\ Nr. 151 Erster Blatt * 164. Jahrgang 3>r SIetz«»«r Anzeiger «scheint täglich, außer Sonntags. — Beilagen: viermal wöchentlich SietzeaerLamiliendlätler; zweimal wöchenil.ikrrk- bloMfürt>enKreiselbst, wie die maßlosen Angriffe auch der regierungsfrom- mcn Blätter auf ihn zeigten, der bestgehaßte Mann. Wenn es jetzt heißt, Serbien soll offiziell aufgesordert werden, auch innerhalb seiner Staatsgrenzen die Untersuchung über die erwiesene Verschwörung fortzuführen, so darf man gespannt darauf sein, wie man in Belgrad dieses Ersuchen ausnehmen wird. Die Lage wird noch spannender dadurch, daß vor der Wiener serbischen Gesandtschaft dcutschnationale Studenten stürmische serhenseindlichc Kundgebungen veranstaltet haben, wobei sogar eine serbische Fahne verbrannt worden sein soll. Wir erhalten folgende Meldungen: Ein Ersuchen an die serbische Regierung. Wien, 30. Juni. Tie „Neue Freie Presse" meldet: Im Ministerium des Aeußcrn fand heute mittag eine Beratung statt, an welcher der Minister des Aeußern, Graf Berchtold, der Chef des Gcneralstäbes Freiherr von Eon rad und der Kriegsminister Ritter von Kr ob atin teilnnhmen. Wie verlaulet, teilte Graf Berchtold dem Chef des Generalstabes und dem Kriegsminister mit, daß die kaiserliche und königliche Regierung die Absicht habe, an die königlich serbische Regierung mit dem Ersuchen heranzutretcn, die in Bosnien gegen die Urheber der Attentate geführte Untersuchung im Königreich Serbien sortzusetzen, da alle Spuren der Verschwörung unzweifelhaft nach Serbien führten. Scrbeufcindlichc Kundgebungen vor der- serbische» Gesandtschaft in Wien. 1 Wiest, 30/Juni.'heute'äsend um '■) Uhr fanden vor der hiesigen serbischen Gesandschaft Kundgebungen gegen Serbien von etwa 200 deutsch-nationalen Studenten statt. Das Gesandtschastsgebäudc steht bereits seit vorgestern unter dem Schutz von Geheimpolizisten. Die Studenten zogen in kleinen Trupps an der Gesandtschaft vorbei, erhoben aus einmal ihre Stöcke und riefen aus: Nieder mitScrbicn, hoch Oesterreich, hochhabsburg! Die Studenten sangen sodann die Volkshhmne. Nach dem letzten Ton wurde von kincm Studenten eine serbische Trikolore empor gehoben und in Brand g e- si c ckck. Die Bewohner der angrenzenden Häuser gaben durch Tüchcrschwenken ihrem Beifall Ausdruck. Tie Wache drängte die Demonstranten aus der Gasse. In der Gesandtschaft blieb alles dunkel. Die Studenten begaben sich dann nach dem Schwarzenberg-Denkmal, wo eine Aussprache gehalten iourde, welche in die Rufe ausklang: Rache für die Ermordung des Thronfolgers, Krieg gegen Serbien! Hierauf gingen die Studenten auseinander. Tie Testamcntscröfsiiiliig. Wien, l.Juli. Gestern wurde in Gegenwart des Kaisers und des Erzherzogs »karl Franz Josef unter der Mitwirkung des Oberhofmeisters, Fürsten Monte n novo, das Testament des Erzherzogs Franz Ferdinand eröffnet. Das Testament, das älteren Datums ist, verfügt, daft das gesamte bciveglichc und unbeloegliche Vermögen den Kindern znsällt. Tic verwaiste» Kinder der Verstorbenen. Prag, 30.Juni. „Hlas sslaroda" meldet aus Chlu- metz: Tic SckircckcnSbolschaft aus Serojcwo lras am Sonntag Mittag hier ein. Sie wurde zunächst den Kinder n des Erzherzogs Franz Ferdinand bis zum Abend verbciinlicht. Nachdem die Kinder von der Gräfin Henriette Ehotek schonend vorbereitet waren, übernahm der Erzieher StonowSki das schwere Amt. ihnen den Tod der Eltern mitzuteile» ?kls die Kinder die Nachricht crftihren, brachen sie in einen: Weinkrampf aus. Tie Gräfin Chotek fiel bei, dem herzzerreißenden Anblick der verzweifelten Kinder in Ohnmacht. Die erschütternde Szene ergriff alle Umstehenden auf das tiefste. Graf Wuthenau und Gemahlin, Fürst zu Schön- bürg und Gras Nostiz bemühten sich, den verwaisten Kindern Trost zuznsprcchen. Das deutsche Kaiserpaar hat an die Fürstin Sophie von Hohenberg, das älteste Kind des Erzherzogs und seiner Gemahlin, folgendes Telegramm gerichtet: „W i r k ö n n e n ! a u m W o r t e f i n d c n , u m e u ch K i n - dein auszusvrccheir, wie unsere .herzen bluten in dem Gedanken an euren namenlosen Jammer, Noch vor vierzehn Tagen konnte ich so schone Stunden mit euren Eltern verleben uno nun euch in diesem unermeßlichen Kn mm er z u wissen! Gott gebe euch Kraft, diesen Schlag zu ertragen. Der Segen der Ellern geht über da - Grab hinaus. Wilhelm I. II. Viktoria." * * * Tic Ucbcrführung der Leichen nach Wie». Se rase wo, 30. Juni. Tic Leichen des Thronfolger? und seiner Gemahlin wurden nach der Einbalsamierung gestern vormittag vom Erzbischof Stadler feierlich eingesegnet. Dann wurden die Särge geschlossen und versiegelt und der Schlüssel unk-er Siegel gelegt. Die Särge :oaren> im ersten Stockwerk des Konaks ausgebahrt. Zu beiden Seiten des Katafplks. der von Blattpflanzen und Kerzen umgebe» war, hielten Offiziere, Bnrggendarnien und Hosbedrenftcte die Ehrenwache. Zahlreiche .Kranzspenden füllten den schwarzausgeschlagenen Salon. Im Laufe des Nachmittags kamen ununterbrociwn Offiziere nnd Zivilpersonen, um Gebete zu verrichten. Abends wurden die Särge von Unter- ofsizieren nnd Soldaten des 84. Jnsanterieregimenzes hinab» getragcn und aus den Leichenwagen gehoben. Als sich der Üondult unter den Klängen eines Trauermarsche» in Bewegung setzte, wurden von der Gelben Bastion 24 Kanonenschüsse gelöst. An der Spitze,des Konduktes marschierten meh rere Bataillone Infanterie und ein Zug Kavallerie. Es folgten die Geistlichkeit. Kranzwagen