Kr. W du ;fe$ Blatt M. Jahrgang Erscheint lägt ich mit Ausnahme de? Sonntag?. Die „«ießeuet Z-miiiendtäUer" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, da? „Krcisblatt |it den Kreis Kietzen" zweimal wöchentlich. Tie „landwirtschaftlichen Sett- fragen" erscheinen monatlich zwcrmal. Giehener Anzeiger General-Anzeiger für Gberhejsen Montag. 27. Zun! Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Unioersitäts - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießeiu Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e^©51. Redaktion.S^A112. Tel.-Adr.:AnzergerGießen. Ein Deutscher in Mexiko erschossen. i Di« „Frankfurter Zeitung" meldet aus Mexiko vom 86. Juni: In Tarreon wurde am 21. Mai der deutsche Monteur Karl Str chle erschossen, der seit Ende vorigen Jahres als Oberst in Villa? Diensten steht. Er leitete in Torrcon den Straßenbahnverkehr. Ob er er niordet oder standrechtlich erschossen wurde, ist noch nicht be< tzantnt. Die hiesige Regierung versichert, der Fried« mit oer Union sei unterzeichnet. Da aber die Rebellen nicht lkbegrifsen sind, ist es fraglich, ob damit ein ivescntlicher Fortschritt erreicht ist. Earranza ist noch unentschlossen, ob er überhaupt in Vcrlsandlungen mit Huerta cintre- ten soll. Dar Schwimmsest des Schwimm- und Wassersport- Vereins Gietzen. tb. Gießen, 29. Juni. Das Schwimniscst, welches der im Oktober vorigen Jahre? erst .rgründete Gicßcner Schwimm- .u. Wasser sportvcrein n der Müllersckien Badeanstalt veranstaltete, »ahm nicht nur portlich einen interessanten Verlaus, sondern erregte auch da? rbhajte Interesse der Zuschauer. Die Lauistege der Müllerschen bad«ulftalt, che Dächer der Anstalt sowie das gegenüberliegend« User der Lahir ivoren von Menschen übcrsüllt. Ta? Fest selbst war von 1200 zahlenden Personen besucht, so daß der Zuschauer- raum bedenklich eng war. Unser.Regiment war außer durch seinen I '■ Kommandeur Oberst Schin.melpsennig durch Maior Grostmann und zahlreich« andere Ossiziere, unsere Schulen teilweise durlli ihre Letter vertreten. Die sportliche Veranstaltung nalmi folgenden Verlaus: I Erössnungs schwimmen, 70 Meter, für Mitglieder des iestgedenden Vereins: 1. Pr. G. Hoesels und S. Erk 60- Sek: 2. E. Heinpel und K. Renk 61: 3. Friß Mthoss 66%. Es starteten 12 Mttglieder des Vereins. S ch ü l c r b r u stsch w i ui m c n , 35 Meter, Konkurrenz 3 Schwimmer imter 17 Jahren: l. Preis Fr. Althvsj 10 Sek.: >2 Hans Geyer 40%; 3. Theo Eck 40%. Junior springen, 4 Uebungcn vom 1 Meter-Brett: 1. Preis. Matthias Frcyeiscn (Erster Franksurter Schwimmklub) 26'/ Pkt.: 2. Walter Jung 24' 3. Karl Koch 21%. Jugend-Ermunterungs-Hand über - Hand- schwimmcn. 35 Meter osten, für Mitglieder des Giehener Vereins unter 17 Jahren: l. Preis Fr. Althost 35' . 2ck.; 2. E. Hem- pel 3S'/z>: 3 Theo Erk 37. M i l i t ä r b r u sts ch w im men , 70 Meter, osten nur für . -Soldaten des Ins.«Negis. 116: 1. Preis H. Happel 1.18 Min., 2. Ad. Schoßnick 1.24. Jnnior-Bruststasctte, dreimal 35 Meter um den J Rvhde-Preis: Es nahmen daran teil Erste: Frankstirter Schwimm- ! Null gegen Sportverein Merkur-Gießen und den scstgebendcn Ber- , ein: SckMttnm- und Wasscrivortvercin Gießen in 1.41 Min.: I 2. der FranHurter Verein 1.42'st,; 3. Merkur-Gießen 1.56%. J-rgend springen, eine Hebung vom 3 Meter-Brett, i tuvü -etmnoen vom 1 Meter-Brett: 1 Preis Theo Eck 22% Pkt.; ^ ttUe'Rahnield 21'/. : 3. Wilh. Ratmlcld 21 Werbeichwimmeu, 70 Meter, nur für Schwimmer aus cn und Umgegend: 1. Preis G. Hoesels, 1.7% Min.: 2. K. mm, 1.28: 3. E. «ommerkoru, 1.35. 140 McterSchwimmcn: I. Preis Wilh. Sauer (Erster lks. SchwimmUuh) und W. Dorn (Schwimmvcrein Darmstadt), '»Min.: 2. Ph. Harpcl, 2.13: 3. Marlin Schmidt, 2.23. Eierschwi m m en , 35 Meter: Georg Wellhansen war der „yige von 8 Schwimmern, der es fertig brachte, das Ei, welches er in einen, Lössel beim Schwimmen im Dbundc tragen mußte, unterwegs nicht zu verlieren. Damcnbrustschwimmen, 70 Meter: 1. Preis Fräul. /Stöber, Frankfurt a. M., 1.25 Min.: 2. Frl. Johäntges, Frankfurt a. M., 1.29: 3. Frl. Gisevius, 1.34. Damcnbr n st schwimmen, 35 Meter, stroman: 1. Preis ßFrl. Kübel, 56 Min.: 2. Art. Kraushaar 59: 3. Frl. Appel 62. Streckcntauchcn: 1. Preis G. Hoesels, 35 Meter: 2. W. . Weller, 27 Meter: 3. Matthias Freyeisen (Franks. Schwimmklub), |20 Meter. Militärstasctte, 4x35 Meter, Sieger 1. Bataillon gegen 2. und 3. Bataillon des Kaiser Wilhelm-Regt. 116 Mannschast: Lcop. Rothschild, PH. Halkenbäuser, Paul Becker und Georg Albvld. Junioren-Hand-über-Handschwim men, 70 Meter: 1. Preis Alb. Meyer (Erster Franks. Schwimmklub), 1.2% Min.: 2. S. Eck, 1.2%: 3. Ph. Haspel, 1.4%. Beim Endkamps zwischen Meper und Eck holte der letztere, der etwa % Meter zurück war, kräftig aus, er hätte nur früher zum spurt cmsetzcn m'sstscn, um Sieger zu werden. Die Zuschauer gerieten bei diesem Schwimmen bis zur Sicdehitzung in Ausregung. Es war unstreitig das interessanteste Schwimmen des Tages. 