Nr. 155 Der Sletzener Anzei-er erscheint tätlich, anher Sonntags. — Beilagen: viermal wöchentlich GietzeoerZamiliendlätter: zweimal wochentl.Nreir- dlatt für öe-Xreir Kietzen (Dienstag ukrL> Freitag): zn>er7nal monatl. Omd» wirtschaftliche Seiftragen s^erusvrech - AnfthtiHe: tür dre Redaktion 112 , T^ertaq u. Expedition 51 Adresse für Depesche«: Anzeiger Giehe«. Annahme oav Anzeige» für die Tagesnurnmer bis vormittags S Uhr. Erster Slatt 16^. Jahrgang Montag. 6-Znli X9X4 GiehenerAnzei General-Anzeiger für Oderhessen «otalionrtn«, ,vd Verlag der vrühl'schen Univ.Guch- und Steindruckerei K. Lange. Redaktion. Lrpedition und vrnckerei: Schulstratze 7. An^igemeü- v? B-L VezugSPreiO: monatlich 75Bf.. viertel» jälirlich Lik. 3.20: durch Abhole- v . Zweigstellen monatl'ch 60 Ps.; durch diePos Mk.2.— viertel- jätirl. ausschl. Aestellq. ZeilenpreiS: lokal 15Pf^ auswärts 20 Pfennig. Chefredakteur: A. Goetz. Lerautwortlich sür dcu polit. Teil: Aug. Goey: für .Feuilletons. .Vermischtes' und„(Aerrchls- soal": Karl 9teuralh; iür ^Tladt und Lauo": wiener Hoftrauerkabalen. Tie Wiener Trauerseierlichkeiten haben mil einem auj- fällib«n und häßlichen böachllanc; geendet. Durch den Te- monitrationsgang des Hochadels hinter dem Trauerzuge zum Westbahnhof ist mehr herausgckommen als allen Bc- leiiigten lieb ist. Was wollten die 130 Mtglicder der Aristv- kratic, die Fürsten Trautmannsdorf, Starhemberg, Lobko- wiv» Windtschgrätz, Fugger, Thun, Thurn und Taris, Hohenlohe und die zahlreickwn österrefchifchen und ungarischen Grasen, die zu Fuß erschienen, um dem toten Franz Ferdi- nand und seiner Gattin das letzte Geleit zu geben ? Tie protestierten gegen die Jntriguen und Hofkabalen. die dein ermordeten Erzherzog und der Herzogin von Hohenberg nicht nur zeitlebens den Aufstieg erschioerten und verbitterten, sondern auch noch angesichts der Todesbahren die alten Borurteile und vermeintlich»-» Vorrechte geltend machten. Man traut seinen Lugen und Ohren nichts und doch ist es ,V '.Sur der Sarg des Erzherzogs soNte ursprünglich nach der Hofburg gebracht werden Ten der Herzogin wollte das Holmarschallamt direkt nach Artstettcii dirigieren, weil die ehemalige Gräfin Chotck kein Mitglied des Kaiserhauses sei und die Einsegnung in der Hofkapellc nur Mitgliedern der kaiserlichen Familie zukomme. Und nur, weil irgendein Vernünftiger darauf aufnicrksam machte, daß die'össent- lichc Meiming darüber sofort den größten Lärm schlagen werde, sah man schließlich von dieser ungeheuerlichen 'Anordnung ab. Tie Frau, die sterbend den Leib ihres tßatten zu decken suchte, die Frau, die Kaiser Franz Josef in seinem Tank an das Volk die „in der Stunde der Gefahr treu bei ihrem Gemahl Ausharrenbe" nennt, durfte also doch gnä- digerweise im Tode ihren Gatten aus der letzten Fahrt begleiten. Aber die Hosetikrtte imißte doch noch andere Mittel, um zu zeigen, daß sie nicht vergessen, nicht tolerieren kann. Tic von den militärischen Kreisen gewünschte starke Vertretung aller Teile der Armee bei der Trauerfeter als geschlossene Kundgebung der ganzen Monarchie wurde verhindert und bintcrtriebrn. Man verwendete die Truppen nur in der Stärke, die zur Spalierbildung nötig war. Für die Uebersührung der Ermordeten von der Hofburg aus den Westlmhnhof war zunächst gar kerne Beteiligung des Militärs vorgesehen. Erst um 5 Uhr nachmittags erholte sich das Dofmarschallami eine kaiserliche Verfügung, ivonach die Wiener Garnison durch Spalierbildung an der Leichenfeier teilzunehmen habe. Auch die Erzherzoge wurden erst sehr spat veranlaßt, am Bahnhosc zu erscheinen. Das unglaubi- lichstc und peinlichste aber war die Behandlung der Kinder des loten Erzhrrzvgvaares, -sic Ivoren nicht cUva die ersten, die ihre toten Eltern in der Hosburglaprlle sehen dursten, sondern die letzten, die man zu den Leichen ließ. Erst als die offizielle Leichenfeier beendet war, dursten die un- cbenbnrtigen Nachkommen einer Herzogin von Hohenberg an den Sarg ihrer Eltern. So imtfbe der Unterschied einer ebenbürtigen und einer nichrcbenbürtigen Ehe bei jeder sich bietenden Gelegenheit auch im Tode gewahrt oder doch an gedeutet. ( Man fragt verwundert, wer an diesem traurigen Aus- klang eines traurigen Ereignisses die Schuld trägt. Man weiß ja, daß zwischen deni verstorbenen Erzherzogspaare und einzelnen Mitgliedern des Kaiserhauses gcspannle Be- zichungen bestanden. Die „Gegenpartei" l«tte ihr Zentrum in Schloß Wallsec, bei Franz Salvators Gattin, des Kaisers Liebliügstochtcr Valerie, War der alte Kaiser Franz Josef in Wallsec zu Besuch oder spielte er in Ischl init Balrics Znnen-Architettur und Möbel aus der Gewerbe-Ausstellung Siesten M4. Wen» man die Wohnung des Kulturmenschen mit kritischem Auge betrachtet, ivricht ntan von „künstlerisch" und von „praktisch", man spricht aber auch von „gcschmackvvll". Dieser letzte Ausdruck scheint mir beides zusammen zu sassen und die richtige Bezeichnung zu sein für das Beste, was au, dem Gebiete der Dobnungskunst hervorgebracht wird. Ein doch künstlerisch durch- geblldeter Raum kann Auge und Sinn durch Form und Farbe entzücken. er kann aber zum Bewohnen sehr unpraktisch sein, wenn der Bewohner andere Lebensbedürfnisse hat, wie der Künstler, der ihn ichai. Ter Geschmack des B c to o h n e r S ist also dasWcsentliche berm Einrichien einer Wohnung. Leider ist uns ,m vorigen Jalrr- hundert viel von dem guten Geschmack der früheren Zeiten verloren gegangen, und nur langsam will der gute Geschmack wieder Gemein- gut des deutschen Volkes werden. — Ucber Geschmack läßt sich streiten, sagt man mit Rechte und doch gibt es „einen Geschmack der Gegenivatt", der eben noch schwankend, später doch als der charaltiri- stischc unserer Zeit unduniercs Volkes erkannt werden wird. Au>- gabr unserer Ge rerbeau-stcllnng ist cs, nicht nur die hoch entüick.lte Technik, die guten Fertigkeiten der Gewerbetreibenden zu zeigen, sondern auch de» G c > st des guten Geschmacks, der ihre "Arbeiten beseelt. kD.