Nr. \n Der «teßener Anzeiger erscheint läßlich, anßer Sonntags. — Beilagen: viermal wöchentlich SleßenerLomIlienblätter; zwemial wöctientt.Itrtir- dlatt für den Urei, Siehe» (Dienstag und Freiiagf: zweimal nwnatl. landwirtschaftliche öeitftagen Ferusvrech - Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag ». Expedition LI Adresse liir Depeschen: Anzeiger Kicken. Annahme oon Anzeigen sür die Tagesnuininer bis vormittags 9 Uhr. Erster Blatt M- Jahrgang Samrtag. 25. Juli GiehenerAnzeiger General-Anzeiger sür Oberhessen Notationrdrutk »nd Verlag der vrühl'schrn Unio.-Vuch- un» Strin-ruckerei 8. Langr. NedaMon. Expedition und vruckerel: Schnlstxahe 7. Anl-.gem-ü:' B.L Vezu q»v>?etS: monatlich 75Pj^vienel- jährlich m 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Alt. 2.— viertel« jährl. ausjchl. Bestell^ Zeilenpreis: lokal 15Ps, auswärl.- 20 Vienniq Chefredakteur: A. Gocy Veraul,vortlich für den polit. Teil: Aug. Goei;; für .Feuilleton", .Vermischtes" und.Gerichtssaal": Karl Neurath; für .Stadt und Land": Die heutige Nummer umfagt 16 Seiten. politische Wochenschau. WirRtn, 25. Juli. Der österreichisch-ungarische Gesandte in Belgrad hat am Donnerstag das Ultimatum seiner Regierung an Serbien, das mir in unserer gestrigen Nummer im vollen Wortlaut abgedruckt haben, ofsiziell überreicht. Mit kühler Entschieden- heit hat Oesterreich seine Forderungen gestellt, von denen jede einen schweren Eingriff in die Hoheitsrechte Serbiens darstellt. Es wäre müßig, heute über die Möglichkeiten, die sich ans tftesen Forderungen entwickeln können, Untersuchungen anzustellen, wo sich die Lage in wenigen Stunden ent- icheiden muß. Es ist ja wohl kaum anzunehmen, dag Serbien sich den österreichischen Forderungen ohne weiteres beugen wird, aber ebenso unglaublich erscheint es, dah sich ans den Nackyvehen des Attentates von Scrajewo ein Weltkrieg entspinnen könne, besten Ergebnisse und Folgen sicherlich nicht im Verhältnis ständen zu den Unsummen von Blut und Geld und deu vernichteten wirtschaftlichen Verhältnissen. Die vernünftigste Lösung wäre die, daß Oesterreich das anmaßende und in seinem Hochmut unerträglich gewordene Serbien, wo heule noch Offiziere im Dienst sind, die den König Alexander und die »Königin Traga ernio-rdci haben, mit Waffcn - gewalt zur Raison brächte, damit endlich die ewige Säbel- rasselci aufhörc im Interesse ovi, ganz Europa Ztchem erscheinen die Aussichten auf einen Weltkrieg -augenblicklich wirklich recht gering zu sein, wenngleich man im europäischen Zeitungswald schon seit langer Zeit die Bataillone marschieren hört. In Rußland hat der Zar mit Herrn Poincare Händedrücke ge tausch: und Trinksprüche gewechselt, in denen zwar viel von dem Gleichgewicht in Europa die Rede war, die in ihrer phrasenhaften Inhaltslosigkeit aber nicht im geringsten abstachcn von den berühmten Trinkjprüchen, die sonst bei derartigen Gelegenheiten gehalten werden. Und gerade diesmal Hai die ganze Welt den Blick nach Petersburg gewendet gehabt, von >vv man einiges über die Probleme der Zeit zu hören gehofft, Erklärungen über die politische Lage erwartet hatte Aus allem n»as gesagt wurde, konnte man nur entnehmen, daß böse Feinde in Europa am Werke wären, um den Frieden des Nachbarn zu stören, daß aber Rußland und Frankreich in treuem Bündnis zu einander ständen, um den Frieden zu schützen. Von Frankreich hatte es in der vergangenen Woche ganz anders zu uns herübergeklungen, aber Rußland dürste m-rlänfig kaum fähig sein, das Schivert zu zücken. Es steht eine große Mißernte bevor, die Waldbrände dauern fort und Pest und Cholera halten wieder ihren Einzug. Daneben nimmt der Ansstand der verschiedenen Arbeiterorganisationen geradezu beängstigende Formen an. Tie Zahl der Streikenden nimmt beständig und es ist noch kein Absehen des Endes. In einzelnen Stadtteilen Petersburgs ist es zu blutigen Zusammenstößen gekommen, bei denen die Polizei regelrechte Barrikaden stürmen mußte. Im Wiborger Stadtteil überfielen Streikende an mehreren Stellen die Polizeibeamten, verletzten den Disiriktsauffehcr und dessen Gehilfen und schlugen einen Schutzmann halbtot. Ans der Fljugowstraße errichteten sic -Barrikaden, ivoranf die Polizei diese stürmte. Bei dem Versuch von Streikenden, verhaftete Kameraden zu befreien, nmrden ein Revierauffcher und zwei Schutzleute verwundet. Berittene Schutzleute mußten eine Salve abgeben, um die Arbeiter zu zerstreuen Auf der Strandbahn hielten über 300 .Streikend« vier Werst von Petersburg entfernt einen .Personenzug an, zwangen den Maschinisten unter Drohungen, die Lokomotive zu verlassen, forderten die Passagiere auf, auszustcigen, stürzten dann die Tclegraphenstangcn um und versperrten das Gleis. Der Straßenbahnoerkehc ist fast eingestellt. Auch in den übrigen Städten Rußlands gärte es gewaltig und auch dort wächst die Zahl der Ausständigen von Tag zu Dag. Dazu trägt die Bewegung durchaus politischen Charakter und große Truppenkommändos sind nötig, um die Ordnung wenigstens einigerniaßen aufrecht zu erhalten. Wo soll da in Rußland die Lust zu einem Kriege Herkommen? Und wenn die russische Presse hundertmal mit den ungeheuren Truppenmassen droht, die dem Reich des Zaren zur Verfügung standen. Mit Ausnahme des Jahres 1812 ist Rußland noch niemals imstande geivescn, die auf dem Papier stehenden Massen zu mobilisieren, und wie es mit der Armee überhaupt steht, haben wir dieser Tage erst in einem längeren Aufsatz besprochen. Die Stimmung in Frankreich wird augenblicklich ganz von dem^Prozeß gegen Frau Caillaux beherrscht, der ein grelles Schlaglicht auf die Zustände in der französischen Presse wirft. Das sranzösisckxe Zeitungswesen ist von dem deutschen durchaus verschieden. Die französischen Blätter haben so gut wie gar keine Abonnenten, die Zeitungen werden im Straßeiiverkauf abgeictzt, und daher kommt es, daß die Zeftung den grüßten Absatz hat, die die größten Sensationen bringt. Gegen ihre skrupellose Mache sind die wenigen vvritehmcn Blatter völlig maclstlos, zumal viele ehr geizige Politiker hinter dieser Sensatioiisprcssc stehen, um sich mit ihrer Hilfe empor zu schwingen. Mit welchen Mitteln man hier arbeitet, das beweist am besten das vielbesprochene grüne Dokument im Prozeß gegen Frau Caillaux, das niemals vorhanden ivar und dennoch so viel Staub aufgewirbelt hat. Mit Deutschland beschäftigt sich die französische Presse, da sie eben eine andere Sensalion hat, augenblicklich wenig, aber in der „Revue Poliiigue et Parlamentaire" veröffenl- lül)i der Lyoner Professor der Rechte Gonuard eine lob- iricfendc Besprechung über ein Buch von Maurice Legendre „Der künftige Krieg