Nr. 205 Der Siebener Anzeiger erschein! täglich, außer Sonntag?. — Beilagen: viermal wöchentlich kiesiencrZamIIienblätter; zmcnnatwöchenll.llrels. blatlsür-enXreiLSieben (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land- wirtschaftlich« Aeitfragcn Fernsvrech - Anschlüsse: sür die Redaktion 112, Verlag n. Erpedition 51 Adresse iür Depeschen: Anzeiger Gießen. Ilneahme von Anzeigen iür die Tagesnummer bis vormittags 3 Uhr. Erstes Blatt m. Zahrgang Montag. 3t. August X9X4 KtzMMLMM General-Anzeiger für Oberhessen Rotationsdruck und Verlag der vrühl'schen Univ.-Such- und Steindruckerei R. Lange. Redattiou, Lrpedition und Druckerei: Schulstratze 7. Anl-.g-nt-ü:' BeL Bejugspret»: monatlich75Ps., vierteljährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 PH; durch diePost Mk.2.— viert el- jährl. ausjchl. Beitcllg, Zeilenpreis: lokal15Ps, auswärts 20 Mennig. Chefredakteur: A.Goetz. Verantwortlich für den polit, Teil: Aug. Goey; sür .Feuilleton', .Vermischtes' und.Gerichts- snal': Karl Reuralh; iür .Stadt und Laird': Dreihigtausend Nüssen in deutscher Gefangenschaft! Ein Seegefecht. Wir haben am Samstag nicht mehr allen unseren Lesern die Botschaft von dem großen Siege unserer Truppen üücr die Russen im südlichen Ostpreußen vorlegen können; dafür werden sie aber entschädigt durch eine ergänzende Meldung, die erst heute früh eingelaufcn ist: über 30000 Russen mir vielen hohen Offizieren gerieten in deutsche Gefangeni- schaft. Man erinnert sich jener denkwürdigen Mitteilung des Gencralauartiermcistcrs, worin angekündigt wurde, daß aus tralcgischen Gründen der vorläufige Einzug russischer Truppen 'Reiterei) in der Gegend von Insterburg hingenommcn tvcrdcu müsse, daß aber die deutschen Kräfte zunächst auf einer «ruderen Stelle gegen den Feind zum Schlage auslwlc» > würden und das; eine entscheidende Schlacht mit den Russen uinnittelbar be- vorstchc. Prompt, wie sic augekündigt war, ist diese Entscheidung auch gefallen, und zwar hat sich auch die Zuversicht deS Gencralquartiermcisters glänzend bewährt, Unter der Führung des Generalobersten v. Hindenburg ist das vom Flusse Rarem vorgcgangcnc russische Heer in der Stärke non fünf Armeekorps und drei Kavalleriedivisionen in dreitägiger Schlacht in der Gegend von Gilgenburg und Or- telsburg geschlagen und über die Grenze zurüctgcworsen worden. Der Schauplatz war also das Secngebict vou Masuren, und das erklärt es wohl auch, daß, obwohl die Deutschen an Zahl den Russen sicher unterlegen ivaren, so viele Gefangene in unsere Hände geraten sind. Rach der untenstehenden Meldung handelt cs sich um einen geradezu glänzenden ^ieg, der denn auch in dem bedrohten Ostpreußen mit heller Begeisterung gefeiert worden ist. Ob nun unsere siegreichen Truppen den Feind nach Rußland hinein verfolgen und nach Süden Vordringen, oder oh sie zunächst den eisernen Besen gegen die Eindringlinge lveiter im Nordosten, also in Insterburg, wenden werden, ist wieder eine Frage der Strategie, die wir nicht entscheiden können. Möge cs nur den Oestcrreicheri, gelingen, in der mehrtägigen Riesearschlacht zwilchen Lublin und der Festung Avangorod, loo sich die Russen gute, befestigte Stellungen geschaffen haben, ebensolche Erfolge zu erringen, wie es dem General von Hindcn- durg beschieden war! Noch eine Nachricht ist am Samstag mittag bei uns ein- gelausen, die wir ebenfalls durch Anshang schon hekrnnt- gegeben haben, die untenstehende Meldung von einem Seegefecht in der Nordsee. Zwar l)aben wir dabei einige kleine Schiffe cingcbüßt, allein auch dieser Kampf hat.den Engländern gezeigt, daß sie cs mit einem kühnen und todesmutigen Gegner zu tun lfoben. Es ist anzunehmen, daßauch einige englische Schiffe unbrauchbar geworden, wenn nicht gar gesunken sind, denit es wird ja au- errglischer Quelle zngestan- den, daß die englischen Schiffe schioere Beschädigungen erlitten haben. Vielleicht wird die. Oberleitung der Marine nunmehr vor allzu kühnen Vorstößen unserer Schiffe warnen. Das Seegefecht vor Helgoland ist mit scner kleinen Schlappe zu vergleichen, die wir zu Lande im Paß von schirm eck vor längerer Zeit erlitten, aber alsbald wieder doppelt und vielfach wettgemacht haben. Unsere großen Schlachtschiffe sind noch nicht im Kampfe gewesen, und dem britischen Jnselvolk werden noch Ueberraschungcn blühen! Zu dem deutschen Siege im Osten. sagt die „B. Z. am Mittag": ..Nun atmcn ivir beireit, im tiefsten beglückt und dankbar auf. Auch Rußland bat die unwiderstehliche Kraft des deutschen Heeres gespürt, auch Rußland sieht seine Truppen geschlagen und verfolgt von den unseren. Wo ist ein Beispiel in der Geschichte sür das .Heldentum, das in diesen! riesenhaften Ringen die Kausche Wehrmacht an den Tag legt? Wo ist das Volk, dos einen so ungeheuren .ecrieg mit solcher Wucht zu führen imstande ist? Freilich, iwch ist nicht die ganze russische Armee zermalmt, aber irun haben >oir die Gewißheit erlangt; dieser Tag wird uns leuchten!" \ 0WTB ) Berlin, 31.Aug. «Amtlich.) Bei den großen Kämpfen, in denen die russische Armee in Ostpreußen bei Dannenberg. Hohenstein und Ortelsburg geworfen wurde, gerieten nach vorläufiger Schätzung über 30styl» Russen mit vielen hohen Offizieren in Gefangenschaft. Königsberg i. Pr., 20. Aug. Die Nachricht von dem Siege der deutschen Truppen im Süden unserer Provinz wurde in der Provinzialhaupfftadt mit großer Freude ausgenommen. Bald nach dem Be karrnt werden der frohen Kunde erschienen überall auf öffentlichen und privaten Gebäuden Flaggen. Die Glocken aller Kirchen läuteten zur Feier des glücklichen Ausganges des dreitägig'en Ringens, als dessen Rückwirkung nunmehr die baldige Befreiung der ganzen Provinz von deni eingedrungenen Feinde erhofft wird. Auch in den Provinzstädtcn fand die Siegesbotschaft frohesten Widerhall. Ein Seegefecht vor Helgoland. (WTB.) Berlin. 29. Aug. Im Laufe des gestrigen Vormittags sind bei teilweise unsichtigem Wetter mehrere moderne englische Kreuzer und zwei englische Zcrstörerflottillen «etwa 49 Zerstörer) in der dem ichen Bucht der ddordsee nordwestlich Helgoland auf getreten. Es kam zu hartnäckigen Einzelgcfechten zwischen diesen und unseren leichten Streickrästcn. Die deut- ichen kleinen Kreuzer drängten heftig nach Westen nach und gerieten dabei infolge der beschränkten Sichtweite mit mehrere» starken Panzerkreuzern ins Gefecht. jS. M. Schiff „Ariadne" sank, von «zwei Schlachtschiffkreuzcrn der Lion-Klassc auf kurze Entfernung mit schwerer Artillerie beschossen, nach ehrenvollem Kampfe. Der weitaus größte Teil der Besatzung (voraussichtlich 259 Köpfe) konnte g c - rettet werden. Auch das T o r p c d o b o u t „B 187" ging, von einem kleinen Kreuzer und zehn Zerstörern aufs Heftigste beschossen, bis zuletzt feuernd. in die Tiefe. Flottil- lenchcf und Kommandant sind gefallen. Ein beträchtlicher Teil der Besatzung wurde gerettet. Die kleinen Kreuzer „Eöln" und „Mainz" werden vermißt. Sie sind nackt einer heutigen Reutcr- mcldung aus England gleichfalls im Kampf mit über- legenrn Gegnern g e i u n k c n. Ein Teil ihrer Besatzung (9 Offiziere und 81 Mann?) scheint durch englische Schiffe gerettet worden zu sein. Nach der gleichen englischen Quelle haben die englischen Schiffe schwere Beschädigungen