vr. m Der «iefcMKt Stijtlg« erscheint täglich, ander Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich »teirnerFomilienblätter; ziveu»aln>Lchentt.iirel!- dattMsenLreisSithtn (Dienstag und Freilnq); zweimal monatl. !and- «rtrtschaftUche sritfragea Fernsprech - Anschlüsse: für die Redakiion 113, vertag ». LxveLuisn 51 Adresse snr Depeschen: ««teiger Gießen, rnaahm« von Aozetg» sür die Togesnumnier bis vormittags 9 Uhr. Erstes Blatt m. Jahrgang Donnerstag, 13. August 19M eneral-Anzeiger für Oberhessen Bolatioasönul und Verlag der vrnhl'schen llniv.-Vuch- und Steindruckerei R. Lauge. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchnlstrotze 7. Bezugspreis; monatlich 75 Pl., vierteljährlich Mk. 2.20: dnrch Abhole- n. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk.2.— Vierteljahr l. ausschl. Bestellg, Zcilenpreis: lokal 15 Ps, ansioärls 20 Psenniq. Chefredakteur: 2t. Goetz. Verantwortlich für den polit. Teil: Aug. Goetz; sür .Feuilleton", .Vermischtes" und.Gerichts- saal": Karl Slenrath; sür .Stadt und Land": Kurt Bendt; sur den Anzeigenteil: H. Bert. Der deutsche Boden vom Kinde gesäubert! B< rlin, 12. Aug. Bei M ü! h a u s e n haben die deutschen Truppen zehn französische Offiziere und 513 Mann gefangen genommen. Außerdem wurden erbeutet 4 Geschütze, 10 Fahrzeuge und eine sehr große Anzahl Gewehre. Der deutsche Boden ist von Feinden gesäubert. Berlin, 12. Aug. Bei L a g a r d e sind den deutschen Truppen über 1000 un verwundete Kriegsgefangene in die Hände gefallen, über ein sechstel der beiden französischen Regimenter, die im Gefecht standen. Die neuesten Etlichen Meldungen über die deutschen Erfolge bei Btülhansen und Lagarde, die wir gestern abend sogleich durch Anscktlag bekanntgaben, haben dem Bolle eine tiefe Befriedigung und Beruhilgung bereitet: d c r d e u t s ch e Boden ist Mm Feinde gesäubert. Dass die Zahl der französischen Gefangenen in diesen beiden Gefechten die Zahl 1600 überschreitet, ist ein lebendiger Beweis dafür, wie schwindelhaft die verfrühten französischen Darlegnn- n waren, deren Inhalt wir heute gleichfalls wiedergcben nncn. Die Tatsache, den deutschen Boden vorübergehend betreten zu haben, hat die welschen „Helden" ganz aus dem Häuschen gebracht; sogar ihr Oberkommandierender General Jassir hat in eigner Person sich mit diesem Liege gebrüstet, der sich dock) alsbald in eine ganz regelrechte Niederlage verwandelte. Indessen, «genau so, wie man die Einnahme Lüttichs durch die Deutschen jenseits der Grenze zu verheimlichen suchte, so wird man wohl auch die Liigen- niär so lang wie möglich ausrccht zu halten suchen, deutscher Boden sei besetzt. Was die ausgerissenen Grenzpfähle anlangt, so mag es ja sein, datz einige welsche EnGringlinge sich diesen Spas; gemacht ltaben, um 'Sann über die elsässische Bevölkerung falsche Gerüchte verbreiten zu können. Wir wissen von deutschen Bericisterstattern, datz in den Grenzlanden das gerade Gegenteil zutage getreten ist: die Eingesessenen wünschen den deutschen Waffen den Sieg und verzichten aus die in einem Aufruf des Generals Joffre höcbst voreilig angekündigte „Befreiung". Wir wollen geduldig warten, bis die Entscheidungen fallen. Als solche kann man die bisherigen Grenz- gesechte nicht bezeichnen. Wir wollen nicht, wie die homerischen Helden, vor dem erst beginnenden Kampfe mit Worten streiten nnd den Mund so voll nehmen, wie unsere prahlenden und lügenden Nachbarn! Die Engländer haben, wie wenigstens Londoner Blätter melden, den Hafen von Daressalam beschossen! Möglich ist dies schon, und Ueberraschung ruft diese Nachricht bei uns nicht hervor. Wenn die englische Flotte, aus dein Erdenrund zerstreut, mit solchen billigen „Siegen" ihre Kräfte zersplittert, kann es uns ganz recht sein. Zwischen Korfu und Patras soll ein englisches Geschwader gesehen worden sein, ein anderes auf der Höhe von Ancona (Italien). Tröstlich für uns ist es, daß unsere deutschen Schisse „G ö b e n" und „Breslau" nach ihrer Beschießung algerischer Küsten- plätze in den neutralen Hafen von Messina entkommen und sodann trotz englischer Bewachung wieder in die hohe See ausgelaufen sind. Wie die italienischen Behörden sich dabei verhalten haben, darüber ist noch nichts bekannt. In London aber ist die^ Furcht vor einem deutschen Uebcrfall erwacht, und die „Times" schreibt, in den nächsten beiden Wochen müsse man sich daraus vorbereitcn. Wie in unse); Landhecr, fo setzen wir in unsere Flotte volles Vertrauen und wir sind gewiß, daß die deutschen Schiffe n i ch t in u n n ü tz c m Draufgängertum aufs Spiel gesetzt werden. Nach einer Meldung der „Franks. Ztg." soll sich in London eine „Fremdenlegion" .gebildet haben, auch erlasse Lord Kitchener, der Kriegs- Minister, Aufrufe zur Bildung eines „zweiten Heeres". Wir vergießen ob dieser großen Vorhaben wirklich keine Tränen, denn bei den Engländern ist, wie wir wissen, die Kftiegs- stimmung flau, und schließlich kommt es auf ein paar Söldner mehr oder weniger auch nicht an. Unternehmungen der deutschen Flotte. Berlin, 12. Aug. Deutsche Unterseeboote sind im Lause der letzten Tage die O st k ü st c Englands und Schottlands entlang gefahren und bis zu den Shctlandsinseln gelangt. Ucber das Ergebnis dieser Fahrt kann aus naheliegenden Gründen bis jetzt nichts mit- gcteilt