und die Mission Frankreichs", daS sich in den schärfsten Dänen gegen Preußen wendet. In längeren Ausführungen sucht er auseinanderzusetzen, daß Preußen entartet und jeder Zivilisation bar sei. Er komm? dann zu folgendeni Schluß, der interessant genug ist, um hier wort- lich wiedergegeben zu werden: „Tanrit Europa wirklich rmd völlig sich des Friedens erstellen könne, inuß Preußen, das nicht reformiert werden kann, und besstmmt ist, abgesondert zu leben, aus Deutschland hinausgeworfen werden. Und Oesterreich oder vielmehr Süd- u. Rhemdeutschland, d. h. das wahre Deutschland, das abwechselnd Österreich und Preußen gcopstrt wurde, muß endlich die Führung übernehmen und Grotzünirschtand zur Wirklichkeit machen: dcim die Niederlage Preußens wird Deutschland größer machen: und Oesterreich wird, statt ein PiemoM auf dem Balkan zu suchen, zu den Ausgaben zurückkehren, die es so ost verraten hat und endlich Teil einer „Patrie" werden. Oesiär- reich kann diese für alle glückliclze Lösung fördern, wenn es sich nur dem nächsten Konflikt iernhält. Preußen wird, selbst in dem sehr unwahrscheinlichen Falle, daß cS siegen sollte, erschöpft auS dem Kampfe hcrvorgehcn, so daß Oesterreich intakt, auf lange nicht mehr durch die demütigende Rolle eines „brilland sccond" bedroht sein wird: wenn aber, wie sehr Ivahrscheinlich ist, Preußen hingerichtet wird, gewinnt Oesterreich automatisch die erste Stellung in Deutschland, ohne einen Mann geopfert und ohne eine »Krone geraubt zu haben. Preußen selbst, das verzweiflungsvoll seine Verteidigung organisiert, als ob es nur auf sich selbst rcckmen könnte, scheint vorauszuschcn, daß Wien nach Deutschland zurückströnit, und dahin treiben die Ereignisse auf dem Balkan, was ich schon am 13. Februar 1913 in einem Vortrage zu Lyon als möglich gezeigt habe. „Wir ivollen wünschen, daß, wenn der so oft angckündigte und so oft ausgcschobene Krieg kommt, sich das verwirklicht, was Herr Legendre voraussieht, und die österreichischen Staatsmänner zu jener genialen Einsicht gelangen, die gleichzeitig Kaunitz und den verkannten Ludwig XV, zur Erkenntnis stihrte, daß es notwendig war, Preußen leine GroßmachtSansprüchehuvertrcrben. Wrc wollen wünschen, daß mif den Dhron Franz Josefs ein würdiger Nachfolgen Maria Theresias steigt, der fähig ist, zu veffiehen, daß der linier- gang des preußischen Korpora l g cisieS , die notwendige .Voraussetzung der Ruhe Europas und des Gedeihens der „patrie allcmande" ist. Wir wollen wünichen, daß an dem Tage, da Wien geneigt ist, seinen Platz in Deutschland zurückzuwrdern, Frankreich es verstehen wird, entschlossen die nötigen Anstrengungen cinzuiepen. Tenn sür Ocslerrcich gibt es zwei Wege in Deutschland wieder einzutreten: durch Verdrcngung des glück- liäien Rivalen von 1866, indem es ihm mit Ö:lte der erneuerten Allianz von 1756 den usurnierien Platz cntrcilkt, oder indem es sich dem unersättlich,-» Rivalen unterwirft, der die deutsch-österreichischen Provinzen sich einverlcibt, um aus ihnen, wie auS dein! übrigen Deutschland, neue Werkzeuge seiner grenzenlosen Eroberungspolitik und seiner grenzenlosen „Perversion" zu machen. Man sieht, bis zu welckfer Siedehitze der Haß gegen Tcutschlaiid in manck^n fvcrnzösisckzcn Köpfen gestiegen ist, aber glücklickierweise ist die weitaus größte Mehrzahl der französischen Bevölkerung genau von der gleichen Friedensliebe beseelt, wie die deutsche, und die Zeiten sind wohl glücklich vorüber, ivv einige Hitzköpfe durch ihre Halluzina- iionen Völker in blutig« »kriege hetzten. Auch England hat ganz andere Dinge zu erledigen als einen Weltkrieg, bei dem ihm die Amerikaner rasch seinen Handel weggeschnappl hätten. Die englische Volksseele Ixil letzt nur einen Gedanken, den an die Lösung der Homerulc- srage und damit der Krise in Ulster Ministerpräsident Asquith hat in Ausführung des Versprechens, das er seinerzeit den irischen Nationalistenführern gegeben hat, den Kampf um die irische Sclbswerwaltung bis ans letzte Ende geführt. Die aus Liberalen. Iren und Arbeiterparteilern, zusammengesetzte UnierhauSmchrheit hat die domer»le-Bill dreimal trotz aller Gegeiisclfachzuge der llnionisten angenommen, das Oberhaus sie zweimal verworfen. Nach dem neuen Paragraphen der Verfassung muß eine Bill gesetzt iverden, wenn sie nach einer dritten Verwerfung durch die erste Kammer an die zweite zurückgelangt und nochmals angenommen wird. 9!ur die llnicrschrift des Königs ist dann nockf da^it nötig. Die unionisttschen Lords denken nicht daran, der Bill zum Ziege zu verhelfen. Sie versuchen mit allen zu Clebotc stehenden Mitteln, den Gesetzentwurf einfach bis zum Ta- gniigsschluß auf dem Tisch des Hauses liegen zu lassen. Das ist das letzte Vcrschleppungsmittel, das ih"c» zur Verfügung steht. Die Parteien in England, die Schichten der Bevölkerung in Irland — hie protestantisch, hie katholisch — stehen sich in zwei Heerlagern gegenüber und die Erregung der Gemüter ist bis zu solcher Siedehitze gesteigert, daß ei» einziger unerwarteter Zwischenfall die Eplosion mit all ihren schrecklichen Folgen bringen kann. In diesem Augenblick hat König Georg als Vertreter der Krone eingegrifscn, und daß er das getan hat, ist in Anbetracht der in England herrschenden eigentümlichen Verlfültnisse zwischen Krone und Volk staatsrechtlich vielleicht das interessanteste Faktum der ganzen Affäre. Des Königs Eröffnungsrede in der ersten Sitzung der Ulsterbcsprechnngen tvar nicht darnach angetan, beruhigend zu wirken. Es bedurfte der energischen Erklärung des Ministerpräsidenten Asquith vor dem vollversammeltcn Unterhaus, daß der König nicht da- geringste veranlaßt oder getan habe, ohne seine gesetzmäßigen Berater, das Kabinett, zu befragen. So wurde von vornherein die Rolle König Georgs als die eines bloßen Vermittlers festgelcgi, der einfach das getan lxatte, was der an der Regierung befindliche Ministerpräsident und damit die hinter diesem stehende Un- terhausmchrheit schon früher gewünscht hat, den Weg zum Kompromiß. König Georg fühlt es als seine Pflicht, den beiden Parteien die Annäherung zu erleichtern dadurch, daß er sie an seinen Tisch ladet. Wenn er jetzt in die Bresche tritt, die der Sttirmlauf der Parteien in die stolze Mauer seines Landes schlug, so Hai er sicherlich durch die Art, wie er,die Rechte seines Volkes streng hoch hält die Sympathien Silber oon der Krönung der 5chahr. Malerische Szenen von orientalischer Farbenglut und bunter Pracht entialteten sich ani 21. Juli in Tebcran, an welchem Tage der 17jälrrige Sultan ülckmeü Schob den Thron der .Kaüfcharcn bestieg und in seiner .Hauptstadt gekrönt wurde. Um V-I0 Uhr morgen- bewegte