1 Schülcrstafcttc, 4x35 Meter. Teilnehmer: Realgymnasium, Lberrcalschule, Gymnasium und Volksschule. Lieger: I Gymnasium in 2.12 Min.. 2. Realschule 2.54, Realgymnasium I 3,35, Volksschule ausgrgcbcn. Hau Pt springen um den Preis der Stadt Gießen. 4 vor- I geschriebene Sprünge und 2 Kürsprünge: 1. Preis G. Hoesels, I 64'/, Punkte: 2. W. Sauer (Erster Franksurter Schwimmklub), 1 : 62'/. P.. 3. Paul Becker (vom 116. Jnf.-Regk.) 61 Punkte. Rückenschwimmen, 70 Meter: 1. Pr. W. Lauer (Erster i Franks. Schwimmklub). 1.10'/» Min.: 2. W. Weller, 1.19 Min.: 3. H. Schaub, 1.21 Min Jugend-Rückenschwimmen: 1. Karl Renk. 1.15 M.: 2. Fr. Althoff. 1,27 M. _ ... Militär-Bru st schwimmen: 70 Meter für die Gie- ßener Garnison offen: 1. Schosniek, 1.20'/» M.; 2. Thron, 1.24% M Alt Herren Brustschwimmen 35 Meter: I. Aug Noll. Hofbäcker, 39%: 2. Karl Lang, 40: 3. Tr. ohil. G-star (Frankfurt a. M.(, 40'/». Junior-Seitenschwimmen, 35 Meter: 1. L. lÄk und H Weis; (Erster Franks. Schw.-El. 32: 2. Otto Gttberi (Wetzlar Schw.-Vercin) 82%: 3. Willi Amend 33. Damen Rücken sch wim men, 35 Meter : I irrt- Paula Stöber (Frankfuri a M. , 10'/»: 2. Frl. Dosch, 43: 3. Frl. Gtse- vius. 44: 4. Frl. Johäntges, 45. .. Das Wasserbau spiel verlor der Schwimm- n. Waper- s'^rkverem Gießen gegen den Ersten Franks. Schm.-Cl. mrt 1 : 4. Bei den Namen. No keine Bezeichnung dabeitteh!. handelt e- nch um -Mitglieder des Giehener Bereins, der mit seinen 1t>i) ordentlichen . Mn gl cedern und seiner 40 Kopie starken Schül^r-Abt eilmig q ^ hat. daß er das Schwimmen mit Ester pflegt unb m»f Mitglieder >n tüchtigein Können hernnzubilden vertteht. nmnnr^n dem noch nicht ein Fahr bestehenden Berein Glück zu der moylgeluw- renen ersten öfsentlichcn Veranstaltung. _ vereinsnachrichten. % Hörnsheim. 28. Juni. Gesang swc ttst r eit u nd 10j ä h r lg es Stiftungsiest des Gcsangvererns „Evrtracht ourde heute hier abgehalten. Das Wettsrngen fand vormitlags cn der Wirllchait Albert Engel statt. Um 2 Uhr wurde der Festzug ausgestellt, welche 27 Abteilungen zählte. Festvräsident A. Engel brachte ein Hoch auf den Kaiser aus. Frl. Elisabeth Linker trug ein von A. Engel verfaßtes Festgedicht vor und übergab namens der Frauen und Jungfrauen eine Fahnenschleste. Die Festrede des Vcreinsvorsitzendcn L. Schmidt klang in cm Hoch auf das deutsche Lied aus. Herr A. S ch w a r z ließ dem Verein «inen Fahnennagel übergeben. Lehrer Müller- Wismar, der Grüüder und erste Tiri- zcnt des Vereins erhielt «ine Ehrenurkunde. Der Ehrenpräsident Engel und Lehrer Schumacher hatten ein Festbuch versaßt. Reichstagsabgeordneter Behrens und Landtagsabgeordueter Krüger befanden sich unter den Prcisststlcrn. Tas Weitungen hatte folgendes Ergebnis: A. Klasscnsingcn: 1. Klasse: 1 Preis mit 254 Punkten Eintracht Ferndors, 2. Preis mit 231 Punkten Elntracht- Ehringshausen: 2. Klasse: I. Preis mit 230 Punkten Licdcrtasel- Lollar, 2. Preis mit 222 Punkten Männcrgesangverein-üLtzellin- den: 3. Klasse: 1. Preis mit 224 Punkten tlnion-Trnpbach, 2. Preis mtt 204 Punkten Gesangverein Reichelsheim, 3. Preis mit 201 Punkten Männergesangverein Rödcgn: ö. Ehrenprcis- singcn: I. Klasse Sieger mit 115 Punkten Eintracht Fcrichorf, 2. Klasse gleiche Punktzahl Lollar »nd Lützellinden, das oL's entscheidet für Lützellinden, 3. Klasse Sieger mit 107 Punklen Union- Trupbach: 6. Höchstes Ehren singen: 1. Sieger mit 122 Punklen Eintrachl-Fcrichors, 2. Sieger mit 116 Punkten Union- Trupbach. A Niedcr-Wöllstadt, 28. Juni. Einer der ä l t e st e n Vereine der W c t t c r a u , der Gesangverein „Konkordia" von hier, feierte heule sein 75jähriges Jubiläum unter sehr starker Beteiligung der Wcttcrauer Gesangvereine und der hiesigen Vereine. Gestern abend war aus dem Festplatz eine Vorfeier. Ter Vorsitzende des Vereins, Philipp Beck, hielt eine Ansprache und übergab dem Dirigenten Lehrer K i tz eine Ehrenurkunde: beute vormittag %10 Uhr fand Festgottesdienst statt. Dekan Orth hielt die Festpredigt. Ter Fcstzug wurde um 2 Uhr an der Hclmoltschcn Villa ausgestellt. Aus dem Festplatzc begrüßte der Vorsitzende Phil. Beck die Gäste. Unter eLttung des Lehrers Kitz wurde von der „Konkordia" der BegrüßungSchor vorgetragen. Sehr beherzigenswerte Worte über die Bedeutung des deutschen Bolksqesangcs sprach Tclan Orth in der Festrede. Regicrungs- assessor Olöbel-Frieobcrg übergab die vom Großherzog pcrleihenc F a h e n s ch l e i s c. Frl. 