Kr. J65 Der Siebener Anzeiger erscheint läglich, anßer Ssnntags. - Beilagen: viermal Ivöckieniljch EirtzenerZamkOendtätter; -wennalmöchentt.Keeir. db>N sürden Kreis Sietzen (Dienstag und Freilag); zioeimal inonall land- wirißha stvche öeitsragen Ferniprcch - Aiiichlnfie: iür dt« Redaktion 112 , Bering ». Expedition LI Adreff« inr Depeschen: Anzeiger «Liefen. Annahme von Anzeige» iür die Tagesnummer bis vormittags 9 Uhr. Erstes Blatt 1H Jahrgang Mittwoch. 15. Zuli X9H Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Rotationsftrxf und Verlag der vrühl'schen Unio.-Such- «n» Steindruckerei N. Lang«. Reöaltion, «rpcöition und vruckerei: Schulftratze 7. TvigmÄl? »? räch Ve^ug»preiS: monatlichTö Pf., viertel« jährlich 9JK. 2 . 20 ; durch Abl ole- il Zweigstelle,r monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk. 2.—viertel« jährl. ausschl. Bestellq. Zeilenpreis: lokal 15Ps^ auswärts 20 Pfennig. Chefredakteur: A. Goetz. Perautwortlich für den polit. Teil: Aug. Gocg; für ,Feuilleton^, ^Vermisch t es ^ und^Gerrchts- faal": Karl Neurath; für .Stadl und Land- Die heutige Nummer umfaht 10 Seiten. Die Schwäche der französischen Uriegroerwaltung. . 7 ^, irtmzösifchen Senat hat der Berichterstatter des Haiinmissckmsses, Charles Humbert, bei der Beratung des Gesetzentwurfes, durch den der Kriegsminiftier und der Ma- rineininifker ö» einmaligen Ausgaben für die Bedürfnisse I “?I! ntI * n Verteidigung ermächtigt werden, in zweistündiger Rede erne vern ichtende Kritik an der Kriegs- Es lhnidclt sich um den Sondcrkrcdit von .K 0 Mrittonen, der zur Ausführung des Dreijahrgesetzes ocwttligt werden soll und den die KXrmmer bereits am letzten .4f TO '5 r ^ 4 ! 2 3 nr4t Üsgen 206 Stimmen genehmigt hat. -“w® «r Senator Humbert vorgebracht hat. ist an sich nicht neu un4> sl>tm 7 l>l in der Kammer als auch in dar Presse schon mehrfach erörtert worden, aber die Zusammcnsassung und die kritlschc Durcharbeitung des Materials mit steter Berücksichtigung der deutsciten Scstlagsertigkeit ist neu und hat darum verblüffend und eindringlich gewirkt. Die Enthüllungen des Herrn Charles Humbert waren erne Seufatign für die sonst so ruhige erste Kammer und das ganze französische Bott. Mer auch überall in der Welt sie großes Aufsehen erregen. Hat man doch geglaubt, voß Frankreichs Rüstungen - wenn auch nicht lückenlos — fast erstklassig seien, lind nun kommt Mr. .Humbert, der ehc- nralig r Offizier, und reißt den so mühsam geivahrten Schleier In rav. Er erhebt noch nie gehörte Anklagen und Vorwürfe gegen die Heeres- und Kriogsvarwaltung, deckt Fehler über Fehler auf, sagt, das; Mängel und Lücken überall beständen, daß die Organisation schlecht sei und daß Frankreich einfach unfähig zur Verteidigung gewesen wäre. Schonungslos ging Humbert. der es im aktiven Dienst zivar nur bis zum .Haupt,nanu gebracht hat und dann wegen einer Meinungsverschiedenheit mit seinen Vorgesetzten den Abschied ncütm, um als Atilitärschriftsteller für Frankreichs Heer zu wirken, mit der Heeresleitung ins Eiericht. Daß diese vernichtende Kritik des sachkundigen Senators nur die Wahrheit enthielt, darf füglich nicht bezweifelt werden; denn es findet sich niemand in Frankreich, der es unter- irimmt, ilM zu widerlegen. Nicht ein einziges Blatt versucht die Lücken abzulcugnen, keines versucht zu beschönigen oder einMschränken. Das alleruiuingenehmste für Frankreichs Regierung aber ist, daß diese Enthüllungen in dem Augenblick trnnmen. >vv sich der Präsident der Republik anschickt, den „befreundeter; nnd Verbündeten" Zaren zu besuchen, jenen Bundesgenossen, den man seit Jahrei; immer auf die Bereitschaft Frankreick)s hinweist und von ihm verlangt, sich ebenfalls erzbcreit zu rüsten. Die wuchtige Anklage verfehlte ihre Wirkung nicht: Kriegsministcr und der schleunigst herbeigcrufene Ministerpräsident waren ratlos und verlegen. Sie mußten um Frist zur Antwort bitten und nur durch das erregte Verlangen Clemcnceaus wurden sie beivvgen, schon nach 24 Stunden Rede und Antwort zu stehen! Und wird das, was sie sagen können, Öumberts Behauptungen abschwächen, wird cs das fehlende-Vertrauen des französischen Volkes zu seiner Kliegs- vernwltung wieder Herstellen? Es handelt sich nicht nur um Fehler und Nachlässigkeiten, sondern um Organisations- schler, und diese sind am schwersten zu finden; sind sic ober gefunden, so lassen sie sich nicht von heute aus morgen beseitlgcn. Für uns aber ist cs Pflicht aus der Senats- debattc hervorzuhebcn, mit welcher Unverfrorenheit und Un- geniertheit man im französischen Parlament über den „Krieg mit Deutschland" spricht. .Herr .Humbert redete skrupellos und phne Taktgefühl von der Ueberschrcitung der Mosel nnd des Rheins und Clemencean hieb in dieselbe Kerbe. Wir sehen daraus, daß die Revanche-Idee noch lange nicht verschwunden ist und daß in Iveiten Kreisen des französischen Volkes noch inimcr die Hoffnung besteht, in einem günstigen Augenblick den Angriff aus uns zu wagen. Wenn auch das Dreijahrgesetz, so führte der Senator Humbert im einzelnen aus, den; Lande die „ottveridige Zahl von Soldaten gegeben habe, so seien doch große Anstrengungen notiveildig, um ihre materielle Organisation zu verbessern. Er wies vor allem darauf hin, das; dos Material der Fcldartillcric imincr mehr gegenüber dem deutschen ins Hintertreffen gerate. Auch fehlten der französischen Armee Offiziere. Das Bedürfnis nach ihnen liege klar zutage und sei jetzt anerkannt Deutschland verfüge über erstklassiges Material. In Frankreich habe man für viele Geschichte zum großen Teil Granaten aus Gußeisen. Die französische Haubitze entspreche nicht mehr den Anforderungen des Krieges und sei ersichtlich gerin g wer ti- ger als die deutsche Der Redner war) dann der Heeres- Verwaltung vor, daß sic aus den Fortschritten der französischen Industrie keinen Nutzen gezogen habe. Tie Festungs- iömnwudanten forderten seit langen Jahren eine Vermehrung ihrer Bestünde und den Umtausch des alten Materials gegen neues. Sie forderten auch die Verteilung der Granaten über mehrere Plätze. In dieser Hinsicht sei jedoch nichts geschehen. Die Granaten würden nach wie vor in einem einzigen Magazin aufbcivahrt. Es.sei nicht genügend Geschütz m n n i t i on vorhanden, cs schle auch an anderen A u s r ü st u n g s g e g c n st ä n d e n, darunter 2 M i l l i o - ncnPaarSchuhe. Man verfüge gegenwärtig nicht über das notwendige Material, um die Bdosel oder den Rhein zu überschreiten. Die Forts und Befestigungen zwischen Toni und Verdun seien seit dem Jahre 1875 nicht verbessert und könnten nur einen