sich die Staat-Prozession von dem Könrgsvlatz zum Parlamrntshaus, wo der junge Hcrrsckwr den Eid aus die peffischc Verfassung säMören sollte. Langsam rollte die von 8 Pferden gezogene Glaskutsche Istntcr einer Eskottc von Bakhiiaren, Gendarmen und Kosaken daher, von einem langen Zug anderer^Wagen gefolgt, in denen die höchsten Würdenttägcr saßen. Die Sttaßen, durch die der Zug ging, waren in lebhafte Färben getaucht und wurden von Soldaten imd Polizisten sorgfältig beivaäü. Der Platz vor den> Parlament bot einen glänzenden Anblick, da hier die fremden Gesandtsämsten, hohe Offiziere und Beamte in bunten Trachte» den Herrscher erivarketen. In dem Garten des Palastes hatten sich Hosteute und Deputiettc in ihren Staatsroben aufgestellt, und alles wartete gespannt auf daS Herannahcn des Zuges. Auch der Regem hatte sich bereits vorher nach dem Abgeordnetenhaus begeben. Das dumpse Dröhnen einer Kanone kündigt den großen Augenblick an, alles sttöiM in den riesigen^ Saal, lind dann steigt der Schah aus der Glaskuische die mit kostbaren Teppichen belegten Stufen lnnan. Nach einigen Minuten wirb von der großen Tribüne ein Vorbang svrigczvgen, und Seine Majeftär erscheiut, von dem Regenten, den Ministern und den Prinzen unigcben. Er schreitet sogleich aus den Koran zu, der auf dem Tisch der großen Rednertribüne liegt, legt seine Han» anf das heilige Buch und leistet mit leiser Stimme den Eid, Dann schließt er das Buch, verbeugt sich leicht und verläßt den saal Die ganze lgcremonre dauerte 5 kNinuten. Nachdem der junge Hcrffcher seine Andacht in der nahcgclegencn Sipha-^alar-Moschec perrichtct hat, begibt er sich zu der eigerttlicben Krömmgsscier nach seinem Palast; sic ftnber nachmittags statt. Die heißeste Glut ist unterdessen aus den Straßen gewichen. Um 4 Uhr begeben sich die Ge- iandlschoften nach dem Thronsaal; um 5 Uhr gruppieren sich die geistlichen Würdenträger UNI den in schwüler Pracht funkelnden Pfauenthron, auf den ein Stuhl für den Herrscher gestellt ist. Die vier höchsten Prinzen deS Kadscharengcschlechtes halten die Throninsignien, das S^vert, den Schild, den Stab und den Bogen mit den Pfeilen. Die Krone der Kadschorcn und die Nadir-Aigreite ruhen auf einem goldenen Teller oor dem Thron. Kürz nach 5 Uhr betritt der -Schah den Saal, besteigt den Thron, nimmt den mit einer kleinen Aigreüc geschmückten -AstrachanHut ab, den er trug, und der Regent überrncht dem I Herrscher die Krone, die sich dieser selbst auf den Kops setzt, wobei er zuerst mit der einen .Hand zugrcift und dann mit der andern mithilst. Die von Juwelen funkelnde Krone ist so schwer, daß der Schah sie nach 3 oder 4 Minuten wieder abnimmi und nunmehr eiiien anderen Asttachanhui auyetzt, geschmückt mit der großen Nadir-Aigrette, die den Sclzwestcrstein des berühmten Kohi- nur, den Daryaimir, d. h. „Meer deS Lichts" enthält. Unterdessen liest der Oberpriestcr in dunkeln Guituraltönen die arabische Huldigungsformel an den neuen Herrscher vor. Dann begibt sich der Schah zu einer kurzen Ruhe in den Elfenbeinsaal und empfängt zuletzt die Gesandten. — DieWiederanhcilungcrnerfastvollständ rg abgeschniitcnen Hand wird von Dr. Schloffstnann, Tübingen, zum Gegenstand einer interessanten medizinischen Wochenschrift gemocht. Ein zehnjähriger Knabe geriet mit seiner Hand in eine Futtersckmeidemaschine. Das scharfe Messer ttcnntc ihm mit einem Schlage die Hand glatt vom Arm, so daß sie nur noch mit einem schmalen .Hauffiiclc schlotternd am Unterarm festhing. Sechs Stunden nach der Verletzung fand Austrahme in die Klinit statt. Trotz der hochgradigen Infektionsgefahr wurde der Versuch, gemacht, die band zu erhalten. Hierbei mußten nicht Niruiger als 22 Sehnen wieder vereinigt loerden. Die Wundheilung verlief vorzüglich^ Beweglichkeit und Gefühl stellten sich >m Laufe einiger Monate restlos wieder her. — Die Ausbildung der Städtebauer. Wiedas B. T. erfährt, sind Bestrebungen im Gange, da- seitZiier Jahren an dpr Dresdener Technischen Hochschule bestehende Städtcbau- seminar weiter auszubauen. So ausgezeichnete Leistungen rn vielen Fällen auch aus dem Gebiete des modernen deuffchen Städtebaues zu verzeichnen sind, hat es sich doch als ein allseittg empfundener liebelstand erwiesen, daß dem Städtebauer die eigentliche besondere Vorbildung fehlt. Hier will nun Gehcimrat Ewald G e n z- m e r , Professor an der Dresdener Technischen Hochschule, ein Vetter des Berliner Hosbaurais Genzmer, reformierend erngreiscn. Er hat im „Technischen Gemeindeblatt" einen Vorschlag zur Ausbildung der Städtebauer veröfscittliäst, der sehr erwägenswert ist Er geht von dem gekennzeichncien llebelstande aus und weist darauf hin, daß die jetzigen Städtebauer alle den Umweg über das Bauingenieuroder das Architektemach machen müssen, also viel Krasi und Zeit vergeuden müssen. Genzmer fordert auf Grund einer 20 jährigen Tätigkeit in der Stadlvcnvaliung und einer 10 jährigen Wirksamkeit als Hochschulvrosessor eine ziclbewußtc Ausbildung von Städte^ bauern. Geheimrat Genzmer hält aber den Weg, Studenten als Städtebauer auszubilden, für unpraktisch, da nur außergewöbnlich begabte junge Leute die dann aus sie eindringende Stosfülle bewältigen könnten. Genzmer schlägt daher vor, in den Städtebausemi- naren, wie sie außer in Dresden auch schon in anderen Städten (Danzig, Charlottenburg) bestehen, fertige Diplomingenieure des Hochbausachs und der Bauingenicurwiiscnschastcn weiterzubildcn und ihnen nach einem Jahre Gelegenheit zu geben, eine Prüfung abzulegen. Nach Ablegung der Prüfung könnte der junge Städtebauer enttoedcr eine mehrjährige Ausbildung linier staatlicher Aufsicht erfahren und sich dann der großen Staatsprüfung unterziehen, oder er könnte sosott in eine städttsche Verwaltung eintrekeu und sich dort weiter ausbilken. Die Stadtverwaltungen würden sich dieser Ausgabe, die in ihrem eigenen Interesse liegt, gern unterziehen. — Zeichen der Zeit. Wir lesen im Anzeigenteil der Franks. Vtg,: E r b s ü r st mit tadelloser Vergangenheit und selten gutem Charakter und groß Gütern, wünscht sich mit sehr vermögend. Dame nicht über 25 Jahren baldigst zu verehelichen. — Offert, u. 8 30289 an die Exped. d. Bl. In der Auslandsausgabc des „Berliner Tageblatts" heißt es: Fü rste n-H e i ra t. Durchlaucht, junger Fürst, 32 Jahre alt, schöne Erscheinung, hochgebildet, sprachenkundig, hochedlcr Charakter, sttcng soliden, lasterfteien Lebenswandel führend, tni Rufe von Urahnen her, ganz unbescholten, in Deutschland ansässig, wünscht, wenn auch niclji von Adel, ernstlich zu heiraten. Standesgcniäß wären als „Heiratsgut" 15 Millionen Mark erwünscht. Ernste Anträge mit Bild, als Ehrensache strengster Diskretion unter „Fürst" Nr. M. A. 9312 an die Expedition d. Blattes, £. P. Z., rinzusenden. Und gleichfalls aus dem B. T.: Prinz aus Jahrhunderte altem Fürsten^ haus, ohne Schulden, 40 Jahre alt, sehr solid, SporiSmann, lwüuscht ifich zii verheiraten, und will dann seinem Stande gemäß auftreten. Direkte Offerten von Domen, auch Witwen, mit Vermögen nicht untcrlO Millionen erl>clen. Strengste Ti-kretron wird zugesichert und erbeten. Offerten unter B. T. 1588 an die Ep» Pcdiiion dieses Blattes. 