Nr. ,75 Der Slehener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich «IrbenerLamilienblätler: zweimal wöchentl.Areir- blatt fürbcn Krcisc, da wir nicht die Behauptung ausgestellt >>aben, daß sie und ihre Organe in dieser Richtung offiziell irgend etwa-? unternommen hätten. Unser Gravainen geht vielmehr dahin, daß sie es trotz der in der zitierten Note übernommenen Verpflichtung unterlassen hat, die gegen die territoriale Jnta- grilat der Monarchie gerichtete Bewegung zu unterdrücken. Ihre Verpflichtung bestand also darin, die^ganze Richtung ihrer Politik zu ändern und die österrelchisch-ungarisckie Monarchie offiziell nicht anzutasten. Die Belstiuptung der serbischen Regierung, daß die Aeußerunzen der Presse und die Tätigkeit von Vereinen privaten Charakter haben und sich der staatlichen Kontrolle entziehen, steht in vollem Widerspruckn: zu den Einrickftungen moderner Staaten, selbst der freiheitliche» Richtung aus dem Gebiete des Presse- und Vereinsrechts, das einen öffentlichen Eharakler hat und Ivo Presse sowie Vereine staatlicher Auffichl unterstehen. Die Bemerkung der serbisck)en Regierung, sie sei durch die Behauptungen, daß Angehörige Serbiens an der Vorbereitung des in Scrajctvo verübten Attentates tcrlgenommrn Hütten, schmerzlick) überrascht gewesen, sie habe envartet, zur Mit- tvirkung bei den Nachforschungen über dieses Berbreckzen eingcladen zu werden und sei bereit, um ihre vollkommene Korrektheit durch die Tat zu beweisen, gegen olle Personen oorzngchen, hinsichtlich welcher ihr Mitteilungen zukommen, loird als unrichtig bezeichnet. Die serbische Regierung sei über den gegen ganz bestimmte Personen bestehenden Verdacht genau unterrichtet und nicht nur in der Lage, sondern auch »ack> chren internen Gesetzen verpflichtet gewesen, gmiz spontan Erhebungen crnzuleftcn. Sie habe in dieser Richtung gar nichts unternommen. Die Forderung Oesterreich-Ungarns „die königl. serbische Regierung verurteilt die gegen Oesterreich-Ungarn gerichtete Propaganda--" ist dech-in geändert worden, daß dre serbische Regierung jede Propaganda vernrteflt, die gegen Oesterreich-Ungarn gerichtet sein sollte. Das will besagen, daß eine solche, gegen Oesterreich- Ungarn gerichtete Propaganda nicht bestehe oder daß der Reifterun/i eine solche nicht bekannt sei. Die Formel ist im- aufrichtig und hinterhältig, da sich die seibische Regierung damit für spater die Älusflucht reserviert, sic hätte die derzeit bestehende Propaganda durch diese Erklärung nicht desavouiert und nicht als monarcksieseindlicki anerkannt, woraus sie weiter ableiten könnte, daß sie zur Unterdrückung einer der jetzigen Propaganda gleichen nicht verpflichtet sei. Dasselbe gilt von der Aenderung der Worte „Die Kü- niglickze Regierung bedauert, daß. serbische Offiziere und Funktionäre milgewirkt haben" in die Worte: „Laut Mitteilung der Ks K. Regierung mitgewirkt hätten". Weiter hatte die K. K. Regierung gefordert, daß die serbische Regierung jede Publikation unterdrücke, die zum Haß und zur Verachtung der Monarchie ausreize und deren Tendenz gegen die territoriale Integrität der Monarchie gerichtet ist, wollte also die Verpflichtung Serbiens herbeiführen, dafür zu sorgen, daß derartige Pres.angriffe in Zukunft unterbleiben. Statt dessen bot uns Serbien die Erlassung gewisser Gesetze an, welche als Mittel zu diesem Erfolg dienen sollten, ohne die geringsten Garantien sür den gewünschten Erfolg zu bieten. Äcse Vorschläge sind vollkommen unbefriedigend, umsomehr, als nicht gesagt wird, rn- nerlzalb welcher Frist diese Gesetze erlassen würden und daß im Falle der Ablehnung der Gesetzesvorlagc durch die Skupschtina — von der eventuellen Demission der Regierung abgesehen — alles beim alten bleibe. Zu der Erklärung der serbischen Note, die Regierung besitze keinerlei Beweise dafür und auch die Note der K. K. Regierung liefere ihr keine solche, daß der Verein Narodna Obrana und alle ähnlichen Gesellschaften bis zum heutigen Tage durch ihre Mittel irgend welche verbrecherischen Handlungen begangen hätten, daß aber die Narodna Obrana sowie jede Gesellschaft, die gegen Oesterreich-Ungarn tvirken sollte, aufgelöst werden sollten, wird bemerkt: Tie monarchiefeindliche Propaganda erfüllt in Serbien das ganze öffentliche Leben. Es ist daher eine ganz unzulässig« Reserve, wenn die serbisch« Regierung behauptet, daß ihr hierüber nichts bekannt ist; ganz abgesehen davon, hat die österreichisch-ungarische Note verlangt, die Propagandamittel dieser Gesellschaften zu konfiszieren und die Neubildung der aufgelösten Gesellschaften unter anderem Namen und unter anderer Gestalt zu verhindern. In diesen beiden Richtungen schweigt das Belgrader Kabinett vollkommen. Auch in Sachen des öffentlichen Unterrichts verlangt die serbische Regierung erst Beweise dafür, daß eine monarchiescindliche Propaganda getrieben wird, während sie doch wissen muß, daß die in serbischen Schulen! ein geführten Lehrbücher in dieser Richtung die beanstandeten Stoffe enthalten und daß ein großer Teil der serbischen Lehrer rin Lager der Narodna Obrana und der ihr affilierten Vereine stehen. Uebrigeus hat die serbische Regierung auch hier einen Teil der Forderungen nicht erfüllt, wie es verlangt war, irrbeun sie ihrem Text den Beisatz ..sowohl was den Lehrkörper