Kr. *76 Der «letzeier Anzeiger erscheint täglich, antzer Sonntags. — Beilagen: viermal wöchenitlch «ietzenerzamMendlätter: zweimal wöchentl.lbtti«: blattlstr 5eu Ureir chie-rn (Dienstag und Freitag): zweimal monall. kand- »irtschaftlich« Seitfragen yernchrech - Anschlüße: iür die Redaktion 112, Vertag n. Expedition 51 Adresse sür Depeschen: A»D«tg«r «ießen. Annahme oon An^igen sür die Tagesmniuner bis vormittags S Uhr. Erst« Statt *64- Jahrgang Donnerstag, 30. Zuli *9*4 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Botati«»-n„k hoö Verla- »er 8ribr(d)en Uviv.-SuH- und SteiBimtfetei B. ta^e. HrtafHon, Expedition und Druckerei - Schnlstrahe 7. ^ d-ndt; ,ür o°n YezngSvret-: monatlich7bPf., vierteljährlich Mk. 2.20: durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 6ö Pf.; durch die Post Mt. 2.— Vierteljahrs ausschl. Bestell^, Zeile rpreis: lokal IbPf^ mrSwärts 20 Mennig. Chefredakteur: A. Goer^ Verantwortlich für beit polit Teil: Aug. Goeq; für »Feuilleton^. »Vermischtes- und»Gerrchts- saal": Karl Neurath; für »Stadt und Land- Anzeigenteil: H. Beck. Der Krieg zwischen Oesterreich und Serbien. Die schwierige Lage Rußlands. Bon Prof. Tr. Goercke. _. 9JcWa liegt die Entscheidung über Krieg und Frieden. Sw ist ksher nicht gefallen, fein Wunder für den, der die außer- orde^üich schwierige Lage beachtet, in die Rußland geraten oder wohl bester gejagt sich iechft durch die (allgemein angenommenes Ermutigung Serbiens zum Widerstande gegen Oesterreich-Ungarn gebracht hat. . m»i^reich verlang! und dies mit dem vollen Rechte, das aus der Pnicht der Lelbsterhaltmig entspringt, eine dauernde Kontrolle des Berholtens der serbiichen Regierung gegenüber den grvßserbi- schen Dreibereten. Setzt es diese Forderung durch, so gewinnt es zweifellos em gennttes Aussichtsrecht und. mag sich dies auch auf einen noch so nemenAusschnittderStaatsverwaltung beziehen, damit eine Art von Oberhoheit über Serbien, deren Bestehen zum min- desten den Anschein erwecken Muß, daß Serbien in dlbhänaigkeit von Oesterreich-Ungarn geraten ist. Gerade diese Abhängigkeit irgend ernes der Balkanvölker von der Tonaumonaribie zu verhindern, ta Mehr noch, nämlich möglichst viele von diesen in eine solche mm Rußland zu bugsieren, war mm aber das Ziel der tiifsischcn Balkanpotttik seit Jahrzehnten. Ob die den Rüsten erwünschte Stellung der Balkanvöller den Namen eines Freundschaftsverhältnisses oder emes Bündnisses trägt, oder db sie nur tu der in der Bolks- rumänischen, bulgarischen, serbischen, montenegrinischen, griechischen Volkes herrschenden Zuversicht auf russische Unterstützung der eigenen politischen Bestrebungen und m dem entsprechenden Glauben an die russische Macht dazu begründet ist, dürste den Politikern in Petersburg ziemlich nebensächlich erscheinen. ■ue .Hauptsache ist das russische Prestige auf dem Balkan und seine Wirkung. Und nach dieser Richtung hin hat Rußland in den letzten Jahren ohne FragatFortschritte gemacht- zu Serbien und Montenegro, deren Erfolge im Balkankriege von ihnen mindestens teilweise aus russische Rechnung gesetzt werden dürsten, hat sich Rumänien als Freund Rußlands gesellt. Daran ändern auch die kürzlich erfolgten offiziösen Aeußerungen auS Bukarest nichts, die ein hohes Lied von der völligen Unabhängigkeit des Königreichs von beiden Kaisermächten sangen. Dagegen würde darauf das Aus- ,bleiben des rumänischen Gesandten beim Abschied des Vertreters .Oesterreich-Ungarns aus Belgrad Hinweisen, zu dem sich das gesamte diplomatische Korps mit Ausnahme eben der Freunde Serbiens und Rußlands aus dem Babnbose versammelt botie, wenn diese ZeitungSmkldung richtig und nicht nur Mit erfunden ist. Und nun wird alles in Frage gestellt! Denn daß Rußland Einfluß aus dem ^ganzen Balkan einen schweren Schlag erleiden würde, wenn es Serbien ganz im Stich ließe, das hält man in Petersburg für zweifellos. Hat doch eben erst auch wieder der serbische Ministerpräsident sein Vertrauen auf die Hilfe der Trivle- entente, b. i. in erster Linie also Rußlands ausgesprochen. Daß Oesterreich sich aber auch nur um Haaresbreite von seinen For- derirngen abbringen lassen sollte, ist nicht anzunehmen, weil deren Erfüllung einfach die Existenzfrage für den habsburgischen Kaiserstaat bedeutet. Rußland steht also, will es nicht Riihm und Ansehen bei seinen Freunden verlieren, vor der Aufgabe, Oesterreich mit Gewalt an der Durchsetzung seiner Friedensbedinaungen zu verhindern. Dafür ist aber, ganz abgesehen von aUer Verantwortung, die jede Kriegserklärung auf die Schultern der Entscheidenden legt, abgesehen von allen humanitären und wirtschaftlichen Bedenken, die seder Friedensstörung entgegenstehen, die allgemeine Lage die für Rußland denkbar ungünstigste. Die deutsche Politik und das deutsche Volk stehen fest zu Oesterreich. England hält sich zurück. In Frankreich bat das Bramarbasieren einer Lächeln erregenden Katzenjammerstimmung Platz ge- macht, uiid sollte man von dort troiwem marschieren, so tritt Italien an die Seite der anderen Dreibundmächte. Für diese liegt also die Situation so günstig wie nur möglich, vielleicht so glücklich, Wie sie kaum semass wiederkommen dürste, besonders ivenn beachtet wird, daß England nicht nur aus allgemeinen politischen Gründen, deren Wirkungskraft sich vielleicht mit der Zeit herab- mindern könnte, sondern auch seiner eigenen inneren Derhältnrssg wegen auf Neutralität als angemessenste Haltung geführt wird. So sind Rußlands Aussichten aut einen Sieg nicht sehr glänzend. Aber trotzdem wird ihm die Entscheidung sür den Fischen nicht leicht sein. Denn der Ausgang eines Krieges ist steks ungewiß und auch das Allerunwahrscheinlichste ist in ihm schon oft Ereignis geworden. Der Prestige-Verlust im Falle des Zurückweichens vor Oesterreich ist aber gewiß, es müßte denn ein Ausweg gefunden werden, der Oesterreich sicher und dabei Rußland nicht bloßstettt. Die von Herrn Greh vorgeschlagene Botschafterkonsercnz freilich würde nicht zweckmäßig zu ihm hinleiten. Sie konnte ihrer Schwerfälligkeit wegen wenig Anklang finden: denn alle ihre Beschlüsse bedürften doch erst der Zustimmung der Kabinette. Da verhandeln diese besser schon selbst miteinander, wie es bereits geschieht. Freilich für ein? sind die Dreibundmächte nicht zu haben, Nämlich für eine irgendwie geartete Beschränkung oder Behinderung der mllitärischen Aktion Oesterreichs. Aber ein anderer Ausweg bleibt Rußland noch aus seiner schwierigen Lage, nämlich der, Serbien zwar nicht vor der Durchsetzung der österreichischen Förderungen zu bewahren, sich aber als seinen Retter vor dem völligen llniergang seiner Selbständigkeit und somit immerhin doch noch als seinen Beschützer zu geben. Da Oesterreich an territoriale Erwerbungen kaum denken kann, dürfte es einer solchen Rolle Rußlands kaum Schwierigkeiten bereiten. Die Herren an der Newa haben also die Wahl, Werden sie den Strudelweg wählen, der auch uns-mit in seinen Wirbel reißt, oder den anderen frier «»gedeuteten, der das russische Staatsschiff einigermaßen im Kurse halten würde? Wie es auch kommen mag, unser Volk — das zeigt sich zu unserer stolzen Freude allerorten und in allen Gesellschaftsschickten — sieht der Zukunft mit der ruhigen Entschlossenheit des Mannes von Zuversicht und gutem Gewissen entgegen, Ocsterreichischc Erfolge. Wien, 30. Juli, Nach einer Meldung der „Deutschen Tageszeitung" ist es den Oesterreichern bei Foca.an der bosnischen Grenze, wo sie von den Serben angegriffen wurden, gelungen, die Serben zurückzuwerfen. Die Serben, die in Stärke von zwei Divisionen angriffen, halten angeblich 800, die Oesterreicher 200 Tote, Budapest, 30. Juli. Hier sind Gerüchte im Umlauf, daß infolge der gestrigen Beschießung durch die Donau- Monitoren Belgrad t*m den österreichischen Truppen, fast ohne Widerstand, genommen worden ist. Die „Vosftsche Zeitung" bringt