ungenügenden Widerstand leisten. Ter Eindruck, den die Einnahme eines dieser Forts zu Anfang eines Krieges auf das Land machen würde, sei nicht äbzusehen. Humbert wies dann darauf hin, daß Deutschland im Gegenteil alle seine Werke an der Grenze in die Lage versetzt hätte, ihre Aufgabe zu erfüllen. Tue Befestigungen seien dort den Fortschritten ans dem Gebiete der Belagerungs- artillcrie angcpaßt. Metz würde nicht beschossen werden können, ehe nicht die erste Befestigungslinic, welche l2 Kilometer davon entfernt sei. genommen wäre. Die vom Parlament geforderten Millionen seien umsonst aus- ausgegeben worden. Das französische Militärflugwesen, das anfangs einen Vorsprung gehabt habe, sei v o n Deutschland schon bedeutend überflügelt, gerade so wie es mit der Verproviantierung sei. Die Kriegsminister wechselten zu oft und seien über die ihnen unterstcheiwen Dicnstzweige schlecht unterrichtet. Auch die F u n k e n t e l e g ra p hi e sei gegenüber Deutschland durchaus minderwertig. Kriegsministcr Messimy erklärte, daß er nicht auf die einzelnen von Humbert angeführten Tatsachen antworten werde, man hätte ihn vorherbcnachrichtigen müssen. Clemencean unterbrach den Kriegsministcr, indem er sagte, daß es indessen notwendig wäre, darauf zu antworten, dä das Land das Recht Hobe, zu wissen, oo. das Geld gut oder schlecht ausgegeben worden sei. Es seien sehr schwere Tatsachen vorgebracht worden, darauf müsse geantwortet werden. Kriegsminister Messimy erklärte, daß die Mehrzahl der Tatsachen einzeln für sich genommen, richtig sei, wenigstens als Ausnahmen, aber nicht in der Art, wie sic dargestellt worden seien. (Zwischenrufe.) Clemen- ceau unterbrach den Kriegsminister abermals und erklärte, der Senat könne nicht Kredite bewilligen, ohne alle gewünschten Aufklärungen erhalten zu haben. Der Kriegsminister erklärte aufgeregt, daß die französischen Airsgaben für Ausrüstung stets geringer gcivesen seien als die deutschen Man dürfe die Heeresverwaltu,g nicht verantwortlich machen, da sie von derFinauzuerwaltung Befehle erhalten habe. (Clemencean rief: Unter diesen Umständen ist keine Ordnung möglich. Wir werden weder geschützt noch regiert.) Der Kriegsministcr fügte hinzu, daß man sich bei allem Bedauern über die vorgebrochtcn Kritiken doch zu der heutigen Debatte beglückwünschen müsse. Das Land müsse wissen, d>rß es große Anstrengungen machen niüssc, um seine Ausrüstting zu verbessern. Er zweifle nicht an dem Eifer der Mitarbeiter des Kriegsministers, aber die Ergebnisse, zu denen sic gelangten, seien beunruhigend. Clemencean sagte: .Wir weigern uns die heute geforderten Kredite zu bctvillige». Das Parlament muß sich erhebe» und handeln. Ich fordere von dem Ministerpräsidenten, das Parlament in einigen Tagen znsammcnzuberufrn. Die Wahrheit muß unverzüglich bekannt iverden. Ter Kriegsministcr muß uns vollständig die Lage cwscinandcr- setzcn und uns die Mittel zur Besserung angebcn. Die Diskussion muß darum in einigen Tagen von neuem ansangen. Anstatt die Kredite abznlehncn, fordern wir cinsack) eine Verschiebung der Abstimmung. Der Dtinisterpräsident Viviani entschuldigte, sich damit, daß er überrascht worden sei. Der Senat köimte die Regierung zu Ausgaben ipährend der Ferienzeit crmächttgcn. Wenn diese Maßnahme nicht angenommen werde, werde Viviani sich dem Senat zur Verfügung stellen, um ihm die Anttoort der Regierung zu Überbringer,. Clemencean verlangt, daß der Heeresausschuß während der Ferien eine Untersuchung über die aus der Kammer« tribüne vorgcbrachten Tatsachen veranstalte und btzim Wiedcrzusammentritt des Senats über das Ergebnis der llntersuchung Bericht erstatte. Ministerpräsident Viviani erklärte: Wenn wir auch gegenwärtig das notivendig« Material noch nicht haben, wird es doch augcnblicktuh ausgeführt. Man dürfe nicht eine ungerechtfertigte Beunruhigung Hervorrufen. Frankreich habe seit 44 Jahren eine bewundernswerte Krastanstrengung unternommen und sei fähig, sich seiner Geschichte würdig zu zeigen und dem Geschicke die Sttrn zu bieten. Der Senat nahm hierauf einen Antrag an, der die Heereskommission beauftragt, chn; bei seinem Wiederzusanrmcntritt einen Bericht über die Bc- jchafsenheit des Kriegsmaterials vorzulcgen. Dann wurde der Entwurf für die einmaligen Ausgaben des Heeres und der Marine mit aflen Stimmen der 281 antvesenden Sena- toren lm ganzen angenommen. Die Kammer nahm mit 373 gegen 126 Stimmen das Budget im ganzen au mit einigen Abänderungen, die seine Zurückverweisnng an den Senat notwendig inachen. Die Erklärung des Kriegsministers. Paris, 15. Juli. Im Laufe der gestrigen Debatte erklärte Kriegsministcr Messimy, daß ihm daran liege, dem Senat die nötigen Angaben zu machen, und daß er keinen Fehler beschönigen wolle, woher er auch komme. Er erkenne an, das; man in der Vergangenheit nicht alles Notwendige getan habe, es habe aber keine Milliardcnvergeudnng stattgcjundcn. Bon 1900 bis 1905 habe man viel weniger ansgegeben, als Deutschland. 1915 werde nian in Frankreich 3020 Äaiwnen haben, gegen 3370, die Dcntsch- land gegenwärtig besitze. Munitionen seien in genügender Menge vorhanden. Frankreich befinde sich nicht Deutschland gegenüber in einem Zustand der Unterlegenheit. Düs französische 75 mm- Moterial sei dem deutschen überlegen. Frankreich habe für die Vermehrung seiner Munition bedeutende Summen ansgegcben; der Bestand werde am Ende des nächsten Jahres sich gegenüber Ende 1908 verdreifacht hoben. Für die schwere Artstlcric würden gegenwärtig erhebliche Anstrengungen gemacht. 105 mm-Ka- nonen von 12 Kilometer Tragweite seien im Bau. Frankreich würde nächstens 120 mm-Kanoncn von 13 Kilometer Anzengruber. von Or. phil. Anton Büchner. Das Drama vom Kirchfelder Pfarrer war das erste, das der Wiener Ludwig Anzengruber aus eine Wiener Bühne brachte. Es siebt mn Anfang einer langen Reihe von Bühnenwerken nnd ist nicht ihr bestes, aber charakleristtsch genug für das Wesen des Dichters. Schon hier die Doppelung: Künstler und Preoiger. Die Tendenz ist Absicht. Von Anbeginn seines draniatiichen Schaffens hatte Anzengruber den Willen, die Wiener Volksbühne seiner Zeit.und, mir ihr und durch sic, das Volk zu rciormieren: er erkannte das als seine „Mission" an der er festhielt trotz bitteren Zweiiels, hättestcr Nöte und ttübster Enttäuschungen. Es liegt direkte, scharfe Tendenz gegen die Bevormundung einer in lebensfremden .Satzungen altgcwordenen Kirche im „'Pfarrer", der vor allem das Stück bei'öem Publikum bon 4870 seinen Erfolg verdankte, dessen Interesse und Anteil an klerikalen Problemen dbrch die Erklärung des Unfchlbarkcitsdogmas neuerdings emporge- schncllt waren. Uns greift diese Tendenz nicht mehr in gleichem Maße an: wir erkennen vielmehr, daß sic die Aeußerung eines .Wahrheitsdrängens ist, das der Dichter auf allen Wegen betätigt. Sein Kamps ist im weiicrcn Sinn der der Menschheit und Menschlichkeit gegen die Unmcnschlichkcit. Er liebt die Menschheit in ihrem ttzerrngften und gllanbt, baß in Alle das Gute gelegt ward. Die Ver- hälttfiise haben sie gemodelt; die Einrichtungen sind cs, politische wie soziale, Gesetze nnd moralische Satzungen, die zum weitaus größten Teil die Schuld tragen an den Verschlungen der Menschen. 