Nr. 1 ZY Der «tetzener Anzeiger erscheint täglich, antzer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich Sietzenrr^WiNienbiötteri zweimal wöch<-i>il.«rttr- »iattlürsen LreiLEieien lDtensrag imdFrttiaal; zweim«! inonakl. Laus- wtrpchaftlicheöcitlragen Ferasi-eech - Anschläge: lür tue Redaktion US, Verlag n. Expedit«» LI Adeeste lür Deoeichen: «»j erg er Tietzrn. Annahme von Anzeqcn Iür die Tagesxummer dis vormittags S Uhr. Erstes Blatt m. Jahrgang ietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Mittwoch, > 7 . Zuni »tzll Be,» gSprel»: monatlich TöPsi, vierteljährlich Mk. 2L0: durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich Kb Ps.: durch diePost Mt. 2.— viertel» jährl. ausschl. Beslellg. Zeilenpreis: lokal ILPs, auswärts 20 Psenniq. Chefredakteur: AGoetz. Verantwortlich für den polit. Teil: Aug. Goetz; für .Feuilleton', .Vermischtes' und.Eerichts- jaal": Karl Neurath; _ w für .Stadt und Land": Bototfon sftnid miö Verlag der vrühl'schen Unio.-Vuch- und Steindruckerei kl. Lange. Nedaktion, Lrpedition und Druckerei: Schulftrahe 7. Anjcig^tell? H? B-L Me heutige Nummer umfaht 10 Seiten. Das unterhöhlte Paris. „Wr leben auf einem, wie von Maulwürfen untcrhöhl- ten Boden", so äußerte der Präfekt des Seine-Departements Telawech, als mau ihn fragte, wie es denn möglich sei, daß in Poris am hellichten Tage, wenn auch bei ernem Unwetter, eine Autoüroschke zehn Meter tief wegsinkcn kann, daß an drei verschiedenen Plätzen der fränkischen Hauptstadt Erdfenksngen austretcn, wie man sie nur bei welterschüt- icrnden Erdbeben zu lesen gewohnt ist. Delaney macht fiir die Pariser Wetterkatastrophe in erster Linie das OKtoirr von .Kanalisationsrohren, Gasleitnngsrohrcn und Druck- lnftrohren vermriwortlich, das in den Boden eingebaut ist, auf dem dreieinhalb Millionen Pariser umherwimmelir Aber wer der eigentliche Schuldige ist, geht aus' den Acnßr- rungrn des Oberrngenicurs der Pariser Untergrundbahn Bien venu hervor, der ebenfalls auf Anfrage sein Gutachten abgab: Eben die Mrtropolitaine, die gute böse Untergrund! Gerade unter jener Stelle, an der die größte Erdjenkung sich ereignete, befindet sich der Tunnel der im Bau befindlichen neuen Linie der städtischen Untergrimd- Iwhu, die voin Opernhaus nach der Porte de Saint Clou führt. Aber auch an den anderen Unglücksstätten bat zweifellos die Unterwühlung durch die unterirdische Bahn zu den erschreckenden Bodensenkungen beigetragen. Paris, das in manchen Dingen, die man im Ausland nicht ahnt, nicht an der Spitz« marschiert, steht mit der Ausdehnung und kühnen Technik seiner Untergrundbahnen an unbestritten erster Stelle. Welch gewaltige Arbeit da von den sran- zöjischen Ingenieuren geleistet wurde, welche Summe von Intelligenz und Energie notwendig war, um dieses Riesenwerk anszuführen, ist wohl schon manchesmal geschildert loordcn. Aber von den Gefahren, die dieses unterirdische Verkehrsmittel für die oberirdische Verkehrssicherheit her- beisühren kann und schon wiederholt herbeigeführt hat, ist fast nie die Rede. Erinnert man sich noch der Hochwasserkatastrophe des Jahres 1910? Auch dennals spielten die Untergrundbahnen eine unheimliche Roste, und die sach- männische Untersuchung, die dann ziemlich geheim gehalten wurde, schreibt ihnen die .Hauptschuld an der Verbreitung der IlLberschtvrmmungen mid an der Bodcnlockerung zu . Pie drei besonders gefährdeten Bahnlinien sind die Nordsüdbahn, die unterirdische Strecke der Westbahn, die vom Jnvalidenbahnhof ausgeht, sowie die Strecke der Orlcansbahn, die auf dem Bahnhof Quai d'Orsay entspringt.'Die letztgenannte Strecke z. B. liegt unter der Seineuserstraße und und besitzt große Fensteröffnungen nach dem Strome hin. Dort drang damals das Wasser ein und überschwemmte die ganze Bahn mit den Bahnhöfen teilweise bis zu 7 Meter höhe, durchbrach schließlich die Tunnelmauern und überflutete die benachbarten Straßen. Durch Vermittlung der Nordsüdbahn wurde sogar der Stadtteil am Bahnhof Saint Lazare, der üöer 1 Kilometer weit von der Seine abliegt, unter Wasser gesetzt. Diese Ueberschwemmung ist diesmal nur deshalb nicht eingetretcn, weil die Seine noch nicht so hoch wie damals anschwoll. Aber die Wassermassen, die diesmal mit furchtbarer Gewalt von oben aus den unterhöhlten Boden der Stadt Paris eindrangen, haben eine neue, nicht mindev schwere Gefahr ausgeüeckt: Im Pariser Untergrund befinden sich nämlich Steinbrüche zur Gewinnung von Kalk und Gips, die in früheren Jahrhunderten angelegt, dann mit der Zeit verlassen wurden und zum Teil verfielen. Besonders auf dem Südring des Metro liegen solche alten, schlecht ausgefülltcn Steinbrüche mit leeren Räumen, sogenannlen „Glocken", die durch Verwaschungen hervorgcrusc» waren und bisweilen eine höhe von nahezu 17 Metern erreichten. Beim Bau der Stadtbahn süllle inan diese „Glocken" »ach allen Regeln der modernen Technik aus, aber seit dem Beginn des Baues im Jahre 1898 haben sich doch wieder Senkungen und Rutschungen ergeben, die bei außerordentlichen Witterungsverhältnissen zu Katastrophen führen. Aber auch ganz abgesehen von diesen aufgefüllten Höhlungen ist ja ganz Paris durch seine unlerirdischen Bahnen derart unlcrwühlt und unterhöhlt, daß alle Loblieder auf die Zuverlässigkeit der modernen Tiefbautechnik die Angst und den Argwohn nicht zerstreuen können. Neun Millionen Kubikmeter Erdmasse, d. h. etwa die volle Ladung von 900 großen Ozcandan pfecn, sind bis jetzt unter dem Niveau der Stadl Paris hcrausgeholt worden. Wollte man diese Erdmassen, zu Steinen gebacken, in Pyramidenform ausschichten, so wäre die höchste ägyptische Pyramide noch um */io ihrer Größe überragt. Und nun denke man sich, daß der Pariser Metro sich nicht nur neunmal mit anderen Linien und siebenmal mit der Seine kreuzt, sondern daß auch die Riesennetze der Wasserlcitungsrohre, der Gasröhren und der elettrischen Leitungsdrähte damit konkurrieren und kollidieren, und man hat das atemraubendo Gesamtbild eines Vulkans, auf dem' der Pariser tanzt. Wie ist diesem ärmsten aller Weltstädter zu Helsen? Der Seine- präsekt Herr Dclaney sagt: Indem man die viel zu enge und schwere Bebauung der Stadt erleichtert, die Fortisikationcn beseitigt, das Zenlrum entlastet und aus diese Weise den Parisern Ramn und größere Sicherheit