Ur. <55 Der «ietzemr Anzeiger erscheint tätlich, sicher Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich kiehenerZomilttnhlätter; I weinial wöcheni l.ürei;- 'lattstrdenrireirSiehen (Dienstag und Freiing); zweimal nionail kand- wirtschofMch« Seitsragen Ferniprech - Anschttifi«: sür die Redaktion 112, Verlag ». Expedition 51 Adresse für Depeschen: Anzeiger «ictzeu. Annahme von Anzeigen sür die Tagesnummer bis vornrittags 9 Uhr. Erster Blatt IH Jahrgang Zrettag, \ 2 . Juni X9|4 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger sür Oberhessen Rotationr-nxk »nö Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und Steinöruckerei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchnlprahe 7. An»i,-nt-n: tz? BeL ve»ug»pret»: monatlichTbPs., vierteljährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 6b Ps.; durch die Post Mk.S.—viertel- jährl. ausschl. Beitellq. Zeilenvreis: lokallbPs, auswärts 20 Psenniq. Chesredakteur: 21 Goetz. Verantwortlich sür den polit. Teil: Ang. Goetz; sür .Feuilleton', .Vermischtes' und.GerichtS» saal": Karl Neurath; sür .Stadt und Land' Die heutige Nummer umsaflt 12 Seiten. Da$ Verlegenheitskabinett Ribol-Velcaste. Der am 7. Februar 1842 geborene, also im Alter von bereits 72 Jahren stehende Alexandre Ribot hat sich stets als ein sehr wandlungsfähiger Politiker erwiesen und wird heute zu den gemäßigten Republikanern gerechnet. Unter 'Napoleon war er Monarchist und kaiserlicher Beamter. Als er dann >.m Jahre 1878 in die Kammer gewählt wurde, war er der Wortsührer der Mittelpartei, die schon damals stark klerikalisierende Neigungen zeigte. Gehörte Ribot doch zu den Gegnern des Gesetzes, welches die Trennung von Kirche und Staat durchsührtc. Als er 1892 zum erstenGial Ministerpräsident wurde, wußte er sich mit einigem Geschick durch die Schwierigkeiten des Panamakanals hindurch zu winden, und während der Drcyfus-Afsäre war er krampshast bemüht, es weder mit der Rechten noch mit der Linken zu verderben. Seine „historischen" Verdienste bestehen darin, daß er als Ministerpräsident im Jahre 1895 einer der Mitbegründer der Allianz mit Rußland war, während er zu einer Zeit, als in Frankreich die Engländerseindschaft noch an der Tagesordnung war, von den Nationalisten als Ribot, l'Anglais verspottet wurde. Bei der letzten Präsidentschastswahl war er ursprünglich Gegenkandidat gegen Poincarö, den er jetzt aus der Klemme ziehen soll. „So klammert sich der Schisser endlich noch am Felsen fest, an dem er scheitern sollte." Wenn man das Kabinett Ribot als das der großen Namen bezeichnen will, so muß man dabei außer auf den Ministerpräsidenten auch aus Bourgeois und Delcasss Bezug nehmen. Der am 29. Mai 1851 geborene Leon Bourgeois hat seit dem Jahre 1890 zuerst in verschiedenen Ressortministerien eine Rolle gespielt und war auch schon einmal, wie jetzt wieder, Minister des Aeußeren, nämlich im Kabinett Sarrien vom 14. März bis zum 7. April 1906, also nur drei Wochen; aber schwere Wochen, denn sie sielen in die letzte Zeit der Algeciras-Konferenz. Seine Hauptrolle hot er als Vertreter Frankreichs auf der zweiten Haager Konferenz gespielt, und er gilt auch heute noch, wie er es damals war, als ein Vertreter friedlicher Anschauungen, soweit man das von einem Popularitätshascher — und das ist Bourgeois — überhaupt erwarten kann. Im übrigen ist er im Gegensatz zu seinem Ministerpräsidenten Antiklerikaler, freilich der milderen Färbung, und er wurde bisher zu den Radikalen gerechnet, die ihn jedoch schon in letzter Zeit zu den unsicheren Kantonisten zählten. Die Friedensfreunde werden es vielleicht als Ersolg bezeichnen, daß man das Portefeuille des Auswärtigen Herrn Bourgeois und nicht Herrn Theophile Delcasss anvcrlraute, den Herr Ribot zum Kriegsminister gemacht hat, und der hoffentlich nicht „wie einst im Mai" seinen Ehrgeiz darin sucht, ein Minister des Krieges zu sein. Es ist allgemein bekannt, wie der am 1. März 1852 geborene Delcasss, während er 1898 bis 1905 das Ministerium des Auswärtigen leitete, ' mit König Eduard gegen Deutschland konspirierte, und seine Deutschseindlichkeit har er beibehalten, als er 1911 Marine- minister und dann Botschafter in Petersburg wurde. Auch als Kriegsministcr dürste er in Worten wie in Taten dafür sorgen, daß Frankreich „erzbereit" ist. Wenn er Zeit dazu haben sollte! Aber das ist noch mehr als fraglich, denn man wird dem Kabinett Ribot, welches von der Rechten mit Jubel begrüßt und von der gesamten Linken schon jetzt heftig besehdet wird, schwerlich eine lange Lebensdauer zusprechen können. Zwar verspricht Ribot, der bisherige Gegner der Einkommensteuer, deren Durchführung, aber wenn die Radikalen, Radikal-Sozialisten und Sozialisten ihre Ankündigung wahrmachen, dann muß das Ver- legenhcitskabinctt Ribot über das Problem der Militärdienst z e i t fallen, und erst wenn die ncugewähltc Kammer den erneuten unvermeidlichen Kampf um diese brennende Frage ausgefochten hat, wird die Grundlage für eine endgültige Kabinettsbildung gegeben sein. So ist die Krisis in Frankreich nicht gelöst, sondern nur vertagt, und die scharfen Gegensätze zwischen rechts und links in Sachen des Dreijahrsgesetzes eröffnen nach wie vor die Aussicht auf ihre Erweiterung zu einer Präsidentschaftskrisis. Paris, 11. Juni. Der neucrnanntc UMerstaatssekretär des Krieges Margaine hat seinen 2lustritt aus der Gruppe der geeinigten Radikalen angcmeldct. Die Anhänger des Ministeriums Ribot sprechen die Hoffnung aus, daß.das Beispiel Margaine bei manchen Mitglieder» der Gruppe der geeinigten Radilolen Nachahmung sindcn werde. — Die 57 Mitglieder zählende Gruppe der Linksrcpublikancr faßte einen Bkschluß- antrag, in welchem sic sich u. a. für die Ausiechterhaltnng des! DrrijahrgesetzeS und für die Schaffung einer rein republikanischen Mehrheit aussmicht, welche cs der Regierung ermöglichm soll, ihre 21ufgabcn ohne den Beistand verdächtiger Stimmen dnrchzu- führen. Den Mitgliedern der Gruppe wurde für die morgige Debatte zwar vollständige Freiheit gelassen, doch glaubt man, daß dieselbe einmütig für das Ministerium stiimnen wird. Die geeinigten Sozialisten beschlossen, bei der Abstimmung über die Tagesordnung, die im Anschluß an die An- frage über die allgemeine Politik der Regierung der