Nr. 20t Der Slehrntr Anzrlger «scheint täglich, aiiöcr Sonntags. — Beilagen: viermal wöchentlich riebenerZamilienbläNeri i wennal wöchenil.ilreir- lattsürdenilreirSietzen (Dienstag »nd Freitags: zweimal nionall. Land- »irtschastlichc Seilsragen Fernsprcch - Anschlüise: lür die Redaktion 112, Verlag n. Expedition öl Adresse inr Depeschen: ?lnzriger Gictzen. Annahme von Anzeigen inr die TageSnninmer bis vorniittags S Uhr. Erstes Blatt M. Jahrgang 5reitag. 28. August IW General-Anzeiger für Oberhessen Rotationsdruck und Verlag der vrühl'schen llnio.-vuch- und Steindruckerei R. Lange. Redaktion. Expedition und Druckerei: Schulstratze 7. Bezugspreis: monatlich 7ö Ps., vierteljährlich Mk. 2.20: diirch 'Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Ps.; durch die Post Mk.2.—viertel» jährl. ansschl. Bcstcllg, Zcilcnpreis: lokallöPs, ansivärts 20 Psenniq. Chcsredaktenr: A. Gocy. Verantwortlich sür den polit. Teil: Sing. Eoetz; sür .Feuilleton-, .Vermischtes- und,Gerichts» saal": Karl Neurath; lür .Stadt und Land-; Kurt Bendt; sür den Anzeigenteil: H. Beck. Große siege aus der ganzen Westlinie. (W. T. B? Hauptquartier. 27. Aug. Das deutsche West- bccr ist 9Tage nach Beendigung seines Aufmarsches unter fortgesetzt siegreichen Känipfen auf französischem «Gebiet von Cambrai bis zu den Tüdvogesen vorgedrungen. Der Feind ist überall geschlagen und befindet sich im Rückzuge. Die Zahl seiner Gefallenen, befangenen und die Größe der Kriegs- beurc läfzt sich bei der gewaltigen Ausdehnung des Lchlachr- fkldes. zum Teil im Wald und Gcbirgsgclände, noch nicht übersehen. Die Armee des «Generalobersten von Gluck hat die englischen Truppen bei Maubcugr geworfen und sie heute südwestlich von Maubeuge erneut angegriffen. Die Armeen des Generalobersten v. Bülow und Generalobersten Frhrn. »..Dausen haben etwa 8Armeekorps von französischen und belgischen Truppen zwischen Sambre, Namur und Maas nach mehrtägigen Kümpfen vollständig geschlagen und verfolgen sie jetzt östlich Maubcuge vorbei. Die Armee des Kronprinzen von Bauern ist bei der Verfolgung in Lothringen von neuen feindlichen Kräften in der Position vor Raney und laus südlicher Richtung angegriffen worden und hat den Angriff zurückgewiesen. Die Armee des deutschen Kronprinzen hat befcstigte Stellung vorwärts Longwu genommen und einen starken Angriff von Perdun abgcwiesen. Die befindet sich im Vormarsch gegen die Maas. Longwn ist gefallen. Nanmr ist nach dreitägiger Bcschieszung gefallen. Der Angriff auf Maubeuge ist cin- gcleitet. Dir Armer des Herzogs von Württemberg hat den geschlagenen Feind über den Lenwis verfolgt und die Maas überschritten. Die zur Abschließung von Antwerpen zurück- gelassenen Kräfte haben di« belgischen Truppen geschlagen und viele Gefangene gemacht und Geschütze erbeutet. Die Armee des Generalobersten von Herringen setzt jetzt die Per- folgung in den Vogesen nach Süden fort. Elsas; ist vom Feinde geräumt. Aus Antwerpen haben vier belgische Divisionen gestern und vorgestern einen Angriff gegen unsere Verbindung in der Richtung Brüssel unteriwmmen. Die belgische Bevölkerung hat sich fast überall an den Kämpfen beteiligt. Daher sind die strengsten Maßnahmen zur Unterdrückung der Franktireurs und Wandcrräuber angewandt worden. Die Sicherung der Etappcnlinicn muhte bisher den Armeen überlassen bleiben. Da aber für den weiteren Vormarsch die zu diesem Zwecke zurückgelassencn Kräfte notwendig in der Front gebraucht werden, so hat Seine Majestät die Mobilmachung des Landsturmes befohlen. Der Landsturm wird zur Sicherung der Etappcnlinic und zur Besetzung von Belgien mit herangezvgcn. Dieses unter deutscher Verwaltung tretende Land soll für die Heercsbedürfnisse aller Art ausgcnutzt werden, um das Hcimatgcbick zu entlasten. Der Gcncralguarticrmcister von Stein. Run läuten auch die Glocken auf den Kirchtürmen Gießens! Und wahrlich, wir haben wieder Grund, uns zu freuen und zu frohlocken, denn unsere Truppen in Belgien und Frankreich lsaben Großes vollbracht. Tie schlichte Aufzählung der letzten Siege in der Meldung des ttzencral- auartiermeislers bewahrt den strengen Ton der Sachlichkeit, aber zwischen den Zeilen erklingt doch die Sicgesgewißheit, die Botschaft, daß die Siege so groß und iveittragcnd sind, um auch den Enderfolg zu gewährleisten. Welches Gewicht hat der c i n e Satz: DerFeindi st überall geschlagen und befindet sich auf dem Rückzüge! Von E a m b r a i, der Festung Rordfrankrcichs, die wohl von Maubeuge her durch unsere Truppen bedrängt worden ist, bis zu den Südvogcfen! Tic Sckstäge, die den Franzosen versetzt worden sind, werden aus die Gemüter unserer westlichen Nachbarn eine vernichtende Wirkung haben. Unsere Heere stehen in Frankreich. Cambrai, die genannte Festung, liegt bereits 40—50 Kilometer von der belgischen Grenze entfernt. Bei Maubcuge, wo schon einmal englische Reiter geworfen worden sind, sind die Engländer wiederum geschlagen worden. Eine ganz große, mehrtägige, für die Deutschen siegreiche Schlacht ist ferner bei Namur geschlagen worden, und zwar südwestlich von dieser Festung, die sich in deutscher Hand befindet! das Feld wird von Sambre und Maas begrenzt. Nicht weniger als acht französische und belgische Armeekorps wurden, wie es tn der amtlichen Meldung heißt, vollständig geschlagen! Tie geschlagenen Truppen mußten nach Frankreich hinein flüchten und wurden östlich von Maubcuge vorbei von den Unseren verfolgt. Der Eingriff auf Maubcuge ist eingeleitet; die Festung wird fallen, wie weiter im Süden auch Longwh dem ersten Ansturm unterlegen ist. Dieser große Sieg in Belgien ist wohl die letzte große entscheidende Wassenlat in diesem Pufferstaat, und da auch bei Antwerpen zurückgebliebene deutsche Truppen die dortiaen belgischen Scharen besiegt, viele Gefangene gemacht und Geschütze erbeutet haben, wird Antwerpen nicht mehr lange widerstehen können. Ter Gcneralgouverneur von Belgien, Freiherr v. d. Goltz, wird seine Machtbefugnisse nun bis an die Küste ausdehnen. Die Antwcrpener haben unseren Zeppelin von seiner ftirchtbarcn Seite kennen gelernt; er hat, wie auS dem Großen Hauptquartier gemeldet wird, durch einen wohlgczielten Wurf die dortige Gasanstalt zerstört! Unversehrt ist er dann wieder nach Lüttich zurückgekommen. Noch ein düsteres Bild löst diese Tchlachtengcmälde in Belgien ab. Die Bürger der Stadl Löwen haben sich an; Kampfe beteiligt. Löwen liegt etwa 20 Kilometer nordöstlich von Brüssel, und die unglücklichen Einwohner haben wohl den erwähnten Ausfall aus Antwerpen unterstützen wollen. Ihre Beteiligung am Kampfe ist ihnen schrecklich vergolten worden. Die Stadt Löwen, heißt es, dürfte heute nicht mehr existieren. . . . Auch der deutsche Kronprinz und der Kronprinz von Bayern sind bei der Llbivehr französischer Angriffe siegreich gewesen. Die eroberte Festung Longwy liegt schon hinter der deutschen Front: der deutsche Kronprinz rückt gegen die Maas vor, die der Herzog Mbrecht von Württemberg, den von ihm erneut geschlagenen Feind verfolgend, bereits überschritten hat! In den Vogesen wird der fliehende Feind verfolgt, Elsaß ist vom Feinde geräumt. Das sind die großen Siegesbotschaften, die noch nicht bekannt waren, als in Frankreich ein Kabincttswechsel statt- sand. Welche Gesichter wird das neue „Landverteidigungs- Ministerium" in Paris machen, wenn es von diesen Katastrophen hört. Tclcasstz, der neue Minister des Auswärtigen, erntet die Früchte seiner Politik. Der Oberkom- mandierendc General Ioffre, der schon mit dem Kriegs- ministerium in Fehde liegen soll, wird nun wohl abbcrusen werden. Aber es ist keine dankbare Aufgabe für seinen Nachfolger, den Kampf fortzuführcn. Die neuen Sicgesnachricoten aus dem Westen wirken so erhebend, sind von so gewaltiger Bedeutung, daß der Untergang unseres braven Kreuzers Magdeburg, der, wie iv-ir gestern abend bereits durch Aushang bekanntgegcben haben, vor einer feindlichen Uebermacht der Russen sich selbst in die Lust gesprengt hat, nicht so viel Beachtung und Trauer finden wird, wie es sonst der Fall gewesen wäre. Tröstend ist, daß ein großer Teil der Mannschaft durch deutsche Brüder auf dem Torpedoboot V 26 glücklich gerettet worden ist. Der Uebermacht zum Trotz; wieder ein Zeichen des Mannesmutes und der Tapferkeit unserer Seeleute! Die Stadt Löwen dem Erdboden glcichgemacht. Die Bürgerschaft der Stadt Löwen verübte heute einen Ueberfall auf deutsche Truppen, der aber nach heftigem Stra- ßcnkamp? abgeschlagen wurde. Die Stadt Löwen dürfte heute nicht mehr existieren. Dalheim dem Erdboden gleich gemacht. Straßburg, 27. Aug. Die „Mörchinger Nachrichten" melden aus Dalheim in Lothringen: Nachdem am 20. aus Häusern der Ortschaft hinterrücks auf unsere Truppen geschossen war, wurde auf Befehl das Dorf in Grund und Boden geschossen und dem Erdboden gleich gemacht. Dalheim lag im Kreise Chateau Salins und zählte 286 Einwohner. Sympathien statt Heereshilfe! W. T.B. London, 26. Aug. Im Unterhause kündigte Premierminister A s q u i t h unter lautem Beifall des Hauses an, daß er morgen