1 oIUt Gutgesinnten der %utivn ftic sich, tdeim die Konferenz auch keinen Erfolg gehchstt hat. Die Stichwahl in, R c ichSt a g swah lkre i s e legenr konservalivc Kandidat, der Amtsrat Schrcwc, es nu *' ' ul f st»,nne» brachte. Der Fortschrittler IM also ü"^'dnl>chen Btehrheit von 1400 Stimmen gesiegt. Ber der hanhtwahl am 16. Juli erhielt Schrcwe 7522, ^r-agiicr 6131 und der Sozialdemokrat Linde 8186 Stimmen. Die Sozialdemvkratcn sind also geschlossen für den Fort- eingetreten, während die Konservativen jetzt nur 1.0 ^ihlcr.mehr aus die Beine zu dringen vermochten. Die ^dttlage tst für sie, zumal es sich um einen ostpreußischen Wahi kreis handelt, sehr scksmerzilich, sie wird mit den Ernte- arveiten und dem in deir konservativen Blättern gemachten Hwwers auf die skrupellose Agitation der Freisinnigen jeden- ausreichend erklärt, und man muß sich schon zu der Auffassung bequemen, daß der konservativ« Gedanke auch rn den ländlichen Wahlkreisen an Wcrbekraft einzubüßen begrünt. Insofern scheint uns der Ausfall der Wahl in La- biau-Wehlau doch eine einigermaßen symptomatische Bedeutung zu lmben, eine Erkenntnis, der sich auch die Konserva- t«en nicht werden verschließen können, zumal sie doch selbst noch kurz vor der Wahl aus starke Reserven hokltcn, die nun ausgeblieben sind. Oesterreich und Serbien. Fass in der ganzen zivilisierten Welt wird der Inhalt der österreichischen Note gebilligt, mit der endlich einem wochenlangen Hangen und Bangen ein Ende gemacht ist. Allgemein herrscht die Ansicht vor, daß Lesterreich im Interesse seines Ansehens nicht anders konnte, und daß Serbien vernünftig genug sein werde, um einen Krieg zu vermeiden Die Lage ist heute unverkennbar sehr ernst, denn wenn Nußland marschierte, wäre der Weltkrieg da, aber diese Annahme hat, wie wir in der heutigen Wochenschau näher ausgeführt haben, nur sehr wenig für sich, zuimil England ganz entschieden abrückt. Sofern cs also doch izü einer bewaffneten Auseinandersetzung kommen sollte, wird es aller Voraussicht nach bei einem Wassengang zu zweit bleiben, also lediglich bei einer Auseinandersetzung zwischen Lestcrreich und Serbien. Leider benutzt aber auch die deutsche Revolverpresse dieses Ereignis zu einer skrupellosen Sensotionsmache, in deni sie den Weltkrieg als unvermeidlich hinsteAt, um aus der küusllich ins Publikum getragenen Aufregung finanzielle Vorteile zu erhaschen. Bedauerlicherweise machen auch Zeitungen in unserer nächsten Umgebung dieses gewissenlose und schädliche Treiben mit, weshalb wir nicht nachdrücklich genug darauf Hinweisen können, daß für uns in Deutschlaiid mcht die geringste Befürchtung besteht. Wir würden nur dann in einen Krieg verwickelt werden, trenn Rußland gegen Oesterreich vorginge, und das ist kaum airznnehmrn. Mit welchen Mitteln aber teilweise gearbeitet wird, das beweist die Aeußerung des Pariser Blattes P a t rie, das eine angeblicheUnterredung mit dem serbischen Gesandten Wesnilsch verösfentlicht, in der dieser behauptet haben soll, die österreichischen Forderungen seien für Serbien völlig unannehmbar. Der Gesandte erklärt, daß er der Bcrösfentlichung vollkommen sernstehe und mit keinem Journalisten eine Besprechung gehabt habe. Um keine unnötigen Befürchtungen wachzurusen, beschränken wir uns auf die Wiedergabe der wirklich feststehenden Ereignisse und lassen die unbewiesenen Alarmnachrichtcn, hie auch in Blättern unserer nächsten Umgebung Aufnahme gefunden haben, unbeachtet. Die Mitteilung an die Großmächte. Wien, 24. Juli. Den K. K. Botschafter im Deutschen Reiche, in Frankeich, Großbritannien, Italien, Rußland und der Türkei sind von ihrer Regierung beauttragt worden, den Inhalt der österreichisch-ungarischen Note an die serbische Regien,ng zur Kenntnis der Regierung zu bringen, bei der sic beglaubigt sind, und folgendes hinzuzusügen: Am 31. März 1909 hat die königlich serbische Regierung an Oesterreich-Ungarn eine Erklärung gerichtet, deren Wortlaut oben wiedcrgegeben ist. Fast einen Tag nach dieser Erklärung hat die Polin! Serbiens in Bahnen ein- gclenkt, die dazu geführt haben, bei den serbischen StaatSangchörr- gcn der österreichisch-ungarischen Monarchie subversive Ideen zu erwecken und dadurch die Losreißung jener Gebiete von Oesterreich- Ungarn vorzuberciten, die an Serbien angrenzen. Serbien wurde der Herd einer verbrecherischen Agitation: es büdeten sich Vereine und Bereinigungen, die vor aller Welt oder im geheimen dazu bestimmt waren, aus österreichisch-ungarischem Terrüorium Unruhen bervorzurusen. Diese Vereine und Vereinigungen zählen zu ihren Mitgliedern Generale und Diplomaten, Staatsbeamte und Richter, mit einem Wort führende Persönlichkeiten der offiziellen und nichtofsiziellen Welt des Königreichs. Die serbische Presse steht fast vollständig im Dienste dieser gegen Oesterreich- Ungarn gerichteten Propaganda und kein Tag vergeht, ohne daß die Organe der serbischen Presse ihre Leser zum Haß und zur Verachtung der Nachbarmonarchic oder zu Attentaten ausreizen und mehr oder minder offen gegen die territoriale Sicherheit der letzteren gerichtet sind. Eine große Anzahl von Agenten ist damit beschäftigt, die Agitation gegen Oesterreich-Ungarn mit allen Mitteln zu fördern und die Jugend der an Serbien angrenzenden österreichisch-ungarischen Gebiete zu verführen. Der Geist der Verschwörung, der die vvlitisiercnden Kreise Serbiens beherrscht und der seine blutigen Spuren in den Annalen der serbischen Geschichte hinterlasscn hat, ist seit der letzten Balkankrise im Wachsen begriffen. Mitglieder von Banden, die bisher in Mazedonien Beschäftigung fanden, haben sich der terroristischen Propaganda gegen Oesterreich- Ungarn zur Verfügung gestellt. Die serbische Regierung hat sich nicht bemüßigt gesehen, gegen diese Umtriebe, denen Oesterreich-Ungarn seit Jahren ausgesetzt ist, in irgend einer Weise cinzuschrcüen. Die königlich serbische Regierung hat so der feierlichen Erklärung vom 31. März 1909 nicht Genüge getan und sich solchergestalt in Wider- svruch gesetzt gegenüber Eurova und der gegenüber Oesterreich- Ungarn eingegangenen Verpslichwng. Die