erlitten. Berlin, 30. Aug. (W. B. Nicht amtlich.) lieber die heldenmütige Energie, mit der das Torpedoboot „V 187" sich bis zum letzten Augenblick gegen die feindliche ilebermacht ivehrte, gcht der Bericht eines Augenzeugen) Kunde, den, loir folgendes entnehmen: „V 187" sah sich bei umsichtigeni Wetter ganz unerwartet zuerst von Norden und daun allerseits von Massen britischer Tor- vedobootswrstörern und Unterseebooten angegriffen. „V 187" wehrte sich unverzagt mit allen Kräften, dock, setzten zahlreiche Schüsse, aus nächster Nabe abgegeben, seine Bewegungssähigkeit herab. Da keine Möglichkeit war, sich den: feindlichen Feuer zu entziehen, drehte „V 187" aus den Feind zu, um ein Passiergefecht zu geioinnen und bis zum Ende durchzukämpsen. Als unter dem. Geschoßhagel die Bewegungs- sähigkeit vollständig verloren gegangen war. wurde schnell im Innern eine Sprengung vorgcnommen, um das Boot nicht in Feindeshand fallen zu lassen. Jetzt sank es schnell und während es sank, st and die Besatzung bis zum letzten Augenblick an den noch brauchbaren Geschützen und feuerte. Der Flotillenchef, Korvettenkapitän Wallis, und der Kommandant, Kapitänle.ctnant Zeehlcr, fanden den Heldentod. Anzuerkennen ist, daß der Gegner, ungeachtet der eigenen Gefahr, Beiboote zur Rettung der unsrigen aussetzte. Als sich deutsche Streitkräste näherten, mußte er sich von den Beibooten zurückziehen, aus denen wir dann die geretteten deutschen auf- nahmen. Bon dem Untergang S. M. Schiff „Ar iah ne" gibt derselbe Augenzeuge folgendes Bil>h; Bon denr Kanonendonner gerufen, der ein Gefecht der Borpostenstreitkräfte anzeigte, eilte S. M. Schiit „Ariadne" diesen zu Hilfe. An der Vorpostenkette entdeckte „Ariadne", daß einzelne leichte Streitkräste beschossen worden waren. Zwar waren die Schüsse inzwischen verstummt, aber ein Rückzug entspräche nicht dem Kampsesmut der deutschen Ofsiziere und Mannschaften. Ber- solgung, Fühlung mit dem^ Feind gewinnen, heißt die Losung. Aber Nebel verhüllt die Stärke des Feindes. Plötzlich ertönt neues Geschützfeuer, und schön stößt „Ariadne" aut eineu der Unsrigen, der mit zwei Panzerkreuzern der Lron- K l as s c, Schiffsriesen von je 27 000 Tonnen-mit je allst 34.3»cm Geschützen im Kanrpfe liegt. Mutig springt '„Ariadne" dem Bedrängten bet. Aber in diesem Augenblick wird sie beschossen. Ein Treffer in den Keffchraum setzt die Halste der Kessel außm Betrieb und vermindert die Geschwindigkeit auf 13 Seemeilen. Noch eine balbc Stunde währt dm ungleiche Kamps, das Achterschlt, brennt, doch die übrigen Geschütze feuern weiter. Auch aut das Vorderschisf dednt sich der Brand aus. Der Feind hat inzwischen nach Westen abgedrcht. Die tapfere „Ariadne" ist dem Untergang geweiht. Getreu der Ueberlieferung, mit drer Hurras gut den Allerhöchsten Kriegsherrn, mit dem Flaggenliede und „Deutschland, Deutschland, über alles!" wird d a S Schiff in Ordnung verlassen. Kurze Zeit daraus verschwindet das Wrack in den Fluten. Der erste Offizier, Korvettenkapitän Franck. Schiffsarzt Ritter v. Boxberger und Wachoffizier H e l b i n g mit ungefähr 70 Mann der Besatzung sind gefallen. Groß ist die Zahl der Verwundeten. War dieses Treffen mit dem übermächtigen Gegner auch nicht glücklich, so war es doch ein Zeugnis der Kampsessreudigkeit, der zähen Ausdauer und des höchsten Mutes. Ter Feind ist, wie er selbst zugibt, schwer geschädigt, das Vertrauen der Unsrigen in das eigene Können nicht geschmälert, sondern gewachsen. (WTB.) Wien, 30. Aug'. In Besprechung des Seegefechts bei Helgoland daS „Fr c m d e n b l'a t t" hervor, daß auch diesmal wieder die deutsche Unerschrockenheit und Tapferkeit zutage getreten sei und fährt dann fort: Die Teilnahine und Bewimderung ganz Oesterreich-Ungarns wendet sich den hcroischendeutschen Matrosen zu, welche, wenn sie nicht siegen konnten, der Welt gezeigt lptben, wie die deutschen Blaujacken zu sterben verstehen. Die norwegische Presse über die deutschen Siege. (WTB.) Christiania, 29. August. (Privattelegr.) Die Abendblätter besprechen den deutschen sieg über die Franzosen äußerst sympathisch. „Morgen^ bla de d" sagt: Die Siegesmeldung sei überwältigend. Daß Deutschland siegen würde, daran sei nicht gezweifelt worden, daß es aber seine Gegner mit einem Schlage von Belgien bis zur schweizer Grenze in die Flucht trieb, sei eine kriegshistorische Begebenheit, die keiner erwartet habe. Die knappe DLcldung über dieses Geschehnis sei wundervoll und ein Zeichen kraftvoller Bescheidenheit. Aus dem Wege nach Paris gebe es für die Deutschen kaum noch größere Hindernisse, da sie das größte überwunden haben. Die jetzt gewonnenen Kämpfe seien von welthistorischer Bedeutung und würden sicherlich Europas Schicksal für lange Zeiten bejtimmcn. „A stenpo st" sagt: Wenn man auch noch nicht mit aller Bestimmtheit von einem materiellen Sedan Frankreichs, Englands und Belgiens sprechen könne, so doch von einem moralischen. Denn ungeheuer viel gehörte dazu, die Moral bei einem zweimal nach einander geschlagenen Heere zu retten. Die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Straßburg (Elsaß), 30. Aug. (W.B. Nichtamtlich) Der „Straßburger Neuen Zeitung" wird ans Mülhausen vom 28. August berichtet: lieber den zuriickgesckstagenen Vorstoß der Franzosen ans das Elsaß wird nachträglich noch bekannt, dgß die Franzosen, die Mülhausen achtzehn stunden besetzt hielte», eine große Wagenladung französischer Gesetzbücher mitgebracht hatten, sowie weitere Bagage mit französischen Schulbüchern und Atlanten: in diesen war Elsaß-Lothringen als ein Teil der französischen Republik eingedruckt. Jin Rathaus Mt Mülhausen war bereits ein französisches AuShcbungsbureau eingerichtet und französische Wappen ivaren an den Kassenschränken angebracht worden. Der Sieg über die englischen Truppen. Berlin, 29. Aug. (Nichtamtlich.) Der Kriegsbcricht- crstatter der „B. Z. am Mittag" meldet aus dem Großen Hauptquartier zu dem Sieg über die Engländer: Der neue Sieg über die Engländer bei Saint Quentin ist dadurch zustande gekommen, daß wir unsere Kavallerie- massen vor die in der Richtung auf Saint Quentin fliehenden, englischen Heeresmassen schoben und sie so lange auß- hielten, bis unsere sie verfolgenden Armeekorps sie nochmals entscheidend angreifen konnten. Tic Niederlage ist vollständig: die Engländer sind nun gänzlich von ihren rückwärtigen Verbindungen abgeschnitten und können nur auf eineu der Landungshäfen Dünkirchen, Calais, Le Havre oder Cherbourg laufen. Das Kaiserpaar. (WTB.) Bad-Nassau, 29. Aug. (Amtlich.) Der Kaiser und die Kaiserin trafen heute nachmittag in Bad-Nassau zusammen, um in schicksalsschwerer Stunde sich zu begrüßen. Die Zusammenkunft fand iin Schlosse des Freiherrn von und zum Stein statt, in dem die Majestäten mehrere Stunden in Zurückgezogenheit verweilten. Die Majestäten begrüßten dann in teilnehmenster Weise jeden einzelnen der zahlreichen verwundeten Krieger, die sich gegenwärtig in Bad-Nassau befinden. Die Kaiserin besuchte vor ihrer Rückreise nach Homburg das Kurhaus sowie das als Reserve-Lazarett eingerichtete Hcnrictte-Theresienstijt, und zeigt jedem einzelnen Soldaten die wärmste persönliche Teilnahme. General Lützendorf beim Kaiser. Berlin, 29. Llngust. Der Kaiser cmvfing