'Darum kämvlt er gegen sie an. Bor der Entwicklung begeht kein Zustand. — Anzengruber hat schon nach dem „Psarrer" die iGcgenschläge der Kirche erlebt, die aus alle Weise die Wirksamkeit des unliebsamen Dichters zu unterbinden juchte. Nicht mit dem Erfolg, den sic sich wünschte: Anzengruber ließ sich von der Seite aus nicht beirren nnd nur wegen der unausgesetzten Widerstände einer kleinlichen Zensur vermied er mm älter direkte Tendenz. Aber in einer ganzen Reihe der späteren Dichtungen, dramatischen wie episä>en. liegt der erzieherische (tzedanve, in allen ihres cochöp- fcrs große Liebe zu allem LebendiMN, die sich erhebt bis zur An- orkennung der absoluten Morallosigkeit, wenn sie nur beittägt zum.Werden der Welt. Es ist keine Unmoral, sondern Frrnssin jeglichen Gewissens in der Skernsteinhosbäuerin: der Dichter zeigt das unbeirrt gradlinige Zielstreben einer von Rücksichten unbeschwerten Persönlichkeit. SkrupeUos wie Ibsens Frau Socrby steht sie im Leben und zwingt den ärgsten Feind zum Zeugen ihres Wertes, — Ta ist der Künstler vor den Prediger getreten wie in so vielen Gestalten der endlosen Reihe, die ihn zum Schöpter haben. Man denke an so absolut einzige Menschen wir Dusterer und die Bäuerin vom ledigen Dos; aber auch wo sie Träger der Weltanschauung des Dichters sind, >vie der Steinklovscrhannes, steht unser Anteil an ihrem Leid, an ihrem lebendigen Wesen breit vor dem, was sie etwa künden sollen. Das ist schon im „Psarrer" so: .die blasse, fast nach Schablone gemalte Figur Hells gewinnt Leben, wo der Zwist von Liebe und Pflicht ihn erregt, der Wurzel- scpp, halb ein technischer Behelf, ist die erste der in Charakteristik unvergleichlichen Leidmsgsitalten aus dem Volke geworden, Vetter eröffnet die Reihe der mit Meisterhand geschaffenen Episodisten, Aunerl Und ihr Liebster zählen zu den blutvollen Kindern aus dem Volle, denen der Tichtcr, der nicht immer an Sentimentalitäli oorbeikam, ihr natürlichstes Empfinden gelassen hat. — Es ist hier nicht möglich, von technischen Dingen des „Pfarrers" zu reden, wo sich erweisen würde, daß ?lnzcngruber schon hier Eigenheiten seiner svätercn Kunstübung zeigt, er, der sich nie völlig »on den Fäden einer autogenen Wiener Tradition sreigcmacht hat; cs ist auch nicht Raum, auch nur in gedrängtester Kürze zu zeigen, wie er als Bauernmaler eine Epoche eröffnet; nicht mehr in alt- geübter Weise den Bauer nur als Kontrastsigur gegen Stadt und Adel cintührt, sondern Probleme im Bauernstand selbst autrollt: statt dessen hier ein paar Worte, wie wir zu seinen bäuerlichen Gestalten zu stehen haben. Früh schon hat man, ohne das ungemeine plastische Vermögen dieses Bildners bezweifeln zu wollen, einen bestimmten Mangel an Naturwahrheit seiner bäuerlichen Personen empfunden nnd damit ein Bekenntnis des Dichters angeregt; Daß es gar nicht seine Absicht gewesen sei, naturwahrc Banerngcstalten zu schaffen, sondern solche, wie er sie brauche, um das darzustcllcu. was er darzustellen habe. „Natürlichkeit" wäre kein Maßstab für die Geschöpfe eines Dichters, die nur im Zusammenhang seiner Handlung wahr sein sollten. Und er steUte Bauen, überhaupt nicht darum dar, um uns mit ländlichen Szenen zu ergötzen, oder gar „in der spekulativen Milcht, einer mehr und mehr in die Diode kommenden Richtung zu huldigen" (1884), sondern weil ihm die einfachen unoerschnörkeltcn Naturen leichteren Zugang zum Menschlichen zu gewähren versprachen. Eine Frage des Stils also, ein „Behelf" zum Nutzen der Kunst! — Die gewaltige Kraft des Dichters hat es gefügt, daß wir gebannt vor dem Lebcnsrcichtum seiner Figuren stehen, vor der Masse charakteristischen Details, vor der Intensität der Anschnuung, und uns nur mühsam daran gewöhnen wollen, daß der Lederhosenpoet cill — Stubenhocker war, dem, in den Tabaksgualm der Ar- ücüsDiüe eetzüllt, die Phantasicgcfilde mit Leben sich bevölkerten.! Anzengruber war kein Zettelkasten, beileibe kein Wanderdichter, der sammelnd, beobachtend zu seinen Gestalten bordcang, — ihm brach bet der Abbreviatur eines Wortes, einer Gebärde, der Blür ins Herz eines Menschen und seine machtvolle Phantasie gab ihm all das, was dem Betrachter so leicht als Frucht der Empirie erscheint. — Ein unvergleichliches Zeugnis ist dieser Dichter für die geheimnisreiche Gnade der Muse! - Ein neues Gemälde von Michelangelo. In englischen Kunstkreisen erregt die Entdeckung eines Bildes, das von Kennen, Btichelangclo zugeschrieben wird, großes Anffehcn. Es handelt sich um eine Darstellung der Srene, in der Christus dem ungläubigen Thomas seine Wundmale zeigt: der Heiland und Thomas stehen im Vordergrund, im Hintergrund gewahrt man sechs weitere Gestalten. Tic Figuren sind fast lebensgroß. Der gegen, wärtigc Eigentümer des Werkes, Mr. G. H. Dutton aus Chester, kaufte das Bild, ohne seinen hohen Wett zu kennen. Seit mehr als 80 Jahren befand sich das Werk im Besitze einer in Chester alteingesessenen Familie, die dem erttbten Stücke kttne Bedentn,^ zumaß und es schließlich in einem Möbclschuvpen unterbringcn ließ. Der Besitzer wurde cs müde, regelmäßig Lagergeld dafür zu entrichten nnd ließ das Bild zusammen mit allerlei Trödellvare versteigern. „Mir gefiel das Bild", erzählt Dutton, „und ich hatte das Gefühl, cs müsse doch einen Wert haben. So etttand ich cs denn — säst umsonst. Ich zeigte cs dann einer Rnhe von Kunst- verständigen, denen sofort die Verwandtschaft mit der Arbeitsweise Michelangelos auffiel." Das Gemälde ist am Boden etwas angcbrannt, und man verMut«, daß es in den Tagen der Revolution aus einer französischen Kirche geretttt wurde. Dutton sind für das Gemälde bereits 200000 Mk. geboten worden, aber er hat diesen Vosichlag abgelehnt, da er glaubt, erheblich mehr erhalten zu können. — Amundsens Polar ex pcdition. „Peterm. Mitt." zufolge hat das Iwrwegische Swrthinq für die geplante Nordpolar- expedition von Kapt. R. Amnndsen die Summe von 200000 