kr. *38 Der Sietzener Anzeige, erscheint täglich, außer Sonntags. — Beilagen: viermal wöchentlich «ießenerZamllienblätter: zweimal wöchentl.iirrir- «lall färben Ureis Siegen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. land- «irtfchastlich« Seitfragen Fernsprech - Anschlüsse: sür die Redaktion 112, Verlag u. Expedition öl Adresse für Depeschen: Anzeiger «fielen. Annahme von Anzeigen snr die Tagesniimmer bis vormittags S Uhr. erster Blatt 164. Jahrgang Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Dienstag, *6. Zuni I9tf Das Ergebnis von Konstanza. „Blumen, nichts als Blumen", klagte der Schmierendirektor, als dem Mimen bei seinem Benesiz nur Kränz« gestochten trmrden. Trinffprüche, nichts als Trinksprüche! wird vielleicht Zar Nikolaus seufzen, wenn er die Bilanz des Be- suches zieht, den er dem König von Rumänien in Konstanza und der Minister des Auswärtigen Sassonow seinem Kollegen in Bukarest abgestattet hat. Insonderheit die französische Presse hatte kühne Hoffnungen auf den Der- laus dieser Zusammenkunft gesetzt, und sie hatte, soiveit ihr die chronische Kabinettskrisis dazu Zeit lieh, große politische Wandlungen, den endgültigen Uebertritt Rumäniens zur Tripelentente »orausgesagt. Nun, damit ist es tvieder einmal nichts, und die Trinksprüche, welche in Konstanza zwischen dem Zaren Nikolaus und dem König Carol gewechselt wurden, bieten nur einen sehr mageren Trost für das Ausbleiben jeglicher politischen Abmachungen. Es ist in diesen beiden Sprüchlein, die zweifellos sehr warm gehalten sind, viel von der gegenseitigen Freundschaft die Rede, aber man braucht wirklich fein Silbenstccher zu sein, um zu erkennen, daß des Zaren Nikolaus Sprüchlein erheblich wärmer und daß sein Freundschastsbedürfnis wesentlich stärker ist. Bon dem „Strom der Sympathie, der die russischen Herzen unseren rumänischen Freunden zusührt", und von der „Solidarität dieser Interessen" hat nur der Zar gesprochen, während König Carol sich auf die Feststellung beschränkte, daß „die ausgezeichneten Beziehungen" zwischen den beiden Ländern „noch sester gestaltet" würden. Auch schlug der Könitz von Rumänien alsbald einen Ton an, den die internationale Diplomatie wie die Nationen gern hören werden, indem er die ausgesprochen friedliche Politik Rumäniens in sehr bemerkenswerter Weise betonte. Es war gewiß auch ein sehr feiner Zug, daß er zu einer Zeit, wo die krampfhaften Rüstungen Rußlands ernstliche Beunruhigung erregen, den Zaren Nikolaus daran erinnerte, daß er „einst im Mai" die Haager Friedenskonferenz ins Werk setzte. Me Empfindung ist heute allgemein, daß die in Rußland betriebene pansla- vistische Politik alles eher als friedlich ist, aber Zar Nikolaus stimmte nichtsdestoweniger in das Lob König Ca- rols auf die heilsamen Wirkungen einer friedlichen Politik ein. Wie das in Trinksprüchen so üblich ist! Aber noch einige weitere Bemerkungen der ibieideu Trinksprüche geben zu einer kritischen Betrachtung Anlaß. Zar Nikolaus behauptete, daß die Freuichschast zwischen Rumänien und Rußland den historischen Uebcrliefcrungen entspreche, und er konnte sich allerdings hierbei darauf berufen, daß König Carol vorher von der „rumänisch-russischen Waffenbrüderschaft" aus den Schlachtfeldern Bulgariens gesprochen hätte. Wenn die beiden Monarchen schon an die Ereignisse von 1877/78 erinnern, darf man doch nicht mit einigen Redensarten darüber hinweggehen. Als Rußland damals den Krieg gegen die Türkei vom Zaune brach, benutzte Rumänien die Gelegenheit, um die Unabhängigkeit des Landes von der Türkei zu erklären, indem es zugleich den Russen die Hilfe Rumäniens gegen die Türkei anbot. Diese wurde von Rußland zunächst hochmütig abgelehnt, aber nach den Niederlagen von Plewna kamen die Russen als Bittsteller, und sie ivurden denn auch von den Rumänen heraustzehauen. Der Dank vom Hause Romanow bestand darin, daß Rußland Bessarabien, dessen Verlust die Rumänen heute noch nicht verschmerzt haben, an sich riß und diese mit der lvcrtlosen Tobrudscha abfand. So sah die russisch-rumänische Waffenbrüderschaft aus, und schon diese Erinnerungen dürften die Rumänen davor „Sarah und Edmond." MaU schreibt ims aus Paris: Ein modernes Märchen mit beliebigem Ausgang. Schauplatz der Handlung: Paris. Personen: Die berühmte Sarah und der ebenso berühmte Edmond, ein Kadi am Seinetribunal, ein Film- Iintcrnchmcr, viele Zeugen und noch viel mehr Volk Zeit: Juni 1914. Inhalt: Es waren einmal zwei Königskinder der Kunst, die ewig junge, schöne Sarah nnd der noch gar nicht so alte Edmond. Beide dienten mit gleicher Hingebung derselben l-ohcn Göttin, einer Märchensee, die gehörige Ansprüche an ihre Getreuen stellte, dajür aber auch mit Perlen und Diamanten, Orden und Taulendsrankenscheinen nicht kargte. Im großen nnd ganzen war der Voialleirdienst recht lohnend und angenehm und. was wichtig erschien: man vertrug sich brillant. Kaum hatte der ritterliche Edmond eine neue Uebcrraschung znm Amüsement der Göttin erdacht, so eilte auch schon die nicht minder crsinderische Sarah herbei, um die „surprws agröable" in der graziösesten Manier darzubieten. So vergingen die Jahre, und alles wäre wohl ewig so schön geblieben, wenn nicht urplötzlich ein böser Zauberer den Frieden gestört hätte. Dieser finstere Gesell, der schon lange aus das Glück der erfolgreichen Sarah neidisch war. erdachte eine neue Art von Amüsement, die es dem stets ein bißchen sensationohungrigen Edmond crmöglichie, die Göitin ohne Beihilfe der bewährten Gesädriin ,n unterhalten. Lange widerstand der Ritter der Versuchung, aber schließlich erlag er ihr doch, batte ihm nickst der Zauberer einen dopvelten und dreifachen Ersolg bei der Göttin in Aussicht gestellt, Mld viel mehr Ruhm, Reichtum und Ehren als bisher? Da ging er hin und verschwor sich mit Leib lind Leben den dunklen Mächten, ohne auch nur daran zu denken, daß er einstmals der schönen Sarah das seier- lichc Berspr»hen gegeben hatte, nichts ohne ihre Mitwirkung bei der hohen Gebieterin zu unternehmen. Mescr schnöde Treu- bruch trug sich in den jüngsten Zeiten zu. Nun hat sich die auss schwerste gekränkte Sarah an den Kadi gewandt, damit er den losen Edmond an seine Pflicht erinnere und ihm einsach verbiete, sich im bosdrenste fremder Künste zu bedienen. Wie das Urteil des Richters ansfallen wird, wer weiß? In jchcm Falle Hai die Göttin den Dingen freien Lauf gelassen und gedenkt erst nach beendigter Affäre ihrem allerhöchsten Gefallen oder Mißfallen Ausdruck zu geben. Paris aber, wo sich das tragikomische Märchen zugetragcn hat, ist um einen neuen, sensationellen Theaterskandal reicher — indem -Sarah Bernhardt Herrn Edmond Rostand, Verfasser des seit Jahren mü Riesenerfolg tzcspielten Mamas „L'Aig- lon", voriger Tage vor das Seinetribunal zitierte, damit der Kadi dem goldhnngrigcn Bühnendichter verbiete, sein in Paris bewahren, ihr Land zu einer russischen Satrapic zu detzra- dieren. Gewiß dar! man sich der Tatsache nicht verschließen, daß