Nr. *97 Zweites Statt 164. Jahrgang Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. Tie „Kietzener ZamMenblätter" werden dem .Anzeiger' vermal wöchentlich beiqetcgt, das „«reirdlatt für den Kreis Sietzen" zwennsl wöchentlich. Die „randwirtschafllichen Seit- srageir" erscheinen monatlich zweimal. Gießener Anzeiger Seneral-Anzeiger für Gberhejsen Montag. 24 . August *9*4 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Univerßiäts - Buch- und Steindrnckerei. R. Lange, Gieße». Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: Redaktion:«^ 112. Tel.-Adr.: AnzcigerGicßc». )m Gefangenenlager der Franzosen. rb. Tarmstadt, 23. Aug Der große Trlwvcnubunqsvlas derTarmstädterGarni- son bei Griesheim, der erst vor wringen Monaten als Ausgangspunkt des Prinz Heinrich- kluges eine wrctilige Rolle ivielte. in jctzc durch die^driegsereigniffe wieder zum Mittelpunkt eines dvchü Vtrrriiantrn Schauspiels gemacht worden, zu einer riesigen Lager ffärtr iür kriegsgeiangene Franzosen Es lind zurzett rund 1000 Gesungene dort nntergcbrachl, weitere Transporte von Gcsangenen werden in den nächsten Tagen folgen Ta schon mit dem Eintressen der ersten kriegsgeiangenen Franzosen in Temschland und besonders auch in Tarmstadt übcr die ganze Behandlung und Ber vilegnng der Geiangenen allettei .Märchen und unzutreffende Ge- rucittr verbreitet wurden, io folgten wir am Samstag gern einer freundlichen Einladung des Stadtkommandanten, Herrn General- MMve v. Randow, zwecks eingehender Besichtigung des Fran- zozenlagers Tie Gefangenen rühren aus den verschiedenen Kämpfen der. Zuerst kamen einige Kundert aus der Gegend von Mülhauien. Sie waren am Tonnerstag der ersten Mobilmachungswvche von Beljvri admarschicri. üdenchrulen die Grenze und zogen am Freuag mit klmgendem Spiel in bas unbesetzte Müldauien ein---über Haufen tötet Kameraden flüchteten sic nach ihren eigeneit Erzäh- luugen und mußten sich den deutschen Truppen ergeben. Der jweile Geiangenentransvort stammt ans den Kämpfen bei Lagarda und der dritle^aus >50 Ge'angenen aus der Gegend von Schtrmcck und Tieuzr. Der Anblick dieser gesangenrn Franzosen war keineswegs geeignet, den Respekt vor der Truvvrnniachl der „Grande Ration" zu erhöben. Es sind Angehörige fast aller Waffrngattun gen hier beisammen, meist Jniänierie und Kavallerie, aber auch Artilleristen. Pioniere und Alveniager einer Grerizableilung vo» Rizza, die in der kurten Zeit von dort »ach den Vogesen entsandt worden war Die Leute tragen noch genau dieselbe Uniform, wie sie aus dem Krieg ^>vn 1370 7l bekam,l ist. lange blaue Röcke und rote Hosen, dazu Schnürsliesel und die blau rote Mütze, die meist mtt einem blauen Swsiüberzug versehen ist. .Interessant ist, daß Frankreich das erste Land war. dos den Gedanken einer grauen Feldun,ivrm aufnabm Es wurden schon im Zahle 1909 zwei Pariser Regimenter m dreier Uniform eingekleidet; als sie aber damit zur Parade erschienen, wurden sie von der gesamten Bc- vöUelnitg derart verlacht und verdöbnl, daß man den Versuch mit der grauen Unisorm schleunigst wieder lallen ließ. Und das war ei» (Rück iür imsere Truppen Tenn i'ctwn jetzt hat sich au» den Schlachtfeldern die große Rützlichleit der von uns eingesübrten grauen llniiorm ergeben Die größte Klage der Geiangenen ist nämllcl», daß sie im Felde die deutschen Truvven. gegen die iie käniviei, sollten, zumeist gar nicht zu bemerke» in der Äige waren, während »ich die blauen Truppenwrmalionen der Franzose» schon i» weiter Frrnc deutlich den, 'Auge zeigten. Die Gefangenen warten, weiui ihnen das „üttegsipiel" bedenklich zu werden annng, Tor nistrr, Waffen und alle sonstigen 21usrüsiu»gsgeqenstände fort, schlüge:' die langen Rockschöße in die Höhe und liefen davon. »0 schnell sie konnte». Zn den, Gefangenenlager wird nun entgegen anderen Gr. lüchien in erster Linie der Gruichsatz strengster Isolierung von d-r Außenwelt durch»iriükrt. Tie Geiangenen unk in den irrfin» ?fW‘r Vt Kgi-rtters- 'ff ISO Mann unkrrgebrmhl. di von ihnen b»'i ihrer Ankun't gründlich gereinigt und für ihre Unter brinqiinq lwrgerichiel werden Mußten. Zur jeden Mann ist Bttt stelle mit Slrobsack und Decke, wie in den Kaiern«!, vorhanden, auch Eßnapi, Waschuapi und Handtuch Das erste war, daß sich die Gesangeuen gründlich reinigen mußten und reine Hemden er "hielten; dann wurden sie untcrsticht und geimpft. Abgesehen von den lange» Märschen und Strapazen war. wie uns der Ober 'stabsorct ervärle, ihre körverliche Beichanenheit wenig zu bean sbanden Das Dnrchschnittsmaß der Leute ist dagegen erbeblich kleiner als bei uns, auch bei dem in Mülhauien geiangenen Elite kort», und Männer in gereisten Zähren und Pollbärten iah man vielfach neben schwachen, kaum llsährigeu kleinen Burschen, denen mau in Teutjchland das Trage» von Gewehr und Tornister gewiß nicht zuniulcn würde. Zn der Ueberwachung und Beichäitigung bat der Stadtkommandant ganz bestimmte, strenge Vorscheinen erlassen. Die sämtlichen Gefangenen müssen um .'