'Auguste Bauer überreichte im Namen der Frauen und Jungsrauen eine Schlcisc: auch der Kriegerveiein hatte ein Geschenk gestislet, welches Lehrer Reuß übergab: die von dem Deutschen Turnverein gcstistele Ehrengabe, einen Fahnen- nagcl, überreichte Ehr. Wittigschlager. TS folgten Gesangsvorträge der Gastvcreinc sowie turncrisitze Borsührungen, Tan; und Volksbelustigung. Neue wunder der Technik. Als der iüngst verstorbene Kaiser Menelik von Abessinien den dort tätigen schweizerischen Ingenieur Jlg einmal fragte, was ein Ingenieur eigentlich sei, gab Jlg schlagfertig zur Antwort: „Ein Ingenieur ist ein Mensch, der alles machen kann." Der schwarzen Majestät muß dieser Ausspruch gewaltig imponiert haben, denn er machte bald daraus den einfachen Ingenieur zu seinem erste» Ratgeber und Minister. Ein Zeichen, daß man in Asrika nicht von dem traditionellen Vornttcil befangen ist, 'für einen solchen Posten ausschließlich Juristen zu nehmen. An die selbstbewußte Anlwort Jlgs wird man nnwillkürlich erinnert, wenn man das Resultat der Preisfrage nach den modernen sieben Weltwundern, die kürzlich von einer Tageszeitung an ihre Leser gerichtet wurde, sich einmal näher ansieht. lieber 150000 Antworten liescii ein. Tie relativ meisten Stimmen cnstielen aus die drahtlose Telegraphie, dann solgcn der Panamakanal, das lenkbare Lustschiss, die Flngmaschine, die RadiniN'Anwendung, der Krnematograph, und zuletzt der Riescndampscr „Imperator". Mit Ausnahme der Radium-Anwendung, die den Physikern, Chemikern !nnd Medizinern zugerechnct werden muß, sind es nur Werke der Jügenieurkunst, die als Weltwunder angestannt werden. Und cs erscheint datier ganz folgerichtig, daß man allgemein dte Ingenieure als die Männer ansieht, die im Rahnien der Naturgesetze alles machen können. Außer dem Riesenwerk des Panamakanats wird in Amerika gleichzeitig nocki ein anderes technisches Wunder der Vollendung nahe gebracht, das alle ähnlichen Anlagen aus der Erde über- trifft. Durch Ausnutzung der gewaltigen Wasserkräfte des Missis- sipoi bei Keokul werden 300 000 Pserdcstärtcn gewonnen. Tie gesamte Anlage, die in der Hauptsache aus einem geioaltigen Staudannn und dem Kraftwerk mit 30 Turbinen von je 7500 Kilowatt Leistung bestebt, erforderte einen Kosteiuiuswand von 24 Millionen Dollar. Der Strom wird auf 110 000 Volt transformiert und den im weitesten Umkreise liegenden Orten, wie z. B. Cbicagu aus 352 Kilometer Entseriiung und St. Louis aus 226 Kilometer Entfernung, zngesührt. Mit natürlichen Wasser- sällen und Strvmschnellen ist Amerika reich gesegnet, aber auch mit künstlichen Stauseen und Talsperren kann cs austvarten. Die den Plattensluß in Nordamerika zurückhaltende „Palhsindcr- spcrrc" saßt bei einer Stauhöhe von 58 Meter 1350 Mitlionen Kubikmeter Wasser, die den Saltiluß dämmende „Rooievelt-Spcrre" mit der böchsten bis jetzt erreichten Stauhöbe van 67 Meter faßt sogar 1700 Millionen Kubikmeter und wird nur von der Nit- spcrrc bei Astuan (Aegyptcn> mit 2300 Millionen Kubikmeter Wasser übcrtrosten. Jni Vergleich zu diesen künstlich gestauten Seen erscheint die größte Talsperre Europas, die im Fürstentum Waldeck gelegene Edcrtalipcrrc, durch die 202 Millionen Kubikmeter Wasser zuriickgehalten IkXh, noch klein Tie Sperr- maucr hat eine Höhe von 48 Mieter bet einer Breite von 40 Meter an der Sohle und 8 Meter an dee Krone. Das von der Watdecker Talsperre in einen Sec verwandelte Stangebiet umsaßr eine Fläche von 1170 Hektar aui einer Länge von 27 Kilometer bei einer Breite von l75 bis 1000 Meter. Tic Baukosten belaufen sich aus rund 20 Millionen Mark, wovon allein aui die 400 Meter lange Sperrmauer rund 8 Millionen Mark entfallen. Die nächstgrößte Talsp>'rre in Europa ist die Möhnetalsperre für die Ruhr mit 130 Millionen Kubikmeter Wassergehalt. Zurzeit gibt es auf der Erde 31 Talsperren, von denen 26 auf Europa, und davon imedcr 17 aus Deutschland kommen. Noch nicht eingerechnet ist hierbei die Riescntalsperre am Panamakanal, die an Ilmsang sogar die ägyptische übertresten wird. Mit einem ebenso kühnen ivie kosstpieligen Jugenieurvrosekt beschäftigt man sich schon seit Jahren in Rußland. Der hohe Gebirgszug des Kaukasus, der gleich einem Riegel die Landzunge zwischen dem Kaspischen und Schwarzen Meer durchgnett, wird heute noch an keim-r Stelle von einer Eisenbahnlinie durchbrochen, tim von der nördlich gelegenen Stadt Wladikowkas nach dem süd- tichen Tiflis, das in der Luftlinie nur 200 Kilometer entfernt ist, zu konimeu, muß man längs der Küste des Kaspischen Meeres eine Strecke von mehr als 1500 Kilometer zurücklegen. Die projektierte Bahn über den Kaukasus wird eine bedeutende Annäherung des südlich gelegenen Transkaukaslens an Rußland ergeben, und zugleich die Beherrschimg von Nordpersien durch Rußland weitgehend fördern. Bis auf eine Höhe von 1350 Meter über dem Meere wird die Bahn anstcigen und hierauf einen Tunnel von 23,5 Kilometer Länge quer durch die Hauptniaste des Gebirges durchsalnen.. Vor diesem Teil der Aufgabe war man bisher zurück- e " reckt, aber nach der glücklichen Vollendung des Simplon- els könucn die Schwierigkeiten nicht