Nr. M Zweiter Blatt 164. Jahrgang Erschein! täglich mit Ausnahme deS Sonntags. Die „Sietzeuer Zamlliendlätter" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich b«,gelegt, da? „Kreirblatl für den Kreis Sietzen" zweimal wöchentlich. Tie ^Landwirtschaftlichen Seitsragen" erscheinen monatlich zweimal. Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhejjen Zreitag. 21. August 1914 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversiiätS - Biich- und Steindrnckerei. R. Lange, Gießen. Redaktion, Erpcditio» und Druckerei: Schul» straße 7. Erpcditio» und Verlag: e^öl. Redaktion:e-G^tiL. TcI.-Adr.:AnzeigerGicßen. Neue Enthüllungen über den deutschenglischen Meinungraurtausch vor dem Kriegsausbruch. Berlin, 20. Aug Dir „Norddeutsche Allg. Ztg " übergibt der Lessentlichkeit Aktenstücke, die sich auf den poli- ltschen Meinungsaustausch zwischen Deutschland und England unmittelbar vor dem Ausbruch des Krieges beziehen. Es ergibt sich aus diesen Mitteilungen, daß Deutschland bereit war. Frankreich zu schonen, sallsEng» land neutral bliebe und die Neutralität Frankreichs gewährleiste. Dclcgramm des Prinzen Heinrich an den König von England, 30. Juli 1914: „Am seil gestern hi«. Habe das, was Tu nnr so tremidluh im Buckingham valast am vorigen Sonniag gesagt hast. Wildelm muqeteill, der Deine Aotichait dankbar entgcgeirnadni Wilhelm, der sehr besorgt ist, tut sein Acußerstes, uin der Bitte N r k o - laus nachzukomme». für die Erkaltung des Friedens zu arbeiten. Er stein in dauerndein telegravhiicheni Berkehr mit Nikolaus, der deute die Nachricht bestätigte. daß er mllitariichc Mahnadmen angeorduci habe, ivclche einer Mobilmachung gleichkommen. und daß dieie Maßnahmen schon vor rüni Tagen gttroffcn wurden. Außerdem rrhaiien wir Nactrrichie», daß Frankreich militärische Borbercitunqcn «rifft, während wir keinerlei Maßnahmen verfügt haben, wozu nnr indn'icn leben Augenblick gezroungen sein können, wenn unsere Nachbar» damit iortsahren. DaSwürde dann einen europäischen Krieg bedeutew Wenn Tu wirklich und ausrichilg wünschest, dieses lurchtbare Unglück zu verhindern, darf ich Dir dann Vorschlägen, Deinen Einfluß aus Fronkreick und auch aus Rußland dalnii auszuübcn, daß sic neutral bleiben ? Tas iviirde meiner Ansicht irach von größtem Nutzen sein. Icki halte dies für eine sichere und vielleicht die einzige Möglichkeit, de» Frieden zu ivalwen. Ich möchte hrnzufügrn, daß jetzt mehr denn >e Teutschiand und England sich gegenseitig unterstützen sollten, um ein furchtbares XIrthoi 1 zu verhindern, das sonn itnobwenddar wäre, lblaube mir, daß Wilhelm in innen Bestrebung«! um die Ausrechieckaltung des Friedens von größter Ausrictnlgkeii ist, aber die militärischen Vorbereitungen seiner beiden Nachbar» können ibu ichließlül! zimugen, für die Sicherheit seines eigenen Landes, bas sonst wrkrlos bleiben würde, ihrem Beispiele zu folgen. Ick- habe Wilhelm von »reinem Telegramm an Dich imierllchlei und ich hoiie, daß Du meine Mitteilungen m deullclben ircundschoillichen Geiste cntgegennrmnrsr, der sie veranlaßt hat. Heinrich." Telegramm des Königs von England an den Prinzen Heinrich von Preußen, 30. Juli 1914: „Dank für Dein Telegramm Sehr erfreut von Wildelms Be. mübungen zu hören, mit Nikolaus sich für die Erhaltung des Friedens zu einigen. Ich habe den ernsten Wunsch, daß ein solches Unglück nne ei» europäischer Krieg, das gar nicht wieder gut zu machen ist, verbiuüerl werden möge. Meine Regierwig tut ibr Möglichstes, uni Rußland und Frankreich „abezulegen, weitere militärische Vorbereitungen auszuschieben, falls Oesterreich sich mu der Besetzung von Belgrad und benachbarten serbischen Gebietes als Pfand für eine befriedigende Regelung feiner Forderungen zufrieden gibt, ivährend gleichzeitig die anderen Länder ibrc Krieg-Vorbereitung«! einstellen Ich vertraue danrut, daß Wilhelm seine» großen Einfluß anwrudet, um Oesler- reich zur Annahme dieses Vorschlages zu bewegen. Dadurch würde er beweisen, daß Deulschlmrd und England zniammcncubeiken. um zu verhindern, >vas eine internatwnale Katastrophe sein würde Bitte versichere Wilhelm, daß ich alles tue, und auch weücr alles tun werde, was in meiner Macht liegt, um den eurvväiichen Frieden zu erhalten Georg," Telegramm S. M. des Kaisers an den König von England am 31,Jul>19l4: .^Vielen Dank für De,ne freniidltche Mitteilung. Deine Vor- schlage decken sich mit meinen Ideen und mit den Mitteilungen, die ich heute nacht von Wien erhielt, und die ich ti*k 1> Emiöort weitergegebcn habe. Ich habe gerade vom Kanzler die Mitteilung erhalten, daß ihm soeben die Nachricht zugegangen ist. daß Nikolaus heute nacht die Mobilisierung seiner gesamten A nner und Flotte ongeordnei Hai. Er Hai nicht cmmal die Ergebnisse der Verminluug abgewarrci, an der ich arbeite, und mich ganz ohne Nachricht gelassen. Ich fahre nach Berlin, um die Sicherheit meiner östlichen Grenzen, wo schon starke russische Truppen Ausstellung genommen haben, sichcrzusteUcn. Wilhelm." Telcgramni deS K ö n i g S v o n E n g l a n d an den Kaiser am 1. August 1914: „Vielen Donk für Dein Telegramm von gestern nacht. Ich habe ein dringendes Telegramm an Nikolaus geschickt, in dem ich ihm meine Bereitwilligkeit auSg«prock>en habe, alles