im Hauptquartier den General Ludendorf, umarmte ihn und hing ihm persönlich den Orden pour le merite um. Kronprinz Rnpprecht. (WTB.) München, 29. Aug. Der Kronprinz Rupp« recht von Bapern richtete anläßlich des Hinscheidens seines Sohnes, des Erbprinzen Luitpold, an den König ein Telegramm, das mit den Worten schließt: Die Pflicht heischt jetzt handeln, nicht trauern. Frauen und Kinder aus Tsingtau entfernt. (WTB.) Berlin, 29. August. (Aintlich.) Während in ganz Deutschland das ivärmstc Interesse besteht an dem heldenmütigen Kampfe, welchen die tapfere Marinebesatzung von Tsingtau gegen die japanisch-englische Uebermacht bis zum Aeußersten durchkämpfen wird, ist zugleich tiefe menschliche Teilnahme verbreitet an dem Schicksal der Fr allen: und Kinder, die sich in der Kolonie befanden. Es wird deshalb überall das Gefühl der Beruhigung und Genugtuung erwecken, daß es nach zuverlässigen Nachrichten gelungen ist, die Familien aus Tsinatau zu entfernen und nach neutralem chinesischen Gebiete zu bringen. Inzwischen dürften sic bereits in Schanghai eingetroffen sein. Seitens der Marineverwaltuiig ist rechtzeitig alles vergnlaßt worden, um diese Familien mit Geldmitteln und sonst in jeder Weise zu unterstützen. * . * ! Das 5chlachtse!d zwischen Weichsel und Dnjeftr. Zwischen Weichsel und Dnjestr tobt die österreichisch-russische Rieicnschlacht. Nachdem die österreichischen Heere die Bergketten der «ich von Norden nach Südosten dehnenden galizuchen Grenze durchschritten haben, rücken sic von Sieg zu Sieg norivärts., im Westen mit dem Ziel Warschau unb Brest Litowsk im südosten, um über Rowno Kiew und das Tal des Dniem zu erreichen. Die Mitte dieses mehrere hundert Kilometer langen üriegstbeaterS füllt der „Poljesje", durch die der' Pripet seine schmutzig-gelben Wässer in kaum wahrnehmbarem Gerillte langsam treibt. Lein ganzer, nach Osten gerichteter Oberlauf liebt niclüs als nnumigen Erlenwald, trübe, vom Frübiahrshochwaner zurückgebliebene Lachen und hier und da üpvcg wuchernde Snmvfblumen. Kein Kirchturm, kein größerer Ort, nur selten ein schmutziges Dorf, dessen wenig« Bewohner Tors stechen, dabei von der ständigen Gefahr bedroht. in btm zähen, eklen ®Tc „Kwas", bilden oft seine einzige Nahrung. Anders liegen oie Verhältnisse auf dem östlichen Teile des österreichisch-russischen Kricgstheaters. An die starken Waldungen des noch au!) österreichischem Boden gelegenen Quelleirgebietes des Bug schließt sich östlidi in der Gegend des russischen Waffenplatzes Dubno flaches Hügelland an, das weiter südöstlich in die reichen Kornkammern Rußlands ansläiist. in die Täler des Dnjepr, des unteren Bug und des Tnjestr. Große Dörfer von 200 bis 300 Gehöften reihen sich aneinander, und die aus Lehm gebauten und mit Stroh bedeckten Gebäude bergen reiche Vorräte. Zum Teil ist die Ernte schon einaebrachi: Viehherden weiden aus den üvvigen Wiesen und in weiten Gehegen tummeln sich sehnige Pferde, .hier wohnt der Kleinrusse mir seiner typisch gedrungenen Gestalt, seinem starken Nacken, der kleinen Nase und dem großen Mund, das starre, strohblonde haar unr den Kopf rundherum aügcschnitten. Er besitzt nichts von dem unruhigen Nomadenblut des Großrussen. Sanft und gutinütigcr als der Moskowiter, im Gegensatz zu diesem von starkem Rechtsgesühl beseelt, ist er ein phlegmatischer und schweigsamer Arbeiter, der dem Boden seinen natürlichen Reichtum «bringt und mit Liebe an seiner Scholle hängt. Was die österreichisch-ungarische Armee braucht, ist in diesen Gegenden im llcberslust vorhanden. Gute Straßen, reichliche Transportmittcll und nicht zuletzt ein ausgedehnter Bahnncy stehen ihr zur Verfügung. Gelingt es ihr, die ivcnigen Gren-!«tungan zu nehmen und die russische Armee entscheidend zu schlagen, dann steht der Weg in das reiche Innere Rußland- mit Moskau als fernen! Ziel offen. Eine große Schlacht zwischen Desterreichern und Russe». W i e n, 29. August. (Wiener Telegraphen-Bureau.) Das Kriegspresseguartier meldet amtlich: Die seit dem 26. August tob endegroß eSchlachtdauertfort. Die Lage unserer Truppen ist günstig. Das Wetter ist lvarm und sonnig. I Wien, 30. Älugust. (W. B.) Der Korrespondent des „Diener Neuen Tageblattes" im Hauptquartier meldet: Die große 2 ch l a ch t ist heute, am vierten Tage, in vollem Gange. Sie steht gut für uns. Die linken Flügel- truppen rücken gegen Lublin und Zamocs langsam, aber sicher vor, stoßen aber immer wieder auf neue verschanzte Gegner. An Stelle von Frontalangriffen sind zeitraubende Umgehungen notwendig. Drei Zügen des Infanterieregiments Nr. 72 gelang ein rascher Frontalangriff, bei welchem zwei russijckze .Hauptleute, sechs Subal- tcrnofsiziere und 470 Maun gefangen genommen wurden. .Die Kräftegruppen zwischen Bug und Wieprz griffen ein« russische Division mit Erfolg an, so daß sie nur unter dem Schutz der Nacht entkam. Generalstabshauptnürnn Rohmann ist mit seinem Flugzeug abgestürzt und getötet worden. Das Armeeverordnungsblatt veröffentlicht gerade heule eine Auszeichnung Roßmanns für hervorragendes tapferes Verhalten vor dem Feinde. WDB.) Wien, 30. Aug. >Nichtrrmtlicb.) Da? hiesige österreichisch-ungarische Generalkonsulat stellt uns die folgende Zirkulardepcsche des Grafen Berchtold zur Verfügung: „Soweit sich heute mittag überblicken läßt, ist das große Minzen unserer Armeen mit Hauptkrästen des russischen Heeres noch nicht zur Entscheidung herangereisl. Nur die Erfolge der von dem General der Kavallerie Viktor Dankl in der Schlacht bei Krasnik siegreich geführten Armee sind bereits einigermaßen zu übersehen. In einer zweiten Schlacht vom 27. August, die durch die heldenmüttge Erstürmung einer stark besestigten Stellung auf den Höhen von Nicbrzwicabuza gekrönt war, gelang es, die bei Krasnik zurückgeworfenen russischen Kräfte und herangeführten Vefftärkungen — im ganzen etwa zehn Divisionen von sechs verschiedenen Korps — neuerlich z u schlagen. Eines unserer Korps nahm in dieser zweiten Schlacht einen General, einen Obersten. 3 sonstige Stabs- und 40 andere Offiziere und zirka 2000 Mann gefangen und erbeutete wieder sehr viel Kriegsmaterial," Ausstand in Rusfisch-Pole». Krakau, 29. Aug. (Nichtamtlich.! Die Zeitung Ezas brachte gestern die Nachricht, daß in Kielce folgende Bekanntmachung an die Einwohner von Kielce angeschlagen worden ist: Am heutigen Tage habe ich die Führung der politischen Geschäfte der Stadtverwaltung übernommen. Im Namen des Ober-Kommandos der volnischen freiwilligen Legionen fordere ich die Bevölkerung zum Eintritt in die Reihen der polnischen Legionen unter Teilnahme an dem Wirken für die nationalpolnische Sache aus. Folgende Anordnungen find genau zu befolgen: Alle r u s s i s ch e n A u f- schriften, Schilder usw. sind binnen 24 Stunden zu entfernen; Zuwiderhandelnde werden zu strengen Verantwortungen gezogen. Auf öffentlichen Gebäuden sind p o l- nischeNatioual-Fahnenzu hissen. Mit der Exckutiv- Gewalt hinsichtlich politischer Uebertretungen, Vergehen ist hie Feld-Gendarmerie der volnischen freiwilligen Legionen betraut. Es ist jedermanns Pflicht, Verräter und Spione den Behörden anzuzeigen. Druckschriften unterliegen der militärischen Zensur. Die Bevölkerung ist aufgesordert, allen Anforderungen der österreichischen