lü. |93 Aweüer Blatt 164. Jahrgang Erscheint täglich mit Ausnahme d«S S»»rntagS. i Die ,.»i«tz«««r ZoMtienblLtter" werden dem .Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, daS „lveirtzlatt f»r den Ktm Sieben" zweimal wöchentlich. Die ,,c«nbrrirtschaftlich«ri Seitsrag««" erscheinen monatlich zweimal. Giehener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Mittwoch, 19. August 1914 Rotationsdruck und Verlag der Br üblichen Universität; - Buch- und Steindruckerei. R. Lang e, Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- ftraßr 7. Expedition imd Berlag: es®>51. Redaktion: s^I12. Tel.-Adr.: AnzelgcrGießeu. va§ Deutschtum in Rußland. Nicht nur unsere deutschen Mtdürqer, tue iich rnr feindlichen Zarenreiche arckdalten. sind durch den Kriegszustand auis sctrvrrltc bedroht, scmdern auch iür all die gewaltigen deutschen Kräfte und Möchte, die rin Lause der Geschichte sich in da:- russische Reich ein- gegliedert und zu seiner Stärkung so unendlich oicl beigerragen baden, bedeutet der Krieg furchtbare Unterdrückung. Vergewaltigung dessen, was ihnen nach der alten treuen Ueberliercrung ihrer Hörer das Heiligste ist Das deutsche Albe« dem Zarenreich an Kulturwerteu gcschassen Kai. das läßt sich gar nicht Koch genng anschlagen. Nach der Volkszählung von 1897 beherbergte das «uropärstte Rußland 1719 000 Teuttcke. Das ist bei einer Gesarmbevölkeruna von 108 Millionen nur 1,6 Prozent: trotzdem aber tedemen die Deutschen, wie Robert Horniger in seinem Huch über das Deutschtum im Ausland in einer anichaulicben Zu- sanunemrellung ausgeiübrt, für die russische Kultur unendlich viel. Bis i»s letzte Drittel des 12. Jahrhunderts reicht die deutsche Auswan d er u ng in den O st s e e p r o v i n z e n zurück. Hansexde -Schisfe trugen die deutschen Kaufteute an die .vtüftc Livlands, und deutsche Missionare brachten hierber das Christentum. Deutsche Bürge,: und aochlösser blickten stolz ins Land, und die deutschen Herren wurden in Heer und Verwaltung die Hauptstützen des russischen Reicher. -So bilder dort seit Jahrhunderten ein kern- hafreS Deutschtum die Oberschicht der Bevölkerung, die selbstbewusst und stolz ihre nationale Eigenart trotz russischer Gewalttätigkeit und schroffer Unterdrückung aufrecht erhalten hat. 2Cmlj in dem unter russischer Herrschasi stehenden Teile Polens waren schon im Mittelalter deutsche Einsiedler die wichtigsten Träger der Kultur: ihnen verdanken dos städtische Leben und die Landwirtschaft ihren Ursprrmg. Freilich hat dann im drangvollen Laus der polnischen Geschichte die slawr'che Flut das alteingesessene deutsche Volkstum vielfach verschlungen: im 11. Jahrhundert aber sickelten sich von neuem Deutsche in Polen an, Flüchtlinge auS dem 30iShrigen Kriege: die sächsischen Kurfürsten iüdrten als pol- rsikche Könige dem Lande deutsche Kräfte zu, und seit 1820 hat eine starke Auswanderung Deutscher in die Grcnzbezirkc Russisch- Polens stattgefundcn. Die gewalttätige Politik der Russisizierung hat dann freilich in Polen! die Deutschen wieder zuiückgedrängk. Während 1897 in Warschau noch 15 000 Deutsche wohnten, ist letzt ihre Zahl aus etwa 10 000 herabgeiunken. Die Hochburg des Deutschtums in Polen ist Lodz, das „russische »Manchester", von dessen 300 000 Einwohnern ein Drittel Deutsche sind: sic üherwieg-'n in den höheren Schichten, im Kaufmanns- und Handwerkerstand und entfalten ein reges Kulturleben. Im Innern, dem eigemlichen Herzen Rußlands, begann die entt'chcidendr Wirkung des dentschcu Wesens imier Peter dem Großen, der als Säenräimer und Lehrmeister der Kultur eine große Anzahl von deutschen Offizieren, Gelehrten und Beamten nach Rußland zog. Unter Katharina d. Gr. erfolgte da»» eine umfassende Einwanderung der deutschen Bauern in die weiten wüsten Steoven- gckbietc Südrußlands, die man den Tartaren abgrnvmmen hatte Russische Agenten führten unter lockenden Versprechungen die deittschen Siedler an die User der Wolga, ans Sckiworze Meer, nach Bessarabien, in die Krim und den Kaukasus. Und glänzend haben diese Deutschen ihre kolonisalorischc Ausgabe gekäst, hoben hier ein lichtvolles Bauerntum cnttvickell, das noch heute in breilcm Bogen in de» Randgebieten der südlichen Hälfte Rußlands sitzt und zahlreiche Tochtersiedlungen weit ins Land hinein ausqeschickt hat Deutsche Dörfer sind sogar weit ins asiatische Rußland hinein verpflanzt, nach Transkaukanen, Sibirien und Turkestau. Urdeutsch sind diese Leute geblieben nnd haben in ihren Großvater-, Baker- und Sohnes'Kolonien. von denen eine immer der andern entstammt, das alle Volkstum mit zäher Anhänglichkeit bewahrt, sind ein in sich geschlossener Fremdkörper innerhalb des Russentums mil deutschen Gebräuche». Sitten und Dialekten. Am iveniqsten haben dem ■ slawischen Ansturm die deutschen Unternehmer, Kaulleule und Handwerker widerstanden, die zerstreut oder versprengt in den russischen Städten Aufnahme fanden In Moskau sind die Deutschen seit dem 16. Jahrhundert heimisch, in Petersburg haben sre die Stadt mit begründet: doch macht sich hier seit einiger Zeit ein deutlicher Rückgang des Deuiichtunis bemerkter. In Petersburg hat die Zahl der Deutschen, die 1897 1 6 000 betrug, abgenommen, und wenn hier noch in Handel und Wissenschaft die Deutschen trotzdem eine große Rolle spielen, so ist die „Verrussung" in Moskau viel stärker svrtgeschriitrn. Mit allen Mitteln sucht man in Rußland das Deutschtum zu entrechten und zu unterdrücken. Die wildesten Phantasien hoben die „echtrussischen Leute" an diese „deutsche Gefahr im eigenen Lande geknüpft und sogar in diesen sriedlichen Kolonien unmittelbare deutsche Eroberimgsabsichten entdeckt. Der harmlosen Wcn- wie groß waren die Heere in früherer Zeit? Aus der alten und neuen Geschichte sind Kriegsschrlde- rungen auf uns gekommen, in denen von gewaltigen Heeres- niaffen erzählt wird, die miteinander kämviten. In den Perserkriegen wie in den Kämpfen des Mittelalters ist da von .Hundertlausenden, ja sogar von Millionen die Rede, Trotzdem kann nril Sicherheit gesagt werden, daß unsere heutigen Riesenheere in der Vergangenheit nirgends ihresgleichen sindcn. daß sic vielmehr etwas ganz Neues darstellen. Die moderne Forschung, vor allem Hans Delbrück in seiner Geschichte der Kriegskunst, hat die Ucberichäyungen und Auiichneidcreien der alten Historiker und Chronisten aus dos richtige Maß zurückgesührt und nachgewiesen, daß die Heere früher recht klein waren. Das gilt »och mehr als vom Altertum, wo das römische Weltreich über verhältnismäßig große Armeen veriügle, vom Mittelalter. In der schlacht bei Hastings, wo angeblich viele Hunderltausende miteinander gekämvil haben sollen, zädlie das normannische Heer weniger als 7000 Krieger, und die Schar Haralds war noch schwächer: sie betrug 5000 bis 6000 Mann. Die größten Heere, die überhaupt im Mittelalter ausgestellt wurden, waren die Kreuzzngshecre: trotzvem kämpslen selten mehr als 1200 Reiter und 8000 Krieger um das heilige Grab. Wenn die Chronisten von dem Heere, das Friedrich Barbarossa vor Mailand sammelte, erzählen, es sei mehrere Hunderttausend Mann stark gewesen, so kann man von dieser Zahl sicherlich drei Nullen streichen. In einer der allergrößten Schlackten des Mittelalters, in der von Cortcnuova, standen im Höchstfälle 10 000 Kämpfer aus jeder Seile. Die größte Armee, die das Mittelalter gesehen hat, war die, die Eduard III. 1347 bei Calais ausstrllte: sic bestand aus 32000 Mann, einer „für das Mittelalter unerüörren Kriegsmacht". In der neueren Zeit sind zwar die Heere rasch on- gewachsen, aber sie lassen srch in nichts mit unfern Millionenheeren vergleichen. Wie Svmbart in seinem Buch über „Krieg und Kapitalismus" ausführt, besaß Frankreich unter Karl dem Siebenten 4500 Mann Kavallerie und 8000 Mann Jn- sanlerie. Franz I. stellte ein Heer von 15000 Reitern und 50000 Mann zu Fuß aus. Heinrich IV. verfügte über eine düng „deuttche Vorvvstcn", die gelegentlich iür die Volksgenossen im Auslände gebraucht wird, legte man eine militärisckie Bedeutung bei, und weil aus deutschen Kamen, die die etbnogravbische Besicdcluirg und Svrachoerbreitung darslellen, die deutschen Baucrn- airsiedlungen in Rußland mit derselben Farbe bezeistmel waren wie das sonstige deutsche Wohn- und Sprachgebiet, erklärte man. die Deutschen hätten diese Gebiete aus der Karte schon für dos Deuttche Reich annektiert. Was für Ausgeburten eines fanattschen Hasses werden erst setzt in diesen Kreisen herrschen! Die Nordsee als deutscher Meer. Nach der Nordsee sind jetzt aller -lugen gerichtet, denn hier erwartet man die große Entscheidung zur Sec, in der zwei verwandte Völker ihre Kräfte messe» werden. Wohl ist der Brite in der neueren Geschichte der ältere Seemann, der dem Deutschen in der Bel>crrschli»g der Meere um Jahr hunderte voraus ist. Aber wenn wir in eine fernere Vergangenheit zurückblicken, so können wir stolz behaupten, daß die uralte Seetüchtigkeit des Ciermanentums dem Bewohner der deutschen Erde nickst minder in Ile,sch imd Blut übergegangen ist als dem Angelsachsen, daß vor allein die Nordsee ein deutsches Meer ist, weil im Miertiun und Mittel- alter deutsche Stämme hier geherrscht haben. Tie alten Germanen haben chrcn Mut und ihre Geschicklichkeit zur Sec unter langandaucrnden Kämpfen mit den Römern ausgebildet und die Feinde mit blutigen Köpfen und lecken Scksiffen wieder hcimgeschickt. So waren die Ehauken, die in der Gegend von Hamburg und Bremen lebten, nicht nur gute Fischer, sondern selbst „halbe Fische" und von den Römern als Seeräuber sehr gefürchtet. Sachsen, Franken und Angeln suchten die Küftenprovinzc» des Rümerreiches in kecken Angriffen heim, und die Bataver stellten sich an der Maasmündnng mit ihren eigenen und eroberten römischen Schissen den Dreiruderern deS Weltreiches in ihrem Freiheilskampf tapfer entgegen und siegten über die Flotte des Civilis, obwohl sie die Segel ihrer Schiffe in der Not zumteil durch ausgcspannte Mäntel hatten schaffen müssen. Das herrschende Seesahrcrvolk in der Nordsee wurden aber auf lange Zeit hin, wie Dr. Conrad Müller in seinem Werk „AUgermanische Meeresherrschast" ausgesiihrt l>at, die Friesen, ein altes Sec- nnd Fischervolk, echte Germanen in ihrer zähen Beharrlichkeit nnd kaltblütigen Entschlossenheit. Von keinem andern Volk der Erde siird sie an Zuverlässigkeit aus dem Meere übertrosfen ivorden. Wie stark ihre Phaittasie von Schisfswesen und Wvgenprall erfüllt ist, zeigt schon ihre Sagen»- nnd Mytßenwell: aitf dem Großen Wagen reiste nun am Himmel Gott Wodan voran, am Polarsterit sich festhaltend, der ihnen als nächtlicher Wegweiser galt, und in