zu tun, was in meiner Macht steht, inn die Wiederauinahme der Berdandlungen zwischen den beteiligten Mächten zu fördern. Georg." Telegramm des Kaiserlichen B o l s ch a f t c r S i n L o n von vom l. August 1914: „Soeben hat mich Sir Edward Grev ans Tctcvhon gerufen und mich gefragt, ob sch glaubte, erklären zu können, daß für den Fall, daß Frankreich neutral bliebe in einem deutsch- russischen Kriege, wir die Franzosen nicht angriffen. Ich erklärte ihm, ich glaubte die Verantwortung hierfür übernehmen zu können. Lichnowskv." Telegramm des Kaisers an den König von Eng» l a n d am l. Anguß 1914: . Ich habe soeben die Mitteilung Tein« Regierung erhalten, durch die sie die französische Neutralität unter der Olaranttc Großbritanniens anbietet. Diesem Anerbieten ivar dic Frage angeschlossen, ob unter diesen Bedingungen Deutschland darauf verzichten würde, Frankreich anzugreisen. Aus iechniict>en Gründen muß nieine schon heute nachmittag nach zwei Fronten, nach Osten und Westen angevrdn ete Mobilmachung vorbe- reitungsgemäß vor sich gehen. Gegenbefehl kann nicht mehr gegeben werden, weil Drin Telegramm leider zu spät kam. Aber wenn mir Frankreich seine Neutralität anbietet, die durch die englische Armee und Flotte garantiert weiden muß, werde ichnatürlichvoneinem Ängrisfaus Frankreichabsehenund meine Trupvcn anderweittg verwenden. Ich hoffe, Frankreich wird nicht nervös iverdcn. Dic Truppen an meiner Grenze werden gerade telegraphisch und lelcvhvnisch al> gehalten, die französische Grenze zu überschreiten. Wilhelm," Telegramm des Reichskanzlers an den kaiserlichen Bot schäfte r in London vom l. August: „Deutschland iß bereit, aus den englischen Vorschlag ein zugehen, falls sich England mit seiner Streumacht für die unbedingte Neutralität Frankreichs im deutsch- russischen Konflikt verbürgt. Die deutsche Mobilmachung iß heute aut Grund der russischen Hevaussorderung «folgt, bevor die englischen Vorschläge hier eintrasen: infolgedessen ist unser Aufmarsch an der französischen Grenze nicht mehr zu ändern — Sir verbürgen uns aber dafür, daß dic französische Grenze bis Montag, 3. August, abends 7 llhe, durch unsere Truppen nicht überschritten wird, falls bis dahin dir Zusage Englands erfolgt ist, v. Bethmann Hollweg. Telegramm des Königs von England an den Kaise r vom 1. UEuguft 1914: „3n der Beantwortung Deines Telegramms, das soeben ein» gegangen ist, glaube ich, daß ein Mißverständnis bezüglich einen Anregung vorliegen muß, die in einer ireundschaillichen Unterhaltung zwischen dem Fürsten Lichnowsk» und Sir Edward Grev erfolgt ist, als dic Frage erörtert wurde, wie ein wirklicher Kamps zwischen der deutschen und französischen Armee vermieden werden könne, solange noch die Möglichkeit besteht, daß ein Einverständnis zwischen Oesterreich und Rußland zustande kommt. Sir Edward Grcn wird den Fürsten Lichnowsk» morgen früh sehen, um sestzu» stellcn. ob ein Mißverständnis aus seiner Seite vorliegl. Georg," Telegramm des »aiserliclu'n Botschafters in London an den Reichskanzler vom 2. August 1914: „Tie Anregung des Sir Edward Grev. die a»i dem Wunicit« beruht, die Möglichkeit dauernder Neutralität Englands zu ichassen, ist ohne vorherige Stellungnahme gegenüber Frankreich und ohne Kenntnis der Mobilmachung eriolgi und inzwischen als völlig aus- iichtsios auigegeben. Lichnowskv." Der Schwerpunkt der von Deutschland abgcgcbcncn- Erklarungen liegt in deni Telegramm Kaiser Willu'lms ou den König von England Auch ivcnn ein Mißverständnis in Bezug aus einen englischen Vorschlag vvrlag, so lwt doch das Anerbieten des Kaisers England Gelegenl>e>l, aufrichtig seine Friedensliebe zu beweisen und den deutsch französischen KKieg zu verhindern. ver größte Qisttreuzer der Welt — in Frankreich nicht fertig geworden. Bon einem genau Eingelveihten, der aus Paris flüchten mußte, erhält dic „Köln. Bokksztg." die nachstehende Dar» stellung: Daß nnr Deutsch,' inbezug aus Oualiial unserer Lustslotte den Franzos«! nicht nachstehen, haben die vielen Rekorde, welkt« Deutschland in d«r letzten Monaten erzielt hat, bewiesen. Wie steht es nun damit in Fronkreick,? Es ist außer jedem Zweifel, daß die französisch«! Flieger im Ansangsstadium di«er neuen Erfindung dic größten Ersotgc zu verzeichnen Ixittni und an Kühnheit ihrer Flüge von niemand übertrofsen wurden. Jedoch nne bei icdcr Sack»' in Frankreich, erkaltete das Interesse bald, imd diese n«ie aussichtsvvllr Industrie ging mehr und niehr zurück, während sie bei uns von Tag zu Tag erstarkte. Dic französisch«! Zeitungen hörte» zwar nicht aus, darüber zu klagen, daß vmi seiten der Regierung nichts geschehe, um die Flieger und Flngzeugsabriken zu unterstützen und zu ermutigen, wiesen auch aus Teuischland hin, tvelches Prämie» am Prämien auSsctzte. aber cs blieb eben alles beim Allen. Auch den über Millionen verfügende» großen Pariser Zeitungen siel cs iricht ein, Preise sür Flugleistungen auszusetzen und damit selbst durch die Tat zu beweisen, daß es ihnen auch Ernst iväre mit ihren Nnfsorderungen: sie veranstalteten lieber ganz kindische Wettbewerbe mit hohe» Preisen, z, B. mit einen, ersten Preise von 50000 Franken für diejenige», welche die sieben Wunder der Welt am besten erraten würden. Daß als erstes der sieben Wunder in dem ersten Preis der Aeroplan genannt und der Preis von einem lleinen Beamten gewonnen wurde, könnte man bald als Ironie oder charaklcriittschcs Merkmal !