Kr. bewilligt, wodurch das wegen mangelnder finanzieller Grundlage aus das Jahr 1915 verschobene Unternehmen gesichert ist. Hoffentlich gelingt es setzt, die notwendigen Ausbesserungen des „Fram" so zu beschleunigen, daß spätestens Anfang Juli 1915 die Aus- fahrt vm, San Francisco angettcten werden kann, damit die Sommermonate noch möglichst zum Eindringen in den Arktischen Ozean nördlich der Bcnngstraße ausgcnutzt Iverden können. Iragwit« ljnbeit Der Minister wies tvauiut Sin, daß die Kredit« für die sctiwere Arlülenc btpc'tttend er- twlst, und daß betrctrhtsiche Verdessecutpren erreicht sein» Messim» iuhr irrt: Jilr die 'Ausrüsttmg der Genietruppen gaben l»ir i» de» Jahren 1900 bis 1911 100 Millionen ans, vgenüber 400 Millionen, die Deutschland dasür ausgab, Deutschland bat »or Frankreich einen acwaltigen Vorsprung, aber seit 1912 hat Frankreich seine Ausgaben hierfür ertwlü Das gegenioärtige Pro gramm wird Frankreich zahlreiche Verbesserungen erui den Eü- bietcn der Feld und Festungsartillerie, sowie der Küstenverter dlgnng und auch der Fußbekleidung bringe». Wir.haben ztvar den Vorsprung tun unseren Naätbarn noch nicht eingeholt, wir haben aber alles getan, ivas menschenmöglich war, um die Fehler wieder gut zu machen, die in unserem Lande begangen wurden, das sich in einem Traum von einem allgcnveincn Weltfrieden wiegte, nach den Ereignissen von Agadir aber erwachte. Nach 19U wurden große Kraftanstrengungcn unternommen. Ich bitte den Senat, die verlangt«» Kredite zu bewilligen, die einen Beweis für das Er wachen der Nation mid für ihren Willen sind, die Verteidigung »es Landes zu gewährleisten, Preffeftimmen. Paris, 14, Juli, Die Enthüllungen des Senators Hnmbert über den Zustand des französischen Kriegsmaterials und die daran geknüpfte Aussprache haben im Parlament und in der Presse das größte Aussehen hervorgerusen. Es heißt, daß das Ministerium heute vormittag nach der Truppenschau von Longchamvs eine Beratung abholten werde, in der die Erklärungen festgesiellt werden sollen, die der Kricgsmiuister und der Ministerpräsident nachmittags im Senat abgeben werden. In Rcgierungskreisen gibt man sich der Hoffnung hin, daß die Darlegungen der beiden Minister den Senat bestimmen werden, die geforderten Kredite zu bewilligen, wenn auch mit dem Vorbehalte, daß die ganze Angelegenheit beim Diederzusammentritt des Parlaments im Herbste eingehend erörtert werde. Der Zustand des Kriegsmaterials dürfte heute auch in der Kammer zur Sprache gelangen, da der bona- partistische Deputierte Lasies beabsichtigt, an den Kriegsminister eine Anfrage über die gestrige Senatsaussprache zu richten, Jaures schreibt in der „Humanitä": Wußte denn der Senat nicht, daß die Militärverwaltung schoblonenbast und ohne jede Voraussicht arbeitet? Hat der Skandal des Dreijabrgesehes, das nur die von den Bureaus des Kriegsministeriums begangenen Fehler verhüllen soll, nicht genügt, um dem Senate^die Augen zu öffnen? Die Enthüllungen Hnmberts haben aus die Senatoren wie die Ervlosion einer Bombe gewirkt. In der Kammer sind schon viel schlimmere Tatsachen enthüllt worden, aber man wollte nnftt hören und nicht begreifen. Diesmal sedoch scheint der Senat ausgerüttelt worden zu sein. Ein Defizit von einer MiNiarde, dos amtlich in der Kammer eingestanden wird, die Zerrüttung unseres ganzen Verteidigungsshstems, die im Senat verkündet wird, ohne daß die Minister das Land sofort beruhigen können —• dahin ist es mit uns gekommen! Soweit hat die seit einigen Fahren betätigte rückschrittliche Militär- und Kolonial- volitik Frankreich gebracht! — Der „Radical" schreibt: Zwei Stunden lang hoben die Senatoren die furchtbarste Anklagerede gehört, die jemals gegen den großen Generalstab gehalten wurde: denn niemand kann hätte inehe leugnen, daß nur der große Generahstab an den Fehlern und nnglaublichen Nachlässigkeiten die Schuld trag«, welche Humbert enthüllt hat, — Der „Gaulois" sagt: Als wir Konservativen ans die Gefahren hinwicicn, hat man uns nicht glauben wollen: beute stößt einer der Führer der remiblikanischen Partei den Alarmruf aus Welche Antwort wird die Regierung daraus erteilen? Diesmal können wir uns nicht mit unbestimmten Erklärungen begnügen: wir verlangen hie Wahrheit, die ganze Wahrheit, — Der „Figaro" schreibt: „Wir sind also weder verteidigt, noch regiert," ries Elemenceau ans, Dieter Zwischenruf kennzeichnet das ganze System, Die radikale Politik, die mit ihren Mehrheitskombinanvnen und ihrem Berwaltnngssanatismns alles vernachlässigt, was nicht Partei- imd Dablangelegenheit ist, ist fn der gestrigen Senatssißung endgültig gebrandmarkt worden, — Ter „Eclair" bemerkt zu den gestrigen Senatsdebatten: „Die Enthüllungen des Herrn Humbert, die durch das Einschreiten Elemcneeaus verschärft tvurden, tragen zur Verschlimmerung der gegenwärsigen Verworrenheit wesentlich hei. Inmitten dieser Unordnung tritt der Präsident der Republik morgen seine Reise nach Rußland an. Sein Ministerpräsident, der ihn begleiten sollte, wird durch Parlamentsdebätten zurückgebalten, welche in einen wirklichen Streit über den wahren Wert der französischen Armee und ihr Rüstzeug ausartcn. Welch bedauerliches Mißgeschick und welches Vorspiel zu dem diplomatischen Akt, der sich in diesen Tagen in, Rußland vollziehen soll," Die große Trnppeirschan. Paris, 14,Juli, Die anläßlich des Na ti o ncrlf e st - tag es abgelsaltene Parade war von glänzendem Wetter begünstigt Eine migehenre Menschenmenge tvobnte ikrr bei und begrüßte den Präsidenten Pvincare durch begeisterte Zurufe, besonders, als er verschiedenen Regimeuteru die ihnen bestinruiten Fahnen übergab. Das Fliegergeschwader führte über dem Paradefeld Flüge aus. Um 10,20 Uhr kehrte Präsident Poincars ins Elpsöc zurück: es ereignete sich kein Zwischenfall, der Präsident wurde lebhaft begrüßt. fjaitfi kneift. Kottbns, 14. Juki, Der Kalmarer Karrikfltnrist Wä l tz, genannt Hansi, der sich zum Antritt seiner Strafe bis heute abend 7 Uhr im hiesigen Zentralgefängnis stellen sollte, ist nicht erschienen. Dem Kolmcrrcr Gericht ist ein Antrag zugegangen, bei Nichtstellnng des Zeichners Waltz die Beschlagnahme des gesamten im Fnlande vorhandenen Vermögens HansiS anszusprechcn, Tire von Hansi gestellte Kantiom ist von Verehrern und Freunden Hansis znsammengcbracht Wörden und zwar znm größten Teil pfennigweise, da die Geber meist selbst vermögenslos sind. Infolgedessen erlassen die Kautions- stellcr einen Aufruf an Hansi zur freiwilligen Rückkehr ans Frankreich. Die gegen Honst noch, schwebenden Ermittelungsverfahrcn beim Kvlmarer Gericht