und"der Wagen mit den Särgen, dabinter der Hofstaat mit dem Obersten Bardolsf und der Gräfin Lantus, Landeschcs Potiorck mit der Gene- ralitäl und den Spitzen der Zivilbehörden. sowie die dien'" freien Offiziere und Beamten. Eine große Menschcnmer hatte sich angesammelt, welche den Zug entblößten Hauptc- vorübcrziehcn ließ. Um 1 / 2 ? Ubr tras der Kondult aus dem Bahnhöfe ein, >00 die beiden Särge zum Leichenwagen ge- Lin unblkanntcs Drama Gutzkows. Ein bisher völlig unbekanntes Drama Karl Gutzkows, MS der Dichter im Jabre 1872 geschrieben hat. spielt in dem r i e s w e ch s e l zwischen T i n g e l st c d t und Gutzkow, n Rudolf Göhler in der Deutschen Rundschau vcrösscntlicht, ne Rolle Am 24. März 1873 bietet der Schöpfer des „llriel costa" seinem alten Freunde Dingelstedt, der damals Direktor -r Mcner Burg war, ein Schauspiel an, das mit dieser Er- ähnung zum erstenmal in der Gutzkow-Literatnr auftauckt. „vscn chw mit einem neuen Stück ano- oder pseudonpm austretcn, -reibt er, „höre aber in, Geist immer die warnende Stinimc eines kannten: „Warum das? Ihr Name garanttert Ihnen doch, das; ; Stück gelesen wird. Sonst gehts mit den Hunderten, die einge- wt werden, so lstn." Ich würde es dem Bnrgtheater cmschicken ch aus Annahme Kossen, wenn nicht ossene Feindschgst gegen ich da ist. namentlich Nicht auch bei den Schausplelern. Das be- esfende Opus ist ein baktiges modernes «chammel IN meiner m Manier der Hcrzenskonstikte, biirgtheatermaßig. glaub ich. ech und durch. Am hiesigen tzostheater würde mir sur den weib- hen Hauptcharakter die Darstellerin fehlen, eine (^relmgcr, eine eltich. Kann die Damböck eine „Kommerzienratm machen -i-ie abillon? Alt muh die Darstellerin ^ein, denn daraus beruht die >ee de^ Stückes. Jene Damen hakicn ja keine Anfalle, in die mdlichen Rollen zurückzuqreifen!" Dingelstedt ist die Nachricht hochnnllkommen^und er bittet um artige Einsendung. Gutzkow läht nun das L)tück von feinem uen, literarischen Adlatus Christoph Wiese emreichen, der in nem Begleitschreiben andeutet, dah ntcf)t. er ber Bersasfer jei .•bei das Werk selbst urteilt der Autor: „Akt l., 2 3 bauen sich .enisch ganz klar und spannend auf. Auch noch Akt 4. r,a aber ne der Straßmann zuzuteilende Rolle mit dem Aktschluß stirbt, w ürchte ich — ernüchterte Stimmung IM Publikum, falls Nicht die iuilgendliche Liebhaberin 'Martha Ehlerdt gehntzen) in ganz befon- oers interessierenden Händen ist. Tie blauen etliche, du du finden wirst, sind Resultate dieser (Selbltfritif. Gegen den Titel, den ich ursprünglich wählen wollte und der durch Vorgänge,m -tuck motl viert gewesen wäre. „Treudankbar" lehnte sich n.cin ganzes Hans ank — Frau und Tochter zählen, wenn sie Meinungen verfechten, für das Dreifache — darum sage ich „ganzes Haus per etwa- nüchterne, den du finden wirft, fiel mir erst heu c nacht cm. „Vcr- letzte Rechte der Natur" ist wohl di- Idee des Ganzen. Dingelstedt antwottet ablehnend am 24. April 1873: „Es geht nicht. lieber Freund: mit dem (wahrhaftig!) beiten Wi-len von der tSclt bringe ich Dein Stück nicht durch. . ' Man wird sich da an die Arbeit der Frage swtzcn, von un,cren.brennendei, fcic dcr.cit brennendste, an di? man auch im konlcrvaNvltcn smi.e nicht rühren dars. Aber gesetzt, ich überwände durch pcrsoiüichcs Eintreten meinerseits mrd einige Conzessionen Deiner Seits dies erste Hindernis — in den Schauspielern crivüchsc mir ein zweites, größeres. ... Es ist nicht zu leugnen, daß alle Deine Personen, so viel es ihrer smd, irgend einen Haken ln>b:n, selbst die am mildesten gezeichneten, die Kommerzienrätin, ihr Mann, ihre Nachfolgerin." Sodann weist Dingelstedt aus die mangelnde dramatische Konzentration hi», auf die Vermischung innerer seelischer Motive mit Äriminol-Nooellen und Knalleffekten." Dagegen kommen die Vorzüge: „Zeitgeniäfer Stofs, geistvolle Ausführung, Einzel- l-eitcn der grössten Feinheit" nickst aus. Gutzkow fügt sich dem Urteil und läßt sich das Stück zurückschicken. Vielleicht Hai er cs in der zunehmenden Verdüsterung seiner letzten Jahre vernichtet: jedenfalls findet cs sich nicht in seinem Nachlaß — Die diesjährige Sommeraus stellung des F r a n k f u r t e r Kunst-Vereins (Frankiutt a. M., Junghoi- straße 8) wird Arnold -B ö ck l i n nnd Franz von L e n b a ch acwidinet sein und von beiden Meistern eine große Zahl von Werke» bringen, di' einen lleherblick Über ihr schaffen von den frühesten Anfängen bis in dis svätcste Zeit erniöqlichen. Tie meisten der ausgestellten Werke entstammen o.ivatem Besitz und jiitb sonst der Allgemeinheit nicht zugänglich: eine Reihe von Gemälden, darunter namentlich solche aus der Frül>zcit Boecklins, werden in dieser Ausstellung Übcrhauvt znm ersten Mal öffentlich ge- zeigt. Die Boeckli» - Lenbackd-Ausstellung wird gegen Mitte Juli eröffnet werden mid soll bis Ende September dauern. — Björns 0 ns letzte Worte. In Chriftiania ist soeben ein Buch erschieucn, das alle Verehrer des großen Norwegers mit aufticlstigem Interesse begrüßen werden: cs enthält unveröffentlichte Erinnerungen an Björnstjerne Blörnson, die von Frau Finsen, einer intimen Freundin der Familie des Poeten, pietätvoll gesammelt wurden. Frau Finsen, die Zeugin der letzten Krankheit und des Todeskanlpscs Björnsons war, hat seine letzten Ideen und Worte getteulich ausnotiett, Acuße- rungen, die in der Ticic ihres Nachdenkens den Geist des großen Mannes oder besser gesagt: die menschliche Güte