ür Frankreich bczcichilen. in welch«,, es beule beinahe als selbstverständlich gilt, daß der Beamte nichts zu tun brauchl, »m Gelb zu verdienen und die arbeitende Intelligenz keine Unterstützung iiudel. Bon den Lust schisse» i» Frankreich dal mau weniger ge- hön. Und doch zeigen auch die ersten Spuren solch« Versuche nach hier. Immerhin sind irg«,dwelche bemerkenswerte Fortschritte nicht gemacht worden. Erst in inmester Zeil glaubte die französische Mio ■ gierung ein Gegenstück gegen die deutschen Zeppeline anfstellcn zu müssen und trat mit verschiedenen Konstrukteuren lenkbarer Luftschiffe in ernstliche Unterhandlung. Durch eine merkwürdige Fügung bin ich in der Lage, darüber hier einiges zu berichten Es gibt ein Lnftichiffsnstem. welches feit einiger Zeit von sich reden machl und selbst von deutschen Fachleuten, wie dem bekannten Hauptmann Hildebrandt und, wenn ich nicht irre, auch von Major Parseval, dem Führer deutsch« Flieacrtruoven, anerkennend benrteill wirb Ein Schweizer Pro fesior, Dr. Raoul Pictct, Ebemiker »nb Spezialist der Gase, hat erst in den letzte» Iulitagen ein Buch in französischer Sprache herausgegeben, welches in scineni umsangreichni dritten Teil dies Brieftauben int Kriege. Von Egon Noska Daß die Taube» schon im Altertum vielfach zu Botschaften von den kriegführenden Völkern bemitzt wurden, steht außer allem Zweifel Die Israeliten kannten die Brieslaube. wie wir aus der Bibel willen, wo Noah aus der Arche die Daube mit einem Oel- blatk im Schnabel entließ, zweifellos gerade diesen Bogel aus- iandte, weil er dcss«> Liebe zur Iwimischen Stätte kauntc. Als Sendbote wird die Taube daher sicherlich schon von dm alten Patriarchen bcniitzt worden sein. Die alten Aeghpier nahmen Tauben aui ihren Tchiijabrten mü und sandten sie bei ihrer Rückkehr, sobald iie den heimischen Gestaden nahten, aus, um daheim die baldige ölukuuft zu melden. Auch von anderen Handel- und ichilladNtreibenden Völkern des Altertums wird dies berichtet, so auch von den römischen Ser- sahrern zu Cäsars Zeiten. In Griechenland brauchte man Tauben als Sendboten bei sehr verschiedenen Gelegenheiten So nahmen zum Beispiel bei Kampfsvielen die verschiedenen Parteien solche mit in den Zirkus, um den Eriolg derselbe» zu verkündigen, natürlich nur, wenn derselbe ein Sieg war Schon im Jahre 530 v. Ehr. erwähnt Ana krcon eine derartige Berw«idung einer Brieitaub«. Bei zahlreichen römischen Schriftsteller» wird die Verwendung von Briestanben erwähnt. Varro, Eolumclla. Eaw und andere Autoren haben bereits eingehende Mitteilungen über Brieitauben gebracht Plinius und Aelian erzählen sogar, daß die Benutzung der Taube als Brieitaub,' bis zuni Beginn des Kulturlebens hinaus- reicbe. TaorvsthencS ließ nach seinem Siege bei Olympia eine vom Neste entnommene Taube auisteigen, welche durch ein augchängtes Purvnrläppchcn dem Vater in Aeqina dic Freudenbotschaft bringen sollte. Als Decius Brutus im Jahre 44 v. Ehr. von Antonius in Muttna Vrn beinigen Modena belagert würbe, sandte er in das Lager der Konsuln Tauben, den«! Briese an den Beinen befestigt waren „Was konnte da dein Antonius der Wall, die Wachsamkeit und die Sperrung des Flusses durch Netze helfen", so ruir der berichtende Geschichtsschreiber aus, „da der Bote über alles hinweg, durch die Lüste fliegend, Nachricht brachte Unter Kaiser Diocletian soll bereits ein Nachrichtendienst mittels Brieitauben eingerichtet gewesen sein Freilich wurden im alten Rom auch andere Vögel als Sendbolen benutzt So bericht« zum Bcisvicl nach Plinius Fabius Pictor in icinen Anrmlen, daß eine belagerte römische Beiatzung ihm eine Schwalbe übersandt habe, damit er derselben einen Faden an d«l Fuß binden und durch »knoten in demselben bezeichnen solle, am wievielt«! Tage tr zum Entsatz cimresscn würde, io daß man sich für den Ausfall vor- bereitrn könne Auch späterhin benutzten dic römischen Wettkämpfer im Zirkus solche vom Nest genommenen Schwalben in gleicher W«se wie die Tauben, indem iie dieselben, mit der Farbe der siegenden Patt« besfticben. in dic Heimat zurückilicgcn ließ«,. Dic Cdrist«i lernten merkwürdigerweise ent in den Kreuz- rügen dic Brieftauben kennen Es ist ziemlich unerklärlich, daß so lange die Benutzung von Tauben zu Briessendungen unterblieben war. Erst im Jahre 1098 ereignete sich das Geschehnis, durch das dic Cbristen die Institution der Brrestaube kennen lernten. Der italienische Dichter Tcrffo hielt die Begebenheit für ioichtig genug, sic in seinem Gedicht „Das befreite Jerusalem" zu erzählen Bei der Belagerung der Burg Harar zwilchen Antiochien und Sdessa siel eine Brieftaube in das Christenboev, da sie von einem Raubvogel getötet worden war. Unter ibr«n Flügel aber fand man ein«! Z«tel, aus welchem die Plane der Feinde verzeichn« waren. Daß man damals im Orient sich bereits allgemein der Briestaübcn bediente, beweist die Tatsache, daß auch bei der Belagerung von Akka durch die Kreuzfahrer unter König Beit von Jerusalem Tauben von den Muselmanen zu Botendiensten benutzt wurden. Im Orient erreichte denn auch unter Sultan Nureddin, dem Kalifen von Bagdad, die Benutzung der Bri«'taube im zwölften Jahrhundert die höchste Vollendung. Dies« ungemein intelligente Fürst, welcher von 1146 bis 1178 regierte, richtete mittels Brieftauben einen regelrechten organisierten Postdienst ein, mittels dessen Nachrichten aus Aegypten und Snrien selbst kamen. Sein Nach folg«, Kalis Achmed, versuchte di«'e groß angelegte Institution noch groß« auszubauen, und bis zur Mitte des dreizehn!