Nr. M Der Slehener Anzeiger erscheint läqlich, außer Sonntag?. - Beilagen: viermal wöchentlich riebener^amlliendläNer; zweimal wöchenll.Xreir- klattfnrftcn Krcisv o, 20. Juni. Die Leichen des Erzberzogs und seiner «tzemahlin, die im Kvnak ausgebahrr sind, werden durch einen Wiener Professor c i n b a l s a m i e r t, daher dürfte die Ucberführung nach Wien frühestens morgen erfolgen, lieber die Leichenfeier sind noch keine Bestimmungen getroffen; die Beisetzung wird kaum vor dem 10. Juli statlsinden. — Trotz des heutigen Feiertages lPeter und Pauli sind die Blätter erschienen. Mehrere Zeitungen! sprechen die Vermutung aus, daß cs sich um einen v on langer Hand vorbereiteten Mord aus politischen Gründen handele. Ischl, 28. Juni, Kaiser Franz Joseph ist heute früh mit Gefolge nach Wien abgcreist. Rückkehr Kaiser WilhelinS nach Berlin. Berlin, 28. Juni. Der Kaiser wird morgen srüh von Kiel nach Berlin zurückkehren. Kiffer Wilhelm bei den DeffkhMgsfticrlichkciten? Ofenpesk, 29. Juni. Hier verlautet mit Bestimmtheit, daß KaiserWilhelmsich spätestens in z w e i T a - gen zu den Bcisetznngsfeierlichkciten für Erzherzog Franz Ferdinand nach Wien begeben wird. ' . * Lin Augenzeuge über die Tat in Serajewo. Serajewo, 29. Juni. Ueber die Festnahme des ersten Attentäters gibt ein Augenzeuge folgend« Darstellung: Als ich bemerkte, daß ein Mann gegen den Wagen des Erzherzogs schleuderte, eilte ich auf den Manu zu. Er mutz mich aber bemerkt haben, und sprang über die Kaimauer in den Fluß. Sogleich war auch ein 5drek- tiv bei mir, der den Mann mit vorgehaltenen Revolver erschießen wollte. Ich rief ihm jedoch, zu: Schießen Sie nicht, wirmüssendcnMannlebendig haben. Wir rückten nun gegen ihn vor und er setzte seiner Verhaftung leinen Widerstand entgegen. Antiserbische Kundgebungen in Serajewo. Scrajewo, 29. Juni. Gegen 9>/> Uhr abends jnnd in Sera- jewo eine Kundgebung der katholischen und der muhammcdanischen Jugend statt. Die Studenten zogen mit tzochrusen auf den Kaiser von Oesterreich und die Nationalhymne singend, durch die Straßen. Vor dem Hotel Zentral knieten die Studenten nieder und verrichteten ein Gebet für die Ermordeten. Im Lause des Abends nahmen die Kundgebungen immer größeren Umsang an und richteten sich auch gegen die serbischen Führer. Serajewo, 29. Juni. Anläßlich des Attentates auf den Erzherzog kam es an einzelnen Orten der Stadt ,u einer Panik Die ungeheuren Menschenmasscn wogten hin und her und cs kam zu einem fürchterlichen Gedränge. Viele Personen wurden verlest. Die Rettungsgesellschasten sind überlastet. Ahnung«» de» Ermordeten? Serajewo, 29. Juni. Wie jetzt bekannt wird, hat der Thronfolger Franz Ferdinand in der letzten Zeit Ahnungen gehabt und sich zu seiner Umgebung dahin geäußert, er wisse ganz genau, daß er keines natürlichen T^pdes sterben werde. Er hatte bereits Verfügungen getroffen, daß seine Beisetzung nicht in der Kapuzmergrust, sondern in An stet ten, wo seine Familie ein Erbbegräbnis besitzt, erfolgen solle. Franz Ferdinads Leben. Erzherzog Franz Ferdinand von Oesterreich-Este das Ov von Serajewo, ist am 18. Dezember 1863 als ältester Sobn ! Herzogs Karl Ludwig <30.7.1833—19.5.1896) und seiner C mahtm Ainrunciata gcb. Prinzessin von Bourbon-Sizilien <24 1843—4.5.1871) geboren. Er erhielt die in seinem Hause h lönnnlichc, vorwiegend mclitärcichc Erziehung Noch nicht a Jahre Mt, verlor er seine Biutder, an deren Stelle zwer Ja! spater Maria Theresia, Infantin von Portugal, als dritte Gat seines Vaters ttat. Als Franz V., Herzog von Modena, Erzher? von