den Geschichten vom Ricsen- schifs Mannigsual spiegelt sich ihre gcurze Welt und Heimat ab, denn Friesland ist das Verdeck, die Berge die -Rasten, die Wolken die Segel des ungeheuren Fahr.zeuges, das so groß ist, daß der Kapitän Uald, der Alte, auf eineni schnellen Pferde hernmqclloppieren muß, um seine Befehle auszu- teilen. Voll markiger straft erzählt die alte Friesensage vom König Karl, der dies Volk znstnaen wollte, zwischen Knechtschaft oder Aussetzung in einem segellosen Schiss auf offenem Meer zu wählen. Doch die Friesen wählten in chrem Freiheitsdrange den sicheren Tod aus den wüsten Wellen und ivurden nur durch ein Wunder gerettet, da Gott ihr (hebet erhörte und sie glücklich nneder an ihr Land brachte. Im 8. Jahrhundert hatten die Friesen die ganze Nordseeküste bis an den Rhein in ihrer Harrd nnd trieben einen blühenden Handel, indem sie den Verkehr zwischen den Mederlanden und England sowie nach Dänemark verniittellen. Ihr ivich- tigster Hasen, wohl der größte des fränkischen Reiches im Norden, war Dorcswd, jetzt Wyk bij Duurstede in der Provinz Utrecht. Hier liefen die drei wichtigsten Handelswege tn’U Zeit zusammen: der Rheinschrffahrtsweg, der von Marnz an zwei große Handelsstraßen vereinigte, nämlich die levan- tinische, die von der Donau heraufkam, und die lombardische, dann der englische Handelsweg und als dritter der skandinavische und baltische. So beförderten die Friesen die oricn- Armee von 51 000 Mann und im 30jährigen Kriege brachte Frankreich gegen 100000 Mann auf die Beine. Die Heere Ludwigs XIV. sind dann zeitweilig sogar bis auf 400 000 Mann ongcwachscn, doch war das eine Ausnahme, die all gemeines Erstaunen erregte. Noch großartiger vollzog sich die Entwicklung des preußischen Heeres, dessen Zahl sich in den ersten Regierungsjahren des Kurfürsten Georg Wilhelm auf 1200 Mann belief und dann auf 4650 anwuchs. Beim Tode des Großen Kurfürsten bestand das Heer aus 29 000 Mann, und beim Tode Friedrichs des Großen stellte cs die für damalige Zeiten gewaltige Ziffer von 200000 Mann dar, wovon 120000 Mann Infanterie, 40000 Mann Kavallerie, 10000 Mann Artillerie und 30 000 Mann Gar nisontruppen waren. Das Land, das 1688 bei einer Million Einwohner 30000 Soldaten, 1740 bei 2 200000 Ein wohnern 80000 Soldaten besessen hatte, stellte mm bei 5 400000 Einwohnern 200000 Mann auf. Unter den euro päischcn Staaten besaß in der zweiten Hälfte des 18, Jahr huttderts Oesterreich das größte Heer mit 297 000 Mann im Frieden und 363 000 im Kriege; Rußland besaß 224 000 Mann regulärer Truppen: nach Preußen kam an vierter Stelle Frankreich mrt 182000 Mann, dann kam Spanien mii 85000 Mann. Dänemark und Norwegen mit 74 000 Mann, Schweden verfügte über 47 000 Mann, die vereinig len Niederlande über 36000, Großbritannien über 21000 Mann. — Al b. Xiirer als Begründer der modernen Befcstigungskunst. Die Festungen spielen auch diesmal eine große Rolle im Kriege: sie leisten vermöge ihrer imnreiften Anlage starken Widerstand. Dir haben heute das Gefühl dafür verloren, daß diese Formen des Kriegsbaues etwas inst Kunst zu nm haben: das Beiesti gungsweien erscheint uns vielmehr als eine technische Difienschast. Und doch ist der Begründer des neuen Bösest,gungswefcns em großer Künstler gewesen, dessen Bedeutung als Kriegsbaumeistcr garnstbt unterschätzk werveu kann. Wie Lio- nardo da Brncr war ia auch Dürer em llnioersalgenik: er be- schästtgte sich mst allerlei wosenichaftticheir Untersuchungen und bar so als der erste Schriftsteller, der nach denen des Altertums über den Festungsbau geschrieben hat, 1527 zu Nürnberg ein Werk ^Etlicher Unterricht zur Befestigung der Städte, Schloß und Flecken" erscheinen lassen. Wie Major Reuleaux in feiner Gchchichie talischen Geirüirze und Lnxusstosfe. Rlzeinwein nnd andere Artikel nad) England hinüber und holten von dort die englische Rohwolle, aus der sic dann die berühmten weißen, grauen imd saphirsarbcnen Fricsenmäntel woben, llnbe- schränkt herrschten sic in der »Nordsee in der Zeit Misck>cn Chlodwig und Kärl dem Großen; erst im 9. Jahrhundert trat dann ein »mdercs Element in der Nordsee ans, das ihnen rn erbitterten Mmpsen den »Alleinbesip streitig machte; cs waren die skandinavischen Wikinger. Hefttgc Kriege entbrannten damals zwischen den fremden Seebcherrschern, die auf ihren geschnieidigen, slinkcn Sckiissen hcranschossen, und den Friesen, die ihrer schwereren wuchtigeren Art ihren besonderen Schissstnp, die kurze, ge drungenc, mächtige „Kogge" anpaßlcn. So haben die Friesen auch^als Schisfsbaumcifter Bedeutendes für die Ennvicklmig des Seewesens geleistet, denn diese in der zweiten Hälfte de-s 9. Jabrhunderts bei den Friesen aiislauchcndcn Koggen haben sich später zu einem der wichtigsten Schisse enlivickell, das noch bei den Seefahrten der Hanse und der Niederländer- eine große Rolle spielte. Die Geschwader, die damals in der Nordsee gegeneinander standen, waren schon gut gerüstet und genau gegliedert. Vielfach wurde gleichzeitig zu Lande und zu Wasser gekämpft: denn der Streit aus den Schiffen wurde aus dem Straitdc unmittelbar svrtgesctzl und erforderte die gleichen Eigenschaften wie der Landlampf. Man strikt Schiss gegen Schiss, Mann gegen Mann: das Ziel war immer das Rammen, Entern und zuletzt Versenken der Feindesschifse, die