Nr. *73 Der «letzener Anzeiger erschein! täglich, außer Sonntags. - Beiiagen: viermal wöchentlich SietzeaerLamilienblöNer; zweimal wöchemlAielr- blati für den 8relr Sieben (Dienslag und Freitag); zweimal nionatl. knnö- wirtjchastliche Zeitfragen Fernivrech - Anfchlüsse: iür die Redaktion IIS, Verlag ». Expedition 51 Adresse für Devcschen: Anzeiger Wieben. Annahme von Anzeigen sür die Tagesnummer dir vormittags S Uhr. *64. Jahrgang lehener Anzeige General-Anzeiger sür Oberhessen Montag. 27. Juli *y*4 Ve;«st»pret»: monatlich75M.. vierteljährlich L'tk. 3.20; durch Abbole- Zweigsteller, inonatlich Kö Pf.; durch die Post Mk.2.—viertel- jährl. auLschl. Bestell^» Zeilrupreis: lokal 15Pf^ iurslvärls 20 Biemuq. Lhefredaktcur: A. Goetz. Verantwortlich für den polit. Teil: Aust. Goetz; für „Feuilleton*, „Vermischtes* uud^tÄerichtS- faal": Karl ?teurath; für „Stadt und Land* Rotntions&rod und Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und Steindnuterci B. Lange. Htöaftio«, Lrpcdition und Druckerei: Schulftratzr 7. Am-,g?n!-a:' H? Kriegszustand Mischen Oesterreich-Ungarn und Zerbien. Gießen, 27. Juli. Die Entscheidung ist gefallen, Serbien hat die Note Oesterreichs ungenügend beantwortet, und der österreichische Gesandte lzal Belgrad verlassen. Eine ossi- ziclle Kriegserklärung ist noch nicht erfolgt, ober es ist sehr zweifelhaft, ob sie nach Lage der Sache überhaupt noch erfolgen wird. Gestern abend schien es noch, wie auch ans dem von uns um 8 Uhr herausgegebenen Extrablatt hervorging, als ob Serbien eine genügende Erklärung abgeben wolle, zumal das serbische Regierungsorgan an leitender Stelle recht versöhnlich Ilingendc Auslassungen mackitc. Daraus' scheint hervorzugehcn, daß man sich in Belgrad gestern mittag noch nicht über die Entscheidung klar geworden war, daß aber schließlich die Militärpartei die Ueberhand gewann. Man scheint es also auf einen kriegerischen Austrag der Angelegenheit ankommcn lassen zu ivollen, aber wenn man bedenkt, daß Serbien seine Truppen, wie wir in einem zweiten, unseren sämtlichen Stadtabonnenten zugcgangcncn Extrablatt meldeten, in das Innere des Landes zieht, so darf man annehmen, daß es einen blutigen Zusammenstoß mit Oesterreich vermeiden will, um Zeit zu gewinnen und die Möglichkeit zu allen- fallsigcn Vermittlungen zu geben. Wer hier intervenieren soll, ist aber außerordentlich zweifelhaft, da nach Erwägung aller Umstände nicht damit zu rechnen ist, daß Rußalcnd irgendwie eingreifen wird, denn sür es steht so außerordentlich viel auf dem Spiel, daß es sich hüten wird, zu marschieren. Es bleibt so die starke Hoffnung, daß der Waffcngang zwischen dem großen Oesterreich und dem kleinen Serbien lokalisiert werden wird, und daß Europa vor dem Entsetzen bewahrt bleibt, das ein Weltkrieg mit sich brächte. Mit diesen Worten haben wir gestern unser ganzseitiges drittes Extrablatt eingeleitet und heute können wir hinzufügen, daß sich die Aussichten auf Erhaltung des Weltfriedens noch mehr gehoben haben. Daß der Rückkehr des deutschen Kaisers keine außergewöhnliche Bedeutung bei- zulcgcn ist, versteht sich von selbst, denn cs ist von erheblichem Vorteil, wenn der Monarch eines Landes in gespannten Zeilen ohne großen Zeitverlust mit seinen Ministern verhandeln kann Ucber die Lage sind uns bisher eine unendliche Menge von Nachrichten zugegangen, wir geben jedoch nur diejenigen wieder, die als völlig zuverlässig angesehen werden können, weil wir es für verwerflich halten, un- kontroUierbare beunruhigende Nachrichten, die in solchen Zeiten natürlich zu hunderten fabriziert werden, ins Publikum zu tragen, wie das von einem gewissen Teil der Frankfurter Presse geschieht. Der Abbruch der diplomatischen Beziehungen. Wien, 25. Juli. Tic um 6 Uhr überreichte serbische Antwort auf die Note Oesterreichs ist ungenügend. Der österreichische Gesandte hat Belgrad verlassen. Oesterreich-Ungarn befindet sich im .Kriegszustand. Die Mobilisierung beginnt sofort. Sollte Serbien während der Mobilisierung noch nachgcbcn, so würde es für alle entstandenen Kosten haftbar gemacht werden. Die Begeisterung in Wien ist ungeheuer. Die heute den Tag über cingelaufenen optimistischen Nachrichten waren offenbar der letzte Schach,Zug der serbischen Regierung. W i e n, 25. Juli. jW. B.) Ministerpräsident P a s ch i tsch erschien wenige Minuten vor 6 Uhr auf der österreichisch- ungarischen Gesandtschaft in Belgrad und erteilte eine ungenügende Antwort auf die österreichisch-ungarische Note. Baron Gicsl notifizierte ihm hierauf den Abbruch der diplomatischen Beziehungen und verließ mit dem gesamten Personal um 6 Uhr 30 Min. Belgrad. Die serbische Regierung hatte schon früher, um 3 Uhr nachmittags, die Mobilmachung der gesaniten Armee angeordnet. Der Hof, die Regierung und die Truppen räumen Belgrad. Die Regierung soll nach Kragnjewaß verlegt werden. Berlin, 26. Juli. Der ,,Bcrl. Lokalanzeiger" meldet aus Wien; Wie in unterrichteten Kreisen verlautet, erklärte der serbische K r i c g s m i n i st e r im Ministcrrat, daß die Armee jene Bedingungen, die sich auf die Verhaftung und Bestrafung der Offiziere beziehen, in keinem Falle annehmen konnte, und daß sür die Krone die Gefahr bestand, daß die Armee sich gegen die Dynastie erhob. Ein Eonnnunique der österreichischen Regierung. Wien, 26. Juli. (W.B.) Ein heute ausgegebenes Sie« gierungs-Communique besagt: „Die auswärtige Lage hat nunmehr eine Gestaltung angenommen, welche die Bcdachlnabme aut die milüärischen Erfordernisse zum obersten Gebot macht. In dieser Erwägung wurde eine Siciljo von Vertilgungen im Inneren der Monarchie getroffen, die einericits dazu dienen sollen, neue Unternehmungen gegen drc Sicherheit der Verteidigung des Staates zu verhindern, andererseits aber bestimmt sind, auch unbedachter Gefährdmig oder Beeinträchtigung der öffentlichen Jnierciscn cntgeg.'irzmreten. Tre Geheimhaltung und Sicherung aller militärischen Vorkehrungen gegen Auskundschafter, Störungen und unbefugte Veröffentlichung im eigenen Lande soll^ verbärgt, alle Vorbereitungen der bewofineten Macht sollen gefördert mid ihr die Hilfsquellen des eigenen Landes in weitestem Maße erichlosscn ti>erden. Wenngleich diese schon seit Jahren in wohlerwogener Vorsorge vorbereiteten Maßnahmen in mancher Hinsicht eine entscheidende Wirkling auf das normale bürgerliche Leben laben, so dan im Hinblick aus den Ernst der Stunde doch erwartet werden, daß die schwere Verantwortung, die zu diesem Schritt bestimmen wußte, von allen .Bewohnern des gemernsamcn Vaterlandes gewürdigt werden wird. Die Regierung ist sich der großen Ovler. welche allen Kreisen der Bevölkcrimg auferlegt werden, ivohl bewußt. Verständnisvolle bereitwillige Befolgung der Ausnahme- Verfügungen wird diese Opfer mildern und jene Beschränkungen leichter ertragen lassen, die nur unter dem Zwang der Notwnidig- fcit erlassen, und sobald als möglich wieder normalen Vcrhäli- nissen Platz machen sollen. Es wurden fünt kaiserliche Ordres Mt 'Grund des Paragravben 14 des Staatsgesctzcs, ferner eine Reihe von