Kammer vorgelcgt werden wird, gegen die Regierung zu stimmen. Die geeinigten Sozialisten wollen jedoch bei der 2lussprache keine systematische Obstruktion treiben. Grohherzog Adolph Friedrich f. Berlin, 11. Juni. Der Grotzherzog von Mecklenburg- Strrlitz ist heute nbend 8 Uhr 17 Minuten gestorben. Großhcrzog Adolf Friedrich von Mccklcnburg-Strclitz hat ein Alter von nahezu 66 Jahren erreicht. Er war am 22 . Juli 1848 zu Streich geboren und unter der Leitung seines in den letzter! Lebens; ahren erblindeten Vaters und seiner Mutter, der Groß- hcrzogin Witwe Auguste Karoline, geborenen Prinzessin von Großbritannien und Hannover, ausgewachsen. Sein Vater, Großhcrzog Friedrich Wilhelm, starb, ohne je politisch hcrvorgetrctcn zu sein, im 85. Lebensjahre am 30. Mai 1904, sein jetzt verewigter Sohn hat also genau 10 Jahre auf dem Thron von Mecklenburg- Strclitz gesessen. Der Erhgroßherzog wurde fern von allen politischen Bcrin- slussmigen erzogen. Er machte die übliche militärische Laufbahn durch und brachte es in der preußischen Armee zum General der Kavallerie. Am 17. April 1877 vermählte er sich mit Elisabeth, der Tochter des verswrbenen Herzogs Friedrich von Anhalt und seiner Gemahlin, Prinzessin Antoinette von Sachsen Alten- bürg. 2lus seiner Ehe gingen vier Kinder hervor: Herzogin Marie, geboren am 8. Mai 1878 in Neustrelitz, vermählt in Paris seit dem 22 . Juni 1899 mit dem päpstlichen Comte Georges de Jamc- tcl; Herzogin Jutta, geboren am 24. Januar 1880, vermählt unter dem Namen Militza am 15. Juli 1899 mit dem Kronprinzen Tanilo von Montenegro, der jetzige Großhcrzog und ein zweiter Sohn, Herzog Borwin, der in jungen Jahren durch eigene Hand starb. Tie Regierung 2ldolf Friedrichs ist, abgesehen von dem Ber- fassungskamps in dem Lande, dessen staatsrechtliche Verhältnisse genau wie in dem verwandten Mecklenburg-Schwerin überaus verwickelt sind, politisch bedeutungslos verlaufen und hat fast die gleiche Entwicklung genommen, wie in dem benachbarten, häufiger genannten Schwerin. Ter Großhcrzog, der in völliger Ucbereinstimmung mit dem Großherzvg Friedrich Franz seinem Lande eine Verfassung zu geben bemüht war, sah seine 'Absichten an dem Widerstande der bevorrechtigten Ritterschaft beider Länder scheitern. Er war am 14. April 1909 bereit, zu den dcreitrl bewilligten zwei Millionen sür Rückstände der Verwaltung noch weitere zehn Millionen Mark der künftigen Staatskasse zu überweisen, wovon mindestens süns Millionen sür allgemeine Zwecke übrig geblieben wären. Allein die Vesiassungsvorlage der Regie- rimg wurde abgelchnt und später von der Regierung zurückgezogen. Der neue Großhcrzog. Ter nunmehr aus den Thron seiner Väter gelangte Grvß- herzog Adolf Friedrich Georg Ernst 'Albert Eduard wurde mit 17. Juni 1882 in Neustrelitz als drittes,Kind seiner Eltern geboren und wurde 1899 als Oberleutnant ä In suite des schon genannten Grcnadierrcgimcnts Nr. 89 gestellt; er ist Ritter des hwarzen 'Adlerordens. _ Das Zosammenlreffen des Kaisers mit dem Thronfolger von Oesterreich-Ungarn. Das „Wiener Fremdenblatt" schreibt: Der Besuch Kaiser Wilhelms aus Konopiicht gibt neuerlich die vertrauten und herzlichen Beziehungen kund, welche zwischen ihm und dem Erzherzog Thronfolger bestehen In ihnen findet das Verhältnis aufrichtiger und treuer Freundschaft, das die beiden Monarchen und die beiden Hcrischerfanulivn eint, seiire Bekrästigung und das Bündnhs, in wctchent die beiden Reiche unerschütterlich zueinander stehen, seine harmonische Ergänzung und VertiesilNg. Wenn Kaiser Wilhelm beim Erzherzog Franz Ferdinand zum Besuche erscheint, wcmi der erlauchte Hausherr von Konopischt und sein kaiserlicher Gast in freundschaftlichem ®fi- sainmcnfcin ihre herzliche Jntimüät ausdrücken, so wirb damit der Welt neuerlich der Charakter der Allianz der beiden Kaiserreiche vor Augen geführt: als eip Bund, an dem ebensosphat dis Vernunft wie das Gefühl Anteil haben. Es ist ein wirklicher Frenndschastsbcsuch, den der deutsche Kaiser seinem Freunde^ dem Erzherzog Franz Ferdinand, auf dem vom Blütenzaubcr des Früh- lings erfüllten Konopischt abstattet. Aber dieser Freundschaslsakt und die gemeinsame Freude an den Wundern der Natur und an den Erfolgen fchafsendcr Tätigkeit ist ohne weiteres zugleich eine Bekundung der Beziehungen, in denen sich Persönlichkeit und Politik zu einem festen Bunde vereinigen. Und wenn Erzherzog Franz Ferdinand seinem hohen Gast die Frcnndschaftshand zum Willkommen reicht, begrüßen auch die Völker Oesternnch-Ungarns den bewährten Freund und Bundesgenossen freudigen Herzens. Der Kaiser hat mit Gesotge am Donnerstag abend U Uhr 5 M nuten im Sonderznge von der Fürstenstation Wildpark aus die Reise nach Konopischt znm Besuch« des österreichischen Thronfolgers angetreten. _ Abflauen des albanischen Ausstandes. Durazzo, 11.Juni. Im Lager der Aufständischen in Schiak befinden sich gegenwärtig nur Banden mit den Führern, die in Erwartung künftiger Ereignisse gegen Entlohnung unter den Waffen geblieben sind. Die übrige Bevölkerung ist zum größten Teil in ihre Dörfer zur Feldarbeit z» rückgekehrt. In Tirana besinden sich nur etwa 300 Mann unter den Waffen, mit denen die übrige Bevölkerung, die glcichsalls die Feldarbeit wieder ausgenommen hat, nicht gemeinsame Sache macht. Die unter den A u s - st ä n d i s ch e n ausgcbrochene Uneinigkeit tritt auch hier zutage, die Hoffnung auf eine Verständigung zwischen den Aufständischen und der Regierung ist somit immer noch vorhanden. Dem im Kampfe gegen die Rebellen durch eilten Schenkclschuß verwundeten albanischen Oberleutnant Meld B e y ist vom F ü r st e n der Orden vom weißen Sterne Skan- derbergs verliehen worden. Au» Hessen« Aus dem Gesetzgcbungsausschuß. rb. D a r m st a d t, 11. Juni. Ter Gcsetzgebungsaus- schuß der Zweiten Kammer hielt gestern nachmittag eine dreistündige Beratung über die vom Abg. Korell-Jngelhcim ge- Neue Ausgrabungen in Aegypten. lieber die Ergebnisse der neuesten englischen Ausgrabungen im Niltal erstattete Prof. Sayce in einer Versammlung der Mitglieder des Egyvt Exploration Fund einen interessanten Bericht. Durch seine Grabungen in Kerma, das ein wenig südlich vom dritten Nilkatarakt liegt, konnte Tr. Reisncr, alle bisherigen Anschauungen über die frühe