Langmut, welche die k. k. Regierung der heraussordernden Haltung Serbiens gegenüber beobachtet hat, war daraus zurückzusühren, daß sie sich frei von territorialem Eigennutz wußte und die Hoffnung nicht aufgab, daß die serbische Regierung die Freundschaft Oesterreich-Ungarns schließ, lich richtig bewerten werde. Die k. k. Regierung halte geglaubt, daß eine wohlwollende Haltung gegenüber den politischen Interessen Serbiens das Königreich doch am Ende veranlassen werde, eine gleiche Haltung zu beobachten. Oesterreich-Ungarn erwarte eine solche Evolution der politischen Ideen in Serbien, insbesondere in dem Moment, als nach den Ereignissen des Jahres 19t2 die k. k. Regierung durch ihre desinteressierte und von jedem Uebel- wollen freie Haltung die so bedeutende Vergröberung Serbiens möglich machte. Das dem Nachbarstaate seitens Oesterreich-Ungarns bekundete Wohlwollen hat jedoch die Vorgangswcise des Königreichs Serbien nicht geändert, das sortsuhr, aus seinem Territorium eine Propaganda zu dulden, deren traurige Folgen am 28. Juni ds. Js. der ganzen Welt ofscnüar iourden, an jenem Tage, da der Thron- solger der Monarchie und seine Gemahlin einer in Belgrad entstandenen Verschwörung zum Opfer sielen. Bei dieser Lage der Tinge hat die f. k. Regierung sich genötigt gesehen, einen neuen »nd dringenden Schritt in Belgrad zu unternehmen, um solcherart die serbische Regierung dazu zu zwingen, der Bewegung Einhalt zu gebieten, welche die Sicherheit und Integrität Oesterreich- Ungarns bedroht. Die t. k. Regierung ist überzeugt, indem sie diesen Schritt unternimmt, sich in vollem Einklang mit den Gefühlen aller zivilisierten Rationen zu befinden, die es nicht zugeben könnt len, daß der Königsmord eine Waise wird, der man sich ungestraft im politischen Kampsc bcdiciien dürfte und daß der Friede Europas unausgesetzt durch die Umtriebe gestört würde, die von Belgrad aus- gehcn. Zur Unterstützung des Gesandten hält die k. T Regierung zur Verfügung der Regierung ein Dossier bereit. daS über die serbische Propaganda und deren Zusammenhang mit dem Morde am 28. Juni Aufklärung gibt. Eine gleiche Mitteilung ergeht an die l. k. -Vertreter bei den übrigen Signatarmäästen. Eine Erklärung Tiszas. Büd apest, 24.Juli. Bei Beginn der Sitzung des Abgeordnetenhauses sagte der Ministerpräsident: Der Schritt. Oesterreich-Ungarns bedarf keiner Rechtfertigung. Es müßte vielmehr erklärt werden, warum der Schritt erst jetzt erfolgte. Wir wollten abwarten, bis die Untersuchung in Serajewo über gewisse Umstände vollständige Klarheit geschasst hatte. Auch wollten wir den Anschein vermeiden, als ob Leidenschaft oder berechtigte Entrüstung uns geleitet hat: der Schritt ist vielmehr nach reiflichster Ueberlegung unternommen worden. Der Schritt ist keineswegs aggressiv, noch bedeutet er eine Provokation, da wir in der Rote nichts anderes fordern, als was Serbien aus natürlicher nachbarlicher Pflicht gewähren muß. Niemand kann uns vorwerfen, daß wir den Krieg suchen. Wir sind vielmehr bis zur äußersten Grenze der Geduld gegangen. (Lebhafte Zustimmung.) In der Ueber- zeugung, daß der Schritt durch die Lebensintcressen der Monarchie und der ungarischen Nation gefordert wurde, werden wir die gesamten Konsequenzen tragen. (Allgemeiner stürmischer Beifall.) Die Mitglieder der Regierungspartei erhoben sich von ihren Sitzen und brachten dem Ministerpräsi- dcnten Ovalionen dar.) Graf Andrassy ergriff das Wort namens sämtlicher Fraktionen der Opposition. Er erklärte, daß die Beziehungen zu Serbien unhaltbar geworden seien. In dein Maße, als Serbien seine Erfolge und seine terri-» toriale Vergrößerung errungen habe, sei sein Haß gegen die Monarchie gewachsen. Andrassy behielt sich die Kritik der auswärtigen Politik vor, erklärte jedoch, daß in diesem Augenblicke die Opposition trotz ihres prinzipiellen Gegensatzes zur Regierung ihre patriotische Pflicht voll und ganz erfülle. Er hoffe, daß das Beispiel sür jeden Ungarn maßgebend sei. Schließlich ersuchte Andrassy das Haus, sich zu vertagen. Nach einer Pause, die der Präsident anordnete, erklärte dieser, daß, falls die aus der Tagesordnung stehende Gesetzesvorlage heute erledigt würde, würde er keine neuen Gegenstände aus die Tagesordnung stellen, ' ' Ei» serbischer Miuistcrrat. Belgr ad, 24. Juli. Heute vormittag fand unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten Paschitsch ein dringlich ein berufener Mini st errat statt, in dem über die durch die österreichisch-ungarische Note geschaffene Lage beraten wurde. Die Ausnahme der Note in Belgrad. Belgrad, 24. Juli. (Wiener Corr. Bureau). Der Text der östcrreichisch-uugarischcn Note gelangte abends durch Sonder- olusgabcn der Blätter zur allgemeinen Kenntnis. Wie verlautet, ist die autgclöste Skupscktina für den 26. Juli zu einer außerordentlichen Session cinberusen und die Neuwahlen aus unbestimmte Zeit vertagt worden. Anweisung des österreichische» Gesandten. W i e n, 24. Juli. Der K. K. Gesandte in Belgrad. Freiherr v. Giesl, hat den Auftrag, falls die Königlich serbische Regierung bis Samstag, abends 6 llhr, pünktlich die vorbehaltlose Annahme der in der Note vom 23. d. Mts. angeführten Forderungen nicht notifiziert haben sollte, mit dem Personal der Gesandtschaft Serbien zu verlassen. Die Haltung Rußlands. Petersburg, 24. Juli. (W. B.) Das amtliche Organ veröffentlicht folgendes Communiqus: Die Kaiserliche Regierung, lebhaft besorgt durch die überraschenden Ereignisse und durch das an Sevbien von der österreichisch-ungarischen Regierung gerichtete Ultimatum, verfolgt mit Aufmerksamkeit die Entwicklung des österreichisch-serbischen Konfliktes, in welchem Rußland nicht indifferent bleiben kann. London, 24. Juli. Das Reutersche Bureau meldet aus Petersburg: Der heutige Ministerrat dauerte vier Stunden. Man versichert, daß Rußland unverzüglich intervenieren und von Oesterreich-Ungarn verlangen wird, die Frist des Ultimatums hinauszuschieben, um der europäischen Diplomatie Zeit zu geben, ihren Einfluß geltend zu machen. Petersburg, 24.Juli. Der Besuch, den der Präsident der französischen Republik soeben dem Kaiser von Rußland gemacht hat, hat den beiden befreundeten und verbündeten Regierungen Gelegenheit gegeben, die vollkommene Gemeinsamkeit ihrer Ansichten über die verschiedenen Probleme festzustellen, vor die die Sorge um den allgemeinen Frieden und für das europäische Gleichgewicht die Mächte, namentlich im Orient stellt. Die Ansicht der deutschen Preste. Köln, 24. Juli. Die „Kölnische Zeitung" schreibt: Die österreichische Note stellt eine Anllazcrede von einer Wucht und einem Ernst dar, wie man sie zwischen