>»,_ Uhr aufstehen, sich raniqen und ihre Lagerstätten ordnen, um 6», Uhr ist Avvell nnd'Revision, um 6'Uhr arbts schlvarzen Kaktee und Kommißbrot, das übrigens die daran bekanntlich nicht gewöhnten Franzosen gut vertragen. und um 7 Uhr gehts an d>c Arbeit. Die Gefangenen werden sämtlich von 7—IO- und von 2 6 Uhr unter scharfer ÄMöeutl'' mit Erdarbeiten. Straßenrcgnlierung. Bodembcarbeirung, kAnffrchste» der dortigen Waldungen uiw beschönigt. Das Mittagessen ist selbstverständlich einfach und angemessen, am Samstag gabs Lnrjenkuppe und ein Stück Wurst dazu: das Abendessen bestrbl in -Suppe oder Kaffee Mit dem Dunkellverde» um 3 Ubr wird zu -Bette gegangen. Alle Ertrawünschc der Leute, wie Schokolade lans«: und sonstige Tinge, wurden abgelebnt und ihre größte Klage ist. daß das Rauchen strengstens verboten ivurde. wo? schon rn Rücksicht au, die Feuersgeiahr notwendig war Airs den mamiig- »achen Gesprächen mu den Gefangenen, die angeilchls der strengen, deutsch und jranzöiisch angeichlagenen Borichrtiien willig und gc» doriam iind, gewinnt man den Eindruck, daß sie »ich schnell in ihre Lage tnueingesnnden haben, obgleich auch manche Lvttmisten darunter iind, die i B an den Zoll von Lüttich nicht glauben und in „auetgiu-s se mames" nach dem nckuwru Srege Frankreichs tine- der zurückledren zu lönnen glauben Man konnte für die Naivität der Äernmcn natürlich nur ern heiteres Lächeln haben. Aus Heldpostbriesen. Bon einiqen unicrrr Leser erhallen wir Briese sur Ern- sichlnadme, die von im Felde stehenden Angehörigen und Landsleuten cingegan>ien find. Interessant sind folgende Acußerungen eines Arztes, die er an seine Eltern ruhtet: Heule und wir schon srüb zum Halt gekommen und zivar sieht man uneder mal eme Stube von innen. Da sollt Ihr den vor sprochenen Briei bekommen. Im Felde, Montag, den 17. Aug. 1014. Merne Karte mit derzl. Tank iür Eure beiden Britto und Karte ist wohl angekomme» Die Haupiiactie voriveg: Zcki dm noch ganz wodl, vor allem Füße und Brustlasten gesund, obwohl diese beide unter dem icluveren Gennchi des Tornister» und des Grivehrs besonders leiden. Das Schlaien im Freien bekommt mir ganz gut, letzte Nacht lag die ganze Kompagnie in einer großen Scheuer, im warmen Heu: da haben ivir uns. den Tornister unterm Kovt, umgeschnallt, Ge-vehr im Arm, mol tüchtig erholt. — Allmählich bekommt hier alles eine furchtbare Wut gegen die Rothoien tvegen ihres- gemeinen Benehmens gegen Berivundeic. Zch lmb früher, daheim manchmal gedacht, so einen Menschen n>egz»knallen, sei nicht menschenwürdig: jetzt ffebt man, daß solche Bestien weg- zuichassen eine Wohltat ist iür alle Beiondcrs verläßliche» Eindruck machen unsere Reservisten, die, weil meist verdcirarel, ani besten wissen, was hinter ibnen ist, iür wen sie kämmen. Alle und guten Akuts und ivarlen auf Ge legenheil, endgültig mit diesem .roten Pack abzurechnen, dessen Znlanterie meist reißaus nimmt im offenen Kampf. »venn sie deutsche Bajonette blinken sehen 'Aber Patrouillen aus dem Versteck abichießen, und dann so einen Reiter, wie ich ihn iab, noch mit dem vierkantigen Baronen durchbohren, dos bringen diese Hunde fertig Tabei haben w>r in einem Zoll sogar durch einen Zivilarzt einen schwerverwundelen Franzostti behandeln lassen, der sich bei mir, als ich ihn tröstete mit meinem biszchen Iran zösisch:. bedankte und aus die schimpfte, die den Krieg wollten und ihn darren liegen lassen — So ist man trotz aller Wut wieder Mensch in solchen Fällen, um nicht roh zu sein, weil es der Gegner ist. Ein anderes Schreiben aus Ohnheim bei Straßburg vom 13. August 1914 tautet: Nu» sollen Sie auch ein Lebenszeichen von mir erholten Also, ich liege hier in di>:em ResK — zwischen Schlettsiadt und Straß bürg — bis aus iveiteres im Quartier und »uhre eine »tomvagnie Ersatz Reserve. Es geht mir noch ganz gut, nur leiden wir unter der sengenden Hitv.d'f hier herrscht: es ist bedeucmd iväruier bei uns. l'eutf kan> n rt geian xnien Roihostn von Mülhausen hier n.it der Dah» durch Aul meine Zrvge, wie Ire sich als prison- nisr fühlten, sagten sie sehr vergnügt: „nous sommen hourou- semeut!“ Sie hatten üble Garnituren an, Zetzen von Röcken: seld- Arau haben sie iwch nicht. Tic Stimmung unserer Truppen ist einsach grosurrtig, die Kerls gehen mit einer Begristcrung ins Zeld, die herrlich ist. Ein Heer, das von einem solchen Geist beseelt ist, kann nicht unterliegen. Es wird Sie interessieren, daß auch die Stimmung hier im Elsaß unter der Bevölkerung durchweg sehr gut deutschfreundlich ist, sie wollen von den Zranzvsen nichts mehr wissen Bei Mülhauien war die Sache nicht Io ciniach, inehr dar» ich nicht schreiben. Die Postoerbindunq scheint noch nicht recht zu funktionieren. Ich habe meiner Z-rau schon 6 Karlen geschrieben, bin aber noch ohne jede Antwort, wahrscheinlich sind die .Korten nicht angekommen Aus der Schlacht von Mülhausen. Ter „Hannovenche Courier" veröffentlicht folgende, vom Generalkommando des 21, Armeekorvs^genebmigte Schilderung eines Augenzeugen über die Schlacht von Mülhausen: „Am Donnerstag rückten untere Soldaten nach der Grenze ab. 71in Zrritag und Soilirabend gab es Geiechre bei Altkirch bis vor die Torr Mülhausens Ten ganzen Tag übcr erdröhnte Ko- nonentonner, gegen Abend hörte man das Klcinseucr und .Kmupf- lärm. Unsere vaar Regimenter leisteten erbitterten Widerstand, mußten aber vor der Uebermacht zurück, und am Sonnabend zogen die Zranzosen mit klingendem Spiel in die Stadt ein. Schon am Zreitag aliend hatten die ganze Bost, die Eisenbahn mit allen Lokomotiven, die Reichsbank die Stadt verlassen Die Gleise waren gesprengt und die Stadt still wie ein Grab Der Sonntag kam heram in strahlender Schönheit und beleuchtete die französischen Biwaks gerade vor uns am Tanuenwald und die Artillerie, die eine Bierkl'situnde von uns am Kamm nach der Ebene ansgezogen war. Ein ganzes französisches Armeekorps hatte dir Stadl vas sicrt. Eine Abteilung Husaren kam auch durch den Kronenweg. Hier sind wir, hier bleiben wir, erklären iie: jetzt geht es nach Berlin Ter Kaiser wird seine »osser vacken müssen. Es waren irische Zungen, steckten aber in miicrablen llniiormen und hatten zerlumptes Sattelzeug, ersetzt teilweise durch Stricke. Und der Tag ging