ähnliche Meldungen. Auf die Siegesnachricht hin herrschte in Budapest ungeheurer Jubel. Tausende hätten einen Fackelzug veranstaltet und seien mit.Musik über den Ring gezogen unter Hochrufen auf den König und dessen Bundesgenossen. > Wie», 29. Juli. Tie Serben haben heute.um 1.30 Uhr früh die Brücke zwischen Semlin und Belgrad gesprengt. Unsere Infanterie und Artillerie hat darauf im Verein mit den Donauinonitorcn die serbischen Positionen jenseits der Brücke beschossen. Die Serben haben sich nach kurzem "Kampf zurückgezogen. Unsere Verluste sind ganz unbedeutend. — Gestern gelang es einer kleinen Abteilung Pioniere im Verein mit Mannschaften der Finanzwache, zwei serbische Dampfer, die mit Muuitioft und Minen beladen waren, ivegzunehmen. Die Pioniere und die Finanzwachen überwältigten nach kurzem, aber heftigem Kampf die an Zahl überlegene serbische 'Schisss- besatzung, setzten sich in Besitz des Schisses samt der gefährlichen Ladung und ließen sie mit zwei unserer Tonau- dampfer wegschleppen. (Die Brücke war angeblich schon am Sonntag gesprengt worden und diese Nachricht wurde erst gestern dementiert. Die Red.) Ein österreichischer Ausruf. Wien, 29. Juli, Der Unterrichtsminister Hussarel von Heinlein richtet an die akademische Fugend einen.Aufruf, in dem er daran erinnert, daß auch der nicht ins Feld gezogenen Jugend die Möglichkeit geboten wird, werktätig sür das Vaterland zu wirken, indem sie ihre Kräfte der freiwilligen Krankenpflege widmet und sich der öffentlichen Verwaltung zu Diensten für das allgemeine Wohl zur Verfügung stellt. Schließlich appelliert er an die Jugend, eingedenk zu sein in schicksalsschwerer Stunde der erhabenen Größe der Vergangenheit, dann sei die Wiedergewinnung und Sicherung der Ehre und des Ruhmes des Vaterlandes auch ihre Tat. Eine österreichische Erklärung. Wien, 29, Juli, Das „Frencdenblatt" konstatiert gegenüber den vielfachen Erörterungen der internationalen Presse, wonach der Sache des Friedens ein großer Dienst hätte geleistet werden können, wenn Oesterreich-Ungarn für die Beantwortung der Note Serbiens eine Fristerstreckung gewährte, daß die serbische Regierung drei Fristen verstreichen ließ, ohne sie zur Befriedigung des österreichischen Rechtsstandpunktes zu benutzen, nämlich die Frist von dem Serajewoer Mordtag bis zur Ucberreichung der Note am 23, Juli, sodann eine 48stündige Frist zur Beantwortung der österreichischen Note und schließlich eine Frist von dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen bis zu der gestrigen formellen Kriegserklärung, also neuerdings drei Tage, Die österreichische Regierung gab demnach Serbien vor' Beginn der Feindseligkeiten wiederholt Gelegenheit zur Besinnung und Rettung des Friedens, Tic Mobilmachung in Oesterreich. Wien, 29, Juli, Aus der ganzen Monarchie kommen Meldungen, daß die Mobilisierung unter großem Jubel der Bevölkerung und mit wahrer Begeisterung vor sich gehe. Besonders bemerkenswert ist, daß alle Nationalitäten des Reiches ohne Unterschied wetteifern, dem Ruf nach den Massen Folge zu leisten. Tausende von Freiwilligen melden sich zum Waffendienst, Das ungarische Abgeordnetenhaus. Budapest, 29. Juli. Ministerpräsident Tis za unterbreitete dem Haus den Bericht über das «Inkrafttreten der Ausnahmegesetze und führte aus: Anstelle von Reden mühten nunmehr die Waffen sprechen. Mit Stolz erfüllt wies er auf die Begeisterung des Volkes ohne Unterschied der Nationalitäten hin. Sündhafter Leichtsinn habe beunruhigende Ansichten über die Nationalitäten verbreitet. Die ganze Nation folge begeistert dem Rufe.des Königs und werde den aufgezwungenen Kampf durchführen, bis die Ehre der Nation und der Frieden für die Zukunft gesichert sei. Namens der Opposition erklärte Graf Apponyi, alle seien davon durchdrungen, daß. der Kampf aufgezwungen sei. Die Nation sei vollständig einig im Kampfe. Ter Redner gab der Zuversicht Ausdruck, daß die Aktion von vollem Erfolg begleitet werden würde und daß die „Hoffnung bestehe, daß der Kampf lokalisiert bleibe. Wer wenn auch diese Hoffnung täusche, ängstige die Nation nichts, die auf die eigene Kraft und die bewährte Bundestreue vertraue. — Sodann wurde ein allerhöchstes Handschreiben verlesen, durch welches das ungarische Parlament vertagt wird. — Es herrschte eine unaussprechliche Begeisterung. Der Präsident flehte Gottes Segen auf König.und Vaterland herab, worauf die Sitzung geschlossen wurde, «. Auch Oesterreich ist sür Vermittlung. Wien, 29. Juli. Auf Grund der Erkundigungen pn informierter Seite melden die Blätter, daß Graf.Berch- told dem englischen Botschafter erklärt habe, daß die österreichisch-ungarische Regierung für den Vermittlungsvorschlag Sir Edward Greys sehr dankbar sei und die guten Absichten der englischen Regierung vollauf zu schätzen wisse. Eine friedliche Beilegung desgKonfli kts mit Serbien sei jedoch nicht mehr möKich da die Kriegserklärung an Serbien bereits unterzeichnet gewesen sei. i Oesterreich will keine Gebietserweiterung. Berlin, 29. Juli. Der hiesige russische Botschafter kehrte heute morgen von seinem Urlaub zurück. — Die Konferenz des xusfischen Botschafters hatte nur Jnformationszwecke. Bisher erfolgte weder eine Intervention, noch ein bestimmter diplomatischer Schritt seitens Rußlands. Die Gerüchte, daß Rußland eine Neutralitätserklärung im Kriege mit Oesterreich-Ungarn nitd Serbien abgeve, ivenn Oesterreich- Ungarn sich verpflichte, keine Gebietserweiterung anzustreben, entbehren, wie das „Neue Wiener Tagblatt" .betont, der Aktualität, da Lcsterretckz-Ungarn wiederholt dezidiert erklärt habe, daß Oestcrretch-Ungcrrn gar keine Gebietserweiterung anstrebe. Rußland sichert seine Grenzen. London, 29. Juli. Wie daS Rcutersche Bureau erfährt, ist gestern abend im Süden und Südwesten Rußlands eine teilweise Mobilmachung angeordnet worden. Erhaltung friedlicher Beziehungen. Berlin, 29. Jüft. Die „Rorddeutfche Allgemeine Zeitung" bemerkt in ihrer heutigen Wendausgabe zu der gestrigen amtlichen russischen Mitteilung: Der fticdliche Ton der amtlick>eit russischen Mitteilung fand hier lebhaften Widerhall. Die kaiserliche Regierung teilt den.Wunsch auf Erhaltung friedlicher Beziehungen und hofft, daß das deutsche Volk sie durch ferneres Bewahren einer maßvollen und ruhigen Haftung in ihren Bestrebungen unterstützt. Russische Maßregeln gegen Oesterreich. .Petersburg, 29. Juli. Die Seeverwaftung teilt mit, daß die Feuerschiffe vor Lllnru, Luserort und Sarytschefs von ihren Standorten entfernt worden sind. Der Leuchttirrm von Renszher und die Leuchtfeuer von Roengrund und omnftvn- :grund sind ausgclöscht worden. Bei «Sewastopol sind alle Feuer und Leuchttürme außerhalb des Chersones aus ge löscht worden. Die Einfahrt nach Sewastopol ist während der Nacht verboten. Petersburg, 29. IM. Der Kaiser sagte in seiner Ansprache an die Aspiranten der Marineschule u. a.: Ich befahl, &ie angesichts der ernsten Ereignisse, welche RuWand jetzt durchzumachen hat, znsammenzuberufen. Während des Dienstes als Offizier, der sie erwartet, vergessen «Sie nichts was ich Ihnen sage: Glauben Sie an Gott, haben Sie Glauben an den Ruhm und die Größe unseres mächtigen Vaterlandes. London, 29.Juli. (Reuter.) Die russische Mobilisierung beschränkt sich auf die Militärbezirke von Kiew, Odessa, Moskau und Kasan. In jedem Bezirke stehen vier Armee- korvs in Friedensstärke. Durch die Mobilisation werden 16 Armeekorps auf die Stärke von 32 Armeekorps gebracht. Kasan ist der Zentralbezirk, von dem ans die Reserven für die Westgrenze zusammengezogen werden. Die Besetzung Belgrads kein Kriegsfall. Paris, 29. Juli. Gestern gegen Mitternacht verbreitete sich in hiesigen Kreisen.wie ein Lauffeuer folgende ans privater Quelle stammende Meldung ans Petersburg: In einer Unterhaltung mit dem österreichischen BotichastA in Petersburg hat der russische Minister des