Kr. i§5 Zweiter Blatt 164. Jahrgang Erscheint «»glich mit Ausnahme des Soniftags. Tie „Gtetzeurr LamUinftilätter" werden btn .Slnjti»«' viermal wöeheiftlich bctgrlegl, das „KrdsWatt ffit dea Ki«is teetzen" jroemxrf wöchentlich. Die .DouSwtrhchatftichen Sei, fragen" erscheinen nionottfth zivennat. Giehener Anzeiger Seneral-Anzeiger für Oberhejjen Montag, 27. Znni .19(4 SR^alton^bn«? unb Verlag der Brü blichen UmversitÄT - Buch- und Steindrnckerei. R. Lange. Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schuld strnße 7. Expedition und Verlag: Cb«5L Redaktion:«« HL. Tel.-' LruAnzelyerGreßen. ------------------- ^ ver ltaiser in Hannover und Hamburg. Hannover, 20. Juni. Als der Kaiser auf der Bahren- WEnr Heide angekomnicn war, stie« er tn dem warten der Zister Muhle zu Pferde. Nach dem Abreiten der Front und erncm Vorberniarfch in Zügen begann das Ge,eck>lSerer- zieren, das bis nach 8 Uhr dauerte Der Uebung wohnten auch Fürst Adolf zu schouniburA-Lippe, der Kvminanbic rende General v Ernich und Offiziere des Militärreit-Jn- fttlntS der Der Kaiser hielt Kritik ad und führte dann dos Regiment durch die Stadt zur Kaserne. Trupven der Garnison und Schulkinder bildeten Spalier, Kurz nach 10 Uhr fuhr der Kaiser nach Hamburg Hamburg, 20. Juni. Bei strahlendem Wetter ist der Kaiser mit Gefolge heute nachmittag im Automobil von Hannover kommend, um Vr2 Uhr hier eingetrosscn und ist bei der Fahrt durch die Stccht überall jubelnd begrüßt worden Der Kaiser fuhr iosort zu den Landungsbrückeii, wo die „Hohenzoüern" scstqcmacht war stiachdem er den Bürgcrmrrstcr begrüßt hatte, kaufte er drei jungen Mädchen aus Anlaß des Roten Krruztagrs Blumen ab Der Kaiser nahni auf der .^ohenzollern" Wohnung. Um 2Vr Uhr begab sich der Kaiser mit dem Gefolge, den Bürgermerstern der Stabt Hamburg, dein preußischen iüesandlen, den Senatoren Skhamer und Wcstphal, den, Präsidenten^ der Bürgerschaft Dr Schon und anderen an Bord der Staatsjachl „Hamburg". Die „Hamburg" legte an der Landungsbrülle der Werft am üühwärder Hoest an. wo sich zur Begrüßung des Kaisers Dr.-Jng Hermann Blochm und Herr Boß und die Direktoren der Werft Frahm, Roscnstiel und Rudolph Blohm versammelt hatten. Nach der Begrüßung schritt der Kaiser durch die von Pylonen gebildete Psortc, wo ihn sofort eine große Kinderschar ,die auf dem unteren Teile der Ablaustribüne Platz gefunden hatte, lubelnd begrüßte. Der Kaiser, der sichtlich erfreut war. schritt dann an den dichtbeseyten Tribünen vorbei zum Käiscrzell, wobei er das Riesciischiss in seiner ganzen Ausdehnung vor sich liegen sah. Aus der Tauskanzel begrüßte er die anwesenden Mitglieder der Familie Bismarck, nämlich die Gräfinnen Hanna und Gisela, sonne deren drei Brüder. Drei Kanonenschüsse kündigten den Anfang der Feier an. Hieraus hielt der präsidierende Bürgermeister Prcdoehl die Tausrede In das dreifache Hoch am Schlüsse stimmten die viele,, Tausenden begeistert es» Tie Kapelle beS Regiments Hamburg spielte die National^ homne. Die G r ä s i n H a n n a v B i s m a r ck, die ä l t e st e Enkelin dcSFürsrcn Bismarck, sagte darauf: „Aus Befehl Seiner Majestät des Kaisers lause ich dich „Bismarck". Als die Gräfin den Apparat in Bewegung setzte, brach die Sektslaschc nicht sofort. Der Kaiser ergriff dann selbst die Flasche und warf sie unter den Hochrufe,, des Publikums gegen izcn Bug des Schisses. Ter Stapellaus ging glänzend von statten Die Musik spielte: „Deutschland, Deutschland über alles". Alle sangen das vaterländische Lied mit Der Kaiser winkte nach dem vom Stapel lausenden Schiffe mit der Mütze. Unter Hurrarufen wurde der Koloß ins Wasser gelassen und vertäut. Der Kaiser verlieh viele Ordensauszeichnungen Hamburg, 21. Juni. Ter Kaiser hielt heute vormittag an Bord der „Hohcnzollern" Gottesdienst ab. Um 12 Uhr besuchte der Kaiser die von der Stadt Altona aus Anlaß ihres 250jähr Stadtjubiläums veranstaltete Garten- bauausfteUung ini Stadlpark an der Flottbccker Chaussee. Au» fjcftoi. Landwirtschaftliche Genossenschaftsbank gegen Bor st and und Anssichtsrat. rb D a r m st a d t, 20. Juni. Bor der ersten Zivilkammer des hiesigen Landgerichts wurde heute die Klage verhandelt, die von der „Landnnrtschastlichen Genossenschaftsbank gegen eine Anzahl von Mitgliedern des früheren Aussichtsrais und des Direktoriums der alten 08' nossenschastskasjc angestrengt wurde, weil diese durch lischt ersüNuug ihrer Pflichten die Kätasrrophe mit verschuldet hätten Es handelt jicki bclanntiich um einen Gesamtverlust von acht Millionen Mark. Ta aber die hajtbar ,zu machenden Mitglieder der aUen Kasse nur über ein tüesamtver mögen von 2> r Millionen Mark vertilgen, so wurde auch die Klage nur in dieser Höhe beziffert 'Nach längerer Beratung erkannte das Gericht dahi», daß die Klage nicht genügend substantiiert sei und daß bezüglich der Haftpflicht der einzelnen Beklagten genau angegeben werden müsse, aus welchem Grund und in welchem Umjang sie sür den ange- richtetcn Schaden hajtbar gemacht werden solle». Das Gericht gab der Meinung Ausdruck, daß nur ein Betrag von insgesamt etwa 250000 Mk. als angemessene Unterlage für die Verhandlungen angenommen werden könne und gab der Klägerin aus, binnen 6 Wochen die vermißte Substan- tiicrung der Klage beizubringcn, erklärte sich auch auf dieser Grundlage zur Einleitung von Vergleichsvcrhayd- iungcn bereit. Als iveitercr Verhandlungstermin wurde der 26. September d. I. scstgesctzt. 3>cutict>c Kolonien. Aus Deutsch Lstafrika. Daressalnm, 20 Juni Ter Gouvcrnements- r a t für Deutsch-Ostasrika ist gestern ziisammcngctrcten. In öffentlicher Sitzung beleuchtete der Gouverneur die Entwicklung der Handclszijsern und der Finanzen, die sich trotz der durch die Kautjchukkrise entstandenen Schwierig keilen günstig gestaltet hatten. Das Rechnungsjahr 1313 schließe'mit einem beträchtlichen Ueberschuß ab. Für die in Deutschland belftiuptete Abnahme der Eingeborcnenbevölkc- rung des Schutzgebietes fehle jeder Nachivcis. Ausreichendes statistisches Aiaterial zur Beurteilung der Frage sei überhaupt noch nicht vorhanden. Die Bekämpfung der Schlafkrankheit biete ein günstiges Bild. Auch am Kanganjikascc sei in 2 bis 2Vs Jahren ein voller Erfolg zu erwarten. Die Rinderpest fei wesentlich zurückgegangen. Für die Landesausstellung sei ein guter Erfolg zu erhoffen. Das Schutzgebiet bedauere lebhaft, daß die Terl- »ahmc des deutsche» Kronprinzen nicht möglich ist. In erster Lesung wurde sodann die Wasserrechtsverord-nung, die Sprengftosjverordnung, die Gebührenverordnung sür Aerzte und die Abänderung der Pflanzenverordnung angenommen. Dagegen wurde der Entwurf betreffend die Rückzahlung der früher vom Reiche sür die Eisenbahnen geleisteten Garantiezahlungen durch die Schutzgebiete von den außerordentlichen Mitgliedern des Gouvernementsrates einstimmig abgelehnt. Darauf trat der Gouvcrnementsrat in die Besprechung des Etats für 1915 ein. Explosion