«! Jahrhunderts harre die Taubenpost im Orient eine Blütezeit, wie sic seitdem weder dort noch anderswo wied« «reicht wurde B«eits bewährte Brieftauben wurden mit fabelhaften Summen bezahlt, einzelne Tauben bis zu 6000 Mark und mehr Spät« freilich, nach d« Eroberung von Bagdad durch die Mongolen ging die Brieftaubcnzucht wird« sehr zurück, doch blühte sie noch in Aegypten im sünszehntcn Jahrhundert, wo noäi ein regulär« Taubenpostdienst «isticrte, und bis in unsere Zeit hinein waren in Persien, und in anderen Gegenden des Orients Taubcnposten im Gange, dic nun fteilich jetzt do« auch durch and«c Verkehrsmittel v«- drängt wurden, im Kriege aber st«s noch Verwendung fanden. In Europa sind die Briestaube» noch den Kreuzzügen bis zum Beginn des neunzehnten Jahrhunderts nur o«einzclt in An Wendung gekommen. To wurden znm Beispiel im nied«länd>ichen Kriege bei der Belagerung von Hartem im Jahre 1573 und zu Lehden im Jahre 1574 Brieftauben v«wend«. Eine von Wilhelm von Oranien abgesandtc Taube geriet in die Hände der Spanier, welche seitdem dem Taubenpostdienst der Feinde im Kriege eine besondere Aufmerksamkeit zuwandten. Im neunzehnten Jahrhundert wurde die Brieftaube im Kriege allgemein in der verschiedensten Weise angewendet. Bekannt ist zum Beispiel, daß die Familie Rothschild einen btträchtlichcn Teil ihres Vermögens dem Umstande v«dankt, daß d« London« Roth schild dic Heere Napoleons des Ersten mit seinen Agenten begleiten ließ, dic dem Finanzier iofort jede wichtige Nachricht mittels Brief tauben meldeten. Welche Vorteile das in ein« Zcft hatte, in d« es noch keine Telegraphen gab, und in welcher dic politische Konstellation Europas täglich üb« den Hausen geworfen w«vcn konnte, kann man sich vontellcn. Und dadurch, daß jen« Rothschild die Nachricht von der Schlack»! bei Waterloo zwei Tage ftüher wußte als alle offiziellen Persönlichkeiten in London und daraufhin seine Spekulationen einrichtete, soll « Millionen v«dinit haben. Im Dienste der Svckulation und des Prefiedienstes wurden daun die Brieftcrubcn in der langen Friedenszeft, die den Befreiungskriegen folgten, so« und fort verwend« Da sie meist die, Meldung der ttirric zu überbringen hatten, wurden sic Kurstauben genannt, und Karl Gutzkow hat diese Einrichtung novellistisch behandelt. Natürlich mußte dic Brieftaube dann aber dem Telegraph üb«all weichen. Indessen noch nach Einrichtung von Telegraphen- linien benutzte Herr von Reuter Brieitauben »nd begründete den Weltruf seines internattonal«, Telegrapbe» Bureaus mis das Hei- matgefühl der Tauben, indem er von Aachen bis Vcrvi«s, wo nach die Telcgravbenlmie fehlte, Taubenvvsten im Anschluß an die Linien des Telegraphen nach Aachen einrichtete. Im Kriege aber, wo man Telcgraphenlini«, leicht zerstören, kann und zerstört, behielt dic Bricslairbc ihren Werl, »nd welche Bedeutung sie hat, haben die Franzosen im Deutsch Französischen Kriege «kennen müssen. Als im Jahre 1870 die deutschen Heere gegen Paris an rückten, stellte Eassier, der Präsident der Brieitauben Liebbabcr IKeiellichait „Hoffnung" in Paris der Regierung der Nationalverteidigung drei hund«t Brieftauben zur Verfügung. Erst wies man ihn mit Hohn und Spott ab. Als es dann aber mit der Belaa«»»g von Paris Ernst wurde, nahni Gen«al Trocha i«n Anerbieten an, und der Bricftaubendienst Iciftetc den Belagerten manchen guten Dienst llnt« Leitung des Generalpoftdireklors Rampout iviirde eine Briei taudenpost inszeniert, und am 23. September 1870 nahm d« Lust postdienst seinen Anfang. Durch bft Kunst des Paris« Photograoben Dragon lvurde dies« Luswostdienst «st fteilich «giebia gemacht. Durch seine be- wundernswetten photograohischcn Verkleincrunge», die er aui Neine, eigens mävarierte .Häutchen wan, stellte er die volle Seil? ein« großen Zeitung aui dem icchste» Teile eines Ouadrotzolles dar. Zehntausend Teveschcn nahmen aus diese Weise etwa den Raum einer Handsläche ein. Ein solcher Daubenbriei war 3,9 Zentimel« lang und 3,3 Znttunet« breft. Jede Daube konnte l8 solch« Häutchen in einem Gesamtgewicht von einen, halben Gramm ohne besondere Beschwerde ttaqcn uzü> so in d« Re trotzdem somit doch immerhin schon ein Eriolg, iven» auch ei» b«'cheidener, so nahm daraus die deutsche Heeresverwaltung die Lehre, der Brieftaubcnzucht vollste Beachtung zu schenke». In großartigstem Umfange hat denn auch die deutsche Militärverwaltung viele tausend Brreftaubrn in den Dienst des Heeres gestellt, io daß auch Deutt'chland nach dies« Richtung hin in bestcr^Weise gerüstet «scheint. Uebcr ganz Deutschland find ;ahlreiche Stationen aus- gebreü«, von denen Berlin die Z«,lralstation und Znchtanstalt ist. Jede deutsche Festung hat ein paar Hund«, Briesiaubcn, jede große Station tausend und mcbr Brieitauben. Diese vielen