seines warm empfindenden Herzens charakteristisch wiederspiegeln. Die Liebe zur Schönheit, das Mitgefühl mit der känipteuden und leidenden Menschhci!, der heiße Wunsch, Gutes zu tun, leuchten aus ihnen, wie Strahlen aus köstlichen Edelsteinen, hervor. Nock; in den Tagen, da Björnsvn bereits wußte, daß er sich vom Schmerzenslager nicht melzr erheben werde, noch in den Augenblicken, da er mit dem Tode kämvite, samt er über das hohe Problem nach», wie man int Leben handeln müsse, um dem Mitmenschen das möglichst geringe Maß an Ucblem zuzusügen, das möglichst große Maß au Gutem zuzuwenden. Geben wir hier einige der icklönen „Aphorismen im Angftühte des Todes" nach der nonvegischcu Origiualschrift wieder. „Eiiisvnals hielt ich es für meine Pslicht. allen Mensche» und alle Tage offen und treimütig die Wahrheit zu sagen, wenn ick das menschliche Dasein in, Spiele sah, wenn cs sich um schwere Jrrtümer vdeo bedeutende Vergehen handclle. Heute, da das Leben hinter mir liegt, bin ich von Zweifeln erfüllt und ftage mich angstvoll: Ist es nicht vielleicht besser, stillzuickuocigen. als zu reden?" fine Acnßcrung bei anderer Gelegenheit: „Nein. »ein. nicht die Religion. nicht das Schwert, auch nicht das Zepter werden »cmals die Menschheit erheben und ooranbringcn können: nein, einzig die Liebe!" Er starb, still und ergeben, indem er die purpunien Strahlen der IFrühlingssonne betrachtete, die eben zur Ruhe ging. Tic letzten Worte, die seine schon todcskalten Lippen hauchten, waren: „Schönheit . . . Güte". — Der Vo g c l - B r ch in. Bor einem halben Jahrhundert starb der Ornithologe Ehristian Ludwig Brehm, der Vater Edmund Brchms, der durch das „Illustrierte Tierlcben" sich einen dau- crnden Namen erwarb. Der Vater war Autodidakt. Er war Geistlicher und Vogclsammler. Er war am 24. Januar 1787 in Sckiö- nau bei Gotha geboren, hatte in Jena Theologie studiert und war im Jahre 1813 in Renthendorf bei Neustadt a. Orla Pfarrer geworden. Und das blieb er über ein halbes Jahrhund?« bis zu seinem am 23. Juni 1864 erfolgten Tode. Aber der Landpfarrer von Renthendors war eine weit und breit bekannte Persönlichkeit, ja ein berühmter Mann. Er halte eine Nogelsammlung von mehr als 0000 Stück europäischei' Vikgel i» allen Altersstufen, Kleidern und Abänderiingen zuiamnwn. gebracht, und daß war ihm mir dadurch möglich gewesen, daß von weit und breit dem Pfarrer von Rcnihendorf Vögel gebracht und geschickt wurden. Er pstcgte in seiner Landpfarrc stets Hunderte von Vögel», von denen er die meisten gefangen, und die er dann, wenn sie verendet waren, selbst stopfte, und außer seinen verschiedenen Werken über Vogelkunde — er hat zuerst die zahlreichen 'Abwcicknmgen von der Nonnalform der einz.'lnen ?lrtc» sestgestcllt — veröffentlichte er über alles niöglickie die Vogelzucht betreffende Handbücher, über Wartung uno Vilcge von Kanarienvögeln, über Taubenzucht, über de» Bogelfarg. über die Kunst, Vögelbälge herzusteklcn und noch viel ähnliches 'mehr Und alle Menschen weü über Thüringen hinaus, die irgend, etwas über Vogelzucht zu wissen begehrten, wandten sich an den Vogel-Brchm, von fcftn man sich seltsame und lustige Dinge erzählte. So wollte inan loissen, daß er Tausende BS'cl i:n Umkreise gewissermaßen „persönlich" kannlc. derart nämlich, daß er nicht nur wußte, der oder jener Vogel sei eine Anise!, sondern die Amsel, die da »der dort ihr Nest habe Man siebt iedcn- salls daraus, daß er wie kau" indcrer ill das Vogel- leben cuigedruligcn >var. < tragen wurden, .hierbei gaben die außerhalb' des Bahnhoft-S stehenden Bataillone die Ehrensalve ab. Normals nmrden die Särge eingesognet Tarauf wurde der Leichenwagen plombiert und an den sonderzug gekoppelt, der um < Uhr abend- unter den Klangen der VolkShtzmn« und KÄnonen- schujse» nach Metkowitz abging, wo die Särge auf ein Kriegs- schiff gebracht werden. Mctkowitz, 30. Juni. Aus Anlaß der Ankunft der Leichen des Erzherzogs Franz Kerdinanü und der Herzo,;in von Hohenberg hat die Bevölkerung des dalmatinischen Na- rruta-Getäetes Vorbereitungen für ein« würdevolle, still« Trauerscier getroffen. In der Stadt Me.kowitz find alle Hauser schwarz beflaggt, die Straßenlaternen umflort, die Jahrzeuge und Dampfer führen die Flaggen auf .halbmast. Um h Uhr langten die Leichen mittelst Sonderzuges aus Zcrajewo an. Die Schuljugend und die gesamte Bevölkerung von Metkowitz bildete Spalier. Die Särge wurden von Matrosen der Kriegsmarine aufgehoben und von dem katholischen Geistlichen von Metkowitz unter dem Geläute aller nirchenglocken cingesegnet. Unter dein gedämpften Trommei- n-irbel brr Ehrenkompagnie wurden sie sodann auf die .«iiegs,acht „Talmot" getragen. Unter der Abseuerung der Generalsalvc der Ehrenkoin.agnie fetzt« sich das Schis, langsam in Bewegung. In allen Gemeinden und Ortschaften längs des Users, welch« reichen Trauerschmuck trugen, hatte sich die ganze Bevölkerung mit der Schuljugend und den Gemeindevertretungen aufgestellt Tic Männer und Frauen hielten brennende Kerzen und als das Schiff herannahte, mieten alle nieder, während die Geistlichkeit unter den, Geläute der Kirchcnglöcken den vorbeifahrenden Leichenzug segnete. Als die Kriegsjacht vor der Narentainündung an- lmgte, leistete das dort verankerte Kriegsschilf „Viribus Unitis" einen Gcschützsalut von Ist Schüssen. Tie „Talmat" legte an der Seite des Schlachtschiffes an, woraus die beiden Särge an dessen Bord gebracht wurden. Nach 9 Uhr lichtete die „Viribus Unitis" die Anker und steuerte nach Norden. Tie Roheit der Mörder. S r r a j e w o, 30. Juni. Princip und Eabrinovic verhallen sich andauernd außerordentlich z n n i s ch und zeigen nicht die geringste Reue. Sic scheinen sich vielmehr darüber zu freuen, daß die ruchlose Tat gelungen ist. Auf die meisten Fragen verweigern sic die Antwort, leugnen aber nicht, die Bomben aus Belgrad bekommen zu lsaben, wie sie sagen, von zwei Konntatsches. Ebenso gestehen sie nunmehr ein, in Verbindung miteinander gehandelt zu haben. Ihre Verabredung sei dahin gegangen, daß, falls dem einen der Anschlag mißlänge, der andere das Werk sortzusetzen hätte. Tic Lerbcnhetze in Scrajcwo. 