Nr. 187 Zweites Matt 164. Jahrgang Erscheint tS-Nch mit Ausnahme des Sonntags. Die „«fttzeaer Lamilienblöfttk" werden dem „Anzeiger' viermat ivöchentlich beigelcgt, da» „Lreirbtatt für den Urei5 Sietzen" zweimal wöchratttch. Die Landwirtschaftlichen Sett- fragen^ erscheinen monatlich zweimal. Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Mittwoch. 12. August 1914 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Unftersiräts - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Vertag: e^ä>51. Redaktion: 12. Tel.-Adr.: AnzeigerBießem Der günstige §tand unserer Geldwesenr. Aus Darm stallt wird uns von fachmännischer Seite geschrieben: Ander Genugtuung über den flotten Verlaus der Mobilmachung darf die Befriedigung über den Stand unseres Geldwesens treten. Das Vertrauen zur Hüterin unserer Währung, d. h, der Deutschen Reichsbank, ist unerschüttert und neu gefestigt Mit der Einsicht, daß unser Geldwesen selbst den Stürmen einer Mobilmachung standhielt, ist rasch die Ruhe wie- dergekehrt, und an unseren Bankschaltern wird kaum noch der Wunsch laut, Noten oder Kassenscheine in bares Geld umgewechselt zu erhalten. Allmählich saugen auch die Einzahlungen wieder an, die Auszahlungen zu übersteigen, Hartgeld, das man sich aus übertriebener Vorsorge auf Vorrat hinyelegt, findet den Weg zu den Kassen zurück, nachdem man sich davon überzeugte, daß man immer Geldzeichen erlangen kann, wenn nran sie braucht, daß also Opfer an Zinsen auf Geldvorräte sinnlos sind. Seit allgemein bekannt wurde, daß Banknoten und Reichskassenscheine vollwertige — üb eigens auch gesetzliche — Zahlungsmittel sind, sind auch die Klagen über Schwierigkeiten bei der Verwendung von Scheinen verstnmmt, Abschläge vom Nennwert zu machen, zieht Straße nach sich. Wer sich nun klar macht, daß er keinem Opfer ansgesetzt ist und dah er keine Anstände bei der Weitergabe zu befürchten hat. wenn er Noten statt Gold und Silber entgegen- lununt. der sollte auch vorrätiges Gold - und Silber- gestd schleunigst in Moten umwechseln, was alle Kasten und Banken bcreivvilligst besorgen. Das Geld gelangt auf diese Weise zur Reichsbank, imt dort als Unterlage für neu au »zu gebende Noten zar dienen neben kurzfristiger guter Wechseldcckung, Ke 100 Mk, Gold ermöglichen die Ausgabe von 300 Mk, Noten, wenn noch die vorschriftsmäßige Wechseldeckung dazutritt. Wer sich darüber noch keine Gedanken gemacht hat, der mag ja fragen, warum es denn patriotisch ist, Ewldmirnzen aus seinem Privatbesitz freizugeben, sich chso mit Noten zu begnügen, und warum es unpatriotisch sein soll, für das, was er M erhalten hat, Gold zu verlangen. Wer aber nach- ^renten will, dem kann es nicht zweifelhaft sein, der muß dazu Helsen, daß alle Goldmiinzcn alsbald nmgetanscht werden in Scheine, Für den einzelnen in seiner Privat.- Wirtschaft stt es ganz gleichgültig, ob er das, was er zu, bekommen Hatz in Gold oder in Noten erhält, aber für die VokE-wirtschaft ist es deswegen nicht gleichgültig, weil das Gold, das im Verkehr umlauft, nicht iirehr dienen kann als Unterlage für die Ausgabe von Banknoten. Daß die Deutsche Reichsbank nicht ans Gründen des Goldschatzes zu einer Diskont-Erhöhung zu schreiten braucht, Hyu kann jeder mithelieu, wem: er Versbändnis dafür verbreitet. daß das <äoB> nich t in den Privalbefitz gehört. Man braucht nicht zaghaft in die Zukunft zu sehen und kann doch der Ansicht sein, daß alle zrchammenhclsen müssen, um den Erfolg des Völkerririgens dem Deutschen Reich M sichern. Wir haben ein gewaltiges Interesse daran, daß auch dem Ausland gegenüber unser Galdwesen und unsere finanzielle Rüstung taS unerschütterlich ihren Namen dehallen. Das muh für alle Zeiten ein glänzendes Matt in unserer Finanzgeschichtc Heitren. Darum verbreite jeder, der weiß, daß eine gute Geldverfassnng eben auch unser Ansehen in der Welt fördert wie ein siegreicher Krieg, in seinen Kreisen Berstärckoris für diese Notn^ndigkeit, das Gold als Grnird- logx für die Notenausgabe dienstbar zu machen. Nicht ein Opfer wird verlangt, sondern nur ein klein wenig Anfmerk- ßamkirt auf die Wichtigkeit dieser Funktion des Goldes, Der englische Schatzkanzler hat unlängst! dlefe Seite des Wirtschaftslebens während des Kriegszustandes in ähnlichem Sinne berührt und an seine Laichs lente die Mahnung gerichtet, nicht ans übertriebener Aengstlichkeit sich GvL daheim hinzrilegen, das damit einer wichtigen wirtschaftlichen Funktion entzogen werde. Darum bei dieser Gelegenheit noch eine Anregung: wer es kann, der zahle seine Wehrsteuer in vollem Betrag alsbald unter Verzicht ans die unter anderen Umstünden seinerzeit eingcräumte Stundung und zwar in Gold, selbst wenn er cs erst gegen Scheine zusammensuchen muß, Ist ein Moratorium erforderlich? Die „Nordd, Al lg. Ztg," schreibt über die finanzielle Kriegsrüstung Deutschlands u. a.: Die finanzielle Kriegsrüstung