beantragen würde, eine Adresse an den König zu richten, in welcher der König gebeten werden soll, dem König der Belgier die Svmvathie nnd Bewunderung znm Ausdruck zn bringen, mit welcher das Unterhaus den heldenmütigen Widerstand seines Heeres und seines Volkes gegen die leichtfertige Invasion seines Gebietes betrachte. Gleichzeitig soll dem König der Belgier die Versicherung und der Entschluß kundgetan werden, Belgiens Anstrengungen zur Verteidigung seiner eigenen Unabhängigkeit des Völkerrechts und Europas auf jede Weise zu unterstützen. Ministerwechsel in Paris. Paris, 27. Llug. In der Absicht, dem Ministerium eine breitere Basis zu geben, hat Ministerpräsident Vi- v i a ii i dem Präsidenten der Republik das E n t l a s - sungsgesuch des ganzen Kabinetts überreicht. Der Präsident hat es angenommen und Viviani mit der Neubildung des Ministeriums beauftragt. Am Abend unterbreitete Viviani dem Präsidenten folgende neue Ministerliste: Präsident: Viviani lohne Portefeuille), Justiz: Briand, Aeußeres: Delcasfö, Inneres: Malvy, Krieg: Millerand, Marine: Augagneur, Finanzen: Ribot, Oesfentl. Unterricht: Saurant, Oeffentl. Arbeiten: Sombat, Handel: Thomson. Kolonien: Dubary, Landwirtschaft: Fernand (Minister ohne Portefeuille), Jules (Guesde,: Handel. — ,Zum Gouverneur von Paris ist anstelle des Divisionsgenerals Michel General C a l l i e n i ernannt worden. Michel hatte um ein Kommando unter Callieni gebeten. Morgen soll ein Erlaß im Amtsblatt erscheinen, der provisorisch für die Kriegsdauer gestattet, bei der Beförderung von Offizieren vom Dicnstalter abzusehen. Meinungsverschiedenheiten im franzöfischcn Generalstab. Kopenhagen, 27. Aug. Aus Loitdon wird über Paris hierher gemeldet, daß zwischen dem Kriegs mi- n i st c r und dem Generalissimus Ioffre tiefgehende Meinungsverschiedenheiten ausgebrochen seien. Der Kriegs- mimstcr hat den Oberbefehlshaber für den unnützenEin- marsch der englischen Truppen in Belgien verantwortlich gemacht. Man glaubt, daß Jofsre in den nächsten Tagen zurückberufen und durch Am ade oder Valabreauc ersetzt werden wird. Die Stimmung war in Paris sehr gedrückt, veranlaßt durch das gänzliche Fehlen von Kriegsnachrichten vom Montag und der gestern eingetrosfcnen ungünstigen Nachrichten. Tiefen Eindruck machte die Einnahme von Namur dyrSf' bic Deutschen, der Einmarsch der Deutschen in Nordfraiikrcich und die Niederlage der englischen Kavnllericbrigade bei Maubeuge. Ein von der Regierung veröffentlichtes beruhigendes Conr- inuniquö, wonach trotz des jetzigen Mißerfolges der französischen Waffen der Ausgang des Krieges sür Frankreich befriedigend ausfallcn werde, verblieb ohne Wirkung. «An großer Teil der Einwohner von Paris zweifelt bereits an der Glaubwürdigkeit der englischen und französischen Siegesmeldungen. Biele rechnen mit dem baldigenEin- zug der Deutschen in Paris und bereiten sich aus die Flucht vor. (Berl. Lokalanz.) Die Pariser Presse wird mißtrauisch. Genf, 27. Aug. In der französischen Presse beginnt man den offiziellen Kricgsnachrichten bereits Mißtrauen entgcgenzubringen. „Matin", „Temps", „Huma- nite" und „Petit Journal" beklagen sich über die Abfassung der ofsiziellen Kommuniques, die kein genügendes Wlb von den Ereignissen gäben, auf die sie Bezug hätten. Es würde viel verheimlicht, was gleich hätte gesagt werden können. Man erführe es erst durch auswärtige Blätter. Daher dann die Berichtigungen, wie bei der Schlacht in Lothringen: man hüte sich, die Oeffeiitsichkcit zum Skeptizismus zu verleiten, indem man mir einen Teil der Wahrheit sage. (Berl. Lokalanz.) Berlin, 27. Aug. (Priv.-Tel.) Die ,,B. Z. a. M." meldet aus Genf: Im Pariser Louvremuseum werden umfassende Maßnahmen getroffen, um die Kunstschätze vor feindlichen «beschossen in Sicherheit zu bringen. Die meisten Gemälde werden in eiserne Kisten verpackt. Die Venus von Milo und die Mona Lisa wurden »y Stahlkammern eingeschlossen. * « * Der kleine Kreuzer „Magdeburg" in die Lust gesprengt. Berlin. 27.Aug. S.M. kleiner Kreuzer „Magdeburg" ist bei einem Vorstoß im finnischen Meerbusen in der Nähe der Insel Odensholm im Nebel auf «tz rund geraten. Da es nicht gelang, das Schiff abzubringcn. murdccsbcim An griffweit überlege nerrus- sischer Strcitkräfte in die Luft gesprengt. Unter dem feindlichen Feuer wurde vom Torpedoboot „V. 26" der größte Teil der Mannschaft des Kreuzers gerettet. Die Verluste von „Magdeburg" und ,,V. 26" stehen noch nicht ganz fest, bisher sind gemeldet: tot 17. verwundet 21. vermißt 85. darunter der KonG Mandant der „Magdeburg". Die Geretteten werden heute in einem deuffchen .Hasen cintreffen. Die Verlustliste wird iobald als möglich herausgegeben werden. Der „Berl. Lokalanz" schreibt: Die feindliche Uebermacht allein hätte unseren tavieren Kreuzer sicherlich nicht zur Strecke gebracht, die Unbilden der Witterung mußten hinzukommen. Mit aufrichtiger Trauer rin .herzen wird das deutsche Volk von diesem mißglückten Unternehmen Kenntnis nehmen, aber das Bewußtsein, daß der Kreuzer einen ebrcn- vollen Untergang gefunden hat, muß uns über diesen schmerzlichen Verlust trösten, wie es auch der deutschen Flotte als Ansporn dienen wird, diese Scharte nach Kräften anszuwetzen. Die „Soff. 3 t ff" sagt: Die deutschen Schisse haben den Feind in seinen eigenen Gewässern auigesucht, ein neuer Beweis für die Kampfeslust unserer Flotte. Odensholm ist eine unbewohnte russische Insel mit Lcuchtturnr an der Küste von Ehstland. Sie liegt am Eingang in dem finnischen Meerbusen, etwa 50 Kilometer südwestlich von Reval. Der Verlust unseres Kreuzers „Magdeburg" ist schmerzlich, mit derartigen Zufällen müssen wir aber rechnen. Ehre dem Andenken der tavseren Seeleute, die vor dem Feind einen ruhmvollen Tod gesunden haben. Damit das Schiff den Feinden nicht in die Hände falle, wurde es in die Lust gesprengt. Eine heroische Tat! Die Feier des Erfolges bei Longwy in der Reichshauptstadt. Berlin, 27. Aug. Infolge der Sieg es na chri ch t von gestern waren die Linden und die angrenzenden Straßen bis in die Nachtstunden sehr stark belebt. Unter begeistertem Jubel, Hurra- und Hochrufen zog am späteren Abend eine unabsehbare Menge zu dem kronprinzlichenPa- l a i s. An der Spitze befand sich eine Gruppe Oester- reicher, die eine große österreichische Fahne entfalteten. Vor dem Palais angekommen, staute sich die Menge. Plötz- lief) sah mojt in her Hand her in den ersten Reihen Stehenden W a ch s l i ch l c r anfslammen. Ein Ocstcrrcicher trat hervor und hielt eine begeisterte Ansprache ans die Waffenbrüderschaft Deutschlands und Oesterreichs, die mit einem Hoch ans die beiden Monarchen nnd den deutschen Kronprinzen ausklang. In diesem Moment öffneten sich die Balkontüren und die Kronprinzessin, be- gleiteL von mehreren Damen ihres Gefolges, trat an die Brüstung des Balkons, begeisterter Jubel erhob sich, laut „Berl. Lokalanzeiger", beim Erscheinen der hohen Frau. Alles ries und winkte begeistert. Die .Kronprinzessin dankte bewegt für die ihr dargebrachten Huldigungen. TcS Kaisers Schwager als Fahnenträger voran. Generalleutnant Prinz Friedrich Karl von Hessen führt sein Infanterie-Regiment Nr. 81 als Komman4 deur ins Feld. Dieses Regiment war in cinein Gefacht hervorragend beteiligt, wo ein deutsches Armeekorps gegen drei französische .Korps den Sieg errang. Besonders Ijeift ging es dabei am 22. August nachmittags zu; die 8ler hatten den von französischen Truppen besetzt gehaltenen Ort mit aufgepflanztem Bajonett im Sturm zu nehmen. Verwundete berichteten in der „Franks. Zeitung" darüber u. a. folgendes: Bald waren wir vorn und wurden vom Feind mit Granaten und Schrapnells beschossen. Rechts und links lichteten sich unsere Reihen, aber rastlos ging es vorwärts. Als wir den Wald verlassen hatten, sahen ivir in einer Entfernung von etwa 150 Mtr. eine Anhöhe, die von seindlicher Jnsanterie imd Artillerie besetzt war. An Deckung war nicht viel vorhanden. Wir standen mitten im Hafer nnd schossen aus den Feino, dann ging cs im Laufschritt zum Sturm auf die Anhöhe. Daß nun nicht alle niedcrgemctzelt wurden, liegt an dem sckffcchten Schiehen der Franzosen, die wohl heftig draus losschichen, aber nicht dabei zielen. Bald war die Anhöhe in unserm Besitz und der Feind in voller Flucht. Wir verfolgten ihn 10 Klm. weit. In einem Schützengraben fanden wir etwa ein Dutzend Franzosen, die keinen Laut von sich gaben und Tote markierten. Wir merkten aber bald die List und machten sie zu Gefangenen. Ter Feind erlitt starke Verluste, aber auch ivir hatten viele Leichtverwundete. Bei dem Sturm auf M. erg r i f s unser Ober st,PrinzFricdrichKarlvon Hessen,eine Fahne nnd trug sie seinen Soldaten voran. Das Gefecht und die Verfolgung der Feinde bat bis in die Nacht gedauert. — In einem aicdern Bericht heißt es über den Obersten: Das erste Bataillon stand besonders stark im Fcner. Zahlreiche Offiziere sind verwundet und gefallen. Selbst der Fahnenträger siel. Da ergreift unser Kommandeur unser Panier und stürmt dem Regiment voran. Skandalöses Vorgehen französischer Gendarmen gegenüber deutschen Familien. Straß burq, 27. Aug. Auf der Kaiserlichen Zoll- direklion hat der Zolleinnehmer von Saales unter Eid zu Protokoll gegeben: Nachdcnl am 11. August die Franzosen Saales passiert hatten, erschienen französische Gendarm e n u n d n a h m e n 8 B e a m t e m i t F r a p e n und etwa 20 Kinder, darunter solche, die kaum drei Wochen alt waren, a u s eiOchsen karren mit fort. Sie schleppten sie nach St. Dis, wo sie vor einer Fabrik abgeladen wurden. Was weiter aus den Frauen und Kindern geworden ist, wissen wir nicht. Deutsche Reservisten auf der Rückkehr nach der Heimat angchalten. Am st e r dam . 