Sr. M Zweites Maü IH Jahrgang Erscheint 12g8ch inL Ausnahme de§ SomrtagS. Die ..HieHeaer JotftoMEtttt" werden dem .An^erqer^ vrernral wüchenltich bsqeleqt, das „Sreis-tatt pir den Xrrir ßietze«" zweimal wöche^üch. Die .^«-«irt-chaMchev Seit- fragen" erschemen mouatirch zweorrai. Gietzener Anzeiger Seneral-Anzeiger für Oberhejjen Domerstag, \S. Juni M4 Rotationsdruck und Verlag der Brühuschen UnwersttätS-Blich- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e^nl. Redaktion: 112. Tel.-Adr.: AnzeigerÄießen. hessische Zweite Komma. tb. Darmstadt, 17. Juni. Am RegierungStifchc; Staatsmiinster Dr. von Ewald, Fwanzminister Dr. Braun, Mruister des Innern v. &ont* ber*jf, StaatSrat Lorbacher, Ministerialrat Dr. Weber. Präsident Köhler eröffnet die Sitzung um 9Vj Uhr. Einziger Beratungsgegenstand ist die Regierungsvorlage, bctr. Die Revision der Ordensgrsetzzetnmg. Zuerst nimmt Minister o. Sombergk das Wort: Tic^beutc zur Beratung stehende Vorlage hat im Lande einer, großen Sturm hervorgeruien und zwar besonders daher, weil über den Zweck der Vorlage noch weithin Unklarheit besieht. DeSdalb will ich Ihnen hier des näheren dartun. war- mit der neuen Ge» setzesvorlagc beabsichtigt wird. W handelt sich betreffs der lluter- richtsorden um die fünf bestehenden Institute der Englischen Fräulein in Darmstadt. Benshcim. Mainz, WormS und Bingen. Diese 5 Anstalten hat die Vorlage bestehen lasten. Die katholische Bevölkerung hat sich in.Hessen seit 1874 bedeutend vermehrt, die Zahl der evangelischen Ortseingesessenen stellt sich zurzeit aut 850 000, tue Zahl der katholischen aus 400 000. In Darmstadt und WormS ist die katlwlische Bevölkerung last um das Drcisache. in Mainz um daS Dovveltc gestiegen. ES ist erklärlich, das; insolgedessen auri; che Freguenz des Instituts der Englischen Fräulein sehr bedeutend gestiegen ist, wie der Redner durch Anführung der Zahlcnvcrhält- niste näher nachweist. Trotz chcser Vermehrung der Schülerinnen- zatzl darf aber die Zahl der Lehrschwestern nach dem Stand vom 1. Oktober 1874 nicht vermehrt werden. Man hat sich nun damit zu besten gesucht, dag man vrvvisorisch Lehrschwestern zuließ und so kommt cs, daß die Zahl der Lehrschwestern an einigen der schulen tatsächlich groster ist. ES ist aber doch ein unbaltbarcr Zustand und deshalb will die Vorlage der Regierung die Möglichkeit geben, Lehrschwestern auch über den Stand vom Jahre 1874 hinaus zuzulasien, wenn es das Bedürfnis verlangt. Wenn sich ergeben sollte, daß die Freauenz dieser Institute zum Nachteil einer bestehenden höheren Mädchenschule sich gestalten sollte, so würde die Regierung selbstverständlich einschreitan; eine solche Befürchtung liegt aber nicht oor. Während trüber diese Institute auch von nichtkatholischen Kindern besucht wurden, sind heute keine solchen mehr darin vorhanden. Die Regierung steht mit dem AuSschutz auf dem Standpunkt, dast, wenn man diesen Schulen die Existenzmöglichkcit gewährt hat, man ihnen auch die Epistenzbedingungen nicht vorenthalten darf. Die Borlage bezieh! sich weiter aus die Kra n k c n p s lege t ä ti g-- kert. Hier herrscht iniojcrn ein Mißverständnis, als ob cs sich um eine Vermehrung der Krankcnptlcgeordcn in Hessen bandle. Das tft ober nicht der Fall. Es handelt sich mrr darum, den zu- gelastenen Krankenpslcgevrden noch eine Iveitcrc Tätigkeit zu ge- sIonen, namentlich bezüglich dcS Näh- und Ttricknntcrrrchts, sowie des Koch- imd HauSboltungsunterrickstS. Auch hier wird die Regierung selbstverständlich zu prüfen haben, ob nicht das Bedürinis durch ausrenhenbe Staats» oder Privatanstaltcn erfüllt wird. Die Beßürckstung, daß damit eine Ausdehnung der Klöster hcrbcigciührt werden könnte, erscheint dcnrnach nicht für gerechtfertigt. ES dreht steh-hier in Wirklichkeit nur um die gesetzliche Sanktionierung eines bereits bestehenden Zustandes. Das Bedürfnis nach Aushilfe in der Seelsorge pflegt setzt in Hessen der Kap-nzrncrorden. Sv steht aber md Kirche nur durch Staat-gesetz acregelt werden kann, das den verschiedeu- artigen Berbättnstscn Rechnung trägt. Wir unterscheiden UNS hierdurch besonders vom Zentrum, das solche Fragen durch das Konkordat gelöst wissen will. Es kamt von UNS nicht zugeqrbenl werden, daß durch das Gesetz von 1874 der Grundsatz „Gleiches Recht" für Alle verletzt worden wäre, wie Mg. Dr.. Schmitt in seinem Antrag behaumetc. Die Orden können doch ibrer gairzen Organisation nach nicht unter dem Gesichtswinkel des bürgerlichen Rechts betrachtet werden. Wir kommen den Anträgen Dr. Schmitts lediglich deshalb so weit als mögliäi entgegen, weil wir ein friedlich Mitcinanderleben mit den katholischen Mitbürgern wollen. DaS Wesentlichste ist für uns die Aufrechtcrhnltnng der Staatsaufsicht, das Allssichtsrecht des Staates. Der Minister meint, der Sturm im Lande