werden. i S. M. Panzerkreuzer „G ö b c n" und der kleine Kreuzer „B r e s l a n" sind am 5. August nach ihrer Unternehmung an der algerischen Küste in den neutralen italienischen Hafen von Messina eingelausen und haben dort aus deutschen Dampfern ihre Kohlenvorräteergänzt, Der Hafen wurde von englischen Streitkrästen, die mit unseren Schissen Fühlung bekommen hatten, bewacht. Trotzdem gelang es den Schissen, am Abend des 6. August aus dem Hafen von Messina die hohe See zu gewinnen. Weiteres läßt sich aus naheliegenden Gründen noch nicht mitteilen. Mit Rücksicht auf den Kriegszustand sind die Leuchtfeuer an den Küsten Oe st erreich -Ungarns nicht mehr in regelmäßigem Betrieb. Der Hasen von Daressalam angegriffen. Berlin, 12. Aug. Englische Zeitungen bringen die Aachricht, daß der Hafen von Daressalam von den Engländern angegriffen und der dortige Funken- >tunn von ihnen zerstört worden sei. Die Haltung Italiens. Berlin, 12, Aug, Der italienische Botschafter Bol- lati hat seiner Regierung den Wunsch ausgesprochen, sie mündlich über den Stand der Dinge in Deuts ch - l a n d unterrichten zu wollen. Bollati, der ans seinen deutschen Sympathien niemals ein Hehl gemacht hat, reist heute abend nach R o m ab. Me deutsche Regierung hat ihm einen Sonderwagen zur Verfügung gestellt. Seine Abwesenheit von Berlin wird nur kurze Zeit dauern. Er kehrt noch im Laufe dieses Monats auf seinen Posten zurück. Ein japanisches Geschwader in See. Rom, 11. Aug. Ein japanisches Geschwader ist nach einer Meldung der „Agenzia Stefane" unter .Admiral Dewa in See gegangen. Französischer Schwindel. Berlin, 12. Aug. Ms Zeichen, mit welchen Mitteln die Franzosen die öffentliche Meinung zu bearbeiten suchen, nachstehend einige Auszüge, die aus einem Pariser Telegramm zusamtnengestellt und die in der Welt verbreitet sind: Unsere schwache Grenzschutzabteilung bei Altkirck hatte die Weisung, vor einem überlegenen Gegner ans- zuweichen. Inzwischen sollten stärkere Kräfte zusammengezogen werden. Dieser unbedeutendcVorgang wird von den Franzosen folgendermaßen geschildert: Eine französische Brigade erschien vor Altkirch, das mit sehr starken Feldbefestigungen versehen, ein „offenes Städtchen" nnd von einer deuisckMi Brigade vertechigt war (gar nicht verteidigt — einige Kompagnien wichen aus). Die Franzosen gaben ein Beispiel, wie ein glänzender ungestümer Sturm ausgeführt wird. Ein Regiment machte einen besonders großartigen Angriff und nahm die deutschen Befestigungen. Die deutschen Truppen flohen sogar aus den in zweiter Linie sich befindlichen Werken. Sie erlitten bei der Verfolgung große Verluste und konnten sich nur im Schüße der Nacht retten. Atkirch bereitete der Franzose!-, einen begeisterten Empfang. Ehrenpforten wurden errichtet und die Grenzpfähle ansgerissen. Am frühen Morgen des nächsten Tages wurde die Verfolgung wieder ausgenommen Die Deutschen fluteten in vollständiger Deroute zurück. Um 5 Uhr nachmittags trafen die Franzosen in Mülhausen ein, mit frenetischem Jubel begrüßt. Die Eroberung von Mülhausen findet im Elsaß einen gewaltigen nnd begeisterten Widerhall. General Joffre hat eine Proklamation erlassen, die den Stolz und die Begeisterung der französischen Soldaten ausdrückt, daß sie als erste Träger der Wicdervergeltung berufen seien. Krregsminister Messimy beglückwünschte telegraphisch General Joffre zu der glänzenden energischen Offensive. Sächsische Kriegsgefangene (bei Altkirch-Mülhausen befanden sich gar keine sächsischen Truppen) hätten bewnt. es sei ein Kummer für die Sachsen, sich an diesem Kriege beteiligen zu müssen. (!) lieber Lütttch wird verbreitet, daß die Festung und die Fort-; heule noch in der Hand der Belgier seien, die Deutschen batten mit 120 000 Mann 40 000 Belgier angegriffen. Ans deutscher Seite fehlte die Arllllerie zur Unterstützung. Das deutsche Aitilleriefeuer sei schlecht geleitet gewesen, während das Feuer der belgischen Artillerie höchst exakt war. Die Deutschen hätten 5000 Tote gehabt, 8000 Mann wären gefangen genommen und 24 Kanonen hätten die Belgier erbeutet. Seit zlvci Tagen arbeiteten 53 000 Arbeiter an den Werken. Sie führten in dar Forts und den Zwischenräumen Verschonzungen ans; es sei kein Zweifel, daß eine so ausgebimte Festung vollständig uneinnehmbar geworden sei. Zwischendurch ist die Rede von aufgeriebenen imd versprengte» Kavallerie-Divisionen und von auf freiem Felde gefangenen deutschen Regimentern. Aus belgischer Seite wird nur von heroischer Tapferkeit gesprochen, die von der sianzösischen Regierung durch Verleihung der Milstärmcdaflle an den König der Belgier und das Kreuz der Ehrenlegion an die Festung Lütttch anerkannt worden sei. Mag man diese Reklameartikel sich auch gefallen lassen, so übersteigen doch zwei Borwürfe, die man gegen uns zu erheben wagt, das Matz deS Erlaubten: 1. lim Holland gegen uns cinzunehmen, werden wir verdächtigt, England als Preis für seine Neutralität eine Teilung Hollands an- geboten zu haben. 