Nr. 154 Der Eichener Anzeiger erscheint tätlich, außer Sonntags. — Beilagen: viermal .wöchentlich EichenerLamilienblätler; zweimal wöchentl.UreiL- dlatl für den Xreir Eichen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land- wirlfchafiliche Zeitfrayen Ferusprech - Anschlüsse: iür die Nedaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse iür'Depeschen: Anrciqer Wichen. Annayme von Anzeigen iür die Tcigcsnumrner bis vorntittags 9 Uhr. Erster Blatt 164. Jahrgang ietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Zamrtag, 4- Juli 1914 VcznasvreiA: monat!ich75M.,vierleI- jährlich 'Ult. 2.20; durch Abhole- iu Zweigstellen monatlich 6b Pf.; durch dir Post Alk. 2.— viertel- jährl. ausjchl. Bestellq. Zeilenpreis! lokal löPj. auswärts 20 Bienniq. Lhciredakteur: A Goey. Verantwortlich iiir den polit. Teil! Aug. Goey: stir .Feuillclo»', .Vermischtes^ und. Gerichls- saal": stark Neurath: iür .Stadt und Land": Rotationsönid und Verlag der vrühl'schen Unio.-Vuch- und Steindruckerei R. Lange. Redaktion. Lrpedition und vruckerci: Schulstrahc 7. Anz-m-mcü:' ' "" p. Beck. Die heutige Nummer umfaßt 18 Seiten. politische Wochenschau. Gießen, 4. Juli. Es kann nicht mehr daran gezwciselt werden, daß die Mordtat in der Haupsiladt Bosniens aus einem aroßserbi- scheu Koniplott hervorgegangen ist. Es liegen lange Berichte über GeMirdnrfse der beiden zuerst v-erhafteten Mordbuben ^ «mach nicht nur in gegenseitigem Einvernehmen gehandelt, sondern in Belgrad Änstister und Förderer ihres schrecrirchen Planes gefunden halten. Tie Untersuchung ist noch nicht adgeschlossen und eine amtliche Tarstelhitng liegt lrio jetzt nicht vor, allein folgende Tatsachen scheinen fest Anstehen: Princip und Eabrinovic hatten sich in Belgrad getroffen, wo sie durch großserbischc Propaganda sanatisiert ivorden waren. Um ihr Vorhaben und ihre Tat ha! der serbische Major Pribiszevic gewußt, der früher dem östcr- rcichlschen Heere angehort hat, dann aber desertiert war und zum Sekretär des großnationaten Verbandes, der „Narodna Obrana", sich „ausgeschwungcn" batte. Tiefer Pribiszevic soll sogar eine hohe Stellung im serbischen Generalstab begleiten. Ob die beiden Verhafteten zu ihm gekommen waren, oder ob er sic gedungen hotte, ist aus den Berichllen über die Geständnisse Princips und Cabrinovics noch nicht klar zu ersehen. Jedenfalls hat Pribiszevip die Beiden in ihrem Vorhaben bestärkt und sic an einen anderen Helfer verwiesen, den serbischen Komitatschi Ciganwvic, der ihnen die Bomben .und die Revolver verschaffte, wie cs heißt aus dem Arsenal von Kragujewetz. Es wurden noch lreitcrc vier Bcr- säliwörer zu der beabsichtigten Tat hcrangczogcn, die zum Teil nun in Serajcwe bereits verhaftet worden sein sollen. Zum mindesten steht fest, daß ein Belgrader Student namens Grades verhaftet worden ist, der, so heißt es, ein Gestälnd- ins abgelegt hat, das mit dem der beiden andern Mörder übereinstimmt: in einer Konditorei hatte Princip an jenem traurigen Sonntaesdic Bomben und Revolver verteilt; jeder der Verbrecher war auch mit Zyankali, zum Selbstmord nach der Tat, ausgerüstet worden. Soweit die Geständnisse. Nach einem Bericht der „Wiener Allgcm. Ztg." soll Princip, von Todesangst gefoltert, zusammcngcbrochcn sein und weitere Bekenntnisse in Aussicht gestellt haben. Wenn alle diese Dinge auf voller Wahrheit beruhen, so muß bei jedem Kulturmenschen gegen die serbische Hetzerei Empörung anssteigen, denn von einer Tyrannei der Wiener Regierung oder einer Unterdrückung der bosnischen Serben kann nicht gesprochen werden. Tie Habsburgische Monarchie l>attc ihren Rcichsland-en, Bosnien und der Herzegowina, schon 2 Jahre nach deren Einverleibung eine Verfassung gewährt und in dem neu gebildeten Landtag hatten, wie wir einem Aussatz der „Voss. Ztg." entnehmen, die Serben 31 Abgeordnete, die Moslems 24, die Kroaten (Katholiken) 16. Bian vergleiche damit die Zusammensetzung der Nationalitäten in diesen Grenzlanden, die wir heute an anderer Stelle vcröfscnttichen, und man wird finden, daß die Serben über „Unterdrückung" sich nicht beNagen konnten. Das war gerade die Eigentümlichkeit des verstorbenen Erzherzog-Thronfolgers, daß er den österreichisch-ungarischen Staatsgedanken ho.ch halten und alle Nationalitäten innerhalb des Reiches durch Zugeständnisse mit diesem Staatsgebilde verketten ivollle. Franz Ferdinand war ein Freund der Slawen, teils wohl auch aus persönlicher Neigung durch seine Heirat mit esiicr Tschechin, hauptsächlich aber aus wohlerwogenen politischen Gründen. Ter Berfall der türkischen Herrschaft aus europäischem Boden infolge der letzten Balkankriegc schuf aber eine entgegengesetzte Tendenz: die Südslawen, heimlich von Rußland gefördert, drängen nach nationaler Einigung, womit sic der österreichisch-ungarischen Monarchie natürlich gefährlich werden. Bon Wien aus mußte namcnllich der serbischen Ausdehnung cntgegengearbeitct werden, und als Ergebnis dieser Politik'wurde ja auch das „selbständige" Albanien geboren, das, nach den neuesten Ereignissen, nun doch noch einmal aus einer neuen Grundlage geschaffen werden muß. Als neues Glied in der Kette jener slawischen und großserbischcn Bestrebungen wurde in den letzten Tagen der Plan einer Vereinigung Serbiens mit Montenegro genannt, wobei der König Nikita jedoch seinen Thron behalten soll. Ter Belgrader Regierung würde eine Vereinigung besonders aus verkehrspoütischcn und strategischen Gründen erwünscht sein. Der Tod des Willensstärken, zielbcwußten Thronfolgers Franz Ferdinand wird für Oesterreich Ungarn ein großes Unglück sein, wenn auch die amtlichen Nachrufe dem widersprechen und den Bestand des Reiches als unerschütterlich! hinstcllcn. Gewiß, der slawische Ansturm wird vielleicht zurückgewiesen werden, allein er wird doch nun in verstärktem Maße cinsctzen und der Welt auf die nächsten Jahre hinaus reichlich Unruhen bereiten. Die Tat der elenden Mörder in Scrajewo läßt auch für das deutsche Reich eine Schicksalsstunde schlagen. Es ist die Sache der deutschen Regierung, mit kundigen Augen das Kommende vorauszuschcn und ein festes Ziel damit zu verbinden. Ter deutsche Einfluß in Wien muß wachsen und ausschlaggebend werden. In Belgrad und Eetinje hat man ein Beispiel gegeben____ Auch der deutsche Gedanke muß weiteren Fortschritten cntgcgengcsührt werden. * * * Da auch die Fürstlichkeiten der anderen Großmächte der Traiierfcicr in Wien serngcbliebcn sind, ist es keine ausfällige Merkwürdigkeil, daß Kaiser Wilhelm seine ange- kündigtc Reise nach Wien ebenfalls unterlassen hat. Es 'ist natürlich durchaus glaubhaft, daß den Kaiser ein ticines Unwohlsein getrossen hat und er auch aus diesem Grunde sich die Beschwerden einer Reise nicht aufcrlegen kann. Wir begrüßen es aber wohl alle im deutschen Bolle, daß der Besuch in Wien jetzt unterblieben ist. Der österreichische! Hof soll aus Anfragen verschiedener Höfe geantwortet haben, daß der alte Kaiser