ist hervorgeruscn Ivorden durch die Unklarheit über Ziveck und Tragweite der Vorlage; er kommt aber nicht zum mindesten daher, daß unbcstrittcnermaßen gerade in der kritischen Zeit die Regierung nicht von ihrem SlaatsanssichtSrccht den entsprechenden Gebrauch gemacht hat. Der Redner erklärt, er hätte von dar Regierung mehr erwartet, als der Minister hier vorgebracht Hot. Wir können nur zustimman, wenn wir die Gewißheit haben, daß die Regierung von dem ihr zustchendcn AustichtSrecht auch Gebrauch machen wird; nur dann wird wieder Beruhiguna in die Gemüter einkchrcn. In WormS ist das konscstionellc Verhältnis in den letzten 30 Jahren ziemlich konstant geblieben. Das Gesetz von 1874 war ein Kamvfgesatz und ist zum Teil beute nicht mcdr zutreffend. Wenn damals die hessische dänische Partei die Vorgängerin der hessischen nationallibcralen Partei für daS Gesetz stimmte, so fand sie sich in politischem Gegensatz zum Zentrum: eS waren lediglich politische Gründe dafür maßgebend. Von einer Feindschaft gegen Kirche und Religion konnte nicht die Rede sein. Tic früheren Voraussetzungen sind nicht zutreffend, man weiß jetzt, daß unsere katholischen Mitbürger reichstreu sind, wie die andern und wir sieben mit dem Zentrum fest zusammen im Kampfe gegen die Partei des Umsturzes. Und deshalb wird die Mehrzahl meiner Parteifreunde bezüglich der Lrdensichulen der Regierungsvorlage zustimmen mit der Abänderung, daß das Mo icke nt des Bedürfnisses stärker zur Geltung gebracht wird. Auch den Krankenpslcgeorden solle weitgehende Freiheit gewährt werden, so weit nicht eine Gefährdung des kon- icstionellen Friedens zu befürchten ist. 'Auch hinsichtlich der Leel- iorgcorden seien grundsetzlich keine Bedenken vorhanden. Der Redner erklärt, er wolle keinem Geistlichen daS Recht nehmen, sich politisch zu betätigen; die Sache werde nur dann für den Geistlichen etwas mißlich, wenn in seiner Gemeinde verschiedene oolitischc Parteien vorherrschten. Mit dem Schlagwort, daß der Geistliche nicht in die Politik gehöre, könne man heute nicht mehr agieren. Der Geistliche würde sein Amt nicht richtig auffasten, der nur von der Kanzel predigen und sich nicht um die sozialen Gegensätze in unserer heutigen tfstsellschaffsordnnng kümmern würde und sich nicht sic auszugleichen bestrebte. Das gelte sowohl von der evangelischen, wie von^der katholischen Geistlichkeit. Ten National- libcralen würde ihre Stellung wesentlich erleichtert werden, wenn derjenige Orden, der neben rcsp. nach dem Kavuzinerordcn noch in Betracht kommen soll, gleich im Gesetz namentlich enthalten wäre. Nach den Erklärungen der Regierung könne er der Fassung der Vorlage nach den Ausschußbeschlüssen zustimmen. Er hoffe, daß damit der Friede wieder hcrgcstellt und aus lange Zeit erhalten bleiben wird. (Zustimmung.) Das Gleichgewicht in der Natur. Bon UniversitätSvrofestor Konrad Guenther. Es ist ein noch inrmer weitverbreiteter Fehler, von nützlichen und schädlichen Tieren in der freien Natur zu sprechen. Die Narnr ist einem Uhrwerk unendlicher Kompliziertheit zu vergleichen, in dem jede Tier- und Pilanzcnart ein besffmmtes Rädchen darstellt. Alle diese Rädchen greisen ineinander, und das Uhrwerk kann nur bestehen, wenn keines von ihnen herauSgenonnnen nstrd. Bor langen, langen 'Zeiten stellte auch der Mensch ein Rädchen in diesem Uhrwerk dar. Allmählich aber lernte er cS nicht nur, sich au» dem in steter Bewegung befindlichen Gerriebe beran-zu- heben, sondern auch, an dieses selbst ein,»greisen jund hier ein Stückchen dort ein anderes für sich zu verwerten. Je mehr Macht er über die Natur gewann, um so kräftiger konnte er sie zu seinen Gunsten re> ändern. Und er tat da:- denn -auch in ansgrebigem Matze. Pflanzen und Tiere, die er für sich verwenden konnte, nannte er nützlich, andere, die ihm cntgegcntratcn oder sich von seinen Schützlingen nährten, ivaren für ihn schädlich. Ersterc suchte er zu pflegen, letztere auszurotten. Wo ihm aber das gelang, wo er ganze Tierarten vernichtete, da entfernte er ein Rädchen aus dem Uhrwerk der Natur, und drcscs konnte nun nicht mehr in der alten normalen Weise ablaufcn. J.cx Mensch wunderte sich, daß plötzlich sckfäden hcroortraten an^lel- len die er scheinbar gar nicht berührt hatte. Erst rn unteren ü.agcn hat'er den Grund eingeschen. KeinTicr, kerne Pflanze steht IN der Natur unabhängig für sich allein da. Bon jedem Wesen lausen gewlsscrmasen mi'ichtbarc Fäden zu anderen Organismen hm, ,o daß auch diese getroffen und getötet werden, wenn man lenes Ein altes Bciiviel zeigt drasffich, aber treffend, wie Tiere und Bilanzen zusammen hängen, die scheinbar miteinander nichts zu tun haben ' Es ih irt Wenn in einem lDoric recht viel alte ^,ung,crn wohne», dann ietzt der Klee reichlicher -amen an. Tie sackic »er- f>a(t lief) nun