einem Staat und einem Staat der neuesten Geschichte noch nicht gehört hat. Die Befristung verstärkt den Zug unbedingter Entschlossenheit. Mit Erstaunen wird Europa aus den Einzelheiten der Note cntnehmsn, bis wohin die Fäden der Verschwörung gereicht haben, deren Ergebnis der Mord von Serajewo ist. Man sieht in einen Abgrund politischer Entartung und Unkultur, wenn man liest, wie das verbrecherische Treiben wahnwitziger Mörder unterstützt und gefördert wird. Dies gibt der Angelegenheit eine allgemein europäische Bedeutung. Angesichts des bedeutsamen Inhalts der Note wird es wohl niemand in Europa zweiselhast sein, daß es das JMcresse des Friedens erfordert, daß durch die Sprache der europäischen Presse in Belgrad der Eindruck vertieft werde, daß Serbien solchen gerechten Forderungen nach- geben müsse, um einen Konflikt zu vermeiden. Aus den Tatsachen der Note ergibt sich, daß politische Vernunft und die elementarste Gerechtigkeit eS gebieten, in die Auseinandersetzung nicht einzu- grcisen und einen möglichen Zusammenstoß örtlich begrenzt zu halten. Für alle europäischen Zuschauer bei der Auseinandersetzung erfordert cs die Rücksicht auf den europäischen Frieden, demjenigen, der in dem Streit so schwer unrecht hatte, nicht den Rücken zu üärkcn, sondern ihn zum Entgegenkommen zu mahnen, damit der Streit Sache der österreichisch-serbischen Beziehungen bleibe. Vom europäischen Standpunkt ist es wünschenswert, daß, nachdem Serbien Genugtuung gegeben hat, die Beziehungen sich doch wieder normal und ersprießlich gestalten. Berlin, 24. Juli. Von den Abendblättern sogt der „Lokalanzeiger": Der Totaleinbruck der österreichisch-ungarischen Note läßt sich in die.Worte zusanrmcnfassen: scharf aber gerecht. Es wird vielleicht Leute geben, welche die Forderungen der Wiener Note als zu scharf ansehen: denen können nur die Tatsachen ent- gcgengehalten werben, die diesen Schritt der Donaumonarchie ansgezwungen haben. Wenn anders nicht der Glaube an den Fortbestand des monarchischen Gedankens in Eurova in Frage gestellt werden soll, muß auch dort ein Gesühl von Gerechtigkett irnd itaatlichcr wie monarchischer Solidarität bestehen, von wo nt Serbien auf Beistand gerechnet wird. Serbien wird die öster- rerckischeu Forderungen erfüllen, oder cs wich zugrunde gehen. — Im .^Berliner Tageblatt" heißt es: Man wird die Forderungen, vre am btt österreichischen, Regierung art die Feststellungen über die großserbische Agitation geknüpft werden, für burckxnrs begründet Hallen müssen. War man endlich entschlossen, in das serbische Wespennest zu greisen, so mutzte es mit fester Hand geschehen. Wir glauben, datz eine Ausdehnung der serbisck>-östcrretck>i!chcn Differenzen, ein Ueberspriiigen de« Funkens aut die übrigen europäischen Mächte sehr tvohl vermieden werden kann. Die deutsche Regierung hat schon seit der akuten Zuspitzung des Konfliktes keinen Zweifel daran gelassen, datz sic durchaus hinter ihrem österreichischen Verbündeten steht, datz sie aber alles tim wird, was in ihren Kräften steht, um den Konftikt zu lokalisieren, — Die „Kreuzzeitung" schreibt: Die Note entspricht in jedem Pirnkte den Rücksichten, die Oesterreich-Ungarn nach dem 'Attentat vom 28. Juni seinem Ansehen und seiner Würde als Großmacht schuldig ist. Seit dem Sturze der Obrcnowitsch und der erneuten Thronbesteigung eines Karageorgewitsch hat die serbische Polftik einen dauernden latenten Kriegszustand in den Beziehungen des Königreichs zur Donannronarchie lierbeigesührt durch den Umstand, daß Serbien bisher bei allen seinen Provokationen Oesterreichs auf Unterstützung Rußlands rechnen zu können glaubt; das macht cs Oesterreich gebieterisch zur Pflicht, dem unruhigen Nachbar im Süden endlich einmal mit vollem Ernste entgegenzuköten und ihn vor die Frage von Krieg oder Frieden zu stellen. — Me „Deutsche Tageszeitung" führt aus: Wir kürmen ernstlich nicht annehmen, daß irgend ein Staat aus irgend welchen Gründen Serbien den Nacken steifen oder der österreichischen Regierung Sänoierigkeiten machen werde. Wir glauben das am wenigsten von Rußland, trotz alles dessen, was in Rußland während der letzten Wockun laut geworden ist. Dos deutsche Reich kann nur den Wunsch hegen, daß Oesterreich die bekundete Entschiedenheit tveitcr bezeigen möge und daß cs mit allem Ernst und Nachdruck seina Forderungen aufrecht erholte. Es hegt den weiteren Wunsch, daß der Konftikt, wenn er unvermeidlich ist, sich auf die becheni beteiligten Staaten beschränke. Wenn die Beschräickung des Kvn- sliktes wider Erwarten nickst möglich sein sollte, würde das deutsche Reick, seine Bündnispfticht ohne Winkelzüge und mit aller Kraft erfüllen. Die „Germania" meint: Im ganzen zibillüertön Europa würden sowohl *üte 'österreichisch-ungarische Note wie die heutigen (Darlegungen des „Wiener Fremden! tatts" wie die Befreiung von einem schweren Alp wirken. Mit kaum mehr zu bemeisternder Ungeduld habe man daS entscheidende Wort: ,Ais hierher und nicht weiter", erwartet. Jetzt sei es gesprochen und überall atme Man erleichtert aus, nicht nur in der Donaumonarchie, Die Preste in Oesterreich und Italien. Wien, 24. Juli. Die feste Entschlossenheit, welche die österreichische Regierung bei der gestrigen Demarche bekundet hat, ivird, wie aus den Abendblättern hervorgeht, hier und m der ganzen Monarchie mit größter Befriedigung und einmütiger Zustimmung ausgenommen. Die aus der Provinz einlausenden Meldungen stellen übereinstimmend fest, daß der gestrige Schritt allenthalben als eine Erlösung aus der geradezu lähmenden Stimmung, welche sich seit des Serajewvcr Attentats der Bevölkerung bemächtigt hatte, wirkte. Wien, 24. Juli. Me Blätter erklären übereinstimmend, daß die an Serbien gerichtet« Note der Beginn einer Verteidigung, nicht des Angriffs sei, daß sie di« Willens^ feftigfeit der Monarchie zeige, aber nichts von Serbien verlange als das, was es längst aus eigenen Stücken Kur Wahrung seines Ansehens vor Europa hätte tun sollen. Me gesinnte Presse spricht die Hoffnung aus, daß Serbien durch die rasche Annahme der Forderungen Oesterreich-Ungarns jeden Verdacht der Gemeinschaft mit den Mördern abweisen und einsichtsvoll genug sein werde, nicht den Krieg, sondern den Frieden zu wählen. Budapest, 25. Juli. Mr Pcster Lloyd schreibt: Ein Ausweichen ist ausgeschlossen. Wenn die Frist verrinnt, müssen wir ein llares Ja hören: jede pudere Antwott würde als ein klares Nein aufgesaßt werden und die entsprechenden Folgen nach sich ziehen. Selbst die Möglichkeü weitgehender schwieriger Kom- plikattonen kann unsere Monarchie nicht dazu bestimmen, von der Verholtungslinie, die sic sich nun einmal vorgezeichnet hat, auch nur um Haaresbreite ahzuwcichen: mag unser Krieg 'in Serbien lokalisiert bleiben ober nicht, mag biesct Konflikt noch wciter- gehcndc Verwickelungen nach sich ziehen oder nicht, uniehlbar und unverzüglich wird die Monarchie das Schwert ziehen. Rom, 25. Juni. Me Blätter sprechen die Erwartung aus, daß Serbien maßvoll und gerecht die Haltung der Mvrmrchic beherzigen und dem ernsten Zwischenfall eine versöhnliche ftiedliche Wendung geben werde. Der „Popvlo Romano" schreibt, die i Kulturwelt stehe auf der Seite Oestcrreich-Ungarns. Die Fvr- ! derungen der Wiener Kanzlei seien so billig und selbstverständlich, daß Serbien sich ihnen unmöglich entziehen könne. Rom, 24. Juli. Das „Gtornale d'Jtalia" schreibt zur österreichisch-ungarischen Note: Dieser Schtttt hat den ganzen feierlichen Ernst, den die Forderungen haben müssen. 