2 e r a j e w o, 30 Juni. Bei der Kundgebung gegen die serbische» Geschäftsläden standen die Eigentümer eines serbischen Geschäftes, drei Brüder namens Jovicic, in der Nähe ihres Ladens. Einer von ihnen feuerte mehrere Schüsse gegen die Demonstranten, von denen einer, im Rücken getroffen, zusammenbrach. Tie Menge stürzte urde an, Tienstag einstimmig und unter großem Beifall - ine Adresse >rn den König angenommen, in der das Haus seiner Empörung über die Ermordung des Erzherzogs Franz Ferdinand und seiner pstmahlin Worte verleiht und den König bitte,, dem Kaiser und König Franz Josef den Au«, de ick des Abscheus des .Hauses über da« Verbrechen und die t,e>e Teilnabine mit der kaiserlichen und königlichen Familie soivi- mit den Regierungen und Völkern der Doppel monarchie zu übermitteln. Ter König von Baneru reist nach Wien. 'J)< >» ch c n, 30. Juni. Ter König hat sein prrs lubes Erscheine» zu den Bersetzunqsfeicrlichkeiten filr l! Herzog granz Ferdinand in Wien ärnmelden lassen i. Tcr Präsident des deutschen Reichstages muer >m 29 Jmii^wlgendes Beileidstelegramm an ' , » rnien aionnena gerichtet, Tie, crichültert über ßu.ei-nrbigc Verbrechern»» Attentat, «rlchcm der Eizherzzq Fp . - i mmiü uns seine -Mm mm Opser gesallen sind/ iwr. w bes^ zurzeu nicht versammel oai^ätn Rerch-iag« d. ersten Schmerzes und warm Anteilnahme aus, indein ich Ew. Exzellenz rnbeimstelle, diese Kundgebung zur Kennrnis des Kaisers Franz A'>ei^bringen, zu wollen. — Auch der Präsident des preugiiä-cn Abgevrdneten- hmises entsandte ein Beileidstelegramm._ Ans Albanien. Rom, 30. Juni. „Agenzia Stefani" meldet auS^Dur az z o vom 29., Auf den von dem gefangenen Amid Ben xtsdem uvcr- iandlen Briet antworteten die Ausständischen. in einem in iptcm Namen vom öofria von Schiak Unterzeichneten Briere, der Gefangene möge sich in sein Los ergeben, doch möge er >ich verüb,gen. da sein Leben durch die Gefangenen, die iich bei innen, den Ausständischen. befänden, gesichert sei. Ter -lag rit tägig verlausen. Alles ist zur Verteidigung tertlg gemacht worden, da die auf ihre Richtigkeit nicht nachzupru- feiche Meldung eingekroficn ist, daß die Ausständ>,chen in der Nacht Durazzo anzugreisen gedenken ^ . ... Die Agen-sa Ltcfan, meldet, ^.urkhan Paicha Narr. am Dienstag morgen m Rom eine Unicrrebung mit dem Minister des Aeußern di San Ginlian» und dem Generaliekretar de Martin,. .. , . . «atona, 30. Jim, Ueber Valona ist beute der Bc- lagerungszustand verhängt worden. Ter holländische Ma>or Sluys wurde zum Platzkommandauteu crnanni. D u r a z z o . 30. Juni. Der niederländische Kr e u z e r „N o o r d Brabant" ist hier eingctrofien. — General xt vccr ist vom Urlaub zurückgekchrt. — Tic Nacht ist ruhig verlauten und die Lage unveränderi. Ta die Pcrirägc der albannchen Regierung mit dem .Ocsterreichi'chen Llovd über den Dampfer „Giselas und mit der Talma'ischen Gescllichait über die „Herzegowina abg-lamen sind, haben beide Tamvicr Turazzo Verla,,en. Aus »taS>t «HÄ Canö- Gienen. I. Juli 1914. T r > >, k« r- F >i r s o r a« il e I l e lür Stadt »nt La,>dkre,sGießen, Kienen Asterweg s. Sprechstunde jeden TomicrSlag abend s bis VI, Uhr. •• Aus dem Schuldienste, llcbcriragen wurde den, IchiilamiSaspiranten Georg Kiefer ans Fiirscld, Kr. Alzen, -,n» Lehrerstelle au der Volksschule zu Radheiin, Kreis Dieburg. ** Xie Elektrizitätsversorgung der Pro- vinz Oberhessen. Durch den Beschluß des/ßrovinzial- tags der Provinz Obcrhcssen vom 27. Juni d. I. kann das Kiel, die ganze Provinz mit elektrischer E iergie versorgt zu sehen, nuninehr als erreicht gelten. Ter Provinzialtag hat nämlich einen langer Land vorbereiteten Vertrag mit der Rheinischen Schuclert-Gesellschast in Mannheim angenom- men, wonach diese Gesellschast verpflichtet wird, in Ge- in e i n s ch a j t mit der Provinz den Kreisen Alsfeld, Lauterbach und dem nördlichen Teil des Kreises Schotten in einer verhältnismäßig kurzen Zeit Elcltrizlläi znzuführen. Von den in Betracht kominendcn Gemeinden der genannten Kreise sind 83 innerhalb zweier Jahre vom Abschluß des Vertrags an gerechnet, die übrigen voraussichtlich innerhalb weiterer vier Jahre anzuschließen. Tie Versorgung der genannten Gebietsteile gemeinschaftlich durch die Provinz und ein industrielles Unternehmen hat den nicht zu unterschätzenden Vorteil, daß die beteiligten Gemeinden viel rascher Und früher zu Elektrizität kommen als dies die Provinz in alleiniger Regie im Hinblick aus die Höhe der au^zubringenden Mittel und des damit verkniipften Risikos hätte ermöglichen können. Äleichtvohi werden die Gemeinden daraus, dav die Provinz nicht unmittelbar und allein die Versorgung übernim.nt, keinerlei döachtcilc äerspiren. Tenn abgesehen davon, daß der Bau der Fernleitungen