mehr für unLberwrndlich gelten. Da die mittlere Jahrestemheralur ander Stelle des vor- lgeiehenen Tunncleingangs 1,5 Grad Kälte deträgi, dürste sie inl Innern des Tunnels nirgends 35 Grad Wärme überschreiten, was im Vergleich zu den beim Simplontunncl gemachten Ersahrungen als eine mäßige Wärme zu bezeichnen ist. Tie Anlagekonen der proieklierten Gebirgsbahn sind ohne die Ausrüstung für elektrischen Betrieb aus 101 Mttlionen Rubel veranschlagt. Das russische Ministerium hat bereits eine Million Rubel für die Vor- arbettcn bewilligt. Hobe und zerklüftete Gebirge, die jede» Verkehr unmöglich Machen, haben für den modernen Verkchrsmgcnieur ihre Sckireckcn verloren, sie spornen jlm im Gegenteil zu immer kühneren Wagnissen an. Im wildesten Teile des Himalavagcbirges beabsichtigen die Engländer eine 120 Kilometer lange Kabclschwebebahn zur Verbindung der Stadt KasckMir mit Abbvttabad im Penhschap an- zulegen. Zwei in einem Abstand »an drei Meter nebenelnander lausende Drahtkabcl, die in einer Lpannweite von je 200 Meter durch eine Reihe von Stahltürmcn gestützt werden^ sollen über die Gebirgsschluchten geführt werden. Die ganze Strecke wird IN Abschnitte van je neun Kilometer Länge iieteilt, von denen sede Sektion ihre eigenen elektrisch betriebenen Zugkabcl erhalten wird. Sobald die Anlage im Gütertransport genügende Sicherheit bewiesen Hai, will man kleine Schwcbewagen aiul, für Reisende ein- stellen. Freilich wird eine Reise über 1000 Meter tiefe 'Abgründe in, Himolaya nicht im entserntcstcn die Annehmlichkeiten biete», welche die neuen Speisewagen, die von diM meußisch- hessischen Staatsbahnen im Oktober in Dienst gestellt wurden, dem anspruchsvollen Europäer gewähren. Diese neue» Wagen haben zwei dreiachsige Drehgestelle, also sechs Achsen, während die älteren Spciseivagen nur zweiachsige Drel>gestcllc hatten. °Der IWagenkörpcr ruht nicht allein auf 'Bkatstedern, "sondern vor allem aus narlcn Sviralsedern, von denen icdcr :n, ogffcrten sofort jede Hoffnung. Allein plötzlich, nach einem Sturze von 200 Fuß, geriet das Flugzeug in eine Böe imd richtete sich ans einige Sekunden wieder aus. Dann begau» es, vollkvmme» steucrlos, in der Lust l/iit- und her zu taumeln, bis cs sich wieder neigte und von neuem siel. Aber nach hundert Fuß richtete sich der Apparat wieder aus, blieb etwa eine Piinutc lang im wagerechten Fluge, um dann, zum dritten Male, senkrecht brnabzultürzen. Das Schicksal des Fliegers schien besiegelt, als sich wie durch ein Wunder in kurzer Entfernung über dem Erdboden die Maschine wiederum ausrichtete und nun in einem Gebüsch niederfiel. Das Flugzeug sing sofort Feuer, inan half Knox Morton von seinem Sitze, die Menge wollte erst nicht glau- ben„ daß der Flieger noch am Leben sein könnte. Allein er war mit entern leichten Nervenckmck davon gekommen und tonnte zu Fuß ohne Hilfe in sein Hotel gehen. Dem allmächtigen Gott hat es gefallen, meinen lieben treubesorgten Gatten, unseren guten Vater, Sohn, Bruder, Schwiegersohn, Schwager und Onkel Herrn Karl Neurath Pfarrer zu Bechtolsheim mch kurzem, schwerem Krankenlager zu sich zu rufen. / , kl . , nacn Mirzem ’ Im Nanl0n ^ er trauernden Hinterbliebenen: Minna Neurath, geb. Nattmann. Bechtolsheim, Giessen, Darmstadt, Frankfurt, Offenbach, Augsburg, Chemnitz, den 28. Juni 1914. Garteustrasse 18 Die Beerdigung lindet statt: in Giesseu am 1. Juli nachmittags um 3 Uhr auf dem neuen Friedhof. Von Beileidsbesuchen bittet man absehen zu wollen. 705 n Todes-Anzeige. Gestern morgen 7'/. Uhr verschied sanft nach kurzem, schwerem Leiden unser treusorgender Vater, Schwiegervater, Grossvater, Schwager und Onkel HerrKasparSteinmüller im 76. Lebensjahre. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Familie Konrad Schlierbach V. Rodheim a. Bieber, den 29. Juni 1914, Die Beerdigung findet Dienstag, den 30. Juni nachmittags 2‘/i Uhr statt. 7695 Gestern mittag verschied nach langem, schwerem Leiden mein lieber, guter Mann, unser treusorgender Vater und Grossvater !err Creoirg 1 Knörr im Alter von 65 Jahren. .. , , Die trauernden Hinterbliebenen: Katharina Kniirr. Otto Knorr und trän Johanna geb. Beehthold, Karl Duill und Frau Emma geb. Knörr, nebst 2 Enkel. Lollar, den 29. Juni 1914. [TV11 Die Beerdigung findet Mittwoch, den 1. Juli, nachmittags l 1 /, Uhr, von-»er ^Vohtiung 7uv > hollar, Daubringer Weg 7, aus statt. fff-*- 1 ' Ti« WoHuUNg Vcr Frau Tr. THiemanu. 4 Zimmer, Fremdenzimmer, Bad, Balkon re. .ist pei l. Oktober zu vermieten. ^ 70,9 Heimstöttenbau Ges. nt» b. 