weiter in unerhörter Schönheit, so still, unheimlich schön, man ahnte die .Katastrophe Zwisck>en > und 5 Uhr sahen wir Truppen von den Bogesen herbeizichcn, und schon kamen die ersten Kä nonenschüsse im Norden Mülhausens bei Piastadt Vorort Das war deutsche Artillerie. Wir >äl>eii, wie die ersten 'Schravuell-s in die Stadt einschlugen, nur iahen die französische Artillerie seuern, die leuchtenden itziigel» »logen, pfiffen und platzten. Und aus ei» mal kam uns die Erkenntnis, es gehl auch um uns hier oben auf den» Rcl'berg. Wir flohen i» den Keller, hatte» gerade noch Zeit, den Kinderwagen, Soplctd, Zwieback und ein paar Stühle runter zu tchaiien. Ta kam ? schlag aut Schlag, immer stärker pfiffen die Bomben, immer sicherer vlatzien iie in unserer Nähe. Und dann kam ein Moment, dessen Schrecknis nicht zu sagen ist. Unser Haus war gelrossen und wir saßen da im schwarzen Pulverdamp» und wußten nicht, brennt es oder stürzt alles zusammen Und noch eine halbe Mimite, und es schlug wieder ein, und »um dritten Male. Wir alle rangen die Hände in utuveigendem Eiitietzen und »»arteten ani das nächste Schrapnell, das uns zerreißen mußte Unser kleiner sklaus war ganz sttll, nur seine Augen iahen groß und starr und er versuchte zu sagen: „Gell, es war schon ein bißchen weiter weg." Und es platzten noch viele Schüsse über uns. Wir dachte», wir müßten ersticken, bis wir endlich die Kellertür auimachen konilteii. Als die Detonation nicht mehr ganz über uns war. hörten tvir au» einmal unseren Gärtner und seine Frau rufen: ,,Mommen Sie raus, Zhr Haus fällt ein!" Und ohne uns umzuschen, sind wir in wilder Zlucht durch den Granatenregen zu Nachdarsleuten in den Keller gerannt Später, als die Schüsse nicht mehr Schlag aus Schlag kamen, bin ich mit Ernst nochmal rüber, um Klaus' Ma- ttayc unb Decken zu holen. Jetzt »äh ich die Zerstörung. Jni 'Nach' barhaus ist der halbe erste Stock zertrümmert, ei» großes Loch, auch durchs Dach, zwei Zimmer und die Sveichertrevve total zerstört. Bei uns keine Fensterscheibe mehr ganz, die Zimmer voll Glassplitter, „nd sogar im Keller, tvo »vir saßen, Schrapnellstücke, Unser HauS hatte viele Schüsse, die nicht ganz durchgingen. Tie Bäume, Blumen, Palmen, alles hin, riese Löcher im Gras, ent seylich Und es kam die Nacht, und ringsum entbrannte der fürchterliche Nahlamps. Wir saßen im Keller, 12 Menschen in einem kleinen Mittelraum, der uns am nchersten schien. Es war eine furchtbare Schlacht und sie wollte iitck.i enden Ta gegen Mitternacht, hörten >vir aus einmal die sranzüsischc Artillerie aus der Ziemersheimer Landstraße »ach dem Zoologischen zu in wilder Flucht abziehen Ein Teil ging auch durch unsere Zurheinstrasie. 1V* Stunde körten wir sie rasen Es war wie eine Engelsbvtichast, aber wir dursten noch nicht auiatmen Immer noch kamen Täirav nells von Piastadt. >md aus der anderen Seite grollte schrecklich der Jsteincr Klotz. Und vor und neben uns der Nahlamps, itzewehr seuer, das Prasseln und Knattern des Maichineiigewehrs, und aul einizal oeuttche "omnioirdos, Signale: ,,»»'rtoneljuvo, K..rto>jel iuvv" zum Angriil mit d>'iu Bajonett. Und die Kugel» »logen ums Haus und vrakkelten in die Bäume. Und drunten aus der Stadl raste der Srraßenkamps hcrm,», bis es dann csegen I Uhr still wurde. Wir gingen hinaus in die Sternennacht und achteten gar nicht mehr darauf, daß immer noch einzelne Käigeln jlogm. Tie ersten Hähne schrien, der Dbond stand unerbittlich lall und Nar ans Himmel. Und wieder schtooU und raste eine loilde SchsMt im Tannenwald, und dann wieder Totenstille. Wir sahen das weite Schlachtfeld, wir »ähr» dunNe Körper, und als uni >.,5 Uhr daS erste Morgenrot über den Blauen l»ald: stieg, rafften wir alles zusammen und flohen i» rasendster Eile i» die stadt Bekannten. Und kaum waren mir dort, ging noch einmal eine schwere Kanonade über die Stadl, wir saßen wieder im Möller. Aber dann war der herrliche Sieg entschieden Und 2 Stunden später raste» die Autos, um die Berwuudete» zu holeit Es lagen die Leichen in Hausen übereinander wie .Kartoffelsäcke. Alle Spitäler sind voll und die Notlazarette und die Häuser, die ausnehmen wollten Ich sah deiammernsiverie Menschen, ich will es nicht beschreiben. Und mittags zog das ganze siegreiche Armeekorps ei» Auch ein Vetter von mir, irisch und froh. Er kam heraus, als ich gerade nach unserem Hause sah, und nahm Saft, Wein und .Kirsch und Tulzmatter Wasser mit Von ihm hörten wir dann, daß sie die Kanonen auf unser weitlruchtendes weißes Haus aus deni Berg eingestellt hattet», »veil sie glaublcit. die Höhe sei von Franzosen besetzt To hat er selbst uns so jä»»n,er lich beschossen Es zogen nun unerhörte Mengen Soldaten in die Stadt ein. Ich sah die Feldpost, das Rote Kreuz. Der Stab ist da. Es war ein brausendes Jubeln bis abends 9 Uhr Io ging der Verrat an. Franzosen ivoren noch da, versteckt in den Häusern, und sic schossen, und loieder war's ein Straßen- kamvt und tolles Maschinengeivehrknattern. Wir waren gerade Xriegronekdoten von 1870. Ter tragische Ernst des Krieges läßt doch auch noch Raum für manches heitere Ztvitchenipiel und der Humor erstrahlt in einem »heller«» Licht aus den, düsteren Hintergrund der Sch locht» ei der. DieErzäbllmgen der Mitkämpier von 1370 durchzcehe» iolcde An es Horen wie ein »rödlich leuchtendes Band, und besonders itnd du Erinnerungen des Artillerie Generals Prinzen Kwatt zu Hohenlohe „Aus- ineinem Leben" voll davon. In der Schlacht bei Sedan fiel dem Prinzen aut, daß der .Hauptmann einer schweren Batterie die schönsten Treffer n,achte, ohne überhaupt nach der »eindlichen Stclluiio