Rumänien ebenso wie die Türkei heute nicht mehr wie früher als Anhängsel des Dreibundes gelten können, und die den Fehlern der österreichischen Politik zu verdankende Abschwenkung Rumäniens muß nun einmal in das Debetkonto gebucht werden. Doch von der Politik der freien Hand, die Rumänien zu seinem Leitsatz erhoben l>at uud der es die führende Rolle aus dem Balkan verdankt, bis zur Erfüllung der ungeniert von russischer Seile ausgesprochenen Hoffnungen ist ein Schritt, den weder Könitz Carol noch sein dereinstiger Nachfolger machen ivird, selbst wenn sich die anscheinend gescheiterte Verbindung zwischen dem Sohn des rumänischen Thronfolgers und der Prinzessin Olga zum Schluß doch noch verwirklichen sollte. Die verantwortlichen Politiker werden immer nur eine rumänische Politik treiben können, und diese wird sich den unverhohlen auf die Oesfnung der Dardanellen gerichteten russischen Plänen widcrsetzcn müssen. Aber wie wenig auch in Konstanza die russischen Blütenträume gereist sind, so wird es doch immerhin der angestrengten Aufmerksamkeit seitens der Diplomatie des Dreibundes im allgemeinen und der der Donaumonarchie im besonderen bedürfen, um zu verhindern, daß das noch immer im Spange befindliche Berwechselt-verwechselt-das- Bäumelein-Spiel auf dem Balkan — man denke nur an die sich nsteder zusprtzende albanische Krisis, an den griechisch-türkischen Konflikt, an die griechisch bulgarischen Rei- düngen — nicht noch weitere Abschreibungen von dem Konto des Dreibundes erforderlich macht. Die Trinksprüche. Konstanza, 16. Juni. Bei dem gestrige» Galadiner in der königlichen Residenz brachte König Karol folgenden Trnik- jpruch ans: »Mit aufrichtigster Freude begrüße ich die Ankunft Eurer Majestät und Familie auf rumänischen Boden. Wir erblicken i» dem glücklichen Ereignis einen neuen Beweis für die Gxlnhle der Freundschaft, welche Em. Majestät mir seit lange» Jahren in so rührender Weise bewiesen habe::. Die Erinnerung an die Huld nnd die Herzlichkeit Ew. Majestät gelegentlich meiner Reste a»i rnssischem Boden bleibt unauslöschlich. Ebenso werde ich den Besuch der kaiserlichen Flotte in dem Halen von Konstanza und den Besuch des Grostlürstet, Nikolaus Michailowitsch nicht vergessen, aus dessen Händen ich den M a r s ch a l l st a b der russischen Armee empfing als ein Zeichen des Gedenkens an die Wassendrüdcrschast ans den Schlachtirldern Bulgariens unter der Regiernng von Eurer Majestät erhabenem Grobvater, Diese kostbaren Pfänder des Interesses nnd der Sympathie für Utis können in allen rumänischen Herzen nur erhöhte Freude wecke» und in dem meinsgen besonders erhöhte Dankbarkeit, können nur dazu beitrage», die ausgezeichneten Beziehungen, die zwischen Rußland imb meinem Lande so glücklich angeknüpft sind, noch fester zu gestalte». Ew. Majestät edle und hochherzige Initiative zur Errichtung der Haager Friedenskonierenz iil ein sicheres llnlervsand dafür, daß Ew. Majestät die Dienste würdigen, die Rumänien der Sache des euroväischen Friedens ivährend der Ereignisse leiste» konnte, welche sich im Jahre 1913 aus der Balkanhalbmsel abspieste». Tos beständige unverrückbare Ziel Rumäniens tst es, durch ein stabiles Gleichgewicht herzlickie Beziehungen zwischen alle» Balkanstaaten »nd zur Erhaltung eines wohltätigen Friedens beiz,, tragen, der alle,» es diesen Staaten gestatten kan», die Wohlsahrt z» verwirklichen, nach der sie streben. Ans innerstetn Herzen heiße ich Ew. Majestäten willkommen »»d danke dem Kaiser für alle die huldvollen Ausnierksanikeiten gegenüber meinem Lande, welches sich vollkommen de» heißen Wünschen anschließen wird, die ich hege für Ew. Majestät persönliches Glück nnd sür das Em. Majestät erhabener Familie, snr die Wohlsahrt Ihres große» Reiches und snr die lapsere kaiserliche Armee mit der mich so viele teure Erinnerungen verbinden. Es lebe seine Majestät, dem Sarah-Bernhardt-Thcater einzig und allein überlassenes Stück einem Kinokonsortium zur gleichzeitigen Ausbeutung ab- zugebcn. Das Urteil jn dieser heiklen Angelegenheit, das eine brennende moderne Frage (Urheberschutz und Kino!) sür die größte Theaterstadt der Welt zur Entscheidung bringen wird und so auch in Deutschland iMeressieren dürste, soll noch im Lause dieses Monats erfolgen. Einstweilen ist Herr Edmond Rostand, ivcnn er aus seinen „Cinemo-Absichten" besteht, mit einer Strafe von 1000 Franken pro „Vorstellung per Film" bedroht. Wie inan hört, wird er sich diesen Luxus einiger braunen Lappen mit Vergnügen leisten und der hohen Muse einen jedenfalls nicht alltäglichen „Theatersilm" bescheren. Da „L'Aiglon" seit der Premiere im Jahre 1900 seinem Antor allein für Paris den hübschen Betrag von genau 520 000 Franken Tantieme eingebracht hat, darf der jetzige Prozeß schon etwas kosten. Sarah Bernhardt aber, die in unvergleichlicher Künstlerleistung die Hauptfigur des „Aig- lon" geschafsen und Rostand zu einem der größten Erfolge seiner Laufbahn verholsen hat, schmollt — uns scheint: mit Recht! — Das Schinkel-Museum der Königl. Technischen Hochschule zu Charlotienburg, das den weitaus größten Teil des künstlerischen und handschriftlichen Nachlasses des großen Meisters enthält, bereitet eine Veröffentlichung der,Briese. Tagebücher und andern Niederschristen Sckfinkels vor. Alle Besitzer von Manu- skrivtcn Schinkels irgendwelcher Art werden höflich gebeten, entweder die Originale dem Schmkel-Mlusenm, zu Händen des Vorstehers, Geheimen Regierungsrats Prof. M. G. Zimmermann, leihweise zur Wschrist möglichst bald zu übersenden oder eine buchstabengetreue Kopie einzuschicken. Es wird gebeten, dieser Notiz durch Nachdruck eine möglichst große Verbreitung zu geben. kos. Farbe und Geruch der Rosenblüte. Nun blühen sie wieder auf, im lleinstcn Gärtchen wie im stolzesten Park, unsre Rosen, leuchtend und duftend, ihre Umgebung verzaubernd und die Mcnschenherzen bezaubernd. Und mit viel Ge- sühl sogt man allerorten: „Noch sind die Tage der Rosen!" Ist es da nicht beinahe prosaisch, ja profan, wenn man, statt sich einfach all dieser Pracht zu freuen, neugierig ftagt: Woher kommt es, daß die Mose so herrlich duftet und woher hat sie ihre schöne Farbe? Nein, so schlimm ist die Sache nicht; deshalb brauchen wir uns die Freude nicht verderben zu lassen, und wenn wir dabei auch ein Rvsenbsättlein abreißen mid unters Mikroskop legen müssen — was schadet das? Wir sehen dasür etwas ganz besonderes; wir sehen nämlich, wenn wir eine rote Rose benützen. Wie da alle Zellen von einem schönen roten Saft erfüllt sind, und da -und dort können wir auch beobachten, twe Kotier Nikolaus und Jl>re Majestät die Kaiserin Alexandra Feodorownal* Ter Zar antwortete auf den Trinkspruch des Königs von Rumänien soltzcndes: Die herzlichen Worte, mit denen .Ew. Majestät uns soeben aus rumänischem Boden willkommen hießen, haben mich lief gerührt. Dank der ftcundschaftlichen Traditionen, welche unsere beiden Länder immer vereinigten, wurden die Bande, welche uns verbinden, durch