und eines Teils der Ortsnetze auf eigene Rechnung der Provinz erfolgen wird und damit schon eine Gewähr gegeben ist, daß inan den Interessen der Gemeinden nach Möglichkeit Rechnung trägt, hat sich die Provinz auch darüber hinaus besonders für den Betrieb ein weitgehendes Auffichtsrecht gesichert, das eine einwandfreie und den übrigen Gemeinden gleichvertige Versorgung und Bedienung bedingt. Ter Eha- rakter des überwiegend kommunalen Unternehmens hat vor allem auch die Einheitlichkeit in der Versorgung zur Voraussetzung. Dies ist dadurch gewahrt worden, daß die Elektrizitätslieserung an die Gemeinden und ihre Einivohner auf itzrund desselben Vertrags erfolgen wird, den die Provinz mit den Gemeinden ihrer Uebertand- anlage abgeschlossen hat. Tie Elektrizitätslieferung wird also in der ganzen Provinz unter,qleichen Bedingungen erfolgen. Außerdem hat sich die Provinz das Recht Vorbehalten, den Betrieb schon nach kurzer Zeit ganz in eigene R e g ie zu übernehmen. ** Das gestrige Militär-Konzert in der Ge- wcrbeausstellung war wieder außerordentlich gut besucht; alle Plätze im Garten waren besetzt, und in den Gängen entrollte sich das gewohnte soinmerlickwgeseKschastliche Bild. Wie zzut das Urteil der auswärtigen Besucher über die Ausstellung ist, geht aus einem Bericht des „Darmst. Tägl. Anz." hervor. Wir lesen in diesem Blatte über die Eindrücke desTarmstädterLrtsgcwerbevcreins: Wir wollen hier keine Kritik üben, aber was wir hier geschmackvoll und boch so überaus vrakliw, zuiammengestellt ausgesunden, das mußte doch wohl bei jedinn Besichtigcr ein Gesühl des Stolzes entsachen, ei» Geiühl des berecyiigtcn Stolzes aus unier hessisches Handwerk. Von dein kleinsten Landmeister, der mit liebevollem Fleiß sein, nicht immer bescheidenes Können zeigt, bis zur Seit- sirma hinaus, sind wohl fast alle Gruvvcn und Erzeugnisse hessischen L-ndwcrks und der Industrie vertreten. Ohne Prunk, in schlichter Einfachheit ist hier wohl allen tzandwcrlern Gelegenleit geboten, ihr Können zu zeigen und was mit eine Hauptsache ist, auch praktisch zu verwerien. Es würde uns zu w.i, sübr.-a. ans alle die Einzcl- deiten näher cinzugehen ,,if> die vielen peakiischen Borsührungcn zu beschreiben, aber das wollen wir doch allen hessischen Gewerb- treibenden enipirhien. cs nicht zu veriänmcn, einmal die Ausstellung zu besuchen. vre vii|ic m a IN „I c r eer Stande am II der Ausstellung eine» Besuch abstatteu wird, ist auch dem Bericht über die gestrige Sitzung der Ersten Kain, zu lesen. ** WifBenrt Slobttl,cator. Tas zweite Gastspiel Kurtheaters in Bad-Naubkii» brachte vor einem bcdaucrlichcrw nur mäßig besuchten Hause in einer guten Vorstellung die n Operette Ter.lachendc Ehemann von Julius Bramm und Alsrrd Grünwalb mit der Musik von Edmund Ehsl Der Inhalt des Werkes ist aus den Boramzeigen der Thcai dircktion bereits bekannt. Es bandelt sich um die aus unzähli Operetten lereits vertrauten beiden tanzenden Liebespaare die t aber, das muß man den Versassern schon zugeben, wirklich , neue, umerhalOame und lustige Geschichte erfunden haben. Ne vielen alten witzigen Einsällen, denen man immer wieder ein, gern begenct, „nden sich auch manche neue, di« lebhafte Hei stit erregten und mcht wenig »u dem Erfolg des Werkes beitruc Pie Munk Ehsl ers ist liebenswürdig imb flüssig, verfügt ii eine fltmnate Jnstrumentalion und hat recht ansprechendes or nette «tclien wenn sie sich auch nicht stets von Senümentalitö sreibali. Jeden,alls iit „e »ehr gesällig und fand namcnilich den Liedern r.nc auherordcnilich weundliche Ausnahme Herr , auwur A dn el t und Herr Kapellmeister Lanzer hatten die di tuhrung iehrsoegia ttig und graziös vorbei eitel, und da auch i hervorragenden Rotten gut besetzt waren, konnte eS am Erfolg n ■ kehlen. Herr Ähnelt spielte den lachenden Ehemann mit seinen« knmvathischen, biederen Humor sehr schön und erzielte mit dem Lied vom Wein einen besonderen Erfolg Frl. Ga ist er als He- loisc war lein sehr niedliches, elegantes Weibchen und fand ebcnialls lebhafte Anerkennung, der reieznde Zwiegesang am Fernsprecher» den sic mit ihrem Manne pflog, ist besonders hcrvorzuheben. Frl. Jüngling war eine lehr erheiternde Lucinde Herr Harden spielte nnd sang den weiberliebcn Grasen Selztal mit schneid und Humor. Herr Nickel als Lutz sang recht hübsch, aber beim gewöhnlichen Sprechen merkt man den Ansänger nock, allzusehr. Eine entzückende Etelka war Frl. Martini, die auch mit Blumen bedacht wurde, und bei ihren netten Liedern, vor allem bei „Zweimal zioe, ist vier" schr^starken Beisall erwetc. Rech! gut mar der Pipclhuber des Herrn Schmidt. Eine sehr seine witzige Figur gab Herr Grosser-Braun als Wicdehopi. Eine auch sehr gut ausgearbeilcte Darstellung bot Herr V o l ck, der dazu eine ganz ausgezeichnete Maske gemacht hatte, als Periohiiungsanwalt. Tas Orchester unter Herrn Lanzers Leitung wurde seiner Ausgabe völlig gerecht. ** Wassersport. Auf der Lahn wird ;norizen der Erfinder^A Kolodziej seinen Wassergleiffchnh vorfiihren. •• Flüchtiger Dieb. Gestern abend wurde einem jungen Manne eine Kiste mit Uhrmacherwerkzeug im Werte von 600 Mark zur Verbringung an den hiesigen Bahnhof übergeben. Er hat aber seinen Austrag nicht auSgesührt, sondern mit der Kiste und eincin Fahrrad, Marke .Brennabor', das Weile vzesucht. Wer A»S!unft über den Verbleib der Sachen geben kann, wird gebeten, dies der Kriminalabtcilung des Großb. Polizeiamts