Behörden Folge zu le isten. Die Bekanntmachung ist unterschrieben von dem Kommissär der polnischen freiwilligen Legionen Msokolmki. Wien, 29. Aug. (W. B.) (Nicht amtlich.) Die „Reichspost" veröffentlicht den Bericht ihres Sonderberichterstatters bei den polnischen Freiwilligen aus Jedrze- j o w vom 22. August. Der Bericht stellt fest, daß die polnischen Schützen überall von der Bevölkerung, in welcher der Haß gegen die Russen sehr groß sei, begeistert aufgeuonimim wurden. In allen besetzten Orten Russisch-Polens ivürden die waffenfähigen Männer in Abteilungen organisiert, die infolge ihrer guten Ortskenntnis ausgezeichnete K u n d s ch a s t e r d i e n st e leisteten. Die Beschießung von Kielce durch die Russen hätte keinen großen Schaden angerichtet, da die Russen s ehr schlecht schossen. Tie polnischen Schützen hätten sich überaus tapfer gehalten und die Stadt bis zum Anrücken militärischer Kräfte verteidigt. Nach sechstägigem Kamps gelang es, die russischen Stellungen bei Kielce zu umgehen und den Feind zum schleunigen Rückzug zu zwingen. Ein jüdischer Spion wurde verhaftet und standrechtlich erschossen. — Zn Kielce fand der Berichterstatter im „Kuryer Warszapski" vom 44. August ein Manifest der russischen Regierung an die Polen, in welchem es heißt, daß oie Russen einsähen, daß den Polen gegenüber viele Fehler begangen worden seien. Diese sollten jetzt gutgemacht werden. Rußland wolle Polen als einer slawischen Ration zur Erkämpsimg ihrer Freiheit Hilfe leisten. Der Bericht fährt fort: Das Manifest wurde nattirlich sehr kühl ausgenommen. Die Kosaken plünderten und raubten, was sie konnten, entflohen aber zumeist, sobald sie unserer Truppen ansichtig lvurden. Sie wagen sich nur in großen Massen vor und verschwinden, wenn sie Gefahr wittern. Die Neutralen. (WTB.) Berlin, 29, Aug. Die „Norddeutsche Allg. Zeitung" schreibt über die französischen Drohungen gegen die Neutralen: Am vergangenen Samstag, als schon in aller Welt die ersten schweren Niederlagen der Franzosen bekannt waren, führte die französische Presse gegen die Neutralen nocki eine sehr drohende Sprache. Der Senawr Gervais schilderte an jenem .Tage im „Mattn" die diplomatische Situation Frankreichs in den rosigsten Farben. Den Italienern gab er hochmütig zu verstehen, daß diejenigen, die sich keinen Gefahren aussetzten, auch an der Beute keinen Anteil haben würden. Offenbar denkt Italien jetzt über diese wichtige Frage nach. Wir haben den Italienern keine Ratschläge zu geben. Sie wissen, wo ihre wahren Interessen sind, ivir schenken ihnen unser Vertrauen und unseren Kredit. Ebenso hochnäsig war die Sprache gegenüber Holland. Wir müssen mit gewissen Erscheinungen einer unsicheren Neutralität nachsichtig sein. Diese Gefühle haben wir auch gegenüber Holland. Es scheint, daß es alle Maßregeln ergriffen hat, um seine territoriale Neutralität zu sichern. Es bedarf aber auch der politischen und wirtschaftlichen Neutralität; über diesen Punkt sind besondere dntrol- lierte Zusicherungen unumgänglich. — Den Türken wird schließ- sich für bald eine Abrechnung in Aussicht gestellt. — Etwas elegischer bebandelt an diesem Tage schon Jean Hcrbette im „Echo de Paris" die Türkei. Er meint, daß Frankreich Verwicklungen im Orient nicht brauchen könne. Den Franzosen müsse daran liegen, daß das Kriegstheatcr nicht unnötig ausgedehnt werde und daß ihren Freunden, den Serben, nichts vom Balkan her geschehe. — Alles das ist nun heute leeres Gerede, hinter dem keine Macht mehr steht, Washington, 29. Aug. (Nicht amtlich.) Präsident Wils on veröffentlichte eine Erklärung, in der er die Neutralität der Bereinigten Staaten im Kriege zwischen Japan und Deutschland und zwischen Japan und Oesterreich-Ungarn ankündigt. Ein Aufruf der neuen französischen Regierung. (WTB.- Paris, 29. Aug. (Nichtamtlich.) Der in der vergangenen Nacht unter dem Vorsitz des Präsidenten Poin- cars zusammengetretene Mmisterrat billigte den Wortlaut eines Aufrufs der neuen Regierung an die Bevölkerung. Der Wortlaut ist folgender: Frmizosen! Die Regierung nahm von dem Kampfplatz Besitz, Das Laub weiß, daß es aus Wachsamkeit und Energie zählen kann, weih, daß ihr ganzer Geist dem Lande gilt. Die Regierung weiß, daß sie mit das Land zahlen kann. Seine Söhne vergießen ihr Blut für das Vaterland und die Freiheit an der Seite der englischen und belgischen heldenmütigen Armee, sie halten ohne Zittern den furchtbarsten Surm von Ersen und Feuer ans, den je ein Volk überschüttet hat. OT« bleiben aufrecht. Ruhm den Lebenden und Ruhm den Toten! Menschen fallen, aber dte Nation bleibt bestehen. Der endgültige Sieg ist gesichert: ein sicher großer, aber nicht entscheidender Kampf beginnt. Wie auch der Effolg sein wich, der Kriegwirdsort- dauern. Frankreich ist iricht eine so leichte Beute, wie «in tmduld- samer Feind sich eingebildet hat. 'Der Franzosen Pflicht ist tragisch, aber einfach: den Eindringling rnrückzuwersen, ihn zu verfolgen, unseren Boden von seiner Gegenwart, die Freiheit von seinen Fesseln zu besieieit, austzuhalten bis zum Möglichsten, bis zum Aeußersten, falls nötig bis ans Ende. Unseren Geist Und unsere Herzen über die Gefahren hinauLheben, Herr mrserer Geschicke bleiben. > Wä tuend dieser Zeit marschieren unsere Verbündeten, die Russen, mit entschlossenen Schritten auf die Hauptstadtdes Deutschen Reiches ( !) zu, die von Angst beherrscht zu werden beginnt. Das Beibringen von Truppen und sie »urückzieben, viele Niederlagen werden vom Lande alle Opfer fordern, alle Hilfskräfte verlangen, die es an Menschen und Kraft geben kann. Seren wir daher fest entschlossen. Das nationale Leben, unterstützt von sinanziellen und administrativen Maßnahmen, wird nicht unterbrochen. Laßt uns Vertrauen haben zu uns selbst und alles vergessen, was nicht das Vaterland betrifft. Wenden wir das Gesicht gegen die Grenze. Wir haben eine Methode, einen Willen. Wir werden siegen! Der Aufruf ist von allen Ministern unterzeichnet. Au§ der Tüttel. MTB.) Konstantinopel, 29. Aug. Ebenso wie die Siege der österreichisch-ungarischen Armee bei Krasnik sind auch die Meldungen von den Siegen der Deuffchen auf der ganzen Front von M a u b e u g e bis zu den S ü d v o g e - sen von der türkischen Oeffentlichkeit mit lebhafter Genugtuung ausgenommen worden, — Das Blatt „Terd- schuman-i-Hakikat" hebt die Bedeutung der Siege hervor, die es als entscheidend für den Kriegsausgang hält, und sagt, niemand könne daran zweifeln, daß die Deutschen in vierzehn Tagen in Paris sein werden. Ko nstan ti n opel, 30. Aug. (WDB. Nichtamtlich,) Die gesamte türkische Presse zählt die großen deutschen Siege mit Genugtuung drei Jahren in einem Peraer Theater bei einer dort.abgehaltenen Probestversamm- lung gegen die englisch-russische Politik in Persien eine be- eisterte Rede für Kaiser Wilhelm und Deutschland gehatten atte, stattete gestern in Begleitung von drei arabischen No- kabeln aus Mekka dem deutschen Botschafter einen Besuch ab, um ihm seine Glückwünsche anläßlich der deutschen Siege auszusprechen. Kon stau tinopel, 30. Aug. ,'WTD. Nichtamtlich.) Das griechische Generalkonsulat hat eine Verordnung des griechischen Kriegsmiuisters anschlagen lassen, derzufolge sich die Reservisten und Landsturm- manner