Tauieude Brieftauben können im Notsall durch ebenso viel Tausende ergänzt werden, welche von Brftstaubenzuchtv«cinen gchallcn werden, und welche man zu mllitärischen Zwecken reauiriere» töunte. Frellich auch and«? Staaten haben sich die Belagerung von Parts zur Lehre dienen lassen; vor allem hat auch Frankreich selbst «tue System iefn' ausführlich lthairdtlt und es namentlich in seinen voruueffrtittnhen LtiArmatn mit unserem Zeppelinsystem vergleicht. Das Buch ist meines Wissens nach nicht in Deutschland ausgeraucht: es erschien in Paris am Tage vor Schließung der Grenze. So viel ich weiß, desindet sich nur ein Stück in Berlin. Immerhin ist, soviel in engeren .ckreisen bekannt, dieses neue R c e s e n l u s t s ch i f s, dessen Erfinder der Ingenieur Arno Bo einer ist, das ettva 200 Mir. lang und 20 M t r. breit geplant war, also beinahe dreimal so groß wie eilt Zeppelin. Statt der Gondeln besitzt es eine Brücke, welche sich vom Borderteil bis hinten über die ganze Länge des Luftschiffs entrecht Tie Gasbehälter, an Zahl ettva 250, haben ouadratischen Grundriß und bestehen aus je drei ineinander geschachtelten Bal- lonet-s, mit Wasserstoff, Stickstosf und gewöhnlicher Luft gesüllt. Das Wasserstofs Ballonet ist umgeben von Stickstosf, letztere »n Lun Turch dieses Tpsteiu soll verhindert werden, dag der Wasserftvsi durch Blitz oder sonstige Entzündungsmassen zur (Hplo sion gebracht werden kann: ferner aber wird dadurch ein Entweichen des Wasserstoffs infolge Diffusion ganz bedeutend eingeschränkt. Nach den Angaben des Erfinders kann dieses Luftschifs mehrere Tage ununterbrochen sich in der Lust auibalten, bat keinen Ballast nötig und trägt 000 Personen. Sicher ist, daß die Pläne und Berechnungen bis ins Kleinste ausgetührt und in -iner sehr uniiangreichen Tenkschriit dem französischen Kriegsministerium überwiesen worden sind. Jedoch erst kurz vor dem österreichischen Ultimatuni waren die Verhandlungen soweit ge- dielien, dag die französische Negierung einen Betrag von 500 000 Franken zu den erforderlichen Vorarbeiten zur Veriügung gestellt und eine namhafte Gesellschait auf den: Gebiet des Ballonbaus, die Zodrak Werke, mit diesen Arbeiten betraute. Leider für Frankreich zu spät, um im gegenwärtigen Kriege mit diesem Riesen Luftschiff eingreiteu zu können. Interessant ist es aber noch, die Aufgaben dieses Luftschiffes heroorzuheden, welche die Denkschrift, welche ich teilweise selbst gelesen habe, an- sührt: 1. die Vernichtung des feindlichen Generalstabes, 2. Zer- Nörung der feindlichen Hauvtstadi, I. Zerstörung der feindlichen Flotte, 4. Vernichtung des feindlichen Heeres. Au» Stadt und Land. Giefjen, 21. August 1914. Statt der Petroleumlampe Gaslicht cinrichten! Gott sei Tank lassen alle Berichte über die Ernte erkennen, das sie reichlich und gut ausfällt und keine Befürchtungen für die Ernährung des deutschen Volkes gehegt zil werden brauchen, auch wenn der Krieg längere Zeit dauert. Wir sind in der Tat in diesem Punkt vom Ausland unabhängig. So ist auch sonst die gesamte deutsche Volkswirtschaft im wesentlichen vom Ausland unabhängig bis auf eine Ausnahme: das Petroleum. Wenn in Friedenszeiten schätzungsweise etwa jährlich 120 Millionen Mark sür den Bezug von Petroleum ins Ausland gingen, so wird dies jetzt, da es sich in der Hauplsackze um den Import amerikanischen Leuchtöls handelt, während der Kriegs- zeit in Wegfall kommen. Andererseits wird aber bald Petroleummangel eintreteu, weshalb auch schon kürzlich die Nachricht von Mastnahmen durch die Tageszeitungen ging, durch welche die amerikanischen Petroleuiiiimportgesellschas- ten einem plötzlichen zu starten Einkauf, der ihre deutschen Bestände rasch reduzieren würde, entgegenwirken wollen. Sehr bald werden diese Vorräte aber sich in jedem Falle vermindern, so daß mit Sicherheit mit Preissteigerungen und schließlich, wenn der Krieg bis in den Winter dauert, ii’it empfindlichem Petroleummaiigel zu rechnen ist. Demgegenüber haben die deutschen Gaswerke von jeher für den St riegeifa.lt sich mit großen Kohlenvorräten versehen, die zudem fast überwiegend aus dem, Inlande stamme» und also auch aus dem Inland im Bedarfssalle ergänzt werden können. Hier ist nicht zu besorgen, daß der Leuchtstoff, das Gas, knapp ivird. Jedermann, der noch Petroleum zur Beleuchtung verbraucht, tut gut, die Petroleumlainpe beiden militärischen Briestaubendienst organisiert, ebenso Rußland, Italien, Oesterreich usw. Freilich sind dem Briestaubendienst auch mancherlei neue Feinde entstanden. Während diese geslügelte» Briesträger bisher nur von Raubvögeln vernichtet wurden und von unten beschossen werden konnten, kam, man ihnen nunmehr auch mit der Lustslotte aus den Leib rücken. Auch wurde in der letzten Zeit darüber geklagt, daß durch die Wellen der drahtlosen Telegraphie Brieftauben vernichtet wurden. Immerhin, wir sind gerüstet, doch — in der Hoffnung, dieses Briestaubendienstes entraten zu können. Denn im wesentlichen nützen ja die Brieftauben im Kriege nur, wenn sich dieser im eigenen Lande abspielt. Andererseits kommt er für Spionendienste vielfach in Betracht, weshalb man im Feindesland den Brieftauben- posten der Feinde die größte Ausmerffamkeit schenken muß. ,,Sonnensinsternis-Eier". In