Aeuhern Sasfonow deutlich zu verstehen gegeben, daß die russische Regierung nicht daran denke, die Besetzung Belgrads durch Oesterreich als casns belli sür Rußland zu betrachten. Im Falle eines weiteren Vordringens der Oesterreicher in nordserbisches Gebiet werde Rußland zunächst eine abwartende Haltung einnehmen. Diese Nachricht ist freute in den ersten Morgenstunden von dem russischen Boffchaster in Paris bestätigt worden. Sie ist aber so spät eingetroffen, daß sie von den Blättern nicht mehr gebracht werden komNc. Nur der „Matin" ist in der «Lage, die Nachricht teilweise wiederzugeben. Die Stimmung in Rußland. Petersburg, 29. Juli. Die deutsche und die österreichisch-ungarische Botschaft werden von allen «Seiten durch verstärkte Polizeitruppen zu Pferde uud zu Fuß bewacht. ES ist auch verboten, sich aufhen gegenüberliegenden Bürgersteigen aufzuhalten. Odessa, 29. Juli. Hier fanden heute große Kundgebungen für Serbien, Montenegro, Frankreich und England statt. Petersburg, 29. Juli. Heute nachmittag wurde aus Anregung der Vereinigten slawischen Gesellschaften in der Kathedrale von Kasan eine Messe zelebriert, der der serbische Gesandte, Spalaikowitfch und die Mitglieder der serbischen Gesandtschaft beüvohnten. Nach der Messe bildete sich ein aus Tausenden, hauptsächlich der Intelligenz angehürcnden Personen, ein Zug, der sich unter Wsingung der Nationalhymne und mit Hochrttsen auf Serbien über den Newski Prospekt bewegte. Bor der serbischen Gesandtschaft wurden Reden gehalten und vor der französischen Botschaft Hochrufe aus Frankreich und England ausgebracht. Petersburg, 29. Juli. Wie „Rjetsch" meldet, erklärte das Auswärtige Amt, daß zur Erfüllung seiner Aufgabe äußerste Zurückhaltung der Presse und der öffentlichen Meinung notwendig sei. Fragen der Eigenliebe seien auszuscheiden. Nie habe Rußland vor einer solchen Lage gestanden. Es werde aber bis zum Ende seine Pflicht tun. Die hchitige Presse hat diesen Rat befolgt. Die „Nowoje Wremja" schreibt: Das Schicksal Europas hänge davon ab, wie die Großmächte die Zeit bis zum militärischen Zusammenstoß ausnützlcn. Rußland habe einen festen Entschluß gefaßt. Die Zeitung hofft, daß die in der äußeren Politik erreichte Uebereinstimmung zwischen Regierung und'Volk auch die innere Politik gesunden lassen werde. — „Denj" erfährt vom Auswärtigen Amt, daß die Kriegserklärung nicht die Möglichkeit von Verhandlungen ausschließe. Der Erfolg der diplomatischen Bemühungen zur Bermeidims eiaeä o>xsy J'tmtfirit Kriegs? mit dadvrff, beeinflußt ob ___ ' mö >"»■» durch die Kriegserklärung Üderr-rsthl" w^n ieie» oder ob sie vorher von ihr gewußt hoben — Sjrtfrfr (djrnbt: DreKawstropde wäre unvermeidlich. werm'Rnßlmid v,«l „> weiter>>-ni, einnwrfchrercu ivstrde. Anqenschernlich Ä‘I&mWSEE fo **«“« Schritt nicht. Gewisse . w rr"att das Blatt, muffen wir Zuschauer der Ent- Wickelung der Ereignr„e blerbeu. Oesterreich Ungarns Ben,er- luiigeii zu der serbrjchc» AuUvor! auf die österreichische Note r?2^! Berbondlungen bilden. Nachdem O^rrenhs Prestig« durch die Kriegserklärung gewahrt ist, günstige? für dieVcrmittelung Revolution der polnischen Sozialisten? "' *■ 3, ut j; Pulverlager von Raison ist durch Dynamit m die Luft gesprengt tvorden. ES verlautet, daß ernc Revolution der polnischen Sozialisten ausgebrochen sei. Eine russische Erllärnng. .. 30.Juli. Ein Mitarbeiter des „Petit Pari- m SS e «'1 c » Unterredung mir einer hochgestellten rum* r Persönlichkeit, welche erklärte: Es ist richtig, daß Rußland 16 — nicht 14 — Armeekorps namentlich in Südruß- land an der österreichischen Grenze mobilisiert hat. An der deupchen Grenze haben keine Truppenbewegungen stattgesun-- den. -vcan kann sich nicht erklären, wie die offizielle Noti- nzicrung Rußlands an Oesterreich in Deutschland der Oef- sciitlichkeit übermittelt werden konnte, denn es war vorgesehen, daß sie geheim bleiben sollte. Rußland hat im Laufe der letzten Tage immer wieder Beweise seines guten Willens und seiner Friedensliebe gegeben. Alle Schritte aber, die es in Wien unternommen hat. namentlich der, welcher um eine Verlängerung der Fristnote bat, sind abgelehnt worden. Das russische Kabinett kann daher nicht als unvorsichtig und von kriegerischer Tendenz bezeichnet werden. Es ist richtig, daß Oesterreich der russischen Regierung vor einigen Tagen eine Erklärung abgegeben hat, in der es bestätigt, daß die Unabhängigkeit der serbischen Gebiete gewahrt bleiben soll. Aber diese Garantien können nicht genügen, denn Oesterreich hat kein Wort über die politische Unabhängigkeit Serbiens gesagt und einen Eingriff in die Integrität Serbiens wäre weniger schwer und ernst, als ein Eingriff in seine Unabhängigkeit. Auf der österreichischen Botschaft erklärte man, daß die Eröffnung der Feindseligkeiten keineswegs den Abbruch der Unterhandlungen bedeute, an denen, wie man versichert, auch Deutschland tcilzunchmen bereit sei. Serbische Donauschiffe nnter englischer Flagge. W i e n , 30. Juli. Die englische Gesandtschaft in Belgrad erteilte den serbischen Schissen die Erlaubnis, unter englischer Flagge zu fahren. Die serbischen Dampfer haben daraufhin den Verkehr aus der Donau wieder ausgenommen. Dcpeschenwechsel zwischen Kaiser Wilhelm und dem Zar. Berlin. 29. Juli. Die Nachricht, daß Seine Majestät Kaffer Nikolaus an den deutschen Kaiser ein Telegramm gerichtet habe, wird uns mit dem Hinzufügen bestätigt, daß sich dieses Telegramm mit einer Depesche Kaffer Wilhelms an den.Zaren gekreuzt habe. Die Beratungen in Berlin. Berlin. 30. Juli. Gestern in den späten Abendstunden fand in dem Neuen Palais bei Potsdam eine Beratung bei dem Kaiser statt, an welcher der Reichskanzler v. Bethmann Hollweg, der Staatssekretär des Auswärtigen v. Jagow, der Kriegsminister v. Falkenhayn. der Staatssekretär des Reichsmarineamts v. Tir- pitz, der Chef des Großen Generalstabs v. Moltke. der Ches des Admiralstabes v. Pohl, sowie der Kabinettschef General der Infanterie Freiherr v. L Y n ck e r und Admiral v. Müller, ferner der Chef des Kaiserlichen Hauptquartiers Generaloberst v. P l e s s e n und mehrere Herren des Reichsmarineamts teilnahmen. Die Konferenz dauerte bis in die späten Ndchtstunden. Die sinanzicllc Bereitschaft Deutschlands. Berlin, 29. Juli. Oberbürgermeister Wernruth er- klärte heute: Es kann nicht oft genug »gesagt werden, daß die Gelder der städtischen Sparkassen im ztriegsfalle nicht angegriffen werden dürfen. Im übrigen steht nach.meiner Ueberzcugung, die ich aus meiner früheren Stellung als Reichsbcamtcr unumstößlich gewonnen habe, Deutschlands finanzielle Bereitschaft im allerernstesten Stalle ganz .außer Frage. , ‘ i Die deutsche Flotte. Berlin, 29. Juli. Die deuffche Flotte ist nach den Heimatshäfen zurückgekehrt und zwar die Nordseeschiff« gestern abend nach Wilhelmshafen, die Osffeeschiffe heute früh nach Kiel. Bitten um Frieden. Bern, 29. Juli. Das internationale Friedensbureau 'richtet an den Grafen Berchtold folgende Depesche: Indem wir der durch die gegenwärtigen Ereignisse verursachten schmerzlichen Bewegung Ausdruck geben, bitten wir Ew. Exccllenz dringend, die Möglichkeit einer friedlichen Beilegung des Konfliktes nicht endgültig von der Hand zu weisen und die noch strittigen Punkte dem Entscheide des internationäken Schiedsgerichtes im Haag oder den.Großmächten zu unterbreiten. Bern. 29. Juli. Das Internationale Frie densbureau sandte an Kaiser Wilhelm folgendes Telegramm. „Im Vertrauen auf das HereMigkeitsgesükK und die Friedensliebe, von denen Eure Majestät»der Welt so viele Beweise gegeben haben, bitten wir Sie dringend, der die Völker^ bedrückenden Beklemmung ein Ende: zu machen, indem Sie durch Ihre Vermittlung eine Beilegung des österreichisch-serbischen Konfliktes bewirken." Brüssel, 29. Juli. DaS internationale Friedensbureau gibt bekannt, daß es am Freitag nach Brüssel eine Beratung