eines Lenkballons. Das österreichische Luftschiff „Körting-Wim- p a s s i n g" hat am Samstag früh ein furchtbares Unglück betroffen. Bei einem Zusammenstoß mit einem Doppeldecker explodierte das Luftschiff; säm tliche Insassen wurden getötet; auch der Flieger und sein Begleiter sind tot. Ucber das Unglück, das wir am Samstag nur noch in einem Teil unserer Auflage Mitteilen konnten, sind uns folgende Drahtnachrichten zugegange». Wien, 20. Juni 12.55 Uhr. Bei Klein-Schwechat crvlo- diertc das Luftschiff „Koertmg" in 20 Meter Höhe Sin Hauvt- nrnmt, sunt Leutnants, zwei ChauNeurc uno ein Zivilingenicur lind tot. Die Ezbloiion soll durch Vitt Zusammenstoß mit einem Farmanzweidecker entstanden sein. Der Lenker des Flugzeuges, ein Offizier, und sein Fahrgast s'tch ebenfalls tot. Wien, 20. Juni. Heute niorgen 8 Uhr war der Luftballon „K ö r I i n g" von der Ballonhalle Fifchameno bebuss aeronaunsch- vhotogrammetrischer Ausnahmen hoch gelassen worden. In der Gondel Hanen Platz genommen Hauvtmann tzausivirtb, Lber- Icutnant Escttcr, Oberleutnant Breuer, Leulnant Haidt n g e r, Korporal H a d i m a , Getreuer Weber und Ingenieur Kämmerer Der Ballon beschrieb seine Kreise in bcr Umgebung von Fisitiamend »nd steuerte sodann in der Richlung gegen Engcrsdors und gegen den distoriichen Köniisderg. Um 8'/. Uhr war der Feldpilot P s l a tz n»t dem Fregallcnkavftän LeuMant Bucht« als Beobachter aus einem kürzlich von der Heeresvcrwal- iuna angekausten Farman» Dop veldecker von dem Flugfeld Fischamend ausgestiegen, »m den Ballon zu verfolgen Er umkreiste mehrere Msile den Ballon »nd suchte ihn sodann zu überstiegen. Be, diesem Versuch streisle er die Ballonhülle, die einen Riß cr- biclt Es erfolgte eine furchtbare Ezplosion Der Ballon ging soiorl in Flammen aui. Sowohl der Ballon als auch der Doppeldecker stürzten aus einer Höhe von etwa 400 Mtr drrunicr in die Tiefe und blieben am Abhänge des Königsberges rertrümmert etwa 10 Mtr von einander imncrnt liegen Sämtlich,' Insassen des Ballon» wurden al» verkohlte Leichen auigeiunben Olier- leutnant Pstatz und sein BegleUer sind glkichsall« toi. Ihre Körper lind surchlbar vcrßümmklt Haupiman» HauSivtrlh war einer der alieüe» Fliegcrossizierc und seit Bestehen der Liiftschisserabteiliiiig in Fischamend dieser zugeteilt worden. Lberleuinaiu Pstatz war einer der hervorraaenbsten Feldpiiolen Die Ursache des Unglücks bürste darin zu juckten sein, daß der Doppeldecker in den sogen Sog gelangte, das sind >ene Lustströmungen, die von einem BaUon >m Flug erzeugt ll>ert>en und die aste über ihm besindlirtien Gegenstände an lh» heranziehen Bei dem stniast dürfte auch die Tatsache mitgeunrkl haben — das ergibt sich aus den Auszeichnungen des Barometers — daß sich plötzlich eine Böe erbobcn bat. Die beiden Luitsahezeuge befanden sich zu dieser Zeit in ,enem Kessel in der Nähe von Fischamend. der als Böenkpakt den Luft- schiisern sehr bekanni ist. Unmittelbar nach dem llngiück waren Mannschaften und Ossiziere der benachbarten Flugstatio» zur Stelle. Sic konnten aber keine Hilse mehr leisten, da sic nur Lerchen v»r- ianden. Die Luttschiiser dürsten aste durch einen Schock beim Ab- snkrz getötet worden sein, so daß die Benziniiammen erst die Leichen ergrissen. W i e n , 20. Juni Ganz Oesterreich steht inner dem vernichtenden Eindruck der iurchlbaren Katastrophe bei Klein-Schwechat, die namentlich in Fachkreisen Bestürzungen hervorgerusen hat Es ist wohl das erste Unglück dieser Art in der Geschichte der Lust - lchissahrt. Ta» Unglück ereignete sich, wie gemeldet, dadurch, daß der Lenker des Militärdoppcidecker» bei dem Bersuchl, den lstillon zu überfliegen, den Ballon streifte, die Hülle aulriß, woraus die Ervlosion erfolgte. Solche Uebungen werden oft vorgenommen, müssen jedoch mit der grüßten Vorsicht behandelt Iperde». Tenn abgesehen von der großen Bewegung des Lenkballons muß inst der großen Geschwindigkeit des Flugzeugs gerechnet werden Tie IIn- lchädi.ichmachung eines Kriegsbastons enoigt gewöhnlich dadurch, daß sich dieser über das Luitschisi hinausschranbl und von oben Erplosivstofse auf das Luftschisj hinabwirit. Oberleutnant Platz, der Lenker des Doppeldeckers, hatte sich aber wohl in der Distanz verrechnet, er kam zu dicht an das Luitschiss heran, und in, nächsten Augenblick war bie Katastrophe geschehen Unmittelbar nach dem Absturz waren sofort mehrere Sanitätsossiziere der Lostschrsser- abteilung, sowie Erzherzog Karl Franz Joses an Ort und Stelle, doch konnte den Verunglückten keine Hilse mehr gebracht werden, sie waren bereits sämtlich tot. lieber die Katastrophe berichtet ein Augenzeuge: Die Fluqmaschtne und das Luftschifs manövrierten in der Nähe von Klein-Schwechat unqetähr eine Stunde lang und machten verschiedene Uebungen. Bald war der Aerovlan über dem Luft- schiss, bald unter ihm und bald umkreiste er dos Luftlchiss. Plötzlich gegen 10 Uhr trat zum Ennetzen aller Zuschauer aus dem Felde die Flugmaschinc das Luftschrfs in die Seite Eine blitzartige Stichflamme schoß sofort hervor Beide Flugsahrzeuge waren im Ru in Flammen gehüstl und stürzten im nächsten Augenblick zu Boden. Die auf den Feldern beschäftigten Arbeiter eilten sogleich zur Unsallftcstc, wo sich ihnen ein entletzircher Anblick bot. Die Insassen der Lustsahrzcuge lagen bis zur stnkennt- lichken verkohlt auf dem Boden, die Unisormstücke waren in Fetzen gerissen. Die Luftfahrzeuge sind säst vollstänvig verbrannt, die Eisentestc verbogen und größlentests tief in tAc Erde erngr- bohrt. Der Dcnzinbchältcr des Lufllchrsfes hat sich ebcnsatts in den Boden eingegraben. — Andere Augenzeugen berichten, daß sic außer dem Feuerschein einen heftigen Knall wahrgrnommen haben und daß sie entsetzliche Schreie und Hilferufe au» der Gondel des Ballons gehört hatten. Als sie die llnglückssteklc erreicht hatten, waren die Hilferusc verstummt und man fand nur! noch Leichen vor. Das Mstiiärlultschift „Körting-Wim- passing" wurde im Jahre 1910 für die Heeresleitung her- Lrste internationale Graphische Uunstausstellung Leipzig W 4 . Die Deutschen. Leipzig, 18. Juni. Nachdem die letzten Pavstlons der „Bugra" eröisuet sind, liegt mich ihre größte Sonderausstcstung. die der zeitgenössischen Graphiker die bei ihrer Einweihung nur estien nnterrigen Enidruck machte, in allen ihren Testen vollendet vor uns. Mlik ihr ist deft Schöpfern dieser Ausstellung — der „Allgemeinen Deutschen Kunst- genas, 'enschast" unter dem Ehrcnvorsitz von Karl Koepping und dem „Deutschen Künssterhirnd" inner dem Ehrenvorntz von M. Kl i n g e r - eine völlig neue und n,chl nur in ihren Dimeiiftoneii einzigartige Veranstaltung gelungen. Zum ersten Male haben sich hier die lebenden Graphiker von sännlichcit Landen,, deimchen. europäischen und uutzereuropäischen veneMigr und die ffröbie >^^nschait hervorruft. Diesen guten Eindruck bedingt nicht so sehr die Ehvenausstel- ;„ng — da üch Karl K o e v p l n