Deutschlands bestand die Probe während der ersten der MobUmachung vorausgehenden und ihr folgenden Tage glänzend. Me anfangs einsetzcnde Zahlungs- mittelkrisis ist überwunden. Das Rückgrat unserer Finanzkraft, die Reichsbank, steht unerschüttert und kraftvoll da. Dasselbe gilt von den großen Bankinstituten in Berlin und den Provinzen, Die vom Bundes rat ungeordneten Maßnahmen werden zur Hebung der finanziellen Lage beitragen. Trotzdem treten täglich au die Reichsleitung erneut Wünsche heran wegen Erlasses eines allgemeinen Moratoriums, Diesen Wünschen kann und darf im Interesse der Allgeineinheft nicht nachgegeben werden. Auch ein allgemeines Wechsel m oral ori u m kann nicht in Aussicht genommen werden. Die wirtschaftlichen Verhältnisse wie die sich ihnen notwendig anpassende Organisation der finanziellen Mobilmachung sind bei uns anders geartet als in anderen Ländern, Kein Land der Welt ist in allen Schichten der Bevölkerung so auf den Kredft gebaut wie Deutschland, So groß die Erfolge waren, um in gesicherter Friedensarbeit unsere wirtschaftliche Arbeit und Entwicklung zu fördern, so groß ist die Schwierigkeit, diesem eng verschlungenen Kreditsystem' in schwerer Zeit die Weiterarbeit zu ermöglichen, Diese Möglichkeit kann voraussichllich nur gesichert werden, wenn es gelingt, die Zahlungsleistung und Zahlungspslicht aufrecht zu erhalten. Sin allgemeines Moratorium würde leicht die Räder unseres Wirtschastslebens zum Stillstand bringen, wäre aber kaum denkbar und durchführbar. Me Kriegsanleihen des Reiches werden vom deutschen Volk allem aufgebracht werden müssen. Es tvird hierfür allein ein erheblicher Test der ocm der Bevölkerung bei den Banken, Sparkassen und Genostenschaftcil, auf wett über 30 Milliarden sich belaufenden baren Gelder und Barsordermrgen flüssig gemacht und flüssig erhalten werden müssen. Hieraus folgt, daß sich das Moratorium von vornherein gar nicht erstrecken könnte auf Forderungen und Zahlungsverpflichtungen von Reich, Staat, öfseiNlichen Körperschaften, Vcr- sicherungsanstaften, Kreditinstituten aller Art, von der Reichsbank bis zum kleinsten Bankinstitut und zwar als Eftzelgenosstnschaften. Muß man ihneir aber allen die Zahlungspslicht auferlegen, so wird man ihnen auch die nötige Voraussetzung dafür lassen wüsten, das Recht der Einziehung ihrer Forderungeir. Selbstverständlich karm das Recht nicht ohne die notwendige Rücksichtnahme ausgeübt werden, aber die allgemeine Aushebung der Zahlungspslicht erscheint unmöglich. Nicht viel anders aber liegt es ruft einem Teil Moratorium, Jedes Dellinorotorftm birgt die Gefahr in sich, daß es pvar zunächst die Schuldner schützt, aber in ganz gleickter Weise die Gläubiger bclaster, -Aus diesen allgemeinen Gesichts- pun kten he raus ergab sich die istotwendigkeit für Deutschland, die finanzielle Kricgshilfc so zu organisieren, daß die allgemeine Zahlung-Pflicht nnd Zahlungsleistung aufrecht erhalten werden karm. Und diese Orgairisation erfolgte durch die lang vorbereftete kraftvolle Stellung der Reichsbank und die überall eingerichteten und in ihrem Wirkungskreis von Tag zu Tag erweiterten Da r 1 eh,u s- k a f s e n in weitem Umfange, So weit das nicht der Fäll ist, bleiben freilich noch Lücken, vor allem «nerseits bei unserem Exporthandel, andererseits aber bei einer großen Zahl von kleftien und mittleren Gewerbetreibenden, die weder über bank- sähige Wechsel noch über dem den Lombard zugängige Werte und Warenlager verfügen. Hier muß und wird eingchetzt und schnell gehandelt werden Müssen, Für den Exporthandel wird eine wesentliche Hilfe schon gebracht werden können durch den Erlaß eines in sich geschlossenen und keine toeftereu Kreise ziehenden, nur die Wechselforderungru und Schulden au das Ausland ergreifenden BlovatoriuMs, Für die anderen Fälle wird die Lücke durch lokale Organisation uitb Selbsthilfe geschloffen werden müssen Gangbare Wege hierfür sind bereits in Hamburg betreten und in Berlin in Vorbereitung, um wenigstens einen mäßigen Teil sickure Privathttvotheken in andere .Kreditformen umzugießen und liquid *u machen. Aus solchen und ähnlichen Wegen wrrd in Erweiterung des Zwecks weitergeschrftten werden Müssen, Es toird ein tatkräftiges und schnelles Zusammen- arbeiten aller beteiligten Jnterestenkreise und Instanzen cinsetzcu mästen. Diese Aktion ist berefts in die Wege geleitet und wftd bossenllich dazu führen, die gesunüen Stützen in unserem Wirtschaftsleben zu «halten. Mißernte in Rußland! Wie es in Rußland mit der Nahrungsmittelbeschaf-- fung aussieht, mögen folgende zwei Konsiliarberichte lab- gedruckt in Nr, 89 der vom Reichsamt des Innern heraus- gegebencn „Nachrichten für Handel, Industrie nnd Landwirtschaft") bezeugen: Ernte im Konsulatsbezirke Kiew Ende Juli. Bei d« Verwaltung der SWwcstbahncn gehen jetzt wenig« befriedigende Nachrichten über den Ausjall