Gefangennahme oder iNiederiuctzelung der Besatzung. Da ging es wild her; „die Lust >var von Pfeilen und Wurs>- ivecren verdunkelt, der Tamps aus den Wunden bedeckte den Himmel wie eine Wolke". Nun mußte» die Friesen darauf achten, ihre heimische Küste gnl zu schützen. Ein Strandwacht- dienst w»rrd eingerichtet: aus Wachttürmen auf hohen Meo- rcsklippcn spähten die Krieger, ob am Horizont ein feindliches Segel sich zeige. Auch Leuchtfeuer, Lotsendienst, Seezeichen fehlten schon d,rmals nicht. So dielten sich die Friesen in der Nordsee noch das ganze Mittelalter hinourch neben den Wikingern: in den Kreuzzügen waren ihre Pilgerflolteit berühmt und von den Sarazenen besonders gefürchtet. Die Ostfriese» galten als die wildesten und kantpilustigsten Gesellen aus dem Meer: sic ließen sich auch von dt'r inrnnnl mächtiger auiblühenden Hanse nicht ganz unterdrücken, und nach deni ^Niedergang der Hanse im 16. Jahrhundert blieb der friesische Arm der einzige, der sich noch ivehrhaft und kraftvoll von der deun'clxn Küste über die Nordsee reckte. Der Dreißigjährige Kbneg ist dann freilich aus Jahrhunderte hin das Grab aller deutschen Seegcllung gewesen, und erst die preußische Marine, die deutsche Flotte machte die NoMec wieder zu einem deutschen Meer. Hu» Stavt und (and Gießen, 19. August 1914. Besteht für Deutschland eine Tenchcngcfahr? Welche bedeutsame Rolle die Seuchen, besonders Typhus und Ruhr, in allen Kriegen bisher gespielt haben, braucht liier uicht erst äusgesührt zu werden. Tic Opfer im südwesmsiikanischar und im Chinaseldzug sind noch in frischer Erinnerung. Es fragt sich, ob mittlerweile die Wissenschaft nicht Mittel und Wege gefunden hat, einem Umsichgreifen der Kriegsseuchen mit Erfolg zu begegnen. Denn daß es in dieseni Kriege genügend Ernzelsällc an Typhus und Ruhr geben wird, darüber kann kein Ziveifel bestehen. Diese Mittel und Wege zur Vcrbücung von Massenerkrankungen sind Gott sei Dank durch beuticte Forschungsarbeit gefunden. Gerade bei uns in Deutschland ist in. Lause der letzten 10 Jahre durch Robert Kochs Ideen ein Wandel der Dinge eingrlreten, der »ns jetzt mit vollstem Vettraue» in die Zukunft blickerr lässt. Unter Robert Kochs Aegide hat das Reich vor ettva I l Jahren eine verstärkte Seuchen-, besonders Tnvhusbekämvsnng ins Leben gerufen, die eine Fülle von neuen wisienicbastlicben Erkenntnissen zutage gefördert hat. Erkenntnisse, die für die Seuchenbekämtrsung von allergrößter Bedeutung geworden sind: neue, sicher arbeitende Methoden des Krankdeitsnachweises sind gesunden worden, das Vorhandensein der sogenannunr geiundeii Bazillenträger ist sest- gestellt worden. Gerade diese Personen und die ganz leicht vcr- deS modernen Bescstigungsweiens ausiühn, ist der Meister dadurch zmu Begrimder der wnieniäxiitlichen Besesttgungskunst geworden, in dessen Arbeiten sich die Keime und Wurzeln fast aller späteren großen Gedanken über de» Festungsbau linden. Dürer gestalrete die aus den Türmen entttandene» Rundellc zu Slosteien inn, den Vorläufern der modernen Bastionen, brachte sic in Zusammrnliang mit den Wollinien und sonderte sie doch gleichzeitig von ihnen ob, woduväi sie selbständige G bilde von großer Verteidigungskraft wurden. Seine „Jrrkularbefesligung" zeigt schon in großer Vollendung die „ausirettndrn Streichwehren", von denen ein besonders wirksames Massenfeuer möglich war. Diese Schöpfung ist dann später bcnmßt oder unbewußt von dem französischen Beiesttgungstechniker Mvntalembrrt übernommen und ihm zuni besonderen Ruhnie und Verdienst angerechnet morden. Bor dem Hauptgroben ordnete Dürer einen zweiten niedrigeren Wall an. der deni Mauerwerk des Hauvtwnlles als „»Mantel" größeren Schutz verleihen sollte. Diese Einrichtting taucht iväter in den Beirsttgungen Friedrichs des Großen wieder auf, und ebenso sind die Grundsätze der Dürerschen Viereckbescstigung von der neu- preus,-richen Polygonalbeiesttgung ausgenommen worden, llebcr- raschend modern muten besonders die qewalttgen bombensichern Hohlramne an, die der große Maler mil vorahnendem Blut zur Unterbringung und Deckung von »Mensckzen und »Material schm. Die baulichen Einzelheiten seiner Mauern und jinuen. seiner Gewölbe imd Schorlen, vor «allem die Entlasrmtgsüögen des Maucr- wcrks und die LüftungSernrrchttmgen seiner Kasematten sind be- wunüernswett geistvoll und kühn erdacht, All dies gestaltete Dürer ohne rrgenowelche KrrsgSerfabrungcn und ohne daß ihm >e Ge- legrnheit geboten wurde, diric „Erftndrmgrii inner »Phantasie" in die Wirklichkeit umzusetzen. Gerade die Großartigkeit seiner Entwürfr, die Mächttgkeit der ».AMierbautni, die das „stcinbamrote Gemüt des »Meisters" ersann, waren so nenartig und ibrer JeU so vormlS, daß niemand ihren Wert beqrin. Zudem schreckte di« KoKfoicligkerl seiner Pläne lange Zeit von einer 'lu sftrhru ng ab. und so konnte «S geschehen, daß «eine Vorschläge und Eickwürre fast drei Jahrhundene hindurch unbenutzt liegen blieben, bis endlich die Zeit für sic reif geworden war. — Wie Zaren sich amüsieren. Vom Zaren Nikolaus I. erzählt ein englisches Blatt eine charakteristische Anekvote. die zeigt, wie russische Selbstherrscher das Leben ilrrcr Untertanen bewerteten. Am einer Reise ^eriuhr der, Zar au' d»r »Loststation, daß der Weg zur nächsten Station infolge schlechter