26. Aug. Die Blättler melden aus Fak- mouth: Der hvfländischc Dampfer „Potsdam" traf hier von New Port kommend mit vierhundert deutschen Reservisten und einigen österreichischen Dicnst- Vilichtigen ein. Die deutsche Post nmrde beschlagnahmt nird die Reservisten zu Gefangenen gemacht. Italien und der Dreibund. W. T. B. Wien, 27. Aug. Das „Fremdenblatt" lveist auf die jüngst vom italienischen Ministerpräsidenten abgegebenen Erklärungen über die strikie Neutralität Italiens hin und schreibt: Die Gründe, die Salandra bestimmten, würdigen wir vollständig. Das Blatt weist sodann auf die von maßgebender Stelle dem Korrespondenten des „llorrierc della Sera" im Kriegspreßquartier zuteil gewordene Auskunft hin, daß Oesterreich-Ungarn absolut keine feindlichen Absichten gegen Italien Hage. Wir sind überzeugt, daß Italien auch als neutrale Macht unserer und der Sache unseres Verbündeten erhebliche Dienste zu erweisen vermag. Wenn König Viktor Emanncl und die italienische Regierung zu. dem Schlüsse gekvnvmen sind, daß Italien am besten tue, neutral zu bleiben, ist damit nicht gesagt, daß der Dreibund nunmehr hinfällig geworden sei. Das Verhältnis zwischen den drei Mächten besteht weiter und wird nach dem Kriege weiterbestehen, weil es ihren Interessen entspricht. In Rom weiß man genau, daß eine Niederlage Oesterreich- Ungarns und Deutschlands, an die auch außerhalb unserer Grenzen vermutlich nur wenige glauben, für Italien, ein nationales Unglück wäre. In Wien und Berlin aber weiß man, daß, wenn Italien seine Stellung im Mittelmeere in Frieden und Ruhe befestigt, dies auch für uns nicht bedeutungslos ist. Es gibt mehr Interessengemeinschaften zwi- schen den drei Mächten, als d-re Feinde ahnen. Die ostprcußischcn Flüchtlinge. Berlin, 27. Aug. Für die oft preußischen Flüchtlinge wurde gestern nachmittag im Dom, der bis luf den letzten Platz gefüllt war, ein Gottesdienst cch- gehaltcn. In der großen Seiten.!»ge wohnte die Kronprinzessin der Andacht bei. Ans deni Ehrenplatz im Schiffe der Kirche vor dem Altar hatten die von Haus und Hof geflüchteten Brüder und Schwestern aus Ostpreußen Platz genommen. Die Ocstrrreichcr nnd die Russen. Wien, 27. Aug. Aus dem Kriegs-Pressequartier >v«d amtlich gemeldet: Tie aus Honved-Kavalleric bestehende fünfte Armcedivision hoc am 16. August die Aufgabe erhalten, die russische Grenzsicherung am Zbruz tu durchbrechen, um festzusteuen, ob sich dahinter stärkere Kräfte befinden. Bei diesem Versuch stieß unsere Kavallerie auf überlegene feindliche Kavallerie, die von Infanterie Unterstützt wurde. Der Feind wurde trotzdem in die Flucht getrieben und verfolgt, bis sich russische Verstärkungen in befestigter Stellung zeigten, die sofort von den Honved angegriffen wurden. Dabei lfaben letztere größere Verluste erlitten. Mit der Feststellung stärkerer russischer Kräfte in dieser Gegend war die Aufgabe gelöst. Die Honveds, die sich darauf in Satanow einquartiert hatten, wurden n«chts von den Ortsbewohnern überfallen und zum Teil getötet. Der Ort wurde infolgedessen strafweise nieder- geb rannt. Ei,re genaue Angabe der Verluste ist noch nicht urüglich - Wien, 27. Hch. (W. T.-B.) Die Rach wicht von dem siegreichen Ausgange der dreitägigen Schlacht bei Kras- nik hat in der ganzen Monarchie freudigste Genugtuung hervorgerufen. In Wien haben zahlreiche Häuser geflaggt. DicPressc gibt ihrer Genugtuung über den Sieg auf dem nördlichen .Kriegsschauplätze Ausdruck und hebt hervor, daß die Schlacht von größerer Bedeutung sei, als die ersten Meldungen voraussetzen ließen. Rach den Berichten der Kriegskorrespondenlen der Blätter scheint die Niederlage der russischen Armee eine Folge einer wcitausgreiscndcn llm- ehung zu sein. Der Kampf war überall hartnäckig, der rfolg der österreichisch-ungarischen Armee vollständig. Ein Komplott ägyptischer Offiziere gegen England. Wien, 27. Aug. Aus Konstantinopel wird gemeldet: Die Engländer befürchten eine Revolution der arabischen Bevölkerung Aegyptens. Ein Komplott mehrerer ägyptischer Offiziere gegen England soll bereits entdeckt worden sein. Etwa 60 Offiziere sind verhaftet. Tie eingeborenen Truppen sind entwaffnet worden. Prinz Dlziz Pascha Hassan wurde auf eine Festung gebracht. Die englische Militärbehörde befürchtet auch eine Invasion der arabischen Truppen der Türkei und hat bereits Verteidigungsmag- regeln getroffen. Tic Okkupationstruppen mit ihrer Artillerie sind längs des Suezkanals ausgestellt, man befürchtet aber, daß, sie zu schwach sein werden, um einem Angriff von 50000 gut bewaffneten und von religiösem Fanatismus beseelten Türken zu widerstehen. (Nationalztg.) Ans Marokko. Berlin, 26. Aug. Nach einer Mitteilung des kaiserlichen Geschäftsträgers in Tanger sind DentscheinTan- gc r bis zu seiner Abfahrt von den marokkanischen Behörden icichtbchelligt worden. Sie flüchteten größtenteils nach Cadiz. Die schlimme Lage Serbiens. W. T.B. Wien, 27. Aug. Die „Südslawische Korrespondenz" meldet aus Sofia: Ein an amtlicher Stelle vorliegender Bericht aus Nisch vom 18. August betont, daß die falschen Sicgesdcpc scheu, die das serbische Hauptquartier verbreiten läßt, in der Bevölkerung keinen Glauben mehr finden, zumal die Folgen des Krieges im Lande selbst mit erschreckender Dcutlichteit in die Erscheinung treten, die erhoffte Zufuhr über Griechenland ins Stocken geraten ist und cs an Mehl, Salz, Konserven und Sanitätsmaterial mangelt. Die nach vielen Hunderten zählenden Verwundeten, die in das Innere des Landes gebracht wurden, finden weder Pfiege noch Unterkunft. Es herrschen in sanitärer Hinsicht geradezu haarsträubende Zustände, welche die Gefahr von Seu- en herausbeschwören. Das massenhafte Zuströmen der evölkcrnng aus den Grenzbezirken trägt zur Erschlverung der Lage bei. Die Preise für Wohnungen und Lebensmittel sind ins Phantastische gestiegen. Eine herbe Enttäuschung für die Bevölkerung sei das Verhalten Rußlands, dessen Hilfe bis jetzt nur durch die Entsendung einiger russischer Offiziere und einer Anzahl russischer Freiwilliger in Erscheinung tritt. Ein Telegramm des Kaisers. Berlin, 27. Aug. Der Kaiser hat an die Witwe des verstorbenen Generaldirektors der Staatsarchive Exzellenz Kos er, über deffen .Hinscheiden wir gestern berichteten, folgendes Telegramm gerichtet: Durch die Meldung von dem Hinschcidcn Jbres von mir hochverehrten Gatten schmerzlich berührt, spreche ich Ihnen mein wärmstes Beileid auS. Ich habe in dem Verewigten nicht nur einen treuen Beamten und Gelehrten von hervorragendem Wissen und Können, sondern zugleich einen, um mich und mein Haus hochverdienten Freund verloren, Gott der Herr tröste auch Sie in dieser ernsten Zeit, in der so viele schwere Opfer vom Vaterland gefordert werden. Ich habe meinen General st la suite General der Infanterie von Jakobi mit meiner Vertretung bei der Beisetzung beauftragt. Wilhelm R. (Verl. Lokalanz.) Zum Tode des Prinzen Luitpold von Bayern, des Sohnes des Thronfolgers Rupprecht (Wir haben die Todesnachricht gestern nur'noch in einem Teil der Auflage bringen können, schreibt die „Nordd. Mlg. Ztg.": Ms ein schwerer Schlag trifft das Ableben des jungen Sprosses aus deni Hause Wittelsbach den Kronprinzen Rnp- precht, die königlichen Großeltern und das ganze bayerische Herrscherhaus. Mit den Leidtragenden teilt das Bayernvolk den tiefen Schmerz über den herben Verlust, den ein uner- forschlicher Ratschluß der Vorsehung gesägt hat. Aber auch außerhalb Bayerns wird in allen Gauen des deutschen Vaterlandes die Kunde von dem Hinscheiden des jugendlichen Prinzen, der zu den schönsten Hoffnungen berechtigte, herzlichstes Milenrpsinden loecken, ---- l’l—---- —L-LJL'I----1---ü---- Au§ dem Reiche. Mannheim, 27. Aug. Aus Anlaß des Krieges hat Herr Tr. Krebs, Inhaber des Strebelwerles in Mannheim, wie die .Neue Badische Landeszeitung" meidet, sür die Angehörigen seiner Firma eine» Unterstützungssonds von einer Viertelmillion Mark errichtet. Stuttgart, 27. August. Der König ließ den Mitalicdeni des Hoitheaters mitteile», daß die Verträge ivährend des Krieges, auch wen» nicht gespielt würde, auircchk erteilten bleiben. Den im Felde siebende» verheirateten Mitgliedern werden die Bezüge weiter- bezahlt. Das Holtbeater nimmt seine Spielzeit am 5. September aus. Aus StaSt u«rv €an& Gießen, 28. August 1914. " Die Siegesglocken läuten. Anläßlich der von dein westlichen Kriegsschauplätze cingetroffeuen SiegeS- nachrichten ivurde heute vormittag 10 Uhr mit allen Glocken geläutet. ** Die Besuchszeiten im Rescrve-Lazarc tt in Steins Garten sind wie folgt festgesetzt: 1. für Gie ße ne r: jeden Nachmittag von 2 bis 4 Uhr; 2. für Auswärtige: jeden Tag von 11 Uhr vormittags bis 4 Uhr nachmittags. •* Gefangenen- und Verivuudctcn-TrauS- porte. An den letzten beiden Tagen hat cS aus unserem Bahnhof an Gcfangencn-TranSpocten nicht geschlt, bei denen auch vereinzelte verwundete Franzosen mit befördert wurden. Von jedem Transport mußten einige verletzte Franzosen die Reise unterbrechen, weil deren Zustand cS nötig machte, sic in Gießen schon in Lazareltbehandlnnq z» nehmen. — Unsere Lazarette werden allmählich sich füllen. Mit jedem Zuge, der vom Kriegsschauplätze anlangt, treffen neue Opfer des Kampfes hier ein. Teilweise sind schon die Klinik, das evangelische Schwesternhaus und die Turnhalle mit Ner- mundeten belegt. ** Hessische Kriegsversicherung auf Gegenseitigkeit für den Krieg 1914. Die Bank für Handel und Industrie dahier ist Annahmestelle für Versicherung«, anträge und bereit, den Angehörigen der im Felde stehenden Krieger alle wünschenswerten Anleitungen zu geben. Man wende sich daher a» die Kasse der Bank, Johanncsstraße l, ** Auszug aus der Verlustliste. Gardc-Ärag.