der Ernte im Bereiche dieser Bahnen ein. Noch vor zwei Wochen war hur säst überall die Ansicht vertreten, daß der diesjährige Ertrag das Durchschnittsergebnis d« letzten drei Ernten bedeutend überschreiten würde. Demzufolge tvurden von seiten der Bahnverwaltung energische Maßnahmen sür rechtzeiftgen Transport der Ernteerträge getroffen. Wie sich aber nunmehr herausstellt, w«den in diesem Jahre.nach ungefährer Schätzung voraussichtlich etwa 100 Millionen Pnd Getreide weniger geerntet werden als im Vorjahr, weit ganz Bcssarabien und der südliche Teil des Gouvernements Podolien schon seit einigen Wochen iortwährrud von Regengüssen und Hagelschlägcn heimgesucht w«den, während and«- seits an verschiedenen Stellen d« Gouvernements Kiew, Podolien und Wolhvnien die anhaltende Trockenheit großen Schaden angc- richtet hat. In Anbetracht dessen hat sich die Verwaltung d« SR>- westbahnen veranlaßt gesehen, die von ihr b«efts in die Wege.geleiteten außerordentlichen Vorkehrungen für die Transportkampagne zum Teil wird« rückgängig zu machen, (Bericht des Kaiserl, Konsulats in Kiew vom 25, Juli 191-4.) Saatenstand und Ernteergebnisse im Bezirke Libau, Das Kaiserliche Konsulat in Libau berichtet unterm 25, Juli: Noch sechswöchiger Hitze und Dürre gingen schon vor einigen Tagen an verschiedenen Orten des .Konsulatsbezirkes und am 24, d, Mts, auch endlich in Libau und Umgegend starke Gewitterregen nied«. Für die vollständig ausgebrannten Wiesen und Weiden, für Gärten und Kartofselseld«, sowie für die Löscharbeften bei den zahlreichen Wald- und Moorbränden ist ieber Regenguß von unschätzbarem Werte: für die eben begonnene Roggcnerwe könnte jedoch eine längere Gewitterperiode verhängnisvoll werden, und den kurz und dünn stehenden Sommerfeldern werden auch häufige Niederschläge kaum mehr anfyelseit, Roggen ist das einzige Getreide, welches — vorausgesetzt, daß es unbeschädigt eingebracht wird — wenigstens einen mittleren Ertrag verspricht. Das Ergebnis d« bei ganz trockenem Wett« begonnenen nnd beendeten Heu- und Kleeernte tvar ganz gering, nnd die knappen Vorräte müssen schon jetzt in Angriff genommen werden, weil das Grünfutt« fehlt. — Einige Landleute verkaufen b er ei ts wegen Futtermangel ihr Vieh, und deswegen sind die Fleischpreise etwas gefallen, dagegen sind die Preise für landwirtschaftliche, namentlich Molkerei-Erzeugnisse b«eits auf eine für diese Jahreszeit unerhörte Höhe gestiegen, — Auf dem Lande herrscht allgemein Wassermangel, — Allem A n s chei n n a ch haben wir ein schlimmes Teuerungsjahr »u erwarten, Meseni Lande — in welchem der Hanper-Ttzphns Stammgast ist — stellen wir unsere ^rhältnisse entgegen und auch verzagte Gemüter werden zu der Ansicht kommen, daß der russische Hunger ein guter Bundesgenosse unserer tapferen Mappen sein wird, E. Krumm, tragen einen wohlgefüllten Rucksack, Tic meisten ab« haben nichts — gar nichts — mitgenommen. Ich nehme rasch ein Ruderboot, um vom See aus ungestört das Weitere abwarten zu können: das Bild, das sich mft jetzt bietet, erinnert ans Theater, Die Musik spielt: Gott «halte Franz den Kaiser; aus dem Landungssteg finden nicht alle Platz, bis zum See hinunter, wo die Rud«boote schaukeln, bildet sicht ein Meuschcuwall, Nun sieht man das Dampsboot sich nähern — ich flüchte mft einigen Rudcrschlägen seitwärts. Me Musik spielt einen Marsch — oft rührend falsch. Kaum hat der veine Dumps« fest gemacht, da ist er auch schon gefüllt, kein« setzt sich; kaum ist d« letzte Mann an Bold, ertönt ein kurzes Pieifenftgual —- der Dampfer fährt ab, Dm kräftige Hurras; nochmals wird „Gott erhalte Franz dem Kais«" gespielt, vom User winken weiße Tücher, bis hinauf ftr die Dachfenster des „Weißen Rößl", Nur Frauen sieht man noch stehen — und Kind«, die am lebhaftesten winken. Ein einzelner Ruf vom »«schwindenden! Dampf« h«über — dann geht alles langsam auscinand«, Mes spielte sich genau zu d« Stunde ab, als in ganz Deutschland die Mobilmachung bekannt ivurde; trotz vielen An- ftagen und Bemühungen war aber in St, Wolfgang nichts zu erfahren; «st am Sonntag, den 2, August, abends — also gerade 24 Stunden spät« — wurde die deutsckre Mobilmachung in Riesenbuchstaben angeschlagen und gleichzeitig erreiche mich ein mit dringend bezeichnetcs Telegramm, Montag früh 6 Uhr brachte d« gleiche Dampf« auch mich und alle noch vorhandenen Deutschen hinüb« über den Sec, Mit d« Lokalbahn ging cs weit« dis Salzbnrg —; ans allen Stationen unterwegs stiegen Reservisten ein, der Zug war bald überfüllt, ®et schöne neue BaKairos in Salzburg wimmelte von Soldaten und Flüchtlingen aller Art, Trotzdem spielten sich die Gepäck- und Zollfragen schnell und leicht ab, doch konnte das Gepäck nur bis München eingeschrieben werden, Mft dem letzten Schnellzug verließen wir Salzburg um 8,50 morgens. Es war die letzte Möglichkeit, aus Oesterreich herauszukommen, Ans