jo. 32ic alle Viiunzfkn, io bUbct trudi öcr ftltc nur 1 Sven» der männliche Zeuaunqsstoff Pollen, Blutenstaub! au, die weibliche Emoiangnisstelle Narbe gcbrack, wird. Diefe Ueberlragung besorgen bei den Blmenpilanzen die zznfcktcn Für sie fchnden drc Blüten den stscttar oder Honig aus, den drc Insekten auslecken oder sammeln, wobei der Blüienstaub sich an ihrem Körper abstreist. Kommeir sie nun an die nächste Blüte, so strciscn ne wieder ihrcr- ,' n ,- een Blüienstaub an die fstarbe ab. lind die Befruch.ru iig der ^fihe tritt ein. Xer Mlcc wirb nun auslchlienlich burch Hummeln, befruchtet. Diese baue» ihre Nester in die Erde Hier ivcrdcn ne hänng von beit Mäusen gesunden, für drc sowohl der eingetragene ffonia als and» die Hummellarven eine beliebte Nahrung find. Die Mäuse haben zu Feinden die Katzen imd dieie werden am liebsten von allen Jungicrn gepflegt. Lv Ist der Ring geickloiicn. cmy viel alte Iunqicrn sind, es viele Kufren, bie Maßen l-alten hie Mäuse in 3dmd), diese vermögen nur wenig öummcLncitcr *u ierftüren, bie Hummeln vermehren lief) und können allen Klee be- fruöjtett, der nun ieinerseits Samen anfetzt. Als man IN 'Neuseeland anffng, Klee zu bauen, wunderte man sich, datz er dort zwar gut gek-ieh, aber kernen soomen hervorhrachtc. ES fehlten eben die Hummeln. Man führte diese Insekten ein und hatte denn auch alsbald den gewünschten Erfolg. Wir lömiten alle unsere Tiere und Pflanzen in derartige Reihen brmgen. die wir dann ihrerseits wieder verknüvien könmen. so daß am Ende alles znjanimenhingc. Und alle Glieder dieser Reihen halten sich gcgcnseing im Gleichgcwrcht. Vergrößert sich eine zu stark, so tritt in einer freien, gesunden Natur alSbald die Regulierung ein. Wenn z. B. ein besonders warmer und trockener Sommer die Mäuse einer Gegend zu starker Vermehrung bringt, so bemerkt man nach einiger Zeit, wie auch ihre Feinde zunehmeu, teils dadurch, daß sie bei der reichlichen Nahrung ihre Jungen bester durchbringen, teils durch Zuwanderung, Je mehr Füchse, Wiesel, Raubvögel und Eiilen nun über die Mäuse hersallen, um so ge- nnger wird deren Zahl werden. Ist die 'Nahrung aber wieder zu- sammengeschmoizen. dann vermindern sich auch die Feinde, sie vermehren sich nicht mehr so stark oder wandern ab. Die Mäuse erholen sich von neuem und vermehren sich ihrerseits, und so schwankt die Wage zwischen den Verfolgern und Verfolgten stickig aut und ab, ohne aber sc mit einer 'Schale den Boden zu berühren., Das Gleichgewicht bleibt erhalten. Man steht also, in einer gesunden Natur werden die Raubtiere niemals imstande sein, ilfre Beutetiere auszurotten. Tie Natur rechnet eben schon mit einem sehr starken ?lussall bei jedem Organismus, daher ihre ungeheure Ucbcrprodukiion. Würden die Vernichtungsgciahren sehlan, so würde fcdcS Tier in kürzerer oder längerer Zeit für sich allein die Erde übervülkern. Es leben aber Millionen von Tier- und Ptlanzcnarten auf unserem Planeten nebeneinander, und das ist nur dadurch möglich, daß. em.- Art die andere im Gleichgewicht hält, daß von jedem Tier, feder Pflanze unzählige zugrunde gehen. Nehmen wir an, ein Fuchspaar würfe in seinem Leben nur (i Junge im Wirklichkeit sind es jährlich 4—3 und diese vermehrten sich in derselben Weise weiter, so würde der Fuchsbcftand in lOJahrcn sich aut 118098 Stück vergrößert haben. Von diesen nrüsten also alle biS aus zwei vernichtet werden, damit daS Gleichgewicht zwischen den Füchsen und den anderen Tieren gewahrt bleibt. Wir beobachten denn auch, daß bei jedem Organismus Vcrmeh- rimg und Vernichtung so genau reguliert und auseinander eingestellt sind, daß das Resultat überall in gleick,er Weise herauS- kommt, nämlich, daß, jede Art in ihrer Zahl im Durchschnitt erhalten bleibt. Ter Adler und Lämmergeier, die in ihren Alpen - abgesehen vom Menschen — keine Feinde haben, ziehen nur ein oder zwei Junge jährlich auf. Ter wehrhafte Fuchs, der aber früher von den großen Raubvögeln, von Wolf und Bär zu leiden hatte, ivirft 4—5 Image, der Hase 8—10 jährlich und die vicl- verfolgic Braus gar 30. Weit größere Bernichtungsgefahren wie die Landtiere haben aber die des Wasser- auszusteheu. Tae Forelle in ihrem Bach ,at zwar noch verhälttaismäßig wenig Feinde, darum legt sie auch „ltur" 600 Eier, der ichwersälligc Karvien hingegen wird viel verfittgt, beionderS als Jungnich, und auch seine Eiep werden von allen möglichen Tieren geäreisen. Er würde auS- sterben. wenn er den Ausfall nicht durch seine starke Vermehrung (3 —700 000 Eier- wcttmachcn würde. Tic größten Bermehrungs'- zistern weifen die Eingeweidewürnicr auf. Ter Spulwurm bringt 64 Millionen, der !Bandwiirna gar 100 Millionen Eier hervor. Wie groß sind aber auch die Vcrnichtungsgesahren bei diesen Tieren, welch ein Zufall ist eS, wenn wieder einmal aus einem Ei ein