Oesterrchtz-Me. am 20. tzöevember 1875 genau ein Jahr n, dem Tode seines einzigen Bruders starb, ohne einen tnänitttei'en Lcibeserbcn zu burterloisc», erbte Franz Ferdinand das Vermögen und nahm den Namen Oesterreich-Este an. Ausgang der zwanziger LcbtMsjahre erkrankt« der- schmächtige, hochauigeschvsienc Erzherzog an einem Lungen leiden, das zu ernstlichen Besorgnisse» Anlaß gab, und uutcrnabm 1892—93 zu seiner itzenesung eine Wettteite, von der er nüllommen wiedcrlurgriicllt heimtchrte. Die mit dieser Reise gesamnielten naturwissenschotUichen und ethno- grarltischen Gegenstände sind Nt einem Museum .zurommengestellt und in einem Werke des Erzherzogs besprachen, in dem sich auch die leidenschaftliche Vorliebe für die Jagd wtderipiegelt. Der Tod des Kronpriirzcn Rudolf ain 30. Januar 1889 wies die Thronfolge zunächst dem Erzherzog Karl Ludwig zu, der indessen kaum drei Jahre jünger als Kaiser Franz Josef war und schon deslmlb als Erbe der Krone tocnig in Frage kam. Als er ,m Jahre 1896 starb, konnte sein ältester Sohn Franz Ferdüiand niitliin als inntmaßlicher Tlwonerbe gelten. Zur Elze entschloß sich Franz Ferdinand erst in späteren Jahren. Seine Wahl fiel aus die am 1. März 1868 in Stuttgart geborene Gräfin Sophie Ebatek von Chotkvwa und Wognin, eine Dame des böhmischen Hochadels, und wurde allgemein als die ciitschlossenc Tat eines ivillensstarken Charakters gedeutet. Am 28. Juni 1900 leistete der- Erzherzog in Wien in Gegenwart des Kaisers Franc Josef einen Eid, daß er die Ehe mit der Gräfin Ebotek als eine morganatische anerkenne imd etwaige Kinder aus dieser Ehe als nicht ebenbürtig und nicht berechtigt zur Thronfolge in Oesterreich wie auch in Ungarn ansehe. Am l. Juli fand, nachdem die Slräfin vorher den Titel Fürstin von Hohenberg mit dem Titel Fürstliche Gnaden erhalten hatte, die Hochzeit statt. Am 13. Februar 1902 machte Franz Ferdinand in Vertretung des Kaisers eine Reise nach Petersburg zuni Besuche des Zaren und hatte als ungarischen Begleiter den Grasen Johann Zichh, den Präsidcnten der klerilalcn Volkspartci, auserschcn, sah aber aufs Einsvrnch des ungarischen Mrnistcrvräsiderrten Szcll davou ab, den Grasen IN das Reffcaesolgc auizunehmen, um eine varteipolitisch« Mißdeutung dieser Persvnenwahl z» Verbindern. Die Dorwürjg klerikaler Gesinnung wiederholten sich später noch öfter. In Vertretung des Kaisers verlas der Thronholger am 29. Dezember 1910 in Budapest bei der Erösiniing der Delegationen die Thronrede in der ungarischen Delegation. Am 5. September 1911 nahm er in Kiel an der Flottenvarade vor dem Deutschen Kaiser! teil. Im nächsten Jahre — am 22. November — hatte der Erzherzog eine Zusammenkuiist mit dem Deutschen Kaiser in S v r i n g c , wo ec an der Hosiagd teilnahmt Am 18. August 1913 wurde Erzherzog Franz Ferdinand durch kaiserliches Handschreiben zum Gencralinsvcktcur der gesamten bewaffneten Macht ernannt. Tic Kinder der Ermordete«. Die Kinder des ermordeten Thronsolgervaares, die 13 jährige Fürstin Sophie, der 12 jährige Fürst Maximilian und der 10 jährige Fürst Ernst sind aus Befehl des Kaisers Franz Joses von Konopischt nach Wien geleitet worden, wo sic in der Hofburg Wohnung nehmen sollen. Serajewo. Serajewo, türkisch Bosna Seraj, ist die Hauptstadt von Bosiiie», jener türkischen Provinz, die voin Berliner Kongreß 1878 den Oesterreichern zur Besetzung und Kultivierung überlassen wurde, und die Oesterreich dann im Jnbiläums- jahre des Kaisers Franz Joses gleichzeitig mit der Herzegowina annektierte. Der Kreis >perajewv lzat etwa eine