Kr. 152 Der •kfttntr Snzelger erscheint täglich, außer Sonntags. — Beilagen: viermal wöchentlich OletztnerLamillenbläNeri »weimat wöchentl.llreir- »latlfiirdenllrei. Sieben (Dienstag »ni> Freitag); zweimal monall. Land- wielschastliche äeitfrogen siernirwech - Anschlüße: lür d« Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen: Anzeiger «icße». L»«ch»e oav SnzeigeH kür di« Tageseniminer bis vormittags S Uhr. Erster viatt tf>4. Jahrgang Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Kotaftonrdnick u»0 Verlag der vrihl'schen Uaiv.-S«»- »nd Steindruckerei R. Lange. «edattion. Lrpedition und Vrvckerei: Schulfirahe vonnerrlag, 2.)uli 19^ Vez«q»vreiA: monatlich 75 Pj., vierteljährlich Mk. 2.20: durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk.2.— Vierteljahrs ausschl. Bestellq. Zeilenpreis: lokal 15Pf^ ausrvärts 20 Pfeinng. Chefredakteur: A. Goe!;. Verantwortlich für den polit. Teil: Aug. Goeh: für ^Feuilleton", ^Vermischtes^ und^Gerrchts- saal": Karl Neurath; für .Stadt und Land": Kurt Bendt; für den Arrzeigenteil: H. Beck. Vien und Zerajewo. Eine angebliche Note der Wiener Regierung hatte begreis- Iicherweite Au ge heu und Erregung bervorgerufen. Heute ium> diese Nachricht aber schon dementiert und alle an diesen ^xl)ritt geknüpften Befürchtungen sind deshalb vor lauftg uberftussig. Pariser Figaro soeben über die beabsichtigt' serbisch.montenegrinische Union enthüllte, 'ist überall tti Europa vom serbischen Federn befürwortet und angekündigt worben. Ein gewiß ernst zu nehmenber chiann nne der frühere serbische Ministerpräsident Tr. Wladan Gcorgclmtsch hat noch ganz kürzlich i,n Anschluß an die alba- nhchen Schwierigkeiten der Bereinigung von Serbien und Montenegro das Wort gesprochen. Fetzt oder nie sei der Moment für Oesterreich gekommen, seine Fehler wieder gut zumachen und sich mit der Zusammenschelzung der serbisch- lroatt^en Ration abznsinden Zollte auch dieser Augenblick verpaßt werden, dann sei man eben gezwungen, den Kampf auszurrehmen. Wiederholt hak (tzeorgewitsch in össentlichen Borttägcn in Berlin erklärt, die serbische Frage müsse mit Gewalt gelöst werden. Die beiden serbischen Staaten rnüßten ihre ganze Anfmertsainkeit der Entwickelung ihrer Armeen und der Volksaufklärung widmen, sie müßten die nationale Energie in den eroberten Teilen der serbsichen Ration (!) aufrecht erhalten, um die nächste Gelegenheit zu benutzen! Tie Berontwortung für die Ereignisse, inc eintrctcn würden, fic(c aus das kleritül dynastische Oesterreich Ungarn, das mit seiner bekannten Bureaukratie und seiner polizeilichen Administration nicht jene humanen Külturwege betreten wolle, die ihnr vorgezeichnct sind. In Bosnien und der Herzegowina wachse nicht nur das Mißtrauen, sondern auch der tiefe, unausrottbare haß gegen den Eroberer. Der Tag fti nicht fern, an dem Bosnien imd die Herzegowina mit -Serbien und Montenegro vereinigt werden könnten. Auch andere serbische Politiker, wie z. B. Pros. Jowan Zwijitsch haben in Broschüren und Zeitungsartikeln, die in ganz Europa erschienen, die neue serbische Bewegung gegen Oesterreich verraten und klargelegi. Bot man in Wien neben den Sorgen der albanischen Frage gar keine Zeit gesunden, sich mit der ansziehcitden Gewitterwolke zu beschäftigen und das Unheil beizeiten zu beschwören? Tas Schreckliche. das in Seraiewo geschah, ist nicht toieder gutzumachcn. vossentlich wird die gcsährliche situano», die dadurch entstand, jetzt durch eine kluge und weitblickende Diplomatie üderlvlrnden. Ueber die Vorgänge erhalten wir folgende Drahtnachrichten: Die Untersuchung. Serajewo, l. Juli. Die Einzelheiten der Untersuchung wegen des Attentats werden geheim gehalten ; man weiß aus der bisherigen Untersuchung, daß Ca- brinowic und Princip in Belgrad von einem Komitatschi namens Miho Tschiganowitsch fürden Mord gedungen und mit Bomben und Brownings ausgerüstet worden tvaren. Princip sagte aus, er habe ursprünglich das Attentat in To risch in, dem .Hauptquartier der Manöverlcitung, verüben wollen, habe diese Absicht aber wegen der strengen militärischen Msperrung ausgegeben. Bei mehreren Verhafteten wurde nur nachgewiesen, daß sie mil Cabrinowic uud Princip in persönlichem Verkehr gestanden hatten Ans Anregung des hiesigen Majors Pi ffl, Lehrer am Militärknabenpensionat, sind Sammlungen sür ein sühnedenkmal cingcleitct worden. Tie erste Gabenliste weist 2000 Kronen aus Wien, l.Juli. Aus Serajewo zurückgekehrtc Verso,ilichkeiteu aus dem Gefolge des Erzherzogs Franz Fer- dinaud erzählen, daß noch eine Reihe von Anschlägen geplant war. Unter der im Konak zum Frühsttick gedeckten Tafel ivurden zwei Bomben mit U h r m e r k gefunden, im nämlichen Gemach eine Bombe mit Uhrwerk Im Rauchsang bei einer Frau in I l i d z c wurden sieben Bomben gesunden und beschlagnahmt. Tie Epplosivkngel aus dem Browning ging beim Erzherzog durch den Kragen unterhalb der goldenen DistiktionSsterne hindurch, die unversehrt blieben, bei der Herzogin durch eine Planchette deS Korsetts, die mit in die Wunde gerissen tvurdc. Erzbischof Stadler über das Attentat. Wie auS Budapest gemeldet wird, erklärte der Erzbischof Stadler in einem Interview: Es ist ketti cinsacher Zufall, daß das Attentat am Jahrestage der Schlacht auf dem Aniselfeldc verübt wurde Alle serbischen Bewegungen auf dem Boden der austro-ungarischen Monarchie haben sich stets an diesem Tage oder um diesen