gibt. Andere Riesenstädte werden sich an Paris ein Beispiel nehmen müssen. Paris, 17. Juni. Infolge der letzten Unwetter bildete sich ein 5 Quadratmeter großes Loch von zwei Metern Tiefe ans der Place de Jena über den ArbcitenzurUntergrundbahn. Zwei andere Erdeinstürze wmrden an der Wegekrenzung der Glnck-Halevy- straßc und an der Place de Rome festgestcllt. Die technischen Beamten versichern, daß keinerlei Gefahr bestehe. Erfolgreiches vebut Vivianis. So gründlich das Eintagsministcrium Ribot in der Kammer dnrchsicl — so großen Erfolg hat gestern das neue Kabinett Viviani gehabt. Dem neizen Ministerium ist von her Kammer das Vertrauen mit einer Meyrheit von 233 Stimmen ausgesprochen worden. Nach lebhafter Aussprache wurde die folgende von Breton Treygnier und Genossen im Namen der Radikalen, der republikanischen Sozialisten und der übrigen linksrevnblikanischen Gruppe eingebrachte Tagesordnung „Die Kammer spricht der Regierung das Vertrauen aus, in der »eberzeugung, daß diese aus der Einheit der Republikaner beruhende Politik der Reform betätigt und sich aus eine ausschließlich republikanische Mehrheit stützen wird" mit 370 gegen 137 Stimmen angenommen. at und die Sympathie der zwei vereinigten und dem Frieden ergebenen Völker besitzt. Wir werden das vollkommene Einvernehmen sottsetzcn, das uns mit einer großen benachbarten Macht verbindet und das in ostentativer Weise bei dem Besuche des englischen Königspaares in Paris von neuem geweiht worden ist. Wir werden unsere guten Beziehungen mit hm übrigen Regierungen sottsetzcn. Frankreich zieht aber seine Macht nicht allein aus dieser Allianz und diesem Einvernehmen, sowie aus diesen guten Beziehungen, sondern aus sich selbst. Das Parlament hat am 7. August 1913 ein Gesetz beschlossen über die Verlängerung der Militärdien st - zeit. Die Verhandlungen darüber waren heiß und lang. Aber das Gesetz ist angenommen ivordcn. Es genügt jedoch nicht sür sich allein zur Sicherung der »alionaltti Verteidigung. Tie Regierung wird in kurzer Zeit eine Reibe von Gesetzentwürfen einbringen, deren wichtigste sich ans die militärische Vorbereitung der Jugend und aus die Neuorganisation der Reserven bezieht. Erst wenn diese Gesetzentwürfe vom Parlament angenommen und in der Praxis durchgesührt sein werden, erst toenn ihre Anwendung ihre Nützlichkeit ergeben hat, wird die Regierung unter Berücksichtigung der gewonnenen Erfahrungen und der Notwendigkeit der nationalen Verteidigung eine teilweise Erleichterung der Militärlasten Vorschlägen können. Bis dahin wird die Regierung sich unter der Kontrolle des Parlaments aus eine strenge und loyale Anwendung des Gesetzes beschränken. Vie Verteidigung von Durazzo. Wien, 16. Juni. (W. B.) Nach einem gestern abend in Durazzo aufgegcbcnen Telegramm wurden die Ansständi- schcn auf der ganzen Linie'geschlagen und erlitten ungeheure Verluste. Ter österreichische Admiral landete zum Schutze der deutschen Gesandtschaft und des Hauses dcS Internationalen sKontrollausschusses Matrosen. Durazzo, 16, Juni. (Durch Funkspruch von _ dem csterreichisch-ungarischen Kreuzer „Szigeivar".) Der gestrige Kampf begann, wie ergänzend gemeldet wird, damit, daß starke Abteilungen der Mfständischen die Vorposten bei der 10 Kilometer nördlich gelegenen Porta Romana und bei der drei Kilometer entfernten Brücke überrumpelten und bis nahe an die Stadt vordrangen, wo ihnen Gendarmen, Mirditen und Malissoren entgegentraten. Hier begann der Gewehrkampf um 4.45 Uhr, in dessen Verlauf durch ein gut genährtes wirksames Gcschützfcuer der Regicrnngs- truppen die Aufständischen gegen die Hü.-'^l- kette zurückdrängten. DerFürst ritt die ganze Feuerlinie ab. Die Verluste beider Parteien sind groß, besonders die den Ausständischen durch das Geschützfeuer zugefügten. Ergänzend wird noch über die Kämpfe vom Montag gemeldet: Der erste Angriff erfolgte aus der ganzen Linie längs der Sümpfe. Oberst Thomson ließ sosort die Vett'chanzungen besetzen und das Geschlissener eröfsnen. Um 5 Uhr morgens überschritten die Aufständischen die Brücke über die Lagune und grissen die Stadt gleichzeitig von den Hügeln her an, welche sie vssenbar schon des Nachts besetzt hatten. Um 5.45 Uhr begab sich der Fürst in Begleitung des Hosmarschalls v. Trotha, Ehrem Beys und Libohows zu Pserde nach der Kaserne, in weicher gerade die lettzcn Malissoren sich zum -Kampfe rüsteten, und dann zur Geschützstellung am Rande der Stadt, wo er die letzte Vetteidigungslinie vorbcreittte. Als Der iünftliche Schachspieler. Es blieb dem Genie eines spanischen Ingenieurs Vorbehalten, ein Wunderwerk raffiniert ausgeklügelter Technik zu schassen, rcric wir es in dem automatischen Schachspieler des Madrider Er- sindcrs L. Torres y Qucvedv vor uns sehen. Der stolze Romane mit dem klangvollen Namen ist keineswegs ein armer unpraktischer Phantast, wie leider so viele „Grübler von Geistesgnaden", sondern eine auch im Auslände wohlbekannte Persönlichkeit des öffentlichen Lebens, Direktor des berühmten „Automatischen Laboratoriums in Madttd und Mitalicd der spaniscknm Akademie der Wiyemckmsien. Torräs n Qnevedo lenkte zuerst vor dreißig Jahren die Blicke der wissenschostlichen Wett und besonders der Mathematiker an, sich, als er eine höchst ingeniöse Maschine konstruierle. die algcbranche Gleichungen automaiisch löste: wer sich aus seinen Pennater- fahren den verzwickten Formeln dieser „math-ematnchm Ungeheuer erinnert, wird gebührend zu schaden wwen. welchen Aufwand an Scharfsinn eine derartige Erfindung vcttangt. Ucbcr die Erfindung des „künstlichen Schach,pitters berMcn wir Ner auf Grund einer ansschenerregenden wissen,chasitichen Konferenz, die unlängst in der Pariser Sorbonne stattnmd und zu der von dem Ersinder selbst eine detaillierte Beichrclbung und Erklärung des ausgestellten Apvarates gesandt Warden war. ver außerordentlich komplizierte Automat zeigt ein Schachbrett mit den üblichen Figuren. Sobald man auf der emen Seite, ,agcn Nur , B. mit dem weißen König, eine regelrechte Kampagne crotwet, antwortet der Auwmat auf jeden Zug mit einem enyvrechenden Gcgenzug der schwarzen Figuren. Noch mehr! Verletzt der Pattner ttne Spielregel (und diese sind, wie ,eder «ckmchsvicler weiß, nickt gerade sehr einiachi, so protestiert der Gegner all,»gleich, indem er eine elektrische Lampe anzündei und ,ttne Figuren un- beweglich stehen läßt. War im Gegenteil der Zug dem «chachcode Gnform ° erfolgt sosort die Antwort Es kommt aber noch beffe? Ö°t man im Laufe des Spiels drei falsche Zuge cwtan ch erbebt der Automat einen „Generalprotest" d. h. « „nnrd bose- und Vielt überhaupt nicht mehr: man mag seme eigenen Figuren GGe bewegen, wie man will - der kunnl.che Schach,v>eltt uns m-mmüber bleibt stumm. Es bedatt einer bewnderen. durch eine Gereiche Mechanik vermittelten Einladung um deu.Verrn Partner ^ S Partie zu veranlassen. Sobald diese „Einladung" übermittelt ist, siebt t*r Wackere seine im Kampffelde ,lebenden ^mnen zurück. löscht die „Protestlampen" aus und begwn auis neue.