Dicrtel- millivn Einwohner, die Stadt etwa 50000; sie liegt in einem engen Tale des Flüßchens Milfack crm Fuß und Abhang von Höhen, die bis zu 1603 Mstcr aufsteigen, an der Bosnisch-Herzegowinischen Staatsbalm, ist Sitz der Landesregierung, eines katholischen Erzbischofs, eines griechischen Rdetropoiiten und des mohammedanischen Reis cl Ulema. Es ist Sitz des 15. Armeekorps und zahlreicher Truppenteile. Unter den Kirchen der Stadt befinden sich ettoa neunzig Moscheen, das neue Rathaus hat maurischen Stil. ttnrer österreichischer Herrschaft wurden neue Hotels großen Stils gebaut. Die Wohnungen der Türken und Serben lehnen sich an die Bergabhänge an, während der vordere Teil sich an den Ufern der Miljacka ausbreitet. Die Stadt hat -in katholisches und ein griechisch orientalisches Seminar, zahlreiche höhere Schulen, ein Landesmuseum, elektrische Beleuchtung, Straßenbahn und vielseitige Industrie. V-' - - ----------------- 1 ------1-11- — ' Die Lage in Durazzo. Turazzo, 28. Juni. (Nachmittags .) Die sttacht und der Vormittag verliefen ruhig; der geplante Artillerie» angriff ist auf Wunsch des Fürsten unterblieben, nur die bereits vorher mit Ingenieur Häßler in der Richtung aus Kowaja ausgelaufene „Herzegowina" hat einen Schuß aus die dortigen Stellungen des Feindes abgegeben, worauf der Kapitän im Aufträge seiner Gesellschaft gegen diese Verwendung des Schisses Einspruch erhob, weil es nicht dazu gechartert worden sei. Infolgedessen kehrte der Dampfer riach Durazzo zurück. In der Morgenstunde trafen zwei Boote aus dem Rebellenlager von Schiak mit einem Briese ein, in toelchem der Wunsch nach Fortsetzung der Verhandlungen und das Ersuchen enthalten ist, Parlamentäre nach Schiak zu entsenden. Maior Kr von erklärte, wenn die Rebellen Verhandlungen wünschten, sollten sie eine Abordnung nach Durazzo schicken; Turk» han Pascha erklärte sich jedoch dagegen. Rach einer anderen Meldung hat sich Oberst Philipps mit einem Dragmnan ins Lager der Rebellen bei Schiak begeben, um im Auftrag des Fürsten mit ihnen zu verhandeln. D u r a z z o, 28. Juni. Oberst Philipps kehrte gestern nachmittag von seinen Verhandlungen mit den Ausständischen zurück und erstattete dem Fürsten und sodann dem Kontrollausschnß Bericht. Danach haben die Aufständischen die Erklärungen wiederholt, daß sie über die Fragen zweiten Ranges verhandeln wollten, aber nicht über die Frage, ob der gegenwärtige Fürst die Herrschaft behalten solle oder nicht. Sie fügten hinzu, sie würden zwar Durazzo mit Rücksicht auf die vielen dort anwesenden Fremden nicht an greifen, aber die Waffen nicht niederlegen, bis sie ihre Absichten durchgesetzt hätten. Sie forderte,, außerdem albanesische Mitglieder in einer internationale, Regierung. Die österreichischen Freiwilligen. Wien, 27. Juni. Das Geschästszinimer des Komitees für Freiwillige nach AlLanien war schon in srüher Morgenstunde stark umlagert. In der Nacht ivaren viele Telegramme aus der Provinz und ans dem Auslande eingelaufen, besonders aus Deutschland. Ani Bormittag meldeten sich 500 Leute, darunter viele Straßenbahner. Die Gesamtzahl der Angeworbenen beträgt etwa 2000 Mann. Die Aktion entspringt einer spontanen Handlung des Bildhauers Gursch- ner, welcher laut einer Meldung Her „Albanischen Korrespondenz" von frülzcr her in privaten Beziehungen zu dem Fürsten von Albanien steht. Die Kosten der Expedition werden lediglich aus privaten Spenden bestritten. Die Wertung «on Freiwilligen in Wien untersngt! Wien, 27. Juni. Heute nachmittag wurde die Werbung Freiwilliger für Albanien durch