ministeriellen Verfügungen erlassen, welche sofort in Kraft treten. Tie kaiserlichen Verordnungen beziehen sich и. a. aut die Uebertragung von Bestignissen,der Polizeigewalt an die Höchstkommandicrendcn in Bosnien, der Herzegowina und Dalmatien. Tie ininisteriellen Verordnungen betrefsen die Suspension von üaaisgrundgesctzlichcn Bestimmungen bezüglich der persönlichen Freiheit, sowie des Bcrsammlungsrechtes, des Briefgeheimnisses und der Preßfreiheit. Fenier ans die Unterstellung von den Zivilgerichten vorgeführten Vertonen, welche milüäiischrr Vergehen angeklagt sind, unter die Militärgerichtsbarkeit, aut die Aushebung der Wirksamkeit der Geschworenengerichte und die Beschränkung des Paßwesens. Ferner aus ein teilweiies Ein, Aus- und Dnrchsuhrverbot sür verschiedene Artikel, das Inkrafttreten des Kriegsleistungsgesetzes ulw. Auf 'Grund Slllerhöchfter Ermächtigung wurden ferner die Session des Reichsratcs und der Landtage geschlossen. Analoge Ausnahmcversügungcn wurden auch sür Ungarn, Bosnien und die H c r z e g o w i II a erlassen. Oesterreich mobilisiert. W i e n, 26. Juli. Wie die Blätter melden, nahm Finanz- minister Engel durch die Vermittlung der Postsparkasse Fühlung mit den Wiener Banken für den Fall, daß durch die Gestaltung der politischen Lage ein pußcrordentlickzcs Erfordernis nötig werden sollte. Auch der ungarische Finanzminister wird diesbezüglich Vorsorge treffen. Der Betrag, der zunächst aufgebracht werden sott, beziffert sich auf 300 Millionen Kronen. Budape st, 26. Juli. Plakate kündigen die teilweise Mobilisierung an, doch werden vorläufig die Ersatzreservisten noch nicht einberufen. In gewissen Komitaten wird nurLandsturm einberufen. Oesterreich mobilisierte acht Korps, darunter das Prager und Leitmcritzer. Tie Sicherung der Eisenbahnen durch Truppen wurde an- geordnet. Frankfurt a. M., 26. Juli. Das Oesterreichisch-Un- garische Generalkonsulat in Franlstirt a. M. erläßt im Auftrag der Oesterreichisch-Ungarischen Regierung folgenden Aufruf: An die Wehrpflichtigen Oesterreich-Ungarns! In Oesterreich-Ungarn wurde von Sr. Majestät eine teilweise Modi ifierung augcordnet. Diejenigen Dienstpflichtigen, welche aus diesem Anlaß einznrllcken haben, werden hiervon durch Einbernfungskarten verständigt. Die Einberufenen haben ihre Einbernfungskarten, und in Ermangelung derselben ihre militärischen Totümente bei den Bahn- schalier'n vorznzcigcn, von wo sie ohne Kosten ihrerseits an die Grenze transportiert werden. Es ist die valriolischc Verpflichtung der Wehrpflichtigen, diesem Allerhöchsten Befehl Folge zu leisten. Für sofort einrückende Militär- Zlüchllinge und Deserteure ist Amnestie erlassen. Gleiche Amnestie gilt für nichtcinberufcne, jedoch sofort einrückcnde Militär-Flüchllinge und Deserteure, v. Günther, Leiter des к. u. k. Generalkonsulats. Ter serbische Generalstabschef verhaftet Budapest, 26. Juli. Der serbische Genedalstabs- chef Pntnik, der vom Urlaub rückkehrend, erst in Graz sich vorübergehend ausgehaltcn hat und dann hier eintras, »vnrde .heute nacht von Detektiven hier verhaftet. Er zog den Revolver, um Selbstmord zu verüben, doch wurde ihm die Masse entwunden, wobei ini Handgemenge der Wojwode zu Boden geworfen, dann aber entwaffnet und der Behörde übergeben wurde. Die Mitreisende Tochter des Gcneralstabschess folgte dem Vater in einem zweiten Automobil zum Garnisonsgericht. . . . und wieder freigclassen. Wien, 26. Juli. Das Wiener Korrejpondenzbnreau meldet: Nach den bestehenden militärischen Vorschriften ist im Falle bevorstehender kriegerischer Ereignisse jeder Offizier der feindlichen Macht, tvenn er aus österreichischem oder ungarischem Gebiet betroffen wird, pnzuhalten, was sich schon mit Rücksicht auf eine mögliche Spionage genügend erklärt. Aus diesem Grunde mußte die Anhaltung des serbischen Oberkommandanten General Pntnik in Budapest zunächst erfolgen. Es sei jedoch bemerkt, daß alle Meldungen, welche von der Anwendung von Gewalt gegen Pntnik berichten, glatt erfunden sind. Tie Arretierung des Generals nmrde selbstverständlich unter Beobackstung der seinem militärischen biang enfiprechenden Forrnen vorgenommcn. Ter General wurde in das Bndapester Militärkasino geleitet und dort mit aller Kurtcisie empfangen. Inzwischen wurde, da die österreich-ungarische Armee von viel zu ritterlicher Gesinnung erfüllt ist, um die serbische Armee ihres Ober- kommandantcn berauben zu wolleii, die Verfügung getroffen, daß dem General noch heute die Möglichkeit geboten wird, die Reise in die ^Heimat sortzusetzen. Zu diesem Zweck nmrde chm ein Extrazng mit einem Salontvagen zur Bcr- fügung gestellt. Stimmung in Oesterreich. Wien, 25. Juli. Schon in den frühen Abendstunden sammelten sich vor der Börse, ringsum dieselbe, sowie in den mnliegenden Straßen und vor dem Haupt-Tcle- graphenamt Menschcnmassen an, die. in Gruppen geteilt, die Ereignisse besprachen und mit Aufregung und Spannung der neuesten Nachrichten harrten. Als vor 8 Uhr die erste Nachricht über den Abbruch der diplomatischen Beziehungen bekannt wurde, ging eine lebhafte Bewegung durch die Massen. Alsbald erschienen die ersten Extrablätter, welche die 'Nachricht bestätigten. Diese wurden von einzelnen Personen aus dem Publikum verlesen und von den Umstehenden mit lautem Beifall und Hochrufen ans den Kaiser ausgenommen. Lllsbald sammelten sich die Massen zu einem imposanten Manifcstationszugc. Es wurden patriotische Lieder gesungen und Hochrufe ans Kaiser Franz Joseph, ans Kaiser Wilhelm und auf die Armee ausgebracht. Aus den «traßcnbahnwage», die infolge der Menschenmasscn nicht passieren konnten, wurden die Hüte cschwenkt und die Hochrufe der Menge erwidert. Wicder- olt wurde die Dolkshymne, die „Wacht am Rhein" und das Prinz - Eugen - Lied gesungen. Auch ans den Provinzstädten werden begeisterte Kilildgebniigen gemeldet. Wien, 25. Juli. Den Blättern zufolge fanden gestern in vielen öffentlichen Lokalen sowie am Tcgclthoss^Deiikmal große patriotische Kundgebungen statt. Nach einer Versammlung zogen eiiva 500 Manifestanten unter Absingung der Volkshymne und Hochrusen auf Oesterreich-Ungarn sowie Pfuirufen aus Serbien zum Prinz-Eugen-Tenkmal, wo eine patriotische Demonstration stailfand. Ein großer Teil der Demonstranten zog dann zum Deutschmeister-Denkmal, >vo sich die patriotischen Demonstrationen wiederholten. Aus der Provinz sowie der ungarischen Hauptstadt tverdc» ähnliche spontane Manifestationen gemeldet. — Der deutsche Gesandte Freih. v. Grissinger in Belgrad hat den Schutz der österreichischen Staatsangehörigen übernommen. W i cu , 25. Juli. Die hiesigen Blätter verzeichnen mit großer Befriedigung die Stimmen ans dem Deutschen Reich- in denen die Bnndestrcne Deutschlands in ivürdiger Weise znm Ausdruck käme. Die „Reichspost" schreibt: Mit Dankbarkeit begrüßen wir die Einmütigkeit, mit welcher die Presse Teulschlands in diesen ernsten Stunden, wo cs auf mehr ankommi als darauf, ob Oesterreich-Ungarn sich wird mit Serbien auseinandersetzen müssen, die Treue des Bundesgenossen ausdrüekt. Es spricht