-nn -gerade der sMöbelfabrikant, der Tckorateur, der Tapezier, sic sind am häusigttcn die Berater des kausenden Publikums, welches sich aus Mangel an eignem Stilgefühl gern leiten läßt und dabei mir zu oft an die Unrechte Schmüde lammt. Blei Gutes und -Schönes wird gezeigt, doch auch manches, was in Bezug aut Geschmack nicht nmstcrgültig genannt werden kann. Besonders unter den Einzel-Möbeln, die außer Zusammenhang von einzelnen Schreinern gezeigt werden, sind manche schwierige und kunstvolle Arbeiten, die n>cit besser wirken würden, wenn ihnen der- Stcnipel einer künstlerisch gebildeten Bersönlichleit ausgedrückt worden wäre. — Gute Beispiele in dieser Hinsicht sind die Arbeiten von Zciß-Griedel (Architekt: B. T. A. Kran-Bad-Nau- bcim und E. H. Müller-Gießen -Architekt: B. T. A. Müller Güttingen!: auch G. Ha u b a ch- Gießen zeigt Geschmack in seiner Ausstellung. Ferner inöchte ich noch gleich nennen: die A l s s e l - der Möbelfabrik, welche in großem Raume eine reiche Auswahl von schönen und praktischen Sitzgelegenheiten bietet, und Schreiner W. H a r t m a II n - Münzcnberg lArchikell: Freundlieb Fricdbergi, dessen reich eingetcgter Schrank durch Form und Farbe ausgezeichnet wirken würde, wenn nur die allzu großen, fast weißen Einlagen nicht zu viel Unruhe brächten. Manch schöne Truhe ist noch >-usgcftcllt, doch würde es zu weit führen, diese alle zn nennen. Bei den Ausstellungen in ganzen Zimmern möchte ich unter- sjhechen zwischen solchen in zgnz geschlossenen Säumen >iit dem acht lachenden Lindern. so herrschte in Franz Ferdinairds Belvedere stets eine etwas gespannte und gedruckte Stim- mnng. Auch zwischen dem jetzigen Thronfolger, dem jungen Erzherzog Karl Franz Josef, und der Herzogin von Hohen berg ist es mehrmals zu Mißlzclligkeiten gekommen, besonders als die ungarische Unabhängigkeits-Partei gegen die Berzichtleistung aus die Thronfolge protesttertc und behauptete, Franz Ferdinand habe nach dem ungarischen Staatsgrnndgesetz zu der Berzichtleistung sür seine Kinder nicht das Recht besessen und die legitime (demahlin des zukünftigen Königs von Ungarn müsse zur Königin gekrönt iverdcii. Sollte wirklich jenes ruhelose Jntriguenspiel, das Wühlen und Minenlegen, der ganze höfische Kulijscnlrieg, bei dem sich alles um dic,Frage drehte, ob Sophie Chotct Kaiserin werden und ihre Kinder^als erbberechtigt und erz- berzoglich auf den Stufen des Thrones sehen sollte, sollte das alles auch nach dem Tode des Erzherzogpaares ausgespielt worden sei und bei Lösung der Etikctten- sragen initgewirkt haben? Man kann cs nicht glauben und cs wird hossentlich auch noch klargestellt, daß die genannten Fürstlichkeiten den Wiener Hoftraucrkabalen, die inan jetzt erleben mußte, vollständig sernstcheii. Wahrscheinlich bleibt die alleinige Verantwortung für das, was vorgesallen ist, an dem Lberhofmeister des Kaisers, dem Fürsten Montcnuovo haften, von dem ja bekannt ist, daß zwischen ihm und dem er,nordeten Erzherzog oft recht tck-arsc Konflikte bestanden. Aber außer dieser Persönlichkeit ist es doch auch der ganze Wiener Hos, der sich jetzt vois jolchen Schatten und Flecken zu reinigen hat, damit nicht Lord Chesterfields berühmtes Wort von ihm gilt: „Nichts ist an Höfen so, wie es scheint, oft ist es etwas ganzländercs, zuweilen gerade das Gegenteil" Ein Handschreiben des Kaisers Franz Foses. Tie „Wiener Zeitung" veröffentlicht nachstehende? kaiserliche Handschreiben, das gleichlautend an den Ministerpräsidenten Grasen Stürghk, den Ministerpräsidenten Grasen Tieza und den gemeinsamen Finanzminister Bie- linski gerichtet ist: Tiejcrschüttcrt siche ich mtter dem Eindruck der unseligen Tat, die meinen innigstgelicvten Neffen mitten aus seinem ckrnlter Pflichterfüllung geweihten Wirken an der Seite seiner hochherzigen, in der Stunde der Gefahr treu bei ihnt ausharrenden Geniahlin dahingcrant und mich und mein Haus in ichmerzlicktste Trauer versetzt hat. Wenn mir in diesem herben Leid ein Trost werden kann, so sind es die nnge.zätzlten Beweise warmer Zuneigung und autrichligsten Milsühlens, die mir in den eben vcr- flotienev. Tagen aus allen Kreisen de.»B> r olkerung zugeiömmen sind. Eine verbrea-eriswe Hand hat mich des lieben Anverwandten und treuen -Mitarbeiters, hat schutzbod,listige, »cm zartesten Alter kaum entwachsene Kruder all dessen, was ihnen ans Erden teilen war, beraicht und namenloses ,Weh auf ihr unschuldiges Haupt gehäuft. Trr Wahnwiv einer kleinen Schar Irregeleiteter vermag jedoch nicht an den geheiligten! ^Landen zu rütteln, di'c mich und meine Völker n NI s ch l i n g e n. Er reicht nicht heran an die Gefühle inniger Liebe, t-ic mir und dcnr angestammten Herrscherhause aus allen Teilen der Monarchie aufs neue in so rührender Weise knndge- geben wurden. Sechseinhalb Jahrzehnte habe ich mit meinen