g in ihr bauptsächlich in Radie- rungen, die nach alten Meisterwerken angrsenigt >md, und iwm- ort als sclbstschafscnder Künstler zeftft — als dir um sic sich grr-v- pierenden übrigen Aussteller. So fallen gleich in den erzte» salen ein Dutzend Kupferstiche des Müncheners P e t c r .v a l m angenehm auf' prätensivnslosc Arbeiten, aber von feinster, subtilster Technik; in dem Blick auf „Haarlem" ist die weiche, eiwas verschwommene Stimmung, di- über dem holländischen Lande liegt, vorzüglich getrosten, In vielem ihm vcrwaiüü lbcsonders in „Kühe an der Tränkc"i zeigt sich der Düsseldorfer D c l a, o r g u c. Friedrich Kallmorgcn ist mft mehrere» seiner bekannten vamburger Radierungen vertreten und Paul Herrmanns Ruf wirb erklärlich wenn man die stattliche Schau seiner znm Test prächttgen Porttät» passiert. Besonders hervorzuheden sind van ihm noch di« beiden Kaltr-Radcl-Arbeilen „Margot" und die Kirche Santa Maria dclla Salute in Venedig. Franz Sta,sen zeigt mft seinem .Nibclnngenzoklus" bekannte Vorzüge unb Fehler. Aber gerade wenn man diese Darstellung von Wagners Tragödie im Zusamnicichang vor sich hat, wrrd» da» The-tralische. die Sucht nach Deutung und die Pose störend. Die Berliner Künstler Kapp stein, Langhammer, Roegcls, Fritz Burger und Schultz-Weltel geben in über 50 Bildern einen Ueberblick über das neue Verfahren der Monoiupien. Am bedeuiendste» wirken die Mouoipvien von Kavpstern u. Langhammer. Im Zusammenhang erwähnt seien noch Schic ft l. Schulte im Hofe, Goetzc, Lehde, Hcgenbari und Kaul. Bon den übrigen auch nur die Namen zu mmnen, würde bcrefts viel zu wert führen. Fast vollzählig hat der „Künstlerbund" seine Korvphäen ins Treffen qeführl Dre Ehrenausstellunq iür Max Klinger steht nicht nur äußerlich im Miitelpunki seiner Wieilung. Aus fast 100 Werken lenchlct uns das (9enic ihre» Schöpfers entgegen. Gewiß wird man manchen von ihnen die sonst schon angedeuietcn Ein- Wendungen wie sucht nach mvstischer Verschleierung, theatralische Wirkung und Pose nicht erivaren können. Aber über allen liegt dock die Künst und die Kraft des Meisters, der alle Bedenken nicder- schlögi und uns in den Bann seiner eigenwilligen Persünlichkeft zwingt. Am stärksten neben Klinger wirkt zweiielsohne F e r d i - nand Hodler mft über 70 zum Teil prachtvollen Zeichnungen und Studien (vor allem: „Ter Frühling"!. Außer diesen beiden Meistern hat man noch Max Slevo gt und Mar Licbcr- m an n eigene Säle eingeräumt. Slevogt zeigt außer einer großen Anzahl seiner vorzüglichen Bildnisse, die neuerdings viel genannten Illustrationen ,u Goethes „Benvenuio Eellinr", einen Zyllus von sechs Steindrucken, Auch seine bekannten Radie rungen, die d'Andrabe als Don Juan wiedcrqeben, sind fast vollständig zur Stelle. Liebermann bewein ft, 50 Lfthographien. Radierungen und Handzcichnungen, die in der Hauptsache aus seiner zweiten, holländischen Hcimai stammen, aufs neue, daß in diesen graphischen Arbeiten seine größte Meisterschaft liegt. L o v i s Co - rinth steuctt mehrere Lithographien, FranzvonStuck vhan- iastische Radierungen bc, und Emil O r l i k dre Früchte seiner italienischen und aftikanischen Reilen Besonders unter den Radierungen auS Asrika sind einige von höchstem Reiz. Baluschek gibt drei starke Talentproben mit seinen großen Zeichnungen aus dem Industriegebiet: Klcin-Dicpoldund Graf K a l ck r e u t h sind mft bekannten Werken vertreten, und Pechsteitls und C a s - vars etwas iraqwürdige Zeichnungen iehlen auch hier nicht. Aus der großen Zahl der übrigen seien noch Fritz Mackensen, Preller, bans am Ende, Ludwig von Hofmanu Otto Grcincr, Ei »-schlag. Grüner, Seliger und Lederer genannt. ^ P. E. — Gitt« frairzöfische Stimme über Deutlch- lands Ausstieg. In der Zeitschrift „Renaissance" verössent- licht einer der höchsten Beanften der Pariser Stadtverwaltung, Louis Däzhjct. eiuc Betrachtung über die geft'ttgc, wrrtschajttnhe und sozial: EnoviiLiwg Dcurfchiands. Nachdem D-sfin euren Ueberblick Über die Entwicklung der letzten Jahrzehnte gegeben hat, saßt er sein Urteil wie solgt zusammen: „Deutschland ist stark, in allen Klassen, in allen Aemtern und in allen Verwaltungen auf Grund eines vollkommenen Geistes der Disziplin und des Zu- sanlinenwirkens. Don der Höhe bis zur Diese der sozialen Stusen- Teiter — abgesehen vom Pangcrmanismus und vom Jnteenatio- nalismus — herrscht in allen deutschen Unlettancn des KaiierS ein sicheres und vollkommenes Vertrauen zu den össcntlichen Gewalten. Deuischland ist heule stolz auf Grund einer stacken, klalsischei, und glühenden Vatrttandsliebe. Darum ist der „Wehr- beitrag", die jüngste Steuer sür das beer, von allen nicht als eine neue wachsende Lost, sondern als eine Ehre hingenommen worden. Der Wehrbcitrag wird der Staatskasse lährlich 350 Millionen Mark zutühren: und diese 350 Mftlionen kommen aus wohsgesükl- ten Taschen und Kassenschränken. Seien wir auf der Hut", so schließt der französische Beamte, „denn das wirtschaftliche Vermögen Deutschlands, dos staoiliche wie das private, wächst übermäßig und verleiht allen ein Gefühl des Wohlbenndens, das die Träume von einer größeren, von einer einzigen deutschen Macht bc- günftigt. Wer weiß, vielleicht wird sich gar bald die stolze und schreckliche Prophezeiung erfüllen, die nach Sedan verkündet w»rdc und von manchen dem Prinzen Friedrich Karl, von anderen Bismarck zugkschrieben wurde: „Wrr Deutschen haben Frankreich aut kriegerischem Gebiete besiegt: jetzt müssen wir es aus dem Gebiete der Industrie schlagen und aus dem Gebittc der Finanz verwüsten." —Das Haus des Rubens. Aus Brüssel wird berichtet: In der Nähe der belgischen Hauvtstadt liegt das alte und schöne Schloß von Steen, das in der Lebcnsgeschichte von Rubens eine Rolle gespielt hat: hier lebte jahrelang der große Mkister mit seiner schönen ,wessen Gemahlin, der Helene Faurment, deren Züge und Gestalt sein Pinsel der Nachwelt mit so meisterhafter Lebendigkeit erholten hat. Bereits vor einiger Zeit wurde angeregt, der belgische Staat möge dieses Landhaus des Rubens an- kausen und in ein Rubens-Museum umwandeln, aber der Plon scheiterte, da die Stätte zu sehr abgelegen erscheint. Das Landhaus liegt inmitten von Fekdern und Wiesen und befindet ssch annähernd noch in demselben Zustande wie ,u Rubens Zeit; der Meister hat »ft Landschaftsbilber der Umgebung geschaffen Im Schlosse sieht man auch noch den Tisch, an dem Rubens oft sernc Freunde vereinigte, und ein Eremvlar der gedruckten Mitteftnng, IN der im Jahre 1636 der Ankauf des Besitztums durch Rubens erwähnt wurde. Nun hat der belgische Senator Bccker-Römy den Landbesitz des Rubens käuftich erworben: der neue Besitzer ist ein eitriger Kunstsreund, und es kann als sicher gelten, daß er der Nachwelt das Rubens-Haus ftn unocräuderten Zustande er» haftc» wftch. flfftcnt Das Luftschiff roar 68 Metei lan« und Satte 10V, Meter alsi geäfften Durchmesser, Es faßte 3600 Kubikmeter