das von dem Bildhauer Gurschner gebildete Komitee polizeilich untcr- tagt. Dke englischen MarincoWiere in Kiel. , R iet, 27. Juni Die städtischen Kollegien luden zu beute rmtmntüact dcn^ englische» Admiral, eine »luzalü höherer Offiziere der enfllttchen Flotte und die Herren Stadtverordneten und Magi- öu erneui ,irühftück im Rathaus ein. Etwa 90 Herr e n waren ernennen, darunter Großadmiral von Köster, der Stadikommau «nrt von Kiel. Oberbürgermeister L in d e m a II n hielt eine Begrü- lßirng s-iufproche. Der englische Admiral Narrender er- §Erte und sagte u, a.: daß er, als es bekannt gemaexn sei. daß klein Geschwader nach Kiel zur Kieler Nackte gehen sollte, von iei' Inen engluchen Kameraden geradezu mit Gratulationen überbaust sei. Es gäbe Leute, die da meinten, daß Deutschland und kEugtand Arm in Arm Zusammengehen sollten »nd andere, die cka^cn, 1 «^ müßten sich in Feindschaft geqenüberstchen. Er glaube, Satz der Oberbürgermeister von Kiel das richtige Dort gesunden chade, wenn ec sagte, daß der friedliche Wettbewerb der beiden Pöl- rer andauern solle. Nunmehr fordert- der Admiral die Gäste aus, rn nn dreifaches Hurra aus den Oberbürgermeister eimiistimmen Dann sprach Grolladmäral v. Köster, der den Admiral Nelson das Vorbild aller Vorbilder nannte. Deutsche» NcicH. der Bundesratssitzung am Freitag wurde der -Lorlage betreffend bic fernere Amtsdaurr der gegenwärtigen Vertreter dn: Arbeitgeber und der Versicherten bei den Organen der tro «T ^geftimmt. Beschluß gefaßt wurde ferner über die -watit von Beamten der Reichsvcrsicherungsanüalt für eingestellte, liber die Belcüung einer Mitgliedsstelle beim Reichsverficherungs- -Mnr. i'der die Besetzung einer Reichsgerichtsratsstelle und über die von Mitgliedern des Reichsaesundheitsamtes. Zur Annahme gelangte fern-er die Vorlage betreffend die Neuwahl der nichtständigen Mitglieder des Reichsversicheruirgsamtes aus dem Stande der Arbeitgeber iind der Versicherten, die Amderung des ^ 1 der Be ranntmachuwg betr. die allgemeinen polizeilichen Bestimmungen Anlage von Lund- und von Schiffsdampfl'esseln vom ,^kzeinoer wc Aenderung zu den Ergänzungen der Bau- vorschrmeu f^nr ^ehrffsdampskessel sowie der Materialvorschriften für ^chillodampfkessc!, die Vorlage betreffend Aenderunff der Bcmlmmunaen z-ur Ausführung des Weingesetzes, die Vorlage lbetrefrend die Rückzahlung der von den afrtfanifd>cn Abnehmern rar Kalisalze im ^»ahre 1910 gezahlten Abgaben und die Vorlage detrefsend die Unterhaltung von Postdampfern und Schiffsverbindungen mit den Schutzgebieten der Südsee. Die feierliche Beerdigung der irdischen Ueber- e o r g II. fand am Sonntag vormittag 11 Uhr statt, ^n dcr Stadtkirche, wo die höchsten .Herrschaften bereits ^versammelt waren, hielt Oberhofprediger Rahlwes die Gedächtnisrede. Umer Borantritt der Militärkapelle, der Schüler der Mei- >ningenschen Schulen, des militärischen Ehrengeleites, der Hofofsi- zianten, der Mitglieder der herzoglick>en .Hosthcater und herzoglichen! Lavelle und der Geistlichkeit aller drei Bekenntnisse, setzte sich der LentTenzug m Bewegung. Auf dem Wege zum Friedhof bildeten die Krleger-, Militär- und andere patriotische Vereine der Stadt und der Umgebung Spalier. Nachdem sänitliche Fürstlichkeiten den letzten Blumengruß in die Gruft gestreut hatten, war die Feier beendet. An» StaSt «nd Cond* (Sie« eit, 29. Juni 1914. " Der Direkt or der Universitätsbibliothek, Geh. Hofrat Professor Or. phil. Hermann Haupt, feiert heute seinen 6 0. Geburtstag. Direktor Haupt stammt on? Markt Bibart in Mittctfranken (Bauern), war 1873—75 Gi,ui»asiallek>rrr in Würzburg, 1876—85 Beamter szuletzt iSekretär) der Würzburger Universitätsbibliothek und wurde -Oktober 1885 als Nachfolger von Profcst'or Ludwig Nogck Direktor der hiesigen Universitätsbibliothek. Haupts Publi- jkationen bewegten sich anfänglich aus dem Gebiete der gnrchischen und römischen Geschichte und wandten sich dann schichte des Mittelalters und der Neuzeit zu. Nament» d lich der Erforschung der Geschichte der religiösen OppositionS- :Parteien des Mittelalters widmete Haupt eine größere Zahl i von Schriften und Zeitschriftenartikcln. r - ** Fyrtbildungslehrgang für Zeichcnleh- i , rer. Mährend der diesjährigen Sommerferien wird in Atzest ein vierwöchiger Fortbildungsiursus für Zeichen- -- lehrer abgehalten Das Ministerium Iwt angeordnet, daß in erster Linie solche Lehrer zur Teilnahme an dem Kursus zu berücksichtigen sind, denen der Zeichenunterricht in mehreren VolkLschulklassen übertragen werden kann. Ten Teilnehmern wird eine Vergütung von 150 Mark gewährt. — Benzin kagerinGießen. In der letzten Stadtverordnetensitzung wurde das Baugesuch einer auswärtigen Finna wegen Errichtung eines Benzin- und Benzollagers in der Nähe'der Margaretenhütte besprochen und schließlich abgelehnt, obwohl Herr Beigeordneter Grünewald dar- anf hiimnes, das; cs ersreiiltch sei, wenn Industrie hierher käme. Nun handelt cs sich in diesem Falle sicherlich nicht um eine industrielle Anlage, denn die Firma treibt lediglich Handel und beabsichtigt offenbar nur ein Berkaufslager hier zu errichten Bei der Beratung wurde völlig übersehen, daß die Kölner Benzin- Ras silierte bereit seit 2 Monaten ein solches Lager hier errichtet hat. Für einen Platz wie Gießen, mit großem -Antomobilverkehr, ist ein Benzinlagcr selbstverständlich ein nngedingtes Bedürfnis, Tie Automobil- und Motorcnbe- ,fi^cr können der Feuergesährltchkett halber größere Mengen nicht auf Lager halten. Andererseits dauerl der Transport von den Benzinfabrikcn oft recht lange, da ta Benzin immer nur mit besonderen Zügen befördert wird. ES bedeutet deshalb für die Jntercssenten eine große Erleichterung, >oenn sie ihren Bedarf am Platze befindlichen Lager bez^hen rönnen, ohne erst lange warlen zu müssen. In der Sitzung des P r o vinzial>ages der pro v i n z Oberhessen vom 27. d. M wurde cir, Tbilrag des VrpvtnzialauSschnjseS angenommen, wonach die Versorgung der Krelsc Alsfeld und Laurer dach sowie eines Teiles »es Kreises schonen mit elektrischcrEncrgie der Rheüiischcn Schuckert GeicUschan zu Mannheim üderiragen wurde. tsiäherr Ausführungen jolgcn.) ** Selbstmord im Untersiichiingsgefäiig-. n is. Der Landwirt Meub von Nieder-Mockstadt, der seit Ende April unter dem Verdacht der Bcrleitung zur Brandstiftung in Untersuchungshaft gehalten wurde, hat sich am Äamstag im Provinztal-Arresthaus an der Ost- Anlage erhängt. Ndcub, der die Schuld bestritt, soll 1912 feine eigene Scheuer durch einen Knecht in Feuer haben setzen lassen. Der angebliche Täter befindet sich in Altenstadt noch in Hast. ** Verhaftungen Der Dicnstmann Noll und die Tagclühncrssraii Lorenz Schmidt, welche am Samstag zu ihrer Vernehmung bei dem Untersuchungsrichter vor geladen waren, lind wegen Anstistung zum Meineid und Meineids in Hast geiioiiimen worden. Der falsche Eid soll wegen einer Mchtigkeil geschworen sein. — Ter Tienstknccht Joh. B o ck w o l d, der aus Oldenburg stammt, zuletzt in Lang-Göns bcdienstet war und sich in den letzten Tagen arbeitslos in Gießen herumtricb, wurde gestern sestgcnom- men, weil er Kindern