gc- schlcckstSrciier Bandwurm wird. Ta mutz daS El auS dem Darme des Menschen, in dem der Bandwurm haust, auStreien. es muß aui die Wiese fallen, hier gerade zusällia vo» einem weidenden Rind bei einer anderen Art muß cs ein Schwein sein geäressen werden. Und dann wird das Ei er)t die „Finne", die in das Fleiicki deS Rinde- cindringt und sich in ihm verkapselt. Soll ans der Finne- der Bandwurm lief» entwickeln, dann muß da- Rind geschlachtei und sein Fleisch in rohem Zustande wieder von einem Menschen ge- gessen werden. To sind also auch die Raubtiere für die Natur unentbehrlich, denn ohne sie gäbe es kein Gleichgewicht. Und der Mensch tut sehr unrecht, wenn er sic auSrottct, in der Meinung, dem Wilde oder seinen Haustieren damit etwas Gutes zu tun. Tenn mich noch! einen anderen Nutzen haben die Raubtiere. Ihnen fällt zu allererst das schwächliche und kranke Wild zum Ovser, dadurch aber erhalten sie das andere gesund und bewahren es vor Ansteckung Weil unser „Raubzeug" so stark aüSgerottet wurde, darum mutz unter 'Wild w sehr an Krankheiten leiden. Vernünftige Jäger haben denn da- auch bereits eingesehen, ja man hat hie und da z, B. den Fuchs wieder eingebürgert, wo er bereits ausgcroltct war, weil das das einzigste Mittel war, den Hasenicuchen zu steuern. Die Amiloven Afrikas sind denn auch viel kroitvollcr. als unsere Hirsche und Reke, sic trotzen WiltermigScinslüssen besser und halten viel schwere lBerwundungen aus. Sie stehen eben unter der scharfen „Gesund- hcitSvolizei" der Löwen, Leoparden und anderer Raubtiere der freien Steppe, lind überall zeigt es sich, daß dort, wo viel Raubtiere sich aushalten, auch der reichste Wildbestand vorhanden ist. Am schwächlichsten und am meisten von Krankheiten gevlagt sind unsere Haustiere und ist der Mensch selbst. Tiefe sind aus dem Räderwerke der Natur herausqehaben und der ffiiche, ewig verfün- gende Strom der großen Allmntter trifft sie nicht mehr in vollem Maße. Aber auch der Mensch, seine Laustiere und feine Kultur- pslanzcn entstammen der Natur und können nur gesund bleiben, wenn auch für sie das Gleichgewicht wieder hergestellt wird. Besonders deutlich zeigt sich da- in unsern Wäldern, aus dein Felde und in den Weinbergen. Nur deshalb treten hier io oft große Schäden aus, weil die regulierenden Organismen fehlen. Keine Vögel sind mehr da. die die schädlichen Insekten im Gleickigewickst halten, denn es gibt für sie kein Gebüsch mehr und keine hohlen Bäume, in denen sie nisten können. Erft neuerdings hat man erkannf, wie wichtig ffir unsere Kulturen auch die ickieiubar wertlosen sträuchcr, Blumen und viele Tiere sind, und seil nran wieder dafür gesorgt hat, auck; in Wald und Feld der Namr eine» Platz zu gönnen, ist merkliche Besserung eingetrcten. Minister v Hombcrgk sMvcrki, uh wundere imh, daß gerade der Vorredner in meinen Wvrtim eine Erklärung vermißt, wie künfnghtn die Ordensgesetze gedandhabk inenden sollen, denn, so fuhr er Tort, er Hobe im Aus- Tcbuf; aiiodriicklich frflätt, hafi der langjährige Zustand der Duldung gescxwidrlgi'r Verhältnisse iür die Negierung geradezu unerträglich war. Es sei selbstverstanSlich, datz die Regierung noch Amiohme der Vorlage aus? schärfste ihr Aussichtsrecht ausüben werde Roch einer Pause führt Abg Ko r es I. Ingelheim (Fr. Bv aw-, er habe bei der Beratung des Antrags Dr. Schmitt nicht sugcgeu sein können, er würde aber dem Antrag zugcssimmt haben, weil er wollte, daß die ganze Frage einmal gründlich erörtert würde. Der Antrag hatte nur die formale Bedeutung, die Vorlage eines Gesetzes zu bewirken. Als am 5. Mai die Vorlage erschien, bestand wohl überall im Lande die dringliche Hoffnung, daß die Vorlage IN diesem weitgehenden Umfang nicht Gesetz werden würde Man erwartete, daß wenigstens das abgclehnt werden würde, was über die Regierungsvorlage hinaus durch die Anträge Schmitt im Ausschuß hincingekommen war. Den schärfsten Kampf gegen die Vorlage führte nicht der Evangelische Bund, sondern Blätter in Mainz und Tarmstadt Er habe lange vergebens auf Abäntcrungsanträgc gewartcl und erst, als nicmand damit kam, habe er sich zu seinen Anträgen als evangelischer Geistlicher für verpflichtet gehalten. Es komme bei der politischen Tätigkeit des Pfarrers daraui an, daß er einen Unterschied machen könne zwischen seiner scclsorgeriscken Auffassung und ferner Ueberzeugung von der politischen Notwendigkeit. Die Unsitte in der Kammer zur Behandlung der Lrdensfragc komme zum Teil daher, daß die ganze Materie den Meisten ziemlich srenrd ist und dann auch die Furcht vor einer Störung des religiösen Friedens; es feie» aber hier wohl auch politische und taktische Gründe mit maßgebend gewrten. Abg. Dl. Osann habe noch kürzlich in einer Versammlung zu Lllzcy der Regierung den Vorwurf gemacht, daß sie nicht kurz vor