Kr. 185 Der «tefimr Knjflgtr erschein! »Vflltcti, außer konutagS. - Beilagen: viermal wöebcmtich Sietzener.^amilienblättcr; -,v«m m l ivöchent l.Urcir- dlattsürdenKrei! Liehen (Dienstag und Freitags; zweimal monail. Land» wirlschasllich« Scilfrage» Fmnsprech - Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag ». Expedition öl Adresse sür Depeschen: «uzcigcr Gießen. Annahme von Anzeigen sür die Tagesnuinincr bis vormittags 9 Uhr. Erster Blatt M. Jahrgang Montag, O. August 19M General-Anzeiger sür Oberhessen Rotationsdruck und Verlag der vrühl'schen llniv.-vuch- und SteindruÄerei R. Lange. Redaktion. Expedition und Druckerei: Schulstratze 7. Bezugspreis: moi>atlich7öM., vierteljährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 05 Ps.: durch diePoft Mk.2.—viertel« jährl. ausschl. AesteUq. Zeilenvreis: lokallöPft ausivärts 20 Pseimiq. Lhesredakteur: 21. Goetz. Verantwortlich für den polil. Teil: 21ug. Goetz; sür .Feuilleton", ,Der- mischles" unü.Werichts» saal": Karl Neurath; sür .Stadl und Land": Kurt Bendt; lür üen Anzeigenteil: H. Beck. Der Einzug in Belgien. Ein Kampf vor der Themse-Mündung. Am gestrigen Sonntag kamen neue Botschaften, die uns das Hers; höher schlagen ließen und die wir durch Aushang bereits bestrrmtgemacht haben. Ein kleiner deutscher Dampser hat sich bis vor die Themsemündung vorgewagt, dort Minen ausgelegt und einen Kamps bestanden, in dem er sein todesmutiges Vorgehen allerdings mit dem Untergang besiegelte. Englische Torpedoboote brachten unsere wackere „Königin Luise" zum Sinken, aber zugleich ist auch ein kleiner englischer Kreuzer namens „Amphion" ins nasse Grab gegangen, als er beim Vorgehen gegen das deutsche Schiff auf eine von diesem Mts gelegte *ne geriet. Das ist ein Gegenstück zu dem deutschen Handstreich auf Lüttich, und wir haben nun wieder den Beiveis, daß der Eleist bei unseren Seelenten ebenso tapfer und wagemutig ist wie der unserer Reiterei und Fußtruppen. Zielbewußtheit auf allen Seiten und der feste Wille zum Siege zcigeit sich auf deutscher Seite überall. So sind im Osten und im Westen die Feinde von den deutschen Truppen zurückgeschlagen worden; von den Russen sind 8 Kanonen und mehrere Mnni- lionsmagcn erbeutet worden! Sck)ncll und tapfer sind aitch die begleitenden diploma- tischen Schritte getan worden. Wir erhalten heute in den nachstehenden Mitteilungen genaue Kenntnis über die Noten, die an Belgien gerichtet worden sind: Im Falle eines freundschaftlichen Verhaltens volle Entschädigung und Ersatz entstandener Kosten, im anderen Falle Behandlung als Feind mit allen daraus später erwachsenden Folgen. Belgien hat es vorgezogcn, sich uns feindlich gegenüberzustellen, und nicht nur dies, sondern seine Bewohner haben sogar hinterrücks auf unsere Soldaten geschossen. Mit vollem Rechte wird in einer amtlichen Kundgebung dargetan, daß die Belgier und die lif: Franzosen, die das gleiche völkerrechtswidrige Verhalten an den Tag gelegt haben, damit die Verantwortung übernehmen für die Unerbittlichkeit und wachsende Leidenschaftlichkeit, mit der dieser Krieg geführt werden wird. Die deutschen Truppenführcr werden es den heimtückischen Mordgesellen bald anstreiben, ihr sckändlichcs Verfahren fortzusetzcn. Wir erhalten folgende Meldungen: Ein Kamps beim Lege» von Minen vor der Themsemündung. Berlin, 8. Aug. Ziemlich sicheren Gerüchten zufolge, die das amtliche Wolsf-Bureau weiter verbreitet, ist der von der Kais. Marine übernommene Bäderdampfer „Königin Luise" beim Legen von Minen vor dem Kriegshafen an der Themse Mündung von einer Torpedobootsflottille unter Führung des kleinen Kreuzers „Amphion" angegriffen und zum Sinken gebracht worden. „A m P h i o n" ist auf eine von der „Königin Luise" geworfene Mine gelaufen und gesunken. Von der englischen Besatzung sind dem Vernehmen nach 130 Mann ertrunken und 150 Mann gerettet. Von der 6 Offiziere und 144 Mann zählenden Besatzung der „Königin Luise" ist ebenfalls ein Teil gerettet. „Antphion" war ein geschützter Kreuzer von 3500 t Deplacement mit 290 Mann Besatzung, der am 14. März 1911 vom Stapel gelaufen ist. Seine Länge betrug 117.3 m, seine Breite 12.6 rn. Er hatte zehn Geschütze von 10.2 cm und vier von 4.7 om Kaliber. Einzug der Engländer in Togo. Berlin, 9. August. Wie wir hören, ist vor der Hauptstadt von Togo, Lome, eine starke englische Truppcnexpedition von der benachbarten englischen Goldküste erschienen. In Abwesenheit der kleinen Polizeitruppc und sämtlicher wehrfähiger Weißer, die sich mit dem stellvertretenden Gouverneur zum Schutze wichtiger Stationen in das Hinterland begeben hatten, nahmen die Engländer von der Hauptstadt Besitz unter feierlicher Zusage, die Ordnung ausrecht zu erhalten und das Eigentum zu schützen. Ei» englischer Aufruf gegen die Kricgsbeteiligung. Dem „Bcrl. Tgbl." ist ein englisches Flugblatt jugegangen, das in Tausenden von Exemplaren in den Straßen Londons verbreitet wurde und wie folgt lautet: „Engländer tut Eure Pflicht und haltetEuerLandsern von cinem s chm ähl i ch en und u n sinni g en Krieg. Eine kleine, aber mächtige Kligue will Euch in diesen Krieg treiben. Ihr müsst diese Verschwörung vernichten, oder es wird zu svät sein. Fragt Euch selbst: warum sollen wir in den Krieg ziehen? Tie Kliquenpartci sagt: wir müssen bas Gleichgewicht der Kräfte ausrecht erhalten; wenn Deutschland Holland oder Belgien annektiert, wird es so mächtig sein, daß cs auch uns bedroht. Aber diese Kliquenpartei s a g t E u ch n i ch t d i e W a h r h e i t. Es ist vielmehr Tatsache, daß, wenn wir an der Seite Frankreichs und Rußlands kämpfen, das Gleichgewicht der Mächte geltört werden würde wie nie zuvor. Wir würden Rußland zu der gewaltigsten militärischen Macht auf, dem Kontinent machen, und Ihr wißt, was sür eine Macht Rußland ist. Es ist Eure Pflicht, das Land vor dem Verderben zu retten. Handelt, bevor es zu spät ist." Der Aufruf ist im Namen der N e u t r a 1 1 18 e a fl lt c erlassen und von einer Reihe bekannter Engländer und Engländerinnen unterzeichnet. Fm englischen Unterhause erbat am Samstag Premierminister A s q u i t h im Namen des Kriegsministers Lord Kitchencr Vollmacht, die Armee um eine halbe Million zu verinehren. (Beifall.) Das ist eiire große Gebärde, die aber nicht in eine spürbare Tat gegen Deutschland umgesetzt werden kann. Kriegszustand über Aegypten. Kairo, 8. Aug. lieber Acgypten ist der Kriegszustand verhängt 'worden. Pressestimnien zu dem Heldenstück der Königin Luise. Zit dem ersten deutsch-englischen Zusammenstoß zur See schreibt die „D rutsche Tageszeitung"': Daß unsere Flotte in allen ihren Teilen, und überall wo deutsche Kriegsschiffe find,, aktiv und schneidig Vorgehen wird, davon ist wohl jeder Deutsche von vorne herein überzeugt gewesen. Der Untergang des „Amphion" gibt einen glänzenden Tatbcweis über den Ernst in der Nordsee. Die Helden, welche sich dem gewaltigen Unternehmen unterzogen haben, sind nicht umsonst gestorben. Ehre ihrem Andenken! Die „Tägliche Rundschau" schreibt: Die Engländer werden an diesem 2lujtakt des Kampfes zur See erkennen müssen, daß wirklich nicht die Zahl und Größe der Schisse allein das Entscheidende ist. Wir hoffen und vertrauen und sic mögen gewärtigen, daß der Geist der rücksichtslosen Selbstauf- opfcrnng, der allein das kühne Unternehmen der „Königin Luise" möglich gemacht hat, jedein Fahrzeug unserer Flotte ein Leben, eine Gewalt und eine moralische Kraft gibt, die nicht in den toten Angaben der Flotlentabellen zum Ausdruck kommt. Es wird aus die Engländer gewiß nicht ohne starken Einfluß bleiben, daß ein so harmloses Schiffchen wie die „Königin Luise" in diesen Tagen sich in den allereigcnsten .Herrschbereich der englischen Armada wagt und mit solchem Erfolg sich hinsinwagt. Außer dem Verlust eines wertvollen Kriegsschiffes hat ihnen dieser gewiß unerwartete Besuch an ihrer Themsemündung auch noch die Sorge eröffnet, daß diese so überaus wichtige Mceresgegeird nun mit Minen verseucht ist und ihnen mit weiterem lli.süi droht. England vergrößert seine Flotte. Konstantinopel, 8. ?lngust. Die Regierung gibt amtlich bekannt, daß England die dort im Bau befindlichen der TürkeigehörigenGroßliniens chiffö „2 ul tan Osma n" und ^.R e s cha d i e h", sowie zwei für Chile im Bau begriffene, von der Türkei angekaufte Zerstörer von 1850 Tonnen in die englische Flotte ein gereiht hat. Die neuen Rainen der Linienschiffe sind „Azincourt" und „Erin". Die Handlungsweise Englands erregt in der Türkei lebhaftes Erstaunen und Proteste von allen Seiten. Die Einnahme von Lüttich. Berlin, 9. Aug. Lüttich ist fest in unserer Hand. Die Verluste des Feindes sind groß. Unsere Verluste werden sofort mitgeteilt, sobald sie zuverlässig bekannt sind. Der Abtransport von 3000 bis 4000 Kriegsgefangenen aus Belgien hat bereits begonnen. Nach vorliegenden Nachrichten hatten wir in Lüttich ein Viertel der gesamten belgischen Armee gegen uns. Mit dem Einsetzen der Kriegshandlung wird natürlich, so schreibt das Wolfs-Bureau in amtlichem Auftrag, in dem ganzen Volke der Wunsch laut, stets schleunige Kenntnis von unseren Verlusten zu erhalten. Dieser Wunsch ist durchaus begreiflich, es^wird ihm in offenster, weitestgehender Weise Rechnung getragen werden. Jeder, der mit den militärischen Verhältnissen vertraut ist, wird aber auch verstehen, daß es einer gewissen Zeit bedarf, bis Man nach dem Gefecht die Zahl der Verluste übersehen kann. Es ist sogar sür die am Kampfe beteiligten Regimenter unmöglich, bevor die von der Truppe Abgckommenen sich wieder eingeftinden haben, ein einigermaßen zuverlässiges Bild zu geben. Es ist Vorsorge dahin getroffen worden, daß die Truppen durch die Militärbehörden in der Heimat die Angehörigen so schnell wie möglich benachrichkigcu. Außerdem werden regimenterweise zusammenge st eilte Verlust- l i st e n veröffentlicht werden. Die Heeresleitung rechnet auch hier auf das Vertrauen des tapferen und zu jedem Opfer bereiten Volkes, in dem sie die festeste Stütze findet bei dem uns ausgezwungenen Kampf. Französische nnd belgische Franktireurs. Die von den Kämpfen um Lüttich vorliegenden Meldungen lassen erkennen, so schreibt das Wolfs-Bureau, daß die Landesbewohner sich an dem Kampfe beteiligt haben. Truppen sind aus dem Hinterhalt, Aerzte bei der Ausübung ihrer Tätigkeit beschossen worden. Gegen Verwundete wurden Grausamkeiten von der Bevölkerung verübt. Ebenso liegen Meldungen vor, daß die französische Grenzbevölkerung gegenüber Metz aus dem Hinterhalte deutsche ’ Patrouillen abgeschossen hat. Es kann sein, daß die Vorfälle durch die Zusammensetzung der Bevölkerung jenes Jndustricbezirks hervorgerufen worden sind, es kann aber auch sein, daß ein Franktireurkrieg in Frankreich nnd Belgien vorbereitet worden ist und gegen unsere Truppen augewendct werden soll. Sollte letzteres zutreffend und durch eine Wiederholung solcher Vorfälle erwiesen werden, so haben unsere Gegner es sich selbst zuzuschreiben, wenn der Krieg mit unerbittlicher Strenge auch gegen die schuldige Bevölkerung geführt wird. Man wird es den deutschen Truppen, welche gewöhnt sind, Disziplin zu .halten und den Krieg nur gegen die bewaffnete Macht des feindlichen Staates zu führen, nicht verdenken können, wenn sie in gerechter Selbstverteidigung keinen Pardon geben. Die Hoffnung, durch Entfesselung der Leidenschaften des Volkes aus den Krieg einzuwirken, wird an der unerschütterlichen Energie unserer Führer und Truppen zu schänden werden. Vor dem neutralen Ausland sei aber schon zu Beginn des Krieges festgestellt, daß nicht die deutschen Truppen es waren, die eine solche Form des Krieges hervorriefen. Unsere Stellung zu Belgien. Zur Widerlegung der in London und Paris über die Haltung der deutschen Regierung in der belgischen Frage verbreiteten Unwahrheiten veröffentlicht das Wolfs-Bureau den Wortlaut der telegraphischen Anweisung an den deutschen Gesandten in Brüssel vom 2. August 1914: „Der Kaiserlichen Regierung liegen zuverlässige Nachrichten über einen beabsichtigten Aufmarsch französischer Streitkräste an der Maasstrecke Givet—Naniur vor. Sie lassen keinen Zweifel über die Absicht Frankreichs, durch belgisches Gebiet gegen Deutschland vorzngehen. Die Kaiserliche Regierung kann sich der Besorgnis nicht erwehren, daß Belgien trotz besten Willens nicht imstande sein wird, ohne Hilfe den französischen Vormarsch mit so großer Aussicht auf Erfolg abzuwehren, daß darin eine ausreichend« Sickierbeit gegen die Bedrohung Deutschlands gesunden werden kann. Es ist ein Gebot der Seäbsterhal'tung für Deutschland, dem feindlichen Angriff znvvrznkoimncn. Mit größtem Bedauern würde es daher die deutsche Regierung erfüllen, wenn Belgien einen ?lkt der Feindseligkeit gegen sich darin erblicken würde, daß die Maßnahmen seiner dlcgner 'Deutschland zwingen, zur Gegenwehr auch seinerseits belgisches Gebiet zu betreten." Um jede Mißdeutung auszuschließen, erklärt die Kaiserliche Regierung folgendes: 1. Deutschland beabsichtigt keinerlei Feindseligkeiten gegen— Belgien. Ist Belgien gewillt, in dem bevorstehenden Kriege Deutschland gegenüber wohlwollende Neutralität einznnehinen, so ver- pilichtct sich die deutsche Regierung, beim Fricdcnsschluß den Besitzstand rmd die Unabhängigkeit des Königreichs in vollcin Umfang zu garantieren. 