Tag herum abgespielt. ES ist ganz sicher, daß, wenn der Thronfolger und seine Gc- tnahlin nicht an der Stelle, wo dies geschah, erschossen worden wären, die Attentäter an demselben Tage Gelegenheit gesucht und gefunden hätten, ihren furchtbaren Plan aus- zuführcn. Ganz -Sarajewo tvar voll von Verschwörern, die bereit waren, das Thronsolgerpaar aus dem Wege zu räumen. Serbcnseindlichc Kundgebungen. Serajewo, l.Juli. In Livno, wo die serbischen Läden und die serbische Schule bombardiert wurden, ferner in Stolatz, Oplicici, Sicnitza, Bosnisch Brod und T e i cha n j veranstalteten die Muselmanen und K at ft o l i k c n Trauerseiern und a n t i s c r b i s ch e K u n d- ae düngen, wobei die Fenster in zahlreichen serbischen Häusern und Gebäuden cingetvvrsen und die Einrichtting in Gasthbscn und Geschäftslokalen zertrümmert wurde. In allen Fällen wurde die Ruhe wiederhergestellt. In B a n- jaluka nahmen an der Trauerfeier auch die serbisch- nationalen Vereine teil. In Zavidovic sammelten sich vorgestern abend eine große Anzahl von Muselmanen und Katholiken vor dem serbischen Lescverein an. Man sah durch das Fenster das Bill. .-g Peters :■ her Wand hängen, die Menge drang in das Haus ein und zertrümmerte die Einrichtung. Polizei zerstreute danu die Temonstranteu. — Tie drei oppositionellen Blätter „Srpe- karijcc", „Rarod" und „Otazbina" werden vorläufig nicht erscheinen, da ihre Druckereien verwüstet sind. — In Dolnatuzla und Maglaj sind Ausschreitungen vorgekommen. In beiden Orten wurde das Standrccht verhängt. Rach Privatineldungcii aus A g r a ni haben die K u n d - gebungengegen die Serben bis in die Morgenstunden fortgedauert. An den Gebäuden der serbischen Äirchen- gcmcinde und des serbischen SokolvcreinS sowie an zahlreichen Geschäftslokalen wurden die Fensterscheiben cinge- schlagen und die Firmenschilder abgerissen. Das Cafe Rational, aus dessen Innern Steine gegen das von der Menge getragene B i l d d e s T h r o n f o l g e r s geworfen wurden, wurde von der B lismengc gestürmt. Tie Tische, Stühle und Lüster und di hcrausgerifsenen Fensterrahmen wurden auf die Straße gcivarscn. Mehrere serbische Gäste des Easöhauses wurden verletzt. Zwischen der Polizei und den Tcnioiistrantcii kam es iviederholt zu Zusammen - stößen. Tie Polizei machte von der blanken Waffe Gebrauch und verletzte eine Reihe von Mensck»en. Zahlreiche Verhaftnngen wurden vorgcnommen. Belgrad, l. Juli. Die für morgen ungesagte Protest- Versammlung gegen die von den Kroaten in sarchäwo. Agram und ut anderen Orten veranstalteten serbenseind lichen Kundgebungen wurde behördlich verboten Wien,!. Juli. Heute abend versuchten 150 junge Leute, Studenten, Handwerlcr usw, n>clche später bis auf ü>00 an wuchsen, von mehreren Hauptstraßen zur serbischen Gesandtschaft zu ziehen. Infolge des genügenden Wachtaus gebot s mißlang das Vorhaben. Die jungen Leute demonstrierten mit Rufen und Absingen der Dolkshymne. lim 10 Uhr abends war die Kundgebung beendet. Ltandrccht über Bosnien und die Herzegowina. Serajewo, l. Juli. Nachdem sich in Dolna Tuzla und Maglaj ähnliche Ausschreitungen wie in Sarajewo wiederholt haben uich in (Sabella, Bezirk Stolar, die dortige ser bische Kirche von einem Hausen katholischer und muselman, scher Bauern gesttirmt und verwüstet worden ist, hat der Landeschcs das Standrccht über ganz Bosnien und die Herzegowina verfügt. Prcffeftimmcn. Wien, fl. Juli. Das Wiener Eorr.-Bureau meldet aus Belgrad: „In Besprechung des Attentats in etto, Itlto vertreten die serbischen Blätter den Standpunkt, daß dieses eine bedauerliche Folgeerscheinung des in Oeslerreüb-Ungorn berrschendcn Systems sei. welches die berechtigten Wünsche und Forderungen der slawischen Völker nicht beachte, sondern die staatliche Autotttät nur durch polizttltche Gewalt ausrechtznerhatken beftrebt sei. In ebnem gesunden Staate, Ivo den nationalen Be- dürsnissen des Volkes Rechnimg gcttagen tvcrde, kämen polittschc Rttentatc nicht vor oder nur ganz vereinzelt. Oesterreich- Ungarn sei aber in den letzten Jahren der Schauplatz verschiede IIartiger politischer Attentate geworden, die von 2lngehörigcu verschiedener Nationalitäten verübt worden seien. Es wäre daher boä» an der Zeit,' durch die Beseitigung des wahren UebelS, des polizeilichen (Kewalkregunes, eine Konsolidierung der inneren Lage in der Monarchie herbey». führen. Es sei ganz verfehlt, wegen der Untat zweier unreifer Fünalinge zu Revressalicu gegen einen ganzen PükSÜLMm zu läueiten, weit üadurä) ooS Uebet nicht vcseittgi. u>>ioern nm vcrgrößen lverde. Die Liebe deS Volkes zum Staate könne im zwanzigsten Jahrhundert niän durch oalizeilichc ltzewaltmaßnah- men und durch Verletzung einzelner »ationalcr Bolksftäinme untei . einander, sondern nur durch ein weises Regierungssystem erweckt werden, wodurch allein normale Zustände hergcsteüt und erhakten werden könnten." Das „F r em d e n b la t t" bezeichnet die Sprache einzelner^ serbischer Blätter als unerhött. Tic „Reue Freie Preise" schreibt: 5liur mit entern Gesübl der Scham für die Menschheit kann cs vernonimeu werden, daß in solchen Tagen sich rraurigr Helden fhiden, tvclchc die eigene rochuld durch beleidigende Hergussorde- rungcn zu verdecken suchen. Die „R e i ch s p o st" führt aus: Daß man cs in Serbicu wagen konnte, die Ermordung des Thron- folgcrs und seiner Geniabliti zu verherrlichen, übett'lcigt aNcS