Geschichte, des sudan umitoßcn. Es erwies sich, daß schon zur Zeit der 5. und b. Dynaittc der nördliche Sudan von ägyvtischen Truppen besetzt: war und daß ein lebhafter Handel bestand vom Blauen Nil vis zum Roten Meer. In Meroe, unter dem sechsten Nilkatarakt, stteß Prot. Garstanq aus ein Observatorium, das sich auf dem Grunde einer unterirdischen Badeeinrichtung befand. An den Wanden waren noch die Berechnungen der Asttonomen zu sehen. Hier 0 t ein afrikanisches PoNIveji ans Licht gezogen: die Rurnen um- sassen einen bcttächtlichen größeren Raum als die von Memphis und schließen eine ganze königliche Rcsldenzttadt ein, von mach- tiqcn , T 15 Fuß dicken Mauern umgeben. Dieter Milttt- punkt der eigentlichen Stadtanlage umfaßt zwei Paläste, ostcntliche Däder und Gnmnasicn Auch die einzelnen Straßen,uge, die von Bäumen umrahmt waren, sind noch srchibar, am ttlutzufer dehnten sich Kais und Landungsstellen ans. Die L-tadt war das große Industriezentrum des alten Attika. Prof. Sayce vergleicht cs mit Birmingham oder Liverpool. Besonders die Eisenindustrie war m>t zahlreichen Fabriken vertreten: große Schmelzofen wurden ausgegrabcn. und .genug Metall wurde hier bearbeitet, um das ganze nördliche Slsrika damit zu versorgen. Unter den vielen interessanten Fundstücken, die hier gemacht wurden, fallen in erster Linie Tassen und Schalen aus Brsguitware aut, eine 2lrt unalasrcrten Porzellans, aber dicht durchsichtig a.as chinesische Bisqnitfabrikat ist nicht älter als 200 D. Chr„ wahrend haä Geschirr von Meroe schon aus dem 3. vorchristlichen Jahrhundert stammt. Ta bekannt ist. daß die Chinesen Handelsreisen bis nach 2lbessinien unternahmen und daß Tonwarcn sich unter den Handelsartikeln befanden. ,'o kann man wohl schließen, daß sie die Ware von Meroe nachgeahmt haben und sie aut ihren Handels- weqen znm Roten Meer lind dann nach China brachten. Uebcrhaupt führen die neuesten Aüsgrabungen, die auch durch die gleickz- zeitiqcn deutschen Funde unterstützt werden, zu dem Resultat, daß das alte Aegypten in seiner Kultur durchaus nicht so isoliert stand wie man wohl siüher angenommen. Durch Handel, diplomatische Beziehungen und kriegerische Verwicklungen stand der Staat zu den Ländern ringsumher in einem nahen Verhältnis. Die Zivilisation war also bereits damals zu Formen des Verkehrs fortgeschritten, die den heutigen verwandt sind, und wir stehen in dieser Beziehung den Menschen des allen Aegypten viel näher, als etwa den so viel mehr voneinander abgeschlossenen Ländern des europäischen Mittelalters. — Wedckinds„Stcin der Weiscn". Anis Berlin wird uns geschrieben: Ter Wedckind-Zyklus in den Kammerspie l c n hat nun mit einer Aufführung des „Stein der Wer- s e n" seinen Abschluß gesunden. Als Nekromant erscheint Wede- kind in diesem Vorsviel, das nun zum ersten Male über eine deutsche Bühne ging: als ein alternder faustischer Zauberer, dessen srcndlosc und abstraktionsgcsegnete Einsamkeit noch einmal die Gestatten stören, die dem Meister Feind und Freund, Verführung oder Verachtung waren. Sern sunger Schüler, der Famulus, haßt ihn und läuft davon: sein Jugendfreund, ein feister, weinseliger Prälat, droht ihm mit dem Ketzergericht: das durch Phantasie und Zauberei herbeigeruiene Weib Lamia, eine versesprechende Lulu, begehrt für ihre Gunstbezeigung sein Unglück, seine Blindheit: ein fahrender Ritter, ein genußsüchtiges Junkerlern, begehrt feine Geheimnisse und Schätze, nur um schalen Sinnesgemiß dafür zu erfüllten; und selbst sein letzter Tröster, sein Humor — er erscheint in Narrentracht — kehrt sich wider den Meister und trägt und doch tätet. Mit dem geraubten Stein der Weisen an erschießt ihn mit dessen Zaubcrarmbrust, deren Sehne keine Pfeile der Kavve zieht der Humor lachend hinaus und zurirck bleibt nur der leblose Leib des zaubernden Wcltbeherrschers. Man spürt, es sind Gleichnisse, denen die Vaterschaft an diesen Gestalten zufällt. Selbst die Symbolik, unter der sie ihre Blutlosigkeit verbergen wollen, ist brüchig, formt sich zu keinem Ganzen. Nur wo der Humor Wedekind lächelt, in der Gestaltung deS derb mit Satire durchsetzten Prälaten, sindet seine Phantasie Fleisch und Blut: sonst ragen ringsum die kalten Mauern unsinnlichcr Slllcgotte. Dazu kommt, daß der Vers — wieviel scharte Sentenzen hier und dort auch aus ihm hervorwachien — nicht Wedekinds stärkste 'Lusdrucksform ist, Musik und Sinnlichkeit sind nicht seine Stärke. So blieb man kühl, aber voller ?lchtung sür diesen Menschen, der sich und sein Schaffen so ernst nimmt und gerade dort, wo er scheitert, am ehrlichsten ringt. Es gab Beifall, der weniger diesem Werke als dem Dichter galt. Den Abend beschloß eine Ansfühtting des „Kammersängers", in der Wedekind die Titelrolle spielte und durch seinen schweren Ernst, im Gegensatz zu anderen Darstellern dieser Rolle, beinahe an die Grenze des Tragischen hinaufführte. — Pros. Dr. Phil. Frenzel (Berlin) ist am 10. Juni im 87. Lebensjahre gestorben. Dr. Fren^l war der Nestor der deutschen Journalisten. Schon früh betätigte er sich auf schrist- stcllcrischem Geriete. Zuerst Miiarbeitcr an Gutzkows Unterhaltung am häuslichen Herd, war er dort von 1863—1864 Redakteur, dann leitete er von 1866—1867 m-it R. Prutz hie Zeitichrfft Deutsches Museum. Seit Juni 1862 hat er als Feuilletonrcdaktcur imd Thcaterkritikcr der „National zeitung" jahrzehntelang im Tagesdienste der Presse gestanden. Vor einigen Jahren, als die „Nationalzeitung" eine 2lendcrung ihrer Richtung vornahm, die Frenzel charaktervoll nicht mitmachcn wollte, zog er sich vom Redaktionstischc zurück. Frenzel gehörte zu den Gründern des Vereins Berliner Presse. — Preisausschreiben über bic Fortbildung des Oberlehrers. Tie wissenschaitliche und praktische Weiterbildung der akademisch gebildeten Lehrer an höheren Schulen will ein soeben erlassenes Preisausschreiben fördern. Eine höchstens 4 Bogen starke 'Abhandlung soll das Wesen und die Wege der Weiterbildung für unsere Oberlehrer darlegen sowie Einleitungen und 'Azzregnngen geben, wie sich die bisher gebotenen Möglichkeiten für die Weiterbildung nutzbar machen, umgestaltcn und (Msbauen fassen. Als Preise sind 500, 300 und 100 Mk. ansgesetzt. Die Arbeiten sind bis zum 15. Oktober 1915 an die Verlagsbuchhandlung Quelle