den Landtagswahicn diesen Zankapfel hätte unter die Parteien werfen sollen, gerat»,- in dem Moment, da sich die bürgerlichen Parteien anichickien, sich getzen die Sozialdemokratie zusammenzuschließen. Der Redner erklärt, er wolle für seine Anträge kern Lob, »erbicnc aber auch keinen Tadel dafür, wie er ihm vom „Mainzer Journal" zuteil werde. Er fei weder im Dienste des Oberkvnsistvriums, noch des Evangelischen Bunde?, dem er gar nicht angehöre. Aber er sage doch vor dem Lande, datz sich dieser durch die Belzrndlung der Lache ein großes Verdienst erworben habe. Der Grundsatz „Gleiches Recht für alle" iverde hier zu Unrecht angeführt. Es bestehe kein gleiches Recht für Heide Konsessione», die katholiirl>e Kirche werde vielfach bevorzugt, wie bei dem Mllitärdienst der Geistlichen und der Anwendung des 8 166 de? Strafgesetzbuches. Auch auf dem Gebiet der Schule werde die kath. Kirche bevorzugt, man könne die OrdcnSschulen» nicht mit andern privaten konsessionetlcn Schulen vergleichen. Tie überwiegende Mehrheit der evangelischen Bevölkerung sei entschieden für die gänzliche Ablehnung der Borlagc. Aber er wünsche von Herzen, daß ein dauernder konsessioneller Friede cm- lreieu möge, und deshalb versuche er, die Vorlage durch seine Anträge annehmbar zu machen. _Sir sollten einen Mittelweg, einen Ausgleich darstellen. Zum Schlüsse gibt der Redner noch eine nähere Erläuterung dieser .Anträge und empfiehlt deren Annahme. Abg. Lutz lBbd.l legt den Standpunkt seiner Partei dar und betont, fie sei einig darin, daß bei Zulassung neuer Orden immer die Zustimmung der Landslände ersorderlich sei. Nicht angenehm» war ihm die Erklärung aus Zentrum -kreisen, daß die Regierungsvorlage nur eine „Abschlagszahlung" sei. Auch wenn die Vorlage noch eine Einschränkung crsghren sollte, so hosse er doch, daß sich die katholische »Bevölkerung damit zusrieden erklären werde. Der Redner geht auf verschiedene Punkte der Vorlage noch näher ein. » Da noch sechs Redner zum Wort gemeldet sind, wird die Beratung nach 1 Uhr abgebrochen. Morgen früh 9 Uhr: Fortsetzung der Aussprache. Au» Hessen. — Abhilfe gegen die Schädlinge des Obstbaues Abg. Kore ll-Jngelheim richtete in der Zweiten Kammer an die Regierung die Anfrage, ob sie 1. bereit ist, zusammen mit der Landwirtschastskammer eine baldige Erhebung Wer den sehr große», Schaden zu veranlassen, den Raupen und andere Schädlinge in diesem Frühjahr an den Obstbäumen in Rheinhessen verursacht haben, und 2. in der Lage ist, Bestimmungen zu treffen, durch welche den oberen SelbstverwaltungSorganen die Befugnis erteilt wird, fiir einen Kreis oder Teile des Kreises allgemeine, durch die Wissenschast empsohlcne und in der Praxis erprobte Abwehrmaßregeln allgemeinverbindlich anzuordnen? — Einen Geländeerwerb für die Wein- und Obstvauschule Oppenheim schlägt die Großh. Regierung in einer Vorlage an die Zweite Kammer zur Genehmigung vor Bei der Wein- und Obstbauschule Oppenheim besteht seit langem ein Mangel an ausreichenden Räumen für die verschiedenen Zwecke des Unterrichts und des Wirtschaslsbetriebs, der sich mit der weitere,, Entwicklung der Anstalt immer empfindlicher fühlbar macht. Es ist nun Gelegenheit gegeben, das westlich an das Anstaltsgebäude grenzende, dem Johann Knöh zu Oppenheim gehörige Weinbergs- gelände, zusammen 1317 Quadratmeter, zum Preise von 16500 Mk. käuflich zu erwerben. Außer diesem Kaufpreis fordern die Verkäufer die Uebernahmc der Zahlung einer etwaigen Werlzuwachssteuer, die aus dieses Gelände entfällt. Durch den Ankauf dieses Grundstücks wäre cs möglich, den Bedarf an Räumen durch einen Anbau an bas jetzige Schulgebäude zu decken. Eine andere Möglichkeit, den Bau zu erweitern. besteht nicht. d. Main», 18. Juni. Der hessische Schutzverein für entlassene Gefangene hielt gestern nachmittag im KreiSamisgebäudc uMer dem Vorsitze des Herrn Geh. Rai Gencral- staaiSanwalt Tr. P r e t o r i u s ferne Hauptverjammlung ab. Der hessische Verein trägt amtlichen Charakter, es ist der einzige Verein in Deutschland, dessen Vorstand vom Troßherzog ernannt wird. Der Staat leistet dem Verein einen Zuschuß. Ohne die Hilse der Behörden wäre die LchutzvereinStätigkeit gar nicht auS- zirüben. Die Eütnahmen des Verein? sind seit dem Jahre 1882 von 1994 Mk. in 1913 auf 7124 Mk. durch die Mltgsiederbeslräge an- grwachsen. Die Zahl der Mitglieder beträgt 3108, davon entfallen allein aus Mainz ohne den Kreis 370. Der Verein hat eine eminent sozialvolitiichc Bedeuwng und muh cs Aufgabe Aller sein, seine Wirksamkeit nach jeder Richtung zu fördern. Die sozialpolitische Bedeutung liegt wesentlich auch darin, daß der Verein gegen da? Verbrechen arbeitet, den eiulasscnen Gefangenen hellend zur Seite! eh > nd ihnen n ieser Platzsin der wensch ichen Ge> fetlschait verschafft Die Pcrtonen, welche