2. Deutschland vcrpstichtet sich unter obiger Voraussetzung, das Gebiet des Königreichs wieder zu räumen, sobald der Friede geschlossen ist. 3. Bei einer frenndsckxNtlichen Haltung Belgiens ist Deutschland bereit, im Einvernehmen mit den belgischen Behörden, alle Be- dürfnisse seiner Truppen gegen Barzahlung anzukauscn und jeden Schaden zu ersetzen, der etwa durch deutsche Truppen verursacht werden könnte. Sollte Belgien den deutschen Truppen feindlich entgegentreten, insbesondere ihrem Vorgehen durch Widerstand an den Maasbcfcstigungcn, oder durch Zerstörungen von Eisenbahnen, Straßen, Tunnels oder sonstigen Kunstbauten, Schwierigkeiten bereiten, so wird Deutschland zu seinem Bedauern gezwungen sein, das Königreich als Feind zu betrachten. In diesem Falle würde Deutschland dein Königreich gegenüber keine Verpflichtungen übernehmen können, sondern müßte eine spätere Regelung dcrFVerhältnisse beider Staaten zueinander einer Entscheidung durch die Waffen überlassen. Die kaiserliche Regierung gibt sich der bestimmten .Hoffnung hin, daß diese Eventualität nicht cintrcten, sondern die belgische Regierung die geeignelcn Maßnahmen zu treffen wissen wird, um zu verhindern, daß Vorkommnisse wie die vorstehend erwähnten sich ereignen. In diesem Falle würden die freundschaftlichen Bande, die Heide Nachbarstaaten verbinden, eine weitere dauernde Festigung erfahren. Ew. .Hochwohlgeboren wollen heute abend um 8 Uhr der belgischen Regierung hiervon streng vcrlranliche Mitteilung machen und sie um Erteilung einer unzweideutigen Antwort binnen 12 Stunden, also bis morgen früh 8 Uhr ersuchen. Von der Ausnahme, welche Ihre Eröffnungen dort finden werden, und von der definitiven Antwort der belgischen Regierung wollen Ew. Hochwohlgeboren mir umgehend telegraphische Meldung zugehen lassen, gcz. v. Jagow. General Emmich — ehemaliger 116r! Der Erstürmer von Lüttich, General Emmich, der im Sturm die belgische Festung Lüttich eingenommen und damit das erste Blatt in 'Deutschlands Ruhmeskranz geflochten hat. i st i n H c s s c n keinUnbckannter. Er gehörte eine längere Reihe von Fahren dem Infanterie-Regiment Nr. 116, K a i s e r W i l h e l m, in Gießen an, wo er die Ofsiziersgrade vom Leutnant bis zum Major durchlief, bis dann mit dem weiteren Aufsteigen seine Versetzung in einen nichthessischen Truppenteil erfolgte. Ms General des Posener Ilrmeekorps soll er bei den letzten Kaisermanövcrn durch die Schneidigkeit, Vorsicht nnd Unermüdlichkeit seiner Fühnino die besondere Aufmerksamkeit des Kaisers au> sich gezogen haben. Erfolgreiche Gefechte an der russischen Grenze. B e r l i n. 9. Aug. Tic Grenzschutzabteilung in B i a l u, zehn Kilometer östlich von Johannesburg, bat den A n g ri ff einer russischen Kavallerie-Brigade zurück- gewiesen. Acht russische Geschütze und mehrere Munitivns- ivagen sind in unsere Hände gefallen. Berlin, 9. Aug. Gestern abend wurden drei K o m - p a n i e n L a n d ivc h r in S ch m a l l c n i n g k c n, 3 Meilen östlich von Tilsit, von zwei r u s s i s ch c n I n f a n t e r i c- k o m p a n i c n und einer Maschinciigcwehrkompanie angegriffen. Die Landwehr zwang die Russen zum Rückzug ans Jurborg. Ocsterreichischc Erfolge gegen Rußland. Wien, 9. Au au st. (W.-B.) Tie bis Mjechow etwa 30 Kilometer nördlich von Krakau vorgedrungenen österreichischen Truppen setzten pestcrn die Offensive fcet und besetzten M? zum MKiid die Ortschaften ungefähr 40 Kilometer itoxi>tnatt£. Die dis her an der Weichset stehenden Grenztruppen überschritten den Fluß und setzten sich am jenseitigen Ufer fest, .tu Ostgalizien bcinäckstrgtcn sich die Oesterreicher der auf feindlick/em dstbietc gelegenen Ortschaften Rahzivilolv, eines GrenzbahnhofeS im östlichen Galizien, und tstotvosieliza bei Czernotmtz, der Bezirkshauptstadt der Bukowina. Samtlick-e Bcrsuckre von feindlichen Rciterpatrouillen, in Ost- und Wttrelgalizien einzufallen, wurden abgeroehrt. Bei Zalozcc zwischen Brody und Tarno- pol wurden bei.der Zurücliversuiig feindlicher Reiter vier Kosaken getötet und zwei verwundet. Angriffe a» der Ost- und Westgrcnze. Berlin, 8. Aug. Die dritte russische Kavalleriedivision überschritt am 6. Llugust die Grenze bei Romeiken südlich von Eydtkuhnen, ging aber bei dem Erscheinen deutscher Kavallerie wieder auf russisches Gebiet zurück. An der Wiederherstellung der von den Russen in Polen zerstörten Bahnen durch die Deutschen ivird gearbeitet, auch die Brücken zwischen Schoppinitz und Sosnowice sind in der Wiederherstellung begriffen. Tie Bahn von Alexandra wo nach Wlozlawek ist bereits wieder benutzbar. — Oester- reichische Kavallerie besetzte Olkusch und Wal- Brom und nahm die Fühlung mit den in Russisch-Polen stehenden Grenzschutzdelackstmenls des 6. Armeekorps. DiedeutschenTruPpenimOberelsaßwur- den von feindlichen Kräften, die aus der Richtung von Belfort Vorgehen, angegriffen. Das Vorgehen der französischen Truppen ist zum Stehen gekommen. Bei Altkirch gingen sie bereits wieder in der Richtung auf Belfort zurück. Befreiung vom mostowitischeu Joch. Wien, 9. Aug. Das Oberkommando der österreichisch-ungarischen Armee richtete einen Aufruf an die russischen Polen, worin es heißt: Die verbündeten österreichisch-ungarischen und deutschen Armeen überschreiten die Grenze, .hiermit bringen wir Euch Polen die Befreiung vom mo s ko >vitis ch en Joch. Begrüßt unsere Fahnen mit Vertrauen. Sie bringen Euch Gerechtigkeit. Die Schranken zu sprengen, die Euren Verkehr mit den Errungenschaften der westlichen Kultur behindern, und Euch alle Schätze des geistigen und wuttichastlichen Aufschwunges zu erschließen, ist die wichtige Aufgabe, die uns aus diesem Feldzug erwächst. Eine Ansprache des Zaren. Petersburg, 9. Aug. (Petersburger Telegrapheu- Ägent.) Heute vormittag empsing der Kaiser im Wintcr- palais in Gegenwart des Generalissimus Großfürsten N i - ko laus Nikolajewitsch und sämtlicher Minister die Mitglieder der Reichsduma und des Reichsrates in feierlicher Audienz und hielt folgende Ansprache: In dieseir bedcutungsvollen Tagen der Aufregung und Unruhe, Nielche Rußland durchwacht, entbiete ich Euch meinen Gruß. Das Deutsche Reich und daraus auch Oesterreich-Ungarn haben Rußland den Krieg erklärt. Der ungeheure Aufschwung patriotischer Gefühle und der Liebe und Treue für den Thron, der wie ein Sturmwind durch unser