Maß von Bosheit, lvclche wir von Serbien gewohnt sind. Wird Aus der Geschichte der Universitätsbibliothek ^885 —19|4. Gießen, 2. Juli. Als der jetzige Direktor der Universitätsbibliothek >m Oktober 1885 seinen Dienst antrai, fand cr als erste Ausgabe vor, iür ncucS Personal zu sorgen, denn von den Herren, die Anfang Juni dasselbe gebildet batten, war keiner mehr aus der Bibliothek bc- schästigt. Sein Amtsvorgänger war am 15. Juni gestorben, dessen Vertreter am 23. Juni, der dritte Beamte war ausgetreten, der Diener in Pension gegangen, tauch er starb noch im selben Jahre). Die Bezahlung der verschiedenen Stellen war freilich nur gering und von der der Beomten an der Hofbibliotbck in Tarmstadt sehr verschieden. Während an der Hosbibliothek der Tirektor 5100 Mk. bezog, wurde» hier itur t000 Mk. gewährt, soviel wie der 2. Beamte in Tarmstadt erhielt: der hiesige 2. Beamte dagegen be,zog (bei allerdings täglich nur vier Stunden Dienst! 1200 Mk.: der 3. in Tarmstadt erhielt 3300 Mk, der hiesige (bei täglich 2 Stunden Dienst! 500 Mk., daher zuletzt ein Student:Oec 4. in Tarm- smdt 2500 Mk., während es hier keinen vierten gab. Rur der Diener war sogar besser bezahlt als in Tarmstadt, denn er bekam hier 1500 Mk., in Tarmstadt nur 1340 Mk. Außerdem gab es in Tarmstadt einen angeftcllteii mittleren Beamten. Tie Reube- setzmigcn mögen angesichts dieser auch sür damals geringen Bezahlungen mancherlei Schwiettgkeitc» bereitet haben, sie gelangen indeß natürlich doät. Ter Inhaber der damals als Kustos bezcich- ueten Stelle ist noch hier im Tienst, toähreild die Besetzung der übrigen Stellen wiederholt gewechselt hat. beute besteht das Personal der Bibliothek außer dem Direktor ^ aus vier angefteUten Bibliothekaren mit einem Einkommen, das wie auch das der übrigen Beamten — dank besonders dem Eintreten des damaligen hiesigen Abgeordneten Metz bei der Bcsoldungsretorm deS Jahres 1898 iiir die hiesigen Wünsche — dem der Herren an der Hosblbliothck qleschsteht. aus einem Hilisbibliothekar, einem wissenschastlichen Hilfsarbeiter, einem Vorsteher der Ausleihe, drei weiteren mittleren Beamten (allerdings zunächst nur Anwärtern) und drei Dlc- uern (einem angcstellicn und nvei provisorischen). Dazu kommt zurzeit, wie schon öfters, noch ein Volontär. Wie gesagt, haoen die Inhaber der verschiedenen Stellen in den bald 30 Jahren mit einer Ausnahme zum Teil wiederholt schon gewechselt. Einer der truhcren hiesigen Beamten ist setzt Leiter dev ^otadtbibliothek in Krefeld, einer Vofttand der Scnckenbcrgitcktz-n Bibliothek in Frankiurt a M , einer Leiter der Büchcrhallc in Hamburg, einer Lbcrbibliothekar in Jena, einer HiliSarbeiter i» Posen: mehrere ynd auS dem Bibliothekdiewt ganz ausgeschiede». darunter einer durch lieber« tritt m den Pfarrdienst und niedrere diiräi Einttitt in den w-anil dienst' einer der trüberen Hilisarheiter ist ordenttichcr llniversiiäts- prokevor in .Halle a.d.S., ein anderer Pfarrer IN Gicycu. Tic ganze Peftonalvermchrung war nötig, weil die Verhältnisse der Alblivthek yach icöer Richümg hm iÄ audertey. lieber die Benutzung derselben wird demnächst noch von anderer Seite gesprochen werden, so daß hier davon nicht die Rede zu sein braucht. Am l. April ds. Js. zählte die Bibliothek 271 935 Bände und außerdem besonders ausgestellt. 157 077 Sttick seit 1885 erschiencn- Tissertationen und Schulschritten loissenichastlicheu Inhalts. 0,900 Meter Länge cinnehme»-. Am l. Mai 1886 dagegen waren es nur 159 615 Bände. Im Jahre 1885/86 betrug das ganze sachliche Budget der Bibliothek 14 00t) Mk., zurzeit abgesehen von einer Anzahl Vergütungen sür Dienstleistungen) dagegen 42 212 Mk., wovon sür Anschassungen und den Einband von Büchern 1885 86 13 170 Mk. ausgegeben wurden, während jetzt dafür 35 282 Mk. zur Verfügung stehen und eine weitere Erhöhung für das nächste Jahr in Aussicht genommen ist. Tie Hosbibliothek hatte insgesamt iür sachliche Ausgaben 1885/86 24 750 Mk. zu verwenden, jie erhielt später sür Bücheranschassungcn eine Zulage von 10 000 Mk. jährlich auf einen Schlag, und hat jetzt ohne die Bindckosten allein sür Ankaus von Büchern 33 000 Mk. zu verbrauchen. Ein anderer Teil deS BücherzuwackscS besteht in Geschenken: zu erwähnen ist von größeren Reihe» die ständige Abgabe von Töppeln durch die Hosbibliothek sowie die zahlreichen Bücher, die die Bibliothek im IlniversitätSjnbeltahrc >907 von deutschen Verlegern erhielt, sowie im selben Jahre Geldgeschenke zur Bcichassnng von Büchern im Betrage von insgesamt 35 420Mk. Auch zu anderen Zeiten hat sich die Bibliothek der Freigebigkeit der verschiedensten Herren zu erfreuen gehabt, (von ihnen wird wohl demnächst die Rede sein!. Hoffentlich bleibt das auch in Zukunft so. so daß sich die Bibliothek mit den Beftäiiden einzelner Fächer ganz besonders sehen lassen kann, tvie zurzeit z. B. mit denen der Missionsliteratur, zu deren Pflege der im vorigen Jahre gestorbene ehemalige Pfarrer von Auerbach a. d. Bergstr. Levdhecker ein malig 3000 Mk. und außerdem dauernd jährlich 80 Mk. gespendet hat. Tas kürzlich im Truck erschienene Verzeichnis dieser Literatur umfaßt 753 Nummern. Ami: die Geschichte des UniverlitätS- und und des Studenlenwesciis ist sehr gut vertreten, wie auch dank verschiedener Stiftungen die Volkskunde. Auch die klassische Philo logie der älteren Zeit ist nicht schlecht vertreten, da die auS den Mitteln des philologischen Seminars beschafften Werke (ans heuen aber früher auch die Archäologie bedacht wurde größtenteils au) der Universitätsbibliothek ausgestellt werden. Auch hat sich gerade dieser Zweig der Wissensckoast der Förderung durch größere Gcichenkc durch die Familie Elemm zu ertreueu gehabt. Vermehrt wird die Bibliothek auch durch die Zugänge der hiesigen Ivissen- schastlichen Vereine. Die der oberhessischc» Gescllschast sür Ratur- iind Heilkunde waren schon 1876 einverleibt worden, 1888 kamen dazu die des oberheisil'chen Geschichtsvcreins: 1906 die der Vereinigung für Volkskunde, während die der Geiellschost sür Erd- lund Völkerkunde, die 1903 der Bibliothek itberwiescn worden waren, 1911 wieder zurückgezogen wurden. 