nehmen ihren Fortgang. Hu» Stabt unb Catid. Gie ßen, 15, Juli 1914. Das Luftbad. Die mild« Sommerluft ladet wieder zu fleißigem Gebrauch dieses natürlichsten Bades ein. Daß das lange vergeben gewesene Luftbad sich früher bei einzelnen Äerzien und Laien großer Beliebtheit erfreute, dafür einige Belege, In einem 1804 erschienenen Schriftchen „Heber den Wert des warmen Badens", von Dr, I, I, Günther, findet sich auch ein Abschnitt über das Luftbad, dessen Notwendig keit der Bersafler sehr richtig mit der damals noch wenig bekannten hantatmung und der entgifteten Tätigkeit der Haut begründet. Er bezieht sich unter anderem auf den englischen Pädagogen Locke, der geraten habe, den ganzen Körper zum Angesichte umzuscliaflen, weil es nur von uns abhange, jeden Teil unseres Körpers so an alle Berände rungen der Luft zu gewöhnen, als es das Gesicht und die Hände sind, die man von Jugend auf allen Einflüssen der .Atmosphäre, ohne die niindesten üblen Folgen, anssetze, .Günther rät daher, mau solle die Kleinen täglich einige Stunden das Luftbad genießen lassen, dt h, sie entlveder nackend oder mit einem weiten offenen und ganz kurzen Hemde, ohne Strümpfe usw, herumtragen oder laufen lasten, anfangs in einer wärincren, und nach und nmh. auch in der freieren, kälteren Luft der Atmosphäre. Das Kind siihle bald ielbtz so jphr das Behagliche einer solchen festellvssc Wirksamkeit seiner ganzen Oberfläche, das: es nichts so sehr wnnsckse als dieses. In der übrigen Zeit sorge man daflir, daß die Kleidung dem freien Spiele der (Äieper keine Fesseln anlege. Die Knaben lasse man erst spät und imsite Hosen tragen. Zum Schluß führt G, eine Acußernng B, Franklins über dcis Luftbad an, .»Ich l»abc es —• sagt dieser — für meinen Körper immer angenelzmer gefunden, in kalter Luft zu baden. In dieser ?lbsichl stelw ich fast jeden Morgen frühe ans und setze mich ohne alle Bekleidung, je nach der Jahres zeit, eine halbe oder eine ganze Stunde, in ein Zimurcr, wobei ich lese oder schreibe. Dies Verfahren ist nicht im geringsten unangenehm, im Gegenteil für das Gcfichl sehr behaglich, und, wenn ich mich hernach, wie bisweilen geschieht, wieder zu Bette lege, ehe ich mich anklcide, so mache ich zu meiner Nachtruhe noch eine Zugabe von zwei oder drei Stunden des süßesten Schlafes, den man sicl>. denken kann," ** Tageskalcnder für Mittwoch, 15. Juli: Gewerbe Ausstellung: Konzert der Regsineulskapelle 8—11 Uhr. Um 10 Uhr bengalische Beleuchtung. Trinke r-Fürsorgeßelle für Stadt und Landkre>S Gießen, Wietzen Asterweg s, Sprechstunde jeden Donnerstag abend 0 bis 77, Uhr. ** Eine Zusammenstellung über die Zunahme an Wohngebäuden im Großherzogtum Hessen in dem Zeitraum von 1800—1912 ist dem Antrag Grünewald betreffs der ans dem Jmni obilienverkehr ruhenden Lasten bei- gegebcn, der bekanntlich in der verflossenen Landtagssession nicht mehr zur Verhandlung kam. Hiernach bildete das Jahr 1906 mit 2795 Neubauten, dem das Jahr 1902 mit 2784 nahezu gleich kam, den Höhepunkt der Bautätigkeit, während das Jahr 1910 nnt nur 2234 Neubauten den Tiefftand darstcklt. Im folgenden Jahre fand dann wieder ein Anwachsen um 241 statt, das jedoch im Jahre 1912 wieder einer Abnahme um 187 Platz machte^ Von diesem Rückgang sind übrigens die industriellen Kreise Ostenbach und Groß-Gerau verschont geblieben, da erftercr mit der Zahl von 438 Neubauten im Jahre 1912 nur um sechs hinter dem Jahre 1903 znrückbleibt, das die höchsten Ziffern der genannten Pcriode auswcist. Auch im Kreise Groß-Gerau ist die Zahl 269 für das Jahr 1912 die zweithöchste in dem erwähnten Zeitraum und nur um drei niedriger als die für 1911, In Ober Hessen finden wir die höchsten Zahlen in den Kreisen Gießen und Friedberg 11912 : 192 beziehungsweise 186 Neubauten), während die Kreise Schotten und Lauterbach in letzterem Jahre nur Zugänge von 33 hezw, 32 ausweisen. Im Kreise Darmstadt lieferte das Jahr 1905 mit 386 den größten Zugang an Wohngebäuden, während das Jahr 1912 mit 185 die geringste Zahl gebracht hat. In der Stadt Tarmstadt stellt das Jahr 1904 mit 185 Neubauten die höchste, das Jahr 1908 mit 45 die niedrigste Zister dar, ** Besuch praktischer Landwirte. Gestern besichtigte» die .Vereinigten Landwirte von Frankfurt a, M. und Umgegend' die DcrsnchSjelder de? Landwirtschaftlichen Instituts. Heute morgen traf der 13. Landwirtschaftliche Bezirks- verein des Negieriingsbezirks Wiesbaden unter Leitung des Direktors Hochrattcl, Hof Geisberg bei Wiesbaden, znn, gleiche» Zwecke ein, " Prüfungsausschuß zur Abnahme der Meister° Prüfungen. Das Ministerium macht bekannt, daß für den Prüfiingsaiisschnß zu Gießen anstelle der bisherigen Mitglieder Wilhelm Wcißbäckcr, Bnrstennmchermeisier, Gießen, und Rudolf Rüdiger, Jnstallationsincistcr, Gießen, für das Gürtler, und Bürstenmachergewerbe Wilheli» Leichtweiß, Bürsteninachermeister, Gießen, und für das Jnstallateur- gewerbe Heinrich Bluin, Jnstallationsmeister, Gießen, neu bestellt worden sind. " Ceylon-AuSstellung. Den Besuchern wird gegenwärtig die indische Lotus blnme, ein Heiligtum der Indier, blühend gezeigt. In den letzten Tagen waren zur BesichtigUiig von auswärts hier: das Seininar aus Wetzlar, die Schule» von Danbringen, Dorf-Gill, Henchel- hcini, Holzheini, Leihgestern, Lollar, Obbornhofen, Wetzlar und Wieseck. Die Königin der Nacht dürste im Saufe der nächste» Woche nochmals ziir Blüte koniincn. ** Stadttheater, Das vierte Operettengasstpiel brachte zwei sehr schöne Vorstellungen, Ms erstes Brüderlein fein, wohl eins der gelnirgestcn Werke Leo Falls, in dem Herr Cnrt Harden als Domkapcllmckster, Frl, Hansi Martini als seine Frau und Irl, Karola Galster als Jugend Triumphe feiern konnten. In der schönen Galathe erzielte Herr Ähnelt als Mäcen eine durchschlagende Wirkung, so daß er gleich sein Anstrittslied wiederholen nrnßte. Ganz reizend war Frl, Martini als „klassisches Kerlchen": ihr nettes Lied mußte sie ebenfalls wiederholen. Als Galathe errang Frl, Galster einen schönen Erfolg, Den Pygmalion gab Herr Harden, der wegen Jn- disposision INN Nachsicht gebeten hatte. Die Regie der beiden Stücke führte Herr Ähnelt, die Musik leitete Herr Langer, " Die Anleihe der Provinz Oberhessen. Wie uns die Mitteldeutsche Kreditbank Gießen mitteilt, ist die gestern zur Zeichnung aufgelegte 4prozentige Anleihe der Provinz Oberhcffen im Betrage von 3 Millionen Mark überzeichnet worden, so daß eine Zuteilung auf freie Stücke übcrbanpt nicht erfolgen kann. Beim Verb and sschießenin Mannheim errang H, Schmidt-Gießen den neunten Platz auf der Jagdscheibe mit 32 