-Regi, ll. Großb. Hessischest Nr. 23. 2. Eskad. Gardedragoner Heinrich Dedio aus Ossenbach a. M. tot. — 4. Eskad. Gardedragoner Johann Moll aus ProjenSdorf, Schleswig-Holstein, tot. Gcsr. Georg Lochmann aus Dornberg leicht verw., rechtes Bein, linker Fuß. Wilhelm Merz gen. Nauhcinc aus Niederseltcrs vermißt. Wil-- Helm Leist aus Wertha vermißt. Karl Kops aus Bechtolsheim ver-. mißt. — 5. Eskad. Unteroff. Emil Kunz aus Lammsheim leicht verw., rechtes Knie. " Eisenbahner für Belgien. Rach Belgien sind ans dem Eisenbahn-Direktionsbezirk Frankfurt a. M. 6 Ingenieure soivie mehrere Bahnmeister, Roit- meisler und zahlreiche Eisenbahnarbeiter zur Bahnbcwachung und -Unterhaltung beordert. Auch Betrieb?» und Fahrpersonal ivicd folgen. "Eine großeSchlachtbei — Gießen. Die Berichterstattung unserer Feinde, der Franzosen im Besonderen, liefert klassische Beispiele. „Noch in der Nacht hat das französische Kricgs- ministerium der englischen Regierung zur Weiterverbreitung über alle Ozeane die an sich für Franzosen und Engländer gewiß erfreuliche Mitteilung gemacht, daß die deutsche Armee in vollem Rückzug über den Rhein sei." Gleichzeitig kommen aus dem Wege über Kopenhagen französische und englische Meldungen, in denen ganz genau beschrieben tvird, wie die Deutschen bei Mülhausen in einer großen Kapiialschlacht geschlagen wurden und wie sie — („wenn wir nicht irren, in einer Schlacht bei Gießen) — cinundneunzig Geschütze verloren. Also nicht etwa über 80 oder migcfädr 90, sondern g e n a u 9l Geschütze fielen den Franzosen bei Gießen in die Hände. — Das ist wirklich zum Schießen: Kreis Frlcdbcrg. L. Friedberg, 27. Aug. Stadtverordnetensitzung am 26. August. Als einziger Punkt steht auf der Tages- rodnung: Unterstützung bedürftiger Angehöriger der Kriegs-, teilnehmer. Nach den reich?gesetzlichen Bestimmungen erhalten die Angehörigen bedürftiger Kriegsteilnehmer, denen durch die Einberufung des Ernährers zum Heere die Existenzmöglichkeit genommen ist, vom Reiche eine Unterstützung, welche beträgt a) für die Frau monatlich 9 Mark, d) für jedes Kind unter 14 Jahr inonatlich 6 Mk Seitens des Kreistages ist aus Mitteln des Kreises ein Zu- c schuß gewährt worden, der für die Frau monatlich 3 Mk i beträgt (im Winter 6 Mk.). Die Versammlung ist ein- stiminig der Ansicht, daß für das Land diese Sätze wohl ausreichend sein mögen, für die teuere Lebenshaltung in den Städten aber nicht ausreichen würden. Sie beschließt deshalb, einen Zuschuß, zu leisten, der 50 Proz.' des Reichs- Zuschusses ausmacht. Eine Kommission soll unter dem Vorsitz des Bürgermeisters die Anträge prüfen. Der Stadt erwächst dadurch eine große Ausgabe, doch sollen alle verfügbaren Mittel hierzic herangezogeu werden. Eine Zentralsammlung soll organisiert und in der Stadt dafür gesammelt werden, damit die bedürftigen Familien gegen Not geschützt bleiben. Die Unterstützung soll in erster Linie für Miete und Lebensmittel sein, die durch gemeinsamen Bezug zugänglich gemacht und ausgegebcn werden sollen. k. Butzbach, 27. Aug. Gestern abend um 8 Uhr trafen die. ersten Verwundeten hier ein, 186 an der Zahl, von verschiedenen Negimenter», darunler einige Schwerverioundcte. Heule vorinittag uni i'A Uhr ertönte das Signal der Feuerwehr mit dem Rufe.Sanitätskoloune". Kurz daraus trafen ivcilere 120 Verwundete hier ei». Sämtliche Verwundete wurde» hier ii» Reservelazarett — Kaserne — unlergebracht. Die Schwcrverwuudctcn wurden au! Autos und an! Tragbahren in das Lazarett eingcliefcrl. In aller Frühe sah mau Leichtverwundete spazieren gehen, um die sich triippeweis« die Bürgersleuten scharten, um Erzählungen vom ktriegsschauplatze zu hören. a Bad Salzhausen, 21. Aug. Das Kaufmanns» Erholungsheim dahier ist nun als Kriegslazarett fertig eingerichtet. Den, Vernehmen »ach solle» in den ersten Tagen Ver- ivundcte hier eintreffen. Starkcnburg und Rheinhcssen. Darmstadt, 26. Aug. Das Lcibgardc-Jn santerie-Regiment Nr. 115 hat am Samstag von ! bis 9 Uhr abends in» Gefecht eine französische Artilleriestellung gestürmt, wobei ihm 40 Geschütze und eine Fahne in die Hände fielen. Das Reginient hat, entgegen anderslautenden Meldungen, nur geringe Verluste, wenig Tote, meist Leichtverwundete, da die Franzosen sehr schlecht schossen. rm. Darmstadt, 27, Aug. Ein infolge de: erlittenen Verwundungen im hiesigen Lazarett gestorbener französischer Offizier wurde gestern nachmittag in Begleitung eines katholischen Geistlichen auf dem hiesigen Friedhöfe beigcsetzt. Der einfache Leichenwagen wurde von einem Ariillcriegespaun gezogen und von 6 Kanonieren begleitet. Wie ivir erfahren, soll aus die Anfrage in der Batterie nach Freiwilligen zur Begleitung des Wagens kein Mann vorgetreten sein, woraus 6 Mann kommandiert wurden. — Darmstadt, 27. Autz. Tie Fürstin Erbach-Schönberg hat das ihrem Bruder, dem englischen Admiral Prinzen Ludwst von Battenberg, gehörige Schloß Heiligeuberg deur Rote» Kreuz zur Verfügung gestellt. Hessen-Nassau. X H a n a u , 27. Aug. Die Stadtverordneten haben heute beschlossen, zur Beschaffung von Arbeitsgelc gen- beit verschiedene Arbeiten ausführen zu lassen, zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit eine erste Rate von 20000 Mark zur Verfügung zu stellen. Die in Hanau stark vertretene Edclmctalfindustrie ist Luxusindustrie und hat ihrer Natur nach bei den jetzigen Kriegsw-irren besonders stark zu leiden. Wie der Oberbürgermeister bekannt gab, hat der Magistrat bei dem Minister der öffentlichen Arbeiten und der Regierung in Kassel telegraphisch angefragt, ob es sich nicht ermöglichen lasse, die Arbeiten zur Fortfiihrung der Main- kcmalisation wieder aufzuuehmeu. b Bad H o >» b u r a v. d. H., 27. Aug, Eine arme Frau ivac von der Polizeibehörde in eine K e l d st r a f e genommen ivorden, weil sie ihre schulvstickNigen Kinder Zeitungen tragen ließ. Eie beantragte richterliche Entscheidung, zog den Einspruch aber gestern a»> Anrate» des Richters vor deni Schöffengericht zurück. Dan» laugte das gesamte Richterkollegiuur unter voller Würdigung der Notlage der Frau in die eigene Tasche und brachte im Haud- »indreheu die Auslagen der Frau und noch einen Grosckru mehr auf. — In Frankfurt verknuse» etwa 3000 Frauen und Kinder gegenwärtig die .neuesten" Kriegszeitungen, Tie Polizei kümmcrt sich dort nicht im mindesten um di- Leute und gönnt diesen den kargen Verdienst recht gern. Der $anitäts= und Liebesdienst in Gießen Unsere ersten Verwundeten sind eingckchrt und es muß ein wohltuendes Gefühl für sie sein, bei dieser Heimkehr zu beobachten, baß, während sie da draußen alle Strapazen ertrugen und freu« diq Gesundheit und Lichen aufs Spiel setzten, auch wir hier nicht müßig waren. Die Militärbehörden, die Stadtverwaltung und die private Fürsorge haben miteinander gewettcisert, um nicht nur sür die Zurückgebliebenen unserer Sieger möglichst zu sorgen, son- - der» um auch sür sie selber, falls sic verwundet heim kämen, alles bereit zu halten und dafür zu sorgen, daß sie von ihren Wund« geheilt Werken, um neu gekräftigt ins Feld zurückkehren zu kön- «en. Ich machte einen Rundganq durch alle Anstalten unserer Stadt, rn denen sür das Wohl der Kämpfer sowohl wie für die Zurück- ücbliedencn gesorgt ist und ich mutz sagen, was ich da an freudiger Arbeitsleistung an schon Geschaffenem und noch Entstehenden! sah. übertrisft alle Erwartung. Wie wir ans der Montagsnummer des Gictzencr Anzeigers 'bereits wissen, ist die Oberleitung über alle militärischen Lazarette öcm Oberstabsarzt a. D. Dr. Sieger! übertragen. Demselben sind die Chcsärzte Professor Tr. Walther und Lbcrstabsarzl Dr. Wintber dcigeordnct und 30 Zivilärzte, zum Teil aus der Stadl, zum Seil von autzcrhalb, haben sich schon zu FriedeiiSzeitcn