Franz Joses der Schonung bedürfe und die Traucrfeier daher in stillerem Rahmen verlaufen solle. Eine Meldung, daß für genügende Sicherheit beim Besuch der fremden Fürsten in Oesterreich nicht volle Garantie übernommen werden könne, ist dementiert worden; eine solche Ankündigung hätte ja auch eigentümlich und beunruhigend wirken müssen. Allein cs darf doch wohl ausgesprochen werden: So lange noch die Untersuchung über den Fürstenmord schwebt und nicht alle Fäden bloßgclegt sind, die zu der Tat in Scrajewo geführt haVeu, ist das Unterbleiben einer Kaiserreise nach Wien dringend zu wünschen. Wer weiß es denn, ob nicht wiederum serbische Fanatiker und Mörder den Versuch gewagt hätten, auch den Freund des verstorbenen Erzherzogs mit der Mordwaffe zu treffen? Kaiser Wilhelm wird in der nächsten Zeit auch keine Gelegenheit haben, seinen greisen Freund in Ischl zu besuchen, denn er gedenkt am 6. d. M. seine Norolandreise anzuireten. Warum sollten Monarchen nicht wie die übrigen Sterblichen in dckb Trauer um teure Verstorbene den Wunsch hegen dürfen, in ihrem Schmerz allein zu verweilen? Tie Berljn-Wiencr Beziehungen sind zu fest gefügt, als daß sic durch einen neuen Besuch im jetzigen Zeitpunkt noch eine weitere Festigung erfahren könnten. Besser ist cs, daß in den auswärtigen Acmtcrn stille Arbeit gcleistcl wird; Übertrieben ec Kundgebungen sollten sich auch die kaisertreuen Völker der l)absburgischei> Monarchie enthalten. Die Trauerseier in Wien. Wien , 3. Juli. Während der Vormittagsstunden vor der Trauerseier desilicrlen Tausende und Abertausende in der Hofburg-Pfarrkirche vor den geschlossenen Särgen, an deren Kopsend« zn>ei weiße Blumenkränze von den Kindern der Verblichenen, zwei Kränze der Gräfin Stefanie Lonpay und ihres Gemahls lagen. Von^8 bis 12 Uhr wurden in allen Kirchen Messen gelesen. Von 12 bis 1 Uhr läuteten in allen Kirchen die Glocken. Wien, 3. Juli. Um 4 Uhr nachmittags fand in der Pfarrkirche der Hofburg die Leichcnseicr für den Erzherzog Franz Ferdinand und seine Gemahlin, die Herzogin von Hohenberg, statt. Ter Kaiser, die Erzhcrzögc, die Erzherzoginnen, der gesamte Hofstaat, die in Wien cingetrofsc- ncn Fainilicnangehörigcn der Verstorbenen, die gemeinsamen österreichisch-ungarischen Minister, die Präsidenten der österreichischen und ungarischen Parlamente mit deren Abordnungen, der päpstliche Nuntius, sämtliche Botsckiafter und Gesandten in Vertretung ihrer Souverän« und Staatsoberhäupter, viele militärische Abordnuiigcn, zahlreiche StaatS- und Hofwürdenträger, die Generalität, die Bürgermeister von Wien, Oscnpcst und Agram wohnte» der Feier bei. Auf einem hohen Katafalk ruhten die zwei silbcr- und gvld- verzierten Särge. Ter vollkommen schwarz ausgeschlagene Jnncnraum der kleinen Kirche, in der nur schwackyrs Tageslicht herrschte, machte einen feierlich düsteren Eindruck. Eine doppelte Reihe brennender Kerzen umschloß das Schaugcrüst. Eine tiefe Bewegung ging durch den stillen Raum, als der Kaiser mit den Mitgliedern des .Hauses im Oratorium erschien. Unter großer Assistenz nahm Kardinal-Fürstbischof P a f s i die feierliche Einsegnung der sterblichen Ucberreste vor. Ein dichtes Menschenspalier umsäumte die Ringstraße bis zur Hofburg. Tas Publikum bereitete dem Kaiser und dem Erzherzog Karl Franz Joseph bei der Rückfahrt nach Schönbrunn stürmische und begeisterte Kundgebungen. Wien, 3. Juli. Die Leichen des Erzherzogpaarcs werden heule abend 10,50 Uhr in Begleitung des Hofstaates des Erzherzogs nach Groß-Pöchlarn übcrgeführl und mit der Fähre um 2V- Uhr nachts über die Donau nach A r t st e t t c n gebracht werden, um dort in der Pfarrkirche ausgebahrt zu werden. Noch ei» Opfer der Mordanschläge. Dic Blätter melden aus Scrajewo, daß der Flügeladjutant des Landeschefs, Oberstleutnant Merizzi, der bei dem Bombenanschläge verwundet wurde, im Sterben liege. Infolge Infektion der Wunde sei Starrkrampf ein- gpircten. * . * Ei» Telegramm Kaiser Wilhelms! Berlin, 3. Juli. Ter Kaiser hat an den Admiral der österreichisch-ungarischen Marine Haus in Pola folgendes Telegramm von Kiel aus gerichtet: Nehmen Sic als Vertreter der Kaiser!. König!. Marine den Ausdruck meines ganz besonderen Beileids entgegen anläßlich des jäken Hinscheidens Ihres Erzherzog-Admirals. Ich weiß, wrc Die Technologie auf der Gcwerbeausstellung Gietzen Es wird uns geschrieben: Anläßlich des am 4. und 5. Juli hier stattfindcnden Tcch- nikcrtages bietet die Gewerbeausstellung Gießen 1914 etwas besonderes durch die große .Zahl der auf ihr vertretenen Bcrufs- artcn. Ueber 160 verschiedene Gewerbe liefern den Beweis für die Leistungsfähigkeit der in der Heimat gepflegten Arbeit. Sic bilden in ihrer Art eine vorzügliche Gelegenheit für alle jene, welche die Verarbeitung der heimatlichen Naturschätze und über die vorhandene Intelligenz ein praktisches Verständnis. gewinnen wollen. Die enge Begrenzung des Ausstclltmgsgcbictes und der vorhandene Raum ließen natürlich das Auftreten von übergroßen konkurrenzhaftcn Wiederholungen nicht zu. Aber, gerade hierzu darf gesagt werden, es ist das Geheimnis, welckzes die Besucher fesselt und was sie in Verbindung mit den vorhandenen künstlerischen Zwecksormen, so „interessant" finden. Ucberall sprüht die Technologie, welche die Verarbeitung von Stvsicn zu Gebrauchsgegensiändcu behandelt, dem Beschauer geistvoll entgegen. Tie mcchouischc Technologie durch die Aenderungen der Gestalt nach den Gesetzen der Physik und der Mechanik, im Wesen der Steine, Hölzer, Metalle, Erze, Braunkohlen, Steinsalze, Haare, Borsten, Flachs und Wolle. Tie chemische Technologie durch die Aenderungen des Stoffes nach den Gesetzen der Chemie, im Wesen von Kalk^Zement^Givs, Glas, Gummi, Leder, Pavier, Farben, Lacke, Seifen, Speise» Präparate, Likör und Beerenweinen u. a. m. Ein jeder dieser Stoffe hat durch die Art der Aufmachung seinen Lebenslauf und Bildungsgang offenherzig dargelegt und erzählt von den Mühen und Svrgeit, dem SchaffenHdrange und den Erfahrungen der gewerblichen Arbeit. Das vermehrte Jneinandergreisen der Arbeitsvorgänge beider Technologiearieir ist eine Errungenschaft unserer heutigen Kultur imd liegt nicht zum geringsten -icilc in dem günitigcn ,rort- schritte der Chemie begründet. Das Erkennen der natürlichen E:gen- fdVaften der Stoffe hat der allgemeinen Technologie dieselben Vorteile erbracht, wie das Studiumm der sinnlichen Natur, der Pftan'.en- und Tierwelt dem Kumtgewerbe neue Gcistesbahncn anwies. Ter Künstler erkennt in der Natur die Schönheit der Linien, Formen und Farben, der Gewerbler dahingegen die Eigenart des Baues, durch die Wirkungen von Konstrnklion, Siärko-und Bewegung. Tie Kcößc der Mturschöpfung stellt der Technologie |tets neue Rätsel vor, deren Lösung nur durch ein vertieftes Naturwissen geschehen kann. Aut dieser Grundlage gehören der Konstrukteur wie der Kunstgewerbler gemeinsam zu der großen Familie der Techniker. Sic sind beide