Ringen, ** Steine Mitteilungen, Ein Frankfurter Morgenblatt brachte am Samstag eine Notiz über einen von einer jungen Modistin angeblich ausgesührten Schuhdiebstahl und knüpfte daran einige Vermutungen, Diese Mitteilung versetzte das Mädcklen, das darin genannt war, in eine solche Auflegung, daß es noch am gleichen Tage den Tod im Main suchte. Die Leiche wurde am Dienstag vormittag bei Griesheim aus dem Main geländct, — Der Arbeiter Kastner aus Nied stürzte am Dicmstag von der im Umbau begrisfcnen Schleuse in die 9 .Meter tiese Schleusenkammer, Er trug dabei lebensgefährliche Verletzungen davon, — Aus der Mainzer Landstraße zu Griesheim a, M, wurde ein kleines Mädchen von einem Automobil überfahren und schwer verletzt. — Aus Liebeskummer erschoß sich in B a d tz o m b u r g v, d, Höhe Dienstag abend der Gärttrcrbnrsche Schmidt, — Bon dem am Montag abend 8,45 Uhr nach D a r m st a d t abgehenden Zug wurde auf dem östlichen Geleise bei dem Kilometerstein 969 der 31 Jahre alte Arbeiter Philipp Mink aus Eberstadt übersah r e n und getötet. Jedenfalls liegt Selbstmord vor, da Mink nur einen Arm hat und seit einiger Zcft beschäftigungslos war. Er ist noch ledig, Lanvkreis Gießen. (;) Leihgestern, 15, Juli, In der gestrigen Ge- meinderatssitznng, der Baurcrt Hechler und Kreistechniker Müller beiwohnten, wurde zunächst der Ser« läng er ung des Kanalnetzes nach dem vom Großh, Krcisbanamt Gießen ausgearbeiteten Kostenvoranschlag zu- gestirmnt. Die Arbeiten sollen gleichzeitig mit der Herstellung des zitm Bahnhof führenden Fußsteigs ausgcsillhrt und alsbald in Angriff genommen werden. Dem Feldschützen Held wurde eine Gehaltszulage von 50 Mk, bewilligt, unter der Bedingung, daß er noch leichtere in Verbindung mit seinem Berns anszuführende Arbeiten für die iGemeinde nsitverrichtet. Die Vergütung für Reinigung der Gemeindeplätze wurde ans 50 Mk, festgesetzt Außerdem wurden ver- jchiedene Kostenrechnungen genehmigt und die Kvhlenliefe- rnng vergeben. Z Lich, 14. Juli, Das gestrige Gewitter in den Mittagsstunden lsiit in einigen Teilen unserer töeinarkwp; stark gehaust, besonders in den an der Hattcnröder S>traßp gelegenen Feldern, Dort ging starker Ha ge l nieder, der den Kariosscln und dem Getreide, das sich gänzlich gelegt l>at, beträchtlichen Sdjnixit zugcfügt hat Auch die städtischen Obstanlagen cm Rotenberg an der Hattenröder Straße lvnr- ven von dem heftigen Sturm, der mit dem Wetter verbunden war, sehr mitgenommen, Zahlreick>c Aeste wurden gebrochen. Ebenfalls wurden im Hattcnröder Wald viele Bäume beschädigt. In der Stadt selbst und in anderen itzemarkungs- teilen trat das Gewitter weniger stark auf, während benachbarte Gemarkungen kaum davon berührt wurden. Kreis Büdingen. 8 Blofeld, 15,Juli, In npchstcr Zeit wird unsere Gemeinde eine Qnellwas se r lei t u n g erhallen. Die Quellen liegen in unmittelbarer Whc des Dorfes und werden zurzeit anfgcgraben. Es wird ein etwa 6 Meter tiefer Brunnen ausgeschachtet und betoniert, Ta das Wasser von hier aus nicht das erforderliche Gefälle lyat, wirb der Hochbehälter ans den nicht iveit entfernt liegenden sogenannten „Eichelberg" erbaut und ein elektrisches Pumpwerk errichtet werden, was die Wasserversorgung ettvas teurer gestaltet. Auch elektrisches Licht soll in nächster Zeit angelegt werden. ß Höchst a d, Nidder, 14, Juli, Zum Bürgermeister unserer Gemeinde wurde Heinrich Altvater l, mit 69 Stimmen gewählt. Der bisherig« Bürgermeister Sell- heim erhielt 47 Stimmen, In dem benachbarten Rommelhausen wurde der Rechner Wolf znm Bürgermeister gewählt. Kreis Alsfeld. o, Alsfeld, 13, Juli, Die Nachbargenreinden irnserer Stadt wurden von einem schweren Gewitter, das von wo l ke nbr ucharti ge m Regen begleitet war, heim- gesucht, In den nahen Heidelbach und Ruhlkirchen stand das Wasser bis zu s/t Meter Hohe in den L-traßeu und Wegen, Tie Leute mußten durch die Seen gleichenden Wassermengen waten, um das bedrohte Vieh in Sicherheit -u bringen. In den Fluren lzal das Unwetter schweren Schaden angerichtet. Die Kartoffeln und Rüben sind teilweise lveggeschwemmt und die Halmfrüchte geknickt rmd auf den Boden gedrückt. In dem benachbarten Münchleusel schlug der Blitz in die erst seit einigen Jahren erbaute Feld- scheuer des Landwirts Heinrich Die hl und äscherte sie vollständig ein. Mit den Borräten ist außerdem die der Dreschgenossenschast gehörend«, in der Scheuer untergebrachte Dreschgarnitur und verschiedene andere landwirtschastliche Maschinen mitverbrannt. In Seibelsdorf schlug der Blitz ebenfalls in eine scheuer, glücklicherlverse ohne zu zünden, Kreis Lauterbach. Ä Lauterbach, 14,Juli, Direktor Hoos von der Bezirkssparkasse, eine in der gesamten Umgegend geachtete Persönlichkeit, feierte seinen 70, Geburtstag, Nahezu, 30 Jahre ist er an der Kasse tätig. Die Errichtung ernes^ neuen Sparkassengebäudes ist sein Verdienst, Von der Bezirkskasse wurde ihm ein Geschenk übergeben, Kreis Frieüberg. = Aus der Wctterau, 15. Juli, Durch die heißen Tage ist die Frucht rasch herangereift und dürfte der Kvrnschnitt nicht mehr lange^auf sich warten lassen. Die schweren Gewütcr- regen haben die «vnnncrfruckü in macnhen Gemarkungen stark gelagert, In Weflen- und Gerstenfeldern scheiM die Rostkrankheit eine ziemlich starke Verbreitung anzmiehmen, ebenso der Brandpilz, Starkenburg unü Rbcitchessen. rb, Darmstadt, 14, Juli, Der^21, Ortskrankenkasse n t a g erteilte in seiner heutigen Sitzung aus Antrag der Rcchnungsrevisoren zunächst dem Vorstand Entlastung, Dann sprach Justizrat Dr, Mayer- Frankentlml über „Die Entwickelung des Kassenbeamtenrechts seit dem Jnflasttrcten der Reichsveriicherungs- ordnung". Ten wichtigsten und interessantesten Vortrag der ganzen Tagung bildete das Referat des Prof, Dr, Herxheimer - Frankfurt a, Main über „Salvarsanbehandlungbei Syphi- I i s". Der RÄmer stellte fest, daß im städsischen Krankenhaus zu Frankfurt innerhalb der letzten vier Jahre etwa 11 500 Shphüis- kranke unter seiner Leitung mit Salvarsan behandelt worden sind, linier diesen 11500 Fällen seien nur einige vorübergehende Lähmungen vorgekommen, Todesfälle oder Erblindungen wurden nicht bekannt. Nach seiner Ueberzeugung habe der Arzt das volle Recht, die Kranken mit Salvarsan zu behandeln. Es fragt sich nur, ob der Arzt auch die P s l i ch t l)at, es zu tun. Im Frankfurter Krankcn- hause sei man zu einer kombinierten Salvarsan-Quccksilber-Methodc übergegangen und dabe damit sehr gute Erfolge erzielt. Von den' Erkrankungen im ersten StMum wurde in 3V>jähsiger Beobachtung bei 97 Prozent Heilung ohne Rückfälle