2. Unsere Truppen hätten in den Schützengräben weitze Fahnen hochgehalten, und nachdem die Belgier das Feuer eingestellt, heimtückisch geschossen. — Wir überlassen das Urteil über solche Veröffentlichungen unserem Volk und sind überzeugt, daß ihm unsere Veröffentlichungen besser gefallen. ' In einer Besprechung der deutschen Siege bewnt das Wiener Fremdenblatt: Ein mehr als 40jähriger Friede hat die sieggewohnten deutschen Waffen nicht rosten lassen. Wie vor 44 Jahren so sei heute ein Kaiser Wilhelm der oberste Befehlshaber des deutschen Heeres und ein M o l t k e Generalstabschef her Armee. Der neue Triumph der deutschen Waffen bei Lunsville sei diesmal schon aus französischem Boden errungen worden. Beinahe am Jahrestage von Wötth habe die deutsche Armee die ersten Lorbeeren den Franzosen gegenüber in diesem Kriege errungen. Oesterreich-Ungarn blicke voll Stolz auf die verbündete Armee und freue sich von ganzem Herzen der herrlichen Erfolge. Vergebliche französische Aufrufe. Müll he im (Baden), 12. Slug. Am Montag haben Flieger des Generalissimus Pakete von in Delfort gedruckten Ausrufen herabgeworfen, die folgenden Wortlaut hatten: „Aufruf des französischen Generalissimus an die Elsässer! Kinder des Elsaß! Nach vierundvierzig Fahren schmerzlichen Wartens betreten französische Soldaten wiederum den Boden eures edlen Landes. Sie sind die ersten Arbeiter des großen Werkes der Revanche. Es erfüllt sie mit Rührung und Stolz. Um das Werk zu vollbringen, geben sic ihr Leben dahin. Me sian> zösische Nation steht einmütig hinter ihnen, und in der Falte ihrer Fahne sind die Zauberworte eingegraben: Recht und Freiheit! Es lebe das Elsaß, es lebe Frankreich! Unterschrift: Ter französische Generalissimus Joffre, gebracht durch die französische Eskadrilles, Mülhausen." Ei» enthüllter sranzösisch-russischer Kriegsplan. Wien, 11. Aug. Die „Wiener Allgemeine Zeitung" schreibt: Bezugnehmend auf frühere Meldungen über die französisch-russische Mllitärkonvention und den Besuch Poincarös in Petersburg im Jahre 1912. Wir können heute aus guter Quelle den Zweck des letzten Besuches Poin- carss in Petersburg im Juli 1914 enthüllen. Poincars stellte mit Sasonow in langen Unterredungen fest, daß die russische nnd französische Armee Ende 1915 mit ihren Vorbereitungen fertig werden würden, um eventuell eilte Er afft ge Offensive geg.en Deutschland und Oesterreich-Ungarn führen zu können. Es wurde diese Frage in allen Details sowohl nach der militärischen wie nach der finanziellen Seite hin erörtert und der Termin 1918 als derjenige festgestellt, an dem das Uebergewtcht Rußlands und Frankreichs in Europa, sei es auf Grund zweier schlagfertiger Armeen, sei es mit den Waffen, sest- zulegen sei. Wie sich jetzt zeigt, haben beide Reisen Poin- carss das Ziel verfolgt, für die Erhaltung des europäischen Friedens sehr gefährliche Mmachnngen zu treffen. Diese Abmachungen, die Poincars mit Sasonow in diesem Jahre in Petersburg getroffen hat, sind der deutsche Beweis für die wahren Absichten, die in Petersburg und Paris an den maßgebenden Stellen geherrscht haben. Ein Stimmungsbild aus Rußland. Wien, 12. Aug. Die „Czernmoitzer Zeitung" veröffenüickck den Bericht eines Czernowitzcr Mittclschulorosessors, der nach einer abenteuerlichen Fahrt aus Odessa hier eingetroffen ist, und sich bis zum 6. August in Odessa ausgehalten hatte. In Odessa, wo die Sttmmung keineswegs für einen Krieg war, wurde von halbwüchsigen Bursck>en unter der Führung der Polizei eine Kundgebung für den Krieg veranstaltet. Die Nachricht von dem Einmarsch deuffcher Truppen in Polen nahm die Intelligenz mit Bedauern auf, weil Deutschland und Oesterreich-Ungarn nur die Polen befreiten, die übrigen Russen aber unter der Ktruw des Zaren ließen. Die Russen würden den Tag segnen, da Oesterreich- Ungarn sie von diesem furchtbaren Joch befreien würde. Ae ruffischen Zeitungen bringen lügenhafte Berichte über Heldcntawn der .Kosaken. Die Don-. Terek- und Ural-Kosaken sollen jedoch die Mobilmachung sehr kühl ausgenommen haben: angeblich sollen auch Meutereien vorgekommcn sein. Der Plan der russischen Regierung, die'Kosaken als Avantgarde zum Einfall in Deutschland und Oesterreich-Ungarn zu verwenden, scheint gescheitert. Aeußcrung amerikanischer Diplomaten. Wien, 12. Aug. Die Abendblätter melden aus Gens: Hier weilende amerikanische Diplomaten erklären, in maßgebenden Kreisen der vereinigten Staaten habe man nach der zeitgemäßen Veröffentlichung des Telcgrammwechsels zischen Kaiser Wilhelm und dem Zaren die U e b e r z e n g u n g gewonnen, daß der unselige Weltbrand von Rußland allein angefacht worden sei. Die Haltung Englands sei geradezu unverständlich. Ter Bruch zwischen Frankreich und Oesterreich. Paris, 11. Aug. (Agence Havas.) Infolge des besonders in den letzten 3 Tagen zwischen Wien und Paris ge- pffogenen Meinungsaustausches teilte die französische Regierung auf Grund der internationalen Lage mit Rücksicht auf die ungenügenden Erklärungen, welche die österreichisch-ungarische Regierung betreffend die Entsen- dnngösterreichisch'-ungarischerTrupPennach Deutschland gab, dem österreichisckMngarischen Bot- schafter vormittags mit, daß sie sich genötigt sähe, den französischenBoischafterin Wien abzuoerufen und dem österreich.