nachgcstcllt hatte. *' .Vereinigungen der 50er.' Nicht weniger ivie drei .NlterSgenossenschasten' cheinaliqer ,50er' hielten, alter Gießcner Sitte gemäß, am Samstag und Sonntag ihre JnbiläuniSfcsllichkestcn. Die 65jährigen veranstalteten ihre Feier in, Kausmünnischc» PcrcinShanS, die 60jährigen im .Großherzog' und am Sonntag ein Ausflug nach dem Schifienberg, die 55jährigen im FelsenkeUer mit Sonntags- anSflug nach TcxtorS Terrasse. Sämtliche Veranstaltungen vcrschassten den Teilnehnicrn frohe Stunde» dcr Unterhaltung und gaben ihnen Gelegenheit, ihre Jugeiideriniierungen aus- zutanschen. S t a d t I h e a t c r. Zur morgigrii Prcmicre von Edmund Ebslers neuer Operette „Der lachend- E d - m a n n" dürste noch solgende Besprechung von der Erstaussührong des Werkes am vergangenen Freitag in Bad-Nauheim interessieren: „Der lachende Ehemann", Opcretrc in drei Akien von Julius Brammer und Alfred Grümvald. Musik von Edmund Eyslcr. Die Operette ist im ersten Akt ein Lustspiel, cniwickclt sich im zweiten Ah 5» einem wirtungsvollen Bild auS dem Leben eines verlassenen Ehemannes und wird im dritten Akt zu einer ausgelassenen Posse deS heitersten und unvcrsälschtcn Humors. Der Inhalt des anspruchslosen Textbuches ist leicht erzählt. Ein Mann in den besten Jahren, „Bruckner", hat eine >unge schöne Frau, die für die Schriststcllerci schwärmt. Sie null einen Roman schreiben und versucht vorlier einen solckien zu erleben. Es geliNit ihr dies sa gac, drß sie m zweiten Akt von ihrcnn Mann im beinahe zärttichen Äeieinandor- icln mit „Gras Sclztal" ertapp! wird und die Scheidung soll, muß und wird eingeleitct. Im dritten Akt, der in der Kanzlei des Ber- söhnungsadvokatcn „Dr. Rosenrot" spielt, ist dcr Roman „Dcr lack'cnde Ehemann" fertig, im Druck erschienen und „Gras Selz- tal" hat einen Abschiedbries erhalten, i» dem geschrieben steht, daß er nur Mittel zum Zweck gewesen ist, denn die schöngeistige Frau „Hcloisc" liebt ihren braven „Ottokar" mit der ganzen Glut ihres emvsinbsamcn .Herzens. Nach einem sehr niedlichen originellen Telephon-Duett stiegen sich „Ottokaick- — „Der lachende Ehemann" — und „Hcloise" in die Anne und das Publikum freut sich, daß cs diesmal der Ehemann ist, dcr triumphiert. Selbstverständlich gruppieren sich um die genannten Personen noch eine Reihe mehr oder miicher dankbarer Figuren, aber in der Hauptsache' ruht der Erfolg dcr Operette bei „Ottokar" und „Heloise". Herr Ähnelt spielte den „Helden" des Werkes mit sehr viel Stimmung und erzielte mit dem Vortrag seines Trinkliedes — eine der besten Nummern der Operette —, so anhaltenden Beifall, daß er sich zu einer Wiederholung dieses liebenswürdigen Lobgesangcs aus den Wein entschließen mußte. Im Spiel glanzend, stimmlich ausgezeichnet war Fräulein Galstcr als „Heloise". Nur war cs schade, daß ihr die Partie nicht Gelegenheit gab, gesanglich mehr hervorzutreien, „Heloisc" hat viel und Schwieriges zu singen, aber eigentlich dankbare Nummern fehlen dieser Partie. Wenn nstr nun zu kleineren Rollen und Partien übergeben, so konstalicreii wir, daß Herr Bolck als „Tr. Rosenrot" im letzten ?lkt eine Leistung aus die Bühne bringt, die man gesehen haben muß. Gutes leistete» noch Fräulein Martini in der Rolle der feurigen „Ejtelka", deren Figur gerade nicht neu ist, aber von der munteren Künstlerin drastisch gespielt lvurde, Fräulein Jüngling als „Lueinde" und Fräulein Fischer als „Dottp". Die Herren Schmidt, „Pipclhubkr'ß und Grosscr- Braun, „Wiedehopf", waren humorvolle Vertreter ihrer Rollen, während ein neues Mitglied unserer