gleichbcdeutsam aus da- Wesen der Technologie angewiesen. wie diese aus das praktische Erkennen der Vorgänge in der Natur. Tie Gewerbeaussiellung Gießen 1914 ist als ein Werk der Leimatpstege aufzusassen. Jener Liebcstätigkeit, welche den hci- maklichcn Gewerben nicht nur verbesserte Absatzgebiete, sondern aucki ajs ein Weck der gelverblichcn Erzichirng, dem dauernden Fort- schriit zu dienen bcrusen ist. Tie Einteilmlg der Ausstellungsgegenstände ist nach den drei großen Gruppenanschouungen „Arbeit" „Leben" und „Geistes- psleac" geschehen. In der Gruppe „Arbeit" kommen das Handwerk und die Industrie zulc Schau, iu der Gruppe „Leben" die Gewerbe für Wohnungskunst, die Bekleidung und die Nahrungsmittel und in der Gruppe „Gcistcspslege" Erziehungswescn, Literatur Und Kunst. Tic Steinbruchindustrie ist in Basalten durch einen Ausbau in Tcnkmalsbau des Steinbruches Treihanscn-Marburg und des Steinbruchsbctricbes der Stadt Gießen in sehr schöner, verständlicher Form zur Schau gestellt. Die Bau- und Werksteine haben durch die Hess. Stcrnbrüchc Londorfs und in den Gestcinsarten Basaltlava und in ihrem jüngsten modernen Baumrttel, in Basaltlavatuff, eine vorzügliche Vertretung gefunden. Tie Wirkung zwischen gestockter, scharicrter und geschlissener Bearbertungsweisc sind in meisterhaftem Geschick zur Durchführung gelangt. Der Basalilagertuff dieser Firma ist eine der seltensten Werksteinarten, die existieren, und hat eine vorzügliche Farbenwirlung für die Acsthetik derArchitekliirsvrachc Sandsteine, Muschelkalke und Knnsti- steinattcn haben ebenfalls die Erhöhung ihrer Werte den Fortschritten der- Technologie zu verdanken. In der Grabmalkunst sind ans diese Weise die Firmen Scholl und Cohn (Tarmstadi>, Atzbach (Gießen!, Bläser (Kestrich), Gebr. Reinhardt lOlacht) und die Hess. Slcinbrüche mit hervorragend schönen Stücken der Friedhofskunst ausgcbaut und ergeben ein malerisches Bild. Im Hauvrausstcllungsgebäude beginnt das Handwerk mit dem einsackfftcn technologischen Begriffe des Biegens, Falzens und der Verflechtungen, durch die Vorführung der kunstgewerblichen Korbmöbel von Elsesser (Hamm i. Rhcinh. . Dem schließen sich die Holz- konstrukiioncn der Bauschreinerei in Treppen, Geländer, Waud- vertäselung und einer kunstgerechten Hausemgangstüre des Nleisters Zciß (Griedel) an. Eine weitere Steigerung handwerNrcher Arbeitsweisen zeigen svdami die zahlreichen Türenarbeiten und Wand- veriäselungeu von E. H. Müller (Gießcnb sodann in weiterer Emwicklunli die Ülrbeiten der Sct»--»-«:meljtcr Hahn, W. Beil, Haubach lind Lenz durch interessant gegebene Bau- und Möbelstücke. Alle Verbindungen dieser Holz-Berussarten haben ihre technischen Arbeitsweisen mit dem Geschicke dcS Kunstgewerblers zum Ausdruck gebracht. Interessant hierbei sind die Beobachtungen über die Arbeiten des .Hand- und Maschinenhobclns, der Holzschliffe, der Hojzpolituren und des Holzsärbens. Tic Borführung der Metallverarbeitung, deren Konstruktionen und Gcbruchsgegenständc, ist ein Werk der Schloffcrvercinigung- Gicßcn, den Meistern Stumps (Homberg), Amcnd (ffirünberg i. H.), ©taefe u. Burger (Gießen) u. a. m. Sic zeigen durch die ausgestellten Gegenstände das Biegen, Bohren und Schweißen, die Arbeit des Behämmcrns, des Streckens, des Mctallreibcns, die kunst- nciocrt licficii Weisen ornamentaler und figürlicher Mctallarbeiten, der Ziselier- und Meiallbildhaucrkunst, den Oelcinbrand und das Färbm von Metallen. Tic Maler- und Weißbindervereinigung Gießen bringt in ihren Räumen das Wesen der Mörtclputzarten, der Mörtel- und Holz- anslriche und der Balldekorationsmalerei anschaulich zur Tarstcllung. Das Gewerbe der Glaser ist durch vielerlei Konstruktionen von Fcnsterarlen mcisterhait vertreten. Tie Friseure und Perückenmacher haben es verstanden, ihr Gewerbe mit der Note eines Kunstgewerbcs auszustellen. Abgesehen von der Sammlung der verschiedensten Haarartcn sind die seinen Knüps« und Flechtarbeiten, das Maßnehmcn von Kahlslächen schwierigerer Schädelbildungcn u. v. m. von technologischer Bedeutung. Hieran reihen sich die Gewerbe der Litogravhie des Platten- und Rotationsdruckes sowie der Setzmaschinen, durch viele Mustcrartcn erläutert. Die Beteiligung der Industrie bringt im Geldschrankbau, Krogmann (Gießen), in gcsundheitstcchnischen Anlagen, Schasf- stacdt (Gießen), Krankenwagen, Petri u. Lehr (Offenbach), großen Bohrmaschinen, Heyligcnstacdt (Gießen), kleinen Bohrmaschinen.Reit sGicßcni, hervorragende Leistungen technologischer Art. In gleicher Weise ist die Wollweberei durch Erberer (Georgenhammcr) und die Leinweberci durch List (Lauterbach! vertreten. In besonderer Weise treten die Eisentverke Budcrus (Wetzlar) mit großen Gußröhren, Heizkesseln und Gladiatoren hervor. Die chem. Industrie ist in Putzsanden (Terra-Budera) durch Fabrikationsqänge der Zement- hcrstcllung, Eisenwerke Buderus (Wetzlar), sowie die Herstcllungs» rtcn von Gipssorten durch George (Alt-Morschen), für das Ge- iet der Mörtelhindemittel angesehen vertreten. Die Seifensabri- kation durch Sternberg (Gießen), die Glasbläserei durch Kobe lMar- burg), das Brennen von Tövferglasuren und -Farben durch Keßler (Wicscck), Joh. Schneider lMarburg), Bauer (Lauterbach) und Seitz (Homberg) geben ein lebhaftes Bild von der TcchnolvckÜ! drejcp Gcwcrbcarteii, ft in Her, für dir flotte schlug, lote er für sic wirkte, ich Kat»' aber auch dir .vwffinm«, daN fein Geist lodtct letxm Ivtrb in den Offizieren imd Mannschaften der österreichisch-uuga rischen Marine. Mit mir trauert nietne (Hotte, in deren Mitte ich mich befinde, und welche morgen einen Trauersalut feuern soll, für den fürstlichen Admiral, der auch ihr Freund mar, gez.: Wilhelm I, K." Ans dieses Beileidstelegramm i>t solgendeS-An t Wo r t telcgromm eingeganeten: „Nieder-,eschmetiert w>n der Tragik deS ScklicksalS, sind uns die gnädigen wannen Worte der Teilnahme, die Ew. Majestät an mich zu richten die Gnade hatten, ein wahrer Troff und ein Ansporn sn weiterem Arbeiten Genehmigen Ew, Majestät meinen und der Kaiser! »önigl. Kriegsmarine tief ergebensten Dank. Ich hiiie ferner anznbejehten, daß Ew, Majestät mlltraneender stolzer Flotte unser innigster kameradschaftlicher Dank bekannt gegeben werde. Weitere Traucrbezcugungcn. Wien, 3.Juli, Kaiser Wilhelm tat den deutschen Botschafter Frcih c rrn v, Ts chirs chkt, und Bo g e n d o r f f mit seiner Vertretung bei der Trauerfeier für den Erzherzog und seine (Gemahlin beauftragt, der an der Bahre zwei .Kränze des Kaisers aus Orchideen, ii»:iße« Rosen, Maiglöckchen, Lorbeer und Palmen mit schwerscide nen weißen Schleifen und Goldsranzen, mit einem grasten W mit der Kaiserkrone, zwei Kränz« des Kronprinzenpaares, zwei des Prinzen und der Prinzessin Heinrich, einen des Großherzogs von Baden, zwei des Grvscherzogs und der Grostherzogin von Mecklenburg^Schwerin, einen des Herzogs und der Herzogin von Sachsen-tCoburg und Gotha sowie einen des lllaiicnregiments Prinz August von Württemberg (Pvsensch. Nr. 10) nicderlegte. Der sächsische OK sandte 'legte zwei Kränze mit Bändern in den sächsischen Farben und mit der Inschrift Friedrich August, mit der Königskrone, nieder. Fm Aufträge des bat,rischen Königs- paareS legte-Gesandter Freiherr v, Tücher zwei Kranze mit weißblancn Schleifen mit den Initialen des Königspaares mit Krone nieder. Eine Trauerfeier der deutschen Marine. Kiel, 3. Juli. Anläßlich der Trauerfeier für das Erz- herzogspaar von Oesterreich flaggen alle im Hafen liegen- den Kriegsschiffe, Fachten und sonstige Fahrzeuge hall'mast, ebenso die verschiedenen öffentlichen Gebäude. Gegen 4 Uhr feuertedieganzcKrtegsflottecinenTrauer- salut von 21 Schüssen für den Erzherzog Franz Ferdinand ab * . * Serbische Acusternugeu. Das Wiener Korr.