aller Fricdensorganisationcn einberufr» habe, um die Aktion Sir Edward Greys im Interesse der kleinen Staaten zu unterstützen. Das Bureau gibt außerdein bekannt, daß der Kongreß, der im September in Wien statt finden soll, in Bern äbgehalten werde. » Stuttgart, 29. Juli Der Frauenbund der deutschen Frie de n s ges ellsch a f t richtete an den Kaiser ein Telegramm, in welchem der Bund den Kaiser im Namen von Millionen Müttern bittet, den Frie- den zu erhalten. t Vorbereitungen in Italien. Köln, 39. Juli. Wie der römische Korrespondent der „Köln. Zta." aus Militärkreisen erfährt, haben der General- stab und baä Kriegsmi.nffte.riui» in de» letzten Acrgrn alle Deutschland lBo rff er ri tungen fchl worden Auch sind Born zu einer etwaigen Mobikmüchün« gjelroffftn. Aucli sind Borrate gesichert. Freilich glaube» Kenner der russischen Heereszustande nicht an den Ernst der.russischen 'Drohungen. Bemerkenswert ist die Disziplin der Bolks- stimmung. i M ailand , 30. Juli. Einer Privatmcldung des „Se- colo" aus Saloniki zufolge soll Griechenland die Einberufung von zwölf Altersklassen bereits ver- fügt haben, obgleich noch nicht gewiß sei, daß Griechenland Serbien Hilfe leisten ivcrdc. — Das hiesige Konsulat hat den türkischen M i l i t ä r p s l i ch t i g c n , die in Mailand wohnen, die Einberufungen zugestellt. Der König von Italien. Rom, 29. Juli. Der König ist gestern vormittag nach einer kurzen Kreuzfahrt im Mittelmeer hier ein getroffen. »Er empfing sofort den Ministerpräsidenten Salandra in Audienz. An, Nachmittag enrpfiiia der König di San Giuliairo und die Chefs des Generalswbcs und des Admiralstabes. Nach der Messe im Pantheon empfing.der König abermals den Ministerpräsidenten und dann den Kriegsminister. Der König ist heute wieder nach ^Sant Anna Valdieri, wo sich die Königin und die Prinzen befinden, abgereist und wird in den nächsten Tagen snach Rom zurückkehren. I Italiens Aktion in Wien. Rom, 30. Juli. Die italienische Diplomatie sucht allem Anschein nach eine Form, unter der sie ihre Aktion in Wien anbringen kann. Die direkten Besprechungen zwischen Rom, Wien und Petersburg werden sich wahrscheinlich doch noch länger hinziehen. Man glaubt hier, daß die russischen Mobilisierungen die Ereignisse nicht überstürzen werden, denn die Mobilisierungen erstrecken sich ja nur auf Gebiete, die die deutsche Grenze nicht berühren. Das Land ist ruhig; die öffentliche Meinung ist unbedingt dagegen, daß Italien in dem Konflikt intervenieren soll. Italienische Stimmen. Rom, 29. Juli. Tie Blätter sind im allgemeinen bei der Besprechung der Lage der Ansicht, daß ,bte Kriegserklärung nicht ein Scheitern jeglicher diplomatischer Handlung in^fich schließe, welche beabsichtige, denKonflikt zu lokalisieren. — Der „Meffagero" schreibt: Die Möglichkeit eines direkten Uebereinkommens zwischen Oesterreich-Ungarn und Rußland scheine ausgeschlossen. Der militärische Vor- niarsch der österreichischen Truppen könnte eine Genugtuung für das Volk und das Heerssein, die ein Einverständnis erleichtern würde. — „Popolv Romano" hebt hervor, daß Oestcrreich-Ungarn erklärt habe, daß es sich nur gegen serbische Hinterhältigkeiten schützen will. Folglich sei jede Gebietsveränderung ausgesckffosfen. Italien wünsche ebenfalls, daß Verwickelungen verniiedcn würden. Es begleite Oesterreich-Ungarn als Bundesgenosse und Freund. Poincares Rückkehr. Dünkirchen, 29. Juli. Präsident Poincarö ist heute früh 7.15 Uhr hier eingetrossen und sofort nach Paris weitcrftereist, wo er heute mittag eintrisst. Pari s, 29. Juli. PräsidcntPoincar6,der heute mittag 1.20 Uhr aus dem Nordbahnhof eingetrossen ist, wurde von den Ministern und dem russischen Botschafter Jswolsky empfangen. Das Publikum bereitete ihm einen begeisterten Empfang. Pariser Stimmungen. Paris, 29. Juli, 10,45 V. (Priv.-Tel. der Franks. Ztg.) Die Pariser Presse atmet wieder etwas auf. Man hatte mit ängstlicher Spannung darauf gewartet, wie Rußland die österreichische Kriegserklärung beantworten werde. Eine offizielle Kundgebung Rußlands liegt nicht vor. Aber mehrere indirekte Andeutungen lassen erkennen, daß Rußland sich mit einer Verstärkung seiner Grenzdeckung gegenüber Oesterreich begnügt und daß es im übrigen abwartet, wie die Dinge sich entwickeln, insbesondere, wieweit Oesterreich gehen wird. Der österrcichijche Bolschaster in Petersburg hat gestern, wie gemeldet, Herrn sasonow bei der Notifikation der Kriegserklärung ausführliche Erklärungen über die österreichischen Absichten gegeben. Es scheint aber nicht, daß er eine bestimmte Verpflichtung auf räumliche und zeitliche Beschränkung der österreichischen Kricgsoperalionen übernommen hat. Man rechnet infolgedessen damit, daß die gegenwärtige diplomatische Spannung noch einige Wochen dauern wird. Wie die abwartende Haltung Rußlands, so wirkt heute auch die bedächtige Behandlung der diplomatischen Seite des Konslikls durch Deutschland sehr beruhigend auf die Presse. Die Zeitungen bequemen sich dazu, den friedlichen Bemühungen Deutschlands Vertrauen entgegen zu bringen. Sie begrüßen es, daß Deutschland, obwohl es eine förmliche Bot- schafterkonserenz ablehnen mußte, doch bereit ist, an den weiteren VernnttlungSverhandlungen teilzunehmen. In politischen Kreisen hat man nicht ohne Befriedigung gesehen, daß der deutsche Botschafter Freiherr v. Schön gestern im Ministerium des Aeußereu Gelegenheit zu einer längeren Unterhaltung mil Herrn Delcassö gehabt hat. Der „Matin" läßt sich aus Berlin den Eindruck übermitteln, daß Deutschland ehrlich auf die Erhaltung des Friedens bedacht ist, nachdem es die Ueberzeugung von der Solidarftät Englands mit Rußland und Frankreich erhallen habe. Die Pariser Presse beklagt sich über die ins Ausland übergegangenen Gerüchte von einer Einberufung der Reserven und ähnliche Uebertreibungen. Die französische Regierung hat, wie wohl alle Regierungen der von dem geqenwär- tigen Konflikt bedrohten Länder, die üblichen Vorsichtsmaßregeln getroffen sür die Eventualität einer Mobilmachung. Sie hat die Vorräte sür die Armee vervollständigt und das Transportmaterial requiriert. Das Personal der öffentlichen Verwaltungen und der Eisenbahnen darf keinen Urlaub mehr erhalten. Die Eisenbahnen stehen unter militärischer Bewachung usw. Alle diese Maßregeln greifen natürlich schwer in das Privatleben ein und führen zur Verbreitung alarmierender Gerüchte. Die Regierung hat aber weder Dispositions- Urlauber noch Reserven einberusen und jeden Akt unterlassen, der als Beginn einer Mobilisierung charakterisiert werden könnte. Paris, 29. Jüli. Der Obmann de? Patriotenbnndes Barres erläßt einen Auftuf, in dem er hie Pariser auffor dert, den Präsidenten Poincärä bei seiner Ankunft zu begrüßen, um demjenigen zuzujubeln, welcher soeben das russische Bündnis fester geknüpft und die Triple-Entente verkündet habe. Alle Fvanzosen, die den Präsidenten auf seinem Weg vom Norvbahuhof zum Elyfte begrüßen.wütfeen, würden damit bekunden, daß sie Freunde der Triple- Entente seien und sich entschlossen um die chrrifarbige Fahne scharen ivvllten. ( Paris, 29. Juli. Der revolutionäre allgemeine Ar- Veitcrverband erließ einen Aufruf, in dem der Wunsch Krieg gerichteten Versammlungen, Ivctche die Clew-erkschoftSgrnppen für heute abend einberufen haben, verbieten werde. Die Auffassung in Paris. Daris, 30. Juli. In hiesigen politischen Kreisen hält man die Lage immer noch für sehr ernst und die Nachrichten über die militärischen Vorkehrungen in Deuffchland lassen hier daraus schließen, daß die Krise noch länger andauern kann. Die französische Regierung ist nach wie vor bemüht, im Einverständnis mit den Geschäftsträgern der Mächte ein Terrain zu einem Ausgleich zu finden und man hofft, daß diese Bemühungen von Erfolg begleitet sein werden. Frankreich mobilisiert nicht. Paris, 29.Juli. Der „Petit Parisien" schreibt, daß