Kurhausbühne, das zum erstenmal austrat, Herr Nickel, sich noch entwickeln muß, bis wir ein abschließendes Urteil über ihn fällen nwllen. Die Regie — Herr Abncll — imb die musikalische Leitung — Herr Lanzer — hatten alles getan, um der Operette dauernden Erfolg zu erringen Das Publikum nahm die Borstclluna sehr dankbar aus und spendete reichen Beifall, so daß „Dcr lachende Ehemann" jedenfalls noch öfter Gelegenheit haben wird, uns einen unlerhaltcndcn Abend zi> bereiten. LauvkreiS Gieße», r. W i e s c ck , 27. Juni. In dcr heutigen Hauptversammlung der Spar und Tarlchnskassc wurde die JahreSrechnung für 1913, mclckie mit Einnahme und Ausgabe von 315 111,34 Ml. und mit einem Reingewinn von 1275,95 Mk. abschließt, Entlastung erteilt. Trotzdem der Reingewinn durch den Verlust bei der L. G. B. eine erhebliche Schmälerung erlitten hat, konnte d-xh eine Dioidende von 6 Prozent sestgesetzt und der Rest dem Reservefonds überwiesen werden. Die Kasse ist Mitglied des deutschen Rcüi^-verbanbes und an die unter staatlicher Ansficht stehende Zentral lasse zu Darmstadt angrscblossen. Die Ber ossenrlichmig der Büanz soll künstig im Gicßener Anzeiger stottsinden4 Kreis Friedbrrg, I. Bad»Na»heim, 26. Juni. Gestern trafen, von Wiesbaden kommend, 65 ans einer Studienreise begriffene Aerzte hier ein. In Gegenwart der hiesigen Aerzte hielt Geh. Nat Dr. Es er einen Bortrag über das hiesige Bad. Auch Prof. Dr. Grödel und Baumeister Berk sprachen über das hiesige Bad. Starkenburg und Nheinhessen. ck. Mainz, 29. Juni. Die Gutenberg-Gcsell- schast hielt gestern vormittag im großen SitzungSsaale des Stadthauses unter dem Vorsitze des Herrn Oberbürgermeisters Dr. Eöttclmann ihre Iahresversanimtniig ab. Prvscffor Dr. Binz erstattete den Jahresbericht. Den Kassenbericht erstattete Herr Koinmerzienrat Scholz, Tie Einnahmen und Ausgaben betrugen 10 446 Mk. 98 Pfg. Das Vermögen beläuft sich auf 18 876 Mk. 41 Pfg. Die anSscheidendcn Vorstands- und Ülussthußmitglieder wurden wiedergewählt. A» Stelle de? auSgcschiedcnen Herrn ProvinzialdircktorS Geheimrat Tr. Breidrrt tritt Herr Provinzialdirektor Gehcimrat Best. Der iviffenschastlichc HitsSacheiter an der Mainzer Stadtbibliothek, Hermann Falk, hielt zuni Schluffe den Fest- vorlrag über .Giambattista Bodoni?- Tiipenkimst'. Hessen-Nnssnu. + E s ch w ege a. d. Werra, 26. Juni. In einer Sandgrube bei dem benachbarten Dorse Ershausen mürben gestern nachmittag drei Frauen aus dem genannten Dorse beim Sandgraben durch plötzlich zusammenstürzcnde Erdmasscn verschüttet. Während sich Zwei Frauen ans den Erdmassen hcrausarbeilen konnten, war dies der 10jährigen verheiratete» Frau Rosa Eck nicht möglich: sie fand drn Tod durch Erstickung. GsricbtrkaaL. h. Frankfurt a. M„ 26. Juni. Bor dcr Straikammer hat sich heute cmd Sam.lag der -Apotheker Alions Wc inert locgen Betrugs in zahlreichen Fällen zu verauttvorten. Der -Angettagic leitete hier das von seinem Schwiegervater Tr. Thrsaucn gr- flivnibctc Ambulatorium, in dam er nach dein „bio-chemisck>en Heil verfahren" allerlei Blasen , Haut-, Geschlechts- und Frauenkrank- hcite» zu heile» suchte. Durch eine ausgedehnte Reklame mackste er die vielen Patienten glauben, daß er im Besitze ganz ungewöhnlicher Heilmittel sei. Für die den Kranken »erabsolgten Mittel ließ Wcincrt sich uucrhürt Köln: Preise bezahlen. Da er Erfolge nicht erzielte, erhob das Gericht gegen ihn Anklage wegen Betrugs. Weincrt ist in Köln bereits wegen ähnlicher Vergehen und fahrlässiger Tötung erheblich vorbcstrast. Zu dcr hiesigen Verhandlung sind vier