwehren, bl Krankenhäuser und Aerzte, I o) Fabriken und sonstige Betriebe, die Heereslieferimgeul auszuführen haben, soweit sie hierfür Benzin oder Benzol nicht entbehren können und d' Bergwerke zur Speisung der Wetter-Slctwrheitslampen. 3. Den Gesuchen um Freigabe muß eine Bescheinigung des betr. Landrats nsw. über die Richtigkeit der gemachten Angaben beigefügt sein. Die Beurteilung der Notwendigkeit der Freigabe bleibt jedoch ausschließlich dem stellvertretenden Generalkommando überlassen. )4. Der nur einmal gültige Freigabescheiu wird (Muster eines .Scheines ist beigrsilgt) auf eine bestimmte Menge lauten. 5-Etwa bereits ausgestellt« unbeschränkte Frei- l gäbe sch ei ne ohne Mengenangabe werden hiermit für ungültig erklärt und sind an das Generalkommando zurnck- zureichen. ! 6. Freigabe von Betriebsstoffen für landwirtschaftliche M o t o r e wird besonders geregelt, Bescheinigung usw. wie zu Z. 3. :7. Tie Zivilbehörden haben für geeignete Bekanntmachung der vorstehenden Verfügungl durch alle Ortspolizeibehörden und Amtsblätter zu sorgen. 8. Die Verkaufsstellen haben am Sonnabeudjeder Woche die Freigabe scheine» die vont Verkäufer des Benzins usw. einzubehalten sind, an die Inspektion des Militär-Luft- stnd Kraftfahrwesens in Berlin-Schöneberg einzusenden. Nachstehend eine Anleitung für Vergasereinstellung für Spiritus-Brennstoff. Frankfurt a. M., den 27. August 1914. Der kommandierende General. , Freiherr von Gall, General der Infanterie. Anleitung für Vergasereinstellungen für Spiritus-Brennstoff.*) Zunächst muß für eine gute Anwärmung des Vergasers gesorgt werden. Um nur reinen Spiritus venoenden zu können, bedarf es der Anbringung eines Benzin-Zwischenbehälters, welcher zum Anlassen oder Ankurbeln und zum Warmwerdeu des Motors dient. Ist dieses erfüllt, so wird durch eineu Zwischenhcchn vom Benzol auf Spiritus umgestellt. Da der Brennstoffverbrauch bei Spiritus iu der Menge höher ist, als bei Benzol, ist es zu empfehlen, eine Mischung mit Benzol und Spiritus vorzunehmen: und zwar haben Versuche ergeben, daß man mit 7 0°/o Spiritus und 3 0«/» Be nzol-Zusatzdie besten Ergebnisse erzielt. Bei vorgesagterMischung kann auch der vbengenamrte Zwischenbehälter für Benzin in Wegfall kommen. Auch wem: der Motor sich, im kalten Zustand beftndet, genügt eine einmalige Einspritzung in die Kompressiousräum«, unr den Motor in Gang zu bringen. Man läßi hiernach den Motor so lange auf der Stelle laufen, bis er sich genügend erwärmt hat, wonach das .AnkurbelU ohne Einspritzung von statten gtfrt. Vergaser-Einstellung. Je nach der Größe von Motor und Vergaser ist bei allen Konstruktionen der Brennstoffdüsen-Austritt nach Bedarf zu vergrößern, an Vergaserkonstrullione», die Zusatzlnft-Zuführung aus- weisen, ist selbige nach Bedarf zu vermindern, bis der Motor zum einwandfreien Laufen kommt. Schwimmer sind nach Bedarf zu beschweren, ab« unbedingt nötig ist es nicht. Bei Spiritus ohne Benzol-Mischung muß der Brennstoff- düsen-Austritt größer sein, als bei Aenzolznsatz-Mischung. *> Vorstehende Anleitung! kann von Krastwagenbesitzern beim Generalkommando empfangen werden. Bekanntmachung. Betr.': Die landwirtschaftliche Winterschiile zu Lich. Wir verweisen hiermit auf unsere Bekanntmachung im Gießen« Anzeig« Nr. 203 über den Beginn der obigen Schule im Winter 1914/15 und beauftragen Sie, diese Bekanntmachung alsbald einigemal ortsüblich »«öffentlichen zu lassen und bei den Landwirten Ihr« Gemeinden, welche Söhne haben, die den landwirtschaftlichen Berus «greifen wollen, auf Anmeldungen zum Schuleintritt eindringlichst hrnzuwirken. Zugleich empfehlen wir möglichst bald, spätestens ab« bis zum 10. September d. I. eine Mitteilung an den Schulvorsteher, .Hern: Oekouomi«at Weitzel zu Lick, gelangen zu lass«: 1. über die Namen derjenigen jungen Landwirw Ihrer Gemeind«!, welche in diesem Herbste in die landwirtschaftliche Wipterschule Lich eintreten wollen: 2. üb« die genau«! Adressen