-Bur, meldet ans Belgrad, Die „Samouprava" schreibt: Wir verurteilen aufrichtig das furchtbare Attentat von Sera- jewo und verurteilen ebenso den Vandalismus, dessen Opfer das serbische Volk in Bosnien ist. Es darf nicht vergessen werden, daß eine übereilte Kombination über die Urheber des Verbrechens, besonders unter den gegenwärügen Verhältnissen, einen größeren Schaden Hervorrusen) als man im ersten Augenblick annehmen kann. Das Blau wende! sich gegen den von österreichisch-ungarischen Blättern geäußerien Verdacht, daß Serbien in das Serajewoer Verbrechen verwickelt sei und wendet sich auch gegen die Drohung einzelner Blätter. Die „Samouprava" sagt. Unberechtigte Verdächtigungen berühren uns nicht, über die Drohungen geben wir hinweg. Erst wenn gegen uns vositive Anklagen vorgebracht werden, werden wir Zeit zur Aussprache haben. Das Serajewoer Ereignis sann nicht gewaltsam zum Ttteitobjekt zwischen uns und Oesterreich-Unaarn gemacht Iverden, weit über das Ereignis auch'die übrige zivilisierte Welt urteilen wird. Heute hat in Serbien die Ueberzenqmig genügend Wurzel gefaßt, daß Serbien wegen der zahlreichen wichtigen Interessen in guten Beziehungen zu Le st erreich -Ungarn stehen und sich jeden Schrittes enthalten muß, der eine allgemeine Verurtellung bei allen Völkern eriäbrt Die rohe und durch ni ch t r I e r c ch t s e r t i g t« Mißhandlung der unschuldigen Serben in Bos- nienbetrachtenwiralseinenschwerenvolitischen Fehler, Gegenwättig sind wir geneigt, zu glauben, daß dies die Frucht der engen Ausfassungen der niederen behördlichen Organe in diesen Ländern ist, welche die Schuld an dem Attentat von sich a b z II w ä l z e n bestrebt sind. Wir glauben aber an den Verstand in Wien und erwarten, daß man rasch und energisch diesem Wahnsinn entgegentreten wird, der den Brand des inneren Hasses in Bosnien sch uIst Unser aufrichtiger Wunsch ist, daß die Berhältnissc Bosniens bald zur normale» Ordnung zurückkchren, Tie Beziehungen zwischen Oesterreich-Ungarn Ulü> Serbien, die auf dem Wege einer gesunden Normalgestaltung schon soweit sortgeschrillen sind, werden durch nnbeoachte journalistische Verdächtigungen nicht beeinträchtigt werden können, — Die jnngradikalen, na» t i jna I i fti Id en und fortschrittlichen Blätter sehen die heilige Preßkampagne wegen der Ereignisse in Bosnien fort. Sic schreiben, man wolle in Wien den ersten Augenblick des Schmerzes gegen da» serbische Volk ausnuhen. Tic „Unterdrückung" der Serbe». Einige Ziffern werden am dcnllichsten dariun, ob lind inwieweit die Behauptungen von der Unterdrückung des Scrbentums in Bosnien gerechtfertigt sind. Die am Grund der leyten Volkszählung ui Bosnien-Herzegowina (1910) berechnete Bevölkerung für 1912 stellt sicki aus 1962 411 Seelen, darunter Serbisch- Orthodoxe 856 158, Mvslims 626 649, Römisch Katholische 451 686, oder in Prozenten: Serbisch-Orthodoxe 47,69, Moslims 22,65, Römisch-Katholische 27,48, Die Zahl der Landesbeamten einschließlich der Offiziere und Mannschaften der Gendarmerie belief sich Ende 1912 aus 13 266. Davon waren 5559 (41,90 v, H,> Landeskinder aus Bosnien, 4248 (32,02 v, H,) stammten aus Oesterreich, 3445 (25,97 v. H,) aus Ungarn. Ter Religion nach waren, 3242 (24,44 v. &>.) Landesaugestellte serbisch-orthodox, 7675 (57,86 v. H. katholisch, 1481 (11,16 v. H.) mohammedanisch. Der Nationalität nach befanden sich darunter 11387 (85,84 v. H.) Slawen — nämlich 8634 Serbolroaten und der Rest Tschechen, Polen, Slowenen, Rutlwnen — 1419 (10,70 v. Ö.) Deutsche, 38'> (2,86 v. ,H Ungarn Ter Gesamtauswand des Landcsbndgets für Kicktuszwecke betrug 795 33t Kronen, davon 332158 für den serbisch-orthodoren Kultus, 255 353 für den islamischen, 169 820 für den katholischen. Die Lehrerbildungsanstalt in Serajewo war von 49 Orthodoxen, 44 Katholiken, 31 Moslims besucht. Die sieben Ghmnaiien des Landes wurden von 710 Ortlivdoren, 514 Mohammedanern, 786 Katholiken beiuckff. Von den aus ihrer Llbhängigleit vom Grundherrn mit Staalshllfe abgelösten Päcbter- samilie» waren 76,1 v. '£>. orthodox, 22,93 v. H. katholisch. Man erkennt hier überall geradezu eine Bevorzugung des serbischen Elements. Fm Wahlrecht zum Landtag und sonst bei der legalen Betätigung im öffentlichen Leben kann von einer Benachteiligung des Serbenlnms auch leine Rede sein. Gewerbe-Ausstellung Gießen Für unsere Ausstellung ist morgen ein großer Tag. Die Techniker Hessens und der angrenzenden Gebiete veranstalten, wie schon mehrfach bekannt gegeben, heute und morgen aus Anlaß der Gewerbeausstellung Gießen 1914 eine Tagung von Angehörigen aller technischen Berufe, um der (tawerbeausstellung einen Besuch abzustattcn und durch Vorträge der Oeffentlichkeit kund zu tun, welche Fragen die Angehörigen der technischen Berufe t>. (t. bewegen. Heute nachmittag findet zunächst eine Besichtigung der GailsckM Tampfziegelei statt, Abends schließt sich die festlich« Begrüßung in Steins Garten an, wobei neben heileren Vorträgen aller Art Ing. E. Burmester über den Wert und die Wertung technischer Arbeit spreche» wird. Morgen vorniittgg nftrd die Ausstellung unter sachkundiger Führung besichtigt, woraus eine öfscntlrche Ver sammluug im Ausstellungsrestaurant stattsinden wird. Hier wird zunächst Werkmeister Stimmer (Gießen) über „Ein heitliclses Angestelktenrecht" sprechm, worauf Tr, Höfle (Berlin! sich über „Techniker und Volkswirtschaft" auslassen wird. Nach der Tagung und dem gemeinsamen Mittagessen, das ebensalls im ÄnSstellungsrestaurant abgehalten wird, ist eine ztvanglose Besichtigung der Ausstellung und der Stadt vorgesehen. Durch das Entgegenkommen der Aus- stcllungsleitung erhalten die Teilnehmer Daucrkarien zur Ausstellung, die drei Tage gültig siitd, zum Preise von 50 Psg, Hofsenllih), macht der .Himmel kein trübes Gesicht, damit 'die auswärtigen Gäste Giichen in seinem tasten Lichte sehen und neben der geschäftlichen.Tagung auch schöne Stunden der Erholung hier finden. Neben dem Liebig-Museum in besonderer Halle ist eine Reihe von landwirtschaftlichen Maschinen zu sehe», die in der Hanvtsache von der Firma A. F, Tröster, Butzdach zur