u. Meyer in Leiyzig einzusenden. Tie Beurteilung haben übernommen die Herren Geh. Oberrcgierungsrat Tr. Nor re nberg - Berlin, Geh. Regicrnngsrat Dr. K l a t t - Berlin, Gymnajialdirektor E. E r y t h r o p c l - Tüsseldvrs, Prosessor Tr. P. Trautwcrn»Berlin. — Eine Forschungsreise in die Cordilleren. Eine interessante Forschungsreise zur wirtschaitlichcn Erschließung der Cordilleren hat Dr. C. E. Hassens, der durch seine Reisen und Arbeiten über Siam bekannt geworden ist, im Aufträge des Landwirtschaftsministeriums der Republik Argentinien soeben vollendet. Seine Exvedition, die vom Januar bis zum Mai 1914 dauerte, hatte das Studium der Cordilleren in den Tettitorien Rio Negro und Neugnen zur Aufgabe und wurde z. T. zusammen mit der Kommission des nordamerikanischcn Geologen Bailey Willis ansgeführt. Es gelang, reichliche Sammlungen anzu- legcn, die nun in Buenos Aires verarbeitet werden und die Unterlage gewähren sollen, um eine weitgehende wirtschaftliche ?lus- nütznng der an Nattirschönheitcn wie an Naturschätzen so reichen Zone der Cordillerenseen dnrchzuführcn. — Kurze Nachrichten aus! Kunst und Wissenschaft. An Stelle des an das Wiener Bnrgthealer berufenen Dramaturgen des Dresdener Schausvielhau sc s, Dr. Arthur Holz, wurde der Feuilleton-Redakteur des „Mannheimer General-Anzeigers". Tr. Eckert nach Dresden Hernien. — Zum Präsidenten der Großen Berliner Kunstausstellung 1915 wurde Pros. Karl Lanahammer, der diesjährige Vosiitzende, wiedcrgewählt. Zweiter Vorsitzender wurde Fritz Burger. — Felix Holländer wird zum I. August in den Verband der Reinhardt-Bühnen »nrnckkehren, um dort als Regisseur und Dramaturg zu wirken. Gestern schon begab sich Holländer. wie die „Boss. Ztg." erfährt, in Gemeinschaft mit Reinhardt nach Agnetendorf, um mft Gerhart Hauptmann über die Inszenierung einiger seiner Dramen zu beraten. ücfttn, Olnträge zur Regieomgsvorlage, betr, dir Revision der OrdeuSgcjebe ab. Au der Sitzung nahmen als Regieruugsver- trricr die Herren Staatsminister Dr. v. E w a l d, SBimjlcr des Jiueern v. H >> mbergk und Staatsrat Lorbacher teil. Der Antragsteller war ebenfalls eingelaüen und begründete resp, erläuterte seine inhaltlich bereits bekannt gegebenen Anträge Rad, sehr eingehender Aussprackic zog Abg. Kvrell den von ihm zu >Art. 1 Pos. IV gestellten neuen Artikel 3d, ivonach mit Grnrh Ulignng des Ministeriums des Innern den bisher an den bischvj liehen Knabcnerzlchungsanstalten zu Klein-Zimmern und Drais nurkeudcn Orden, die sich ausschließlich dem Unterricht widmen, S tet werden soll, neue Mitglieder aufzunehmen, soivcit ein rfnis dafür vorhanden ist, wieder zurchck, desgleichen den hierzu cingcbrachten Evcntualantrag, Von den alsdann zur Abstimmung gestellten übrigen Amrägen wurde der Antrag Kocrll aus Streichung des letzten Satzes im Art, 1 Pos. III „das Ministerium des Innern kann in besonderen Fällen Befreiung von der Vorschrift des Art. 4 Abs. 1 des Gesetzes vom 5. Juli 1887 (bctr. Vorbildung und Anstellung der Gcjstlichenl nach Maßgabe dieses Gcsetzes crtcilcn" angenommen. Alle übrigen Anträge üorell wurden abgelchnt: bei der Abstimmung im Ausschuh enthielten sich der Vertreter der Sozialdemokratie bei allen Anträgen, die beiden Vertreter der Fraktion des Bauernbundes bei drei der Anträge der Stimme, — Zu Punkt III, Art, 3a, nach welchem die Aufnahme neuer Mitglieder in die vorhandenen Niederlassungen über den Bestand vom 1. Oktober 1874 hinaus und die Errichtung neuer Niederlassungen gestattet ist und betrcsss der weiteren Bestimmung: „Das Ministerium kann, wenn der ln Abi, 2 erwähnte Nachweis lcrncs dauernden, vermehrten Bednrftnsses noch Aushitse in der «eelsorgc) erbracht wird, auch einem andern, im Großhcrzogtum dermalen nichts bestehende» Orden, der sich ausschllcsstich der Aushilfe in der Seelsorge ividinet, die Errichtung von Niederlassungen gestatten", wurde im Ausschuß von der Regierung die ausdrückliche Erklärung zu Protokoll gegeben, dan hier von dem Jesuitenorden au, jeden Fall ausgeschlossen bleiben soll 'lieber den eventuell neu zuttckastclide^- Orden iß noch keine Bestimmung getrosten. Die Z n I a j t u n g_ n tu e r Niederlagen soll sich ausschließlich auf die drei Städte Mainz, Osfcnbach und Bcnshcim beschränken. — Da die Fertigstellung des neuen Ausschutzberichtes über diese Beschlüsse nicht mehr rechtzeitig bis zu der für Freitag geplanten Plenarbcratung der Vorlage erfolgen könnte, so wurde diese erst sür Dicnstae,, den 18. Juni, vorm. 10 Uhr anbrraumt Die ülussichten sür die Annahme der Regierungsvorlage sn der jetzt vom Ausschuß empfohlenen Fassung erscheinen noch sehr ungewiß, da bekannt ist, daß außer dem Zentrum keine andere Fraktion geschlossen dafür eintrctcn wird, vielmehr die Ansckiounngen darüber auch bei der fortschrittlichen Volkspartci und den Rationallibcralen, wie auch beim Bauernbund und den Sozialdemokraten stark auseinander- gehen. Der Bahnbau Alsscld-Echcidlache-Hcrsseld-Trcysa, Die Abgeordneten Reh und K o re l l lAngenrod) haben in der Zweiten Kammer folgende Eingabe vorgelegs und der Regierung zur Beachtung empfohlen: Die Strecke Alsfeld—Niederaula geht ihrer Vollendung entgegen, und da wir bei unseren wiederholten Eingaben um die Bewilligung einer Verbindung von Alsfeld nach Tcheidlache oder einem anderen geeignet erscheinenden Punkt der Strecke Hcrsseld— Treysa stets aus diesen Zeitpunkt vertröstet wurden, erlauben wir uns an die hohe Zweite Kammer die ergebene Bitte zu richten, Gr. Regierung zu ersuchen, die zur Ausführung des vorerwähnten Bahnprmckts erforderlichen Matznahmen zu treficn. Wie schon in früheren Eingaben ausgesührt, würde die fragliche Strecke bei einer Länge von nur etwa 15 Kilometern, von denen ein Drittel aus hessischem und zwei Drittel aus preußischem Gebiete liegen, eine lang entbehrte Verbindung zwischen der Main-Weser-Balm und der Obeicheffischen Bahn Herstellen und den Weg von Alsfeld nach Kassel zum Beispiel um etwa 50 Kilometer abkürze n^ sic würde eine ganze Anzahl von wohlhabenden Orten im Schwalmtal berühren und einen Lokalverkehr zu erwarten haben, der sie auf alle Fälle rentabel machte, zumal bei dem Fehlen jeder Tcrrainschwierigkeit — die Strecke würde ausschließlich im Schwalmtal lausen — die Baukosten verhältnismäßig