deutschem Gebiet angelangt, hüll der Zug. niemaud durste anssteigen; Beamte forderten in jedem Abteil Legitimation von den inäunlichcn, aber nicht von den weiblichem Passagieren, Ich hatte znm Glück einen Paß: doch ließ man auch Leute mft Jagdscheinen od« dergleichen passieren Wer sich ab« gar nicht answesten konnte, wurde oon der Weit«sahrk ausgeschlossen, nameiftlich Ausländer, An allen Haltestellen Mllftär- posten in feldgrauer Uniform mit auigevilauztem Sciteagclvchr, In Roscnheftn wurde ein Res«veostizier, der im Abteil neben mir fuhr, von einem aktiven Leutnant herausgebeten; hink« dcni Leutnant zehn Mann: der Reserveoffizier in einer dunkelblauen, wohl noch ans den 80« Jahren stanrmeiiden Uniiorm, machte mit seinem langen, melierten Bart und seinen rissigen Schaftcn- Itieseln allerdings einen merkwürdigen Eindruck, Vielleicht wurde ein Spion vermutet — ab« schließlich durste « nach Vorzeigen sein« Papiere wich« «insteigen. Mit nur kurz« BeftpMnng Die MobUmachung in Gber-Gesterreich und in München. Bon M. Walter Lejeuue-GieHeit, In d« Kriegserklärung Oesterreichs an S«bien sah ich keinen Hftiderungsgrund, meine alljährliche Fahrt nach Dem Sftzkammergut nnd Steiermark anzutreten. Am 27, Juli d, I, kam ich in München ivährcnd des Mittagessens mft einem Ehepaar ins Gespräch, das mir mftteifte, dah berefts kein Zug mehr nach Salzburg gehe; daraufhin eilte ich zum Bahnhof und erfuhr, daß sämtliche Züge sahrpianmäßig abgelassen ivürden und gar kein Grund zu irgend welch« Besorgnis vorliege. Dem Ehepaar hatte ein Hotelporti« im Jnter- este seines Hotels Angst zu machen verstanden. So fuhr ich denn am gleichen Tage von München ab und ,mü mir ein vollbesetzter Zug mit Deutschen, — Am Bahn Hose von Salzburg das österreichische Leben wie imm« — höchstens daß ein paar Soldaten mehr als sonst auffielen, — Abends ging mH in ein Lokal, wo eine Militärkapelle hervorragend gut konzertierte: — das Lokal war ab« mäßig besetzt. Am andern Morgen besuchte ich die hochgelegene Burg, und mit mft viele Fremde, denen von Führern in verschiedenen Gruppen alle Einzelheiten erllärt und gezeigt imuden: — mft «fuhren aber auch, daß ans d« Burg bereits 93 S«ben gesungen sahen. Am Bahnhof sah man mehr eftgezogene Soldaten mich ankom- mende Reservisten, als tags znvor, man ivurde auch beim Betreten der Halft oon einem Soldaten gefragt, wohin man reise — ohne daß eine Legitimation o«langt worden wäre In St, Wolsgaug am Wolsgangsee sachte und fand ich Qnartftr: das malerische Dörfchen liegt nicht allzuweit von Ischl, d« Sommerresidenz von Kais« Frauz Joses, Weiingleich viele österreichische Familien des Krieges wegen obgereist waren, jo gab es doch noch imm« genügend viele :Fremde, die Hotels waren leidlich besetzt, überall wurde Tennis gespielt, Konzerte vmanstaüet uswt, kurz, es herrschte ein vollkommenes Bild des Friedens, Auch dft Post funktionierte noch tadellos, man darf ab« nicht vergessen, daß Oesterreich nur teilweise mobilisiert hatte und wohl nur die Serbien zunächst gelegenen Telle d« Monarchft, In wenigen Tagen murdc dies and«s, Wan bekam kerne Briese, keine Zeftnngen mehr und aus einmal hieß es: Telegraphen- und Teiephon-Berkchr ist gesperrt! (Briefe werden geöffnet! Tatsächlich gelangten m e h r ere Tele- Lvaunne von mft, die mft das Postfräiileft auf mein Rffiko poch abuahm, nie an ihren Bestimmungsort, und meine Briefe ,*mö Postkarten hatte ich in den letzten Tagen auch vergebens -geschrieben. Einen Tag spät« sah man üb«all angeschlagen, daß Oesterreich nunmehr seine Gesamtstreitkräffc mobil mache. Fluchtartiges Abreise» vieftr Familien! Wft Deutschen, od« wie dft Oesterrcicher uns nennen: wft Reichsdeutschen taten uns zu- mmm uM> itfMofyu He Soge, geh« RutzhwdS Haltung mH nichts zu erfahren, die zu «langenden Zeitungen waren zw« bis drei Tage alt. Auf der Post vcrweig«te man jede Auskunft, Es regnete, — Deutschland war iwch nicht mobil. Somit benutzte ich Samstag früh 1, August — die Sonne schien wied« — zu einem Ausstieg mit der Zahnradbahn auf den säst 2000 Met« hohen Schas- Berg; mit mir 5 Passagiere! Oben «in großes .Hotel, dessen weibliches Personal sich gerade anschickft, mit Sack und Pack abzureisen, d, h, uns«en oftllcicht letzten Dergzug abwärts zu benutzen. Im großen Spestesaal war wohl,sür 100 Persimen an kleineu Tffchen säuberlich gedeckt; em „Ober" s«oierft ft tadellosem Frack; zu uns fünsen gesellte sich eft einzeln« H«r, d« die Höhe vom Mondsee ans erstiegen hotte, Bor meftem Abstftg zu Fuß, inftm ich die prachtvolle Fernsicht noch einmal ganz ft mich ans: dft schneebedeckte Dachsteft- gruppe, den langgestreckten Attersee, den Mondsee, Mehrere kleftc Seen, den Wolfgangsee mft St, Wolsgmrg und St. Hilgen — und all die anderen vielen Ortschaften, die da unten zu meften Füßen lagen — scheinbar im tiefsten Frieden! So schön alles! Und doch eft «logener Friede! Ich mache mich auf den Weg — stell — steinig — die Fernsicht wechselt — vorbei an eft« Kuhh«de — die Leitkuh mit einer Riesengftcke, Sehr warm scheftt die Sonne, ich laste mich med« — ganz nahe blühen Alpenrosen, ab« un«reichbar eftes Abgrunds wegen. Da bemerke ich ganz ftef unftr mft eften Menschen, der mühsam und langsam den B«g ersteigt Mrrch das Glas sehe ich, daß er Helm und (Gewehr ftägk; ich iftschließe, ihn zu erwarten und auszufragcn: endlich ist « bei mir, eft Lauft, gcndarm. Er muß zu allen Sennen ringsum, diesen die Mobll- machungsorder zu überbrftgen, von Deutschland weiß er nichts und das interessierte mich doch am mcftcn —; « zeigt mft noch seftm Mannlicher Stutzen, ich photographi«e ihn, dann scheiden wft, Mft bangen Gefühlen ft der Brust erreiche ich nach vi« Stund«i «n lleftcs Gasthaus dicht bei St, Woligang, Me Kell- n«ft bittet mich, rasch zu zahlen, denn sie wolle zum Landungssteg, wo 400 Einberufene mft dem Dampsboot in Kürze abfahren. Auch ich eüe dorthft: auf dem engen Marktplatz stehen sie — jüngere und ältere; d« größte Teü ist ab« mft Frauen und Kftweru ft d« nahen Kwche; ernst und schw« ertöft die Orgel, Dann leert sich das Gotteshaus, Die Manu« halten noch ft beiden Händen die Hüte — die Frauen meinen, kleine Kinder auf dem Arm, Nun naht dft Abschiedsstunde, Es formiert sich d« Zug, an deffen Spitze dft ländliche Muftvapelle trftt, Hftr nnd da hört man woV änch eft Sch«pvort — einige haben sich Mut getrunken Floll setzt d« Radetzkp-Wcrrsch eft — durch eine AuzaU Gassen und Gäßchen ft abstchllfthen Umwegen gehlls hftamt« zum Landungssteg, — vor dem Hotel zum „Weißen RöN". Urfterwegs strömen aus ft len Häusern Zuzüft«, eftige wenige besonders geschmückt und ft d« bchftp Joppe, Manche haben eft schwaxz-gclbcs Fähnchen am .Bergstock befestigt und Kivcbc und Schule. Ansprache beim bessischen Brltag, Auf Anordnung Sr. .'igl Hoheit des Grostlierzwgs wurde ai» Sonnlag von den Knilzeln aller evangelischen Kirchen unseres Landes die folgende Ansprache verlesene „Teure evangelische tsla»ben»qenvssen! Der unserem Vater - lande in einer Zeit friedlicher Entwickelung so frevelhaft auigc zwungenc Krieg mahnt unser Volt mit unerbittlichem Ernst, seine ganze Krasl für den Schutz de» mit dem Blute unserer Väter er ivorbenen teuren Vaterlandes einzusetzen, mahnt uns Christen, dies zu tun in der demütigen Beugung unter Gottes gewaltige Hand, die auch in dieser Fügung stärker ist als Menschenhand, Nicht in fluchtiger Äuswallturg könitcn die Taten getan und die Opfer gebracht iverden, die diese ernste Stunde der Weltgeschichte vvn uns fordert, sondern nur mit der tiefsten sittlichen Kraft unseres Volles und in deni Glauben, der unseren V steril in schioersten Stunden Mut, Halt und Trost verliehen: im Glauben an den lebendigen Gott, der die Geschicke der Völker ivic des Einzelnen nicht dem blinden Spiel des Hasses und der Leidensäiaft preisgibt: im Glauben an den Heiland, der uns die Treue bis in den Tod ge halte», und an ein ewiges Reich des Friedens bei Gott, In diesem Glauben ziehen unsere Söhne gegen der Feinde gewaltigen Ansturm: in ihn> verbunden soll hinter dem Heer der Streitenden das Heer der Beter stehen, das sich vor dem Thron des Höchsten um seine Heiligtümer schart. Zur ernsten Einkehr vor seinem Gott ruft diese Zeit unser Volk in allen seinen Ständen, oben mid unten: zur aufrichtigen Buße, zur religiösen und sittlichen Erneuerung, wo wir in der langen Friedenszeit schlaft und untüchtig geworden sind, zum Trost und zu stiller Er- gckung, wenn es uns Schiveres zu tragen auscrlegt: aber auch zur Ermutigung und Stärkung aus den ewigen Oucllcn unserer Kraft, Mögen die Kirchenglocken in der vor uns liegenden Zeit offene Ohren und Herzen finden! Mögen aber auch alle Unterschiede der Partei und des Standes verschwinden vor der einen groben Aufgabe, bei deren Erfüllung jeder an seinem Platze mitzuwirken bat! Gesegnet sei heute mehr als je jedes Werk erbarmender Bruderliebe und opferwilliger Hilfsbereitschaft in unserer Mitte! Der Starke helsc k«m Schwachen, der Wohlhabende denen, in deren Haus mit dem W^zug des Gatten, des Sohnes Sorge und Not eingckehrt sind I Wir begrüßen aufs wärmste alle Unternehmungen zum Woblc unserer tapferen Krieger und ihrer Familien und sind gewiß, daß mit den Geistlichen die Vertreter und Glieder unserer Gemeinden an diesen Bestrebungen regen Anteil nehmen werden, Gott, der Herr, aber gehe nicht ins Gericht mit uns! Er segne und schütze unsere Männer und Jünglinge, die zu heißen, Ringen fürs Vaterland hinausziehen, und lasse sic auch dem Feinde gegenüber sich als Christen erweisen. Er behüte mit seiner Votertreue ihre zurückblckbendcn Familienglicder, Er gebe unseren! lieben deutschen Volk nach seinem heiligen Willen Gelingen und Sieg, nach innen aber Besinnung auf ihn und sein Won und gesegnete Früchte der Wiedergeburt aus den Tiefen unseres Glaubens!" * Berlin, II. Aug. In den Schulen wurden beute vor Beginn der UaterNchtS anläßlich der Krieges besondere Feiern abgchalten, bei welchen Gebete für un'er Peer und unsere Marine gesprochen und in die Gebete besonders die Lehrer eingeflochten wurden, die z» den Fahnen geeilt sind. Durchweg ernnrhnten die Schulleiter die Kinder, überall helfend cinzuarcilen, insbesondere den Müttern zur Sette zu stehe», während die Väter für das Valer- lavd kämpiten. Die Schule wird deshalb möglichft wenig Hausarbeiten aufgeben. Kn» Stadt «nd Cond« Gießen. 