ganzes Land ging, ist mir gvic Euch eine Bürgschaft. Ick hoffe, daß das große Rußland den Krieg, den ihm der Herr. schickt, zu einem glücklichen Ende führen wird. Aus diesem einmütigen Sturm von Liebe und Eifer aller, selbst das Leben zu ovsern, schöpfe ich meine Kraft, um der Zukunft mit Ruhe und Festigkeit entgegenzusehen. Wir verteidigen nicht nur die Würde «nd Ehre unseres Landes, sondern wirkümpfenauch für unsere slawischen Brüder, unsere Glanbensgenonen und Blutsvcnvandle. In diesen! Augenblick sehe ich auch mft Freuden, wie die Einigung der Slawen mit Rußland stark und unauflöslich sich vollzieht. Ich bin überzeugt, daß Ihr jeder an seinem Platze stehen werdet, um mir bei der Prüfungsarbeit zu helfen und daß alle, bei mir selbst angefangen, ihre Pflicht tun werden. Ter Gott des russischen Landes ist groß. Es ist doch wohl ein bißchen Schönfärberei in diesen Worten. In Wirklichkeit wird vielleicht ein anderer „Sturm" und „Ausichwung" das russische Reich erschüttern, nämlich der Versuch, das Land von der Knute und Despotie zu befreien. Kleinere Kämpfe an der österreichische» Grenze. Wien, 7. August. Die Grenze von Mittelgalizien war gestern und heute der Schauplatz zahlreicher kleinerer Kämpfe. Unmittelbar nach Bekanntwerden der Kriegserklärung versuchten russische Kavalleriepatrouillen und -Abteilungen über die G-renze vorzubrechcn. Sie wurden jedoch zum Rückzüge genötigt. Auch an der Grenze von Ostgalizien kam es zu kleinen Kämpfen, insbesondere bei Podwoloczyska, wo sich «in österreichischer Posten gegen eine bedeutende Ueberlegen- hett behauptete. Ans österreichischer Seite blieben zwei Tote und drei Verwundete. DieRussenverloren20Totc. Bei Nowosielitza erstürmten österreichische Truppen die Höhe von Mohile, wo sich ei» rusiischer Kordonposten in gut verschanzter Stellung befand. Trotzdem der Feind Verstärkungen erhielt, behaupteten die österreichischen Truppen den eroberten Posten gegen wiederholte russische Angriffe. — Gestern uachrnittag fuhr ein Patrouillenboot gegen die Stelle unterhalb der Dr i namün dun g, wo die Se r- ben eifrig an Befestigungen arbeiteten. Zwanzig Meter vom User entfernt, schwang sich ein .Marineunteroffizier! der Donauflottille, mit drei Kilogramm Ekrasit beladen, über Bord, schramm an Land, erreichte unbemerkt die Befestigungen, schaffte die Sprengladung hinein und brachte sie mit einer Zugschnnr zur Explosion. Die Serben eilten herbei und eröffneten das Feuer. Sie tvurden aber von den Mannschaften des Bootes mit Schnellfeuer empfangen, das vier Feinde niedcrstreckte, während der Märineunteroffizier schtvimmend das Boot wieder erreichte. * . * Verbrüderung von Deutschen und Tschechen. Prag, 8. Ülugnst. Als gestern um neun Uhr abends Extrablätter das siegreiche Vordringen der siegreichen Armeen meldeten, zog die deutsche und'die tschchischc Bevölkerung in großen Massen vor das deutsch Konsulat und stimmte in deutscher und darauf in tschechischer Spracht die Nationalhymne an. Darauf tvurden in deutscher und tschechischr Sprache Ansprachen gehalten, woraus sich die Redner in die Wohnungdesdeutschen Konsuls begaben, der ihnen unter dem brausenden Jubel der Menge für die Kundgebung dankte uich ilynert die Hand reichte. Die Manifestanten brachen in begeisterte Heilrufe, Hochrufe und Slavarufc auf Kaiser Franz Joseph und Kaiser Wilhelm aus. Sodann bildete sich ein Zug, der unter Absingung patriotsicher Lieder zum Radetzky-Denkmal zog, von de>sen Sockel aus Prinz Wenzel Eusebius Lobkowitz in beiden Landessprachen patriotische Ansprachen hielt. Der Zug nahm sodann seinen Weg nach der Statthafteres, wo die Menge den Fürsten Thun, der am Fenster erschien, stürmisch begrüßte, und Hochrufe auf Hochrufe auf die Armee auSbrachtc, was von dem Statthalter mit Hoch- und Slavarnfen auf Kaiser Franz Joseph erwidert wurde. Die Manifestanten sangen nochnrals in beiden Landessprachen die Nationalhymne, worauf der Statthalter ein Hoch „auf.unsere braven Soldaten" ausbrachte. Die Manifestanten zogen nun vor das Korpskommando und brachten Hochrufe auf die Armee aus. Die Hauptwache trat ins Gewehr, blies den Generalmarsch und leistete die Ehreichezeugungen, als die Volksmenge wiederum die Bolkshymuc austiurmte. Nach nochmaligen Hochrufen auf Kaiser Franz Joseph, den deutschen Kaiser und die Armeen löste sich der Zug in voller Ruhe uich Ordnung auf. Prag, 9. Aug. Gestern wiederholten sich die begeisterten vatriotischen Kundgebungen der Bevölkerung beider Landessprachen. Ein imposanter Zug der Manifestanten zog abends, patriotische Lieder singend, zum deutschen Ko nsulat, wo die Vlaniscstanten die Volkshymne in beiden Landessprachen sangen. Ter Vertreter des deutschen Konsuls, Hofrat Hintze, erscksteu anr Fenster und dankte in deusicher und tschechischer Sprach. Tie Menge sang „Heil Dir im Siegerkranz" und zog unter der Volkshymne und begeisterten Hoch- und Slawa- rufen auf Franz Joseph und Kaiser Wilhelm zum Rathaus, wo der Bürgermeister unter stürmischer Zustimmung eine Ansprache hielt. Er führte aus: Tie Begeisterung der gesamten Bevölkerung, die die früheren Parteikämpfe vergessen hat, ist das bedeutungsvollste Synrvtom und ein Beweis dafür, daß in unseren Herzen die ticnte Liebe des gemeinsamen Vaterlandes und Hingebung für den inniggeliebten Kaiser wurzelt. Der Redner schoß mit einem Slawe auf den Kaiser und einem Hurra aut die Armee. Erlief in deutscher Sprache: „Es lebe Kaiser Wilhelm!" Diese Worte riefen einen begeisterten Widerhall hervor. Vor dem Radetzky de nkmal sang die Menge entblößten Hauptes die Volkcchmne in beiden Sprachen. Darauf sprach ein tschechischer Redner. Er führte ans, daß sich beide Nationalitäten zu cinein Ganzen vereinigt hätten, um dem gleichen Gefühl der Liebe und Verehrung für den Monarchen Ausdruck zu geben. sDer Redner schloß bnit Slawarusen aus Kaiser Franz Joseph, Kaiser Wilhelm und die tapscrc Armee. In ähnlichem Sinne sprach ein deutscher Redner. Unter sortwährendcn begeisterten Hoch- und Slawarufen aus die beiden Monarchen und die Armee zog die auf 6000 Mann angewachsene Menge zur Statthalterei und zum Korpskonimando und von da unter Absingen der „Wacht am Rhein" und des tschechischen Nationallicdcs in das Innere der Stadt zur Polizeidircktion, Vor dem Deusichen Hans und dem tschechischen Repräsentationshausc fanden neuerliche Kundgebungen sür die Armee und das Ossijicr- korps statt. Ein Prager Blatt bezeichnet die gestrigen gemeinsamen Kundgebungen der Deutschen und Tschechen infolge der Meldungen von der Offensive per