als auch was die Lehrmittel anbelangt" wegließ — ein Beisatz, welcher ganz Nar zeigt, .wo die monarchicseindlichc Propaganda in den serbischen Schulen zu suchen ist. Indem die serbische Regierung die Zusage der Entlassung der fraglichen Offiziere und Beamten aus dem Militär- und Zivildienst an den Umstand knüpft, daß diese Personen durch ein gerichtliches Verfahren schuldig befunden wären, schränkt sie ihre Zusage aus jene Fälle ein, in denen diesen Personen ein gesetzlich zu ahnendes Delikt zur Last liegt. Da die Note aber die Entfernung jener QM- ypf vcrlangl. Me eine monard)dcfeinMicf)e Propa- flaiibn betrrtbon, iwu* ja im (riTflemoimni in Serbien kün flmebtlirt, itrufbaror Laibestand ist. so erfdveiS »« Fm- berung auch tu diesem Punkte it*d)t erfiffl ^ mt th"."o« CflTenl ^ ertCätt ' dast f.c jede Mit- mtriung i>on Organen der f t Rcaieruna au- rSÄSh SL« ^n GrundstsiL, Ms Völker lirtu-ii «n ■hiiiini. V::>,ra ^If5j!' c ^ den frounbimdibar« ' ^ würde, wird baju bemerft: iwnta ^ allgemeine Sotferr?*! ebenso- (,rK ' U tun ' Jwe mit dem Strxrfprozeßreckü Es Angelegenheit rein stacllspolizAlickier lin^ LKqe be,anderer Vereinbarung zu losen ist. Serbiens ist daher unverständlich und würde, .^L^^e vage, allgemeine Formel da,:, geeignet ist, zu I'^7^^cen «hivierigkciten bei Ai'schlaß des vertrag- ^)^„d"^°'"mens führen. Was die Mitwirkung delegierter f7..+?? nC t. f Regierung an der strafrechtlichen iinter- uchung anbetauLt. die als Verletzung der Verfassung und der «vtrafprozestordnung obgelehnt ivordcn ist, so bemerkt ,®L~ ’ Regierung: Unser Verlangen war ganz klar und nX ^r-^ oritzdeuten. Wir begehrten l. Einleitung einer gerichtlichen Untersuchung gegen die Teilnehmer des Äom- plotls; 2. Teilnahme von k. k Organen an den darauf oeEiglichen Erhebungen (Recherchen im Gegensatz zu Enquete ludieiaire). Es ist uns nicht eingefallen, k. k. Organe an dem serbischen Gerichtsverfahren teilnehinen zu lassen, sie sollten nur bei den polizeilichen Vorerhebungen Mitwirken. Wenn die serbische Regierung uns hier mißversteht, so lut ne dies bewustt, denn der Unterschied zwischen Enquete jüdrciaire und einfachen Recherchen must ihr geläufig sein; da sie sich jeder Kontrolle des einzulcitenden Verfahrens zu entziehen wünscht, das bei korrekter Durchführung höchst unerwünschte Ergebnisse für sie liefern würde, und da sie keine Handhabe besitzt, in plausibler Weise die Mitichrkang unserer Organe an den polizeilichen Verfahren abzulenkcn (Analogien sür solche polizeilichen Interventionen bestehen in großer Menge), hat sie sich auf einen Standpunkt begeben. der ihrer Ablehnung den 'Schein der Berechtigung geben und unserem Verlangen den Stempel der Unerfüllbarkeit aufdrücken sollte. In Sachen des Milan Ciganovic wird konstatiert, daß. die Behauptung, dieser sei schon ain 15. resp. 28. Juni aus dem serbischen Staatsdienst geschieden, unrichtig sei. Er habe noch drei Tage nach den, Attentat, als seine Teilnahme an dem Komplott bekämet wurde, sich im Auftrag der Belgrader Polizcipräfektur nach Ribari begeben. Hierzu konrmt, daß der Polizeipräfekt von Belgrad die Abreise des Eiganovic selbst veranlaßt hatte und wußte, wo dieser sich aufhält, und in einer Unterredung erklärt habe, einen Mann dieses Ramcn? gäbe es in Belgrad nicht. Bezüglich der Acusterungen serbischer Beamter nach dem Attentat hatte die serbische Regierung in der Erklärung zugesagt, sobalb diese Aeußerungcu näher bezeichnet und nachgewicien sei, daß diese tatsächlich gefallen seien, wird bemerkt: Der serbischen Regierung würden die diesbezüglichen Unterredungen ganz genau bekannt sein. Wenn sie, von der k. k. Regierung verlangt, daß diese ihr alle Details über diese Interviews liefere und sich eine formelle Untersuchung darüber vorbehält, so zeigt sie, daß sie auch diese Forderung nicht ernstlich erfüllen will. Ei« Brief des Kaisers Franz Joses an den Zaren. Petersburg, 29. Juili. Die „Nowoje Wremja" will erfahren haben, daß der Zar einen Brief von Kaiser Franz Joseph erholten höbe, der zu der Lösung des Konfliktes beitragen dürste und die Zustimmung Deutschlands zu den Vorschlägen Greys gleichsam überflüssig mache. Tie Börse«. Wien, 28.Juli. «Wiener Korr.-Bur.) Der heulige Kassclag an der Wiener Börse verlies vollkommen glatt und ohne jeden Zwischenfall und Insolvenz. Bei dem führenden Depositen-Einlagen-Jnstitut der Monarchie, der Ersten österreichischen Sparkasse, war der Andrang des Publikums bei den Rückzahlunqsschaltcrn heute und gestern sehr bedeutend. An etwa 7000 Parteien wurden 6 Millionen Kronen zurückgezahlt, ober auch von etwa 2000 Parteien über zwei Millionen Kronen cingezahlt. Das Publikum zeigt im Gegensatz zu den Balkankriscn «ine sehr ruhige gehobene Stink- mung. Die Sparkasse ist zur Rückzahlung jeden Betrages gerüstet. Die serbische Sknpschtina. Rom, 29. Juli. Der ..Agenzia Stefan," wird aus Risch gemeldet, daß die serbische Skupschtina heute nicht zusammentreten konnte, da nicht genug Mitglieder anwesend waren. Eine amtliche Mitteilung Rußlands. Petersburg, 28. Juli. Folgende amtliche Mitteilung wird veröffentlicht: Zahlreiche patriotische Kundgebungen der letzten Tage in der Residenz und in anderen Städten des Reiches beweisen, daß die feste und ruhige Politik in den breiten Schichten der Bevölkerung sympathischen