alter Waffen im Falte einer Movttmacyung bei ihren Truppenteilen zu stellen haben. — Kriegsminlster Envcr Pascha, der seit einigen Tagen infolge einer Indisposition das Zimmer hüten mußte, wird morgen seine Tätigkeit wieder oufnehmen. — In Adrian opel fielen einem aus Unbekannter Ursache entstandenen Brande etwa 7 00 Häuser zum Opfer. (WTB.) K o n st a n t i n o p c l, 29. Aug. Eine offizielle Mitteilung der Pforte besagt: Wegen der Mobilisierung ist es ausländischen Flugzeugen verboten, über türkisches Gebiet zu stiegen. Die Militärpostcn sind angewiesen, auf Zuwiderhandelnde zu schießen. Infolge der Mobilisierung entfaltet der Rote Halbmond seit einigen Tagen eine eifrige Tätigkeit in Stambul. Drei große Schulen wurden als Spitäler eingerichtet und ein Ausschuß gebildet, dessen Aufgabe es ist, die Mittel zur Sicherung der Verproviantierung Konstantinopels sowie zur Hererubringuilg der Ernte und zur Durchführung der landwirtschaftlichen Arbeiten des kommenden Jahres zu prüfen. Die Stadtpräfektui! teilt mit, daß die Einfuhr von.Getreide frei ist. Was ein Italiener vom Kaiser im Hauptquartier erzählt. DaS Giornale d'Jtalia veröffentlicht einige Telegramme, die Giorgio Guglielrni von einem Deutschen aus der Umgebung des Kaisers, den der italienische Abgeordnete au Bord der Jacht ,Hohenzollern" kennen gelernt hat, gesandt worden sind. Lhr diesen Telegrammen liest man: „Wer in diesen Tagen ein Blick in das Hauptguartier des Kaisers werfen könnte, der würde überrascht sein von d«L Ausdauer, von der Selbstverleugnung, von der ruhigen Sicherheit, mit der die Militärs, Politiker, Diplomaten nnd Beamten arbeiten. Der Kaiser, der in die erufachp Feldunfform gekleidet ist, ist fast Tag und Nacht tattg. Seine Pflichten waren schon in Friedenszeiten scchr zahlreich, und sie haben sich jetzt mehr a!Z man ahnen konnte^ vermehrt. Der Kanzler, der Staatssekretär für die Llu?- wärtigen Angelegenheiten, einige Diplomaten, der Kriegsminister und der Ehef des Marinekabinett? sind bei ihm. Der Charakter des Deutschen Reichs als Bundesstaat wird zum ersten Male in einem Feldgug durch die Anwesenheit der Bevollmächtigten Bayerns, Sachsens und Württembergs im Hauptquartier betont. Die Zahl der Herrschen der Bundesstaaten, die im Hauptquartier anwesend sinttz ist beschränkt, da die Mehrzahl von ihnen ins Feld an die Spitzen ihrer Truppen gHogen sind, und die ältesten, wie z. B der König von Bayern und von Württemberg, hie Großherzöge von Baden und Oldenburg sind in ihre« Hauptstädten geblieben. Döan kann in diesem Augenblick das deutsche Große Hauptquartier das Herz Europas nennen." General Josire dienstmüdc? Kope nHagen, 30. Aug. (WTW. Nichtamtlich.) Pariser Dlättermeldungen, die über Rom kommen, besaigen, General! Josire verlange den Abschied als Oberstckommandieren- der. lAls Grund habe er das schlechte Zusammenarbeiten unter den Generälen arrgogeben. . Französische Raubgelüste? B er l i n, 30. ßbug. (W. B. Nichtamtlich.) Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schlecht über angebliche liebergriffe gegen deutsches und österreichisches Privateigentum: Wie aus Genf gemeldet wird, sollen nach einer Bekanntmachung der französischen Generalzolldirektton vom 13. August alle Waren deutschen oder österreichischen Ursprungs (einschließlich der Durchfuhrgüter), die entweder noch nicht deklariert oder silr deuffche oder österreuhisch-unoarische Empfänger bestimmt sind, zwecks Konsiskation und Veräußerung zu Gunsten der Staatskasse beschlagnahint werden. Wir gÄen diese Meldung mit allem Vorbehalt wieder, da wir nicht ohne weiteres glauben möchten, daß sich dick französische Regierung in dieser Weise an Privateigentum vergreifen und damit allen Regeln des Völkerrechts ins Gesicht schlagen würde Trotzdem empfehlen >oir allenJnter- essenten, deren Güter nach Frankreich uitterweigs oder sich in neutralen Häfen befinden, aus das dringendste, ihre Maren, wenn irgend mögliche zurückzuhalten. Am dem Reiche- Berlin, 29. Aug. (W. B. Nicht amklüb) Der MagKrrck von Osterode in Ostpreußen hat telephomert. daß samüiche Flüchtlinge zurückkehren können, da der Feind geschlagen morde» ist. Berlin, 29. Aug. (23. S.) Der bekannte Vertreter der Chinesischen Sprache an der hiesigen FriedriH-Wilhckm-Universität Geh. Reg.-Rat Professor Johann Jakob Maria G r o o t, der 1941' au4 Leiden in Holland lßerber berufen worden ist, hat die Hälfte seines Gehaltes als lUnversitälsprofeffoi: für die Dauer des Krieges seineni zweiten Heimatlande zur Verfügung gestellt. Der Kultusminister hat den Bettag angenommen und wird ihn dem HilsSkomitee für die ostprenßtschen Landsleute überweisen. — Die Großherzogtümer Mecklen bürg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz haben sich in dankenswerter SSeise der preußischen Regierung gegenüber bereit erklätt, eine größere Zahl ostpreußischer Flüchtlinge längere Zeit in Quartier zu nehmen. Hamburg, 30. August. (WB. Nübtamesich.s Der G-satz- envnuff, betr. die Einrichtung einer Hilfskasse für Gewerbetreibende, der Staatsdarlehen bis zum Bettgge von drei Millionen Mark gewährt werden können und für dexen Be- schafsmig Schatzanweisungen ausgegebcn werden sollen, hat in der Bürgerschaft einstimmig Annahme gefunden. — Die Bürgerschaft bat auf 'Antrag des Senats 200 000 Mark zur UMerstützung der vom Kriege betroffenen ostpreußischen Bevölkerung bewilligt, und den S«rat ermächttgt, für die Dauer des gegenwärtigen Krieges ein durch eine hamburgische Behörde erngeleitetes, oder von einem Hamburger Gericht schwebendes Strafverfahren gegen zu den Fahnen einberufene Personen nicderzuschlagen. Hamburg, 29. Aug. (W. B. Nichtamtlich.) Die Bürgerschaft hat mit großer Mehrheit den sozialdemokrattschen An- ttägen zugestimmt, die den Senat ersuchen, auf größere Beschleunigung in der Ausführung der Anordnungen hinzuwirken, die sich beziehen auf Jnarigrsifnahme und Wiederaufnahme von Staats- arbeiten und Lieferungen, die nach Möglichkeit an hamburgische Unternehmer zu vergeben sind, die vervstichiet werden sollen, in erster Linie hamburgische Arbeiter zu beschäftigen und unter allen Umständen die gewerbsüblichen tariflichen Lohn- und Arbeitsbedingungen zu erfüllen. Ferner soll den Ebe- s r a u e n der zum Heeresdienste Einberufenen im Falle der Be- dürfttgkeit ein Zuschlag zu den im Reichsgesetz festgesetzten Müidest- beiträgen von mindestens 200 Prozent und für die unterhalttmgs- pflichttgen Angehörigen von 100 Prozent gewähtt tverdcn. Im BundeSvat soll der Senat dahin wirken, daß bis auf werteres den Sviritusbrennereien die Herstellung von Tnnkbranntwein Verbote» werde. . ___■„ < ÄU» S’iUiu iutv kuDO, Gießen, 31. August 1914 . Das Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm im Kampf. Nach Befragen von etwa hundert weiteren Verwundeten ist die in der stkunriner vom 28. August des Gießcner Anzeigers gegebene Darstellung durchaus zutreffend. Betreffs deS l. Bataillons, das lintzs der beiden anderen Bataillone und nicht in unmittelbarer Verbindung mit diesen zum Angriff schritt, muß noch angesügt werden, daß es nach Wegnahme der feindlichen Stellung dem weichenden Feind ein kurzes Stück folgte. Links von ihm befanden sich noch Pioniere der eigenen Armee In diesem Augenblick