festgestellt, während dicke letzteren bck der früheren Quecksüberbehandlung 70 Prozent betrugen. Auch bck den Fällen im sekundären Stadium seien die Erfolge sehr gnnssig gewesen. Auch bck syphüitischer Rückenmarkschwindsucht wurden mit der Salvackan-Quecksilber-Methode verschiedene Krankhcktsshmptome zum Sckuvinden gebracht und besiere Erfolge erzielt, als mit Quecksilber allckn: dasselbe ivar bei Gehirn- erkrankungen der Fall, Besondere Aufmerksamkeit verdiene die Herzsyphilis, beim es beruhten V 4 der Erkrankungen der großen Schlagader auf svphilittschen llckachen. Der Einsluß des Salvar- sans habe sich auch bckmchers günstig bck der ererbten Syvhüiz erwiesen, namentlich bck den Frauen und deren Fruchtbarkeit, Durch die kombinierte Mckhode wurde auch die Ansteckungsgefahr- sehr verckngert und es bestehe die Hoffnung, die gcsäbrllche Ktankhckt immer mehr zu bescktränken. Es komme daneben auch der tockentliche Umstand in Bckracht, daß bei der Salvackanbehanülung bedeutende Eckparmsse für die Krankenkassen erzickt werden könnten, da die Kuren nur ckne kurze Zeitdauer erforderten. Der Redner empjahl schließlich folgende Lcktsätze: „Bck jedem syvhilisisch erkrankten Menschen ist, se srüh^ zcktiger, desto besser, ckne kombiniecke Salvarsan-Quecksilbcr-Be- ltandlung cknzuleiten. Das Salvackan soll nach genauer Untersuchung des Patienten im Krankenhaus angewendet werden, w» der Patient mindestens die nächste» 24 Stunden verbleiben soll. Durch dicke Kür Ivird der Ansteckungsgefahr anderen Menschen und speziell der Familie gegenüber nach dem heutigen Stande der Wissensck>aft am besten entgegengcwirkt. Da durch die genannte Behandlung die Svphilis gehcklt wird oder doch die Rückfälle außerordentlich ckngeschränkt werden, so erwächst, neben den Vorteilen für die Pasienten und für die Allgemeinhckt, auch für die Krankenkassen ein sehr wesentlicher finanzieller Vorteil," l In der hieran angeknäviten Aussvrache betonte der Verbands- Vorsitzende Fräßdorf -Dresden, daß die Wirkung des Vortrags sehr günstig sckn werde, da sie die gegen die Animndung der Methode iwch gehegten Besornissc beseitigen werde. Hier sei der Standpunkt der Wissensck)aft maßgebend und dieser müsse auch bei Bekämpfung der Krankheit sestgehalten werden. Äassenvorsitzender G r ä f - Frankfurt teilte mit, daß Altmeister Ehrlich bedauere, an der Tagung wegen Kranflcit nicht tcilnehmcn zu küninn. Das Sal- vackan fei allerdings sehr teuer und die Behandlung damit köni« in den Krankenhäusern nicht zu dem gewöhnlichen Verpflegungssatz eckolgen. Es sck deshalb mit den Höchster Farbwerken ckn Wkommen gckroffen worden, daß den Krankenlassen bei allen ihren Rechnungen über Salvarsanbelpindlung 10 Prozent zurück- vcrgütck werden. Endlich stimmte die Versammlung gegen zwei Stimmen den Lcktsätze» zu, m, Heusenstamm, 15, Juli, In der Genossen- schastskrisis der Spar- und Darlehenskassel ist zwischen dem ehemaligen Direkwr der Kasse, dem Landwirt Georg Winter, und der Genossenscl-ast vor dem Ofsenbacher Amtsgericht unter dem Vockitz des Landgerichtsrats H o o s - Darmstadt ein Vergleich zu Stande gekommen, nach dem Winter gegen ^ofibmg cimr OTfinbiaig von 14 500 3Jif. von allen Derpstsch. langen der Genossenschaft gegenütn-r entbunden worden ist Tee Gcnoizenschait, die als Absindnnq anfänglich 25000 Ml geiorderi Hatte, hat sich zur Uebernahme der Tragung der hohen Prowkol- liernngskosten bereit erklärt. Der gesamte Seljlbetrag ist auf 106000 Mark anqetoadjjeu. Nächsten Donnerstag wird Kriminal-Kom mitfm Repp - Darmstadt die llmeriuchung iortsetzci, Es handelt sich um einen Gutschein in Höhe von 10Ö00 M!, befien Unter* schritt von dem Betressenden nicht anerkannt wird und nach dessen Angabe srngiert sein soll. Zurzeit ist ein zn-eiglicdrigrr Ausschuß mrt der Prüfung der finanziellen Verhältnisse der ein- zetneri Geuosseirschaiter beschäs,igt. da jedes Mitglied zur Sanierung der Kasse bis September einmoeilen je 100 Mk, ausbringe,I muß, Hessen-Nassau. LN Kreis Fraukeuberg, 14,Juli, Sehr heftige lGewitter gingen gestern nachmittag hier nieder. Der BÜß schltig mehrfach ein. Jo in Roda, wo die Gebäulichkeiten des Landwirts Johann Klinge bis auf den Grund nieder- bramiten, x Weilburg, 14. Juli, In Aulcnhausen starb im 72, Lebensjahr Bürgermeister Müller, welcher üS Jjtchre Oberhaupt des Torfes war, = featgcr, 14. Juli. Der Abschluß der Stadtrechnung ergibt fiir die Hxruptocrwalrung 134 575 'Mark Einnahme uicD J865 Mark Ausgabe, Das Wasserwerk brachte bei 16 607 Mark Einnahme einen Ueberschus! von 2572 Mark, sh) Frankfurt a, M,, 14.Juli, Erst heute wird der ganze Umfang der Unwetterkatastrophe klar, Ter wchoden, den der Hagel in den Promenaden, in den Gärten und auf deu Feldern anrichtete, ist sehr groß. Mehrere hundert Bäume wurden vom Sturm entwurzelt. In die Straßenbahn schlug der Blitz wiederholt. Der Familie Scheib, die zwei Kinder durch den Blitzstrahl verlor, wendet sich die größte Teilnahme zu. Leider ist auch das Befinden des Wachtmeisters Scheib sehr schlecht, Ter Blitz traf ihn an die Brust und fuhr dann am Leibe berunter, überall seine Spuren hinterlasscnd. Scheib ist gelähmt, — Auch die Umgebung wurde von dem Unwetter schwer heimgesucht. In Klop- penheim wurde der Landwirt Goß mann beim Kirschenpflücken von dem Blitz erschlagen. In Obcr- urfcl ergoß sich ein wolkcnbruchartigcr Regen verheerend über die Felder, Zahlreiche Keller wurden unter Wasser gesetzt. Bei Stierstadl wurde die Mühte des Besitzers Aumüller durch den Blitz e nage äschert, auch in Oberstedten schlug der Strafst wiederholt ein Auch bei Wetzlar zün dctc der Blitz an verschiedenen Orten. Am Gordischen Haus bei Homburg schlug der Blitz in einen mit 12 Personen besetzten Straßenbahnwagen, wodurch eine Dame gelähmt wurde In Lberhöch stabt tras der Blitz die mit Gästen und Aussiüglern überfüllte -Gastwirtschaft „Zum Nassauer Hof", Verletzt wurde niemand, = Frankfurt a. M„ 14, Juli, Innerhalb der Unterführung an der Frankenallee und Güiidcrodcstraße geriet der 18 Jahre alte Milchmann ,Alois Sorg mit seinem >>tndkarre» zwischen zwei aus verschiedenen Richtungen kommende Automobile, als diese einander ausweichen wollten. Infolge des Zusammenstoßes seines Karrens mit dem einen Auto wurde er unter das andere geschleudert, das über ihn ivegqing. Die beiden Kraftwagen, die nidjt mehr genügend bremsen konnten, stießen ebenfalls zusammen, wobei sie teilweise erheblich beschädigt wurden. Während die beiden Ehaufeure mit leidsten Schnittwunden davonkamen, wurde dem Milchstrhrcr der eine Oberschenkel vollständig abgequc tschtl and, erlitt er noch weitere schwere innere und äußere Verletzungen, h, Bad Dom bürg », d, H,, 14. Jul, Ter Wchrbeitrag hat auch für die städtischen Finanzen eine recht beträdüliche Erhöhung des Steuerjälls im Gefolge gehabt. Infolgedessen bewilligte die Stadtverordnetenversammlung den städtischen Beamten eine durch«!