die ruhmreichen, gemeinsamen Erinnerungen und die aufrichtige persönliche Freundschaft noch fester geknüpft. Ich bi» glücklich, heute den Wunsch verwirklicht zu selfen, den ich seit langer Zeit hegte. Ew. Majestät in Ihrem eigenen Lando mündlich meine herzlichen Gefühle ausdrücken zu können, die ich sür Ew. Majestät emojinde. Unter der Acgide Eiv. Majestät hat Rumänien einen bemerkenswerten Ausichwung genommen, und eine hohe Entwicklungsstufe erreicht. Nirgends konnten die erlangten Erfolge aufrichtigerer GenugNiung begegnen als in Rußland, wo man von jeher gewohnt war, an den Geschicken der Nachbarländer gleichen Bekenntnisses lebhaften Anteil zu nehmen. Bon diesem Shmpalhicstrom, der ganz natürlicherweise die russischen Herzen unserem rumänischen Freunde zusührt, haben sich der Prinz und die Prinzessinnen von Rumänien vcrsönlich gelegentlich ihres Besuches vergewissern können, den sic uns abstatteten und der uns so grofje Freude bereitet hat. Sich stützend aus die gegenseitige Sympathie der beiden Völker, entspricht die Freu n d- schuft zwischen Rumänien und Rußland gleichzeitig den historischen Traditionen und Interessen der beiden Länder. Ich sehe zu meiner großen Freude in der Solidarität dieser Interessen ein Unterpfand für die glückliche Entwicklung der Beziehungen der Freundschaft und einer guten Nachbarschaft. Ew. Majestät haben geruht, aus die heilsamen Wirkungen einer friedlichen Politik hinzuiveisen. Es ist mir besonders angenehm, bei dieser Gelegenheit den, wohltätigen Einfluß Anerkennung zu zollen, der letzthin von Rumänien unter der weisen Leitung seines Königs ausgcübt wurde. Das von Ew. Majestät vollendete Werk des Friedens hat Ew. Majestät die Anerkennung der Völker erworben und das Prestige -des Landes noch erhöht. In der Hoffnung, daß nichts die friedliche Entwicklung Ihres Reiches stören wird, erhebe ich mein Glas auf das Wohl Ew. Majestät, Ihrer Majestät, der ganzen königlichen Familie und auf das der tapferen rumänischen Armee, deren schöne Regimenter ich soeben mit aufrichtigem Vergnügen beiunndertc und deren 5. Resioriregiment ich angehöre: Es leben der König und die Königin! Der Angriff aus Durazzo. In Durazzo ist es gestern zu Entscheidungsschlägen gekommen. Tie Aufständischen, die der holländische Oberst Thomson einschließcn und zurückschlagen wollte, haben plötzlich die Stadt überfallen, und die Helfer des Fürsten Wilhelm mußten sogar zum Barrikadenbau schreiten. Es liegen noch »keine endgültigen Meldungen vor, tvelches End« das blutige Treffen genommen hat und ob die Ruhe, die heute nacht in der albanischen Residenz geherrscht hat den Sieg und Erfolg der Regierungstruppen bedeutet. Oberst Thompson ist tzcfallen und damit sind die Schwierigkeiten des letzten Zwischenfalles, für welchen Genugtuung zu geben der eigenwillige Holländer sich weigerte, aus dem Wege tzeräumt. Die Italiener müssen an der Bahre des Toten ihm ihre Achtung bezeugen. Ta mittlerweile die Kriegsschiffe der Mächte vor Durazzo eintreffen, wird sich die Lage für den Fürsten Wilhelm vorläufig wohl wieder bessern. Rom, 15. Juni. Der italienische Gesandte in Durazzo telegraphierte heute vormittag U/e Uhr: Die Aufständischen haben heute morgen um 4 Uhr die Stadt an drei Stellen angegriffen. Gegen 6 Uhr ist Oberst Thomson gefallen. Die italienischen Matrosen werden nur die Gesandtschaften und den Fürstenkonak verteidigen. Im ersten Augenblick glaubte ,n dieser Flüssigkeit steine rote Kristalle oder Brocken herunt- schwimmen. manchmal auch steine Klumpen. Das bedeutet nun, daß die Lösung des Farbswsfes so dicht, so konzeMriert geworden! ist, daß sich ein Teil in fester Form auskristalliert hat, ähnlich wie wir das auch an einer Soda- oder Salzlösung jederzeit beobachte können, wenn wir z. B. in der Wärme lösen ,md dann abkühleir lassen. Solche Mengen, an denen der Farbstoff in größerer Menge sich abgeschieden hat, sind oft schon mit dem bloßen Auge als rote Punste zu erkennen. Die rote Farbe der Rosen (und auch der Nelken) rührt also nicht etwa 'i»ie das Grün der Blätter von Farbswft'körncrn her, sondern von einer Lösung des Farb- stosses im Zellsast. — Wir können auf einem solchen Schnitt aber auch sehen, woher der Geruch koimnt. Da sind noch alidre Kvistalle da und dort, in den 'Zellen verteilt, die stark Licht brechen: es können auch einfachc Trovsen sein, die wie stcina Lclkugcln ausschen. Und das sind sie auch wirklich! Diese glänzenden Kristalle und Trövschen sind ätherische Oele, Substanzen, die leicht verdunsten und eben dadurckf 'für den Geruchssinn wahrnehmbar werden. So, nun haben trnr's also schon, woher Geruch nnd Farbe der Rosen kommen '— und ist das wirstich so prosaisch? — Neue Briefmarken. Die neuen mexikanischen Rcbellcnbriefmarken, von denen 6 150 000 Exemplare hergcstellt sind und zwar nach den Entwürfen des Gencralpost- meisters der „konstitutionellen Regierung" B. Bonillas, kommen in diesen Tagen zur Ausgabe. ' Inzwischen hat der Staat Sina - loa an der mexikanischen Westküste neue Marken ansgegeben. Es lfaudelt sich um 250000 Exemplare, die in ihrer Zeichnung der Tamaulipas-Serie älmeln: die Wertbezeichnungen sind 1 Centavo, 2, 5, 10 und 50 Centavos, l Peso, 5 und 10 Pesos. — Die Aenderungen im Briesvortvtaris von Siam haben Zetzt zur Ausgabe von provisorischen Marken gesührt. Die 6 Satangs- Marke erhält die Wertbezeichnung 5 Satangs, die 12 Satangs den Aufdruck 10 und die 28 den Aufdruck 15 Satangs. Die Aenderungen haben ihre Ursache in der neuen Umrechnung der internationalen Briessätzc in siamesychc Werte. 'Der 25 Centimes- Satz, der bisher für Siam mit der 14 Sataugsmarke bezahlt wurde, wird künftig mit 15 !Satangs amd der 10 Centimes-Satz, der bisher 6 Satangs kostete, mit 5 Satangsmarkcn ftankiert. — Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissenschaft. Der Zeutral-Vcrband Deutscher Tonkün stier - V c r e i n e (E. D.) hält seine elfte Delegiertenversamm- lung am 4. und 5. Juls in München im Sitzungssaal der Königs. Akademie ab» 1 -• - * 1 man oflgmein, btt Stetrt imiffe in die Hände der Aufständischen fasten. Seitdem hat sich die Lage gebessert und man hofft, daß sich die Stadt halten kann. Die „Agenzia Stefan»" meldet: Oberst Thomson verweigerte am 13. Juni kategorisch die nach dem Zmi scheu fall Muricchio-Chiniao von dem italienischen Gesandden in DuraM>, Baron Aliotti, geforderten Entschuld i g u n ge n Daraufhin begab sich Aliotti am 14. Juni mü dem italienischen Admiral in den albanischen Ministerrat und forderte, daß entweder Thomson gemäß dem schriftlichen Versprechen Durstian Paschas sich ent schuldige oder daß Thomson vor dem 3. Juli und Haupt- mann Fa bi u s sofort abberusen werden. Aliotti forderte die entscheidende Antwort vor dem 15. Juni mittags, indem er hervorhob, daß seine Forderung nicht den Charakter eines Ultimatums habe. Aliotti zeigte sich besonders bemüht, die militärischen Operationen in Albanien nicht zu stören, indem er für alle Fälle darin