'Daß für morgen Antwort verlangt wird, kann nicht überraschen, denn die von Serbien verlangten Bcrpslichtungen sind zu natürlich, zu berechtigt, NM irgend eine Diskussion zuzulassen. Gerade daß eine solche Diskussion unmöglich ist, gibt die Hoffnung, daß der Konflikt morgen geregelt sein wird. — „Bfta" versichert, daß die diplomatischen Kreise überzeugt sind, daß der österreichisch- serbische Konftikt ans ftiedliche Weise erledigt werde, Tie Auffassung in England. London, 24. Juli. Me „Pallmall Gazette" schreibt: Die i österreichisch-ungarische Note an Serbien zeichnet sich durch die Verbindung von Festigkeit mit Zurückhaltung aus. Es ist unleugbar, j daß Belgrad die Pflanzschule der Verschwörung gegen die Ruhe des I Nachbarstaates ist. Es ist die Pflicht der serbischen Regierung, sich nicht nur selbst von solchen Machenschaften sernzuhalten, sondern : ihnen auch den Schutz ihrer JuttSdiktton zu verweigern. Oesterreich j ist berechtigt, die ftrifte Erfüllung dieser Verpflichtungen zu sordern, ' »nd wir erwarten, daß die Amwott auf ihre Aufforderung auf Sei- ! ten der Regierenden Serbiens die ehrliche Bereftschaft zeigen wird, ! das Land von dieser Anftage zu reinigen. London, 24. Juli. „Westminster Gazette" schreibt über die Wiener Note: Wir wissen nicht, welches Matz von Wahrheit in den Anschuldigungen enthalten ist, aber sie sind bestimmt. Wenn sie erhärtet werden, handelt es sich nicht allein um die Frag« des Asylrechts. Die Beschuldigung ist. daß serbische Beamte direkt darin verwickelt siR>. Wir können nicht glauben, daß Serbien so schlecht ! beraten ist, die Anllagen nicht mit großer Achtung und Ernst zu . behandeln. Wir sagen keineswegs, daß die Anschuldigungen zuge- : geben werden müssen: das hängt von dem Beweismatcttal ab, j über das ein Utteil ab,zugeben wir nicht in der Lage sind. Wir 1 sagen nur, daß die serbische Antwott notwendig eine ernsthafte Er- j widcrung aus ttne Rtthc schwerer Anschuldigungen sein muß. Man j sprach viel von Rußlands Haltung in dieser Frage, aber wenn die in der Note enthaltenen Anschuldigungen substantiiert werden können, j glauben wir nicht, daß die russische Regierung einen sehr erheb- 1 lichen Einsprucki erheben dürste, daß Serbien genötigt sein wird, ' Ocsterrcicki-Ungarn eine Genugtuung zu geben. Hu* StaSt «nv Land« Gießen, 25. Juli 1944. ** T a g e s k a l c n dc r lür Samstag, den 26., „nd Sonntag, den SS. Juli: G e w e r be - A i, s st c l I u n g: Rote-Kre»z-Tag am Samstag. — Sonntag: Konzert der Regtmentskapell« von 4 bis 7 Uhr nachmittags uiid 8—II Uhr abends. Freilichtbühne: „Tie versunkene Glocke', Samstagabend « Ubr. Ceylon-Aus st ellung in. Botanischen Garten. Sonntag geöffnet vormittags von 8—IS Uhr und nachmittags von 2—7 Uhr. Verein ehemaliger IlScr: Sonntag nachm. 3'/, Uhr auf der LiebigShöbe Sommettest. Lichtspielhaus: Täglich Vorstellung. U „ i o n - T h ea I e r: Täglich Vorstellmig. Tte Anlagemusik findet bei guiem Wetter am Sonntag vormillag um II Uhr mit solgendein Svielvlau statt: 4. Hoch niein Regiment I Marsch von W. Kommallein; 2. Oiivertüre zur komischen Oper „Dichter und Bauer' von Ir. v. Suppö; 3. Sei I SStr 'S St s c >cht k- P II im r ' SSt NHi «dt« *««g I 1 °on %« «iS lein« I «04 I fcl »L W s,. * M! ®te. «kt. tat, 1 da 1 sfe üvll- 5Hm. rrmg fu» tatt Ins. der- £ Sodi TO njtit idtnt qegrübt, du mtm schönes Sorrent, Lied von E.Waldman»; 4. Mein Regiment I Marsch von O. Blankenburg. " Bon der Lerndesuniversität. Ter Großherzog hat nach einer lEntschlicßung vom II. d. M. dem Rektor und den Dekanen der GroßherzvMchen Landesuniversität Gießen das Recht verliehen, bei schlichen Gelegenheiten eine aus Talar und Barett bestehende Amtstracht anzulegen. Ucber die Aussiihrungsbestimmungcn .ist noch nichts 'entschieden. " Gewerbe-Ausstellung. Die wegen schlechten WetterS gestern ausgefallene Beleuchtung des AusslellungS. geländeS stndet Montag, den 27. Juli, statt, an welchem Abend auch das Künstler-Waldharn-Quaricit des Kgl. Hos. theaterS in Kassel und der Piston-Virtuose Karl Jahn auf- tritt. — Mittwoch, den 29. Juli, werden wir mit dem Konzert der Regimentskapelle den Künstler-Virtuosen (Carnet u. Pistons Kümmel nochmals hören. Der Männergesangverein, der sür Freitag, den 31. Juli, vorgemerkt ist, wird Sonntag, den 2. August, singen. ** Personalvcränderung. Der bisherige erste Gehilfe bei der Kreis- und Provinzialkasse und Tekanats- kasserechncr bei dein Dekanat Gießen Wilhelm Wißner, von Ober-Ofleiden ist zum Bürgermeistersekretär nach Schotten ernannt worden. An seine Stelle trat der Kasse- gehilfc Ludwig Hartman n von Harbacl,. " R e t t u n g v o m E r t r i n k e n. Ter Postbote Aug Heß, Crednerstraße, rettete beim Baden in der Lasst, den 17jährigen Sohn des Metzgermcisters Hartmann unter eigener Lebensgefahr vom sicheren Tod des Ertrinkens. ** Unfall. Bei den Bahnbautcn zwischen Dutenhofen und Gießen wurde ein jugendlicher Arbeiter, der die Bremse eines Rollwagens bediente, von cineni Wagen erfaßt und ihm das linke Bein gequetscht. ** Neues Verzeichnis der Fernsprechstel- len in Gießen. Im Verlage von Ernst Baiser ist das neue Verzeichnis der Fernsprechstellen in Gießen (Ausgabe Juli 1914) erschienen. Das Verzcichnls bietet sich, wie sonst. m seiner außerordentlich vraklischen Ausführung dar, die das Aussuchen der einzelnen Anschlüsse wesentlich vereinfacht . ** Ein eigenartiger Fleischkrieg. Ein Mebger- meister, der am Mittwoch in Holzbausen v. d. Ö. ein neues Geschäft eröstnete, verkauft seine Waren ,u weit billigeren Preiicil als die am Platze schon bestehende Konkurrenz. Das batte nun zur Fvkgr, das, einige der „alten" Mebgermeüter ihre Fleisch- und Wurstwaren sojort abschlugen, teilweise bis zu 40 Prozent, um den unbequemen jungen Konkurrenten geschäftlich zu