gering fern dürsten. Au, hessischem Gebiet kommen die 3 Orte: Eudorf, Elbenrod und Heidelbach mit zirka 1000 Einwohnern, aus preußischem Gebiet die Orte: Solzburg, Schrecksbach, Hattendorf, Röllshausen, Salmshansen und Zella Mit ea. 3300 Einwohnern in Betracht. Es sind das sämtlich sehr wohlhabende Orte, die den mangelnden Bahnanschluß vermissen, zumal der Verkehr nach der Station Loshanscn durch die alljährlich wiederkehrenden Ueberschwemmungen bet Zella sehr oft erschwert und .unmöglich gemacht wird. Außer dem Transport landwirtichafllicher Produkte und Düngemittel würde für die Bahn auch der oon Basalt ans Hvlzburq und dem Alssclder Bezirk, von Kalk, der für die hiesige Umgegend ans Nassau bezogen werden muß, aus Wcißenborn und vor allem fton Braunkohle aus Frielendorf in Betracht kommen. Welches Interesse sür das Projekt in den in Frage kommenden preußischen Orten vorhanden ist, das beweisen die zahlreichen Unterschritten aus den dem Gr. Ministerium überreichten Aus- sordernngen an das Eisenbahn-Komitee zu weiterer Tätigkeit, das beweist ferner echc am 17, Mai ds. Js. in Schrecksbach stattgebabic öffentliche Versa' tmlnng, die den großen Saal des Gemeindewirtshauses bis auf den letzten Platz füllte und in der die Ausführung des Projektes von verschiedenen Rednern als eine Lebensfrage sür dos obere Sitzoalmtal bezeichnet wurde. Es wurde ferner hcrvorgchoben, daß Herr Landrat von Schwcrtzell in Ziegcnharu, der sich seither ablehnend verhielt und der den Ausbau der Station Scheidlache sür den Güterverkehr zur BedinglMg sür seine Zustimmung zu dem Projekt machte, nach Erfüllung dieser Bedingung jetzt sür das Projekt eintrctcn werde, Alsield, sowie die preußischen Orte Schrecksbach und Rölls- bausen stehen vor der Feldbereinigung und es würden bei event. späterer Ausführung des Projekts ganz wesentlich höhere Kosten entstehen. > Tie Kgl, Ei senbahndrrekt i on in Frankfurt a. M, steht dem Projekt sehr shmvatbisch gegenüber, zumal die Strecke auch eine Entlastung für die Frankfurt — Bcbraer- Babn bringen würde, und wir sind der festen Uebrrzeugung, daß die Ausführung des Proickts, die ja für Hasicn mit verhältnismässig geringen Kosten verknüpft jft und der Grenzstadt Alsield das durch den Ban der Strecke Hcrsseld—Treysa verlorene Absatzgebiet wieder erschließen würde, leicht zu erreichen wäre, wenn die Gr, Regierung sich desselben ernstlich annehmen wollte. Evangelischer Bund. In Sachen des neuen hessischen Ordensgesetzes richtete der hiesige Zweig-Berein des Evangelischen Bundes folgend« Eingabe an die beiden Ständekammern: Der Borstand des Zweig-Dcrcins Gießen des Evangelischen Bundes beklagt es tief, daß die hessische Regierung in ihrer Vorlage zu dem Ordens-Gesetz vom 5, Mai d. Js, den ernsten Bedenken, welche nicht nur von seiten des Evangelischen Bundes, sondern auch von dem Vertreter der evangelischen Landeskirche in der Ersten Kammer erhoben worden sind, leine Rechnung getragen hat, vielmehr mit ihren Zngeständ-irissen über ihre Erllä- rung vom 0. April hin ansgegangen ist, — Indem fast alle wesentlichen Schranken sür die !wciblick)en Orden und vrdens- ähnlichen Kwngregationeu ausgehoben imd mehrere Münner- Orden, unter denen auch der Jesuiten-Orden verstanden werden kann, nach dem Befinden des Ministerium? zugelos- sen sind, dient der Entlvurs der Regierung nicht dem konfessionellen Frieden, sondern es werden daraus unserem Lande in nicht ferner Zeit noch ernstere und folgenschwerer« kirchenpolitische und konsesiionclle Wüchse erwachsen. Durch seine Annahme wird der Boden für eine Verschärfung der konfessionellen Gegensätze bereitet, da die mit der Zunahme der Orden, Ordensniederlafsungen und Ordensglicdcr und deren Arbeitsgebiete sich steigernde propagandistisch« Tätigkeit der Orden unsere konfessionell gemischte BeviKkerumtz in steigendem Maße konfessionell erregen iimtz, — 1 Wir erheben unsere Stimme nicht aus Feindschaft gegen katholische Frömmigkeit, gegen unsere katholischen Mitbürger imd deren Kirche, sondern wir tun cS in ernsteur Pflichtbewußtsein, von unserem ®cniiffeti gezwungen, um unseres Volkes und Staates und, nicht zum wenigsten, um des kvn- scssionellen Friedens willen. '.'lauft nationale Gründe bestimmen uns, da die oberste, unbedingten Gehorsam von ihren Mitgliedern beanspruchende Leitung der Orden nicht in Deutschland ihren Sitz hat und somit Ausländer einen maßgebenden Einstich aus deutsche Verhältnisse gewinnen können. — Indem wir diese Bedenken ausspreckzen, erhoffen wir von hoher Kammer, daß sie bei ihren Beratungen daraus Rücksicht nehme und den Emtwurf, der so tief in die Le- bcnsinteresscn des Staates und des Volksganzcn einschnci- det, einer allseitigcn, gründlichen Kritik unterziehe, umsomehr, als angenommen werden kann, daß die römisch-katholische Kirche erst dann zufriedengestellt sein wird, ,wrnn jede staatliche Auffickst über sämtliche Orden gefallen' ist. Deutschs» Reich. Zum Nachfolger des verstorbenen Ofter- präsidenten von Posen Schwartzkopff ist, wie wir Horen, der Unterstaatssekretär im Staatsministerüim, v. Eise nhart-Rolhe, bestimmt worden. 2l«»lanv. Die neue st e Tat der englischen Suffragetten. Aus London wird gemeldet: JnderWcstminster- a b t e i ist eine kleine Bombe in unmittelbarer Nähe des Krönungsstuhles explodiert. Der Schaden ist unbedeutend. Ein Teil der.Holzschnitzereien am Rücken des Sluhles ist abgebrochen, ferner wurde das Stcinnietzwcrk an der Wand dahinter, anscheinend von Eiscntcilcn, die die Bombe enthielt, beschädigt. Die Bombe selbst bestand aus einer dünnen Zinkhülse und ist durch eine Zündschnur in Brand gcsctzk worden. Bei dem Sluhlc wurde eine Fcderbos, ein Fremdenführer und eine kleincsch warze Sei den lasche gesunden. Der Anschlag erregte in der Nachbarschaft große Erregung, Die Leute versammelten sich zu .Hunderten außerhalb des ehrwürdigen Baudenkmals, Als die Explosion erfolgte, befanden sich etwa 100 Personen in dem Innern der Abtei, Sic bcsürchreten infolge der Erschütterung eine Katastrophe und drängten nach dem Ausgange, Eine Frau wurde dabei ohnmächtig. Die Explosion verursachte starke Rauch- und Staubwolken, Mörtel fiel von der Decke und von den Wänden, Die Polizei war schnell zur Stelle und hielt einige Anwesende zurück, um sie zu vernehmen. Zwei Frauen, die im Zusammenhänge mit dem Anschläge der Westminsterabtei verhaftet worden waren, sind Fremde, Ihre Festnahme erklärt sich daraus, daß sie nicht cnlisch sprechen konnten. Ar»» Staöt und LnnS. Gießen, 12. Juni 1914. ** Tageskalcnder sür Freitag, den 12. Juni: Gewerbe» ansstellung: Abends 7—lv Uhr: Militärkvnzcri, (Solist: Herr Kümmel,) , *• Die Grobherzogliche Hofhaltung wurde gestern nach Jagdschloß Wolfsgarten verlegt, ** Ein oberhessischer Jungmeistertag sinket anläßlich der Gewerbcausstellung Gießen 1014 am Sonntag. 