derjenigen Eltern, die zwar zum tzBlesnche der landwirtschaftlichen Schule geeignete Sühne besitzen, sich aber noch nicht entschlossen haben, fte die genannte Schule besuchen zu lass«!. Die Vollständigkeit der an Herrn Oekonomi«at Weitzel in Lich zu erstattenden Mitteilungen werden wir kontrollieren. Gießen, den 28. August 1914 Großherzogliches Kreisamt Gießen. Br. Using er. Betr.: Ausführung d« Reichsversicherungsordnung. An dir Grotzh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises. Wir haben die Erfahrung gemacht, daß Sie den § IS ber Bekanntmachung vom 22. September 1913 (Siehe Regierungsblatt 1913 Nr. 22 Seite 182) nicht genügend beachten. Mr bringen deshalb diese Bestimmung und unser Amtsblatt ohne Nr. vom 24. Oktober 1913 in Erinnerung. Gießen, den 26. August 1914. Großherzogliches Kressamt (Versich«ungSaMt> Gießen. I. V.: Welcker. Bekanntmachung. Wir machen auf folgeickes aufmerksam: 1. Für Versicherte, die zur Erfüllung d« Wehrpflicht in Mo- bilmachungs- oder Kriegszeit«! eingezogen werden oder in dies«: Zeiten freiwillig nrftftäriiche Dienstleistungen verrichten, brauchen während d« Dienstzeit keine Befträge zur Invaliden- und Hiuter- bliebenenv«Sicherung «ltrichtet zu werd«i. Zur Aufrechterhaltung d« Anwartschaft w«den für die Dau« d« Dienstleistung Bei- tragswochen II. Lohnklasse augerechnet. 2. Für Versicherte, die durch den d«zeiftgen Kriegszustand ihre Beschäftigung infolge Schließung d« Geschäfte, Fabriken, Betriebe usw. ausgeben mußten, in eine neue versicherungspflichtige Tätigkeit ab« nicht eingetreten sind, empfiehlt es sich, daß sie sich durch freie Beitragszahlung weiterversichern. Sie lausen barat nicht Gefahr, daß sie durch zu wenig geleistete Wochenbeiträge die Anwartschaft auf Rente v«li«en. Durch diese Weiterversicherung sichern sich ab« diese Versicherten auch für den Fall ihr« Erwerbs- Unfähigkeit eine höh«e Rente. Gießen, den 26. August 1914. Großherzogliches Kreisamt (V«sicherungsamt) Gießen, I. B.: H e m m e r d e. Bekanntmachung. Betr/: Feldbereinigung Leihgestern: hier die Grenzregulkrnngen1 mit Großen-Linden, Ober-Steinberg, Watzenborn-Ster n- b«g und Schiffenberg. Mit Entschließung vom 11. Juni 1914 hat Großherzogliches Ministerftmt des Innern, Abteilung für Landwirtschaft, Handel und Gewerbe d«t Zuteilmrgsplan gib« diechen Nachbargcmarkungea Großen-Linden, Ob«--Sternberg, Watzenborn - Sternberg und Schisfenberg ftng^ogeuen Grundstücke auf iGrirnd von Artikel 36 des Feldbereimgungsgesetzes ftr d« Fassung d« Bekanntmachung vom 7, Juli 1906 sich vollziehbar «llärt. Ich bestimme nunmehr als Zeitpunkt d« Ausführung (Ei- gentumSübmgangl den 1. Oktob« 1914 und überweise mft Wirkung von dies«n Tage den Beteiligten die Neuen Grundstücke Die Ueberweisung erfolgt unter folgenden Bedingungen: 1. Meliorationen können auf den neuen Grundstücken auch fernerhin vorgenmnmen werden. 2. Die beteiligten Grundeigentümer müssen sich eine Veränderung d« Zuteilung gefallen lassen, die infolge d« Ausführung von Meliorationen, d« Anlage von Wegen, Grab«! oder aus sonstigen Gründen innerhalb d« Zeit der Ausführung dies« Arbeften notwendig wird. Ein hierdurch bedingt« Ab- und Zugang von Gelände wird dem neuen Eigentum« nach dem Bonitätsw«t v«gütet b^w, zugeschrieben. Friedberg, den 24. August 1914. T« Großherzogliche Feldbereiuigu ngskommiffär: Schnittspahn, Kreisampnann. 5 Zimmer Kch. 5-Zinuncr Wobnuna n:. groß. Badezimmer:c„ alsbald od. später beziehbar. Alt vermieten. 9474 Nah. Walltorsiraße 75 v. ) 2 Zimmer “*“] (j; ne größere2-Zimmer- Wvbnuua sofort zu verm. Nähercs Lteinschas,e48i,. I Verschiedene | 063591 Kleine Wohnung zu vermieten. Rittergaffe 29. I Möhl. Zimmer\ 06377] Möbl. Zim. z„ ver- mieteit. Krabenitraße 11II ÖMtzMöbl. 3im.mil u. ohne Den s.z.verin. Sonnenstr.3«. I Li&den u. dffl. j Brerdeilall mit Buricben oelaü z» vermiet. iNähereS Walltoritr. 75 l., Bureau. 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