Widerhall gesunden bat. Die Regierung hofst jedoch, daß der Ausdruck der Volksgcfühle durchaus nicht die Färbung von Mißgunst gegen Mächte cinnchmen werde, mit denen Rußland sich im Frieden besindet und unveränderlich sich im Frieden zu befinden wünscht. Indem die Regierung aus dem Aufschwung des Bolksgeistes Kraft schöpst und ihre Untertanen aufforderl, Zurückhaltung und Ruhe zu bewahren, verharrt sie aus der Wacht sür die Würde und die Interessen Rußlands. Rußland mobilisiert nicht. Wien, 29. Juli. Die „Wiener Allgemeine Zeitung" schreibt, anscheinend nach Informationen von besonderer Seite: lieber die Haltung Rußlands ist zur Stunde hier nichts bekannt. Die Nachricht, daß die russische Regierung irgendwelche Mobilisicrungsordres erteilt habe, hat bisher noch keine Bestätigung gesunden. Wir und auch die übrigen Mischte sind durch unsere Vertreter am Petersburger Hofe über die Vorgänge in Rußland, soweit sie sich nicht überhaupt der Kenntnis entziehen, vollkommen unterrichte« Es ist aber unmöglich, irgendwelche Prognosen zu stellen Die politische Situation ist ja heute der Art, daß sich das Bild in kürzester Zeit zu verschieben vermag, weshalb es nicht angcht, auch nur für die nächsten Tage etwas bestimmtes vorauszusagen. Vorläufig bewegt sich der Verkehr zwischen Rußland und Oesterreich aus der gewohnten freundschaftlichen Basis. Mannheim, 27.Juli. Nach einem hier vorliegenden Privatkelegramm hat der französische Finanzminister der Pariser Hochfinanz erklärt, dieGesahrseivor- über, Rußland marschiere nicht. Wien, 28. Juli. Nach den vorliegenden Nachrichten ersvli wie dem Vertreter des W. T.-B. von maßgebender Stelle erklc wird, noch kein« Mobilisierung Rußlands. Ferner wird qeqe über verschiedenen Gerüchten daraus hingenneien, daß keine An,öig vorhanden sind, daß Serbien die österreichisch-ungarisän Note nu mehr bedingungslos annehmen loollie. Die Gerüchte von der E, stllllmg der SLoWlNerwg jSrtbiuis sind unbegründet, oictinc liegen zahlreiche gegenteilige Metdungjen oor, ul ä. aus Salonifi über das Passieren serbischer Reservisten und die Durchreise Freiwilliger nach Serbien. Rußland ist de« BermittlnngSvorschlägen geneigt. London. 28. Juli. Wie das Reutrrschc Bureau erfährt, hat das Auswärtige Amt heute die Mitteilung erhallen, daß Rußland im Prinzip dem englischen Kon- serenzvorschlag zustimmt. Gleichzeitig wünscht Rußland den direkten Meinungsaustausch mit Wien sortzusetzcn. Stimmung in Rußland. Petersburg, 28.Juli. Bei der gestrigen Abreise serbischer Ossiziere in ihre Heimat sammelte sich eine große Menschenmenge auf dem Bahnhoi an, die den Osstzreren begeisterte Kundgebungen darbrachtc. Es erschallten Rufe: Es lebe Serbien! Nieder mit Oesterreich! Ein serbischer Offizrer hielt eine Ansprache, in der er sagte, er sei von dem freudigen Bewußtsein erfüllt, daß das erhabene Rußland seine lüngcre Schwester in dieser schweren Zeit nicht ihrem Schicksal preis- geben werde. Unter den Klängen der Nationalhymne und Ziviorufen verließ der Zug den Bahnhof. Moskau, 28. Juli. Gestern abend um 11 Uhr versuchte eine Menge von etwa 500, zumeist den gebildeteren Ständen angehörcndcr Personen in das österreichisch-ungarische Konsulat eil,itubringen. Die Menge sang die Nationalhymne und ries: Es lebe Serbien! Durch das Einschreiten der Polizei wurde der Versuch vereitelt. Petersburg, 28. Juli. Die Leitartikel der Blätter spiegeln den günstigen Eindruck wider, welchen die gestern von der Petersburger Telegraphenagcnlur verbrcttete Mitteilung gemacht bat, daß der Text der österreichisch-ungarischen Note der deutschen Regierung vor der Uebergabc an Serbien völlig unbekannl gewesen sei und daß die Annahme, daß Deutschland, welches vor allem eine Lokalisierung des Konfliktes wünsche, eine drohende Haltung einnehme, unbegründet sei. Petersburg, 28. Juli. Der „Petersburgski Kujer" erfährt ans dem Auswärtigen Amt, daß der Schritt Englands dessen eigener Initiative entspringt und durchaus nicht von der russischen Regierung diktiert ist, welche vor der Hand ihre diplomatische Mission gegenüber Oesterreich-Ungarn als erfüllt ansicht. Petersburg, 28.Juli. Die Blätter halten einmütig die serbische Antwort für genügend. Petersburg, 28. Juli. Die „Nowoje Wremja" erfährt aus den zuständigen Kreisen, daß die getrofsenen militärischen Maßnahmen bis zur Beendigung der Krise bestehen bleiben. Petersburg, 29. Juli. In Jalta und in dem dazu gehörigen Kreise wurde anstatt des außerordentlichen der Zustand des verstärkten Schutzes erklärt. Vorsichtsmaßregeln an der Grenze. Gumbinnen, 28. Juli. Russische Truppen besetzten der „Tägl. Rnndsch" zufolge den Greuzbahnhvf Wirrbal- len und die Grenzwege Eine Schwadron Ulanen ist deutscherseits aus Stallupönen nach dem Grenzbabnbos Eydtkuhnen abgegangcn. «Diese Bahnhöfe stehen auch im Frieden unter besonderer militärischer Bewachung. Die Red.) Hoffnungen. London, 28. Juli. «Obwohl man in diplomatischen .KrVisen von der Nachricht der Kriegserklärung unangenehm berührt ist, hat man doch noch nicht alle Hoffnung verloren. daß ein Terrain zum Ausgleich gefunden werden könnte. Diese Hoffnung stützt sich auf folgende Erwägungen: Oesterreichs ist keineswegs -gesonnen, alle Anregungen zur Erhaltung des Friedens abzulehnen, doch soll es für nötig erachtet haben, auf