österreichisch-ungarischen Truppen in Galizien und von der Einnahme Lüttichs durch die deutschen Truppen als ein geschichtliches Ereignis. Das Blatt hebt hervor, daß seit dem Bestehen des nationalen Kampfes Deutsche uuü Tschechen sich noch niemals so eng aneinander geschlossen hätten. Der gestrige Tag habe bewiesen, daß die große Stunde alle Völker Oesterreich-Ungarns einig gefunden habe. Ein Moratorium in Bulgarien. Sofia, 8. August. Die Sob-ranje nahm ein dreimonatiges Moratorium >au, das mit dem 25. Juli alten Stiles beginnt. Sie beschloß ferner mit großer Majorität, den Prozeß gegen das Kabinett aus dem Ballänkriege niederzuschlagcn. .Haltet keine Automobile an! Der General st ab des Feldheeres ersucht alle Zeitungen, folgende Mitteilung sofort in Sperrdmck aufzu- nehmrn und in den nächsten Tagen täglich zu wiederholen: Der Automoüilvrrkchr unterliegt zurzeit durch das zum groben Unfug ausgcartcte fortgesetzte Anhalten undBe- drohen der schwersten Störung, Ein hoher österreichischer Offizier, der im Auto von Wien nach Berlin entsandt war, wäre um ein Haar erschossen worden-, seine Reise, die selbstverständlich einer wichtigen und eiligen Mission galt, wurde um zwölf Stunden verzögert. — Der Generalstab des Feldheeres weist nochmals nachdrucklichft darauf hin, daßkeinvcrdächtigesoder feindliches Auto sich mehr im Lande befindet. Jedes Auw, das zurzeit fährt, befindet sich meist mit wichtige» Aufträgen im Dienste der Landesverteidigung. Die Interessen der Landesverteidigung verlangen gebieterisch, daß dem gesamten Autoverkehr keinerlei Hindernisse in irgendeiner Weise und von irgendeiner Seite mehr entgegengesetzt werde. Sämtliche Behörden werden ersucht, sofort dafür zu sorgen, daß diese Mitteilung schleunigst auch aus dem flachen Land und in den Dörfern bekannt wird. Es unterliegt keincin Zweifel, daß übelwollende Elemente, vielleicht im Aufträge unserer Feinde, planmäßig auf allerlei Gebieten des öffentlichen Interesses Alarm- und Sensationsnachrichten ver reiten, die bestimmt und geeignet sind, Beunruhigung hervorzurufen. Das Publikum wird ausgefordert, allen solchen Nachrichten ruhiges Mißtrauen entgcgenzusetzen. Jedenfalls macht sich mitschuldig, tver (pachrichten verbreitet, die nicht durch die amtliche Berichterstattung bestäftgt sind. Sollte es gelingen, einen Urheber von Alarmnachrichten festzustellen, ist er der Polizei zu übergeben. Für die Zwecke des Roten Kreuzes sind bisher nachstehende größere Spenden einge- gangen: 150 000 Mk. von der Deutschen Bank, 150 000 Mk. von der Dresdener Bank, 100000 Mk. von S. Bleichröder, 100000 Mk. von Siemens & Halske, 6000 Mk. von Delbrück, Sckstcklcr & Go., 50 000 Mk. vo» Geh. Kommerzienrat Arnold, sämtlich in Berlin, sowie 50 000 Mk. von der Ilse Bergbau- A.-iG. in Kalart. Die Ausschreitungen gegen die in Paris ansäsffgeit Deutschen begannen schon, so schreibt die „Nordd. Allg. Ztg.", längere Zeit vor der Mobilmachung. Schon gegen Ende Juli baten zahlreiche Reichsdeutsche um Schutz. Sie berichteten, daß man sic aus der Straße beschiinpfe und daß sie sogar, wenn sie sich an die Polizei mit der Bitte uni Unterbringung gewandt hätten, in der rohesten Weise abgewiesen tvurden und sogar die Unterbringung des Gepäcks verweigert worden wäre. Auch die Balm nahm kein Gepäck mehr von ihnen in Bcnvabrung. Die Hilscrusc vermehrten sich von Tag zu Tag, so daß sich schließlich eine unübersehbare Menge Menschen aus der Botschaft und dem Generalkonstckat als obdachlos meldeten. Es wurden ihnen nach Möglichkeit Fahrkarten nach Belgien besorgt. In der Nacht vom I. zum 2. August kamen große Mengen von obdachlosen Deutschen noch bis spät in der Nacht zur Botschaft und zum Generalkonstckat, so baß ihnen ein Massenasyl nährend der Nacht gewährt werden mußte. Der Höhepunkt der Ausschreitungen wurde am ersten Mobil- in a ch u » g S t a g c, am 2. August, erreicht. Zalstreiche Flückst- lingc meldeten, daß die Wohnungen und Geschäftshäuser der Deutschen in der Stadt geplündert würden. Besonders rücksichtslos war die Zerstörung des Pschorrbräu, bei der zahlreiche Polizisten mit sichtlichem Vergnügen untätig zusahen. Das gesamte Inventar lourde aus den Fenstern aus die Straße geworfen, Türen und Fenster ausgehängt, Kvonlcnchler hcrabgerisseu. In gleicher Weise erging es dem Casö Vicnnois, dem deutschen Restaurant am ölare St. Lazare, dem Salamander-Schuhgeschäst, dem Hotel de Bade, dem Delikatessengeschäft Appcnrott, sämtlichen Maggi-Geschäften, überhaupt allen Geschäften, welche Waren deutscher, österreichischer oder deutsch-schweizerischer Herkunft sührtcu. Ueberall sah die Polizei mit verschränkten Armen z u. In gleicher Weise wurde in den Wolyiunqen der Deutschen gehaust. In vielen Fällen wurden nicht nur die Wohnungen von Deutschen, sondern auch die ihrer Quartiergeber vollständig verwüstet. Die Folge davon war, daß kein Portier mehr einen Deutschen in ein Haus einließ, daß die deutschen Geschästsange- stellten und Dienstboten massenhaft entlassen wurden. Die Entlassung geschah häufig in brutaler Weise, oft unter Einbehaltung des Gehalts. Gegen 10 Uhr abends mehrten.sich die Nachrichten über Verwüstungen in der Stadt derartig, daß auf Verordnung des Generalkonsuls das Schild und die Fahnenstange des Generalkonsulats eingezogen wurde und das ganze Personal sich nach der Botschaft begab, da auf dem Konsulat keine Sicherheit' m c h r bestand. In den nächsten Tagen begannen schon am srühen > Morgen Hunderte von Deutschen die Botschaft mit dringende» Bitten um Schutz und Unterstützung zu bestürmen. Die deusicy- scindlichen Ausschreitungen aus der Straße griffen um sich und waren nach ihren Angaben derartig, daß beispielsweise das Stadtviertel Belleville in Hellem Aufruhr war. Es sollen dort schließlich alle Geschäfte geplündert ,md die Deutschen überall bedroht und mißhandelt worden sein, Ihre Lage war verzweifelt. Sic waren ebenso wie alle Ausländer nach den für die Mobilmachung erlassenen Vorschriften verpflichtet, sich Lei der Polizei auzumclden, uni die Bestimmungen tvegcn ihrer denrnächstigen Verbringung »ach den vorläufigen Unterkunftskolonien in Mittel-, West- und Südfrankreich cntgcgenzunehmen. Sobald sich nun Deutsche meldeten, wurden sie von der Polizei in brutalster Weise behandelt und dem jolstenden Publikum schutzlos überlassen. Biele Frauen erzählten, daß sie nach ihrer Abfertigung mit Fußtritten und! Faustschlägen aus dem Polizeibureau hinausbefördert timr den seien. In den Geschäften wurden den Deutschen alle Lebensmittel verweigert, die Wrei.se