^Unsertti Spiclzügen seine stets korrekten Gegenkombmatwnen lum^erstenmal Piescn Apparat, der einem -wangs gar Mrfmmt spielen sieht, kommt mrt Recht aus dem Ä ' Indes begreift man bei einigem Nack- D«6 ta'suwintt keineswegs mit Hilfe unbekannter und lunkontrollierbarcr „Hexenkünste" arbeitet (oder daß gar Schwindel im Spiele sei, wie bebaupttt worden ist!), sondern daß er seine verblüffenden „Fähigkeiten" einzig und allein der konseanenten. zugegeben rafffniert angestellten Durchführung technischer Kunst- gttsfe verdankt. Der Ersinder selbst hat ihn als Musterbeispiel gebaut für die von ihm vettrctene These, daß in weit höherem Maße, als es heute gemeinhin angenommen wirb, die menschliche Denkarbeit durch billiger und unfehlbar arbeitende automatische Maschinen ersetzt werden könne. vergiftete väume. In den Straßen der Stadt findet man zuweilen Bäume, die nicht recht gedeihen wollen, während ihre Nachbarn gesund grünen, ohne daß in ihren Lebensbedingungen ein Unterschied zu erkennen wäre. Ojsenbar sind sie krank, und wenn man siebt, daß die Blätter nicht die richtige Größe erreicht haben, nach den Rändern zu bräunlich vcnärbt und am Rande vettrocknct sind, kann man mit ziemlicher Sicherheit annehmen, daß diese Bäume vergisttt sind. Um was sür eine Bergistung handelt es sich dabei? Daß böswillig qii't- sige Chemikalien aus den Nährboden dieser Bäume gebracht sind, ist kaum anzunehmen, und der Uebeltäter ist in Wahrhttt last immer die Gasleitung. Paul Ehrenberg hat süngst über bie Gasvergiftung bei den Bäumen der Straße Untesiuchungen angestellt, und deren Ergebnisse teilt die „Naturwisscnschattlichc Wochenschrift" letzt mit. Am Boden bemerkl man gewöhnlich keinen frischen Gasgeruch: entnimmt Man der Erde bei den vergisteten Bäumen icdoch eine Probe und bewahrt diese längere Zeit in einem dicht geschlossenen Gtas- gesäße aus, so bemerkt man schließlich einen schatten Geruch, der an Leuchtgas cttnnert. Die chemische Untersuckmng der Erdproben sührt dann den Bewtts dafür, daß es sich wirklich um Gasvergiftung bandelt. Ebrenberg hat maffenhaftes Eiscnorvdul in den Erdproben sestgestellt: es mußten also im Boden Redut- IwnSvorgänge stattgesunden haben, ein Zttchen, daß seine Beschaffenheit sür das Wachstum ungünssig war. Für Lenchtgas- vergiltung sprach außerdem der Umstand, daß Schweselvcrbin- dungcn im Boden auftraten: doch sonnten tiiefc auch ans den Ka- nallsationsleitungen stammen. Daß aber die Schädigung wirNich durch Leuchtgas verursacht war, bewies der Nachwtts von Acetylen im Boden, der Ehrenberg gelungen ist. Im Leuchtgase smdet sich dieses Gas allerdings nur in sehr gettnger Menge (0,06 Proz.), doch lassen sich durch sttne rote Kupferverbindung geringe Spuren Nachweisen iangcblich bis zu 0,005 mg). Man übergießt dazu die Erdvrobe mit konzentrierter Kochsalzlösung, verjagt das Azttylen durch langsames Erhitzen, NN» treibt es in eine Vorlage, die Mit ammoiiiakali,cher Kupserchlorürlösung beschickt ist oder durch ttnen Wattebausch, der mit der Kupscrlösung getränkt ist: dann särbt sich die Watte durch die Reaktion rot. :Bc, den Untersuchungen an vergisteten Bäumen in der Theatettttaße in Hannover wurde die durch die chemische Bodenuntersuchung ermittelte Gasvergiftung dadurch bestärigt, daß eine schadhafte Stelle an der Gas- ltttung entdeckt wurde. Dabei zeigte sich, daß nicht nur Gas- Itttungen, die in nächster Nähe der Baumwurzeln liegen, sür die Bäume gejährlich werden können: in dem untersuchten Falle lag vielmehr die Rohrleitung in der Mitte der Straße unter dem Fckhrdamm, und das Gas, das durch die dichte Straßendecke nicht hatte entweichen können, hatte sich seitlich ausgebrtttet und daber die Wurzeln der zunächst stehenden Bäume erreicht, um dann durch die Erdscheiben der Bäume und das neben diesen bttindliche Klcin- pslaster nach außen zu gelangen. Die Schädigung der „Vergit- tung" düttte aus verschiedenen, znsammenwirkenden Ursachen beruhen: außer der echten Gistwirkung des Kohlenoxyds, des Aethy- lcns und des Azetylens kommt auch die Entziehung des Sauer- stojscs uick die Unterdrückung des nützlichen Bakterienlebens in Frage. — Menschenrassen des Niltals. Ans Frank- surt a. M., 16. Juni, wird uns geschtteben: Gelegenheit zu belehrenden Beobachtungen wollte Carl Marauardt geben, als er Bertttter aller das NUtal bewohnenden Menschenrassen nach Deutschland brachte. Noch niemals vorher ist in dieser Weise an lebenden Menschen der Beweis erbracht worden, wie der Bcherrschrr der Welt in Gestalt und Hautfarbe eine Veränderung durchmacht, je näher dem Aeauator er seinen Wohnsitz ausschlägt. Allerdings bedurfte es des Einslusscs vieler Jahrtausende, um das Ergebnis zu »eiligen, das uns in der Gegenwart oorliegt. Selbst dem Gelehrten, der jene fernen Gegenden zum Gebitte sttner Studien sich erwählt, ist eine so umsassende Gelegenhttt zu Beobachtungen nicht geboten, denn immer nur an einzelnen Otten hat er sttn Stichienmaterial vor sich, während es sich hier gesammelt aus einen Blick dem Beschauer darbietet. Aehnclt die uns von den Wandmalereien der alten Egypter her bekannte Gestalt der Fellachen noch sehr der der europäischen Menschenrassen und finden wir unter den Bischattn noch manche geradezu prächtig gebaute Gestalt, btt der nur der schwach entwickelte llnterarm und die dünne Wade weniger angenehm auffällsi so erinnert die Figur der Dinkaneger geradezu an gewisse, sumpfige Gegenden bewohnende Stelzvögel, mit denen sie den langen Hals, die dünnen Beine und den gemttsrnen, stelzenartigen Gang gemeinsam haben. Wie diese