Ausstellung gebrach! sind. Sonntags wird ein Teil dieser Maichinen im Betrieb voraesührt und soll hier besonders daraus hingewiesen werden, in Iwrith einfacher und praktischer Weise der Elektrv-Motor in der Landwirtschaft nühtich angewandt wird. Im allgemeinen werden, da man bisher noch wenig Erfahrung hatte, die Anlagen i» den landwirtschaftlichen Betrieben zu umständlich »nd teuer, oder, da der Kostenpunkt, wie überall, eine große Rolle spielt, zu primitiv ansgesührt. ES werden in alte Gebäukw lange, meistens viel zu dünne Transmissionen mit viel zu Ickknig Stützpunkten angebracht I die Folge davon ist eine zu teuere Anlage mit zu Tel Krastverbranch. Derartige „»prakttsche Anlagen werden sicherlich manchen Landwirt davon abhalten, sich der Elektrizität als treuen und krastvollen detser zu bedienen. Die Firma T r ö st e r führt nun eine Antriebsart vor, die als das Ideal für den Laiidmirt zu bezeichnen ist. Zur Vorführung gelangen drei Maschinen: 1 Hassia-Schrotmühle, 1 Rühenschneider und I Häckselmaschine. Zwei dieser Maschinen können zu gleicher Zeit angetrieben werden, es wäre ebensogut noch ein gleichzeitiges dritter Antrieb möglich, und zwar dadurch, daß aus dem Motor lFabrikat der Allgem, Elektrizitätsgescllschast Filiale Frankfurt am Main) sich eine Stuscnscheibe befindet, das ist eine Gruvpe von aneinander gegossenen Riemenscheiben von verschiedenem Durchmesser. Fm allgemeinen wird man damit ausloinmen, daß zwei Maschinen zusammen arbeiten, denn dieselben leisten soviel, daß ein Mann mit Aufschütten und Wegräumei! des Produkts vollaui zu tun hat. Zu einer Gruppe von solchen Maschinen ist außerdem nur ei» einziger Riemen nötig, da zwei, drei oder mehr Maschinen so nebeneinandergestellt werden Wunen, daß der eine Riemen auf die dxei oder mehr Maschinen paßt. Den Motor hängt man am einfachsten an die Decke. Aus Stadt und LanS. Gieß en, 4. Juli 1914. Ter kaufmännische Zug in der Stadtverwaltung. Die Kommunalwirtschaft hat in den letzten Fahren ein ganz anderes Aussehen dadurch erhallen, daß die Städte mehr und mehr einen Teil solcher Geschäfte übernehmen, die bisher der privaten Tätigkeit Vorbehalten waren. Das darf Nicht groß Wunder nehmen, da die Ausgaben, die mit ihrer fortschreitenden, Entwicklung und Ausdehnung an die Städte herantraten, von Fahr zu Jahr größer und vielgestaltiger wurden. Man denke nur au die Einrichtungen, die mit der Waiserveriorgung, Beleuchtung und Ftcischversorguug, vor allem aber mit dem Verkehr zusammeuhängcn. Die Slädte, und nicht nur die großen allein, haben heute zumeist eigene Wasscrversorgungsankaaen, Gas- ttnd Elektrizitätswerke, Schlachthöse nsw., manche besitzen eigene Ziegeleien und lSteinbrüche und betreiben Forstwirtschaft, viele habe» ein eigenes Straßrnbahnnrtz ansgebaut, das die Verbindungen nicht allein innerhalb ihrer eigenen Gebiete, sondern auch nach den Nachbargemeindcn unterhält und damit den gegenseitigen Verkehr fördert und hebt. Es sind so eine ganze Reihe neuer geschäftlicher üluigaben zu solchen getreten, die frülier in der Hauptsache fast ausschließlich in der reinen Vcrwolttmg überhaupt, in polizeilichen Maßnahmen, der Einziehung der Steuern usw, bestanden. Ein starker kaufmännischer Zug hat damit in den städttschen Verwaltungen seine .herrickiast begonnen und mackit mehr und mehr das Verlangen aut seine Rechte geltend, Mancher alte Zopf fliegt vor dem starken Ansturm der nenen Zeit beiseite und der reine Burkau- krattsmns der guten alten Zeit steht bebend und händeringend da und fragt bang: Was will das werden? Auch die gesamte Finanzwirlichast der Städte erfährt so eine andere Gestaltung: sic kann nicht mehr mit rein kalkulatoiischen Erwägungen aus'Grund alter Schemata rechnen: sie stutzt sich mehr aus Tatsachen und gegebene Verhältnisse. Für sie sind, die Forderungen des Tages maßgebend. Nun kann allerdings die Befürchtung in vielen Fällen nicht ohne Berechtigimg zurüclgewiesen werden, daß an die Städte mit ihrer fortschreitenden Entwickelung zunehmende Anforderungen gestellt werden, denen gegenüber ihre Kräfte aus die Dauer nicht gewachsen sein mögen. Da gilt es aber vor allem wieder, guten kaustnännischen Geist zur Geltung zu bringen, als Gegengewicht zu dem rein verwaltungstechnischen und juristischen, der heute immer noch viel zu sehr unsere kommunalen Verwaltungen beherrscht und der sich nicht immer von einer gewissen Lebens- sremdhcit freihält. So gut wie man bereits den Technikern in den Verwaltungen immer mehr Sitz und Stimme neben den Juristen cinräumt, sollte es heutzutage vor allem auch mit dem gesunden kaustnännr- schen Clement geschehen. Die Siadiverwaltmigen können in der Hinsicht gerade vom Großkapital und der Großindustrie lernen, die ihre gesamte Betätigung vorwiegend auf kaufmännische Grundlagen stellen, lind die Städte sollten sich hierbei vor allem in ihren Verwaltungen von einem freieren Geiste leiten lassen, der nichts mehr mit dem altüberkommenen engherzigen Bureau- kratismus gemein hat, der ohnehin allem Neuen sich fremd und feindlick) gegenüberstcllt. Es sei beispielsweise nur daran erinnert, wie wenig zeitgemäßer Geist aus dem Verhältnis mancher kommunalen Verwaltung der Presse gegenüber spricht, deren Bedeutung als einer der maßgebendsten Faktoren im öffentlichen Leben nicht immer die gebührende Beachttmg findet, obwohl heute schon in jeder Familie bereits der kleine AlBC-Schützc in der Zeitung des Vaters hcrnmbuchstabiert, T a g e s ka len de r für Samstag, den 4„ und Sonntag, den 5, F»l,: G e w e r be a u s st e l l » » q: Samstag abend von 6—11 Uhr Konzert der Kapelle des Leibdragonerreginieiits; Sonntag »achmittaa von 4—7 Uhr und abends von 8—II Uhr Konzert der Kapelle Weller. Ceiilon-Ansstelliing im Botanische» Garten. Sonntag geöffnet vormittags von 8—12 Uhr und nachmittags von 4-7 Uhr, 0 b e r h e s s i l ch e r K » » st v e r e i n. Die Gemälde-AuLstelliinc, ist täglich von 11—1 Uhr. Mittwochs von 3 bis 5 Uhr, und an Sonntagen von II—3 Uhr geöffnet, Oberheslisches Museum »nd Gall'sche Sammlungen, Geöffnet Sonntag vormittags 11—1 Uhr unentgeltlich, M »i e u nt für Völkerkunde. Geöffnet a» Sonntagen vormittags von 11—l Uhr unentgeltlich. (Beide Museen sind auch Mittwoch» »nd SamStagS von 3 bis SUHr gegen ei» Eintrittsgeld von 20 Pia, lür die Person geöffnet.- L > chtspieI' a » s: Täglich Vorstellung, U n i o »- T g ea t e r: Täglich Vorstellung. " Verleihung. Der Großherzog Hai der Kraiiken- pffcgeri» des Alice-Frauen »Vereins Scheuester Katharina Lippert in Gießen das DienstanSzcichniingSkreuz für Krankenvffege in Silber verliehen. ** Personalveränderung. Der Großh. Steuec» anfseher Georg Gunkel zu Mainz wurde in den Aufseher» bezirk Lantcrbach II versetzt. (E, K,) Die Evatt g. Konferenz für das 01 r oß- Herzogtum Hessen (Fricdberger Konferenz) hält ihre diesjährige H a u p t v c r s a nt in t u it g am nächsten Ä! i 11» tt> o ch, 8. Juli, nachm. 