mitzuteilcn. ** Tiebelden„Danie n", die kürzlich einer hiesigen Firma Waren zur Auswahl abschwindelten und damit das Weite suchten, sind mit Hilfe unserer Kriininalpolizei in Dresden ermittelt und in Haft genommen worden. Es l-andelt sich um Personen, die wegen der gleichen Tat von Heidelberg und Kassel gesucht wurden und wogen des gleichen Sckpvindels schon wiederholt vorbestraft sind. Jnwlge der Strafverbüßungen verfügte die Dresdener Polizei über die Photographien der „Tamcn", wodurch die Ermittelung sehr erleichtert wurde. ** TaS Ergebnis der Tckweinezäblung vom 2. Juni 1914. Wie die amtl. Darmst. Ztg. miiteilt, wurden im Großherzogtum Hessen 400 983 Schweine gezahlt, gegen 4119 372 am l. Dez. 1913 und 340 686 am 2. Juni 1913. Ter Schwcine hestand ist also gegenüber dem Winlerbestand etwas geringer, gegenüber der vorjährigen Sommerzählung aber wesentlich in die Höhe gegangen, und zwar gilt dies für alle AltersNasicn. Denn bei der diesjährigen Sommerzädlung wurden ermittelt 271 131 Schweine unter Vs Jahr ,gegen 239 274 bei der vorjährigen Sommerzäh- lung), 1Ö1 038 Stück im Alter von V, bis unter l Jahr igegcn 78 97t) und 28 814 Stück im Alter von I Jahr und darüber gegen 22 441). Tie Zahl der t Jahr alten und älteren Zuchtsauen betrug am 2. Juni 1914 24 382, am l. Dezember 1913 22 234 und am 2. Jum 1913 19 099. Ta der Sommerbkstand an Schweinen niedriger als der Bestand im darauffolgenden Winter zu sein pflegt, so ist zu erwarten, daß die im Dezember dieses Jahres stattnndende Winter,zählung einen erhöhten Bestand Nachweisen wird, zumal gegenwärtig die Zahl der unter V, Jahr alten Schweine recht groß ist. — Die bei der diesjährigen Sommerzählung ermittelten Schweine verteilen sich wie solgt aus die Kreise: Tarmstadt 16 998 sdaruiitcr 491 Zuchtsauen im Aller von 1 Jahr und darüber), Bens- heim 23 574 ,1457,. Dieburg 32 672 ,1491,. Erbach 23 688 ,20791. Groß-Gerau 28,807 (2045), Heppenheim 17 022 11158), Ossenboch 14 (00 1784), Gießen 38 290 12170,. Alsi'eld 23 958 (1995.. Büdingen 30 760 13097), Friedberg 39 785 f26201, Lauterbach 16716 999), Schotten 14 709 > 938), Mainz 13107 1461), Alzeh 15 896 1616), Bingen 11 291 1398), Oppenheim 21 419 1871), Worms 18 291 1712). ** Privatarchitekten undkommunalc Bau t e n. Das Gemeindekollegtum in um>->-6->»^> »„t <üpz>>ch -wo,, Antrag angenommen, der eine Verbilligung ^urr kommunalen Bauweise dadurch erzielen will, daß zu den öffentlichen Bau ten auch Privatarchitekten heran-gezogen werden. Di« Grund- zage fiir die Beraebung von Staalsbauten an die Privat- architettcn sollen dem Muster der Stadt Lübeck nackrgebildet ivcrden, die vor einiger Zeit entspreü-ende Leitsätze ausgestellt hat. Danach kann die Einführung eures staatlichen Baues einschließlich der Entwurssbcarbeituich von der Bau- dcputation einem Architekten übermittelt werden. Der Ileber- mittclung soll in der Regel ein Wettbewerb vorangehcn, ohne vorherigen Wettbewerb ist die Uebertragung nur in Ausnahmesällen zulässig. Das Berhäl-tnis der Privatarchitekten zur Baudeputation ist ldas Verhältnis zum Bauherrn. Die Arbeiten werden von der Daudepntalion nach dem bei ihr üblichen Verfahren vergeben. Jedoch kann der Architekt selbst die Arbeiten vergeben, loenn der Wert der einzcllien Arbeit den Betrag von 300 Mk. nicht übersteigt und die Arbeit lediglich eine Ergänzung bereits vergebener Arbeiten darstellt. Die Lübecker BauLeputatioii hat diese Leitsätze bereits in die Praxis umgesetzt, indem! sie den Bau des Konver- saiionshauses in Travemünde' einem Privatarcksitektcn übertragen hat. ** Ausverkäufe sind jetzt in unserer Geschäftswelt, mit zwar in allen Gattungen von Waren, an der Tagesordnung. B« diesen Gelegenheitskäuscn in unserer Stadt dreht cs sich nu ganz vereinzelt um Räumungsverkäuse wegen Geschaitsaufgabe, der Hauvtsache handelt es sich um dar Loeschlagen von lonimo artikcln, m denen der Absatz heuer, ivie allgemein versirhcrt wi, wegen des ungünstigen Wetters recht schlecht geioesen sein soll. Bü sach hatten unsere Kauileute damit gerechnet, daß die Gewerk ausstellung ihnen Kundschaft von außerhalb bringen würde. T Hossnung hat sich aber, iotc uns vielfach versichert wird, nick erfüllt. Es läßt sich dies auch denken, denn bei der Nähe der Bah sind die meisten Besucher der Ausstellung von außerhalb ga nicht in das Innere der Stadt lnnein gekommen. Dir Vorräte i, allen Arten von Aaren, deren Verbrauch für die bessere Jahres zeit berechnet sind, zeigen also infolge des schlechten GeschäslS- gangS noch ein vollständiges Sortiment, so daß ,eder nach seinen (scschmack bei zweisellos billigen Preisen eine Au-.-n>abi treffe kann. Es empsichlt sich jedoch für die Kundschaft, welche Beda hat, oder einen vorteilhaften Gelegenheitskaus machen will, ftül zeitig die Läden auszusuchen, wo ein Ausvcrkau, ängekündigt wirk nnd nicht erst abznwarten, bis die zur Räumung bereft gestelllen Waren teilweise schon ausverkauft sind. ** GütcrrechtSregister Angust M o m l> erger, Eiiendrehcr in Lollar, und Hessen Ebeiran Elisabetbe aeb. Kllnkel, haben Gütertrennung vereinbart — Errungenschaft s g e m e i N s ch a s t vereinbarten die Eheleute Balthasar Wilhelm Dietz und Anna Margaretha Dietz geb. Schmidt von Nieder-Wcisel. Landkrei-s Gießen. rb Wieseck, 30.Juni. Ein bedauernswerter Unglücks- fall ereignete sich gestern nachmittag.