weiter dein La zarett-Tienst zur Pcriügunggestellt und werden ,e nach Bcdari ein gerufen. Oberstabsarzt Tr. Siegelt bat uns am Ticnstao in cineni Vorträge ein anschauliches Bild entworfen von der Arbeit im Etappen-Gebiete und in den Kriegslazarettcn. Man staunt über die Fürsorge und die Umsicht, mit der vom Größten bis zum Kleinsten hinein alles zum Besten unserer aus dem Felde Erkrankten oder Verwundeten geordnet und geleitet ivird. Ter Oberstabsarzt Dr. Eiegeri hol schon den Feldzug 1870 mitge.nachl. Die reichen Er Fahrungen, die er dort sammelte, sein eingehende Studium aller seither gemachten Fortschritte in der Krankenpilegc und der Wissen schalt befähigen ihn vor allen Dingen zum Leiter alles de: in seiner vaiiü Zusammengesatztcn. Es bestehen hier die Re lervelazarettc I uich II. Zu I gehört das alte Garnison- Lazarett. das mit seinen freundlichen Blumenbrettern vor den Fenstern einen säst heiteren Eindruck macht. Dann das Kaufmännische Dereinsbatls, das sür 28 Betten ausreicht Es Kal grotze Helle RäumL, ein schönes Bad und eine kleine Terrasse, von Bäumen umgeben, mit Tischen und Stühlen besetzt, sür solche, die sich schon rm Freien aufhalten können. In der großen Turnhalle, die ebenfalls als Lazarett ein- ^gerichtet wird, ist man mit den Arbeiten noch nicht fertig. In dem großen lichten Saale sind in mehreren Reiben -irka 80 Betten »ausgestellt. Wie in allen Lazaretten ist immer am «op-ende des Geltes eine Tafel angebracht init Häkchen jnr die (Neider des Patienten und aus der Tafel sind der Name desselben, die Art der Verwundung und der Hcimatsort des Patienten genau an gegeben, sodatz Arzt und Pflegepersonal die Orientierung sehr 'erleichtert wird. Ucbrigcns bringt jeder Verwundete, an seiner Uniform angebestet, ein Wundtäselchen mir, so i\f; per lei: nee Arzt, wenn er den Zug mit den ankommendcn Venv-undeten ab itrlft, sich nur dieses Täielchen anzniehen hat um danach die Sichtung der Veewundeken voczunelmie r und jeden der Anstalt gnweijen kann, wo gerade er für seine besondere Verwundung am besten aufgehoben ist. Reben dem grotzen schönen Saal in der Turnlalle befindet sich ein Waschraum, liuks von bemirlben ein Baderaum mit zwei Badewannen und autzcrbem ein BerbanpS raum. Im Erdgeschoß ist dann das Zimmer sür den Polizci- Unterosiizier. Im Katholischen Bereinsbans sind zwe, große Säle hergerichtet, von denen der obere besonders sreimdlich und licht ist. Das Evangelische Schwesternhaus iv.rr sckwn teilweise belegt. ^Schwester Maria sorgte in müttcrlichel Weise sür ihre Pileqe- besohtenen. Es lagen hier besonders Schlefi r, sie aßen eben ihr Mittagsbrol und machten eine» zuiriedeuen Eindruck, sich in so guter Ordnung und Pflege zu wissen. Steins EKirtni ist bereits ganz belegt. Man hatte hier »ngesähr denselben Eindruck, wie in dem allen Garnison-Lazarett. Die kleinen Tische zwischen den Gelten ivaren mit Blumen geschmückt: überall sah mau Acrztc und Schwestern um die Kraulen bemüht, man hörte hier und da von den Bcnvundeie» Ereignisse von dem Schlachtfeld und Dankbarkeit und Zufriedenheit, daß mit einer so!ck>en Treue und Liebe hier in der Heimat sür sic gesorgt wurde. In Steins Garten sind besonders die Verwundeten aus Gießen und Umgebung. lJm ganzen entbaltcil die hier angeführten Unterlazarcrte des ersten Rciervelazarctts 4M Betten. Sehr ist darüber geklagt, daß das Publikum an den ersten Heiden Tagen durch das Dineindrängen in die Räume sür die Verwundeten den Acrzten direkt ihre Arbeit erschwerte Man begreift gut, daß jeder den Wunsch bat. zu crjahren, ob etwa jemand der Setnigcn unter den Verwundeten sei. Man bcgreijt, daß jeder den Verwundeten so viel Liebe und Freundlichkeit erweisen möchte wie nur möglich: aber die Rücklicht aus die Krauten gebietet eine gewisse Zurückhaltung. Und es ist nur anznerkeltnen, daß von Seiten des Leiters jetzt bestimmte Stunden für Besuche scstgclegt sind und daß allen Unbefugten der Eintritt verboten ist. Mit Freude sieht man. daß trotz der Verwundung nnd trotz großer Strapazen unsere iämliichcn Krieger im allganieinen mit gesunder Farbe und mit ungebrochener Kraft zurückgckommen sind. Aber sie sind erholungsbedürftig und je mehr man ihnen die Rübe gönnt und Arzt nnd Schwestern ungehindert wallen läßt, nmiomehr trägt jeder an seinem Teil zu ihrer völligen Wieder Herstellung und Kräs tiguiig bei. Und das ist ja doch, ivas ivir alle für sic erstreben Zum Reservelazarett jl gehören die alte Klinik und die Mimnerableilung 'des Siechenhauses. Letzteres eignet sich durch seine herrlickre »'a-ie in der Nähe des Waldes, durch die tiefe Ruhe und die wuu»crvollc Luit besonders sür solche, die einer längeren Ausspannung und Erholung bedürfen. Tie freundlichen großen Räume, die verschieden artigen Bäder, der große Gemüsegarten, der schöne freie baum- hepilanzte Platz um die Häuser herum, machen es zu einem aus- erwählten Erholungsorte. Die alte Klinik soll innerhalb von 6 Wochen zu einem Lazarett 'mit 300 bis 350 Betten uingewandelt werden Staunenswert ist es, wie der Leiter des Ganzen, Oberstabsarzt Sicgert es verstanden hat, die ganz vcrichicdeneu Gebäude ein und demselben Zweck anzupasscn und alle? Vorhandene dafür nutzbar zu machen 'Tenn von ».wem einzigen Lazarett, so verschieden die vorge fundrucn Räume auch ursprünglich waren, dari man sagen, daß 'es allen Anforderungen der modernen Geiundheitspilege entsprechend hcrgerichtet ist. Der Militärbebördc untersteh: auch die -große Kriegsküche gm Bahnhof. Die Küche wird von Herrn Rie- mann aus» Beste verwaltet: es ist eine Freude, die mächtigen Kessel -zu sehen, in denen die kräftige Brühe und sonstige Speise sür die durchkommendeii Truppen bereitet wirb. Am Bahnho» befinde! sich auch unter Leftung von Professor Dr. Böttiger eine Verbands- station. Dem Professor Bötticher sind zwei Mediziner älteren Semesters, eine Alice-Schwester und zwei geprüfte Helferinnen, sowie vier Mitglieder der Sanitätsloloiine zngeteilt. In der Mitte des Bahnhofes ist das große Wartezimmer dritter Klasse völlig ausgeräumt und Tür die Venmindeien bcrgerichlcl. mit Tragbahren. Matratzen nsw. Daneben befindet sich ein kleiner OperationSzimmer und daneben wieder ein kleiner Waichraum mit Tesinftzicrvor- richtungcn, auch hier alles den hygienitchen Anforderungen entsprechend. Von unserer Stadtoerwaitnng aus ist in umfassender Weise Fürsorge sür die Zurückgebliebenen unserer Krieger getrosien. Äußer der pekuniären Unterstützung hak die Stadt in der Volksküche die tägliche Speisung von ca. M0 Personen ermöglicht. Dieser Betrieb wurde schon srüber eingehend im „Gictzencr Anzeiger" besprochen. Edenio hat die Stadl durch Fräulein Mec'er de« Kriegskindrrhort cingerichkcr. Herr Professor Eepperi lxn bereitwilligst sein plarmokologisckes Institut dazu zur Verfügung 'gestellt ES ist eine Freude, die Neine Schar dort fröhlich sich tummeln zu sehen aus dem grotzen Hos, oder zu beobachten, wie sic mit Behagen ihre Milch schlürfen, wenn die freiwilligen Heilerinnen sie in den mit Bänren versehenen Zimmern dafür zusammenlrommeln. Ties ist ja eine Arbeit, die den Frauen ganz besonders liegt. Wohl mögen die kleinen Gäste zunächst eine rechte Last verursachen, aber das Lächeln, das herzliche Vertrauen, das sie bald den freundlichen Hüterinnen entgcgenbringen, belohnt dieic reichlich sür alle Last und Mühe des Tages und ein wohltuendes Gefühl ist es, zu wissen, daß hier Kinderkraft erhalten bleibt, die sonst in der Rot der Zeit Schaden erleiden müßte, währritd Väter und Brüder ftir uns im Felde kämvien Eine der lohnendsten, aber sicher auch eine der schwierigsten Aufgaben ist in dieser Zeit dem Roten Kreuz zugciallcu. Herr Landgcrichtsrat Wiener hat seit vielen Jahren in Gießen die Leitung des Roten Kreuzes und in langer Friedensarbeit ist sorgsam vorbereitet, was jetzt in dieser schweren Zeit sich bewähren soll. Aber etwas anderes ist es, während der Friedenszcit ruhig auszugestaiten, zu erhallen und zu verbessern, als plötzlich den iuychtbaren. unoorhergcsehc- uen Anforderungen gewachsen zu sein, die der Krieg stellt. Nur ein eingearbeitcter Leiter und eine bewährte Haiid konnte einer solchen Ausgabe gewachsen sein. Gleich zu Anfang haben sich 1300 bis 1400 Menschen dem Roten Kreuz zur Verfügung gestellt: in erster Linie natürlich Frauen und Mädchen. Unter den Frauen wollte säst jede als Pflegerin dienen. Dies mutz cs dem Leiter und den ihm bcigeord- ncten Damen des Vorstandes unendlich erschwert haben. Es ist natürlich, daß jeder, der Brüder oder Verwandte im Feld stehen bat, den beißen Wunsch aussteiqcn fühlt, selber zu helfen, im Falle dcr^ Verwundung selber »liegen zu bürten. Aber dieser Trieb bat 1870 sehr böse Früchte gezeitigt, und, veranlaßt durch die damals gemachte,, Erfahrungen, ist längst die Bestiiimung getrosien, laß nur ausgcbildetc und im Dienst erfahrene Schwestern ins Feld ziehen, daß aber alle jetzt in der Kriegszeil ausgcbildetcn Pflegerinnen in die entstehenden Lücken geschoben werden im Lazarett- nnd Krankenhaus-Dienst. Wenn irgend