Eos und batte zwki 3itftfätfc, einen im vorderen und einen NN Siitterere GasrauNi. die dem Scknjf einen Ausstieg bis zu 1500 Metern gestarteten. Das Luftschiff war balbstorr und diente nur zu Schut- und tlebungszwecken. Die österreichische Heeresleitung verfügt fetzt nur noch über einen ffn Jahr 1909 hergestetlden unstarren Parseval. Bericht über die Lage des Arbeitsmarttes in Hessen, Hksscn-Nassan und waldeck im Mai Und) dem Bericht des 'Arbeitsamtes'Frankfurt a. M. war In der M e t a 1 l i n d u st r i e die Gesamtlage, besonders bei der Groß- rndustrie, immer noch günstig. Besonders groß war die Nachftage nach schmiede». Alle Schmtcdcgefttlcn wurden untergebracht, t'lnch für Davschloiier, Spengler und Installateure war die ilrbeitsmarkt- lagr ziemlich günstig. Dagegen konnten in Wiesbaden Schmiede, Schlosser, Dreher, Spengler und Installateure wenig Beschäftigung finden. Wenig günstig tvar für Metallarbeiter die ArbcftSmarkUagc auch in Mainz. Nach dem Bericht des Arbeitsamtes Frankfurt a. M. war im Sattler-un dTapeztcrcr- Gewerbe für Tapezierer reichlich Arbeitsgelegeuhest vorhanden, und zwar auf Kundschaftsarbeiten und für Banklcber. Für Polsterer und Matratzenarbeiter setzte Anfang Mai ein reger Geschäftsgang ein, der aber gegen Ende des Monats wieder abslaute. In der Porteseuille-Jndustrie trat nach dem Bericht dar Handelskammer Offenbach a. M. gegen den Vormonat eine kleine Besserung ein. Trotzdem Ivar die Beschäftigung immer noch schlechter als im Vortaür um die gleiche Feit. Es herrschte Ueber- angebot von Arbeitskräffen und es sandelt zahlreiche Verkürzungen der Arbeitszeit in vielen Betrieben statt. In bist Industrie der Holz - und Schnitzstosse bat nach dem Bericht des Arbcits- amtez Frankfurt a. M. die Zahl der Arbeitsuchenden etwas nachgelassen. Besont-ers wurden Bau- und Möbetichreiner sowie Schreiner für Kundschastsarbeiten und zum Möbetpvtieren verlangt, die teilweise in dauernde Stellungen kamen. Für Bauschreiner und Anschläger I?at sich die Arbeitsgelegenheit etivas gebessert, immerhin war noch) e>i, groffer Teil arbeitslos. Der Geschäftsgang in der Zigaretten-Jndustrie war nach dem Bericht des Deutschen Tabakarbeiterverbandes in Frank- surt a. M. im Berichtsmonat wegen der Feiertage besser als in den vorbergehendeu Monaten. Im Bekleidungsgewerbe war nach dem Bericht des Arbeitsamtes Frankfurt a. M. der Ge- schästsganz für Säiubmacher in der ersten Hälfte des Monats Mai gut Für ttwic Arbeiten, sowie für Reparaturen gingen die Aufträge gut ein, nur fehlte es an Gehilfen für die neuen Arbeiten, und bei den Reparaturen war Mangel an längere» Gehilfen. In der zweiten Hälfte des Monats wurde der Geschäftsgang rutngcr, hauvtsächlich die Reparawrarbeiten tieften nach. Im Sckmctdcr- gewerbe war der Geschäftsgang der gleiche wie im Vormonat. Im Baugewerbe war nach dem Bericht des Arbeitsamtes Franksnrt a. M. die ArbeitsgelegenIirit für Dachdecker besser als im Vormonat, für Maler und Weitzbinder die gleiche wie im Vormonat, für die übrige» Berufe aber ungünstig. Im graphischen Gewerbe hat sich die Arbeitsmarktlage nach dem Bericht des Arbeitsamtes Frankfurt a. M., obwohl in den einzelnen Geschäften noch Ucberstundcn gentacht wurden, verschlechtert. Nachdem in einigen Scktrtftgicßcreien schon längere Zeit verkürzt gearbeitet nnirde, wurden jetzt auch Kündigungen vorgeuommen. Im Gastwirtsgewerbe konnten nach dem Bericht des Arbeitsamtes Frankfurt a. M., trotzdem die Witterunzsverhältnisse im Berichtsmonat viel zu wünschen übrig ließen, im allgemeinen dockt befriedigende Ergebnisse in der Vermittlung erzielt werden. Anfangs stunden allerdings die Angebote insolge des anhaltenden Regens im umgekehrten Verhältnis zur Nachfrage, erst gegen Mftie des Monats besserte sich die Lage derart, daff fast alle Gruppen von Angestellten gvgen die gleiche Zest im Vorjahre eine erhöhte Der- mittlungsziffer anfwrisen konnten. Bemerkenswert bleibt nach dem Bericht immerhin, daff im großen und ganzen stets regste Nachfrage nach jüngeren Leuten herrschte und sich daher an derartigen Leuten ein gewff'ser Mangel bemerkbar macht, lvährend die älteren Bewerber kaum Berücksichtigung ftnden können. In der Landwirtschaft war nach dem Bericht des üft- beffsanues Frankfurt a. M. die Arbeitsmarktlage ruhiger als im Barnronat, und die gleiche wie im Parallelmonat des Vonabres. Vorwiegend war Nachftage nach Pferdeknechten, während Tag« löhnee nur in gMtz em*eltten Fällen verlangt wurden. Auf dem weiblichen Ärbeitsmarkl lvar nach dem Bericht des Arbeitsamtes Frankfurt a. M am Anfang des Berichts- monatss die Beschäftigungsgetegenheit gut. Den Wasch- und Putzfrauen kannst xmn Test andere Arbeit, wie Kartoffel- und Zwiebel- auSlcsen, zugewies«, werden, ebecho fanden verschiedene Frauen Beschästigung bei der Spargel- lind Erdbeeeeuernte. In Wiesbaden war die Bermiitlungstätigkeit niyigrr als im Vormonat, eine 'Erscheinung, die jedes Jahr um diese Zeft wiederkehrt Die Haupt- wechselzeit ist März lind April. Junge Mädchen, die nicht, oder nur etwas zu kochen brauchen, waren genügend vorhanden: ebenso war das Angebot von Hausmädchen ziemlich zahlreich, doch mangelte es wieder an Köchinnen und älteren Meinmädchen. In den höheren Veruftn war das Angebot von Stellensuchenden wieder groß Leider konnte nur ein kleiner Teil vermittelt iverdrn, da die Nachftage nicht sehr groft, war. In Mainz hat in der Frauenabteilung des Arbeitsamtes die Zahl der »"»gemeldeten offenen Stellen sowohl im Gastwirlsgewcrbe als im Privalhaushalt eine Sleigerung gegenüber dem Vormonat erfahren. Die Zahl der steltcsuchckudcn Dienstboten ist aber beträchtlich zurückgegangen. Dagegen ist das Angebot von Frauen für Mvnatsstctten gestiegen. Enge! in der ttmist. Gießen, 21. Juni. Zum Besten des Roten Kreuzes sür die Kolonien veranstalteten die hiesigen Abteilungen des Deutschen Frmienoereins vom Roten Kreuz für die Kolonien (Abteilung Gießens und des Frauenhnnds der Deutschen Kolonialge>ellschast am Samstag und Sonntag unter dem Titel Engel in der Kunst Darstellungen von Engeln in lebenden Bildern nach Werken alter Meister. Die von Frl. Elisa Re in eck geleiteten Aufführungen, die eine grvffe Reche bekannter Engclssigurcn in sehr guter Darstellung brachten, ivaren vvn musikalischen Vorträgen begleitet, die Herr Prot. Trautmanu mit bekannter Meisterschaft leitete. Es war ein sehr glücklicher Gedanke, diese musikalischen Darbietungen hinter den Vorhang zu verlegen, denn dadurch bekam die Minze Veranstaltung etwas geheimnisvolles, mystisches, das einen sehr starken Eindruck hintcrlieff. Eröffnet wurde der Abend mit der Pastorale ftir Harnionium von Joh. Seb Bach, die Herr O. G ö r l a ch prächtig wiedergab. Es folgte danii ein Prolog, den Fräulein Lullu Wilson mit natürlicher, ungesuchter Redekunst sehr gut und ivirkungsvolt vartrug Das erste Bild stellte den Engel der Verkündigung in der Art des Simone Martini (Fräulein Else Waftensels, dar, Ivoz» der Gem Chor das Luthersche Lied Dom Himmel hoch da komin ich her mft jubelnder Beseelung sang. 2. Bild: Spielende Engelche,, in der Art des Albreckü Dürer (Fritz Ploch, Rols Lanqermann. Marion Langeömann, An», Körner, Herta von Eicken, Lieft! Bichler, Gisela Gncßbancis: Frau E. Schudt sang dazu: Ihr kleinen Vögele,» geistlicher Lieb von Kopv. 3. Bild: Musizierende Engel nach Melozzo da Forl, (Fräulein Gertrud Schwan. Fräulein Hildegard Leutertd Als Musik dazu Adagio cantabile sür Cello und Klavier vo» G. Tartini (Herr B. Herrmann, Frau Ct. .Nebelung-Knapp, 4. Bild: Blumen tragende Engel nach Fra Angelico da Fiesvle (Fräulein Elfe Wagner, Fräulein Hilde Bötticher. Fräulein Mathilde Braun, Fräustin Ilse Kemps'. Als Musik Panis angeliens von Cäsar Frank (Frau H. Spohr, Frau Cl. Nebelung-Knapp, Herr D. Herrmann, Herr O. Görlach,. 