Vögel, so stehen auch die Dinka häufig längere Zttt aus einem Bttn, aus das sic das andere im Winkel anlchnen. HD&erft I h-v m f o » um 6 Uhr gefallen war, übernahm Major Rät, sein« das Kommando der Stadt. Um 8 Uhr wurde ein italienisches Torpedoboot zur Erkundung dcS Feindes abgesandt. Es snbr bis Capopali. Der Kommandant des Tor. vedobootes berichtet, daß die Ausständischen in großer Zahl die Höhen zunächst der Stadt besetz! hielten. Der Angriss smoodl von der Seite des Meeres wie auch von der Seite des Gebirges wurde nun lebhastcr. Die Kugeln flogen bis zu de» Landungzstcllcn. Um halb neun Uhr wich-rn die Aufständischen vor dem gut geleiteten Geschützseucr zurück. Italienische und üsirrrciehisch-unga- rische Matrosen schassten die Berioundeten zurülk, zioer italienische Verbandsplätze wurden bei dem fürstlichen Konak errichtet. Dann gingen zwei italienische Torpedoboote nach San Giovanni, um die dort befindlichen Malilsoren zur Verstärkung heranzuholen. Tie Aufständischen erneuerten öen ganzen Tag über ihre Angriffe, sowohl rom Gebirge her als auch von den Sümpfen. Ber Einbruch der Nach! schien das Feuer nachzulassen. Aus den Beffckxrnzungcn waren Scheinwerfer ausgestellt, um die Aluv.-Hr von Nachtangriffen zu erleichtern. Auf den Äugeln längst der Küste sah man Gruppen von Aufftändischen, die nochmals ein schwaches Gcwehr- gcsechi sühnen, nnffcherncnd, um die Verteidiger nicht zur Ruhe kominen zu lassen. Die Zahl der cingebrachlcn Verwundeten beträgt etwa 100, die der Toten 20. Die Leiche des Obersten Thompson wurde nach dem Palast des Fürsten gebracht. Die Rebellen zogen sich um 8 Uhr morgens zurück. Man führt jden Rückzug aus die Ankunst von Verstärkungen zurück, bie_ zu Wasser und zu Lande eintrafen und bereits die Stadt Kroja besetzt haben sollen, welche die Ausständischen ohne Garnison lieben. Die Haltung des F'rstcn. „Givrnale d'Jtalia" ocröfientllchl eine Zuschrift aus Durazzo über die gestrigen Ereigitisse, in der die tapfere und kaltblütige Haltung des Fürsten hervorgchobcn wird. Dieser bewahre als guter deutscher Soldat immer seine gelassene Haltung und betrachte die Lage mit der größten Kaltlütigkcit Die Fürsffn Sofie pflege die Verwundeten aui einem Verbandsplätze in der Nähe des Palastes. Die kleinen Prinzen und das gesamte Zivilund Miliiärversonal des Hvses seien immer im Palast, nff vollkommen Rübe herrscht. Gegen Mittag habe der Fürst die Verteidigungslinie besichtigt. Er seit dort einige Zeit geblieben und habe sich lebhaft für alle Vorgänge des Kampfes interessiert. Die holländische Milwirkung. Haag, 16. Juni. Die Königin empfing den Major der albanesischen Gendarmerie, Sluys, um von ihm Einzelheiten über die Schwierigkeiten zu erfahren, denen die holländischen Offiziere in Albanien begegnen. Der Fürst von 'Albanien sandte an die Königin der Niederlande ein Telegramm, in dem er ihr den Tod Thompson? meldet, dessen heroischer und kluger Führerschaft der Sieg zu verdanken sei. Die holländische Regierung wird den in Durazzo gefallenen Oberst Thompson nach Holland überführen lassen. In der Kammer ehrte heute Staatsminister v. Savornin Lohman im Namen des Präsidenten das Andenken des Obersten Thompson, der als Held gestorben sei und dessen Tod einen großen Verlust, nicht nur für Holland, bedeute. Der Ministerpräsident schloß sich diesen Morten an und sagte, daß der Tod des Obersten zugleich einen Verlust und einen Gewinn bedeute, einen Gewinn insofern, als der niederländische Name dadurch in der ganzen Welt geehrt werde. Die veisktzongrftier in Neustrelitz. Neustrelitz, 16. Juni. Der Kaiser in der Uniform des ersten Garberegiments mit dem Bande des Schwarzen Adlerorhens ist rm Sonderzng um 12.40 Uhr hier eingetrofscn und wurde aui dem Bahnhof von dem Grvßherzvg und dem Staetsmi-ff'Icr Bffsart empfangen. Der Kaiser begrüßte im Schlosse zunächst die 02 Jahre alte Grobhcrzogin Augusta Karvline, die an der Trauerseier nicht teilnahm, und ging dann zu Fuß mit dem Grnßherzog zur Schloß- kirchc. Ter Kaiser legte einen Kranz an dem Sarge nieder und nahm domi mit dem Großherzog, der Großherzogin- Witwe >md der Grosherzogin - Wüwc Marie pan Mecklenburg - Schwerin zur Rechten des Sarkophages Platz. Die Feier, der zahlreiche Fürstlichkeiten beiwohnten, wurde mit dem von der Gemeinde gesungenen Choral: Jesus, meine Zuversicht einzcleffet. Hofprediger und Landessuperintendent Horn hielt die Gedenkrede. Noch der Feier fuhr der Kaiser in Begleitung des Groscherzogs wiederum durch die Spaliere zum Bahnhof, wo die Abreise um 2 Uhr erfolgte. t ; Dsutschss Reich. Die beiden Häuser des preußischen Landtags wurden durch König!. Verordnung bis zum 10. November vertagt. Das Herrenhaus hat in seiner Schlußsitzung am «estrigen Dienstag die Besoldungsnovelle unverändert einstimmig angenommen. In der badischen Zweiten Kammer zog am Dienstag vormittag das Zentrum seine am Montag cinge- brachte Entschließung welche die Regierung ersucht, mit der Ausarbeitung eines Entwurfs für die Schiffbarmachung des Rheins von Straßburg nach Basel nicht eher zu beginnen, als' bis die an der Schiffahrt interessierten Staaten zu den Vorarbeiten einen Kostenbeitrag geleistet lchtten, zurück. Der Minister des Innern Frhr. Y und zu Bodmann präzisierte nochmals die Stellungnahme der Regierung dahin, daß sie mit tunlichster Beschleunigung sich dessen vergewissern wolle, ob sie die Mitwirkung von Elsaß-Lothringen und derSchweiz an dem Projekt erlangen könne. Im Falle dieser Zustimmung wolle die Regierung sofort mit der Projektberatung beginnen. Das Haus nahm darauf die geforderte Position von insgesamt 40 000 Mark einstimmig an. Eine deutsche Rheinmündung. Der preußische Minister der öffentlichen Arbeiten richtete an den Verein „Deutsche Rheinmündung" folgendes Schreiben: In, Verfolg meines Schreibens vom 1. 3. v. I. und in Erwiderung der gefälligen Mitteilung vom 8. 