wo, bedarf es gerade bei der Pflege einer sorgsamen Schulung, einer ungeheuren Aufmerk- samleit, einer bestimmten Sachkenntnis aller Anforderungen der modernen Hygiene. Wollen wir Frauen in dieicr schlvcren Zeit wirklich Hilfe leisten, sc müssen wir vor allen Dingen begrcisen, daß ,vir unsere persönlichen Wünsche vollkommen der Sach: unierznordnen haben und daß ivir verstehen müssen, im richtigen Moment anzusaft'eii, :w richtigen Moment aber ziirückzutrele,,. Es ist unmöglich, da» ein jeder seine persönlichen Wünsche durchsetzt, soiideru gerade hier soll nie der Blick aus das Ganze und aut das Allgemeinwohl außer acht gelassen werden. Wünsckzeiiswcrt wäre in dieser scknvercn Zelt ein freudiges Zuiamuiengehen aller Kräfte aus alle» Ständen i.nd Vildungsschichtcn ohne Ansehen der Person, und dies Ziel wird auch sicher von allen Verstehenden immer erstrebt iverdcn. Daneben muß man sich aber nickt verbehlen, baß es den Leitenden übcklassen bleiben mutz, sür die schwierigen Posten die besten Kräfte auszusuchen. Je mehr wir hier dem Wunsch und Killen der Führer und der Aerzte uns unierordnen, »mivmichr Helten, nur in der Tai. Es gibt in solckvr Zeit nicht nur zu Pflegeit, es gibt, wie wir nackcknr in Betrachtung der einzelnen Abteilungen sehen werden, unendlich viel größere und Neinere, gröbere und leinerc Arbeiten, di.' alle getan werden cktässcn, und je gewissenhafter, ic ftcuöiger sie ausgenibrt w-rde», umiomebr kommt es indirekt und direkt unseren Verwundeten zu gut. Die Haussra» im Hause, in der treuen Fürsorge sür die Ihrigen nnd alle, die ihr zeit- weise von der Militärbchirdc anverttant werden, das Dienstmädchen in der Küche, alle können durch die Sorgsamkeit in ihrer Pilichtersülliing genau io beitragen znm Wähle des Ganzen, wie andere, die oussch.iießlich der Pjlcge unserer Kranken sich widmen. Und wie dankbar u>erdcii wob! unsere Krieger im Felde erkennen, daß treue Liebe und Aufopferung alle an ihrem Teil zum Gelingen des Ganzen beitragen. Wir sehen, es gibt ein weilcs Feld zu beackern und auch hier gilt cs, ,.e:- sind mancherlei Gaben, aber es ist ein Geist, der da wirket, alles in allen". Herr Landgerichtsrat Wiener. Frau Gc- heimval Gebhardt und alle Damen des Vorstandes haben in hingebender Weise versucki. all den verschiedensten Anforderungen gerech» zu werden. Und haben diese Anforderungen grotze An strengung für sic bedentet, so müssen sic sich reich belohn! fühlen durch das, was nach so kurzer Zeil bereits in den einzcliie» Gebieten von ihnen und von ben von ihnen geschaffenen oerschied-nen Gruppen geleistet >vore»n ist. Das Komitee für das Rote Kreuz tagt in der alten Klinik. Bildungskurse sür Pflegerinnen fanden bereits bei den Herren Professoren Doit. Poppen, Iaschke, Herrn Sanitätsrat Schliephakc. Herrn Dr. Klein, Herrn Tr. Waslö statt: und noch jetzt sind neue Kurse eingerichtet von den Professoren Boit, Povpert, Iaschke. Berücksichtigt wurden sür diese Kurse in erster Linie solche junge Mädchen, die bereits theoretisch ooegebilde! waren, sogenannte Samariterinnen Tüchtige Sama- riicrinnen wurden dann von den Aerzten auscrwählt. Gleich zu Aniano übernahm das Rote Kreuz den Bahnhoss- dienst, b. f), die Erauickung der durchreisenden Truppen. Es war dies freilich nicht die eigentliche Ausgabe des Roten Kreuzes, sie übernahm es jedoch bereilwilligst, um die vielen Liebesgaben möglichst zu verwerten, und weil die Militärverwaltung am Bahnhof damals auch nicht genilgegd Leute zur Verfügung hatte. Die EririschungSsteile am Bahnhof dagegen ist von vornherein eene Einrichtung des Raken Kreuzes und dien! dazu, unsere Verwundeten bei der Durchreise zu erauicken, die- jenigen, weiche Pier ausgeladen nnrden, zu unterstützen: beim Transport so viel >oie »nöglich zu helfen nnd in jeder Weile mit der »lititöri chen Sanitätskolonne Hand in Hand zu arbeiten. Tieie Eririschunasstelke bat eine nette kleine Kückte eingerichtet, tvo Äafsee Tee nnd derartiges hcrgestellt und die Butterbrötc von der Zeutralstefte in Empjang genommen iverdeu. Die dort Arbeitenden sind ebcntalls dem Arzte nnd d>on je 15 nwiblichen und 8 niäunlichrn Kräften, die immer zwei Gruppenführer und -Führerimici» haben, und gewöhnlich Samariter und Samarite- rinnen genannt werden Sic alle haben ein-v Kursus abiotviert und sind gnind.'ich au-sgebildet >ür die Pflichten, die ihnen jetzt obliegen. In oer alten Klinik ist eine Abteilung für Liebesgaben. Di" selbe besteht aus vier (Kruppen von je vier Dame», ivelcke die Gaben auiiehmeu, ordnen, Butterbröte streichen, die Sendungen für das Feld b-reiten, und dergleichen mehr. Alles >>>-as hier an aller und neuer Wäsche zusammenkommt, wird durch freiwillige Helicrinnen de-:- Roten Kreuze - au-sgebesserr. Die Näh Abteilung untersteht den Damell des Roten Kreuzes. Es werden hier die vorschriftsmäßigen Binden, Hemden, Berbandgegenständc nackt crmoblen Mustern aus Berlin angescrligl. Von hier aus wird auch den Militär-Lazaretten so viel wie möglich mit Betken, Wäsche „. dgl. aus geholfen. Es ist erstaunlich u. erfreulich, was hier alles an sreilo Gaben zniammc»- lomml: nicht nur Wäsche, sondern auch Räucherwareu, Kasse», Reis, GrieS und dergl. Es ist eine tvadrc Freude, durch die Vor- rntsräume zu geben, ober durch das Rähzimmer, um zu sehen, mit welcher Liebe hier Gaben niederqelegt und mit welchem Eifer hier bereits gearbeitet worden ist. Die Professoren Bossiiis, Popperl, Boit hoben sich und ihre Kliniken nach bestimmten Vereinbarungen ebenfalls dem Roten Kreuz zur Verfügung gestellt und entnehmen ihre Pftcgcrinncn auch vom Roten Kreuz als Enatz iür die aus geschiedenen Alice-Schwestern. Tie überslüssigen Pflegerinnen werden e.iii Wunich dann den Lazaretten zur Verfügung gestellt. In der Alten Klinik befindet sich autzerbalb des Hoiiptgebäuches noch eine grotze Waschanstalt, in der alle Berlnindssachen nnd alles sonst Erforderliche sür die Verbandstellc am Bahnhof gewaschen nnd hergerichte! wird. Es ist mit Freuden zu begrüßen, daß Herr Landqerichtsrat Wiener die Bestimmung getrosien hat, daß kein junges Mädchen unter 24 Jahren als Pflegerin eintrcten dari. Dagegen werde», wenn, so Gott will, unsere siegreichen Truppen bald zurückkehren, auch die jüngsten Mädchen Gelegenheit haben, ihnen durch Blumen usw. ihre Freude und ihren Dank auszudrücken In der Micescdulc werden alle neuen Wäschestofte zweckmäßig venvendet. Was an alten Sachen geschenkt ist, wird gerichtet und ebenfalls verarbeitet. In der Aticefckmle ist auch die Waschanstalt sür alle neuen Sachen. Ebensö werden dort E bst und Gemüse eingemacht sür die Lazarette. In der Universität ist eine Sammclstclle sür geschenkte Bücher, Zeitschriften etc. sür die Verwundeten eingerichtet. Bo» Tarmstadt aus wurde der Vorschlag gemacht, alle Geldmittel, welrl'e hier beim Roten Kreuz zusammen kl letzen, nach Darmstadt zu senden, um sie von dort aus je nach Bedürfnis zu verteilen. Die Verwaltung des Roten Kreuzes in Gletzeu lehnte die:- ab, rem die hier zutammnifsicßendrn Mittel auch ausschließlich für unser Gebiet venrwnden zu können Jeder möchte, daß gerade seine Stadt in dieser Zeit das Vorzüglichste und Beste leistet nnd stößt er dann hie und da aus Mängel, so ist er emvört und bekümmett. Man mutz sich jedoch klar machen, daß alle die neu geschaffenen Einrichtungen sich in dieser schweren Zeit erst beivährcn sollen. Mängel werden sich überall zeigen und sickier möglichst soiort abaestellt werden. Dankenswert ist aber dos überall vorhandene Streben der Führer und der Ausübenden, ihre Kraft bis zum Aeußersten einzusetzen ,md das möglichst Beste zu leisten. Wir wollen nur münlchcn, daß die Kräfte in der ganzen Zeit nicht ertabmen. und daß sich sür etwa Ausscheidende immer neue Helfer und Helferinnen senden. Die Zeit stellt große AnwrHerunqen, aber auch hier gilt ei, daß mit den Forderungen auch tue Kräfte wachsen. Die glänzende» Siege unserer siegreichen Truppen stärken uns immer von neuem: Mut und Opserlreudigkeit. Drum getrost weiter aus der be» schrrttenen Bahn: „Mit Gott für König und Vaterland!" P.L. Amtlicher Wetterbericht. D c f f e n t 1 1 cf) e Wetterdienststelle Gießen. Wetteraussichtcn in Hessen am Sauistag, den 29 . Aug. !2l1: Ziemlich heiter, trocken, wärmer, »achlS kühl, nordöstliche Winds Letzte Nachrichten. Tic Strafe für Löwen. Köln, 28. ?luq. Der im großen Hauptquartier wellende Sonderberichterstatter der „Köln. Zeitung" bestätigt, daß der lvahnwitzigc KTieg der Irregulären in Belgien mit seiner militärislijcn Zwecklosigkeit und seinen unver- meidlicksen Folgen sür die irregeleitete Bevölkerung trotz aller Warnungen weiler gehe. Gleich-seitig mit dem großen Ausfall der vier Divisioiien aus Anttverpcn gcgcil die Ab- schkießiingsarmee beganil die Zivilbevölkerung der Stadt Löwen aus allen Häusern ein regelrechtes Feuer auf die deutsckjku Truppen. Unzweifelhaft liege hier ein verabredetes und ein organisiertes Zusammenwirken vor. Der Aufruhr wurde von den Unsrigen sofort nicdergeworscn und an der Stadt unerbittlich die Strafe vollzogen. Die