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Anwesend r 1 f a l-’OO Veteranen, darunter etwa fünfzig Offiziere: unter diesen bemerkte man die Feldniarschällc Gras v Häseler^iind Freiherr v. d. Goltz sowie den General v. Podbielski. sämtliche Truppenabteilungen, die im Fahre 1814 an dem Siege beteiligt waren, hatten zu der Feier Abordnungen von Osfizieren und Mannschaften entsandt. Die Düppel.GediichlniiausSeSung, wurde heute nachmittag durch den Protektor Herzog Ernst Günther von Schleswig-Holstein feierlich eröffnet. An der Eröffnung nahmen teil die Herzogin von Schlcswig-Hol- stem, Prinz Philipp von Sachsen-Coburg-Gotha sowie die spitzen der Militär , Marine , Staats- und Kommunal- behörder, von den Kriegsteilnehmern u. a. Feldmarschall Graf v Häseler, die Generäle v. Podbielski und v. Eglofsstein und eine Anzahl lveiterer Veteranen aus dem Feldzuge von 1814. Von sonstigen Ehrengästen waren erschienene Gcnerglfeldmarschall Freiherr v. d. löoltz, Lldmiral v. Thon, jon und Hosmarschall v GNnz-Rekolvski. An den Erösfnungs- akt schloß sich eine Fahrt n a ch d c n Schlachtfeldern und den Erinnerungsstätten bei Düppel und aus der Halb- insel Broackcr an 35. Airchengesangsfest im Srohherzogtum heffen. A Butzbach, 28. Juni. Unter Leitung des 1. Vorsitzenden des Landesvereins cocrngrlischer Kirchengesang» verrine, Herrn Prälat D. Dr, Flöring Tarmstadt,^ nmrdc heute das 35. Ki r ch c n g e s angs f e st hier abgehaltcn. Es hatten sich u. a. die Ävchengesangvereine aus Gießen^. Friedberg, Lich, Butzbach, Södel, Großen-Linden, Leihgestern. Holzheim eingefunden. Um ll Uhr war unter Lei- lnng des Kircheninnsiknieisters Professor A. Mendelsfohn- Tarm starr Hauptprobe der vereinigten Vereine, die dann >m Festgottesdicnst ihre Massenchore vortrugen. Die Fest- tu-ntxfl» hielt l>«r Direktor des Predigerseminars zu Fried- berg, Professor D. Dr. Schöll. Auch ein Kinderchor wirkte mit Zwischen den einzelnen Gesängen wurden geeignete Schristlektionen eingefilgt, auch die früher viel üblichen Wechrck mnge kamen zur Anwendung Als Organist wirkte Lehrer Bangert mit, die Liturgie las Pfarrer Loos. Die Nachversammlirnq begann um 3>/s Uhr in bet Festhalte «m Marktvlatz. Hierbei wirkte in hervorragender Weife der Posaunenchor aus Fechenheim a. M. durch Konzertstücke mit. Der Bntzbacher Verein sang den Bcgrüßnngschoir „Pre und Anbetung". Psarrer Loos sprach herzliche Begrüß ingsirorte im Auftrag des KirchcnchorS und der Gemeinde Butzbach. Tie Festrede hatte Prälat I). Dr. F'.oring Tarmstadt übernommen. Er begrüßte bc- sonde' S die Ehrengäste. Superintendenten von Ober- hcsien Tr. Peterscn, Professor Kunkel, Rektor der Universität Gießen. Professor Dr. Schölt, Direktor des Pre- digerleminars Friedberg und den Vertreter des Badischen Landesverbands, Oberlehrer Schumacher-Karlsruhe. Hessen zähle 21 l Kirchengesangvereine, davon Starkenburg etwa 100, Rheinhessen etwa 65, Oberhessen nur etwa 50. Im Interesse der evangelischen Kirche seien weitere Gründungen notwendig, jede Gemeinde sollte einen Kirchcnchor oder doch wenigstens einen Schillerchor haben. Superintendent Geh. Konsistorialrat v. Petersen spricht über die Notwendigkeit und Ersprießlichkeit der .Kirchengesangvereine. Er dankt besonders dem Musikmeister des Landesverbandes, Professor A. Mendelssohn-Darmstadt Dieser leitet den Dank ab auf die Dirigenten der einzelnen Vereine und bringt auf sie ein Hoch aus. Pfarrer Becker-Fürth sprach zum Schluß über die Eindrücke des heutigen Festes. Einzclchöre wechselten mit gemeinsamen Liedern und Vorträgen des Posaunenchors Fechenheim ab. Das „stdiedcrländische Dankgebet" bildete den Abschluß des Festes. Au» Stadt und Lau». Gießen, 29. Jun, 1914. ^Empfangen wurden vom Großherzog am 27. Juni u. a.: der Finanzaintmann Franz von Friedberg, Medizinalrat Dr. B e st hon Schotten, .Hvslbuchhändler Etz er l i n g und Bezirkssparkasserechner Türck von Büdingen. ** Ruhcstandsversetzung. Der Großherzog hat den Amtsrichter bei dem Amtsgericht Darmstadt I Amtsgerichtsrat Eugen Gerlach auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner treuen Dienste in den Ruhestand versetzt und das Ritterkreuz l. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. ** Eisenbahnwesen. Der Großherzog hat dem Bahnhofsvorsteher Heinrich tz e r w i g zu Wetzlar, den Eisen- bahnassistentcn Pelec Kuhn zu Hanau-Ost, Wilhelm Berk zu Heldenbergen-Windecken, Wilhelm Luh zu Frankfurt a. M. und Heinrich Jäger zu Ofsenbach a. M, den Bahnmeistern .Heinrich Sauerwcin zu Herborn, Georg Mark zu Friedrichsdorf und Adolf N u m r i ch zu Fviedberg, sämtlich in der Hessisch-Preußischen Eisenbahngemeinschaft, die untündbarc Anstellung verliehen, — Am 29. Mai d. I. wurde den Lokomotivführern Karl Gcrbig zü Stockheim, Heinrich Stingel zu Frankfurt a. M, August Ha inzM Schotten, Johann Blüm ler zuAfchaffenburg, Peter S'i- , zu Hanau, Konrad Stürz zu Bebra, Jakob Eichbladt zn' Frankfurt a. M., Hermann Engelter zu Frankfurt a. M, und Adolf Braun zu Gießen, sowie dem Zugführer Heinrich Altenburg zu Fricdberg, sämtlich in der Hessisch- Preußischen Eisenbahngcmernschast, die unkündbare