machten die Franzosen mit zurückgehaltenen frischen Kräften und in großer Ueberzahl einen energischen Gegenstoß, die deutschen Truppen auf deren linken Flügel umfassend. Das 1. Bataillon mit den Maschinengewehren, die fickt inzwischen verschossen hatten, sowie die Pioniere, mußten zurückgehen, bis sie durch die bei dem mehrfach ermähnten Dorf aufgefahrene eigene Artillerie Aufnahme fanden. .Hier machte alles Front. Das Dorf wurde von der feindlichen Artillerie heftig beschossen, so daß eS sofort an mehreren Stellen brannte und ein Verbandplatz ail deii rückwärtigen Bach verlegt werden mußte. Der Feind kam zum Stutzen. Als in diesem Moment Truppen deS linken RachbarkorpS eintrafen und links vom 1. Bataillon und den Pionieren zum Angriff vorgingen, wich der Feind. TaS 1. Bataillon ging sofort wieder erneut init vor und muß hierbei keine oder nur geringe Verluste gehabt haben, denn eS war kein Verwundeter zu ermitteln, der anzugeben vermochte, wie weit daS Bataillon bei diesem letzten Angriff vorstieß. Für unS genügt es. zu wissen, daß der zeitweise Rückschlag die Tatkraft unseres braven 1. Bataillons nicht abgeschwächt hatte. Möge es sich bald weitere Lorbeeren holen! Kl. •• Sie Vorschriften über die Sonntagsruhe treten wieder in Kraft. Der kommandierende General des 18. ArmeckorvS hat seine Anordnung, wonach die Vor- schristen über die Sonntagsruhe außer Kraft treten, wieder ausgehoben. Es greifen hiernach die gesetzlichen Vor- schristen über die Sonntagsruhe wieder Platz. — Weiter hat der konnnandicrende General erklärt, daß er kein Bedenken dagegen hat, wenn die Erlaubnis zum Verkauf von Zeitungen an Sonntagen erteilt wird. •• Personenverkehr auf der Eisenbahn. Die O-Zäge 123 und 124 der Strecke Gießen—Eoblenz, sowie die O-Züge 52 und 53 der Strecke Gießen — Frankfurt fallen bis auf weiteres aus. ** Berdein beschränktcnEiscnbahn-Personcn- Berkehr macht sich daS Fehlen von Fahrplänen über die yoch verlehrenücn Persaneitzügc recht unangenehm fühlbar. Ta iiaS BalmhoiSgebäude ohne Erlaubnis nicht betreten werden kann, sind die dar! anaebrachten Fahrpläne für das Publikum so aut wie unzugänglich. Es würde sich empfehlen, die Fahrpläne an den beiden Postämtern, an der Bürgermeisterei und an sonstigen öffentlichen Gebäuden au szn hängen und auch cintreiende Fahrplanänderungen in ähnlicher Weise tzur Kenntnis des Publikums zu bringen. ** Wackere Flugleistung eines Offiziers der 116cr. Einen wohlgelungenen Erkundignngsilna hat, wie uns non unterrichteter Seite mitqeteilt wird, ein Offizier unserer 116er in Belgien ausgesührt. Sein Fahrzeug wurde selbstverständlich vom Feinde beschossen, wobei der kühne Flieger einen Schuß in den linken Oberschenkel erhielt. Trotz seiner Verwundung hielt iich der Flieger noch über eine halbe Stunde in der Lust und ging erst zur Erde, als er wertvolle Erkundigungen über die Stellung des Feindes eingewgen hatte. ** Untcrstützung der zurückgebliebenen Familien. Da es nunmehr nrit ziemlicher Sicherheit feststeht. wer von unseren Mitarbeitern für den Dienst des Vaterlandes als Soldat einzutreten hat, werden auch von der Brühlsche» Druckerei den Familien der Eingezogenem bis auf weiteres entsprechende Beihilfen getvährt vom Tage de? Einzuges an. ** Oesfentliche Bücherhalle. In der nächsten Zeit werden genesende Krieger in Wohnungen unserer Mitbürger Aufnahme sinden. Bei dieser Gelegenheit möchten wir auf die öffentliche Bücherhalle Hinweisen, wo UnterhaltungSlcktüre in reicher Auswahl zur Verfügung steht. Kreis Büdingen. ä. B l o l e I d, 31. Aug. Bei der 2. PlcrdeauShebiing in Nidda wurde dar Pferd de? hiesigen Landwirt? K. von der ArmeeverwaUung angekaukt. Tie Pferd« kamen nach Tarmstadt zur Bespannung der Erlatz-steldartillerie-Regimentr. Der bei diesem Regiment «mgezoqene Sohn de» K. erkannte das Tier »nd wurde ihm dasselbe zngewiesen. So ziehen mm Mann und Pscrd einer Hauses gemeinsam in den Kamps. Starkrnburg und Rheinhcsscn, rb. Darmstadt, 30. Aug. Die KriegSfürsorgetätigkest ist setzt iu Tarmstadt in einheitlicher Weise geregelt woroen. Fm Rat- bauSsaal fand gestern Mittag unter Vorsitz des Oberbürgermeisters Tr. G l ä f s i n g eine sehr zahlreich besuchte Versammlung der Vorstände aller Note-Kreuz- und sonstiger Wohlsahrtsvereinc statt, in welchen der Oberbürgermeister eine umsaffende Uebersicht über die gesamte Fürsorgetätigkeit gab. Hinsichtlich der städtischen Beamten und der Stadtdienstanwärter ist die Weiterzahlung des vollen GehaltS wie beim Staate garantiert: den Trenstan- wärtern etc. im unmittelbaren Stadtdienst und den in ständiger Verwendung beiindlichen Arbeiten und den gegen Lohnzahlung beschäftigten Bediensteten bleibt während des Kriegsdienstes die Dienststelle erhalten, den gegen Taglohn beschäftigten, in den Kriegs- oder Sanitätsdienst Eintretenden wird der Lohn 14 Tage weiter bezahlt. Darnach wird den Angehörigen der Bediensteten und Arbeiter neben der Reichsunterstützung die Halste des seitherigen Lohnes »nd die Familienzulage gewährt. Tie Gesaintuntcrsiützung soll in keinem Falle weniger, als den dov- Vcltcn Betrag der RcichSun ie.stützung betragen. Hierzu tritt voraussichtlich eine weitere Unterstützung aus der in großem Umfang geplanten Kriegsversicherung. Weiter sind umsaffcnde Maßnahmen zur Beschaffung von Arbeitsgelegenheit, auch für stellen- siichende Frauen, ferner für die Verpflegung dürftiger Kinder und ganzer Familien getroffen worden. Zur Sicherstellung cuici vrciswerlen Ernährung hat die Stadt in einer Eberstädter Mühl« aus angckauftem Roggen für 100000 Mark Mehl Herstellen lassen. h. D a r m sta d l, 30. Aug. In 22 Wagen eines Sonderzuges kamen am Samstag mittag vier in der Lothringer Schlacht erbeutete sranzösische Geschütze, zwei W aschinengeweh rc, eine Partie Munirionswagen, Gewehre und zahlreiche Geschosse aller Art hier an und ivurden im Güterbahnhot ausgeladen. Die Stadtgärtnerei hatte eine Parti- Blumen gechickt, mit welchen die Beute wie auch die Pferde der hiesigen Artillerie, welche iie ab holten, geschmückt wurden. Schon der Güier- bahnbol war dickt umlagert und unter dem Jubel, der die ganzen Straßen besetzt ljollenden Bevölkerung ging eS durch die Ltadt am Denkmal des Großherzogs Ludwig IV. vorbei, wo die Großhcrzogin mit den beiden Prinzen Aufftellung genommen hatte. Auch hier folgten begeisterte Hochruse. Zwei Maschinengewehre, sowie ein Feitungsgeschütz wurden am Paradeplatz ausgestellt, lvährend die anderen Wagen mit Munition usw. nach dem Ariillcriedeovt gc- brackü wurden. Tie Beule wurde durch das Infanterie-Regiment Nr. 115 nach heiligem Kampfe erobert. Hkijeu-Rajiau. F ran kfu r t a. M.. 30. Aug Nach einem dreitägigen Aufenthalt irn Hamburger Schloß hat die Kaiserin am SamStag Nachmittag vom hiesigen Hauvtbahnhos« die Rückreise nach Berlin angetreten. Schon ans der Fahrt nach den, Bahnhof, die ini offenen Automobil erfolgte, wurden der Kaiserin von der Menge stürmische Huldigungen bereitet. Der Bahnhos war an, ausdriicklichen Bciehl der hohen Frau nicht abgcsperrt. Demzufolge hatte sich in der Bahnhofshalle ein überaus zahlreickws Publikum zur Verabschiedung eingciunden. Ms die Kaiserin den Wartsaal betrat, ivurde ihr vom BahnliosSvorstcber die Kunde von dem Siege gegen die