er ermächtigt sei, das Gerücht von der Einberufung dreier Jahrgänge unter die Fahnen zu dementieren. Die Regierung beabsichtige gegenwärtig keineswegs die Reserven ein- zuberufen. Ein griechisches Dementi. Paris, 29. Juli. Aus Athen wird gemeldet: Der griechische Gesandte in Konstantinopel Panas dementiert entschieden die ihm vonr Pariser „Journal" zu geschriebene Acußerung, daß Griechenland verpflichtet sei, Serbien mit 100000 Mann zu unterstützen. j , Konferenzen. Paris, 29. Juli. Noch seiner Rückkehr nach »Paris hatte der Ministerpräsident Unterredungen mit dem! deutschen und dem ruflffchen Botschafter. l Paris, 29. Juli. Der deutsche Botschafter Freiherr v. Schön hatte vormittags mit dem stellvertretenden Minister des Auswärtigen Bienvenu Marti» neuerdings eine Unterredung über die Möglichkeiten einer Lokalisierung des österreichisch-serbischen Konflikts. Paris, 29. Juli. Der Ministerrat, der heute nachmittag unter dem Vorsitz des.Präsidenten Poinoars jflJ*- gehalten wurde, beschäftigte sich ausschließlich mit der »auswärtigen Lage. ( London, 29. Juli. Der deuffche Botschafter stättetel heute vormittag im Auswärtigen Amt einen Besuch ab. London, 29. Juli. Vormittag 11,30 Uhr trat der Ministerrat zusammen. . Falsche Gerüchte. Köln, 29. Juli. Die „Kölnische Zeitung" meldet auÄ Berlin, die Nachricht des Pariser „stlewyork Herold",-Kaffer Wilhelm habe an den deutschen Boffchafter in.Wien geschrieben, er möge dem Graftn Berchtold den »Rücken steift», sei eine gewissenlose Erfindung. Der Kaiser hat niemals einen solchen Brief an den Boffchafter in Wien »gelangen lassen. Rom, 29. Juli. (Agenzia Stefane) Die von .einigen englischen Blättern veröffentlichte Nachricht über Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Ministerpräffdenten und dem Minister des Aeußeren hinsichtlich der Haltung Italiens während des.gegenwärtigen Konflikts entbehrt jeder Begründung. l Paris, 29. Juli. Die Agence Havas ist ermäckftigt, das Gerücht zu dementieren, daß das Minffterium des Innern und die Polizeipräfektur sich anschickten, Ausweisungsbefehle gegen i»r Paris wohnende Deuffche und Oester- reicher zu erlassen. Paris, 29. Juli. Die Agence Havas meldet, daß die Gerüchte, wonach die Regierung die Einberufung eines oder mehrerer Reservistenjahrgänge beschlossen hat, unrichtig sind. Die Regierung beschränkt sich darauf, die Sicherhefts- niaßregcln zu treffen, die durch die Umstände erforderlich geworden sind. Paris, 29. Juli. Der 'ehemalige Depufferte De- l o n c l e behauptet in seinem Blatte „Paris Journal'", daß Kaiser Wilhelm bei seiner Ankunft in Kiel, nachdem er die serbische Antwort gelesen hatte, an Kaffer Franz Joseph telegraphiert habe: Das ist genug. (Diese Angelegenheit wird als erfunden bezeichnet.) Sitzung des englischen Kabinetts. London, 29. Juli. Die heutige Sitzung des Kabinetts dauerte über zwei Stunden. Churchill, Grey und Lord Hal- dane blieben noch einige Zeit bei Asquith, nachdem sich die übrigen Minister entsernteu. Während der Kabinettssitzung stattete der französische Boffchafter dem Ministerium des Aeußern einen Besuch ab. Sympathien in England. London. 29. Juli. Die „Times" schreiben: Weder die Regierung noch Sir Edward Grey erblicken in dem Umstand, daß Deutschland nicht in der Lage ist, den britischen Amegungen beizutreten, in irgendeiner Weise eine Ablehnung. Sir Edward Grch ergriff in der Elle, was ihm als Notmaßregel gut effchien, um den Ausbruch einer europäischen Verwicklung zu verhindern. Frankreich und Italien nahmen sie sofort an, aber Deutschland konnte nicht seine ungualifizicrte Zustimmung erteilen. Der Hauvtpunkt des Planes lag in der herzlichen Zusammenaicheit aller vier Mächte. Da eine von, ihnen draußen bleibt, fällt der Plan von selbst, wenigstens sür den Augenblick, zu Boden. Das bedeutet nicht, daß unsere Bestrebungen für den Frieden gelähmt sind. Sie werden unermüdlich fortgesetzt werden mit dem einen Zäe>, daS wir von Aiv» sang an im Auge gehabt haben: eine Ausdehnung des österreichischserbischen Streites durch die automatische Mrkung des Systems des Bestehens der Mächtegruppen in einem europäischen Krieg zu verhindern. — „Daily Chroniclc" schreibt: Deutschland hat angezeigt, daß seiner Meinung nach Sir Edward Greys Einladung jetzt ans» geschoben werden soll, da direkte Verhandlungen zwischen Wien und Petersburg vor sich gehen. Das bedeutet keinen Mangel an Sympathie für das, was Sir Edward Grey im Sinn hatte, und wir sind weit davon entscnrt, diese Haltung Deuffchlands sür unvernünftig zu halten. Das Blatt fährt fort: Das Schicksal Europas hängt von dem Ergebnis der direkten Verhandlungen zwischen Rußland und Oesterreich-Ungarn ab, von denen natürlich keines den Einslüssen oder Anregungen von Freunden und Verbündeten verschlossen ist. Wenn Oesterreich-Ungarn mit Deuffchlands Billigung beschlossen hat, wenigstens in seiner serbischen Kampagne vorwärts zu gehen, so muß Rußland erwägen, ob der europäische Frieden vernichtet werden soll, um der Kampagne in diesem Stadium Einhalt zu tun. Wenn wir alle Umstände berücksichffgen, so können wir nicht sinken, daß das geschehen müßte, wenn Oesterreich-Ungarn sein Veffprechen, das Territorium und dir Unabhängigkeit Serbiens nicht zu beeinträchffgen, auf eine feste Basis stellt. — Die „Daily News" schreiben: Was England betrifft, so ist rs undenkbar, daß wir uns in einen solchen Streit ziehen laffen sollen. Der Gckanke, daß wir britisches Blut und Gut opfern sollen, um Rnßlaiü, im Balkan festznsetzen, würde für ein demokraffsches Volk eine unbegreisliche Beleidigung sein. Unsere Hände sind in dieser Frage frei, und wir müssen Sorge tragen, daß sie frei bleiben. ^ Die „Morningvost" meint, daß Oestcrreich-Ungarn absichtlich hernussordere, und daß es bei diesem Schritt die Unterstützung Deuffchlands erhielte. Anscheinend werde dieser Prozeß zu einer Deraussordernng der Triple-Entente durch den Dreibund erweitert werden oder zu einer Heraussmderung der Realität der Konsistenz der Entente, wenigstens soweit England in Frage kommt. — Der „Standard" fragt, ob Rußland und Europa sich nicht mit der pAerAschisÄ-ungaristhol LÜärung zuftiedcu gehen können, daß die •iDwtftWWitatlfc« keine territoriale Ausdehnung beabsichtige Mr mttffen mit Serbien sympathisieren oder glauben, daß ti eine wohl- verdiente Züchtigung erhalt. Aber cs ist niemandenS Auigabe, es M schützen, und keine Macht ist verpskichwt, cinzugreisen, wenn -Oesterreich-llngarn sich a»s die politische Linie beschränkt, die es gezogen hat. Unter ähnlichen Umständen würde jede Großmacht, Lie von einer kleineren Macht beleidigt oder belästigt wird, dasselbe tun. Wir haben genau dieselbe Absicht vertreten, als wir in den .