Anstellung verliehen, ** Gcwcrbeausstellung Gießen 1914. Der heutige Sonntag hatte sehr viel fremden Besuch nach Gießen gebracht. So besuchten u, a. die Gewerbe vereine von Darmstadt und Bad-Orb, die Lehrer an den hessischen Gewerbeschulen, der Bezirksverein der Forst- und Landwirte .Hessen-Nassaus, Sitz Frankfurt a M, sowie der Klub Fidelitas aus Lanteckbach unsere Ausstellimig. Bald herrschte in allen Räumen ein munteres Leben und mit Ernst imb Fleiß suchte man den Wert unserer heimatlichen Arbeit zu ergründen. Der Geschäftsführend« Ausschuß nahm an dem gemeinsamen Mittagessen des Darmstädter Vereins teil. Der Vorsitzende der Ausstellung begrüßte die Damen und Herren und trank auf die Beziehungen zwischen den Gewerbevercinen Darmstadt und Gießen. Weißbindermeiftcc Krgus-Darmstadt dankte im Namen der Gäste. Sein Trinkspruch galt der Ausstellungsleitung und dem Ortsgewerbevercin Gießen. Stadtverordneter L. Petri II. trank auf die Damen. — Die Abteilung Alt-Handtoerk hat dadurch eine ivesentliche Ausgestaltung erfahren, daß ein Nagelschmied und ein Kunsttöpfer ihre Tätigkeit begonnen haben. •• Set dem Ja hrcZ fest der Landesuniversität am kommenden Mittwoch ist, wie uns mitgeteilt wird, der Zugang zur neuen Aula für die Fesiteilnehmer ausschließlich von dem Haupteingang des KollegiengcbäudcS m der Ludwig» stcaße aus vorgesehen. Der Eingang von "der Goethestraße auS bleibt für die studentischen Fahnenträger und die Mitglieder des Akademischen Gesangvereins Vorbehalten. Da die neue Aula für einen größeren kreis Platz gewährt, sind bei der Feier, die um ll’/ t Uhr pünktlich beginnt, außer den geladenen Gästen auch andere Freunde der Universität willkommen ; einer besonderen Eintrittskarte bedarf es nicht. ” Die feierliche Einweihung der Waldeckcr Talsperre in Gegenwart des Kaisers ist nunmehr bestimmt auf den 25. August festgesetzt worden, ** Schiffs liste für billige Briese nach den Bereinigten Staaten von Amerika (10 Pfg. für je 20 r . Dü Porivermäßigunq erstreckt sich nur aut die Briese, nicht mich auf Postkaricn, Drucksachen usw, und gilt nur für Briefe nach den Bereinigten Staaten von Amerika, nicht auch nach anderen Ge- bieten Amerikas, z. >B, Eanada „Clevetmrd" (mit nach Boston > ab Hamburg 3. Juki, „Berlin" ab Brenwn 4, Juli, „Kaiser Tsildelm der Große" ab Bremen 8. Juli, „Großer Kurfürst" (noch unbestimmt' Bremen ad II. Juli, „Amerika" ab Hamburg 15. Juli, „Kronprinz Wilhelni" ab Bremen 21. Juli, „Vaterland" ab Hamburg 22, Juli, „George Washington" ab Bremen 25. Juli, „Kronprinzessin Cecilie" ab Bremen 28. Juli, „Imperator" ab Hamburg 31. Juli, „Köarrgül Luise" ab Bremen 1. iluguft Postschluß nach Ankunst der Frühzuge. Alle diese Schiffe, außer „Clevctand", sind Schnelldampfer oder iotche. die für enic besiimmle Zeit vor dem "Abgänge die ichirellstr Beiörde- rungsgclcgenheik bieicu. Es empstehlt sich, die Briefe mit einem Leitverwerke wie „direkter Weg" oder „über Bremen oder Ham- bmg" zu versehcii """„GesangerfreutdesMenichen Herz". In eroem Dorfe unserer Nachbaeichast hcrftcht im Gciangvcrein „Eonkordia", was so viel wie Eintrachl bednitenü, grimmige Jiwetracht. werk der Dingem von seinem Dosten zurückgeircten Auf einem Jalmen- weihfeft zeigte der Verein keine Lust zum singen und auch der Dirigent iehltc. Es ist tetzt die Rede mm einer Vereinigung IIIÜ eincin andern Gesangverein, aber die tüngeren Mügücber. beider Vereine, tocrden keine Einigung zustande kommen lassen. Die meisten Mitglieder der Gesangvereine sind aber auch zugleich Mitglieder des Turnvei'eins. Weil nun die jüngeren Mitglieder des zTurnvercmS die Einigung der Geiangvrreinc hindern, so sind r 4f>n einige ältere Mitglieder aus dem Turnverein gusgefchikden. ll»c ganze Zwistigkeit torrd wohl aus einen GesangSwettsbrrü in dir Nachbarschait zurückznsühre» sein, wo der andere Gesangverein einen ersten,und Ehrenpreis errang. Kreis Friedberg. r. Reichelsheim, 27. Juni. Heute morgen wurde der fast 70jährige Invalide Johs. Nies verhaftet und ins AmtSgerichtsgefänaniS Friedbcrg abgeführt. Der Berhostete wird beschuldigt, sich an Mädchen int Alter von wer b>S zehn Jahren vergangen zu haben. Wegen der glcichenjVer« brechenS hat NieS schon eine vierjährige ZuchthauSstrasc verbüßt. Hessen-Nassau. -tz Fulda, 36 Juni Der Relchsiagsabgeordiiete für den Wahlkreis Fulda Richard Mülkcr- FnlÄa hat der hiesigen Stadt Grundstücke in Größe von 9273 Quadratmetern geschenkt. Die Grundstücke repräsentieren einen Wert von 77 (XXt Mk.; sie sollen als Baugelände für ein zu erbauendes städt. Waisenhaus Verwendung sindeii. Ferner hat der kürzlich in Berlin verstorbene Geh, Jnstizrat Dir. Adolf Braun, ein geborener Fuldaer, seiner Vaterstadt ein Legat non 5000 Mk. für die evangelischen Armen der Stabt vermacht. vie Einweihung der Giehener Zreilichtbühne. G i e 8 e n , 29. Juni. Als