einwilligte, daß Thomson bis zum 3. Juli bleibe und der Kriegsminister Nogga ihm erkläre, daß dies notwendig sei, um ihn ohne Gefahr für die Stadt zu ersetzen. Turrhan Pascha begab jsch am 14. Juni um 11 Uhr abends zu Aliotti, um ihm mitzuteilen, daß er keinen Ausweg wisse, da, wenn Thomson Albanien verließe, die Expedition gegen die Aufständischen scheitere. Er bat den italienischen Gesandten, sich noch einige Stunden zu gedulden, da er dann versuchen würde, Thomson zu überreden, das Entschuldigungsschrcchen zu unterzeichnen. Stuf diese Nachricht hin telegraphierte oi San Giuliano an Aliotti kategorische Anweisungen, um eine vollkontmene unverzüglich «-Genugtuung zu fordern, bis dann die Nachrichten von Durazzo kamen, die die Lage änderten. Die „Agenzia Stefani" meldet aus Durazzo von 4 Uhr 36 nachmittags: Der Kamps dauert an. Oberst Thomson wurde heute morgen, als er bei den Vorposten weilte, durch mehrere Rcvolverschüsse getötet. Ein GcsechtSbild der „Wiener Reue» Freien Presse". Die Wiener „Neue Freie Presse"' erhält aus Durazzo einen Sonderbcricht über die Ereignisse des Montags, dem wir folgendes entnehmen: Um y*5 Uhr morgens ertönten ganz unerwartet Ka n o- ne n l ch ü s s e , denen bald ein anhaltendes Gewehrscuer folgte. Die Insurgenten, die dieser Tage von vier Seücn ange- grisien werden sollten, sind dem Angriff zuvorgekom-- m e n. Sie versuchten, über die Brücke etwa 330 Meter vor der Stadt vorzudrrngcn. Andere durchwateten die daneben liegende Lagune, um iu die Stadt zu gelangen. Der Angriff erfolgte Anscheinend von zwei Seiten. Die Verteidiger waren etwa 800 Malissorcn, ferner in geringer Zahl albanejische Ge ndarmen und endlich albancsische und curo v ätsche Freiivillige. Die letzteren wurden bciondcrs zum Dienst bei den Geschähen verwendet. Ein Skodaschncllseuergeichütz wurde ans emlm Hügel vvr der Stadt auigesteül, das von einem österreichischen Jnglmienr und zwei Reichsdeutschen bedient wirb. Gegen 6 Ubc morgens wütete der Kamps anr stäclsten. Dieser Kamvftärm dauerte mehr als eine Stunde. Fürst Wilde l m durchritt mit feinem Hoffnarscholl die Hauptstraße von Durazzo: er ritt bis Mm Ausgang der Stadt und beobachtete durch einen Feldstecher das Gefecht an der Brücke. Als er zurückkehrte, begegnete ihm Ministerpräsident Tnrkhan Pascha, der mit ihm in den Palast ging. Die Stadl wurde iu VcrteidigungsMstand geietzr. Am Eingang der Hauptstraße, dem Zugang zum fürstlichen Palais, errichteten italienische Marinesoldaten Barrikaden; dahinter wurden kleine Geschütze in Position gebracht. Die Hauptstraße wurde von der albanischen -Bürgrrwehr besetzt. Die österreichische Gesandtschaft wird von österreichischen Marincsoldaicn bewacht. Zwischen 7 und 8 Uhr morgens traf das Gerücht von dem F a l l d c s O b c r sten T hompson ein. Thompson sagte noch gestern M dem Korrespondenten. daß er die Insurgenten von vier -peiten angreiien wolle, vorder aber noch einmal hüiausfahren und ein letztes Mal mit bim Aufständischen verhandeln wolle, um, wenn möglich, Blutvergießen zu verhüten. Der Fürst leitet die Verteidigung. Durazzo, 15. Juni. (Gegen Mittag.) Seit vier Uhr morgens tobt ununterbrochenes Gewehr- und Geschützfeuer. Der Fürst leitet die Verteidigung der Stadt. Die Angreifer kamen von Rast- bul und Kowaja lieber den Tod Thompsons. ersährt der Korrespondent der Wiener „Neuen Freien Presse" in Durazzo folgendes: Thvmpsons Leute lagen Montag morgen in den Schützengräben. Er befahl das Vorrücken der Schützenlinien. Die Leute, meist bewaffnete Malissoren, zögerten angesichts des heftigen feindlichen Feuers. Thompson sprang. Um ihnen Mut zu machen, aus dem Graben und stürmte mit geschwungenem Säbel voran. Er wurde von einer Kugel tödlich getroffen. Um 9 Uhr hörte man nur noch vereinzelte Gewehrschüsse. Ter Angriff der Rebellen schien um 9 Uhr vorläufig abgeschlagen zu sein. Reue Hilsc für die albanische Regierung. Wien, 15. Juni. Die „Neue Freie Presse" meldet aus Durazzo: Tic albanische Regierung hat ein Schiff des österreichischen Lloyds gechartert, das heute nach San Giovanni di Medua fährt, um dort 1000 Mirditen zur Unterstützung nach Durazzo zu holen. Auf dringendes Ersuchen des Fürsten gehen zwei österreichische Torpedoboote nach Bellona und San Giovanni di Medua, um den Befehl des Fürsten an die dort versammelten Streitkräfte zu übcrbringcn. Die albanischen Ereiguisse in der italienischen Kammer. Rom, 15. Juni. Zu Beginn der heutigen Kammer- s i tz u n g bat der Abg. G a l l i um Ausklärung über die Geschehnisse iu Albanien. Ter Minister des Aeußern di San Giu - I i a n o antwortete, die Lage habe sich scheinbar für den Fürsten und die gegenwärtige albanische Regierung gebessert, als unerwarteter Weile heute morgen der Angriff aus Durazzo erfolgt sei. Die albanische Regierung habe sich geneigt gezeigt, Italien für den Zwischenfall Muricchio gebührende Genugtuung zu geben, der in- insolge des Widerstandes des Obersten Thomvson nicht erledigt sei. Um die Beilegung zu beschleunigen, habe Baron Aliotti gestern einen energischen Schritt unternommen. Er. der Minister, habe bereits die Depesche geschrieben gehabt, welche die entscheidenden Instruktionen enthielt, als die letzten Ereignisse dazwischen gekommen seien. Das englische Kriegsschiss müsse heute vor Durazzo angekommen sein. Da der englische Admiral der älteste sei, iMrdc er die internationalen Sireiikräste befehligen. Man erwarte auch ein französische und ein russisches Kriegsschiff. Das italienische Geschwader liege vor Ancona bereit, um iiach Durazzo, oder wo es notwendig erscheine, abzugeben. Was den Obersten Thomson betresfe, so achtet er in diesem den lavieren Mann, der in Ersüllung seiner Pflicht gefallen sei. iBei- falt ) Inzwischen müßten Regierung und Parlament die Ereignisse in Albanien mit der größten Ruhe, Kaltblütigkeit und Entschiedenheit verfolgen, (Lebhaster Beifall.) Die Einführung eines Zolles auf austindifche Getreideprodukte in Zilinland. Auf der Tagesordnung der Sitzung der russischen Reichsduma stand am Montag die Gesetzesvorlage über die Einführung eines Zolles auf ausländische Getreideprodukte in Finnland. Gegen die Vorlage sprachen mehrere Sozialdemokraten, der Lktobrist Baron Meyendorff und der Kadett Poditschew. Ter Handelsministrr lenkte die Aufmerksamkeit der Gegner der Vorlage darauf, daß der Einfuhrzoll auf das Getreide dem Ackerbau helfe; das habe Deutschland bewiesen. Wenn der Vorlage die Gesetzes - traft vorenthalten würde, so würde dies Rußland große Verluste bringen, da die deutschen Exporteure, die über die jetzt geschlossene Westgrenze einsührten, alle Anstrengungen machen würden, das russische Getreide aus Finnland vollständig zu verdrängen. Der Haudelsminister sprach sich dann energisch gegen den Abüuderungsantrag Baron Meyendorff aus, einen Zoll zu dem halben Betrag einzufiihren. Mit einer halben Maßnahme werde nichts erreicht. Der beantragte Zoll entspreche genau den deutschen Ausfuhrprämien. Tie Vorlage wurde