war nicht mehr möglich, da der Zugverkehr eingestellt war. Soweit die Deusichen Papiergeld hatten, wurde ihnen daS Wechseln selbst des ftanzösischen Papiergeldes durchtveg abgclehnt. Auf der Straße »erfolgte sie das Publikum und nahm ihnen auch oft ihr Gepäck ab, das aus der Straße zerstört oder verteilt wurde. Besonders schlimm gestaltete sich naturgemäß unter diesen Umständen die Lage vieler deut- scher Mädchen, Erzieherinnen, Ki n der fr ä u lern s oder Dienstboten, die überdies zum größten.Teile der sran- zösischcn Sprache unkundig waren. Ihnen wurde, soweit möglich, ivährcud des Tages auf der Botschaft Schutz zuteil. Infolge der sehr entschiedenen und dringenden Vorstellungen,. die der deutsch Botschafter Frhr. v. S ch ö n bei dem französischen . Ministerpräsidenten erhob, gewährte endlich am späten Nachmittag die französische Regierung den obdachlosen Deutschen ein vorläufiges Unterkommen in einer Schule. Somst konnten sämtliche Deutsche genau informiert werden, tvohin sie sich zu begeben lstitten Auch der Botschafter und der Generalkonsul der Pcrcinigten Staaten wurden davon verständigt. Außerdem wurden diese Herren ge-; beten, den späterkommenden Flüchtlingen entsprechende Mitteilung! zu machen. Tie Botschaft und das Generalkonsulat sind über 6000( Deutschen zum Verlassen Frankreichs behilflich gewesen. Eine aufregende Szene spielte sich ab, als der Botschafter Frhr. v. Schön sich allein zum Ministerpräsidenten begab, um dort zunächst nachdrücklich um Schutz sür die bedrohten Deutschen uicd sich selbst zu bitten und dann den Abbruch der Beziehungen zu erklären. Der Botschafter tvar schon kurz vorher im Botschastsbof von sranzösischenDamen.dic unter dem Vorwaich von Erkundigungen sich zu ihm gedrängt hatten, gröblich durch Sch impsreden beleidigt Ivordeu, die er den Damen gegenüber nicht ausnehmen wollte. Er wurde von mehreren verdächtig aussehenden Männern belästigt und bedroht, die auf die Trittbretter des Wagens sprangen und zu ihm cin- zirdringen suchten. Frhr. v. Schön benmhrte völlig kaltes Blut, ries Schutzleute herbei und gelangte unter deren Schutz zum Ministerium deS Aeußcru. Dort erhob er energisch Einspruch wegen des Vorgesallenen und erhielt GenugtuunginFormvon E n t s ch u l d i g u n g e n mit der Zusicherung ausreichenden Schutzes. Die Abreise des Botschafters mir allem Personal und ihren Familien, etwa hundert Personen, verlies ohne störenden Zwischenfall. Von Goch nach Berlin über Wesel, Münster unb 1 Hannover, wo das Eintreffen des Sondcrzuges der Botschaft bekannt geworden war. glich die Reise einem Triumphzug. Ueberall herrschte stürmische Begeisterung, Ansprachen wurden gehalten, die „Wacht am Rhein" und „Deutschland, Deutschland ül>cr alles" gesungen und Hurras auf den Kaiser ausgebracht. In Frankreich mißhandelte Rumänen. Wien, 9. August. Nach einer Meldung des Wiener Korrespondenzburcaus erstrecken sich die drakonischen Ans- weisnngen Frankreichs den Ausländern gegenüber nicht mir auf Deutsche und Oesterreicher, sowie cruf Italiener, von denen allein 80 000 an die italienische Grenze geschafft wurden, sondern auch guf Rumänen. Aus'Frankreich über München in Wien mittellos angekommene Rumänen berichten nach Mitteilungen von hiesiger unterrichteter Seite entrüstet darüber, daß sie des Landes verwiesen und in. barbarischer W eise ausihrenWohn un genge-: holt worden seien. Unter Mischandlungen und deii größten Jährlichkeiten hätten sie den Weg über die französische Grenze nehmen müssen. Sobald diese rumänischen Flüchtlinge in ihre Heimat zurückgekehrt seien, lv-ürden sie in der Lage sein, ihren Landsleuten zu berichten, in welcher Weise sic die oft gerühmte Sympathie der Franzosen für Rumänien. aus eigener Anschauung kennen lernen sollten, und welches Gesicht die vvrgegcmkelte französische Freundschaft in Wahrheit trägt. Vernachlässigte französische Rüstung? Mehrere Berliner Zeitungen haben ein Gespräch eines militärischen Sachverständigen mit einem höchrcn französischen GeneralstabSofstzier wiedergegeben. Die Unterhaltung hat unmittelbar nach den Enthüllungen HumbertS im französischen Senat stattgesunden.'Der französische Gcneralstabsoffizier meinte, Humbert habe nichts gesagt, was der französische Generalstab nicht schon unzählige Male ausgesprochen habe, meist freilich vergebens. Jetzt, fuhr er fort, entdecken plötzlich diese Politiker, was wir immer und innner wieder berichteten, und dann behaupten sie noch, es näre neu. Seit Jahren macht der Generalstab auf die enorme Ueberlcgenheit aufmerksam, die D e u t s ch - land durch seine schwere Artillerie des Feldheeres besitzt. Man glaubte uns nickst. Jetzt haben nstr nichts als diese unbrauchbaren Rineaio-Geschützc. Alles andere ist noch Zukunftsmusik oder neu angestrick>encs altes Eisen. Unser Feldgeschütz wirkte bahnbrechend: aber jetzt ist es das älteste seiner Art und natürlich den modernen, auch ihrem nicht mehr glcickstinrtig. Ebenso ist es mit dem Lebelgewehr. Ihre Truppenübungsplätze verfolgten >vir seit Jahren mit dem größten Interesse. Wir wissen, welch unsckhilzbaren Wert sie für die Ausbildung haben. Bei uns streiken die Finanz- minister bei llebungsplätzeu stets. Die d r a h t l o s e Te le- graphie in Bcrduu und Toul ist unbenutzbar. foöoö» die ©rof.ftation Metz mit starkem Strom arbeitet. Kon den MunitionS- und Verpflegungsvvrräten will ich gar nicht sprechen. Nur in einem Puntre, wenn inan will, ist der HieneralstoÄ mitschuldig: iramiich in dem Zu st an d e der Festungen, außer den vier großes Ostsestungmr. Humbert beklagt jetzt, daß die Maas-Sperrforts nicht modernisiert worden seien. Ter (tzencralstab 1 , 0 t dies gar nicht gewünscht. Er HM das Geld für die vielen kleinen Festungen und Sperrforts für eine Verschwendung. Diese Aeusterungen sind für uns insofern besonders wertvoll, als sie von einem feindlichen Offizier stammen, der die Verhältnisse nicht nur vom Hörensagen, sondern aus eigener, von maßgebender Stelle gswonnerer Anschauung kennt. , * * * Das Kaiserpaar. Berlin, 8. Aug. Das Kaiserpaar machte heute eine Ausfahrt. Die Herzogin von Br nun schweig traf heule nachmiltag hier ein und nahm im Königlichen Schlosse Wohnung. General v. Bülow s. Berlin, 9. Aug. Seit zwei Tagen wurde hier erzählt, daß der jüngste Bruder des Fürsten Bülow, der Generalmajor Karl v. Bülow, Führer einer Kavalleriebrigade, vor den: Feiiche gefallen sei. Die Nachricht wird jetzt "von Berliner Blättern bestätigt. Das Verhältnis Deutschlands und Italiens. Rom, 9. August. Ein soeben hier vervssentlichtes