sich vor wenigen Wochen einige künstlerisch regsame Herren aus Anregung des Herr» Prof. Dr. B c r n b e ck an die Stadtvcrordnete»ver>ammlmlg tvandteu und sie um .Hmrickstimg eines entsprechenden Platzes znr Anlage einer Freilichibübne baten, da dachte wohl keiner daran, daß cltvas außergewöhnliches Die JOO. Auflage des „Allgemeinen Deutschen Aommersbuches". üt . R. H. — Im altgewohnte», liebvertrauten Einband, in den vier Ecken die bierehiöich iunlelnben Nägel aus Messing, um dich an der schommgsloicn Flut des Kneiptisches zu retten, in deinem Herzen in Goldlcttcrn die tr,>h>»erhcißcnde» Worte eingeprägti ^Gaudeamus igitur, juoeims duni iumus", Worte, in denen das ganze Giiick und die Tragik der Jugend ruhen — Glück, daf auch ivir >,e erleben dursten diese herrliche, uberschäumende Jugend, dies „Student sei», wen» die Veilchen blühen, ein roter Mund verlockend lacht", und Tragik, daß sie so rasch, taimt geahnt und ungenübt auch schon geflohen — so kamst du heute, du liebes Buch der Lieder, unerwanet, wie ein alttrauter Freund, in mein Studierzimmer und ließest mich inmitten ernster Tagcsarbeit zurückvcrlinken in ein Laub des stürmisch dahinbranlenden Jugend- srot.linns und biinmelstürniender Träume. Und aus deni blauen Nebel ,'etiattenbaitei Bilder, die sich vor mir formten, stiege» Gestalten alt und wundersam empor und da lagst h» wieder vor mir, goldenes Land der Beigai,gent^-lt. Wo war es nur, daß ich dich, du liebes Buch, zum ersten! Male erblickte? Da sehe ich sie wieder vor mir die tabakdurch- aualmte Pennatmkncive voll irohei jugendlicher Gestalten; t argen- frtt strenge Magisterpedanlerie und lateinische» Bokabeln entronnen singen lie begeistert auS deinem Liederlchab. Lang, lang ist"-, her, daß ick, dich da aus mühsam erspartem Taschengeld erstand nno iargiam 2 Muä> und Wappen des „Bundes" in bunten ßarb-n in deine Blätter malte. Das war zur iestgen Primanerzeit und dann zogst du mit mir hinaus in die Ferne, als das Irerz des ,ungen Fuchsen sehnlückisbang den Wundeni der lachenden lockenden Welt en,gegenschlug, zur alten Mujen- stadt am Rkckarstrand, wo ephenumronk, die zerfallene Burgnnne weitcrhort imd altersgrau aut engnerschtuiigene Gassen hernieder- iäwiit au« denen bunte Mnncn hellschimmernd zum Jetlenbübl cmnorarüß'H und ein Sang von Jugend u»d Glück im Lenzes- du!c über' dem ganzen Tale schwebt. Da zogst du mit mir zu »rohen .Kneiviahrien an stromumrauschten Schenken im Ncckarial. Wie lang und jauchzte der lunge Mund der Brüder und ichövstc immer wieder neuen Liedervorral aus deinem unerschövslütien Liederbon, da tu-rrliäws »ommersbuch. Was aus der innigen Seele uni'rc- Volles heraus iüb zum Liede formte, wenn die Jugend siß ,m Maienionnenschcst, unter blühender Lrnde zum Reigen sch.' •' mos oft raub: Burschen in hohen Stulpstiesetn und Flau- Kommeriieren auf Deutschlands Hochphulen in längst > sten in die Lüste gejauchzt, was später ri» Otto c Viktor von Scheffel der Jugend aus dem Herz - " Ästchw', Er? üüd Otto Ufib nM lausend andern in perlende Töne gesetzt, das steht in deinen Blättern — ein -chatz io reich und köstlich, >vic ihn nur unser! deutsches Volk besitzt. Und das teütest du uns mit, wenn wir in laulinder Maiennacht unter ichwerdustendem Flieder nnd süßberauschender "Akazienbtlltc oben am Berge saßen, zu unsern Füßen, tief, glühlichtcrmeenimhoucht die aste sotadt in tieiem Schlafe: dann tagst du oflcn vor uns neben dent sunkelnden Römer Rbeinwcms und leise träumerisch erklang die Laute zum Lob und Preis der Jugend und der alma Maler. Und einst in sommerrciser Juninacht da sang ein kirschrotblübender Mädcheumund aus dir, gotdüberhaucht im Lichtrefler der rote» Ampel das Blondhaar nnd wie jauchzte so lugendselig der Mund im Ehor der Sangesbrüder das Lied vom Knaben, der vergeblich in die Welt zog, das Glück zu erjagen, und wie glückverheißend erklang der Schluß »md da küßten sich bcid' zur Sommerzeit, wenn am Walde, am Walde die Heckenrosen blüh». Und so liegst du heute vor mir, nachdem Rosen und Glück von damals vermehrt, als ein Festes kt nd Auf deinem Titelblatt schlicht und cinsach ein .Kränzchen mit der Jubetzahl toll, in deinem Innern aber ein neuer großer Schaft von kössticheu Liedern nnd Preiskompoiilionen wie das herrliche „Wildrgstnlieb", „die Ausfahrt" üstn., 'daneben nnetwr prächtige Lieder, nnc die llll- merschc Walpurgisnacht in Heidelberg", der schöne Sang au» die rebemmikränztc Kilianssefte Würzburg, nebst all den vielen Liedern von Jngendlang und Lenzesminne, die neu entstanden sind, voran das köstliche Lied! „Burlchemahrzcit". Auch manches alte Lied vergangener Zeiten, das sich wieder neu in die .Herze» der Jugend emgelungen, wurde in die Jubelausgabe müaufgciiomme», und so kannst du mit Recht „Das Buch der Lieder" heißen., So ziehe denn liinaus und erobere dir