hinzusehen. „Woher wissen Sie denn »o genau, daß Sie treffen. Sie sehen ia gar nicht nacki dem Feinde hin'?" fragte der Prin.» „Ich sehe bloß nach dem sreiwilligen Klopsch," antworlctc der Hauvmiann „Ter dar io gurr Augen, daß er jede Granate slirgen sieht Muß sich hinter jedes ieucrnde Gejchütz stellen und mir ein Zeichen machen" „Na, dann schießen Sie weiter mit Klopsch!" »ägle lachend der General Ein großer Arrger des Prinzen war es, daß die ungeduldigen Truppen nicht wanen wollte»», bis eine Stellung von der Arnllerie „sturmreff" gr- schoisen »oar, »ondern begrisren drauilos stürmten urid dadurch den Geschütz«« die Möglichkeit nahmen, »veiler zu »virken Bei Sedcui ka»n io der General von Pape »u ihm und sagte: „Nanu, hören Sie mal endlich m»t Ihrem umrussvrechlichen SoeVakel aus, ich null den Wald da drirben »nennen." T-er Prinz ent gegnere »vürend: „Sii^habev wodl Lus», wieder so mel Menschen zu verlier«! »vre vor 14 Tagen. Wrirn Sie den Wald angreiien, eh ich die Kerle da drübn, gM,z mürbe geschossen habe, schieße ich aut Sie!" „Sind Sie aber «u groberKer l," sagte Pape „Das ist mern Snob", «ttgegnete Hvtienlobe Als die.Schlacht bei -oedan glücklich ge- Kwnnru war, brachte Prrnz Hohenlohe aut den boniniandierrnden General, einen Prinzen von Aünremberg. cm Hurra aus und Matuürrte ihm als d«n „Sieger in zw« Schlacht«» vieses^ Krieges". Tenn ,'eiu Korps harre »ich bereits vorher de» St Privat namhaft ausgezeichnet „Wieso denn zn>« Schlacht»-» ?" fragte da ein braver Tromoerer seuren Leutnant, „mit haben doch erst eine vor 14 Tagen gehabt." ,31a," weinte der Osfitzier „Nennen Sie das heute etwa kerne nchtocht-" „Rich tig," sagte er, „da habe ick m»ir verrechnet." Nach dem großeeres schlossen alle Münchener Theater ihre Pforten, da man nnt Recht meinte, daß die Muse zu schweigen habe, wenn Mars die Stund« regiere Nun aber Hai man sich an die Tatsache des Krieges allmählich gewöhnt, und die günsttgen Nachrichten über den Enolg der ersten Operationen unserer Truvven baden die Herzen auch für unvolitische Dinge wieder wärmer g«timmt. So sind denn die „Münch. Kammer- spiele" seit Samstag wieder geöffnet. Diese Bühne und das „Schauspielhaus" Stolb«^s werdcn von nun an zu ermäßigten Preisen patriotische und andere ernste Stücke auffübreu. Die „.Kammerspiele" begannen mit einer Aufführung von Les- s i u g s ,ER inna von Barnhelm", deren Reinertrag dem .Loren Kreuz" zugefüh« wurde. Dos Publikum brachte dieser Prennörc lebdaites Jmeresse entgegen, um io mehr ais dieses Stück ja gerade die deutschen Sobdatenrugeudeu verherrlicht Die Darstellung war künstle«>'ch gut und hatte ihren .Höhrpnirkr in dem broresk bennneu Barock-Wirr des Herrn Al brecht. Das „Schau- Ipielhaits" wich mtt Max Haides „Freiheit" eröimen: der Dichter hat rür sein Jichiläumsstück einen Prolog geschrieben, der bei der Aufführung gesprochen werden soll. — Die Bibliothek des Sohnes von Columbus Einen werchfüchigen Schatz birgt in Sevilla die alte Galerie bei Lagarto. die zu den Baulichkeiten der Kathedrale gehört, in der berühmten Bibliothek des Ferdinand Eolumbus, des Sohnes des berühmten Entdeckers der neuen Welt. Der natürliche Sohn des Admirals und der Beatrire Enriguez gehört zu den eigenartigen Gestalten des 17. Jahrhundetts, in denen Tatkraft und lnimanistische Bildung sich vereinigten. Mit l l Jahren begleitete er seinen Vater nach Amerika und begann so seine Lauibabn als Seemann, Diplomat, Biograph und Mathematiker. Um das neue Reich jenseits des Meeres in seiner Bedeutung zu kennzeichnen, hat er vielerlei unter nommen, und erfand trotzdem die Zeit, Europa zur Vervollständigung seiner Studien zu bereisen. Er besuchte Frankreich, die Niet^lande, Teutsitstand und Italien und trat in Beziehungen zu den berühmtesten Gclehtten: dabei war er ein ständiger Gast der Buchläden icnd brachte so im Lause der Zeit seine geliebten Bücherschätze zusammen, die die „Columhiiche Bibliothek" bilden In, allgemeinen brauchte er nur geringe Beträge für die Bücher auizuwenden und hat sich die Mühe genommen, in jedem Baiid auf dem letzten Blatt die Einzelheiten seines Erwerbs auszuschrei- ben, wobei^ er häutig auch noch andere Beinerkungen hinzusügtk wie: „Tiefes Buch wurde »ür einen Sou in Lyon am 21. No t»rmbet 1535 erworben: es war sehr kalt und starker Nebel " Tie ffanzöt'ischen Bücher sind in der Hauptsache lleinere Werke religiösen Inhalts, über Geschichte, volitische oder religiöse Polemik, religiöse und moralische Poesie: gerade daß cs sich um solche kleine Broschüren handelt, die damals sehr verbreitet waren und heute häutig völlig verschwuirden sind, macht den besonderen Wett dieser Sammlung aus Taneben sinden sich auch größere Werke über Religion, über G«'chichte, Memoirrnwerke und Dichtungen. Es ist die Bibliothek eines geistvollen gebildeten Mannes, dessen Biel- tettigkett BewundeiAng einffößt. Ferdinand Eolumbus hatte sie in i'ettrrm Hause ccm User des Guadalauivir in Sevilla ausgestellt, und jeder Gelehrte durste, w,- die huinanisttsche «ilasllichkeil ee erfordertr. darin ««b«te!, Als F-'rdinand Eolumbus im Jahr« 1549 starb, befaß di»' Bibliochek 15 370 Bände, die größte Zahl die damals eine Prioatbibliothek aufweisen konnte. Heute hat si, » r^ich durch Diebstähle in ihren Beständen nicht unerheblich ge- .ihrivi *u Haus anntfawti np i. tont in der Stadt überall starke Em- auarttcrnng nur Und ivieder saßen um- mit den Kindern beim 'WnWuu im 'feiler und lernen »ne »m Mitternacht auf Matratzen, i.' find unzählige Verhaftungen oonienomnum. Ein Kloster in ;H iedIshci I» soll ausgehoben fein, weil hier eine ganze Kompagnie