3 Uhr in F r a n k f u r t a. M, (Restaurant Kaiserkeller, gegenüber cockfauspielhauS). Der für Mitglieder und eingcführte Gäste bestimmten geschäftlichen Sitzung mit Jahresbericht, Beratung einer Geschäflsord- nung u. dergl. folgt um 3‘/ 2 Uhr ein öffentlicher Vortrag des Herrn Univ.-iProf, I), Sch tan, Gießen über das zeitgemäße Thema „Kirchlichkeit". .** D i e Anlagemusik fällt lvegen Verhinderung der Regimentskapelle morgen aus. Gieß euer Freilichtbühne. Falls keine Aende- rung de? Wetters eintriti, muß die für inorgen angesetzte Aufführung der versunkene» Glocke auzfallen. Die endgültige Entscheidung ivird mit dem Theaterzettel angeschlagen werden. I >1II g d e u t s ch l a » d f e st. 2lui gestrige» Nachäüttage begannen die Verunstaltungen des diesjährigen Fungdentschlandlestes mit den Vorlämvien ui den athletischen Hebungen. Schon zwei stunden vor dem sellgesehteii Termine bot der Platz an der Hardt ein Bild bullten Treibens, lieber 250 Teilnehmer aller Alters- Mckeii beretleteil sich vor, niti der nen angelegten Laulbahn sich den colcg einander streitig zu machen. Selbst bei den kleinsten bemerkte man, mit ivelchein Ernste und metchem inneren Ehrgeiz sie an die Sache heraiigingen. Angeieuert durch die laute» Zurule ihrer Mitschüler, boten tie alles aus, unter den jeweilige» Siegern zu lein. Leider war die Beranstaltung aester» vo» der Bürgerschaft nicht so besucht, wie es die Jmigdeutichlandsache verdient, ” Dir Mitteldeutsche Kreditbank, Filiale Gießen, hak in Gemeinschas! mit dem Bankhanse Delbrück, Lehlcklcr & (So., Berlin mib Kommerz- und Diskontobank Bcrlin eine 4prozeniige Anleihe von 3 Millionen MT. zum Kurse von 94,56 übernommen und legt sie, wie wir hören, zum Kurse von 95,40 am 14. J„li zur Zeichnung aus. ** Beschädigung der Anlagen Man schreibt: uns: Fast täglich werden die ösfentlichen gärtnerischen Anlagen durch Abreißen v»n Blumen und Zweigen, durch Betreten der Rasenflächen und Beete beschädigt, durch Hin- wcrsen von Papier und sonstigen Absüllcn verunreinigt. Um diesem Unfug wirksam zu steuern, bedarf cs neben dem Eingreifen der Polizeiorgane, die in derartigen FäUen: unnachsichtlich Strafanzeige erheben werden, auch der tatkräftigen Unterstützung des Publikums. Alle Besucher unserer schönen Anlagen werden daher dringend ersucht, diesen ihren besonderen Schutz angedeihen zw lassen, ** O b e r h e s s i s ch e r Automobilklub. Dem Chauffeur Hch, Hieckhäuser aus Niederscheld wurden in der Monalsvcrsammlung des Oberhessischen Automobilklubs eine Geldprämie von 100 Mark, sowie die Abzeichen eines Fahrers des Oberhessischen Automobilklubs: eine Armsponge und goldene Armlitzen, nebst Ernennungsdiplom überreicht als Anerkennung und Auszeichnung für neunjährige musterhafte Führung als Chauffeur im Dienste des Herrn Hüttenbesipers Julius Frank, Adolfshütte bej Me- derscheld. Durch derartige Auszeichnungen ivird dauernd vonjeiten des Oberhessischen Automobilklubs an der Hebung und Erhaltung eines einwandfreien Chaiiffeurstandes gearbeitet ** Physik in der Kinderstube. Ein Leser aus Gießen schreibt uns folgendes nette Gefchichtchen, fiir dessen Wahrheit er sich verbürgt: Erlösend für die anhaltende Schwüle erwartet nian fiir die anbrechende Nacht das ersehnte Gewitter, — Die Familie ist vollzählig versammelt und bespricht die Wahrscheinlichkeit des Gewitters, nur die kleine Ruth fehlt. Nach langem Suchen findet nian st« in ihrem Zimmer, — Die Mutier sieht ihr erstaunt zu, wie sie hier kleine Stecknadeln in ihrer Schürze sammelt, dort andere kleine Gegenstände, den Ring vom Finger abzicht, die Schere vom Nagel nimmst ja sogar die Schuhe mit den eisernen Nesteln auszieht — warum dies all? — Sie hörte gestern, daß — Metall den Blitzan lockt und sie möchte beruhigt schlafen gehen, . . , ** Kleine Mitteilungen. Zwischen Hirzenach und der Station St, 04 o a r entgleiste beute nachmittag der von Köln nach Frankinrt fahrende ll-Zug 268, Menschen kamen nicht zu Schaden, Ter Zug konnte nach mehr als. zweistündiger Verspätung die Fahrt fortsetzen. Der gesamte zurzeit sehr starke Reiseverkehr erlitt ans dieser Strecke durch den Unfall empfindliche Störungen. — Bei einem ehelichen Streit brachte der Gastwirt F a y itt_ der Rödelheimer Landstraße seiner Frau einen lebensgefährlichen Stich in die Brust bei, — Am Neubau des Alieekraukenhauses in Mainz stürzte der Taglöhner Gahlstadt ab und erlitt erhebliche Verletzungen, Landkreis Gießen. --- Harbach, 4. Juli. Der Anschluß an das städtische Elektrizitätswerk Gießen ist seit einiger Zeit fertiggestellt worden. Nachdem sich mehrere Hausbesitzer bisher zum Anschluß nicht verstehen konnten, sind jetzt sämtliche Häuser Harbachs an das Netz angeschlossen. Kreis Büöktigen. (h) Büdingen, 3, Juli, Ter 28 jährige Weißbinder Wilhelm Henrich aus dem nahen Hainchen hat sich am Donnerstag nn Frankfurter Stadtwald erschossen. [H Bleichenbach, 3, Inst, Gestern mittag brach die baufällige Scheuer des Polizeidiencrs Günther in sich zusammen. Glücklicherweise tvar wegen der Heuernte niemand anlncsend, da sonst bei der engen Bauart im Hof leicht Menschen hätten zu Schaden kommen können. Kreis Friedberg, r, Bad-Nauheim, 3. Juli. Tie heuttge Stadtverordnetenversammlung bewilligte für im Herbst auszu- sührendc K a n a l i s a t i o n s a r b e i t e n als dritte Rate 215 OOO Mark. Die Arbeiten sollen in drei bezw. vier Losen vergeben werden. —• Eine von der Bürgermeisterei ansgearbeitete Ortssatzung über Einauartiernng und Bildung eines Ansschnsies, der dazu berufen ist, die Bürgermmsterei zu unterstützen, wird genehmigt. — Für die hier stattstndende Bezirks-Geslügel-Ausstellung stiftet die Versammlung einen Ehrenpreis im Werte von 25 M k — Zur Bescktaiiuug von Preisen für einen zum Besten des Roten Kreuzes zu veranstaltenden Bazar im Konzerihaus werden 50 Pik, bewilligt. — ES wird beschlossen, mit dem 1. April Nächsten Javres die städtische Schäferei der hoben ikosten wegen eingehen zu lassen. — Die Anlage eines Platzes für llrnengräber auf dem neuen Friedhof wird genehmigt, Starkenburg und Nheinhessen, m. Osfenbach a. M., 4, Juli. In der gestrigen Sitzung des Kreistages wurde die Herstellung einer neuen Ortsdurcki- sahrt in Ecrlsbach beschlossen. Die Kosten belausen sich ans 20 000 Mark, von denen der Staat 7500 Mk , Provin: imo ztreis sc 5000 Mark und die Gemeinde 2500 Mk. zu tragen haben. Die Rech- nungSablage des Kreises verzeichnet eine Einnahme von 923 524.71 «Mark und yinc Ausgabe von 836155.33 Mk, Die Krcisarmen- »nd Kreiskrankenvilege erfordert eine Ausgabe von 180000 Mk, looDou 40000 Mt aus den Gcsamtkreis und der Rest auf die Landgemeinden entfallen. lch) Bingen, 2. Juli Für die Errichtung einer Wohiiungsiiispcktion im rdreise Bingen stellte dos Kreisamt den Betrag von 1500 Böark ans Mitteln der ddreissparkassc zur Verfügung. Ta die Stadt Bingen bereits eine eigene Wohnungsinfpcktion Hot und die Verhältnisse in den anderen Gemeinden des