12. August 1914. Beförderung von Reisegepäck und Lebensmitteln. Vom 11, Mobilnurchungstage (12, August) ab darf nach einer amtlichen BaSanntmachung Reisegepäck wieder angenommen und mit allen Militärloürlzügen beförchert werden, Ferner werden vom gleichen Tage an bis auf weiteres sämtliche Militürlokalzügc zur Beförderung von Lebensmitteln, wie Getreide, Mehl, ^>alz, Kartoffeln, Fleisch, Wursttoarcn, Brot, Eier, Butter, Käse, Gemüse, Hüssen- srüchte, Obst usw, freigegeben. Auch Vieh darf in beschränktem Umfange mtt diesen Zügen befördert werden. Hierüber geben die Dienststellen nähere Auskunft, Die Freigabe der Militärlokalzüge für Lebensmittel und Vieh erstreckt sich liefen wir in München ein: glühend bramnte die Sonne nieder. Und welches Bild dort! Wer den Münchener Hauptbahnhof kennt, kann sich über dessen Veränderung keine Vorstellung machen. Nur das Militär herrschte: auch hier die diensttuenden Soldaten mit ausgestecktcm Seitengewehr, das bei der baperifchen Armee wohl dreimal so lang ist, wie bei uns und sehr respektier! ich aussieht. In und vor dem Bahnhof Menschcnmassen, die durcheinander wogten: im Bahnhof selbst vielfach abgesperrt, so daß Stauungen unvenneidlich ivaren. Zunächst versuchte ich meinen Koffer weiter zu erpedieren. Es wurde mir aber von drei Seiten bestätigt, daß Gepäck überhaupt nicht mehr befördert würde. Bor den Gepäckhallen auch wieder Mllitärposten und auf den Bahnsteigen - längs der Geleise -- türmten sich bereits die Koffer in allen Größen und Farben, Die Flucht aus Oesterreich, Oberbayern usw, war eben eine allgemeine und plötzlich. Man mußre froh sein, wenn man selbst noch besördert wurde! Zunächst hatte ich aber ein paar Stunden Zeit, die ich im Warlesaal zum Mittag eisen benutzen wollte: dort herrschte aber ein solches Gewühl von Menschen und eine Lust zrmi Ersticken, daß ich in ein nahes Restaurant eilen mutzte, Hier fand ich noch ein Plätzchen und erfuhr von zwei bayerischen Offizieren, daß man am Morgen dieses Tages in München drei serbische und acht russische Spione erschossen habe. Während wir noch davon sprachen, wurden schon wieder zwei Leute — vermutlich auch Spione — ergriffen und zunächst mal verhauen: gleichzeitig rannte ein mit vier Offizieren besetztes Auto in einen Wagen hineiln und konnte nicht mehr vorwärts nach rückwärts: ich konnte dies alles von meinem Platze aus sehr gut beobachten. Da auch mein Schnellzug nach Frankfurt der allerletzte war, der für das Publikum abgelassen wurde, rechnete ich mit einem enormen Andrang und stellle mich genau hundert Minuten vor Abgang an der Sperre aus. Das war nicht angenehyi, aber wertvoll, denn hinter mir wuchs die Menge von Minute zu Minute und drückte mich und andere bereits an das eiserne Gitter: dazu die Hitze! Aber schon eine halbe Stunde vor Abgang wurde der Zug in die Halle gestoßen und sogleich die Sperre geöffnet. Rücksichtslos wurde gestürmt, aber ich bekam, weil ich vorne war, einen guten Platz iür die weite Strecke, — Auf die Minute wurde abgesabren — leider ohne Gepäck! Ob ich meinen Kosser überhaupt je wiedcrsehe? In vorzüglicher ichneller Fahrt, aber mit überfüllten Abteilen ging es bis Würzburg, Ueberall, wo wrr dielten, wurden wir begeistert empfangen, auch an allen durchfahrenen Stationen rief mau uns zu und schwenkte Tücher oder kleine Fahnen: Zivilpvsten bewachten die Strecke mit einer Binde um den Arm: aber zu essen oder zu trinken gab es nichts und ein Spciiewagen lies nicht mit. Auch die Tätigkeit des Roten Kreuzes, den durchfahrenden Militärzügen Erfrischungen anlzubieten, hatte noch nicht eingesetzt In Würzburg wurde sehr lange gehalten, dann wurden wir aus erg totes Geleise geschoben und schließlich lagen wir voll« zwei Stunden fest, weil Militärzüge vorgelassen werden mutzten. Mit etwa 2'."'