'Auch das Burschen- schaftliche Archiv ist der Bibliothek angegliedett (wie in Marburg das der Korps). 1885 besand sich die Bibliothek im ehemaligen Univeriitäts- aeboude am Brandplatz, in bas sic nach Fettigstettung des jetzigen Kollegienhauses in der Ludivigsttaße im Herbste 1880 cingezogen war. Sic hatte das Gebäude jedoch nicht allem innc, sondern der größte Teil des Erdgeschosses gehöttc dem botanischen Institut. Heizbar waren nur die Geschäftsräume Zange Jahre durch Oesen, in denen Braunkohlen verseuett wurden»; die Beleuchtung bestand nur auS 2 tragbaren Petroleumlamre»; mehr loaren auch nickt nötig, da die Bibliothek schon um vier Uhr geschloisen wurde lgeöffnet tvar sie von 9—1 und — außer Donnerstags — von 3- -1, also wöchentlich an 29 Stunden. Als in der Zeit der Oeftniing »ach und nach ein Wandel cintrat, wurde natürlich die Beleuchtung wie auch die Heizung verbessert. Jetzt ist die Bibliothek geöffnet im Sommer von 8—1 und — außer Samstags — von 3—6, int Winter von 9—1 und außer Samstags von 3—7, insgesamt also 45 Stunden in der Woche. Weihnachten 1885 wurde der alphabetische Katalog anders auigcstcttt. Er umfaßte darnach 210 Kapseln von ie 15 Ztm. Tiefe, würde also 31,50 Mir. lang gewesen sein. Jetzt sind es 511 Kapseln zu je 21 Ztm. Tiefe, also 107,31 Mir. insgesamt: er bedarf aber demnächst »vicder der Erweiterung, wie auch der systematische Katalog, der jetzt 129 Kapseln zählt gegen 94 in 1889. Sehr bald schon stellte sich Raummangel ein: im Jahre 1892 niußic daher das boianische Institut auszicheu: aber auch der dadurch gewonnene Raum reichte nicht: cs wurde daher ein Anbau in den botanischen Garten in Aussicht genommen und auch bewilligt, jedoch gelangte er nicht zur Ausführung, sondern 1901 wurde in der StcphanSmark mit eineni Neubau be- gonnen, der ani 21. November 1904 in volle Benutzung genoni- men werden konnte. Glücklicherweise ist man bei Erwerb des Bauplatzes Iveftsichtig genug gewesen, so daß ftir eine in absehbarer Zeit notwendig werdende Erweiterung hinreichend Raum vorhanden ist. Ter Bau wurde au) der Bibliothekarvcttammlung in Münster im Jahre 1909 sehr gelobt: auch jetzt noch wirb e» sehr häutig von auswärtigen Bibliothetären, die vor der Frage eines Neubaues stehen, und deren Architekten betucht und leine Einrichtungen als zweckmäßig und z. T. vorbildlich befunden. Hr. — Karze Nachrichten auS Kunst und Wissenschaft. Ter Deutsche Verein für öffentliche Ge- sundheitsptlege hält seine 39. Versammlung in Stuttgart in den Tagen vom 16. bis 19. September 1914 ab. — Ter Altertunissorschcr und ftärtbige Sekretär der Akademie der Inschriften in Paris, George P c c r o t, ist am Dienstag abend plötzlich int Alter von 82 Jahren g e st o r h e n. «tu:: fut, heim an9fiui** bicjci Dapachen »od> inrnwr mrht ui bejn muMrcnbbureit nteiffiMbfn ?dir::[c gegen t>ieie$ Volk der FürsbminSrd«, ausiossen können? Dir Vcisctzungsseicrkichkcitcn Triest, I.OfuTt. Heute abend 7 Uhr ist das Lchiacht- sch,F „B, r i b u 4 U n i t i «" bofllfitfl von einer EsTadre hier eirrpetroffen Die sterl'lichen Ueberreste des Erzherzogs und der Herzogin bleiben vorläufig an Bord des „Pirrdus llnttts und werden morgen früh um 8 Uhr na» dem Süd- bohnhof übergeführt. Lien, 1. Juli. Das Obcrhofnieistcramt veröffentlicht e,n ged ende Bestimmungen über das Zeremoniell für die Leichenfeier des Erzherzogspaares, Am Donnerstag 10 Ubv abends werben sich der Obe, Hofmeister und der Dienstfammerer mit Gcsvtgc auf dem «üdbahnhos einfinden, Unteroffiziere, Kammerdiener und Lcibläkaien beben die Sarge von dem Aaggön und tragen sic in die zur cinst- n-eitigen Beisetzung hcrgerichtcten Räume, Nach der Einsegnung durch die Hofgeistlichkeit ,verden die Särge auf mit sechs Rappen bespannten Lcichcnfourgons gebracht, worauf sich nart, alte», spanischen Zeremoniell der Zug, begleitet von einem wandelnden Trabanten- und Leibgarde-Militär- spalier, zun, äußeren Burgtor bewegt. Beim Passieren des x, Tores leisten die Wachen die Ehrenbezeugung, Die Särge werden in die Pfarrkirche der .Hofburg getragen, woraus nach der Einsegnung der auf ein Schaubett gehobenen Särge wrd der Iscbergabe der Burgschliissel die Kirche geschlossen wird. Am Freitag morgen 8 Uhr beginnt nach porbergegan- gener abermaliger Einsegnung der Einlaß des Publikums in die Hofburg und die Pfarrkirche zu den in geschlossenen ■ Särgen ausgestellten Leichen, Bon 8—12 Uhr werden an allen Altären Seelenmessen gelesen. Um 12 Uhr wird dann der öffentliche Eingang geschlossen, Bon 12—l Uhr werden die Kirche,iglocken geläutet. Um 4 Uhr nachmittags findet die feierliche Einsegnung in der Hosburgkapellc statt, um 10 Uhr abends