daraus mehr als das Pslichtgeiühl des durch Verträge Verbündeten, es sprechen darauf herzliche brüderlick-e Gefühle, welche in Zeiten der Gefahr doppelt erfreuen. Budapest, 25. Juli. Ans die Nachricht von dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit Serbien fanden hier großartige Strasenkundgebungen statt. Ein vieltausendköpfiges Publikum durchzog die Straßen unter den Rusen: Es lebe der Krieg! Nieder init Serbien! Trotz eines heftigen Regens zog die große Menschenmenge durch die Hauptstraßen und sang patriotische Lieder. Ein Offizier, der an der Spitze einer Abteilung Soldaten durch die Straßen kam, wurde von dem Publikum auf die Schultern gehoben und die Soldaten wurden begeistert gefeiert. Bad Ischl, 25. Juli. Seit heute vormittag herrscht in dem Kurort eine überaus lebhafte Bewegung. Tausende von Menschen füllen die Straßen. Der Kriegsminister begab sich sofort nach seinem Eintreffen zum Gcncraladiuianten Grasen Paar und zu dem Vorstände der Miliiärlanztci Freiherrn v. Wolfram. Serbien. König Peter i» Belgrad. Belgrad, 25. Juli. König Peter traf heute mittag in Belgrad ein und verfügte sofort, dast die bereits ausgelöste Sknpschtina für Sonntag zu einer Sitzung zusammen- bernfcn werde. In dieser Sitzung wird die Antwortnote behufs nachträglicher Genehmigung unterbreitet tverden. In Belgrad finden große militärische Vorbereitungen statt; den ganzen Tag über werden militärische Transporte vor- gcnommcn. Die Bahnböse sind mit Soldaten überfüllt, die in das Innere des Landes befördert werden. Die Stimmung in Belgrad. Belgrad, 25. Juli. Die Blätter veröffentlichen den ausführlichen Text der Note, der Zirkularwcisung und den Kommentar des „Fremdcnb.atleS", beschränken sich jedoch darauf, auf die ungewöhnliche Schwere der Forderungen hinzuweisen,und drücken die Hoffnung au?, die Regierung werde die den Staatsnotwendigkeiten entsprechende Antwort erteilen, und die befreundeten Mächte, insbesondere Rußland, würden Serbien im gegenwärtigen Augenblick zur Seite stehen. Das Blatt „Balkan" meldet, daß ohne Rücksicht darauf, wie die Antwort laute, die Regierung g c w t s s e S i ch e r h c i t s m a ß n a h m e n treffe, insbesondere dieGclddcpots der Dank und das St aatsarchiv in das Innere des Landes abgeschoben habe. In politischen Kreisen herrsche volle llebercinstimmnng darüber, daß die Regierung bei der Beantwortung der Note nicht nur das Verhältnis zwischen Serbien und der Monarchie, sondern die allgemeine Situation, worüber sie allein genaue Informationen besitzen könne, in Erwägung ziehen müsse. Belgrad, 25. Juli. Die Auslassung des Regierungsblattes „Samvuprava", die hier vielfach als die Vorbereitung der ösfentlichen Meinung aus die Annahme der Note aufgcfaßt wurde, lautet wie folgt: Das serbische Leserpublikum erhielt durch die österreichisch-ungarischen Blätter Kenntnis von dem Inhalt der Forderungen. Der Minister des Aeußern Serbiens hat schon wiederholt seinen und seiner Ministerkollegen Standpunkt dargetan, wonach Serbien angesichts der großen wichtigen Interessen aufrichtige 'und korrekte nachbarliche Beziehungen mit der Monarchie wünsche. Von diesem Wunsche und von der Uebcrzeugang und Notwendigkeit geleitet, diese Bezieh,ingen aufrichtig zu gestalten, wird die serbische Regierung mit Bereitwilligkeit allen jenen Forderungen der österreichisch- iniqanjdicu «cßu-tuna entgegenkommen. durch luottfic die vees.rch-rsicheiiraten und Erscheinungen der Unordnung t» den WJriil'arlaiibeni c n t g c ge u g e t r c t e „ werden so», d., die Regierung darin d,c Ersüllung bindender Pflichten ,»odesondere der Kulturstuaten erblickt Die serbische Regie- ruilg geht auch heute nach Uebernahme der erwähnten Note tuna^aüe" tun"wo«"« in der gegebenen Rich- 'una a ee tun. was sie kann mit der Aufrichtigkeit ui, Bestreb e n. gegenüber der Monarchie a l I e >,Vf lich- c„ guter Nachbarschaft zu entsprechen. Pasitsch Bescheid „ach Berlin. ,!i flmv" ^” ti ' l (ll( i ? -r diesigen serbischen Gesandtschaft »etroll^Am »^"7^ ,!Eck,en Ministerpräsidenten ein- ^ntinnrt niif w»'-ft!? 1 nachmittag- überreichte ich die ,5 osterreicknsch-un-iarische Rote. kDie voklständiqe irMnirÄ! S r 7 abend bekommen , Aus dieser Ant- oe-ianöen^Onv'on-^eben, hast nur bis zur äußerst möglichen Grenze Zilien sind. -l!s der ostcrrecchffch-ungirischc titeiandte die Note C »^ 5rfr e zunächst nfft seinen Instruktionen »er- ^ >«>r dann >'ofort die «nlwort ,u erteilen. in' ,ä Ministerium zurückkam. erhielt ich die Antwort ^ Gesandten, in der cr erklärte. SnTlx «>7 tniwon nicht MifrioVn zu fein. Er werde noch dielen Verla,,«». Die «csandtschail mit allem Mobiliar U'wden Archiven, sowie den Schntz der österreichischen Untertanen werde er dem deutsche» Gesandten übertragen. Mit der Uebcr- rcimung der Antwort erklärte der Gesandte zuateich. das, die divlo- matnwcn Beziehungen zwischen Oesterreich Mid Serbien abgebrochen j; cebr^^bnigl. Negierung hat die Skupschlina auf den 27. Juli vVtL?- C,, . i;jcr: ' !fn - ^ cr Kronprinz hat im Namen des Königs 7^ «n t *3“'Gt'o»5orbn - auSgegebkn Morgen oder übermorgen wird die Proklamation erscheinen, in der gesagt werden wird, dast die Luirger. die nicht militärpslichftg sind, ruhig in ihren tzäusern meiden können: die Militärvslichtigcn müssen sich sofort »n ihren Kommandos begeben, um ihr Vaterland zu verteidigen, wenn es angegriffen weroen sollte. Die Serben sprengten die Tonaubrückc Wien, 27. Juli. Tie „Sonn- und Montags-Zeitung" meldet: Die Serben staben die Donau-Eisenbahn - brücke zwischen Belgrad und Scmlin in die Lust gesprengt. Rußland. Rußlands Bereitschaft. Petersburg, 25. Juli. Die die „Detschernaja Dremja" meldet, fand heute in Zarskoje Selo ein Ministerrat unter dem Vorsitz des Kaisers statt, in dem die äußere Lage besprochen wurde. Im gestrigen Ministerrat sprachen Sasonow und der Kriegsminister energisch über die volle Bereitschaft Rußlands. Petersburg, 26. Juli. Es ist ein Verbot ergangen, von heute ab bis auf ein Jahr bestimmte Nachrichten über Heer und Flotte zu veröffentlichen. Petersburg, 26. Juli. In Petersburg und Moskau nebst den dazu gehörigen Gouvernements ist der Zustand des außerordentlichen anstatt des verstärkten Schutzes erklärt worben. Rußland hat nicht interveniert. Wien, 25. Juli. Vielfach wurde gestern eine Nachricht verbreitet, daß seitens einer der Tripleentente angehörigeu Macht beim Minister des Auswärtigen Berchtold zugunsten Serbiens interveniert worden sei. An niaßgebender Stelle wird dies als den Tatsachen nicht entsprechend erklärt. Oesterreich-Ungarn ist entschlossen, selbst und ohne Einmischung einer anderen Macht seinen Weg zu gehen. Günstige Auffassung in Petersburg. Petersburg, 27. Juli, Der Vertreter von Wolffs telegraphischem Bureau erfährt von zuverlässiger Seite, daß der allgemeine Eindruck nach einer der Unterredungen des Ministers des Acußern, Sasonow, mit dem österreichischen Botsckwfter, Grafen Szapary, günstiger ist, wenn auch die Lage noch kritisch bleibt. London, 27. Juli. Der russische Botschafter entfaltete gestern eine