mit erdrückender Mehrheit angenommen. An» StciSt «nS (and, Gießen, 16. Juni 1914. ** Tageskalender für Tienstaa» den 16. Juni: Stadt» t h e a I e r: Overeilen-Gaslspicl: .Polendlui." Ansang 8 Uhr. G e w e r b e» A >, s st e 11 u ii q: Konzert. L. U. Landes Universität. Der Großherzog hat den Prioatdozentcn Dr. Paul Kahle in Halle a. d. S. zum ordentlichen Professor für scmitisck>e Sprachen in der philosophischen Fakultät unserer Landesuniversität ernannt. Beigeordneter Krenzien bestätigt. Der Groß- hcrzog hat die am 28. Mai 1914 von der Stadtocrordnete». Dcrsaninilnng vollzogene Wahl de? RegierangSbaumeisterS Günther Krcnzien zu Gießen zum besoldeten Beigeordnete» der Provinzialhauptstadt Gießen bestäligt. " Schulwesen. Der Großherzog hat den von dem Herr» Fürsten z» Isenburg „nd Büdingen in Birstein ans die Stelle eines Oberlehrer? an der Oberrealfchnle am Stadthaus in Offenbach präsentierten Oberlehrer Gustav Grimm zu Offenbach für diese Stelle bestätigt. — Erledigt ist eine Lehrcrstclle a» der kaiholijchcn Volksschule zuLindcn- fels, Kreis Bcnsheim. Mit der Stelle ist Organistcndienst verbunden. "• Neuer Krcisamtmnnn. Der Großherzog hat den Kabinettssekretär Dr. Wilhelni Wehn er zu Darmstadt zum Krcisamtmann bei dem KrciSanit Büdingen mit Wirkung vom l. Juli ds. IS. a» ernannt. ** Gerichtswesen. Der Großherzog hat den Amtsrichter bei dem Amtsgericht Altenstädt, Ernst Hofmeyer, zum Oberamtsrichter bei diesem Gericht und den Amtsrichter bei dem Amtsgericht Grünberg, Karl Dölp, zum Oberamtsrichter bei dem letztgenannten Gericht ernannt. Der Großherzog bat dem Amtsrichter bei dem Amtsgericht Ober- Jngciheim, Tr. August O st e r n, den Charakter als Amtsgerichtsrat erteilt. "JndenRuhestandversetzt wurde am 13. Juni der Gerichtsvollzieher mit dem Amtssitze in Gießen, Emil Geißler, auf sein Nachsuchen mit Wirkung vom Tage des Dienstantritts seines Nachfolgers und unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste. Aus diesem Anlaß wurde ihm die Krone zum Silbernen Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. ** Forstwesen. Der Großherzog hat den Oberförster der Obersörsterei Grebenhain, Forstmeister Gustav Kr u g in Grebenhain, in gleicher Diensteigenschaft in die Oberför- ftcrei Düdelsheim versetzt. " Rettungsmedaille. Der Hafenaufscher Friedrich Adam Bastian in WorncS hat am 6. März 1914 einen 14jährigcu Volksschüler vom Tode de? Ertrinkens gerettet. Als Anerkennung hierfür ist ihm vom Großherzog die Rclliingsmedaille verliehen worden. ** Der Hessische Städte-Beamten-Ver- band, zu dem 150 Vertreter der angeschlossenen Beamtenvereine der einzelnen Städte erschienen waren, hielt am Sonntag im Kaisersaal zu Darmsdadt seine 4. ordentliche Hauptversammlung ab. Als Vertreter der Stadtverwaltung und der Stadtvertretung waren Beigeordneter Baurat Jä- er, Landtagsabg. und Stadtverordneter Dr. Osann, sowie ie Stadtverordneten Hammann und Säng, erschienen. Die Tagesordnung behandelte neben einer Reihe interner Fragen die staatsbürgerlichen Rechte und das passive Wahlrecht der Städtebeamten. Interessante Referate beleuchteten die Forderung der Städtebeamten auf Gleichstellung in sozialpolitischen Fragen mit den Privatangestellten. (S§ wurden Resolutionen bezüglich der Erreichung des passiven Wahlrechts der Städtebeamten, der Einführung der ungeteilten Arbeitszeit und des Ausbaus von Kranken- und Stcrbckaffen gefaßt. Als Ort der nächsten Hauptversammlung wurde Offenbach bestimmt. Ein gemeinschaftliches Essen schloß den offiziellen Teil der Verbandstagung. ** Der Hess. Landes-Lehrerinnenvereiu besitzt seit dem 1. Januar eine Hilfskasse, deren bis jetzt noch kleinen Grundstock die Lehrerinnen ohne Inanspruchnahme der Oeffentlichkeit durch freiwillige Beiträge und mit Hilfe des Vereins Hess. Lehrerinnenheim zusammen gebracht haben. Doch sind ihnen auch Geschenke zuaeflossen, größtenteils von ungenannten Gebern. Zurzeit stehen jährlich 600 bis 700 Mk. zu Beihilfen an solche Vereinsmitglieder zur Verfügung, die durch Krankheit in Not geraten sind. ** Sitzung der Stadtverordneten-Ver- s a m m l u n g am Donnerstag, den 25. Juni 1914, nachmittags 5 Uhr. Tagesordnung: l. Auslosung von Schuldverschreibungen. 2. Mitteilungen. 3. Vorlage des Verwal- tungsberichts und Rechnung der Stadt und des Stadt- erweiterungssonds für 1912. 4. Gesuch der Sanitätskolonne um Uebernahme von Repaoaturkosten einer Krankentrage. 5. Gesuch des Vereins „Kanaria" um Stiftung eines Beitrags für die Beschaffung von Ehrenpreisen. 6. Gesuch des Schwimm- und Wassersportvereins um Stiftung eines Ehrenpreises. 7. Baugesuch des E. Reinhard-Gelsenkirchen wegen Errichtung eines Benzin- und Benzollagers in der Nähe der Margareten Hütte. 8. Gesuch des DH: Budde wegen Anbringung eines Wandarms am Hause Seltersweg 52. 9. Baugesuch des' Ludwig Wehrnm füg Crednerstraßc 18. 10. Gesuch der Freien Turnerschcfft wegen Ueberlassung einer städtischen Wiese. 1l. Bebauungsplan für die Straße von der Steinstraße nach der Dammstraße. 12. Uhrcnanlage für den Schlachthvs. 13. Ferien der Stadwervrdneteii-Ver- Minnlung. ** Me Werbeausstellung Gießen Auch der vergangene Sonntag hatte viele auswärtige Besucher nach Gießen gebracht. Die Gewerbevereine von Grünberg und Lich. der Radsahrcr-Berein von Groß-Felda sowie der Kongreß des Bezirksverbandes der mittleren Staatsbeamten weilten hier. Der gute Ruf pnserev>!Ge»vcrbeausstellung führt täglich interessante Besuche nach Gießen. Insbesondere sind es Bürgermeister von aufstrebenden Städten, Lehrer, Volkswirte und neue Einkanssquellen suchende Mcusleute und hwar nicht zum Schaden unserer Ausstellung. Die Konzerte am Nachmittag und am Abend lockten aufs neue viele Besucher herbei, welche bei dem ab und zu eintretcndeu Regen sich gerne in der Festhalle und in Alt-Hessen nicder- ließcn und dort den humoristischen Vorträgen lauschten. — Bergmannstag in Gießen. Aus Anlaß der Gewerbcausstellung Gießen 1914 werden die Bergbeamten und Bergwerksbesitzer der benachbarten preußischen Berg- reviere Wetzlar, Weilburg, Dillenburg, Dietz und Siegen, sowie die Bergbautreibenden Oberhesscns auf Einladung der Großherzogl. Bergmeisterei am 20. d. M. zu einem Bcrg- maunstag zusammenkommeu, an dem auch Werkbeamte und Arbeiter teilnehmen sollen. Um ‘/»12 Uhr versammeln sich die Teilnehmer vor dem Haupteingang, dann findet in Alt- Hessen ein Lichtblldervorlrag über die Bedeutung des ober- hessischen Bergbaues statt. Nach dem Mittagessen, das um 12.45 Uhr in der Festhalle stattfindct, wird unter fachkundiger Führung ein Rundgang durch die Ausstellung angetreten. Als Eintrittsgeld sind einheitlich 50 Psg. festgesetzt worden. ** Ceylon-Aus st ellung. Um mehrfach geäußerten Wünschen zu entsprechen, werden Dauerkarten, «ms Namen lautend, zum doppelten Eintrittspreise ausgegcben. Der Besuch der Ausstellung war bis jetzt ein sehr reger. ** Aus dem Bureaudcs Stadttheaters. Nochmals sei auch an dieser Stelle nachdrücklich auf die heutige Wiederholung