die Üederriihruug der Leichen zum Westbahnhof, von wo sie mittels Sonderzuges nach Artstetten ge- » bracht werden. Prinz Heinrich wird sich dem Kaiser aus seiner Reise zu den Beisetzungsfeierlichkeiten nach Wien anschlioßen, Zn der Begleitung des Prinzen befindet sich Hosmarschall Vizeadmiral Freiherr v, Seckendorfs, Eine Beteiligung von ausländischen Cifi- z ic rsabordnungen derjenigen Regimenter, deren Ehes der verstorbene Thronfolger gewesen ist, an der Leichenfeier ' in Wien ist dankend abgelchnt worden, W i e n , 1, Juli, Tie Erzherzoginnen MaricThcrcfe und Maria 'Annunziata sind heute vormittag nach Ehlumetz abgcreist, um den Kindern des Erzherzogs Franz Ferdinand zur Seite zu stehen und sic nach Wien zu bringen. Deutsche» Reich. Der Ausschuß des preußischen Abgeordnetenbaus es zur Beratung des Fideikoinmißgesetzcs ist deus Beschluß des Herrenhauses beigetreten, wonach ein ehrloser oder unsitilicher Lebenswandel eines Familienmitgliedes das Ruhen seines Familienrechtes herbcisührt, Ter Entscheidung der Fanrilie hat die Aussichtsbehörde beizutrelen. Der anhaltische Landtag bewilligte aus 'Anlaß der silbernen Hochzeit des Herzogs und der Herzogin 100 000 Mark für wohltätige Zwecke, De r Ba d is ch e L a n d ta g ist ani Mittwoch vormittag Oi j Uhr geschlossen worden Nachdem die Mitglieder der Ersten Kammer im Sitzungssaal der Zweiten Kammer Play genommen und 'daraus die Mitglieder des Staatsministe- rtums eingrtretei, waren, hielt der Präsident des Dtaats- ministeriums Freiherr v. Dusch eine Ansprache, in der er erklärte, daß der Landtag nach einer arbeitsreichen Tagung im 'Bewußtsein treuer Pflichterfüllung in die Heimat zurii^- kehren dürfe, Ter ausdauernden und erfolgreichen Arbeit sei neben der Feststellung des Staatsvoranschlages die Erledi- gütig wichtiger Gesetzcsvorlagen auf allen Gebieten der Staatsverwaltung zu verdanken. Der Staatsvoranschlag zeige mit seinen Nachträgen in seiner ungewöhnlich reichen Ausstattung eine erfreuliche Weiterentwickelimg der staatlichen Tätigkeit aus allen Gebieten des Staatsbebens, c Der Gcsamtvorstand des Nationalst bcra- Icn Deutschen Reichs Vereins zu Dresden hat folgende Entschließung einstimmig gefaßt, „Der am 26, Juni 1914 versammelte Gesamtvorstand des Nationalliberalen Deutschen Reichsvercins hält tut Interesse der Einigkeit in der Partei den Verzicht auf die Sonderorgaiiisatioiieu in Gemäßheit des Beschlusses des Zentralvorstandes vom 29, März 1914 für unbedingt erforderlich," Ausland. Der Hceresausschuß der französischen Kammer wählte heute zu seinem Vorsitzenden General Pedona im zweiten Wohlgong mit 22 gegen 21 Stimmen, welche der, Deputierte Armez erhielt. Im ersten Wohtgong hotten Delcasss und Pedoha beide 22 Stimmen, Delcasss zog darauf seine Kandidatur zurück. , Die Kämpfen mdieHomcrulebill. London, 1. Juli. Die Beratung über die Zusatzvorlage zur H o in e r u l e b i 11 begann bei dicht besetztem Hause, Lorb Lansdowne stimmte der zweiten Lesung zu, erklärte aber, die Zusatzvorlage würde den Zweck, den Bürgerkrieg in Irland zu verhüten, nicht erfüllen. Die Ovpo- sitüm würde das Gesetz derart «bändern, daß ein wirksamer Ausschluß Ulsters ahne Zeitbegrenzung gewährleistet sei. — Der erste blutige Zusammenstoß zwischen srciwilligen irischen Rationalisten uich lllsterleuten fand gestern abend in Umugh in der Grasschasi Throne statt. Die Nationalisten, die von einer Uebung zurückkehrtcn, singen mit einem Soldaten Handel an. Einige Ulsterleutc nahmen für diesen Partei und brachten ihn in die Kaserne zurück. Unterwegs wurden sie von etwa 200 Nationalisten an- gcgrisfen. Es kam zu einem regelrechten Kamvf, Tic Potizcibe- amten mußten mit .Knüppeln gegen die Kämpfenden Vorgehen Ter Polizeiches und einige Polizisten wurden so schwer verletzt, daß sic in das Hospital gebracht werden mußten. — Bau zuständiger | Seile wird aus B e l s a st gemeldet, daß die Mitglieder des Ulster - frciwilligenkorps den Befehl erhalten haben, ihre Waisen nach dem Ermessen der Offiziere offen zu tragen und dem Versuche, die Wafseii zu beschlagnahmen, Widerstand zu leisten. General P ° l l i o , der Ches des i t a l i c » l s ch c n G c n c r a l- st a b c s ist in der Näh« von C i r i c, wo er Schießübungen beiwohnte, plötzlich gestorben, T i e T c u e r ii n g i n M a d r i d Aus Spaniens Haupt- stadt ivird gemeldet, Zahlreich« Frauen veranstalteten am Dienstag aus demMarktc eineKundqebung, Sie forderten die 'Herabsetzung des Ka r t o s f c l p r c i s e s, Kartosscl- säcke wurden ausgeschnitten und der Inhalt iimhergestreut. Die einschreitende Gendarmerie konnte nur mit Mühe die Ordnung wieder Herstellen, Mehrere Personen wurden leicht verletzt. Das portugiesische Parlament schloß die ordent. liche Session und es tritt am 15, Juli zu einer außerordentlichen Sezession zur Beratung des Wahlgesetzes zusammen Tie National Cithbank in NewPork beschloß, zur Forderung des Außenhandels d,e Errichtung von Zweigbanken im Ausland, Diese werben zunoK» ,r Rio dc Janeiro und Buenos Aires, spater mcllenll, auch m Paris errichte, ivcrden. Das neue Svsten, der Rejervebanken ermöglicht diese Ausdehnung des 'Bankgeschäfts,_ Au» Stadt und ti Mtft. Gieß en, 2. Juli 1314. »« Tageskalender sür Donnerstag. 