5. Bild: Engel der Verkündigung im Stile Stephan Lochners (Fräulein Käthe Mueller, Ms Musik Adagio in C-moll von Joh. Seb. Bach für Violine und Klavier (Frau H. Spohr, Frau Cl. Nebelung .Knapp'. 6. Bild: Kl»ine singende Engel nach Rassarl ,Greiel Challftr, Marionnr Gail, Gisela von Eicken. Gertrud Hoddes, Lore Langermann, Lillv Eck. Htervi sang der Gem. Chor mit herrlicher TonsüNe „Es ist ein Ros' entsmungen ... 7. Bild: Enget der Berkündigimg, Schule alter deutscher Meister (Fkäuletn Emily Bänmngcrj. Air Musik: Mein gläubiges Herz sroblocke, Arie a b. Piingstkantate „Mso hat Gott die Welt geliebt" von Joh. Sri. Bach (Frau E Schudt, Herr B. Herrmanus. 8. Bild: Anbeten',e Engel nach Filippo Llppi (Marie Benner, Ilse Grein, Leni Gumiann, Cläre oon Hähling, Annemarie Koeppe, Marie Krüger, Inge Opitz, Paula Pfeiffer, Lieselotte Schaffer, Liefet Schmidt, Erna Schudt, Thekla Schudt, Elsbeth Stoeriko. Kstroline llrstadt, Elisabeth Wiener, bans Frees. Emarruel Schirmer. Dazu sang der Gem. Chor „Wirs dein Anliegen aus den Herrn. . .". In der Pause entwickelte sich in dem Foyer und den Gängen, ivo mehrere Büfetts ausgcschlagen waren, ein.buntes, gesellschast- liehes Leben Der Absatz der verkäujlichen Gegenstände ging sehr statt von stallen, imd dürste ein günstiges Ergebnis zeitigen Nach der Pause folgte als 9. Bild: Verkündigung nach einem Relief von Donatellv (Fräulein Edith Lenhardt, Fräulein Hanna Lejeune,. Dazu spielte Herr L. Görlach das Präludium sür Harmonium oon Joh. Brahms. 10. Bild: Tie drei .Erzengel inst Tobias im Stil des Botieelli (Fräiilein Greiel Heinrichs, Fräulein Anita Rosenberg, Herr sind. Haggenmüller, Mbrecht Kindt' Frau E. Schudt sang hierzu „Laffi uns singen von der Gnade des Herrn . . .", Arie a „Paulus" vvn F. Mendelssohn. 11. Bild: Gruppe musizierender Engel nach Luea Signorrllr (Fräulein Toni Baue. Fräulein Else Bock. Fräulein Marie Gisevins, Fräulein Carola von Jungenseid. Fräulein Anni Strubel,. Dazu Nocturne sür Violine, Cello und Klavier von Ch. M. Widor (Frau H. Spobr, Frau Cl. Nebelung-Knapp, Herr B. Herrmann,. >2. Bild: Ein Engel nacki einem Relief im Stile des Robbia (Fräulein Carlvtta Usinger). Dazu.Andante in A-dttr für Violine und Klavier von Pietro Nardini «Frau H. Spohr, Frau Cl. Nebelung-Knapp,. 13. Bild: Singende Engel nach Perugino ,Fräulein Erna Kirch, Fräulein Herta Lejeune. Fräulein Eleonore Silberei, ent. Dazu sang der Frauenchor „Hebe deine Augen aus . . .", Engel-Terzett aus „Elias" von F. Mendelssohn. 14. Bild: Musizierende Engel nach Carpaccio (Marie Luise von Bibra, Elch Hosmann, Clärchen von Jordan, Annemarie Zurbuch,. Dazu Romanze für Vivtoneell und Klavier von C. Saint-Saöns (Herr B. Herrmann, Frau Cl. Nebelung-Knapft. lb. Bild: Schutzengel nach Murillo (Fräu- Fräulein Grete Fiebig. Fräulein Frieda Schreiner, Fräulein Anne- lied nach dem Spanischen für Alt und Viola von Joh. Brahms (Frau E. Schudi, Herr Prof. H. Walther- 16. Bild: Gruppe lobsingender Engel nach Benozzo-Gozzvli (Fräulein Anna Engelhardt, Fräulein Enid Bouieiller, Fräulein Helene Jhring, Fräulein Paula Sehrt. Fräulcin Marie Kovb, Fräulein Grete Barnaß, Fräulein Grete Fiebig, Fräulein Frieda Schreiner, ränlein Anne« tolle Sievers, Fräulein Elly Prätorius, Fräulein Heidi Elbs, Fräulein Anni Kock,, Fräulein Else Huntemann. Fräulein Hanni Siobwasser, Fräulein Tora Welz, Fräulein Bärbel Netto-. Hierzu sang der Frauenchor ..Gott ist mein Hirt". Psalm oon Fr. Schubert. Nach der Vorstellung setzte sich der Basar in der üblichen Weise noch einige Zeit fort. Ein Teil des Reinerftags ist auch sür das allgemeine Rote Kreuz bestimmt. Au» StaSt ttiift Land. Gießen, 22. Juni 1914. ** Schulangelegenheiten. Erledigt sind eine mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Volksschule zu Friedberg und die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Volksschule zu H ö r- genau. Dem Inhaber dieser Stelle kann eine Ortszulage bewilligt werde». •• Ue bertraqen wurde dem SchnlamtSaspirantcn Heinrich Held aus Eroß-Zimmern eine Lehrerstelle an der Volksschule zu Heubach: dem Lehrer Christian Fa atz in Zell eine Lehrerstelle an der Volksschule zu Westhofen. ** B e stätigt wurde der von dem Graftn zu Erbach- Erbach aus die erledigte Lehrerstelle an der Volksschule zu Schönnen präsentierte Schulamtsaspirant Ludwig Walter aus Dudenhofen, Kreis Offenbach, für diese Stelle: ferner der von §em katholischen Pfarrer zu Ober-Abtsteinach, sowie den Ortsvorständen von Ober-Abtsteinach, Unler-Abtsteinach, Trösel, Flvckenbach, Gorxheim, Löhrbach und Mackenheim auf die erste Lehrerstelle an der Volksschule zu Ober-Abtsftinach, im Kreise Heppenheim, präsentierte Lehrer Franz Dem l zu Hattenrod sür diese Stelle. ** Warnung vor Ge hcimmitteIn. Das Großh. Polizeiamt in Darmstadt macht in einer Bekanntmachung aul nachstehende Wartmng des Kgl. Polizei-Präsidiums Berlin nut- merksam: Seit längerer Zeit Uwrdcn in der Presse unter der Maske redaklloneller Besprcchnugen nllcrtct minderwertige Mittet, besonders Entseltungsmittet, in marktschreierischer Weise zum Kausc cmgrpricsen unter Pbautasienamen wie Salrado. Ausy, Onadat, Rcsiablätter und Boraniimibeeren. Den Vertrieb dieser Alillel, vor deren Ankauf ich hiermit warne, haben die Firmen The Salrado Comp, in Hamburg, C. F. Asche u. Eo. in .Hamburg und die Deadorn-Gesellschasi in Berlin, Poftftr. 