geichästlichk Tätigkest und empfing den Besuch anderer Diplomaten. Ucbcr den russischen Standvunkt erfährt das Reuter- Bureau. Rußland halte sich bereit, alles mögliche zu tu», um zwischen Oesterreich-Ungarn und Serbien ein für beide Teile gleichmäßig befriedigendes Einvernehmen zustande zu bringen. Ferner werde es ohne weiteres bereit sein, diejenigen Punste der österreichischen Note z» unterstützen, die fid, zu einer Prüsung eigneten und wegen deren von Serbien Genugtuung gegeben werden könnte. Rußland hoffe auf eine friedliche Beilegung. Berlin, 27. Juli. Nach dem Lokalanzeiger bringt die Petersburger Börseuzcitung eine Mitteilung, daß Rußland nicht dulden werde, daß eine sbavische Macht vernichtet werde, daß cs aber bereit sei, Oesterreich-Ungarn in seinen gerechten Forderungen zu unterstützen, sowie Serbien Nachgiebigkeit anzuraten, daß es aber niemals zugeben werde, daß für bas Verbreche» eines einzelnen das ganze serbisch« Volk bestraft werde. — Ebenfalls der Lokalanzeigcr läßt sich aus Wien melden, daß ernschafte politische Kreise die Lokalisierung des Konfliktes als gesichert erklären, durch die Erklärung Englands, die Nordsee müsse von einem Kriege frei bleiben, Frankreich arbeite mit Hochdruck an dem Weltfrieden in Petersburg. Deutschland. Die Aufnahme in Berlin. Berlin, 25. Juli. Als heute abend kurz nach 8 Uhr unter den Linden die ersten Extrablätter über die Ablehnung der österreichisch-ungarischen Note durch Serbien bekannt wurden, erschollen aus der Menge laute Hochruf« auf Oesterreich-Ungarn. Gegen 2000 Menschen zogen vor die österreichisch-ungarische Botschast und stimmten unter lebhaften Hochrufen die Lieder „Deutschland, Deutschland über alles", „Heil dir im Siegerkeauz" und die „Wacht an, Rhein" an. Der österreichisch-ungarische Botschafter erschien auf dem Balkon der Botschaft und dankte jür die Kundgebung. Berlin, 25. Juli. Gegen 11 llhr abends kam es hier zu erneuten begeisterten zkundgcbnngen. Eine vieltausendköpfige Menge zog unter begeisterten Hochrufen auf Oesterreich-Ungarn, den Kaiser Franz Joseph und unter Absingen patriotischer Lieder und der österreichischen Nationalhymne vor die vstcrreichisch-ungcrriscl>e Gesandtschaft. Vor dem Botschaftsgebäude machte die Menge Halt und braelfte begeisterte Kundgebungen aus den Dreibund und Kaiser Franz Joseph aus. Sodann marschierte der Zug zum Bis- marckocnkma!. Auch hier wurden stürmische Hochrufe ans Deutschland und die übrigen Dreibundmächte ausgebrachl Berlin, 26. Juli. Bei den Kundgebungen während der lebten Narbt wurden bedauerlicherweise taktlose Ruse vor der russi scheu Botschast ausgcstoßen. Die Polizei schritt sofort ein und „ahnt einen Maniiestanlcn fest. Auch gegen die Wiederholung derartiger Vorkominnisse ist »ach Möglichkeit Vorkehrung getroffen lvorden. Straßcnkundgcbungcn in München. München, 26. Juli. In München fanden in der vergangenen Nacht große Straßen kundgedunge» für das befreundete Oesterreich statt. Tausende von Menschen durchzogen in langen Zügen die Straßen und sangen die Volks- Hymne uitd die Wacht am Rhein. Vor der österreichische» Botschast wurden begeisterte Ansprachen gehalten, die am Schlüsse in stürmisch aufgenominene Hochs aus den öster- rcichijchcn Kaiser und das Deutsche Reich auäklangen. In den Eases und Restaurants spielte die Musik patriotisch)« Lieder, die von den Anwesenden begeistert mitgesungen wurden. Einige serbische und russische Personen, die sich unliebsam bemerkbar machten, mußten die Lokale verlassen. München, 26. Juli Zu heftigen Ausschreitungen lam es in der Erregung icher den serbischen Konflikt in der Ncuhauscncr Straße. Ter Besitzer des bekannten Käffce- hauscs Fehrig, .Hotel Deutscher Hof, der dem Kapellmeister verbot, patriotische Lieder zu spielen, wurde tätlich ange- grisfcn. Als die Polizei da-s Caft räumte, begann die Menge ein wütendes Bombardement aus sämtliche Fensterscheiben, die in wenigen Minuten zertrümmert ivareu. Die Polizei war machtlos und konnte das Publikum nur davor bewahren, sich in die Schußlinie zu begeben. Nachdeiu alles zerstört war, zerstreute sich die Menge. München, 27. Juli. Im Zuiaminenhang niit den De- monstrationszügen kam es zu Tumulten znnschen Serben und Oeslerreichern und Deutschen. Ein Kaffeehaus wurde laut „Bert. Tagebl." demoliert. Die Stimmung i» Straßburg. Straßburg i E.. 26. Juli. Als gestern abend gegen 10 Uhr durch Extrablätter die Ablehnung der österreichisch- ungarischen Note durch Serbien belannt wurde, machte sich alsbald im Verkehrs-Mittelpunkt, am Hohensteg, in der Maicngasse und am Broglieptatz, ein ungewöhnlich leblmster Vcrtehr bemcri'bar. Die den Straßen anliegenden Rcstau- ranls waren dichtgesüllt. Allgemein wurden lebhafte Kundgebungen fürOe st erreich laut. In den Cafes und anderivärts wurden die „Wacht am Rhein" und „Deutschland, Deutschland über alles" gesungen. Der Gesang pflanzte sich aus'den Straßen fort. Erst nach Mitternacht verlies sich die Menge in den Straßen. Eine amtliche deutsche Erklärung. Berlin, 26. Juli. Es wird folgende amtliche Note veröffentlicht: „Unrichtige und offenbar tendenziöse Ausstreuungen einzelner Pariser Blätter über den Inhalt der Unterredung des deutschen Botschafters mit dem stellvertretenden französisch»«:» Minister des Aeußern sind bereits von der „Agcnce Havas" richtig gestellt worden. Di« deiitsckie Regierung hat in Paris keine andere Sprache geführt als bei den anderen europäischen Kabinetten, insbesondere auch in Petersburg und London. Sie hat überall gleichmäßig den Standpunkt vertreten, daß sie den Konflikt zwischen Oesterreich-Ungarn und Serbien als eine Angelegenheit betrachte, die diese beiden Staaten allein an- gche und deshalb lokalisiert blechen müsse." Depeschcnwcchsel zwischen Zar und Kaiser. Petersburg, 27. Juli. Es bestätigt sich, daß ein umfangreicher Depesche »Verkehr zwischen demZarenund Kaiser Wilhelm stattfindct, und «daß auch König Georg eine Depesche an den Zaren sandte, in der er diesen bat, dafür einzutreten, daß der Krieg lokalisiert bleibe. Die Rückkehr Kaiser Wilhelms. Berlin, 26. Juli. Kaiser Wilhelm ist heute früh 6 llhr 30 Min. auf der „Hohcnzollern" von Bergen ab- gefahren. (Die von unS sofort unter Vorbehalt wiedergegebene Meldung in unserem gestrigen dritten Extrablatt, daß der Kaiser am Samstag abend mit der Bahn von Balhvlm abgcreist sei, entsprach also nicht den Tatsach>en. Durch diese Meldung hatte es den Anschein, als ob die Lage bcdrohlick>er wäre, als sie in Wirklichkeit ist.) Kiel, 27. Juli. Der Kaiser ist heute morgen um 7 Uhr an Bord der „Hohcnzollern" hier eingetroffen. Die Abreise nach Berlin erfolgte um t> Uhr. Die Ankunft auf der Station Wildpark ivird um 3 Uhr nachmittags ftajtsinden. Rückkehr der Kaiserin nach Berlin. Kassel, 27. Juli. Die Kaiserin ist heute abend nach Berlin zurückgcreist. Kaiser Wilhelm, die Hoffnung Europas. Petersburg, 27. Juli. Es heißt, daß der König von England ein eigenhändiges Schreiben ar demnach geeignet, die französische Regierung zu überraschen. Paris, 25. Juli. Die „Agcnze