-lungar. Botschafter die Pässe zuzustellen. Der Botschafter verließ darauf Paris in einem nach Italien abgehenden Sonderzuge. Beim Abschiede wurden die Formen der internationalen Höflichkeit gewahrt. Die Botschafter der Bereinigten Staaten in Paris und Wien übernahmen den Schutz der österreichisch ungarischen bezw. sianzösischen Untertanen. Bon allen Seiten drängen sich, so schreibt das Wolff- Bureau, die ivaffensähigen Teutsckten zu den Fahnen, um das bedrohte Vaterland zu schützen. Auch die, die bisher im Auslande lebten, eilen zurück, um jener höchsten Ehrenpflicht zu genügen. Es ist kein Wunder, wcmi Heimatsge- fülhl und Vaterlandsliebe niit elementarer Kraft auch in den Herzen derer erwachen, die einst in leichtfertiger Verblendung oder ans Abenteuerlnst in die französische Fremdenlegion eingetreten sind und nun in den Reihen unserer: erbittertsten Feinde stehen müssen. Wenn wir uns in die Lage dieser Unglücklichen hineindenken, so müssen wir sagen, daß sie für ihre Verfehlungen mit grausamer Härte bestraft worden sind. Wir hoffen deshalb, daß jeder von ihnen, dem es glücken sollte, aus dem feindlickten Lager zu entkommen und seine Kraft noch in letzter Stunde in den Dienst des eigenen Vaterlandes zu stellen, mit Bestiimntheit auf den Erlaß der verwirkten Strafe rechnen kann. Nach unseren Erkundigungen an maßgebender Stelle ist diese Hoffnung auch durchaus begründet. Ein deutscher Vorschlag. Me „Nordd. Mg. Ztg." teilt mit: Die deutsche Regierung hat der britischen, der sianzösischen, der russischen und der belgischen Regierung den Vorschlag gemacht, daß die bei Ausdruckt der Feindseligkeften in den beiderseitigen Meeren befindlichen Kindlichen Kanffahr-c teisctzifse sämtlich freigelassen werden. Die britische Regierung hat diesen Vorschlag nur für Schiffe dis zu 5000 Tonnen angenommen, während sie die übrigen Schiffe festhalten oder requirieren will. Außerdem hat sie die Ant > wort bis zum 7. August verlangt, während ihr Gegcnvor- schlag erst . denen durch den Allerhöchsten Erlaß vom 1. August die Strafen erlassen worden sind, sind die Kosten bis auf Iveiteres nicht einzusoreern oder einzutreibrn. Köln, 12. Ang. Die Vorstände der Christlichen Gc Werkschaften haben beschlossen, aus deren Dermögensbestand 4—5 Millionen Mark den Hinterbliebenen der Kriegsteilnelnner und sonstigen durch den Krieg Geschädigten ouzuwenden. Mehrere Berbändc zahlen zu den staatlichen und kommunalen Untcrstützun- gen monallick noch 12—15 Mark. Anschuß. Andere gewähren obwohl die Mitgüödschast für die Kriegsteilnehmer ruht, an die Hinterbliebene« der im Felde Gefallenen Sterbegeld, eine einmalige Witwen- und Wmseiinn.'rstützunq oder dergleichen. An einzelnen Orten werden Fürsorge- und Beratungsstellen znr Er- teillmg von Auskünften, Anfertigung von Eingaben nsw. errichtet. Die nicht am Kriege teilnehmenden Gewerkschaftsbeamten verzichten je nach ihrem Familienstand auf 25—40 Prozent ihres Gehaltes. Hamburg, 12. Aug. Die Hapag stellte außer dem Lazarettschiff „Hansa" dem Roten Kreuz dw im großen Hamburger Hasen liegenden Passagierdampicr -ur Verfügung. In Betracht kommen dürfte in erster Lin»- der Dampfer „Patricia". Die Kaiserin sprach Generaldirektor Ballrr den Wärmsten Dank für die bereitwillige Unterstützung ans. Baden-Baden, 12. Ang. Der Ehrenbürger der Stadt, Großkanfmann Herm. Sielckco., bat der Siadt-- gemeinde zur Linderung der Not während der Kricgsdaucr monatlich 10000 Mark znr Verfügung gestellt. Au» Stadt nnd «kanS» Gießen, 13. August 1814. Städtische Hklfe bei der Ernte. Ein Gießener Professor, der gegenwärtig in L a n g d bei Hungen als Erntearbeitcr tätig ist, schreibt uns: Erfreulicherweise hat der Aufruf an die städtisck/e In-- gend, sich zur Erntearbeit znr Verfügung zu stellen, sehr guten Erfolg gehabt. Aber die Nachfrage vom Lande her entspricht vielfach gar nicht der Zahl der sich Meldenden. Das hat darin seinen Grund, daß eine Reihe von Bedenken die Landbevöllerung abhalten, ihren Bedatff anzugeben. Sie fürchten, die Stadtleute wären mit Quartier und Kost nicht zufrieden: sie verständen nichts von der Landarbeit, wären ihnen eher hinderlich nsw. Nun ist aber in unserer Jugend, zumal durch die Wandervogelbewcgung so viel Sinn für das Einfache und Natürliche des Landlebens geweckt worden, daß jenes erste Bedenken ganz unbegründet ist. Die Landarbeit, selbst muß freilich gelernt werden; aber unsere jungen Leute wollen sie lernen, und gar manche Verrichtungen, die eben doch Zeit kosten und iwtwendig sind, können bald gelernt werden. Es wäre Aufgabe der Pfarrer, der Lehrer und der ländlichen Presse, solche Vorurteile zu zerstreuen, damit die gern angebotene Hilfe auch gern angenommen werde. Nut schicke man lediglich kräftige Menschen aufs Land. * Die franzSsischcn Gefangenen. In der „Franks. Ztg." lesen wir über die in Frankfurt irnter- gebrcÄtcn französischen Gefangenen folgendes: In der Bethmamtschnlc liegen 170 französische Gefangene! Ganz früh schon huscht die Nachricht von Allmd zu Mund. Da sind sie nun endlich, die Beweisstücke unserer ersten glücklichen Erfolge. Sie leben und reden und keine französische oder belgische Lügennackwicht kann sie aus der Welt schassen. Im Schulhof stehen einige deutsche Feldwebel Und Offiziere. Dann aus der Treppe Kr den Schulräumen noch einige dansche Soldaten mit anfqeMänztem Gewehr. Wir treten in ein Klassenzimmer. Auf der Tafel steht noch mit exakter sorgfältiger Lehrerschrist mit Kreide hingemalt „Die Neuordnung des athenischen Staates durch Solcm". Auf den Boden ist Stroh lßngcbreitet und dort liegen sie in ihren roden Hosen und etwas