Völkern Leid und Freud geteilt, auch in den schwersten -Stunden stets eingedenk meiner erhabenen .Pflichten der Verant- Ivornmg der Geschicke von Millionetl. für die ich den, Mlmäckz- rigen Rechenschaii schulde. Tie neue schmerzliche Prüsnng, die Gottes imeriorschlicher Ratschluß über mich und die Meinen verhängt, wrrd in mir den Vorsatz stärken, aut dem als recht erkannten Wege bis zum letzten Atemzug auszu harren, Eindruck einer fertigen ?lusstattung littb solchen in Nischen, kleinen Näumchen und Kojen, bei welchen die Raumwirkung abgeschwächt wird, und eigentlich doch nur eine Ausstellung von Möbeln bleibt. ?tus Platzmangel oder Ileberfluß an Ausstellungsgut mußte die letztere Att wohl vvrhi-rrschcn: nur wenigen Firmen war cs möglich, einen genügend großen Raum mit allem, was zum Wohnen gehört, auszuslaUcn und so wirkliche „Jnncn-Archüek- turen" zu liefern. An erster Stelle möchte ich nennen die Firma Hering- Marburg, welche nach dein Eirtwursc des ?lrck>. B. D. A, Docrbccker- Marburg^ein Mahagoni-Eßzimmer mit Erker im ersten Obergeschoß und ein Schlafzimmer und Anklechezimmcr im zweiten Obergeschoß eingerichtet hat. In Form und Farbe hell voliertes Kirschbanmholz mit hellgrün und dunkelblau sind gerade die beiden letztgenannten Zimmer vielleicht die besten im ganzen Hanse. Taß die Betten hier zur Ausstellung um einige Stufen erhöht wurden, wclckv: man sich in seinem Schlatzimmer zum Gebrauch nicht grade wünschen würde, braucht den ai,sgezeich!»-tcn Eindruck diese-:- Zimmers nick t zu stören. Besonders schön sind auch die Belcnchtungskörver. hier wie unten ini Speisezimmer, leicht und elegant. — Ebensogut, doch in ihren eigentümlich matten Holztönen weniger in die -.'lugen fallend, sind die Räume der Firma R i II g s h a u s c n^- Nidda. Tas Eßzimmer mit dem vrachtvollcn Bütiet, dem ovalen Tisch und den anlzeimeln- den Gobelinsioffcn aus den tpitzinöbcln gibt eine sehr seine ruhige Stimmung, die vielleicht manchem lieber ist, wie die färbensrendige der Hcringschen Räunie. -Auch das Arbeitszimmer des Herrn Gc beimerat Gail l Architekt: Hans Meyer-Gießen! zeigt die vornehme Rnlic und die stumpfe Holzsgrbc der Ringhansen-schcn Arbeiten. Einen sehr guten Raum bringt auch S ch ä s c r tNarburg mit seinem blauen Mnsikziminer. Ob hier alle Möbel grade in ein Musikzimmer gehören, ob sie in ihren Ztiltormen alle zusammen passen, das braucht man bei diesem Raume nicht zn untersuchen. Sie vertragen sich alle und sind mit Vorhängen und Wänden, mit Bodenbelägen und Gebramhsgegcnständen und nicht zuletzt mil de», prächtigen Beleuchtungskörper zu einen, harmonischen Ganzen vereinigt, dessen weihevolle Stimmung wohl zum Zweck des Raumes gehört. Ein weiß-schwarzes Schlafzimmer „ich ein gelb-blauer Salon dersell'en Firma leiden unter dem erwähnten Raummangel: man Hot keinen so guten Eindruck davon, obschon die Einzelmöbel eben salls sehr schön sind. — Elin ähnliches Schicksal erleiden die sehr schönen, altmodisch behaglichen, und doch modernen Herrenzimmer Möbel des Herrn Stückrath - Gießen mit dem sehr einladenden grünen Ledersessel! sic können in dem zu engen und etwas zu ein-, sach ausgcstatteten Raume nicht zur Geltung komme». Noch weniger vcrnlögcn dis die groß emvlundencn Schlaizimmer-Psöbel in dem sehr kleinen slledenraun!. — .Herr Brück- Gießen hat cs bester verstanden, rschttge serttge Räume zu schassen. Wenn auch die ungewohnte Fovn des. Bülfets und der etwas f/. schwere Keleuchtungs- um Wöhle meiner Völker, und wenn ich dereinst das Unterpfand ihrer Liebe als kostbantes Vermächtnis meinem Nachiolger hrntcr- lastcn kann, io tvird dies dcr^fchönste Lohn mei-ie>- väterlichen Fürsorge sein. Ich beauftrage Sie, alten, die in lesen kummervollen Tagen in bewährter Treue und Ergebenheit sic UNI meine» Thron geschart haben, meinen tüicmpsundrncn Tank knnözutun. Wien, am Juli 1914. Franz Josct. Kaiser Franz Josef und die vcriuaijtcn Kinder. Wien, 4. Juli, Der Kaiser empfing die Kinder des verstorbenen Erzherzogs in Audienz, die 20 Minuten dauerte, Tie Beisetzung des ermordete» Thronsolgcrpaarcs. A m st e t t e n, 4. Juli. Um 10»/» Uhr jand in der Schlotz- Psarrkirche in Gegenwart des Erzherzogs Karl Franz Josef und der nächsten Bcnvandten der Verblichenen, zahlreicher 'Mitglieder des Kaiserlzauses und sonstiger Tranergäste die feierliche Einsegnung der Leichen des Erzherzogs Franz Ferdinand und seiner Gemahlin statt. Techant Tebncr nahm unter großer geistlicher Assistenz die feierlickie Handlung vor. An den Särgen hielten Offiziere die El)renwache. Um 11s o Uhr wurden die Särge durch ein Spalier von Feuerwehrleuten und Veteranen durch das -Harktor zur Gruft getragen, wo in Gegenwart der nächsten Anverwandten die endgültige Beisetzung erfolgte. Aus der Suche nach Cigauotvic. Wien, ö. Juli. Tcm „Wiener Korrespondenzbureau" gehen aus Belgrad solgende weitere Meldungen zu. Tcm „Mali-Journal" zusolge lmt die serbische Polizei Ütoich- sorschungcn na chdem Komitatschi Ciganowic angestellt, gegen den der Verdacht laut wurde, daß er an dein -Attentat gegen den Erzherzog beteiligt gewesen sei. Die serbische Polizei hat von Eigmwwic noch keine Spur gesunden, setzt die Nachforschungen aber fort. Tas Blatt „Ldick" verzeichnet Gerüchte, daß die serbische Regierung zugesttmmt ba.be, die Uniersuchnng über das 'Attentat von einem öfter re ich. Polizeikom- inissar ans serbischem Gebiet führen