serbischem Gebiet eine militärische Demonstration durckMsühren, bevor in einen internationalen Meinungsaustausch eingetreten wird. Man glaubt, daß die Eröffnuirg der Feindseligkeiten nicht den sofortigen Abbruch der Verhandlungen zur Folg« haben werde, umsomehr als Rußland dem Anliegen Frankreichs und Englands folgend, geneigt ist, augenblicklich in Oesterreich nicht zu intervenieren. Rom, 28. Juli. Man ist hier überzeugt, daß eine Vermittlung durchgesuhrt werden kann, sobald Oester- reicher serbisches Gebiet besetzt haben wer- dcn. was für Oesterreich erst eine genügende Genugtuung darftellen könne. Wien, 28. Juli. Die Erklärung Sir Edward Greys im Unterhaus« findet hier, wie in unterrichteten Kreisen verlautet, eine günstige Ausnahme, wie alle bisherigen Aeußerungen dieses, Oesterreich-Ungarn sehr gut gesinnten Staatsmannes. Es sei logisch, daß in der Frage, welche Europa so stark bewege, alle Mächte daran dächten, den Weltsrieden zu erhalten. Diesen Zweck verfolge die Rede Greys. Da sein Vorschlag auch dahin auszüfassen sei, daß eine Lokalisierung der Angelegenheit zwischen Oesterreich-Ungarn und Serbien erreicht werden solle, so könne man diese hier nur mit Genugtuung begrüßen. Hinsichtlich des Passus in der Rede Sir Edward Greys betreffend die Einstellung aller aktiven militärffchcn Operationen bis zur Beendigung der vorgcschlagcnen Konferenz gilt als wahrscheinlich, daß der englische Vertreter mit diesem Ersuchen an die österreichisch- ungarische Regierung herantritt, doch fürchtet man, daß die Sache viel zu weit vorgcschrilten, als daß die Operationen noch eingestellt werden könnten. Greys Ueberzeugung, daß die deutsche Regierung der Idee einer Vermittlung zwischen Oesterreich-Ungarn und Rußland im Prinzip günstig sei, bewege sich ganz auf der Linie, welche Deutschland verfolge, nämlich die Lokalisierung des Streites zwischen Oesterreich-Ungarn und Serbien zu erreichen. Es sei übrigens vorläufig kein Grund vorhanden, anzunehmcn, daß die Lokalisierung nicht gelingen sollte. Deutschlands Friedensliebe. Köln, 28. Juli. Die ,Löln. Ztg." meldet aus Berlin: Der Wunsch der Westmächte, durch eine rechtzeitig vermittelnde Einwirkung ein Ucbergrciscn des österreichischen Streites mit Serbien auf das Verhältnis zwischen den Großmächten zu verhüten, wird von der deutschen Politik nicht nur in platonischer Weise gehegt, sondern das Berliner Kabinett ist bereits in mehr als einer Hauptstadt für die Zwecke einer den europäischen Frieden sichernden Vermittlung tätig gewesen Man begrüßt hier, daß jetzt durch die Initiative Greys der Bermittlungsgedanke amtliche Gestalt angenommen und der Oessentlichkeit zur Erörterung gestellt worden ist. Es machen sich aber Zweifel geltend, ob als Organ für die Vermittlung eine Konferenz von vier Großmächten ein geeignetes Auskunstsmittcl darstellt, und daß man die Einzelheiten des österreichisch-serbischen Streites, die lediglich beide Staaten angehen, nicht vor das Forum einer Konferenz ziehen kann, darüber herrscht wohl allgemein Ueber- einstimmung. Aber auch was die rechtzeitige Besettiguug der zwischen Oesterreich-Ungarn und Rußland etwa aufkeimenden Schwierigkeiten betrifft, muß die Frage aufgeworfen werden, ob die Regieruirgen dieser beiden Mächte geunlll sind, die Konferenz der vier anderen Großmächte mit einer amtlichen Vermittelung zu betrauen. Es scheint für dar Gelingen der Vermittlung zweckmäßiger, wenn man die Mittel dafür möglichst einfach gestaltet und sich in unmittelbarem Verkehr mit den Haupistädtcn der beteiligten Reiche der fortlausenden dcplomatischen Erörterungen und Einwirkung bedient, um ein vermittelndes Vorgehen bis zu dem allseitig gewünschten Ergebnis durchzulührcn. Bei der Benutzung dieses Weges würde Deutschland es an der den Westmächlen schon bewiesenen Mitwirkung auch weiterhin nicht fehlen lasse». Der Kaiser. Berlin, 29. Juli Der Kaiser wird sich e r st nach der Krisis nach Wilhelmshöhe begeben. — Der Kronprinz trifft progrommäßig morgen von seinem Urlaub in Potsdam ein. Berlin, 28.Juli. Der Reichskanzler empsing heute nachmittag den britischen Botschafter. Falsche Gerüchte. Berlin, 29. Juli. Nach einer angeblichen Meldung der „Franks. Ztg." wird heule in verschiedenen Blättern des Reiches die Nachricht verbreitet, die deutsche Regierung habe in Paris eine beiristcie Note überreicht, in welcher sie anfragt, wie die französische Regierung sich im Falle eines Krieges mit Rußland zu verhalten gedenke. Die „Franks. Ztg." legt Wert darauf, sestzustellen, daß sie weder diese noch eine ähnliche Meldung verbreitet habe. Borfichtsmaßregel« der englischen Flotte. London, 28. Juli. Wie die Blätter melden, sind im Hafen von Portlomd zurzett 29 Schlachtschiffe, vier Schlachtkreuzer und neun andere Kreuzer der ersten Flotte. Sie nahmen die Nacht über Kohlen ein. Kriegsmaterial und Proviant, das für mehrere Wochen ausreicht, wird ebenfalls eingenommen werden. Bis die internatümale Lage sich geklart hat, wird auf den Schissen der ersten Flotte kern Urlaub ertellt werden. Wie es in kritischer internationaler SiNcation üblich ist, hat die Admiralität gestern die übliche Liste der Schiffsbewegungen nicht.ausgegeben. London, 28. Juli. Offiziös wird erklärt, datz die Ein- fteHung der Beurlaubungen in der englischen Flotte in