der Haude-Spe- verschen Zeitung erschien am 27. November 1748 ein Bericht aus Turin über eine merkwürdige Begleiterscheinung der Sonncnsinstcr- »is, an die in diesen Tagen, da wir eine großie Sonnenfinsternis erleben, erinnert fein mag. An den Hof des Königs ward ein Hühnerei geschickt, „auf dessen Schale man eine ringförmige Finsternis stehet: .aut dieser Figur ist noch eine andere eines Circkel-runden und nicht durchsichtigen Cörvers, von einem kleinern Durchschnitte als die ersterc, die folglich selbige nicht ganz bedeckt. Die Strahlen der ersteren sind säst alle von gleicher Größe, nur einen eintzigen ausgenommen, der sich etwas mehr als die übrigen in die Länge erstreckt. Ei» ivenig ober oder unterhalb seytgedachten Strabls siebet man einen kleinen Stern vorgestellt". Dieses Ei, so versicherte das beigelegte Zeugnis eines Toetoris Medicinae Rovida, war am 2.i Juli, dem Tage der ringförmigen Svnnensinsternis, von einem Huhn in Bvrgosesia, einem Dort des Kirchspiels Nvvara, gelegt worden, und zwei andere Hühner hatten ebenso gezeichnete Eier hervorgebracht. Der gelehrte Doktor erklärte diese „Tonnenttnster iiis-Eier" für ein Wunder, durch das „die Einbildung der H e n n e die Vorstellung der ringsörniigen Sonnen Finsterniß des 25sten Iulii in dem Augenblicke, da die Henne das. Bild der Finsternis, durch die Augen cmvsangen habe, aus ei» schon gantz lormtrtes E>> zu Prägen Fähig gewesen ien". Merkwürdig blieb nur, das: die Sonnenfinsternis gar nicht tür Italien, sondern nur für einen Teil von Polen, sowie für die nördlichen Provinzen Deutschlands und Schottlands ringförmig gewesen war. Die Sache machte lehr viel Aussehen und führte zu allerlei Erörterungen über diese höchst seltsame» Eier. Eberhard Büchner, der in seiner Sammlung kulturgeschichtlich Interessanter Zeugnisse aus alten deutschen Zei- tungcn „Das Neueste von gestern" den Artikel der Haude-Spener- sche» Zeitung mitteilt, gibt auch die Erklärung des „Wunders" ivieder, die die Bossische Zeitung sau ein Jahr später, am 25, September 1749, brachte. Es ivurde testgestellt, daß solche Hühnereier, aus denen „eine ringsörmige Toiineiiiinsternis abglchikdct gewesen", auch in Schlesien gelegt worden seien. „Man hat bemerket," so wird „der Grund der Sache kürzlich angezeiget," „daß dergleichen Euer allezeit von inngen Hühnern oder bei kalter Zeit geleget werden. In beyden Fällen ist der Gang in der Henne, durch welchen das Ey geht, natürliäier Weise enge. Daher wick) das Eh über die Zeit darinnen ausgelzalten, und ivenn es noch ioeich ist, ivächst cts an: daher denn die ruilde Figur auf demselben, nebst den Stralen umher, wegen der Eindrückniig, entstehet. Die gedachten Euer sind hier in einem vornehmen Cabinet ausgehobeu worden. Man kann sich also künitig Sonnensiiisternißener anschassen, wenn man will, ohne aus eine ringsörmige Sonnensinsierniß zu warten." Zeiten in die Ecke zu stellen und sich für anderes Lüh« einzurichten. » ** Schnellzugsverkchr. Bon heute ab verkehrt wieder ein Schnellzug 1. bis 3. Klasse in der Richtung Altona—Frankfurt. Ankunft Gießen 6,27, ab Gießen 6,29, Ankunft Frankfurt a, M. 7,40 nachmittags ** D i e Steuerveranlagung für 1915. Das Ministerium der Finanzen gibt bekaiuit, daß die Steuerveranlagung für das Steuerjahr 1915 vorerstnichtvor- zu nehmen ist, Tie Finanzämter werden dagegen angewiesen, Berufungen gegen die Einkommenstcuerveranlagung von Amts wegen auszunebmen, ** Gemeindesteuer-Rückstände. Unter den heutigen amtlichen Bekanntmachungen der Stadl Gießen beftndct sich auch die Mahnung des 2. Zieles Gemeindesteuern und Känalgebühren für das Rechnungsjahr 1914. Die :Fahlung kann noch bis einschil. 5. September 1914 bei der Stadtkasse ohne Kosten erfolgen. Nach Ablauf dieser Frist erfolgt die Beitreibung, wobei die vorgeschricbenc» Pfändungskosten erhoben werden. Wegen Erlaß des 3. itnd etwaiger iveiteren Zielen, der zu Kricgslcistungen eingc zogenen Steuerpflichtigen, wird es sich empfehlen, alsbald bei Großh. Finanzamt«: entsprechenden Antrag zu stellen. ** Die Lebensversicherung im Kriegsfall. Ein großer Teil der zu den Waffen Einberufenen ist bei einer Lebensversicherung gegen de» Todesfall versichert. Es wird nun allgemein angenommen, daß, falls ein Versicherter im Kampf siirs Vaterland sftrbt, die Lebensverftcherungsfummc ebenso wie in Friedenszeiteil ohne weiteres an die Angehörigen ausbezahlt wird. Das trifft nur teilweise zu, denn nur ein Teil der Versicherungsgesellschaften hat das Kriegsrisiko gegen oder ohne besondere Prämienzahlung mitüber- nommen. Bei deri übrigen Gesellschaften ruht entweder die Versicherung während des Krieges oder aber es muß besonderer Antrag wegen Ueber- nahme des Kriegsrisikos umgehend bei der betr, Versicherungsgesellschaft ge st eilt w erden, Die Gemeinnützige Rechtsberatungsstelle des Evawg. Arbeitervereins Gießen ist gerne bereit, in ihren Sonntags vormittags 11 — 12 Uhr Hinter der West- Anlage 1l Part, st at t fin d e n den Sprechstunden allen Angehörigen d e r z u den Waffen Eingezogenen die Bedingungen der in Frage kommenden Versicherungsgesellschaften zu prüfen und das Weitere zu veranlassen. ** Fünfzig-Gram in-Pakete für d i e Trup- pen. Den Zigarren- und Zigarettenhäiidlern sei