zu lassen: cs erklärt dazu, es könne nicht glauben, daß Belgrad den Skandal und die Schande erleben solle, dem österreichischen Kommissariat untergeordnet zn >verden, Das Blatt „Balccrn" beinertt, daß enväyntc Gerücht sei uni so unsinniger, als gerade -Oesterreich-Ungarn wegen der Verfolgung Unschuldiger einer internationalen Kontrolle nnterstelilt werden müßte. Für österreichische Beamte und Soldaten gebe es in Serbien nur den einen Empfang: die Spitzen der Bajonette! Versuch, das Gefängnis in Scrajewo in die Luft zu sprengen? Slawischbrod, 4. Juli. Gestern betraten 5 0 serbische Koniitatschis in t ü r k i scher Verkleidung bosnisches Gebiet. Sic sollen die Absicht gelzabt haben, das Gefängnis in Serajcwo in die Luft zu sprengen, uni zu verhindern, daß die serbischen Gefangenen Geständnisse machen. Die Polizei hat das Gefangcnenhaus streng überwacht, da sic Anhaltspunkte dafür hat, daß tatsächlich ein derartiger Anschlag, geplant gewesen ist. Die Lage in vurazzo. D u r a z z o, 5. Juli. P r c n k B i b d o d a ist mit hundert Mami hier ciiigetroffen. Er verlangt zur weiteren Bekämpfung der Insurgenten 10000 Franks. — Die Aus- körper die Harinonie des Eßzimmers stören, und die Fülle der -Holstermöbcl in der Rauchnische etwas überwältigt, so bleibt doch ein Raum von guter Wirkung, Form und Farbe, Gediegenheit der Möbel und passende Ausstattung bilden ein wohltuendes Ganze, — Zwei Zimmer von H e cken r o t h - dcrborn (Architekt B. T. A. Toerbcckcr-Marburg) können sich an den lleincn Zimmcrchcn im zweiten Obergeschoß nicht ganz zur Geltung bringen. Während das grau-grüne Frcnidenzinimer clwas sehr einfach bleibt, zeigt das Herrenzimmer eine vrakttichc und schöne Einrichtung: besonders der große Schrcibttsch wird bei manchem den Wunsch erwecken, auch soviel Platz zum Schreiben haben zu können. Eine besondere Stellung nimmt die Ausstellung der O b c r - hessischen W e r k st ä 1 1 c n ein. Wir haben cs hier nicht mit einzelnen Ausstellern zu tun, sondern mit einer- Gesaintbeit, deren künstlerischer Gesckmrack wohl fast ganz durch denjenigen ihres Gründers gekennzeichnet ist. Herr Architekt B. T. A. Hans Burg lGießen! hat sich die sehr dankenswerte -Aufgabe gestellt, die aut dem Lande verteilt sitzenden kleinen Meister zu pereinlgen, um ihnen einerseits grösz:re Lcistungssähigkcit, andererseits größeres -Absatzgebiet zu geben, -Er will nickt mit den großen Fabttkcn vornehmer Möbel in Wettbewerb treten: sein Wunsch ist, der einfache Mann möge endlich wieder cinjchen, daß einfache, solide, mit handwerksmäßiger Sorgfalt gearbcitcle Möbel fcsser und verhältnismäßig billiger sind als die Schundmöbel der billigen, Möbclsabriken mit ihren meist unverstandenen Tliliormen. Alles, was uns die Ober-Hessischen Werkstätten zeigen, hat Stil, es ist der Geschmack ihres künstlerischen Leiters, der überall durchblickt. Alles ist auch gut und solid gearbeitet, ioivcit man das von außen sehen kann. Es muß sich zeigen, ob die Möbel dauerhaft, und ihre Formen den Käuscnr angenehm sind. Blanche Formen erschcimm ungcwohist, mancher Zierrat ist vielleicht unvraftisch. ?Ran sicht heutzutage sehr daraus, daß die Möbel möglichst glatt sind, damit sich nicht soviel Staub anser.-n kann. Ter hier ost wicderkehrendc geschnitzte Fries wico in seinen scharfen Ecken nicht leicht rein zu halten sei. Man inuß aber auch zn- gestchen, daß eine jede Schnitzerei doch auch wieder ihr Sckönes hal und ivieder Mode werden kan». Es ist eben Gcschmacklachr! Jedenfalls sind die Hauptsormen fast aller Möbel gut und die Ausmachung der Räume dazu passend. Leider kommt auch hier kein Raum ganz ttchttg zur Geltung: es sind immer nur Kojen, zu eng, um ein rühriges Bild zu geben — Wenn uh Einzelnes heransgreise, sa treffe ich wohl immer den künstlerischen Leiter, . nicht den eigentlichen Anssleller init meiner Kvitik. Die Küche !9!r. 88' scheint mir Weniger sür eine „Herrschaft", mehr sür eine Familie mittleren Standes zu sein. Für Herrschaften ftot man andere Einrichrimgen nötig und wird eine schönere Farbe des Ganzen wählen. Tas Spersczinnucr ,89 ist recht gut. Neu, aber Praktisch stich tzch seitlich ausgchachen NolhachusieL» an [toaiHidien hüben Staronu) eingenommen und bedrohen S»a*m. «t l)o n, 5. Juli. («Igencc d'AthsneS,) Die gestrigen Abendblätter veröffentlichen Depeschen aus Cksios, nack> denen ein türkische« Kanonenboot gestern nachmittag einen griechischen Segler, der Flüchtlinge an Bord hatte, beschossen und gekapert hoben soll, Ta« Kanonenboot sei dann nach der kleii«:» Insel Goui gefahren und liabe da« dortige Kloster durch Beschießung zerstört, Fischer aus DscheSme rersichern, sie hätten den gekaperten Segler ohne die Passagiere gescyeng diese seien offenbar durch die Türken ertränkt ' worden. An» StaSt «nd Lani», Gießen. 