^ Der etwa 12jährige Sohn Karl des Landwirts Philiop Schäfer half seine», Vater beim Heumachen. Dabei kam er der Sense zu nahe und wurde am Bein derart schwer verletzt, daß nach Anlegung eine? Notverbandes die fofortige Ueberführung in die Gießener Klinik erforderlich war. il- Großen-Lindcn Die Bantäffgkeit scheint sich auch in unserer Gemeinde Heuer wieder leidlich anzulassen. Antzer sechs in Llussicht stehenden Neubmiten im Ort, die bereits angesangcn, werden verschiedene Umbauten vorgenommen und außcrden, die schon tanger geplante »osreite der Försterei errichtet, die ihren Platz an der Straße Gießen- Große n Linden, uwnittellxrr an der Waldschenke, erhall» »reis Alsfeld. b. 5«S bim "deren Obmlal, I.J„,i. Sei, Ende voriger und Ansana dieser Woche ist man eilvifl mit H « umach, n de- Ichästigt. Wie seilen in «inein Ja!»«, so kann man dieses "iahe Dieder einmal von einer vortresjlichen Ernte reden. Begünstigt a>ar der reiche Ertrag der Ernte natürlich durch die seuchte B-i„e- cung im Frühjahr. Kreis Lauterbach. -Schlip,3ll.jFu„,. Im Laufe dieses Jahres geht die neiiniahrige Amtsperiode des ersten Beigeordnete,, Friedrich Zoller sowie diejenige des zweiten Beigeordneten Hrch Franz Jung bl nt zu Ende Es findet deshalb in Kürze Neuivahl statt, dre voraussichtlich mit einer Wiederwahl der seitherigen Beigeordneten ailsgehen wird. Ebenso ist eine Ergänzung-swohl des Gemcinderats notwendig geworden da zwei Mitglieder, Wilh. Kaiser durch den Tod und Ph' Karl Fr a n k durch Wegzug ausgeschieden sind. ^Engelrod.30. Juni. Welch schwererSchaden im verflossenen Winter m den Waldungen de-- Vogel--- bcrgS durch die außergewöhnlich starken Lckmeesälle entstanden ist, ergibt die Tatsache, daß in dem hiesigen etiva 37 Hektar großen Gemeindewald allein 1070 Festmcter Holz als außerordentliche Fällung aus -Lchneebriichen siir das kommende Wirtsämstsjahr vorgesehen sind. Tie jährlichen ordentlichen Holzfällungen betragen im Durchschnitt nur etwa 400 Festmcter. Kreis Friedberg. . V. Bad-Nauheim, 1 . Juli. Tic Teilnehmer der ärztlichen -Studienreise 1944 sind, wie schon mit- geteilt, zu dreilagigem dluscnthalt hier cinqetrosfcn. Sie wurden von der Großh. Kurverwaltung durch Geh. Bau rat D r. Es er und Oberst von Frankcnberg, sowie im Namen der Stadt durch Bürgermeister D r. Käufer begrübt. Im Nonen der .Aerzte bewillkoiirmnctc Geh. Medizinalrat Prof. Tr. Groedel die Götte, daran einen Vortrag über die Nauhermer Bäder knüpsend. Unter Führung von Geh Baurat Dr. Eier wurden sämtliche Kur- und Babe-Anlagen dann besichtigt. Ter längere Ausenthalt ist bedingt durch emen zweitägigen Zyklus von Vorträgen, die, wie der Vorsitzende der Studiensadrt Hos- rat Dr. G l a x - ?lbbazia sich in seiner Ansprache äußerte, als neue wertvolle wissenschaftliche Forin den Studienreisen zun, erstenmal sich^angesügt hat. Bon den Vortragenden seien erwähnt Pros. Dr. Sommer-Gießen; Pros. Boit- Gießen; Privatdozent S t e v v-Gießen: Geheimrat M a t t h e s - Marburg - Pros. Bruns - Marburg: Privatdozent D i e t l e n - Straßburg; Privat dozent G u l z c - Gießen; Privalüozent I a s ch k e - Gießen; Pcivat- dvzent Tr. Weber- Bad-Nauheim. Diese wiiienichostlichen Vorträge von Universitätslehrern werden voraussichtlich als ständige Institution in Bad-Nauheim beibehaltcn werden. Ba d-N a u h c i m , 1. Juli Am Donnerstag, 2. Juli, abends 81/4 Uhr, findet im Konzerthaus das vierte Künstler ko liiert der Kurkapelle unter Leitung des Königl. Professors Hans Winderstcin statt. Solistin des Abends ist die amerikaiiische Pianistin Augusta sEoitlow. Hessen-Nassau. shs Frankfurt a. M,, 30. Juni. Eine nahezu unglaubliche Geschichte spielte sich dieser Tage hier ab. Ein Former-Ehepaar lud einen ihm 'bekannten älteren Kaufmann von auswärts zu einer Besprechung ein. In der Wohnung tvaf er die Frau allein an. Während der Unterhaltung ersuchte ihn die junge Frau, sich der Hitze wegen des Rockes zu entledigen. Kaum hatte er das getan, als der Ehemann der Fvau mit geladenem Revolver in das Zimmer stürzte und beiden die Worte, „Jetzt habe ich euch!" entgegcn- schleuderte. Dann wurde der Gast gezwungen, sich aufs Bett zu legen, toohin sich auch die Frau begab — die sich nnttlerrveile teilweis entkleidet hatte. Diese „Situation"' wurde von dem Ehemann photographisch sejtZehalieu. schließlich mußte der Mann noch 2 Wechsel über je 7.90 Mk. unterschreiben. Der Kaufmann erstattete nach seiner „Freilassung"' unverzüglich Anzeige bei der Polizei, die den Former noch am gleichen Tage verhaftete. Ueber die Persönlichkeiten bewahrt die Behörde vorläufig Stillschtveigen. li Frankfurt a. M., 30. Juni. Im städtischen Krankcn- bausc verstarb am Montag die 43sährigc Privatfcau Elisabeth Stadtmüller. Als man ihren Nachlaß prüfte, fand sich eine Kassette mit zwei Sparkassenbüchern über zusainnie» 20 000 Mark vor. Ferner barg der Behälter sehr wertvollen Jamilienschmuck. ver prozetz gegen Rosa Luxemburg. ~ Berlin, 30. Juni. In der beutigen, nur sehr kurzen, Sitzung, überreichten die beide» Verteidiger der Angeklagten Rosa Luxemburg. die Rechtsanwälte Tr. Curt R o i c n s c l d - Berlin und Dr. L e v i - Frank- lurt a. M. die schriftlich formulierten Betoeisanträgc und trugen sie zunächst mündlich vor. Sie behaupteten, daß die von ihnen benannten Zeuge» genaue Einzelheiten über schivere Soldatcn- imßhandtungen mittcitcu würden. Auch der Reichstagsabgeordnete Dr. Karl Liebknecht besindet sich unter den Mißhandelten. Er soll auch noch bekunden, daß sich niemand zu beschweren gewagt habe, da ein Sergeant