Franzosen versteckt war. Andere Leute sind sofort erschossen worden, als man die Franzose» bei ihnen fand. Nestern den ganzen rag gab's Haussiichimgen mit aufgepflanzlern Bajonett. In der ctadl find viele Zivilisten erscküagen worden." Dar Konklave. Wie es zustande kommt und verläuft. VonDr. Kuhn. Kaum hat ein Papst die Augen geschlossen und der Eamerlengv mit silbernem Hammer, den er tuiis die Stirne des Papstes aui- fchlagen läßt, amtlich den Tod festgestellt, so übernimmt mit dem gleichen Augenblick dieser Camerlengo die Zwischenherrschast jim Batilän und der Kirche. Der Hosstaac des Papstes wird entlassen und der letzte Kardinalstaatssekretar muß deir Batikanpalast vcr- lassen. Die Leiche deS Papstes wird einbalfmnieirt und am nächsten und nächstfolgendem Tage feierlich in der SakrameutSkapelle des Pcterdoms ansgebahrt, am Abend dieses zweiten Tages jedoch in dem provisorischen Grabe, einer Nücke im linken Seitenschiffe der Pelerskrrche, beigefetzt. Am Tage daraus beginnen die fogenanutcn „novembiales", das heißt die neuntägige BorberertungSzeit, während derer man die Ankunft der auswärtigen Kardinäle abwartct und die mittlerweile eingetroffcnen Kardinäle Borverfammlungen abhaltcn, deren Gang und Beratungsgegenstand genau vorgeschrie- ben wird Der Eamerlengv hat den Antritt feiner Herrschaft dem Volk von Rom durch den Kardinalvikar bekannt zu machen, den Kardi- näleu durch den Dekan, und muß dann die Tore des apostolischen Palastes schließen lassen, in den ohne seine Erlaubnis niemand mehr eiutreten darf. Sollten bewaffnete Leute eindringen wollen,, >ö bleiben die Tore erst recht geschloffen. Vertreter der italienischen Negierung darf der Camerlengo im Palast selbst nicht empfangen. Gegen irgendwelchen Versuch der italienischen Regierung, die Freiheit des Vatikans anziitasten, muß an das diplomatische Korps protestiert werden. Die Vorverfammlungen aller Kardinäle finden im Vatikanpalast statt. In diesen Versammlungen müssen die Kardinale alle Proteste erneuern, welche die Päpste seit 1870 zur Walzrung der Freiheit der Kirche stets aussprechen und diese dem diplomatischen Korps bekannt geben. In der ersten Versammlung sollen die Kardinäle mit allen Regiernngcnz die schon lclegraphilch vom Tode des Papstes unterrichtet sind, in Verbindung treten. Leo XIII. hatte auch die Verfügungen von Pius IX. erneuert, wonach das Kollegium der Kardinäle jede äußere Einmischung zurückwcisen und tnc Papstwahl leibst so viel als möglich beschleunigen sollten. Tann aber befahl er, daß alle aus das Konklave bezüglichen Verfügungen der Päpste den Kardinälru in einem besonderen Bande übergeben werden sollten und zwar ,,sub vincolo silentii“, so daß die Kardinäle nicht nur die Geheimhaltung des Bandes, sondern auch dessen Empfang beschwören und ihn nach der Lektüre in die Hand des Eamerlengv znrückgeben mußten. Alle übrigen Versammlungen finden in der Sakristei der Peterskirche statt. In der zweiten Veriammlung mürben vor 1870 alle Aemter des Kirchenstaates und deren Inhaber neu bestätigt, jetzt aber wird nur der Ort des Konklaves bestimmt. In der dritten findet hie geheime Abstimmung über den Beichtvater des Kon klare statt. In der vierte» werden die Akrzte, in, diu fünften die Apotheker und Barbiere des Konklaves geiväblt. Ist der sechsten lost der letzte Kardfnaldiakon die Nummer der einzelnen Wohnungen ' ;ieilen) für die Kardinäle im Konklave ans. Die iirtentet Sitzung ist der Wahl alles Dienstpersonals gewidmet, das in das Konklave zugelassen werden soll, die achte beschäftigt sich mit dem (befolge der Kardinale int Konklave, den sogenannten Konklavisten. 1908 wurden für jede Eminenz nur zwei Konklavisten zugclasseN gegen drei, wie früher Brauch war, ein geistlicher Sekretär und ein Diener. Me neunte Sitzung tvähll eine aus drei Kartinälen be- ftehvnbc Kommission, welche für die Ueberivachiing, den Verschluß und die Polizei des Konklave verantwortlich ist. Da die Versammlungen ihre Arbeiten bald erledigt haben, so bieten sie den Karbi- nälen Zeit -eenug, Vorbesprechungen über die Lage der Kirche und die eventuellen Papslkandidaten abzuhalten. Während der „noverndicilis" ivird stark gearbeitet, um den von der Welt abgefperrten Konklaveraiim herzurichlen, er umfaßte 1908 den ersten Stoch des Vatikans mit der Sala Regia und der Capella Ssstina, sowie die um die Loggien Raffaels im .zweiten Stoch gelegenen Räume. Fr drei Gemächer, eines für den Kardinal, das also Sckzlas«, Speisezimmer und Bureau zugleich» war, und die andern für die beiden Konklavisten, wurden zu einer sogenannten ,.Zelle" hergerichtet, dann ein gemein schastlicher Spessesaal, eine Küche usw. gerüstet. Alle Fenster und sonstige Oesniungen des abgesperrten Raumes wurden verschlossen und tzunr Teil mit Bretterverschlägen versehen, um iedc Berührung mit der Außenwelt zu verhindern. Am zehnten Tage 'Nachmittags ziehen die Kardinale in den KonNaveraum. Gegen fünf Uhr findet rn der Wahlkapelle eine feierlichze Andacht statt, in der alle Kardinäle und die Konklavisten vereidigt werden, und der jeweilige Ehcs der fürstlichen Familie Ebiga, die das Amt erblich) bat, als KvnklavernarschaU eidlich Mite sWaclze zu lzalteu ctzelobt. Nach dieser Feier wessen die Zeremonienmeister asse ambefugten Leute laus dem Konklaveraum hinaus, dessen Hauptzugaug dann. verschlösse» wird. Eine Stunde später zieht der Camerlengo begleitet voii den Chefs der Kardinalbifchvie, der Kardinalpriester mrd Kardinaldiakone, mrd geführt von Fackel- trägeni durch alle Räume, um zu prüfen, ob sie auch vorschriftsmäßig gegen außen al>gefperrt sind/ Bon fetzt ab können