8. Juli 1814. •• Lande? Universität. Herr Dr. jur. et med. M. H. Gori >ig, 'Assistenzarzt an der Klinik für psychische und nervöse Krankbeiten, der sich für da? Fach der Psychiatrie an unserer Universität zu habilitieren wünscht, hält am Dienstag, den 7. Juli, »in 6 Uhr, in der kleinen Aula eine öffentliche Probevorlesung über da? Thema: »Die Sittlichkeitsdelikte unter besonderer Berücksichtigung ihrer Begehung durch Geisteskranke^. ** Verband hessischer Be rkehrs-Be reine. Der Arbeitsausschuß des Verbandes hielt am 30. Juni in Mainz die 8. Sitzung int lausenden Geschäftsjahre ab. Nach Verlesung des Protokolls der letzten Sitzung, zu welchem keine Einwünde erhoben wurden, wurde in die Tagesordnung eingetrctcn. Die Hauptversammlung des Verbandes iVerbondstag) soll in der zweiten Hälfte des September in Ossenbach a, M, stattfinden, nachdem Lberhessen (Gießen), das turnnsgemäß mi der Reihe gewesen wäre, gebeten liatic, den Bcrbandstag 1915 dort abzuhalten. Die Beteiligung des Verbandes an der großen Ausstellung „Aus hundert Jahren Kultur und Kunst Düsseldorf 1915". Der Vorsitzende verlas den Bericht des Rheinischen Verkehrsvereins über seine Generalversammlung in Barmen und regte an, daß sich unser Verband an diesen großen Rheinischen Landesverband, dem die mcisien und bedeutendsten Mitglieder unseres Verbandes ebenfalls angehören, und der die Absicht habe, sich in großzügiger Weise an der Düsseldorfer Llusstellung zu beteiligen, in einer noch näher sestzustellen- den Form, mischließen solle. Der Vorsitzende wurde beauftragt, sich über die Einzelheiten mit dem Rheinischen Verkehrsverein, dessen Vorstände er ja ebenfalls angehöre, in Verbindung zu setzen und alsdann einer späteren Äus- schußsitzung zu berichten. Die Dioramen-Ausstcllnng der hessische» Städte und der Bergstraße i» Bad-Nauheim mußte unterbleiben, da die, für die Wiedereröffnung dieser wichtigen Ausstellung nötigen Gelder, trotz monatelanger und energischer Bearbeitung nicht znsammenzubringen waren. Die 'Ausstellung ist nun durch die zuständigen Behörden sachgemäß abgebrochen und in Verwahrung genommen worden Es bleibt nun abzuwarten, in welcher Zeit der von Bad-Nauheim geplante Neubau des Berkehrsgebäudes, der eine zwingende Notwendigkeit für die Bod-Nauheimer Verkehrsinteressen selbst sei und in welchem auch für unsere Diorama-Ausstellung ein würdiger Raum vorgesehen ist, zur Ausführung getaugt. Der letzte Punkt der Tagesordnung betraf innere Verhältnisse zum Bund deutscher Ver- kehrsvercine Leipzig, zu dem die besten Beziehungen bestehen. "Lesehalle-Verein, Am gestrigen Sonntag fand der vom Lesehalle-Verein für die Teilnehmer der öffentlichen Vorlesungen veranstaltete Besuch des M u - seums des Oberhessischen Geschichtsvereins und der Gail- Stifiung statt. Tic Beteiligung war sehr gut, sie hätte nicht großer sein dürfen, ohne bei der schon jetzt fühlbaren Enge des Raumes den Einzelnen allzusehr zu beeinträchtigen, Herr Museumsdirektor Dr, Kramer begrüßte in der Halle die Erschienenen im Namen des Geschichtsvcreins und gab seiner Freude und seinem Dank Ausdruck siir das große Interesse, das die Bürgerschaft dem Museum enlgegen- bringt, Daun begann unter seiner Führung die Wanderung durch eine vicltausendjährige Vergangenheit miscres Volkes und der Völker, die vor ihm den heimischen Boden bewohnt und belniut haben. Mit gespannter Aufmerksamkeit folgten die Teilnehmer den klaren und fesselnden Erklärungen, die ihnen tiefe und gensiß dauernde Eindrücke von der Fülle des Geschauten vermittelten. Schon rein äußerlich betrachtet, erzwingt unser Museum aber auch Achtung vor dem, was hier Bürgersinn und Begeisterung für das Altertum fast -ausschließlich mit freiwillig aufgebrachten Mitteln ge- Büiett und Anrichte unten. Der weiße Wahnsalon (90) fjot etwas sehr Charakteristisches, das vielen sehr gefallen wird. Das Herrenzimmer 091) ist einfach und stilvoll. Im Jagd,immer söfft der -Woffeiychionk mit fetitcr wuchtigen und doch reinen Form sehr gut aus: leider ist die Wand dalsinter sehr unruhig. Ein Wohn- zimmerchen >93) und das Schlai,immer >Nr, 95) sind bcsvndcrs zu erwähnen Die sogenannte Bauernstube ist freilich nur für reiche Leute: ein wirklicher Bauer ivird sich heutzutage kein solches Bett mehr leisten und dafür einen größeren Tiläwlatz besämssen In der Arbeiicrwotmküche 101) fand ich das kleine Gelten mit Verschließbarem Schreibpultchen lehr praktisch: es wird für den eimachen Mann sehr gut den sonst Wohl schleichen Schreibtisch ersetzen. Der Wäscheschrank von A, Heß-Gießcn, dessen Einrich- timg mit kastrnartigen Türen ich, für Bücherickwänke selbst als sehr beauem erprobt hatte, erscheint .mir hier iricht praktisch: sein« Flächen sind zu schmal (um Auflegen der Wäsche. Ein Herrenzimmer grau-grün mit schnwrz (101) ist noch als recht gut zu erwähnen. -soviel glaube ich den Oberhrssischcn Werkstätten zmn Lobe sagen zu kömreu: sie haben sich eifrig unk) mit Erfolg bemüht, dem kaufenden Publikum Beispiele „guten Geschmacks" zu geben. Möge es ihm gelingen, auch fernerhin zur Besserung de-s aNge- meinen Gefühls silr Wohmmgskunst beizutragen, Berfchiedenc Gegenstände, die eine Wohnung schön machen Hellen, können nicht in einem einheitlichen Wohnraumc allein ausgestellt werben, und als Ausstattung zu Möbeln übersieht man sie wir zu leicht. So die Tapeten von Höchst ä tt e r - Gießen und die Vorhänge mid Teppiche der Firma S. BlocdIIer Nachsolgcr-Gleßcn: beide in den Oberhess, Wcrkstätien mit aus- stellend. Tie letzte Firma brachte cs aber doch sersig in einer Sonderausstellung (63', zwei Ausstellungsräume von seiner und sogar brhaglicher Wirkung einzurichten. Ebenso ha, die Firma I, Drrn u, Eo.