graublauen, unsauberen, karierten Hemden. Dann beginnt der eine oder andere langsam im Patois der Gegend von Bclfort zu reden. Eine Hand voll Zigaretten macht sie zutraulicher. Es ist llar, sic haben immer noch Furcht vor einem imgeivisien drohenden Schicksal, dem sie entgcgenzugckhen glauben. Ein intelligenter ,unger Bursche beginnt zu erzählen und tarnt wieder einer. Nenn, sie wffsen nichts, gar nichts! Noch nicht einmal die Namen der Generäle, die sie führten. In einem anderen Zimmer liegt ein junger Unteroffizier auf der Streu. Er schläft. Die Wache weckt ihn, und brummend erhebt er sich. Unwillkürlich machte ich Vergleiche zwischen dem blitzsauberen, stämmigen und geraden deutschen Soldaten, der neben mir steht und den Leuten, die dort wie Tote aus dem Strohlager ruhen und in ihren ärmlichen blauen Mänteln oder ihren karierten Hemden und roten Hosen so merkwürdig verlottert aussehen. Aber wir wollen nicht vergessen, sie haben einen langen Marsch und eine Schlacht hinter sich, bei der sic durch Gräben und auf der Erde hinkricchcn mußten. Der junge Mensch ist Maler; er hat in Zürich und München studiert und spricht deutsch. Auch ein anderer spricht deutsch Seine Frau ist eine Deutsche und er llagt über diesen Krieg. Nur ganz allmählich erfahre ich, daß fast alle diese Leute aus Bclfort und llmgebting stammen und in Delwrt in Garnison lagen und daß es das siebente Kvrvs unter General Bonneau und eine Division war, die auf französischer Seite im Kanipf standen. Der Divisionsgeneral hieß „Supechy", ruft einer dazwischen. Und mif meinen Einwurs: „Eh bien, pas de blaqnes", versichert er ganz ernsthaft, und die andern stimmten zu: Mais oui, il s’appelle Suberby. Uebrigens scheinen bie Leute wirllich wenig Ahnung davon zu haben, wer an ihrer Spitze stand, und sie behaupten, im letzten Augenblick seien an den leitenden Stellen die Befehlshaber gewechselt worden. Als ein langer treuberziger Bursche in breitem Dialekt von seinem Oberst Drittel erzählen will, ertönt ein Pfiff, und er schweigt verlegen. Viele von ihnen sind Reservisten, die fast keine Vorstellung haben von dem, was um sie her vorging. Am Dtittwoch sind sie von Beljort abmarschiert, wo alles ruhig war. Dann waren sie zwei Tage unterwegs, und am Sonntag um hcklb zwölf Uhr mor- geuä begann vor Mülhausen die Schlacht, die furchtbar war. Ein Mann von dcir 133crn sagt glücklich lächelnd, daß er von den 40 bis 50 Mann seiner Sektion der einzige Ueberlcbende sei! Bis zum Abend uni 11 Uhr dauerte das Feuer, und selbst in den Straßen von Mülhausen und in den Gärten sei gekämpft worden. Hierbei seien einzelne von ihnen abgcsprcngt und gelangen ge- nontmen worden. Andere sind in der Nacht vom Sonntag zum Montag aus dem Marsche überrascht und nach längerem Kamps gefangen genommen worden. Eine Stube Gefangener nach der anderen wurde gegen 2 Ubr heruntcrgesührt in den Schulgarten, wo sie Sirppe, Wurst und Brot erhielten, und wo eine behäbige gemütliche Frau mit gewaltiger Geste den Riesenlösfcl hantierte, der die Suppe aus dem Kessel holte. Wir aber alle hatten die Enipftndung; Wenn von unseren braven deutschen Jungen manch einer —r und Gott gebe, daß ihre Zahl so klein wie möglich sei —- auf fremder Erde in Gefangenschaft geriete, so mögen sic dort so gut und menschenfreundlich behandelt werden wie diese Franzosen in Frankfurt. * ** Schuldienst-Nachrichten. U ebertragen wurden Lehrer- bczw. Lehrerinstellcn an der Volksschule zu Darnistadt dem Schulamtsaspiranten Hugo Rouge aus Darmstadt, der Schul- amtsaspiranttn Wilma Tertor aus Wiesbaden, den Schulamts- aspiranten Heinrich Jakob Bitz aus Mommenheim, Adam Link aus Armsheim und August Niebergall aus Vendersheim, den Schulaintsaspirantinnen Elisabeth D i d e r i ch aus Darnistadt, Anna Köhler aus Friedberg und Berta L o t h e i ß e n ans Tannstadt. * v Abfahrt der Italiener. Die Linicn-Kvminandan- ttir C. macht bekannt, daß die italienischen Heerespslichtigen und auch andere Italiener, soweit Transportsähigkeft vorhanden ist, sofort über Bagern und den Brenner abfahren können, 2lb- leitung geschieht über Elm, Gcmünden und .Hanau (Ost)—Aschaffcn- bnrg. Möglichst schnelle Abfahrt ist geboten. Das italienische Generalkonsulat in Frankftirt ist verständigt. . ** Kriegsmaterial und Getreide für Oesterreich kann erst befördert werden, wenn die Verzeichnisse der lieiern- den Firmen und der Empfänger in Oesterreich beim itzmieralstab eingcgangcn sind. — Getreide für die Schwerz darf nur besördert werden, wenn es unter der bldresse der schweizerischen Bundesregierung fäbrt. — lieber den Uebergang über die Grenzen entscheiden die Zollbehörden auf Mitteilung des Reichskanzlers (Reichsamt des Innern), der nach § 2 der kaiserlichen B-rrrdnung hierzu.ermächtigt ist. **Kriegssürsnrge der Invaliden- und Hinterbliebenen Versicherung. Für Maßnahmen zur Kran>- kenpflege, zur Verhütung von Seuchen usw. hat der Vorstand der Landcs-Bersicherungsanstalt Großh. Hessen zu Darmstadt dem Hessisch c n Landesverein vom Roten Kreuz erstmalig 10 000 Mk. zur Verfügung gestellt. ** Zeitungen für di e im Felde stehenden Truppen. 