Havas" veröffentlicht folgende Note: Aus Insorinationen aus autorisierter Quelle geht hervor, daß vor der Absendung der Note an Serbien keine Verständigung zwischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn stattgefunden hat. Das Bedauern der sranzösischcn Negierung. Paris, 25. Juli. Der österreichische Botschafter hat die Note au Serbien dem Minister des Acußern überreicht. Dieser sprach sein Bedauern über die Wendung aus, die die Spannung zwischen Oesterreich-Ungarn und Serbien genommen hat. und ftigtc hinzu, das; er es ivage, auch jetzt »och die Hoffnung aus-zufprechwn, baß es gelinge» werde, einen beioaffneteii Konflikt zwisch)«» der großen Monarchie ihrem kleinen Nachbar zu vcrineiden. England. Tie Stellnng Englands. London, 27. Juli. DaS Rcutcrsche Bureau erfährt aus Kreist», die in enger Berührung mit Wien stehen, daß die mili- täiifd)c,t_ Vorbereitungen, welche Oesterreich-Ungarn setzt treffen werde. -Serbien noch Zeit geben werden, seine Antwort einer nochmaligen Erwägung zu unterziehen. „Vermitteln, vermitteln!" London, 26. Juli. Das unionistisch« Scmntagsblatt ,/D B f e r B e r" schreibt: „Wir hoffen, daß die öffentliche Meinung Englands sich schwer entschließen wird, die harte Entschlossenheit der österreichischen Politik völlig zu verdammen: daß niemand Finger und Stimme erheben wird, um Serbien in seiner Halssiarrigkcst zu bestärken oder cs vor dem gebührenden Maße unmittelbarer Züchtigung zu bewahren. Das Ultimatum mag selbst aus die Gefahr einer rulsischcn Intervention und eines europäischen Krieges erzwungen werden. Ein solcher Kamps würde sreilich Frankreich und England in einen peinlichen moralischen Konflikt verwickeln. Sic können nicht wünschen, an dem größten Kampf, den die Welt gesehen hat, teilzunehmen, um eine aggressive, subversive Agitation zu ermutigen, die die Integrität Oesterreich-Ungarns und das zu Recht bestehende europäische System umzustürzen sucht durch Zcrsröning des unersetzlichen Elements des Gleichgewichts. Das kann keinen Teil der Politik der Triple-EMentc bilden. Die Triple-Entente existiert für große u. gerechte Zwecke, die für das Gleichgewicht und die Stabilität Europas unentbehrlich sind. Sic darf nicht zum Werkzeug der großscrbischen Agitation und zum Schilde der Mordtat von Sera- jcwo dienen. Das Ultimatum mag brutal erscheinen und das Maß überschreiten, aber man muß ins Auge fassen, das; Oesterreich- Ungarn in dieser Frage von Grund aus im Recht, Serbien von Grund aus im Unrecht ist." Das Blatt fährt fort: „Tie Tripel-Entente, obwohl in Verlegenheit gesetzt, muß mit ganzer Macht zusammenstchen, salls andere größere Sachen aus- tauchen. Die Pflicht Englands ist: vermitteln, vermitteln, vermitteln! Wir müssen Rußlaard Helsen. Garantien gegen die Vernichtung der Unabhängigkeit Serbiens zu erhalten, ohne den schuldigen Staat »er einer ausreichenden und denkwürdigen Bestrafung zu bewahren." Englands und Rußlands Beiniihungcn um den Frieden. Wien, 27. Juli. Ernsthafte politische Kreise erklären, die LokalisierungdesKonslikts zwischen Oesterreich-Ungarn lind Serbien sei durch die Erklärung Englands, die Nordsee dürft in den Krieg nicht hineingczogen werden, gesichert. Frankreich arbeite mit Hoäidruck in Petersburg für den Weltfrieden. England vollkommen uninteressiert. Rom, 27. Juli. Es ist hier an amtlicher Stelle bekannt geworden, daß England auf 'der russischen Botschaft in London habe erUären lassen, cs sei an den gegenwärtigen Vorgänge» zwischen Oesterreich-Ungarn und Serbien vollkommen uninteressiert. Ter russische Botschafter habe diese Tatsache mit dem Bemerken an seine Vorgesetzte Dienstbehörde weiter- gegeben, daß ihm die bcftnders einzige Haltung der englischen Behörden ausgefallen sei. * . * Berhandlnngcn zwischen den Großmächte». Wien, 27. Juli. Wie an amtlicher Stelle verlautet, sind zwischen den Großmächten Verhandlungen im Gange, um den Konflikt zwischen Oesterreich-Ungarn und Serbien z» lokalisieren. Sowohl in hiesigen diplomatischen .ikrcisen wie auch in oenen des Auslandes wird der Erwartimg Ausdruck gegeben, daß diese Bemühungen von Erfolg begleitet sein werken. Bon sranzösii'cher Seite wird erklärt, die Meldungen russischer Blätter über eine sran- zösisch-russiiche Demarche in Wien, die beute erfolgen solle, sei unrichtig. Die sranzösische Boffchast habe keine diesbezügliche Instruktion erhalten. Frankreich liabe nicht die Absicht, sich füll Serbien zu exponieren. Frankreich bemühe sich, eine Lokalisierung des Konflitts hcrbcizuführcn und hoffe, daß Deutschland dasselbe tun werde. Friedenshoffnungen. Petersburg, 27. Juli. In den Unterredungen Sasonows mit den Boti'chastrrn und Geschäststrägern der verschiedenen Staaten ist die Hossnung anfgckommen. dos; der Friede gewahrt werden kann. Man wünscht, dcß die Feindscligteftc» noch nicht begonnen haben, da am heuiigen Tag die Gelegenheit geboten werde, daß in Berlin imd Wien der gesunde Menschc-nverstand überwiegen könne, der sicher alles tun werde, um den Frieden aufrecht zu erhalten. Bulgariens Haltung. Sofia, 27. Juli. Die Nachricht über den Abbruch der serbisch-österreichischen Beziehungen wurde hier mit großer Bewegung aufgenommen. Es verlautet, Ministerpräsident Paschilsch habe durch den serbischen Gesandten anfragcn lassen, welche Haltung Dultzarien angesichts des östcr- rcrchisch-serbischen Konfliktes cinnehmen werde. Die bulgarische Regierung habe geantwortet, Bulgarien bleibe neutral. Französische Preffestimmeu. Paris, 25. Juli. Der außerordentliche Eindruck, welchen die österreichische Note hier lwrvorgerufen hat, gibt sich in Erörterungen der gesamten Presse kund Fast durchweg wird Oesterreichs Schritt i» rückhaltlosester Weise verurteilt. Vielfach wird darauf hingewiej'cii, daß die üstcrrcictsisch- ungarische Regierung für ihren Schritt einen Zeitpunkt gewählt hat, wo die Ulsterkrffc in London ihren Höhepunkt erreicht, wo in Petersburg die Arbciterftagc einen akuten Charakter angenommen hat itiid wo Präsident Poincarö und Ministerpräsident und Minister des Aeußern Viviani sich vom Zaren vcralsichiedet und in Kronstadt eingeschifft haben. — Der „Matin" sagt, Rußland werde Ocstcrreich- llngarii zweifellos ers»ck»en. seine Aktion auszuschicbeii, um den SNächteu die Prüfung der Akten zu ermöglukeu, die Oesterreich zu ihrer Verfügung steflte. Das wäre eine vernünftige Lösung, welcher sich Europa anschlicßen müßte. Auch Oesterreich habe nur dies eine Mittel, um seine bona sides zu beweisen: Die Annahme des russischen Ersuchens. — Jaurös schreM in der „Smrmimte": Die österreichische Note ist furchtbar hart; sie scl-eint darauf berechnet, das serbische Volk aufs tiefste zu demütigen oder zu zerschrmst- lern. Die Bedingungen, die Oesterreich den Serben auf. erlegen will, sind derartig, daß man sich fragen muß, ob die llcrikale und militaristische Reaktion in Oesterreich nicht den Krieg wünscht und ihn nicht unvermeidlich machen will Das wäre das ungeheuerlichste Verbrechen. — Me radikale „Lau- ternä" sagt: So treu man auch am Friedeusgcdanken fest- halten mag, so