der neuen Operette „Polenblui" durch das Großh. Kurtheater Bad-Nauheim hingciviesen, zunial diese Aufführung die letzte Gelegenheit bietet, das wirklich reizende Werk kennen zu lernen. ** Das Museum des Oberhessischen Ge. schichtsvcreins und die Gailschen Sammln n g e n sind durch eine Ausgrabung im „Zollstockwald" im vorigen Monat wieder ersieulich bereichert worden. Ein mächtiger Hügel, dessen eine Hälfte schon vor langer Zeit zur Gewinnung einer Schneise abgetragen war, enthielt eine bronzezeitliche Skelettbestattung. Ein wohl erhaltenes bronzenes KUrzschwcrt und eine schöne sogen. Petschaftnadel wurden dem Boden entnommen. Im unteren Teile des Hügels, in der Nähe von großen Steinpackungen, stand eine unverletzte Urne mit Außenverzierung durch Winkel und Furchen. Ein ähnliches Gefäß ist in der Umgegend von Gießen noch nicht scstgestellt worden. — Für die studen- tische Abteilung des Museums ist das so seltene Ordenskreuz des Harmonisten-Ordcn aus den 80er Jahren des 18. Jahrhunderts, das am schwarz-roten Bande über der Brost getragen wurde, erworben worden. — Die Porzellansammlung ist gleichfalls durch Ankauf von Stücken, die sich aus Hessen beziehen, vermehrt worden Einen erheblicher Zuwachs hat die Wassensammlung erhalten. ** Allgemeine Ortskrankenkasse Gießen Die Beiträge zur Kranken- und Invalidenversicherung für den Monat April 1914 können noch bis zum 26. Juni 1914 ohne Kosten bezahlt werden. **S8ei dcrPo st hilf stelle in Queckborn ist ein! Telegraphenanstalt mit öffentlicher Fernsprechstelle und Uw fclllmcldestelle eingerichtet worden. ** Unfallversicherung. Ter Landwirt Ph. W in Heuchelhcim >var dem Fuhrmann des Kaufmanns I. R von dort behilflich und verunglückte dabei derartig, daß die Folgen bis heute noch nicht beseitigt sind. Die Lager«, berussgenossenschast, bei welcher der Kaufmann versichert ist lehnte eine Entschädigung ab mit der Begründung, daß für ihre Berussgenossenschast ein entschädigungSpflichiigcr Unfall nicht vorliege. Tie landwirtschaftliche Berufsgcnossen- schast, bei welcher der verunglückte Landwirt versichert ist erklärte sich dagegen zur Zahlung einer Rente bereit, weil der von dem Verletzten ausgeübtc Gefälligkeitsdienst so ge- ringfügig war, daß'dadurch ein Uebertritt in einen anderen verstcherungspflichtigen Betrieb nicht erfolgte. ** Die Maul- und Klauenseuche wurde festgestellt in Kaufbeuren (Bayerisch-Schwaben), ferner im Bezirk Nagold (Württembergischcr Schwarzwald-Kreis). — Du Seuche ist erloschen im Schlacht- und Viehhofe zu München "Gemeinde st euer-Rück stäube. Unter den heu- sigen amtlichen Bekanntmachungen der Stadt Gzeßen befindet sich auch die Mahnung des 1. Zieles Gemeindesteuern und Kanalgebühren vom Rj. 1914. Die Zahlung kann noch bis 4. Juli einschließlich bei der Stadtkasse Gießen, durch Posteinzahlung oder Ueberwrisung im Bank und Postscheckverkehr, ohne Kosten erfolgen. Nach Ablaus dieser Frist erfolgt die Beitreibung, wobei die vorgeschriebenen Psändungskosten erhoben werden. ( tz. Berichtigung. In Nummer 135, wo von dem Bau einer Wasserleitung die Rede ist, soll es nicht heißen Frisch, born, Kreis Lmüerbach, sondern Fischborn, Kreis Getnhäusen. Landkreis Gießen. Klein-Linden, 15. Juni. Infolge eines Schlag- anfalles, den sie im Felde erlitt, starb die Frau eines pensionierten Bahnbeamten. (i) Bellersheim, 15. Juni. Gestern abend geriete» einige hiesige Burschen aus der Ortsstraße in Streit In dessen Verlauf fvarf ein gewisser Koch einen andere» simgen Menschen derart gegen eine Wand, daß er zu Bo den siel und wie tot liegen blieb. Heute morgen stellte de, Arzt eine starke Gehirnerschütterung fest. Kreis Alsfeld, di. Schwarz, 18. Juni. Heute fand das Fahnenweih fest des Gesangvereins „Eintracht" hier statt. Kreis Lautcrbach. !d. Frisch born, 15. Juni Unter lebhaster Anteilnahme der Bevölkerung, jedoch stark beeinträchtigt durch' schlechtes Wetter, da verschiedenemal Gewitter losbrackwn, fand hier am Sonntag das Be zir ks turn f e st des 4. Bezirks vom Gau Hessen statt. Da der hiesige Turnverein noch nicht ganz zwei Jahre alt ist, war es das erstemal, daß unser Ort eine derartige Veranstaltung hatte. — Die an dieser Stelle vor einigen Tagen unter „Frischborn" gebrachte Nack>- richt über den Bau der Wasserleitung beruht auf einem Irrtum; sie betrifft, wie auck, an anderer Stelle schon er- wähnt, das preußische Dorf Fischborn im Kreis Gelnhausen. Kreis Schotten. ^ Sch otten, 13. Juni. Für den Erweiterungsbau des Lehrerheims sind bis jetzt 2730 Mk. ge. sammelt. Dem Verein sind dieser Tage wieder eine Anzahl Mitglieder beigctrcten, so daß er jetzt 2600 Mitglieder zählt. tz. Aus dem Bo gel s berg, 14. Juni. Die Regel der altcn Vvffahrcn, daß die Frösche, solange sie vvr Walpurgrs säugen. Verimch schweigen müßten, hat sich mich dieses Jahr wieder bewahrt. Ansang Aval, sa sogar an schönen Abenden im März Härte nmn schon den Froschgeswtg. Die ungünstige Witterung un Atai hatte src aber wieder zum Schweigen gebracht Erst vor wemgcn Abenden haben sie nun wieder ihr Konzert begonnen . 6. Lerchcnhain. 14. Juni. Das Weiden des Vieles un -zrülnahr und Sommer ist für die Bewohner der Gebirge, deren hervorragendste Beschäftigung die Viehzucht ist, ein großes Bedürft ^a^nun Lnicrc Gemeinde schon seit Jahren immer stück- wene MelioroNonen rvrgewommen hat und so bis aus ein klernes Feld das zum Behüten verfügbare Gelände umgcbaul ist, gelangte der Ortsvorst-rnd zu dem Entschluß, ein in früheren Jahren meüoriertes Stück zur Kuhwcide sreizugeben In hinreichendem Moste bietet dieses Gelände immer noch nicht Nahrung und so »mrstte ein weiteres Stück frrigegeben werden. Der Fehlbetrag, der sich bei der GraserrNe ergibt, wird dadurch ausgeglichen, dag man das Weidegeld Um, 1 kn5 2 Mark erhöht. Die Nackbar.,am eil,de yartinannsharn hat crnc Jnngvictzveidc angelegt. Kreis Fricbberg. $ Bad-Nauheim, 15. Juni. Die Gen e ralstab §• offijtete de? 18. Armeekorps, die gegenwärtig auf einer GeueralstabSreise in Oberhessen begriffen sind, weilen jetzt auf mehrere Tage hier im Quartier. h Södel, 15. Juni. Bei der gestrigen Bürgermeister, wähl wurden von 195 Stimmberechtigten 193 Stimmen abgegeben. Der Landwirt Dillenburger wurde zum Bürger- n eist er gewählt. Starkenbnrg und Rhcinhessen. w. Deidesheim, 15. Juni. Kommerzienrat Fritz Eckel, Inhaber der Weinsirma Gebr. Eckel, ist gestern nachmittag an einem Herzschlage gestorben. Der Verstvrbeiu- bekleloete zahlreiche Ehrenstetten. w. Mainz, 14. Juni. Anläßlich des 50jährigen Be - stehcns des Jußartill cri e-Regiment s Gencral- Jcidzeugmerster (Bra ndcn burgisches> N r. 3 fand heute mittag vor dem kommandierenden Üleneral des 18. Armeekorps General der Infanterie von scheint ein Regimeutsappell und Parade statt. Nach Ansprachen der Geistlichen beider Konfessionen brachte der Kommandierende ein .hoch ans den obersten Kriegsherrn ans. Eine Parade des Regiments und unter Füh- rung von Generalleutnant Jett er ein Vorbeimarsch von über 