Zurückwcrsuiig des Antwerpener Ausfalles hat durch da-s ebenso sinnlose wie verbrecherische Vorgehen der Löivcner keinen Augenblick aufgehalten werden können. An Einzelheiten über die Einnahme von L o n g w y wird noch bekannt, daß bei der Ucbergabc 3200 Unvcrwnndctc und 400 Verwundete gefangen wurden. N u r e i n Geschütz war noch schußfertig: 36 waren demoliert. DemKom- mandanlc», der sich durch Tapferkeit ausgezeichnet hatte, überließ der Kronprinz seinen Degen. Im Hauptauartier besuchte gestern der Kaiser mit dem König von Bayern die Vcrwundclcn in den Lazaretten. Der Kaiser an die Ostpreußen. WDB. Berlin, 27. Aug. Vom Kaiser Und König ist dem Staatsministerium nachstehendes Telegramm p« gegangen: Großes» Hauptquartier, 27. Aug. Die Heimsuchung Meiner tteuen Provinz Ostpreußen durch das Eindringen scindlicher Truppen erfüllt Mich mit herzlicher Teilnahme. Ich kenne den in noch schwererer Zeit bewälirteil unerschütterlichen Mut Meiner Ostpreußen zu genau, um nicht zu wissen, daß sie stets bereit sind, aus dem Altäre des Vaterlandes Gut und Blut zu opfern und die Schrecken des Krieges aus sich zu nehmen. Das Vcrttaucn zu der unwiderstehlichen Macht unseres heldenmütigen Heeres Ullti der unerschütterliche Glaube an die Hilfe des lebendigelt E-oltes, der dem deutsck»en Volke in seiner gerecktten Sackze und Notwehr bisher so lmmderbaren Beistaich geleistet hat, werben Niemanden in der Zuversicht aus die baldige Befreiung des Vaterlandes von dcir Fedrden ringsum wanken lasscit. Ich wünsch« aber, daß alles, was zirr Lmderung der mtgeirblicklickien Rot in Ostpreußen, sotoobl der voll ihrer Sckzolle vertriebenen, als auch der in ihrem Besitz und Gewerbe gestörten Bevölkerung gescl-ehen kann, als ein Akt der Dankbarkeit des Vaterlandes sogleich in Angriff genommen wird. Ich beauftrage das Staatsministr- rium, im Verein mit den Behörden des Staates, den provinziellen und städtischen Verbänden und beit Hilssvcrcinen aus den verschiedenen Gelneten der Fürsorge durchgreifende Maßimhmcn zu trcftcn und Mir von dem Gesckieheuen Meldung zn mack>en. Kaiser Franz Josef an Kaiser Wilhelm. Wien, 27. Aug. Kaiser Franz Joseph hat an Kaiser Wilhelm folgendes Tclegpamm gesandt: Tic hcrrlicljen. den mächtigeil Feind niederwersenden Siege, welche das deutsche Heer unter Deiner obersten Führung erkänlpft hat, haben ihre Gnmdlage nnd ihren Erfolg Deinem eisernen Willen zu danken, welcher das lonchtigc Schwert schärfte und schwang. Dein Lorbeer, der Dich als Sieger schmückt, mackste sich das hehrste ntili- täri'che Ehrcilzcichen, das wir besitzen, anreihen dürfen, in- dcn». ich Dich bitte, das Großtrcuz meines inili- tärischen Maria-Theresienordens als Zeichen Meiner hohen Werlschätznitg in treuer Waffenbrüderschaft annehmen zu wolleu. Die Insignien soll Dir, teurer Freund, ein besonderer Mgesandtcr übcrbriugen, sobald es Dir genehm ist. Wohl wissend, wie sehr Du und Dein Heer die genialen Leistungen des lffenerals der Infanterie o. Moltkc zu schätzeil wisse», verleihe ich ihm das Kom- mandeurkreuz des militärischen Maria-Thcresiciwrdens. Ven'ammlung neutraler Ausländer in Berlin. W. T. B. B c r l i n , 28. Aug. In dem überfüllten Saale des Architeklenhauscs veraustalteten gestern abend neutrale Ausländer eine Versammlung, um gegen die in der ausländischen Presse verbreitete Ansicht zu protestieren, als ob die Ai»sländer in Deutschland belästigt oder mißhandelt würden. Alle neutralen Staaten lvarcu vertreten, besonders stark Rumänien. Ter Schriftsteller Sckafsner-Baß wies in einer mit außerordentlichem Beifall aufgenomnrenen Rede nach, daß die Ausländer ftl Deutschland die Ehrenpflick/ß häbten, auszusprecheu, daß sie den gleichen Reck>tsschuy lstitten wie die Deutschen und daß sie mit der größten Zuvorkommenheit und Höflichkeit behandelt würden Ohne Aussprache stimntte die Versammlung einer Entschließung einstimmig zu, in der es unter anderem heißt, daß die allgemeine Ordnung nickst die geringste Erschütterung erlitten hlibe. Handel und Wandel bauern ungestört fort. Tie Organisation des Reiches betoöhrte sich auch in dieser schive- rkn Zeit. Ihre eminente Kraft und der politische Sinn des deutschen Volkes äußere sich in der ik b e r w ä l t i g c n - den Einmütigkeit gegenüber der Gefahr und der im - pvnierenden Ruhe unter dem Gmig der Ereignisse. Die Versammelten seien voll Bcw-underung angcsicvts der Beispiele von we l t ge s ch i chtl'iche r Reife, die sie «i dem deutschen Volke bclnerken und voll Dank für die wertvolle Gcrstsreundschaft, die ihnen das Reich gewähre. Bei der Annahme der Entschließuilg sang die Veasamm- lung „Deutschland. Deutschland über alles". Architekt Rosen Kid der schloß die Versammlung mtl einem dreisachen Hurra auf den deutschen Kaiser, Rotes Rreuz und freie tiebestätigkeit. Gießen, 28. August. Eine am Donnerstag im Rcgicrungsgebäiide am Laiidgras- Philipp Play niiter dem Vorsitze des .Herrn Gebeimmut llsinger stattgefundene P c r s a m m l u n g d es g r o ß e n K r e is - komitees für das Rote Kren» und Kricgshitse war sehr gut besucht. Aus den 79 Landgemeinden hatten nur 9 keine Vertreter endsandt ; bei mehreren der schlcnden werden die Bahn- verdältinsse mitgesprochen haben. Wurde doch von einem Orte mitgeteilt, daß man, um zu der um 1 Uhr staltiindenden Sitzung mit der Bahn hierher kommen zu können, um 4 Uhr morgens hätte aufbrechen müssen und erst um 1 Uhr nachts hätte wieder zu .Hause sein können. Aber nicht nur gut besucht war die Versammlung, sonbern auch die Besprechung recht leblwft, die sich an die ausführlichen Darlegungen des Herrn Geheirnerat Usingcr anschloß. Der Zweck der ganzen Arbeit ist Unterstützung der Arbeiten des Roten Kreuzes und Zusammenfassung der freien Licbcstätigkeit, ohne daß den Entschließungen der Ortsausschüsse vorgegrifsen werden soll. Wenn angängig nach Lage der eingehenden Mittel, soll ärmeren Gemeinden beigcsprnngen wer- den, wie icherhaupt wiederholt darauf hingewiesen wurde, daß über diesen Arbeiten die Arnrcn und die Bedürfnisse der eigenen Gemeinden nicht zu kurz kommen dürfen. Im einzelnen wurde u. a. gesagt, daß die eingehenden Gelder stets nach Gießen an den Kreiskasserechner K a u ß abzuliefern sind, der sie für den Landesverein verrechnet und im Kreisblatt entsprechende Mitteilungen macht: sind Gelder zu einem bestimmten Soicherzweck gegeben, so ist das stets mitzuteilen. Behufs Erlcich- terring der Einsendung nach Gießen wurde angeregt und zugesagt, daß die Kreditkasse sich ein Postscheckkonto zulegt. Die etwas über 2000 Mark, die schon seither vom Lande dem hiesigen Zweigverein zngeschickt worden sind, sind inzwischen dem Landesvcrein gut- geschricben worden. Besprochen wurde ferner die Frage der Errichtung von Lazaretten und dabei darauf hingewiesen, daß diese nur.rm Einvernehmen mit dem Landes Verein eingerichtet Iverden können: es werden die Bedingungen bekanntgegeben, die allerdings derart uni), daß sie von kleineren Orten nicht erfüllt iverden können; es gehört dazu nicht nur der Raum und die Betten (die ja 'vielerorts gerne gestellt werden), sondern z. B. auch durchaus kostenlose Bereitstellung des Pflegepersonals und der Kost: sehr günstige Bahnvcrbindimg: zuverlässiges und zweckmäßig ausgebildetes Pflegepersonal: Personal- und Transpvrtgelegcnheit zur Kerbrin- giing der Verwundeten vom Bahnhos nach dem Lazarett (Leiterwagen genügen dazu durchaus nicht). Wenn es demnach äußerst unwahrscheinlich ist, daß außer den schon genehmigten Lazaretten in Hungen und Lich noch weitere errichtet werden können, so ist um so erwünschter die II e b e r - nähme von aus der Lazarettbehandlung entlassenen Genese n e n vor ihrer weiteren Verwendung. Erfreulicherweise liegen dazu schon eine große Zahl von .Meldungen por, doch muß noch sestgestellt werden, ob sie auch alle unentgeltlich sind. Darauf ging nran über zur «Besprechung der gewünscksten und schon vielerorts in Aussicht gestellten Liebesgaben. Ae Wäsclze- gegenstünde sind zu senden an die Niederlage, die im Zimmer Nr. b der Schule an der West-Anlage in Gießen eingerichtet werden wird: verwaltet wird diese werden vom Oberbibliothckar Dr. Heuser und Frl. Erna Kirch. Gewünscht werden lange wollene Strümpfe in ungezählter Menge: Stauchen (Pulswärmer) und Leibbinden, Unterhosen, Hemden, Fußlappen, Kissen, besonders mit Spreufüllnng, aber auch solche nttt Federn, Betti«l?er üich Leinen. Wo etwa die Mittel zur Beschaffung der Rohmaterialien fehlen, wird das Kreis-Komitee soweit möglich einspringen. Ein Ausweis wird von Zeit zu Zeit veröffentlicht werden. Bestimntt gind die eingicchenden (Gaben für die Lazarette des Kreises, (dann aber für die hessischen Truppen, insbesondere des Regimentes Nr. 118. Auch Spenden von Zigarren, Tabak und Büchern sind an die obige Niederlage zu richten: von Büchern sind vor allem schlichte Erzählungen erwünscht. (Was hier in der Stadt bis jetzt angeliesert wurde, stellt z. T. zu hohe Anforderungen, ist für eins« che Leute z. T. nicht recht geeignet.) Aber nicht irnr Wäsche u. dergl. ist 