2er Regierungspräsident der Rheinvrovinz richtet an die Bürgerschaft die Bitte, ihm möglichst regelmäßig und bald alle Zeitungen, sobald sie gelesen sind, zur Verteilung an die im Felde stehenden Truppen zugehen zu lassen. Unsere Krieger haben das BedürftnS, Kenntnis von den Vorgängen in der Heimat zu erhaltet^ den, kann leicht und billig Rechnung getragen werden. Vielleicht wird auch für die hessischen Krieger bald eine Zcitungs- sammclstelle eingerichtet. ** Vorsicht bei Aufbe wah ru n g von Mehl, Grieß usw. Im Hinblick cmf die großen Mengen von Mehl, Grieß usw., welche in der letzten Zeit in Haushaltungen cingelagert worden sind, muß darauf hingewiesen werden, daß diese Waren bei unzweckmäßiger Aufbewahrung leicht dem Verderben ansgesetzt sind. Mehl, Grieß und ähnliche Produkte dürfen nicht in feuchten Räumen (Küchen oder Kellern) aufgehoben werden. Zur Erhaltung dieser Artikel ist luftige tlnd trockene Lagerung dringend notwendig. Am besten bewahrt man sie in Säckchen aus Leinen Zwillich oder Jute auf. ** Kricgsgabe des Berschönerungsvereins. Gleich anderen Vereinen hat auch der Gießener Verschönerungsverein es für seine Pflicht gehalten, in dieser enffchei- dungsvvllen Zeit ein Opfer aus den Mtar des Vaterlandes zu legen. Der Vorstand stellte der Gießener Gritvpe des Roten Kreuzes aus den Vereinsmittcln den Betrag von 50 0 Mark zur Verfügung. Hoffen wir, daß unsere braven Truppen bald sicggekrönt toiedcr heimkehren, und daß dann der Verschönernngsverein durch eine doppelt lebhafte Teilnahme der Bürgerschaft in seinen Bestrebungen in den Stand gesetzt wird, seine friedliche Tätigkeit in recht unisaffender Weise wieder atiszunchinen. ** Z u r Beachtung für junge Mädchen. Der Vorstand voin Roten Kreuz in Darmstakt hat nachfolgende Bekanntmachung veröffentlicht, die auch aus unsere hiesigen Verhältnisse zutrifft. An die iungcn Mädchen Darmstadts! Die Ersahrimg der letzten Wochen veranlassen die Unterzeichneten Vereine zu einem ernsten Appell an die jungen Mädchen unserer Stadt. Die wilde Geschäftigkeit, mit der sie sich zu Diensten drängt, zu denen sie nicht geeignet ist, der so oft geäußerte, gänzlich unerfüllbare Wunsch, deir Truppen ins Feld zu folgen, das viele Schwatzen und Hcrumstehen, das alles sind Dinge, die in die tiefernste Sttmmung unseres Volkes nicht vasten. Auch für Euch, Ihr jungen Mädchen, bricht eine neue Zeit an. Legt das Eitle und Nichtige ab! Bewährt Eure ja in hohem Maß vorhandene Vaterlandsliebe in sestein stillen Wesen, zeigt sie in treuer, gewissenhafter Hilfe in Euren schwergeprüften Familien sowohl, als bei der allgemeinen Liebestättgkeit. Gebt in guten Beispielen voran in Mut und Gottvertranen! Ihr Dienstmädchen, die ihr in festen. Euch der Sorge überbebenden Stellungen steht, helft Euren Herrschaften durch Pflichttreue und Sparsamkeit die Kriegslasten tragen und harret treu aus auf Eurem Posten! *' Für? Rote Kren,. Ter Verband mittlerer VerwaltnngS- beamten hat dein helstlchen Landesverband voin Roten Kreuz von feinem DercinSvermögen eine Spende von S00 Mk. zur Verfügima gestellt. " Vereiiisfpende. Ter Tierfchuhverein dahier bat dem UnterstühnngSionds unserer Stadt au? seiner Kaffe 500 Mk. überwiesen. ** Deutscher Soldaten Humor. An Mfschristcn in Eisenbahnwagen werden iwch folgende bekannt: „Dem Ruß einen Schuß! Dem Franzos einen Stoß! Tein Brit einen Tritt!" — „Der Zar will Krieg mit aller Welt, Hat er sich schon den Sarg bestellt?" — „Franzosengist." ** Gießener Strafkammer. Nächsten Freitag, den 14. August d. Js., findet keine Strafkammersitzung statt. ** Die Ziehung der Lotterie des Prinz-Heinrich «F l u g c s ist mit Genehmigung Großh. Ministeriums deS Jnnerit auf unbestimmte Zeit verlegt worden. ** Das Großherzoglich Hessische Regierungsblatt Nr. 28 vom 12. August 1814 enthält: 1. Gesetz, Aende- rungen des Gesetzes vom 17. Januar 1901, die Dienstbezügc der staatlich bestätigten Forstwarte betreffend. — 2. Bekanntmachung, die Jubiläiimsstiftling der Stadt Büdingen zugunsten der Büdingcr Hwidwerkcrftigend betreffend. — 3. Bekanntmachung, Aenderung der Postordnung Vvm 20. März 1900 betreffend. Landkreis Gießen. + Großen-Li »den, 12. A»q. Die Firma Justus Form hals in Große,,-Linde» stellte am 3. Mobilmachungslage schon der Garnison Gießen ein größeres Quantum Z i g a r r e » zur Dcrsügung. Ferner stellte diese Firma den Gemeinden Groden- Linden und Allendors a. d. Lumda fe einen Geldbetrag zur Verfügung zur Untersiützimg hilisbcdnrstiger Familien von zur Fahne einberusenen Kriegsteilnehmern. Kreis Alsfeld. 8 Aus dein Ohmtal. 12. Aug. Obwohl die Familien die Ausnahme bilden, aus denen kein Glied hinausgrgangen ist, gehen die Erntearbeiten rüstig vorwärts. Nirgends Klage über Rückstand. Wo in einem Hause die männliche Kraft fehlt, greifen 1 die Verwandten mit ein. Tie Kornernte ist beendigt und schon teilweise edrgcfahpen, Wenn das gute Wetter ccnhW, ist die EK-- treideerntc in 14 Tagen bewältigt. Der Ertrag ist günsttg, volle, schwere Nehren und viele Halme. Hs Rupvertenrod, 12. Aug. Ein hiesiger Landwirt stürzte beim Kornabladen vom Gerüst in die Sckfenne. Dabei zog er sich schwere Verletzungen an beiden Beinen zu. Starkenburg und Rheirrhessrn. rm. Darmstadt, 12. Aug. Nackt einer Bekanntmacknmg des Oberbürgermeisters beträgt der Höchstpreis für Karton', ur. 