die Herzen der neuen Generation, der die Zuktmit gehört, die mil weüoffenem Schiller, kragen, stiegenden Locken, sonnenverbrannt, ein Siegeslächeln in den Augen, ans den Lippen aber ein glückverheißend Lied mit der Zupfgeige durch die funggrtinen Bergeswälder zieht, und erioirb dir auch die Herzen all der Tausende jugendlicher Musensöhne, so wie du es einst auch mit uns getan. Aber uns zürne nicht, du Festeskind, wenn wü bislveiken noch, so wie wir cs auch heute taten, unser altes Kommersbuch aus unsere» Studienjahren zur Hand nehmen, das Buch, aus dem wir als junger Fuchs das ftohe Lied gesunqen, aus dem wir beim Exameiistrimk im Freundeskreis gejubelt und dann zuletzt das bitterwehste Lick» vam Scheiden sangen, als es galt zum letztenmal die treue Freundeshand zu drucken und Abschied Mi nehnren von Studentsein und Jugend. Freilich, du altes Buch, zerknittert und »st zerrissen lind deine Blätter, aus den Fugen der einst fo festr Einband, aber ans dir weht ein Duft von längrtverrcmich- ten Anccpen, ooil bMMtschäuimndem Bier und köUtzhfton fio» 1 trank, der sich unlöslich ül dich eingejvgcn, und io liteibst du uns das licbteuerste Gut der Studentenzeit, denn du birgst unser Koll- barltes, was ivir Iwben: „Den Traum der Jugend", wie es kein midercr als Roauettc schöner sang: Schlag" ich das Büchlein wieder auf. Mir wird halb weh, halb wonnig, Es klingt um mich, cs klingt hinauf Zum Hinrniel blau und sonnig. Und alles hot sich neu gesellt. Und blühen ivitl's und sprossen. Als hielte ich die ganze Welt Im klcüicn Buch nniichtoll'en, * — Kinder auf Reise». Die Frage, ob Kinde,' rrtrt Reisen tiefe Eindrücke empfangen und ob auch bei ihnen lich das Sprichwort, daß, Reisen bilde, sich beivährl, wird durch die Erfahrung sehr verschieden beantwortet. In unserer Zeit min freilich werden Kinder schon aus die weiteste» Reisen mügenommen. Früher war das inrmerhin eine große Ausnahme, und Sebastian Heulet, der Bersalser des bekannten Bucktz'ü „D,e Familie Mendelssohn", de»' er als Sohn der Tfannb Hensel selbst angehörtc, beklagt es in seiner Autobiographie als nicht gerade günstige Fügung des 'Schicksals, daß die einzigen großen Reisen seines Lebens in sein fünftes, neuntes und vierzelmtes Jahr sielen, lind er meint „es war doch ein Jammer, daß die Perlen Italiens vor solid ein kleines Ferkel geworfen wurde» und ich die Reifen nicht in einem vernünftigeren Alter inachen konnte". Bon seiner Reise als Neunjähriger nach Italien meint er: „Ich imCl nicht dafür stehen, daß ich nicht ansangs ein ähnliches Urteil über Jtalieir sälltr, wie jeves Kind, das bisher innner in, Sonimer an der See gewesen war, über die Schweiz. ,Wl'e hat dir denn die Schlveiz qesallen?" ftogte die Tante. .Greulich', war die Antwort, ,nichr eine fternünstige Hand voll Sand zum Spielen.' Denn ich war doch eben ein Kind!" Don derselben Reise erzählt Hemel noch: „Sehr lebendig steht mir vo» Flügen die Enttanschung meiner Erwartung auf dem Stüffer Joch. Ich hatte inimcr gelese- daß Hamribol vom Giviel der Alpe» seinen erschövsten Pzi" to die lachenden Gefilde Italiens zeigte nnd hatte mir steü- eingebildet, oben angekonrmen. sehe i die ganze Ge kartenartig ansgebreitet liege», den/, ^^tiefel, in Sizilien und das Mittelländische MP ,£v überrascht, als ich nichts sah, als ^ und Eis nnd Schnee nnd tzonntr tnf® sia Sinns einstimneen, der als ion'-s , Mts« Tvm Ötok, M>M rieche Dem allmächtigen Gott hat es gefallen, meinen lieben treubesorgten Gatten, unseren guten Vater, Lohn, Bruder, Schwiegersohn, Schwager und Onkel Herrn Karl Neurath Pfarrer zu Bechtolsheim nach kurzem, schwerem Krankenlager zn sich zn rufen. / Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Minna Neurath, geb. Nattmann. Bechtolsheim, Giessen, Darmstadt, Frankfurt, Offenbach, Augsburg, Chemnitz, den 28. Juni 1914. Garteustrasse 18 Die Beerdigung findet statt: in Giessen am 1. Juli nachmittags um 3 Uhr auf dem neuen Friedhof. Von Beileidsbesuchen bittet man absehen zu wollen. 7705 n m Todes-Anzeige. Gestern morgen 7 1 /, Uhr verschied sanft nach kurzem, schwerem Leiden nnser treusorgender Vater, Schwiegervater, Grossvater, Schwager und Onkel HerrKasparSteinmüller im 76. Lebensjahre. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Familie Konrad Schlierbach V. Rodheim a. Bieber, den 29. Juni 1914. Die Beerdigung findet Dienstagpr'eiTdO/Juni nachmittags Uhr statt. 7695 m Gestern mittag verschied nach langem, schwerem Leiden mein lieber, guter Hann, unser treusorgender Vater und Grossvater err Georg Knörr im Alter von 65 Jahren. Die trauernden Hinterbliebenen: Katharina Knörr. Otto Knörr und »ran Johanna geb. Recht hold, Karl Duill und Frau Emma geb. Knörr, nebst 2 Enkel. Lollar, den 29. Juni 1914. D ie Beerdi gun g findet M ittwoch, den 1. 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