keiner Beziehung beunruhigen dürfe. Es handle sich lediglich um eine Vorsichtsmaßregel. Die dritte Flotte, die wir aus den ältesten Scksiffen besteht und bei der Mobilisierung um 15 000 Reservisten verstärkt worden war, hat diese bereits entlassen. i Friedenskundgebungen in Paris. Paris, 28. Juli. Nachdem der Verband der Arbeitersyndikate seine Mitglieder für gestern abend zu einer Kundgebung für den Frieden auf den Boulevards zusammengerufen hatte, herrschte gegen 9 Uhr ein sehr lebhaftes Treiben. Als in der Nähe der Faubonrg Poissonicre einige Rufe: „Nieder mit dem Kriege" laut wurden, erfolgten Geaenkundaebungen. Man rief: „Es lebe die Armee!" Die Polizei stellte die Ruhe wieder her und nahm mehrere Verhaftungen vor. Etwas später sammelten sich von neuem Leute in der Nähe der Foubvurg Poiffvniere, welche „Nieder mit dem Krieg" riefen und die Internationale sangen. Die Polizei zerstreute sie ebenfalls. Paris, 28. Juli. Da gestern abend die Zahl der Leute, die auf den großen Boulevards Kundgebungen veranstalteten, anwuchs, wurde die Polizei durch die republikanische Garde verstärkt. Gegen 1l fllhr waren die Manifestanten ziemlich zahlreich. Sie sangen die Internationale und sammelten sich bei Porte Saint Denis. Polizeibcamte drängten sic nach der Place Republique zurück und nahmen zahlreiche Verhaftungen vor. Mspcrrungen wurden vor- gcnommen und sehr strenge Weisungen zur Aufrechterhaltung der Ordnung ertellt. Der Durchgangsverkehr auf den Boulevards ist fast zum Stillstand gekommen. Die Cafs's halben ihre draußen stehenden Tische in ihr Lokal zurück- genommcn. Die Lichtspieltheater verschlossen Ihre Türen. Auf der Straße kam es zu Zusammenstößen zwischen Manifestanten, die entgegengesetzte AnsckMiungen vertraten. Die Polizei drängte die Manifestanten zurück. Tie Kundgebungen waren ziemlich ernster lltaiur, doch wurde niemand schivcr verletzt. Einige Polizeibeamte wurden leicht verwundet. Pariser Meldungen. Paris, 28.Juli. Der Belgrader Korrespondent des „Matin" hatte eine Unterredung mit dem Ministerpräsidenten Pasitsch, der ebenso wie der Kronprinz die vorige Nacht noch in Belgrad zugebracht hat. Pasitsch habe u. a. gesagt, die Mächte der Triple-Entente haben uns durch ihre wohlwollende Haltung und warme Unterstützung, insbesondere während des letzten Krieges hinreichend gezeigt, daß unsere Existenz ihnen teuer ist, daß wir mit ihrem Schicksal eng verknüpst und «inen Teil ihrer Interessen darstellen. Rußland, Frankreich und England werden uns nicht im Stiche lassen gegenüber der großen Nachbarmachk, welche sich durch ihre Note erlaubt hat, unsere politische Existenz und unsere Souveränitätsrechte zu gesährdcn. Rumänien hat uns erklärt, daß es alles aufbicten werde, um die Schwicrigketten, in denen sich Serbien besindet, zu ebnen. Im Falle eines Krieges wird Rumänien seine Entscheidung treffen, aber es hofft, daß er wird vermieden werden können. P a r i s, 28. Juli. Dem „Matin" wird aus Malta gemeldet, daß das englische Mittelmeergeschwader, dessen Schiffe in der Levante zerstreut sind, sich in Malta versammeln werde. P a r i s, 28. Juli. Nach einer Havasmeldung aus Toulon hat gestern an Bord des Panzerschiffes „Courbet" eine Konferenz des Oberbefehlshabers der Flotte Admiral Bouc de Lepeyrere mit den Befehlshabern der verschiedenen Geschwader stattgefunden. P a r i s, 28. Juli. Wie verlautet, wird Präsident Poin- care morgen nachmittag sofort nach seiner Ankunft einem Ministerrat Vorsitzen. Paris, 28. Juli. Ein Berichterstatter des „Echo de Paris" meldet, mehrere Minister hätten ihm erklärt, bis morgen werde sich die Lage in dem einen oder dem anderen Sinne präzisiert haben. Augenblicklich gestatteten die von Bienvenuc Martin gemachten Mitteilungen die Lage in einem etwas günstigeren Licht zu sehen. Paris, 28.Juli. Aus Nancy wird gemeldet: Die Bevölkerung sei zwar beunruhigt, aber keineswegs von Schrecken erfüllt. Aus den Banken seien zahlreiche Einlagen zurückgezogen worden, aber ohne daß eine Panik vorgckom- men wäre. Paris, 28. Juli. Der „Figaro" schreibt: Wenn die militärische Aktion Oesterreich-Ungarns sich auf die Besetzung Belgrads beschränken würde, die wohl ohne Blutvergießen erfolgen wird, dann wird noch nichts Unheilbares geschehen sein und die Verhandlungen werden fortdaucrn können. Wir hoffen fest darauf, welches Mißtrauen auch das Vorgehen Oesterreichs einzuflößen vermag. Paris, 29. Juli. Der stellvertretende Minister des Aeußern Bienvenue Martin hatte heute nachmittag eine Besprechung mit dem englischen Botschafter, Engttsche Prcffcstimmen. Lo ndon, 28. Juli. Die „Times" hält dir europäische Lage für luer kjlch beifer als gestern, obwohl sie noch immer besorgnis- orreyend und unsicher sei. Die feierficöe Warnung Sic Edward Grrvs. der in der ganzen Welt den Ruf eines kühlen und aur- richtigen StoalSmannes habe, würde in allen europäischen Hanpl- stüdten groben Eindruck mnchen. Zu dem Gelingen des Planes sei die Mitwirkung aller Mächte absolut wesentlich. Das Blatt sagt, daß nach den Berichten seines Korrespondenten in Petersburg die Olusfichten aut einen Ausgleich verheitzungsvoll erscheinen' und dab Deutschland sicherlich und aufrichtig für den Frieden wirke Wenn das der Fall sei. so sollte der Frieden mit etwas mehr Anstrengung gesichert sein. Die „Dalli, Cchroniclc" erblickt ein Zeichen sür eine hoffnungsvolle Entwicklung in den, gestrigen MenrnngsansftUisch zwischen Wien und Petersburg Das bestätige auch die Annahme, daß aut beiden Seiten der ernsllicke Wunsch besiehe, ein« Basis für den Frieden zu finden, der mii den vitalen Interessen beider Nationen vereinbar ioäre. — „Soilt, i»raph>c" sagt: Sir Edward Greys Ervärung habe bereits eine ausgczeickz- netc Wirkung gehabt insofern, ats sie ein auSgesvrochenes Gefühl von Hoffnung in ganz Europa erzeugt habe — Die Dolly News" sagen. Es kann kein Zweifel sein, dah die mäcknigsttn und offiziellen Einflüsse Sir Edward Grelle Borschlag oder einen aus Deutschland kommenden auf direkte Berhandlungen zwischen Rußland und Oesierreuh unterstützen werden. — Der „Daily Telegraph" sagt: Wenn einmal Deutschland, Frankreich und Italien veranlaßt werden könnten, im Verein mll England einen diplomatischen Schrill gleichseitig in Petersburg und Wien aus- Mübcn, dann ist Grund für einige Hosfinrm, vorhanden — Du „Morningvost" sagt: Wir können nicht glauben daß irgendeine der europäischen Großmächte Stvell mit einer anderen Macht flicht und daß eine von chnen den Krieg mii des Kriegs willen wünscht. '— Die „Daily Mail" sagt: Alle Parteien und Richtungen der engltschen Natwn weiden Sir Edward Grcy vorbehaltlos bei scmen Bemühungen unterstützen, deii Frieden «r ,-rholten — Der „Standard" sagt: Wenn Oeflerreich sich darauf beschränkt. Serbien zu belllafen und es kiimstiq in Ordnung zu halten, so dürste seine Aktion gerechtfertigt sein und die wnWgc osirzielle, Erklärung aus Wien, die wir heute veröffentlichen, zeugt davon, daß die Operationen sich auf dieses Ziel beschränken, * . * Sozialdemokratische Kundgebungen. Di e sozialdemokratischen Kundgebungen in Berlin und Köln. Berlin. 29. Juli. Die sozialdemokratischen Demonstrationen gegen den Krieg, die nach den 27 Versammlungen ans den «traben stollfanden, Verliesen im allgemeinen ruhig. Nur als ein Zug von Tcmonsiranten in einer Stärke von etwa 2000 Mann vor die Redaktion des „Vorwärts" in der Lindenstraße ziehen wollte, kam es an der Jerusalemer Straße mit den ab- sperrenden Schutzleuten zu Zusammeustößen. Köln, 29. Juli. Nachdem gestern abend eine zahlreich besuchte sozialdemokratische Versammlung stattgesunden lalle, in der die sofortige Einberufung des Reichstages und Mitbestimmung der Volksvertretung über die Aktton der deutschen Regierung gefordert wurde, durchzogen nach Schluß der Versammlung Tausende die Straßen der Stadt und suchten die Haupiocrkehrsäder- die Hohe Straße, zu passieren. Ein großes Polizeiaufgebot verhinderte dieses und zwang die reoolutionärr Lieder singende Masse, durch Seitenstraßen abznzichen. Zahlreiche Verhaftungen wurden vorgenommen. Andererseits durchzogen patriotisch Gesinnte gleichfalls die Straßen der Stadt unter Vvrantrageir von deutschen Flaggen >md vaterländische Lieder singend. An den Denkmälern und namentlich vor dem Hause des österreichischen Konsuls sanden begeisterte Oesterreich freundliche Demonstrationen statt. Die Pariser Arbeiter gegen den Krieg. Paris, 28. Juli. Die Bereinigung der Seinesyndikate hat aus Mittwoch zwei Arbeitcrproteswcrsammlnngcn gegen den Krug einbernfcn. Protest der ungarischen Sozialisten. Daris, 28. Juli. Wie aus Budapest gemeldet wird, haben die Sozialisten eine Protestkundgebung gegen den Krieg veranstaltet. Zwei Personen winden verhaftet und sind standrechtlich erschossen worden. Ihre Namen sind noch nicht bekannt gegeben. PrvklaMativnder italicNischen Sozialisten. Rom, 28. Juli. Die sozialdcmokrattschen -Syndikat?devu- tietten beschlossen. eine Proklamation an das Land zu erlassen, in der die Bevölkerung onfgefordert wird, eine Teilnahme Italiens an einem internationalen Krieg mit allen Mitteln zu Verbindern. Die Republikaner und hie refornttert-soziaksttschen Dc- vuiietten sprachen sich ebenfalls gegen jede Intervention Italiens aus. Au» Stadt und Canft» Gieße n , 29. Juli 1914. ** Tageskalender kür Mittwoch, 29. Juli: Gewerbe- 81 u « fl e 11 ti ii d: Konzert der Regimentskavelle st—ll Uhr abends. Tr i n k er- F ü r s o r ge st e I l e für Stadt und Landkreis Gießen, Gießen Asterweg 9, Sprechstunde jeden Tonnerstag abend 6 bis VI, Uhr. ** Naturwissenschaftlicher Fortbildungskursus für Bvlksschullehrer. In diesem Jahre findet während der Herhftferien an den drei hessischen Senn- naren ein vierzlehntägiger Kursus in Biologie und Naturlehre statt. In erster Linie werden Lehrer berücksichtigt, die entsprechenden Unterricht in Oberklassen der Volks- und Fortbildungsschulen erteilen. Der Staat zahlt jedem Teilnehmer einen Zuschuß von 80 Mk. — Im vorigen Jahre fand ein ähnlicher Kursus in Friedberg statt, der von den Senrinarlehrern M u t h und Dr. Schäfer geleitet und gut besucht war. ** Gewerbe-Ausstellung. Gestern abend waren unsere beiden Feuerwehren und die hiesige Sanitätskolonne, sowie verschiedene auswärtige Feuerwehren einer Einladung des Ausstellungsvorstandes gefolgt und halten sich in Alt- Hessen sehr zahlreich eingefundcn. Reallehrer Haggen- müller begrüßte die Erschienenen im Namen des Ausstellungsvorstandes und dankte den hiesigen Wehren und der Sanitätskolonne für ihre tatkräftige Unterstützung. Branddirektor B r a u b a ch sprach für die beiden Wehren