Bcschasfen- beit der Sttaße sehr anstrengend sei und mehrere Stunden erfordere: es führe jedoch ein Fußweg durch den Wald, durch den man schneller und bequemer das Ziel erreiche. Der Zar beschloß. lausenden früher nick» auMSrvaren ftälk Dtm Dppkms, Ruhr trnr> Cholera sind e-? ja, die besonders hänffg zu Seuchen geführt haben Der grotze Eriolg dieser planmäßigen Frievensarbeu, für dre man unsere, Reichsregierung gerade jetzt aus vollen, Herzen danken muß, ist ein gewaltiger Rückgang der genannten Seuchen in unserem jetzigen westlichen 'Aufmarschgebiet. Durch die starke Anteilnahme unserer Militärbehörden, die Abkommandierung einer groben Zahl von Militärärzten zu der verstärkten Tnphusbckrmv kung ist in dem .Heere eine Mctlwde der Scuckwubekämpfung im Lause der Jahre geichasfcn ivorde», die uns kein Volk der Welt nachinacht, oder auch mir nachzumachen versucht hat. Von den Russen z. B. weib man, dab sie hiigienrschen Maßnahmen voll ländig gleichgültig gegenüberstehen. Die gleichen Maßnahmen, wie für das linksrheinische ?lusmarschgebict, gellen auch für das öbliche, wo der Cholcragesahr noch besonders Rechnung zu tragen ist. Neben den groben hugicnisch-bakteriologischcn Instituten sind fliegende bakteriologische Laboratorien stets bereit, im Falle sofort helfend cinzugreiscn, wo's nottul. Solche Tatsachen sind dazu angetan, unserem Volke nach^dieser Richtung bin vollkommene Ruhe und Besonnenheit zu gcheii. Daran wird auch nichts geändert durch die Wechselfälle des Krieges, die natürlich mr die Durchführung tnancher ausgezeichneten Mabnahmen Hindernisse bereiten können, zumal wenn es sich um nnqehcurc An» ordcrmigen durch ganze Heeresmassen lxindelt. Tenn auch dann wird die ins Ungcmessene gesteigerte Arbeit bei der ausgezeichneten Arbeitsteilmig in unserem Heere noch voll geleistet werden. Eine lehr schwierige Ausgabe liegt iu der gesundheitlichen Ueberwachnng ganzer Massen von Gefangenen, die auch für die Zivilbevölkerung sweisellos eine gewisse Gefahr darstellen. Bei der Ueberfülle non geschulten Arbeitskräften werden wir uns aber auch dieser Gesalwen erwehren können. Immerhin ist es ratsam, im Volke mit aller Rnheund Besonnenheit jetzt schon solche Aufgaben vorzubereiten, wobei die Ar beitsteilung und einheitliche Leitung das Wichtigste sind, . Man kann getrost znsammenfassen: Vergleichen wir die Gefahren, die unseren und den fremden Heeren drohen, so fällt dieser Vergleich ganz entschieden zu unseren Gunsten ans, die wir in langjähriger Friedensarbeit an aklcc. gedacht haben, was einmal kommen konnte, mid die wir Über die beste SencktenbekämpfungS- lechnik der Welt verfügen. Der .stampf gegen die Kriegsfeuchen wird um so wirksamer geführt werden, je ruhiger, besonnener und gewissenhaster jeder einzelne daran teilnimint. Absolute, vertrauensvolle Unterordnung unter alle behördlicl>e Mabnahmen ist do.S wichtigste Gebot in unserer Zeit. Pvof. Dr. P, Schmidt, Direktor des hygienischen Instituts der Universität Gießen. * ** Mobilmachung der Jugend g e g cn den Kohlweißling. Für die deutschen Jungen und Mädchen, die in dieser Zeit dem Gemeinwohl dienen wollen, eröffnet sich ein recht dankbares Feld in der Jagd aus den in diesen! Jahre in beängstigender Menge austretenden Kohlweißling, den gesährlichen Feind unserer Gemüsegärten. Von allen Seiten von Feinden umringt, müssen wir unser Gemüse, koste es, was es wolle, vor der Zerstörung durch die gefräßigen Raupen des Kohlweißlings schützen. Darum auf, ihr deutschen Buben uud Mädel, zum Kampfe gegen Schmetterlinge und Raupen! Laßt Such keine Mühe verdrießen und helft so an Eurem Teile mit an der Arbeit sür das Wohl unseres lieben deutschen Vaterlandes! M ehr Aussicht über die Kinder. Die Schulferien und auch wot»' der Umstand, daß nicle Väter insolge des Krieges der Aufficht ilber ihre Kinder entzogen sind, bringen es mit sich, daß sicli die Kinder manclwrlei zu schulden kommen lassen, Nistut ge:rug, daß sie bis in die Nackt hinein lärmen, sie ruinieren auch sie Garkenernsriedlgungen und besonders die Anvilaozungen in dm Anlagen und öffentlichen Plätzen, Es märe Sache des Publikums, unsere Auffichtsorgane in der Bewachung der Anlagen uns Gärten zu Unterstützen, und die Uebeltäter zur Anzeige zu bringen, denn es handelt sich um allgemeine Interessen. Landkreis Gießen. 4t Sie in b ach, 18. 'Aug. Tie Geldspende fürs Rote Kreuz ergab in »usercr Gcinemde den Betrag von 603,05 Mark, Dazu kommt die Kirchcnkollekte mit 66 Mk, 02 Pkg. Findet nun »och ein Beschluß der hiestgen israelitischen Gemeinde,' aus ihrem Komm,,nalvermögen dem Roten Kreuz 300 Mk. zuiühre» zu dlirien, die behördliche Genehmigung, was nicht bezivcilelt wird, dann fließen aus nnseremOrte dem vaterländische,l Werk des Roten Kreuzes nahezu 1000 Lik. zu. Kreis Schotten. R. Bo bcn Hausen II, 18. Aug. Der hiesige Feldschütz Johann nes Stein II. schickt seine sechs Söhne und seinen einzigen Schioiegerfohn ins Feld. Kreis Friedberg. n> Friedberg, 17. A»q. Ter Knecht eines Landwiils in Fauerbach umrdc heule früh mit einer Kopfwunde tot in seinem Belle aulgeknnden. _ Wie leslgcslellt ist, hat der Erfchlagcnc aut einem seiner 'Mitarbeiter einen Einbruch in den Keller des Arbeitgebers unternouimcn und inehrcre Flaschen Beerenwein entwende,. Unter d.'r Einwirkung des Alkohols sind beide