21. Juni, in Gießen statt, um den Jungrncistern Oberhessens Gelegenheit zu geben, mustergültige Erzeugnisse des Handwerks und der Industrie zu ichaucn, Seit Einführung der Meisterprüfung ist den Jungmeistern Oberhessens noch keine so vorteilhafte Gelegenheit geboten gewesen, eine solch« Fülle des Anregenden und Interessanten in so übersichtlicher und lehrreicher Zusammenstellung vereint zu sinken Eine besondere Bedeutung gewinnt diese Tagung noch durch einen Vortrag des Rechtsanwalts Kaufmann, der darüber sprechen wird, welche rechtlichen Bestimmungen der Jungmeister bei Eröffnung seines Betriebes kennen muß. Zu der Tagung gibt die Ausstcllungsleitung besondere Eintrittskarten heraus, die zum beliebigen Ein- und Austritt am 21, Juni gelten. Vormittags um V-10 Uhr findet die Begrüßung durch die Aus- stellungslcitung statt, daraus folgt der Vortrag des Rechtsanwalts Kauffnann. Anschließend erfolgt unter fachkundiger Führung in kleinen Gruppen ein Rundgang durch die Ausstellung. Nach dem gemeinsamen Mittagessen in der Festhalle, an dem auch Familienangehörige und Bekannte der Jungmeister teilnehmen können, ist Konzert in der Festhalte »nd in Alt-Heffen, — Zum Jungmcistertag sind zahlreiche Anmeldungen bereits erngegairgen, Die Ausstellungslcitung teilt auf vielseitige Anfragen allgemein mit, daß alle Handwerker mit ihren Angehörigen bei vorheriger Meldung an dieser Tagung zu billigen Preisen teilnehinen können. Anmeldungen durch Karten sind aber umgehend erwünscht. Dauerkarten und Beikarten können von heute ab nur noch an der Tageskasse der Ausstellung gelüst tvcr- den. Der Verkauf dieser Karten bei den Vorvcrkäufsstcllen in der Stadt wird eingestellt. ** Ein Erfolg der Oberhessischen Werkstätten G. m. d. H, ist aus der Gewerbe-Ausstellung zu berichten. Es wurden verkauft: das in Eiche geschnitzte Herrenzimmer, ausgestellt in Raum 104, sowie das Schlafzimmer in Raum 95, Letzteres ist ebenfalls in Eiche geschnitzt, Im Interesse der oberhessischen Handwerksmeister »nd ihrer aus der Ausstellung zum erstenmal vor die breite Ocffentlichkeit getretenen Genossenschaft darf dieser Erfolg begrüßt werden, ** Anlagekonzert, Infolge Beurlaubung der Regimentskapelle am Sonntag, dem 14, ds., findet die Anlage- mufik am Samstag, dem 13. ds., nachm, 6 Uhr, (mir bei gutem Wetter) statt, l. Glück aus, Marsch mit Benutzung eines alten Bcrgmannsliedes, E Wilde, 2. Ouvertüre zur Oper: „Die Frau Meisterin", Fr, v, Suppä, 3, Fantasie aus C, M. v, Webers Oper: „Der Freischütz", bearb, von W, Löber, 4, Fröhlich Pfalz, Gott erhalt's! Marsch, Th, Gruß, ** Im Lichtspielhaus, Bahnhofstraße 34, findet morgen, Samstag, abend ein größerer ,Konzert-Abend mit 12 Mann starker Kapelle statt; hierbei wird unter cw- dcrem der dis jetzt in allen Städten großes Auffehen erregende Kunstfilm „Das Regimentssest", vorgesührt. Wir verweisen auf die morgige Anzeige, ** Das erfie Abonnemcntskonzcrt unserer Militärkapelle, das merkwürdigerweise sehr vom Wetter begünstigt war, fand gestern abend in dem üblichen Rahmen von! bunten Mützen und leuchtenden , _en Frühjahrskleidcrn in Steins Garten statt und nahm bei dem schönen Spielplatz, den ihm Obermusikmeisier Löher zu Grunde gelegt hatte, einen guten Verlaus, Die Darbietungen, von denen wir Jsoldetis Liebestod, die großen Fantasien aus „Walküre" sowie aus „Faust", das Vorspiel von „Dichter und Bauer", die Reise durch Europa und das Charakterstück „Die Amazone" besonders hcrvorhrben, wurden vorzüglich vorgrtrpgrn und fanden so lchhaftm Beisall, daß sich Herl Lödcr mchrsach zu Zugaben entschlleßcn mußte. Eure besondere Anziehunqskrajt gewann das Konzert iwch durch die Mitwirding des bestens bekannten Pistonvirtuosen K ü mmcl vom Großh, Hos- thratcr, der sein Instrument wieder mit gewohnter KünsUcrschaft meisterte. Lebhafter Beisall folgte jeder seiner Darbiemngen, besonders einer eigenen Komposition, in der Herr Kümmel alle Vorzüge seines Instruments vorzüglich zur Geltung gebracht hat, — Heute wirkt Herr Kümmel in dem Konzert in der Gcwcrbeaus- stcllung mit, **Verstärkter Eisenbahnbetrieb, Am Sonntag, den 14, Juni, findet, wie schon mitgctcilt, in Nidda ein großes Gesangsscst statt. Um den voraussichtlich starken Verkehr zu bewältigen, werden die Züge Gießen — Nidda am Festtage verstärkt, außerdem wird ein Sonderzug Fricdberg—'Nidda gefahren, — Weiter findet am 14, Juni Turnfest in Beienheim und in Gedern s25jährige Jubelseierl statt; ab Gedern 10,55 nachts geht ein Sondcrzug nach Stockheim, 11,44 an, ” Die Maul- und Klauenseuche ist auS- gcbrochen im württcmbergischen Oberanitsbezirk Gera- bronn und in den obecbayccischen Bezirken Ingolstadt und MicSbach. Im Schlacht- und Vichhof zu Frankfurt a. M. wurde die Seuche abermals festgestellt. Samt- licheS Großvieh wurde sofort gesperrt, lieber den Schlacht- und Viehhof wurde die Sperre verhängt. ** Gin alter Schwindel ist gestern in unserer Stadt wieder verübt worden. Zwei Damen, eine Holländerin, die andere der Sprache nach aus dem Schwabcnlande, betraten cmen Laden uich ließen sich in eine näher angegebene Wohnung Waren zur Ansicht senden. In her Wohnung wurde die Auswahl abgenommen mit der Aufforderung, in einer Stunde das Nichtbehaltenc wieder abzuholcn. Nach dieser Zeit waren die Damen mitsamt den Waren verschwunden, sic waren nämlich abgerrist. Die Wohnung war erst am Tage vorher gemietet und die Wrrttn hat die beiden Schwinchcrrnncn, die sehr sicher anftratcn, cinc Nacht umsonst beherbergt. Der Schaden des Geschästsmanns beträgt über 50 Mark, 1 ** Das Fest der goldenen Hochzeit feiern heute die Ehelciite Friedr. Muh! und Fra», ged. Decherk. ** Kleine Mitteilungen, Aus Griesheim a, M, ist nach Unterschlagung von 