und Land- gcrichtsrat Wiener für die Sanitätslolonnc seinen Dank sür die Einladung und die Worte der Anerkennung aus. Die FeucrwehrkapeUe und Humorist Pesch-Mario sorgten für Unterhaltung und Stimmung. — Heute abend wird in der Ausstellung der beliebte Piston-Virtuose Kümmel wieder auftretcn, und bei günstiger Witterung ftndet italienisch« Nacht statt. " Der Kartosselkäfer in Oberhessen. Wie das Landratsamt des ObertaunuSkrcises amtlich mitteilt, wurde im Kreise Friedberg der gefährlichste Schädling der Kar- toffelpflanze, der Kartoffelkäfer, sestgestellt. Um einer Weiterverbreitung des Infektes vorzubeugen, traf das Land- ratSamt umfaffende Vorsichtsmaßregeln. Bisher wurde der Käfer nur in Hohenwedel (Regierungsbezirk Lüneburg) bcob- achtet und dott mit militärischer Hilse vernichtet. — In die Tießener Klinik ein geliefert wurden zwei Arbeiter vom Basaltwerk Roth in Herborn. Sie waren durch einen vorzeitig losgegangenen Sprengschuß schwer verletzt worden. Einer hatte erhebliche Brand. wunden im Gesicht, der andere mehrfache Arm- und Bein- brüche erlitten. Ihr Befinden gibt zu Besorgnissen SInlaß. " Kleine Mitteilungen. Am 20. und 21 September findet m Drllrnburg der 18. christlich-sozürle Parteitag statt. — Trotz der bangen Zeiten treffen die Bewohner der Kctzerbach, des Nordviertcls der Stadt Marburg, Borbereilungen zur Frier des sog. Ketzerbächcr Backtsestes. Dieses Fest, welches am nach- sirn Sonntag und Montag gefeiert werden sott, ist ein Gedenken an die vor 55 Jahren erfolgte llebcrwölbung der Ketzerbach. — Bei Schtosserarbertcn am Höchster Kraulen hausneubcru stürzte der inSindlingcn wobudafte lchährige schlofferiedrling Peter Schreiber aus beträckfllicher Höhe ab. Er ettill einen schädet- bruch, der nach kurzer Zell seinen Tod zur Folge hatte. Zum Oberarzt der chirurgischen Abteilung am Städtischen Krankenhaus in Wiesbaden ivurde Dr. Heinrich Mendel s a bn aus Mainz. ,. Zt. Arsisteirt an der chirurgischen Universitätsklinr! in straß- burg, bcruscn. — Die ILsährige^ Tochter des Eiienbohichramten Weingärtner in Nieder-Saulbcim, die durch die Er- plosion eines Spirituskochers am ganze» Körper Brandwunden da» oonkrug, ist im Mainzer RochuShospital iniolgr der Brandwunden gestorben. — Der Wachszieher Karl Sit in Mainz hat sich in seiner Wohnung durch Kochgas getötet. Landkreis Gießen. h. Lich, 28. Juli. Die Ehefrau des Landwirts Sommer stürzte beim Waschen in die Hochwasser führend« Wetter und ertrank. Die Leiche wurde noch einigen Stunden aufgefunden und geborgen. Kreis Büdingrn. ■= Ober-Mockstadt, 28. Juli Der Schu lhaus - neubau für die 2. Schulklasse geht seinem Ende entgegen. Das Haus kann im Herbst noch eingelveiht und bezogen werden. Kreis Friedberg. — Bad-Nauheim, 29. Juli. Der große zweitägige Basar zmn Besten des Roten Kreuzes im großen Konzertsaal nahm einen glänzenden Berlaus. Die Festlichkeit war mit großer Ausdauer von der Kurverwaltung und einem Komitee zahlreicher Damen aus Bad-Nauheim und Friedberg in wvchenlanger Arbeit arrangiert worden. Tanzaufiübrungen Reigen, Boilern und Schleicrtänze) wechscllen in dem wundervoll mit Girlandei, und Tannkngrün gescknnückten Saal mit Gesangaufsührungen, Sstmellmalerkünsten, dramatischen Ausführungen (die Laiine des Beliebten von Goethe), Bvrttägen der Wandervögel. Alle Nischen und verfügbaren Räume im Saal waren auSgesiillt mit vräch tigen Berkaufsbudcn, Bier- und Sckt-Büietts, Kaffeeswres, Baiatt dost, türklsck>em Basar, einem großen Glückspilz mit Tombola, in dem Danicn der Bad Nauhcimer und Friedberger Gescllschast in entsprechenden Kostümen reizende Waren, Geschenke der Geschäftswelt nnd selbstgcscrtigte Kunstgegenstände, seilboten. Dazwischen sanden Bcrstcigerungen von Handschriften zeitgenössffcher Schritt fteller statt, wobei der persönlich anwesende HanS v. Zabeltitz mit dem Verlaut seiner Werke den größten Erfolg erzicllc. Ein solenner Ball beschloß die Festlichkeit, deren Gesomtcrttag über 8000 Mk. Einnahme ergab. Starkenburg und Rheinhessen. m. Offenbach, 29. Juli. Unter dem Vorsitz des Zweigbundesvorsitzenden Ernst W ei s (Franksurt) wird hier im Hotel „Kaiser Frickttch" der Bundestag des Zweigbundcs Süd- und Mitteldeutschland sm Deutschen Flcischergescllcn- Hund, der seinen Sitz in Frankfurt a. M. hat und etwa 9000 Mitglieder zählt, abgchallen. Bon besonderem Jnteresie waren die Ausführungen des Bundesvorsitzenden Otto B r c d n o w (Berlin), der sich in eingehender Weise über die Ausgaben des Bundes, seinen Zweck und seine Ziele verbreitete. Bezüglich der Sonntagsruhe steht der Bund auf dem Standpuntt, daß die Arbeitszeit an den Sonntagen nicht länger als drei Stunden währen darf. Man müssa in Gemeinschaft mit allen Handlungsgehilfen dahin streben, daß auch die Drlikatrßgeschäste das Gleiche tun. Zur Frage der Sonntagsruhe hatte der Frankfurter Gesellenverein einen ?lnirag gestellt. nach dem die ersten Feicttagc völlig freigegeben werden sollen. In der Anssprache darüber wurde die Ansicht vertreten, daß man sich örtlich anvasscn müsse, da sich die Freigabe der ersten Feiertage nicht überall durchführen ließe, M u s s 6 c (Frankfurt) beantragte hierzu, in den Städten, wo man den ersten Feiertag nicht sreibekommen könne, dahin zu wirken, daß der zweite frei wird. Der Anttag wurde zur weiteren