Arbeiter ui Clicit geraten, wobei ste sich mit den Weinflaschen bearbeiteten. Ein Schlag mit der Flasche Ichcint die Ursache des Tode- gewesen zu sei». Bad-Nauheim, 18. Aug. Gestern mittag konzertierte unsere Zurkapelle wieder an der Drinkkuranlage, der namentlich Holländer und Amerikaner beiwohnten Zum Schluß wurde stürmisch die Natioualhvmnc verlangt, welche von allen Anwesenden entblößten Hauptes angehört wurde. Starkcuburg unv Nhriuhesse« !mz D armsto dt, 18, Aug. Zu Ehren der im Jahre 1 8,0'71 gefallenen Krieger fand heute aus dem Darmstädter Fncdho'.e eine Gedächtnisfeier statt, an der zahlreiche alte 3'; ..v iel; und auch Offiziere teilnahmen. Pfarrer Marx !' elf die Gedächtnisrede. Im Namen der Bereinigten sieben dirügen Kriegervereine sprach Hauptmann d. L. Waideck und legt - dabei einen Kranz nieder. Auch den Gräbern der hier beerdigten französischen Krieger wurde ein Kranz M5DV ■ _PX'~S«5«23.-'V,3?? —M in Begleitung seines Adjutanten zu Fuß zu gehen. Bei der Wandc- rung kam man an einen Fluß, dessen Brücke eingestürzt war- ein schm.'-er Balten iübrte in gefährlicher Höhe über das Flußbett. Um Um ibergu 'een. bedurfte es der Hebung, der Geschicklichkeit und i. r schwineelsrcistett: der Zar und sein Adjutant standen ratlos 0>n Bauer kam des Weges. „Gibt's keinen anderen Weg über den Faust." fragt' der Zar. „Nein, Herr," „Wie kommst du rüber'?" ..Ich aeh be.il rüber," „Und deine Last? Kannst du sie dabei ,ragen?" „Natürlich, auf den Schultern." „Mein Lieber, du bc- kouim't zehn Rubel, wenn du mich Min anderen User trägst " Der Bauer ring mit Freuden daraus ein und trug den Zaren 'hin über 'zt bekommst du iwcb mal zehn Rubel, wenn du auch meinen Begleiter herüber trägst," sagte der Selbstherrscher. Ter Bauer ging zurück, nahm deu Adjutanten aus die Schulter, aber als er mitten auf dem Balken war, ries der Zar ihm zu: „Zwanzig Rubel, wenn du ihn abwirfst." Ter Adjutant wurde unruhig fürchtete nicht ohne Grund sür sein Leben. „Fünfzig Rubel, wenn du mich heil rüber bringst", ries er hastig. „Sechzig", schrie der Zar, „wenn du ihn iallcn läßt." Ter Bauer wollte den 'Adjutanten abwerien, der aber klammerte sich an seinem Halse sest. „Hundert Rubel!" schrie er entsetzt. Der Bauer nahm dies letzte Geb,? cm und brachte den Adjutanten hcü ans andere Ufer. Das glücklich seinem Schicksal entgangene Opfer dieses liebenswürdigen Sawe.-ee .cs Herrn aller Reußen rächte sich dann, so gut er das eben ö, . e. Als er nach dem Frühstück sein Reisenotizbuch er gän," »ie Auslagen für die Reife des Zaren eintrug, schrieb er laU.vnq: „Frühstück zehn Rubel. Transport seiner Majestät >- ••••• nuß: zehn Rubel. Transport des Adjutanten über i- ' ,fn „ unter höchst erheiternden Umständen: hundert Rubel." Der Zar lachte und war es zufrieden. gewendet, Der Zug bewegte stich dann auch nach dem Bes- sunger Friedhose, Ivo Pfarrer Wagner die Gedächtnisrede hielt. Auch hier wurde ein Lorbecrrrarrz niedergelegt ALe Teilnehmer loaren sichtlich ergriffen. — Zahlreiche Fcchnen- flüchtigc stellen sich schon vor Bekanntmachung des Kaiserlichen Gnadenerlasses in der hiesig.m Garnison. Fast tä-gvich melden sich die Leute, welche sich teilweise sclwn seit 1901 ihrer Militärpflicht meist im Auslände entzogen haben, um sür die Ehre des Vaterlandes mit ihrem Blute einzutreten, KrciS Wetzlar. ä. T „ t e n h o I e II, 18. Aug. Cand. thenl. Trauthig aus Niederwetz ist als Spnodalvikar Hierselbst eingetrcten. Hessen-Nassau. — Frankfurt a. M., 18. Aug. Sanitätsrat Dr. Gottschalk aus dem Vorort Ginnhcim ist in Belgien bei der 'Ausübung seines Berufes als Militärarzt erschossen worden. Der Verstorbene wurde gestern mittag mit großen militärischen Ehren ans dem Bockenheimer Fricdhos beigefetzt. _*_ Gicßcner Straskammcr. Gießen, 18. August. S i e b e n M o n a t c G c f ä n g n i 3 erhielt der Dienstknecht F. L. T. zu Friedrichsberg wegen Diebstahls im strafrechtliche,, Rückfall, unter Einrechnung einer von der König!. Strafkammer in Marburg gegen ihn wegen des glcidien Delikts erkannten säiismonatlichei, Gesänznisstrasc, Er hat c in ein Mitknechr an, der Holzmühlc hei Lollar, mit dem er die Schlai- fammer gemeimam liatie, al: dieser bereits schlick, ein Zehnmarkstück aus seinem Spind entwendet. Hansel- — Mainzer Börse. Tie Bö,ie findet vom nächsten Freüag ab wieder in der Stadthalle statt. Märkte. le. Frankfurt a. M, Schwei n emarktber,-Hk vom 19. Aug. Antaetrieben waren 1722 Schweine. Bolkfleilchige Schweine von 80 bis 100 lief Lebendgewicht .76.00—59.00 Alk., Schlachtgewicht 73.00—77.00'Mk., vollsteischiqe Schweine unter 80 k» Leociidqewi.ht 51.50 —59,00 Alk., Schlachtgewicht 70.00— 75.00 Alk.: volllleffchige Schweine von 100—120 k» Lebendgewicht 56.00—58.00 Alk., Schlachtgewicht 70.00—7.» 'Mk.. oollsleischige Schweine von l20 bis 150 k» Lebendgewicht .57.0'—58.00 Mk, Schlachtgewicht 70—75.00 Mk. (Seid,oft rege, bleibt Neberstand. Io. Frankfurt a. M., 19. Aug. sOriq.-Telegr. des „Giei. Anz."> Amtliche Notierungen der hentlgen Frnchtmarktpreii >. Weizen shiestgerl .'JI*. 