1000 Mk der Buchhalter Eugen Holm flüchtig gegangen, — In Frankfurt a, M, hatten die Schul- diencr den Magistrat um Verleihung des Titels „Schulwart" ersucht. Der Magistrat schlug das Gesuch ab, Lauvkreis Gießen. A RI e t n • C i n b e n, 10. Juni. Landwirt Ludwig Theiß und feine Eheira» leierten ihre silberne Hochzeit. Der Kirchengesangvcrein »nd der Polaunenchor brachten ihrem langjährigen Mitglied abends ein Ständchen, Röthges, 10. Juni. Der langjährige Beigeordnete Damer wurde auf weitere 9 Jahre wiedergewählt. Kreis Alsfew. £ Grebenau, 10. Juni. Die Eisenbahnstrecken, welche den nördlichsten Teil Oberhessens mit Nieder-Aula verbinden, werden im Laufe dieser Jahres eröffnet. Die Strecke Schlitz—Nieder-Aula wird am 15. August dem Verkehr übergeben, und am l. Oktober folgt die Teilstrecke Grebenau—Nieder-Aula. Die Eröffnung der letzten Teilstrecke Grebenau—Alsfeld erfolgt voraussichtlich erst 1915. Kreis Lautcrbach. X Schlitz, II. Juni. Gestern leierte hier der Grast. Ober- lörster Christian Gniß in geistiger und körperlicher Frische und Rüstigkeit sein 50j ä h r i g e S D i e n st j u b i I ä »in. Früh morgens brachte ihm die Kapelle Wagner ein Ständchen dar. Zahlreiche Ehrungen wurden ihm außerdem im Laule des Tages zuteil. Im Grast,chen Schloß tand dem Jubilar zu Ehren ein Festeste» statt. Oberiörster Gniß erlreut sich weithin großer Wertschätzung, noment- lich auch wegen seiner Kenntnisse und Ersahrung in der Forst- wirtschait. (z) Frischborn, 11.Juni, Auf große Hinderniffe ist man bei dem Bau unserer Wasserleitung gestoßen, weil sich im Dorfe eine Menge Felsen vorsindet. Die Arbeit kann deshalb nur langsam von statten gehen. Täglich hört man das Donnern unzähliger Sprengschllsse. Unsere Wasserleitung ist daher mit einem großen Kostenaufwand verbunden, wie ja schon der weite Weg zur Quelle im voraus ersehen ließ. Das 6 Kilometer entfernte Qucllengebiet teilen wir ans eine Strecke von 3 Kilometern mit der Nachbargemernde Manswinkcl, von wo sich der Rohrstrang abzwcigt und jeder Gemeinde ihren Bedarf zufüftrt. Die Nachbargemcinde führte den Bau ihrer Wasserleitung schon voriges Jahr zu Ende, während wir erst nach Ostern den unsrigen in Angriff nahmen. Wie verlautet, wird es noch 6—8 Wochen dauern, bis man damit fertig ist, Hessen-Naffau. ch Marburg, ll, Juni Der Dachdecker H, Rehm stürzte gestern beim Ansbeffern eines Daches durch Brechen eines Dachhakens zirka 7 Meter hoch vom Dach« und zog sich einen Brtich des Nasenbeins zu. Inwieweit innere I^r- lctzungrn in Frage kommen, ist noch nicht festgestellt. Er wurde in die hiesige chirurgische Klinik gebracht, — Saiger, 10. Juni, In großzügiger Weise begeht nächsten Sonntag unser Städtchen tue Feier der Sttfmng seines 1000- jährigen Gotteshauses, Generalsupcrintcndent Hosprediger Ohly, ein geborener Haierer, hat die Festpredigt übernonnnen, Nachmittags erfolgt die erste AnWhrnng des von Dvfrat Spiclmann vcrsaßtcn Westerwälder Ritterspiclcs „Der Vogt von Saiger", Wiederholungen der Feier sind sür Montag imd Dienstag geplant. Für die Fcstt'itznng der städtischen Körpeffcbaftcn am Montag haben Odcrpläjident von Hengstcnbcrg, Regicrungsvräsident von Meister, Landrat v, Zrtzcnwitz, die Eisenbahnpräsidenten zu Frankfurt am Main und 'Elberfeld u, a, ihr Erscheinen zugefagt. Der lion Dr, Dönges-Dillenburg cntwvrscne für Montag Mittag vorgesehene Fcstzug enthält 20 Gruppen mit 350 Personen und 90 Pferden, Am Dienstag erfolgt die Einweihung des neuen städü- schen Spielplatzes auf dem Haarwasen, h, Fra n ks ur t a, M,, ll, Juni, Die ErrrchMng des n cuen Unsversitätsgcbäudes stößt aus erhebliche Schwierig k e i t c n, da man bei den Fundamcnticrungsarbeitcn sehr starke Wasseradern, hohes Grundwasser und ausgedehnte torsartige Moor- lagcr sreilegte. Infolgedessen müssen in ganz bedeutender Tiefe gewaltige Gruichpseller errichtet werden, auf denen die ktzcwölbe- mauern Ausstellung finden. Zur Entwässerung des Grundstückes sind Tag und Nacht Pumpwerke tätig, = Limburg, 10. Juni, Unsere Stadtverordneten bewilligten sür die Abhaltung zweier Pserdeniärktc lAlärz und September! einen Kredit von 1000 Mark, wovon 500 als Prämilcn sür Pferdehändler verwendet werden und 500 Mark dazu dienen sollen, den Pserdemärktcn ein besonderes Gepräge zu geben. Der nächste Pserdemarkt findet den 9, September statt. Ankversitätr-Nachrichten. S t r a ß b u r g , 11, Juni, Durch Anschlag am schwarzen Brett gibt der Rektor bekannt, daß der akademische Senat auf Grund des §36 der akademischen Vorschriften einstimmig beschlossen habe, den Studierenden der Univcrsttät die Teilnahme an dem P h armazentenvcrein in Elsaß-Lothringen zu untersagen. §36 der akademischen Vorschriften besagt: „Die Teilnahme der Studierenden an Beccinen von Nlchtstudentcn kann im Interesse der akademischen Disziplin untersagt werden," Das entscheidende prinziviellc Verbot des akademischen Senats hat laut „Straßburger Post" seinen Grund in einem Vorkommnis aus der jüngsten Zeit, das dem Verein als Bekundung deutsch feind« Itajet Gesinuunff -mSgrlcyt worden ist, alt bcm aber nicht i»e ®W Mitglmder. sondern alte Herren des Bereins unmsttel- bar beteiligt sern sollen. i liivcbc und Schule. «Theologische Konferenz. Am Donnerstag vormittag tagte in Steins Garten dahier, wie alljährlich am Fronlrichnamstage, die theologische Konferenz Sie mnrde mit einer kurzen Begrünung durch Prof. D UTiiqct hier und einem Gebet von Prof. D. Schöll srricdberq er- öffnrt. Den ersten Vortrag hielt Privatdozcnl Liz '.Karl Börnhausen-Marburg über ,Laqc und Bedeutung der Rrligivnspfnchologie". An die sehr eingehenden Aw'-fffh- rungen schloß sich eine kurze Aussprache, an welcher sich Prof. Messer hier und Prof. Stephan-Marburg beteiligten Der folgende «ortrag von Pfarrer Liz. Wilhelm Lucken- Frankfurt a. M. über „die dringende Notwendigkeit einer wirklichen Revision der deutschen Vvlksbibcl" fiihrte aus daß das Bedürfnis für eine zeitgemäße 'Neuaestal- tung der deutschen Bolksbibcl schon seit Jahrzehnten vor- Händen sein, was die 1912/13 erfolgte Herausgabe eines im Aufträge des deutsctwn Evangelischen Kirchenausschus- ses neu durchgeschenen Textes der deutschen Luthr'rbibel de- weist; wenn darin auch manche sprachlichen Altertümeleien beseitigt sind, so