bis zu einem Monat Strafe erhalten, büßen diese in den Hasilokalcn und in den Pro- oinzialarresihäuscrn ab, die Männer, welche über einen Monat erhalten, kommen nach Butzbach in da? ZellengesängniS, die Frauen ins ProvinzialarreslhauS in M a i n z, die Männer und Frauen, welche Zuchthaus erhalten, kommen ins Landeszuchtkau? nach Marienschloß, dort wurde ein Anbau von 160 Zellen errichtet. Die Frauen sind von den Männern vollständig getrennt. Für jugendliche Männer ist in Butzbach eine besondere abgeschlossene Ab- teilung errichtet. Die iugendlichen Geiangenen Halen außerordentlich abgenommen. Als in Darmstadi das Gefängnis iür Fugend lichc gebaut wurde, lzat man 42 jugendliche Gesangrnc gehabt, heute ist in derZellenstrasanstalt tiur noch ein Jugendlicher. Das ist eine erfreuliche Tatsache. Das ist auf die Jugendgerichte zmückzuillhren. Eine außerordentliche Abnahme der Straftaten ist auch her den Frauen sestzustellen Im Zuchthaus waren früher 40 Frauen, heute nur noch 13. Im Mainzer Provinzial- arrffthaus über 60 und jetzt nur noch 30 Frauen. Ter Vorsitzende erstattete alsdann den Rechenschajtsbericht. Die Einnahmen betrugen 12400,77 Ult., tue Ausgaben 12181,91 Mk., darunter 8955 Mark fiir Unter st ützung entlassener Gefangene II. Das Vermögen des Vereins beträgt 56 866 Mk. Der Rechenschaftsbericht wurde gutgeheißen und der Voranschlag gcnehmsgt. Rach einer Führungsstatistik, die der Verein seit 3 Jahren führt, als einziger in Deutschland, haben sich von deit angenommenen Psleglltigen 80—86 Pro, gut geführt. Ten auötcheidende» Aus- schuptingtlictern, Herrn Direktor Borncmann vom Zuchthaus Maricnfchloß, der LUS dem Dienst ausschied, sowie dem in Pennon getretenen Gehcimrat Dr. B r e i d e r t, wurde der Tank des Vereins ausgesprochen. An Stelle des Herrn Aornemann trat der neue Direktor, der srühcre Herr Amtsrichter Tr. Stumps, für Herrn Breidert wurde Gchesmrat B e st in den Ausschuß neu- gewäbtt. Die ausscheidenden Ausichußmitgiieder, Gcheimrat^ Tr. Kavier . Worms. Oberbürgermeister Köhler - Worms. Ober- Landgcrichtsrat La n g - Tarmstadt, Prälat Dr. selbst-Mainz, LandgenchtSprätldent Theobald- Tarmstadt und Gehcimrat Tr. u s i II g e r - Gießen, wurden wiedergewähil. — Der Vorsitzende wies zum Schlutse der Tagung noch auf die große Lckwicrigketten hin, die aus den Strafanstalten entlassenen Kvpsarbeiler. Kaus- leutc und Beamte, unterzubringen. Tie Staatsregierung sei allerdings von ihrem früheren Standpunkt, keine Bcstrasten in den Staatsbetrieben aus zu nehmen, abgekommen, aber trotzdem sei es immer noch schwierig, die Leute alte unterzubringen. An der Aussprache hierzu beteiligten »ich die Herren Pfarrer B c r k c - Wclfcnau, Direktor K l e m e n t - Butzbach, Fabrikant B u d e r , Reallchrer Kraus, Pfarrer Bogt, Oherstoaisanwalt Hoilmann, Präsidcut Theobald und Pfarrer Ambohr Herr Gcheimrat B c st sprach unter dem Beifall der Versammelten dein Vorsitzenden für seine wirkungsvolic Tätigkeit herzlichen Tank aus. Ter Vorsitzende dankte für diese Anerkennung. Sr-orr-, Jubiläums-,Kvngres; VeS Internationalen Olympischen Komitees. Vorberatungen des Olympischen Komitees. Tie erste Kongreßsitzung. Am Montag wurde im seitlich geschmückten Saal der Sorbonne di- erste Sitzung des Internationalen Olymoiichen Kon- greises erössnei, bei der alle Nationen vertreten waren Auch das internationale Olympische Komitee war fast vollzählig versammelt. Ten Vorsitz führte statt des teider plötzlich erkrankten Baron de Eoubcrtin Fürst Windischgraetz, der Vertreter Oesterreichs. Nach der Eröffnung folgte eine herzliche Begrüßung durch den Rektor der Sorbonne, der auf das zwanzigjährige Jubiläum des Olympischen Gedankens hinwies. 1894 tagte in demselben Saale der Kongreß, zum ersten Male nach Wiedercriveckung der moderneu Olympischen Spiele. Ter Kongreß beschloß alsdann aut Vorschlag des Präsidenten folgende Vizepräsidenten zu wählen: Gehcimrat Horning »Deutschland», Macdonalb »England), Thonipson «Amerika) und de Clary (Frankreich). Die vorgelchlagcne Tagesordnung wurde ohne Widerspruch angenommen: sie beschäftigte sich zunächst mit allgemeinen Fragen, wie den Amateurbessimmungen, der Festsetzung per Altersgrenze ünd der Zulassung der Frauen Alsdann wurde über das spezielle Programm der'Spiele beraten. Montag na'chmitlag beginnt"dic eigentliche Beratung, an die sich eine kirchliche Feier in der Dasiliaue Dalntc Elonlde anichließt zum Gedächtnis der seit 1894 gestorbenen Mitglieder de? Olhmrischen Komitees. Am Abend gibt der Herzog von Tecazcs ein Fechterfest, an dem die Mitgileder des Kongresses teilnehmen werden. Zweite und dritte Kongreßsitzung: Die Nationaliiätensrage. Die zweite Sitzung des Olvmpischen Kongresses, die Montag- nachmrltog unter Leitung des wieder gesundeten Präsidenten Baron