die - Insassen des Konklave nur durch vier Schalter, die an der Konklave pcwipherie verteilt sind, mit der Welt draußen verkehren, freilich nur tmter strengster llebenvachung, irrit der Ordcns- suverioreil betraut snid. Sie »lüfseii alles prüfen, war dirrch dre Schalter kommt, Lebensmitlel, Wäfelie, Briefe. Zeitungen, Tperfen und Eßgefchirr. Auch» müssen sie mir ölten Mitteln verhüten, das: duvch das Schalter irgend welche (bespräche geführt oder Zeichen gewechselt >oerden. protz aller diefer Vorsichtsmaßregeln waren jedoch 1908 Diplvmasse und Regierung läglich vom Gang des .Konklave unterrülstet und eine liberale Zeitung konnte das Menü des ersten Konklavediiiers mitteile». Wie dos möglich war, ist nie bekannt geworden: d,n Konkiavenigtschall hatte zwar den Verdacht, daß mit Brieftauben und »wißen Tuctstignalcu gearbeitet ivordeii sei, hatte aber trotz energischer Nachforschungen nichts entdecken können. Vorschrift ist ferner, daß jeden Abend um 9 Uhr Stille im Konklave herrschen und iich alle Konklave- iusasfeu in ihr Zimmer zurückziehen sollen. Am Tage nach dem Eftizua in dis Konklave wird zuirächit in der Kapelle eine feierliche Messe gelesen, während derer der Zelebrierende, der Vorschrift nach der Kardinal-Eamerlenqo, allen Kardinälen die Kommunion erteilt, Gegen zehn beMirnt dann iur Wahl raum die Sitzung. So viel Kardinäle, als das hl. Kollegium zählt, so viel Schreibtische find ausgestellt, über denen sich ein beweglicher Baldachin erhebt, der die Trauersarbe lüolctt hat, lueirn die betreffende Eminenz vom verstorbenen Papste ge- wählt, hingegen >rnin ist, wenn die Eminenz von einem andern Papste gekürt wurde. Außerdem liehen in der Mitte des Raumes noch drei andere Schreibtisch', für den Fall, daß einige Kardinäle möglichst unbemerkt ihren Stimmzettel ausfüllen wollen. Vor dem Altar befindet sich senkrecht zu de» anderen der Tisch der Sttimn- vrüfer, rechts von ihm der päpstliche Thron. Pavstgewänder, je drei von verschiedener Größe liegen auch bereu Nachdem die Wahl der Revisoren erfolgt ist, beginnt die Abstimmung stiach bau Range schreiten die Kardinäle einzeln »um Tisch der Revisoren und geben ihren Zettel ab. wobei sie die Eidesformel wiederholen, daß sie nur den Würdigsten lväblen wollen. Ist e a Resultat verlesen, so kan» der regelrechten Abstimmung noch die Wahl ..Accessit“ skattsinden, wobei ,eder Wähler Nir den Kandidaten mit dem Wort „Accedo“ — Ich trete bei, stimmt, fern er (eine Stimme an zweiter Stelle geben würde. Durch dieie Wahl von zweiter Hand wurde oft das ganze Venahren l eickleunigt, weil sich herausstellte, daß oft ein schon begünstigter - einal bedingungsweise noch mehr Gesotgschast hatte, als die 'regelrechte Abstimmung vermuten ließ. Es wurden also viele Schwankende aus ihn aufmerksam gemacht. Die Wahl wird so lange fortgesetzt, bis Zweidr i ttel Mehrheit erreicht sst. Mit dem Augenblick der Verkündigung des Wahlsieges fallen alle Baldachine durch den Zug an einer Schirur, wir der des Gewählten bleibt stehen. Nachdem er auf Befragen die Annahme der Wahl erklärt und seinen Papstnamein genannt hat, wird er durch sein Gefolge und den 'Sekretär des Kcmklav»», der ihm das weiße Papsttnützchen reicht, mit dem Papstgewand bekleide!. Dabei ist es Brauch, daß der neue Papst dem Konklavesekretär sein rotes Kardi nalrnsttzckien schenkt, wodurch dieser von selbst zum Kardinal erhoben wird. Während dieser Vorgänge wird die Türe, die vom Konklave zur Papstloggia, das Mittelscnster über dem Porta! der Peters kirche, führt, geöffnet imd üi pomphaftem Zuge schreitet der Chef der Kardinalsbiakonen dorthin, um dem Volte drmrßen mft dev Formel: ,,Habemu!» pontificem“ die Neuwahl zu verkünden Tann eriolgt tue feierliche Huldigung der Kardinäle vor dem neuen Papste, die in Knieiall und Akkolade besteht. 'Nack ihr bildet sich ein neuer Festzug. der vo(r 1870 den Papst zur Papstloggia ge leitete, von n>o aus er dem aut der Piazza versammelten Volke den ersten Papstsegen erteilte. 1878 und 1903 gingen aber die neuen Päpste zu dem diesem äußeren entsprechenden inneren Fenster der über der Portalhalle gelegenen Aula Beatisicationis nnb segneten nach der Pcterskirche bin. Dieser Unterschied war seit 1870 nolweu- dig geworden, um den Anschein zu vermeiden, daß der neue Papst das Königreich Italien anerkannt habe. Rom, 22. Aug. Die Wallfahrt zur Sl. Peterskirche dauerte den ganzen Tag an. Es wurden 6 Messen zelebriert. Um 1 Uhr nachmittags wurden die Tdre von Sank: Peter ge schlossen und die Vorbereitungen für das Begräbnis begannen. Nachdem dem ventorbenen Papste von dem Vizegeranten Msgr. Ceppetclli die Absolutio» erteilt loorden nnir, wurde die Leiche uw 6 Uhr nach der Vorkapelle getragen, um ein dreifacher Sarg und ein mit rotem Damast bedeckter Tisch bercitstandcn. Hier waren zwei Kardinäle und das diplomaftichc Korps bei!» päpstlichen Stuhl anwesend. Unter dem Gesänge des „Miserere" wurde die Leiche aus den Tisch, gelegt. Nach abennaliger Absolution wurde die sterbliche Hülle mit rotem Damast bedeckt und in den Sarg gelegt. Sodaim hielt Msgr. G a l l i die Trauerrede, wahreich der Palastvizepräfelt dos Gesicht des Papstes mit einem weißen Schleier und der Vizezeremonienmeistcr cs mit einem zweiten Schleier bedeckten. In den Sarg wurden auch drei Behälter mit den während des Pontifikats Pins X. geschlagenen Münzen ge legt. Um 6.50 Uhr wurde der erste Sarg aus Tannenholz geschlossen. DerEamerlengo-Kardinalbischos dellaBolpe, Staatssckr. Kardinaol Merrp del Val sowie der Majordomus Monsignore Ra- nuzzi Bianchi setzten das Siegel aus den Sargdeckel. Um 7,30 Uhr