12, übernommen. "Die Bl aul- und Klatccnsetichc herrscht fort in N odheim, Kreiß Friedberg, in Finthen, Kreis Mainz, in Welgesheim, Kreis Alzey, in Ober- icnd Nieder- Jngelhcim und Jugenheim, Kreis Bingen. Die Seuche wurde fcilgestellt in Schwaben heim und Groß- Wintcrnhcim, Kreis Bingen. — Ferner ist die Seuche auSgebrochen in den bayerischen Bezirken Tirschenreuth lObrrpsalz), AnSbach (Mittelfranken), Vamberg (Ober- franken) und Dachau (Oberbayernf. ** Aus dem Büro des S tadtt hea ters. Am kommenden Dienstag findet, wie schon bekanntgegrben, ein einmaliges (tzasffviel des „Wiener Luftsviel-Ensembles" statt, dem von Wiesbaden und Stuttgart ein glänzender Ruf vorauSgcht. Das Programm ist äußerst mamtigfaltig. Der erste Abend bringt vor allem einen originellen Einakter „Lord Spleen", bann den größten Lachcrfolg der Saison „Das Bett Natwteons" dazwischen eingestreut in bunter Folge erstklassige K'abarettvorträge. Die Rezensionen ans Sllittgart ,md Wiesbaden, von denen wir eine Iper folgen lassen, sind so heroorragend, baß ,ebem. der für Humor und Pikantcrie etwas übrig hat, der Besuch nur anempsobten werden kann. T»s „Stuttgarter Tagblatt" schreibt: „Ein seiusinnig zusammengestelltes Programm, bestritten von Künstlern, von denen jeder ein Meister seines Faches ist: eine Vereinigung von Persönlichkeiten, von denen jebe in ihrem speziellen Gebiet etwas Besonderes und dieses Besondere neu und originell zu sagen weiß: Vertreter und Nncschöpser zugleich aus dem viclumstrillenen Gebiet des Ucberbrettls, deren Wahlspruch und Fähigkeit sich llifft in der Tatsache, im Gebiete dramatisckier Kleinkunst künstlerisch Hervorragendes z„ leisten: das ist das Wiener Lustspielensemblc, das am Samstag abend im Friedrichsbau vor außerordentlich stark besetztem Häuft sein Gastspiel mit einem mächttgen Erfolg eräsfnete. Mit vornehncer Sicksrrbeit macht MftnS Fmk den Conftreneicr: man fühlt, er weift, eine Künsllerschar hinter sich, die für sich selbst zu sprechen versteht. So Sophie Stöckl. ^Der erste Eindruck ist, daß sie mit ihrer anscheinend spröden Stimme durch ihre Rezitationen nicht sonderlich auftcgen toird. Aber man täuscht sich, s ie be herrscht die ganze Leiter der Gefühle, sie reißt uns durch Himmel und Hölle. Ms »moderner Sprecher leistet sich Alsvns Fink den glänzenden Witz, eine Pantomime, sozusagen einen hv- maristischen Film zu spielen von unsagbar komisckter Wirkung: dann als Stotterer eine Rede zu reden, die sürchlertiche Lackftlltrme enffessclt, und dazwiichen hinein zaubert er mit einer machtvollen Ballade die eisenktirrende Zeit des großen Pieuften-Königs beraiy. Anni Schittenbelm vom Residenztltealrr in Berlin ist eine eminente Schauspielerin von prickelndem Reiz nnd versteht die Rotte der jungen Frau im Bett Napoleons in äußerst launiger Weift dar- zustellen Carl Christoft im Programm als Meisterchansonnier bezeichnet, ist ein solcher im wabren Sinne des Wortes, der Heiteres und Ernstes mit ebensolcher Mcisterschast zu singen weiß, dabei eine Aussprache, die man wobl bei keinem unserer modernen Sänger sobald rindet. Kapeümeister Pani Pallös ist dazu cm scinsünngrr Begleiter. Alles in allem: Mt diesem Programm wird etwas geboten, was an Geschmack weit über deq gewöhnlichen Niveau des Varietes und Kabaretts steht "Derb depunktdesJabresist nahezu crreicht.ö In dieser Woche beträgt die Tageszunahme nur noch zwei Minuten »nd zwar nachmittags. Dann geht es wieder abwärts. " Blühende Felder Die Felder blühen. Nach den niüden, lichtlosen Tagen hat sich weit und breit ein heller Schein über die wogenden Ackerbreitcn gelegt, d«s: es von den Höhen der Berge aussieht, als schäumten da unten frisckgrüne Wetten über einen leuchtenden See. Die Aehren blühen. Das ist sür den Laitdmann eine erlösende Hoffnung, »in Vorgefühl der heiteren Erntestimmung tmd der erste Lotm sür tausend hctnlliche Sorgen. Tie anderen strcisen^ singend durch die schaukelnden Wellennreerc blühender Aehren. Sie grüßen den Sommer, der in seiner satten Fülle der bescheidenen Frühlingsblüten nicht bedarf. An den Aehren glänzen die zarten Blüten und schaukeln im leichten Winde und ven'enken in wunderbarer Heimlichkeit ihren bc- ftuchtcndcn Staub Ueber der Ackerftume aber mitten aus der bunten Wildnis von Kornblumen, Raden, Mohn und Winden sckstcicht an den Halmen schon das erste matte Getb empor, von einem Knoten zum andern. Blülzen und Wachsen und Sterben und Bermcl/ren, alles in einem scheinbar toien Organismus. Wie weise und wehmütig das zugleich ist, loie ein Gleichnis dcy ewigen Kraft, die miveigänglich Blüten treibt und unter dem Wachsen und Werden das Gewesene vergißt. Das Samenkorn, das einst unter der bleichen Herbstsonnc der Laudmann ruft reichen Hoisnungen oersenfte, ist tot und abgetan. Nur seine Kräfte nnd Säfte leben und blühen. Und toerdcn an ihres Lebens goldenem Nachmittag lallen und wieder blühen in ewig werdend ft»hem lkrcislaus. lieber dem Blütenmeer der Felder klettert die Lerche an ihrem Lied empor zum Licht, die Heimchen zirpen aus ihrem buschigen Versteck und die Sonne streicht zärtlich über die Wetten hin, daff es gebeinrnisvott widerrauscht in Herz und Angen des stillen, versunkenen Wsndercrs. Stimmen aus des Lebens Mittag sind's, Stimmen der itzrast und Freude und des starken Bewußtseins eines ewigen Wandels vom Leben zum Leben. Landkreis Gießen. li) Bellersheim, 19. Juni. Gestern abend wurde der Landwirt und Postagent Bopp ini Stalle von einem Pferde in den Leib getreten. Di« Verletzung war derart, daß er in das Krankenhaus nach Hungen gebracht werden mußte. Hier mußte cr sich heute einer Operation unterziehen. Sein Zustand ist sehr bedenklich. Kreis Alsfeld. (R) S t orn d o^rs, 18. Juni. Als am 11. d. M. die Scheunen der Landwirte Johs. Weiß, Hrch. Hosmann und I. Hamel^durch einen Blitzschlag abbrannten, ist es noch zu blutigen Schlägereien gekommen. Die wachhabende Feuer- ivehrmannschasl verletzte den Arbeiter Heinrich Schmidt von hier mit Knüppeln sehr schwer. Der Kopf war aufgespal- ten, und wie der Arzt seststellte, war auch eine Nierendrücknng vorhanden. Der Täter konnte noch nicht ermittelt werden. Gestern weilte die Staatsanwaltschaft hier, um die Sache zu untersuchen. Kreis Lauterbach. M Lauterbach, 21. Juni. Am 28. Juni findet vor. mittags um 11 Uhr in Lauterbach Gottesdienst für Taubstumme statt. Nach dem Gottesdienst ist gemeinsames Mittagcsten und größerer AtiSstug. Wegen Erlangung der Fahrpreisermäßigung wende man sich an Dekan Müller in Lauterbach, der auch Anmeldungen zum Mittagessen entgegennimmt. Kreis Schotten. tz. Herchenhain, 19. Juni Nach altem Herkommen werden auf Johannimarkt die auf dem Marktplatz ausge- banten Wirtszelte mit Buchen- oder Fichtenreisig erngefatzt. Der hiesige Gastwirt Karl Adolph, der auch sein Zelt so herzustellen gedachft, hatte sich, um hierzu lsteisig zu per schassen, im Feld auf eine Buche lregeben. Er kam dabei so uirglückfich zu Fall, daff er nebst einigen anderen Ber- letzunaen auch einen schweren Armbruch erlitt. . Bürgermeister Möckel von hier wurde wieder zum B ü r g e r m e i st e r unserer Gemeinde gewählt. Hessen-Nassau. h. Fran kfn r t a. 9K„ 19. Juni. Der 33jährigr Schneider- Meister B. aus Säüitz in Obcrhesscn hat sich insolge ftankbaster llebcrrciznng im Main ertränkt. Die Leiche wurde heute bei Nied geborgen. Landwirtsebaft. — Vom Lande, 19. Juni. In diesem Jatwc ist der Stand der Kartoffeln überaus gut. Die Felder zeigen keine Lücken, tote dies im vergangenen Jahr der Falt mar, und die Stauden entwickeln sich kräftig. Bei dem fruchten Wetter