gcht es doch Stunden, wo man sich zur Gewalt entschließen muß, um auf die Gewalt zu antworten: da wird der Krieg die heiligste aller Pflichten. — Drc radikale „Aurore" schreibt: Me Kriegserklärung an Serbien wäre das Signal einer furchtbaren europäischen Katastrophe. — Der „Rappel" sagt: Das von Oesterreich an Serbien gerichtete Ultimatum ist von einer unerbittlichen Strenge. Es stellt solche Bedingungen, daß man offen von einer regelrechten diplomatlscksen Heraussorderung sprecdcn kann. — Der „Figaro" schreibt: Es gibt noch einen allerdings schwachen Hoffnungsstrahl. Tie österreichlsch-unga- rrsck-e Regierung präzisiert weder den Cbarakter nocl» die Grenzen ihrer Intervention bei der Kontrolle und Ausffih- rung der von ihr geforderten Maßnahmen. Vielleicht wird dieser weitaus wichtigste Punkt doch Stoff zu Verhandlungen und Ausgleichungen bieten. Englische Prcffestiinmen. London, 25. Juli. Die Blätter beschäfffgen sich mit der Wiener Rote. Die „Times" schreibt: Alle, denen der allgemeine Fried-- am Herzen liegt, müssen ernstlich hoffen, daß Ocslerreich-Ungarn in der Rote an Serbien nickt sein letztes Wort gesprochen hat. Wenn dies doch der Fall ist. dann stehen wir am Rande des Krieges, und zivar eines Krieges, der für alle Großmächte unberechenbare Gefahren im Gefolge hoben kann. — Der „Daily Telegraphique" sogt: Keine der Großmächte, auch nicht Rußland, wollen in diesmn Augenblicke Krieg, und daher wünscht keine ein Opfer für einen brandstistcrischen Staat zu bringen, der nicht nur unentschuldbaren Verbrechen Vorschub geleistet habe, sondern auch eine beständige Bedrohung für den territorialen Stalusquo im Oriente sei. — Der Daily Tele- gvaptf" glaubt, daß Oesterreich-Ungarn in keinem Falle von einem Kriege Vorteil haben würde, denn, wenn er erfolgreich wäre, so würden seine Vorteile äußerst zweifelhaft fan. wihrend ein erfolgloser Ausgang unheilvolle Wirkungen haben würde. — Der „Daily Chronicle" sagt: Tie österreichische Rote ist tragisch, aber kaum tragischer, als die begründete Selbstverteidigung der Doppelmonarchie erfordert. Me serbischen Agitatoren und Komitatschis !>aben mit Zirftimmung der gesamten regierenden Masse in Bosnien etwa dieselbe Campagne gegen Oesterreich-Ungarn geführt. die Älc Balbanvölker bis 1912 in Mazedonien gegen die Türkei filhrten. Aber die Türkei war notorisch ein „kranker Mann", und von der Großmacht Oesterreich-Ungarn muß man Widerstand gegen ein solches Verfahren erwarten. Oesterreich könne etwas derartiges von einem Nachbar starrte nicht dulden, ohne seine Würde und seine Existenz zu ge- fährdcn. Wenn die politische Existenz Serbiens ans dem Spiele stände, so würde Rußland sicher in den Krieg gehen, aber das Blatt glaubt, daß Rußland diese Frage nicht in diesem Lichte sehen würde Serbien habe eine schlechte Sache, und Rußland noch viel weniger als die anderen Mächte der Triple-Entente könnte seinen Standpunkt vertreten. Rußland täte am besten, Serbien zum Nachgeben zu raten, ivährend es über die österreichische Berpslichtung »vacht, das Land nicht zu anckticrcn. — Me „Daily News" sogen: Oesterreichs Forderungen cnthalien nichts, was wirklich unerträglich iväre. Seine Entrüstung sei natürlich und nicht ungerecht, und Serbien täte am besten, sich prompt zu imterwcrsen. Verhandlungen könnten später erfolgen. Italienische Presscstimmen. Rom, 24. Juli Der „Popolo Romano" schreibt zu der Wiener Rote: Auf Seiten Oesterreichs ist alles Recht, auf serbischer Seite alles Unrecht. Die serbische Militär- Partei hat nach dem Balkankriege in der Tat eine Haltung Mtgenommen, die bei der Jugend ein Echo finden, zur Erregung der Vereine und Schulen führen, und die serbische Frredenba in Bosnien und anderen Grenzgebieten nlut machen mußte, alles Mnge, durch die das fürchterliche Verbrechen von Serajewo möglich wurde. Die Haltung der Monarchie Serbien gegenüber konnte nicht korrekter seur. — Der „Corriere d'Jtalia" sagt: 'Der Zwist gehe nicht nur Wien und Belgrad an. sondern bedrohe auch den europäischen Frieden. Die Monarchie, die durch das Verbrechen von Serajewo ins Herz getroffen sei. habe alles Recht, ihrem Schmerz Ausdruck zu geben und ihre Stimme gegen diejenigen zu erheben, die es als die Ansfffter der großen politischen und dynastischen Tragödie betrachte. — Der „Messagero" erklärt, daß das Verbrechen von Serajewo die Welt mit ungeheurer Wucht darauf hingewiesen habe, welche Gefahr der inneren Sicherheit der Monarchie drohe. Allem Anscl>eiiie nach hätte die Untersuchung den unwider- leglülien Beweis erbracht, daß die Mörder von Scraiewo in Serbien Helfer hatten, und daß die serbische Regierung für die gegen. Oesterreich-Ungarn gerichtete Propaganda in Bosnien und Kroatien allzu duldsam war So hat die österreichische Militärpartei dem Kaiser endlich das Ultimatum abzwingcn können. Serbien nnd seine Hauptstadt. Die Blicke der ganzen Welt sind mit gespanntestem Interesse jaus Serbien und seine Hauptstadt gerichtet. Wenn Oesterreich- Ungarn mit bewaffneter Hand die serbische Grenze überschreitet, kommen seine Kampier in ein ungewöhnlich schönes Land, Serbien trägt im allgemeinen den Charakter eines Berglandcs, und cS weist die manuigsoltigflcn Bilder eines solchen aus: hier ein Hügelland mit eingebetteten fruchtbaren Ebenen, dort wildromantische Täler und Schluchten und dann wieder mascstätischc Einsamkeit des hoben Gebirges. Zum großen Teile — vielleicht zu einem reichlichen Drittel — ist Serbien mit Wäldern bedeckt. ES vcriügt aber auch über ausgedehnte Wcidegründc, auf denen eine hervorragende Viehzucht getrieben wird. Ter Boden des Landes ist ungefähr derselbe, wie der der ungarischen Tiefebene und größtenteils überaus fruchtbar: erhebliche Strecken de» Lande» befinden sich noch ün Naturzustände und sind mit Urwald bedeckt. Aber die Ebenen des innercii Serbiens sind meistens gut angcbaut und geben reiche Ernten von Weizen, Mais, Hanf, Flachs, Tabak usw. Besonders sollen dem, der mit der Bahn durch da» Land reist, in der Ebene die Mois- sclder auf, die ück unermeßlich weit zu erstrecken scheinen. Auck rin Weinland ist Serbien, und der Wein ist sogar trinkbar. Der beste kommt aus Semendri im Tale der Jeffava Der daiwkicichtum des Landes, das die Natiir reich ausgestaltet hat, liegt gegenwärtig mahl noch in der Viehzucht: besonders ist ja die -Schweine- zucht Serbiens bekannt. In den ungeheuren Eichensorslrn loeiden gewaltige Schwcineherden, und die Ausfuhr an serbischen Schweinen ist groß. Die Bodenschätze des Landes werden vorläufig noch sehr wenig ansgenutzt: es gibt an mehreren Stellen Elsen nnd Salz, an wenigen auch Kupscr und Silber, allein zum Bergbau haben die Serben mffchcmcnd weder besonders Neigung noch Begabung. So herrlich dir Ratirr des Landes ist, so wenig gilt das von den wenigen größeren Städten Ihre Straßen sind zwar drei«, aber ohne eigemliches Leben: alles drängt sich in ein paar Kaffee- Häusern zusammen. Die geatzte und bedeutendste Stadt des Landes ist Belgrad, t'ür die Landbevölkerung, die ffch hck-ff., gegen Ende der Woche