wurden auch der Zinnsarg und der äußere Sarg aus Ulmeubolz geschlossen. Der Leicheuzuq bildete sich von neuem, uitd geleitet von Nobelgardisten wurde der Papst aut eiirern kleinen Wagen zur Gruft gefahren und in diese hinabgelassen Nachdem sich die Kardinäle zurückgezogen hatten, gab der Vizcgerant von neuem die 'Absolution. Ter Sarg wurde in einer provisorische» Gruft heigesktzt. Tie Zeremonie war um 8,10 Uhr beendet. Etwa tausend Eingeladnie waren bei der Trauerseier zugegen. Aus Staöt «nv Cait& Gieße», 24. August 1914. ** Verlustliste. Ta mit dem Fortschreiten des Küiegs die Verlustlisten umfangreicher werden, müssen lvir davon abschen, diese ganz zu veröffentlichen Wir heschrän ken uns deshalb aus die Bekanntgabe der Namen solckier gefallener oder verwundeter Soldaten, die aus Hessen und den angrenzenden Gebieten stammen r Inf-Regt Nr. 112, 2. Komp.: Musk. Heinr. Sohns ans Plentersbach Kr Eberbach) schw. verw. — 4. Komp. Mu.sk. elkud. Sommer aus Frankfurt a M, vermißt. — Ins.-Regt. 11 x, Leib komp : Uffz. d R. Georg Trümmer, Worms, v,n. I. Komp Musk Karl Schuch, Bechtheim, tot 10. Komp. R. Aug. Staufs, Oberslörsherm, vm. Thür. Ulanen Regt. 'Nr. 6, 2. Eskadr.: Karl Schlingloss, Hanau, im; Gsr. R. Hch Bloch, Lauterbach, vm. 4. Eskadr.: R. K. Ioh. Klammer zell, Fulda, tot: Benedikt Böttcher, Bickenriede, lu.; Hch Weil, Trocknerfurth, schw. v.. Halsschuß: Scrg. Fr. Otto Hartmann, Hohensolms, tot. — Feldart.-Regt. 61, 2. Batt.: Peter Edelmann aus Airlenbach, tot. ** Hessische Krieasversicherung u n b laud wirtschastltchcGenossenschafteu. Die Zentral- kasse der hessischen landwirtschaftlichen Genossenschaften, e. G. m. b. H. zu Darinstadl, ist An nahmestelle der hessischen Kriegsversicherungen auf Gegen seitigkcit für den Krieg 1914. Damit ist die umfassende Organisation des landwirtschaftlichen Genossenschaftswesens in Hessen mit rund 335 der Zentralkasse angeichloisencn Ein zelgenossenschasten in die Dienste der Kriegsversicherung gestellt. Jede dieser Genossenschaften kann durch Bermittelung der Zenlralkosse die erforderlichen Versicherungsscheine de ziehen und in der denkbar einfachsten Weise die Vcrrechwlnq vornehmen. Es empfiehlt sich dringend, daß die Genossenschaften von dieser segensreichen Einrichtung Gebrauch machen und erneut ihre wirtschaftliche Kraft und ihre Eri stenzberechtigung in der Volkswirtschaft unseres Landes dar tun. Die Zentralkasse ist bereit, den Genossenschaften jede gewünschte Auskunft zu erteilen. ** Hessische Kriegs-Versicherung auf Gegen seitigkeit für den Krieg 1914. Nach dem Vorhilde der^ nassauischen Krieqsversicherung, die sich im Kriege 1870 71 sehr gut bewährte, habeit die beiden hessischen Kran kcnverbände unter dem Vorsitze des Großh. Obcroersiche rungsamtS eine hessische K r i e g s v e r s i ch e r u n g aus Gegenseitigkeit für den Krieg 191 4 errichtet zur Unterstützung der Hinterbliebenen von Kriegsteilnehmern. Das Großh. Ministerium dal erklärt, dieses Unternehmen zu fördern. Diese Kriegsversicherung ist eine Sterbekasse aus Gegenseitigkeit. Es werden Anteilscheine st 10 Mark ausge geben, für eine versicherungsberechtigle Person dürfen höchstens 20 Anteilscheine gelöst werden. Versichert werden kann jeder zum Heeresdienst Eingezogene, dessen Wohn, sitz unmittelbar vor der Einberufung int Großherzogtum Hessen war. Anteilscheine dürfen nicht mehr für solche Personen gelöst werden, die bereits gefallen oder verwundet sind, es sei denn, daß ein Arbeitgeber für seine sämtlichen Angestellten und Arbeiter Anteilscheine löst. Die eilige gangencn Beträge werden nach Maßgabe der gelösten Ans: icilscheine an die Hinterbliebenen der während des Krieges gefallenen oder gestorbenen Versicherten ausbezahlt. Die Per waltung der Kriegsversicheruug ist eine ehrenamtliche. An teilscheine können bei allen hessischen Krankenkassen und deren« örtlichen Verwaltungsstellen gelöst werden, außerdem bei allen sonst noch zu errichtenden Annahmestellen. Arbeitgeber können ihre Angestellten und Arbeiter, Eltern ihre Söhne usw. versichern. Es ist auch nicht ausgeschlossen, daß dritte Personen Anteilscheine zu Gunsten Bedürftiger lösen und diesen schenken können. Es möge niemand versäumen, von dieser Gelegenheit Gebrauch zu machen. Eile tut Not. Jeden Tag können unsere braven Truppen in die Schlacht kommen. Es ist daher notwendig, daßdieAnteilscheinesofortgelö st werden. ** Gießener Lazar e t tw« sen Genau wie in anderen Städten hat man sich auch bei uns gerüstet zur Aufnahme von im Kriege vernamdeter und erkrankter Soldaten. Von der Militärbehörde wurden eingerichtet: Re- serve-La^arett^ l, das bisherige Garnison Lazarett, das coangeWshe Schtuefterzchaus, das kaufmännische Vercrns» haus, die Ärrnhakle an der Nord-Anlage, das katcholrsche Verernshaus und Steins (Karten mit 400 Betten- Reserve- Lazarett II, ProvinziahSäechenansvalt (Männer-LkbünLing) 200 Betten imd die alte Klinik 300-350 Betten. Bei weiterem Bedarf werden Krankenbzrracken auf der Lrebrgö>°- höhe für 150—200 Betten errichtet. Weiter finden perwun.-- dete Krieger Aitfnahme in den ÄereinslaFaretten des Roten Kreuzes. Me Oberleitung des Lazarettwesens am Platz) liegt in den Händen des znm LaKarettdirektor ernannten Oberstabsarzt a. D. Dr. Seegert, dem als Chefärzte Prof. Tr. Walther und Stabsarzt M. Winther zur oeitc stehen. Eine sehr große 'Anzahl von Privatärzten aus Gießen und der Provinz hat sich bereits in Friedenszeiten der Arntcc- verivaltung für den Kriegs fass zur Verfügung gestellt, diese iverden mit Eingang des .Krankenzugangs für den Lazarett-- dienst cinbernfen. 