Kreises ganz verschieden von denen der Stadt Bingen sind, soll nach dem Beschlüsse der heutigen Stadtvcrordnetcnsitzung beim «reise beantragt 1 verden, daß die Stadt den ihr zustehenden Teil für den gleichen Zweck auSbezohlt crliolte. Hessen-Nassau. s s M a r b u r g, 2. Juli. Nachdem der hessische Verband ländlicher Genossenschosten Raisscisenscher Organisation in, Jahre 1000 hier zum letzten Male versammelt war, soll am 8. und 0. Juli der diesjährige Vcrbandstag wieder in Marburg tagen. Die Verhandlungen finden wie bei den srühe- ren Tagungen wieder in den Stadtsälen statt s I A u s d e m S r e i s e M a r b u r g, 4. Juli. Nach dem jetzt jcrtiggestcllten Verwaltungsbericht des Kreises Mar- bürg vom Jahre 1913 besitzt der «reis ein Kapitalvermögen von 45 354,47 Mk„ ferner ein Grundvermögen im Gesamtwerte von 1854 070 Mk. Die Kreiskommunalkassenrechnüng sür 1913 schliefst ab mit 590012,18 Ml. Einnahme und 559 274,89 Ml. Ausgabe, Bestand 30 737,29 Mk. Ter Kreis- haushaltsctat sür 1914 ist aus 433550 Mk. veranschlagt. Ausser dem vor Fahren für den Bau der Kreisbahn auf. genommenen Darlehen von 1 132 851 Mk. hat der Kreis keine Schulden. Ter Gesundheitszustand ini Kreise war im Berichtsjahre un allgemeinen günstig. sh) Frankfurt a. M., 3. Juli. Ein Beamter der hie- sigcn Viehmarktsbant unterschlug einen Scheck über 1772 Mark und bezahlte damit Schulden, die er bei Rennwetten gemacht hatte. Obwohl die Schuldsumme sofort von den Verwandten des jungen Mannes gedeckt wurde, kam dieser trotzdem in -vast. (h) F r a n k f u r t a. M., 3. Fulii. Das von der Frank- snrtcr Kunstlerschaft zum Besten eines Kunstler-Pensions- fonds veranstaltete glanzvolle Kii n st l c r s e st „Von Anno dazumal" in der Festhalle brachte den hohen Reinertrag von «>4 386 Mark Im Hinblick aus die gewaltigen Unkosten, die das Fest verschlang, must der jinanziclle Erfolg als ein ungewöhnlicher bezeichnet werden. x Aschbach i.O., 2.Juli. In der hiesigen Papicr- und Filterstoff-Fabrik geriet dieser Tage der Sohn des ebensalls in der Fabrik beschäftigten Wcrkführcrs Mannheimer in die Drahtseile einer Maschine und ivurde dabei am Hals so schwer verletzt, da>l! der Unglückliche verschied, bevor er aus den Seilen der Maschine befreit werden konnte. x D a l d-M i ch c lb a ch, 2. Juli. Zurzeit ist die Hei- dclbeer Ernte im nördlichen Odenwald in vollem Gange. Diese Ernte bildet bekanntlich einen Hauptcrwerbüzweig sür die wenig bemittelte Bevölkerung des Odenwaldes. Für den Schoppen iverdcn 16 Pfg. bezahlt. Ta die diesjährige Ernte nicht sonderlich reichlich ausgefallen ist, steht zu er- nrarten, daß dieser Preis gegen Ende der Ernte noch eine ivescntlichc Steigerung erfahrt. Die Arbeit Ser Arankenkassen. Man schreibt uns: Infolge des Inkrafttretens des zweiten Buches der Reichsvcrsichcrungsordnung ist mit dem 1. Januar 1914 eine wesentliche Acndcrung auf dem Gebiete der gesamten Krankenversicherung cingetreten. Mit aner- kennenSwcrtcr Pünktlichkeit sind die Kassen den neuen Bestimmungen gemäß in Tätigkeit getreten und soweit erforderlich neu gegründet worden. Doch ebenso wie die Ausdehnung der Rechte der Kassen zu begrüßen ist, ebenso bedauerlich ist cs andererseits, datz durch daS neue Gesetz der liebe Bureaukratismus in den neuen Kassen einen größeren Nährboden gesunden hat. Zwar wird der größte Teil des inneren Betriebs der Kassen durch eine von ihnen selbst zu erlassende Dienstordnung geregelt, aber insbesondere durch die von den Aussichtsorganen geforderten statistischen Erhebungen ist der Umfang des Betriebs der Kassen ein «oejentlich größerer und dadurch auch teuerer geworden. Zwar soll der Wert der Statistiken nicht verkannt werden, aber Grenzen dürften auch hier gezogen werden, damit sic nicht in' das Ungeheuerliche loachsen. Wenn man ferner noch den riesigen Umsang der Orga- nisationsarbeilen in Betracht zieht, so ist cs auch weiter nichl verwunderlich, daß noch Manches rückständig und noch Manches zu vollenden ist. Da nun infolge der Wahlen zum Ausschuß und Vorstände der Kassen >§§327 ff. R. V. O.) von vielen Kassen heute noch nicht alle Verträge abgeschlossen sind, so ist es erklärlich, daß die Arbeiten der Beamten zurzeit doppelt schwierig sind. U.'st. ist auch bis heute von seiten der O r t s k r a n k e n ka s s e Gießen- Stadt, sowie der Ortskrankcnkasse Gießen- Land und der L a n d k ra n ke n ka s s e Gießen-Land mit den in Frage kommenden Acrztcn ein Vertrag n»>h nicht abgeschlossen; wie man hört, soU der easus belli die Honv- rarfrage sein. Dadurch, daß ein Vertrag nicht vorliegt, wird von den Mitgliedern der Kassen nun angenommen, die Wahl unter den Aerzten sei nach §369 der R. V. O. eine vollständig freie. Dem ist jedoch nicht so, und viele Versicherte lwbcn auch schon die üble «Erfahrung dadurch machen müssen, daß die Kassen die Uebernahine der entstandenen Kosten ab leimten Es sei hier an dieser SteUc darauf hingewiesen, das; nach einer von dem Versicherungsanii Gießen-Land er lassenen Anordnung die Mitglieder der beiden für den Kreis Gießen-Land bestehenden Kassen nur freie Wahl unter den Aerzten haben, die seither zur ärztlichen Kasscnpraxis bei den mit dein 1. Januar 1914 aufgelösten Gcn»einde- krankenvcrsichcrungen zugelasscn ivaren. Bevor also die noch abzuschließenden Verträge in Kraft treten, was hoffentlich nicht alle,6 im Interesse der Acrztc, sondern auch im Inter esse der Kassen recht bald geschieht, sei man recht vorsichtig und überzeuge sich zuvor an der betreffenden örtlichen Stelß-, ob der Arzt zugelassen war. Ausnahinen bilden selbstverständlich dringende Fälle, bei denen Gefahr in Vor zug ist, doch ist nachträgliche Zustimmung der Kasseverwaltung binnen 24 Stunden cinzuholen. Ist bei einem Krank heitsfall spezialärztliche Beliandlung erforderlich und wün- schenswert, so kann ein Spezialarzt (für die spezialärztliche Behandlung fonimcn für die Mitglieder der Krankenkassen sür Gießen Land nur die Universitätskliniken in Gießen in Frage) nur dann zu Rate gezogen werden, wenn der zuständige Kassenarzt dos Erfordernis der spezialärztlichen Behandlung bescheinigt. Es bedarf auch der Zustiininung der Kasscnverwaltung, ivenn ein Mitglied die .«osten für die Inanspruchnahme eines nicht zuständigen Arztes s e l b st tragen will, andernfalls unter Umständen die Auszahlung des Krankengeldes verweigert werden kann. Ebenso muß auch beim Wechsel eines Arztes «nährend der Dauer einer Krankheit die «assenvertvaltung ihr Einverständnis erklärt haben._ veretnrnachrlchten. — Lollar, 3. Juli. Bei dem am Sonntag. 