erdroftcln. Tas Publikum freut sich des Fleischkrieges und kauft jeweils immer dort, wo es am billigsten ist. ** Kleine Mitteilungen. Beim Ansbessern emer Heizanlage wurde der Maurer Weber in Obererlenbach von giftigen Gasen betäubt. Seine schwachen Hilferufe konnten zum Glücke noch gehört und für alsbaldige ärztliche Hilfe gesorgt werden. — Ter 79jährige Johannes Rieß V. in H eichen - Hain, der 50 Jahre an den Lolzhauerarbeitcn der fiskalischen Waldungen teilgenommen hatte und dafür vom Großberzog am 25. November 1899 das allgemeine Ehrenzeichen „Für treue Arbeit" erhielt, ist gestorben. — ?ln> Donnerstag abend gegen 7 Uhr entstand in dem Anwesen des Einwohners Ehristvvh Schneider in Schönstadt (Kr. Marburg) Feuer Trotz des energischen Eingreiiens der dortigen und der benachbarten Feuerwehren brannte das Wohnhaus und die Scheune nieder. — Die 27jährige Verkäuferin Bender aus Mainz versuchte sich in ihrer Wohnung durch Einatmen von Gas zu töten. Eie wurde bewusftlos autgenmden und von der Samtätswarbe ins Rochus- Hospital gebrachl Dort gelang es, die Unglückliche wieder ins Leben zurückzurusen. Starkonburg und Rheinhessen. rm. Tarmstadt, 24. Juli. In der gestrigen Stadtverort»- netensitzung wurde die Llenderung des OrtsstaMts betr. die Ein- giiartierung beraten. Nach den Satzungen von 1901 war die Qnartierpilicht aus je einen Mann für 140 Mark Gemeindesteuer .festgesetzt. Es wurde vorläufig eine Aendernng des in Frage kmnmenden 8 4 in der Art empiohlen, daß bei einem Mindesteinkominen von 7000 Mark ab für je 115 Mark Ein- kommenftcuer je ein Man» zu übernehmen ist. Kreis Wetzlar. Kr. Atzbach, 24. Juli. Der 17 Jahre alte H. Groh von hier, der seinerzeit in dre Erziehungsanstalt nach Solingen gebracht wurde, ist von dort entwichen und hatte sich zivel Nächte in seiner elterlichen Wohnung ausgehalten. Dann hatte er anscheinend das nötige Reisegeld erhalten und ist in das Ausland abgereist. Hesstn-Nassail. [] Marburg, 24. Juli Gestern übe ist» wurde in dem etwa zwei Stunden von hier entfernten sogenannten Univeriitätsdorf Caldern ein s ch wer es Be rb re ch e n verübt. Seit einigen Tagen hatte man in dem umliegender. Ortschaften einen Man» bemerkt, der sich bettelnd umher- lrieb und die Leute belästtgte. Gestern nachmittag war er in Kernbach und gegen 'Abend kam er nach Caldern. Er bettelte hier in verschiedenen Häusern und kam bei der Gelegenheit auch in das Haus der Familie Lrxfeld, wo nur die Schwester der Frau Lirfcld, Margarethe Da m m, eine verwachsene kränkliche Frau, anwesend war Frau Lirfcld, die in einem Nachbarhause bei der Arbeit half, hörte davon und be.qab sich schleunigst in ihr Hans. Sic lvar gerade Zeuge, wie der Landstreicher an ihrer Schwester ein Verbrechen verübte und nun schnell cnkslichcn wollte. Auf das Geschrei der Frau kamen sofort filachbarn und ergrissen den Unhold. Die überfallene Frau tvar völlig außer Staude, Auskunft zu geben, nach Verlaus einer halben Stunde gab sie ihre» Gei st aus. Der Täter ist ein schon mehrsach vorbestvaster, allem Anschein nach auch nicht ganz normaler Mensch naniens Franz Nvlte aus Langcndvrs im Kreise Kirchhain. Zwei handfeste Leute brachten ihn noch in später Abendstunde noch Marburg und überlieferten ihn der Gendarmerie. Heute früh fand sich bereits das Gericht.cm Tatorte ein. vermischte». * Ein gefährlicher Sport. New slork, 24. Juli. Der Boxer Bill (Englands der am Mittwoch abend hier in einem Boxkampt besiegt worden war, ist an den Folgen der erhaltenen, schweren Faustschläge gestern im Hospital gestorben. Letzte Nnchrichten. 200 Häuser in Flammen aiifgegange«. Wien, 25. Juli. Das „Neue Wiener Tageblatt" meldet aus Krakau: In der Stadt Bursztyn sind zweihundert Däuser abgebrannt. Bier Kinder sind verbrannt, viele Personen wurden verletzt, über zweihundert Personen sind obdachlos. Staditheater Giessen Direktion: Hermann Stcinsoetter. Dienstag, den 28. Juli 1914, abends 8 Nhr: Sechstes und letztes Operettengastspiel des Großherzogi. Kurtheaters Bad-Nauheim. Unter Mitwirkung der Kapelle des hiesige» Jns.-Regis -Kaller Wilhelm' dir. lUi. [8UI1C Nochmalige Aufführung: Kleine Preise! Kleine Preise! Neuheit! Neubcill Mit neuer Ausstattung! JJ i mit fets i ii4 tan. i bet uch rhen rttr« uns m. tbo blicke , bit Bor* M, «i mjni I sii bau M, - las ; btt bat Dt Sw jfmt, t bfS , sich ibra mich btnt, Sei« «ob, t bit it in ünui • be4 )ctin iltcht si >n zuzv l ab, Li> ü!an üin tieb* miib, 1, ntM I an I bit linnd tt«. tun Uhr intnt Hot e tut ,ed Wie einst im Mai" Posse mit Gesang in 4 Bildern von Rudolf Bcrnauer und Rudolph Schanzer. Musik von Walter Kollo und Willy Bredschneider. Kaffenöffnung 7>/, Uhr. Anfang 8 Uhr. Ende 10*/« Uhr. _ Eitudierende geniekett Preisermäßigung. _ Montag;, 27 . Juli, 8 1 /« l'hr, ln Steins Garten: Mitglieder-Haupt-Versammlung Tagesordnung: 8717V Jahres- und Kassenbericht. Vorstandswahl. S. k.k. und k. S. k. Die Kameraden beider Wehren werden mit ihren Angehörigen zu dem am Dienstag, de« 28. Juli, abend» 8 Uhr, in der Gewerbe-Ausstellung, „Alt-Hessen" stattsindenden allgemeinen Familienabend verbunden mit Konzert der Fcuerwehrkäpelle und sonstigen Darbietungen kameradschaftlichst eingeladen. Der Eintritt ist von 7 Uhr ab sür Feuerwehrleute in Uniform und für die in deren Begleitung befindlichen Angehörigen frei. 87beo Die Vorstände. Ab heute Samstag bis inkl. Dienstag Die große Filmsensation ! Die Katastrophe im S Tunnel | Aufsehenerregendes Schauspiel in 3 Akten and das übrige Olanzprogramm! Mar. Schöne Aussicht Sonntag, den 26. Juli 8722 Tanzmusik im Freien I wozu ergebenst einladet _Karl Meister. Sängerkranz. Morgen Sonntag, den 26 . Juli Steins Garten. Anfang 7 '/. Uhr nachmittags. 8739 d Der Vorstand. weih z. bleich, wird i.d.ZaHn 1echn.Rundsch.,C Hlorodont' lgesetzl.gesch.» warm empsohl. Herrlich erfrisch. Zahnpasta, a. acfl. üblen Mundgeruch u Zch litt seit einem Zahr an Pickeln und Zahnitemansatz, garan.unsch. s. d. Schmelz. Tube;",0 u.\J(. Probetube grat. Ueb. crhältl. .....rsdiapofh., Frankl. Str. a. <6716ss) garantiert rein, von feinst.Aroma kaufen Sie preiswert in der Med.-Drogerie z.Kreozplatzj Inh.: O. Winterhoff 8761] Kreuzplatz 9. iiifiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiirmiiiiiin'iiiiiiiiiiiiiüiifiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii Amerikanischer Kunstfllm in 3 Akten. Ein wunderbares Drama aus den Urwäldern Kanadas, von jenen Stätten, wo weiße Ansiedler vereinzelt unter den Rothäuten leben. Dazn das durchweg glänzende nene Schlager - Repertoire! Brunnenbau j Bohrungen und Pump-An lagen billigst. 81 . 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