21.09—26 00, Knrbesnscber Mk. 21.00 — 2500, Wetteraner Mk. 00.00-03.00. stimmen (hiesigeri Mi. 21.50-22.00, Gerste Alk. 20.70-21.00. Gerste. Franken, Wälzer, Ried 'Mk. 30.00—oo.oO, Haler Mk. 20.00- 22.00, 'Mais Ms. 00.03-00.0". Weizen»,eil 0 Mk. 03.00—00.00, Weizenmehl I Alk. 00.00 —03.00, Weizenmehl III Mk. 00.00—00.00, Roggemneül 0 Mk. 00.00—00.00, Roggenmehl o t Alk.. 07.00—00.00, Roggenmehl I ÜJlf. 00.09—00.30, Welzciikleie Mk. 0.00—0.00, Wcizenschalen Alk. 0.00 —0.00, Raggen- rieie Mk. 00.00 - 00.00, Malzkeime Mk. 00.0)—00.00, Biertreber 00,00 - 00.00, Fnllergcrste Alk. üt> 00-50.00, 'Alle? vcr 100 fr- ab hier. le. Frankfurt a. M., lv. 'Aug, pDriq.-Telegr. des .Gießener Anzeigers",) K a r t o s j e l m a r l,, Dlan notierte: Kartoffeln in iljaggons Mk, 8,00 — 9,00, im Kleinhandel Mk. 10,00—11,00 für je 100 Tic Marktpreise sür Vieh uud Frucht und die ff-, ebener Fleisch- und Brotpreise an, 17. August 1914. Schlachtviehpreise in Frankl „rt a. M. Fleischpreise in Gl e ä e:, Echsen Kälber Scbweine 50 Kg. Schlachtgewicht 90-110 'Mk. V, Kg. Schlachtgw. 61 81 Bi. V, . . 70-75 . Kg. 86—96 '61 . 84—88 . . 70-96 . Eelreidepreise in Mannheim Brotprclse in Gieße , Weizen 100 Kg. 00.00- 00.00 Mk. Roggen 100 Kg. 00.00-00.00 Alk. Weißbrot 2 Kg. 62 ist,. Schwarzbrot 2 Kg. 54 Psg. Rirchlichs NacL?tt»chten« Evangelische Gemeinde. Heute abend 8 Uhr: Kriegsbetstimde in der Johanneskirch«. Pfarrer B e ch t o l s h e i in e r. Amtlicher Wetterbericht. O e i s e n t l i ch e W c t t e r d i e „ st st e l l e Gießen, Wetteranssichlci, in Hessen aniTonnerslag, den 20. Aug. 1914: Heiter und irockcn, ivarm, nördlid>c Winde. Letzte Nachrichten. Eine Ansprache des Kaisers. Berlin, 19, 'August. Bevor das Leibrcgimcnt der Hohenzollern, das erste Garde-Regffnent zu Fuß, seine Garnison Potsdam verließ, hat sich der Kaiser al-s Chef des Regiments von seinen Grenadieren mit einer Ansprache verabschiedet, in der er u, a. sagte: Die früheren Generationen und auch alle, die heute hier stehen, hasten die Soldaten des ersten Garde-Regi-l ments und meiner ffstarde an diesem Orte schon öfter versammelt gesehen. Sonst war es der Fahneneid, das Gelübde, das wir vor dem Herrn schrvuren, das uns hier vereinigte. Heute sind alle hier erschienen, den Segen für die Waffen zu erbitten und den Fahneneid zu beweisen bis zum letzten Blutstropfen. Das gcsmnte deuffche Volk bis auf den letzlen Mann bat das Schwert ergriffen. Und so ziehe ich denn das Sckiwert, das ich mit Gottes .Hilfe sahrzehntelang in der Scheide gelassen habe. IBei diese» Worten zog der Kaiser sein Sclpoert und hielt es hock» über dem Haupte.) Das Schwert ist gezogen, das ich, ohne siegreich zu sein, nicht wieder einstecken kann. Und Ihr alle sollt und iverdet mir dafiir sorgen, daß es erst i» Ehren wieder eingesteckt werden wird. Dafür bürget Ihr mir, daß ich den Frieden meinen Feinden diktieren kann. Auf in den Kamps mit den, Gegner und nieder mit den Feinden Brandenburgs! Drei Hurras auf unser Heer! (Wgl. Rundschau.) Die Folgen einer eventuellen Kriegserklärung Japans an Deutschland. Berlin, 19. Aug. lieber die Folgen einer eventuellen Kriegserklärung Japans an Deutschland äußert sich die „K r e u z z e i t u n g": Wenn wir den sff:eignffsen klar und sest ins Auge blicken, so haben wir dennoch keinen Grund zu lleinmütigen Besürchtungcn. Wir dürfen nicht vergessen, daß die Lage unseres ostassatiscben Geschwaders und K iaulichans den vereinigten Streilkräften der Triple Cnlente gegenüber ungemein prekär ist. Die Kriegslage im europäischen Lager wird durch den Schritt Japans keine Veränderung erfahren. Denn Japan dürste kaum den europäischen Kriegsschau- vlatz aussuchcn angesichts der sorge, sich gegen die Bercinigt-n Staaten zu entblößen. Was England und Frankreich dort jetzt etwa entbehren können, fällt in Europa nicht allzusehr ins Gewicht, würde hier außerdem erst nach einer Woche eintreffen können sehnliches gilt von den Landtruppen, die Rußland rm fernen Osleit zurückhrehrn könnte. Sic sind nicht sehr zahlreich und auch stier würde der Bahntransport immerhin Wock>en beanspruchen, so bleibt im wesentlichen der D r uck a u s d i e N eu t r a l e n, der aber wird sich alkwählich verlieren, wenn Ire sehen, daß dem Eiu- grcisen Japans eine für den Krieg entscheidende Bedeutung nicht zirkoarmt. Bc rlKn, 19. Aug. Ein sich zurzeit in Berlin aiishalten- der amerikanischer Diplomat, der früher Bolsckuffter der Bereinigten Staaten in Paris und Rom war, äußerte sich auf Befragen, daß ihn die Meldung von dem drohenden Ultimatum Japans an Deutschland nicht allzusehr icherrascht habe. Er sägte aber hinzu: Die Bereinigten Staaten werden natürlich diese Weitdnng der Dinge mit ganz besonderer Ausmerksamkeit verfolgen. Nach den Erklärungen des Botschafters liegt es ganz und gar nicht im Interesse der Bereinigten Staaten, daß Japan und kltußland sich im fernen Osten auf Kosten Deutschlands bereichern, und dort zu allein gebietenden Mächten werden. (Berl. Dgbl.) Die Lage der Deutschen in London. Berlin, 19, Aug. lieber die Lage der Deutschen in London schreibt im „Bert. Tägebl." ein Teuttcher, der noch am Freitag in der englischen Hauptstadt weilte: Die Spionenfurcht ist sehr groß: tägtrch mttben hunderte Deutsche verhaftet, u. a. ein 70 Fahre aller Mann, Inhaber des Eisernen Kreuzes, der über 30 Jahre in England seinen Wohnsitz hat und dessen zwei Söhne bei der englischen Armee dienen. Alle junge» Deutschen wurden, nachdem chre Unschuld festgestellt war» des Landes verwiesen. Am Freitag den 7. 