macht sich das Unftmit breit, nnd viele Arbeit muß anigewcndct werden, um die Felder sauber zu bringen. Att1versttät»-Nact»rict,ten. — Die Universität Münster zählt im lautenden Sommcr- ftmestcr 2169 immatrikulierte Studierende. Dazu kommen 145 Hörer. Die Gesamtzahl der Berechtigten ist mitbin 2314. Der a. o. Professor der klassischen Philologie an der Berliner Universität vr. Karl Meister hat einen Ruf als Ordinarius an die Universität Basel erhalten. Dr. Meister ist 1880 zu Leipzig geboren. Gictzcner Strafkammer. Gießen, 19. Juni. Vertagt auf unbestimmte Zeit wurde die Strafsache wegen den Landwirt H. B. aus Mendorf a. d. L wegen unlauteren Wettbewerbs ans Antrag der Groffb. Staatsanwaltschaft, die auch gegen den Vater des jetzigen Angeklagten cm Verfahren wegen derselben Sftaftat einlcitcn will. Die „Porto fasse". Zu cmer Gesamtgtffängnisstrase von einem Jahr nnd sechs Ado» naten Gctängans, auf die zw« Monate der erlittenen Untertuchnngs- ttort ffuflercdsuct blctbot, mtb nutet (£utbeitciiiing hr* - durch Urteil, w? Schwurgerichts Gießen am 8, Juni ds, Jz gegen ihn er. «inne» strafe wurde drr ent 20iährige fe. 3. W. aus Frieddeeg Wrurtnlt. M hatte seinerzeit auf einem Friedberger Anwalts, bnrcmi die Burcaubeamtentausbahn begonnen und wird beute von fernem damaligen Chef als Heller brauchbarer Kopf geschildert Noch einiger Zeit kam er auf die schiefe Ebene, lieferte Geldbeträge ">°'t ab und stahl dem Bureauvonteher seines Eheis Geldbeträge und Bneinnrrken aus der Kasse, teils durch Ausschließen der belr BehalMiiic mittels nnes Dietrichs oder auch ialichcr Schlüssel Als er sich in seiner Stelle nicht mehr halten konnte, ging er nach Butzbach als vausburfche zu einem Bäcker, Aber auch hier hielt er es nicht njü der Ehrlichkeit, sondern gab seinem Meister Leute als nrn Zahlung der Brötchen rückständig an, die stets bezahlten, und verschwand nach crniger Zeit, Vas Urteil im Liberfelder Mordprozetz. Brwr Angeklagte freigesprochen, _ . . „ . „ „ -LElberscld, 21. Juni, Aach viertägiger Verhandlung ist heute früh mit einer 18s,ün- dtgeu Gewalksttzung der Prozeß gegen Fräulein Brunhudc Wilden und ihren früheren Bräutigam Tr, med, Rolten zu Ende gegangen. Der Schluß der Beineisausnohme brachte noch eine Reihe von Nlteressanten Momenten. — Ter Amtsrichter Koch, c,n Freund des AngeNagten Rolten, hat dessen Besuch am 10. Februar erhalten. Dr, Rollen erzählte ihm ganz unvermittelt: Meine Er-Braut hat den Assessor Rettelbeck in Elberseld erschossen Es sei zwischen Fraulein Wilden und Rettelbeck zu Auseinandersetzungen gekommen Fräulein Wilden habe verlangt, er solle erklären, das, zwischen ihnen beiden Nichts vast irrt sei, Tr, Rettelbeck habe ihr „I höhnischer und bochzi gemeiner Werse erwidert, er werde das nicht tim. Ms Fräulein Wilden dann erklärte! „Ja, dann liege ich ,a im Dreck' Habe Rettelbeck gesagt! Besser du als ich! Darauf sei Fräulein. Wilden >n maglose Wut geraten und habe losgcschvssen Am anderen Tage^ lull Dr, Rolten dem Zeugen gegenüber die Lache anders d-rgeitellt Er habe gesagt, Fräulein Wilden habe die Absicht gehabt, „ch vor den Augen RettelbcckS zu erschießen, dieser se, ihr aber 1» den Arm gefallen und die Schüsse seien losgcgangcn Als der Zeuge Bedenken äußerte, daß der Untersuchungsrichter das glaube» werde, habe Tr, Rolten erklärt! Wenn sie wirklich verurteilt wird, so bekommt sie nur ein paar Monate, Tann reicht man ein Gnadengesuch ein, so daß die Strafe in Festungshait oder ,n eine Geldüraie verwandelt wird, — Praktticher Arzt Tr, B > e se bekundet, daß Dr, Rolten einen starken haß aus Tr, Rettelbeck hatte Er habe am 16, Februar abends mit Dr, Rolten eine Unter- redung gehallt und dieser habe in Bezug au, Rettelbeck, obschon er bereits tot war, gesagt, den Lumpen bringe ich seht noch in den S,-C -Verruf, Es folgen die Aussagen der Sachverständigen, — Ter Hausarzt der Familie Wilden Geheimrat P u c tz (Düsseldorf) bekundet, daß die Angeklagte sckwn als Kind an krankhaften Zuckungen gelitten habe Sie bot das Bild einer lhvisch-hnsterischcn Derson — Sachverst, Dr, Michel Düsseldorf! hat bei der An- geklagten ^rckivindelausäUe und Tämmerungszusv'inve beobachtet. /Me- der Sachverständige aus einen, Glase Wasser trinkt, untersagt ihn, das der Vorsitzende minder Begründung, das sehe zu Wirts- bausmäßig au«,'' -— Tachoerst. Geh Medizinalrat Braun: Es ist möglich, daß die Angeklagte die Tat in einem Dämmerzustand verübt haben kann, von der ihr nur inselartige Erinnerungen geblieben sind — Tie Gutachten der Schicßsachverständigen gehen dahin, cs bestehe die Möglichkeit, daß der tödliche Schuß während des Ringens abgegeben worden sei, Sachverst. Gehcimrat Braun, der noch einmal zu Wort kommt, gibt folgendes Schlußurteil ab: Rach dem Befund ist der erste Schuß von dem Plaßk der Angeklagten Wilden abgegeben worden. Dieser Schuß ist indes ein Feblsckiuß gewesen, er ging in die Wand, Es ist möglich, daß dieser Schuß durch das Ta- zwischentreten Rettelbecks rin mißglückter Selbstmordversuch der AngeNagten Wilden war, hierauf kam es zum Kampfe zwischen beiden: es fiel der zweite Schuß und dieser ging nach meiner An sicht in die Tischplatte, Rach weiterem Rängen zwischen beiden kam der dritte verhängnisvolle Schuß und es ist möglich, daß diesen tödlichen Schuß Rettelbeck selbst abgegeben hat, hierauf wird die Beweisaufnahme geschlossen und der Vor fitzende formuliert die Schuldfragen, — Der Staatsanwalt beantragt bei der Angeklagten Willen die Frage nach Tot, schlag, bei dem Angeklagten Rolten die Frage aus Bei, Hilfe dazu zu bejahen unb beiden Angeklagten mildernde lim, stäube zuzubklligeu, — Bert, Rechtsanwalt Dr, David so hn (Düsseldorf! kommt in seinen, Plädvner zu dem Ergebnis, daß die Angeklagte die Absicht hatte, vor den Äugen Rvttelbecks Selbstmord zu verüben. Dafür spreche der Umstand, daß Dr, Rolten sie geradezu in den Selbstmord lstneinkreiden wollte. Er hat ihr gesagt,, der Lebenden könne er nicht vt-rzeihen, sondern nur der Toten, Die Angeklagte, die ein guttnüligeS, liebenswürdiges, harmloses Mädchen gewesen ist, ist eines Mordes überbaupi nicht fähig, auch nicht eines so brutalen Aktes, wie cs der Totschlag ist. Der Verteidiger bittet, sämtliche Schuldsragcn zu verneinen — Verteidiger Rechtsanwalt Weftcrhaus (Düsseldorf! stellt für seinen Mandanten Di Rollen den gleichen Antrag, — Die An gekläffte Wilden, zum letzten Wort »erstattet, erklärt, daß sie unschuldig sei. Sie habe immer nur den Gedanken gehabt aus dem Leben zu scheiden. Säe habe nie die Absicht gehabt, Dr, Rettelbeck zu töten, das sei die vollste und reinste Wahrheit, — Angeklagter Tr, Rolten erklärt noch, daß das, was er von Frl Rotten nach der Tat gehört habe, in ganz abgerissenem Zusammenhang vorgctragen wurde, und daß er die Zusammen- Iielliing der Worte sich selbst lvmbinieri habe. ^■ Um 1 Uhr nachts zogen sich die Geschworenen zur Beratung zurück und erschienen