dorthin begibt, „d>c stad:" schlecküwca. Wenn noch vor n-cn,gen Jahrzehnten die Reucschriststeller Belgrad als eine seit same Mischung von Orient und Okzident schildcrlen, so haben sich die Verhältnisse heute völlig geändert, Belgrad hu, ffch moderni fielt- Ter Eindruck, den cs mach!, erinnert ein wenig an Pars dam: eine Residenz"odt, die trmf kleuffiadrisches beide vollen Hai Belgrad hat, wie alle serbischen Städte, breite Straßen und nirtwiac Gebäude: darum ist es im Verhältnis zu seiner Eimovhncrzahk unverhältnismäßig weit ausgedehnt. Wer die Belgrader Geskllickait kennen lernen will, der »raucht nur des Nachmittags den berrltchen Kalimealan Park anizuluchen Dort trifft sich bei den Klängen der Mffitarmusik van, Bckgrab Hoch über der Save gelegen, qrskotiet er einen köstlichen Blick au> den Zwammen-tutz vou Save und Donau, die sich unter einem rechten Winkel vereinen. Zu seinen Füßen sieh, man von der Höhe, die etwa 75 Meter über dem Fluß liegt, die breiie Save und die mächiige Donau, ,n der emige Inseln, die große nnd die kleine Kr,egs>nscl liegen und bei gulcm Weller erblick: man die Türme der ungarischen Festung Semlin, die vielleicht I I Kilometer enttarnt ist und mit der Eisenbahn in einer Viertelstunde beenem erreich! werden kann. Die Lebensweise der D-lirader zeigt lierests dent lich den starken Einfluß deS österreichischen Naiitbarn: man speist österreichische Küche, man trink! Pilsener Bier, man nimmt die Jause und man spricht sogar häufig deutsch, allerdings öfter reichliches Deutsch. Belgrad als Festung betrackitet — da» ist ein G feiet, über das die Meinungen >vrii auseinander geben In seiner langen, kriegerischen Vergangenheit ist die Festung mebrsack berannt und erobert nwrden: im Jahre 1521 baden die Türken sie erstürmt, Marimilian von Bavern eroberte sie im Jahre 1688 mit einer Truvpc von über 50000 Mann, 1690 eroberten die Türken sie zurück, 1717 siel sic in die Hände des berühmten Prinzen Eugen, 1789 eroberten die Oestcrreicher sie, 1806 versagten die Serben die Muselmänner ans Belgrad, und vor beinahe einem halben Jahrhundert, 1862. bombardierten die Türken sie vergeh lich. Daraus, daß die Türken sic damals nicht entnahmen, darf man beileibe keine Schlüsse aut die Güte der Festung ziehen Tie Festung liegt zwar von Natur einigermaßen günstig, ist aber alles andere, als eine Festung im modernen Sinne und die Serben würden sic wohl kaum verteidigen. Au» Stadt und Can®, Gießen. 27. Juli 1914. Das Großherzogspaar in Gießen. Am Samstag nachmittag weilte das Großherzogspaar einige Stunden lang in der Provinzialhanptstadt, die sich in ein festliches Gewand gehüllt hatte. Um >,5 Uhr trafen die hohen Gäste im Auto vor dem Schlosse in Gießen ein. Dann ging cs kurz nach 5 Uhr nach der Gewcrbeaus- stellu n g. Am Portal wurde das Großherzogspaar durch den Ehrenvorsitzenden des Ausstellumpsvorsdondes, Oberbürgermeister K e l l e r und den Vorsitzenden der Ausstellung, Prof. Dr. Krausmüller, empfangen. Mit stürmischer Begeisterung begrüßte das trotz des ungünstigen Wetters zahlreich erschienene Publikum die hohen Gäste. Am Eingang zum Hauptgebäude überreichte Frl. Elisabeth K r o u s m ü l- I e v mit einigen Worten der Großherzogin einen Nelkenstrauß. Sodann ivurden durch den Vorsitzenden die Mitglieder des Gcschäftsführcnden Ausschusses den hohen Herrschaften vorgcstcllt Hierauf erfolgte der Rundgang durch die einzelnen Ausstellungsräume unter Führung der beiden Vorsitzenden und der Herren des Geschäftsführenden Ausschlusses. Me Herrschaften besichtigten eingehend die ausgestellten Arbeiten und gaben wiederholt ihrer Freude über die Reichhaltigkeit und Gediegenheit der Ausstellung Ausdruck. Insbesondere bekundeten sie lebhaftes Interesse für die verschiedenen Arbeiten des Klemhandwerkes im Vogelsberg. Nackt dem Rundgang im Hauptgebäude nahmen die hohen Gäste in dem zum ersten Preis angekanften Speisezimmer de» .Hoflieferanten Brück den Tee ein. Die Tafel war prachtvoll geschinückt mit Blumen der Firma Metz, mit Porzellan und Kristall der Firma Mettcnheimer und mit Silbergerät der Firma Brück Nachf. (Inh. Hommer- mami). Me Getränke und Speisen reichte der Ausstcllnngs- wirt Kemper. An dem Tee nahmen außer den .Hoheiten nebst (befolge die Herren Oberbürgermeister Keller, Pros. Dr. Krausmüller, Stadtverordneter d. Petri und (sieh. Kommerzienrat Dr. Gail teil. Trotzdem die vorgesehene Zeit weit überschritten loar, ließ es sich das Großherzogspaar nicht nehmen, auch durch verschiedene andere Ausstellungsräume außerhalb des Gebäude» zu gehen, wobei sie der Abteilung „Althandwerk" reges Interesse ent- gegenbrachten. Leider lvar es unmöglich, alle Aussteller anszusnchcn, da die Gäste zu der Ausführung der Freilichtbühne kurz vor 7 Uhr absiihren. Beim Verlaffen der Ausstellung brachte man ihnen wieder begeisterte Kundgebungen dar. Ihrer Anerkennung für die schonen Leistungen des Handwerk» verliehen die Herrschaften noch dadurch Ausdruck, daß sie von verschiedenen Ausstellern Ausstellungsgegenstände erwarben, darunter auch einen Leuchter nach dem Entwurf des Bildhauers Ernst Penzoldt Eassel aus dem Ausstellniigsraum der Firma Gail. Mit großem Interesse wohnten der Großherzog und die Großherzogin nebst Gefolge der ganzen Vorstellung der Versunkenen Glocke in unserem Freilichttheater bei. Nach Schluß der Vorstellung ließen sie sich die Schauspieler vorstellen und haben sich insbesondere mit Herrn Oberregisseur Dworkowski nebst Frau, Frl. Dagny und Herrn Hök- ker unterhalten, wobei sie die Darstellung und die ganze Anlage der Freilichtbühne sehr lobten. Im alten Schloß fand um > -10 Uhr ein Essen statt, an dem außer dem Großherzog und der G-roßherzogin der Ober- hoffnarschall, eine Hofdame und der Ädsiitant des Großherzog» tcilnahmen. Das Essen >var vom Hotel Großherzog geliefert worden. Um 10 Uhr suhrcn die hohen Gäste im Automobil nach L i ch. ** Ta g c S ka l c n de r sür Montan. 27. Juli: Gewerbe- Ausstillung: Konzert der NeginentSkavelle 7—Id Uhr abends. Künstler - Waldhorn-Quartett des Hotlheaters Kassel und beS Plston-Buttnoien Karl Iah ». 