'nrrzeit für den Zattner 5 Mk., im Pffmdpreisq 7 Mk. Diese höchstem Preise seien, wenn man die gute Ernte berückfickUsgt, eigenttich nicht gerechtfertigt. Sic mögen aber vorübergeheitd, bis die ^rrme- portschwierigkeiten beendet smd, ihre Geltung haben. Preise, dir über diese Gienze hinausyehen, kann der Oberbürgermeister als angemessen nicht anerkennen und wird, wenn ihm lleberforoe- rimgen zur Kenntnis gebracht werden, prüfen, ob er nicht mit gesetzlichen Mitteln dagegen cmichreitcn soll. Ein allgemciner Abschlag .muß mft dem Augenblick nnbebingt erntreteu, in dem wieder besserer Güterverkehr möglich ist. Ties wird schon in Kürze der Fall sein. — Sämtliche zirr Verfügung stehcntair RÄmrlichkeiten des Hoftheaters sollen zu tzattonal-patrio- tisckfev 'Zwecken vorgefebru und eingerichtet werden. — Ter Ertrag der Sammlungen für das stiotc Kreuz hat in der Stadt allein sckwn den Betrag von 100 000 Mk. überschritten. eh. Von der Rahe, II. Aug. Ter Apotheker Friedrich Wanderleben in S o b e r n b e i „t ftiitete fiir jeden ins Feld gezogenen Sobernheimer >n> Falle des Todes aus dem Schlacht- 'elde 60 Mk„ die der Familie anSbezablt werden, bei einer schweien Berwun^img 20 Mk. mV bei einer leichten 10 Mark. Heffch.-NLffmr. ff Marburg, 11. Ang. Infolge eines unglücklichen Zufalls wurde gestern bei der sogen. Hainmühlc bei Betziesdorf der 12jährige Sohn des Mühlenbesitzers von einem Wachtposten aus Ginseldorf erschossen. » Frankfurt a. M., 12. Aug. 2>nqcsicht9 der jetzigeti Verhol r che und da viele hier ansässige Oeslerreicher n-id Ungarn ZN de" FiUuien bernien ivorden sind, bat der ösierreichpck.-unqarische Verein .üuslria' beicktloffen, sein gesamtes Vcreinsverniöqen im Betraae von »om. 8000 Mark, sowie die ihm bisher z»- gegaiigcnen Speiidcn ensschließiich snr die Unterstützung htlss- b e d ü' i t i g e r P - r I o n e n zu verwenden. h. F r a n k s ii r t a. M., 12. Aug. Für hervorragende W a f f e n t a t e n des 18. Armeekorps stellten die Herren I. C. Ju- mor und Direktor I Wolfs dem Koinmandierenden General je 1000 Mark zur Verfügung. &crmifc$te». '* T i c Erbswiirst. Die Vervfleggnig unserer Armeen dürfte sich infolge der ausreichenden Automobijverbindikngen und der ausgiebigen Verwendung von Konserven in vielsachen Formen rasch und leicht vollziehen. Ganz anders war dies 1870. Am 13. August tauchte zum erstenmal in Berliner Blättern die Neuhricht von einer Erfindung des Kochs Grüneberg auf. Dieser bot der Heeresverwaltung eine aus gehacktem Fleisch und Erbsemnehl hergcstellte Wurst zur Verwendung in der Armee an. Die Versuche gelangen glänzend, sie ivurtan sofort im großen angewendet. Die Wurst beivährte sich als eins der praktischsten Ernältrung-F- mittel für die Soldaten und erlangte eine Volkstümlichleft, die den Krieg überdauerte. Dem Ecsinder der Erbswurst wurde crn taher Staatspreis für die dem himgerndcn Kriegcrmagen erwiesene Wohltat ausgczahlt. Meine Cagrrchronik. Der „Berl. Lokalanzeiger" meldet aus Potsdam: Ein hef- ttger Hagel sturm suchte am Dienstag die Gegend von Cla- dow heim. Die Wellen der Havel und des Wannsees gingen meterhoch. Hundettiährkgc Bauwriesen wurden entivurzett, Fensterscheiben zertrümmert, Däckter abgedeckt und eine Reihe von Fahrzeugen zum Kentern gebracht. In Wangen i. Allgäu standen Dienstag früh 8 Uhr 6 Wlchnbänser in Brand. 4 davon sind bereits vollständig einge- äschcrt. Einige Nachbarfeucnvehren wurden alarmiert. Die Ent- stehungsursachc ist noch unbekannt. Nähere Nachrichten fehlen noch. GingesanSt. lFür Form Und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Gießen, 12. August 1914. Geehrte Redaktion! Im lokalen Teil des Gießener Antzügers lese ich, daß mif Antrag den Aerzten im Kriegs- und Lazarettdicnst freie Fahrt auf der elektrischen Straßenbahn gewährt sei. Ich gestatte mir deshalb die Anfrage, warum den Mitgliedern der freiw. SanitütSkolonne (welche Kriegs-Sani- tätskolonne ist) nicht ebenfalls freie Fahrt gewährt wird. Aerzte und Kolonnen-Mitglieder sind doch eben gleichmäßig unentbehrlich, und man sollte deshalb dem minder bemittelten freiw. Sanitätsmann ebenfalls in obiger Sache entgegenkommcn und jedem freie Fahrt zusickzern, im Falle er die Uniform trägt. Ein Sanitätsmann. Amtlicher Wetterbericht. Oeffentlicher Wetterdienst, Gießen. Wetteraussichten in Hessen am Freilag, ta, 14. Aug. 1014: Meist heiter und trocken, warm, Winde ans östlichen Richtungen. Letzte Nachrichten. Abreise des französischen Botschafters aus Wien. Wien, 13, Ang, Der französische Botschafter ist mit Familie und dem Personal über die Schweiz nach Frankreich abgereist. Der Zrit-ungsverkauf in Wien. Wien, 13. Aug. Die amtliche „Wiener Zeitung" berichtet, daß der K a i s e r die Regierung ermächtigt habe, den Straßenverkauf von Sonderausgaben der Zeitungen an besondere Bedingungen zu knüpfen. Um für die Zwecke der Kriegsführung neue Mittel zu beschassen, wird von jedem Exemplar eine Sonderabgabe von 2 Hellern erhoben. Ein deutsch-üsterreichischcr Telegrammwechsel. Wien, 13. Aug. Der Generalinspektor des freiwilligen Sanitätsdienstes, Erzherzog Franz Salvator, hat an den Vorsitzenden der deutschen Vereine vom Roten Kreuz, (ßenc- ral der Kavallerie v. Pfuel, ein Telegramm gerichtet: In dem Augenblick, in dein die verbündeten Armeen Deutschlands und Oesterreich-Ungarns im Dienste treuer Waffenbrüderschaft gegen den Feind ziehen, drängt es mich, den Generalbevollmächtigten der