. Stunden Verspätung kamen wir in Frankfurt an. Noch hätte ich gerade den wohl allen Gietzenern bekannten letzten Zug ab Frankfurt 11,13 erreichen können, aber der siel bereits aus und ich konnte erst anderen Tags affo am dritten Mobilmachungstage (4, Aug.) um 1,14 hierher abfahven mit einem Zuge, der kriegsiahrplanmäßrg dreieinhalb Stunden braucht. Auch in Frankfurt ein ähnliches Bild wie in München — doch hier wie dort eine heilige Begeisterung und eine vei> bffsenr Wut über unsere drei Feind«, die wie Raubttere aus ihrem Bersteck über uns hcrgesallen sind. zunächst nur auf Transporte innerhalb des Eiseudahndirek- lionsbezirks Frankfurt a M, Ob und inwieweit demnächst auch Lebensmittel- und Biehfeudungen nach Bahnhöfen anderer Bezirke angenornmen iverden, wird rechtzeitig bekannt gemacht, E i n A n s p r u ch a n f B e f ö r d e r u n g b e st e h t jedochnicht;sieerfolgtauchnurinsoweit.als die Züge nicht durch militärische Transporte bereits voll belastet sind. In Gießen hat die Änslieferung des Gutes bei der Eilgntabfertignng zu er- solgen. Me Beförderung geschieht ans weißem Frachtbrief zu den Frachtgutsätzen, Tr inker-Fürsorgestellesür Stadt und Landkreir Gießen, Gießen 'Asterweg 9. Sprechstunde jeden Donnerstag adend 6 bi$ 7 V, Uhr. ** Aufbewahrung und Verwaltung von Wertpapieren, Das ftontor der R ei ch s ha u p t b a n k für Wertpapiere in Berlin SW, 11-, vausvogiciplatz 14, nimmt nach wie vor und zu den bisherigen Bedingungen Wertpapiere jeder Art zur Aufbewahrung und Verwaltung entgegen, " G e » o s I e » j ck> a s I i > ch c Fürsorge, Die G i e b e n e r Zigarre»-Ge»osse»schastssabrik deschloß, iiir die Sin- gehörigen ihrer zu den statinen gerufenen Arbeiler wöchentlich je 10 iHf. zu bewilligen. Von deujeuigeu Arbeiler», die iniolge des Krieges ivege» Einschränkung des Betriebes auSIetzen müssen, erhalten die männliche» 10 Mk,, die iveiblichen 8 Air. pro Woche anSgezahlt. Diese? Beiiviei von Fürsorge seitens einer lediglich aus Arbeilcru bestehenden Genosteuichait verdient alle Anerkennung. ** Vereins-Spende, Ter Bauer'sche Gesangverein bewilligte als Unterstützung seiner zur Fahne einberu- »enen Mitglieder beztv, deren Angehörigen vorläuffg 300 Mk, Außerdem wurden dem Roten Kreuz 200 Mk, überwiesen, ** Für da s Rote Kreuz, Das To »wert H litte nb erg stellte dem Roten Kreuz 36 komplette Bettstellen und Herr P, W. Wilson außerdem 36 fast neue Betten zur Berfstgung, ** E i n g e! ch in o l z e n e russische Orden. Die >nehr- sache Anwesenheit des Zaren i» Deutschland, und besonders t» Darmftadt, brachte fast regelmäßig einen ziemlich starken Ordens- regen des Zaren an Verivaltungs-, Polizei- und Hoibeawte die teilweise eine» nicht ui,bedeutenden Wert haben. Ein dortiger Polizeil>«ainler, der wiederholt Gelegenheit halte, mit den, Zaren persönlich zu verkehren, hat nun seine drei Orden, darunter eine goldene Denkuiüuze, einschmeize» lassen und den Erlös von 40 Mk. dem Roten Kreuz gestiftet. Lauvkreis Gießen. -i- Ettingshausen, 10. Aug. In der Piarrei Ettinqs- Hauseii-Hattenrod, die jetzt »och etwa 850 Seelen zählt, gingen in der Kollekte am Beitag 700 Mk. ein, so daß dir jetzt 775 Mk, abgesandt werden konnten, Kreis Lauterback, X Schlitz, 10. Aug. Wie 1870/71, so wird auch diesmal hier, und zwar in der Vorderburg, ein Lazarett mtt 40 Belten eingerichiei. Die Opierwilligkeit des Schlitzerlandes bei den stamm- luiigeu iiir das Rote Kreuz ist außerordentlich groß. So brachte die bienge Bürgerschaft über 1 7 00 Mark zusamnwn. Ti« Dörfer Ober- und Unter-Wegfurth und Nnterichwarz, die zusammen etwa 320 Etiiwohner zählen, und zwar durchweg Leute in kleinen Verbältniffe», ivendeten 377 Mk„ Uetzhanlen init 170 Einwohnern brachie 190 Mk. auf, Hartershausen mit 270 Einwohnern 300 Mk., Hemme» mit 170 Einwohnern 171 Mk. Die gleiche Opi-rwillig- keit, wie sie hierzulande noch »ie erlebt wurde, tri» in allen Gemeinden des Schlitzerlandes zutage. Kreis Friedberg, h, Ober-Mörlen, 11, Au^, Von einem Däühleu- suh-rwerk wurde' das zweijährige Kind des hiesigen Einwohners Buchenau überfahren und. auf der Stelle getötet. Hefsrn-Naffan, (h) Frankfurt a. M,, 11,Aug, Die hier roohnenden und zurzeit hier weilenden Amerikaner Hiekien heute im „Frankfurter Hof" eine stark besuchte Versammlung ab, iu der die Bildung eines Vereins beschloffcn wurde, der sich mtt allen Kräften der notleidenden deutschen Kriegcrffrauen und -Kinder widmen will. Eine Sammlung für die deutschen Familien, deren Ernährer im Felde stehen, ergab eine bedeutende K-umme, Gicßener Strafkammer. Gießen, den.11, August 1914. Freigesprochen wurde das Dienstmädchen Katharine Sp. aus Frankfurt a, M, von der Anklage der intellektuellen Urkundenfälschung, Dieselbe war seinerzeit in schwangerem Zustande hierher in die llniverfilätsiraucukliuik gekommen und bat hier angegeben, sie heiße Therese Seil, Als sie dann ein Kind bekam, wurde auch dieser Namen in das Standesamtsrcgistrr eingettagen. Die Angeklagte gibt an, sie habe die falschen Personalien nur angegeben, weil 'sie Angst gehabt habe, es würde in ihre Heimatgememdc berichtet, daß sie außerehelich geboren babc, davon, daß diese Namcnsangabe auch für den Einttaq ins Standesaintsregisler maßgebend sei, habe sie nichts gewußt, sei auch darauf nicht aufmerksam gemacht worden, — Der Nachweis, daß