3. v. I. benachrichtige ich den Verein ergebenst, daß der zurzeit als Hilfsarbeiter iu meinem Ministerium beschäftigte Regierungsbaumeister des Wasscrbanftrchs Hellmevshausen von mir beauftragt worden ist, Ermittlungen und Untersuchungen darüber anzustellen, inwieweit eine unter Bcrllchichtigunq der Rheinvertiefung bis Eöln und mit dem Ziel inögltchstcr Förderung direkten R he i n sc e oe r ke hr S bis Eöln hcrzuftelleudc Wasserstraße vom Rhein zur Nordsee der jetzigen Rheinschisfahrt gleichwertige oder überlegene Sckftffahrtsverchindmrgen schaffen kann und welchen Voraussetzungen zur Erreichung dieses Ziels der Kanal hinsichtlich der Tieft und Breite des Fahrwassers der Größe und Zahl der Schleusen, der Höhe der Abgaben usw. genügen müßte. Gleichzeitig werden von dem Herrn Landwirtschaftsminister Untersuchungen über die Rückwirkungen eines solckzen Kanals auf die Landeskultur der durchschnittenen Gebiete und von dem Herrn Han- delsminister Untersuchungen über die Tledeutuug eines RheinftekmialS fürdiewirtschaftkicheErschki e ßun g der Don ihm berührten Toneisenlagrr angeordnct werden Ich darf annehmen, daß der Verein bereit sein wird, das von ihm bisher über den gedachten Kanalplan gesammelte Material dem Regicrungsbanmeister Hellrnershausen zur (Verfügung zu stelle« und denselben auch in Zukunft, namentlich bei der Prüfung und Lösung dar wirtschaftlichen Fragen nach Möglichkeit zu unterstütz-.'!!. Softie cs dem Verein erwünscht sei», die Verbindung mit den die Untersuchungen ausfuhrendcn Beamten durch Bestimmung eines besonderen Ausschusses formell fester zu gestalten, jo sehe ich weiteren Vorschlägen hierüber entgegen. Ausland. DiecigcntümlichenAcußcrungcndesspa- nischcn Ministerpräsidenten. Wegen der vom „Tcinps" veröffentlichten Unterredung mit dem Ministerpräsidenten Dato, die wiederholt aus Deutschland Bezug nimmt, sprach der Madrider Korrespondent der „Kölnischen Zeitung" mit dem Ministerpräsidenten, der zwar die Richtigkeit der Grundzüge der französischen Acußerungen bestätigte, aber die Fassung des Berichts als zu sehr von dem Wunsche beeinflußt erachtete, daraus für die Zwecke der französischen Politik Kapital zu schlagen. Nichts, sagte Dato, liege ihm ferner, als indirekte Ermunterungen an Frankreich zu richten, die Deutschland verstimmen könnten. Der Kern seiner Ausführungen war nur, Frankreich müsse fortfahren, sich stark zu erhalten, wenn es im europäischen Gleichgewicht eine Rolle spielen wolle. Eine Einmischung seinerseits in die Politik anderer, selbst der kleinsten Staaten sei selbstverständlich ausgeschlossen, . q. Deutscher §täi>ti-Tag. Köln, 16, Juni, Der zweite und letzte Tag der Beratungen des 4. Deutschen Städletages galt dcni zur Zeit vielfach erörterten Thema: D i e Verbindung von Städten und Privatkapital für wirtschaftliche Unternehmungen. Hierzu hatte der Bofftand des Deutschen Städtctagcs folgende Leitsätze ausgestellt, die der Versammlung Vorlagen: „Eine Verbindung von Städten und Privatkapital für wirtschaftliche Unternehmungen wird sür die deutschen Stadtverwaltungen bei solchen Betrieben in Frage kommen, deren Leitung volirncgend nach kaufmännischen oder industriellen Gesichtspunkten zu erfolgen hat. Besonders geeignet ist sie bei'Unternehmungen, die den Umkreis einer Emzelgemcindc überschreiten, und in allen Fällen, in denen der Gemeinde bei eigenem Betrieb Sclzwierigkeucn cntgegenstchcn. Aus jeden Fall erscheint cs wünichenswert, daß die Kom- munalverbändc in den gemeinsamen Unternehmungen die F ü h - rung behalten. Die nähere AuSgestalwng der rechtlichen Bc- ziclningcn zwischen Städten und Privatkapital hängt von der Lage des Einzelfalls ab. Der Deutsch« Städletag spricht sich aber dagegen aus, daß aus dem Wege der Reichs- oder Landesgesetzgebung besffmmtc Rcchtssorinrn oder -Normen sür die Verbindung von Gemeinden und Privatkapital geschossen werden." Als erster Redner zu diesem Thema sprach Regierungsrat DK. Leoni, Beigeordneter der Stadt Strahlung i. Elf. Er schilderte einleitend, wie der technische Fortschritt speziell auf dem Gebiete des Clektrizitütswesens das Bedürfnis nach neuen' Wirtschaftsformen gezeitigt habe. Zunächst seien die Privatunternehmungcn, vor allem das Rheinisch- Westfälische Elektrizitätswerk, an die neu sich bietenden Ausgaben herangctrctcn. Schon bald aber sei der Widerstand der Kommnnal- verbände gegen das Vordringen des Privatkapitals erwacht und habe zu schwierigen Auseinandersetzungen und Gegengründilnqen wie die der Elektrizitätswerke Mark und Westfalen geführt. Zu einer Vereinigung zwischen den öffentlichen Verbänden und dem Privatkapital sei es zum erstenmal im Fahre 1908 bei Gründung des Verbandswerks Kracket gekommen. Gleichzeitig etwa habe die Stadt Strahburg nach langwierigen Verhandlungen aui Grund eingehender Prüfung von ber Komnruualisierung des dortigen Elektrizitätswerks Abstand genommen und sich mit der Beteiligung an dem Privatnnternehimcn begnügt, wobei eg ihr gelungen sei, sich nicht nur lvcitgchende Vcrtragsrechte, sondern auch die Majorität des Aktienkapitals zu sichern. Diffe Vorgänge hätten vielerlei Nachahmungen gefunden, so daß heute schon 71 Städte mit einem verantwortlichen Kapital von 190 Millionen an insgesamt 97 Unternehmungen dieser Art beteiligt seien. Bei derartigen Beteiligungen gingen die Städte von der Annahnre ans, das; der Privatbetrieb in fernen Wirtschaftscraeb- U, > r? n der öffentlichen Regie überlegen sei. Dieser Vorsprnng sei aber nicht allgemein, sondern nur für Betriebe gegeben, für deren Leitung das Monrent der Wirtschastlichkett eine besondere Rolle spiele, deren Produktion einen industriellen, oder deren Verwaltung einen kaufmännischen Charakter tragen müisc. Dies letztere habe vor allem von der Verteilung der elektrischen Energie zu gelten. In nicht zu ferner Zeit werde es sür die kon- sunnerende Bevölkerung Deutschlands einen Unterschied von jährlich 100 Millionen Mark bedeuten, ob man dem Gcsamtkonsnm Deutschlands die DurchschnittStafffc der öffentlichen oder privaten Elektrizitätswerke zu Grunde legt. Gegenüber der Möglichkeit eines lderartigcn Fortschritts dürfe es nicht Aufgabe der Städte sein, aus dem Fortbestand der Produktion innerhalb ihrer Mauern zu bestehen. Bezüglich der sogenannten gemischt-wirtschaftlichen Unternehmungen sei voin kommunalpolitischen Standpunkt aus zu unterscheiden, ob sic gegenüber der Tendenz der Ver- städtischung der Betriebe eine Rückbildung oder den Versuch einer Weiterbildung darstellcn. Nur die letzteren Fälle, in denen die Städte jcdensalls über die Mehrheit des Kapitals der Gesellschaft verfügen mühten, und sür die der Vortragende die Bezeichnung „Oessentliche Unternehmungen in