freiwilligen Sanitätspffeger und Stellvertreter Seiner Majestät, als Protektor der freiwilligen Vereine vom Roten Kreuz Eure Exzellenz zu begrüßen. Unsere hutnani- tären Korporationen tverden alles aufbieten, unsere tapferen Kriegsleute mit erneuerten Kräften und Ausdauer zur Seite zu stehen. — General von Pfuelantwortetc: Etv. Kaiserl. und real. Hoheit bitte ick> den wärmsten Tank ftir Ew. K. K. Hoheit hochherziges Telegrmnm entgegen zu nelfmcn. Unsere sreutidscktaftlichen Beziehungen zu unserer österreichischen Schwesberorganisatioti tverden durch eine Jahrzehnte alte Tradition ausrichlig gepffegt. Sic sind in dieser ernsten Zeit doppelt ' heiliK» Gott sende den Arbeiten der österrcichisch-tingartschen Vereinigungen vom Roten Kreuz seinen Segen und verteilte den Waffen der Verbündeten den Sieg und ihrer gercckftcn Sache. Verantwortlich für den gesamten redaktionellen Teil: Aug. Goetz. Todes-Anzeige Heute morgen 2 Uhr verschied nach langem Krankenlager und hartem Todeskampfe mein innigst geliebter Gatte, unser unvergeßlicher, treusorgender Vater, Bruder, Schwager und Onkel i Herr Johann Stetter Ober-Postsekretär i. R. i im 68. Lebensjahre. Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen: Frau Ober-Postsekretär Stetter. Gießen, Hameln, Schotten, Erbach i.O., Offenbach a. M., den 13. August 1914. Die Beerdigung findet am Samstag, den 15. August, nachmittags 5 Uhr, auf dem neuen Friedhofe statt. 9199 Todes-Anzeige. Nach langem, schwerem Leiden verschied heute morgen unsere Mutter,Schwiegermutter und Großmutter Marie Kahn, geb. Hildebrnnd | im Alter von 71 Jahren. Die trauernden Hinterbliebenen: Wilhelm Kahn. Gießen (Dammstr. 19), den 12. Aug. 1914. Die Beerdigung findet statt Freitag nachmittag 5 Uhr von der Kapelle des neuen Friedhofs aus. 0 #m Telephonieren Sie unter Nr. 249 u. Sie erhalt.sof. Auswahl Mödehaus Ä. Saiomon & Cie.,^ u i: r Statt Karten 1 Ihre Verlobung beehren sich anzuzeigen Johanna Leib Dr. Christian Goes Chemiker Gießen Stephanstraße 16 Äugest 1914. Darmstadt Gcrviousstraße 44 9188 verkaufe sämtliche Artikel, welche fürKriegszwecke bestimmt sind, auch im einzelnen r.n den Bleichen Preisen wie an Händler. Mein Lager besteht in: Unterhosen, Unterjacken, Hosenträger, Strümpfen, Taschentücher, Oiirenschiitzer, Strolasäcke, Bettkolter, Stauchen, Bettücher. Jacob, Bahnhofstrasse 54 I. Ein kräftiger Junge angekommen. o«m Leopold Stern und Frau Marta geb. Meyerfeld. V--- Graostückkalk Weißstückkalk rfrr l TiT7rü77r i iiiH :i .i .'i l i ii, m ;i ; ,;i u ii i l i iii i ,i.,i i iiii i iii i ii i iii iii ii,imi iiii iii iii zu Bau-, Dünger- u. chemischen Zwecken ab ihren Werken Großen-Linden und Bieber bei Gießen, sowie Kalksteine zu Bau- und Hüttenzwecken ab Station Bieber-Abendstern empfiehlt -HI (Inhaber Carl Haas jr., Gießen), Fernsprech-Anschliisse Amt Gießen: Werk Großen- linden Nr. 139, Werk Bieber Nr. 1080, Bureau Nr. 282. Sämtliche Futterartike geben wir zu , billigsten Engrospreisen Abfuhr kann täglich erfolgen, eventh Anliefernng durch eigenes Fuhrwerk. 3305D Eine größere Anzahl eingefahrene, von der Militärbeh. freigegeb. rbeitspferde ab Sam. Rosenbaum L Söhne _Bureau: West-Anlage 46. stelle ich ab Freitag, den 14. b. Mts., preiswert zum Verkauf. 9185 S. Michel, Mrtkhiül. vekamtmachung. Gemäß dem Reichsqesetze vom 5. August ds. Js. ist in (Hiesten für deu Geschäftsbczirk der Reichsbankstelle zu (Siesten eiue Tarlehnskasse errichtet worden, welche ihre Tätigkeit am 5. August d§. Js. aufnimmt. Die Geschäftsräume der Darlchnskasse sind mit denjenigen der vorgenannten Rcichsbaukanstalt vereinigt. Die Geschäftsstundcn sind auf die Zeit von 9 bis 12 Uhr vormittags festgesetzt. Der Vorstand der Darlchnskasse besteht aus den Unterzeichneten, von denen der an zweiter Stelle Genannte als Reichsbevollmächtigter fungiert. Gießen, den 5. August 1914. 9070D Str Sorftflnb der TurlchisW zii Achen. Todes-Anzeige. Verwandten,Freunden undBekannten die traurige Mitteilung, daß es Gott dem Allmächtigen gefallen hat, meinen lieben Mann, unseren treusorgendeu Vater, Schwiegervater und Großvater Müller, hosmaml, A. Hrhr. von Iungenfel-, Adolf Noll. . Kaiser!. Bankdirektor. Großh. Oberstaatsanwalt. Rentner. Kommerzienrat. Johann Jost Eein im Alter von 73 Jahren in ein besseres Jenseits abzurufen. Die trauernden Hinterbliebenen: Margarethe Rein geb. Pausch. Familie Rohrbach. Familie Karl Rein. Familie Lndwig Rein. Wieseck, den 12. August 1914. Die Beerdigung findet Freitag, den 14. August, nachm. 2 Dhr, vom Sterbehanse, Rabenauer Straße, aus statt. 9196 Allgemeine Irmtimfüittlug! Fronen Gießens! Alle Frauen, deren Ernährer im Felde stehen und die fürsorgcbedürftige Kinder im Alter bis zu 14 Jahren besitzen, ebenso alle anderen Mütter, die un§ wahrend der Kriegszeit ihre Kinder anvertrauen wollen, mögen sich heute Donnerstag abend 8 1 /* Uhr pünktlich im Saale des Cafv Leib so zahlreich als möglich einfinden. Tagesordnung: Kinderfürsorge. Jede in Frage kommende Mutter erscheine. Damen und Herren, die sich noch der Kinderfürsorge widmen wollen und anderwcilc Verpflichtungen nicht besitzen, sind ebenfalls willkommen. Der Ausschuß für Kinderfürsorge. 9198 r-8-Ziim.-W». hochhcrrschaftl., 1. Stock, mit allem Komfort. 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