2. Juli: G «werbe- Ausstellung: Konzert der diesigen Regimentskapelle unter Mitwirkung des Gesangvereius „Liederkranz". Abends 8 Uhr. - 21 iis dem Schuldienstc. Dem Hauptlehrer an der Volksschule zu Osfcnbach Peter Paul Frei wurde anläß- lich seines 50jährigen DienstjubiläumS der Titel .Rektor verliehen. *• Offene Lehrerstellc. Erledigt ist die mit einem eoangelischen Lehrer zu besetzende 1. Lehrerstelle an der Volksschule zu Holz he im, Kreis Gießen. Mit der Stelle ist Organistcndienst oerbuiide». Das Präsentationsrecht steht dem Herr» Fürsten zu SolmS-BraunfelS zu. »* In der Ceylon-Ausstellung sind von morgen früh ab zwei Eingeborene, welche Gratisproben eines neuen Bananen-Erzeugnisses „Meban" verteilen, ** Ter Flotten verein in, Großherzogtum Hessen hält feine dies,ährige Landesversammlung Ende August in Offenbach ab, Ter ganbcsverein zählt nahezu 10 000 Mitglieder, -DieKysfhäuserfahrtdcrKricgerkame- radschaft Hassia findet vom 4—6, Juli statt und erstreckt sich auf den Besuch der Wartburg, des Kosshäusers, Leipzig und das Bölkerschlachtdcnkmal, Es nehmen 350 Mitglieder der Hassia daran teil, »* Vorführung v on Schwadenrechen, Am Freitag mittags 2 Uhr findet in Gießen unweit der Heil- und Pflegeanstalt eine Vorführung von Schwadenrechen durch die INafchincnprüfungsstelle der Landwirtschaftskam- mer statt, ** Der Heumarkt aus Osivalds Garten hat bisher geringe Zufuhren erfahren. Es hat dies wohl seinen Grund darin, daß die Landwirte noch stark im Feloe beschäftigt sind. Der Zentner Heu wird mit 2,25—2,50 Mark je nach Güte bezahlt, Stroh kommt nicht auf den Markt, ** Jit städtischen Freibäder an der Lahn sind infolge des Wetters auch im I u n i gegenüber dem Vorjahr zurückgeblieben. Es badeten im letzten Monat 2807 gegen 4100 Personen im Vorjahr im Männerbad und 1832 gegen 3207 im Frauenbad, Gestern ivarcn beide 'Anstalten übersüllt, ** Angriff auf offener Straße, Zu der gestern unter dieser Spitzmarke veröffentlichten 'Notiz wird uns von den beiden Eisenbahnangestellten geschrieben, daß sie an dem Vorfall schuldlos seien. Ein Angriff auf eine Dame habe nicht stattgesuiideii, sie hätten nicht die Flucht ergrissen, sich nicht in unverschämter Weise benommen usw. Demgegenüber wird uns vom Polizeiamt nochmals ausdrücklich bestätigt, daß unsere gestrige Notiz die Tatsachen richtig wieder- gegeben habe. Wir können also nunmehr der vollen gerichtlichen Auskunft entgegensehen. Werden die von uns mitgeteilten Tatsachen auch von den Zeugen bestätigt, dann kann eine empfindliche Bestrasung wohl nicht ausbleibcn, ** D i e vergessene Station, Man schreibt uns: Der Eilzug 227 Gießen — Fulda vergaß es anscheinend, am Dienstag früh aui der Siatwn Großenlüder zu halten, und sauste statt bis Fulda durch. Die Fahrgäste, die miijahren oder äussteigen wollten, hauen das Nachsehen. ** Paketes» sainmlung durch d l c P o st. Es ist noch nicht genügend bekannt, daß die Post abzuscndende Pakete aus Bestellung aus den Wohnungen abbvlen läßt. Man braucht nur ein ossenes Schreiben, eine Karte oder einen Zettel mit den Worten: „Paket abzuholen bei (Name und Wohnung)" unfrankiert in den nächsten Briefkasten zu iversen oder einem Briefträger mitzugebc», 'Auch kann die Bestellung aut ?lbbolung von Paketen dem Postamt durch Fernsprecher mitgcteilt werden. Hieraus wird die Sendung bei der nächsten Paketbestellsahrt gegen eine Gebühr von 10 Psg, vom Hause des Absenders abgeholt. Das Verfahren ist einfach und bequem und besonders solchen Personen zn empschlen, denen ein Ticnschote nicht zur Verfügung steht, ** Kleine Mitteilungen, In einem Anfälle von Geistesgestörtheit erschoß sich in der 'Nacht zum Dienstag in Ober- auta in der Küche seines Meisters in Gegenwart mehrerer Personen der Anstrelchergcscllc Becker aus Grebenhagen, Er starb nach wenigen Stunden. — Ein angeblicher Gnttmann aus Oberwöllstadt wurde Dienstag abend dabei überrascht, als er in Neu-Isenburg in einer Dirlschait einen Einbruch verüben wollte und die Wirisfrau mit einem Revolver zu täten suchte, Tie resolute Wirtstrau stieß den 'Maim in den Keller zurück, schloß diesen ab und holte votizeilichc Hilsc. — Hie beiden 6' und 2säh- rigen Kinder eines Wirtes in E g e l s b a ch tranken in der Küche eine Flasche Aetznatron leer Die Kinder verbrannten sich derart schwer, daß das süngere nach kurzen Stunden starb. Auch das ältere Kind liegt todkrank darnieder und wird kaum wieder genesen, " Konkurse tu Hessen. I» dem !1o»k»rsversahre» über das Vermögen des Gastwirts Ernst G r >,» >» zu 2 e e 6 c i m ist Termin zur Adiinhme der Schlußrechnung. znr Erhebung von Einwendungen gegen das Schlnßverzeichnis ans Mittwoch, 22. Juli 1914, vormittags 9 Uhr, Mi beraumt worden. Kreis Schotten, z, Hartmannshain, 1, Juli, Durch die Nutzholzaufarbeitung der F i ch t c n b e st ä nd c, welche im Winter durch die arge Schneelast sehr beschädigt wurden, konnte lman mit dem Fällen des Buchenholzes im Winter nicht fertig lverdcn, so daß erst in einiger Zeit die Brennhvlzver- stergerung der Forstwartei Herchenhain abgehalten wird, Ta die Bewohner der nächsten Umgebung noch nicht mit ihrem Jahrholz versehen sind — und dies die letzte Holzoersteigerung ist — wird man mLt sehr hohen Preisen zu rcchnesi haben, Kreis Frievberg. /_ Vilbel, 1, Juli, Eine Zwangsinnung stir das B ä ck e r g c w e r b e soll sirr den Bezirk Vilbel errichtet werden, Tie Jmiung soll die Bäcker in den Orten Harheim, Dortelweil, Okarben, Groß-Karben, Klein-Karben, Stendal, Büdesheim, Petterweil, Kloppenheim, Rodheim, Holzhausei,,' Massenheim, Vilbel, Ober- und