de Eoubersin in der Sorbonne stattiand. trat in die Beratung vrinzipicller Frage» ein. Dr. »Ruperti eröfsnetc die Aussprache, indem er dm deutichm Standpunkt vertrat, nach welchem die Tcrlnahmc der Damen am Schwimmm, Lawn Tennis und Turnen gestattet sein soll. Nach ansänglickrer Ovvosiiion zogen Schweden, südairila und Belgien ihre Anträge zugunsten Deutschlands zurück, so daß der Antrag Deutschlands mit großer Mehrheit ange- nommm wurde. Auch die Bewertung der Domenkämpse wurde dem Antrag des Herrn Generalsekretär Diem gemäß vom Kongreß autgeheißm. Von einer Festsetzung der Altersgrenze bei Jugendsichen wurde aus Vorschlag des Herrn Sanitälsrat Dr Toevlitz, des Vertreters der Deutschen Turncrschoit, abgesehen. Die Verantwortung in dieser Frage bleibt den einzelnen Landesverbänden überlassen. Nach Beendigung der Sitzung, die einen sehr angeregten Verlauf nahm, vereinigten sich die Mitglieder des Kongresses zu einer kirchlichen Feier in der Basiliauc Sainte Elotilde. wo eine Ge- dächmisseier für die verstorbenen Mitglieder des Olvmpischen Komitees und die Förderer der Olymviichen Idee stattsand. Abmds besuchte die dmische Abordnung unter Führung des Herrn Geheimrat Horning dm Pariser deutschen Turnverein und überreichte dem Verein eine Spende. Dir dritte Sitzung des Kongresses am Dienstag vormittag tagte abwechselnd unter Vorsitz dc§ Baron de Eoubcrtin und des Geheimrat Horning »Deutschland . Die deutsche Vertretung fand bisher stets großes Entgegenkommen für ihre Wünsche uni» immer eine Majorität. Vor allem wurde in der wichtigen Nasio- nasitäimsragc der deutsche Antrag ongmommm, nach dem entgegen dem bislzerigen Brauch nur politische Nationen als Einheit bei den Olyinvifchcn Spielen austreien können. Die von Deutschland hiersür vorgeschlagenm Nationen sind Aegypten, Argen- tinic», Australim, Belgien, Brasilien. Bulgarien, Chile, China, Deutschland, Tänemar!, Frankreich, Gricchmland, Bereinigte Königreiche Großbritannien, Holland, Irland, Italien, Japan, Kanada, Luxemburg, Mexiko, Norwegen, Oesterreich, Peru, Portugal, Rumänien, Rnsüand, Schweden. Schweiz, Serbien. Spanien, Süd- asrika, Türkei. Ungarn, Vereinigte Staaten von Nordamerika. Zu- lünssige politische Veränderungen sind in »Rücksicht zu ziehm. Nach diesem Beschluß können in Zukunft in Tschechen und Finnländer als gesonderte Gruppe nicht mehr austreten. Der Anttag erregte zwar hcstigc Auseinandersetzung, fand aber eine erhebliche Mehrheit zur großen Freude der österreichischen Vertreter. Einstimmig wurde der deutsche Antrag angenommen, daß nur Staatsangehörige als Naturalisierte einer Nation sür düse starten können. Wer einmal für eine Nation gestartet ist, darf bei späteren Olympischen Spielen kein anderes Land vertreten. In der Amateursragc zog Deutschland seine Desinition zu Gunsten englischer Wünsche zurück, ngch denen in allen SportS die jeweiligen Ämateurgcscfe der internationaim Bereinigungm gelten sollen. Wo solche fehlen, sollen bis 30. Juni nächsten JahreS besondere Veresnbarungm erfolgen. Tie Annahme dieses Antrages erfolgte einstimmig. , Timstag nachmittag werden die 20 Delegierten aller Länder vom Bürgermeister im RathauS emvfangen. Am Abend gibt Baron de Eoubersin im Automobilklub zu Ehren der Delegierten eine Festlichkeit. * -r. Ortenbcrg, 16. Juni Der Turnverein Gedern beging vom 13.—15. Juni bei außerordentlich starker Beteiligung das Fest seines 25jähngen Bestehens, verbunden mit dem Bezirksturncn des 3. Bezirks vom Gau Hessen. Der Turnverein Ortenbcrg beteiligte sich zahlreich an dieser Feier. Trotz scharfen Kampfes brachte da? Wetturnen am Sonntag dem hiesigen Verein schöne Erfolge. In der Oberstuse sielen ihm die drei ersten Preise zu, der erste Preis als Doppelprcis mit Gedern: in der Untefftuse erkämpfte ein noch nicht lljähriger Zögling den dritten Preis. Die Musterriegen schnitten vorzüglich ab. Mit 16 Ehrentaseln kehrten die Ortenberger heim. hätte beinahe ein kleines Kind eilten gefundenen Wurstbrocken gegessen. Angeklagt sind der in ganz Helfe» sehr bekannt« Haiguis- pachter Fritz Koch von Hosgul Hasselheck bei Nauheim und der stellenlose Bernhard Äteuernagei von illauheim. Es sind 31 Zeugen j» diesem Fudizleuprozeß geladen, ebeuso Tr. Popp» Franksurt und sei» Assistent, welch« die Huudemäge» untersucht haben. Handel. — Films im deutschen Außenhandel. Welche Bedeutung der Film in unserem Handel mit dem Auslande erlangt hat, geht daraus hervor, daß im Jahre 1912 iür 25,5 Millionen Mark und im Jahre 1913 für 33,7 Millionen Mark Films, unbelichtet oder belichtet, au? Zellhorn oder ähnlichen Stoffen, e,n- und ausgcsührt worden sind. Aus die Einfuhr und AuSsuhr entsallen solgendc Werte »Millionen?Rark>: Emsuhi Ausfuhr 1912 17,9 7,6 1913 18,7 15,0 Januar hrS Avril 1914 6,8 4,1 Tie meisten eingesührten