'nötig, sondern auch Nahrungs- und Genußmittel: diese sind an das .Kreisamt zu senden, nicht an die Niederlage im Schulgebäude. Viel gesprochen wurde über Eier und Bohnen: jene können immerfort geliefert werden, diese sind, was die vorhandene Quantität anlangt, beim Kreiskomitec anznmelden, vorerst an Ort und Stelle zü behalten und werden nach Bedarf abgcrnfen werden. Bei allem aber ist stets daran zu denken, daß die Ortsarmen und die Orts-.Bevölkerung selbst nicht Not leidet. Die Kaiserin in Frankfurts Krankcnhauirn.. h. Frankfurt a. M., 27. Ang. Die Kaiserin stattete hcnte nachmittag den in hiesigen Krankenhäusern befindluheni verwundeten :Sottxrtcn einen .Besuch ab. Zunächst fuhr )te tut Städtischen Krankenhaus« vor. hier ging sie lintefl Führung des Oberarztes Professor Dr. Boß von Bett zu Bett. Jedem der Krieger reichte sie die Hand, beichenkte ihn mit einer Rose und erkundigte sich nach seiner Heimat und seinen häuslichen Verhältnissen. Mit leuchtenden Augen und oft vor tiefer Rührung erstickter Stimme dankten die wackereil Leute ihrer Landesmuttev für diese warmherzige Anteilnahme an ihrem Geschick. Während des Besuches der Kaiserin traf auch die Prinzessin Friedrich Karl von Hessen, des Kaisers Schwester, im Krankenhaus« zu ernem zweiten Besuch ein. Nach überaus herzlicher Begrüßung der beiden hohen Frauen setzten diese ihren Besuch bei den Kriegern gemeinsam fort. Gegen 4 ilhr sichren sie nach dem Marienkrankenhanse, wo sie sich etwa eine Stunde anfhiielten. Auch hier hatte die Kaiserin sür jeden Verwundeten herzliche und anteilnehmende Worte. Besondere Freude bereitete es, ihr, als sie verschiedene Landsleute aus Schleswig-Holstein traf. — Ein Besuch der Kaiserin in anderen Lazaretten unterblieb wegen der vorgerückten Zeit. Gegen 6 Uhr kehrte die Kaiserin nach Homburg zurück. Aufruf. Alle Unterosfiziere und Mannschaften der Reserve, Landwehr I und II aller Massen, die zurzeit eine gültige rote Kriegsbeorderung nicht in Händen haben, erhalten hierdurch den Befehl, sich sofort, spätestens aber bis 3 1. A u g u st 1 9 1 4 , bei dem zuständigen Be- zirksseldwebel persönlich zu melden. Befreit von dieser Meldung sind nur diejenigen Eiscnbahn- nnd Postbeamte, über die eine Unabkömmlichkeitsbescheinigung dem Bezirkskommando eingereicht ist. Unterlassung dieser Meldung hat Bestrafung nach den Kriegsgesetzen zur Folge. Gießen, den 26. August 1914. \ Großherzogliches Bezirkskommando. Naumann. Oberstleutnant und Bezirkskommandeur. ir Anni Hormel Otto Behr Verlobte Holzhausen (K: - . Kirchhain) Giessen (Liebigstr.). August 1914 06339 in Stettin, gegründet 1845. Zeitgremliss ist eine Versicherung gegen Einhrnchdiebstahl nn«l IReranbung. Allen bei uns Versicherten empfehlen wir auch die Nachversicherung von Geldwerten. Ferner halten wir uns zui» Abschluß von Feuer- und Einbruch-Diebstaiiluersicherungen sür Mobilien »nd Waren, Wafserlcitangsschäden- u. Transportversicherungen bestens emvsohlcn. 9433D Heneral-Agentur Dermstadt, Heidelberger Strasse 19, Telephon Kr. 1726. «Vertreter in Gienen: Fritz Fiimm, Walltorstrane 63, Telephon 237, Wilb. Herbert, Stepbailstrahe Nr. 3. ?8 HB Aus der Spielsolge bis cinschlietzl. Freitag besonders hervorzuheben: Der Fund der Goldgeier Amerikanisches Drama aus dem wilden Westen. In den Vogesen. 9424a Jas MlttWMciiklnal zu Ltipjiß. 9428 Kaufe Weizen, Roggen, Gerste und Hafer alter und neuer Erute ifür Militärlieferungszwccke zu höchsten Preisen. flaihasti Rosenthal. Jricdrichstraße 8. Telephon Nr. 1 und 2001. r Für Militärlieferungen 9338] kaufen wir Hafer alter “"' 1 neuer Ernte Roggen Weizen Gerste zn höchsten Preisen. Bär &W etterhahn K Giessen Liebigstrasse 3 Pferdeversteigerung. Dienstag, den 1. September 1914, vormittags 19 Uhr, soll im Grvßh. Hofmarstalle dahier ein seit mehreren Wochen kastrierter Land- geftütsbeschälcr (Arbeitsschlag) versteigert werden. Darmstadt, den 25. August 1914. Großherzogliche Landgestüts-Direktion. von Willich. Kartoffeln .prima gesunde Ware, per Beniner 3.5l» Mk. emps. F. Weisel, Sooneustr. 6 Tclcvbon 88. 19434 Weinessig Liier 5» Pia. Otto Sch aas. I Scltersweg 39. [9130 9437] Gesunde ise-Zvii offeriert billigst Samuel Rosenbaum Ae Bureau: West-Anlage 46. ielephon 179. Vermietungen LeltttsMii 7ü,^»»lRe"' IT. 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Bürgermeisterei Großen-Linden. Leun. 9417 Amtliche Bekanntmachungen Stadt Gietzen. der Bekanntmachung« >er Auszablung der Vergütung sür Mit der Auszablung der Vergütung sür geleistete Einauartieruna soll in den nächsten Tagen begonnen werden und zwar zunächst sür die in der Altstadt uuier- aebrncht gewesenen Truppen. Diesbezügliche Slniräge sind vom nächsten Montag ab in den Geschäftssmndcu von 8—12 Uhr und von 2—6 Uhr im Stadthaus, Seitengebäude, zu stellen. Da dteQuartierbilletsnichlfürdie einzelnen Quartier- träger ausgefteltl iverden konnten, vielmebr für das ganze Haus ausgestellt werden mußten, ist es notwendig, dah der Besitzer des betressenden Quartierbillets genaue Angaben darüber macht, wie die Einauartieruna aus die Mieter des Hauses im Einzctnen in Wirktichkeit vcrteitt war. Das inögiidiit gleichzeitige Erscheinen aller Quartier- träger eines Hauses würde die Ilbrechnung crteichlern. Die Auszahlung der EinguarticrungSgelder für die in den übrigen Stadtteilen untergebrachten Truppenteile ersolgt in der nächsten Woche. Gießen, den 28. August 1914. Der Oberbürgermeister: Keller. 94468 Mahnung des 2. Zieles Gemeindesteuer und Kanalgebühren sür das Rechnungsjahr 1914. Da« im Monat Juli d. Js. fällig gewesene 2. Ziel Gemeindcücucr und Kanatgcbiibrcn kann noch bis zum 5. September 1914 einschl. ohne Kosten bezahit werden. Diejenigen, die mit der Zahlung dieses Zieles noch im Rückstände sind, iverden hiermit gemahnt, die Abgabe bis zum 5. September d. Js. nn die Stadtkasse zu bezahlen. Born 7. September au gelangt das 2. Ziel zur Beitreibung, wodurch Pfändungskosten entstehen. Ucber- weisungen im Bank- und Bostscheckverkchr müssen gm 8. September cbensalls bei der Stadtkasse gutgcschriehen sein, andernfalls die Beitreibungskosten erhoben werden. (9304 B) Bekanntmachung. Der Unterricht an den hiesigen Volksschnlen beginnt n ieder lt. Beschluß des Schulvorstandes ani Donnerstag, dem 3. September. Die Eltern der Schulkinder werden aufgesordcrt, für ordnungsmäßigen Schulbesuch ihrer Kinder zu sorge». Gießen, den 27. August 1914. Ter Schulvorstand. Keller. 94438 Zu dem Fonds für Liebesgaben sind bei dem Oberbürgermeister weiter cingcgangcn: von dem Verein sür Krnnkenpstege .... 1000,— Ml von der Hültenbaukasse dcS Deutschen und Qcstcrreichischcn Alpenvercins, Sektion Oberbesscn............ 400,— von dem Männer-Turnvercin.......100,— von Zahnarzt E. Jäger.........100,— von Leopold Mayer...........100,— von August Schwan...........20,— von Kreisacometer Knapp........20,— Kasscrest einer Kegctaeselllchast...... 3,— von FcldbercinigungSgeoinetcr Meyer . . . 10,— von einem Daincnkränzchen durch Frau Meyer 30,— von FeidbercinigungSgeoincter Ludwig . . . von Bnutechniker -litvaler........ von Bürgermeistereisekretär Kolb..... von Bbotogravh Ludwig Nhl.......15,— von Skaigescllschast Langer....... 7,50 von LandgerichtSrat Nenenhagen, 1. Rate . . 28,— von S. F................50,— von Professor Dr. Leutert........100,— von einem Rechtsanwalt überwiesene Prozeß- kosten..............27,35 von N. N................ 300,- von Rcallcbrer Straub.........50,— von Oberbibliothekar Dr. Ebel......10,— von Stadtkasse-Kassierer Röhrich.....10,— von Beriagsbuchhändler O. Roih.....100,—_ zusammen 2527,85 Ml. Mit herzlichem Dank für diese Gaben wird um weitere Zuwendungen gebeten. 91428 20 ,- 10 ,— 20 ,- Wohnling von 4 Zimmern. 1 Wohnung von4—üZimmern, 2Wohnu»gen v.3Zimmern, 2 Wohnungen von 2 Zimmern, 1 Wohnung von 2 Zimmern ohne Küche, 1 Werkstatt, 1 Lager- oder Fabrikrauui, 1 dreistöckiges Lagerhaus >■ Sr - - 1 .......... mit Pscrdestall und Heuboden, 1 inüblicricS Zimmer. Zu mieten neiucht: 35 Wohnungen von 2—6 Zitmucrn. kftädt. rfrbeitsnachideis giessen. Asterweg 9. ES können eingestellt werden: a. bei hiesigen Arbeitgebern 1 Schmied, 1 jung. Spengler, 1 Installateur, 1 Schubmacher, 10 Schneider, 1 Friieur, 1 Hausbursche, sechs landwirtichastl. Arbeiter und Knechte, 2 Wärterinnen. Lehrlinge: 1 Kaufmann. b. bei auswärtigen Arbeitgebern: 1 Dackidecker, 1 Schmied, 1 Müller, 1 Bäcker, 10 Schneider, 4 Drainagearbeiter, 3 Dienslinädchen, tandwirlschastiiche Arbeiter und Kneckite. Lehrlinge: 1 Kellnrrlehrling. ES iuchen Arbeit: 1 Steinmetz, 8 Schlosser, 1 Elektromonteur, 1 Mechaniker, 2 Polsterer und Tapezierer, 12 Schreiner, 5 Maurer, 1 Zimmermann, 12 Weihbinder und Lackierer, 1 Gtastr, 1 Stukkateur, 4 Heizer, O Kausleule, 3 Kellner, Schreiber, landw. Arbeiter und Knechte, Erdarbeiter, Taglölmn, Hausburschen, Putz-, Wasch- und Laussrauen. 9432 V I 1" Städt. Wohnnngsnachwcis Gießen, Asterweg S. Eö sind zu vermieten: 94318 IWobnung von7Zimmern. IWohnung v.5Ziminernund 2Biausardciiziminern. 2 Wohnungen von 5 Zimmern, eine I M