Äriefl gegen dee Burenrevnblik zogen — Dte „Daily Mail" sagt - Deutschland hat den Borschlag Sir Edward Greys abgelehnt aber iu vollkomwen sreundirchcr Art mit der sehr vernünsngen Be- Zckftchuug, dah die «esprechnagen znnschen Oefterrcich-Ungarn und Rutzland den brrtischen Vorschlag unnötig machen. — Der Daily Oesterreich-Ungarn muh von seinen Freunden und -Aerbinwetcn geraten werden, seine Ambitionen in vernünftigen Grenzen z» halten. IrdechvUs muh Ruhland von seinen Freunden rn der TnpIe^nteute geraten werden, dah es nicht nur seinem SÄchüng Serbren gut zarcdet. und dah es Sorge trägt, dah seine Sirlluug als Vorkammer der slawischen Rasse keine Heraussordc- rung des Germanentuurs werde. Kundgebungen in Stuttgart. Stuttgart, 29. Juli. Zu den gestrigen Temonstra- tionen meldet der Poltzerberrcht: In den zwei sozialdemokratisch«, Versammlungen, die gestern abend in All- Stnttgarl stattsanden, wurde zu einem Demon- strackouSzug „noch dem Tageblatt" aufgesordert. Mehrere tausend Personen, die unter Absiugung sozialdemokratischer Lieder gegen den verabredeten Tresspunkl hin marschierten, nmrden bei der Einmündung der Tübinger Straße von Schuhmannsketten abgehalten und zerstreuten sich zunächst in einzelne starke Trupps über die Stadt. Einem dieser Züge, die meist unter wüstem Gejohle sich sortbewegten, gelang'cs später, dicht am Tagblattgebäude von einer kleinen Seitenstraße her die Schutzleute zu Wersen und dabei eine Fensterscheibe zu zertrümmern. Dem wiederholten Versuch auf dem Schloßplatz vor der Residenz, dann vor allem in die abge- sverrte Kronen- und stevplcrstraße einzubrechcn. wurde mil Erfolg begegnet. Da ixe Beunruhigung im Stadtzenlrum kein Ende nahm und Schutzmcmnschasten an sehr vielen Punkten gleichzeitig benötigt wurden, mußte um 11 Uhr zur Absperrung des Gesandtschaftsguartiers vom königlichen Gouvernement das Feuerpikelt des Grenadierregiments Königin Olga in Anspruch genommen werden, das um 12V» Uhr noch einmal einen Anprall, ohne von der Waffe Gebrauch zu machen, zu bestehen hatte. Zu verschiedenen Malen war die Situation sehr kritisch. Die Polizeiorgane wurden andauernd schwer beschimpft. Vor dem Schlosse wurden Schutzleute mit Steinen beworsklr. Auch wurde versucht, den Berittenen in die Zügel zu fallen. Mehrere Personen wurden sistiert. Umzüge verboten. Berlin. 29. Juli. Die „Nordd. Allst. Mg." schreibt: Wie bekannt, werden von dem Berliner Polizeipräsidium die öffentlichen Umzüge, die in den letzten Tagen Unllcr den Linden und in anderen Straßen stattgcfundcn haben, nicht mehr zugelassen. von der Negierung mit Beschlag belegt worden. Die Baal- brücke bei Nimwegen wird von den Kolonialtrnppeii besetzt gehalten. Weitere Detachements der Kolonialtruppen such nach Gcnnev und Mook abgrgangen, um dir Maasbrücken zu bewachen. Der Kriegsminister hat den Bürgermeister von Winlerswijk angewiesen, elwa 80 Mann Landsturm zur Bewachung der Mell,rucke entzutn-rusen. Es wurde bekannt gegeben, daß die Brücken eventuell in die Lust gesprengt werden würden. Die Bevölkerung hat Vcrwaltungsmaßregeln erhallen. Auch die Mfelbrücke bei Zulvhcu wird militärisch bewacht. Das Fort Imuiden ist mobilisiert worden. * .» ' Oefterreichische Stimmungen. Vien, 29. Juli. Tie Kriegserklärung und das Manifest Kaiser Franz Josefs finden in der ganzen Monarchie begeisterten Widerhall, der in den Blättern aller Parteien in flammenden Wollen zum Ausdruck kommt. Das „Neue Wiener Tageblatt" schreibt: Mit glühenden Lettern graben sich die Sätze des Manifestes, dieses Dokumentes edelster inonarchischer Gesinnung, in aller Herzen. Sie können nie vergessen werden. Als kostbarstes Bermächtnis sei cs den kommenden Geschlechtern überantwortet. Das Reich, wcl chcs Kaiser Franz Josef regiert, stchk einzig da in der Welt und Ehre, Macht und Ruhm sind ihm gesichert für und für. Kein Opfer ist zu groß für einen solchen Monarchen. Er ist der Glan; und die mächlige Kraft des Reiches, er ist die erhabene Bürgschaft für das Wohl unser aller. Es lebe der Kaiser! — In der „Neuen Freien Presse" heißt es: Von sämtlichen Krieg-smanisestcn, die im Lause der Zeit vcrössent- licht worden sind, hat wohl keines dem Feinde vor der ganzen Welt solche Anklagen ins Gesicht geschleudert, auf daß er für immer unter den gesittelcn Menschen gekennzeichnet ist. Die Worte des Kaisers werden eine» starke» Widerhall in der ganzen Monarchie haben und tiefen Eindruck in Europa machen. — Die „Rcichspost" erklärt: Es ist gut, daß die Diplomaten zu spät kamen: sie hätten uns nicht den Frieden, sondern nur gefährliche Verwickelungen bringen können. Je rascher Oesterreich-Ungarn von seiner vollen Bereitschaft überzeugt und den Mächten zeigt, daß es nicht aus Eroberung ausgehe und die Waffen im Namen des Rechts und der höchsten sittlichen Güter der Welt erhebe, desto mehr wird dadurch für die Lokalisierung des Krieges geschehen sein. Das entschiedene Handeln ist jetzt die größte Gewähr für den Erfolg. Serbische Freischaren. Paris, 29. Juli. Der Belgrader Korrespondent des „Journal" meldet, daß ein aus zahlreichen Komitatschis, Serben aus Bosnien, der Herzegowina und Dalmatien bestehendes Freiwilligenkorps unter der Führung des Majors JankoNntsch, dessen Verhaftung Oesterreich wegen der Teilnahme an dem Serajewoer Attentat verlangt hatte, sich anschickt, die Save zu überschreiten und an Bosnien einzudringen, um Oesterreich in den Rücken zu fallen. Die Börsen: Berlin, 29. Juli. Amtliche Erklärung des Börsenchorstandes. Eine Notierung von Terminkursen in Wertpapieren findet bis auf weiteres nicht statt: «um die Abwickelung von laufenden Termingeschäften per Ultimo Juli ermöglichen, soll heute gleichzeitig mit der Feststellung r Kaffenkurse um IV, Uhr, soweit wie möglich, eine Notierung der Ternrinkurse per Ultimo dieses Monatserfolgen. Frankfurt, 29. Juli. Inder heute früh abgehaltenen Sitzung des DörsenvorstaudeS wurde beschlossen: Jeder Ultimoverkehr, auch für den Monat Juli, ist untersagt. Dasselbe gilt auch für die Abcndbörse. Hamburg, 29. Juli. Ter Borstand der Hamburger Fondsbörse hat beschlossen, den Terminlurndcl bis aus weiteres emzustellen und nur per Kasse aNgcscUossene»Geschäfte tu notiren. Ferner wird der Privatverkehr an der Abend- börse bis auf weiteres eingestellt. — Die Zuckerbörse beschloß. mit Ausnahme der Notierungen für Juli und August die offiziellen Notierungen emzustellen. I Bern, 29, Juli Der Verkehr an der Züricher Börse ist heute nach zweitägiger Unterbrechung wieder ausgenommen worden, dach beschränkte sich der Umsatz auf fest verbindliche Werte. Mit Rücksicht auf die allgemein« politische Vage, die für die Schweiz unter »Umständen schwierige Verhältnisse bringen kann, hat das Direktorium der Schweizerischen Nationalbank beschlossen, alle Geschäfts- bezsehungen mit Firmen abzubrechen, die aus Spekulation, tim Kursgewinne zu erzielen oder die für Operationen, die ohne Barschaftexpvrt geregell werden kömien, Gold-- und Silbermünzen mi das Ausland aus führen. Dadurch erhält die Bank der Schweiz Metallreserven von mehr als 200 Millionen Franken, die der Bank eine für falle Bedürfnisse ausreichende Emissionskraft sichern. \ 1 Amsterdam, 29 Juli Nachmittags fand eine Versammlung der wichtigsten Bankinstitute und Finanzleute statt, die mit dem Börsenvorstand konferierten. Voraussicht^ lich wird ein kapitalkräftiges Banckierstindikat gebildet zur Stützung des Geldmarktes, was zur Wiedereröffnung der Effektenbörse führen dürfte. Dem Blatt „Telegraf' zufolge wird daS provisorische Banftersyndikat über ein vorläufiges Kapital von 25 Millionen Gulden verfügen, das.zur Dis- pvsition des Börsenvvrstandes gestellt wird. Der Satz für Leib-gell» auf Renten wird 1 Prozent höher sein, »als die offizielle Bankrate. ( Rom, 29. Juli. Die Börsen von Rom »und Mailand haben das Termingeschäft eingestellt. Petersburg, 29. Juli. Die Petersburger Börse bleibt am Donnerstag, Freitag und Samstag geschloffen. Wenn die Umstände es erlauben, wird sie »früher wieder «röffnet werden. i Wien, 29. Juli Die erste österreichische Sparkasse vcr- .