'Außer den 1300—1400 Betten in den Lazaretten haben sich in dankenswerter Weise noch Private erboten, Rekonvaleszenten mit Berpflcgung gern aufzu- nehmen, um dadurch die Lazarette zu entlasten, und' hofft man derarttgc Angebote, weirn sie erforderlich seftr werden, noch mehr zu bekommen. Es ist erfreulich und ein schönes Zeichen von Opfermut, daß man, ohne darum angegangen zu sein, auch der Lazarettverivalttnig gedacht ltzit. Reiche l'ieldbciträge sowie Liebcsgaöen, als Taschentücher, Hemden, Strümpfe usw., besonders aber auch Lebensmittel, sind der Oberleitung für Lazarettztoecke zugegamgen. Hessen-Nassau. Marburg, 23. 'Aug. Auch unsere ländliche Be- völkerung ist in hohem Maße bemüht, der Not des Krieges zu steuern. In allen Orten wird neben Kleidungsstücken und Naturalien auch Geld gesammelt. Me Gemeinde Ebsdorf, >oo aus diese Weise mehr als 1000 Mt. zusamnren- gcbracht wurden, stellte außerdem in ihrer Äeinkinder-- schule 25 Betten mit vollständig freier ärztlicher Behandlung und Verpflegung zur Berfiigung. Marburg, 23, Aug. Tie bekannte Tabaksabrik Niederehe, die^brrcits bei dem Abmarsch der hiesigen Truppen diese mit Tabak und Zigarren beschenkt, hat neuerdings zur Verteilung unter die im Felde stchciiöcn 'Angchörigan des I I. und 18. Armeekorps 10 Zentner Rauch- und Kml- tabak gestiftet. Untverfitäts-Ntictiriciiten. — E r n a » (i t wurde der außerordcutliche 'Professor für alt- lestamcutliche Eregese an der llniverfität Halle a. ix S. Dr. theol. et phil. Karl Stet, er naget junt ordentlichen Broiessor in der evangelisch theoloaischen Fakultät der Universität BreSlan alS Nachfolger des Geh. Konsiftorinlrats Pro'. W. Rothslein. Meteorologische veobachtungen der Station Giehen. Aug. | “1 |s.| S-o "'S II» « 5 ^ | Ä -5 ey P 1 Jtj ©a3t^' COr |ä|j Wette» 23 ' 2' 1 '51,4 21,1 11,0 59 s 2 3 Conneisscheiii 23. 9“( .51,4 | 16 2 12.0 «7 still still 0 Klarer Hiniincl 24. 1 ■51,6 119 9,7 93 NW 2 6 Diebel Höchste Temperatu c am 21,- | | 22. August 1314 = + 21,7 " 2 vhebrtflite 21.-22. 19! i - 4- 10,4 > . Verantlvorllich für den gesamten redaktionellen Teil: Aug. Goetz. Bnsrus! Die glänzende Entwicklung imseres nationalen Flugwesens darf durch den Krieg nicht zum Stillstand kommen! sie muß im Gegenteil init allen Mitteln weiter gefördert iverden. damit die , imqüe Wasse mit vollem Erfolg für die Vetteidigung des Vaterlandes mit- cingcseyt werden kann! Ter Nachschub von Flugzeugen an die Armee und die Marine ist durch besondere Maßnahmen gesichctt worden Die Verwendung der Ziyilpilot«» im Heeres und Marinadienst ist eingcleitct. Tiie Fliegerschulen setzen ihren Ausbildiiiigsbeiried fort. 'Mer die Möglichkeit großer 'Abgänge, mit denen im Kriege natuvganräß noch mehr als im Frieden zu rechnen ist, zwingt zu rechtzeitiger Vorsorge sür die Ausbildung weiterer Flugzeug Führer für den Krieg. Die Meldungen von Kriegstteiwilligen überschreiten zlvar — wie bei allen 'Dassen so auch bei der Fliegertruppe den augenblicklichen Bedarf weitaus. Indessen muß hier eine besonders sorgfältige Auswahl getroffen werden, und auch von den Ausgewädlten roerben int Lause der Ausbildung noch viele zurücktreten müssen. Es kommt deshalb daraus an, von vornherein die (Keeiguetsten als Kriegsfreiwillige einzustellen, d. h solche, die neben der erforderlichen Intelligenz und tüchtigen Edaraltereigenickiasten im besonderen auch schon Borkemitnisse in der Bedienung und Vllege von Flugmotoren besitzen. Solche Persönlichkeiten werden sich namentlich unter dcnscnigen Stttdierendeu der Technischen Hochschulen und anderer technischer Lehranstalten finden, die sich diesem Sondersach zugewcndet haben. Außerdem werden geübte Mechanilcr und Monteure gebraucht. K r i e g s s r c i w i l I i g e melden sich zur Ausbildung als Flugzeugführer oder zur Einstellung als Hilssmonieurc bei der Königlichen Iuivektion der Flie- gertruvven in Berlin Schöneberg, Alte Kaserne • Fiskalische Straße) — Auswärtige schriftlich —, Berlin, den 13. August 1914 K r i e g s rn i n i st e r i u rn. Bekanntmachung. B e t r.: Ten Dienst bei Großh. Kreisveterinäramt Gießen. Gemäß Verfügung Großh. Ministeriums des Innern vom 22. August d. Is. zu Nr. II 5291 bringen wir hiermit zur ös- senllichen Kenntnis, daß bis auf weiteres der Dienst im Tienst- bezirk Großh. Kreisvetcrinäramts Gießen auf den Großh. A s - sistenzveterinärarzlBlumeinGrünbcrg übergegan- gen ist. Dieser wird bei Ausübung de» Dienstes von Tierarzt Dr. Köhlern n dSchlachthofdireltorModde,beide i n G i e ß e n , untcntützt: Tie Diensteinteilung ist festgesetzt wie folgt: !. Tic Allgemeinen Dienstangelegenheiten Großh. Krctsveteri- näramts Gießen iverden von Größt, Assistenzveterinärarzt B(.....e in Grünberg erledigt. (Telephonrui Grünberg 211.) 2. Sämtliche Obdukttouen von an seuchcnverdächttgen Krankheiten gefallenen Tieren !vcrden von Schlachthosdirektor Modde vorgenommen. (Telephonrui Gießen 32.) 3. Ten gesamten übrigen veterinärvolizeilichen Dienst versieht Tierarzt Tr. Köhler. (Telephonrui Gießen 310.) Gießen, den 23. August 1914. Gooßherzogliches Kreisamt Gießen. I. V.: H em in crde. An öir Großh. Büryrrmristrrrien der Landgrmemden des Krrisrs. Vontehende Bekanntmachung wollen Sie mehrfach in ottsüb- licher Weise verössenttichen Wir weisen Sie besonders an, alle Anträge wegen Obduktionen von an scuchenverdächtigen Krankheiten gesallenen Tieren an Herr» Schlachtdosdirektor Modde in Gießen ein.zusenden und die vorgr- schriebenc telephomschc Benachrichtigung über solche Fälle an den Genannten (Telephonrui 32) zu erstatten. Gießen, den 23. August 1914. Großherzoqltches .'lrrisamt Gießen. I. B.: Hemm erde.