die Anschaffung von Pappschachteln empfohlen, die unseren lavieren Soldaten im Felde, wie das 1870/71 mit so ausgezeichnetem Erfolge geschah, als Fünszig-Gramm-Pakete mit Tabak. Zigarren oder Zigaretten geschickt werden können. Es wird darin bald ein großer Bedarf sich geltend inachen. ** Zigarrenspende. Die Firma Job. Balth. Noll, hier, welche bereits am I. Mobilmachungstage unserem Regiment einen großen Posten Zigarren überwiesen batte, bat eine weitere Liebesgabe in Zigarren an die Maschinengewehr-Kompagnie unseres Regiments folgen lassen. Kreis Friedberg. * Butzbach, 19. Aug. Die Bürgermeisterei macht bekannt, daß die Fes er abend stunde bis auf weiteres auf 11 Uhr nachts festgesetzt ist, Zuwiderhandlungen haben Konzessionsent- ziehung zur Folge. Kreis Büdingen. X Büdingen, 20, Aug. Ter Vorstand des Turnvereins bat beschlossen, den bedürftigen Familien der zur Fahne einberu- senen Mitglieder Unterstützung z» gewähren. £ingc$anOt. sFür Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Gießen, 20, August. Als bei Beginn der Mobilinachiing der Dhifruf erschien, daß sich Dame» der Stadt zui» Dienste unter dem Roten Kreuz inelden sollten, ist eine sehr große Anzahl von Damen dieseni Ausrnie qe- lolgt, Den sich Meidenden ivurde gesagt, daß ein Kursus für Krankenpflege durchgemacht werden müsse und daß jeder einzelnen Dame iveitere Nachricht zugegen würde. Dieser Kursus sür Krankenpflege hat slattgelunden, jedoch sind sür ihn nur eine Anzahl von Damen ausgewählt wordeu. Dille diejenigen Damen, welche keine Nachricht erhalten hatten, wurde» vor einigen Tagen auigeiordert, sich persönlich zu einer bestimmte» Stunde nochnials zu inelden. Von den leitenden Damen des Roten Kreuzes ivurde den Er- schieneneii eröffnet, daß alle Damen unter 24 Iabren abtreten könnien, da nur Domen ü der 21 Jahre zur Kraiikeuvflege zu- gelaffen werden würden. De» dann verbleibenden Dame» über 21 Iabren wurde gesagt, daß sie nur als Helseriunen Veriveudung ftnden könnte». Es hat bei viele» Damen Mißmut erregt, daß nicht von vornherein veröffentlicht wurde, daß sich nur Damen über 21 Jahren zur Krankenpflege unter dem Noten Kreuz melde» sollteu. Die Mißstiininung ist »och erhöht ivorden dadurch, daß von verschiedene» Damen iestgestellt werden konnte, daß zu dem Kursus, ivelcher slaltgehmde» hat, eine Anzahl von Damen unter 21 Jahre», ja sogar u»ter 20 Jahre», hinzugezogen worden sind, und daß man veinerke» z» können glaubte, daß die Auswahl sür diesen Knrsiis im besondere» Dame» ans den sogenaiiuie» „besseren Kreisen" betroffen bat, — Wen» e; zutreffend ist, datz eine solche Standesbevorzngnng stattgesunden hat, dam, iväre er erwünscht, wenn die leitenden Tamen des Roten Kreuzes die Grundsätze, nach denen versahren ivorden ist, öffentlich klarlegte», denn es wäre bedauerlich, wenn viele Damen sich znrückgesetzt sühlen und ivenn in der Tal bei der Wahl nicht mit gleichem Maße gemessen ivorden iväre. kirchliche Nachrichten. Evangelische Seme»,de. Sonntag, den 23, August, II. nach Trinitatis. Sotterdienst. 3n der Stadtkirche. Vormittaas 8 llhr: Plärrer Schwabe. Zugleich Christenlehre sür dieNenkonfirmiertei, ans der Markus- geineinde. Vormittags 9'/, Uhr: Geh, Kirchenrat Proiessor v. Eck. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde. Mittwoch, de» 24. August, abends 8llbr: Kriegsbetstnnde. Psarrer S ch ,v a d e. Nächnkünslige» Sonntag, de» 30. August, findet Beichte und heiliges Abendmahl sür die Matthäus- und Markusgemeinde im bauvtgottesdienst statt. Anmeldungen dazu werden vorher bei dem Psarrer jeder Gemeinde erbeten. 3n der Zohannerkirche. Vormittags 8 Uhr : Psarrassistent k> ossuiann. Zugleich Christenlehre sür die Nenkonffrinierten aus der Johannesgemeinde. Psarrer A u s s e I b. Vormittags 9 1 /, Uhr: Plärrer Bechtolsheimer. Beichte und heiliges Abendmahl sür die Lukas- und Johannesgemeinde gemeinsam. Vormittags II % Uhr: Kinderkirche sür die Lukasgemeinde. Psarrer Bechtolsheimer. videlkeänzchen sür Schüler höherer Lehranstalten. Jüngere Abteilung jeden Mittwoch von 6—7 Uhr. Aeltere Abteilung jeden Samstag von 6—7 Uhr im Johannessaal. videlkränzchen für Mädchen aus der Zohannergemeinde. Jeden Dienstag von 6-7 Uhr im Johaimessaas, . Versuchsweise sollen jeden Samstag zivische» 7 und 8 Uhr beide Kirchen geöffnet und darin bei Lrgelspiel Gelegenheit zur stillen Andacht gegeben iverden. Wartburg-Bcrcin Sonntag, d e n 23. A » g u st, abends 8 Uhr: Versammlung im Wartburg-Heim, Diezstraße 15. Evangelischer Gotte;dienst. Kirchberg: Somitag, den 23. August, vormittag« 10 Uhr. Lollar: Sonntag, den 23, August, nachmittags H2 Uhr. Mainzlar: Mittwoch, de» 2b. August, abends 9 Uhr: Kriegs» betslunde. Dekan Guß in a » n. Verantwortlich sür den gesamten redaktionellen Teil: Aug, Goetz. B a d S o d e ii - W e r r a. Naebdem sich die erste Unruhe wegen des Krieges gelegt hat, kehren täglich Kurgäste hierher zuritck, um die unterbrochene Kur wieder auszunehmen. Die günstige Lage des Bades, fern von den bedrohten Grenzen, trägt nicht wenig dazu bei. Die Absicht der Badeverwaltung, das Bad bis Ende Sevtember geöffnet zu halten, jindet allieits Anklang, bv-V» Amtlicher Teil. Bekanntmachung. Seit der Uebernahme des Bahnschutzes durch die iortnierten • Landsturm Bataillone ist die Auslösung der Mehrzahl der hierzu verwandten freiwilligen Formattonen eriorderlich geworden. Es ist mir ein Herzensbedürfnis, den Männern, jung und alt, die sich in opferwilligster Weise bisher diesem schweren, überau- verantwortlichen Dienst mit aller Hingabe ireiioillig gewidmet haben, und insbesondere den alten Kanieradrii aus den Feldzügen meine volle Anerkennung und wärmsten Dank hierdurch «ruszu- sprechen. Der kommandierende General. Freiherr von Gall. General der Infanterie. Borstehende Bekanntmachung wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht. Gießen, den 21. August 1914. Großherzogliches Kreisamt Gießen. _ Pr. U i i n n c r. *1 Bekanntmachung. Die Hessische Landes -Hypothekenbank ist bis auf weiteres in der Lage, Privatpersonen, die ein berech-4 tigtes Kreditbedürfnis glaubhast machen, gegen Ver- ! psändung er st st eiliger Hnvotheken an Grundstücken, die im Groß Herzogtum Hessen gelegen sind, Darlehen zur Verfügung zu stellen. Bei Stellung des Antrags hat der Hnpothekargläubiger außer seiner Hnpotbekurknnde eine ortsgerichtliche Schätzung des Unterpfandes vorzulegen. Von der Beleihung ausgeschlossen sind .Hnpotbeken aut Grundstücke, die nach dem Gesellschastsvertrag der Bank nicht beleibirngs- i fähig sind iz. B. indnsttielle Anlagen, Bauplätze usw.). Ist die Hnpothrk eine brieslose Hppothek des neuen Rechts,- I so muß zunächst die Umioandlung in eine Brieshypothek erfolgen, I bei der der Grundstückseigentümer mitzuwirken hat. Im übrigen erteilt die Bank auf Anfragen jede gewünschte Auskunst über die Bedingungen und die weitere Behandlung der Angelegenheit. Gießen, 21. August 1914. Großherzogliches Kreisamt Gieße». Pr. U sin g er. j Bekanntmachung. Die Ceniralgenossenschast Hessischer Landwirtschaftkicher Eon-, I sumvereine teilt mit, daß sie etwa lO 000 Zentner gut backfähiges : Roggenmehl 0/1 erstklassiges Mühlrnsabrikat an der Hand habe und solches zu verhältnismäßig sehr günstigen Prüfen gegenüber I dem Privathandel abzugeben in der Lage sei. Falles im Kreise Gemeinden vorhanden sind, die aus Zukau! von Roggenmehl angewiesen sind, wäre es in deren Interesse gelegen, sich sofort an die Landwirtichaftskammer für deis Großherzogtum Hessen in Tarmstadt zu wenden. Diese wird daun , nach Benehmen inst der Centralgciiossenschast sür raschmöglichste ' billigste Versorgung bestrebt sein, sosern dieses Mehlgnautum : seitens der Centralgenossenschast noch zur Verfügung steht. Gießen, 21. August 1914. Großherzogliches Kreisamt Gießen. _ Pr. Usinger. Betr.: Gewalttätigkeiten gegen die Deutschen in Belgien. An das Größt,. Polizeiamt Gießen und an die Größt,. Bürgermeistereien der Landstemeinden des Kreises. Um die Wahrheit über die zahlreiäi gemeldeten Gewalttätigkeiten der belgischen Behörden und der belgischen Bevölkerung gegen Leben, Leib und Eigenttim Deutscher sestzustellen, bat det^ Stellvertreter des Herrn Reichskanzlers den abschriittich nachstebende»! Aufruf erlassen. Um die Reicbsleitung bei der erbetenen Tatsaäien- ermittelung, die sür künsttge Berhandliingen mit der Königlich Belgischen Regierung von großer Wichtigkeit sein kann, nach - Kräften zu unterstützen, sind wir beaustragi. Sie anzuweisen, alle diejenigen, die wesentliche Mitteilungen aus eigener Wahrnehmmig zu machen haben oder zuverlässige briefliche Nachrichten erhalte» haben, auszusordern, sich sofort bei uns zu meldet«, mtb d-ie sich meldenden Beteiligten und Augenzeugen uns namhaft zu machen. G i e ß e n, den 20. August 1914. Großherzogliches Kreisamt Gießen. I. V : Wel cker. Ausruf. Turch die deuffche Presse gehen mhlreictie Nachrichten über Gewalttätigkeiten, denen unsere Landsleute au Leben, Leib und Gut in den ersten Tagen des August d. Je in Belgien ausgesetzt gewesen sind. Das öffentliche Interesse erfordert, daß amtlich sest- gestellt werde, inwieweit diese Nachrichten aus Wahrheit beruhen. Es ergeht daher hiermit an alle diejenigen, welche aus eigener Wahrnehmung Mißhmidlungen oder Grausamkeiten der belgischen Bevölkerung und Behörden gegen deutsche Reichsangehürige oder Angriffe aut ihr Eigentum bezeugen können, die Dluiforderung, ihre Wahrnehmungen bei der Polizeibehörde ihres Ansenthalts- vrtes zu Protokoll zu geben. Die Landesregierungen sind ersucht ivorden, die Lrtsbehörden mit der Entgegennahme der Bekundungen zu beauftragen und die Protokolle an das Reichsanrt des Inner» gelangen zu lassen. Von der patriotischen Gesinnimg und der PLahrheitsliebe des deutschen Volkes wird erwartet, daß alle diejenigen, aber auch nur diejenigen, die wesentliche Mirteiliiiigen aus eigener Wahrnehmung zu machen haben oder zuverlässige briefliche Nachriästen erhalten haben, dieser Aufforderung bercitmillig Folge leisten. Der Stellvertreter des Reichskanzlers, gez.: Delbrück. Betr.: Sterblichkeitsstattstik. An die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises. Wir erinnern Sie daran, daß die Zählkarten und Todeszeug- niffe — oder eine Fehlanzeige (tu Form einer durchirrt chenen Zählkarte) aus den Monaten Juli und August in den ersten Tagen des PAonats September an das KreisgesundheitSamt einzusenden sind. Gießen, den 20. August 1914. Großherzogliches Kreisamt Gießen. I. B.: W e l ck e r.