Privatrechtssorm" prägte, seien als berechtigt anzuerkennen. Die Vorteile, die man sich von ihnen verspreche, könnten freilich auch durch eine Weiterbildung der Regiebetriebe erreicht werden. Eine derartige Entwicklung sei aber von heute ans morgen nicht denkbar. Zudem sie aus Gründen der allgemeinen Berwaitung auch nicht unbedingt wünschenswert. Denn dadicGemeindcninerstcrLinicKulturwerteund nicht Geldwerte zu schaffen hätten, so müßten sie sich hüten, sich allzusehr von kapitalistischen Anschauungen durchdringen zu lassen. Deshalb empfehle es sich, die Wirtschastsbetriebe, die dieser Durchdringung nicht cnt- ratcn könnten, organisatorisch von der übrigen Verwaltung zu trennen. Die Beteiligung des Privatkavitalz biete den Verwaltungen dabei den Vorteil eines intinien Zusammenarbeiten? mit den Persönlichkeiten von hervorragenden Spczialkenntnisscn, Organisationstalent und Erfahrungen. Um deren Mitwirkung an städtischen Unternehmungen zu erhalten, müsse an Stelle der einseitigen Durchsetzung jedes städtischen Wunsches eine Ausbalancierung der Interessen treten. In sozialpolitisäcr Hinsicht werde wenigstens in den Fällen, in welchen den Städten die Führung uich dauitt die Verantioortlichkeit zugesallen sei, der Kurs kein anderer sein als in stadteigcnen Betrieben, so daß es un- richttg sei, in derartigen Gründungen schlechthin einen sozialpoli- ttschen Rückschritt sehen zu wollen. Bei der allgemeinen Ueberproduktion an Gesetzen sei ein Rus nach eincnt Spezialgcsetz nicht angebracht. Ob einer vcrvollkomm- ncten Form des Regiebetriebes oder der Privatrechtssorm das Feld gehöre, könne erst die Zukunst entscheiden. Vielleicht handle cs sich nicht um ein Entweder-Oder, sondern neben dem Regiebetriebe werde voraussichtlich auch die „Oessentliche Unternehmung in Pri- batrechtsfvrm" für die Betätigung der Gemeinden ans dem Gebiete des Wirlschastslebens ihre Bedeutung dauernd bewahren. (Lebhafter Beifall). Ter Gegcnberichteffbatter, Oberbürgermeister Körte (Königsberg), machte in seinen Ausführungen Mitteilung von den praktischen Effalnmngen, die man in Königsberg mit den -nmischt-ivirt- schaftlichen Betrieben gemacht habe. Der Redner ist mit diesen Effahrungen änßefft zufrieden. In der Aussprache nahm zunächst der frühere Abgeordnete Oberbürgermeister Enno (Hagen, Wests.) das Wort: Er vermißt m den Leitsätzen überhaupt jede Erwähnung der rein kommunalen Betriebe. Er sei entschieden für die kommunalen Betriebe, die ebenso wirtschaftlich arbeiten könnten als die gemischtwirtschaftlichen, wahrscheinlich aber besser. Man dürfe Städte, die keine Industrie haben, wie Straßburg, nicht als topisches Beifviel hinstellen. Wir können in vagen mit einer ständig wechselnden Ar- beiterbcvölkerung keinesfalls nach denselben Grundsätzen versahrew wie in Slraßliur» (Sehr richtig!) DielForncder tgrinischl-wirtschasi- lichen Unternehmungen sei ein neues Moment, wodurch die großen Firmen versuchen, ihre Monovolbcstrebnngen zu ocrwrrTlichen, in- dem sic sich direkten und indirekten Einfluß auf die Kommunal- bctricbe sichern. Der Einfluß der großen Unternehmungen ist ja sogar schon bis in diesen Saal gedrungen. Es ist daher nötig, in den Leitsätzen meine Bedenken zum Ausdruck zu bringen. Ich beantrage daher, den Anfang der Lciffätze wie folgt zu gestalten: .-Soweit der rein koinmunalc Betrieb für industrielle Unternehmungen nicht angängig ist, wird an Stelle der ffühcren Konzcssionsvcffräge eine Verbindung von Städten und Privatkapital . . ." Professor Dr. zL e i d i g (Wilmersdorf) begründet einen Antrag, den ersten Absatz der Leitsätze durch folgenden Zusatz zu ergänzen: „Notwendig ist dies i» allen Fällen, in denen die gemeinsamen Unternehmungen ein rechtliches oder tatsächliches Monopol haben." Stadtverordneter H e y m a n n (Berlin) : Aus den bisher m der Literatur bekannten Tabellen hat mau genau das Gegenteil dessen hcrausgelcsen, was heute der erst«.Rrferent aus ihnen herausgelesen hat. Zu denken gibt auch die Tatsache, daß die gemischtwirtschaftliche Unternehmung vornehmlich überall dort eingesührt wird, Ivo ein großer Gewinn zu crioartcn ist. Alle Betriebe, die schwieriger zu behandeln sind, und bei denen ivenig oder gar kein Gewinn herausspringt, blechen der kommunalst Initiative überlasse». Es ist nicht einzusehen, weshalb die Städte nicht selbst Elcktrizitäts-, Gas- und ähnliche Werke init ihren eigenen großen; Mitteln bauen und betreiben fallen, wobei der Gewinn sür sic, d. h. sür die Allgemeinheit verwertet wird, Oberbürgermeister Zielen (Bcrlin-Lichtenberg) spricht sich ebenfalls gegen die Leitsätze aus. Ohne die großen Ucberschüssc aus den kommunalen Werken würde cs in zahlreichen Gemeinden Groß- Berlins ganz unmöglich sein, einen Steuersatz von 100 Proz. aufrecht zu erhalten, und dabei den an die (tzemcindc gerichteten Forderungen gerecht zu werden. Der preußische Staat verwaltet die Eisenbahnen geradezu mustergültig, warum sollten die Gemeinden nicht auch lönncn, was der Staat kann. Stadtrat a. Ä. Luther (Berlin): Die Leitsätze enthalten keinerlei Stellung gegen die rein kommunalen Betriebe, sie enthalten auch keinerlei Empfehlung der gemischt-wirtschaftlichen Betriebe (Zuruf: Dann enthalten sie überhaupt nichts!) Die Leitsätze enthalten lediglich einige Direktiven, über die wir uns hier einigen wollen. Es wäre traurig, wenn die Kommunen nach den privat- wirtschastlichen Unternehmungen sich allein richten sollten. Es kommt auf die Lage des einzelnen Falles an. Die Leitsätze wurden nach einer weiteren Besprechung mit den Anträgen Cuno und Leidig angenommen. Der Bofftand wurde durch Akllamation wiedergewählt. An» Stadt und LcrnS. Gießen, 17. Juni 1914. Tr inker-Fürsorgestellelür Stadt und Landkreis Gießen, Gießen Asterweg 9. Sprechstunde jeden Donnerstag abend 8 bis 7'/. Uhr. ** Forstwesen. Erledigt ist die Stelle des Oberförsters der Lbersörsterei Grebenhain. ** Der Kreisverein Gießen des hessischen Vereins für ländliche Heimat-, Wohlfahrt- n n d K u n st p f l e g e hält nächste Woche im Felsenkeller eine öffentliche Versammlung unter dem Vorsitze des Provinzialdirektors Dr. Usingcr ab. Ans der Tagesordnung steht u. a. ein Vortrag des Lehrers Boßler-Klein-Linden: „Wie kann durch Erhaltung und Verschönerung des Dorfbildes Heimatsinn geweckt und