28. Juni, abgebal- tenen 9. Bundesturnteil des Lahil-Tünsbcra Turnerbundcs hatte unter Verein „roste Eriolac zu verzeichnen. Es erhielten Hch, Rohr bach lX den höchilen Ehrenvreis «nit 142 Punkten, Ludtv. Hotniann den Ehrcnvrcis mit 138'.. Punkten, Wild. Frank den 1. Preis mit 138 Punkten, Karl Aael den 2. Preis m>« 136'/, Punkten. Otto Schmidt den 35., Philip» Junker den 36., Karl Rohrbach den 39. und Heine Erbe den 44. Preis. Außerdem erhielt die Zöglingsricge am Pferd den zivciten Preis. Der Verein beteiligt sich ferner noch in diesem Jahre an dem Stafettenlaut in Launsbach mid i«n Septcnibcr an dem Bergturnsest aus dem Dünsberg. Nnivcrjttnts-Nacbricbten. — Dem Privatdozenten sür Staatswissenschastcn an der Universität .Halle a. S. und Direktor des städtischen Statistischen Amtes daselbst Dr. rer. polit. Hellmuth Wolfs ist der Professortitcl verliehen worden. Gericistssaal. Prozest gegen Rosa Luxemburg. Berlin, 3. ->nli, In der heutigen Bormittägssitzung des Prozesses gegen Ro«a Luxemburg gab der erste Staatsanwalt H a g c ni a n n die Erklärung ab, daß es in der kurzen Frist nicht gelungen sei, von den zumeist sehr entfernt liegenden Garnisonen die kriegsgerichtlichen Akten herbeizuziehen. Er müsse deshalb die Vertagung beantragen. Nach längeren Aus« sührungen der Verteidigung, welche der Vertagung widersprach, beschloß das Gericht, dem Antrag der Staatsamvaltiämst slatt- zugcbcn und die Verhandlung auf unbestimmte Zeit zu vertagen. — L i eh, I. Juli. — Schöffengericht. Der Händler H. K. i» Lieb hatte «rüber in Wohnbach ein ihn» unter Eigentumsvorbehalt verkanffes P«a«id veräußert «mb den Ei 183 inr sich verwendet. Wegen Unierschlagnng erhielt er eine Gcldslrasc vo» 20 M. oder 4 Tnac «beiängins. L e i p z i g, 3. Juli. Vor dem zweiten Strafsenat des Reichsgerichts begann heute vormittag die Verhandlung gegen den 18 jährigen Ehcmikcr Jean Francois Hausse, geboren in Jarcville bei Nancy. Dem Angeklagten, der luxemburgischer Staatsangehöriger ist, wird zur Last gelegt, in Metz versucht zu haben, zu Spionagezwecken sich im Besitz und Kenntnis von Schriften und Zeichnungen zu setzen, deren Geheimhaltung im Interesse der Sicherheit des Landes geboten ist. Hausse ivurde wegen versuchten Verbrechens gegen dew § 3 des alten Spionagcgesetzes zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Drei Monate der erlittenen Untersuchungshaft wurden ihm angcrechnet. Sein jugendliches Alter bewahrte-ihn vor dem Zuchthause. vermischte». * Selbstmordversuch eines Gemeindeschülers. In Neukölln schoß sich der Gemeindeschüler Sch., der Sohn eines Mechanikers, mit einem Revolver seines Vaters vor den Augen seines Bruders eine Kugel in die rechte Schläfe und verletzte sich schwer. Er hatte ohne Wissen der Eltern die Schule versäumt und war deshalb von seiner Mutter bestraft worden. * Schüsse in der Nacht. Aus Paris wird gemeldet: In der Nacht auf Donnerstag wurde von Unbc- kamitcn aus einer Droschke gegen ein Au.o, in tvelckiem die Gemahlin des Chirurgen Doyen vom Theater nach Hause fuhr, drei Revolvers chüssc abgegeben. Es wurde niemand verletzt. Nach der 'Ansicht des Professors handelt tS sich um einen Racheakt Seine Frau gehörte früher dem Ballettkorps der («roßen Oper an. * Schauerlicher Tod. Wie aus Nantes gemeldet wird, kamen zwei Arbeiter der «Eisengießerei in T r i g » a c aus suräübare Weise umS Leben. Ae Izotten in einer Hütte den Abfluß der geschmolzenen Metallmassen zu überwachen, als die Hütte Feuer fing, lim dein Berbrennuiigstode zu entgehen, versuchten sic, durch die glühenden Metallmajsen zu waten: sie erlitten jedoch dabei so furchtbare Verletzungen, daß sie bald daraus starben. * Eine blutige Zigeuner schlecht spielte «ich ain Donnerstag abend in Lievg arten bei llccker«nü«ide ab Zwei Zigeunerfamilien lebten seil längerer Zeit vegcn eines Mädchens in Streit. Am Donnerstag tani es z» einem Kampfe, «vvbci 30 bis 40 Schüsse gewechselt wurden, Bon de» Zigeunern «milden z Iv e i schwer verwundet: einer erhielt sün« Schüsse. Ein anderer Zigeuner und eine Zigeunerin «vurdc» leichter verivundet. Eine Unbeteiligte, die 22jährige Frau Berger aus Berlin, die bei ihren Ellern ;«« Bciuch weilte, Ivurde aui deren Grundstück durch eine verirrte Kugel schwer am Unterleib verwundet. Sic nnirde joiort nach der GrcisSn>aldcr Klinik gcichaist. Die Zigeuner «ind g c s l ü ch t c t. * Untaten d e r W a h l w c i b c r. Das Schloß T i al- l y in e n o ch bei Holywood in Irland ist von Stiinmrechtle- rinnen in Brand gesteckt worden. Das Schloß wurde mit seinen unermeßlichen Kunst schätzen vollständig e > n g c ü s ch e r t. Die Feuerwehren waren infolge des durch die große Hitze herrschenden Wassermangels machtlos. Der Sckzadcn wird aus 400 000 Mark geschätzt * Ertrunkene Lebensretter Ein Bergnü- gnngsdampser kehrte von Hampton Court zurück, als ein junger Mann, ein Nesse des verstorbenen Unterhaus- Mitgliedes sür Oxford namens Anson, über Bord fiel. Ejn anderer junger Mann sprang ihm nach, um ihn zu retten. Beide ertranken. Ein dritter Herr, ein Sohn des russischen Botschafters, der seinen Freunden zu Hilse eilte und ebenfalls in das Wasser nachsprang, wurde lebend, aber in äußerst erschöpftem Zustande geborgen. Kleine Tagcrchronik. Prinz Wilhelm, der älteste Sohn des Kronprinzen- paares, der sein achtes Lebensjahr vollendet, hat nach Meldungen verschiedener Blätter den Leutnant v. Kühne vom ersten Lcibhusarcnrcgimcnt als militärischen Erzieher zugeteilt erhalten. Gestern abend zwischen 7 und 8 Uhr hat ficfi über Nürnberg und Umgebung ein furchtbares Unwetter entladen. Der angerich- tctc Schaden ist vorläufig nicht zu übersehen, Ein s ch w c r e r H a g e l s ch l a g g i n g 20 M i n u t c n lang ununterbrochen nieder. Die öffentlichen Anlagen, die Gärtnereien und die Felder der Umgebung sind verwüstet. An zwei Stellen in der Nähe des Ratbanscs haben die Wassermassen das Pilaster beschädigt. — Infolge der großen Hitze ist nach einer Meldung aus Innsbruck eine rapide Schneeschmclzc in den Bergen cingetreten. Die Flüsse haben einen hoben Wasscrstand erreicht. Aus dem Postamt in S t o ck ho l m sind auf bisher noch nicht aufgeklärte Weise Barbeträge und Wertsendungen im Betrage vo» 2l 000 Mark entwendet worden. In N c v e r s wurde ein Auto mit vier Insassen von einem Zuge ersaßt und eine Strecke weit fortgeschleift. Die Leichen wurden schauerlich verstümmelt. Amtlicher Wetterbericht. Detteraussichtcn in Hessen ain Sonntag, den 5. Juli 1014: Unbeständig. doch weist wolkig, zeitiveise Niederschläge, keine T«>»veratnrä»der»»g, Letzte Nachrichten. Paul Hehses Testament. München, 3. Juli. Paul H e h s e verfügte tn seinem Testament, daß nach deni Tode seiner Frau die sämtlichen Erträgnisse seiner Schritten, Honorare und Tantiemen zu gleichen Teilen der Deutschen S ch ill er st i s tu n g in Weimar und der Münchener Zweig-Sckiillcrslistung überiviesen werden. Iffuut-Rleich- nromp ..Chloro“ bleicht ui chic Gesicht und Hände in kurzer Zeit rein wein. Vorzug!, erprobt, unschädl. Mittel geg.unsctwner>antfarbe,Som- merivrossen,Leberflerte, gelbe $ vierte, Haukunreimgkeiten. Echt,C!ilorocreme‘ Tube , Wirksam unterstützt durch Chloroseife (50 -3) v. Laboratorium „i/eo", Dresden 3 lnGiirrn: Hiscliapoth.. 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