öffentlicht eine Mitteilung, wonach die Anzahl der Rückzahlungsparteien heute 3500 betrug. Diese haben 2 l k Millionen Kronen zurückerhalten. Die Zahl der Einlageparteien betrug 500 mit einer Einlage von l % Millionen Kronen. Es hat den Anschein, als ob die Beruhigung des Publikums große Fortschritte machte. Der König von Griechenland. A! t h e n, 29. Jüli. Die Agence Athene meldet: Im Laufe der Woche begibt sich der König an Bord eines Torpedobaotszerstörers nach Mudhrvs, um den großen See- manövern beizunwhnen. j Vorsichtsmaßregeln in Holland. Amsterdam, 29. Juli. „Algemeen Handelsblad" meldet: Angesichts der internationalen Spannung hat die holländische Regierung bereits verschiedene Maßnahmen, um die Grenze zu sichern, getroffen. Der Generalstabschcf wurde aus Deutschland zurückgeruien. Eine Reihe anderer Offiziere kehrten aus echenem Antriebe zurück. Die einberufenen Reserven werden einstweilen unter den Waffen behalten. Ein Uebergang der ältesten Reservejahrgänge zum Landsturm findet augenblicklich nicht statt. Sämtliche Schlepper in der Ahejrumindung und in den Llchen von Schenreningen sind Soden (Taunusß, 29. Juli. Fürst und Fürstin Theodor Galizin, Senator aits St. Petersburg, haben heute nach- unttag 2.32 Uhr nach einem fünfwöchigen Kuraufenthalt Soden wieder verlassen und sind nach Petersburg zurückgereist. Das von Russen stark besuchte Bad hat infolge der Kriegsunruhen nur vereinzelte Abreisen zir verzeichnen und der Zuzug ist bis jetzt mach unverändert ein guter geblieben. • . ’ Wien , 30. Juli. Das Pulvcrlager von Narson ist durch Dynamit in die Luft aesprcngt worden. Es verlautet, daß eine Revolution der polnischen Sozialisten ausgebrochen sei. Die Franzosen in MaroNo. Köln, 29. Juli. Die Kölnische Zeitung" meldet aus Tanger: Die französischen Offiziere über Majorsrang erhielten den Befehl, nach Frankreich zurückzukehren. General Lyaaley erklärte, wenn Frankreich in einen Krieg verwickelt würde, so würben die französischen Trupven das Innere Marokkos räumen Und nur Rabat und Casablanca halten; ähnliches werde in Algier und Tunis geschehen. , Die Marokkaner verfolgen Mit Interesse den österreichisch- serbvckren Gegensatz. Es steht fest, daß geioiise unter Frankreichs Herrschaft störende rmd eine ziemliche Selbständigkeit genießende Größen sich sofort nach Kriegsausbruch gegen Frankreich erklären würden. Aus Albanien. Rom, 29. Juli. Tic „Agenzia Stefani" erfährt aus D u - razzo: Gestern um 10 Uhr vormittags und heute vormittag begaben sich die Offiziere der holläichischen Mission zu dem Fürsten, um ihm die Unmöglichkeit ouseinanderzusetzen, ihr Mandat zu cr- süllen. Der Fürst hat sich die Entscheidung Vorbehalten. Es gebt das Gerücht, daß die holländischen Offiziere ihr Entlassungsgesuch der internationalen Kontrollkommission überreichen werden. »— Mufid Bey ist zum Gesandten in Rom ernanM worden. Suslanfi. Der albairische Ministerpräsident Turkhan Pascha ist von Wien nach Turazzo abgercist. Au» Stadt und Cant, ©ic Seit, 30. Juli 1914. ** Tageskalender fiir Tonnerstag,30. Juli: Gewerbe» AuS stet lang: Abschiedsabend des Kapellmeisters Zir» i„ der Festhalle, 8 Uhr abends. StilIIS Garten: 6. llehtes) Abonnements-Konzert der Regimentskapelle. Abends 8J4 Uhr. •• Ordensverleihung. Der Großherzog hat dem Lehrer Wilhelm Strack zu Orleshausen anläßlich seine? 50jährigen TienstjublläumS das Ritterkreuz 2. Klaffe der Verdienstordens Philipp? des Großmütigen verliehen. •* AuS dem Schuldienste. Uebertragen wurde am 24. Juli ds. IS. dem Lehrer Johann Troll zu Ober- Erlenbach, Kreis Friedberg, eine Lehrecstellc an der Volksschule zu Urberach, Kreis Dieburg: dem Lehrer Friedrich Anton Spiclmann zu Engelthal, Kreis Büdingen, eine Lchrcrstelle an der katholischen Volksschule zu Hcldenbergen, Kreis Friedberg: dem Lehrer Joseph Wehrte zu Urberach, Kreis Dieburg, die erledigte Lehrerstelle an der katholischen Volksschule zu Engelthal, Kreis Büdingen. ** Die Tätigkeit der Kreis au s sch ü sse in Dessen. Nach der amtlichen Slafistik hielten die Kreisausschüssc des Großherzogtums Hessen im Jahre 191.3 261 Sitzungen ab, in loelchen zusammen 7687 Gegenstände, davon 7126 ohne mündliches Verfahren erledigt wurden, die Mehrzahl der verhandcktcn Gegenstände betr. Landesarmensachen <2444), es folgen Kreisangclegcn- heiten 1769, 553 Zwangs«,iehungsangelegrnheitcn, 547 freiwillige Armenpflege, 305 Gemcindcvcrwaltnngsiachen, 252 Gewerbe- fachen, 191 Ortsstatute, >85 Baudisvenlationsqesuche, 184 Polizeiverordnungen, 155 Ortsbaupläne und FlnchUinienpläne, 157 Beschwerden gegen Bcschlüise der Gemeindevertretungen, 32 Ueber- trrtungcn gegen das Wildschadengrsctz und 710 sonstige Angelegenheiten. — Die Provinzialaitsschüss« hielten in der gleichen Zeit 36 .Sitzungen üb. 1 >— - ** Einen Protest gogen den Krieg zu erheben, war der Zweck einer öffentlichen Versammlung, die die Sozialdemokratie »u gestern abend in den Sälen des (5afe Leib crnbirufen hatte.. Der Redner deS Abends war der Schriftsteller Sssnc-n Katzen- stein-Berlin, ein Giehencr tcknd. Er wandte sich vor allein gegen die Kriegstreiber, die mit mehr Eifer als politssetznc Reise den Kampf der Denffchen gegen das Slaoentum predigen und rief dagegen alle guf, deren (fristenz auf Bewahrung des Völkeisricdcns gebaut ist. Daraus schilderte der Redner die Dinge, wie sic sich auf dem Balkan enpoickelt und den Krieg zwifchen Oesterreich-Ungarn und Serbien veranlaßt haben. Die Haupt- stlruld au dem blutigen StUnfliTt maß er den sckyoerrn Fehlern der Donaumonarchie in der Behandlung der Serben »u und fand als solche die Absperrung der Grenze gegen die serbische Cchoeineriniuhr. die Verhinderung des serinsttz-bulgackjchen Handelsvertrages, die Abdrängung Serbiens von der Ser, die Annexion Bösnims und der Öerzogewma, das Rasseln mit dem deutschem Säbel und verschiedene andere Dinge. Das Haupt icner Politik, die die nationalen und religiösen Gegensätze in so bedauerlicher Werse geschärt habe, sei der ihr jetzt selbst zun, Opfer gelallciie Erzherzog-Thronfolger Franz Ferdinand gewesen. Nun dürfe nian allerdings Oesterreich keinen Vorwort daraus mackien, daß es in Belgrad die nötigen Schritte tue, big Wiederkehr solcher Bluttaten zu verhüten, aber das deutsch Volk habe keinen Grund, die serbisch Bewegung an sich zn veruneilcn und die in der lrekannten Note enthaltenen Forderungen gingen weit über das Mast dessen lfinaus, was zur lErhaltung der Rrch Europas nvvocndig sci. Wie sich die übrigen Staotrn Euroors zn dem Konflikt steilen I eärden, sei ungewist: um so mehr hätten die Sioialisten aller zkickurftoaten die Pflicht, der Gefahr eines allgemeinen K 'icges entgegenzn- arbciten. Die nnoerantwoftlichn Kriegstreiber seien meist von volitischr Harmlosigkeit und zudenr schwerlich zum ernstlichen Kriegsdienst verpssichet und bciähigt. Dar herrschende bewoslnete Friede sei gcwist kein Ideal, aber gegen die Schrecken eines Weltkrieges sci er mir ein Mnderspiel. Auch sei zu lwfien, dast der Kaiser seine fchn wiederholt bekundete Friedensliebe mit Esfolg betäfigen werde. 'Der möglich Krieg mit Rußland bedeute keinen Kampf gegen den Zarismus, sondern einen Wafienqang zwischen Standesgenossen. Darum müsse alles ver- suckit werden, mit Frankreich und England ins Einvernehmen zu treten, um in Wien und Petersburg auf die Rückkehr ftiedlickicr Zustände hinUiorbciten. Die Sozialdeinokratie habe aber sickier keine Veranlwvrtimg. wenn das Wort Jacvbis „Es werden freie Meissckien mif Erben wandeln imd ein Blutbad nmer ihnen wird nicht niebr sein!" nockz nich so bald ur Erfüllung gehen werde. In der AuSsvrach sraqt -Bertram an, was denn die Arbn'erfilift NIM posifio hin iolle, »vrim der Krieg doch ausbrechn sollte. Die Sozialdemokratie würde daran ein großes Teil Scknild tragen, weil sie den Antimilitarismus nicht genng vropagirrt habe. Ihm entgegnet Katzcnstein in seinem Schlußwoet. daß er ans diese Frage keine runde Antwort geben könne, Nun die Arbeiterbewegung bade kein Interesse daran, ihre besten Kräfte unter der Herrschst des »Belagerungszustandes bot« zeitig bingerichtet oder ins Zuchhans gesteckt zu sehen. Was int gegebenen Falle zn geschhen habe, werde sich aus der Organisation heraus von selbst ergeben. Darauf tmrrde folgende Entschließung angenommen: „Die heute in großer Zahl in Gießen versammckten Männer imd Fronen bekunden ihren entschiedenen Willen zur Erhaltung des Friedens. Sie crblichi in der Genwltvolitik Oesterreich, die sicki äußerte in der Absperrung Serbiens vom Weltmärkte und in der Unterdrückung der serdisckzen Volksgenossen in Oesterreich, den Hanptanlgß der lange bestehenden Svairmmg zwischn bechn Ländern, die jetzt von Oesterreich in frevelhafter Eroberungssucht bis zunr Krieg gesteigert worden ist. Die Versammelten fordern, daß die deutsche Reichreaierung in den gegenwärtigen Konssikt nicht anders als allsgleichend und schlichtend eingreist, in der Wesse, wie es die Regierimg Engsgnds bereits angehghnt hat. Den österrensssschen und serbischen Arbeitern und allen Freunden des Friedens Und der Kultur in der ganzen Welt entbieten die Versammelten Gruß, mit dem Gelöbnis, zu kämpfen, bis mit dem System des Kapitalismus und der Völkcrverhetzung auch die stete Gefälnbung des Friedens fällt." Mit einem H och an f den Fri edel! zwischen allen Völkerft trennte sich die Versammlung gegen eis Uhr in aller Ruhe. ** Gießener Freilichtbühne. Wie man uns mitteilt, werden voraussichtlich der Fürst und die Fürstin zu Solms-Hoben- solms-Lich der morgigen Ausführung („Der Pfarrer von Kirch- feld") beiwohnen. 