Films kommen aus England und Frankreich. Im Jahre 1913 wurden 248 200 Kilogramm eiiigesührt und verzollt Da Filins wie Zellhoruivaren zu 2 Mark sür 1 Kilogramm verzollt wcrvcn, »o wurden 496,400 »Rark Zoll erhoben. Bei einem Einfuhrwerte von 18.7 Millione» Mark lind das nur 2,6 Prozent ad val., ein lächcrlickl niedriger Zoll 'Warmn Itziben wir nicht, wie andere Länder, in unterem Zolltarif ciiieii »^wtzoll für derartige Waren? Bei einem Wertzoll VS» mir 10 Prozent hätte da? »Reim schon eine Zolleinnaliinc von fast 2 Millionen Mark gehabt. In der AuSi'uhr bandelt es sich lzaupffächlich um die Versendung von deutschen FilmS nach Frankreich, Italien, Amerika, Rußland. Ocsterreich-Ungarn, Englaiid, Schweiz ufw. Die Ausfuhr ist nicht nur dem Werte, sondern auch der Mcngg nach geringer als die Einsuhr. Außergewöhnlich gering war die Ausfuhr im Monat Avnt d. I , in welchem nur 1000 Kilogramm im Werte von 37 000 Mark aiisgcfülrrt wurden, während IN demselben Moimt die Einsuhr 22100 Ktlogranim IM Weria von 1658 000 Mark betragen hat. Gcrichtrsaal. = B ad - N au h e i m, 18. Juni. Heute findet vor dem Schösseu- gericht eiu Prozeß statt, der seit Jahr und Tag die Gemüter ausregt und die ganz« Wetterau und Hessen interessiert. Seil einigen Jahren find beständig wertvolle Hunde, namentlich Jagdhunde, durch sileischbrocken, welche Strychnin euihielten, vergütet worden. So im letzten Jahre allein II wertvolle Hunde. In einem Falle MSrNe. h. Hohensolms, 17 Juni Am gestrigen TieiiStaq wurde der sagengnulc „Hoheulolmsec W o l l,» a r k ü abgehallsn, der aber beule »ich, mehr als solcher gilt. Uebcrhnupt sind nusere beide» Mark,« ai>ch als Viehmärkte sehr zurückgegaugeii, es iverden höchstent noch Schweine nuigeiriebe». HoheuIolinL verbindet mit dem Woll- »inrkl sein Kirchweihiest. kc. Franksiirt a. M. V l e h b o s m a r k t b e r l ch t vom 18. Juni. Auftrieb: Rinder IIS. Orhse» 54, Bullen 5, Kühe und Färsen 59, Kälber 935, Scöaie 124, Schweine 1131. Tendenz: Kälber gedrückt, Schweine gedrückt, bleibt Ueberstaud Preis sür 109 Pid- llebeud- Schlacht-, gewicht halber. Mk. Mk. ^einlte Mastkälber . . ........ - 62 96—103 Mittlers Malt* uro best; Saugkälber. . . . £>0-54 65—92 Geringere Mast' und q t:; SaujCitbss . . . 46-50 78—85 Geringere Saugkälber......... 40—45 68—76 •S rij a * \ 6ioßmaftic6a«e: Masllämmer rmo jüngere Mast'rrm'nrl _ - 41 42 90 -22 Acltere Mastbiiinmel, put genährte junge Schafe und geringere Dtastlämmec...... 34-35 5:2-84 Schwein;. ^ollfleischige Schweins von80—100 Lebendgewicht ........ 44.0V-47.00 57,00—5903 Dollfleifchigs Schweins unter 30 k* Lebendgenncht........ 430)-45.00 55.00—58.» vollfleischtgs Schweins von 100—120 k; Lebendgewicht........ 40.00—45.00 50,00—55 » VoUftetschige Schweins von 120 —150 c, Lebendgewicht .......41.00—45.00 50.00—55.00 Lingcsanvt. (Für Form und Inhalt oller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmi die Redaktion dem Publikum gegenüber keincr'-i Verantwortung.) Gießen, 18. Juni. Sei! eunger Zeit treibt sich in der Molikestraßc gegen DunkelivWarn eine Schar junger Leute mit lautem Gelächter und Gekreisch umher. Kommt man ihnen näher, so sieht man mit Verwunderung, daß die sich so auffällig Betragenden sich selber zu den gebildeten Ständen rechnen wurden. Gieße», 18. Juni. Aul der untere» Franksurter Ssiaße vertreibt sich ein Schüler des Realgymnasiums die Zeit damit, vorübergehende ihm als Objekt zusagende junge Tomen zum Fenster heraus zu vhotogravhicrcn, nackiüem er vorher von einer Berand» aus die Straße auswärts und abwärts abqespäht hat. Es dürste nicht gerade jedermanns Liebhaberei sein, sich anschließend im Kabi- rtctt „entwickeln" zu lassen, aucki scheint dem jungen Manne nichts vom Recht jedes Mcnschciv auf sein eignes Bild bekannt zu sein. Ließe sich der llnsug nicht adstellen? VicinuS. ALirchüche Nachrichten. Irraeiitischr Rettgionsgemeinde. Gottesdiinst in der Synagage (Süd-Anlage), S a m s t a g. d e >r 20. Juni 191t: ?orab eit5 7.45 Uhe. Morgeus: 8.39 Uhr. Predigt. Nachmittags: 4.00 Ukir. Labbatausgang: 6.40 Uhr. Jrraefitischc Reliaionrgescllschafl. ©ottesöicnft. Sabbat leier am 20. Juni 1311: Freitag abend 8.00 Uhr. Samstaa vormittag 8.00 llhr. Predigt. Samstag »achinlttag 4.00 llhr. Sabbat-Htusganq 9.40 Uhr. Wochengottesdienst: Morgens 0.00. abend; 7.30 Uhr. Müllcrsche Badeanstalt. 2V « t c r w Ä r in * bet 2 a b 't mit 18. Juni 14' R. Meteorologische Beobachtungen der Sta ion Stehen. Juni u %% y=> = % 1911 ■T* 1" i 2 = esr* Wetter 748.1 16,8 9,5 67 W 10 17.[9" 748,3 140 90 75 NW 9 10 18, '< *• 748,4 143 10.2 84 WSW 2 10 Niederschlag 0,1 nun. Verantwortlich sür „Aus Stadt und Land" i( B.: K. Neurath. Best bewährte gesunde und magen darmkranke Nahrung für: sowie schwächliche, in der tnhvlcklung A zurückgebliebene t- hirider.