6—11 Uhr abends. ** Gewerbe-Aus st ellung. Die dem Roten Kreuz schon vor der Eröffnung der Ausstellung gegebene Zusage wegen Abhaltung eines Rvtcn-Kreuz-Tages sand am Sanrstag seine Verwirklichung. Trotchcm das Wetter ungünstig war, batten sich viele auswärtige Besucher eingefnnden, so daß die hiesige Ortsgruppe des Roten Kreuzes eine ihr zu gönnende schöne Einnahme erzielte. Ansehnliche Beiträge stifteten auch der Ausstclluitgswirt Kemper und der Humorist Pesch Mario, der sich auch in den Dienst der guten Sache stellte. — Am Sonntag war der Besuch der Ausstellung sehr gut: schon am Bormütag strömten die Besucher von auswärts ihr in Scharen zu. Unter anderem besichtigten die Ausstellung geschloffen: die Bergleute der Grube Lust: die Orts- gewerbevereine Butzbach und Umgegend, Hcldenbcrgen, Breitcnboch mü> Lautcrbach: die Kriegervereine Münzenbcrg, Wisselsheim und Londorf: die Turnvereine Grünrngen nnd Oberbiel, der Gefangz- verrni Inheiden und die Gewerbeschule Frrcüberg. — Vielfachen Anfragen zufolge wird nochmals daraus hingcwiesen. baß dir Ausstellung bestimmt Montag, den 3. August, geschloffen wird. '* Freilichtbühne. Da vielmals der Wunsch ausgesprochen wurde, eine Vorstellung an einem Freitag statt- ftnbcn zu lasicn. ist die zweite und letzte Aufsührung vom .Pfarrer von Kuchstld' aus Freitag, den 3l. Juii, abend« 6 Uhr, verlegt worden. ** Gleibergvercin Am ärmsteg fand im Kaisersaal aus der Burg Gleiberg die diesjährige Hauptversammlung statt. Professor König erosfnete, in Verhinderung des l Vorsitzenden Geheimerat Dr Usinger, die Versammlung und begrüßte die Aufsichtsbehörde, Ivelcke durch den Laudrat de» Kreises Wetzlar. Dr. Sartorius, vertreten war. die erschienenen Mitglieder und deren zahlreich anwesenden Damen. Er gedachte der im vergangenen Jahre durch den Tod abgeschiedenen Mitglieder Fabrikant Schuchhord und Dr. Di e t t e n h e r m c r. Die Versammlung ehrte ihr Andenken durch Erheben von den Plätzen. Aus dem vom Prof. König crslattcten Jahresbericht ging hervor, daß der Verein aus 125 ordentliche» uud 6 außer- ordentlichen Mitgliedern besteht, doch haben sich bereits für 1914 15 4 weitere ordentliche Mitglieder, darunter Oberbürgermeister Keller- Gießen und Bürgermeister K ü h n - Wetzlar, angemeldet Me Einnahmen und Ansgaben des Vereins beliefen sich im abgelaufem n Jahre auf ründ 1000 Mk. Unter den Einnahmen befristen sich die Beihilfen au» der Kreiskasse Wetzlar und aus der Kreistassc Gießen mit je 200 Ml., sowie von der Stadt Gießen 100 Mk. Ferner zahlte der Burgwirt Nieberqall eine Abgabe von 600 Mk., an Bcikrittsgeldcrn und Beiträgen gingen 478 Mark ein. Die Hauptposten der Ausgabe bestehen in Hqpo- thekenzinsen an die Kreissparkasse Wetzlar 4.55 Mk., Bauten usw 844 Mk. und .Hypothekentilgung 110 Mk, sowie Ge- schästslintostcn mit 142 Mk. Für das neue Geschäftsjahr ist die Herstellung einer Blipableileranlage und eine gründliche Herstellung des Burgsricddaches in Aussicht genommen, die in Form eine» niedrig gehaltenen Kogels >» Rnbcrit durchgefilhrt werden soll, so daß die Bedachung aus dem Tal nicht sichtbar wird. Me Versammlung gab hierzu die Genehmigung, und ist nur noch die Zustimmung de» Provin- zial-Konscrvalor» erforderlich, um endlich den alten Rundturm gegen die Zerstörung durch Wind und Wetter schützen zu können. Me Kosten für die dringend uolwendigei, Aufwendungen für die Bedachung und Blitzableiter sind auf 1900 Mt. veranschlagt, zu deren Deckung eine Kapitalaus- nahme von 1000 Mk. crsordcrlich ist. Tic Versammlung genehmigte die Richtigkeit der durch Bankdircklor Heichelheim geprüstcn Rechnung, genehmigte den Voranschlag und beschloß die Hauptversammlung durch einen Rundgang durch die gesamte Burg, wobei man sich überzeugte, daß an der Ruine die vorgenommenen SlchcrimgSarbeltcn des Vorjahres gut und praktisch hergestellt sind. '• ZirkuL Barum, der durch die unsreiwillige Löwen- jagd in Leipzig da? Tagesgespräch der ganzen Welt wurde, wird auf seiner Rundreise nach Holland auch zu einem kurzen Gastspiel „ach Gießen kommen. Zurzeit gastiert das Unternehmen in Mühlhausen in Thüringen; sein Eintreffen dürste Ende August crsolgen. — Buchstabcnmarder. In den letzten 14 Tagen ist der alte Unfug wiederholt geübt worden, nachts die Glasfirmcn an den Erkerschelben zu zerstören. .In der Rockst zum sonntag gelang es dem Wackynaiiii st r a f t von der Wach- und Schlicßgesellschaft, zwei junge Akademiker aus frischer Tat zu ertappen. Es soll sich »m etwa SO Buchstaben handeln, die so nach und nack, zerstört wurden. Sie haben einen Wert von etwa 40 Mk, die von den Ucbel- tätern bezahlt werden müffen. ” Kleine Mitteilungen. Bei der Einfahrt in die Frankilirter Bahnhofehallc entgleiste gestern nachmitiag die Maschine des von Darmstadt kommenden D.-Zuges 85. Es entstand eine längere Vcrkebrsstörimg. Die auf den gesperrten Gleisen eiü- und ansjahrenden Züge nnißtcn umgesctzi werden. — In der Wcst- endstraßc übeffnhr ein kluwmobil die Arbeiterin Eva Diefenbach nnd verletzte sic in legcnsgrfährlicher Waffe. Der Strast- wagen entkam rmcrkannt. — In Na » born im Steinbnich am Vogelfang wurde der Steinbruchsarbciter Karl L i ch von einem Steinwagen, der sich von der Sbcttc losgcrissen hatte, üdcrfatwen und getötet. — Auf der Laurcnburger Zeche geriet der 22jäbriee Arbeiter Albert R i n f unter abstürzende Fclsmassen. Er war nach wenigen Augenblicken eine Leiche. Landkreis Gießen. -m. Hungen, 26. Juli. Hier hat vor einiger Zeit eine Wollweberei mit vier Websffihlen ihren Betrieb eröffnet. Kreis Lautcrbach. ß Greben harn, 25.Juli. Als Nachfolger des nach Büdingen versetzten Forftniristers Krug übernimmt der Forstasjistent Schwieder, der bisher in Ortenderg tvohn- haft iwu, die hiesige Oberförsterci. Kreis Frievberg. L. Friedberg, 26. Juli. Gestern ist die Obcrllasfe unseres Lehrerseminars von ihrer Nordlandrcise tvie- dcr zurückgckehrt. Sic besuchte unter Führung des Seminarlehrers Gatzert Dänemark, Schweden und Norwegen. h. Nreder-Mockstadt, 26. Juli. Die Vrandstis- tungsafsäre. die den Ort seit Monaten in Austcgung hielt, hat nunmehr ihren Abschluß grstindcn. Der seit Avril in Untcrsuchungsbast sitzende Ackerknrcht Wilhelm Schoubach Imwdc out freien Fuß gesetzt, da sich seine Unschuld erwiesen hat. Ein Landwirt, der in der gleichen Angelegenheit vertröstet war, erhängte sich vor kurzem im Gefängnis. Amtlicher Wetterbericht. O e f s c n t l > ch e r Wetterdienst, Gießen. WctierauSffchtcn in Hessen am Dienstag, dea 26. Juli 1014: Veränderlich, wechselnde Bewöllung, Regenschauer, kühl, zeitweilig auffrischende westliche Winde. Letzte r7acl,richte«. Vertagung des Caillaux-Prozesses? Paris, 26. Juli. Frau Eaillaux ist infolge der Aufregungen an den letzten Bcrhandlungstagen erkrankt imo muß da» Belt hüten. Wan hofft, daß cs möglich sein tvird, daß sie den Verhandlungen morgen und übermorgen wird beiwohnen können, damit der Pwzeß nicht unterbrochen werden muß. llnglücksfall in einer Prozession. Paris, 27. Juli. In Mal-Henry bei Saint Eti- enne löste sich von einem Berge ein Felsblock ab Er stürzte auf einen Pfad, auf dem sich eine Prozession von 2000 jungen Mädchen bewegte. Zwei Mädchen wurden getötet, drei lebensgefährlich verletzt nnd zehn schwer verletzt. Rulle a. Erliolunir .Tna-cnheim an Lieh. K. Enders, Deolist. (8703 liefert in unübertroffener Aoaführuner, vornehmer, matter Glanz, tadelloser Sitz, keine rauhen Ränder Grosswäscherei Edelweiss 8ckftlsmtna» 18 Giessen Fevasprocber 487 Aaa^fcmcateUaa in Alsfeld. Butzbach, Heuchelbeim, Lollar. ^ — KeirelmAssijrer Fuhrwerkverkehr nach Wetzlar und Butzbach. Täfcd. Rost- u. Bahnversand. Siaditheater Giessen Direktion: Hermann Stelnfoetter. Dienstag, den 28. In« 1S14, abends 8 Uhr: Sechstes und letztes Operettengastspiel des Großherzogi. Kurtheaters Bad-Nauheim. Unter Mitwirkung her Kapelle hes Hiesigen Jns.-Rems. „Kaiser Wilhelm" 3fr. 118. I8831C Nochmalige Aufführung: Kleine Preife! Kleine Prelse! Neuheit! 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