Sachverständige »nd 40 Zeugen geladen. Weineri wird in der- Anklage vorgeworsm, baß er sich stets „Herr Dr." anreden lasse und daß er für seine Heilmittel, die in der Regel aus „Salvarsanzäpfchen". „Sigardrn- läpscln, „Lccithinpill.'n" und „Rheumaeid", meistens selbst erfundenen Sachen, sich Preise bis zu 14 00!) Mark bade bezahlen lassen. Diese Mcdüamcute erklärt er für ivissenschastliche Geheimnisse, die er aus keinen Fall preisgeben könne. Ter -Ausenthaht des Mitarbeiters, eines Dr. K n o t t, konnte nickst ermittelt Weeden. Die Zeugenvernehmungen stellten übcreinslimmcnd fest, daß in keinem einzigen Falle eine Heilung erzielt lvurde, daß die Zeugen aber ganz gehörig bezahlen mußten. Viele Leute haben dem Weinert ibre gan-en Ersparnisse geopsert, ohne auch nur die gciingsle.H.ilung -verspürt zu haben: manche .'sengen berichteten von geradezu mcrbvürdige» Manipulationen, die Weinert an ihnen vornahm: größtenteils sind sic der Ueberzeugung, daß der An« gcflagtc sie gewissenlos betrogen habe, — Die Verhandlung wurde, naächem 22 Zeugen vernommen waren, aut SamstNii vertagt. wandern und Reisen. Räder und Sommerfrischen. "DicScktlonGicßendeSDeiilschenundOester- r c i ch > s ch e n A 1 p e II v e r e i n i Hai eine dreifarbige Tourist entarte dcr A n k o g e 1 - u n d H o ch a 1 mg r u p pc, d e s H a f n c r - g e b i c t s und dcr Reißcckgruppc herauSgegcbcn, in deren Mittelpunkt die poriges Jahr eingeweihte Gicßener Hütte liegt. Die Karte ist sehr übersichtlich I: 100000 gezeichnet, mit allen Höhenangaben versehen und von dem besten Kenner des ganzen Gebiets revidiert und bi. aus die Neiyäit ergänzt. Sie entbäll Zugänge und Uebergänge, sowie Gipseltouren von der Gießrncr Hütte. Die Karte ist für 50 Pf. pro Stück in sämtlichen bs-.'sigen Buchhandlungen erhältlich. Cttfticiütfrtftrt. Landmann fliegt 21 Stunden u n d -19 Minuten. Berlin, 27. Juni. Ter Flieger Landmann bat beute einen neuen Weltrekord mit einer Gesamtsluglcistung von 21 Stunden 49 Minuten ausgestellt. Er stieg am Samstag 8.35 Uhr abends mit einem Albatros-Doppeldecker mit 75pserdigem Merccdesmotor aus und ist am Sonntag nachmittag 6.23 auf dem Flugplatz Johannisthal wieder gelandet. Amtlicher Wetterbericht. Oesscntlichcr Wetterdienst, Gießen. WetterauSsichten in Hessen am Tiensiag, den 39. Jnni 1914: Wechselnde Bewölkung, trocken, Temveraiur wenig verändert, zei!» iveisc auffrischende nordwestliche Winde, Gewilterneigniig. u. Klein,Irnix mitten irn Wnltle •Tcsenhcim nn der ßer^tra.««, KnrLaas ». Pension Odenwaldlnün. Ln!!-, Sonn.-n. Hnr-Bal. OntiKMchi. mg. Prolu. Kuverts mit Firma liefert billigst die BrühPscTK Universitäls-Buch- und Steindruckerei. Gießen. Schulstr 7 Gölier Benzin-Raffinerie 0 . m. b. HL, Coln - Braunsfeld liefert alle Sorten Benzin sowie 90°/ o gereinigtes Benzol ln anerkannter Güte. Läget* in Giessen Vertreter: Bernhard Stern, fiiessen, Feraspr. 1008. Jede Plätf anstatt | braucht eine P*t*ntpLU4ma3obfa© too der rarsterWfißdier«1-HasctocBlabrik Brnnsck A Korner | 75006t lm Betriabe. fOFSttL 163 Offerte kostenlcs D. H. V. Ortsgruppe Gießen. Die Monatdvcrsammlnna sür Juli sendet am 8. Juli statt. 77040 Stddf den Nordsee-Häöern flmrum, Oollcum, Vorkum, Helgoland, Juist, Langeoog, Noedornep, Spiekeroog, Exil, Wangerooge, wpk a. Zitze über öremen, öremerhaven oüer Wilhelmshaven rvjsa ßahrptän« und direkte Zatzekarten auf ollen größeren Eisenbohnstationen Norösee - NunSfahrkarten zu «rmästigten Preisen Nähere Auskunft, Vrucksachrn uaü Zohrplüoe Larch Norddeutscher LLopö öremen un6 seine Vertretung«, 6