gepflegt werden." ** Die Ceylon-Aus st ellung wurde gesterft u n. von Prinzeß Malhilde von Slolberg-Roßla zu Ortenbocg besucht. Ferner wurde die Ausstellung von Schulklassen aus Bellersheim, Münster bei Lieh und Gießen besichtigt. ** Die Maul - und Klauenseuche ist festgesteftt in Schwabenhcim (Kreis Bingen); ferner im Bezirk Augsburg (Bayerisch-Schwaben). ^ ** Gießencr Stadttheater. Die Operettengastspiels des Bad-Nauheimer Kurtheaters begannen gestern mit einer nockimaligen Aufführung der bereits vom Emser Kurtbcater hier ausgcsührtcn Nebdalschen Operette P o l c n b l u t und hatten wieder einen recht schönen Erfolg zu verzeichnen. Herr Harden, der nun schon seit Jahren ein gern gesehener Gast bei uns ist, sviclte den B o l c s l a w mit Kraft und Temperament, und man hatte an den Fortschritten, die er inzwischen wieder gemacht hat, lebhafte Freude. Frl. Martini, unsere beliebte Soubrette, die die Helena auch kürzlich schon spielte, durste wieder ganz besondere Triumphe feiern. Herr Schmidt, der ebenfalls nicht unbekannt hier ist, spielte den Trottel Popiel mit viel Humor, und mußte zusammen mit Frl. Martini sich zu Wiederholungen entschließen. Als Wanda erweckte Fff. Carola G a l st e r eine sehr gute Alcinung; namentlich im ersten Aufzug war sie blende,ch. Den Gutsbcrr Za- remba spielte Herr A h n e l t, der uns vor allein als Menelaus noch in lebhafter Erinnerung ist. Eine resolute Mutter spielte Fff. Jüngling. Herr Grosser -Braun war ein ivirkungsbollcr Mirski. Herr Lanzer leitete das Orchfftcr im allgemeinen mit Geschmack: nur an einigen Stellen wäre etwas mehr Dämpfung zu toünschen, da die Sänger übertön! wurden. " Warnung. Bon Herrn Pfarrer D. Schlosser erhalten wir folgende Zuschrift: Die „Erste Easseler Colportage- und Internationale Weltreise- buchhandlung Georg Wcttcrau" teilte mir mit, daß sie beauftragt sei, in nächster Zeit durch ihre Reisenden das „Illustrierte Deutsche Familien blatt sür das christliche Hau?' auch hier zu vertreiben. An sich wäre dagegen nichts zu sagen. Das Blatt enthält nicht? Schlechtes, aber auch nichts besonders Wertvolles, das man entbehrte, wenn man es nicht liest. Wollte ich cS, wie von mir gewünscht wird, cinpfehlen, so würde ich unsere Gcmeinde- gliedcr zu einer unverantwortlichen unnützen GeldanSgabe verleiten. Vor allen, aber sind es die überaus üblen Er- sahrnnqcn, die immer wieder mit dem Colportagcbuchhandcl gemacht werden, die warnen müssen, sich irgendwie damit cinznlassen. Da wird den Leuten ein Heft ausgenötigt — cS kostet ja nur 20 Psg. — »nd nachträglich merkt man, daß man sich damit zum Bezug des ganzen Jahrganges vcr- pstichtet hat (2,40 Mk.), Es wäre gut, wenn jedermann sich das ein für allemal cinprägen wollte. **Daszwcitc Abonnementskonzert der Regimentskapelle besteht aus einem R. Wagner-, I, Stranß- und L Jcssel-Abcnd. Das Programm ist sehr sorgfältig zu- sammcngcstcllt und wird jeder Konzertbcsuchcr voll und ganz aus seine Rechnung kommen. Mit dem Kriegsmarsch, Gebet und Finale aus Rienzi beginnt der R. Wagner-Teil, diesem folgen dasPreislied a. d. Meistersingern, Ouvertüre Der fliegende Holländer und Wotans Abschied von Brnnhilde aus dem Miisikdrama Die Walküre. Ter zweite Teil ist dem All- mcistec I. Strauß, während der dritte Teil dem modernen Komponisten L. Jessel gewidmet ist. ** Gewerbeaus st ellung. Einen Kuchcn- A b e n d veranstaltet morgen abend Herr Kemper in der Festhalle und in Alt-Hcsscn. Die Preise sind in den Kuchen eingelegt und werden am Büfett ausgezahlt. Tic Preise sind foigende: 1. Preis 10 ML, 2. Preis 9 Mark, 3, Preis 8 Mark, 4. Preis 7 Mark, 5. Preis 6 Alark, 0. Preis 5 Mk., 7. Preis 4 STOotS, 8. Preis 3 Mark. 9. Preis 2 Mark, 25 Preise ä 1 Mark mü> 50 Preise h 50 Pfg., ein Trostpreis eine _ Flasche Srft. Der Verkauf der buchen findet gleichmäßig in der Festhalle und in Mt-Hessen Punkt 10 Uhr statt. Die Preise werden 10% Uhr an dem Büfett verteilt. ** Der Kisinarcksackelzug der Siudemensthaft jindct am nächsten Montag statt. Die Aufstellung erfolgt in der Kaiicr- allee. Kreis Schotten. (d) Lerchen Hain, 14. Juni. Die heulige Haupt-Versammlung der Spar- und Darlehenskasse beschloß, die Kasse aufzulösen. Die schon gezahlten Beträge in Höhe von 50 Mark für jedes Mitglied, die durch die in Zahlungsschwierigkeiten geratene Genossenschaftsbank geleistet werden mußten, werden, wie man annimmt, hinlänglich sein. — Erst vor wenigen Tagen erreichte die Kuiiurarbcii der hiesigen Forftwartei ihr Ende. Es wurden in diesem Jtrhre 40 000 Slüek Fichten verpflanzt. Mit dem Ausarbeuen des Nutzholzes der im Winter durch die arge Schneelast zusammcn- gcbrochenen Fichtenbcstände ist man aber noch sehr beschästigt. Viele solcher Bestände sind dermaßen beschädigt, daß sie ab- gcholzr werden müssen. Kreis Friedbcrg. (l) Butzbach, 16.Juni. Mit Freuden wird es von dem reisenden Publikum begrüßt, daß vom 1. Juli auf der Bahnstrecke Butzbach—Lieh—Grünberg ein neuer Tarif in Sirraft tritt, der mehrere Ermäßigungen in den Fahrpreisen und Frachtsätzen, besonders bei Ausflugskarten vorsieht. Bisher waren die Fahrpreise aus genannter Bahn beträchtlich teurer als auf der Staatsbahn. (R, Butzbach, 16. Juni. Wie uns aus Butzbach gemeldet wird, fuhr am Montag vormittag ein 28sitziges Verkehrsauto der Benzwerke mit der städtischen Kommission für Verkehrsangclegcnheilcn die geplante Auro-Verbindungs- strecke Butzbach — Hochwcisel — Münster — Fauerbach — Langenhain — Ziegenberg — Ober-Mörlen — Nieder Mörlen—Bad-Nauheim ab. In den genannten Ortschaften stiegen noch einige Herren ein. Am Nachmittag fuhr der Wagen über Niederkleen—Großrechlcnbach nach Wetzlar. Der Wagen soll einen ruhigen Gang besitzen und jede Steigung mit Leichtigkeit nehmen, so daß sich die mitsahrcnden Herren sehr anerkennend über dieses Fahrzeug äußerten. Wir wollen nun hoffen, daß diese projektierte Autvlinic zum Vorteile der daran liegenden Städte und Dörfer zur Aussührung gelangt. Starkenburg und Rheinhessen. w Mainz, 17. Juni. Der Vorort von Mainz, Gonsenheim, ist durch einen Wolkenbruch überflutet morden. In de» Straßen stand das Master eine» Meter hoch. 40 Häuser sind überstntet. Aus Mainz eilte die Feuerwehr und eine Militärabteilung zur Hilfeleistung herbei. Aus der Vorort, und der SlaatSbahn habe» drei