'Ermordung eines speisen in Brasilien. Ans fremder Erde hot durch Mörderband der 28jihrige Sohn Vasenfin des Sckmeidermeisters 2ldam Wctzcl von Ovvenheim den Tod gesunden. Balenffn Wetzei, der in Brasilien weilte, war bei einer beirenndeten Familie zu einer lleinen Feier geladen.- AUt dlbcnd verübten Rowdies vor dem Hause allerhand Unfug. Als der Gastgeber und Söekel binaiisgingen. um Ruhe zu sssften, wurde Wetzäl von den Kecken überfallen und totgcstochcn. ** Stcnogrgpyen-Gelellschaft G g k> cl s b er ger. Bei dem Wettschreiben des Deutschen SterwargphenbimdeS GabelS- beraer in Düsseedock am 25. ds. Mts erhielten folgende Mitglieder der Gestlllchaft Preise: 120 Silben: 1. Preis: Alwin Welf. Lina Brasch. 2 Pr. Paula Bonarius. Tilli Karn, Will,. Marker: 140 Silben: 1. Pr. Konr. Sckwer. 2. Pr. Karl Langsdorf: 160 Silben: I. Pr. Heinr. Schmidt, Mnckin Jung: 180 Silben: 1 Pr. egnd med. Klipstein: 220 Silben: 1. Pr. L. Lenz. Die Geftälschaft bat damit die beste Gesamtleistung von den am Wettschreiben beteiligten Vereinen des Bezirks Gießen erzielt. lieber die Zuteilung von Ehrenpreisen entscheidet die Bundesleitung eckt in einiger Zeit. ** Pilzvergiftungen. Wir nähern uns der Hochsaison der Pilze, und es vergeht fast kckne Woche, ssi her nicht Meldungen über Prlzoergiltunqen kämen. Eine Pilzvergistnng zeigt sich getoöbnlich deck bis vier Stunden nach dein Genuß der Pilze durch Uebelkeit, Erbrechen Und bcktigen Lckbschmcrz, Am besten ist natückich, sofort die Magenpumoe anzntvenden: da dies aber mckst erst durch deu Arzt geschrhen kann, so empfiehlt es sich, Brechmittel einzimebmen, und wenn solche nicht zu mhallen sind, den Brechreiz kimstlich herbeiznftibren. Auch ein Aufguß von Tannin und Galläpfeln oder Weideuckndc, recht beiß getrunken, wirkt als Gegengift: ebenso cknsacher grüner Tee, Die Bergsstimg lorrd »war dadurch nicht ganz bescktigt, doch die Lebensackahr vermindert, 7luch recht rckchlich Rizinusöl, in schwarzem Kassee genossen, ist sehr ratsam, um eine schnellere Darm- enkleernna zu vmansgf'en. Zum Schlüsse reibe man den Erkrankten stark mit Eitigwasser ab, frottiere chn gut und bette ihn. Dadurch verhindert man das Eintrcken von einer Ohnmacift Und des Starrkrampfes, der gerade bet Pilzvergiftungen sehr häufig austcktt, Kreis Schotten, = Ober-Seibertenrod, 30. Juki Zu dem Schnl- hausNeubau in Ober-Sckbeckenrod hat man bcrckts damit begonnen, die Fundamente auszngraben. Die ausgewockene Erde wird an den abschüssigen Stellen loieder aufgkfüllt. Das Schiilhaus, das alle modernen Einrichtungen, wie Bad lür Lehrer sowohl als auch Schüler enthalten soll, kommt an die Krcksstraße Ober-Scibertcn- rod-Bobenhansen, direkt neben die Kirche, zu stehen. Meine Tagerchronik. Aus Tudela (Provinz Navarras wird gemeldet, daß dort infolge der Explosion eines Feuerwerks bck einem Volksfest 25 Personen getötet mch etwa 50 verwundet wurden. Bon den Verwundeten liegen mehrere im Sterben. Amtlicher Wetterdrricht. Oeffentlicher Wetterdienst- Gießen. Wettcrausfichten in Hessen am Freitag, deu 31. Juli 1914: Vorwiegend wolkig, meist trocken, etwas wärmer, nordwestliche bis nördliche Winde. Nach Beendigung meines Inventur-Ausverkaufs habe ich die zusammengestellt und bewillige ich von heute ab auf die ©norm zurückgesetzten Preise einen Extrarabatt von 10 Prozent In grösster Auswahl sind noch vorrätig Elegante und einfache Kostüme, Kostümröcke, farbige Paletots, schwarze Paletots, Regen- und Staubmäntel, wollene Kleider, seidene Kleider, Waschkleider, Waschkostüme, seidene Blusen, Waschblusen Carl JVowack Grösstes Spezialhaus für Damen-IWodewaren in Oberhessen. Alldeutscher verband Freitag, 31. Juli, 8' 4 Ohr, Sleios Garten Dr. fllb. Ritter: Was bedeutet der österreichische Krieg? Eintritt 30 W. W?w Mitßlie-er 10 Psz. 6ie|jener Freiliditbübne - Gegr. 1909. - Künstlerische Leitung: Walter DworkowSki Freitag, den ZI. Juli 1914, abends 6 Uhr: Der Pfmer m Kichfck BolkSstiick mit Gesang von L. Anzengruber. Preise der Pläne: Nunicricrlcr Platz Mark 2.—, unnumerierlcr Platz Mark 1.00, Stehplatz Mark OHO. Scchscrkarten haben Glllligkeit. — Der Borvcrkaui iindct i. d. Cballicr'schcn Musikalienhandlung statt. Für die Freilichtbühne: Dr. Bern deck. ,8802 V Gewerbe-Ausstellung Giehen 1914 für Oberhessen und angrenzende Gebiete Unter dem Protektorat Sr. UönigUchen Hoheit der Srohherzogr von heften. Rechnungen über alle noch ausstchenden Forderungen wolle man bei Bernieidung der Nichtberücksichtigung bis spätestens Samstag, den August einreichen. 8SM Die Geschästslettnng der Gewerbe-Ausstellung Gießen 1914. Gewerbe Ausstellung Gießen 1914. Halte abend 8 Uhr li der Festhalle. Abschieds* und Ehren-Abend für Herrn Kapellmeister Zirn, unter gütiger Mitwirkung des Vortragskünstlers Herrn Pcsch-Mario. Ansgc wühlte» Sol isten-u. Oper n Programm. NB. Indem ich noch besonders auf meinen Abschieds- Abend hinweise,wünscheich meinen vielenFreunden und Gönnern ein herzliches Lebewohl. 88671) Kapellmeister Zirn. ummmimii Cewerbe-AtissteUnng. Nach Beendigung dort von den Garten-Anlagen verkäuflich: 05985 Wenzel & Thorwesten Frankfurt a. M. itsches CboGols G. m. b. H. j 52 Seltersweg 521 empfiehlt 8607 D f [in der jetzigen Jahreszeit besonders: Erfrischungs-Bonbons Gelees:: Fruchtpasten Erfrischungs-Desserts j in grosser Auswahl zu billigsten Preisen I Stets frischeWare in besten Qualitäten. Rest.u.Pens„Waldsriede".Eiienb.-St.Saalb. iet3.'Bef.JacoliZwermanii.te1.xH.$)abi>ornbn.S7 Seit einem Viertel Jahrhundert ist in Tuben nnd Dosen Oberall erhältlich unentbehrlich rar Hautpflege geworden Vereinigte Chemische Werke Aktiengesellschaft. Abteilung; Lanolin-Fabrik Martinikenfelde Giartottenborg, Salzofer 16. IFESTHALLE1 Samstag, den i. August, abends 8 Uhr I Benefiz-und Abschieds-Abend I mit vollständig neuem Programm Eintritt 30 Pfennig inklusive Programm Es ladet freundlichst ein 8892 PESCH-MARIO 1 NB. Karten im Vorverkauf in der Festhalle, an der Kasse der | Ausstellung und im Zigarrengeschäft Loeb, Bahnhofstrasse. nHiHiiiiHiiiiniinuiMiimmnHiinmiiiinHHiiitmiiuiiiini 10000 Beerenpreffen X Bind zwar nicht norrä aber die größte Auswahl Preise finden tu zwar meub rätig > Auswahl und billigsten J’IPvIl iise finden Sie bei auser Neustadt 5C Haus- und KüchengrerÄte Telephon 660 Nene» Grünhorn krisch cinactroffcn. [»,. I. M. Schulhof Marktktraffc 4. Tel. 449. NeueKartoffel ?«rt» Tn Erfmrt und Kaiser. kraaea, I». WctterauerWarc, pro Zentner Mk. 4.00 mit Sack, veriendet unter Nach- nabme ab Station Echzell LudwiaErb, Kartoffel-Per- sandgcsch.EchrclllWetierau» Telephon 21 Amt Reichelsheim, Wettrrau. 829h Neue Kartoffeln Wettcrauer 4,50 ÜRfJ srciHaus, alleSprimaQual. CV Nioikos Sonnen strL Xeleoöon 88 V.H.C. AB ZweipereinCieBen. Heute abend 9 Uhr: Singstunde. Morgen abend 9 Uhr: Mmis - Serfammlnna im „Kaiserhos- I"*°D Stwosrafhen- Gtulltchift Glessen. Wir eröffnen Montag, den 3. August in unserem Ber- cinSIokat Easg (»bcl einen Anfängerkursus in Gabelsb. Stenographie für Herren und Damen und laden z. Beieiligung höflichst ein. UnterrichtShonorar 6 Mk. Anmeldungen zu Beginn d. Kursus erb. t* 4 ”!)