'August wurde ein Anschlag bekaiinlgegben, daß die sämtlichen deurschen Efflwohuer Großbritanniens sich sofort bei dem nächsten Polizeiamt zu melden hätten/ um ihre Personalien einschreiben zu lassen. Nichtbeachtung dieser Forderung hälle eine Strafe von 100 Psmü> u,ü> im Nichtbeitrei- bungssall eine Strafe von sechs Monaten Gefängnis zur Folge gehabt. Tie Auftritte, die sich bei der Regisllallir in verschredc- nen Polizeiämterii absviellen, kann man sich kaum vortzellen. Stundenlang mußten die Deuts che n , Männer- Frauen und Kinder, im strömenden Regen Ani- st e l I u n g n e h m e n und geduldig warten, bis die Reihe an jeden kam. Es muß gleichtzeing lieroorgehoben werden, daß das englische Publikum keine feindselige Halvmg einnahm. Auch lvar die Polizei höclist ziworkommend. Es wurde z. B. an du: Wartenden Tee verkauft. Glcichzeillg ist es den Deutschen verboten, Fahrräder, Motorräder und irgendwelche anderen Be- sördcrrmgsmittel in ihrem Besitz zu haben, auch keine Waffen oder Explosivstoffe. Ferner wurde ihnen mitgeteill, daß sie nur in einem Umkreis von fünf Meilen von ihrem Wohnsitz reffen! dürfen. D>er Aufenthalt in einzelnen Provinzen ist ihnen absolut unlcriagt. Es wurde bekannr gemacht, daß jeder Deutsche bis znm! 10, August England verlassen müsse. Eine große 'Menge von Peffonen, die abreisen wollte, nnrrde sofort nach Fvlkston als Kriegsgefangene verkostet, an einem Tage 200 Leute, Die Ge« iangenen wurden nach Redhill gebracht, ,oo ein Platz van 40 Acres für deutsche Kriegsgefangene reserviert ist. Ein Teil war bereits in der Olympia interniert. Mrutkrci in dcr russischen Schwarzmeer-Flotte? Sofia, 19. Aug, Hier sind vertraucn»swürdigc Nachrichten eingetroffcn, nach ^>enen unter dcr Mannschaft der! russischen Schivarzmeerslotte eine Meuterei ausgebrochcn ist! und daß die Stadt Odessa in Flammen steht. (Berl.LoLÄcmz.), Verantwortlich für den gesamten redaktlonellen Teil: Aug. Goetz. Das Kasein der Kuhmilch gerinnt in schwer verdauliche: Klnmven, die der Säuglingsmngen zu bewältigen kaum imüoode ist. Tritt zu diesem Nachteil noch dcr Nmnand, daß die Milch im Sommer Ictcbt sauer,, so rück, die Gekabr öer 'Magen- und Darm- krankhellen immcrnaberhernn, DieinNestlc'S.Kindermehl enthaltene Milch der gesunden Alvenkühc ist bei der Fnbrikaiion so behandelt, das; sie scinstockig gerinnt,derariigeKrattkbejtcilverüülelu.vom zartesten Söuglingsmagen vollständig verdautund vertragen werden kann. [*«ss Amtlicher Teil. Bekanntmachung. Nicht mehr dienstpslichllge, jedock) noch garnffvndirilstfähig« Offiziere und Unteroffiziere a) von der Infanterie (einschl. Jäger), b) vo i, den M a s ch i n e n g c w e h r t r n v ve n (ei n s ch l. am Maschinengewehr ausgebildete andere W a s f e n), c) von der Kavallerie, ck) von der Feldartillerie, el von der Fußartillerie, k) von den Pionieren und Telegraphen« truppen, e) vom Train, die sich bis jetzt iwch nicht gemeldet haben und ihre Kraft der guten Sache, dem Dienste des Vaterloses widmen wollen, wollen sich beim Bezirkskommandv ihres Wohnortes melden. Letzteres wird aus Wunsch auch den Truppenteil angeben, bei dem vvrcrnssichtlich die Perwendimg erfolgen kann. Frankfurt a, M„ den 11. August 1914. Stellvertretendes Generalkommando 18. Armeekorps. Betr.: Amlliche Handausgabe dcr Aussilhrnngsvorfchriftrn xu der Reichsversicherungsordnung. An die Grotzh. Bürgermeisteieien der Landgemeinden des .tkreifcs. Im Anschluß an unser Ausschreibcn vom 13. v. Mts., Kreisblatt Nr, 56, machen wir daoau) aufmerksam, daß die amtlich« Handausgabe der Aüsfüh-nmgsvvrfchrffien zur R. B. O. lediglich im dienstlichen Interesse bearbeitet worden ist. Wir werden in unseren späteren Ausscdreiben und Verfügungen ansschlretzlich ans die amtliche Handausgabe venoeisen, um Wiederholungen zu vermeiden. Die fzandausgabc enthält weiter einen Paragraphen- schlüssel, aus dem ohne weiteres entnommen werden kann, ob und welche Ansführmigsvorschriften zur R. V. O. ergangen sind. Ta mit dcr Handausgabe des Buches keinerlei Gewinnabsichten verbunden sind, kann keine andere 'Ausgabe so billig geliefert iverden. Wir legen im Interesse de,' orbnui^smäßigcn Erledcgu,^ der Drenstgeschäftc Wert darmls, daß die Gcmeindedlenststellen, die mit der Ausführung der R. B, O, besaßt sind, die amlliche Handausgabe beschaffen. Falls nicht bis spätestens 2 7. d. Mts. gegenteiliger Bericht erstattet wird, nehmen wir an, daß mindestens ein Exemplar der Handausgabe aus Gcmeindekosten geliefert werden soll. Gießen, den 18. August 1914. Großhcrzogliches Kreisamt (Vcrsichcrungsamt) Gießen. I. V.: Welcher. Bekanntmachung. In der Zeit vom l. bis 15. August 1914 wurden in hiesiger Stadt gesunden: 1 Ring, 2 Portemonnaies mit Inhalt, 1 Anhängsel, l Armband und l Spazierswck: verloren: 1 Portemonnaie mir 10 Pfg. Inhalt, l Hundertmarkschein, 1 goldene Damenulirketlc mit Anhängsel, ein goldenes Armband, Papiere ans den Namen „Aubel" laulend. und l goldene Brosche mit Brillanten. Tie Empfangsberrchllgten der gefundenen Gegenstände belieben ihre Ansprüche alsbald bei uns geltend zu machen. Die Abholung der gefundenen Gegenstände kann an jedent Wochentag von 11—12 Uhr vormittags und 4—5 Uhr nachmittags bei Unterzeichneter Behörde, Zimmer Nr, l, erfolgen. Gießen, den 16. August 1914. Grobherzogliches Polizeiamt Gießen. Hemmerde.