nach zweistündiger Beratung nieder im Saal, Der Obmann verkündete unter allgemeiner Spannung, daß der Wahr s v ru ch der Geschworenen aus Nicht- schuldig laute. Die Verkündung des Wahrspruches wurde mit levhaslem Beifall im Zuhörerraum ausgenommen, hieraus wurden die beiden Angeklagten, die bleich und über- nächtigt aussahen, wieder aus die Anklagebank geführt und sie mit dem Wahrspruch bekannt gemacht, — Der Staatsanwalt beantragte die Freisprechung, Rach kurzer Beratung sprach der Gerichtshof Frl, Wilden und Tr, Rotten von der Anklage frei, unter Uebernahme der Kosten auf die Staatskasse, Beide wurden sofort aus der Haft entlassen, — Tie Angeklagte Wilden nahm das Urteil ruhig und ohne ein Dort zu sagen auf, unter Tränen dankte sic ihrem Verteidiger, Dr, Rolten war nichts auzumcrkcn. Vor dem Gerichtrqcdäude begrüßte eine mchttaulendköpsige Menge die Rachricht von dim Freispruch mit Hurrarufen, Sport. Jubiläums-Konyred vcs Jntetnalionalen Olmnpiichrn Komitees. Siebente und achte Sitzung des Kongresses, In der siebenten Sitzung am Donnerstag nachmtttag wies Tr, Ruverti, nachdem das Boxen angenommen worden war, aus die Schmierigkeiten Ihn, die durch das polizeiliche Verbot derartiger Kämpfe für eine Voriührung in der Ocssentlichkei, ,n Deutschland bestünden. Im Anschluß daran fanden lauge Ausein- andersetzimgcn über schwerathiettschc Ucbungen statt. Nachdem einstimmig der griechlsch-römische Ringfampi in süns Gruppen genehmigt worden war, wurde der von England beantragte und von Amerika lebhaft unterstützte freie Ringkampt gleichfalls in süns Klassen ausgenommen. Leider verfiel die Einsührnng des Gewichthebens der Ablehnung, obwohl Freiherr von Venningen und Dr, Rupert! energisch dafür eintraten. Die anscheinend gcslckzerte Majorität ging um wenige Stimmen verloren, weil die russischen Vertreter noch nicht zur Stelle waren. Ebenfalls der Ablehnung ver- siclcn die französischen Anträge auf Einführung des Bogeuschießens und Ttockscchtens, Sodann ging der Kongreß zur Frage der Sportsspiele über. Der Wunsch des Baron de Coubertin, diese Spottiviele aus dem Programm der OiNmpischcn Spiele zu streichen, wurde einstimmig abgelehnt. Es fand sich dann eine starke Mehrheit für das auch in Deutschland stark verbreitete Association-Fußballspiel, für das von unserer Seite Peels-Leipzig einttat. Eine ausgezeichnete Rede für die sittliche und erzielstiche Bedeutung des Fußballspieles hielt der englische Pfarrer Lassan, Das Rugbh-Fußballfpiel ersuhr dagegen eine Ablehnung, Ir» 'Anschluß an die Sitzung hielt der Herzog von Toudeau- ville iür die Mitglieder des Kongresses in seinem herrlichen Schlosse großen Empfang ab. Am Abend fand in Gegenwart des Präsidenten der Republik und des diplomatischen Korps ein großes Fest im Palais Trocadero statt, bei deni schvcoische und sronzösisclic Sänger milwirkten, Tie achte Sitzung am Freitag vormittag wurde durch den Präsidenten Baron de Coubertin eröffnet, dann aber von Herrn Gcheimrat horning geleitet, der wegen seiner großen Umsicht säst immer in Abwesenheit des Präsidenten zur Leitung herangczogen worden ist. Ohne Widerspruch Ivurdeu zunächst die Spielregeln des Internationalen Fußballverbandes angenommen, desgleichen das Rudervrogramm mit sieben Konkurrenzen, Auch beim Schwimmen wurden die Vorschläge des Internottonalen Verbandes gittgeheißen, mit dem Deutschland ans dem Internationalen Schwimmkongreß, in Budapest sich einverstanden erklärt hatte. Beim Schwimmen werden besonders Domenkonkurrenzen stattsindcn, Segeln wurde gemäß dem Vorschlag des Herrn Dr, Rupertt dem obttgatorisckien Programm einverleibt, und für Festsetzung der Einzelheiten wurde ein Unieeausschuß unter Vorsitz Englands gebildet, Tr, Bchrends, der als Vertreter Deutschlands für die Ausnahme von Lawn Tennis cinlrat, fand mit diesem Vorschlag einstimmige Gegenliebe, desgleichen mit dem Vorschlag, lediglich auf horten Plätzen zu spielen, also nicht auf Gras- oder gedeckten Plätzen, Den bisherigen vier Wettkämpsen: Herren-Einzelspicl, Domen-Einzelspiel, Herren-Toppeliviel und Gemischtes Doppelspiel wurde Tanien-Doppclspiel hinzugefügt. Darauf wurde der Bericht des Box-Ausschusses entgegenge- nomme», nach dem nur 6 Klassen eingefübrt iverden sollen: die näheren Bestimmungen bleiben dem zukünsligcn Internattonalen Bor-Berband, der 1915 gegründet werden wird, überlassen, Freitag nachmittag unternahmen die Kongreßmitglieder einen 'Ausflug nach Schloß Maintenan, und abends waren die deutschen Vertreter bei dem Führer der amerikanischen Bertrettmg, Colonel Thompson, zu Gaste, Märkte. te. Frankfurt a. M., 82. Juni, (Ong.-Telegr, he! „®te's. A»z>-> Amtliche Notierungen der heutigen Fruchtnrarktvreise. Weizen thiesigeri Mk. 21.75—22.00, Kurbesüscher Mk, 21.75 —22.00, Wetlerauer Mk. 00.00 — 00.00, Roggen shiestgerj Mk, 1800 — 18 25, Gerste lWetterauerl Alk, 00.00 — 00.00, Gerste. Franken, Mälzer, Rieb Mk, "0.00—00,00, Haler Mk. 18.25-10,50, Mais Alk. 15.50-15,75, Weizenmehl 0 -Mk, 00.00-00,00, Weizenmehl l Mk. 00.00 -00.00, Weizenmehl nl Mk. 00 00 — 00.00, Roggenmehl 0 Mk. 00.00—00.00, Roggenmehl Oll Mk, 00.00-00.00, Roggen,nehl 1 Mk. 00.00-00.00, Weizenkleie Mk. 0,00 -0,00, Weizenjchalen Mk. 0.00-0.00, Roggen- kleie Mk, 00.00 -00.00, Mglzkenne Mk. 00.00—00.00, Biertreber 00.00 - 00.00, Futtergerste Alk. 00.00 - 00.00. Alles per 100 kg ab hier. fe. Frankfurt a, 22, Juni, iOrig.-Telegr, des .Sießener Anzeigers",, Kaetokselmarkt. Mau notiette: Kartoffeln in Waggons Alk, 6,50 - 7,00, in, Kleinhandel Mk, 7.50 —8,00 für je 100 kg. kr, Frankfurt a. TO. Diehdofmarktberirh! 00m 22. Juni. Austrieb: Rinder 1185, Ochsen 612, Bullen 70, Kühe und Färsen 903, Kälber 213, Schale >03, Schweine 2126. Tendenz: Rinder stau, großer Ueberstand, Kälber gedrückt, Schale ruhig, Schiveme leichte Ware lebhaft, bleibt Ueberstand. Breil für 100 Ad. Lebend- Schlacht-, gewicht Ochse», Mk, Mk. Vollkleilchige, misgemästete. höchsten Echlachf- wettes, 1—7 Jahre alt........ 45—51 82-86 die noch nicht gezogen haben (»»gejochte, . . 40—11 78-80 Bullen. Dollfleikchige, ausgewachsene, höchsten Schlachtm. 1»-18 75—80 Vollfleischige, jüngere.......... 39—42 67—72 Färsen. Kühe, Vollsteischige ousgem, Färsen höchst. Schlachtm. 12—16 75 —83 Vollfleischigc ausgemästeleKührhöchstenSchlach- wertrs bis zu 7 Jahren........ 38—42 70—75 wenig gut entwickelte Färsen....... 88—41 73—79 ältere ausgemästete Kühe........ 31—37 63—69 Mäßig genährte Kühe und Färsen..... 28—33 58—61 Kälber. Mittlere Mast» unb beste Saugkälber. . . . 52-56 88-25 Geringere Mast- und gute Saugkälber . . . 18-52 81—88 Schn'». Stallnrastschake: Mastlämmer uno jüngere Mastgimmel . . . 12 43 92 -91 Schweine. Vollstekschigs Schweine o»n80 — 190 kg Lebendgewicht........ 18.00—18.51 61.00— 02 01 Vollste! schtge Schweine unter 80 vohniiriK per sofort ob. spät, mi verui. (741)') -’calj. 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