gesagt hat, es gebe ja ein jpgenanntrs Beschwerderecht, es haben sich auch schon Leute beschwert, der linier - oisizier hat auch drei Tage bekommen, aber her Soldat sei 'ein paar Monate später in der Arbeitsabtcilnng gewesen. .Besonders schwer wird das Jnsantcriercgiment 148 in Alienstcrn angegriffen. Tie Sitzung wurde dann aus Freitag vertagt, »m dem Staatsanwalt zu Erkundigungen Gelegenheit zu geben. iärksjämle, wo sie sich tief in die ^O"»bohrle ,„Z 8 Dom Winde abgetrieben. eS gelanq chm '-doch- mit lxndeweii tvorderen Propellern arbeitend. den Flugplatz M Kiel. Die Ma r t n c il i eg e r a b lctlun« ist von Putzig iiach Kiel verlegt worden. Malmö, 30 Zun, Als der ichnnstnsche Rie^r - und stk dt Mute imchmiilag mit seiner von dem ,v>ug«atz i » Limhainn nach Joegersro fliegen wollte, tUrrztc bet -lvo enter Höhe von 50 Metern ab. "Der Flieger erlüt Gehrr erfchütierung, seine Frau eine Verletzung am Arm. Kiew. 30. Juni. Der Flieger S'korsky, der gestern die tili »erst lange Strecke Petersburg-Orscha m acht stunden zurücklegte und damit eine SBdtteiitimg aufftellte, «5PL‘. morgen hier mit seinen vier Passagieren. Er legte die . - lange Strecke Orscha -Kiew trotz strömenden Regens in ernec Höhe von über 12i)0 Metern in 61,7 stunden zrirua._ ArbciterbeivcgUtiS' H alle a. S, 30. Juni. Wegen BertragSdiffcrenzen sind heute vormittag sämtliche Arbeiter in den Karosseriewerken von Ludwig Käthe u. Sohn in Milt i ».s ausgesperrt worden; insgesamt feiern 400 Arbeiter. Amtlicher Wetterbericht. . Oefsentlicher Wetterdienst, Gießen. .... Wctterausiichien in Hessen am TonnerStag, den s Juli ISI4 • Wechselnde Ben-ölkung, warm, südliche bis südwestliche Winde, stellenweise Gewitterregen. GcrichtssaaL. Leipzig, 30. Juli. Das Reichsgericht hat die Revision des Redakteurs des „Vorwärts" Ernst M e h e r, der vom Landgericht Berlin I wegen Beleidigung des deutschen Kronprinzen zu drei Monaten Gefängnis verurteilt worden war, verworfen. Mülhausen i. E., 30. Juni. Tic hiesige Ttraskain - mer verhandelte heute gegen den Redakteur Geiler von der „Mülhauser Kolkszcitirng" wegen Beleidigung der Ofsl- zierc und Unlerofsizsere durch Artikel über die Z aber» er Affäre. Der Staatsanwalt beantragte 300 Mk. Geldstrafe, der Verteidiger Freisprechung. Das Gericht faßte den Beschluß, daß zunächst der. Kr ie g z m r n kst e r znlecks Klärung der formellen 'Frage zu vernehmen sek, ob die Frist zur Stallung deS Strafantrages bezüglich des ersten Artikels eingehalten worden fei. verniikchte». * Karlsruhe. Bei einem Siudentenkrawall wurde der Student Kurt Büchner von dem Schutzmann Werner erschossen. Büchner hatte den Schutzmann mit der Faust in das Gesicht geschlagen, während auch andere Studenten gegen den Schutzmann tätlich geworden waren. Tie- ser schotz, als trotz seiner wiederholten Warnungen die Studenten nicht von ihm abließen, dreimal. * L u st m o r d e Aus E s s c n wird gemeldet: In einem Walde in der Nähe der Stadt sowie in Bredenei rm Bezirk Tüsseldori wurde ein 42- bczw. l3jühriges Mädchen ermordet auigeiunden. In beiden Fällen liegt Lustmord vor. In Czmon iBezirk Schrimm) wurde ebcnsalls ein junges Mädckie» ermordet aujgeiunden. tnftfdiinnbtt. Dresden, 30. Juni Ms das Militärlustschift ZZ 6 " heute vormittag 14 Uhr aut der Rückrahrt von der sächsischen Schweiz Strehlen in grosser Höhe überflog. löste sich die hintere Lust schraube und fiel in den Hof der Slrehlcner Bes- Lctzte Hflcbricbtcn. Explosion. Mainz, 1. Juli. In der militärischen WasserstoffgaS- Anstatt im Fort Maricnborn entstand heute früh eine Ekvlo- fron, durch die zwei Mann getötet, zwer leicht verletz, wurden. Die Einnahmen der Reichseiscnbahnen. Straßburg. l. Juli. Die r ei chsl ä ndi sch e Staats- k a s s e wird in Zukunst einen höheren Anteil als bisher an den Einnahmen der Reich seifcnbahnen erhalten, und zwar mindestens 5 Prozent des Gewinnes. Eine Vereinigung Serbiens und Montenegros? Paris, 1. Juli. Ter „Figaro" glaubt, das Gerücht, das; Serbien und Montenegro ihre Vereinigung planen, bestätigen zu können. Tie beiden Länder hätten bereits den Beschluß gefaßt, sich zu vercimgen, und wären nur durch die Vorgänge in Serajewo daran gehindert worden. Die Verhandlungen seien mit großer Heimlichkeit zwischen Belgrad und Cetinje und mit Ermächtigung der russischen Regierung, die von beiden Regierungen über alles unterrichtet worden sei, geführt worden. Königl. 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Jniolge Verseuchung des 'stegieranasbez,rkeg a..p ist jealicher Zutrieb von Vieh an« btelem ®i.irf w de>' Rteis ®«6eu, mSbesondere auch |u den Vieh,nachten „ur zulässig, >oe»n die Tiere vorher in vestrn e>nc heben,äos,,. Ouarautane durchgemacht haben. Au» den au dw hesn cbe LaudeSgrcnze unmittelbar anstoßenden, uuverseuchteu Kreisen dari Biel, angetriebcu werden, soier» Ursprung-- zeugnihe vorgelegt Ivcrdeu. die nicht über 8 Taae alt ii, Gießen, den I. Juli 181«. ' I GvoßhcrWglichcs Kreisamt «rb>. ^ Ävoßhcrzogluhcs Kreisamt I I. «4 6-rwaMcbe, I Keinen Satz Kein Mahlen haben Sie bei der Verwendung von Cef abu - Kaffee Kein Filtrieren den löslichen Bestandteilen der Kaffeebohne in Pulverform. In kaltem und heissem Wasser momentan klar löslich — ohne Satz. Garantiert rein — Kein Surrogat — Sofort trinkfertig. Zu haben bei: Heinrich Driench. Selterswep 70: Emil Elaehbach, Seltersweg 24: «ermonin-DrogiTie. 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