3000 ehemaligen Angehörigen des Regiments schloß sich an. Die Stadt war festlich geschmückt. d. Mainz, 15. Juni. Ein Blitzschlag traf am SamStag mittag kur, por em .Uhr über dem Hauvtportale der St. Pelers- kirche die linksseitige Einzrlfigur. Die Wirkung war derart, daß die Figur ausciuandcrbarst und der vordere Teil aul das Strasren- vflaster Innobstürzte. In dcinselben Moment fuhr ein Radiahccr vorüber, direkt hinter ihm stürzte die schloere Stciirmassc nieder, znm Glück kam er Mit dem Schrecken davon. Durch den Blitz wurde außerdem die große Mittelsigur und der rechtsstehende .Engel gcttosfcn, von denen einig« Teste absprangcn nnd aus die Straße sielen. Der Absturz der mehrere Zentner wiegenben Stcin- massen verursachte einen donnerähistichen Schlag, so daß die benachbarten .Hausbewohner an die Fenster stürzten in der Meinung, einer der Kirchtürme sei cingcstürzt. Mehrere Arbeiter hatten längere Zeit zu tun, um die Stciumassen in das Innere der Peterskirche zu bringen. ch. Ni e der-Jn g ei heim, 14. Juni. In den Ekrussee- graben gefahren ist hier ein Auto, das den Steig abwärts fuhr. Bon den Insassen wurde außer dem Chauncur, der sich eine Hand verstauchte, niemand verletzt. Sämtliche Glasscheiben des Wagens wurden zertrümmert. Geständnis des Hofhcimer Massenmörders. rm. Darmstadt, 15. Juni, heute abend.7.38 Uhr wurde Flö rsch, von zwei Gcndarnren begleitet, hierher gebracht nird in das Untersuchungsgefängnis ssirrgeliesert. Er hat heute vormittag in vierstündiger Verueh- namg vor dem Oberstaatsanwalt Dr. Schwarz und Kriminalkommissar Daniel ein volles Geständnis über die Tat abgelegt. Ucber die Einzelheiten meldet uns ein eigener Drahtberickst: dz. Bürstadt i R., 15. Juni. Bei seinem Geständnis erzählte der Mörder, daß er im Backhaus mit seinem Meister Stteit ongesangen habe, weil dieser ihm gekündigt hatte. Ms ihn der Meister inst einer rkohlcnschipvc bedroht habe, habe er sich mst einem daliegcnden Beil zur Wehr gesetzt und dem Meister den Schädel erngeschlagcn. Durch das Geräusch sei die Frau des Meisters erwacht und heruntergekom m e n ; er habe ihr mst dem Beil gegen die Stirn geschlagen und sie sei zusaminengebrocheu. Ms Nim auch die beiden Mädchen erwacksten und ausstaiibcn, s-abe er auch sic mit dem Best aus den Kopf geschlagen. Er lxU seinen Meister dann bis vors Bett geschleift nnd ihn mit Pettoleum iübcrgosscn. Nachdem er noch die Wohnung nach Geld durchsticht gehabt habe, habe er die Betten angczünixt. Dann habe er sich gewaschen, die Blutspuren mit Mehl überstreut und das Daus verlassen. 1000 Mark habe er mitgenommen, sich dann ans den Weg nach Worms gemocht nnd dort die Nacht hindurch getrunken. Er sei dann mit der Balm nach Herrnsheim gefahren, dott ausgestiegen und nach Abenheim gegangen. Zwischen Herrnsheim und -Abenheim habe er das Geld ins Korn geworfen. Hier habe er gehört, daß das Haus nicht abgcbrnant wäre, daß man also hie Ermordeten gefunden hätte nnd man ihn für den Mörder hielt. Er fei dann, west er sich sagte, man würde ihn doch einholen, umgekehrt und nach Gundersheim gegangen. Dott sei er in eine Wirtschaft eingckelat, wo ihn der Polizeidiener festgenommcn hätte. Bon dem Geld wurden 87.7/ Marl in dem bczcichnctcn Kornscld gefunden. Die beiden schwerverletzten Mädchen befinden sich auf dem Wege der Besserung. Hierzu wird uns noch von unserem rm.-Mstarberter aus Darmstadt, 15. Juni, berichtet: Heute früh begab sich Kriminalkommissar Daniel zu Flörsch, um ihn zu einem Geständnis zu bewegen. Fl. leugnete jedoch hattnäckig. Ms ihm durch den Kom- missar, die bei der Mutter und dem Bruder fcstgcstelltcn Ermittelungen vorgehalten wurden, sing er an zu weinen, bis er endlich mit den Wotten Ja, ich wachs! in Tränen ausbrach. Oberstaatsanwalt Dr. Schnmrz setzte dann die Vernehmung sort, in der nach vierstündiger Tauer der Täter ein vollltändiges Ge- ftändnis ablcgte. Er bestreitet allerdings die Absicht des Mordes. Er will nur wegen der fortgesetzten Schimvscreicn bei Meisters auch am fraglichen Abend erregt worden sein, worauf U das nebenstehende Beil ergriff und dem Bäckermeister von hinten einen Schlag aus den Kops versetzte. Als dieser sich umwandtc, gab er ihm einen zweiten Schlag ans die Stirne, dann einen dritten Schlag, so daß der Uebcrsallene jedensalls tot znsammensicl. Inzwischen batte die Frau aus dem bcnachbatten Zimmer gerufen. Fl. trat in das Zimmer, und als sie ihn srug, was er denn wolle, schlug er die im Bett sitzende Frau mit 5 Besthieben nieder. Als dann eine der im Nebenzimmer schlascnbcn Töchter, in der Mci nung, vom Vater geweckt worden zu sein, aufftchcn wollte, drang er auch aus diese eiu und schlug dann, wie er angibt, wie ein Tobsüchtiger um sich. Jetzt sei ihm erst der Gedanke gekommen, das vorhandene Geld zu nehmen und die Zimmer anzustecken. Er sülltc das Geld, etwa 900 Mk, davon etwa 350 Mk. Papiergeld, 120 Mark in Gold und der Rest in Tjilber, in ein Taschentuch, dieses in eine Lederlaickze und das Ganze in einen Rucksack des Bäckermeisters, dann übergoß er die Betten und die aus dcni Backhaus iu das Zimmer geschleifte Leiche mit Petroleum und zündete alles an. Kreis Wetzlar. X Krofdorf, 15. Juni. Hauptlehrer Hofsmann tritt am I. Oktober in den Ruhestand. X Kinzenbach, 15. Juisi. Ani Sonntag wurde unter großer Beteiligung der „Alte Steinmüller" beerdigt. Geboren am 10. Juni 1836 in Heuchelheim, war er zuletzt zirka 30 Jahre in der Mtlllerschen Zigarrensabrik zu Gießen beschäftigt. Am 13. Oktober 1911 feierte er seine Goldene Hochzeit. Der Verstorbene gehörte zu den Gründern unseres Gesangvereins und toar dessen langjähriger Vorsitzender. e. Ebersgöns, 15. Juni. Im Anlchluß an die Zusammenlegung wurden hier über 400 Morgen Ackerland dräniert, eine Arbeit, fiir die such im ganzen Kreise noch Hin Gegenstück sindet. Die Kosten der Dränage stellen sich auf 33 000 Mk., wozu eine Beihilfe von 11000 Mk. gewährt wurde. Ter Mehrcrtrag infolge der Dränage ist so hoch, daß die Gcsamtkosten in 3 bis 4 Jahren gedeckt sein werden. Hessen-Nassau. ( ) Marburg, 15. Juni. Tie Stadtverordneten lehnten in ihrer heutigen Sitzung nach langer Aussprack)c den Anschluß der städtischen Sparkasse an die Kasseler Zentrale des Verbandes öffentlicher Lebenslxrsicherungsanstatten ab. h. Königstein, 15. Juni. Bei einem Einbruch ln die Villa Rehe im Reichenbachiale erbeuteten die Diebe für 10000 Marl bares Geld und Wertpapiere. Gcrichtssaal. Das Urteil im Znfterbiirger Giftmordprozeh. -a Insterburg, 15. Juni. Ter vor dem hiesigen Schwurgericht verhandelte große G > > i m o r d v r o , e ß hat, wie vorans- znlehen ivar, mit der Verurteilung der Angeklagten geendet. Tie Anklage stutzte sich »n ivejentlichen auf die Gutachten der Each- ve> bändigen, anö denen klar hcrvorging, daß der Tod der Heiden Männer dcrWw. TchcIeleisnnransAr>envcrgüt»ng znrückzullihrcn lei. De» ersten Fall betrachteten die Geschworene» mir als Totielstag und erachteten hier die Frau Schclcleis allein schuldig; der Ke- richtshes erka/inte licrlnr auf drei Jahre Gefängnis. Im Faste des ,ereilen Ehemannes der Fra» Scheleleis lautete der Wadrspruch der Geschworenen dngeaen an! Mord und demgemäß das Urteil de§ Gerichtshofes auf Todes st raic gegen beide Angeklagte samt den üblichen Nebenslraie». Die Verurteilte» nahmen das Urteil verhältnismäßig ruhig entgegen. rrnivcrßitäts-Nachrrchten. 