Nieder-Erlenbach/Ober- und Nieder-Eschbach umfassen, L Groß-Karben, 1. Juli. Der jetzige Bahnhof wird nach de», Selzerbrunnen verlegt. Die Pläne sind ai,S- gearbeitet und 1919 soll der neue Bahnhof dem Verkehr über- geben werden. Starkeiiburg und Rheinhessen. (m) Aus dem Kreise Offenbach a, M-, 2 Juli Die Tätigkeit des Schularztes in den Volksschulen der Landgemeinden des Kreises Offenbach, deren Klassenzahl 307 mit 17 443 Schülern beträgt, erstreckte sich in der Haupt- sache auf die Untersuchung der Schulanfänger. Von den 2412 Schulonsäugern wurden 2270 untersucht, Bon diesen hatten 262 oder 11,5 Proz einen guten, 1836 oder 80 Proz einen mittleren und 172 oder 7,5 Proz, einen schlechten Ernäh- rungszustand. lm) Mublhcim, 2, Juli, Beim Baden e r t r an • f c ii o,e in bcu 20 er Jahren stehenden Schreibgchilfan ms hiesigen Bürgermeisterei Jean Schmitt von^ hier unds Friedrich Scheib le aus Kelsterbach Als de» Schetbla bic K*räsic verließen, wollte ihm sein Kollege zu .Hilfe eileir. Er wurde jedoch von dem Ertrinkenden ersaßt und mit ln! die Tiefe gezogen. Die Leichen der beide» Ertrunkenen, die noch fest umklammert waren, wurden t>ald danach geborgen. Mainz, 2 Juli Fm Mainzer Krematorium haben im 2 Cunrtal 1914 99 Einäscherungen uattgefuuden Unter den Eingeäscherten waren 60 männliche und 39 weibliche Personen. Ter Religion nach waren 80 evangelisch, 9 katholisch, 2altkathoüsch, 5 israelitisch und 3 Dissident, Kreis Wetzlar. Wetzlar, 2, Juli. Ter bisherige Beigeordnete Dr. jur, Kuhn in Berlin-Oberschöncweide ist als Bürger- m ei st er der Stadt Wetzlar auf 12 Fahre bestätigt worden, Hessen-Nassau. () Biedenkopf, l. Juli. JnDiedc nS hausen int Kreise Wittgenstein hat der Landwirt H o mr i g hause« seinen zu nächtlicher Stunde betrunken heimkehrend'nr Vater in der Notwehr erschlagen. Wie erzählt wird, kam der 2llte, wie schon oft, erst gegen morgen nach Hause und /ärmte an den Türen, Als ihm sein Sohn öffnete, soll er diesen mit dem Tode bedroht und angegrissen haben. Dieser ergriff einen dicken Knüppel und streckte seinen Vater damit zu Boden, Ter Dod trat sofort ein. Der Täter stellte sich in Berleburg dem Gericht, das sich auch gestern noch nach Diedenshausen begab, X Rcnnerod, l.Juli, Tic Arbeiten zum Neubau deS Amtsgerichts - und Gefängnis gebäudes sind so weit gefördert, daß die Neubauten zn Anfang des nächsten Jahres bezogen werden können. Ter stattliche Bau umfaßt 9 2 Zimmer und ist mit allen Errungenschaften der Neuzeit ausgestattct. Gesktcht^saal. — Weimar, 1. Juli, Ter verantwortliche Redakteur der sozialdemokratischen Volkszeitung in Jena Kretschmar, der wegen Beleidigungdes Frankfurter Landgerichts zu 20 Mark Ec d'lraie verurteilt wrrden war, wurde in der Deruiungs-- iiistonz zu 3 00 M a r k G c I d st r a s c verurteilt, Kretschmar batte das Urteil des Fvanksurter Landgerichts gegen Rvla Luxemburg als ein „Schandurteil" bezeichnet, Paris, l.Juli, Das hiesige Zuchtpolizcigericht verurlciltc beute den „Figaro" ivegcn Berössentlichung der Anklago- schriit des Staatsanwalts Lescouvct gegen Frau Caillaux zu 500 Francs Geldstrase, vermischte». * Ein 8 4 j ä h r i g c r Fluggast, Ein 84 Jahre alter Düppclvetcran nahm am Mittwoch in Hamburg in einem Flugzeug als Passagier an einem dreiviertelstündigen Finge als Fluggast teil. Der alte Herr dürste wohl der Senior der Fluggäste sein, * Autoinobilunfall des Herzogs von Oldenburg, lPrrv.-Telegr,) Mittwoch nachmisiag gegen drei Uhr veruiigiücktc aus der Kaiscrstraße im Wiesenthal bei Kaiserslautern das Automobil des 70jährigen Her- -ogs A l e r a n d e r v o n O l d e n b u rg aus Petersburg, Ter Wagen stürzte die Böschung herab und wurde v o l l st ä n d i g zertrümmert. Der Herzog selbst erlitt mehrere Rippenbrüchc und einen schweren Rervbnchock Bon den übrigen Insassen blieb nur der Reisemarjchall unverletzt, während die Pflegerin des Herzogs, der Kammerdiener und der Chauffeur mehr oder minder schwere Verletzungen davontrugen, Tic Verunglückten wurden in das Krankenhaus nach Kaiserslautern gebracht, Kleitie Tageschronik. In Potsdam stürzte beim Reiten von Remonten der Geireite Schmidt so unglücklich, daß dos Pferd aui ihn siel. Schmidt ist bald darauf leinen Verletzungen im Garnisonlazarett' erlegen. i In der Umgegend von P r c z p ch o tz lOberschlesien' wurde ein Blaubeerhändler in einen Wold gelockt, erschlagen und seiner Barschaft beraubt. Der Täter, ein gewisser Kotulla aus Oppeln, wurde verbailet. In Breisach ist in der Nacht aus Mittnwch die Gasofen l a b r i k von Keller u. Popken bis aut die Grundmauern nicdcrgebrannt. Ten Besitzer. Fabrikanten Keller, fanden die Feuerwehrleute t o t im Fabrikgebäude auf. vanveL. Groß b. Handelskammer Gießen, Das Ministerium des 'Auswärtige» de,' Republik Cuba hat der Handelskammer durch das Generalkonsulat in Hamburg ein Eremplar der Ucbrrsetzung des Gesetzes vom 16, Juli 1912 übenandt, welcher Bestimmungen wegen eines osiiziellen Ursprungsgaranticltcmpels sür die Vervackung von exportiericn Zigarren, Zigarctici, und geschnittenem Tabak enthält. Durch das Gesetz ist eine Garantiebande- rollc geschaffen worden, die den Ursprung „nd die Echtheit der aus Cuba ausgefübrten Zigarren, Zigaretten und des geschnittenen Tabaks gewährleistet. Tic Banderolle muß nach Artikel 2 und 3 des erwähnten Gesetzes aui alle Kisten mit Zigarren und Pakete mit