die Angeklagte wußte, daß ihre Persoiialangabe für den Slandesamtseinttag ,rrmck>legend sei, konnte heute nicht geführt werden. Ein Jahr zwei Monate Zuchthaus und fünf Jahre Ehrverlust erhielt der Dienstmann Christ, N, aus Gießen wegen Verbrechens gegen 3159 StGB, Derselbe hotte seinerzeit nach Verhandlung einer Beleidigungsklage gegen seine Ehefrau vor diesigem Schössengericht iu der Landgrasenstraße wic- dcrhvtt lau! ,,Psui" gerufen und hatte deshalb einen Strafbefehl über 6Mk, erhalten, gegen den er Einspruch erhob und die Sache zur Hauptverhandlung brachte. Um nun ein,freisprechendes Utteil zu erzielen, hat er versucht, drei Personen zu einem Meineid zu verleiten und hat sich mm wegen der Geringfügigkeit, einem Wert von sechs Mark, — eine derartige Strafe zugezvgen. Ausgesetzt wurde die Sache gegen den Schreiner Karl M aus Brette» wegen Betrugs im strafrechtlichen Rückfall, da eventuell Begnadigung und Niederschlagung der Sache in Betracht kommen könne. Letzte JTaoimcfttcn. Blockade der montenegrinischen Küste. Wien, 12, Aug, Gestern mittag wurde über die montenegrinische Küste die efsektive Blockade verhängt. Den Schiffen der befreundeten und neutralen Mächte wurde eine 24stündige Auslausfrist gewährt. Den ausländischen diplomatischen Vertretungen wurde die Blockade notifiziert. Die Zuversicht in Oesterreich. Wien, 12, August, Die Blätter heben neuerdings die hohe Bedeutung des deutschen Sieges bei Mülhausen hervor, wodurch der Lieblingsgedanke des französischen Gencralstabes, sofort bei Krstgs- beginn zur Erhebung des Geistes der französischen Armee diese in elsässisches Gebiet einbrechen zu lassen, gescheitert wäre. Die Blätter erklären, jeder Tag verstärke die Erwartung, daß durch die deutsche Offensive »asche Entscheidung herbcigeführt würde. Gefangene Rüssen. Wien, 12, August. Nach Blättermeldungen ttasen gestern vormittag _ auf dem Nordbahnhofe imter starker Bedeckung etwa 8 0 Russen, teils Deserteure, teils Wehrpflichtige ein, die bei dem Versuch, über die Grenze zu gelangen, ststgenonrmen wurden. Ein Stimmungsbild aus Rußland. Wien, 12, Aug, Die Blätter veröffentlichen den Bericht eines Czernowitzer Mittelschulprofessors, der noch abenteuerlicher Fahrt aus Odessa hier eingetrofsen ist und bis zum 6, August in Odessa sich ausgehalten halte, In Odessa, wo die Stimmung keineswegs für dem K r i e g w a r, wurde von halbwückisigeu Burschen unter Führung der Polizei eine Kundgebung sür den Krieg veranstaltet. Die Nachricht von dem Einmarsch der deutschen Truppen in Polen nahm die Intelligenz mit Bedauern auf, weil Deutschland mit Oesterreich-Ungarn die Polen befreiten, die übrigen Russen aber unter der Knute des Zaren ließen. Die russischen Zeitungen liefern Berichte über Heldentaten der Kosaken, Die Don- und Uralkosaken sollen die Ndobrl- machung sehr kühl ausgenommen haben, angeblich sollen auch Meutereien vorgekommen sein. Der Plan der russischen Regierung, die Kosaken als Avantgarde zum Einsall in Deutschland und Oesterreich-Ungarn zu verwenden, scheint gescheitert. Dir Siegesnachricht von Luneville. Berlin, 12, Aug, Der Kaiser empfing gestern abend 7 3 /* Uhr bmt Botschafter Fürsten Lichnowski und den bisherigen deutschen Gesandten in Brüssel v, Below-Saleski, Als im Schlosse die Nachrich- von dem Siege in Lothringen eingetroffen war, befahl der Kaiser, die Nachricht soiort in der Umgebung des Schlosses durch Schutzleute dem Publikum bekannt- zugcben, was auch gcschab Die Nachricht wurde fteudig begrüßt und mtt Hurrarufen ausgenommen, _ Verantwortlich für den gesamten redaktionellen Teil: Aug, Goctz. Amtlicher Teil. Betr,: Me Roie-Kreuz-Tätigkeit, An die Grotzh. Bürgenneifterne« der Landgemeinden des Kreises. Wie uns mitgeteilt iporbrn ist, meloen sich iottwährend Frauen und Mädchen aus den Landgemeinden bei der hiesigen Zweigstelle des Roten Kreuzes an, um sich hier im Interesse des Roten Kreuzes zu betätige». Gleichzeitig erfuhren wir, daß der Bedarf des hiesigen Roten Kreuzes schon mehr wie gedeckt ist. Wir empfehlen Ihnen deshall', die in Ihre'. Gemeinde wobnenden Frauen und Mädchen, die sich für die gute* Sache bereits hier in Gießen gemeldet haben oder noch zu melden beabsichtigen und die Ihnen jedenfalls nicht wibekannt sind, in ihrem eigenen Interesse daraus hinzu- weisen, daß vorderhand eine Einberwung derjenigen, die sich gemeldet haben, nach dem Vorgesagten wohl kaum zu erwarten ist, daß aber ihre Menste sür das Rote Kreuz demnächst nicht nur in Ansprmh genommen, sondern auch undedingt notwendig sein werden, Es werden sich also in Kürze atle Frauen und Mädchen, die vom Lande sind, auf dein Lande fürs Vaterland betätigen können. Weiteres wird von dem zurzeit in Bildung begriffenen Kreiskomttee durch Vermittlung der Ortsausschüsse bekannt gegeben, Gießen, den 11, August 1914, Grvßherzogliches Kreisamt Gießen, _ Pr. H 1 i n