50jährigcs Jubiläum des landwirtschaftlichen Instituts in Halle. Halle, 15. Juni. Heute vormittag begann in der Aula der Universität das offizielle Fest des 50jährigen Jubiläums des Landwirtschaftlichen I n st i t u t s. An dem Fest nahmen der Unterrichtsministcr v. Trott zu Solz, Landwittschafts- münster v. Schorlcmer, in Vertretung des Staatssekretärs des Rcichskolonialamts Tr. Sols Gcheimrat Busse, Regierungspräsident v Hegel u. a. teil. Die Begrüßungsrede hielt der Rektor der Universität, Gcheimrat Kattcnbusch. die Festrede der Direkwr des Landwirtschastlichen Instituts Gcheimrat Professor Dr. W o h l t m a n n. Ter Kultusminister übcrbrachtc die Glückwünsche des Kaisers und verkündete mehrere Auszeichnungen. Tie Provinz sstftetc 30000 Mark unter dem Namen „Sachsensttsl ung", der deutsche Landwirtschaftsrat 5000 und die Landwirlsckasts» kammcr 10 000 Mark: insgesamt wurden 95 000 Mark gestiftet. Zu Ehrendolwrcn wurden promoviert: Lochow-Pctt- kus, Ockonomierat Hösch-Neukirchcn lMtmark-, Amtsrai Zimmer mann-Benkcndorf. Am Nachmittag erfolgte die Einweihung des neuen Tierzucht-Instituts. — Der rtatsmäßige Professor für Anatomie an der Freiburger Universität, Tr. Franz K e i b e l, hat einen Ruf nach Straßburg erhalten und angenommen. Vermischte». — D i e K r o ß h c r z o g I i ch e Regierung hat die be- bedeuteude Bodmann - Habels che Handschriften - und A l t e n s a m m l u n g , die besonders ivertvolles Material zur Geschichte des Erzbistums Mainz enthält, von den Erben des Archäologen, Kreisrichters Eonrodv in Miltenberg, angekauit. Die Sammlung wird teils dem Großherzogl>it»cn Haus- und Staatsarchiv, teils der Großherzoglichcn Hosbibliothck einvcrleibt werden. Kandel. — NassanischeLandesbank. Tie Tircktion der Nassau- ischen Landesbank legt in der Zest vom 18. Juni bis l l.Juli ein- schließlich einen Teilbetrag von nom. 5000000 Mk. der neu aus- zugcbenden 4«o Schuldverschreibungen der Nassauischen Landcsbank „26. Ausgabe" zum Vorzugskurse von 98,40»/o (Börsenkurs 99»-») zur össentlichen Zeichnung aus. Dieser Vorzugskurs greift für die ganze Tauer der Zeichnung Platz. Tic Anleihe ist unkündbar bis I. April 1923. Zinsterinin l. April und 1. Lstobcr. Tic Abgabe erfolgt bei der Lanbcsbank-Hauptkassc in Wiesbaden, sämtlichen Lan- bcsbankstellen und den Sammclstellcn der Nassauischen Sparkasse, sowie auch! bei den me isten Banken am hiesigen Platze. Amtlicher Wetterbericht. Oeffentlichcr Wetterdienst, Gießen, : Wctterausjichten in Hessen am Mittwoch, de» 17. Juni lSll g,ine wesenlttche Aenderung, warm, verbreitete Gewitter, nördliche indc. Letzte Nachrichten. AuS brr Hessischen Zweiten Kammcr. D a r m st a d t, 16. Juni. In der heutigen Sitzung kant zunächst dic Anfrage Bär und Genossen über den Bahnbau Hanau — Büdingen zur Verhandlung. Geheiinrat Braun gibt die Erklärung ab, daß die Regierung zu einem Zuschuß bereit sei, wenn die Gemeinden sich zu einer Verständigung entschließen und das Gelände avtreten. Auch der Bau einer elektrischen Verbindung sei zu erwägen. Darnach begründet Abg. Bär sejnen Antrag. Die Lage in Durazzo. Wien, 16. Juni. Ueber die Schutzmaßnahmen in Durazzo werden der „Neuen Freien Presse" in später Nachtstunde gemeldet: Tie österreichisch ungarischen Soldaten bewachen die Südseite des fürstlichen Palais. Die österreichisch-ungarischen Torpedoboote sind möglichst nahe an die Stadt herangefahreu, um im Notfälle Durazzo unter Feuer nehmen zu können. I n der Stadt selbst herrscht vollständige Ruhe und Ordnung. Mehrere Hospitäler wurden eingerichtet. In einem sind bis jetzt 35 Verwnnbete untergcbracht. Vom internationalen Pressekongreß. Kopenhagen, 15. Juni. Der Internationale Pressckongreß besckxiftigtc sich heute in seiner geschäftlichen Sitzung mit der Frage der Zeu gn i s pfli cht der Journalisten und nahm mit allen gegen drei Stimmen eine Entschließung an, nach der die Presseorganisationcn der verschiedenen Länder durch das internationale Bureau von ncncm aufgefordert werden sollen, Eingaben an ihre Regierungen und Parlamente zu richten wegen Einfiihrung von gesetzlichen Bestinmninge», durch welche die Journalisten das Recht erhalten sollen, ihre Quellen geheiin zu halten. — Heute abend gaben der König und die Königin zu! Ehren des Presse-Kongresses in Ämalienborg eine Wend- gesellschast, zu der 340 Einladungen ergangen waren. Die Majestäten unterhielten sich lebhaft mit den Delegierten der verschiedenen Länder. Das Pluralstimmrecht in England. Lo n d 0 n, 16. Jüni. Das Unterhaus hat die drille Lesung der P lu r a l stimm r e ch t s b i l l mit 320 gegen 242 Stimmen angenommen. Damit hat die Bill zum zweiten Male das Unterhaus unter der Parlamentsakte passiert. Verwendung grau-blauen Unisormtuches in Frankreich. Paris, 16. Juni. Die „France inilitaire" meldet, daß der Kriegsminister den Antrag des Unisorm-Ausschusses 1 ans Verlvendung des ptau Tricolore-TucheS, für die Mannschastsuniformen genehmigt habe. Dieses Tuch wird vom Jahre 1915 ab zunächst für die Unijormen der Fußtruppen verwandt werden. Durch Blitzschlag getötet. Brüssel, 16. Juni. Im Stadtpark hatten fünf Personen unter einer großen Ulme Schutz gesucht vor einem Unwetter. Durch einen Blitzstrahl wurden zwei Männer, eine Frau und zwei Kinder niedergeworfen. Allein gestern! nachmittag sind 12 Menschen durch Blitzschlag getötet resp. verletzt worden. llnwetterin Paris. Paris, 16. Juni. Eine Wasserhose, die znnschen 5 und 7>/r Uhr unter Blitz und Donner sich über Paris ergoß, hat hier großen Schaden verursacht nnd schreckliche Unglückssälle hervorgerufen. Zahlreiche Keller wurden überschwemmt, an mehreren Stellen traten Erdsenkungen ein. Tie Feuerwehrleute arbeiteten eifrig, um die in mit Wasser gefültte Gruben gefallenen Personen zu bergen. Außer den zwei Personen, die in einer Automobildroschke umgekommen sind, sind noch fünf Personen in eine Grube am Platz Philippe du Roule gefallen und ertrunken, jo daß die Zahl der Opfer nach den bisherigen Feststellungen 7 beträgt. Mryra, CremeSeife I erhalten bc! regelmäßigem Gebrauch die Haut fch&n, gefund und jugcndirh'ch. Mivea-Selfe 1 St50Pf.,3St 1,40B. Miveo.CreraewIO.W^O.TSPf.u.ll#. Das sollte Jeder wissen. Grohariipc Tietiitc hat mir Ihr vorzüplich lwweckende?, sehr bekömmliitics Bioson nls Krniilvender nclnilcl. als ilv infoine eines nervösen 'JMnnenleibenS nflcrlei Unvänlichkeiten, wie liänzlicko Slvi'etitloüakeii, Tckwindelansälie, Udle Laune and deraleickcn erlraaen batte, modurck ich immer müde war and bleierne Schwere in den Gliedern uevümvie. 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