-Gietzen in ihrem Raume gleich links am Eingang versucht, mit ihren im einzelnen sehr wertvollen keramischen Erzeugnissen, Wand- und 'Fußbodenplättchen, Brunnen Kamin und Bad einen einheitlich wirkenden Raum zu schaffen, !va« hei der Verfchiebenanigkeil der Ausstellungsgegenstände nicht ganz qe- , Imgen koinile. Die Gesaintausftellunq der Wohnungskunst überblickend muß rum der AussteNungslcitung dankbar sei», daß sre eine so'reiche und gute Auswahl mustergültiger Ausstattungen hier zusammen, führte und so einem jeden ißelegenheit bot, sich über die Wand- .Hungen des guten Geschmackes (sich die Entwickelung eines neuem T.ratfoctt etil«? zu unierrich.cn und sein eigenes Verständnis „für Wolmungskunst weiterzubilden. Das war ,a schließlich mit der Zweck der Ausstellung schassen haben. Die Rcichhaltigleil und übersichtliche >Ilus- stellung der Schätze dankt das 'Uiufeinn in der Hauptsache der langjährigen uneigennützigen Tätigkeit seines jetzigen Leiters und ferner Helfer, Den Dank der Besucher silr die hervorragend lehrreiche Führung sprach Dr, Ebel ans " Stadtthratcr, In der morgigen Aufführung der vom Winter her ja bestens bekannten Gesangspvffe „Wie einst im Mai" wird eine größere Anzahl Rollen in der alten bewährten Besetzung gegeben werden, so vor allem die „Ottilie" von Frl, Hansi 'Martini, Das Werk hat auck) in Nauheim und Homburg mit dem Na uh ei me r Operettenpersonal jubelnde» Beifall gefunden und dürste auch morgen hier ein volles Hans erzielen, zumal ja die kleinen Preise weiteren Kreisen den Besuch, ermöglichen, " Abonncmentskonzerte, Man schreibt uns: Beim 4. Wonnementskvnzert unserer Regimentskapelle am Donnerstag, den 9, Juli, wirst de weltbekannte Trompetenbläser der Königlichen Oper-Wiesbaden Herr Fr, Werner mit Aus den uns vorliegenden Kritiken gehl hervor, daß er ein Meister seines schwierigen Instrumentes ist, Herr Werner wird in jedem Teil des Programms einmal als Solist austreten. Ein guter Besuch ist dem Künstler mir zu wünschen, "MitteldeutscherSän^erverband, Sonntag,den 19. Juli, feiert der Mitteldeutsche sängerverband in Großen- Linden sein diesjähriges Verbandsfest, Der Verband, dessen erster Vorsitzender Herr Provinzialdirelwr Geheimerat Tr, u s i n g e r ist, verzichtet varauf, durch äußeres Gepränge, durch Veranstaltung von Wettstreiten, durch Geld- und andere Preise aus seine Mitglieder zu wirken: er will vieliiuehr durch wohlmeinende Beratung und fachmännische Beivertung der Leistungen die Pflege des Männergesangs im Vcrbandsbereich fördern und die angeschlossenen Vereine in ihrem idealen Streben unterstützen. Durch namhafte Stiftungen ist er in den Stand gesetzt, Sachverständige zu den Veranstaltungen zu senden und den teilnehmenden Vereinen Partituren und Noten für die Gesamtchüre zu liefern, ohne daß die einzelnen Vereine dadurch belastet werden. Da außerdem die namhastesten Fachmänner in Gießen und der wei- teren Umgebung dem Verband anqehören und sich gern in seine Dienste stellen, ist er mehr als viele ähnliche Bereinigungen in der Lage, anregend und förderich auf deni Gebiete des Männer- gesanges zu Waken, ohne daß die angeschlossenen Bünde, Vereine und Mitglieder besondere pekuniäre Lasten zu tragen haben. Der Verband hat denn auch durch seine Berbandsleste, Dirigenten tage, Herausgabe non Volksliedern ulw. schon sehr verdienstvoll gewirkt und sich dadurch lebhafte Anerkennung erworben, Hoffentlich reiht sich das diesjährige VerbandSsesi den vorausgrgangenen Veranstaltungen in Gießen iMenbelssohnieier u. a.), in Lich und Butzbach gleichwertig an durch einen recht anregenden, harmonischen Verlauf, Anzeigen in den nächsten Nummern ds. Bl, werden Genaueres über das geplame Fest bringen, "Hassia-Bezirk Gießen, Der Hassia-Dezirk Gießen feierte am Sonntag in Leihgestern sein diesjähriges Bezirksfest, Es batten sich zahlreiche Krieger- und Militärver- cine aus der Umgegend eingefunden, u. a, ans Gießen, Lollar, Heuäielheim, Wieseck, Großen-Linden, Steindach, 'Illbach, Staufenberg, Reiskirchen, Klein-Linden, Allertsbausen, Oppenrod, Hausen, Watzenbvrn-Steinberg, Annerod, Allendors a. d, Lahn, Rödgen, Garbcnteüb, Trohe, Mainzlar, Treis und Allenvvrf ä, b. Lda, Aus dem F-estvlatze begrüßte der Vorsitzende Häuser die Gäste, die Festrede hielt Landtagsabg, Schäfer, Im Namen des Bezirks Gießen sprach Bezirksvoriteher Lehrer Da ab-Lollar, Regierungsrat Langermann sprach das Schlußwort, "Die Cey lon - A »8 sie llun g im Botanischen Garten batte am gesiriqen Sonntage einen überaus regen Besuch. Am Spätnachmittag war die Ausstellung zeitweise überfüllt. " Et n u n li ebsam er Willkomm wurde einigen Leuten von Gießen zuteil, als sie am Sonntag früh gegen 4 Uhr auf der Anueröder „Platt" die Kirschen von einem erstandenen Baum abcrnten wollten, Bier mit Rucksacken und Körben ausgerüstete Männer waren ihnen bereits zuvorgekommen und schon tüchtig bei der Arbeit. Sic er- grifsei, ztvar zunächst die Flucht, als jedoch ein jungeü Mann sich zur Verfolgung anschsikte, gaben sie einen Revolverschuß auf ihn ab, der zum Glück sein Ziel verfehlte. Infolge des herrschenden Nebels konnten die Täter unerkannt entkommen, " Feuer aufdem Gleiberg, In der letzten Nacht brach aus bisher unbekannter Ursackie in einem der Kirche gegenüberliegenden Hause Feuer aus. Die Krofdorfcr Freiwillige Feuerwehr konnte bald nach 3 Uhr den Brand löschen, der um Ve2 Uhr entstanden war. Der Schaden soll nicht sehr bedeutend sein, •* Die Maul- und Klauenseuche herrscht fort in Seligenstadt, Kreis Ossenbach, in Rodheim, Kreis Fricdberg, in Welgesheim, Kreis Alzcy, in Ober-Ingelheim, Schwnbenheim, Gcoß-Winternheim, Dromersheim und Elsheim, Kreis Bingen. Die Seuche