Ruffen mitgeteilt, worüber sie in beivegten Worten ihrer Freude Ausdruck gab. Dann besuchte sie die aus dem Bahnsteig eingetroffencn Verwundeten und beglückte leben einzelnen nrit einem Händedruck und ircundiichen Warten. Hocherfreut ivar sie über die gute Behandlung und Verpflegung, die allen Kriegern zuteil wird. ..Die ivacke- rcn Jungen l»ben e» auch nicht anders verdient", äußerte die Kaiserin zu ihrer Umgebung Unter begeisterten Hochrufen der Menge rollte kurz von 1 Uhr der Zug aus dem Bahnhof. h. Griesheim a. M., 30. Aug. Einen eigenartigen Weg zur Bekämpfung der Feld- und Gartendicbstählc hat die Polizeiverwaltung beschnitten. Sie bringt jeden ertappten Dieb, seinen Stand und seine genaue Wohnung durch öffentliche Bekanntmachung zur Kenntnis der Einwohnerschaft. Neben dieser Prangerstrase erfolgt auch noch die gerichtliche Ahndung de» Vergehens. Die erste derartige Bekanntmachung enthält den Namen eines Fabrikarbeiters „nd eines — Schuljungen. — Ob diese Methode der Polizeiverwaltung pädagogisch heilsam ist, dürste zu bezweifeln sein. FC. Wiesbaden, 28. Aug. Wie einschneidend manche durch den Kriegsausbruch gefaßten Maßnahmen wirken, zeigt folgendes: Wiesbaden, die Wettkurstadt, die bekanntlich zum FestungSbcreich Mainz gehört, hat durch den starken Fremden zuzug, der dar ganze Jahr hindurch herrscht, allein einen Umsatz von 2 0 Millionen. Am 1. August weilten in Wiesbaden noch 8000 Angehörige der neutralen Staaten Holland und Amerika, die sämtlich von dem AnsweisunASverbot des Gouverneurs von Mainz betroffen wurden. Aus den Stadtsäckel wirkt dieses AnSweiS- wcisvcrbot und andere Maßnahmen auf die Art, daß wäbrend vom 1. bis 17. August 1913 an Kurtargeldern ,0000 Mk. eingingen, für die gleiche Zeit in diesem Jahre nur 5000 Mk. zu verzeichnen sind. F. C. Wiesbaden, 31. Aug. Als gestern abend kurz nach 8 Uhr die 38iährige MonatSirau Ww. Grat aus der Steingassc hier in dem Kurz- und Weißwarengeschäit A. u. B. Diehl, Ecke Römerberg—Röderstraßc, den Laden reinigen ivollte, brach durch die mit dem Rolladen halb geschlossene Ladentür der Kutscher Bolz und gal» 4 Schüsse aus die Frau ab. Die Graß lies in den Hausflur und brach dort bewußtlos zusammen. Die Schüsse waren weithin hörbar, infolgedessen die Nachbarschaft und zwei Aerztc deS nahen .Krankenhauses berlieieilicii und sich der Unglücklichen annahmen. die jedoch »ach 10 Minuten verstarb. Der Täter hatte sich inzwischen entiernt, stellte sich aus die Straße vor daS Haus und schrie: ,.die hot ihr Sach!". Tarant suchte er sei» Heil in der Flucht nach dem Römerberg, wo ihn ein Architekt mit Hilfe zweier Landsturmleute der Polizei zuführten. Bei seiner Durchsuchung fand man noch 24 scharte Patronen. Potz sollte morgen zum Land- fhintt einrücken. Der Grund zur Tat ist. daß die Ww. Graf verschiedene HeiratSanträge deS Täters abwieS und ihm kürzlich die Wohnnng gekündigt. Quittung. Für die D e r w » >i d e t c » unserer Marine ginge» kolgciibe Gabe» ein von: I. Oberlehrer Boeck 5 Alk., 2. Frau Tr. Sliilil Ist Mk., 3. Fränlein Piqelins 5 Mk., 4. Geiverberat Tr. Gerhard 3 Mk., 5. Schornsteinfegernieisier Keil 10 Mk., 6. Pros. Fuchs 19 Mk., 7. Kaufmann Karl vorn 20 Mk., 8. GeV. vosrat Pro!. Dr. Hanien 10 Mk, 9. Theodor Baiiiuann 10 Mk.. 10. Stadl» verordiicten kirimiiil 20. 'Mk., II. Plärrer Neck>tol»heinier 5 Mk. Zusammen 108 Mk. — Mit nusrichtigem Dank für diese hochherzigen Spenden bittet »m weitere Beitrage Pros. Völzing, Goelhestratze 19. Luftschiffahrt. Johannisthal, 30. Aug. (W.B. Nichtamtlich.) Auf dem hiesigen Flugplatz ereignete sich heute morgen ein schwerer Flu gun fall. Der Flieger Post von dem freiwilligen Fliegerkorps war ans seiner Taube mit dem Begleiter Sil der Horn von dem freiwilligen Fliegerkorps gestartet, um die Bedingungen sür die Fcldfliegerprüsung ju erfüllen. In der Nähe von Altglienicke stürzte der Llppa rat aus größerer Höhe aus unbekannter Ursache ab. Beide Flieger waren sofort t o t. Der Apparat wurde total zertrümmert. Amtlicher Wetterbericht. Oesfentliche Wetterdienststelle Gießen. WelterauSsichten in Heilen am Dienstag, den 1. Sept. 1914: Fortdauer der beflcheiiden Witterung. Letzte Nachrichten. Aus der Rcichshauptstadt. Berlin, 31. August. Trotz der Gluthitze des gestrigen letzten Augustsonntages zogen immer neue Scharen nach den Linden, in der Erwartung, dort am ehesten neue Nachrichten zu erfahren. Man war nicht enttäuscht, als bis zu den Abendstunden nichts wesentliches gemeldet wurde. Das Eintreffen der Nachricht von derUmfassungdesritssi- schen Heeres wurde mit Jubel begrüßt. Mit seinen fiinf Armeekorps und drei Kavalleriedivifionen hat der Feind den deutschen Truppen in gewaltiger Uebermacht gcgenübergestanden. lleber die russische Niederlage schreibt der „Lo - kal-Anzeiger" u. a.: Ueber die russischen Eindringlinge ist also ein furchtbare- Strafgericht hcreingcbrocben. ToS war voranSzusehcn. Tie Seen und Sümpfe im masurischen Distrikt lassen nur schmale Wege offen, auf denen das Militär sich durch dichten Wald oft nur reihenweise sorlbewegcn kamr. Der Feldherr, der in diese! Gelände einzubrechen wagte. rtußke mit Weg und Steg vertrant sein oder gute Führer besitzen. Als die Schlacht ausbrach. baden die Ruffen sicherlich mit dem Mute der Verzweiflung sich geschlagen. Man kann es wobl begreifen, daß ein verzweifelte» Heer, den Tod der Kameraden in Sümpfen und Seen vor sich und die Lanzen der Verfolger hinter sich ichenü, zu Taufenden dic Waffen streckt, so daß die Zahl der Gefangenen 30 000 überstieg. Im „Berliner Tageblatt" berichtet Paul Lin- denberg von einer Fahrt über das Schlachtfeld: Ueberall haben die Russen furchtbar gehaust. Alles liegt zertrümmert, aber Misere schwere Artrllerie heizt ihnen de- Abzug gehörig ein. Die „Deutsche Tageszeitung" schreibt u. a.: Nun hat unser Generaloberst v. Hindcnburg seinen Namen für alle Zeiten in die Denktafeln der Deutschen Geschichte, und vor allem unserer alten Krön- und KönigSlandc Ostvreußen. mü unvergänglichen Lettern eingeschrieben. Tausende und Abertausende von Deutschen werde» seinen Namen fortan mit Stolz und Dankbarkeit nennen. In der „Po fl" yettzc es: Unserem Strategen stellt die Massengeiangennahme ein glLv- zendeS Zeugnis aus. Man tragt sich, warum dre Russen daS mo> surische Gebiet nicht gemieden haben, dessen Gesährlichkeü sie hoch berechnen konnten. Die „Tägliche Rundschau" sagt: Mit diesen« glänzenden Sieg ist die russische Osiensive gebrochen unb_ ber_ russische Zusammeiübruch cbenso^besiegelt. >vie der französische seit einigen Tagen. Von diesem Schlage wird sich die rui- sische HeereSmacht nicht mehr erholen. Kaiser Wilhelm an den Großherzog von Baden. Karlsruhe, 30. August. Kaiser Wilhelm telegraphierte an den Großherzog von Baden auf ein von diesem gestern abgesandtcs Glücktvunschtelegramm: „Nimm Meinen herzlichsten Tank sür Deine warmen Glückwünsche. Mit Gottes Hilfe ist es unseren unvergleichlich braven Truppen gelungen, allen Anstürmen der Feind« zum Trotz durch Sieg ans Sieg planmäßig vorziidringrn. Deinen tapferen Bade n c r n gebührt der volle Anteil deS Ruhmes. Wiü alle bleiben vereint in denr Gebet, daß Gott untere gerechte Sach« weiter segnen möge." Ein wackerer Infanterist. München, 31. Aug. Der Infanterist Fritz Lange aus Fürth hat, nachdem sein Leutnant in einem Geiecht schwer verwundet worden war, bas Kommando über einen Zug von 50 Mann übernomnien »nd hat in einem heftigen Gciechte den Franzosen vier Geschütze und zwei Maschinen ge w ehre abgenommen. 