Dammrutsche stattgesundcn. Beide Strecken sind für den Verlehr gesperrt. Auch viel Vieh ist » m g e ko in m e n. ch. Bingen, 16. Juni. Die Kirschenernte in der Umgegend von Kamp ist in vollem Gange. Der Ertrag der Ernte ist so reichlich wie selten in einem Jahrei Ms jetzt sind von Kamp allein etwa 3500 Zentner Kirschen versandt worden, was eine Einnahme von rund 10000! Mk. bedeutet. Der Ertrag der späteren Sorten ist jedoch durch die häufigen Niederschläge in Frage gestellt. ch. Vom Mittelrhein , 16. Juni. Da bis jetzt alle Maßnahmen, die gegen das zu schnelle Fahren der Automobile in den Ortschaften und auf der Landstraße ergriffen wurden, nichts genutzt haben, machte sich in Vers schiedenen Städten ein starker Zug zur Selbsthilfe bemerkbar, der massenhafte Anzeigen wegen lieberschreitung der Geschwindigieitsgrenzen zur Folge hat. Allein in Koblenz wurden am letzten Sonntag nicht weniger als 4 6 Kraft- Wagen im Stadtbezirk zur Anzeige gebracht. Auch in Bov- pard und den anderen Rhcinstädlchen rührt cs sich. In Koblenz wurden bis jetzt 1000 Kraftwagen angczeigt. Hessen-Nassau, m. Neustadt (Kr. Krrchhainj, 16. Juni. In Rommershausen wollte der Landwirt Gg. Kern mit seinem beiden Söhnen eine hinter seinem .Hofi über den Schlc«lm sluß führende Brücke, die das Hochwasser beschädigt hatte, ausbcsscrn, dabei gab die Brücke nach und alle drei Personen sttirzten in die hochgejckuvoltene Schwalm. Während es gelang, die beiden Söhne Kerns zu retten, ertrank der Batcr. Seine Leiche konnte noch nicht geborgen werden. b. Biedenkopf, 16. Juni. Hüiicndireltor a. D. Schneegans feierte heute als ältester Einwohner unseres Städtchens seinen 9 2. Geburtstag. — Auf bem Abgeord- netentag des Kriegervcrbandcs für den Regierungsbezirk Wiesbaden wurde einstinimig bcschlostcn, den nächstjährigen Verbandstag hier abzuholtcn. r. Roth, 16.Juni. Tie Wehren des Kreises Bieden- köpf ivacen am Sonntag recht zahlreich in unserem Dörfchen erschienen. Der nächstjährige Bezicks-Fciierivchrtag soll in Simmersbach, die Bczirksübnng in Lubwigshülte slattfinben. Gericht^iaal. F r a n k f u r t a. M., 16. Juni. Bor der hiesigen Strafkammer stand beute der Rechtsanwalt Karl Fehl und der Gcsauaenauf- scher H c l s r i ch. Fehl hat, wie er selbst zugibt, dem Äusscher dclsrich an dem Prcungesheimei Gefängnis kleinere Beträge — im ganzen etwa 130 Mark — dafür gegeben, daß er den »iiter- luchungsgefangenen den Rechtsanwalt Fehl als DertcchigcrKmviahl. Die Sache kam zur Kenntnis der Behörden durch die Anzeige des Bureauvorsiehcrs von Fehls Bruder, des Rechtsanwalts Tr. Otto Fehl. Vom Ehrengericht der AnwaltSkammer iind inzwiichen beide Brüder, der eigentliche Urheber der Teuunziatioil Otto Fehl sowohl wie der angezeiate Karl Fehl aus dem Anwaltsstande ausgeschlossen Ivordeu. Das Geridst erkairnte gegen Dr. Karl Fehl und den Gc- iangenenaufscher Hclfrich aus Freisprechung, da sie!« die Behauptung beider, baß cs sich nur um die Hergabc von Trinkgeldern gehandelt habe, nicht wcherlegen ließ. Kleine Gagcschronif. Direktor Hein von der in Konkurs geratenen E l b i n g e r 'V e r c i il s b a » k wiirde der „Elbingcr Ztg." zusolgc verbastrt. Während der Allssichtsrat der ebenfalls in Konkurs geraieuen Schcnkfchen Schinswertt der Bank einen äußersten Kredit von nur 90 MV Mk. zugcbrtligt hatte, ist es aus Hein zurückzuiührcn, daß die Firma nach und nach leinen Kredit bis zu 720 000 SUlt. erhielt, woraus der Zusammenbruch erfolgte. Einem Großscuer. dos in der Nacht zum Dienstag in der Hannoverschen Waggonfabrik A.-G. wütete, sind nach kAittcilung der Direktion der Gcselstchast nur die Sästostcrcr und die Wogcnniontage zum Opfer gesatlen. Eine Reihe von Halb- nnd Ganziabrikaten ist verbrannt. Die Höh: des Schadens läßt sich noch nicht ühersehen. Der Betrieb ist nicht gestört: Verzögerungen werden nur bei einigen Wagensorten in der Ablifierung entstehen. Arbeiterentlassungen wcr.en nicht stattsinden. Tre Ursache des Brandes 'konnte noch nicht scstgestellt werden. Amtlicher Wetterbericht. Oessentlichcr Weiterdienü, Gießen. Wetteraussichien in Hessen am Tonnersiag, den ik. Juni 1914: Vorwiegend trüb und wolkig, füllt, nordwestliche Winde. Letzte Nachrichten« Zweite hessisch« Kammer. rb. Darmstadt, 17. Juni, Die Zweite Kammer begann heilte die Beratung über die Regierungsvorlage bctr. die Revision der Ordensgesctzgcbung. Minister Hombergk legte eingehend die Haltung der Regierung dar und betonte, daß die Vorlage aus der Notwendigkeit entstanden sei, die Gesetze von 1874 im Hinblick auf die starke Vermehrung der katholischen Bevölkerung entsprechend adzuändcrn. Die evangelische Bevölkerung betrage zurzeit 850000, die katholische 400 000 Personen. Die katholische Bevölkerung habe sich in Darmstadt und Worms verdreifacht, in Mainz verdoppelt. Im Interesse des foul ssioneUeir Friedens ersuchte der Minister um Annahinc des EK'ietzes. Der Alisschußberichierftatter Reh (Fortschr. Bvlkspo crläulrrir die Ans- ichusianrräge und bat, die Anträge seines Fraktionskollcgen Korcll abzulehncn. Die Sitzung dauert sort. Düstere Aussichten in Albanien. :/: Köln, 17. Juni. Ter in das albanische Ausstauds- gcbiet entsandte Sonderberichterstatter der Köln. Ztg. meldet, daß die La ge allgemein als unhaltbar angesehen werde, gantz gleich, wie der Ausgang des Kampfes mit den Aufständischen sein möge. Man erachtet eine sofortige, genügende internationale Besetzung des ganzen Gebietes von Durazzo und Tirana als das allein übrig bleibende Rettungsmiitel. Die maßgebenden Stellen und der Hof betrachten das Schicksal Thompsons als natioiiakes Unglück. Die Leishungen der holländischen Offiziere werden allgemein als ganz außergewöhnlich gewürdigt. .Herr Sasouow in Bukarest. Bukarest, 17.Juni. Der russische Minister des Aeußern ist vorgestern abend hier eingetroffen. Ihm zu Ehren fand in der russischen Gesandtschaft ein Diner statt, dem sich ein Empfang anjchloß. Gestern mittag reiste Sasonow in Begleitung desMinisterpräsidenten Bratianu, des russischen Gesandten und des Personals der russischen Gesandtschaft nach S i n a i a. Am Abend kehrten die Herren nach Bukarest zurück. Sasonow nahm im Auswärtigen Amt an einem Diner teil. Tie Abreise nach Rußland erfolgte um 11 Uhr nachts. 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