wird diese Ausgabe doch nicht einmal, nach den vier sprachlichen Seiten hin den berechtigten Anforderungen der bibellcscnden Gemeinde und der Schule gerecht- aus eine Berichtigung der Uebersetzung und falschen Lesarten hat man ganz vcrzillgct. Im Ausland hat man bereits verbesserte Lutherbibcln cingeführt, was auch in Deutschland bald geschehen musv wenn nicht andere „stroherne" Bibelübersetzungen au die Stelle der ehnvür drgen Lutherbibel mit ihrer erbaulichen Kraft und klang- vollen Schönheit treten sollen. Denn Luthcrspracltzt und Bibelsprache gehören auf deutschem Boden unzertrennlich zusammen. Die Schaffung einer solchen deutschen Volksbibel ist eine Angelegenheit nicht nur der Bibelgesellschaf- ten und der Kirchenregierungen, sondern der gesamten deutschen evangelischen Christenheit, wozu Vertreter her theologischen Wissenschaft und der kirchlichen Pruxis wie auch der Schule und der bibeklesenden Gemeinde gehören. Die Forderung nach einer Bibelrcvisivn imch von Synoden, Pfarrvcrcinrn, Rcligiouslchrcrkonserenzen und Univerfi- tütsprofessoren mit Einstimmigkeit erhoben werden, damit die leitenden Stellen (Äirchciircgicrungcn und Bibelgesell schäften) eine .Konferenz von Fachmännern berufen, denen die Ausarbeitung einer neuen Pröbebibcl bis zum 400. Fubi- läumsjahr (1934 1 der Lutherbibel übertragen wird. In der sich an den ausführlichen Vortrag anschließenden Aus- spräche wies Prof. Gunkel, hier, auf die Schwierigkeiten dieser Arbeit hin, die keine Kolmnisfion, sondern nur ein Mann machen könne Pfarrer Borncmann-Frankfurt am Main redet der Einführung der Sclmlbil>el das Wort, die für den allgemeinen Gebrauch genüge. Gegen 3 Uhr wurde die anregende Tagung geschlossen. B. vermischter. * Eine Hitzwclle in Amerika. „Tailn News" melden aus New Pork: Tic Staaten des mittleren Westens und des Gebietes der großen Seen Ivcrdcn gegenwärtig von einer Hstzwell^ heimgesucht, die bereits über 50 Todesfälle verursacht hat. llcberall geht die Temveratur aus über 32 Grad Celsius im Schatten. Hunderte von Erkrankungsfällcn werden in den Hospitälern behandelt. In Dcdroit, wo die Schattentemperatur drci- unddreißig Grad Celsius erreicht, sind 15 Personen am tzitzschlag gestorben. Chicago hat eine Schattcnteinpcratur von 34 Grad Celsius. In manchen Teilen des südliche» Kansas ist die Temperatur au» 36 Grad Cclüus gestiegen. Aus Chicago werden eil Todes- iällc und Pittsburg zwölf gemeldet. Während der letzten Tage lind in New ftork vier Personen gestorben. Die Leute schlafen in den Parks und auf osicncn Plätzen. Amtlicher Wctlcrbcricht. Oefsentlicher Wetterdienst, Gießen. WetlcrauSiichten in Heilen an, Samstag, den 13. Juni 1911: ffieditclno bewölll, doch moift trocken, G.nvllterneiguug. . Letzte Nachrichten. > » " r Schwer» Gewitter. . - ^ Berlin, 12. Juni Ein scftveres Gewitter, das VVN wol- kcnbrurhartigctw Regen begleitet ivor, ging gestern abend über Berlin nieder und ries in einigen Siabttrllen erhebliche Ber' kehrsstörungen ln-rvvr, da die enormen Wassermengen nicht schnell genug Absfiiß finden komttcn. . , Gelsenkirchen, 12. Juni. Bei einem außerordentlich schweren Gewitter richteten gestern Wolkenbrüche und Hagel- schlüge großen Schäden an. An manchen Stellen lag der Hagel 40 Zentimeter hoch. Die Feldfrüchie lourden zum größten Teil vernichtet. » Ein Automobilunglück in Berlin. Berlin, 12. Juni Ein s ch w er erA u t o mobi l u nfa l l ereignete sich gestern nachinittag in der stenclstraßc. Ein Drvschien- autö, das einem anderen ihm entgegenkommenden Krastwagcn und einem Lastfuhrwerk auswcichen wollte, geriet dabei auf den Bürgersteig und überfuhr zivei Knaben, die sich in Boaleitung eines öltevnt M ädchens befanden, das noch ein kleines Kind auf dem Arme trug. Bei dem einen KUaben konnte nur noch der Tod iestgrstcllt werden, der andere hat so schwere Verletzungen davongctragen, daß an seinem Auskommen gezweijelt tvcrden muß. Der neuer nannte Obervräsident bar Provinz Posen. Berlin, 12, Juni. Die .Lreuzzeitnng" sagt: Man geht lvoht kaum fehl, Ivrnn man annimnit, daß der neue Obcrprässdent der Provinz Posen, der bisher politisch nicht hervorgcttetcn ist, namentlich in der Polenfragc die Anschauungen des Mffiistcrprä- sidcnten teilt. Die „Berliner Neuesten Nachrichten" sagen: Man muß es dahin gestellt sein lafsen, ob mit dem Einzug des neuen Herrn in das Oberpräsidium eine straffere Polen- Politik cinsetzcn wird. _ Unwissende beurteilen heute noch den Wert des Essigs lediglich nach der Säure und sinden einen Essig gut, wenn er ihnen recht in die Nase sticht, wer aber guten Essig kennt, der w^ß, daß mit einrn, Löffel Weinessig ein Braten oder eine Sauce sofort einen würzigen Geschmack bekommt und daß m Hengste nbcrgs Essig eingemachte Früchte unendlich viel besser schmecken und vor allem auch viel bekömmlicher sind, als wenn man gewöhnlichen oder gar Knnstcssig verwendet. _ ss ia / s . I-- 1 ÜikuhcMichtctcs Lügis zu vermieten. 17099) ^^äh. LöwcneaNSO 22 II. | o Zimmer | Möbl. Zimmei’l Nord ltnl., Ecke Tammitr. tRr.»«» V-Zim.-W. l.Tt.. I.Qkt.z.v.Nüb.R.-« .711 Elegant möbliertes Zimmer möglichst bald gesndit. Offerten unt. Schlichsad) 33 in (Rieften. 04?31 | 6 Zimmer In meinem Neabaa Llebig- atralv «ist noch die I. 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Jnni 1914, abends 8V 2 Uhr, im Postkeller 2lns;erordentlichc Älnsschttsjsiijung Tages-Ordnung: Beschlußfassung über die Dienst-Ordnung. Der Vorsitzende: 7072V Bolz. V llnlerdem Protektorat Sr. Kgl. Hoheit des Großherzogs von Hessen Z = iiiiiiiiiiiii«iirniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii — I In den Ausstellungs-Anlagen = = täglich von nachmittags 4 Uhr an: f§ ! Konzert! 6805C Fleisch-Abschlag! Prima Mastfteisch per Pfund 76 Pfg. ^ Blnt-u. Lebcrwurst „ „ 60 Pfg. 8 iowic Fleisch und Wnrtt zu billigsten Tagespreisen °d1e' Gieftener Fleischhalle, Mtorilf. 32 Jedes Quantum Wolle kauft und spinnt im Lohn 7100 Adam Kampf, Slrickgarnspinnerei, Erbach i. 0. Achtung! Achtung! orflctt Snmstan, 13.3uni, ertra nroßer bill. ^erfauf am Hotel Fclicnkcller in Gleiten: Neue Möhren. Blumenkohl, Spitikohl iWeibkohl!. Wirsingkohl, >1ohl radt. Gurken, Salatc.ErdbcctcnAttrschcn u.dergl. mehr. 7079 Klein aus Kein. 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