300 Franzosen wurden bei diesen: Kamps- von den Bayern erschlagen. Ter tapfere Führer Lange erhielt daS Eiserne Kreuz. Eine Bodcnscefahrt verwundeter Krieger. lDDP.i Konstanz, 31. A»g. lieber dreihimdert Leichtverwundete aus den Konstanzer Lazaretten machten gestern bei herrlichem Wetter auf eineni ihnen zur Verfügung gestellten Extra- bamvscr eine Erholungssahrl auf dem Bodensee. Mit grenzenlosem Jubel wurden die Tapferen in allen Ortschaften begrüßt. Die Abreise von Angehörigen feindlicher Staaten. (WTB.) Berlin, 31. Aug. (DiidUnmtlid).) Dic „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Nachdem die Eisenbahnen in weiterem Umfange für den allgemeinen Verkehr wieder frei geworden sind, wird den in Deutschland sich aushaltenden Angehörigen der feindlichen Staaten das Verlassen des Reichsgebietes gestattet, soweit in ihrem Heiinatlandc den Deutschen gleichfalls dic Erlaubnis zur Abreise erteilt wird. Diese Verfügung tritt teilweise sür die Deutschen in Rußland in Kraft, da nach einer Erklärung des hiesigen spanischen Botschafters, die nicht im wehrpflichtigen Alter stehenden Deutschen Rußland verlassen dürfen. Mit der gleichen Einschränkung Kursen daher die in Deutschland lebenden Russen abreisen. Die Reise erfolgt wahrscheinlich über Schweden und wird von der schwedischen Regierung tunlichst erleichtert werden. Flucht französischer Kriegsgefangener. Halle (Saale), 31. August. Nach einer Mitteilung vom Truppenübungsplatz Ohrdruf in Thüringen, wo 8000 Gefangene untergebracht sind, ist von dort cme Anzahl französischer Franktireure entflohen. Dic Verbindung Frankreichs mit England. Berlin, 31. Ang. Nach einer Pariser Meldung de? Ainster- damer , Telegrnas" scheint der französische (tzeneralstab dic völlige Abschließnng von Paris in den nächsten Tagen zu erwarten. Dre Verbindung mit England wäre gegenwärtig nur noch über Bon log ne zu erreichen. Sobald die deutschen Truvven sicki Amiens genähert baben würden, würde die Abspcrnin- von Paris ans der Nordseite eine vollzogene Tatsache sein. Belgische Geiseln. Amsterdam, 31. August. Da der Bürgerinerster von Brüssel die Gemeindekasse mik nach Antwerpen genommen, und die Kriegsrate nicht bezahlt hat, so werden morgen der bekannte Großindustrielle Solvap und Baron Rothschild als Geisel n gefangen genommen werden. Völkerrechtsverletzung durch die Franzosen. (WTB.) Berlin, 30. August. (Amtlich.) In Longwh ist eine maschinelle Vorrichtung vvrgefunden worden, lvxlche dazu diente, ctzewehr- und Karabinergeschosse oben abzu- platten und mit einer von der Spitze ausgehenden trichterförmigen Ausbohrung zu versehen. Iu den Taschen fran- zösischer und englischer Soldaten fand man zahlreiche D u m» D u m-<3e sch o s s c , d. h. Hohl- oder Bleispitzcngeschvffe. Durch die Entfernung eines Teiles der aus Hartmetall bestehende» Geschoßniantelspitze tritt bet dem Auffchlagen der weichere Geschoßkcrn nach vorne heraus, schlägt sich breit und verursacht besonders grausarnc, mit unnötigen Leiden verbundene Verwundungen. Deutschlmid sieht sich genötigt, mit den allerschärfsten Maßregeln vvrzugehen, wenn diese durch Völkerrecht (vergl. inSb. Art. 23 Abs. 1 e der Haager Landkriegsordnung) verbotenen Geschosse von unseren Fein- den noch weiter verwendet werden sollten. Unerhörter Bruch deS NcutralitäkSrechtS. (WTB.) Berlin, 31. Aug. Nach einer Meldung aus Las-Palmas ist der als Hilfskreuzer ausgerüstete Schnell- damvfer des Norddeutschen Lloyd „Kaiser Wilhelm der Große" von dem englischen Kreuzer „Highslyer" zum Sinken gebracht als er in den neutralen Gewässern der spanischen Kolonie Rio de Lro zu Anker lag. Gegen diese, jedem Böller- recht widersprechende Verletzung der Neutralitätsgcsetze muß Protest erhoben werden. Großbritannien hat durch die Mißachtung der stets von allen Nationen theoretisch und praktisch anerkannten Unverletztheit neutraler Hoheitsgewässer gezeigt, daß es sich nicht scheut, über die Hoheitsrcchle neutraler Staa- ten hinauszugehen. Der Versand von coffeinfrciem Kaffee Hag ist in vollem Umfange wieder ausgenommen worden. Kaffee Hag ist daher in allen Verkaufsstellen in frischer Ware zu unveränderten Preisen zu haben. 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Der Vorsitzende des Deutschen Flottcnvercins, Großadmircil von Koester, richtet an die Mitglieder einen Aufruf und bittet um Spenden sür die Pflege der Verwundeten unserer Flotte. Der gcschäfts- führendc Ausschuß des hessischen Landesverbandes ersucht die Gruppen unseres Landes, die eingehen den Beträge nach Darmstadt abzuliefern, und wird sic dann gesammelt unter Nennung der Spender der Hauptgeschäftsstelle in Berlin übermitteln. Im Aufträge der Ortsgruppe Gießen ist der Unterzeichnete gern bereit, die Spenden der hiesigen Mitglieder entgegenzunehmen und erlaubt sich, folgende Worte an sie zu richten: Die Schicksalsftundc unseres teuren Vaterlandes hat geschlagen! Die Feinde in Ost imd West wollen unser Volk nicderwcrfen. wollen cs tilgen aus der Reihe der Großmächte. Ihnen gesellen sich die treulosen Vettern jenseits des Kanals zu, die stets mit neidischen, mißgünstigen Augen die Entwicklung unserer starken Macht zur Sec verfolgt haben. Wir Mitglieder des Deutschen Flottcnvercins haben in Wort und Tat unsere ganze Kraft eingesetzt, um unser Volk zu überzeugen von der Notwendigkeit einer starken Secrüstung. Unsere Volksgenossen haben dem ernsten Mahnrufe Folge geleistet, haben mit Herz und Hand mitgcwirkt zur Erreichung unseres hohen vaterländischen Zieles. Jetzt ist die Zeit ernster, zäher Arbeit für unsere wackere Marine gekommen. Wie herrlich hat sich ihr heldenhafter Geist schon bewiesen! Denkt an die ,.Königin Luise", die „Augsburg", vor allem aber an den unerschrockenen Wagemut der Kreuzer „Gaben" und „Breslau". Mit tiefer Trauer erfüllt uns das Geschick des Kreuzers „Magdeburg". Unsere junge Flotte brennt vor Begierde, dem deutschen Volke zu zeigen, wie sic unser unerschütterliches Vertrauen in ihren unerreichbaren Heldengeist zu lohnen versteht. Darum alle Mann an Bord! Helft die tapferen Verwundeten unserer Marine unterstützen. die Helden pflegen, die im Kampfe um unseres deutschen Namens Ehre, unseres Vaterlandes Größe und unseres Volkes Herrlichkeit ihr Leben mit eiserner Stirne dem Feinde bieten! Jede, auch die kleinste Gabe ist willkommen! Zeigt. Ihr Getreuen des Deutschen Flottenvercins, daß wie immer so auch setzt Treue und Dankbarkeit des deutschen Volkes Ruhm sei! Gießen (G.octhestr. 19), 28.August 1911. Professor Völztng. Alig. ßßülscb. Franecvereia Ortsgruppe ©ieftcit. Auskurrftstelle für Frauenberufe. Frauen u. Mädchen erbauen unentgeltlich Rat und Auskunft iiir »Ne Berufe im alten NatbauS, Marktvlad 14, Dienstag nachniittags von 67> bis 7‘/i Uhr. D Rechtrfchutzftelle. Fronen u. Mädchen erhalten unentgeltlich Rat und Auskunft inRcchtsangelegenhcttcn im allen Rathaus Markt platt ll Mittwoch vaä,. mittags von 6*/<—8 Uhr. 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