Zigaretten und geschnittenem Tabak geklebt sein. Nach Artikel 9 beträgt dre Abgabe für die crwäbnien Banderollcn 2 Dollar daS Tausend sür solche, welche für Zigarrenkisten und Pakete mit geschnittenem Tabak verwendet werden, und l Dollar für solche, welche sür Pakete mit Zigaretten bestimmt sind Nur solche Kisten mit Zigarren, Pakete mit Zigaretten und geschnittenem Tabak, die diese Banderolle tragen, sind als cubanischcn Ursprungs anzusehcn. Das Gesetz ist in Cuba bereits am 25. Oktober 1912 in Krasi getreten. Jnieresjapien können aus dem 'Sekretariat der Handelskammer Einsicht nehmen. Wetteraussichten in Hessen am Freitag, de» 3. Juli 1914: Doriviegeud ivolkig, Regenfälle, kühler, südioeslliche bis westliche Winde. Letzte Nachrichten. Kein österreichischer Schritt in Belgrad, Wien, l, Juli, Das „Reue Wiener Tagblatt" meldet: An hiesigen zuständigen Stellen ist von der Absicht der gemeinsamen Regierung, die serbische Regierung um U n t e r st ü tz u n g gegen die Urheber des 'Attentates von S c r ah c w o zu ersuchen, nichts bekannt. Zum Aus st and aus Haiti, Washington, 1, Juli, Nach einer Meldung des Kapitäns des Kreuzers „Washington", ist der Führer der hailischen Revolutionäre, Senator D a v i l m a r Theodore, mii 50 Anhängern in einem Gcsechl an der Grenze gefallen. Kav Haiticn denuoet sich im Besitz der Regierung, Bor Kap Haitien liegt ein deutscher Kreuzer vor Anker, Puerto Plata, dos von den Rebellen in Belitz genommen ist, wird von den Regicrungstruppcn des Präsidenten B o r d a s belagert. in Milch. Kakao.Suppen oder Gemllsen die bestgeeignete, leicht verdauliche u. nahrhaft« Krankenkost. Danksagung. Für die wohltuenden Beweise inniger Teilnahme bei dem Heimgange unserer lieben Entschlafenen, sowie für die liebevolle Pflege der evangelischen Schwestern sagen wir herzlichen Dank Die trauernden Hinterbliebenen. I.d. N.: Christine Michel geb. Urff. Giessen, r. Juli 1914. Danksagung. Sur die vielen Beweise herzlicher rcilnahme bei dem uns beiroftenen Verluste sagen wir allen au« diesem Wege unseren herzlichen Dank. Man» besonders aber danken wir der Krankenschwester sürihre graste Mühe undAusmerksamkeib Die iicsirauernden Hinterbliebenen: Philipp Deibel und Rinder. Gießen. den 2. Juli 1914. 7836 Konkursverfahren. lieber de» Nachlaß best am 20. September 1305 verstorbenen Karl Euler von Gießen ivird heute am 1. Juli 1314, mittags 12 Uhr, da? Konkursverfahren eröffnet. Der Kaufmann Louis Althofs in Gießen wird zum Konkursverwalter ernannt. KonkurSforderungen sind bis zum 20. Juli 1914 bei dem Gerichte anzttmelden. Es wird zur Befchlußsaffung über die Beibehaltung des ernannten oder die Wahl eines anderen Verwalters, sowie über die Bcltellttng eines Gläubiger. auSschusseS und eintretenden Falls über die in 8 132 der KonkurSordnung bezeichneten Gegenstände und zur Prüfung der augemeldcten Forderungen auf Dienstag, den 28. Juli 1914, vormittags 8-/,Uhr, vor deni Unterzeichneten Gerichte, Zimmer Nr. 12, Termin anberaumt. Allen Personen, tvclchc eine zur Konkursmasse gehörige Sache in Besitz haben oder zur Konkursmasse etwas schuldig sind, wird ausgegcben, nichts an den Gemeinschuldner zu verabfolgen oder zu leisten, auch die Vcrpsitchtung auferlegt, von dem Besitze der Sache und von den Forderungen, für welche sie aus der Sache abgesonderte Befriedigung in Anspruch nehmen, dem Konkursverwalter bis zum 20. Juli 1914 Anzeige zu machen. 74,4 B Großherzogliches Amtsgericht in Gießen. Bekanntmachung. Als Abfuhrtermin für das ersteigerte Holz in den Domanial- und Gemeindewaldungen der Oberförsterei Treiö bestimmen wir Dienstag, 28. Juli lid. I. Gegen die Säumigen wird alsdann iorstgerichtliche Anzeige erhoben werden. Die betr. Grostd. Bürgermeistereien werden ersucht, vorstehende Bekanntmachung baldgefälligst in ortsüblicher Weise zur Kenntnis zu bringen. Treis a. d. Lumda, den 30. Juni 1914. _ Grostberzogliche Oberförsterei Treis. _ 17805 Allgemeine DrtskrankenW Kietzen. Gemäß Nr. I, 2 und 31 der Krankenordnung kann ab 1. Juli 1914 erst dann — dringende Fälle ausgenommen — ein Kaffenmitglied oder dessen berechtigte Familienangehörige den Kassenarzt in Anspruch nehmen, wenn auf der Kasse zuvor für das Betreffende ein Arztausweisschein ausgestellt worden ist. Zu diesem Zwecke ist die Kasse nunmehr an den Wochentagen von 8 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags ununterbrochen geöffnet. Die Krankenorduung kommt im Laufe dieses Monats an die Mitglieder zur Verteilung, ist jedoch auch jetzt schon auf der Kasse erhältlich. Gießen, den 29. Juni 1914. 7744v Ter Vorstand. Die Ziehung der ersten Klasse beginnt wieder am 10. Juli. ll i|. M. 20. 1.40- pro Klasse Lose «„{ m. io. sind zu beziehen durch die Königlich Preuß. Lotterie' Einnehmer in Gießen: Buchacker Flimm Legier Neuen Baue II Walltorstr.63 Süd-Anlage 5 Fernsprecher 877. Fernsprecher 237. Fernsprecher 82. *09 Seit einem Viertel Jahrhundert Ist in Tuben und Dosen b'7. ß,PleilriBg‘ überall erhältlich unentbehrlich zur Hautpflege geworden Vereinigte Chemische Werke Aktiengesellschaft. Abteilung Lanolin-Fabrik M»rtinikenfelde Charlottenbun». Salzofcr 16 . 7 Zimmer 7-Zimmer- Wohnung mit Mädchen- und Badezim. evenil. auch Mansarde zum 1. Oktober zu vermieten. 052971 Süd-Anlage IIP. 6 Zimmer 6 -Zim. Wobn. mit Badez., Jreindenz., gr. Trockenb. ver 1. 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