Tele- gramnr des Staatssekretärs des deutschen Auswärtigen Amtes an den hiesigen deutschen Botschafter, das einen Ucber- blick gibt über den deutschenErfolg und die Auslandslügen dementiert, rief den tiefsten Eindruck hervor, besonders da hier an der E r o b e r u n g Lüttichs noch ge,zweifelt wurde und über die Fortschritte in Polen wenig bekannt war. Die kleine italienische Kolonie in Berlin die meistens aus Arbeitern besteht, beschloß in einer sehr zahlreich besuchtet! Versammlung, unter den dortigen Italienern eine Kollekte zugunsten des deutschen Roten Kreuzes zu veranstalten und zeichnete unter lebhaften Sympathiekundgebungen den ersten Betrag in Höhe von 1500 Mark. Sinkende Lebcnsmittelpreise in .Holland. Rotterdam, 7. Ang. Die Preise für Lebensmittel fallen hier rapide, da nichts ausgeführt werden darf. Eier kosten auf dem Markte drei Pfennig das Stück. Auch Fische sind seist billig. Chinas Neutralität. Peking, 8. August. (Petersburger Telegraphcn- Agentur.) China hat Neutralität erklärt. Au» Stadt »rnd Gießen, 10. August 1914. ernte 1914. Goldig wogt's auf gesegneter Nur, Fehlen die kräftigen Arme nur Die Garben zu binden und einzusahren: Müssen für andere Mahd sich sparen! Einer nur, Gevatter Hein Bringt gewaltige Ernte ein. Purpurne Gaben schafft er nach Haust Manch Körnlein aber fällt ihm aus: Das keimt von edelstem Blute gedüngt. Indes sich oben die Welt verjüngt. Unter neuer Sonne es hastend reist. Bis neues Geschlecht zur Sense greift, lind zur Ernte reineres Morgenrot Als Flamme heiligen Friedens loht! Hermann Steingoetter. ** Unsere Leser und Mitarbeiter bitten wir, in diesen Tagen, die unsere Redaktion besonders in den Vormittagsstunden sehr in Anspruch nehmen, von allen überflüssigen Anfragen tmd Zusendungen abznsehcn. Besuchern, die mit Wünschen an uns herantreten, bitten wir, sich stets ganz kurz fassen zu wollen, da. unsere Arbeitskräfte infolge der Einbernftlngcn nnter die Fahnen selbstredend' sehr zusammengeschmolzen sind und wir alle unsere Zeit zur Herstellung des Blattes benötigen. Die Flut gutgemeinter aber nicht unbedingt erforderlicher Ausrufe und Erörterungen bitten wir einzuschränken und cs zu beachten, daß wir nicht in der Lage sind, jedem Einsender schriftlich zu antworten. So sind uns in den letzten Tagen eine Unmenge Gedichte zugesandt worden, von denen nur einige für unser Blatt verwendbar waren. Wir können aber unmöglich alten Verfassern die Gründe aus- einandcrsetzen, warum ihre Produkte zurückstehen mußten. ES darf jetzt nicht jeder zunächst au s i ch und seine Wünsche denken, sondern er muß so viel Einsicht besitzen, sich zu sagen, daß die Wünsche und Anforderungen an unsere Zeitung jetzt ungezählt sind, illüch telephonische Anfragen bitten wir nach Möglichkeit einzuschränken. ** Z a hna r z t Or. d. c. G. W. Ko ch f. .Am SamStag verstarb im 79. Lebensjahre der Senior der demfchen Zahnärzte, G. W. Koch, der Alt-und Ehrcnmeistcr der deutschen Grotzloge. Der Verstorbene ist in den Kreisen unserer Bevölkerung eine populäre Persönlichkeit gewesen uno hat bis kurz vor seinem Tode seine Praxis iwch aüsgeübt. Tr. Koch ist am 29. Mai 1830 in Bessingen geboren: seine Lehrer in der praktischen.Zahnheilknnde waren Hoszahnarzt Tr. Werner mü> Zalmarzt Schmidt, beide in Darmstadt. Koch kam dann »ach Gießen, war als Hörer an der Universität immatrikuliert und macht: als der erste praktische Zahnarzt an der Ludoviciana im Jahre 1860 sein Examen, um sich dann in Gießen auch als der erste Zahnarzt niedcrzulasten. Der in seinem Fache tüchtige Mann hat von Gießen aus längere Jahre in Marburg und Wetzlar Sprechswiiden gehalten und erfreute sich auch damals in den beiden Nachbarstädten eines gewissen Ansehens. In den Kriegsjahrcn t866 und 187071 stellte sich der Verstorbene den Soldaten in den Lazaretten zur zahnärztlichen Behandlung unentgeltlich zur Versügung, wie er überhanpl den ärmeren Bewohnern unserer Stadt stets ohne sich dafür bezahlen zu lassen, zur Verfügung stellte. Koch wurde 1869 Mitglied der zahnärztlichen Prüsungskommission an unserer Hochschule. Der Verstorbene war Ehrenmitglied des Vereins Deutscher Zahnärzte, des zahnärztlichen Vereins in Frankfurt a. M., sowie Ehrenvorsitzender des Vereins hiesiger Zahnärzte. Im Jahre 1909 l>crtict> ihm der Zentralvcrein deutscher Zahnärzte die silberne Medaille. Aus Anlast des Universitäts-Jubiläums wurde G. W. Koch von der medizinischen Fakultät zum Ehrendoktor ernannt. Dem Verstorbenen war cs vergönnt, am 31. Mai 1910 sein goldenes Bcrussjubiläum zu feiern, aus welchem Anlast seine Berufskollegen dem Senior ihrer Kunst zahlreiche Ehrungen zuteil werdet! lrcsten. ** Transport von Lebensmitteln. Die hiesige Handelskammer lvird bei der Heranbringung von Lebensmitteln nach den größeren Plätzen ihres Bezirks die Tätigkeit einer Bermittelungsstelle ausüben, bei welcher die Interessenten den Bedarf an Eisenbahnladeranm anmelden können. ** Zur N achahm u n g empfohlen. Die Firnm I. Jttmann hier hat dem Roten Kreuz zwei komplette Zimmereinrichtungen zur Verfügung gestellt. ** Zigarrenspende. Tie Firma Rinn & Clvos in Heuchelheim hat dem .116. Regiment 50 000 Zigarren zur Verfügung gestellt. ** D i e Bank für Handel und Industrie (Darm - städter Bank, hat zur Verwendung „iur die gesamte deutsche Kriegsmacht zu Lande und zu Wasser" 50 000 9)if., und zum Zwecke der „Unterstützung der znrückgelasseiien Familien der in den Dienst cintrctcnden Personen',' weitere 50 000 Mk. dem Zentralkomitee der Deutschen Vereine vom Roten Kreuz überwiesen. — Die im Felde stehenden Beamten der Bank erhalten das Gehalt weiterhin voll ausgezahlt. ** Laßt die Kinder Aehrcn lesen! In dieser ernsten Zeit ist auch die unscheinbarste Hilfe nicht unwichtig, namentlich dann nicht, wenn sie die Versorgung unseres Heeres und unseres Volkes mit Brot und zugleich die Uutcrstützung deS Roten Kreuzes bezwecken kann. Auf den abgeernteten Getreidefeldern bleiben stets Aehren liegen, die gewöhnlich ihren Zweck verfehlen und umgc ackert werden. Bon vielen ileißigen Händen.gesammelt, können sie unseren Getreidebestand immerhin erhöhen und der Erlös kann dem Noten Kreuz zugcwendet werden. Die Kinder kämen auf diese Weise von der Straße und die Herren Lehrer, welche die Kinder zum Aehrensammeln anlciten und anhalten ivollten, könnten sich ein hohes Verdienst um das Vaterland erwerben. Es ist nicht er- iorderlich, daß die Brotfrüchte getrennt ausgelesen werden, da sich Roggen. Gerste und Weizen zusammen dreschen und mahlen lassen. Hafer dagegen ist für sich