Erörterung auf den hauptbundes- tag nach Hannover verwiesen. Kreis Wetzlar, F. C. Wetzlar, 28. Jüli. Der 21 Jahre alte Steinbrecher Karl Lich ans Nauborn wurde im Steinbruch va,zen folgten, durch ine Siraßcn der Stadt nach dem Exerzierplatz fuhr. Noch gestern abend traten die Obericining und die Preisrichter zu einer Sitzung zusammen, um das Resultat der Fahrt sestzustrlsen, eine Arbeit, die sich durch die außerordentlich scharfe Punktwertung sehr schwierig gestaltete. Das endgültige Resultat ist jedoch heute noch nicht sestgestellt und wird voraussichtlich lischt vor Dienstag abend 9 Uhr bekanntgegeben werden. Es ist wahrscheinlich, daß an Stelle eines einzigen 3 erste Preise ausgegeben werden, da andernsalls die 3 besten Fahrer, die ganz gleiche Punkte haben, um den ersten Preis losen mußten. Wie wir ersabren, sind die Adlerwagen in Front, es darf jedoch mit größter Anerkennung konstatiert werden, daß auch eine ganze Reihe anderer Fahrer sehr vorzüglich abgeschnitten haben, die als Sieger aber nicht in Frage kommen, da widrige Umstände, an denen sie selbst schuldlos waren, ihnen Strafpunkte verschafften. — Radsport. Der Gmitag des Deutschen Radsah- r crbu nd es veranstaltete am Sonvtay. dev 26. Juli, seil» größte Veranstaltung im Sllaßensahreu, betitelt „Rund im @au" 1914, über 150 stzilomcter. Dein Slatter Gausabrlvatt Marx-Gießen slcllten sich trotz des sehr schlechten Wetters 15 der besten Fahrer des Gaues »ich bei sehr nassen Straßen ging es im schärfsten Tempo von Marburg tibi-r Gießen, Wetzlar, Herborn, Tillenburg, Laasphe, Biedenkopi zum Ziele M a r h „ r g, wo bei einer großen Anzahl Zuschauer die Sieger fii strömendem Regen ankamen. Tie Ergebnisse waren solgeyde: Junioren: 1. Otto Rödigcr (Gernianüi Gießeill 5 Sw. 33 Minuten, 2. E. Noll-Kirckchain 5 Std. 33,1 Min., 3. O. Eisenhut -Wieseck 5 Std. 33,2 Min., 4. H. Nau-Marburg 6 Std. l Min., 5. L. Klinfler-Gr.-Buscck 6 Std. 13 Min., 6. H. Ester (Gerinania Gießen) 6 Std. 18 Min., 7. H. Ri NN er kGermania Gießen! 0 Std. 32 Min., 8. K. Köhler-Marburg 6 Std. 58 Min., 9. M. D. Beiic- Marburg 7 Std. i4 Min. — Senioren: j. 8ld. 8lumüIIer- Marburg 7 Std. 26 Min. Luftschfffahrt. Novara, 28. Juli. Heute morgen stürzte der Flieger Co- viagia, der den argcnfinischen Flugschüler Damiloiti als Passagier mitgenommen halle, über dein Flugscldc von Camett aus einer Höhe von 250 Matern ab. Beide wurden getötet. vermischte». — Ein neucntdecktes seltsames Volk, lieber die Entdeckung emes bisher imbrkarmteit eigenartigen Volksslaninv-s ün Norden der Malaiischeil Halbinsel bettcknet die Rangoon Times. Dieses in den Unwegsamen Bergen und Sümpsen zlmscheu Tren- tzanu und Kelanten hausende Volk zeigt negerarfigc Züge uich füfrrt im Urwald ein Wanderleben. Ter Stamm wird Panggvng genannt: von Natur sind diese Bewohner der Wildnis iriedsettig^ und Kämpse oder ^Diebstähle unter ihnen konrmcu nullt bor. Vom Sultan des Staates haben sie nur eine sehr unbcstinlmlc Vorstrllliug als von einer gottähnlichen Person, die shilen das Haupt abschlagen lassen kann. Als höchste Kostbarkeit gili den Panggaug der Tabak: solange sic Tabak »ich Salz haben, lüimrrt sie alle anderen NahruugSmlltel lange cntbehreii. (tzelü ist ilmen zwar bckamit, aber Vcnoendung für Münzen haben sic nicht, denn sie treiben auch keinen Handel. Kommt einem von ihnen dnvch Znsvll Geld in die Hände, so wird es schleimigst vergraben, auf daß der Tote ün audereil Leben mit den Münzen Haiidel llei» den lüunc. Die Winschast ist noch ün Urzustand: hat der Panggano Hunger, so sucht er Nahrung: hat er einen Vorrat, so wird er nichts tun, bis der Vorrat verzehrt ist und die Notweirdigkeit ihn wieder auf die Jagd ttecht. Religiöse Vorstellungen scheinen so gut wie völlig zu fehlen, nur ein dumpfer Glaube an eine Att -Seelciuvanderung hot bei den Panggongs Ausnahme gesunden. Sic halten die Tiger, die in ihrer weltfernen Gegend häufig sind, für verzauberte Ahnen, und dieser Glaube ist so stark, daß sie den Tiger, wenn sic ihm begegnen, beim stkamcn eines verstorbenen Ahnen oder Derwoichten anrusen. Dabei glauben sic, daß der Tiger wenn sic den richtigen Namen gernsen haben, ihnen nul)ts Böses zufügt: ist aber die Vermutung salsch, hat der Tiger nicht die Seele jenes 8Kmen, dessen Namen man ries, dann nimmt er Rackü und zerfleischt den Ruser. Märkle. le. Frankfurt a. M. Schweinemarktberich! vom 29. Juli. ?lu!aetrieben waren 1653 Schweine. Vollslekschige Schweine von 89 dir 190 kg Lebendgewicht 48.00—62,90 ®lf„ Schlachtgewicht 62.09— 64.00 Mk., voll fleischige Schwein- unter 89 kg Lebendgewicht 47.00—48.00 Mk., Schlachtgewicht 60.00—61.60 Mk.: vollsielschige Schweine von 100—120 kg Lebendgewicht 48,00—50.00 Mk., Schlachtgewicht 60.00—63 Mk.: vollfleischige Schweins von 120 bis 150 kg Lebendgewicht 48.00—50.00 Mk, Schlachtgewicht 60—63.00 Mk. Geschäft langsam, bleibt lleberstand. ke. Frankfurt a. M., 29. Juli. Aus dem Fruchtmarkt sa»d keine N o t i e r » n g statt. Amtlicher Wetterbericht. Oeffcntlicher Wetterdienst, Gießen. Wetteraussichten in Hessen am Donnerstag, den 30. Juli 1914: Wechseiiide Bewöikiiiig, feine wesentlichen Niederschläge, Temperatur ivenig geändert: nordivestliche bis »ördilche Winde. Fortgesetzte Ersparnisse im Haushalt! 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