wurde je st ge st eilt in Groß-Bieberau und Nennkirchen, Kreis Dieburg, in Hiittenthal itnd Hainstadt, Kreis Erbach, in Affolterbach und Siedelsbrunn, Kreis Heppenheim, und in Bubenheim, Kreis Bingen. Landkreis Gießen. ch Klein-Linden, 5, Juli, Das 60jährige Jubcl- f e st des Posannenchors und des Missionsvereins nahm heute bei starker Beteiligung der Einwohnerschaft und zahlreicher auswärtiger Vereine einen würdigen Verlaus, Neun Brudervereine hatten sich eingefunden u, a, aus: Dutenhofen, Lützellinden, Hol,heim. Langgöns, Beuern, Um 2 Uhr wurde der Festzug ausgestellt, der sich nach dem parkariigen Wäldchen „Woisting" bewegte. Hier erössneten die vereinigten Posaunenchöre die Feier durch den Chor „Herr ich traue aus dich", Pfarrer Schulte- Großen-Linden begrüßte die Festversammlung im Namen der Gemeinde, Noch dem Gemeindegesang „Lobe den Herrn" hielt Ac, Dr, V o l l r a t h - Gießen die Festprcdigt über das Bibelwort: „Er muß wachsen, ich aber muß äbnebmen". Pfarrer O, Lenz-Darmstadt, Elisabethenssist, sprach über die Entstebmig und Entwicklung des Vereins, Borträge und Pasaunenchöre und Gemeindegesänge wechselten ab. Nach einstün- diger Paule schloß sich die Nachleser an, die in ähnlicher Weise verlief, Ueber die MrssionStätigkeit berichtete Missionar 2 ch i r g e aus Hermannsburg, Dekan G u ß in a n n - Kirchberg überbrachte die Glückwünsche des Dekanats Gießeck, Das Schlußwort und den Segen sprach Pfarrer Schulte, Mit beiden Feiern waren Kollekten für die Heidenmission verbunden. (B) Beuern, 5. Juli, Unser Missionsfest, das zur Erinnerung an die vor zwei Jahren erfolgte Ordination des von hier gebürtigen Missionars Heinrich Walther alljäbrlich anfangs Juli hier gefeiert wird, fand heute nachmittag in unserer geräumigen Kirche statt. Die vereinigten Posaunenchöre von Bersrod und Beuern erössneten die Feier mit dem Niederländischen Dankgebet, wonach der hiesige Kirchengesoiigverein unter Leitung des Lehrers Kahle mit dem Lied „Wunderbarer König" folgte. Die anregende Fest- predigt hielt Pfarrer H o s m a n n - Winnerod über unsere Pflicht zur MissionSarbrit, Nach einem weiteren Bortrag der Posaunenchöre und des Kirchengesangvereins crzählle Missionar Meyer aus Kamerun in fesselnder Rede von seiner Arbeit in dieser unserer deutschen Kolonie, Er sprach von dem leiblichen und geistigen Elend der Heiden, ihrer Krankheitsnot, der unwürdigen Stellung der Frauen, Aber- glaub«», Zauberei u,a und zeigte dem gegenüber dieLiebes- arbeit der Miffion und ihre Erfolge, In Deutsch-Kamerun stehen zurzeit b4 Missionare, 40 iOiifj um« jrauen, 400 schwarze Gehilfen und 3 eingeborene Pfarrer an der Arbeit, gjuj I" Stationen und 400 Außenstatume» dal die Baseler Mission 17 000) Getaufte und 23000 Schüler, ein Beweis von der Lebenskraft des Lxmgeliums und eine Bürgschaft für fernere Erfolge, Mit einen, nochmaligen Bortrag des Posauncnchors und einem gemeinsamen Gesang schloß da« Fest, das von fast 1000 Personen aus nah und fern besucht war, Kreis Büdingen. “ Michelnau, 5, Juli, Nach beinahe 45 jähriger Dienstzeit ist unser bisheriger Forstwart, Förster Josef Mandel, in den wohlverdienten Ruhestand getreten Er hat es verstanden, sich die Achtung und Liebe der Bevölkerung hier und in seinem ganzen Dienstbezirk zu erwerben. Zu seinem 'Nachfolger ist Forstwart Jung von Fetdkrückcn hierher versetzt worden, Kreis Schotten, tz) H c r ch e n h a i n, 4, Juli, Die heutige Hcugras- Versteigerung der Gemeindewiesen erzielte hoty- Preise. Eül dem Vorjahre gleich großes eingeteiltes Stück Feld stieg um 8 bis 10 Mark, welches wohl auf den Heumangel anderwärts znrückzusühren ist. -ü Rainrod, 4. Juli. Bei dem gestrigen schweren Gewitter entging zwischen hier und Scffotten Bürgermeister K r o m m von Kohden wie durch ein Wunder einer großen Lebensgefahr. Er befand sich im nahen Spießwalde mit seinem bochbeladenen Henwagen ans dem Heimweg und führte seine Pferde. Plötzlich verspürte er einen gewaltigen Truck und meinte, einen Schlag aus den Kopf zu erhalten, so daß er zu Boden fiel und die Pferde in die Knie sanken. Ter etwas hinter ihm gehende Knecht sah eine Flamme an der linien Seite seines Herrn herabsahren und als Feuer- jchlange aus der Straße und dann die Böschung hinablaufen. Merkwürdigerweise hatte aber Bürgermeister Kromm von dem Blitz nichts gesehen, sondern nur den gewaltig,en Tonnerschlag vernommen und gar keinen Schaden erlitten. Vielleicht hatte seine völlig durchnäßte Kleidung sich als vorzügliche Blitzableitung erwiesen. Der Lustdruck war so stark, daß Leute, die eine Strecke hinter dem Fuhrwerk des Bürgermeisters fuhren, den Wagen schwanken sahen und befürchteten, er würde nmsatlen, Kreis Frievbcrg, 0 Fricdberg, 4,Juli. Lberschulrat Dr, Lucius- Darmstadt, der neue Dezernent für das Bolksschulwcsen im hessischen Ministerium, weilt seit dieser Woche hier und besuchte in Begleitung von Schulrat Süß bereits eine Anzahl Volksschulen des Kreises, u, a, die hiesige Musterschule und die Bad-Nauheimer Stadtschule, r, Bad-Nauheim, 4, Juli, Bei einer Beteiligung von etwa 500 Landsleuten feierte unsere amerikanische Kolonie heute im Grvßh, Konzerthaus da« Fest der Unabhängigkeits- Erklärung, Nach dem Kurdirektvr Oberst von Franken» b e r g sprachen hier amerikanische Redner, darunter der AuStausch- Projessor Dr, Boston aus Boswn, Tie beliebte amerikanische Sängerin. Frau R o t h w e l l - W