«sende Gehaltsaufbesserung, die »,c Siadtkaiie >» diesem Jahre mit einem Mcbrauswand von 7250 Ml >915 mü 870» Mk„ 1946 mit 9190 Ml „ich 1917 mit 9125 Mk, lausender Ausgaben belastet. Ferner wurden einigen Beamten und Kur- mulikern besondere Zulagen zugebilligt. Außerdem übernahm d,e Stadt die Kranlenkasscnkoücn für die Kuoorchestrrmitglieder, wem, diese länger als 26 Wochen krank sind. Für besondere Aunoen- bnngcn der Kur- und Badevcrwaltung bewilligte man nachträglich 654 Mk, = Kassel, 14. Juli, Der Stadtsyndikus Karl Brunne r in Kassel wurde als besoldeter Beigeordneter der Stadt Kassel aus 12 Jahre bestätigt. Gibt es Zischgift? Wer dem Jammer der Welt, soweit er die höchsteigene Person berührt, ein schnelles Ende bereiten ivill, der wird vergeblich durd» reichliche Tosen von Fischfleisch, seinen Zweck zu erreichen suchen Tie Wissenschast hat längst ermittelt, daß die belaiinten Konsnmflsche, die die Ostsee und Nordsee bevölkern, überhaupt keinen Giststoff besitzen, also auch nicht gesundl)eilssck>ädlich wirken. Das gilt für die heißeste Jahreszeit genau so wie fiir die Frostperiode, Tie Art, wie die Fische selbst bei Riesenfängen in dem Kühlraum der Fisch- dampser ausbewahrt, wie sie dann aus den an der Küste statt- sindenden Auktionen und vom Ewoßhandel behandelt und wie sie schließlich in guter Verpackung befördert werden, sichert ihnen bei Anwendung der üblichen Sorgfalt Frische und Vollwertigkcit. Selbstverständlich kann durch Nachlässigkeit viel gesündigt werden, besonders auch in einem Haushalt, in dem die für die Aufbewahrung und Zubereitung aller Nahrungsmittel gebotene Sauberkeit und Sorgfalt fehlt. So können in jeder Küche durch Verschmutzung Fäulnis bakterici, gezüchtet werden, im Glase Wasser ebenso wie in der Milch, beim Fett wie beim Fleisch und auch beim Fisch, Hierbei ist aber von einem spezisischen Fischgift ebensowenig die Rede wie von einem Milchgist oder Wassergift usw,, und auch.dte ängstlichen Gemüter können sich unbedenklich, gerade im Sommer, d, h, zu einer Zeit, da die Seefische den höchsten Nährgehalt, nämlich muskelbildendes Eiweiß in erstaunlich reichen Mengen auswcisen, derartige Kost leisten, Tie Furcht vor Fischgenuß ist bei dem heutigen Stand der Wissenschaft und Technik ganz unbegründet, lieber die mannigfaltige Zubereitung von Fischen, die im Sommer in vorzüglicher Beschaffenheit zu haben sind, belehrt eine von der Staatliche» Fsschereidireltion in Hamburg herausgegebene Broschüre, die von dieser Behörde kostenlos an jeden, der es wünscht, gesandt wird. Univer?itäts-NacbriU)ten. — Professor van Kalter in Kiel hat einen Ruf nach Bonn als Nächsolger Zorns abgelehnt. Lnstschiffabrt. Neuer deutscher HBhenwettsäeg Leipzig, 14,Juli, Der Chefpilot der deutschen Flugzeugwerke Leipzig Liiidenthal Oelerich unternahm lieute friii) einen Angriff aus deu Höhe »Weltrekord und erreichte 7500 Meter, Oelerich stieg gegen 8',', llhr auf einem D.F.W, iNilitärdoppcldecker mit einem l00-?8-Merc cd es-Motor auf und erreichte mit einem etwa ztveiststndigeu Flage die au gegebene Höhe, Beide Barograplwn zeigten übereinstimmend 7500 Meter, doch wurden die Höhenmesser zur nochmaligen Nachmessung an das physikalische Institut der Universität Leipzig gesandt, Oelerich hak mit dieser Leisttmg den erst in der vergangenen Woche von Hem deutschen Ruinplerflicgcr Linnekogel auf dem Johannistlzaler Flugplatz ausgestellten Weltrekord von 6570 Metern um fast 1000 Meter geschlagen, O tschakow, 14,Juli Auf dem hiesigen Militärftug- platz stürzten der Stabskapitän Jessipow und sein Ble- diaitücr ab. Beide waren sofort tot. Gerichtriaat. München, 14, Juli, Leopold Wölfin g wurde verurteilt, seiner Frau Mariä geh, Ritter da- ihr für die Tauer der Ehescheidung jiigeßdierte Monalsgeld vo 1000 Mark z» bc- laiien. Er molite ihr manallich nur 400 Mark geben Wülfing bezieht ans Famclienstisnmgen ] uärhrf) etwa 30000 Mark. vermischte». * 45000 M k unterschlagen. Aus Barmen wird gemeldet! Ter 24 Jahre alte Aushilisschreiber der Kölner Reichs- tanknebenstelle in Köln-Nivpes hat die hiesige Reichsbankneben- slelle mit Hilfe eines Gutscheinsormulars, aut dem er den Namen des Direktors gejälscht hatte, »m 45 000 Mark betrogen. Der smige Mann hat sich aus dem „Imperator" nach Amerika eingeschisst. Es ist durch Funkiprnch dafür gesorgt, daß er in Ncw-Aork scst- genommen wird, , * 3um Unt »rgang der Em preß osJreland, Tic Canadian Paeiiic Railroad will unverzüglich gegen den früheren Eigentümer der „Tiorsiad" Schadenersapansprüche für den Verlust der „Einpreß ot Jrelanö" von 2 gOf illioneit Dollars geltend Madten, Ser die Canadian Pacific Railroad ocrtrctende Anwalt bedmtptet, der Befund der Ilntersuchnngslommission zeige, daß die Eisenbahn- gesellschast für den Schäden nicht hastbar sei. Amtlicher Wetterbericht. Ocssentlicher Wetterdienst, Gießen. WetteraussiäNe» in Hessen am Tonnerstag, den 18, Juli 1914 Wechselnde Bewölkung, strichweise Gewitter und Regcniälle, wenig kühler, südwestliche vis westliche Winde. Htunderl Millionen , , , , Ein beachtenswertes Jubiläum feierte kürzlich die Kassee-danüels-Aktiengesellschaft in Bremen, die Herstellerin des bekannten coffcinsrcien Kässee Hag, Das huiidertmiuionste Käffee-Hag-Paket bat die Fabrik verlassen. Ein beredtes Zeugnis sür die außerordentliche Beliebtheit dieses cosscin- sreien Bohnenkaffees, Das Ereignis tvnrde durch eine sröhlickio Dampsersahrt mit Musik und Freibüsett nach Helgoland ge- seiert, an welcher Borstand und sämtliche kaufmännischen Angestellten mit Verwandten und Bekannten teilnahinen. In Bremerhaven fand außerdem die Besichtigung des Llovddampsers „Prinz Friedrich Wilhelm" statt, Glückans zum milliardesten Paket! 88 . Vom Unterzeichneten Verla«, sowie durch den Buchhandel zu beziehen: Wanderungen und Schifahrten rund um Gießen -r —- Preis 1 Stark ===== Das Büchlein kommt einem wirklichen Bedürfnis nach, wie schon eine kurze Einsichtnahme in das Inhaltsverzeichnis aufweist. Es sind zusammengestellt und in knapper Form behandelt: Wanderungen in Gießens nächster Umgebung mit Sonntagsfahrkartenverzeichnis, Wegebezeichnungen in der Umgebung von Gießen 20 Hauptlinien des V. H. C. 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