zu sammeln. ** Unentgeltliche Rechtshilfe für Bater- landsverteidigcr. Die Gießener Rechtsanwälte haben am Sonntag in einer von fast allen Mitgliedern besuchten Versammlung des hiesigen Anwaltsvereins sich einstimmig bereit erklärt, während des Kriegszustandes allen bedürftigen Mitgliedern des Heeres und der Marine unentgeltlichen Rat und unentgeltliche Rechtshilfe zu gewähren. ** Abhanden gekommener Koffer. Ein von auswärts eingetryffener Landwehrmann übergab am Samstag nachmittag einem 9 jährigen Jungen seinen Koffer mit der Weisung, ihn vom Bezirkskommando tiach dem Hause Ostanlage 14 zu bringen. Der Junge hat den Koffer aber nicht abgeliefert. Es wird ersucht, Mitteilungen über den Verbleib des Koffers an Großh. Polizeiamt zu richten. T-er Koffer ist 50—60 Zentimeter lang, fast neu, aus schwarzem Leder mit weißem Beschlag und trägt die Aufschrift: Laud- wehrmann Ochs. **• „Nickt am Buchstaben kleben". Mit Bezug auf diese iu Nr. 184 unseres Blattes erfolgte Veröstentlichnng bittet uns Herr Landgcrichtsdireltor PräloriuS, einer der beiden in Betracht kommenden Gruppenleiter, folgendes mitzuteilen: Die auf dem hiesigen Bahnhöfe eingerichtete ErftischungSstelle ist keine Einrichtung des Roten Kreuzes, sondern verdankt ihre Entstehung einer svontancn Airregung hiesiger Eiivvoluier, denen es am Herzen lag, da, wo es nötig ist, den ins Feld rückenden wackeren Verteidigern unseres Vaterlandes Erfrischungen verabreichen zu können. Rur der werktätigen und weitgehenden Unterstützimg durch das Rote Kreuz, wÄches nickst nur wertvolle Vorräte, wie Kaffee, Zucker usw., sondern auch die unerläßlich nöttgen Geräte, wie Herd, Kessel, Kochgeräte, Eimer, Becher usw. tu überaus dankens- tverter Weise zur Verfügung stellte mrd sich zur Entgegennahme der für die Erfrischungsstelle bestimmten Liebesgaben bereit crllärt lat, ist es zm daitken, das;, eine deni genanitten Zlvcckc entsprechende Einrichtung gesckxisscn iverdcn konnte. Tie in dm wenigen Tagen des Bestehens der Enrischmigsstellc gemachten unliebsamen Erfahrungen, daß Getränke und namentlich Speisen iit aufdringlicher Weise angcboten und nicht selten von Personen in Anspruch genommen wurden, für die sie keineswegs bestimmt find, haben einschränkende Maßnahmen um so gebieterischer nötig gemacht, als wir heute mit aller Energie darauf bedacht sein müssen, jede Verschwendung zu vermeiden, damit wir nicht in vielleicht nahe bevorstehenden schweren Tagen der Not unnütze Vergeudung bitter bereuen müssen! So ist es wohl begreiflich, daß am Freitag vormittag, als ein Passacherzug aus Gleis I einlief, von dessen Ankunst den Leitern der diensttuenden Gruppe von Helfern und Helferinnen nichts bekannt gewesen war, zunächst völlige Zurückhaltung angeordnet worden ist. Kaum aber war es bekannt geworden, daß die Insassen dieses Zuges in der Hauptsache aus meistens unbemittelten Frauen und Kindern beständen, die schleunigst Metz hätten verlassen müssen, da begann auch sofort die Liebcstätigkeit der Erjrischungsstclle und dank der eifrigen Bemühungen des Herrn Medizinalrats Dr. Bötticher sowie der .Hilfe der Bahnbehörde, die Milch requirierte, war es möglich, ßen Büren der bedauernswerten Frauen und Kinder um Hilfe, um Speise und Trank zu entsprechen. Tie Annahme Ihres Gewährsmannes, daß die aus Metz angekommenen hungrigen und durstigen Frauen und Kinder vergeblich ans Labung gewartet hätten, ist also völlig unrichtig und von einem „Kleben am Buchstaben" kann keine Rede sein! Wie die Buchung der Liebesgaben in der alten Klinik geschieht, weiß ich nicht, in der Erfrischungsstelle aus dem iBahnhos kennt man keine Buchung! Zum Schluste ist hier noch wohl die Frage berechtigt: Ist es in der heutigen ernsten Zeit, bi der jeder bemüht ist, mit allen Kräften der lieiligen Sache des geliebten Vaterlandes zu dienen, am Platze, ohne genaue Feststellung des Sachverhaltes in eilfertiger Weise Mitteilungen zu verbreiten, die der Wahrheit nicht entsprechen und ohne Anlaß Mißilim- mung und Erregung Hervorrufen müssen? iahmcitclle, Garnison-Lazarett. Alerandersirnbe Nr. 27 melden. 9115 L Darmstad!, den 4. August 1914. _ Wärter sofort gesucht. Lohn 450—600 Mk. steigend, bei freier Station und Dienstkleidung, nach 6 Jahren 1000 Mk. Prämie. Kräftige unbescholtene Leute über 18 Jahre wollen Lebenslauf mit Zeugnis richten an die Direktion der Heil- und Pflegcanstalt Gießen. Fnsenrgel!. ges. B. Meller, L öberktraiie 3 IL 08076 I tfldfiip MMen für Gartenarbeit sos. gesucht. H. Sedab, Licker Sir. 57. SOG«?«»«» Kolonialw.u.Manusakl.bcw.s. Besch. L>chr. Angeb. u. 06058 an den Gieß. Anzeiger erb. ßufcs belg. Pferd, AK.! Einrücken sos. zu verk. 100080 Grotb, Stockbcim l HeiscM. Leichtes Pferd z» verk. Näh. zu ersr. l. d. 6!c- schästSst. d. Gieß. Änzeig.I°°°>° Leichter 5-iäl>rigcr Ponv ncdit Wagen und Geschirr mniländehalberz» verkaufen. Näheres zu ertragen in der Gejchä> Isit. des töten. Anz. Deutsche Dogge, 15 Man. alt, umltaudebglber billig in gute Hände abzug. Tchristl. Slngebote nnter 06040 an den Gießener Anzeiger erbeten. Am Abbruch deS töeschäiiS- hauses Horn, Krcuzvlatz, sind abzugeben alte, gut erhaltene Fenster, Türe», Kandcln, Absallrohrc, Trcvvcn, alt. Holz, scutterumrabm.u.dergl. [ M “' Glockebirnen nmi Mirabellen zum Einmachen billig zu verkaufen. ft. Gerib, Land mannstratzc 11. 06068 Ha irr auf d. Halm z. verk. N äh, ftavkane ia asse 5. i.. jTM Gehr. KlmUrwBica z. 10 Mk. z. ucvf. 86070 WciUslr. i. au r^CKnche. (Sine friftific Filhrknh ,ui kaut. ges. Hcinr.Roll VII., Gießen, Neustadt 57. ch>062 Offiziers-Säbel sos. zu kaufe» gesucht. 0Mn> Hcrchet,rkiS«et>e!-l,enIna!iI, _ Neue» Ba ue 851. Gebrauchter Gasherd zu kauscu gesucht. 06074 Goetbcstratzc 87 v. Wir laufen Hafer für Militiirlicscriingc» z» üochstcn Preisen und kann derselbe fortgesetzt angeliei. werden bei 9076 BUr & Wetterhnhn, Gießen. Liebiastraße I. VersehiedencH. Perfekte Friseuse nimmt Kunden an in und außer dem Hanse. 105996 Fraa Sandorv fl»b. Partbier, Asterweg 16 PkilsisiiRiittM Wetxlarsr Weg 15 Telcpb.819 Bestcmpfobiene, vornehme Familien-Penston, empfiehlt sich zu längerem od.kürzerem Auscnibali. — Vorzügliche ziüche. — Aufmerksame Be- dienung. — Bad, (..w . Pension ßrandl (vor Aums! 1914: Pension Betone) Men-n Bäne 22 °°°« Von vornehm.Familien gern besuchtes Haus, behajrl.ein- frer. Zimmer, cute Verpfleg., Bah. Tel. 108 5. mflC. Preise. Weich cdeidcnlend. Herr od. Dame wäre der., ein. kranken, inNotbesindi.Manngeg.mvn. Rückzabi.v.IOM.u. Zinsen ein Dnriciien von 190—150M. zu gebcn?Dchriiti.Angeb.u.6tzO