o l s s - St, Paul verschöne das Fest durch Gesriigsvorlräge, 'Abends fand im Konzerlhaus Fcsl- ball statt. Li Ober-RoSbach, 4. Juli. Ein 16jäyrigec Bursche holte gestern am Kirschberge Kirschen. Während er auf den Wagen stieg, scheute daS Pferd und ging durch. Dem Jungen, der eine Slrcckc weit geschleift wurde, wurde das Bein gebrochen. Sessen-Nassau, sj Marburg, 5, Juli. Im Ilnschluß an den Abgeard- nctentag des Kurhessischen Kriegerbimdes wurde heute hier das auf dem Friedrichsplatze errichtete Kr c is - Kr i eg erdenkm a l cingeweiht. ES hatten sich hierzi: etwa 60 Kriegervcrciiie auS dem hiesigen und den umliegenden Kreisen eingesuuden Mittags gegen 1 Uhr bewegte sich oom Bahnhof aus ein Festzug nach dem von einer tansendköpfigen Menschenmenge umsäumten Friedrichsplatz. Rach einem Vortrag des Kur- hessischen Sängerbundes sprachen hier Pfarrer Eißenbcrg, Geh. Rat Prof, Schenk von hier und der Ehrenvorsitzende des Knrhcssijchc»KriegerbundcS, Exzellenz Bern dt aus Kassel. Unter Böllerschüssen siel die Hülle, des Denkmals. Es schloß sich ans dem städtischen Festplatze Volksfest an, daS morgen erst zu Ende geht. h. F r a n f f u r t a. M,> 5. Juli Aus hem Romerbos im Stadtteil Bockenheim ist unter dem Großviehbestand die Maul- und K l a u e n s c u ck e ausgebrochcn, (z) F i s chb o rn , 4, Juli, Mit dem Bau unserer Wasserleitung ist man früher scrtia geworden, als es sich bei dem Vorgefundenen Felsen amiehmen ließ. Dieser Tage konnte man die Wasserleitung zu ihrem Zlvecke der Gemeinde übergeben, (X) Ä a n a », 4. Juli, Im Kahlgrunde hat ein mit Wolkenbrnch und Hagel verbundenes Unwetter schrecklich gehaust, Bon den Bcrgabhängcn des Vorspessarts strömten ungeheure Wassermassen herab, die die Straßen und den Bahnkörper der Kahltalbahn überschwemmten, t,r) Wiesbaden, 4, Juli, Der Thronpratendcnt des Hauses Frankreiätz-Bourbon, Herzog Philipp von Orleans, ist bier zum Kurgebrauch cingetrossen und im Hotel Rose abgestrcgeii Ter Herzog reist unter dem Pseudonym eines Grasen de Billier,' €uftfd)iüabrt. Fernflug Hamk> ur g—K o p c n h a g e n—S t o ck h o l m. Stockholm, 4, Juli, Die beiden deutschen Flieger, die von Kiel aus den Weiterflug nach Kopenhagen angclreten hatten, sind heute abend hier glücklich gelandet und zwar Schlüter um 8,25 Uhr, Kaspar um 8,35 Uhr, Kurz vor ihrer Ankunft stiegen ein Wasscrskugzeng der dänisciienMarine, geführt von Prcmicrlciltnant Hock, und ein Militär-Farmaii- Toppeldecker, geführt von Premierleutnant Ussing, vom Flugplatz auf, und kreisten in etwa >000 Meter Höhe über dem Sund und der.Insel Amager, um den deutschen Flie- gern die Orientierung zu erleichtern. Als Schlüter gelandet war, gingen auch die beiden dänischen Militärflieger nieder, stiegen aber nach einigen Minuten wieder auf, um auch Kaspar die Orientierung zu erleichtern. Die deutschen Flieger erklären, daß der Flug ausgezeichnet gelungen sei. «erlcht»sa«»l. Dresden, 4. Juli, Weyen Mißhandlung eine« 14- iäftrigat Waisenkindes wurde die MarinestabSingenieurSwüwe I - bonna Tag vom hiesigen Schwurgericht zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Wetteraussichten in Hessen am Dienstag, den 7, Juli is!4: Unbeständig, stellenweise Regensälle, Winde aus westliche» Richtungen. Unentbehrlich zur Kinderpflege ist tägliche Waschung mit fl vr 11 n ve>i der milden, mahüuenden "■» S r r *o M * » *1 » *. M H W die sich durch ihren piehali an edlem Mnrrholin mi! ieineu onii- iepüschen, heilenden und neubildenden Eigenichaiien seit säst MJabren als einzigarnge Toilette-GelundhetlSseije bewährte, 4Mb Nach langem, schwerem, mit grosser Geduld getragenem Leiden entschlief sanft mein lieber, unvergesslicher Mann und treusorgender Vater Julius Gennies im 43. Lebensjahre. Die trauernden Hinterbliebenen: Ida Gennies und Sohn Lothar. Giessen, den 6. Juli 1914. Die Beerdigung findet Dienstag, den 7. Juli, nachmittags 4 Uhr. von der Kapelle des neuen Friedhofes aus statt. (05399 MK -SSf Danksagung. 5iit bie vielen Beweise tnniniler Teilnahme bei bem UNS so schwer betrossenen Verluste, sowie sür bie zahlreichen Blumenivenben sagen wir allen aus biesem Wege herzlichen Dank. Die irauernben Hinterbliebenen: Familien Becker und Bopp. Reiskirchen, Hansen, ben 4. Juli 1914. Tücht. Lauffran sofort gesucht Sokottstr. 3 I. 7971 Fräulein 17—18 Jahre alt, mit schöner Handschrift u. lm Muschinen- näöen bewandert, ver sofort aus dauernd gesucht. Schrift!. Ang.um.05:Ä6a.d. Gieß. Anz. Keiidte giljmn gesucht (7981 Brühl*.che Druckerei. Ö Zimmer | liiUdwIstirrasHe IN eleg. K'Zim. Wobuuag »tiit Badez, »’vremöen.v» reichlich. Zubeh., Wcrrtcnant., Trocken Loden, elekrr. ^'ichl und GaS, zum 1. Lktoberzu vermieten, ^rau A. Petri Ww., Neueit Baue 29 I. ö Zimmer | Thai s-jjimmcr-Wabnnno mit GaS, Bieichplätz, Boden raum, per 1. Lki. zu nenn Zicin n raKe 4 L. 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Aus dem Req.- Be-irf Cassel ist jeglicher Zutrieb von Vieh aus diesen, Bezirk in den Kreis Gießen, insbesondere auch zu den Biehmärkten, nur zulässig, wenn die Tiere vorher in Hessen eine siebentägige Quaraniänc durchgemacht haben. Aus den an die hessische Landcsgrenze unmittelbar anstoßenden, unverleuchten Kreisen dari Vieh angetrieben werden, so- sern Ursprungszeugnisse vorgelegt werden, die nicht über 8 Tage alt sind. Gießen, de» s. Juli 1914. Kroßberzvgliches Kreisamt ©icjjta. 3.$.: H e-m nt erb e. \ I